Ar. 276. 16. Jahrg. gtbemwintnls-feainflnnütB; �Hr�THf � M M--»«-.«-»»- llbonnen.-nIS- Preis pränumerando: W W �«I» WZ j/ WWW?■■( �ML.// b-tr-gt sür di° s°ch,g-sp°ll-n- Kolon-I. Vierleljährl. SLV Ml., monatl. l.wMl., WS IS» Ml W IM»< Ml Wj DL Mß // IM M>!??//»eile oder d-r-n Raum 4a Psg., litt lvöcheullich LS Psg. frei ins Haus. IrStU I IM �M M) DD M> DD WD Mi DD»M» DD WD A/ politische und gewerlschaflltche Vereins- Zinzclne Nummer S Pfg. Sonntag». �KMD j?-MD M DD DD Mi DD DD DD■ RR DD Mi I und VersammlungZ- Anzeigen 20 Pfg. Ziummer mit iliulirtcrier Sonntag». ISSl 1 DD DD K9 Dg DD WW DD JOggjuOlW'/„Kleine Zinseigen" jedes Wort 5 Psg. Leilage„Tie Neue Welt" 10 Psg. Post- 3781 M■ H ÄV W\ H(nur daSerste Wort fett) Sn'-ralesu- .donuemenn�ar-pro-inarta-. S MM W> M. Xl ÄsÄÄaTgÄ Eingetragen in der Post- Zettungz. V //_ M werden. Die Srpcdttion ist an Wochen- PreiSlisle sür löSS unter Qr. 7020»>>._ tagen 618 7 Uhr abend», an Sonn- und Unter Kreuzband für Deutschland und--OOf( � Fesitagen bt» ö Uhr vormittag» gevssnet. Oesterreich-Ungarn 2 Marl, sür da»— X. 9* J_.—__.... .---zZ V* t**."""■sr.Ä.lfe ,50a' ..m,w u»», Centralorgan der socialdemokratischen Uartei Deutschlands. Redaktion:&W. 19, Veuth-Strasze 2. Solinabend, den ÄS. November Expedition: 3�V. 19, Veuth-Steasze 3. .Die Vernichtung der Macht und des Ansehens der staatlichen Exekutive, die Zerstörung der bestehenden staatlichen und socialen Gliederung, die Untergrabung jeder Autorität und damit vor allen Dingen der monarchischen Struktur unseres Staatswesens— das sind die Ziele der socialdcmokratifcheu Agitation. Alle Vorstellungen und Znknnftsbilder socialdcmokrntischer Autoren, alle gesetzgeberischen Vorschläge socialdcmokratischer Politiker bewegen' sich in dieser Richtung. „Dah die Socialdemokratie cö gerade jetzt wagt, ihr Antlitz so völlig nnverhiillt zu zeigen, ist ein Beiveis dafür, wie nahe sie die Zeit ihres Sieges gekommen glaubt. In dieser ihrer An- nähme des baldigen Sieges ihrer Ideen im Deutschen Reiche ist sie indessen einem für sie verhängnisvollen Irrtum verfallen. Denn nicht einzelne Bcschliissc wechselnder parlamentarischer Mehrheiten sind bestimmend für die endgültige Ge- staltnng der Geschicke eines Volkes, sondern das Maß der sittlichen Kraft und der politischen Einsicht, welche sich bei diesem Volke und seinen führende» Geistern finden. Diese Kraft und Einsicht mögen in den Kämpfen des Tages vorüber- gehend getrübt sein; unfehlbar aber machen sie sich geltend, tvcnn in entscheidungsschiverer Stunde die Erhaltung der höchsten Güter der Nation in Frage steht. „Nahezu drei Jahrzehnte sind dahingegangen, seit unter Prensiens Führung ans den Schlachtfeldern Frankreichs die staat- lichc Einigung unseres Volkes sich vollzog. Diese Errungenschaft einer grosien Zeit und ihrer gewaltigen Zeugen war vorbereitet in den kanipfdurchwühltcn Jahrhunderten, in deren Verlauf sich Prcngen aus einer kleinen, armen und oft vergessenen Grenzmark zur führenden deutschen Groszmacht enttvickelte. Von Jahrhundert zu Jahrhundert haben das Volk n»d die Fürsten der Mark Brandenlnirg an der Grcnzscheide deutschen Lebens unter endlosen Kämpfen und Leiden sich das Recht zu eigenem politischcit Leben immer wieder von neuem gewinnen müssen. Oft gcnng schien eS, als wäre die Lebensfähigkeit der arinen versandeten Mark auf immer gebrochen. Aber stets wieder sind ihre grossen Staatsinänner, Fürsten und Heerkönige erstniiden, die als Rächer. Erretter und Führer das im Ungliick gehärtete Volk der Mark emporgehoben haben zu lichter Höhe. Und Branden- bnrg.Prcuhcn konnte endlich zur starken Vonnacht des Deutschen Reiches werden, das linumehr unter der Schirmbcrrschast der Hohenzollernkaiser gefürchtet und fricdciilfrbictcnd dasteht im Rate der Völker.* Man wird nicht ahnen, aus welchem Anlaß diese Scdans- fcstrede eines Kriegervercins-Vorsitzenden an dieser Stelle und in diesem Augenblick abgedruckt ivird. Unsere Anträge zur Sicherung der Koalitionssrciheit haben den herrlichen Erguß veranlaßt. Wir müssen gestehen: das heißt eine sachliche Kritik. Aber wenn der Festredner meint, daß; unsere Anträge etwas spezifisch Socialistisches seien, so hat er sich aus unserer tausendjährigen Kultur nicht gerade die Wissenschaft- liche Erkenntnis angeeignet. Diese Anträge enthalten nichts, was nicht die Bonrgeosie anderer Länder längst gewährt hat. Der Festredner rllst dann gegen diese Anträge die Hohen- zollcrn zu Hilfe: „Glaubt die Socialdcmokraiic. daß das Band, welches jähr- hundörtelange gemeinsame Arbeit, gemeinsames Leid, gcnicinsaine Kämpfe und Siege um das preußische Volt und sein Herrscherhaus gcschlnngcn jhat, in wenigen Jahrzehnten durch gewissenlose Agitation gelöst werden kann? Meint die Socialdemokratie wirk- lich, daß unser kaiserlicher Herr, dessen ganze Lebensarbeit dem Glück und der Größe des Vaterlandes geividmet ist, im Atigcnblick der Gefahr den Weg zum Herzen seines Volkes nicht finden Ivird.? Oder glaubt die Socialdemokratie, daß die deutschen Bundes- fiirsten, die den Reichsgedanken stets gepflegt und unverbrüchlich hochgehalten haben, sich in trüber Zeit dem Reiche versagen werden? Oder meint die Socialdemokratie. die Wechsclbczichnngcn und das Band der Gemeinschaft zwischen Fürsten und Volk sei in den übrigen Bnndcsstaaten nicht stark gcnng, um demokratischen Umsturzversuchen stand zu halten? „Wenn die Socialdemokratie das meinen sollte— und cS scheint, sie thut eS—, so würde sie im Falle einer ernsten Probe bitter enttäuscht werden und die Erfahrung machen, daß. wenn eS sich um den EntscheidungSkampf für die Existenz des monarchischen deutschen Staates handelt, die verächtliche Kunst gewissenloser demagogischer Agitatoren versagen und der revolutionäre An- stürm an de» Stufen des Kaiscrthroncs der Hohenzollcrn kraftlos zerschellen wird.* Wozu'der Lärm? Die verächtliche Kunst der gewissen- losen demagogischen Agitatoren, die diese Anträge aus- gearbeitet haben, und der revolutionäre Ansturnr der wirklichen Koalitionsfreiheit braucht so wenig au den Stufen des Kaiserthrones zu zerschellen, daß er sogar von ihm aufgefangen werden müßte, wenn die kaiserlichen Februarerlasse noch wirken würden. Der Festredner leistet der Monarchie wahrlich keinen Dienst, wenn er schon in unseren socialpolitischen Gegen- w a r t s- Anträgen zum Koalitionsrecht eine Bedrohung des Kaisertums sieht; denn das heißet den Gedanken des„socialen Kaisertums"— an den wir allerdings niemals geglaubt haben— gerade in den Kreisen als einen Wahn anerkennen, die sonst predigen, die Monarchie sei für ernstliche social- politische Reformen wohl befähigt und geneigt, das heißt die Unmöglichkeit einer monarchischen Socialreform zu- geben I—_ Der Kaiser in England. Die Englandreise des Kaisers rief in den bürgerlichen Zeitinigen' Auslassniigen hervor, in denen nichts an der viclgerühmtcn monarchistischen Loyalität zu spüren war. Den Agrariern mißfällt jede Annäherung an das führende und übles Vorbild bietende Jndustriereich. Die Antisemiten und Alldeutschen schivarmgeisterten von Stanimverwandtschnft mit den afrikanische» Bocren und ewiger Der Schutz des Koalitionsrechts« Die Angriffe gegen den socialdemokratischen Gesetzentwurf zum Schutze des Koalitionsrechts zeigen bei der ganzen und halben Scharsmacherpresse eine Geistesverfassung, der nicht nur jegliche Spur von Gerechtigkeitsgefühl und Ehrlichkeit fehlt, sondern auch die elementarste Gesetzeskenntnis. Durch die Entwürfe zur Gewerbe- Ordnung soll, das kann gar nicht laut genug betont werden, lediglich zu Gunsten der Arbeiter der Zu st and hergestellt werden, der zu Gunsten der Arbeitgeber schon jetzt besteht. Das Koalitionsrecht gilt für Arbeitgeber allgemein, dagegen entbehrt ein erheblicher Teil der Arbeiter noch heut dies erste wirtschaftliche Recht, dessen Notwendigkeit selbst der Graf v. Posadowsky anzuerkennen behauptet. Der social- demokratische Antrag will diese Ungleichheit beseitigen und allen Arbeitern das Koalitionsrecht geben. Er fordert da- mit genau das, was die preußische Regierung schon in ihrem Antrage vom Jahre 1866 dem preußischen Landtage vor- geschlagen hat, was aber leider infolge junkerlicher Quer- treibereien damals nicht Gesetz geworden ist. Die§§ 152» bis 1520 des Entlvurfs sollen die Koalitionen der Arbeiter denen der Arbeitgeber g l e i ch st e l l e n. Wer da weiß, wie ungeniert heute die wirtschaftlichen Vereinigungen der Kapitalisten, z. B. der Centralverband der Industriellen, das Vereinsgesetz übertreten dürfen, und in welcher Weise andererseits den Arbeitervereinen auf Grund der diversen Vereinsrechte zugesetzt wird, der muß sich sagen: Hier hilft nichts anderes, als alle polizeilichen Beschränkungen auf- zuheben!— So lange die Polizei wirtschaftlichen Ver- einigungen gegenüber überhaupt irgend welche besonderen Rechte hat, werden sich diese Befugnisse in der Praxis stets einseitig zu Hemmnissen gegen die Arbeiterbewegung aus- wachsen, und die Unternehmervereiue werden besser dastehen. Damm genügt es keineswegs, das Verbot des Jnverbindung- tretens aufzuheben. Aus dem Legienschen Buche sieht man, daß es außerdem noch unzählige vereinsrechtliche Mittel giebt, um Arbeitervereine zu schädigen. Für einzelne Biindesstaaten z. B. Mecklenburg gilt es, ein Recht zur VereinsbUdung und zu Versammlungen überhaupt erst zu schaffen. Die ZZ 152d und 152c des Entwurfs sind besonders be< stimnit, der einseitig gegen die Arbeiter gerich- t e t e n Ausnutzung des Groben- Unfugs- Paragraphen, der Sabbathsorduungen und des Straßenpolizei-Regleinents einen Riegel vorzuschieben. Nur bei Arbeitern sind die öffentlichen Aufforderungen zu Beisteuern und zur Teilnahme am Lohnkanipf als grober Ilnfug bestraft werden. Nur bei Arbeiter- flugblättern hat bisher die sächsische Praxis es„ärgernis- erregend" gesunden, wenn sie so verbreitet werden, daß sie zufällig auch in die Hände von Andersdenkenden gelangen könnten. Nur streikenden Arbeitern verbietet man auch das gelegentliche, nicht mit der geriiigstcu Verkehrsstörung ver- onndene Stehenbleiben auf menschenleeren Straßen, ja sogar das Spazierengehen, da wo es den Fabrikanten unerwünscht ist. Und will man uns einwenden, daß die Unternehmer und ihre Hilfstruppen sich der Straße und des Appells an die Oeffentlichkeit in geringerem Maße bedienen, wie die koalierten Arbeiter, so sagen wir: sie brauchen diese Mittel auch nicht. Die R e ch t s u n g l e i ch h e i t spricht sich eben darin aus, daß die Briefe und mündlichen Werbungen der Kcchitalisten jeder strafrechtlichen Verfolgung entzogen sind, während die Mittel, welche der Arbeiter zur Propaganda be- nutzen muß, auch dann bestraft und verboten werden, wenn sie sich völlig auf dein Boden friedlicher Mitteilung und Werbung halten. Gegen Gewalt, Beleidigung und Bedrohung ist das all- gemeine Strafgesetz vorhanden, gegen wahre, nicht bloß vor- geschützte Verkehrsstörungen giebt es die Gesetzesbestimmung des Z 116(Auflauf), auch gegen die Verletzung des Haus- friedens giebt das Strafgesetzbuch Bestimmungen, die mehr wie hinreichend scharf sind, von den drakonischen Strafandrohungen gegen Aufruhr und Landfriedensbruch gar nicht zu reden. All dies bleibt bestehen. Die Arbeiterbewegung will gar keine Freiheit für Missethaten, für Einschüchterung und Gewalt, aber sie will nicht schlechter behandelt werden wie alle anderenGesellschaftsklassen, nament- lich wie das Unternehmertum. Der§ 152o des Entwurfs ist bestimmt, einem skanda- lösenZustande ein E n d e zu machen. Denn ein Skandal ist es, daß ehrliche Arbeiter, die sich weigern, zu Lohn- bedingungen zu arbeiten, welche ihnen nicht genügen, daß friedliche Vernrittler bei Streiks unter der entehrenden An- schuldigung der Erpressung verurteilt werden. Eine völlig weltfremde Buchstabenauslegung des Gesetzes hat es so weit gebracht, nnd sie wird von Leuten aller Parteien gemißbilligt. Auch hier ist übrigens das Empörendste, daß man noch nie von einer Anklage und Verurteilung gegen Unternehmer gehört hat, die ihren Arbeitern unter der Drohung der Entlassung Zugeständiiisse abgezwungen haben. DasAusnahincrechtmußbeseiiigtwerden! Das ist die einzige Parole der Socialdemokratie bei diesem Entwürfe, und daher die Wut des Unternehmertums. Nach dem bekannten Muster„Haltet den Dieb!" schreit die kapitalistische Presse dabei, daß wir mit dem Antrage zu § 167» des Strafgesetzbuches ein Ausnahmegesetz gegen Unternehmer schafften. Darin tritt die fort- währende Verwirrung zwischen den Begriffen eines „Specialgesetzes" und eines„Ausnahmegesetzes" zu Tage, die das Scharfmachertum hervorzurufen sucht. Eine besondere Handlung zu bestrafen, die nur unter gewissen Voraussetzungen begangen werden kann, ist allerdings kein Ausnahmerecht: wenn gegen§ 153 der Gewerbe-Ordnung weiter nichts vorgelegen hätte als dies, so wären die Vor- würfe unberechtigt gewesen, und man hätte es einfach mit einein Specialgesetze zu thun gehabt. Ein Ausnahme- g e s e tz liegt erst dann vor, wenn dieselbe Handlung st r a f l o s bleibt, falls sie von der einen Gesellschaftsklasse oder Partei begangen wird, aber b e st r a f t wird, falls andre sich erlauben, sie vorzunehmen. Wo aber findet man in dem socialdemokratischen Antrage eine solche Ausnahmebestimmung gegen die Unternehmer?— Wenn man die Arbeitgeber be- strafen will, die sich verbinden, Arbeitern wegen der Ausübung des Koalitionsrechts die Existenz zu untergraben, so kann man darauf hinweisen, daß noch nie und nirgends es Arbeitern eingefallen i st, die Arbeitgeber wegen deren Ausübung ihres Koalitionsrechts zu verfolgen. Der Gedanke, daß einer dies glauben könnte, ist geradezu lächerlich! Ter socialdcmokratische Entwurf einer Strafbestimmung ist ein Mittel, den einzigen Besitz, den der Arbeiter hat, eben- so gegen Vernichtung zu schützen, wie das Eigentum der Kapitalisten schon durch unzählige Gesetze geschützt ist. Z)olikifclze Mebvvjtriik. Berlin, den 24. November. Ter Reichstag erledigte heute in fünfstündiger Sitzung nur einen einzigen Paragraphen der Gcwerbe-Ordniings-Novelle und diesen nicht einmal ganz. Es handelt sich um den§ 114» der Novelle, der im Negierungs-Eiitwprf sich gencn die Mißstände im KoiifektionSgewerbe richtet, von'der.-sUmimission aber wesent- lich erweitert wurde, und dem unsere Fraktion noch zwei Paragraphen hinzufügen will. Von diesen zwei Paragraphen wurde nur der eine: betreffend die Heimarbeit nnd deren Stellung unter die Gewerbe Ordunug erledigt. Da bei diesen an sich sehr wichtigen Paragraphen noch sehr wichtige und schwierige Materien nebenbei in Betracht kommen: z. B. die der Lohnbücher und A r b e i t s z e t t c l, die der „Darreichung" von K o st und der U e b e r l a s s u n g von Wohnräumen, so erklärt es sich, daß die Debatte so ungewöhnlich viel Zeit in Anspruch nahm. Von unserer Seite'wurde mit allem Nachdruck versucht, jedem Mißbrauch der Lohnbücher und der Arbeiterverköstigung nnd Wohnung vorzubeugen, jedoch ohne Erfolg. Auch unser Antrag be- treffend die Hausindustrie wurde abgelehnt. Die Debatte, in der Stadthagen, Molkenbuhr, Reißhnus unsere Anträge vertraten, hatte nur das eine halbwegs greifbare Ergebnis: daß Herr v. Posadowsky das Versprechen abgab, für die Ein- bringung eines Gesetzes zu sorgen, das die Grenze zwischen „Fabrikbetricb" und„Werkstätte" genau definiert. Freilich ein anderes, noch viel bedeutenderes Ergebnis hatte die Debatte: die abermalige Feststellung der That- fache, daß keine andere Partei an ernsthafte Social- reformcn denkt. Namentlich in der Debatte über die Hausindustrie zeigte sich dies. Jeder erkannte die Uebelstände an, allein mit Ausnahme der Socialdemokratcn will keiner etwas Wirksames thun. Recht charakteristisch war die Haltung des Centrums-Socialisten Herrn Hitze. Er machte geltend— und nicht ohne Grund— daß die Arbeiterfamilien, wenn, wie unser Antrag es fordert, die Arbeitsräume nicht als Wohn-, Schlaf- und Kochräume benutzt werden dürfen, nur ungesundere und noch überfülltcre Schlaf- und Wohnräume bekommen würden. Das wissen auch wir. Aber wir brauchen auch ein W o h n u n g s g e s e tz, das ein bestimmtes Knbikmaß Luft für jeden Bewohner eines Wohn- und Schlafranms vorschreibt. Herr Hitze gehört also zu jenen nicht seltenen Welt- verbesscrern, die alles Gute wollen, und weil sie nicht alles auf einmal haben können, lieber gar nichts wollen. Interessant war auch Herr Jacobskötter, der zwar die großen Mißstände zugiebt, es aber— mit Rücksicht auf seine konservativen Freunde— vorzieht, alles beim alten zu lassen. Mit großer Energie bemühte sich Stadthagen, die§§ 394 und 466 des Bürgerlichen Gesetzbuchs in den§ 114» der Gewerbe-Ordnung hineinzubringen. Diese Paragraphen, durch welche die U n p sä n d b a rkeit von Forderungen geregelt wird, würden, in die Gewerbe-Ordnung eingefügt, entschieden den Arbeitern einen weit wirksameren Schutz ge- währen, als die Gewerbe-Ordnung es jetzt thut. Deswegen wurde der Autrag auch abgelehnt. Nächste Sitzung morgen 1 Uhr. Fortsetzung. Hurra— Bnm! Graf Posadowsky scheint seine durch das vom Reichstag eingeschlagene Eiltempo verhinderte große Rede über die Socialdemokratie jetzt artikelweise in der ministeriellen Korrespondenz von sich zu geben. Heute bringt das amtliche Organ eine Auslassung über die„socialdcmokratische Sieges- Zuversicht", die wie ein melancholischer Regiernngs-Totengesang klingt. Sehen wir uns an, wie wir den ministeriellen Denkern erscheinen und welche Heilmittel sie wider uns ersinnen. Feindschaft gegen dies räuberische Angelsachsentnin. Diese Stim- »lungen flackerten bis tief hinein in die liberalen Reihen. Dennoch reiste der Kaiser. Die Offiziösen kündeten, die Reise habe mir familiären Charakter; sie aufgeben hieße bat längst gc- gcbene Versprechen'eines Aktes der Höflichkeit brechen. Der Lärm der EnglandShetzcr wurde durch solche Erklärnngen ein wenig be- schwichtigt. Jetzt aber stellt sich die Thatsache heraus. daß der Besuch des Kaisers neben dem privaten auch politische Zwecke verfolgt. Es haben Konferenzen stattgefunden zwischen dem Staatssekretär des Auswärtigen, Grafen B!i l o w und dem deutschen Botschafter in London, Grasen H a tz f e l d t mit dem englischen Kolonialininistcr C h a in b e r l a i n und dein Staatssekretär deS auswärtigen Amtes B a I f o u r, der, da Lord SaliSbury unpäßlich ist, die Geschäfte de» auswärtigen Amtes führt. Chamberlain wurde sodann voni Kaiser enipfangen und hatte eine mehr- st ü n d i g e Unterredung. Welches auch immer der Inhalt dieser Besprechungen ist, da? ist deutlich: Der Kaiser scheut den Verdacht nicht, seine frühere Sym- pathie mit dcu Bocren und seinen Widertvillcn gegeu das räuberische Albion aufgegeben zu haben. Er stellt hohe Anforderungen an die monarchischen Parteien in Deutschland, indem er freundschaftlichst mit Chamberlain konferiert, den die deutschen Englandfeinde mit Schimpf und Schande überhäufen. Die Konferenzen in Windsor dürste» das gesamte Gebiet der internationalen Verhältnisse behandeln. Vielleicht steht diechincsische Frage im Vordergrund, in welcher zwischen England, den Ver- einigten Staaten nnd Deutschland daS gemeinschaftliche Interesse der „Politik der offenen Thür" besteht, gegenüber den russischen Anuexions- und AbschließnngSbestrebungen. Diese Angelegenheit sowie die Abgrenzung der afrikanischen Jntereffen haben die jetzige Annäherung zwischen der englischen und deutschen Regierung herbei- geführt. Sicherlich begünstigen die Umstände, unter denen diese An- nähernng geschieht, die weltpolitischen und marinistischcn Neigungen unserer Regierenden, die darum eine um so eindringlichere nnd nachhaltigere Bekämpfung herausfordern. Doch in die allgemeine Hetze unserer Agrarier und Antisemiten gegen jede Annäherung an das trotz alledem fortgeschrittenste Volk können wir darum nicht einstimmen.— •• Deutsches Ileich. Nur wer die Sehnsucht kennt! Englische Blätter erzählen: Zum Empfang des Kaisers Wilhelm in Windsor spielte eine englische Militärkapelle die in England sehr bekannte nnd beliebte Volksweise „O Willy, Du hast nns sehr gefehlt!" Der Kaiser, welcher dies Lied sehr gut kennt, verstand die Anspielung und schüttelte dem Kapellmeister die Hand. Die erste Strophe dieses Liedes lautet: „O Willy, bist Du wirklich hier, Daheim so frisch und gesund? Sie sagten, kämst nicht mehr zu mir, Sie logen in der Rund. Denn ich hört' Deinen Schritt am Thor, Das Herz schlug höher schon, Der Schritt, er kam bekannt mir vor, « Vertraut der Stimme Ton. O Willy, bist Du wirklich hier? Willkomm! Willkomm I Daheim. Auch ei» Beitrag fürs Goldene Buch.„Der König will seinen Willen. Der König hat nach tiefer Ucbcrlcgnng gesehen, was dem Volke frommt; es kann nicht bleiben und gehen ivie bisher. Des Königs Absicht ist, sie selbst zu ihrem eigenen Besten einzn- schränken, ihr eigenes Heil, tvenn'S sein muß. ihnen aiifzndräiiacn. die schädlichen Bürger aufzuopfern, damit die übrigen Ruhe finden, des Glücks einer weisen Regierung genießen können." Goethe. „Eginont". 4. Aufzug, 2. Sccue. Zwiegespräch zwischen Alba und Egmont. Socialdcinokratie und bürgerliche Parteien. Demokratische nnd national-sociale Organe belehren uns, ivir müßten nun nach der Ablehnung der Zuchthansvorlage zugeben, wie doch das Bürgertum nicht gar so schlimm sei. Diese Belehrung ist über- flüssig. Wir erkennen rückhaltlos das Verdienst der bürgerlichen Parteien in dieser Frage an, meinen aber, daß das Bürgertum sich selbst außerordentlich niedrig einschätzt/ wenn es auf seine, unter normalen Umständen, schon ans Gründe» parla- incntarischen Selbstgefühls selbstverständliche Handlungsweise über- mäßig stolz ist. Die Abivehr finsterster reaktionärer Launen ist doch etwas, was an sich kein Ruhmestitel ist. Dagegen Ivird das Verhalten zu unseren Koalition s- antrügen eher für uns einen Maßstab zur Wertung der bürgcr- lichen Parteien abgeben. Und in dieser Hinsicht haben Ivir bisher wenig Anlaß, allzu vertrauensselig zu sein. Denn über eine ver- legcne Kritikentfaltung kommen— mit einer Ausnahme— frei- sinnige und ultramontane Organe bisher nicht hinaus.— Freisinn und KoaltttonSrecht. Das Organ des Herrn Engen Richter wetteifert mit den wildesten Scharfmacherblättern in der Bekämpfung eines wirklichen Koalitionsrcchts: „Der Antrag will, abgesehen von der Ausdehnung der Koalitionsfreiheit auf alle Berufsklasse», das geltende Ausnahme- recht des 8 153 der Gcwerbc-Ordnung aufheben und zugleich e i n anderes Ausnahmerccht gegenüber dem allgemein geltenden Versammlnngs-, Vereins- nnd Versichcrnngsrecht zu Gunsten der Vereinigungen zur Einwirkung auf Arbeitsverhältnisse herbeiführen. Abgesehen von dem Inhalt der Anträge im einzelnen würde die Erörterung derselben die eben erst begrabene Zucht- Hansvorlage wieder anflcbcn machen, weil auch die Freunde derselben nicht verhindert ioerden könnten, alle einschlagenden Bc- stimmungen ans der Zuchthausvorlage wieder einzubringen, sei es als Abänderungsanträge zu den socialdemokratischen Anträgen, sei es als selbständige Anträge bei der Gewerbenovelle zu den 8ß 152 und 153." Bisher waren wir der Meinung, daß die freisinnige Volkspartei für ein freiheitliche? Vereins- nnd Versammlungsrecht eintrete. Jetzt, da wir die besonderen und harten Ausnahme- be stimmungen, ivelche das Koalitionsrecht der Arbeiter noch über die sonstigen, dem Vereins- und Ver- sammlungs Wesen aller Staatsbürger znge- muteten Unfreiheiten hinaus einenge», beseitigen wollen, bezeichnet die«Freis. Zcitinig" die Herstellung der Gleichberechtigung als„AnSnahmerecht". Um ihren Aerger über unsere, allerdings einen Prüfstein der bürgerlichen Koalitionsrechts- Freundlichkeit darstellenden Anträge zu verbergen, erfindet die„Freis. Ztg." die ungeschickteste aller Ausreden: es könne bei Gelegenheit der Beratung unserer Anträge die eben erst begrabene Zuchthaus- Vorlage wieder aufleben. Wenn die Möglichkeit reaktionärer Anträge die freisinnige Fraktion hindert, freiheitliche Forderungen auf die Tagesordnung des Reichstages zu bringen, so sind wir neugierig zu erfahren, wie sich die„Freis. Ztg." die Aufstellung und Vertretung solcher Forderungen überhaupt vorstellt.— Zum Budgetrecht der VolkSvertretnngen. Aus Bayern wird uns geschrieben: Im Finanzausschuß der bayrischen Kammer der Abgeordneten kam es dieser Tage zn einer sehr interessanten staatsrechtlichen Debatte, die auch außerhalb der blauweiße» Grenz- pfähle Beachtung verdient, weil sie sich um einen sehr wichtigen Punkt deS Budgetrechts der Lolsvertretung dreht. Bayerns Finanz- excellcnz versteht, wie man auch in weiteren Kreisen weiß, die Volks- Vertretung dadurch stets in guter Laune zn erhalten, daß er von Finanzperiode zu Fmanzpcriode gewaltige Ueberschüsse macht, aus denen dann leicht allerhand lokale Bedürfnisse, besonders in den agrarischen Bezirken bestritten werden können. Die Banernbnnds- belvegnng würde in Bayern eine andere Rolle spielen, wenn es nicht dem Ccntrum gelungen wäre, aus dem unergründlichen Ueberscknß- Sack des Finanzbarons v. Riedel gewaltige Summen zum erfolgreichen Einfangen der rebellisch gewordenen Agrarier locker zn machen.