Anterhaltungsblatt des vorwärts Nr. 4. Sonnabend, den 6� Januars 1906 lNachdruck verboten.) 41 Schwärmer» Roman von Knut Hamsun. Autorisierte Nebersctzung von Hermann Kih. Er war sicherlich ganz verrückt. „Wenn Sie den Kopf still halten möchten, so käme ich besser vorwärts," sagte sie. „Ich soll Sie also nicht ansehen dürfen. Hören Sie, Olga, sind Sie verlobt?" Doch in dem Punkt war Olga nicht vorbereitet. Auch noch nicht so sonderlich alt und erfahren war sie, daß sie nicht dies und jenes hätte aus der Fassung bringen können. „Ich? Nein," war ihre ganze Antwort.„Ntin, glaub' ich, ist es ungefähr gut so. Nun muß ich's nur noch ein bißchen egal schneiden." Sie wollte ihm gut zureden, denn sie hatte ihn im Verdacht, daß er betrunken wäre. Aber Rolandsen war nicht betrunken, sondern nüchtern; cr hatte scharf gearbeitet die letzte Zeit, alle die fremden Waten- Mannschaften hatten dem Telegraphen viel Arbeit gemacht. „Nein, nur nicht aufhören," bat er;„scheren Sie mich noch einmal rings herum oder noch zweimal, dann sind Sie gut." Olga lachte: „Nein, das hat doch keinen Sinn." „Ei, Ihre Augen sind wie Zwillingssterne," sagte er. „Und Ihr Lächeln umsonnt mich so herrlich." Sie nahm ihm das Tuch fort lind bürstete ihn und sammelte die Haare vom Fußboden mif. Er warf sich nieder und half ihr dabei, ihre Hände trafen sich. Sie war ein junges Weib, ihr?ltem strömte ihm zu, und es durchrieselte ihn heiß. Er ergriff ihre Hand. Er bemerkte, daß ihr Kleid am Halse nur mit einer gewöhnlichen Stecknadel zusammen- geheftet war. Das sah recht ärmlich aus. „Nein— warum tun Sie das?" stammeltS sie. „Ich Hab' keinen Grund. Ja, das heißt, danken will ich Ihnen für Ihre Arbeit. Wäre ich nicht fest und unlöslich verlobt, ich verliebte mich in Sie." Sie erhob sich mit den Haaren in den Händen, er lag noch auf der Erde. „Sie verderbeil sich Ihre Kleider," sagte sie und ging zur Tür hinaus. Als der Küster hereinkam, mußte Rolandsen wieder munter sein, er zeigte seinen kahlen Kopf vor und zog den Hut über die Ohren herunter, damit man sehe, daß er ihm jetzt viel zu groß war. Plötzlich sah er auf die Uhr, sagte, er müsse aufs Bureau, und ging. Rolandsen ging in den Kramladen. Er bat, man möge ihm Busennadeln vorlegen und Broschen, und zwar zu den höchsten Preisen. Er wählte eine imitierte Kamee und bat um Stundung der Bezahlung. Die erhielt er nicht, er schuldete ohnehin schon genug. Da nahm er eine billige agat- ähnliche Glasnadel nud bezahlte sie mit seinen paar Schillingen. Und Rolandsen wanderte mit seinem Schatz von dannen. Das war gestern abend gewesen... Jetzt sitzt Rolandseil in seiner Kammer und kann nicht arbeiten. Er nimmt seinen Hut und geht vors Halls, um zu sehen, wer draußen im Wald an den Bäumen rüttelt. Er läuft direkt in den Rachen des Löwen: Jungfer van Loos ist es, die ihnl dies Zeichen gegeben hat lind jetzt dasteht und auf ihn wartet. Hätte er nur seine Neugier bezähmt! „Guten Tag!" sagte sie.„Wie Dil Dich ausstaffiert hast auf dem Kopfe!" „Ich pflege mir das Haar im Frühling schneiden zu lassen," erwiderte er. „Das Hab' ich im vorigen Jahr besorgt. Diesmal war ich nicht gut genug dazu." „Ich mag nicht mit Dir streiten," sagte er. „Nicht?" „Nein. Und Du hast nicht hier zu stehen und am ganzen Walde zu rütteln, daß alle Welt Dich sieht." „Und Du hast überhaupt heute nicht hier zu stehen und zu spaßen," sagte sie. „Du sollst ganz im Gegenteil unten am Wege stehen und mir zuwinken mit einem Oelzweig des Friedens," fuhr Rolandsen fort. „Hast Du Dir das Haar selbst geschnitten?" „Olga hat es getan." Ja, sie, die vielleicht einmal Friedrich Macks Weib würde, hatte ihm das Haar geschnitten. Er wollte das nicht geheim halten, im Gegenteil, ausposaunen wollte er es. „Olga, sagst Du?" „Was denn? Ihr Vater konnte doch nicht." „Tu treibst es noch so weit, daß eines Tages alles ent« zwei geht zwischen uns," sagte Jungfer van Loos. Eine Weile stand er und bedachte sich.