(Beiläufig bcnierkt betrugen diese Ueberschüsse beim Beginn der jetzigen Landtagssession ca. 70 Millionen Mark.) Man kann sich denken, welche Verwirrung diese Ucberschuß- Wirtschaft in das regelmäßige Budget des Landes bringt; es ist schließlich gar keine' Uebcrsicht über die LcistnngSfähigkeit des Landes mehr vorhanden. die Volksvertretung tappt im Dunkeln und das Kokettieren mit dem Ueberschußministcr Ivird zur wichtigsten politischen Aufgabe des Volksvertreters. Möglich sind solche Zustände natürlich nur, weil die dem Parlamente vorgelegten Nachweise unzulänglich sind und eine genauere Bndgeticnlug umnöglich machen. In einem Spccialfall— be- zeichmmderweise beim Etat des Hofbräuhauscs— hat mm der ultra- montane Abgeordnete Dr. Heim die Prüfung nicht nur der RcchnungS- abschlüsse sondern auch der Belege durch den Finanzansschuß bezw. den Landtag gefordert. Der Minffter sträubte sich dagegen auf das allerentschiedcuste. aber nicht nur unser Genosse v! Voll mar. sondern auch der liberale Abgeordnete von Walter, der Dr. Ratzingcr und ein Banernbündler schlössen sich dem Ver- langen Dr. Heims an. Thatsächlich läßt sie sich für bayrische Verhältnisse staatsrechtlich begründen, wenngleich es. wie der Eentrums- Abgeordnete Dr. Dallcr, der dem Minister beisprang, anssührte, bisher nicht gebräuchlich gewesen ist, die Belege der Staats- rechunngen im Abgeorductenhause nachzuprüfen. Im vorliegenden Falle half man sich, da die Sache doch nicht im FinanzauSschnsse zum Anstrag gebracht werden kann, niit einem Kompromihantrag, der den Minister verpflichtet,„detaillierte Nachweise" über den Hof- bräubctrieb vorzulegen. Da aber v. Wollmar bereits angekündigt hat. daß der Landtag unter keinen Umständen eines seiner Rechte preisgeben»verde, so darf man auf interessante Verhandlungen im Plenum gefaßt sein. Die Frage ist wichtig genug, daß man ihr sorgfältige Beachtung schenkt. Ter Hof nnd die Ncichshanptstadt. Unter diesem Titel schreibt man der„Kölnischen V o l k s z e i t u n g": „Wenn ivir über die einschlägigen Verhältnisse recht unter« richtet sind, hält man es in den maßgebenden Kreisen für eine große Gefahr, daß die Berliner S t a d t v e r o r d n e t e n v e r s a in ni- l u n g immer mehr zu einem„Stadtparlament" auSwachse und sich in der Richtung des radikal-socialistischen Pariser Ge- meinderates entwickle. Man weist darauf hin, daß die Social- d e m o k r a t i e bei den Konnnnnalwahlen immer mehr Fortschritte mache. auch habe sich von der freisinnigen Mehrheit ein linker Flügel abgelöst, der kaum„besser" sei als die Socialdcinokratie und bereits als„Bergpartei" bezeichnet werde. Im Anschluß daran wurde u»S das'folgende,„in höheren Regionen" gefallene Wort wiedererzählt:„Es ist kein Grund ersichtlich, wcöhalb die zwei Millionen Berliner mehr politisches Selbst- bestiminuiigsrccht haben solle», als die zwei Millionen Westfalen oder.Hannoverauer."... Wie man sieht, eröffnet der neueste Zwischenfall viel weitergehende Perspektiven, wie es nach den Dingen scheint, die im Briefe des Obcrhosmcistcrö der Kaiserin behandelt sind. Wie verlautet, hat mau sich kürzlich ernsthaft mit dem Plane befaßt, eine Provinz Berlin zu schaffen und die Stadt Berlin in eine größere Anzahl von Komlnnuc» zu zerlcgcu. Das würde auch die Nichtbestätigung des Oberbürgermeisters erklären, der ja überflüssig würde, wenn wir einen Bürgermeister nnd Ge- meinderat von Moabit, der Luisciistadt, dem Hallcschen Thorviertel usw. hätten. Wir verstehen allerdings nicht recht, wie auf diese Weise dem Andrängen der radikalen politischen Strönmiigeii besser entgegengewirkt werden könnte. Das verstehen ivir auch nicht! UcbrigcnS berichtigt sich jetzt das „Kl. Journal" dahin, daß der Brief Mirbachs nicht„ans Befehl des Kaisers", aber doch mit seinem Einverständnis abgesandt sei. Mit dem notdürftig getauften Judenblatt ivetteifert die anliscinitische „Deutsche Wacht" im Entzücke» über das Schreiben des Ober- hosincisters; sie nciilit es eine„echt deutsche Heldenthat": „Unsere deutsche Kaiserin, die sonst nie ans ihrer zarten Zurnckhultung in politischen Dingen herausgetreten ist. hat gewagt, was Miiimer zaudern ließ, hnwinzugreifen mit k ü h l e ni M« t e in jenes verderbliche Wespennest, das sich freisinnig- socialdemo- kratischcS Stadtvcrordiicteii-5lollcg der königl. Haupt- und Residenzstadt Berlin nennt. Man bedenke, wie gewaltig der jüdisch-frei- sinnige Einfluß in der RcickShcinptstadt heute schon ist, wie selbst Fürsten unter dieser Bölkergcißel des 19. Jahrhuudevts so schwer zu leide» haben, und man wird diese iv a h r h a f t deutsche T h a t der hohen Frau in ihrer ganzcu Tragiveite ermesse» können." Hoffentlich findet die„Deutsche Wacht" seitens des Freiherrn v. Mirbach mehr Nncrkcnnnng als die„Völkcrgeißcl deS 19. Jahrhunderts", unter der selbst Fürsten leiden.— Tie„Frankfurter Zeitung" meint mm zu den für daS verhaßte Berlin geplanten EntinüildigimgScntivürfen: „Man wird einwenden, daß es sich hier nur um Absichten und Wünsche unverantwortlicher Kreise handle. DaS ist aber nach den Erfahrungen, die wir schon gemacht haben, ein unzureichender Trost; denn ivie die Dinge sich entwickelt haben, werden die Absichten der Unveranlwortl.l'cit viel eher in gesetzgeberische Thaten umgesetzt als die noch so bestimmten Vcrsichcrnngcn der verantwortlichen Regierung. Läge hier eine bestimmte offizielle RegieruiigSanküiidignng vor. dami brauchte man die Sache nicht so pcsstiniftisch anznschcn. Da aber die Regierung bisher nicht ei» solches gesetzgeberisches Vorgehen angekündigt hat. nnd da sogar die ersten Ankiudiguugen ein offiziöses Dementi erfahren haben, liegt die Sache be- deutlich, und man muß sich daraus gefaßt machen, daß nun erst recht mit den gekennzeichneten Plänen einflußreicher Stellen Ernst gemacht ivird. Darum heißt es, beizeiten auf der Hut sein nnd alle Kräfte zusammen zu fassen gegen einen Borstoß, der eine der wichtigsten Grundlagen unseres staatlichen Lebens ans das schwerste gefährden mutz und dessen Zurückweisung die ge- meinsame Pflicht aller ist, welche sich noch eine freiheitliche Ge- simning bewahrt haben." Daß in der That Sorglosigkeit hier nicht am Platze wäre, be- weist gerade der amiliche Demcntiereifcr. Eben schreibt die„Ber- lincr Korrespoudeuz" in Sperrdruck: „Der„Hannoversche Courier" bringt die Mitteilung, es bestehe eine Belvegnng mit dem Ziele, der Reichshauptstadt die Selbstverwaltung zu nehmen. Die„Kölnische Bolkszcituiig". welche diese Meldung wiedergiebt. fügt hinzu, man habe sich kürzlich ernsthaft mit dem Plan befaßt, die Stadt Berlin in eine Anzahl größerer Kommunen zu zerlegen. Die eine Mitteilung wie die andere ist völlig»«begründet." Wenn erst derartige Versicherungen kommen, dann pflegt daS Unverantwortliche bereits auf dem Wege zur verantwortlich gefctz- geberischcn Gestaltung zu sein. Wie oft hat man nicht die uferlosen Flottenpläne offiziell ab- geleugnet. Und jetzt sind sie da!— Als eine politische Temonstration bezeichnet das Centnim selbst sein Verhalten gegenüber der ZiichthauSvorlage. „So geht es nicht weiter", schreibt die„Köln. VolkSzeiwng". Der Reichstag lcnne sich nicht länger eine Behandlung gefallen lassen, wie es dcm Flottenplan nnd dem Versprechen ivegen Aufhebung des Verbindimg- Verbots geschehen: „Wir wünschen nicht, daß cS zu einem Konflikt kommt. Wenn er aber vermieden werde» soll, so wird der Bundesrat den Reichstag ebenso als verfassungsmäßiges Organ des deutschen Staatslebens anerkenjien und achten müssen, wie der Reichstag den Bundesrat; die Berichterstattung des Reichskanzler? und der Staatssekretäre des Reiches an Se. Majestät den K a i s e r wird dann so eingerichtet werden müssen, daß der Kaiser über die Dinge, wie sie im Reichstage und im Lande thatsächlich liegen, nach keiner Richtung hin im Unklaren bleibt. Die Ereignisse in der gestrigen Sitzmig des Reichstages sind eine geradezu zwingende Vcraiilassuiig zu eriieuter Berichterstattung an den Kaiser. Es wird notwendig sein, daß dem Kaiser die Würdigung dieser Vor- gange»ach allen Richtungen hin vorgetragen wird, in aller Offenheit und ohne alles Verstcckenspielen." Aehnlich äußert sich auch die„Franks. Ztg." über die Stimmung des Eentrums: „Die Führer des Centrimts sind tief verstimmt über die neueste Behandlung der F l o t t e n f r a g e, durch die mai» sie ohne jede Rücksicht auf die großen Dienste, die sie beim Flottcngefetz geleistet haben, jetzt überrascht und geradezu brüskiert hat. So ist ihr den Ausführnngeii bei der ersten Lesung des Zuchthausgesetzes widersprechendes Verfahren der sofortigen Ablehnung des ganzen Gesetzes ohne Debatte zu erklären. Das soll eine Lektion sein und gewissen Stellen zeigen, daß das Ceiitrnm Rücksichten verlangt und nicht für alles zu habeil ist. Die Aeußermig des Grafen Posadowsky. daß diese Ablehmmg nicht ohne Rückwirkung ans das Verhältnis der Negierung zu einzelnen Parteien bleiben könne, bezog sich auf das Centrnm und auf die Tba:- fache, daß über gewisse Wünsche des Eentrums in letzter Zeit zwischen diesem und der Regierung verhandelt worden ist." Die Hlotteuvorlage ivird sehr bald dem Ceutrum Gelegenheit geben, zn zeigen, ob eS ihm in der That ernst ist um die Wahrung der Würde und der Rechte der Volksvertretung.— Die Flucht nach Preußen empfiehlt ein Minichcner Offiziosns der Regierung. Schon in den achtziger Jahren habe Bismarck vor der„antinatiönalcn Opposition" des Reichstags an das preußische Abgeordneteiihaiis appelliert: „Das Verhalten dieser Leute gab den Grund ab, daß von einem Tiefstand der Auffassung seines Berufes seitens des Reichstags gesprochen lverdcn konnte. Nachdem der Reichstag seine Mithilfe zur gebotenen Bcrstärkimg des Schutzes des Ostens gegen Ucberfliitniig mit rnssisch-polnischen Elementen abgelehnt hatte. c»t- schloß sich die preußische Regierung kurzer Hand eine entsprechende Aktion mit dem preußischen Landtage in die Hand zu nehnien. Und siehe da, dieselbe gelang anfs beste. Da eS sich mm auch nenttdiiigs wieder in einer Frage, in Ver die Sicherheit der Zukunft eines großen Teils des deutschen Vaterlandes auf dem Spiel steht(Ivcr lacht da?), klar gezeigt hat, daß der deutsche Reichstag ihr nicht mit d e rj e n i g e n O b- jektivität gegen überzutreten im stände ist, die vom Gesetzgeber verlangt werden muß. daß er sich vielmehr durch Nebeugriinde verleiteu läßt, die Sicherheit der zukünftigen Wahlen eines beträchtlichen Teils seiner Mitglieder höher zu schätzen, als den Schutz des deutschen Arbcitsmarkts gegen iviNkürliche Eingriffe social- demokratischer Terroristen, so dürste—»ach unseren Informationen— die Negierung den Ausweg aus einer derartigen unhaltbaren Lage abermals da suchen, wo er in den achtziger Jahren gefunden wurde. Aller Voraussicht nach wird der preußische Landtag, ebeiisowenig wie er seiner Zeit die Mithilfe zum Schutze der östsichen Proviuzeli gegen die polnische Ueberflutuiig von Ruß- land her veriveigerle, der Regierung jetzt die Handreichung zur Durchführung von Maßnahmen versagen, die da�u dienen sollen, die Bürgschaften für de» socialen Frieden und für die ruhige Entivickelmig des Arbeitsmarktcs zu verstärken." Hält nlan die preußischen Blamagen für leichter zu verschmerzen als die im Reich?— WaS unS not thut? Sehr einfach. eS thut uns not, daß die Knäbleiii in der Schule Schiveiiibnrgsche Marine-Flngblätter aus- wendig lerne». Wenigstens ivird berichtet, daß die Lehrer einer Volksschule jene Flugblätter in den Klassen verteiltei». Da Volisschiiler über keine Taschengelder zn verfügen haben, die sie für den Klottenvereiii spendieren konnten, so will man offenbar. daß die Söhne ihre Väter bekehren. Aber warum, wenn man in den Kindern die wahren Sachverständigen des Wasscrheils sieht, nicht gleich das Wahlrecht ans das zehnte oder zwölfte Jahr herab- setze»? Zwangsweise Wnssersncht. Ans Gießen berichtet die„Frank- furtcr Zeitung": Wie Mitglieder des F l o t t e n v e r e i n s ge- iv o r b e ii lverdcn, davon ein Beispiel. Bei einer Eisenbahner- Versannnlniig legte Herr Eisen bahn-Sekretär Blum „seinen" Unterbeamten die„Notivendigkeit einer Flottcnverinchruiig" so„überzeugend" dar. daß,>vie ich höre, sämtliche Anwesende ihren Beitritt zuui„Flottcnvcrein" erklärten. Mein Gewährsmann, einer der VcrsnnimlnngSbcsuchcr, erklärte mir resigniert:„Ja, was will man denn machen? Mir iväre cS ja lieber, wenn man, anstatt neue Schiffe zu bauen, den Wohimngsgeldzuschnß von jetzt 144 M. so er- höhte, daß er ivirklich zur Deckung der Miete genügte. Lehnt man aber den Beitritt ab, so gilt man sofort als Socialdemokrat, und Sie werde» begreifen, daß eine solche Klassifizierung für einen Beamten immer noch schlimmer ist, wie«eine Mark" uimütz zu opfern.".. So wächst die Begeisterung für die Flotte allmählich«iS riesige.— Bon, Nord-Qstseckanal. Nach dem jetzt erschienenen Ver- waltniigsbeiicht des Kanalanitcs des Nord-Lsiieelanals hat im letzten Berichtsjahr. April 1808 bis April 1899, der Verlehr ivicder eine beträchtliche Steigerung erfahren. 11005 Dampfer mit 2 467 839 und 14 811 andere Fahrzeuge(Segler, Leichter) mit 650 001 Register- tons netto Ra, imgehalt, ziisammeu 25 816 Schiffe mit znfannnen 3117 840 Registertöns haben den Kanal befahren. Das ist eine Steigerung lmi 2708 Schiffen iind 648 045 Tons Ranmgröße. Die Einnahme' ivar gegen das Vorjahr um 324 419 M. größer und be- trug 1 538 680 Rt.'— DaS mecklenburgische SonntagSruhe-Gesetz hat unserm mecklenburgischen Parteiblatte schnell noch, kurz bevor ihm durch das neue Reichs-Postgcsetz dieser böse Zahn ausgebrochen wird, einen kleinen Nadelstich versetzt. Der Verteiler der.Mecklenburgischen VolkSzeittmg", Genoffe Pristafi in Wismar, der Ivegen Verteilimg des Blattes am Eouutag angeklagt, vom Schöffengericht aber freigesprochen worden war, ist von der Strafkauimer auf Berufung der Staatsanwaltschaft zu 10 M. Geldstrafe verurteilt worden. Es handelte sich in dcm Prozesse um die Entscheidung der Frage. ob Pristaff eine Privatpost betreibe oder nicht. Das Schöffengericht hatte diese Frage bejaht ans Grund der erfolgten Anmeldung und Ein- richtung eines solchen Betriebes. Die Strafkammer kam zu der Mciiumg. daß die von Pristaff geschaffene Einrichtung thatsächlich keine Postanstalt gewesen sei und vcriirHlte ihn deshalb. Wir wollen der mecklenburgischen Regierung dieses kleine Pflaster auf die Wunde, die ihr der Reichstag soeben geschlagen, geni gönnen nnisomehr, als sie bei dieser Gelegenheit gezeigt Hot, daß fit auch dem Scherze nicht abgeneigt ist. Als nämlich Pristaff bei ihr Beschwerde führte, weil ihm die Polizei die Anbringung eines Briefkastens an einem Hause verwehrte, teilte sie ihm mit, daß sie ihn» die A n � bring uiig eines Briefkastens in drei Meter Höhe gestatte. Sonst wurde in der Gerichtsverhai, dl», ig noch ein ganz mtcr- effanter Umstand bekannt. Der Verteidiger drückte nämlich sei» Be- frcnidcn darüber aus, daß eine Verfüg, mg des Ministeriums an die StaatSaiiwaltschast, gegen eine etwaige Freisprechung Revifion ein- zulegen, den Akten beigeheftet nnd so zur Kenntnis des Gerichts gebracht wurde. Der Vorsitzende gab daraus die Erklärnng ab. daß sich der Gerichtshof dnrch die Kenntnis von jener ministeriellen An- ordnung nicht bceinflusscil lasten werde, mich sei es in Mecklenburg nicht auffallend, daß solche Anweisungen an den Staatsanwalt de» Akten des Gerichts beigelegt würden.— Ter Marsch inö Mittelalter nimmt in Sachsen ein immer schnelleres Tempo an;, jetzt geht man mich in der Landeshauptstadt Dresden mit deni Plane um, für die Gcmeindelvahlcn ein neues System auf der Grundlage der b e r u f s st ä n d i s ch e n G l i e d e- rung einzurichten. Essollen vier Hauptabteilungen gebildet werden nach dem Schema: 1. Selbständige in Industrie und Handel ein- schließlich der leitenden Beamten z 2. GeWerks- und Handwcrksgehilfen, Bureau- und Ladenpersoual und Arbeiter aller Art; 3. Oeffent- liche Beamte und Lehrer. Militärpcrsonen und Angehörige der sogenannten freien Bernfsarten; 4. Rentner und Pensionäre. Jede dieser Hauptabteilungen wird nochmals nach dem Einkommen geteilt der- gcstalt, daß eine Gruppe mit über 2S0V M. Einkommen gebildet wird und eine solche mit geringerem Einkommen. Das sind also acht Klassen. Jede dieser Klassen soll dann eine Anzahl Ansässige und Unansässige wählen, so daß eigentlich 16 Klassen von Stadt- verordneten entstehen. Die Arbeiter Dresdens haben bisher bei den Gemeindewahlen so geringe Erfolge erzielt, daß sie die Beteiligung an den Wahlen aufgegeben hatten. Die Hauptnrsache davon ist die altertümliche Ans- legung, die der Dresdner Magistrat den Gcsetzcsvorschriftcn über die Bürgerrcchts-Erwerbung gicbt und die es den Arbeitern geradezu unmöglich macht, das Bürgerrecht zu erwerben. Dennoch treibt die Furcht vor der Socialdcmokratie zur Ausgrabung solcher vcr- inodcrtcr Wahlsysteme. die jedem modernen Menschen lächerlich er- scheinen. Es ist nämlich nur noch eine Frage der Zeit, daß mehrere volkreiche, stark socialdcniokratisch verseuchte Vororte einverleibt werden müssen. Und da dann zu befürchten steht, daß bei dem jetzigen Listenfystcni, das die ganze Stadt als einen Wahlkreis bc- handelt und nur zwischen Ansässigen und Ilnansässigcn unterscheidet, die Socialdcmokratie in absehbarer Zeit doch eine größere Anzahl Mandate erringen könnte, deshalb will man den Arbeitern beizeiten einen Brocken von drei oder höchstens sechs Mandaten zuwerfen und ihr die Erringnng weiterer ein für allemal unmöglich machen. Die Stadt Chemnitz hat übrigens seit etwa Jahresfrist eine ähnliche Antiquität aufgefrischt. Sächsische Eiscnbahnpolitik. Jüngst wurde im„Berliner Tageblati" der sächsischen Regierung Lob gespendet für ihre den schnellen Ansban dcS sächsischen Eisenbahnnetzes fördernde Politik. Wir wiesen nach, daß dieses Lob an die falsche Adresse gerichtet war. Zinn llcbcrfliiß wird aber nun der Lobspender»ä ab'surckum geführt durch die in diesen Tagen vom Fiiianzminister v. W a tz- d o r f in der zweiten Kannner gehaltene Etatsrcde. Danach bc- absichtigt die Regierung, die seit Anfang der 90cr Jahre eingeschlagene Bahn zu verlassen und ein langsanicres Tempo im Eisen- bahnbau einzuhalten. Angeblich macht dem Finanzminister die ein- getretene schivächere Verzin>ii»g— die Rente ist immer noch eine gute— schwere Besorgnis. Jedoch selbst die„Dresdner Nachrichten" finden eS bedenklich, wenn jetzt der Finanzminister. der vor zwei Jahren im Landtage in Rosa gefärbt habe, jetzt plötzlich schivarz niale. Er habe doch zu jener Zeit schon erkennen müssen, ob Bedenken gegen den schnelleren Ausbau der Eisenbahnen vorlagen. Noch nichr bezweifelt das Blatt, ob die Bevölkerung diese Schwenkung verstehen ivcrde. Nun, die Regierung wie der Landtag werden aus den zahlreichen Eisenbahn-Pctitionen, die dem jetzt tagenden Landtag vorgelegt und die auch in Zukunft nicht ausbleiben iverdcn, ersehen, daß die Bc- völkeruug mit dieser angekündigte» kiilturhemmenden Eisenbahn- Politik nicht einverstanden ist. Die Socialdcmokratie wird sich selbst- verständlich wie früher gegen sie wenden.— Militärisches ans Elsaß-Lothringen. Der in Straßburg erscheinende klerikale„Elsässer" berichtet das Folgende: Vor etwa 14 Tagen machte ein Unteroffizier der 5. Schwadron des in Ha genau garnisonierenden Dragoner-Reginientes einen recht un- verständigen„Scherz". Als es in der Frühe Zeit für die Mannschaften seiner Stube war, in den Stall zu gehen. rief er ihnen zu:.Wer zuletzt die Stube verläßt, den erschieße ich", griff nach einem der hennnstehenden Zielkarnbiner und legte an. Die Dragoner eilten lachend hinaus. Als aber der letzte, ein Mann im zweiten Dicnstjahre, an die Thiire kam, zog der Unteroffizier den gespannten Hahn ab in der Voranssetziing, der Karabiner sei nicht geladen. In denisclben Montint aber lrach'rc ein Schuß, und der Dragoner erhielt die allerdings nur sehr kleine Kugel in den Oberschenkel. Un, den, sonst nicht unbeliebten Unteroffizier die nnangenehine» Folgen seiner Unbedachtsamkeit zu ersparen, machte der Verletzte von den, Vorfall keine Anzeige und wurde von demselben im Dienste nach Möglichkeit geschont: auch die Stnbenkamcraden schwiegen. Aber anstatt ohne ärztliche Hilfe zu heilen, wie die Beteiligten erwartet hatten, verschlinnnerte sich die Wunde nach und nach de, inaßen, daß der Verletzte die Schmerzen nicht mehr zu e,-tragen vermochte. Er meldete sich krank. und der Arzt schickte ihn sofort ins Lazarett. Dort wurde unverzüglich eine Operation an dem erkrankten Beine vorgenommen, die eine starke Vereiterung feststellte. Der Untcrosfizicr aber wurde auf Anordnung des Militärgerichts in Untersuchungshaft verbracht. Als Folgen des Harmlosen-Prozesses sind die Versetzungen zweier Garde-Ulauen-Offiziere nach kleinen lothringischen Garnisoncn anzusehen. Lieutenant v. P u t t k a n, e r ist, dem.Militärwochenblatt" zufolge, in das 14. Ulanenregnnent versetzt. das in St. Avolt und Mörchingcn steht, Lieutenant v. Zakrzewski in das 1ö. Ulanen-Regiment zu Saarburg. Alle drei Orte, die beiden elfteren abgelegene Dörfer, gehören zu den gefürchtetsten Garnisonen des Reiches und iverdcn in OsfizierSkrciscn gen, mit dem schmeichelhaften Prädikat„Drntsch-Sibiricn" belegt. Der Stabsarzt Dr. Mehltretter vom 8. bayrischen Infanterie- Regiment in Metz ist vom Militärgericht Würzburg wegen eines Pistolenduells zu drei Monaten Festung vcr- urteilt worden.— Aus Gewohnheit gelogen. Anders kann man einen langen Artikel der„Märkischen Volks- zcitung", den sie dem Gerichtsbericht des„Vorwärts" in Sachen der Priuatklage des Zimmerers Karbe gegen unseren Redacteur Robert Schmidt widmet, nicht deuten. Tie Ursache des Prozesses ist auf einen Artikel der„Märkischen Volkszeitung" zurückzuführen, in dem mit behaglicher Breite im August v. I. der Nach- weis geführt werden sollte, daß ein' Mitglied des Vereins „Arbeiterschntz", der Zimmerer K.. auf Veranlassung der übrigen Arbeiter, die dem Verband der Zimmerer angehörten, gemaßregelt ivurde. Unsere Information ergab damals, wie in verschiedenen anderen Fällen, die v o l l st ä n d i g e Haltlosigkeit des Vorwurfs gegen die organisierten Arbeiter und auf unsere kurz abweisende Antivort erfolgte eine Privatklage des Zimmerers Karbe wegen angeblicher Beleidigung. Der Prozeß, der an, 16. November stattfand, endete mit einer Vertagung, aber aus der Beweisaufnahme ivar bisher klar zu entnehmen, daß die Angabci» der„Märkischen Volks- zeitung" bereits in den wesentlichsten Punkten als unwahr erwiese» sind. Das ist nun dem Blatt sehr unangenehm, und nachdem es etwas lange darüber nachgedacht hat, wie es sich auS der Schlinge ziehen könnte, erhebt es jetzr gegen uns den Vorwurf, wir hätten einseitig berichtet. Sonderbarer Vorwurf I Wir möchten aber doch die„Märkische Volkszcitung" fragen, warum sie ihren Lesern überhaupt keinen Bericht erstattet hat? Wir können nur versichern, daß unser Bericht vollkominen objektiv war. und wenn wir etwas unterlassen haben, so war es die Gegenüber- stellung der Aussage des Klägers zu den Schildeningen im Artikel der„Märkischen Volkszeitung'. Diese Aussage ergab, daß der Artikel über den Terrorismus der Gewerkschaften in der Redaktion der„Märkischen Volkszeitung" eine sehr freie Ausschmückung erfahren hatte, die noch weit über die unwahren Angaben der Mitglieder vom Verein.Arbeiterschutz" hinausgingen. Das sei noch nachträglich konstatiert. Das Blatt glaubt, uns entgegenhalten zu müssen, daß auch in unserer Partei es Leuten passiert, daß sie falsch unterrichtet werden: das geben wir rückhaltlos zu; wir find aber anch dann jederzeit bereit, eine Richtigstellung folgen zu lassen. Wenn aber die„Märk. Volkszeitung", wie eS hier geschehen ist. selbst in dem Zimmerer- gcschäft Informationen einzieht und bestätigt bekommt, daß sie einer mirichtigei, Darstellung des Sachverhalts Auf- »ahme gewährt hat,' sich aber auch heute noch zu keiner Nichtig- stellung bequemt, dann kann man nur zu dem Schluß kommen, daß in diesem Blatte aus Gewohnheit gelogen und unter der Maske der Arbeiterfreundlichkcit für die Scharfmacher gelvirkt wurde. Wir haben keinen Anlaß, allen Schauergeschichten der„Märkischen Volkszcitung" nachzugehen; das sei ihr entgegnet auf den Einwand. wir hätten diese oder jene Angabe des Blattes nicht widerlegt. Kon- statiercn können wir nur heute wieder, daß unsere Gewerkschaften, wenn Uebergriffe einzelner Personen geschehen, dies nicht billigen würden. Wir haben nur die systematsich iingerechtfertigten Angriffe gegen die Gewerkschaften znrückgclviesen und mehr denn einmal den Nachweis geführt, daß die Schilderungen der„Märkischen Volkszcitung" über den Terrorismus der Gewerkschaften tendenziöse Ent- stellungen sind, denen oft auch jede thatsächliche Unter- läge fehlt. Sollte die Angabe des BlatteS, Ivos wir heute nicht untersuchen können, wahr sein, daß der Zimmerer Karbe, der gegen uns Klage erhoben hat, ans de», Zimmerplatz, wo er jetzt arbeitet, gemahregelt ist, und zivar infolge des Verlangens seiner dort beschäftigten Kollegen, so können wir ein solches Verlangen nur sehr entschieden mißbilligen. Uns ist die Klage des Herrn Karbe nicht unangenehm. Nicht er, sondern die„Märkische Vollszeitting" soll gekennzeichnet iverdcn.— Der ZnchthanSborlage Begräbnis. Ach, nun ist sie auch hinabgesunken und ist heimgegangen, Keiner der Doktoren wußte etwas mit ihr anzufangen.' Schon von vornherein erschien sie stcrbefällig und erlesen Nur zu Qual und Pein, ein wahrlich sehr bejammernswertes Wesen. Nun gefolgt den vielen ist sie, die bereits voran ihr gingen— Ach, es kommt nichts mehr zu stände und cS will nichts mehr gc- gelingen Eine Vorlag' nach der' andern Sehn nicht einmal trüben Blickes wir hinab zum Orkus wandern. Einige wohl haben nahgestanden ihr. die so zum Ziele Ist gelangt, doch ohne Zweifel waren es nicht allzu viele. Zwei Minister und der Graf v o n P o f a d o w S k y, die zugegen Waren, etivas Schnierz wohl haben sie empfunden ihretwegen. Doch auch sie, im ganzen schienen sie gefaßt, und still ergeben Zum bewölkten Himmel sah man sie den frommen Blick erheben. Mit Citroucn in den Händen Folgten sie, der früh Verklärten ihren letzten Gruß zu spenden. Kein Begräbnis erster Kl sse war es, kaum ein solches zweiter, Einige von dem Gefolge waren ungebührlich heiter. Als die Schollen kollernd auf des Sarges Deckel niederschlugen, Lachten sie— ja noch viel schlimmer war es. wie sie sich betrugen. Was im RcichStagSsaal durch UsnS als nnschicklich ist verboten, Das geschah: vernehmlich schallte aus dem wüsten Schwärm der Roten Beifallklatschen— man bedenke! Nach der Feier höchst wahrscheinlich trollten sie sich hin zur Schenke. Still nun ist'S, und bange hört man fragen: WaS wird jetzt geschehen? Ausgeschlossen scheint ftir die Begrab»? doch ein Anferstehen. Aber werden ihr nicht andre folgen, denen gern man gönnt cS, Ebenso zu enden? Schon ruft einer: koreunt seqaentesl Ach, so lauge schon vergeblich hoffen wir auf beffre Tage, Doch ein Trost, und kein geringer, bleibt uns in der üble» Lage: Ob auch wcitreö Unheil drohe, Doch im Amte fest und sicher steht der greise Hohenlohe. („Kladderadatsch.") Ausland. Schweiz. Zürich, 21. November.-(Eig. Bcr.) Die»ationalrätliche Kominissio» zur Vorberatmig der von den im Frühjahr auS- gewicsciien Italienern gegen ihre AiiSweifimg an die BnndcS- 'vcrsaimnlnlig gcrichtclcn Rcknrie hielt in Bcr» zwei Sitzungen ab, dciicil anch der Chef des Justiz- nnd Pvlizcidcpartements, Bundes- rat Brenner, beiwohnte. Die Kommission entschied mit 8 gegen die 2 Stiimnen des Genossen Wnllschleger nnd des Katholiken R. Tecnrlins. daß den Ausländern in Sachen der Ausweisung e i n R e kn r s r e cht an die Bundesversammlung überhaupt nicht z n st e h c. Mit demselben StinnnenberhältniS abgelehnt wurde ferner folgendes von der zweigliedrigen Minderheit beantragtes Postulat:„Der Bundesrat wird eingeladen, den politischen Flucht- liiigcii, welche für die Berbreiimig' ihrer politischen und socialen Anschmnliiaen mit gesetzlich erlaubte» Miltein wirken, den schwcizenschcu Traditionen entsprechend Asyl gewähren zu ivollcn." Wnllschleger hatte die Absicht, die Ansivcisnng der Genossen Jotti, Clircchi nnd Spcroni durch einen bezüglichen Antrag und Herbei- führung eines bezügliche» Bcschlnfics wieder rückgängig zn machen, allein bei dieser Haltmig der Kommission, ivclchcr die Mehrheit der BmidcSvcrsaminImig znstinnnen wird, ist hierfür keine AnSsicht. Das ist sehr bedauerlich und beleuchtet grell den„Freisinn" der Frei- siniiigen. Am Sonntag war hier der BimdeZvorstand de« schweizerischen ArbeitcrbundcS versammelt zur Entscheidung der Frage, ob das Referendum in Sacken der Kranken- und Unfall« v e r s i ch e r n n g zn unterstütze» sei, was init 17 gegen 18 Stimmen beschlossen wurde. Behufs definitiver Stellungnahme zum Gesetze selbst soll ein außerordentlicher Arbcitcrbmidcstag in Ben, stattfinden. In einer gleichzeitig inOerlikon bciZürichftaltgefnndcncnVcrsammliliig, die vom Kanlonalvorstand der zürcherischen Grütli- und Arbeitcr- vercine einbcrnfe» war, wurde mit 78 gegen 46 Stinnncn die Unter- stntznng des Referendums abgelehnt. Die Arbeiterschaft ist also in dicier Frage gespalten. Basel, 22. November.(Frkf. Ztg.) Der Große Rat hat heute das Gesetz über die Arbcitoloscu-Vcrsichcrnng in zweiter Lesung fertig beraten. Es wurde keine wesentliche Acndcrnng vorgenommen. DaS Gesetz wurde in der Schlnßabstinnmiiig mit 4K gegen 12 Ttiniuie» augcnomuic». Der Antrag, das Gesetz einer Voltsabstiuimung zn unterbreiten, wurde mit 32 gegen 26 Stimmen abgelehnt. Die Gewerbepartei will gegen das Gcietz das Referendum ergreifen. Frankreich. Paris, 24. November. Der Ministerrat setzte die Ernenernngö- wähle» für das verfassungsmäßig ausscheidende Drittel des Senats auf den 23. Jaimar n. I. au. Komplottprozeß. Paris, 24. November. DaS Zeugen verhör wird fort- gesetzt. Der Polizcikoinmissar L e p r o u st sagt ans. die Royalisten hätten die Arbeiter in La Billette zu gewinnen gesucht, um am 2ö. Oktober 1398, dem Tage der Wicdercrüffiiuiig der Kammern, auf de» Boulevards zu demonstriere».— PariS, 24. November. Mehrere Arbeiter von La Billette sagen aus. sie hätten von dem Komitee Eabran- Pontevös ö Fr. erhalten, wofür sie am Tage der Wahl Loubets rufen sollten:�„Es lebe daS Heer". Gager. der Präsident dieses Komitees, giebt zu, etlva hundert Personen für Kundgebungen angeworben zu haben, bc- hanptet jedoch, daß er dieselben auS eigenen Mitteln bezahlt habe. Ein Zeuge gicbt an, der Polizeikommifiar Lcproust habe ihn in seiner Aussage beeinflußt; Lcproust stellt das durchaus in Abrede. Italien. Dcpttticrteukammcr. Rom. 24. November. In der Adreßdebatte sprechen gegen die Politik des Kabinetts P a n t a n o(äußerste Linke), B o n a c c i (Linke), E o st a(Socialist). Carlo di Rndini(Linke) und D e f e l i c e(Socialist). Ministerpräfident P e l l o u x führt aus, er halte den Augenblick nicht für gekommen. um auf alle Bemerkungen der Redner zu antworten; er beschränke sich darauf,, einige richtig zu stellep; er müsse energisch erklären, daß die Ncgienmg keinen Einfluß ans den Prozeß betreffend den Umsturz der Urnen genommen habe. Das Ministerium trage keine Verantwortlichkeit dafür, wenn die Budgetberatmig noch nicht begouucn habe. Der Ministerpräsident leugnet, daß es sich um eine Bewilligung von 14 Millionen neuer Ausgeben für Milktärzwecke handle; die dem Hause unterbreitete Vorlage betreffe vielmehr die Verteilung der gewöhnlichen Ausgaben. Was den Zwangswohnsitz betreffe, so handle es sich nicht darum, diese Einrichtung abzuschaffen, sondern ihr den Charakter der Aus- »ahmemaßregel zu nehmen, indem man ihr die Gestalt einer durch Richterspruch zu verhängenden Strafe verleih«. Die Gelegenheit, die ganze Politik des Kabinetts zu erörtern, werde sich hoffentlich bald geben. Nachdem noch der Berichterstatter Villa gesprochen hat, wird die Thronrede-Beantwortung durch Aufstehen und Sitzenbleiben aN- genommen; gegen den Entwurf derselben stimmte npr die äußerste Linke. Belgien. WahlrechtSfrage. Brüssel, 24. November. In der heutigen Kammerfitzung wurde das Wahlgesetz, wodurch die Verhältniswahlen in Belgien ein« geführt werden, mit 70 gegen 63 Stimmen und 8 Stimmenthaltungen angenommen. Die Socialiste» protestierten heftig bei der Bcr- kündignng des Resultats der Abstimminig, während die Rechte Beifall klatschte. Mehrere socialistische Abgeordnete wurden vom Präsidenten zur Ordnung gerufen.--- Norwegen. Christiania, 24. November.(Eig. Ber.) Stumm macht Schule auch im freie», dcmokraiischcii Norwegen.' Auf der Landesversamm- lung des kouservatiuen„Arbeitervereins" von Norwegen, welche am 1. Juli d.- I. in Draminen tagte, wurde ein Gesctzesvorschlag eingebracht und angenommen, der ganz nach dem Muster der deutschen ZuchthnnSvorlage ausgearbeitet ist und folgende sieberschrift trägt: .Gesetzesvorlage zum Schutze der Freiheit der Arbeiter und Wahrung des Rechts, ungehindert zu arbeite» und Arbeit zu suchen." Dieser Vorschlag ist jetzt vom Vorstand des Vereins„Arbeiter Dr. Anguar Nielsen dem Storting eingereicht und wird nun von den„Arbeiter"- Repräsentanten I. Thoresc» nnd O. Haagensen bcgttindet und verteidigt iverdcn. Mit Siecht schreibt unser hiesiges Partei-Organ, der„Socialdcmokrat":„Der Vorschlag ist. darauf be» rechnet, die«orwegifchc» Arbpiter-Organisalionen mit einem Schlage zu vernichten. Diesen infamen Vorschlag, vor Augen ist es hohe Zeit, das; sich die Arbeiter sminncln zum kräftigen Protest. Wirh der Storting es wagen den Arbeitern solches zu biete»? Wir haben guten Grund zu glanbeu, daß dieser Vorschlag auch bei den Liberalen Unterstützung finden wird, nnd wir stehen vor der Möglichkeit, daß die Arbeiterbewegung hier zu Lande mit dem Siegel des Verbrechens gestempelt wird".' Im norwegischen Storfing fitzt bekanntlich bis jetzt kein Social« deniokrat; möge diese ZuchthauSvorlage dazu beitragen, daß bei den lommeudeu Wahlen im nächsten Frühjahr die ersten Socialisten im Storfing einziehen, wozu alle Aussicht vorhanden ist. Asien. R»ö Shanghai wird den„Times" vom 23. November gel meldet: Der britische G c s a n d t c M a c d o n a I d begab sich heute von hier nach Peking. Während seines hiesigen Aufent« Haltes war er mit den Verhanolunge» bezüglich der Land frag« in H a ii k a u und bezüglich der Ausdehnung der französischeu Ansiedelung in Shanghai beichäftigt. Letztere Aul gelcgenhcit scheint in befriedigender Weise geregelt zu sein und zwar nach Annahme der Bedingungen, welche Lord SaliSbury im letzten Juli dem französischen Bolschaftcr vorgeschlagen hat.— Meldungen ans Tieiitsin zufolge haben die amerikanischen S y n d i k a t e die Verhandlungen bezüglich der Eisenbahn von Hankau nach Canton mit Erfolg abgeschlossen. «kv i""U Aifzi; iffzton. Bei de» Wahlmänncrwahlcu zum braimschwcigisihc» Land- tage haben unsere Parteigenossen in der Stadt BrallNfihweia di« dritte Wählcrklasse vollständig erobert. Es ivurdcn in dixser Klaffe 110 Socialdcmokratcu und 6 Gegner gewählt. Dagegen wurden in der zweiten nnd ersten Klasse gar keine Socialddmoiratcn gewählt. In einigen Landortcn wurden sowohl in der dritten wie in der zweite« Klasse nur socialdeniokratische Wahlmänncr gewählt. Ob cö möglich sein wird, einen Abgeordneten unserer Partei in den Landtag zn bringen, läßt sich nach den vorliegenden spärlichen Nachrichten noch nicht beurteilen. Gcuieiudewahlei». In Delitzsch, der Geburtsstadt de? GcnossenschaftS-Schulze. beteiligten sich die Pm-teigenoffcn zu», ersten. mal an den Stadtverordnetenwahlen und zwar mit großem Erfolg. Bon drei freien Mandaten fielen unserer Partei zwei zu; es wurde» die Genoffen Münzer und Bicdcrmaim gewählt. � Auch in Bern« bürg beteiligten sich unsere Parteigenossen zum erstenmal. Unsere höchste Stimmenzahl blieb nur um 30 hinter dem mit der geringsten Zahl Gewählten zurück. Wir hätten sicher Mandate errungen, wenn nicht auf dein Saszwerke Solvayhall 30 Arbeitern die Ausfahrt zum Zivecke der Wahl verweigert worden wäre. Ter Rcichötagö- Abgeordnete Genosse Agster hat dem „Pforzh. Tageblatt" folgendes geschrieben: „Ich teile Ihnen mit, daß nach einer seitens des Reichstags- Bureaus gepflogenen Beratung mem Mandat noch immer volle Gültigkeit besitzt, und werde'ich voraussichtlich morgen nach Berlin abreisen, um an den Verhandlungen teilzunehmen." Wir können die Richtigkeit dieser Mitleilmig bestätigen. Genosse Agster hat wieder an den Verhandlungen des Reichstages teil« genommen. Polilriliches, Gerichllichea nNv. — Genosse Otto HuS von der„Deutschen Berg- nnd Hütten- arbeiter- Zeitung" stand am Domierstag zum ziveiteumal vor der Strafkammer des LniidgcrichtS Bochum wegen Beleidigmig des Betriebsführer« Verhovcil von der Zeche„Borussia", deren Zustände er in seinem Blatte kritisch beleuchtet hatte. DaS erste, auf 600 M. Geldstrafe lantende Urteil war vom Reichsgericht aufgehoben worden. Die Siraskammer verurteilte Huö abermals zu derselben Strafe. Der Schutz des§ 193 wurde ihm versagt. Aus dev Isruueubeiuegung. Frauenarbeit in de» Berliner Bekleidnngs- Großindustrie». Höchst wichtig für die sociale Erkenntnis, wie vor allem für das gesetzliche Eingreifen in die ArbettSverhälttnsse der H a u s- indnstrie nnd Heimarbeit ist die Frage, ob sich diese etwas rückständigen BctriebSformen anch heute noch ausdehnen, oder ob sie gegenüber der Fabrikarbcit nn Rückgang begriffen sind. Hin- sichtlich der in der Berliner BekleidungS-Großinduftrie beschäftigte" Arbeiterinnen hat Dr. A l f r e d W e b e r die Frage untersucht und in dem bereits erwähnten Buch über die Hausindustrie der Frauen in Berlin behandelt. Die Ergebnisse, zu denen er gelangt, zeigt folgende kleine Nebersicht: Fabrik- Werkstatt- Heim- arbeiterinnen arbeiterimicn arbeiteriimen Proz. Proz. Proz. 1875 3 674 12.8 14 904 60.6 10 889 36,6 1895 13 266 18.8 41816 59,5 13 383 19.0 Dazu kommen für 1895 noch 1714 Zwischemncistcrinncn gleich 2,5 Proz. der nachgewiesenen über 70000 Frauen. Die Tabelle zeigt eine Abnahme der Heimarbeit und ein Wachsen der Fabrik- und Werlstattarbeit. Unsicher ist nach dem Verfasser, wann diese Entwicklung begonnen bat. Wahrscheinlich sei, daß die Tendenz zur Centralisieruug des Betriebes in den achtziger Jahren eingetreten sei mit dem ruhigeren Geschäftsgang jener Zeit, mit der Weiterbildung der Technik der Industrie innerhalb gegebener Grenzen ihrer Ausdehnung, mit der Erschwerung der Konkurrenz- Verhältnisse durch ausländische Zölle, kurz mit Momenten, die zu einer größeren Wirtschaftlichkeit der Produktion drängten. In jenen achtziger Jahren jscheint die Entwicklung vom extensiven zum intensiven Betrieb eingesetzt zu haben mit Zusammeuziehung der Arbeit, schärferer Kontrolle, weiterer Arbeitszerlegung, wie dies alles der Werkstattbetrieb ermöglicht. Aber das bedeutet noch keineswegs ein Zurückweichen der Hausindustrie, sondern nur ein Zurück- gehen der H e i m a r b e i t in den eigenen Behausungen der Arbeiterinnen zu Gunsten der im stärksten Maße weiter be- stehenden W e r k st a t t a r b e i t vor allem bei Zwischenmeistern. Der wirkliche Umfang der Heimarbeit ist aber in der That größer, als er in der obigen Uebersicht erscheint. Denn Heim» arbeit ist die Arbeitsform auch für alle diejenigen Arbeitskräfte, die von der offiziellen Statistik nicht erfaßt sind. Dr. Weber meint, erst wenn man zu den offiziell nachgewiesenen Heimarbeiterinnen das Mehr an weiblichen Arbeitskräften hinzuzählt, das die privaten Er- Mittelungen und Berechnungen der Bearbeiter des erwähnten Bandes der Schriften des Vereins für Socialpolitik über den wirk- lichen Umfang der Industrie ergeben haben, bekomme man ein richtiges Bild über das Verhällnis der Arbeitsformen zu einander. Nach diesen Erniittelungcn beschäftigen in Berlin: Kleiderkonfektion... 41 000 Arbeiterinnen Wäscheindustrien... 16 600„ Kostümkonfektion.». 4 500„ Weißwarenindustrie.. 1 500„ Kravatteufabrikation.. 9 800, Kürschnerei..... 2 000„ Putzindustrien.. 6 500_„ zusammen. 81 800 Arbeiterinnen die obige Statistik weist nach 70 184_„ oben also nicht nachgewiesen 11 616 Arbeiterinnen. Diese 11 616 der Statistik entgangenen Arbeiterinnen müssen zu den offiziell nachgewiesenen Heimarbeiterinnen hinzugezählt werden. Dann ergiebt sich das folgende Bild der drei Arbeitsformen: Fabrikarbeit... 13 266 Arbeiterinnen— 16,2 Proz. Werkstattarbeit.. 43 530„--- 58,2. Heimarbeit... 25 004„— 30,6 Die in so vielfacher Beziehung zu verwerfende Heimarbeit ist demnach in der Berliner Bekleidung's-Großindustrie noch immer fast doppelt so groß als die in ihr übliche Fabrikarbeit. Und die„Haus- industrie" sWerkstattarbeit und Heimarbeit zusanimengcnommen) umfaßt nach diesen Berechnungen zur Zeit 83,8 Proz. aller Ar- beiterinnen der Berliner Bekleidnngs-Großindustrie. Die Dicnstbotcnfrage wurde im Frauenbildnngs-Verein in Breslau, einer bürgerlichen Frauenorganisation, behandelt und dabei folgende Leitsätze aufgestellt: Die Gesiudcordnuug von 1810 ist als unzeitgemäß aufzuheben und die weiblichen Dienstboten unter das Gewerberccht zu stellen, das dem häuslichen Wirtschaftsbctriebe ciit- sprechende Zusätze zu erhalten habe. Abschaffung der Dienstbücher mit polizeilicher Bescheinigung, die einen praktischen Wert doch nicht haben, die Dicustboien in ihrem Fortkommen beeinträchtigen und ihnen zu ihrem Nachteil anderen Arbeitern gegenüber eine Aus- nahmestelluug geben. Forderung gesunder Schlafräume mit bau- polizeilicher Genehmigung des Minimums an Licht und Lnfteinlaß, Vennlation, Temperatur, Freigabe des Sonntagsnachmittngs oder als Ausgleich eines Wochennachmittages, Womöglich gesetzliche Fest- stellnng eines lvöchentlichcu Minimums an freier Zeit. Die Be- Zeichnung Gesinde und Dienstboten ist durch Hansgehilscn zu ersetze». Einrichtung kommunaler Arbeitsvermittlung für hauswirtschaftliche Arbeiterinnen und dadurch Einschränkung event. Aufhebung der gcwerbemäßigen Vermittlung. VittorALifrijezs. Notizbuch für Rcichötagswählcr. Statistik der Wahlen zum deutschen Reichstage in den Jahren 1871 bis 1898 mit allen Nach- wählen bis 1. Mai 1899, sowie biographischen Notizen sämtlicher Miiglieder des Reichstags von 1871 bis 1898, Dieses soeben in >5, Auflage im Verlage der Druckerei Hernrann Schönfcld in Dresden erschienene Büchelchen ist als eines der brauchbarsten Nachschlage- bücher zu bezeichnen, die über den Gegenstand bisher erschienen sind. Schon der ausführliche Titel zeigt,' ivie weitreichend die Aus- künfte des Buches sind. Die Orientierung ist dadurch sehr erleichtert, daß in der Regel jedem Kreise eine Seite ge- widmet ist. Mit einem Blicke kann man sich über die in der Abstimmung zum Ausdruck kommenden Partei-Eutwicklung eines Wahlkreises unterrichten. Am Schlüsse ist noch eine Zusammen- faffung der Parteistinmien über das ganze Reich seit 1871, der Mandatsverteilung nach Parteien und Landcsteilen, sowie der Fraltiousbewegnng seit 1871, endlich der Bestand der Fraktionen am 15. Mai 1898 u»d ein Wahlkreisregister und ein Register der Ab- geordneten gegeben. Der Preis von 1 M„ mit farbigem Tablean 1,50 M., ist nicht zu hoch gegriffen. Die buchbindcrische Beschaffenheit des Biichelchcns ist das einzige, was zu tvünschen übrig läßt; lvenigstens hat das uns zn- gegangene Exemplar dem ersten Gebrauche nicht standgehalten, lrw, Der Krieg. Ei» englischer Sieg. Das KriegSamt veröffentlicht folgende aus Belmont vom Donnerstag datierte Depesche des Generals Lord Methuen: Ich griff den Feind heute bei Tagesanbruch in einer festen Stellung an und nahm schließlich einen durch Schrapnellfeuer vor- bereiteten Hanptangriff. Die Infanterie hielt sich vorzüglich, sie wurde durch die Schiffsbrigade und Kavallerie unterstützt. Der Feind focht mit Mut und Geschick, Hätte ich später angegriffen, dann wären meine Verluste weit schwerer gewesen. Der Sieg ist vollständig. Ich habe 40 Gefangene gemacht. Ich bin dabei, eine Anzahl Boeren zn beerdigen, jedoch der größere Teil der gefallenen und verwundeten Boeren ist von ihren Kameraden mit« genommen worden. Ich habe eine große Zahl Pferde und Vieh er- beutet und eine große Menge Kricgsvorrat zerstört. Die englischen Verluste betragen 3 Offiziere 65 Mann tot, 21 Offiziere 128 Mann verwundet, 18 vermißt; unter den verwundeten Offizieren befindet sich der Brigadegeneral Fetherstonhauph. Ob der Sieg wirklich ein Sieg war und ob er etwa große strategische Erfolge— Entsatz von Kimberley— bringen tvird, ist noch zweifelhaft. Zwischen Estcourt und Pictermarttzburg! London, 23, November. Die Abendblätter veröffentlichen eine Depesche ans Pietermaritzburg, der zufolge General H i l d y a r d am Vormittag einen Ausfall aus Estcourt machte und die Boeren in ein Gefecht verwickelte. Durban, 23. November. Die„Times of Natal" melden, General White habe in der Nacht vom letzten Sonntag zum Montag einen Angriff gemacht, mehrere Stellungen der Boeren genommen, mehrere Kanonen und viel Kriegsmaterial erobert.(?) Durban, 24. November. Ein Telegramm des„Advertiscr" vom M o o i River besagt, der Feind gab heute früh nur einen gelegcnt- lichen Schuß oder zwei auf das britische Lager ab; es geht das Gerücht, daß ein schweres Gcschützfencr nach Norden zn gehört wurde. Dies wird durch einen amtlichen eingeborenen Läufer bestätigt, der von de» Boeren gc- fangen wurde, dem es aber gelang, zu entkommen; der Feind befand sich in starker Anzahl in gedeckter Stellung auf einem Hügel, woselbst zwei Geschütze aufgefahren waren. Der Läufer war Verantwortlicher Redakteur: Panl John in Berlin, in der letzten Woche in Ladysmith und bestätigt die Berichte von schweren dort stattgehabten Gefechten. Die Voeren machten mehrere Versuche, das britische Lager zu nehmen, wurden aber mit schweren Verlusten zurückgeschlagen. Die Haltung der BasntoS. Ein amtliches Telegramm Milners an Ehamberlain vom 22. d. M. besagt, die Boeren bemühen sich, die Bastito-Hänpt- linge Jonatban und Joel auf ihre Seite zu ziehen, ersterer bleibt loyal, aber Joel griff den Bruder des ersteren, der Jonathans Partei ergriff, an und tötete drei Mann desselben. Der Plan der Boeren geht dahin, den Bürgerkrieg in dem Stamme zu entfachen, aber Jonathan enthielt sich gemäß den Befehlen des Residenten, Wiedcrvergeltung zu üben. Der Oranje-Freistaat versprach Jonathan, daß das Basuto'land den Basutos für immer gehören solle, wenn er sich ihm anschließe. Die Eingeborenen sind durch die wiederholten Berichte von den Erfolgen der Boeren erregt, aber die allgemeine Haltung ist befriedigend. Noch mehr Verstärkungen. London, 23, November. Ein Armeebefehl ist ergangen, durch welchen die Mobilisierung von weiteren 8 Bataillonen der Miliz vom 11. Dezember an angeordnet wird. Wie die„Times" melden, sind alle Vorbereitungen zur Bildung einer sechsten Division getroffen ivorden, obgleich der Befehl noch nicht dazu ergangen ist. Es sind gestern in Aldershot die Befehle eingetroffen zur sofortigen Mobilisierung einer Kavallcrie-Brigade und einer Artillerie- Division, die sich zum sofortigen Abgang nach Südafrika bereit zu hallen haben; auch die berittene Infanterie wird verstärkt. Boeren-Hoffnungen. Die„TimcS" veröffentlichen folgende Meldung aus K a p st a d t vom 23. November: Hier angekommene Flüchtlinge aus Pretoria erzählen, daß sich dort 32 Offiziere und 140V Mann als Gefangene befinden. Die Renn- bahn in Pretoria ist für den Fall einer Belagerung in ein Lager umgewandelt worden. Die Flüchtlinge schätzen die Ver- luste der Boeren auf 1000 Mann, von denen die Hälfte getötet worden sei. Die Boeren glauben, daß der Krieg vier bis sechs Monate danern dürfte und daß sie dann im Besitze von ganz Südafrika sein werden. Tausend Mann sind unter dem Ober- besehl von Eloff und Albrccht aufgebrochen, um V u l u w a y o an- zugreifen. Vermittlung in der Streitfrage. Brüffel, 24. November. Der Londoner Korrespondent der „Jndep," telegraphiert seinem Blatte folgendes: In hiesigen politischen und diplomatischen Kreisen spricht man heute von nichts anderem, als von der Zusanimenkunft, welche im Schlosse Windsor zwischen Kaiser Wilhelm und Ehamberlain in Anivcsenheit des Grafen Hatzfeldt stattgefunden hat. In gut unterrichteten Kreisen wird bestimmt behauptet, Kaiser Wilhelm habe in aller Form und im Name» der Großmächte die Vermittlung zur Schlichtung des südafrikanischen Streites augeboten, Ehamberlain habe im Laufe der Unterredung die Bestimmiingeil 'estgestellt, unter welchen England den Frieden annehmen könne. Die Thatsache, daß Ehamberlain vorher eine Unterredung mit Lord Salisbury hatte und daß Graf Hatzfeldt trotz seiner Krankheit nach Windsor gekommen ist, lassen angeblich darauf schließen, daß diese Gerüchte richtig sind. Letzte Meldungen. London, 24. November. Nach einem amtlichen Telegramm haben 300 Boeren von Hclpmakaar aus gestern früh Tugeladrist angegriffen, sind aber»ach ztveistündigem Kampfe von den Uinvoti- Schützen zurückgeworfen ivorden. Der Tugela ist augeschwollc» und infolgedessen unpassierbar, London, 24, November. Das Kriegsministerium hat von Lord Methuen ein Telegramm erhalten, in dem es heißt, daß es den Vertvundcten gut geht. Die Zahl der Gefangenen übersteige fünfzig. Unter denselben befänden sich ein deutscher Kommandant und sechs Feldkornets, Neunzehn von diese» Gefangenen seien vcrtvundet, Methuen fügt hinzu, er sei nicht im stände, die Verluste der Boeren annähernd anzugeben. Die Gefangenen sagten ans, der Augriff sei 'ür die Boeren eine Ueberrascknmg gewesen und dies sei das erstemal gewesen, daß sie geschlagen seien, Belmont, 23, November,(Telegramm des„Rentcrschcii Bureaus".) Die ganze Westdivision brach am Dienstag vom Orange-Flnß auf und bivouakicrtc in Wittcpnls. Zwei Kompagnien berittener Infanterie und eine Abteilung australischer Lancicrs wurden abgesandt, um die Thomas Farm zu besetzen. Diese Pikets hinderten den Feind an seinem Vormärsche, schließlich eröffneten die Boeren aber aus einem Geschütz das Feuer, Ivorauf die britische Artillerie auffuhr und den Feind zum Schweigen brachte. Heute früh brach die Gardebrigade auf und rückte stetig vor auf einem kleinen Hügel, wenige Meilen östlich von der Station Belmont, Die schottische Garde und die Gardcgrcnadiere rückten ans etiva 50 Aards an den Fuß des Hügels heran, obtvohl sie ein vernichtendes Feuer anszu- halten hatten, welches sie einen Augenblick stutzen ließ. Als der Tag anbrach, ivnrde ein tötlichcs Feuer auf die Reihen des Feindes eröffnet, Dieser Gelvehrkampf dauerte eine halbe Stunde, dann ging die Artillerie an die Arbeit und die Boeren räumten ihre am weitesten vorgeschobene Stellnng. Die schottische Garde erstürmte den Hügel mit gefälltem Bajounett unter lauten Hurrarufen. Dann ging auch die neunte Brigade in ausgedehnter Linie vor. Der Feind begann ein furchtbares Kreuzfeuer von den umliegcudeir Hügeln, aber trotz desselben stürmten die Coldstreain-Garden, unterstützt von den schottischen Grenadieren, sowie dem Northnnibcrland- und dem Norlhampton-Regiment auch die zweite Position des Feindes mit dröhnenden Hurra. Die britische Artillerie leistete hierbei vortreff- liche Dienste. Das Feuer des Feindes tvar anhaltend und tvirkjnm, aber die englische Infanterie kam nicht einen Augenblick ins Wanken. Trotz einer von den englischen LanccrS ansgesührteir Flanken» bewcgung gelang es den Boeren, nachdem sie ans ihrer zweiten Position zurückgegangen ivaren. auf einer dritten Hügelreihe Posto zu fassen. Die Infanterie hielt ihrem Feuer wiederum wacker stand. Als nun die Schiffs- Brigade auf eine Entfernung von 1800 Dards ebenfalls in Aktion trat, konnte der Feind nicht mehr stand halten. Tödliche Salven trafen ihn hinter- einander und nötigten ihn, seine Stellungen zu verlassen. Nun ging die Kavallerie vor und verfolgte die Boeren fünf Meile» weit. Die Engländer nahmen das Lager der Boeren und zerstörten die dort befindlichen Vorräte. Während des Angriffs ans ihre ziveite Position hißten die Boeren eine tveitze Flagge, nnd als Lieutenant Willoughby von der Coldstrcam- Garde daraufhin sich erhob, um heranzugehen, wurde er sofort erschossen. Dasselbe Manöver wurde zweimal wiederholt. Kapstadt, 24. November, Das Blatt„Argus" veröffentlicht ein Telegramm über das gestrige Gefecht bei Belmont, in dem es heißt, die Truppen Lord Methuens hätten, nachdem sie bereits bei dem ersten Angriff am Mittwoch zwei Geschütze genommen, bei dem Hauptangriff am Donnerstag weitere Geschütze erbeutet. Der Feind, der sich in starker Stellung befiinden habe, sei 3500 Man» stark gewesen._ Vrvfammlungon. Eine Versammlung für den 45. Kominuual-Wahlbczirk, die sich eines außerordentlich guten Besuches zn erfreuen hatte, tagte gestern abend im Lokale„Artushof", Perlebergerstr. 26. Genosse Singer als Referent zerpflückte zunächst unter dem lebhaften Beifall der Versammlung die Behauptungen eines soeben verbreiteten gegnerischen Flugblattes, in welchem zwar des langen und breiten, ohne es jedoch mit der Wahrheit allzu genau zu nehmen, auseinander gesetzt werde,>vaS die Social» demokraten alles thun wollen, aber mit keinem Worte erwähnt sei, was denn Herr Ulrich, der«parteilose" Kandidat zu thun gedenke, falls er gewählt werden sollte. Allerdings versuchen es die Gegner, alle Kreise der Bevölkerung vor ihren Wagen zu spannen. Und schon Für den Inseratenteil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und verlaute, daß man besonders in der Vcrwaltting der Post dabei sei, für die Wahl des Anttsemiten in den Kreisen der Unter- bcamten„Stimmung" zn machen. Aber gerade diese amt- liche Beeinflussung müsse die unabhängigen Elemente bis auf de» letzten Mann auf die Beine bringen, um diese Beeinflussung zu paralisicren. Auch solle man eventuell diesbezüg- liches Material für einen Protest sammeln. Was den Freisinn in diesem Bezirk betrifft, so muß man es diesem überlasten, ob er durch die Unterstützung des Antisemiten den letzten Rest politischen Ansehens daran setzen will, den er noch zu verlieren hat. Gegner meldeten sich in der Diskussion nicht zum Wort. Au der- selben beteiligten sich eine Anzahl Genossen, n. a. der Kandidat des Bezirks, Genosse Glocke, Mit einem zündeudeii Appell, daß bis zum Tage der Wahl jeder Parteigenosse seine Schuldigkeit thut, wurde die Versammlung geschloffen. VsvlÄmentÄvisiches. Die Wahlprüfungs- Kommission des Reichstags hat am Donnerstag beschlossen, über die Wahl des konservativen Abgeord- neten Will in Stolp- Lauenburg Beivcis zu erheben, namentlich darüber, ob in zwei Fällen Wahlgeomctrie getrieben worden ist und diese Bezirke bei der letzten Wahl anders gebildet worden sind als früher._ Uetzke Mschvichkett und Depeschen« Ocstrcichischeö Parlament. Wien, 24. November.