„Vielleicht ist's auch das beste," gab er zur Zlntwort. Da rief sie:„Was sagst Du!" „Was ich sage? Du verlierst im Frühling total den Kopf, sage ich. Sieh mich an, merkt man mir im Frühling die geringste Unruhe an?" „Du bist dafür auch ein Mann," antwortete sie kurz« „Aber ich will mich nicht in das Getue mit Olga finden." „Ist das wahr, daß der Pfarrer reich ist?" fragte er. Jungfer van Loos wischte sich die Augen und war wieder praktisch und keck wie immer. „Reich? Ich glaube, er ist arm wie eine Kirchenmaus.* Eine Hoffnung versank für Rolandsen. „Du solltest seine Garderobe sehen," fuhr sie fort.„Und dann solltest Du die Garderobe der Frau sehen. Sie hat ein paar Unterröcke, die... Aber ein unvergleichlicher Pfarrer ist er. Hast Du ihn predigen hören?" „Nein." „Er predigt wie die besten Kanzelredner, die ich gehört habe," sagte Jungfer van Loos auf Bergensisch. „Bist Du dessen sicher, daß er nicht reich ist?" „Jedenfalls lvar er oben im Kramladen und hat sich Kredit geben lassen." Da verdunkelte sich für einen Moment die ganze Welt vor Rolandsens Blick, und er wollte gehen. „Gehst Tu?" fragte sie. „Ja, was willst Du eigentlich von mir?" Also so stand eS! Der neue Pfarrer hatte sie halbwegs wach gemacht, und sie hatte sich mit viel Sanftmut gewaffnet, doch ihre alte Natur brach wieder durch. „Eins will ich Dir sagen," eiferte sie,„Du treibst es zu weit." „Gut," sagte Rolandsen. „Du tust mir blutiges Unrecht." „Auch gut," sagte Rolandsen weiter. „Ich halt' es nicht aus, ich mache ein Ende mit Dir." Wieder besann sich Rolandsen. Er sagte: „Ich Hab' einmal gemeint, es sollte für immer sein. Andererseits bin ich nicht Gott, ich kann nicht helfen. Tu, was Du willst." „Das soll ein Wort sein," sagte sie hitzig. „Am ersten Abend hier im Walde warst Du nicht so gleichgültig. Ich küßte Dich und hörte nichts von Dir als einen kleinen lieblichen Schrei." „Ich habe gar nicht geschrien," protestierte sie. „Und ich liebte Dich mehr als das ganze Leben und dachte, Du würdest ein eigen, vornehm Ding für mich sein. Hmhm lala!" „Kümmer' Dich nicht um mich," sagte sie bitter;«abev wie wird es nun mit Dir werden?" „Mit mir? Weiß ich's. Was interessiert mich das.* „Denn das mußt Du Dir nicht einbilden, daß aus der Sache mit Olga etwas wird. Sie wird Friedrich Mack be- kommen." Ach so, dachte Rolandsen, alle Welt wußte es ja. Ge- dankenvoll fing er zu gehen an, und Jungfer van Loos folgte ihm. Sie kamen auf den Weg unten und gingen weiter. „Das kurze Haar steht Dir gut," sagte sie.„Aber wie schlecht es geschoren ist, gar nicht glatt geschoren." „Kannst Du mir dreihundert Taler leihen?" fragte er. „Dreihundert Taler?" „Auf sechs Monate.". „Ich würde sie Dir ja doch nicht leihen. Zwischen unS ist's vorbei." Er nickte und sagte:„Das soll ein Wort sein." Doch als sie an die Hecke des Pfarrhofes hinunter- gekommen waren, wo Rolandsen umkehren mußte, sagte sie: „Leider habe ich keine dreihundert Taler für Dich: leb' wohl auf baldiges Wiedersehen." Als sie ein paar Schritte weit gegangen war, drehte sie sich noch einmal um und fragte: „Hast Du nicht noch mehr Wäsche, die ich Dir zeichnen soll?" „Wieso?" antwortete er.„Seit damals Hab' ich nichts Neues bekommen." Sie ging. Rolandsen fühlte eine Erleichterung und Höchte:„Möchte es also das letzte Mal gewesen sein!" Am Heckenpfahl war ein Plakat angeschlagen, und Rolandsen las es, es war Handelsherr Macks Plakat: Vier- hundert Speziestaler für Aufklärung des Diebstahls. Sogar dein Diebe selbst sollte die Belohnung zufallen, wenn er sich stellte. „Vierhundert Speziestaler!" dachte Rolandsen. 5. Nein, die neuen Pfarrersleute waren nicht reich, sie waren eher alles andere als reich. Es war nur die arme, junge Frau, die von Hause so gedankenlose Patriziergewohnheiten mitgebracht hatte und so reichliche Dienerschaft haben wollte. Sie hatte denn auch selbst nichts zu tun, es waren keine Kinder im Hause, und Wirtschaften hatte sie nie gelernt, und so ver- fiel der kleine Kindskopf auf allerlei drollige Narrenpossen. Ein liebes, prächtiges Hauskreuz, das war sie. Du großer Gott, wie unverdrossen hatte der gute Pfarrer diesen komischen Kampf mit seiner Frau durchgefochten, um ihr ein bißchen Ordnung beizubringen, ein bißchen Umsicht. Vier Jahre lang hatte er vergebens mit ihr gearbeitet. Er las Fäden und Papiere von den Fußböden auf, setzte jedes Ding an seinen Platz, schloß die Türe hinter ihr, sah