(W. T. B.) Die Debatte über die den Ausgleich mit Ungarn betreffenden kaiserlichen Verordnungen tvird fortgesetzt. Der Czeche Kaftan fährt in seinen gestern begonnenen Ausführungeu fort nnd bespricht in zweistündiger Rede die Ausgleichs- vorlagen. Er erklärt u, a,, Ocstreich habe ein Interesse an der Er- Haltung des Absatzgebietes auf der Balkanhalbinsel, Bedauerlich sei, daß die Beziehungen zu Rußland mit Rücksicht auf die Belgrader Vorgänge der letzten Monate getrübt ivorden seien. Schließlich bespricht der Redner die Stellung seiner Partei zn den: Ministerium Clary und erklärt, die Czcchcn könnten die Ausgleichs- vorlagen nur einer Regierung beivilligeu, zu der sie Vertrauen haben, Dvorak(Czeche) führt in dreistündiger Rede aus, die Regierung habe vor Ungarn kapituliert. Seine, des Redners, Partei stehe nicht aus dem Standpunkte der Gehässigkeit gegen Ungarn, aber ivedcr die Deutschen noch die Czechen dürften sich zu Heloten der Ungarn hergeben. Redner spricht sich gegen die Valutaregulierung ans. Die Verhandlung wird abgebrochen. Frauzösifche Dcputicrteukammer. Paris, 24. November.(W. T. B) Die Beratung des Budgets des Auswärtigen wird begonnen. Auf eine Anfrage lvcgen der Durchsuchung des französischen Dampfers„Cordoba" durch einen englischen Kreuzer in der Delagoa-Bai erklärte der Minister des Auswärtigen, Dclcasss, die Kriegführenden hätten das Recht, sich der Nationalität von Fahrzeugen zn Vcrgeiviffcrn. Wenn der englische Kreuzer nichts anderes gcthan habe, so habe er sich im Recht befunden. Auf China übergehend, erinnerte Dclcassö an die Konzesfioneu, welche die verschiedenen Nationen, darunter auch Frankreich, dort erhalten hätten, nnd fügte hinzu: „Wir haben uns nicht mit den Aktionen anderer Mächte zu be- schäftigen, so lange sie unsere Interessen nicht beeinträchtigen. Die Besetzung von Kwaugtschauwan ivar notwendig geworden durch'das Verhalten Deutschlands. Wenn wir bei der Teilung auch tveniger gut fortgekommen sind, als England, so haben wir doch den Punkt genommen, der uns am geeignetsten erschien." Rußland hat, fügt Delcasss hinzu, es verstanden, bis nach Petschili zu kommen. Was Frankreich angeht, so liegt die Zone scincs Einflusses bei Tonkin. Wichtig für uns ist, daß China sich verpflichtete, die Tonkin benachbarten Provinzen keinem. Einfluß einer auswärtigen Macht ausschließlich zu öffnen. Wir müssen darauf bedacht sein, China für jede auswärtige Unter- »ehmung offen zn halten. Wir haben in China keine Schwächung erfahren,"(Beifall.) Redner geht sodann zu der Besprechung des Krieges in Süd- afrika über und erkärt, daß er für Bennittlung und Schiedsgericht sei, aber er sei der Ansicht gewesen, daß er hierzu nicht die Initiative ergreifen dürfe, da die Mächte die in der Konferenz getroffenen Abmachungen noch nicht uuterzeichuet hätten, Redner berührt dann die Kritiken gelvisser Blätter in der Faschodafrage, welche diese Blätter cxploitiert hätten als eine nationale Erniedrigung, nnd sagt, die Regierung habe diese vollkommen gerechtfertigte Enl- scheidung treffen müssen, obwohl sie ihr grausam erschienen sei. Man habe ihr daraus ein Verbrechen gemacht, und wenige Monate später sei der Vertrag unterzeichnet worden, ivelchcr Frankreich weite Gc- biete einräumte nnd die Einheit des französischen Reiches in Afrika schuf, Dan» kam die Konferenz im Haag, wo die Vertreter Frankreichs ganz ihre Pflicht gethan hätten.(Beifall.) Die Gegner der Regierung wollten, daß Frankreich in Europa mächtig sei, sie verlangten zugleich aber auch, daß Frankreich überall seine Hand im Spiel habe» müsse, undforderten weiter unaufhörlich eine Vergrößerung des Gebietes, als wenn Frankreich nicht ein ungeheures Kolonialreich besäße, welches zunächst erschlossen iverden müsse.(Beifall.) Wir haben nur unsere Interessen zu berücksichtigen und nicht nach zwei- deutiger Popularität zn haschen,(Lebhafter Beifall.) Die Re- qiernug ist sich ihrer Pflichten bewußt und erfüllt sie. In Au», sehnng unserer vitalen Interessen und im Hinblick darauf, daß die Bevölkerung Frankreichs kaum noch zunimmt, ist die Regierung zu dem Schlüsse gekommen. daß sie weniger sich um eine Ver- größeirmg des Gebiets als darum bemühen muß, das zu erhalten, was sie bereits hat.(Beifall.) Delcasss weist sodann hin auf das mit den Vereinigte« Staaten von Nordamerika getroffene Abkommen und fährt fort:„Durch unsere durchsichtige und aufrichtige Politik haben wir uns bei einigen Freundschaft und Achtung bei alle» erworben." Der Minister spricht sodann scharfen Tadel aus gegen diejenigen, welche die edelsten Gefühle dazu herabwürdigten, die Regierung zu bekämpfen und die öffentliche Meinung gegen dieselbe aufzureizen. lBeifall.) Der Minister schließt:„Unmittelbar nach seinen Siegen fühlte Deutschland das Bedürfnis, Bündnisse zu suchen. Dem Dreibünde stcRten Frankreich nud Rußland den Zweibund gegenüber, der immer enger wird. Er verbürgt uiiscrc Sicherheit in der Gcgeuivart und erlaubt uns, weite Pläne für die Zukunft zn fassen, nnd er soll uns erhalten in dem Geiste der Beharrlichkeit, der ihn herbeigeführt hat." Anhaltender lebhafter Beifall. Tie Sitzung wird hierauf geschlossen._ Frankfurt a. M.» 24, November,(B, H.) Die„Franks. Ztg." meldet aus Konstantinopcl: Sonntagnacht wurden in größter Heimlichkeit drei Verhaftungen vom Palais dekretiert, ivclchc nicht geringe Sensation hervorrufen. Es handelt sich um drei die höchsten Staatsstellen bekleidenden Würdenträger, die sich der be- sonderen Wertschätzung muselmännischer und fast aller europäischen Kreise erfreuten. Said Bcy, der Präsident der juridischen Sektion des Staatsrates, Ferdi Bey, Mitglied der Eivilsektio« des Staatsrates, sowie der hochgelehrte Zeia Molla, Mitglied des Kollegien- rates, wurden Sonnlagnacht in ihren Konaks durch Palastgardcn arretiert und unter starker Eskorte nach dem Aildiz gebracht. Am Montag trat im Palais ein außerordentlicher Gerichtsrat zusmnrnc», ivelchcr das Schuldig aussprach und ans lebenslängliche Deportation der Augeklagten erkannte. Die Angeklagten sollen nach einer Verjioii mit dem ältesten Sohne des Sultans, nach einer anderen mit dem Thronfolger Verbindung gehabt haben,— Paris, 24. November.(B. H.) Die Regierung beschloß heute, aus Anlaß des Hochverrats-Prozesses die Senatswahlc», welche am 7. Januar stattfinden sollten, bis zum 28. Januar zu vertagen. Madrid, 24. November.(W, T. B.) In Gijon explodierte bei Versuchen mit einer vom Kapitän Muuaiz erfundenen Kanone ein Geschoß. Zwei Personen wurden getötet, mehrere, pntcr ihncy Munaiz, verwundet._ j_ -erlag von Max Babing in Berlin. Hierzu 3 Beilagen- St. 276. i6. mm. 1. KtlllM Meichskag. 108. Sitzung vom 24. November 1899, 1 Uhr. Ain Tische des Bundesrats: Graf PosadowSly. Die zweite Beratung der Novelle zur Gewerbe-Ordunug tvird fortgesetzt bei Art. ha,, der dem§ 105e, in welchem den höheren Verwaltungsbehörden die Befugnis gegeben wird, bezüglich der Sountagsarbeit Zlusnahmen zu gestatten,„für Gewerbe, deren vollständige' oder teilweise Aus ü b u n g an Sonn- und Festtagen zur Befriedigung täglicher Bedürfnisse der Bevölkerung erforderlich ist, sowie für Betriebe, welche ausschließlich oder vor- wiegend mit durch Wind oder unregelmäßige Wasserkraft bewegten Triebwerken arbeiten." einen Zusatz geben will, nach welchem der Bundesrat über die Voraussetzungen der Zulassung von Ausnahmen nähere Bestimmungen zu trceffen hat. Abg. Freiherr v. Stumm(Rp.) beantragt statt„hat zu treffen" zu setzen„trifft". Abg. Stumm(Rp.) empfiehlt seine Fassung, da es dem Ver- bälinis des Reichstags zum Bundesrat nicht entspreche, daß der eine Teil dem andern gewissermaßen Vorschriften mache. Direktor im Reichsamt des Innern Direktor v. Woedtke bittet diesen Antrag anzunehmen. Der Bundesrat treffe diese näheren Bcstiiumungcn ohnehin und brauche nicht erst vom Reichstag dazu veranlaßt zu iverden. Abg Dr. Hitze(C.): Nach dieser Erklänmg des Herrn Regie- rmlgsvertretcrs stimmen wir gern dem Antrag Stumm zu. Artikel ha wird darauf in der vom Abg. v. Stumm beantragten Äcndcrnng angenommen. Artikel 6 trifft in seinem ersten Abschnitte Ver- fügungeu über die Einführung von Lohnbüchern und Arbeitszctteln für bestimmte Gewerbe. Er fiigt einen neuen§ 114a in die Gewerbe-Ordnung ein, der lautet: Für bestimmte Gewerbe kann der Bundesrat Lohnbücher oder ArbcitSzcttel vorschreiben. In diese sind von dem Arbeitgeber ein- zutragen: 1. Art und Umfang der übertragenen Arbeit, bei Accordarbeit die Stückzahl;' 2. die Lohnsätze; 8. die Bedingungen für die Lieferung von Werkzeugen und Stoffen zu den übertragenen Arbeiten; 4. die Bedingungen für die Darreichung von Kost und für die Ilcbcrlaffung von Wohnraum, sofern Rost oder Wohnraum auf den Lohn angerechnet werden sollen. Das Lohnbuch oder der Arbcitszettel ist vom Arbeitgeber auf seine Kosten zu beschaffen— und dem Arbeiter kostenfrei auszn- händigen. Die Lohnbücher sind mit einem Abdruck der Bestimmungen der HL— 119» sBestimmungcn über die Lohnzahlnngcns zu versehen. Im übrigen wird die Einrichtung der Lohnbücher und Arbeitszcttel durch den Reichskanzler bestimmt. Dazu liegen vor: Antrag v. Stumm(Rp.), Ziffer 4 zu streichen. Antrag Albrccht und Genossen(S o c.). 1. in Ziffer 4 die Worte von„sofern Kost" bis„sollen" zu streichen. 2. in Absatz 1 vor das Wort„einzutragen" zu setzen„nur"' 3. hinter die Worte„§ llö— llga" zu setzen„der Gelverbe- Ordnung, solvie der§§ 394 und 400 des Bürgerlichen Gesetzbuches. §§ 394 lautet: Soweit eine Forderung der Pfändung nicht unter- ivorfeN ist, findet die Aufrechnung gegen die Forderung nicht statt. Gegen die aus Kranken-, Hilfs- oder Stcrbckaffcn, insbesondere nuS Knappschaftskaffcn und Kassen der Knappschaftsvercinc zu beziehenden Hebungen können jedoch geschuldete Beiträge aufgerechnet werden. t, 400: Eine Forderung kann nicht abgetreten werden, soweit sie der Pfändung nicht unterworfen ists. Antrag Rösirke-Pachnicke ssrs. Vgg.j: 1. als Abf. 2 einzufügen: Auch in den Gewerben, für welche besondere Bestimmungen auf Grund des Absatz 1 vom Bundesrat nicht erlassen sind, dürfen Ar- bcitern. Arbeiterinnen und sonstigen Personen, Arbeiten zur Ver- richtung außerhalb der Fabrik oder Werkstätte nur auf Grund von Lohnbüchern oder ArvcitSzetteln von Arbeitgebern übertragen werden; 2. im. letzten Absatz hinter„Lohnbücher" einzuschalten„und Arbeitszettel", sowie entsprechend dem ersten Antrag für„119a" zu setzen„llvd"(Bestimmungen für die Lohnzahlungen in der Haus- iudustrie); 3. einen neuen letzten Absatz einzufügen des Inhalts: Auf An- trag von Gewerbeunternehmern, für deren Gewerbe Bestimmungen auf Grund des Abs. 1 vom Bundesrat erlassen sind, kann die höhere Verwaltungsbehörde bis auf Widerruf gestatten, daß für die in den Fabriken oder Werkstätten der belreffenden Unternehmer beschäftigten Arbeiter an Stelle der Lohnbücher und Arbeitszcttel Tarife ver- wendet werden, welche den in Abs. 1, Ziffer 1—4, enthaltenen An- forderungen entsprechen und an in die Augen springenden Stellen auszuhängen sind. Abg. Frhr. V. Stumm(Rp.): Der vorliegende Paragraph ist sehr weitgehend und erinnert in- sofern lebhaft an die vielbesprochene Bäckereiverordnung, als auch hier wieder die diskretionäre Gewalt des Bundesrats weiter aus- gedehnt wird. Vor allem ist die Ziffer 4 vollständig unklar und in der Fassung der Kommission einfach ein Schlag ins Wasser. Soll der Preis der dargereichten Kost gemeint sein oder etwa der Speise- zettel? Gefährlich aber ist vor allem die Versuchung, die hierdurch für den Arbeiter geschaffen wird, bei der Lohnzahlung sich diesen Be- trag in Bar auszahlen zu lassen. Wenn der Arbeitgeber diesen Betrag nämlich auf den Lohn anrechnet, ist er durch Gesetz ge- zwungen, nicht über die Selbstkosten bei Berechnung derselben hinaus- gehen. Im Interesse der Arbeiter selbst also bitte ich Sie. die Ziffer 4 zu streichen. Abg. Frhr. V. Hey! zn Herrnsheim(natl.): Ich verstehe nicht, weshalb Herr v. Stunim diese Ziffer ge- strichen haben will. Es ist doch durch die Kommission für Arbeiter- statistik nachgewiesen, daß wenigstens in der Konfektions- und Wäschcbranche Naturallöhne eine wesentliche Rolle spielen. In Süddcutschland existieren Zwischenmeister, welche ihren Arbeiterinnen 50 Pf. Lohn zahlen und dabei Kost und Logis mit 40 Pf. an- rechnen, so daß der wirkliche Verdienst 10 Pf. pro Tag betrögt. (Hört, hört! links.) Ich bitte also, daß an der Fassung der Kommission nichts geändert wird.(Bravo! links.) Abg. Rciffhaus(Soc.): Wir sehen in diesem neuen Paragraphen auch eine» kleinen Vorteil für die Arbeiter. Besonders bei den Heimarbeitern gehen oft 14 Tage bis zur Ablieferung der Arbeit hin. bis sie überhaupt wissen, was sie für ihre Arbeit bekommen, und wenn einmal die Preise vorher festgesetzt waren, so werden hinterher ganz willkürlich Abzüge gemacht. Das Gute, was dieser Artikel bietet, ist aber dmchaus minimal und steht in gar keinem Verhältnis zu den Ver- sprcchungcn, die auch von feiten der Herren Nationallrberalen gelegentlich des großen Konfektionsarbeiter- Streiks gemacht worden sind. Allerdings geben wir zu. daß die Regelmig dieser Rmterie besonders schwierig ist. hätten aber die Ver- treter der Regierung und die Majorität dieses Hauses nur halb so viel Entgegenkommen gegenüber diesen Aermsten der Arbeiter bewiesen wie gegenüber de» Agrariern durch Liebesgaben(Lachen rechts), dann wäre hier weit mehr erreicht worden. Man will eben wieder den Pelz waschen ohne ihn naß zu machen.— Nur eine Gefahr liegt in dieser Einrichtung der Lohnbücher und die besteht jjdarin, daß sie eventuell zu Kontrollbüchern werden können. Diese iW Jumirts" Gefahr ist zwar nicht sehr groß, wir möchten ihr aber dadurch ent- gegentreten, daß wir in dem Absatz 1 das Wörtchen nur einschieben. sodatz also nur die in Ziffer 1—4 vorgesehenen Eintragungen in das Lohnbuch vorgenommen werden können. Weiter haben auch wir be- antragt, daß die Ziffer 4 gestrichen wird, fteilich nicht aus den Gründen des Herrn Freiherr» v. Stumm, sondern weil die Absicht dieses Absatzes schon durch die Bestimmungen der ZA 394 und 400 des Bürgerlichen Gesetzbuches erreicht wird. Es könnte somit die irrtümliche Auffassung Platz greifen, daß dieser Absatz 4 eine Ab- weichung von den Bestimmungen des Bürgerlichen Gesetzbuches be- deutet. Ganz überflüssig wird dieser Absatz 4, wenn Sie noch unseren Antrag Nr. 3 annehmen und damit bestimmen, daß die be- treffenden Paragraphen des Bürgerlichen Gesetzbuches in den Lohn- büchcrn abgedruckt werden. Ich bitte Sie, unsere Anträge an- zunehmen.(Beifall bei den Socialdeniokraten.) Abg. Rösicke-Dessau(wildlib.): Der Zweck dieser Bestimmung«» ist doch der, in den Fällen wo Unklarheit über die Arbeitsbedingungen besteht, diese durch die Einführung von Lohnbüchern zu beseitigen. Besonders groß ist diese Unklarheit der Arbeitbsdingungen aber bei den nicht in Fabriken und Werkstätten beschäftigten Arbeitern, den sogenannten Hausindustriellen oder Heimarbeitern. Es entstehen da leicht Streitigkeiten über die vereinbarten Bedingungen und wenn die Arbeiter dann mit der fertigen Arbeit kommen, sind sie gezwungen, die Ansicht über die Abmachungen zu acceptieren, die der Arbeitgeber als die seinige bezeichnet. Bei den Heimarbeitern nun liegen diese Uebelständc so auf der Hand und sind so allgemein, daß man für diese Arbeiter die Lohnbücher ein ftir allemal einführen und nicht erst auf eine Verordnung des Bundesrats warten sollte. Es giebt ja auch jetzt schon eine Reihe von Fällen, in denen ein Vertrag nur bei schriftlicher Fixierung Gültigkeit hat. Z. B. können gewisse Rechte aus dem Lehrvertrag nur bei schriftlicher Fixierung desselben geltend gemacht werden.— Weiter hat man in den Kreisen der Konfektionäre es auch für sehr wünschenswert erklärt, daß auch die Uebertragung der Arbeiten von den Fabrikanten an die Zwischenmeister schriftlich fixiert wird. Ich bitte Sie also meinen dahingehenden Antrag auzu- nehmen. Weiter habe ich vorgeschlagen, im Absatz 4 hinter„Lohnbücher" zu setzen„und Arbeitszettel". Diese Worte sind gestrichen worden, weil man annahm, daß auf den Arbcitszettel» nicht genug Raum vor- handen wäre, um die Bestimmungen über die Lohnauszahlung noch darauf abzudrucken. Das ist aber nicht der Fall, und dann ist es auch eine Thatsache, daß gerade in den Kreisen der Heimarbeiter eine große Unkenntnis der einschlägigen gesetzlichen Bestimmungen herrscht. Dem könnte auf diese Weise auf das einfachste abgeholfen iverden. Endlich habe ich beantragt, daß die Angaben der Lohn- bücher in Fabriken auch durch Plakate den Arbeitern bekannt gemacht werden dürfen. Natürlich nehme ich an. daß davon nur Gebrauch gemacht werden wird, wenn eine Unklarheit über die Arbeitsbedingungen durch diese Einrichtung nicht zu be- fürchten ist. Wir haben ja erst kürzlich' von den Stellen- Vermittler» verlangt, daß sie ihre Tarife an einer in die Augen fallenden Stelle aufhängen, auch die Arbeitsordnungen müssen ja in den Fabriken auf diese Weise bekannt gemacht werden. Für die Streichung des Absatzes 4 kann ich mich nicht erklären, da die Be- denken der Herren Stumm und Reißhans mir nicht einleuchten. Dagegen stimme ich dem Antrag Albrecht, in Absatz 1 das Wort „nur" einzufügen, vollkommen zu.(Beifall links.) Geh. Oberregierungsrat Wilhelmi rät dringend von der Einschaltung des Wortes„nur" ab, wie sie der Antrag Albrecht verlange. Nach dein Antrage sei auch die Ein- tragung vom Datum und Namen des Arbeitgebers ausgeschlossen. So weit wolle aber wohl der Antragsteller selbst nicht gehen. Den Antrag 4 bitte er zu streichen, denn nach diesem würden Lohnbücher nicht nur Arbeitern, sondern einer großen Anzahl Gewerbetreibenden ausgestellt werden müssen.(Die Ausführungen des Redners bleiben im übrigen auf der Tribüne völlig unverständlich.) Abg. Frhr. v. Stumm(Rp.): Dem Abg. v. Hey! möchte ich erwidern, daß es nicht darauf an- kommt, was die Kommission beabsichtigt hat, sondern welche Ans- legungen der Richter dem Gesetze geben kann. Herr v. Hehl meint, die Fabrikarbeiter fallen nicht unter diesen Paragraphen, in dem Paragraphen selbst aber steht das nicht. Abg. Basscrmann(natl.): tritt dem Abg. Reißhaus entgegen, der die Bestimmung 4 für über- flüssig erklärt hat. Die von Reißhaus angezogene Bestimmung des Bürgerlichen Gesetzbuchs berühre die hier in Rede stehende Be- timrnung durchaus nicht. Er bitte um Annahme der Kommissions- Vorschläge. Abg. Dr. Hitze(C.) weist auf die Schwierigkeiten hin. welche sich nach dem Antrage Rösicke bei der Aushängnna von Tarifen für die einzelnen Kategorien von Arbeiten in den Werkstätten ergeben. Abg. Stadthagen(Soc.): verteidigt die Hinzufügung des Wortes„nur". Diese ist notwendig, um das wohlgemeinte Lohnbuch nicht zu dem unbeliebten Arbeits- buch werden zu lasten. Es muß auch verhindert werden. daß die Lohnbücher nur den Arbeitgebern bekannte Merkmale enthalten dürfen. Der K 394 des Bürgerlichen Gesetzbuches kommt hier wohl in Betracht und macht den Absatz 4 des hier in Rede stehenden Paragraphen überflüssig. Der hervorragendste Interpret des Bürger- lichen' Gesetzbuches, Geh. Rat Plaut, hat diesen Paragraphen so interpretiert, wie wir ihn auslegen. Ein Minimum von Lohn muß dem Arbeiter bleiben, zu diesem Grundsatz haben wir uns nach jahrzehntelangem Kampfe endlich im Bürgerlichen Gesetzbuch durch- gerungen. In der Kommission herrschte damals Uebereinstimmung darüber, daß dem Arbeiter ein Existenzminimum vom Lohn nicht vorenthalten werden darf. Von einem Lohn unter 1500 M. darf den Arbeitern überhaupt nichts mehr abgezogen werden. Herr Baffermann hat vollständig unrecht, wenn er die Bestimmungen des Bürgerlichen Gesetzbuches hier nicht für an- wendbar hält. Von den Kommentatoren des Bürgerlichen Gesetz- buches ist mir kein einziger bekannt, der auf dem Standpunkt des Abg. Bassermann steht. Die Folge dieses Standpunktes würde ja auch nur sein, daß die gewerblichen Arbeiter schlechter gestellt seien als die Landarbeiter. Ohne die allgemeinen Bestimmungen des Bürgerlichen Gesetzbuchs kann überhaupt nicht mehr Recht gesprochen werden, wenn Verhältnisse des gewerblichen Arbeitsverhältnisses in Betracht kommen. Wäre die Ansicht Bassennann richtig, so würde das Bürgerliche Gesetzbuch ein Gesetz gegen die Arbeiter. Ein schlimmeres Ausnahmerecht gegen die Arbeiter könnte man sich ja gar nicht denken, als wenn den Arbeitern der Lohn vorenthalten werden könnte. Ich werde beim§ 115d ausdrücklich den Antrag stellen, daß die Bestimmungen des Z 394 des Bürger- lichen Gesetzbuchs. Ausnahmebestimmüngen über das Truck- system, auf Arbeiter bis zu 1200 M. Lohn keine Anwendung finden. Ich bitte Sie dringend, sich auf unfern Standpunkt zu stellen.(Bravo! bei den Socialdemokraten.) Württembergischer Ministerialdirektor v. Schicker: Selbstverständlich gelten die Bestimmungen des Bürgerlichen Gesetzbuches auch für die gewerblichen Arbeiter. Aber das Bürgerliche Gesetzbuch war nicht gewillt, das Specialrecht über die gewerblichen Arbeitsverhältnisse überflüssig zu machen. Herr Baffermann hat vollkommen recht, wenn er hervorgehoben hat, daß alle Special- gesetze, soweit sie nicht durch das Einführungsgesetz zum Bürger- lichen Gesetzbuch aufgehoben sind, bestehen geblieben sind. Doch will ich durchaus nicht behaupten, daß die Ansicht des Herrn Stadt- Hägen ganz unhaltbar ist, aber die Meinungen der Juristen sind darüber denn doch sehr geteilt. Gewiß übt auch der socialpolitische Charakter beS Bürgerlichen Gesetzbuchs auf � ZmNbeiid. 25 Jottmbft 1899, die Reichs- Gesetzgebung Einfluß aus, aber dieser Einfluß kann sich erst bei weiteren Schritten der Gesetzgebung bemerkbar machen.(Die Ausführungen des Redners bleiben auf der Tribüne größtenteils unverständlich.) Abg. Rösicke(wildlib.): Ich babe die Tragweite meines Antrages durchaus nicht unter- schätzt, wie Freiherr v. Stumm meinte. Die Nr. 4 der Kommissions- beschlüsse ist am Platze. Die Einwendungen des Frhrn. v. Stumm sind nicht durchschlagend. Unbeguem mögen solche Eintragungen für manche Gewerbetreibende ja sei», besonders für kleine Handwerker. Wenn aber einmal ein Gewerbe unter diesen Paragraphen gestellt wird, wie beispielsweise die Konfektion, dann gelten die Bestimmungen eben auch für die kleinen Schneider(Abg. Hitze: Für die Maß- schneider nicht!), jedenfalls für alle diejenigen, die in der Branche thätig find. Abg. Frhr. Hey! z» Herrnsheim(natl.): Ich möchte Sie bitten, es bei den Beschlüffen der Kommission zu belassen. Wir sind daher auch nicht in der Lage, für die Anträge der Herren Socialdemokraten zu stimmen, obwohl sie von ähnlichen Gesichtspunkten ausgehen, wie unsere Anträge, weil wir durch die Verhandlungen in der Kommission zu der Ansicht gelangt sind, daß die Mehrheit des hohen Hauses mit der Erledigung dieser Fragen in diesem Stadium der Gesetzgebung nicht einverstanden ist. Gerade auf die Nummer 4 der Kommissiönsbeichlüsse lege ich den größten Wert. Sie allein ermöglicht es, für die Heimarbeiterinnen in der Konfektion die Arbeitsbedingungen klarzulegen. Abg. Freiherr v. Stumm hält es für eine Härte für die Arbeiter selbst, wenn es dem Arbeit- gebcr erschwert werden soll, etwa Kartoffeln gleich nach der Ernte in großen Mengen zn billigen Preisen für seine Arbeiter anzukaufen und dann an diese gegen bestimmte Abzüge vom Lohn zum Einkaufspreis abzugeben. Diese Folge würde die Auf'rcchterhaltnng der Ziffer 4 haben. Abg. Rcißhanö(Soc.): Wenn Sie unseren Antrag nicht annehmen, den letzten Satz der Ziffer 4 zu streichen, wird damit den Heimarbeitern die Wohlthat des ß 394 des Bürgerliche» Gesetzbuches genommen. Ich bitte Sie asto, unserem Antrag zuzustimmen. Wenn Herr Hehl zu Herrnsheim erklärte, daß unsere Anträge inhaltlich zum Teil mit den früher von seiner Partei gestellten übereinstimmten, er aber nicht dafür stimmen werde, weil doch keine Mehrheit im Hause für unsere Anträge zu haben sei, so kann ich dieser Deduktion nicht folgen. Wenn wir darauf warten wollten, bis alle die Herren, vielleicht auch noch die Herren auf der Rechten unfern Anträgen zustimmen werden,' dann würden wohl die betreffenden Arbeiterkreise bis auf den St. Nimmerleinstag warten können.(Sehr richtig! bei den Socialdemokraten.) Es sind von verschiedenen Seiten Bedenken gegen die Arbeitszettel laut ge- worden. Demgegenüber weise ich nur darauf hin, daß die Ein- richtung von Arbeitszctteln ja heute schon in verschiedeneu Betrieben besteht, so zum Beispiel in der Mäutelkonfektiöu. Es handelt sich also nur darum, daß diese Einrichtung jetzt auch auf andere Betriebe ausgedehnt werden soll. Herr Geh. Rat Wilhelmi meinte, bei Annahme unseres Antrages, das Wort„nur" in den ersten Absatz einzuschalten, wäre auch die Eintragung von Datum und Namen des Arbeitgebers ausgeschlossen. Diese Eintragung ist doch aber durch K III der Gewerbe-Ordnung direkt vorgeschrieben. In diesem Paragraphen steht auch: Die Eintragungen dürfen nicht mit einem Merkmal versehen sein, welches den Inhaber des Arbeits- bucbcs günstig oder nachteilig zu kcnnzeichcn bezweckt, aber es steht nicht da. daß andere Eintragungen überhaupt nicht gemacht. werden dürfen. Wenn durch eine so kleine Einschaltung, wie wir sie beantragen, jede Unklarheit beseitigt wird, dann sollte doch die Mehrheit! dieses Hauses unserem Antrag ihre Zustimmung nicht versagen.(Beifall bei den Socialdemokraten. Abg. Stadthagcn(Soc.): Herr v. Stumm hat vorher eindringlich für das Drucksystem plaidiert. Er meinte, der vorausbezahlte Lohn sei ja nur ein Vor» schuß. Die Bestimmung des Bürgerlichen Gesetzbuches.will aber dem Arbeiter den allernotwendigsten Unterhalt sichern und wenn Sie hier- von eine Ausnahme zulassen und es zulassen, daß Kost und Logis auf den Lohn angerechnet werden, so schaffen Sie damit eine Ausnahme zu Gunsten des Wucherns. Sie nehmen dem Arbeiter dann den notdürftigsten Unterhalt weg und bringen den Arbeiter, der Vorschuß hat, in ständige Abhängigkeit von dein Unternehmer.(Beifall bei den Social- demokratcn.) Abg. Hilbck(natl.): Ich würde es für ein Unglück halten, wenn die Bestimmung der Ziffer 4 durch die Paragraphen des Bürgerlichen Gesetzbuchs er- setzt würde. Die Anrechnung von Rohmaterialien usw. auf den Lohn ist oft durchaus notwendig. Von den Bergwerksbesitzern wird z. B. nicht nur Oel, sondern auch Dynamit, was den Arbeitern sonst gar nicht zugänglich ist, den Arbeitern geliefert und auf den Lohn angerechnet. Ebenso steht es mit den Wohnungen und der Be- köstigung. Viele Arbeitgeber lassen sich große' Sendungen frischer Fische kommen, um ihre Arbeiter gut zu beköstigen, aber Sie(zu den Socialdemokraten) glauben uns ja doch nicht, daß die Unter» nehmer auch etwas für ihre Arbeiter thnn. Wenn alle diese Sachen nun nicht mehr gegen den Lohn aufgerechnet werden dürfen, so werden eben die Arbeiter am Ende des Monats hungern müssen. Ich bitte Sie, die Ziffer 4 ganz oder gar nicht anzunehmen, keines- falls aber de» Antrag Albrecht. Abg. Dr. Hitze(C.): Ich halte den Zusatz des Wörtchens„nur" in dem ersten Absatz hier ganz verkehrt. Es liegt auch nicht im Interesse der Arbeiter. Warum sollen z. B. nicht Angaben über die Kündigungsfrist in das Lohnbuch aufgenommen werden? Im§ III steht doch' ausdrücklich: „Sonstige durch dieses Gesetz nicht vorgesehene Eintragungen sind unzulässig". Das genügt doch vollkommen. Abg. Stadthagen(Soc.): Wenn Sie dieser: Gedanken billigen, daß nichts anderes in das Lohnbuch hineingeschriebcn werden darf, dann können Sie doch gegen unseren Antrag nichts haben, der das nur noch ausdrücklich hervor- hebt.— Herr Hilbck meinte, die Arbeiter selbst würden den Nachteil davon haben, wenn der letzte Satz der Ziffer 4 gestrichen würde. Das fit durchaus irrtümlich. Ob eine Aufrechnung gegen den Lohn in einem bestimmten Falle gültig ist oder nicht, darüber ent- scheiden lediglich die Gerichte. Durch diesen letzten Satz in der Ziffer 4 schaffen Sie aber ein neues Recht, und zwar zum Nachteil der Arbeiter. Etwas Wucherisches liegt unbedingt in dieser Auf- rechnung gegen den Lohn. Wenn Sie anerkennen, daß der Arbeiter ein fauler Schuldner ist, wie das Herr Hilbck that, so geben Sie ja damit die Rotlage des Arbeiters zu.(Sehr richtig l' bei den Socialdemokraten.) Die Notlage des Schuldners zu benutzen, ist etwas Wucherisches, und das thunSie, wenn Sie diese Auftechmmg auf den Lohn, auf das Notwendigste, was her Arbeiter braucht, vornehmen. Sie verlangen mit dieser Forderung in Ziffer 4 ein Extravorrecht gegenüber anderen Gläubigern. Wenn Sie verlangen, Sie wollen besser bezahlt werden, als z. B. der kleine Schuster, dem der Arbeiter ein Paar Stiefel schuldet, so können Sie das nur vom Standpunkt des Rechts des Stärkeren aus und das können wir nicht anerkennen.� (Bravo! bei den Socialdemokraten.) Damit schließt die Diskussion. In der Abstimmung werden sämtliche Anträge Albrecht und Genossen und der Antrag Stumm abgelehnt. Von den Anträgen Rösicke wird nur derjenige angenommen, welcher beantragt, im letzten Absatz hinter„Lohnbücher" einzuschalten:„und Arbeits-/ zettel". Dagegen stimmen Konservative und Antisemiten. Der Artikel öl wird in der durch den angenommenen An- trag Rösicke abgeänderten Fassung genehmigt. G3 folgt der ton dcn St&gg. Nlbrecht»md Gcnysse»(Soc.) beguttagte tz welchcr� die. Arbeitgeber, die Hansgewerbe- treibende(Heimarbeiter) besckiäftigen, verpflichtet. Namen und Wohnung� derselben der Ortspolizeibehörde anzuzeigen. Die. Arbcitsränme der Hansgcwcrbctrcibendc» dürfen weder als Wohn- oder Schlaf- noch als Kochränmc benutzt werden. Auf die in diesen Arbeitsräumen beschäftigten Kinder, jugendlichen Arbeiter und Arbeiterinnen sollen die Bestimmungen der§Z 135— 13öb der Gewerbe-Ordnung Anwendung finden. Abg. Neisthans(Soc.) begründet den Antrag. Der erste Absatz ist wegen der Kontrolle notwendig; der zweite, um den Lohn für die Heimarbeiter zu erhöhen oder die Heimarbeit einzuschränken. Denn der Fabrikant, der höhere Löhne zahlen muh, wird vor die Frage gestellt, ob er nicht lieber eigne Betricbswerkstättcn einrichten solle. Auch die Ansteckungsgefahren, die mit der Heimarbeit verbunden sind, sprechen für die Annahme des Antrages. Durchzuführen ist der Antrag, auch . wenn sich die Unternehmer noch so sehr dagegen sträuben. Selbst in der Konfektion, wo man das noch vor kurzem für unmöglich erklärt hat. werden jetzt Betriebswerkstätten eingerichtet. Die Löhne in der Hausindustrie sind beispiellos gering. Ganze 4 Per- sonen verdienen in der thüringischen Spielwaren-Jndustrie je ganze 34 Pf. täglich, im ganzen 1,3S M. Der letzte Satz unseres An- träges fordert eine Einschränkung der Arbeit von Kindern und jugendlichen Personen. In der Konfektionsindustrie mögen die Kinder weniger Verwendung finden, um so mehr'in anderen Haus- industrien, z. B. in der Sonneberqer Spielwaren-Jndustrie. Die amtlichen Berichte über diese Industrie enthüllen ein grenzenloses Elend.— Die Kinder werden teilweise die ganze Nacht durch beschäftigt. Nicht bloß schulpflichtige Kinder werden in dieser schamlosen Weise ausgebeutet, sondern noch Kinder in zarterem Alter von fünf, ja von drei Jahren. Der Schriftsteller Dr. Stillich hat darüber ein sehr lesenswertes Buch geschrieben. Ich kann die Erfahrungen dieses Herrn aus persönlicher Beobachtung bestätigen. Es ist traurig, daß am Ende des 19. Jahrhunderts auch solche Zustände herrschen, daß in dieser Weise von dem Unternehmertum zarte Menschenbliiten dein Moloch Kapital geopfert werden.(Rufe rechts: Oho. Sehr richtig! links.) Wenn Ihre Kinder so ausgebeutet würden, Sie würden gewiß nicht Oho schreien.(Sehr richtig! bei den Söcialdemokraten.) Unsere Anträge gehen davon aus, daß die Hausindustrie nicht völlig beseitigt iverdcn kann, daß vorläufig nur die ärgsten Miß- stände getroffen werden sollen. Ein Teil der Hänsitidüstrie. wird allerdings verschwinden müsse». Der jetzt angenommene § 114a wird ohne den von uns jetzt beantragten H 114b ein Schlag ins Wasser bleiben. Ich bitte Sie, unseren Antrag anzunehmen.(Bravo! bei den Söcialdemokraten.) Staatssekretär Graf v. Posadowöky: Es ist ohne weiteres zuzugeben, daß schwere Mißstände in der Hansindustrie bestehen, aber die Hausindustrie hängt so sehr mit der ErwerbSgelcgenheit von ganzen Gegenden zusammen, daß sie mit ein paar gelegentlichen Paragraphen nicht beseitigt werden kann. Die einzelnen Bestimmungen des Antrags Albrechr sind nicht an- nehmbar, sie sind vorläufig unausführbar. Die Verhältnisse in der Hausindustrie sind so verschiedenartig, daß sie nicht einheitlich geregelt werden, sondern daß jede Industrie besonders behandelt iverden muß. Die§§ 13S— 139d der Geiverbe-Orduung sind nicht ohne weiteres übertragbar ans das Hansgewerbe. Wir haben diese Frage sehr eingehend. beim Konfcktionsgowerbe. geprüft und find zu dem Ergebnis gelangt, daß dieic Bestimmungen nur teilweise über- tragen werden können.(Sehr richtig! im Centrum.) Die Dinge müssen für jede« einzelnen Gewerbczwcig besonders geregelt werden. Eingehende Erhebungen haben bereits über die Zustände im Tnbaksgcwcrbe stattgefunden, Ivo ein Eingriff besonders dringlich ist. Hier werden wir entweder auf dem Wege deö Specialgesctzes oder der Verordnung demnächst vor- gehen.(Sehr richtig! im Centrum.) Daß arge Mißstände in der Kinderarbeit bestehen, bestreiten wir durchaus nicht. Wir haben eine eingehende.Statistik über die Kinderarbeit aufgenommen, die nun- mehr abgeschlossen ist. Wir hoffen, auch diese Frage durch ein Spccialgrsctz z« löse». Doch möchte ich dringend warnen. eine wirlschaftlich so tief einschneidende Frage, wie es die Kinderarbeit ist(Sehr richtig! rechts.), lösen zu wollen durch ein � paar gelegentliche Paragraphen in der Gewerbe- Ordming.(Sehr richtig! im Centrnm.) Hierzu ist ein praktisches Specialgesetz not- wendig, das wir vorbereiten. Abg. Dr. Hitze(C.): Wir können dem Staatssekretär nur dankbar sein fiir die Er- klärungen, die er uns gegeben hat. Was die Siellung zum Antrag Albrecht anlangt, so muß ich gestehen, daß ich ihn nicht für ernst halten kann. Er macht praktisch alles zu Nichte, was wir eben im K 114a beschlossen haben. Der Antrag iviirde in der That die Heimarbeit beseitigen.(Widerspruch des Abg. Bebel.) Schon die Kosten der Wohnungen würden die Heimarbeit unmöglich machen. Eine eingehende Debatte über die Hausindustrie hier aufzurollen, halte ich nicht für angezeigt. Abg. JacobSköttcr(k.): Auch wir geben die Mißstände in der Hausindustrie zu, haben das schon in der Kommission anerkannt. Ich habe meine Gründe dagegen schon in der Kommission vorgetragen und beziehe mich darauf. Ich verstehe es, daß die Söcialdemokraten die Arbeiter alle aus dem Hause in dcn Fabriken vereinigt haben wollen. Da können sie ihre Agitationen besser zur Geltung bringen. Es ist aber sehr die Frage. wo sich die Arbeiter Ivohlcr fühlen, zu Hause oder in dcn Fabriken. Viele Haus- arbeitcr befinden sich bei ihrer Heimarbeit sehr wohl, denn sie sind seit Jahrhunderten kein anderes Leben geivohut und sind wohlauf dabei. Kinderausbcutiuig verabscheuen auch wir, aber lvir sind nicht gegen eine jede Kinderarbeit. Kinderarbeit ans dem Laude ist im allgemeinen sehr gesund. Im übrigen gebe ich dem Staatssekretär recht, diese schwierige Materie ist nicht durch � einen so gelegentlichen Antrag zu regeln, dazu bedarf es großer gesetzgeberischer Vorarbeiten. Abg. Molkenbnhr(Soc.): Ueber Herrn Jacobskötter habe ich mich gewundert. Er, der sonst immer so arg über dcn Niedergang des Handwerks klagt, sagt heute, daß sich die Heimarbeiter durchaus wohl fühlen. Nun wird �jeder zugeben, daß es den Heimarbeitern noch viel schlechter geht, wie den' selbständigen Meistern. Wenn sich also schon die Meister nicht gut befinden, muß es dcn Heimarbeitern noch schlechter gehen.' Auch über den ablehnenden Standpunkt des Herrn Hitze muß ich mich wundern. Statt an eine Ausdehnung der Bestimmungen der§§ 13ö— 13£)b der Gewerbe-Ordnung zu denke», sind sie, wenn nicht durch die Gesetzgebung, so doch durch die Recht- sprechung eingeengt worden!(Hört, hört! bei den Söcialdemokraten.) Das Reichsgericht hat erkannt, daß ein Betrieb, in dem bestellte Arbeit fertig gemacht tvird, nicht als Fabrikbetricb gilt. Ebenso liegt nach der Auslegung der Gerichte ein Fabrikbetrieb dann nicht vor, wenn ein Einzelarbeiter ein ganzes Stück fertig stellt. Dadurch ist die Cigarrenindustrie, soweit sie Heimarbeit ist, den Bestimmungen der Zß 136— 139d gänzlich entzogen worden. Weiter ist entschieden Ivorden, daß Buchdrnckereien, auch wenn sie Elementar- kraft anwenden, dann als handwerksmäßige Betriebe zu gelten haben, wenn sie einer Innung angehören.(Hört! hört I bei den Söcialdemokraten.) Anklagen wegen lieber- tretung der 88 136—139 b fallen regelmäßig vor dem Hamburger Oberlandesgericht zu Boden, wenn sich die Angeklagten darauf bc- rufen, daß sie keinen eigentlichen Fabrikbetrieb haben. Nun haben wir im 8 1ö4 Absatz 3 die Bestimmung, daß die Schutzbestimmunge» in Fabrikbctriebe» auch ausgedehnt werden sollen auf handwerksmäßige Betriebe mit Elementarkrast unter der Maßgabe, daß der Bundesrat für gewisse Arten von Betrieben Ausnahmen macht. Seit einem Jahrzehnt steht diese Bestimmung zwar im Gesetz, bis heute aber hat der Bundesrat eine derartige. Ver- fugung nicht erlassen.(Hört! hört! bei den Söcialdemokraten.) Wie soll dem nun vorgebeugt iperden? Der Bundesrat könnte der Verpflichtung endlich nächkommen, die ihm der 8 1�4 auferlegt, und mit der Bekaimtmachuilg herauskommen. Aber dann besteht die. Gefahr, daß die handlverksmäßigcn Betriebe, die unter die Bestimmungen'der 88 136— 139b der'Gewerbe-Ordnung gestellt werden, mit ihren Betrieben in die Hausarbeit flüchteten. (Sehr richtig! bei den Söcialdemokraten.) Damit aber würde die Läge der Arbeiter in diesen Betrieben nicht verbessert, sondern ver- schlechtert werden. Wir haben ja die Wirkung der bnndesrätlichen Verordnung in der Tabakiudustrie gesehen. Sie ist den Fabrikanten zu unbequem gewesen, und so haben sie die einzelne Hausarbeit eingeführt, wo jeder Schutz aufhört.(Sehr richtig! bei den Social- deinokräten.) Der Flucht in die Hausarbeit muß also zunächst das Loch verstopft werden. Deshalb verlangen wir ohne weiteres die Anwendung der 88 136— 139b auf sämtliche Betriebszweige. Das ist kein unbilliges Verlangen. Denken Sie an die scheußliche Kinderausbeutung in der Hausindustrie. Die Kiudcransbeutung in der Hausindustrie wird allseitig anerkannt. Von einzelnen Handelskammern werden jetzt schon die Ausdehnung der Schutzbestimmungen auf die Hausindustrie verlangt. Und mit vollem Recht. Gerade in der Cigarrenfabrikation leiden die Kinder unter dcn Ausdünstungen des Tabaks in den Wohnungen gesund- heitlich ganz enorm. Da einen Riegel vorzuschieben, bezweckt unser Antrag. Die Cigarrenfabrikanten erkennen die Zulässigkeit eines Eingreifens an, aber nur bei Kindern unter 19 Jahren. Ich' frage Sie. ob das genug ist bei der Fabrikation von Gift ausdünstenden Stoffen? Ist es möglich, eine Kontrolle für Kinder unter 19 Jahren auszuüben, dann ist sie auch zu erweitern möglich auf Kinder unter 14 Jahren. Der Herr Staatssekretär stellt Bundesrats-Vcrordnungen in Aussicht, aber damit sind die Zustände in der Hausindustrie nicht zu treffen. Die einzige Frage ist die, erkennt die Gesetzgebung die Pflicht an, Ge- sundhcit und Leben des Arbeiters zu schützen? Wird die Frage bejaht, dann muß unser Antrag angenommen iverden. Mit ihm verstopfen Sie die Löcher, in die das Ausbcutertum sich flüchten kann.(Lebhaftes Bravo bei den Söcialdemokraten). Staatssekretär Graf v. Posadowsky: Der Vorredner hat sich darüber beschwert, daß seit 19 Jahren in der Ausdehnung der Schutzbestimmungen auf handwerksmäßige Betriebe mit Elementarkrast nichts geschehen sei. Ich kann dem hohen Hause mitteilen, daß die Verzögerung in der Schivicrigkeit der Materie liegt, daß aber die Beratungen in den Reichsressorts und den preußischen Ressorts abgeschlossen sind und wohl noch in diesem Winter eine kaiserliche Verordnung extrahiert wird werden können, die diese Materie regelt. Abg. Fischbcck(frs. Vp.) hält den Antrag Nlbrecht nicht fiir durchführbar. Die Materie werde auch besser in dem vom Staatssekretär gewollten Sinne behandelt. Abg. Hitze(C.): Ich muß wiederholen, daß ich die Fassung des Antrags Albrecht schon an sich für höchst unglücklich halte. Der Antrag wirkt nur auf einen Teil der Hausindustrie ein, es kommen die Meister, die nur Mitglieder der eignen Familie beschäftigen, nicht unter den Antrag. Wir beschäftigen uns auch lebhaft mit der Frage der Hausindustrie, aber wir bringen es nicht fertig..gesetzgeberische Vorschläge so übers Knie zu brechen. Das müssen wir den Söcialdemokraten überlassen. (Heiterkeit.) Abg. Rcißhaus(Soc.): Herr Hitze hat vorhin gesagt, daß der 8 ll4a keine große Be- deutung hat. Wir geben ihm zu, daß er erst Bedeutung durch de» jetzt von uns gestellten Antrag erhält. Gerade deshalb müßte aber Herr Hitze für unseren Antrag stimmen, denn ich kann doch nicht an- nehmen, daß Herr Hitze seine Arbeitskraft an bedeutungslose Gesetzes- .Vorschläge verschwendet.(Heiterkeit.) Herrn Jacobskötter. der die Zustände der Heimarbeiter für idyllische hält, möchte ich nur wünschen, daß er mit seiner Familie einmal in solch einer Heimarbeiter- Wohnung eine Zeitlang kampieren müßte, er würde die Berechtigung und Notwendigkeit unseres Antrages verstehen. Herr Hitze sprach davon, daff die Folge unseres Antrages nur sein könne, daß sich die ganze Familie nur uinsoinehr in dem zweiten nicht zur Arbeit benutzten Räume der Wohnung zusammenpferchen werde. Ja'. Herr Hitze, die meisten Leute, von denen wir hier sprechen, haben ja gar keinen zweiten Wohnranm. Eben deshalb stellen wir ja den Antrag, damit in solchen Fällen die Möglichkeit der Heimarbeit nnsgcschlost'cn wird. Ich kann Sic nur nochmals bitten, unseren Antrag anzunehmen.(Bravo bei den Söcialdemokraten.) Abg. JacobSköttcr(t.) bestreitet, daß er die Zustände in den Heiinarbeitcr-Wohmingen idyllische genannt habe. Hiermit schließt die Diskussion. Der Antrag Albrecht und Genosse» lvird gegen die Stimmen der Antragsteller abgelehnt. Darauf ivird die Wciterbcratung auf Sonnabend 1 Uhr vertagt. Schluß 6 Uhr._ DÄvlnnrenkÄrifltzvs. Tic GeschäftSordnungs-Kommission des Reichstags hatte sich heute mit einem Antrage des Bnchdruckcrcibcsitzers Borger in Apolda zu beschäftigen, der die Genehmigung zur strafrechtlichen Verfolgung des Abg. B ändert(Soc.) wegen Beleidigung nachsucht. Die Kommission beschloß, dem Hanse' die Ablehnung des Antrags zu empfehlen._ Sooiales. Moderne Socialpolitik in München. Wir teilten vor einigen Tagen nach der.Münchener Post" mit, daß die städtische Behörde in München die Verabreichung von Suppe an arme Schulkinder als eine dcn Eltern gewährte Arinenunterslützung behandelt und dcn Vätern dafür die politischen Rechte entzieht. Heute stellt unser Münchcner Partei-Organ fest, daß auch die Gewährung freier Lehr- mittel an dcn Volksschulen in derselben Weise behandelt wird. Wen» ein Arbeitcr nicht im stände ist, seinen schulpflichtigen Kindern die nötigen Schulbücher zu kaufen, so mpß er ein Gesuch unterschreiben, ivorin folgendes vorgedruckt ist: „Werden die Lehrmittelkosten von den Eltern ober dritten Personen ersetzt, oder ist wegen Mittellosigkeit die Heimntgemcinde hierum anzugehen? In letzterem Falle handelt eS sich um eine Arnrennnterstützung im Sinne des Gesetzes mit ihren nachteiligen Folgen, worauf der Gesuchsteller ausdrücklich hingewiesen wurde." Dieses Verfahren wird von der.Münchener Post" gebührender- weise mit den schärfsten Ausdrücken gebrandmarkt. Vier neue Gclverbcgerichte werden auf Anordnung des Justizministers am 1. Februar 1999 in Oestreich errichtet iverdcn und zwar in Lemberg, Krakau, Mährisch-Ostran und Mährisch- Scbönberg. Damit würde Oestreich dann im ganzen acht Gewerbe- gerichte haben. Die englischen Produktivgenossenschaften haben soeben ihren Bericht für das Jahr 1898 herausgegeben. Danach ist die Zahl derselben von 893 im Jahre 1897 aus 866 im Jahre 1898 gestiegen. Die Steigerung entfällt fast jausschließlich ans Irland. Tiefe 866 Genossenschaften beschäftigten in der Produktion insgesamt 39 194 Personen, die zusammen einen Arbeitslohn von 29 189 969 M. bezogen. Der Gesamtwert der produzierten Warenmengen betrug 294 Millionen Mark. Die größten Genossenschaften befinden sich in England und Wales; 67 Proz. aller Produkte wurden aus dortigen Genossenschaften geliefert; die bedeutendsten davon entfallen wiederum auf London und Cheshire. Dcn hervorragendsten Platz unter den bei der genossenschaftlichen Produktion beteiligten Gewerben nehmen die Mühlen und Brotbäckereien ei»! sqdann folgt die Schuhwaren- Fabrikation. Die Attgsburger Krawalle vor Gericht. TaS Verhör der Angeklagten nahm noch den ganzen Vormittag des 21. November in Anspruch. Die Angeklagten Joh. Strahl, Wendelin Coler, Georg Wilslegger, Ferdinand Schilling, Peter Oppenrieder und Melchior Ott, die' beschuldigt sind, an den öffentlichen Zusammen- rottungen vom 19. Juli teilgenommen zu haben, stellten diese Teil- nähme in der Hauptsache in Abrede. Der Angeklagte Ott giebt ledig- lich zu, daß er an den Senkelbach gekommen sei und, nachdem alle Leute Bravo! schrien, da auch mitgerufcn habe. Darauf sei er verhaftet worden und auf der Polizeiwache habe» ihm dann die Schutzleute ein paar Löcher in den Kopf geschlagen. Dem An- geklagten Martin Friesbrick ist zur Last gelegt, an den öffentlichen Zusammenrottungen vom 18. und 19. Juli teilgenommen zu haben, was er jedoch entschieden bestreitet. Er habe im Gegenteile dieses Zusammenscharen der Massen als Unsinn erklärt, da durch ein solch unvernünftiges Vorgehen nur die Gewerkschaften Schaden leiden, weil solche Vorfälle stets dazu benützt würden, strengere Gesetze zu schaffen. Ebenso bestreiten die übrigen Angeklagten jede Schuld und einige behaupten, von den Schutzleuten mißhandelt worden zu sein. Nach Beendigung des Verhörs der Angeklagten stellt der Ver- teidiger der am Angsburger Maurerstreik beteiligt gewesenen Angeklagten Englmair, Göger und Rößle, Herr Rechtsanwalt Dr. Bernheim, den Antrag, das Gericht wolle vor der Zeugen- Vernehmung die in den' Akten des Stadtmagistrats enthaltenen Schriftstücke zur Verlesung bringen. In der Begründung dieses An- trags führt Herr Dr. Bernheim aus: Zur Urteilsformulierung, ins- besondere zur Ermöglichung eines nach jeder Richtung ge- rechten Urteils ist notwendig die Kenntnis der historischen Ent- Wickelung des Maurerstrciks mit all' seinen Begleiterscheinungen, die dcn Krawallen vorangegangen sind und dieselben mit provoziert haben. Insbesondere ist notlvendig. Einblick zu nehmen in die ein- seifige, teilweise sogar ungesetzliche Stellungnahme der Polizeibehörde für die Meister und gegen die Arbeiter, wodurch die Aufregung der Massen erst entstand und genährt wurde. Weiter ist wichtig die Kenntnis von der allen Ver» mittlungsversuchen trotzenden Haltung der Arbeitgeber und deren Streben, die Arbeitnehmer durch nur scheinbares Nochgeben zu übervorteilen. Der Gerichtshof beschließt nach kurzer Beratung, die Beschluß- fässung über den Antrag der Verteidigung auszusetzen und mit der Vernehmung der Zeugen zu beginnen. Folgende Episoden aus der Vernehmung des Belastungszeugen Polizeikommissar Rieß sind bezeichnend: Rechtsanwall Dr. B e r n h e i m: Sie haben am 18. Juli abends dcn Angeklagten Moath getroffen und zum Fortgehen aufgefordert. Ist er gegangen? Zeuge: Ja, gegangen ist er schon, aber nicht so rasch, als es ihm möglich gewesen wäre. Rechtsanwalt Dr. B e r n h e i m: Haben Sie Moath gestoßen und verhöhnt? Zeuge: Ich habe ihn nur gedrängt und in seinem sächsischen Dialekte nachgeahmt. Rcchlsanwalt Dr. Bernheim: Haben Sie das in dem ernsten Momente der Würde Ihres Amtes für angemessen erachtet? Zeuge: In solchen Augenblicken thnt man vielleicht etwas, was man später bereut. Rechtsanlvalt Dr. B e r n h e i m: Inwieweit haben sich die Streikenden am 13. Juli an der Zusammenrottung beteiligt? Zeuge: Am 18. Juli haben sich die Streikenden sehr zahlreich beteiligt und geschrien: Raus müssen die Italiener! Rechtsanwalt Dr. B c r n h e i m: Wo waren denn die Maurer? Zeuge: Ja. die ivaren hinten, selbst gesehen habe ich sie nicht. Rechtsanwalt Dr. Bern he im: Ich acceptiere das, aber Sie haben Ihrer vorgesetzten Behörde mitgeteilt, daß die Maurer von hinten die Menge gehetzt haben! Zeuge: Das soll ich mitgeteilt haben? Rechtsanwalt Dr. Bernheim verliest den betreffenden Bericht. Zeuge: Ja, das ist mir mitgeteilt lvordeu. Rechtsanwalt Dr. B e r n h e i m: Wer hat Ihnen gesagt, daß die Streikenden von hinten die Menge gehetzt haben? Zeuge: Der Polizei-Jnspcktor H ö ß hat mir gesagt, daß Mehringer hinten steht und jedenfalls die Menge hetzen wird. Rechtsanlvalt Dr. B e r n h e i m: Wer noch? Zeuge: Mehrere Schntzlente, die Namen weiß ich nicht. Rechtsanwalt Dr. B e r n h e i m: Also, Herr Rieß hat seiner vorgesetzten Behörde mitgeteilt, daß die streikenden Maurer die Menge hetzten und dann hat ihm der Inspektor gesagt, daß jedenfalls Mchringer die Menge Hetzen ivird! Interessant ist die Bekundung des am 22. November als Zeugen erschienenen R e g i e r u n g s r a t s S ch m i e l, der in amtlicher Eigenschaft zwischen Meister und Streikenden Vermittlungsvorschläge machen wollte. Die geforderte Lohnerhöhung von 3 Pf. sei nicht von Bedeutung gewesen, aber die Unternehmer hätten erklärt, daß es sich um eine Machtfrage handle, die ausgekämpft werden müsse. Auch hier zeigt sich also wieder, daß die Unternehmer die eigentlichen Urheber der Krawalle waren. Als er die Menge zurückzudrängen versucht habe, sei von Widerstand nicht die Rede gcivcscn) am nächsten Tage sei ihm seine Ausgabe erschwert worden, weil Lente ans dcn guten Gesell schaftsschichten in der johlenden Menge gewesen und so das Bernhignngswerk ver- hindert hätten. Der Zeuge betont scharf, daß das Militär nicht von ihm, sondern von den P o l i z e i b e am t e n Höß und Rieß herbeigerufen worden sei. Weiter kommt der Regiernngsrat darauf zn sprechen, daß am Abend des 29. Juli zwei G e w e r k> s ch a s t s v e r s a m in l n n g e n stattgefunden hätten, er habe aber keinerlei Grund gehabt, über die Leute, die ans den Versammlungen gekommen waren, zu klage n. Rechtsanwalt Dr. B c r n h e i in: Woher kommt also der Wider- fprnch, daß der Herr Zeuge heute sagt, die Polizei habe vollauf ihre Pflicht gethan, während er in einem Berichte an den Herrn Regiernngsrat der Polizei Kopflosigkeit und Mangel an ein- hcitlichcr Leitung vorivirft. Zeuge: Was meinen Bericht an das Regierungspräsidium an» langt, so tonstatiere ich, daß er den Ausdruck Kopflosigkeit nicht ent- hält. Ich habe der Polizeimannschaft das Zeugnis ansgestellt, daß sie in entsprechender Weffe vorgegangen ist und dabei allerdings be» merkt, daß es ihr an einheitlicher Leitimg gefehlt hat. Rechtsanwalt Bern he im: Wie kommt es, daß von den ge- bildeten Leuten, die vorne dran standen, niemand an- geklagt worden ist? Zeuge: Es sind nur diejenigen gegriffen worden, die sich durch Johlen oder Pfeifen bemerkbar gemacht haben. Voran standen leider eine große Anzahl von Persönlichkeiten aus dcn guten Ge- sellschaftsklasscn. Rechtsanwalt B e r n h e i m: Nach der Anklage ist schon die Teil» nähme aus Neugier strafbar. Die Behörden und ihre Organe sind verpflichtet, keinen Unterschied der Person und des Standes zu machen. Polizci-Jnspektor Höß bestreitet, daß die Polizei Ausschreitungen begangen habe und ungerecht vorgegangen sei. Es erheben sich sofort mehrere Angeklagte, die auf das be- stimmteste behaupten, daß sie geschlagen, gestoßen und in das Wachlokal hineingeworfen worden sind. oblvohl sie ganz ruhig mitgegangen seien und ersucht haben, man solle sie doch nicht mißhandeln. Der Maurerpolier Matz war mit einem Trupp von 16 Italienern unterwegs und wurde dabei von 26—39 Streikenden abgefangen, denen es auch thatsächlich gelang, die Italiener abspenstig zu machen. Bei dieser Gelegenheit habe er zwei Schläge bekommen, bis einer der Streikenden zu seinen Gunsten intervenierte. Die Polizei, bei der er die Sache angezeigt, habe die Thäter nicht ermitteln können. gfiic i>k» Inbalt der Inserate siberniiiiiiit die S.edartiou dem Vnblikni» gegenüber keinerlei Beranlinortniig. Ts>ce>kev. Sonnabend, 25. November. Lpcrnhans. Der Ring des Nibe- lnngcn. Götterdämmerung. An- sang 7 Uhr. Schanspiclhans. Der Herr im Hause. Anfang 7>/z Uhr. TcntschcS. ZDer Probekandidat An- fang 7V, Uhr. Lcssing. Alis ich wiederkam... Anfang 7i/j Uhr. Berliner. Der Tartüff. Hierauf: Advocat Patclin. Ans. 71/2 Uhr. Schiller. Cyprienne. Ansang 8 Uhr. NcncS. Ein unbeschriebenes Blatt. Anfang 71/3 Uhr. Westen. Der Freischütz. Anfang 7V2 Uhr. Thalia. Der Platzmajor. Ansang 7Vz Uhr. Nesidenz. Jagdfrcndcn. Vorher: Der Herr Gegenkandidat. Anfang 7Vz Uhr. gNiscn. Molly Carre. Anfang 8 Uhr. Ecutral. Die Geisha. Ansang V/2 Uhr. Carl Weift. Johanna von Castilien. Ansang 8 Uhr. Friedrich- Wilheliiistädtisches. Ein gesnnder Junge. Anfang 8 Uhr. Nachm. 