nach den Oefen und schraubte an den Ventilen. Wenn die Frau aus- ging, untenrahm er einen Rundgang durch alle Räume, um zu sehen, in welchem Zustande sie sie hinterlassen hatte: da lagen Haarnadeln hier und Haarnadeln dort, die Kämme waren voller Haare, Taschentücher trieben sich irr allen Ecken umher, und die Stühle waren mit Kleidungsstücken bepackt. Der Pfarrer härmte sich und schaffte Ordnung. In seinen Junggesellentagen, als er in einer erbärmlichen Bude gehaust hatte, war er weniger heimatlos gewesen als jetzt. Anfangs wirkte sein Bitten und Schelten, seine Frau er- kannte, daß er recht hatte, und versprach, sich zu bessern. Dann konnte sie früh am nächsten Morgen aufstehen und anfangen, Ordnung zu schaffen von oben bis unten: des Lebens Ernst hatte an dieses Kind gerührt und es geschüttelt: es sollte jetzt erwachsen sein, und das Kind war es bis zur Uebertreibung. Gleich darauf aber erlahmte sie wieder, und ein paar Tage später war das Haus in demselben Zustande wie vorher. � Sie wunderte sich nicht im geringsten darüber, daß es nun wieder überall unordentlich aussah, sie war im Gegenteil erstaunt, wenn ihr Mann wieder anfing, ihr sein ewiges Mißfallen zu äußern.„Ich habe diese Schale umgestoßen und zerschlagen, sie kostet nicht viel." sagte sie.„Aber die Scherben liegen seit heute morgen da," antwortete er. Eines Tages kam die Frau und erzählte, das Dienst- Mädchen Oline müsse fort: das Dienstmädchen Oline hätte es gerügt, daß die Frau Pfarrer alle möglicher: Sachen aus der Küche entnehme und sie liegen lasse, wo sie sie zuletzt ge- braucht habe. (Fortsetzung folgt.) (Nachdruck verboten.) VorlicKr. Von H. d e la Roogue. Autorisierte Uebersetzung cuis dem Französischen von Dr. I o s e p h s o h n. I. Das Ankleidezimmer von Herrn Dupignoir. Zehn Uhr früh. Herr Dupignon ist mit seiner Toilette beschäftigt. Seine Gattin, Juliette Dupignon, hängt— natürlich nur bildlich!— an seinen Lippen, um jede seiner Anordnungen sofort zur Ausführung zu bringen. Dupignon:„Wieviel Uhr ist eS 1" I u l i e t t e:„Fünf Minuten nach zehn." Dupignon:„Genau?" Juliette:„Zehn Uhr 4 Minuten 33 Sekunden. Du hast Hoch reichlich Zeit." Dupignon:„Nicht soviel wie Du glaubst. Besonders mit solch' einem Idioten wie unsere Augustine...(schreit): Augustinel Wo bleibt mein warmes Wasser?" A u g u st i n e(mit dem Kessel in der Hand vortretend):„Hier. gnädiger Herr l" Dupignon:„Hat es auch ordentlich gekocht?" August ine:„Der gnädige Herr braucht nur die Nasenspitze hineinzutauchen." Dupignon:„Lassen Sie Ihre abgeschmackten Scherze! ... Nichts ist gefährlicher, als das Gesicht mit kaltem oder lauem Wasser,.. kurz mit Wasser, das nicht gekocht hat, zu waschen." A u g u st i n e:„Weshalb?" Dupignon:„Wegen der Bazillen. Kochendes Wasser tötet sie. Dann kann man davon einatnien so viel man will, ohne be-- fürchten zu müssen, sich mit Typhus oder irgend einer anderen schrecklichen Krankheit zu infizieren. Haben Sie verstanden?" Augustine:„Nein, gnädiger Herr." Dupignon:„Ist auch nicht nötig. Gehen Sie jetzt l... Juliette, nähe mir einen Knopf an die Weste!" Juliette:„Gern, mein Freund."(Sie stürzt sich auf die Weste und beginnt zu nähen. Inzwischen hat Dupignon das Wasser in die Schale gegossen und sein Gesicht hastig hineingesteckt.) Dupignon:„Aaahl... Ooohl"... Juliette:„Was hast Du denn?" Dupignon:„Ich habe mich verbrüht I" Juliette:„Wahrhaftig I... Du Acrmster l... Du siehst ja aus wie ein gesottener Krebs!" Dupignon:„Schnell I Oel I Bestreiche mir das Gesicht mit Oel l... Die garstigen Bazillen soll der Teufel holen! Wenn ich nicht gezrvungen wäre, beständig vor ihnen auf der Hut zu sein. würde ich mich nicht verbrannt haben!" Juliette:„Freilich... aber die Antiseptik vor allem I" II. Auf der Straße. Dupignon winkt einer Droschke. Dupignon:„Kutscher I... Heda, lieber Freund l" Der Kutscher hält. Dupignon und Juliette steigen ein und setzen sich. Juliette:„Findest Du nicht, daß es hier im Wagen so merkwürdig riecht?" Dupignon:„Ja... Zum Teufel! Ich weiß, wonach eS riecht I" Juliette:„Nun, wonach denn!" Dupignon:„Nach Mikroben!" Juliette(erschreckt):„Nach was für welchen?" Dupignon:„Nach gefährlichen Mikroben!... Warte mal, ich öffne..." Juliette:„Doch nur das rechte Fenster?" Dupignon:„Nein, auch das linke. Frische Luft ist daS Haupterfordernis, um diese ekelhaften Mikroben zu vertreiben i" Juliette:„Aber wir sitzen ja im schönsten Zugwind!" Dupignon:„Ganz egal! Vor allen Dingen müssen wir uns von den Mikroben befteien." Juliette(niesend):„Aber draußen ist eine Hundekälte.. Dupignon:„Ausgezeichnet! Um so leichter ist der Kampf gegen die Mikroben." Juliette:„Ich werde mir vielleicht den Tod dabei holen I" Dupignon:„Besser, sich vielleicht den Tod holen, alS Mikroben, welche einem ganz sicher den Tod geben I" Juliette:„Ich begreife nicht—" Dupignon:„Aber ich begreife!...(niesend) Meine Er- kältung habe ich weg. Aber ganz gleich— die Antiseptik, verstehst Du, vor allem!" m. Boulevard des Italiens. Nachdem sie ihre Besorgmigen ge- macht haben, kehren Herr und Madame Dupignon Arm in Arm nach Hause zurück. Juliette:„Welch reizende Promenade I Der Himmel ist blau, die Blätter find grün... Alles daS versetzt einen in rosige Laune..." Dupignon:„In der That, Paris ist ein- ganz nette Stadt." Juliette:„Sag': eine einzige Stadt l" Dupignon:„Und man würde mit Vergnügen darin wohnen, wenn man nur atmen könnte!" Juliette:„Du kannst nicht-atmen? Wer hindert Dich daran?" Dupignon:„Die Bazillen!" Juliette:„Schon wieder?" Dupignon:„Wenn Du diese Frage wie ich studiert hättest, würdest Du wissen, welch' zahllose Gefahren unserem Körper von jenen kleinen Lebewesen drohen. Man kann gar nicht vorsichtig genug sein! Wenn ich zum Beispiel spazieren gehe, bemühe ich mich, fo wenig wie möglich zu atmen." Juliette:'„Dann kann das Spazierengehen wohl kaum Vergnügen bereiten." Dupignon:„Nein. Aber ich muß mich erhalten für mein Vaterland, für Dich, für die Kinder, die wir vielleicht noch haben werden, für mich... Wir gehen in diesem Moment gerade an einem Straßenkehrer vorüber�: Du siehst, ich halte den Atem an." Pause. DupianonS Physiognomie berändert sich. Seine Wangen blähen sich auf. Seine Augen drohen ihre Höhlen zu verlassen. Juliette(erschreckt):„Theophile, Du bist ja ganz rotl" Dupignon(nickt schweigend mit dem Kopf.) Juliette:.. Theophile, Du bist ja schon blau l Um Gottes- willen I Atme, Liebster, atme 1" Dichignon läuft voraus, um sich der von dein Straßenkehrer aufgewirbelten Staubwolke zu entziehen. Dupignon(erstickt):»Juliette I" Juliette:»Was, Liebster?" Dupignon:„Ich kann nicht mehr l" Juliette:„Ich glaub's schon.... Du hast ja fast zwei Minuten den Atem angehalten I" Dupignon(keuchend):„Mußte ich. Oder hätte ich lieber tausende von Bazillen eiuatmen sollen, die in mir die Keime der schrecklichsten Krankheiten entfaltet haben würden 1" Juliette:„Ja, aber ich habe sie doch eingeattnet?" Dupignon:„Umso schlimmer für Dichl... Pasj' mal auf, ob Du Dir nicht irgendeine tätliche Krankheit geholt hast! Wenn ich eines schönen Tages Witwer sein werde, wirst Du an meine Worte denken, daß man im Leben nie vorsichtig genug sein kann I Das heißt... nämlich... ich... Gott! wie wird mir denn mit einmal?" Juliette:„Du wankest I" Dupignon:„Ja... ein Schwindel... Juliette. halte mich!" Juliette:„Himmel I Mit Deiner übergroßen Vorsicht wirst Du noch mal einen Schlaganfall kriegen l" Dupignon(öffnet mit zitternden Händen Krawatte und Kragen):„Möglich! Aber ich werde mit dem tröstlichen Bewußtsein sterben, daß ich stets die Regeln der Antiseptik hochgehalten habe!" Er bleibt eine halbe Stunde erschöpft auf einer Bank sitzen, in- dem er gleich einem Fisch auf dem Trockenen von Zeit zu Zeit den Mund ösfnet. IV. Eine Stunde später. Dupignon hat sich vollständig erholt. Seine Wangen haben ihre rosige Farbe, sein Herz den normalen Rhythmus wiedererhalten. Juliette:„Nun, Schatz, geht's besser?" Dupignon'„Ja... Aber ich habe einen Durst!" Juliette:»Willst Du nicht ein Glas Bier trinken?" Dupignon:„Um keinen Preis I... Das Bier in den öffentlichen Lokalen repräsentiert Neinkulturen von Bakterien. Sie schänken eS in schlechtgereinigte Gläser ein, sie berühren es mit ihren unsauberen Händen I" Juliette:„Aber wenn Du doch vor Durst vergehst?" Dupignon:»In der Tat, mir ist der Mund wie aus- getrocknet!" Juliette:„Na also!" Dupignon:„Nun, ich