4 Uhr: Domröschen. Victoria. Die Chansonuette. 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Bericht des Vertranensmanncs der Gewerkschastskommissioil. 2. Der Streik in der Faßsabrik von Koch(Inhaber: M. Lewy). Das Erscheinen sämtlicher Kollegen der Faßsabrik ist notwendig. Herr Lewy sowie sämtliche Arbeitgeber sind zu dieser Versammlung eingeladen. Der Einbornfer. AMU! Schlosser. MW Montag, den 27. November, abends 8 Uhr: GkffeiitlW SchloM-VersammIaag in den L0. Slrminhalle»". Kommandantcnstr. Tages-Ordnung: 1. Bortrag deS Kollegen Viesenthal über:„Die Bedeutung der bevor- stehenden Delegierten-Wahlen zur Orts-Kranlenkasse der Sdslosser." 2. Dis- kussion und Aufstellnn« von Kandidaten. 3. Die Mißstände in der Orts- Krankenkasse. 4. Verschiedenes. 116/15 Zahlreicher Besuch ist dringend erforderlich. Der Tertranensmann. AM«»»! KiftenmacherM AM«»! Montag, den 27. November, abends 8V2 Uhr: AllßerorilenII. Gkilttallikrsiiiilinliliig in tziteehert» Lokal. Nndrcasstraftc AI. TngeS-Ordnnng: ' 1. Fortsetzung der Diskussion Über Abänderung des Statuts betreffs Einführung von Arbeitslosen-Unterstützung. 2. Unsere semere Taktik bei Streiks und Lohnbewegungen. 3. Der Streik bei Drechsel, Barnimstr. 22. 4. Ver- einsangclegenheiten. 95/19 Kollege»! Agitiert für guten Besuch dieser Versammlung. Ohne Mit- gliedsbucli kein Zutritt. Der Vorstand. I. A.: Karl Juckel. Verband der Möbelpolierer. Montag, den 27. d. M.. abends 8>/-«Hr. Slduiiralftr. 18 e: �epsammlung. Tages-Ordnung: 1. Vortrag deS Genossen Th. Metzncr über:„Die Sittlichkeit der heutigen Geielischaft." 2. Gewerkschaftliches. Dazu sind die Kollegen von I. C. P f a s s hiermit eingeladen. 3. Ausgabe der BiNets zur Urania. Die unentgeltlichc Untersuchung findet nur noch morgen und am 3. Dezember statt. Die dazu nötigen Karten sind in unserm Arbeitsnachweis zu haben._ 148/16_ Der Borstand. "Schweizer'' Garten Am Könlgrethor. Sonntag, den 26. November(Totensonntag): Gr. fokal- arrangiert von den iZesailglitttiiie!! 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In dm Alabasterwarmfabriken ooft Habilt ii. Comp., Sebastianstt. 61, Goldschmidt u. Comp., Ritterttr. 40, Staffelt ii. Fleischer. Britzerstr. 7, haben sämtliche Drechsler wegen Tiste, renzen die Arbeit niedergelegt. Zuzug feruhalten. Die Ortsverwaltung. Verantwortlicher Redacleur: Paul John in Berlin. Für den Inseratenteil veranlwortlich- Th.«lock« in Berlin. Druck und Berlag von Max Bading in Berlin. Nr. 276. 16. Jahrgang. 2, ftilnjt Ks Jotmiiils" ßttliiKt Jlollistilstt. i«». « I»I».!!...! �»»»......................... Bunt auf die eigene Kraft! Von dcn Stadtverordneten-Stich wählen am Montag beansprucht die im 45. Wahlbezirk besonderes Interesse, weil dort zu wählen ist zwischen unserem Parteigenossen Glocke und dem Antisemiten Ullrich. Glocke hat in diesem Bezirk an, 6. November 805 Stimmen erhalten; der Antisemit 803 Stimmen. Ans den Liberale«! fielen 654 Stimmen. Diese Zahlen lehren, daß die Liberalen das Wahlergebnis in hohem Grade zu beeinflussen iin stände sind. Was werden die Liberalen thun? Werden sie für dcn Socialdcmokratcn eintreten, für den Mann, dessen Parteistellung eine Gewähr dafür bietet, daß er alle reaktionären Zumutungen mit Ciilschicdenhcit bekämpfen wird? Oder werden sie sich ins eigene Fleisch schneiden, indem sie den Mann iiis Stadtparlament bringen, der als Anhänger der r ü ck st ä n d i g st e n Partei handelt und aller modernen Kultur zum Trotz der Muckerei und Stöckcrei Vor- spanndienste leistet? Die Anttvort ans diese Frage gicbt eine Mitteilung der ,V o l k s- Z e i t n n g" voin Frcitagmorgcn: Die Neue Fraktion der Linken halte, wie wir hören. einen Anfnif geplant, in welchem sie die Wähler des 45. Bezirks anfziisordcrii gedachte, Mann für Mann gegen den antisemitischen skandidatcn für den s o c i a l d e m o k r a t i s ch e n K a n d i- datcn zu stimmen. Es lag in der Absicht, zur Beteiligung a» dieser Aktion auch die Alte Fraktion der Linken anszusordcrn. Doch ist die Neue Fraktion der Linken davon verständigt worden, daß sie mit diesem ihrem Ersuchen kein Glück haben würde. Die Kräfte, die bei dem Zustandekommen des famosen Wahlkartells als treibende zu bezeichnen waren, traten hierbei als h c m in ende auf. Die Folge dieser„gutgesinnten" Hcmmschnhpolitik war die. daß auch die Neue Fraktion d e r L i n k e u ihre Absicht fallen ließ. Der geplante Aufruf wird nicht erscheinen. In Ergänzung dieser bezeichnenden Meldung schreibt das ge- nannte Blatt in seiner gestrigen Abendansgabe: Zu unserem Artikel über die Stichwahl im 45. Wahlbezirk wird ini-s noch mitgeteilt, daß die Nene Fraktion der Linken von dem Erlaß des geplanten F r a k t i o n s aufrufs deshalb Abstand genommen habe, weil cm einseitiges Vorgehen ihrerseits, also ohne die Alte Fraktion der Linken, für»laiiche liberalen Wähler, die es mehr mit der Alten Fraktion halten, ein Anlaß hätte sein können, dein Aufruf nicht zu folgen. Eine An- schanung, die wir zwar nicht zu teilen vermögen, die jedoch geltend gemacht worden ist. Indes hat die überwiegende Mehrzahl der Mitglieder der Fraktion ihre Namen zur Verfügung g e st c l l t zu einem Anfrnf. der von dem freisinnigen Wahl- komitee in Moabit beabsichtigt ist, und der außer etwa 30 lokalen Namen die Unterschrifteii�voii mehr als 25 Mitgliedern der Neuen Fraktion als einzelnen Stadtverordneten tragen soll, so daß ans diese Weise die� liberalen Wähler zum Eintreten für den s o c i a l- demokratischen Kandidaten Glocke gegen den antisemitischen Kandidaten Ulrich aufgefordert werden sollen. Daß die Alte Fraktion der Linken die Unterzeichining eines derartigen Anfrnfcs .ans Partcirücksichtcn" abgelehnt und„miS Parteirücksichtcn" davon abgeraten hat, bleibt das bezeichnendste bei dieser Affaire. Diese Stellungnahme der Mehrheit der Liberalen— denn die sich über ihren Klasscnstandpunkt erhebende Anhängerschaft der Neuen Fraktion niacht nur ein verhältnismäßig winziges Häuflein ans— wird für alle, die das Herz des Berliner Frcisinnsphilistcrs kenneu durchaus nichts U e b e r r a s ch e n d e s an sich haben. Sie bestätigt von neuem die alte Wahrheit, daß vom braven Bürgersmann auch in der Stadt der Intelligenz der ärgste Rück schrittler dem Socialdemokratcn gegenüber immer noch als das kleinere Uebel betrachtet wird, daß der Philister, auch wenn er sich unentwegt freisinnig gcbcrdet, blind bleibt der Reaktion gegenüber. Wir kömien der„Volks-Ztg." dankbar sein, daß sie ihre Mit teilnngen zur öffentlichen Kenntnis gebracht hat. Sie erinnern unsere Parteigenossen daran, daß sie sich einzig ans die eigene Kraft zu verlassen haben und ihre Agitation s o einrichten müssen, daß die Stimnien, die wir zur Erringung des Sieges bedürfe», aus der Arbeiterschaft und dcn ihr ganz nahe stehenden Bcvölkcruiigs- schichten herausgeholt werden. Da bedarf es eifriger, hingebender Aufklärungsarbeit. Unsere Parteigenossen werden es daran nicht fehlen lassen und trotz aller Hindernisse dafür sorgen, daß die Erfolge am nächsten Montag dcn drei Wochen vorher erzielten ebenbürtig werden. Unsere Kandidaten sind: Im 6. Bezirk, Wahllokal Dcnnewitzstr. 13, Gastwirt Ferdinand Ewald, Schönleinstr. 6. Im 7. Bezirk, Wahllokal Teltowcrstr. 3, Schnhmachermeister Karl Lankow, Zossenerstr. 11. Im 43. Bezirk, Wahllokal Perlcbergerstraße 26, Expedient Th. Glocke, Lansitzerstr. 52. »» « Die Genossen des zweiten Wahlkreises werden ersucht, sich am S o n n t a g m o r g e n Uhr zahlreich an der Flugblatt- Verteilung zu beteiligen; wir bitten die Genossen, sich pünktlich in folgenden Lokalen einzufinden: Saß, Markgrafenstr. 102; Voigt, Königgrätzcrstr. 39; Siebert, Großbcercnstr. 54; Q u a n d t, B'ellcallianccstr. 74; Keßner, Hagelsbcrgcrstr. 23; Faller, Pallasstr. 16; Werner, Bülowstr. 59.— Alle Genossen, welche am Tage der Wahl helfen wollen, werden gebeten, sich bis- morgens 8 Uhr in dcn W a h l b u r e a u s bei S ch ü I t h e s, Großbccrcn straße 18 und bei Werner, Bülowstr. 59 zu melden.— Außerdem bitten wir die Genossen, für zahlreichen Besuch der am Sonntag, dcn 26. November, mittags 12 Uhr bei Goßmann, Krcnzberg- straße 48, stattfindenden Versammlung zu agitieren, in welcher der Reichstags-Abgeordnete Paul Singer das Referat über: .Die bevorstehenden Stichwahlen und deren Bedeutung" über- nommcn hat. »» • Die Parteigenossen in Moabit, welche am Sonntag an der Flugblattverbreitung teilnehmen wollen, werden ersucht, sich früh 8 Uhr bei F a b e r, Stephanstr. 11. zu melden. Wer Montag bei der Wahl behilflich sein will, wolle sich früh 8 Uhr bei Joh. Pfarr, Puttlitzstr. 10, melden. GemevkMttf ttiches. Berlin«nd Umgegend. Achtnng, Gcsellcnauöschüsse. Sonntag, den 26. November, vormittags 10 Uhr, findet in dcn Arminhallen, Kommandaittenstr. 20, eine Konferenz der GesellenauSschüsse Berlins und dcS RcgiernngS- bczirks Potsdam statt. Nach einem Vortrag des Genossen Robert Schmidt wird die Aufstellung der Kandidaten für den Geselle nauSschuß der Hand w erkerkamm er vorgenommen werden. Die Kommission der GesellenauSschüsse Berlins und Umgegend. I. A.: Johannes Will, Elisabeth-Ufer 5—6, Achtnng, Töpfer! Vom Montag, dcn 27. November, ab be findet sich das Bureau der Lohnkommission im Restaurant Schiller, Roscnthalerstr. 57. Telephon: Amt 3 Nr. 1296. Sprechzeit: vor- mittags von 8—10, nachmittags von 5—7 Uhr. Während dieser Zeit findet die Arbeitsvermittlung statt und werden Beschwerden über Unregelmäßigkeiten auf dcn Arbeitsstellen entgegen genommen. Die Kollegen sind verpflichtet, das Umschauen zu unterlassen und Arbeit nur von der Kommission entgegenzunehmen; eS ist dieses umsomehr notwendig, da dadurch der' Kommission die Kontrolle er- leichtert wird und die Kollegen in geregelte Arbeitsverhältnisse ein treten. Von feiten einzelner Unternehmer wird immer noch versucht, den Tarif zu umgehen, und bedurfte es des energischen Eingreifens der Kommission, um dort geregelte Verhältnisse zu schaffe». Die Kollegen sind verpflichtet, den Beschluß der Versammlung vom 8. November zur Durchführung zu bringen. Ans verschiedenen Bauten haben sich die Kollegen noch keine Delegierte getvählt; dieses muß nunmehr sofort geschehen und hat derselbe sich mit dein Wer tranensmann Berlins in Verbindung zu setzen; nur durch gegew seitige Kontrolle können wir die Errnngenschafteii des Streiks auf recht erhalte». Der Vertrauensmann. Die Arbeitsverhältnisse der Inkasso- Agenten bei der Singer C. Nähmaschinen Aktiengesellschaft bilden seit längerer Zeit Gegenstand von Beratungen zwischen der Firma und dem „Centralverband der Handlungsgehilseu Deutschlands. Sitz Hamburg". Die Lage der in Betracht kommenden 80 Angestellten, die bei der hiesigen Filiale der genannten Firma ist nach dcn Mitteilungen des „Handlnngsgehilfcn-Blattcs" eine recht schlechte. Die.Einkassierer", wie sie früher hießen, müssen um 3/48 Uhr früh antreten, um 3'r9 Uhr in dcn ihnen angewiesenen Bezirk gehen und um'/eg Uhr sich wieder zur Abrechnung dort einfinden»nd bis zun, Schluß des Geschäfts dort verweilen. Wie die Berufsbezeichming verrät, habe» diese Angestellten die Inkassos einzuziehen und Ivie die BeriifSbczeichiiung verichweigt, neue Geschäftsabschlüsse herbeizuführen. Eine Mittags- zeit ist nicht angesetzt, lieber das Bedürfnis des Essens lautet nur eine Verfügung, die das Einnehme» von Speisen ans Treppen und in Kneipen verbietet. Ter Lohn war bis vor kurzem 5 Proz. vom Inkasso und 10 Proz. vom Verkauf, ein Fixum bestand nicht. Wenn es einem Kassierer gelingt, im Laufe der Woche 400 M. ein- znkafncren, ein Inkasso, das als ein sehr hohe? gilt, so hat er also 20 M, verdient; es sind aber Fälle zu verzeichnen gctvcscn, wo nur 6 M. pro Woche verdient wurden. Zu welch' ungeheuerlichen Bedrückungen der für die Agenten geltende Kontrakt führt, möge an einem Beispiel gezeigt werden: Der Jnkaflo-Agent verkauft eine Maschine und zahlt darauf dcn in der Filiale gewährten und den Käufcni bekannten Rabatt von 6 M.— der Durchschnittspreis einer Singer- Maschine=- 135 M.— an? seinen Privattnitteln. Im Hauptgeschäft erhält er seine Provision gleich 10,50 M.; 3 M. lw hält die Firma. Die Abzahlung stockt plötzlich, nachdem bereits 90 M. abgeliefert sind, die Maschine wird abgeholt, und unserem Kollegen werden 10,50 M. znrückgebncht. Der gewährte Rabatt von 6 M. ist sein weiterer Verlust. Tie Angestellten können die Firma so leicht nicht verlassen, da sie bei 1600 M. Konventionalstrafe während eines JahrcS in kein Konkurrenzgeschäft Deutschlands ein- treten dürfen. Gedeckt ist die Finna schon durch die 300 M. Kaution, die der Angestellte beim Eintritt zu zahlen hat, und die von der Firma zurückgehalten wird solange auch nur ein von dem betreffenden abgeschlossenes Geschäft Innft. Der Vorstand dcS Handlungsgehilfen-Verbandes, dem sich die Mehrzahl der Agenten angeschlossen haben, hat im Juni mit der hiesigen Firma Unterhandlungen gepflogen, und nach langem Hin »nd Her bequemte sich endlich die Firma zu folgenden Ziigeständnisjen: ES wurde ein Fixum bewilligt von 12 M. pro Woche und die In kassoprovision auf 3 Proz. an>,. setzt. Bezüglich der Retouren kam man den Angcslclllen entgegen, über die anderen Punkte sollte mit dem Centralverband weiter verhandelt werden. Nack monatelangent Warten waudte sich der Verband abermals an die Finna, um auch die übrigen Bestimmungen des Kontrakts dcn Arbeitern günstiger zu gestalten. Die Unterhandlungen hatten keine» Erfolg; die Firma lehnte cS ab, dcn Kontrakt nach den Wünschen des Verbandes um- zuändern. So stehen die Dinge zur Zeit; der Handlungsgehilfen- Verband hat die Sache der Jnkasso-Agenten zu der seinigcn gemacht, und scheint es nicht anSgeschlosscn� daß eS demnächst zu einer Arbeitsniederlegung kommt. Die Kontrakte gelten nicht bloß Filialen der Firma Singer u. Co. crivarten, daß auch die Angestellten Bewegung anschließen. Deutsches Oleich. Ans der obcrschlcfifche» Lohnbcwcgnng. Gegenwärtig gährt es besonders unter der Belegschaft der„ G i e s ch c g r»i b e" zwischen Kattowitz und Mtislowitz. Dort fehlt es an Schleppern, und die Häuer sollen Schlepperarbeit verrichten, für die sie schlechter bezahlt werden. Statt des zuletzt verdienten Häucrlohncs von 4,20 M., vcr- dienen sie als Schlepper höchstens 3.50 M. Eine lOprozcntige „Tenernngszulage" erhalten nur die, die im Monat alle Schichten verfahren haben; wer auch nur eine versäumt, geht der Zulage vcr- lustig. Die Belegschaft hat an dcn Vorstand der Aktiengesellschaft Gleiches Erben, der die Grube gehört, eine Petition um eine 25prozciitige Lohnerhöhung gerichtet.— Die Arbeiter der„Friedens- Hütte" bei Morgenrot beschweren sich namentlich über die masscn- haften Uebcrschichtc», die sie bei der lOstündige» Dauer der gewöhnlichen Schichten nicht aushalten.— In der R y b n i k e r Gegend sind seit jeher die Löhne niedriger als im eigentlichen Jndustriercvier. Dort verdienen die Häuer höchstens 3 M. bis 3,50 M. pro Schicht. vielfach nur 2,50 M. Nach der Beuthencr„Praca" verlangen jetzt auch diese Bergarbeiter Lohnaufbesserung. Ani 30. November findet die Generalversammlung des Ober- schlesischcn Knappschafts-Vcreins statt. Zugleich mit der Einberufung wird eine Statutenänderung angekündigt. Was für eine, ivird nicht verraten. Die Mitglieder haben jetzt keine Zeit mehr, ihren Willen kund zu thun und in Versammlungen sich zu beraten und die KnappschastS- Acltcsten, ihre Vertreter, zu in- struicren. Die Statutenänderung wird also wieder von oben her gemacht. Der Ausstand in Wüster ist als aussichtslos aufgegeben worden. AuS de» Reihen der Streikenden hatten sich während des 25 wöchentlichen harten Kampfes nur etlva 10 Mann als fahnenflüchtig erwiesen, doch die fortgesetzten großen Anstrengungen der Unternehmer hatten es zu Wege gebracht, daß die Zahl der Arbeitswilligen bedenklich stieg. Sind cS auch zumeist solche Leute, die das Unternehmerttim nicht behält, weil man sie nicht recht ver- wenden kann, so wäre doch dadurch der Kampf allzu sehr in die Länge gezogen worden. Dieserhalb hat man ihn jetzt aufgegeben, um zur Zeit der Prosperität sein. Recht geltend zu machen. Für die Unternehmer ist es wahrlich kein Sieg. Man hatte geglaubt, innerhalb vier Wochen die Organisation matt zu setzen und sich damit mehr als geirrt. Die Herren werden sich es reiflich überlegen, ehe sie es zum zweitenmale zu einem solchen Kampfe kommen lassen. Darauf können sie aber versichert sein, die Arbeiter, die jetzt an ihrer Organisatton hängen wie die Kletten, sie werden zur rechten Zeit auf dem rechten Platze zu finden sein. Da das Unternehmertum die„Arbeitswilligen" ans scheinbarer Dankbarkeit nicht allzu rasch auf die Straße schieben will, bleiben aus einige Zeit neben denen, die sich völlig mißliebig gemacht haben, eine größere Zahl Kollegen auf der Strecke, die zu unterstützen sind, und deshalb bitten wir, etlva»och gesammelte Gelder für die Wilsterschen Lederarbeiter, denen nach so hartem Kampfe eine Unterstützung gewiß not thut, an O. K l e m m, W i l st e r. AhrenS Herberge senden zu wollen. Verband der Lederarbeiter Deutschlands. Das Kartcllvcrhältnis zwischen dem Nicderrheinischen Wcber-Verband und dem DeutschenDextilarbeiter- für Berlin, sondern für alle in Deutschland; es steht zu der anderen Städte sich der Verband bleibt bestehen. Es ivurde bekanntlich gelegentlich des K r e f c l d e r Sammctweber-Ausstandes geschlossen. In letzter Zeit machte sich eine Ströninng geltend, um die„vollständige Selbständig- keit" des„christlichen" Wcb'er-Verbandes zu wahren, dcn Anschluß an die übrige deutsche Arbeiterschaft, die durch das bezeichnete Kartell- Verhältnis gegeben war, abzubrechen. In einer Versammlung wurde aber der oben bezeichnete Beschluß gefaßt. Es bleibt nun noch ab- zuwarten, welche Stellung die außerordentliche Gencralvcrsammlnng des Webcr-Vcrbandcs dazu einnehmen ivird. Nmntnmrnles. Zur Beachtung für die Arbeiter der städllsche» Betriebe. Die Stadtgcmeindc Berlin beabsichtigt bekanntlich, auf Grund des § 60 des �rankcnvcrsicherungS-Gcsctzcs in der Novelle vom 10. April 1392 eine BctricbS-Kraukenkasse zu errichten, welche für alle in den Bciriebcn und im Dienst der Stadtgemcinde beschäftigten vcr- sichcrungSpflichtigcn Personen eintreten soll, soweit nicht die schon bestehenden Betriebs-Kranlenkassen der städtischen Parkverwaltung und der städtischen Straßenreinignng zuständig sind._> Nach den gesetzliche» Bestimmungen sind die Beteiligten über den Entwurf zu dem Statut der neu zu er« richtenden Kasse zu höre». Zu diesem Zwecke liegt der Stalutcn-Entwurf in der vom Magistrat beschlossenen Fassung bei sämtlichen st ä d t i s ch e n V e r>v a l t u n g s- A b t e i l u» g e n, Bureaus und Kassen biö zum 9. Dezember d. I. einschließlich zur Einsicht aus. Soweit die bei der Kasse beteiligten versicherungspflichtigen Personen gegen dcn Inhalt deS Statuten- Entwurfs Eimveudnngcn erheben wollen, sind diese biö zum IL. Tczcmbcr entweder schriftlich Stralauerstt. 3—6, Hof 1 Treppe, ans dem Gcwerbeburcan einzureichen oder ebenda Zinimcr 12 werktäglich in der Zeit von 9 bis 1 Uhr mündlich zu Protokoll zu erklären. An der lctztbczeichiictcn Geschäftsstelle werden Statuten« Exemplare dcn Beteiligten auf Antrag ausgehändigt. Bezüglich der einheitlichen Regelung dcö städtischen Tubinissiouöverfahrenö hat der von der Stadtverordneten- Versammlung eingesetzte Ausschuß in einer unter Vorsitz dcS Stadtverordneten Alt und im Beisein des Stadtbanratö Krause und des Stadtrats NamSlau abgehaltenen Sitzung beschlossen, folgende generelle Grundsätze in die Snbmissionsbedingmigcn einzusetzen: 1. Tic Höhe der von den Unternehmern zu bestellenden EicherhcitS- kaution ist in der Regel auf 5 Proz. des abgegebenen Gebots fest- zusetzen. 2. Abschlagszahlnugeu können dcn llntcrnchmern und Lieferanten zu 3/ro des Werts der ausgeführten Arbeiten und Lieferungen gewährt werde». 3. Submittenten bleiben innerhalb 4 Wochen nach dem Eröffnungstermin an ihr Gebot gebunden. Die nicht berücksichtigten Submittenten sind von der Ablehnung ihrer Gebote kurz zu benach- richtigen. 4. Die Unternehmer sind verpflichtet, zu dcn Vertrags- mäßigen Preisen Mehrleistungen bis zur Höhe von 10 Proz. zu bewirken. 5. Svivcit in den Submissionsbedingnngcn festgestellt ist, daß bei Differenzen zwischen dem Unternehmer und dcr� sub- mittiereuden Vcrwaltuugsabtcilung der Rechtsweg ausgeschlossen ist und der Unternehmer sich der Entscheidung des Verwaltungsdirektors oder der Deputation nuwcigcrlich zu unterwerfen hat, ist diese Be- stimmuag dahin abzuändern, daß dem Unternehmer gegen die Eni- schcidung der Rechtsweg offen bleibt. Dokales. Achtung! Vierter Wahlkreis, Osten! Die Mitglieder des Wahlvercins werden hierdurch aufgefordert, sich zu der morgen (Sonntag) stattfindenden Fl ugblatr-Ver breitung in den dazu bestimmten Lokalen zahlreich einzufinden. Der Vorstand. Zur Frage der Kinderarbeit bringt die„Pädagog. Ztg." einen Artikel, der sich mit der Stadt- verordncten-Sitznng vom 16. November beschäftigt. Darin wird der Bchnnptung dcS Bürgermeisters Kirschncr, daß den bei Theatern beschäftigten Kindern eine besondere Fürsorge zu teil werde, wider- sp rochen. Nach auS Fachkreisen zugegangenen, anf Erfahrung beruhenden Mitteilungen sei das durchaus nicht der Fall. Be- st ä t i g t wird dagegen die Angabe des Stadtverordneten Singer, daß manche zum Austragen von B a ck w a r e n benutzten Kinder, um des Morgens gleich bei der Hand zu fein, in der Bäckerei übernachten und die eben von den Bäckergesellen verlassenen Betten benutzen müssen. ES sei f e st g c st c l l t, daß solche Fälle gar nicht selten sind. Sogar Uebertragungen einer gclvissen Krankheit seien dabei schon vorgekommen.— Was die Beschäftigung von Kindern in Theatern anbetrifft, so tvollcn wir feststellen, daß Bürgermeister Kirschner mit seiner Behauptung im Recht ist, wenigstens formell. Das Berliner Polizeipräsidium hat bereits unter dein 5. Jnli 1836 eine Ver- o r d n u n g erlassen, die am 1. September 1886 in Kraft getreten ist und die Erlaubnis zur Beschäftigung schulpflichtiger Kinder in Theatern und bei sonstigen Vorstellungen von b e st i ni in t e n Bedingungen abhängig macht. Vor allein ist eine vorherige Anhörung des Klassenlehrers. eine gutachtliche Aeußcrnng des Rektors und eine zustimmende Erklärung des Schnlinspektors erforderlich. Sobald die Beschäftigung Anlaß zu Störungen deS regelmäßigen Schulbesuchs giebt oder nach dem Urteil des Rektors oder der Lehrer zu Un- zuträglichkciten für die Anstalt bczw. für die bettcffcnden Kinder führt, muß die Zurücknahme der Erlaubnis bcanttagt werden. Diese Bestimmungen sind, soviel wir wissen, bisher nicht aufgehoben worden, sondern gelten noch. Wenn aber der„Pädagog. Ztg." jetzt auS Fachkreisen und auf Grund von Erfahrungen mitgeteilt wird, daß die angeordnete besondere Fürsorge für die bei Theatern be- schäftigten Kinder zu wünschen übrig läßt, so erklärt sich das viel- leicht' nur aus der D e h n b a r k e i t der erwähnten Verordnung. Ihre Bestimmungen werden ohne Zweifel von Lehrern, Rektoren und Schulinspcktorcn nach bestem Wissen und Gewissen beobachtet und befolgt. Aber die Ansichten darüber, ob die Erlaubnis zur Nebenbeschäftigung mit Rücksicht auf die wirtschaftliche Lage der Eltern notwendig bezw. mit lltücksicht anf die Schulleisttingen des Kindes unzulässig erscheint, sind eben sehr verschieden. Wer die Erwerbsarbeit der Kinder nicht principicll verwirft, der gelangt dabei sehr leicht, ohne eS zu wollen und selbst ohne es zu wissen, zu einer Nachsichtigkeit, bei der die Schule und die geistige Ent- Wicklung des Kindes zu kurz kommen. Namentlich gehört viel Ueberwindung dazu, eine einmal erteilte Erlaubnis wieder zurück- zunehmen. In dem Kampfe gegen die Kinderarbeit sind halbe Reformen keine Reformen. Je radikaler hier vorgegangen wird, desto besser._ Zur Statistik der Berliner Streiks und Nnöspcrrnnyrn. Das dritte Heft der„VierteljahrShcftc zur Statistik des deutschen Reichs" bringt eine summarische Ucbersicht der Streiks ic. im Deutschen Reich Während des zweiten Quartals 1899. Was specicll die Stadt Berlin anbetrifft, so wurden nach dieser Uebcrsicht hier im zweiten Quartal d. I. 38 SttcikS neu begonnen und außerdem 7 bereits vor dem 1. April begonnene Etteiks weitergeführt. Somit betrug die Zahl der Streiks im ziveiten Quartal d. I. 45. von denen 43 noch in demselben Quartal beendet wurden.— Die Zahl der von den Streiks betroffenen Betriebe betrug 530, die Höchstzahl der in dcn Betrieben gleichzeitig streikenden Arbeiter 7206. In 344 Be- ttieben trat infolge der Streiks der völlige Stillstand dieser Betriebe ein, während in den übrigen nur einzelne Branchen der dort beschäftigten Arbeiter an dcn Streiks beteiligt waren.