werde einmal gehörig ausspucken." Juliette:„Tu' das, Liebchen 1" Dupignon:„Aber nicht anfs Trottoir. DaS ist verboten." Juliette:«Warum?" Dupignon:»Wegen der Bakterien. Der Polizeipräfekt hat befohlen, man soll auf den Fahrdamm spucken." Er spuckt in weitem Bogen aus und trifft einen elegant gekleideten Herrn, der gerade vorüberfährt. Der Herr(wütend):»Solch eine Schweinerei! Idiot!" Dupignon(wie vom Donner gerührt):„Der Minister, der mir die akademischen Palmen geben sollte!" Juliette:„Das ist ja heute ein wahrer Unglückstag!" Dupignon:»Allerdings, aber— die Antiseptik, verstehst Du, vor allem!" Liemes feiaUeton. er. Das neue Kleid.„Gnädige Frau kämen gleich," sagte die Zofe,„die Herrschaften möchten nur immer im Salon Platz nehmen, gnädige Frau sei bloß bei der Anprobe, die Schneiderin müßte aber gleich ferttg sein und gehen." Die„Herrschaften" ließen sich mit einer herablassenden Kopf- bewegung in die weichen tiefen Polstersessel fallen. Frau v. Burg saß steif, kcrzengrade, ohne sich zu rühren, ihre Schwester trommelte in leichter Nervosität auf dem Tisch und tuschelte hinter der vor- gehalteneu Muffe:»Anprobe? Schon wieder mal? DaS ist ja unglaublich. Was mag sie sich denn schon wieder machen lassen?" „Wahrscheinlich ein neues Kleid." „Wahrscheinlich!" Die andere lachte höhnisch.„Na ja, sie hat ja auch nichts anzuziehen I Daß Vetter Erich daS duldet ist unerhört!" »Hat der überhaitpt waS zu dulden? Der kann ja froh fein, wenn er geduldet wird." „Ja, das Schaf!" Die Schwester trommelte noch etwas nervöser auf dem Tisch herum. „Ich möchte aber auch wissen, was sie sich eigentlich machen läßt, sie hat doch ivohl'n halbes Dutzend Kleider für jede passende und unpassende Gelegenheit." „Nun, lvir werden ja hören, sie kommt." „Jawohl, da war' sie ja! Wir haben Dich doch nicht gestört, liebe Alma?" Frau v. Burg ging ihrer eintretenden Eousine mit einem b� zaubernden Lächeln entgegen. „Aber belvahre, wie ich mich freue. Euch zu sehen l" Frm« Alm- schüttelte ihnen die Hände.„Warum habt Ihr nicht gleich abgelegt? Wir trinken doch Kaffee zusammen?" „Nein, nein, auf keinen Fall; wir Ivollten nur auf ein Viertel» stündchen vorsprechen, wir haben gar keine Zeit." „Dann müßt Ihr aber wenigstens ein Glas Wein trinken." Frau Alma drückte auf die Glocke und das Mädchen brachte Kakes und eine Flasche Bordeaux. „Und Du hattest Anprobe?" fragte Frau v. Burg.„Was wird es denn Schönes?" „Nun, ein Gesellschaftskleid," lachte Frau Alma,„eins für nächsten Mittwoch. Da haben doch Geheimrat Bergers Souper." „Ach ja, richtig, das kommt ja auch noch." Frau v. Burg tippte sich mit dem Finger gegen die Stirn. „Ich seid doch auch da?" fragte Frau Alma. Frau v. Burg seufzte etwas.„Wir werden tvohl müssen, aber sonst im allgemeinen, weißt Du, viel Lust habe ich nicht. Immer diese Einladungen, man kommt ja gar nicht mehr zu sich selber: Juristenball, Alpenfest, Diner bei Mühlers. Basar für die Kinder- krippen, ivieder Ball, das Souper am Mitttooch, Kostümfest, na, ich sage, ich komme keine Nacht vor vier zu Bett." „Nun. wir auch nicht," lachte Frau Alma.„Dafür ist Saison." „Und eigentlich ist es doch amüsant," fügte die Schwester hinzu. „Man taumelt so von einem Vergnügen ins andere. Ich liebe die Saison." „Na, ich auch I" Frau Alma kicherte vergnügt.„Es ist die amüsanteste Jahreszeit. Und wenn man nachts aufbleibt, schläft man am Tage aus. Ich bin heute erst um zioöls ausgestanden." „Wir trinken auch alle Morgen unsere Schokolade im Bett," erzählte Frau v. Burg. „Du hast uns aber noch immer nicht gesagt, was Du Dir nun eigentlich arbeiten läßt," warf die Schwester ein. »Nun, was werde ich mir denn arbeiten lassen? Ein hellblaues Tuchkleid mit Spitzen besetzt. Es wird sehr was Kompliziertes, aber sehr elegant." „Ja, das glaube ich." Frau v. Burg nickte.