— Als �ontraktbriiSig" luci&cn in dcr Ucbcrsicht 10g der streikenden Arbeiter bezeichnet und zwar: 53 Tischler, 80 Arbeiter einer schirm« stock-Fabrik, 25 Kntscher dcr Nachtoinnibus-Conipaqnie und 1 Kisten- niacher. Wir haben nichrfach nachgewiesen, welche merkwürdige AnSlegung dem Begriff der Kontraktbrnchigkeit in dcr amtlichen Statistik gegeben wird. Von den Unternehmern ankgesperrt wurden in Berlin im zweiten Dimrtnl dieses Jahres 4528 Arbeiter in 304 Betrieben. 214 Betriebe (Baugewerbe) mit 2483 ausgesperrten Maurern kamen infolge der Aussperrung zum völligen Stillstand. 1800 in der Holzindustrie beschäftigte Arbeiter, 109 Maurer und 76 Zimmerer wurden wegen dcr Feier des 1. Mai zeitweilig ausgesperrt. lieber die Ccntralisation der hiesigen OrtSkrnnkcnkasscn äußert sich in ihrem Jahresberichte die Gcwerbcdeputation. Bei dem Fehlen besonderer gesetzlicher Bestimmungen, so wird ausgeführt, kann eine Centralisation nur ans dem Wege durchgeführt werden, daß die Gemeindebehörde unter Zustimmung dcr Geiieral-Versamm- Immen dcr beteiligten Kassen die Auflösung dcr bestehenden Kasse beantragt und gleichzeitig eine Satzung für die Ccntralkassc errichtet wird. Es wurde festgestellt, inwieivcit die Geincindcbchörde bei einem solchen Vorgehen auf die Zustimmung der General- Versammlungen würde rechnen können. Die Feststellung ergab.- Nur 4 Kassen mit 4200 Mitgliedern erklärten sich bedingungslos für eine Centralisation, 43 Orts-Kraukcukassen mit 197 000 Mitgliedern erklärten sich von vornherein dagegen, während 9 OrtS-Krankeltkosfen mit 112 500 Mitgliedern sich untersetzt gesetzlich unmöglichcnVoraussetzuilgcn — z. B. Einschluß der Betriebs- und Jnnungs-Krankcukasscn in die Ccntralisation oder unter augeblich praktisch unerreichbaren Bc- dinguugen— z. B. Erstreckung dcr Zentralisation auch auf sämt- liche Vororte?— für die Centralisation erklärten. Bei der Beurteilung dieses Ergebnisses, so wird geschrieben, ist zu beachten, daß dcr Ge- danke einer Ccntralisation der Orts-Krankenkassen in Berlin noch im Verhältnis wenig erörtert worden ist. Andererseits fehlt cS aber nicht an Bildungen, die einer Ccntralisation Vorschub leisten. Z.B. haben sich mehrfach die Krankenkassen, die ei» gleichartiges Arztsystein haben,� zu freien Vereinigungen zusammeugethau. Zu beachten ist auch die Ceutralkommissiou der Krankenkassen, als Sammelpunkt dcr Kassenvorstände und Kasscnbcamtcn., Friedrich II. und die bigotte Kaiserin. Friedrich II. von Preußen that sich bekanntlich auf seine Toleranz in religiösen Dingen gern etwas zu gute. Dies geschieht auch in einem kurz nach dem siebenjährigen Kriege geschriebenen Brief an die bigotte Kaiserin Maria Theresia, der vor einiger Zeit die Runde durch die Prcffc machte. In einer an sich gleichgültigen Sache schreibt der König: „Nun zweifle ich keineswegs. Ew. Kaiser!, und Königl. Majestät werden mir die Gerechtigkeit widerfahren lassen und mir glauben, daß die Rücksicht auf Religiöse Vorteile bei mir weder in Administration der Justiz noch in Distribution der Gnaden den allergeringsten Eindruck mache. Von meinen Unter- thanen fordere ich weiter nichts als bürgerlichen Gehorsam und Treue. So lauge sie hierunter ihre Pflicht beobachten, erachte ich mich wiederum verbunden, ihnen gleiche Gunst, Schutz und Gc- rcchtigkcit angedcyen zu lassen, von was vor Spekulativer Meinung in R e l i g i o n s s a ch e n sie auch sonst eingenommen sein möchten. Diese zu beurteilen und zu richten überlasse ich lediglich demjenigen, welcher über die Gewissen dcr Menschen allein zu gcbicthen hat und von dem ich mir so v e r k l e i n c r l i ch c Vorstellungen nicht machen kann, daß ich glauben sollte, daß er zur Ausführung seiner Sache m e n s ch l i ch c Ä s s i st e u z von nöten hätte, oder ihm augenehm sein könnte, wenn man ihn hierunter, es sei durch Gewalt, oder durch Kunstgriffe, oder andere, indirekte Wege beförderlich zn sein vorbildet." Berlin im urucii Postctat. Berlin spielt im neuen Postetat eine besonders große Rolle. Von den vorgesehene» Baumittclu im Betrage von IOVs Millionen Mark entfällt fast ein Drittel auf Gnindstückskänfe und Bauten in Berlin. Für ein Postgebäudc am Tcmpclhofer Nfcr ist eine erste Rate von 140 000 M. eingestellt. Erste Raten sind ferner uorgeschcn: zur Herstellung einer Aiishilfs- Halle auf dem Posthnlterei- Grundstück Köpuickcrstraßc 132 und Mclchiorstraße 9 mit 120 000 Mark, zur Herstellung eines Ferusprcch- Dicnstgcbäudcs, ferner eines Dienstgcbändcs und eines Lagerhauses für das Tclcgraphenzcugamt auf dem Postgrundstück Pallisadeustr. 90 und Lichtcubcrgerstr. 19, 150 000 M., zur Erwerbung eines Bau- Platzes in dcr Lothringcrftraße 661 350 M. sowie in dcr Magazin- ftraße 990 095 M. Zur Vergrößerung dcS TelegraphengrundstuckS in dcr Französischen-, Inger- und Obcrlvallstraßc und zum Ilm- und Erweiterungsbau daselbst ist eine dritte Rate von 120 000 M., für den Umbau des Hauptpostgebändcs in der Hciligcngciststraße eine zweite Rate von 511 000 M., für das Postgebäudc in der Prinzessinnen- ftraße eine zweite und letzte Rate mit 97 300 M. vorgesehen. Eine besondere Zlrt unter den Gesindcvermictcr», und zwar die, welche zu den am ivenigsteu beliebten gehören, sind die Vermittler für L a n d p e r s o n a l. Diese habe» in der Provinz zahlreiche Agenten, ivclchc dem Vermittler ländliche Dienstboten zu- lühren, die von Berlin aus dann in andere ländliche Bezirke spediert werden. Der Mangel an ländlichen Dienstboten setzt den Vermittler in die Lage, ungewöhnlich hohe Provisionen zu fordern. Sie erhalten für jeden von ihnen vermittelten Dienstboten 45, 50. ja sogar bis 90 Mark und zwar von den„Herrschaften". Da das' Land- personal immer auf ein volles Jahr verpflichtet wird, so können die Gutsbesitzer die dem Agenten gezahlte Provision durch weit- geheudste Ausbeutung dcr Kräfte des Dienstboten, durch schlechte Kost ec. leicht Heranswirtschaften. Wenn aber der Dicnstbote vor Ablauf des Ikoutrakts die Stellung aufgeben will, dann gicbt die Gesiildc-Ordniing dem Dienstgeber das Recht, die Aufwcuduiigcn, weiche er beim Engagement des Dienstboten gemacht hat. von diesem zurückzuverlangen, oder sie vom Lohn in Abzug zu bringen. Dcr Dicnstbote muß also in solchem Falle mindestens so lauge in der Stellung aushalten, bis er die voni Dienstgeber gezahlte Provision. Reisegeld ze. abgearbeitet hat. So mancher Agrarier macht sich diesen Umstand zum Nutzen, indem erden Dienstboten, wen» dessen verdienter Lohn die Hobe der Aus- lagen erreicht hat, aus dcr Stellung hinausgranlt. Der Vermittler sorgt wieder für neues Personal und das Spiel beginnt von vorne. In dem Falle sind es also die armen Dienstboten die das Geld erarbeiten müssen, womit sich die Vermittler die Taschen füllen. Aus dem Angeführten crgiebt sich, daß die Regelung der Arbeitsvermittlung'für Dienstboten eine dringende Notwendigkeit ist. Dcr Verbrauch von Wasser ans den städtischen Waffer- werken betrug vom 1. April 1898 bis 31. März 1899 beinahe 01 Millionen Kubikmeter. Davon wurden etwas über 41Vs Millionen gegen Bezahlung abgegeben(meist zum Hausgebrauch und für gewerbliche Zwecke) und'ungefähr 5 Millionen nncntgeltlich geliefert iznr Stratzenbcsprcngnng, Kanalspülnng usw.). Der Verbleib von etlvaS über 4Vs Millionen Kubikmeter war nicht nachzuweisen; sie dürften zum Teil durch Undichtigkeit der Röhren verloren gegangen sein. Der Einfluß der T e m p e r a t u r auf die Höhe des Wasser- Verbrauchs trat im Jahre 1898/99 wieder recht handgreiflich hervor. Der Verbrauch betrug pro Woche im Durchschnitt des ganzen Jahres rund 980 000 Kubikmeter, aber vom 12. bis 18. August 1898 über 1 270 000, pro Tag im Durchschnitt des ganzen JahrcS rund 139 600 Kubikmeter, aber am 17. August rund 213 800. Die sieben Tage vom 12. bis 18. August waren die heißeste Woche, dcr 17. August der heißeste Tag von 1898. Der schwächste Verbrauch siel, wie immer, in die Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr, wo daS Gewerbe still liegt. Den schwächsten Wochenverbranch, rund 827 000 Kubikmeter, hatten der 23. bis 29. Dezember 1808, den schwächsten Tagesverbrauch, 96 637 Kubikmeter, der 26. Dezember. Der Verbrauch pro Kopf und Tag betrug im Durchschnitt des ganzen Jahres 78,21 Liter, aber am 17. August 120,03 Liter, am 26. Dezember 53,86 Liter. Der gesamte Wa nerverb rauch ist übrigens höher, als er nach den Betricbsergebnissen der Wasserwerke erscheint. Den Sttaßen« und Hofbrunnen wird noch viel Wasser eistuommcn, besonders zu gewerblichen Zwecken. Die Hofbrunnen speisen sogar eigene Wasserleitungen, die sich bei der letzten Volkszählung noch auf 419 Grundstücken fanden. Städtische Eisbahnen. Nach einer Bekanntmachung der Deputation für städtisches Tum- und Badcwescn sind die Grundstücke Wiesenstr. 49—54 und Paukstr. 11— 12 für diesen Winter dazu aus- ersehen, zu Eisbahnen hergerichtet und den Zöglingen der Gemeinde- schulen zur unentgeltlichen Benutzung zur Verfügung gestellt zn werden. Die Rcttorcn dcr Gcincindcschnlcn werden in der gedachten Bekanutmachnug ersucht, die Kinder hiervon in Kenntnis zu setzen und ihnen ferner anheimzugeben, den Besuch der Eis- bahnen durch Ausgabe von Karten oder sonstwie zu regeln. Mcrlwürdigerivcise hat die Deputation stir städtisches Tum- und Badewesen die für diese Ressorts gebotene Trennung der Geschlechter auch auf den Besuch dcr Eisbahnen auszudehnen für nötig befunden. Die Eisbahnen sollen nämlich Schülerinnen Montags und Donnerstags, Schülern dagegen Dienstags, Mittwochs, Freitags und Sonnabends geöffnet sein. Dcr Sonntag ist sonnt überhaupt ausgeschlossen. Ein Gmnd für die Trennung der Gc- schlechter beim Eissport ist nicht recht einzusehen. Sittliche Bedenken können doch ivohl kaum ins Feld geführt werden. Außerdem hat die Maßnahme mancherlei Uuzuträglichkcitcn im Gefolge. Es wäre ivüuschcnswcrt, daß dieser burcaukratische Zopf beseitigt und auch dcr Sonntag freigegeben werde. Der einzige, dem nenen Bürgerlichen Gesetzbnche entsprechende Mietsvertrag, der vom Verein Berliner WohmmgS- mieter herausgegeben ist, erscheint demnächst in neuer Auflage im Verlage der Buchdrucker« von 28. Römer, Elsafferstt. 5. Im Gegensätze zn allen anderen in Berlin von Hansbefitzervereinen ins- besondere herausgegebenen Mictsvertrögen schließt er sich an das neue Recht an, während die anderen, angeblich dein neuen Rechte „angepaßten" Mictsverttäge alle gesetzlichen Rechte der Mieter und einen sehr großen Teil der Pflichten der Vermieter beseitigen. Es kann daher jedem nur geraten werden, diesen Vertrag des Mieter« Vereins zu verwenden, wenn er sich vor Schaden bewahren will. Wer kennt nicht Bürgers Lied vom brave» Man»? „Dreihundert Zechinen sind zugesagt, dem, welcher die Rettung dcr Armen wagt". Diese Worte des edlen Grafen galten vor hundert Jahren. Wie wenig die damalige Moral heute noch im Schwange ist, lehrt eine Zuschrift, die ein Arzt an die„Voss. Ztg." richtet: Vor einigen Tagen brachte die„Voss. Ztg." eine kurze Notiz, daß sich eine'junge Dame in den K anal an der Potsdamer Brücke gestürzt habe und von einem Manne gerettet worden sei. Auch ich bin Augenzeuge dieser entsetzlich aufregenden Sccne gewesen, die sich nachmittags 2 Uhr unter den Augen von Tausenden ab- spielte, und erlaube mir daher, obige Mitteilung noch in einigen Punkten zu ergänzen. Die junge Dame schwamm bewußtlos au dem Wasser; allem Anschein nach' war sie sofort beim Hineinspringen ohnmächtig geworden. Die Versuche, die Lebensmüde mit Hilfe des LiettungsballeS dem Wasser zu entreißen, mußten mithin erfolglos bleiben'. Dcr bewußtlose Körper sank von Sekunde zn Sekunde, nur ein bleiches Gesicht sah aus dem Wasser heraus, im nächsten Moment mußte auch dieses verschwinden; da sprang beherzt ein junger, dem Arbeiterstande angehörigcr Mann in das Wasser, hielt sich mit der einen Hand am' Rettungsseile fest, mit der andere» packte er kräftig den Kopf der Leblosen und hielt ihn einige Minuten über Wasser, bis ein Herr mit dem Rettungskahn heran- gefahren kam. Nun zogen beide Männer die junge Dame in den Kahn. Dcr mutige Retter machte sofort mit bcwnndcrungSlvcrter Umsicht und Kaltblütigkeit Wiederbelebungsversuche, die auch schließlich Erfolg hatten. Aus dieser den Thatsachen � entsprechenden Schilderung geht mit voller Sicherheit hervor, daß die junge Dame ihr Leben ausschließlich dem jungen Arbeiter, dein 18�/s jährigen OSkar B e i e rl i n g, zn verdanken hat. Ohne dessen tapfere That wäre die Dame unrettbar verloren gewesen. Denn beim Eintreffen des Kahnes wäre sie, wenn sie Herr Bcierling nicht über Waiser gehalten hätte, längst in den Wogen verschwunden gewesen. Und wie hat man dein heldeinnütigen Retter gedankt? Zunächst erregte es mein Mißfallen, daß beim Transport der Wiederbelebten in das Elisabeth-KrankcnhauS mittels Droschke Iv e n i g e r bctciligle Personen im Innern dcr Droschke Platz nahmen, der»nitige junge Mann aber in seiner ganz durchnäßten Kleidung n e b e n d e in Kutscher auf dem Bock e i n e n P l a tz a u g e l'v i e s e n erhielt. Und mit welcher Anfinerksainkeit haben die Acrzte und Pflegerinnen des Elisabeth-Kraukenhauses den heldenmütigen Retter bedacht! Man' hat ihn kau in b e a ch t e t, nicht e i u e n S ch l u ck Wein hat man ihm gereicht, nicht eine Tasse w a r m e ii 5k a f f e e, nicht ein t r o ck e n c s H c in d! Mit den nassen Kleidern am Leibe, am ganzen Körper frierend, hat ihn schließlich, nachdem er über eine halbe Stunde anS Interesse für die Errettete im Krankenhanse geweilt hatte, dcr in Ihrer Zeitung genannte Arzt in einer Droschke nach Hause geschickt. Von geschultem Personal eines Krankenhauses sollte man füglich doch mehr Um- ficht und Menschlichkeit erwarten. Ja, wenn dcr brave Mann etwa ein Offizier gewesen wäre! Eine furchtbare Art deS Selbstmordes wählte gestern morgen das 15 Jahre alte Dicnstmädchcii Elfricde H., das seit drei Wochen bei einem Gastwirt in dcr Mittclstraße 24a in Stellung war. Das ans Tcnipelhof gebürtige Mädchen befand sich eines Nervenleidens wegen schon einmal in einem Kraukcnhause und wurde vor einiger Zeit auch am Kopfe operiert. Gestern morgen um SV« Uhr klopfte es den Hausdiener heraus und ging dann mit einer Petroleumlampe nach dem Keller. Dieser liegt aui Hofe und hat seinen Eingang vom Qncrgcbände anS. Von dcr Kellertreppe aus geradezu wohnt der Pförtner Wchuer. Unter der Treppe rechts befindet sich der Eingang zu den Kellern dcr HauSbcivohncr. Den Schlüssel zum Vorkcller bewahrt der Pförtner auf. Elfriede H. weckte nun Wchuer und ließ sich von ihm unter dem Vorwande, daß sie Feuerung holen müsse, den Schlüssel geben. Diesen legte sie, nachdem sie den dunklen Vorkcller aufgeschlossen hatte, draußen auf die Treppe. Jni Vorkeller entkleidete sie sich dann bis auf das Hemd, tränkte dieses durch und durch mit Petroleum, legte sich hin, zündete das Hemd an und ließ sich bei lebendigem Leibe verbrennen. Nicht einen Laut muß sie dabei von sich gegeben haben, denn niemand im Hause hat auch nur das geringste gehört. Merkwürdigerweise hat man auch den Brandgcmch nicht ivahrgenommen. Noch einiger Zeit fand Wehner den Kcllerschlüssel auf dcr Treppe liegen. Er glaubte, das Mädchen habe de» Keller wieder verschlossen und den Schlüssel nur hingelegt, um ihn nicht noch ciiimol stören zu müssen. Da nie- maiid im Waschkeller oder den Vorratsräuincn zu thnn hatte, so wurde die That der Wahnfinuigen erst gegen Mittag ent- deckt. Dcr Gastwirt vemnßte unterdessen sein Dienstmädchen. Er glaubte, daß es an Heimweh gelitten habe, und ließ durch den Fernsprecher in Tcnipelhof anfragen, ob es sich vielleicht bei den Eltcni befinde. Da dies nicht dcr Fall war, so fuhr er selbst zu den Ellern hinaus, um mit ihnen zu beraten, was zn thnn sei. Bei dcr Rückkehr ging er auf das Bureau des 5. Reviers, uni daS Verschwinden des Mädchens zu melden. Hier war eben die Nach« richt cnigegaugen. daß man es im Keller als Leiche gefmiden habe. Gegen Mittag hatte die Pförtnerfrau ini Keller zu thnn. Im dunklen Vorkcller stolperte sie über einen weichen Gegenstand und lief erschreckt zu ihrem Manne zurück. Die Eheleute gingen dann mit einer Lampe wieder in den Vorkeller und sahen nun die Leiche des Mädchens. DaS Hemd war vollständig verbrannt, die auf dem Rücken liegende, etwas gekrümmte Leiche am Oberkörper stark verkohlt. Neben dcr Leiche stand die leere Pctroleunikanne. in geringer Entfernung davon lagen die unversehrt gebliebenen Kleidungsstücke dcr Umglücktichen. Bei der besonderen Art dcS Falles wurde sofort die Krtinnialpolizei benachrichtigt, die ihrerseits die Staatsanwaltschaft in Keuntiiis fetzte. Man ließ auch die Leiche in der LageHin der sie gefunden wurde, mit ihrer Umgebung liegen, bis ein Vertreter der Staatsanwaltschaft an Ort und Stelle den Thatbestand aufgenommen hatte. Erst dann wurde gestern abend die Leiche nach dem Schauhause gebracht. In der Nachbar- 'chast verbreitete sich die Nachricht, daß an dem Mädchen ein furcht- bares Verbrechen verübt worden sei. Das gilt jedoch nach dem Er- gebnis aller Ermittelungen als ausgeschlossen. Das Mädchen hat vielmehr in der hier dargestellten Weise seinem Leben selbst ein Ende gemacht. Göuczi und feine Ehefrau tragen in der Untersuchungshaft dasselbe Benehmen zur Schau, welches sie vom Augenblick ihrer Verhaftung an gezeigt haben. Während Gönczi den Eindruck resig- inerter Verstocktheit macht, bricht seine mitmigeklagte Ehefrau oft in heftiges Weinen aus. Zu einem Geständnis hat Gönczi sich noch nicht bequemt.— Beide Gefangene werden im Untersuchungsgefängnis selbstverständlich, wie das bei allen eines Kapitalverbrechens be- zichtigtcn Personen der Fall ist, unter besondere Obhut genommen. Gönczi bewohnt eine Zelle im Flügel E. die für schwere Ver- brcchcr besonders konstruiert ist. Die Thür hat ein Kunst- schloß, das Fenster ist mit einem Drahtgeflecht umgeben, so daß eine Verbindung mit der Außenwelt unmöglich erscheint. Es ist eine interessante Neminisceuz, daß einstens der bekannte frühere Hauptmann O'Danne als Untersuchnngsgefangener dieselbe Zelle innegehabt hat. Gönczi ist bei Tag und Nacht an den Händen ge- fcsscit. Er sowohl als seine Ehefrau, die in dem für Frauen ein- gerichteten Flügel untergebracht ist, werden beständig durch ein Guck- loch von dcr Thür aus kontrolliert. In der Nacht bleiben ihre Zellen erleuchtet. Beide haben ihre Kleidung sofort mit Anstaltsanzügen vertauschen müssen. Im Zilsainmcnhang mit dcr Falschmiinzerbande Strunk und Genoffen erfolgte gestcm in dcr Centralinarkthalle die Ver- Haftung eines Handelsmannes Gehrke aus Weißensee. Die Central- markih'aNe bildet schon seit langer Zeit ein vorzügliches Absatzgebiet für Falschmünzer. Es wurden bei G. eine kleinere Anzahl falscher Geldstücke vorgefunden, die er angeblich von Kunden in Zahlung er« halten und aufgehoben haben will. Falsche Füusziguiarkschciuc. Kaum sind die nenen Reichs- kassenscheine über 50 M. in den Verkehr gegeben worden, so haben auch schon die Fälscher Nachbildungen geschatten. Die falschen Scheine präsentieren sich als durch sorgfältige Federzeichnung mit im Wasser löslicher Farbe täuschend nachgemachte Geldwerte, die nur durch ein geübtes Auge von den echten Scheinen zu unterscheiden sind. Die bis jetzt augehalteuen Scheine dieser Art sind durchweg ohne Druck her- gestellt,' einzig und allein mit der Feder gezeichnet, stammen also wahrscheinlich aus ein und derselben„Fabrik". Am Totcu-Tonntag werden die beiden Urnenhallen des Vereins für Feuerbestattung— auf dem städtischen Friedhofe in Fricdrichsfelde und im Park von Treptow— von vormittags 10 bis nachmittags 4 Uhr für das Publikinn geöffnet sein. Ein gefahrdrohender Kcllcrbrand, der leicht zu einer ver- heerenden Explosion führen konnte, kam Freitagabend 6Vz Uhr R o s e n th a l e r st r. 42 auf eigentümliche Weise zum Ausbruch. In dem nach der Straße belegenen Keller der Drogueuhandlung von Kunzcndorf lagern große Posten von Petroleum, Benzin und anderen Explosivstoffen.' Das offenstehende Kcllerfenstcr war durch einen Sack verhängt, der, wie angenommen wird, durch ein weggeworfenes Streichholz oder einen Cigarrenstnmmcl Feuer gefangen hatte. Dieses war dann durch den herrschenden Wind angefacht und nach dem Innern des Kellers getrieben, wo es Düte», Packpapier u. dgl. erfaßte und jeden Augenblick das Benzin zur Explosion bringen konnte. Glücklicherweise war die Feuerwehr in wenigen Minuten zur Stelle, die unter Anwendung besonderer Vorsichtsmaßregel» gegen den Brandheerd vorrückte und das Feuer dämpfte.— Früh 8 Uhr war Große Hamburger st raße in einem Militär- effcktcnladen ein Schadenfeuer zn beseitigen. Ans de« Nachbarorte». Arbeiter, Parteigenosse» CharlottcnburgS! Am Montag, den 27. November, finden von 10 Uhr morgens bis 8 Uhr abends die Stichwahlen zur Stadtverordneten-Versarnrnlung im 4., 5. und 6. Bezirk statt. Im 4. Bezirk haben unS bei der Hanptwahl nur 7 Stimmen, im 5. Bezirk nur 20 Stimmen zum endgültigen Siege gefehlt. Bc- nutzt die kurze Frist, die uns noch von dem Wahltcrinin trennt! Rüttelt die Säumigen auf, ermuntert die Lässigen und weist überall Eure Arbeitskollegen auf die Wichtigkeit der Wahlen hin! Keiner unterlasse es. das Wahlrecht, sein wichtigstes Bürgerrecht, auszuüben! Erscheint Mann siir Mann am Wahltisch! Dann wird der Wahltag ein Ehrentag für die Arbeiter Charlottenburgs sein. Unsere Kandidaten sind für den 4. Bezirk: Spediteur Gustav Scharnberg, 5. Bezirk: Cigarrcnhändler August Sellin und Schriftsteller Dr. Bruno Borchardt. Im 6. Bezirk stehen die Freisinnigen mit den sogenaiuften Unpolitischen in Stichwahl; unser Wahlkomitee hat in Ueberein- stimmung mit dcr VolkSvcrsammlnng vom 23. November beschlossen, den Genossen des 6. Bezirks zu empfehlen, ihre Stimme für den freisinnigen Kandidaten Dr. P e n z i g abzugeben. Gewählt wird in folgenden Lokalen: Für den 4. Bezirk: Kaiser Friedrich-Rcstaurant. Kaiser Friedrichstt. 61. 5. Bezirk: Turnhalle des städtischen Realgymnasiums, Schiller- straffe 27-32. 6. Bezirk: Restanrant Dorn, Kantstr. 146. Wie bei allen Wahlen ist es auch diesmal notwendig, daß die Genossen sich opferwillig in den Dienst unserer guten Sache stellen. Wer irgend kann. stelle sich schon vor- mittags, ivem das nicht möglich ist. wenigstens nachmittags zur Ver- fügung, und zwar für den 1.. 2. und 4. Bezirk bei Kant, Pestalozzistt. 65. 3., 6. und 7. Bezirk bei Müller, Schillerstr. 94. 5. Bezirk bei B v h l a n d t. Krnmmestr. 66, Ecke Schillerstraße. Arn Sonntag, 26. November, früh 8 Uhr, findet eine Flugblatt- V c r b r e i t n n'g statt, und zwar sind die Ausgangspunkte für den 4. Bezirk Kant, Pestalozzistt. 65, für den 5. Bezirk Müller, Schiller- straffe 94. Genossen! Beteiligt Euch rege hieran und seid auch Montag .zahlreich zur Stelle. Auf zur Agitation! Vorwärts zu Kampf und Sieg! Charlottenbnrg. Die Gcnoffen im 6. Bezirk werden ersucht- sich an der Flugblatt-Verbrcitung im 5. Bezirk zu beteiligen. Die Abteilungsführer. Lber-Schöncweide. Heute findet bei Haferland abends 81/« Uhr die Versammlung des Arbeiter-Bildungsvereins statt. Banmschulcuwcg. Zu einer am Sonntag stattfindenden Flugblattverbreitung werden die Genossen ersucht, sich recht zahlreich um 8Ve Uhr bei Steffelt cinzilfinden. Dcr Vertrauensmann. AdlerShof. Zur Agitation zum Austritt aus der Landeskirche findet am Sonntag, den 26. November, eine Flugblatt« Verbreitung statt. Die Genossen werde» ersucht, zahlreich um 8 Uhr bei Schmauser, Bismarckstraße, zu erscheinen. Der VerttauenSrnann. Schöneberg. Die Parteigenossen werden ersucht, sich zu d« Flngblatt-Verteilung des„Socialdemokratischen Vereins" Sonntag früh 7Vs Uhr zahlreich bei Obst einzustellen. Der 13., 14. und 15. Bezirk versammelt sich bei Moll, Sponholzstr. 34. Dcr Vorstand. Die Stichwahl zur Stadtverordneten- Versammlung in Spandan(für die III. Abteilung) findet nach einer Bekainit- machung des Magistrats am Donnerstag, den 7. Dezember, Freitag. den 3. Dezember, und Sonnabend, den 9. Dezember d. J„ täglich von 10 bis 1 Uhr und 4 bis 8 Uhr im Lokale von Kleinert, Rittcrstr. 12, statt. Zur engeren Wahl stehen die Kandidaten der social« demokratischen Arbeiterschaft, Scholz, Rieger und Kunkel, gegenüber drei Kandidaten dcr„Gcwerkvcreine". Es ist Sackie der Arbeiterschaft Spandaus, schon jetzt mit aller Kraft dafür zu agitieren, daß der Sieg unserer Kandidaten gesichut wird. Schoucbcrg. AbeniialS haben die Lehrer SchönebcrgS an die Stadtverordneten eine Petition gerichtet, in welcher die Erhöhung ihrer Mietsentschädigung von SSV auf 630 M, erbeten wird, Belanntlich verlangten am Anfang dieses Jahres die Stadtverordneten die Beschlujzfassnng über diese Petition mit der Begründung, die Oktober- stcigcruug abzuwarten, nur beim EintreHi einer solchen die gestellte Forderung aus ihre Berechtigung hin nochmals zu prüfen. Dieser Zeitpunkt ist nun eingetreten. Eine von den Lehrern vorgenommene Umfrage hat das überraschende Resnltat gebracht, daß von 22 Lehrern, deren Mictskontrakt Oktober abgelaufen, nicht weniger als 18 Lehrer gesteigert worden sind. Des weiteren hat der Magistrat eine Nach- Weisung der von den Petenten zur Zeit wirklich gezahlten Mieten aufgestellt. Dieselbe umfaßt die Angabe von 80 Lehrern, die zu- sainmen 42 830 M. oder durchschnittlich 535,37 M. Miete zahlen. Diese Klarlegnng der lhntsnchiichcn Wohnungsvcrhältnissc unserer Lehrer dürfte wohl genügen, um die Stadtverordneten-Versammlung als auch den Magistrat zu veranlassen, ohne weiteres ihre Znstim- uumg zur Erhöhung der Entschädigung zu geben. Die Einwohnerzahl von Schöncberg beträgt nach den Fest- stcllungen, die nach dem Oktobcrzuzng die Polizei vorgenommen hat, gcgcnivärlig über-S2 000 einschließlich der auf rund 4000 Köpfe bc- rechneten Militärpcrsvncn. Ein vcrabschcuniigöwiirdigcs Verbreche» wurde am Dicnstagnachnnttag von dem Dachdeckermeister Palm aus Friedrichshagen noch rechtzeitig verhindert. Als derselbe am genannten Tage von einem Geschäftsgänge nach Schöneiche zurück- kehrte, bemerkte er in der Nähe des Bahnbcamtenhauscs, wie ein Mann sich nnl der siebenjährigen Tochter des Bahnarbeiters B., die im Walde Holz suchte, in schamloser Weise zu schaffen machte. Es gelang P.. den Wüstling an seinem Vorhaben zu hindern und seine Festnahme zu ermöglichen. Auf dem Polizcibnreau stellte sich heraus, daß der Thäter, ein Maurer, erst am Morgen desselben Tages nach Verbüßnng einer vicrwöcheutlichen Haft das Gefängnis verlassen hatte. Er wurde dein Köpenicker Amtsgericht zugeführt. Prozeß gegen die Stadt Berlin. Die vorgestrige Stadt- verordnete»-Vcriammlung von Fürsten Walde beschloß, gegen die Stadt Berlin wegen des durch die Miillablage bei Spreenhagen der Stadt Fürstcuivalde erwachsenen Schadens einen Prozeß anzn- strengen. Durch die Maffenaiihänfnng des Straßcnmülls ist dort eine wahre Insektenplage entstanden, außerdem ist der Geruch in der dortigen Gegend geradezu unausstehlich, so daß das alte Forst- haus durch ein an anderer Stelle zu erbauendes ersetzt werden muß. Nachdem die Stadt Berlin eine freiwillige Schadcnsersatzlcistnng abgelehnt hat, hoffen die Fürstcnwalder auf dem Prozeßwege ihren Anspruch durchzusetzen._ Govichks-Zeitung. Allerhand Christliches. Die§§ 9, 10 und 17 dcS Vereins- gcsctzes, die ans Anlaß„socialdcmokratischer" Leichenbegängnisse schon zu manchem Strafverfahren und zu mancher absonderlichen Gesetzes- auslcgnng geführt haben, wollte die Staatsanwallschaft in Bochum - auch einmal an den B a p t i st e n probieren. Mit Erlaubnis des z» ständige» Pfarrers wurde das Kind eines Mitgliedes der Bochum« Baptistengemeinde auf dem evangelischen' Kirchhof beerdigt. Der Pfarrer hatte die Bedingung gestellt, daß am Grabe keine Rede gehalten werde. Als der Sarg in die Grube gesenkt lviirdt, sprach der Baptist Grage die Worte:„Emma Hahnefeld wird begraben. Verweslich, wird sie aufstehen unverweslich". Und zum Schluß sprach Grage noch ein kurzes Gebet. Der Pfarrer war wegen der paar Worte fchr anfgcbrachr. Er zeigte Grage an und dieser wurde auch in zweiter Instanz wegen Vergehens gegen die 8Z 9, 10 und 17 des VcreinSgesetzcs zu einer Geldstrafe verurteilt. DaS Urteil wurde damit begründet, daß der Angeklagte in einer nicht genehmigten öffentlichen Versammlung unter freiem Himmel als Redner aufgetreten sei. Es sei ja allerdings richtig, daß „kjewöhnliche" Lcichenbcc;ängnisse einer vorgängigen Genehmigung nicht bedürften, hier sei aber daS Leichenbegängnis durch das'Ans- trete» des Angeklagten zu einem außergewöhnlichen gc- ivorden.