„Ich denke aber, Du wolltest das schwarze Sammetkleid anziehen?" „Ja, das wollte ich ja erst; ich habe es mir aber doch anders überlegt, ich habe das schwarze schon zweimal angehabt. Na, und da bin ich vorgestern einfach zu meinem Lieseranten gefahren und habe mir das blaue bestellt." „Vorgestern erst?" Die beiden Damen riefen eS wie aus einem Munde. „Ja, vorgestern. Was ist denn dabei?" „Und das bekommst Du bis Mittwoch?" „Ich habe es sogar schon zu Montag bestellt, weil ich mein« Sachen gern früher im Hause habe. Wenn nicht pünktlich geliefert wird, nehme ich das Kleid nicht, das ist ihm von vornherein gesagt worden." „Schließlich sind ja auch noch drei Tage Zeit bis dahin," meinte Frau v. Burg. „Aber der eine ist ein Sonntag," warf die Schwester ein,„und der Mann hat doch auch noch mehr zn tun." „Ob er das hat I Er ist ja der begehrteste Schneider!" Frau Alma lachte.„Na, er hat ja seine Schneidermädchen, die laß nur nähen, die müssen auch am Sonntag arbeiten." „Ich möchte aber trotzdem wissen, wie sie das ferttg bringen. Sie haben ja doch schon genug zu tun, und mm noch ein elegantes Kleid in vier Tagen!" »Nun, sie arbeiten die Nächte durch," meinte Frau Alma oben» hin.„Die Probiermamsell erzählte mir eben, sie kämen fast kein« Nacht zu Bett." „Ja. das ist ja gerade wie bei uns," lachte Frau v. Burg. „Nicht wahr? Das Hab' ich dem Fräulein auch gesagt," kichert« Frau Alma.„Wir tanzen und die nähen! Ja, ja, die Saison l Darf ich Euch noch einmal Wein eingießen?"— Ans dem Tierlebe». ttt. Ueber die Verbreitungsart der Trichinen» embryonen im m e n s ch I i ch e n K ö r p e r gingen, seit der Entdeckung dieser gefahrbringenden Parasiten im Jahre 1832 durch den englischen Forscher Hilton, die Ansichten der Naturforscher und Aerzte weit auseinander. Bekanntlich unterscheidet man zwei verschiedene Entwickelungsformen der Trichinen: die geschlechtsreife Darmttichine und die in einem Ruhezustande befindliche eingekapselte Muskeltrichine. Die Muskeltrichine findet sich in den Muskeln von Schweinen, Watten, Mäusen Hunden, Kaninchen und vor allem auch beim Menschen und liegt hier in einer ovalen, zitronen förmigen Kapsel von 3,5 bis 3,6 Millimeter Länge eingeschlossen. Ein geübter Beobachter vermag also diese weißlichen Kapseln gerade nock mit bloßem Auge zu erkenneil. Betrachtet man eine solche Kapsel unter denr Mikroskop, so erblickt man darin einen kleinen einen Millimeter langeil spiralig ausgerollten Wurm, die Muskeltrichine. Das Tier unterscheidet sich von der Darm- trichine nur dadurch, daß seine Geschlechtsorgane noch ganz schwach entwickelt sind Zur Erlaiiguug� der Geschlechts- reife muh nun die Muskeltrichine erst in den Darmkana» eines anderen WeichttcreS gelangen, was beispielSIveise dadurch geschieht, daß ein Mensch trichinöses Schweinefleisch roh oder nicht genügend gekocht ißt. Durch die Einwirkungen des Magensaftes werde» die Kapseln verdaut, die Trichinen werden frei und wandern in den Dann. Hier wachsen die Tiere erheblich heran und erlangen bereits nach wenigen Tagen die Geschlechtsreise. Nach der Be- fruchiung dringt jetzt daS Weibchen in die oberflächliche Schicht der Dannzotten ein und bringt hier im Laufe eines Monats etwa 1V 000 lebende Junge zur Welt. Nach Ablage der jungen Brut sterben die Mnttertrichinen bald ab. Es bildete nun bis heute immer einen Streitpunkt, auf welche Weise die neugeborenen Trichinen an ihren Bestimmungsort, die Muskulatur, gelangten. Während die eine Richtung annahm, daß die Embryonen s e l b st ä n d i g durch das Bindegewebe zu den Muskeln wanderten, behaupteten andere ebenso bestimmt, die Verbreitung geschähe passiv vermittelst des BlntstromeS. Nack dieser letzteren Anschauung dringen also die jungen Trichinen gleich nach ihrer Geburt in die Lymphgefäße des Darmes ein, gelangen von hier aus in die Blutgefäße und werden nun durch den Blutstrom bis zu den feinsten Ver- zweigmigen der Adern, den sogenannten Capillaren getragen, von wo aus sie unmittelbar in die Muskulatur eindringen. Ein schwer- wiegender Einwand gegen die Lehre von der Verbreitung der Embryonen durch den Blutstrom war der Umstand, daß es bisher fast niemals gelungen war, Trichinen im kreisenden Blute nachzu- weisen. ES ist' nun das Verdienst von Stäubli, in einer kürzlich erschienenen Arbeit durch ganz einwandfreie Experimente den jahrzehntelangen Streit zugunsten der Blut- Verbreitungstheorie entschieden zu haben. Die früheren Untersucher begnügten sich damit, das Vlut erkrankter Tiere direkt unter dein Mikroskop zu untersuchen, und dieses ist wohl allein der Grund, daß die Ergebnisse immer negativ ausfielen. Denn nähmen wir auch an, es kreisten gleichzeitig viele Hunderte dieser winzigen Embryonen im Blute, so verteilt sich diese Zahl selbst bei einem so kleinen Tiere wie einem Kaninchen oder Meer- schweinchen doch auf etwa 30 bis 40 Kubikzentimeter Blut- flüssigkeit. Vergegenwärtigen tvir uns nun, daß in einem Kubik- Millimeter Blut mehr als 4 000 000 rote Blutkörperchen enthalten sind und daß die Trichinenembryonen nach der Geburt nickt einmal die Größe eines Blutkörperchens besitzen, so ist es klar, daß nur ein günstiger Zufall einem diese winzigen Eindringlinge finden lassen kann. Von dieser Erwägung ausgehend, entnahm Stäubli in der Narkose einem erkrankten Meerschweinchen direkt aus dem Herzen eine größere Menge Blut und vermischte diese? mit drei Prozent Essigsäure. Hierdurch werden die roten Blut- körperchen zerstört und eine Gerinnung verhindert. Das derart vorbehandelte Blut wurde nun in eine sogenannte Zentrifuge gebracht seinem ähnlichen Apparat, wie er zum Aus- schleudern des Honigs oder in größeren Meiereien zur Butter- bereilung Verwendung findet) und längere Zeit ausgesckleudcrt. Es entstand dadurch dann ein Bodensatz, der fast ausschließlich aus weißen Blutkörperchen und den solange vergeblich gesuchten Trichinenenckryonen bestand. Damit war also der Beweis ge- liefert, daß in der Tat der Blntstrom der Verbreitungsweg der Trichinen ist.— Meteorologisches. ge. Die Temperatur um kehr im Winter. Seitdein das aeronautische Institut, jetzt in Lindenberg, tägliche Drachen- oder Ballonaufstiege veranstaltet, werden die von den registrierten Instrumenten verzeichneten Temperaturen, Feuchtigkeitszustände?c. in höheren Luftschichten auch einem breiteren Publikum durch Druck zugänglich gemacht, und dabei werden auch gelegentlich merkwürdige Ilmstände diesem weiteren Leserkreise bekannt, die bisher nur von Meteorologen gekannt Ivaren. Dazu gehört vor allen Dingen die interessante Temperaturumkehr im Winter. Im allgemeinen nimmt die Temperatur ab, je höher über den Spiegel de» Meeres man sich erhebt; aus hohen Bergen liegt auch im schönsten Sommer Schnee und. Eis und die Vegetation nimmt auch in Tropengegenden einen mehr polaren Charakter an je höher im Gebirge die Pflanzen wachsen i so kann man bei gewissen Bergen beim allmählichen Aufstieg förmlich ein senk- rechtes Abbild der VegetationSrcihen beobachten, wie sie sonst in horizontaler Aufeinanderfolge vom Aequator nach dem hohen Norden einander ablösen. Die Ursache davon ist, daß unsere Atmosphäre einen schlechten Wärmeleiter bildet und die uns von der Sonne zu- gestrahlte Wärme hindert, in den Weltenraum hinauszustrahlen; je weiter man sich nach oben bewegt, einen um so dünneren Luft- mantcl hat man nur noch über sich, und um so leichter kann natürlich auch die Wärme weggehen, so daß eben deshalb die Temperatur mit der Höhe abnimmt. Eine Ausnahme von dieser Regel haben lvir nun im Winter dann, wenn auf der Erdoberfläche infolge der tiefen Temperatur Eis liegt. Dieser Zustand herrschte z. B. am Mittwoch, den 3. Januar. Am genannten Tage lag die Temperatur in Berlin noch mittags 2 Uhr, also wenn sie ihren höchsten Stand erreicht, unter dem Gefrierpunkt, und die Eisbahnen waren ja auch im schönsten' Betrieb. Am gleichen Tage verzeichnet nun daS aeronautische Observatorium als Ergebnis des von 8— lO'/z Uhr vormittags statt- gehabten DrachcnaufstiegS: In dieser Zeit betrug die Temperatur in der Station selbst, zu ebener Erde ldie Station liegt auf einem Hügel, 122 Meter über dem Meeresspiegel)— i2ll3 Grad Celsius; in der Höhe von 500 Meter nur noch— 2,1 Grad Celsius, in 1000 Meter hatte sie sich über den Gefrierpunkt erhoben und betrug-j- 1,1 Grad Celsius, in 1500 Meter Höhe gar-1-2,9 Grad, um erst von da an allmählich wieder abzunehmen: bei 2000 Meter Höhe wurde-j- 1,1 Grad verzeichnet, in 2470 Meter, dem höchsten allf diesem Drachenaufstieg erreichten Punkt,— 0,7 Grad C. Solche Erscheinungen mögen dem aufmerksamen Laien auffallen, den Fachleuten sind sie schon so bekannt und gewohnt, daß auch ihre Gründe festgestellt werden konnten. Die unmittelbar über der Erde liegende und sie berührende Luftschicht nimmt von dem Eis, auf dem sie gelagert ist, eine sehr tiefe Temperatur cur, und zwar eine beträchtlich tiefere, als ihr nach den EinstrahlungS- und AusstrahlungS- verhältuiffen der Atmosphäre zur gleichen Zeit eigentlich zukäme. Infolge der schlechten Wärmeleitfähigkeit der Luft dringt weder diese tiefe Temperatur der unteren Schichten nach oben, noch die höhere der oberen Schichten nach unten, und die Folge ist eben die Er- scheinung, daß es unten kälter ist als oben. Es bedarf, um eine merkliche Temperaturumkehr festzustellen, nicht einmal der Höhen- unterschiede von mehreren hundert Metern; auf dem Dache des meteorologischen Instituts auf dem Telegraphenberge bei Potsdam, etwa 80 Meter über dem Erdboden, hat man in Winterszeit schon Temperaturen gemessen, die 5 Grad und mehr über der des Gartens waren.— Humoristisches. — Uebertriebene Aengstlichkeit. Herr Sekretär Schnill war bei einem Kollegen zu Tische geladen.„Na, was gab's denn?" fragt ihn tags darauf ein Bekannter.„Ach," antwortet Schnill,„Braten mit Schwämmen I... Von den Schwämmen Hab' ich mich natürlich nicht getraut zu essen— der Herr Kollege hatte sie selber gesucht, und ich bin ein V o r m a n n von ihm!"— — Ein guter Kerl. Buchhalter:„... Wenn Sie sich nicht augenblicklich entfernen, ruf' ich einen Dienstmann, der Sie hinauswirft I" Hausierer:„Ach, dann seien Sie aber so(jut und nehmen Sie den von der Ecke der Nebenstraße— der ist mit mir verwandt und hat'ne große Familie!"— („Fliegende Blätter".) Notizen. — Ein Rückgang des t e ch n i s ch e n S t u d i u m S ist in diesem Winterhalbjahr auf sämtlichen technischen Hochschulen Deutschlands festgestelllt worden. Die Zahl der eigentlichen Studierenden ist in Hannover um 107, in Stuttgart um 37, in Braunschweig um 37 zurückgegangen. Die Gasthörer haben nur in Berlin um 21 und in Stuttgart um 19 zugenommen.— — G o r ki S Drama„Kinder der Sonne" wird noch im Laufe dieses Monats im Kleinen Theater in Szene gehen.— — Felix Mottl wird bei den diesjährigen Bayreuther Fest- spielen den„Tristan" dirigieren.— — Der Termin für die Konkurrenz auf das beste Opern- l i b r e t t o, für die Sonzogno Preise von 25 000 und 10 000 Lire ausgesetzt hat, ist dieser Tage abgelaufen. Es sind im ganzen 555 Arbeiten eingegangen. Zu Preisrichtern wurden ernannt: Giacosa, Orvieto, Rövetta, Stacchetti und Arigo Boito.— — Jit den Ateliers der S ch ü l e r w e r k st ä t t e n für Klein- p l a st i k, IV. 30, LandShuterstr. 33. findet im Januar ein Vortragszyklus mit Demonstrationen, Ausstellungen und Licht- bildcrn statt. Es werden sprechen: Bildhauer Albert Reimnnn über „Das Kunsthandwerk im Lichte unserer Zeit und seine Techniken" (9. und 23. Januar), Professor Dr. Reinh. Freiherr v. Lichtenberg über„Kleidung, Haartracht und Schmuck der Frau im Altertum" (15. und 29. Januar), Dr. Ernst Jaffa über„Geschichte und Technik der Gläser und der Feinkerainik"(17. und 31. Jaimar). Das Ho- norar für den ganzen Zyklus beträgt 5 M.— — Zur Bekämpfung der Krankheiten, die bei land« wirtschaftlichen, gärtnerischen und forstlichen Kulturpflanzen auftreten und von ivirtschaftlicher Bedeutung sind, soll fik das Gebiet des preußischen Staates eine besondere Organisation ins Leben gerufen werden. Sie soll den Land- und Forstwirt- schaftcn im weitesten Maße es ermöglichen, über das Auftreten solcher Krankheiten und über Mittel und Wege zu ihrer Bekämpfung sich rechtzeitig zu unterrichten. Die Organisation soll sich in Haupt- sammelstellen, Sammelstellen und Sammler gliedern.� Die Be- obachtungen werden alsdann jährlich von der biologischen Anstalt für Land- und Forstwirtschaft in Dahlem bei Steglitz in einem zujammenfassenden Berichte statistisch verarbeitet werden. Für das Gebiet des Staates ist je ein besonderer Beobachtungsdienst: a) für die Krankheiten an Kulturpflanzen der Landwirtschaft und des Gartenbaues mit 12 Hauptsammelstellen unh b) für die Krankheit an Kulturpflanzen der Forstlvirtschaft mit 2 Hauptsammelstellcn herzustellen.— Verantwortl. Redakteur: Hans Weber, Berlin.— Druck u. Verlag: VorwärtSBuchdruckerei u.VcrlagsanstaltPaulSuigeräcCo.,BerIiuLW.