—■ Grage legte die Revision ein. Das K a in»n e r g e ri ch t hat daraufhin jetzt die Borentscheidnng aufgehoben und den An- geklagten mit folgender Begründung freigesprochen: Ein außergewöhnliches Leichenbegängnis liege nur vor, wenn über den Zweck eines Leichenbegängnisses hinausgegangen oder wenn die öffentlicheOrd- nung gefährdet werde. Beides sei hier nicht der Fall ge- Wesen.. Im Gegenteil sei dadurch, daß der Angeklagte B i b e l- st e l l e n angeführt habe, der religiöse Sinn gefördert worden. Von einem außergewöhnlichen Leichenbegängnis könne deshalb im vorliegenden Falle nicht die Rede sein. Die Gerichtsverhandlung gegen den amcrikanischenBtäjor Schicmangk nahm gestern den ganzen Tag in Anspruch, da es un- gemein schwer war, aus den verwickelten Fäden von Dichtung und Wahrheit das Nichtige herauszufinden. Staatsanwalt Dr. F i l b r y beantragte, den Angeklagten der Fälschung öffentlicher Urkunden und des wiederholten Betruges schuldig zu sprechen. Der Angeklagte sei ein Mann von reich de- wegter Vergangenheit. Schon von Jugend auf sei bei ihm der Hang hervorgetreten, das Wenige, was er erlernt, dazu zu be- nutzen, auf mühelose Weise einen Erwerb sich zu verschaffe». Man könne nur darüber staunen, mit welcher Findigkeit dieser zur Prahlhanserei und Renonimisterei hinneigende abenteuerliche Mann seine Ziele in verbrecherischer Weise verfolgte. Nach fast zweistündiger Beratung sprachen die Geschworenen den Angeklagten schuldig der schweren Urkundenfälschung und des Betrugs in je zwei Fällen, versagten ihm auch die Zubilligung von mildernden Umständen in einem Falle. Der Staatsanwalt beantragte darauf gegen den Angeklagten eine Gesamtstrafe von 3 Jahren 3 Monaten Zuchthaus, Ehrverlust auf die Dauer von 5 Jahren und 300 M. Geldstrafe. Das Urteil lautete dem Antrage des Staatsanivalts gemäß, indessen wurden drei Monate durch die erlittene Untersuchungshaft in Abrechnung gebracht._ VcrlÄnnn'tUttgvn. Die Stellenvermittlung im Gaftwirts-Gcwcrbe«nd der Ncgicrungs-Entwnrf zur Gewerbe-Ordnung lautete das Thema einer gut besuchten öffentlichen Gastwirrsgchilfen-Vcrsammlnug, die in der Nacht vom Donnerstag zum Freitag im„Grand-Hotcl Alexander- platz" tagte. Das Referat hatte Reichstags« Abgeordneter W. Pfannknch übernommen, der zunächst an die Erhebungen der Kommission für Arbciter-Statistik erinuerte, wodurch fcstgestellt'worden ist, daß im Gnstwirtsgcwerbe eine überaus lange Arbeitszeit in meist sehr nnacsunden Räumen vorherrscht, daß die Löhne äußerst niedrig sind oder gar. keine bezahlt würde», und daß überhaupt die GastwirtSgchilfen, die bisher als Stiefkinder von der Gesetzgebung behandelt'worden sind, unter solch menschenunwürdigen Zuständen zn leiden haben, daß sie dringend des gesetzlichen Schutzes vor der weiteren derartigen Ausbeutung bedürfen. Die socialdeniokratischc Fraktion im Reichstage hat sich im wesentlichen den von den GastwirtSgehilfen aufgestellten Forderungen angeschlossen und wird dieselben mit allein Nachdruck vertreten. In der ReichS-Kommission für Arbeitcrstatistik. die sich bei ihrem Wieder- zusammentritt Mitte Dezember mit dieser Materie zn befaffcu hat, wird der socialdemokratische Vertreter Abg. M o l k e n b u h r eine tägliche Mindestruhczeit von 9 Stunden in Vorschlag bringen. Doch soll die effektive Arbeitszeit täglich nicht mehr als 12 Stunden betragen, so daß innerhalb 24 Stunden»och 3 Stunden Pausen verbleiben. Die Arbeitszeit für die weiblichen Angestellten soll auf höchstens 11 Stunden festgesetzt und jugendliche Arbeiter und Ar- beiterinnen vor 8 Uhr morgens und nach 10 Uhr abends im GastwirtsgewerbeZt überhaupt nicht beschäftigt werden. Ein Ruhetag von 24 Stunden oder zwei halbe Tag« von je 12 Stunden wöchentlich werde verlangt werden. Außerdem werden von dem socialdemokratische» Vertreter geeignete Bestimmungen über die Erhebung mid Verwendung der Strafgelder, bezüglich der Haus- ordnnngen usw. gefordert. Würden die Vorschläge der Socialdcmo- kratie a'cceptiert werden, so würden damit auch im Gastwirtsgewerbe einigermaßen geregelte Arbeitsverhältnisse geschaffen werden und dies einen großen Fortschritt im Vergleich zn dem gegenwärtigen Zustande bedeuten. Die gesetzliche Festlegung dieser Bestimmungen ist nicht nur notivendig, sondern dieselben wären auch nach jeder Richtung durchführbar, zumal auch im Gastwirtsgewerbe der Großbetrieb jetzt schon zun: Teil vorherrscht und beständig zunimmt. Auch von den bürgerlichen Parteien und der RegieruvA muß anerkannt werden, daß im Gastwirtsgeiverbe Mißstände äußerst trauriger Natur existieren und eine Abhilfe am Platze ist. Die von den bürgerlichen Parteien gemachten Vorschläge, soweit dieselben bis jetzt bekannt sind, dürften hierzu jedoch keineswegs genügen. Es wird von dieser Seile nur eine achtstündige ununterbrochene Ruhezeit in Vorschlag gebracht und neben der Beschränkung der weiblichen Bedienung ein sogenannter Ruhetag von nur 6 Stunden wöchentlich gefordert. Der Referent erläuterte sodann in eingehender Weise die auf die Stcllenverntittlung Bezug habenden Bestimmungen in der Novelle zur Gcwerbc-Ordnnng.' Er verlvics auf die von der socialdcmo- kratischcn Fraktion von jeher vertretenen Anträge und Vorschläge auf diesem Gebiete und kommt zu dem Schluß, nachdem er den festgestellten Stellenwucher im Gastwirtsgcwerbe noch bc- leuchtet' hatte, daß die Zustände gerade hier unhaltbare sind, und daß, um dieser skandalösen Ausbeutung der Arbeitsuchenden endlich einmal Schranken zu setzen, eine reichsgesetzliche Regelung der Arbeitsvermittlung auf der von der Socialdcniokratie angeregten Basis vorgenommen werden muß. Zum Schluß machte der Redner darauf aufmerksam, daß aber vor allem der feste Zusammenschluß der Gastwirtsgehilfen in einer ein- heitlichen Organisation und rege Agitation notwendig ist, um bessere Lohn« und Arbeitsbedingungen zu erzielen und um die bestehenden Mißstände zu beseitigen. DaS vorzügliche Referat wurde von de» Versammelten mit lebhaftem Beifall atifgenommen. I» der darauffolgenden Diskussion, in der sämtliche Redner, die verschiedenen in Berlin bestehenden Kellner- Vereinen angehören, den AuSfühnmgcn des Referenten zustimmten, wurden vor allem die Schäden der gegenwärtigen Stellenvermittlung im Gastwirts- gewcrbe behandelt. Hierbei wurde geltend(jeinacht, daß im allgemeinen die Gastwirtsgehilfen eine weit höhere Steuer an die Stellenwncherer als alle indirekten und direkten Steuern an den Staat zu bezahlen haben. Meist wird von dem Stellenvermittler auch eine Gastwirtschaft betrieben und die Arbeitsuchenden ver- anlaßt, neben den hohen Vermittlungsgebühren große Zechen zu machen. Nicht selten ist dadurch der Arbeitslose gezwungen, die letzten Wertstücke auf das Lcihamt zu tragen, um den Stellen- vcriniitlcr befriedigen zu können. Es wurde» Fälle angeführt, wo» nach für gewöhnliche Kellnerstellen 20 M. und nach Ablauf einiger Zeit ivcitere 20 M. an Provision bezahlt werden mußten. Neuer- Vings sind Stcllcnvcrmittler aufgetaucht, die sogar eine sogenannte Ei» s ch r e i b c g c b ü h r von fünf Mark verlangen, ohnc daßder Arbeitslose hierfür Anspruch auf eine Stellung hat, zumeist überhaupt keine bekommt und wenn dicS doch einmal geschieht, derselbe doch dann für die Vermittlung 20 M. und mehr bezahle» muß. Die Stellen- Vermittler Förster und Rinke l, die hauptsächlich das Personal für die Wiener CafeS vennitteln, verlangen und erhalten für die Vermittlung einer Zahllellncrftelle. ivie behauptet wurde, eine Provision' bis zu 300 Mark. Recht bedeutende Gebühre» wurden auch von den Stellcnvcrmittlcm Peitsch, Häuser und Gntj ahr angeführt. Es soll übrigens nicht selten vorkommen, daß die Stellcnvcrmittlcr die Gastwirte durch große Zechen veranlassen, mit dem Personal zu wechseln, damit der Vermittler wieder recht beträchtliche Gebühren erheben kann und woran der Gastivirt in der angeführten Weiie participiert. Ferner wnrde konstatiert, daß ganz mitlellose Personen sich Buffrtiers mit hoher Kaution von Stellen- Vermittlern nachweisen lassen, mit deren sauer verdientem Kapital dann„arbeiten" und gemeinsam mit den Vermittlern den Geprellten ausbeuten. Einer herben Kritik wurden auch die Bureaus und die sogenannten Kcllucr-Kontrollcn der Gastwirte- vereine unterzogen. die sich ebenfalls ganz erhebliche Vcrmittclnngs- gebühren bezahle» lassen, entgegen verschiedenen Gehilfeuvercinen, die kostenlos für beide Teile vermitteln. Alle Redner, die sich zu diesem Thema äußerten, vertraten die Ansicht, daß die Konzessions- Pflicht der Stellenvermittler, der Aushang des Gcbührcntarifs und ähnliche Bestimmungen, ivcil sie alle möglichen Hintcrthüren offen lassen, nicht dazu angethan sind, den skandalösen Stellcinvnchcr im Gastwirtsgewerde zn beseitigen, sondern daß nur durch das Verbot der Stellenverinittlung gegen Entgelt und durch reichsgesctzlichc Regelung des gesamten Arbeitsnachweises die Arbeitsuchenden vor der Ausbeutung völlig geschützt werden können. Nach mehrstündiger sachlicher Diskussion gelangte folgende Neso- lution einstimmig zur Annahme: Die Versammlung erklärt, daß sie weder die im Ncgieruugs- eittwnrf vorgesehene Kouzcssionspslicht der Stellcnvcrmittlcr, noch die sonstigen vorgeschlagenen Mittel für geeignet hält, die Stcllcsiichcndcn vor Ansbenluiig zu schützen. � Die Versa unnlnng ist viel- mehr der Ueberzcnguiig. daß dieses Ziel endgültig»ur durch eine rcichsgesctzliche Regelung des gesamten Arbeits- Nach- weises erreicht wird. So lange eine solche nicht durch« geführt ist, sollten den gelvcrbsmätzigcn Stcllcuvernnttlern gegenüber folgende Bestimmungen platzgrcifen: Jede Stellen- Vermittlung gegen Entgelt ist zu verbieten. Als„Entgelt" können nicht angesehen werden die Beiträge, welche die Mitglieder der Arbeitervereine für die Anfrechterhaltnng ihres gewcrkschaftlickicn Arbeitsnachweises entrichten.— Bis zur gänzlichen Vcseilignng der gewerbsmäßigen Stellenvermittlung ist zu bestimmen: Die Vermittlungsgebühren sind von'den Unternehmern zu ent- richten, die eine Arbeitskraft gesucht und zugewiesen er- halten haben. Von den Stellesnchendcn darf der Ver- mittler weder.Einschreibegebühr" noch sonst welche Bezahlung, noch Geschenke, unter keinerlei' Fori» oder Vorwand fordern oder an- »chmen. Die vom Unternehmer zn zahlenden Gebühren sind unter keinen Umständen, durch keinerlei Manipulationen aus die Arbeiter abzuwälzen.— Die Stellenvermittlung darf»nr als selbständiges Gewerbe betrieben werden, insbesondere ist eS zn verbieten, daß Gastwirte(Logis-, Schlafstellwirte. Kostgeber zc.), Ciaarren-, Wein- Händler je. den Arbeitsnachweis betreiben. Ebenso ist es untersagt. in Gastwirtschaften, Cigarren-, Weinhandlungcn den Arbeitsnachweis durch dritte betreiben zu lassen. Die Stcinarbciter nahmen in einer am Dienstag abgehaltenen öffentlichen Versammlung die Abrechnung der Vertrauensmänner ti s ch e r und Seifert entgegen und entlasteten dieselben. In :r gleichen Weise wnrde die Abrechnung vom Sonmierfcft erledigt. Eine ausführliche Abrechnung vom Streik lag den Versnmmlnngs- besnchern gedruckt vor. Die Entlastung soll in der nächsten Ver- sammlung erfolgen, damit die Kollegen inzwischen Gelegenheit habe», die Abrechnung zu prüfen. W a l t h e r wurde als erster. H i r t e als zweiter Verttanensmann, Marschall, Renter und Stüber als Revisoren gewählt. In das internationale Agitatjons- komitee delegierte man Reuter und Schauer Hamm er. Eine längere Debatte entstand über die Abhaltung des Büden- rechts. Dieses seit langer Zeit bestehende Recht gewährt den Stein- metzen des Soimabends nach der Frühstückspause eine halbe Stande Zeit, um auf dem Werkplatz Arbettsangelegenheiten zu besprechen. Verschiedene Unternehmer beziehungsweise deren Poliere wollen aber- die Abhaltung des Budcnrechts nicht mehr gestatten. Die Vcrsanim- lniig beschloßt daß das Budenrccht auf alle» Werkplätzcn abzuhalten ist, für etlvaige Folgen davon eingetreten und erforderlichenfalleS die Sperre über die betreffenden Geschäfte verhängt werden soll. Zimnterer. Für die Bezirke Norden und Nordosten tagte am 14. November eine Versanimlniig, in ivelcher Myler über' die in Karlsruhe gefaßten Beschlüsse des Arbeitgcberbnndes sowie die Stellung der Berliner Zimmerer zu denselben referierte. In der DiSknsfion wurde besonders das Verhalten einzelner Unter- nehmer getadelt, welche den von der Achtzehner-Kommission gefaßten Beschluß' über die Regelung des Fahrgeldes dahin auslegen, über- Haupt kein Fahrgeld mehr bezahlen zu brauchen. So hat die Firma Renter u. Hartmann, Heidestr., bis I.November Fahrgeld nach Reinicken- dorf bezahlt, von da ober abgezogen mit der Motivierung, durch den Beschluß davon entbunden zu sein: es bedurfte erst einer Interpellation an den Arbeitgeberbund, Ivo auch erst nach langerDebatte zu Gunsten der Arbeiter eittschieden wurde. Es bleibt nun abznwarten. wie sich Herr Hartmann zu diesem Beschluß stellt. Auch die Finna Müller u. Dan zahlt für Arbeiten nach Marieufelde kein Fahrgeld, wohingegen bei Held u. Franke durch Vermittlung der Kommission das Fahrgeld nach Niedcr-Schönewcide bereitwilligst zugebilligt wurde. Auch das von dem Arbeitgeberbund an die Inhaber der Holzgeschäfte gesandte Schreiben, die Errichtung von vorschriftsmäßigen Buden vorzunehmen, verfehlt in den meisten Fällen noch seine Wirkung. Folgende Rc- solntion fand einstimmig Annahme: Die Bczirksversamnilnng für Norden und Nordosten protestiert ganz entschieden gegen die Absichten derjenigen Unternehmer, welche die Beschlüsse der Achtzehner-Kommission dahin auslegen, überhaupt kein Fahrgeld mehr zu zahlen. Die Kameraden verpflichten sich. genau nach'dem gefaßten Beschluß zn handeln und jeden Fall, wo dieser Beschluß nicht von den Arbeitgebern gehalten wird. der Konimission zu melden. Nachdem noch darauf hingewiesen, daß bis zum 1. Januar jeder Zimmerer seine Karte in Ordnung haben muß, erfolgte Schluß der Versammlung. I» der Versammlmig der Nabtüpntzer vom 15. d. M. gab N i e k e den Bericht über den letzten Streik. An demselben waren 113 Mann beteiligt; für deren musterhaftes Verhalten spricht der Umstand, daß nicht eine Anklage wegen Verletzung des§ 153 der Gewerbe-Orduung ergangen ist. Die Finna Günther u. Sohlwedl suche schon wieder Abzüge zu machen. Die Abrechnung wurde von den Revisoren als richtia bestätigt und dem Streik- lciter Decharge erteilt. Eine Resolution, in welcher die Ver- sammlung erklärt, daß die Errungenschaften des Streiks nur durch eine feste Organisation hoch zu halten sind, diese sowie namentlich der Arbeitsnachweis also anSzubanen seien, fand Annahme. Als Delegierter zur Landeskonferenz wird Nieke gewählt. In den Karten werden bis zum 13. Dezember 50 Pf.-Marken geklebt, sodann von der zweiten Woche im Januar an 25 Pf. Einem kranken Mitglieds werden 50 M. bewilligt. Die im Stcinsctzcrgcwerbe beschäftigte» Rammer hielten am Bußtage im Lokale Bergstraße 12 eine Versaimnlung ab, welche sehr gut besucht war. Die Anwcseiiden waren erschienen, um die Antivort der Steinsetzmeister beziv. der Innung auf den eingereichten Lohntarif entgegen zu nchmcu. Denn auch an den Vorstand der Zwangsiiniung hat sich die Lohnkon, Mission gewandt mit dem Hinweis. daß eventuell der Verband die Garantie für die Einhaltung eines ans bestimmte Zeit abzuschließenden Vertrages übernehmen ivürde. Es lag jedoch nur das Schreiben eines einzigen Meisters vor, welches die Lohnkommission ebenfalls an den Jnnungsvorstand verwies. Die Diskussion war eine recht lebhaste und wnrde in derselben die nichtachtcnde Behandlung der Anträge der Rammer durch die JmningSnlcistcr einer scharfen Kritik unterzogen. Es gelangte nachstehende Resoliition zur einstimmigen Annahme:„Die ie. Versanunlung erblickt in dein Umstände, daß sowohl fast sämtliche Meister als auch der Jnnungsvorstand auf den eingc- reichten Lolmtarif nicht gcantlvortet haben, die Bestätigimg der That- fache, daß nian in den' Kreisen der Jnnungsineister noch immer auf dem Stniidpiinkt steht, mit den Ranunern über die Lohnfrage über- Haupt nicht zn unterhandeln. Die Vcrsamnilung erhebt gegen eine derartige Nichtbeachtung der Arbeiterschaft seitens der Meister energischeii Protest. Gleich- zeitig erklärt dieselbe, unter allen Umständen an den aufgestellten Forderiiugen festzuhalten und behält sich vor, falls sich die Meister n»lch fernerhin strikte ablehnend verhalte», die anfgestellten Forde- rungeii zu gelegener Zeit zur Diirchfiihrnng zn bringen. Jedoch er- klären die Rammer, daß sie auch jetzt noch einer friedliche» Vereinbarung nicht abgeneigt sind. Sollte es trotzdem z» Differenzen koinmeir, so lehnen die Rainmer die Verantwortung für dieselben ab. DeS weiteren erblickt die Lersamnilmig in dem bisherigen ab- lchiiendeii Verhalten der Meister den Beiveis dafür, daß es»nr allein durch eine starke gclvcrkschaftliche Organisation möglich ist, den berechtigten Forderungen der Arbeiter Gehör zn verschaffen; deshalb erklärt es die Versanunlnng als die Pflicht jedes Ranimers, sich unverzüglich der Organisation niiznschließen. sowie auch die Beiträge znnl Streikfonds regelmäßig zu entrichten. Die Versainmelten ver? pflichten sicki. i», Sinne diqcr Resolution zu wirken." Diese Nesolutio» soll auch den Meistern zugesandt werden, falls bis zum 27. Noveniber er. noch kein befriedigender Bescheid von denselben eiiigelanfen ist. EbenfaNs einstiimnig angenonnnen wurde ein Vorschlag K n o l l s. noch in diesem Jahre lind zwar auch gleich nach obigem' Da tun,, das Gcwcrbegcricht als Einiglingsanit aiiznrnfen. Für den Fall, daß auch die Meister dasselbe auerkcnneii. Ivurden Assessor V. Schulz als Vorsitzender, Töpfer� Hagen und Bildhauer W i n k l e r als Beisitzer und Hanf schild, Rück- heim»nd Langen als Vertreter geivählt. DeS weiteren wnrde die Lohnkoimnission beauftragt, sich mit dem Gesellen- ansschnß der Jmning in Verbindung zu setzen, damit auch dieser die Forderungen der Rnnimer in der Jnnimg veriritt. Bezüglich des Streikfonds ivurdc beschlossen, die Sanunlunge» noch bis zum 16. Dezember fortzusetzen und dann für dieses Jahr Schliiß z»i»lachen. Nachzügler haben jedoch die ganzen Beiträge vom 5. November ab zu entrichten. Desgleichen häben alle dem Verband noch Beitretenden die Beiträge von, s.Oktobcrab zu entrichten. Der Vorsitzende konnte die erfreuliche Mitteilung niache», daß die säintlichen in der Um- gcgcnd Kon Potsdam(Bcrgholz, Belitz, Saarrnnnd) wohnhafte», in Berlin beichäfligtcn Rümmer sich ebenfalls der Organisation aiigeschlosleii haben und sich Mann sür Mann an den Sanunluiigen zu dem Berliner Streikfonds beteiligen. Mit einem Hoch auf die Lohn- belvegniig der Rammer erfolgte der Schluß der Bersaminlnng. Schöncberg. Eine gut besuchte Volksversammluiig für Männer mid Franen tagte am 19. d. M im Obstschcn Lokale unter Vorsitz der Fran Meiling. Herr Schütte hielt einen sehr beifällig auf» genommencil Vortrag über Ferdinand Lassalle. Freireligiöse Gemeinde. Sonntag, de» 2«. November, vorm. 8'/, Uhr, im obere» Saal deS„Englischen Gartens", Alexanderstrabe 27e: FrcircligiLse Vorles«»«.- Ilm 10V« Uhr vormittag« ebendaselbst: Bortrag de« Herrn E. Bogtherr:„Zum Totenfest". Gäste, Damen und Herren, sehr iutnfommcn. Tischlerverei». Heute, abends LVr Uhr, Melchiorstr. 15, Verfammliilig. Vortrag deS Herr» Greiupc. Daincn habe» Zutritt. Kciitralverein der im Ndresscumeseu„nd verwandten Branchen Beschäftigten. Berlin. Somiabeud, den Lö. November, abends 8 Uhr, bei Kernche», Wallstr, 57: Bersaimilung. Cciltralvcrband der Elektromontcnre und BernfSgenossen Dentschlauds. Sektion Berlin II. Sonnabend, den 25. d. M., abendS 8,/, Uhr: Sitzung bei Jutincildorfer, Sophiensir. 5. Vevmischkes« Sechs Arbeiter tiernngliickt. Aus Oberhausen, 23. November. schreibt man: In einer Fabrik der Gewerkschaft„Deutscher Kaiser" in Bruckhausen explodierte ein Benzolbehälter. Sechs Arbeiter wurden schwer verletzt. Ranbmordversnch. Ein unter eigentümlichen Nnistäiidei, ge- scheheilex Raub Mordversuch erregt in Hamburg erhebliches Äuffehe». Ein Geschäftsreisender, namens Damm, begegnete in Hain- bürg einem Jiigendfrcnndc, dein Seemann Kohrs, ohne zn wissen, daß Kahrs ein total verkommener Mensch geworden und sehr übel beleinndet ist. Er kneipte mit ihm und vertraute ihm an, daß er über 80 M. in der Tasche habe. Kahrs bestellte nun eine geschlossene Droschke, worin beide abends nach Altona fuhren. Während der Fahrt über- fiel Kahrs den Damm»nd suchte ihn zu erwürgen und ihm die Pulsader z» diirchschneideii. Erst nach längerem Rinaen gelang es dem Damm, sich zu befreieu, wobei er das'Wagenfciister durchschlug und um Hilfe rief. Polizei und Passanten sprangen herbei nnd ver- hasteten den Verbrecher. In dem lothringischen Orte Rombach fand ein Ncnkontre zwischen einem Gendarmen und italienische»Arbeitern mit tödlichem Ausgange statt. Der Arbeiter Stellar sollte verhaftet werden, suchte jedoch mit Hilfe von 12 anderen Arbeitern zu ent- kommen und niachte auf drcinialiges Anrufen nicht Halt, worauf der Gendarm Feuer gab und den Flüchtling erschoß. Zur Sittengeschichte. In Hannover werden sich, wie der „Volkswille" meldet, nichrere Schüler dortiger Lehranstalten wegen Verführung von Mädchen unter 16 Jahren vor Gericht zu verant- Worten haben. Die nach den: Gesetz erforderlichen Strafanträge sind von den Eltern oder Vormündern der Mädchen bereits gestellt, doch wird voraussichtlich nicht jedes Verfahren mit Vcrnrteilnng enden. weil einige der Mädchen die nach Z 182 des Strafgesetzbuches erforderliche Unbescholtenheit nicht mehr besessen haben sollen, als sie niit den Schülern in Verkehr traten. Die Vertvcndnng sogenannter TranerconvcrtS lBrief- Umschläge mit schwarzen Räudern) bei der Abscndung eingeschriebener Briefe ist von dein Staatssekretär des Post- und Telegraphenwesens in Frankreich jetzt auch für den Jnlandvcrkehr verboten worden, nach- dem sie für den Verkehr mit dem Auslande schon seit längerer Hcit untersagt war. Die Briefumschläge mit farbigen Rändern lassen sich nämlich viel leichter als einfache weiße Briesiimschläge an den Seiten in betrügerischer Weise, mit Hilfe eines feineil Messers, offnen. Auf glatten Couverts läßt diese Operation»lehr oder minder deutliche Spuren zurück, während die schwarzen Ränder eines heimlich geöffneten Couverts auf fast unnierkliche Weise wieder geschlossen werden können, indem man nötigenfalls die Schnittfläche mit Farbe schwärzt. Ter 8 1366 des Bürgerlichen Gesetzbuches lautet:„Ein Ehegatte kann auf Scheidung klagen, wenn der andere Ehegatte ihm nach dem Leben trachtet." Dazu sindct sich in der bekannten Hand- ausgäbe von Fischer-Henle unter den Erläuterungen folgender Satz: „Schwere Mißhandlungen, selbst mit t ö d l i ch e m Ausgange, ge- uügen nicht... Es ist in keiner Beziehung recht zu verantworten, daß die derart mißhandelte Ehefrau selbst im Tode noch an ihren rohen Patron von Gatten gefesselt bleiben soll. Briefkasten der Redaktion. Die juristische Sprechstunde findet Montag, Ticustag nnd Freitag von 6—8 llhr abendS statt. F. L. Wir missen zur Zeit nicht, auf welche Stunden sich in Neu- Rahnsdorf des Sonntags die Besuchszeit erstreckt. Fragen Sie in der Anstalt schriftlich an. R. G., Kniscrstrafie. Skapulier ist richtig geschrieben. Es ist ein Teil der Möuchslleidung, zwei Stücken Tuch, welche die Brust und den Rucken decken. Mieter. Das Bureau des Mietervercins befindet sich SolinSstr. 30. Äuitz. Den gewünschten Aufschlus; wird Ihnen der Landtags-Abgcorducte Ed. Wchder, Sonneberg, S.-M., erteilen. Wette. Das 11. Fuhartillerie-Rcgiiucnt liegt zu Thorn in Gawison und ist 1881 gegründet worden. P. C. Aufforderungen zur Erneuerung der Lose der preußischen Klassen- lotterte hat der„Borwärts" nicht gebracht. Büttner. Charlottenstraße 28 nachfragen! Z. Sie wollen wissen, welche geistigen Bewegungen, Ereignisse iezw. Umwälzungen aus der Weltgeschichte zur Begründung und Erklärung der socialistischen Bewegung anzuführen sind? Alle. Man muß nur richtig verstehen. Suchen Sie sich doch über die materialistische Geschichts- a u s f a s s u n g zu unterrichten. S. I. 29. 1. Ob eine von beiden oder beide Frauen klagen, ist gleich- gültig. Ist kein anderer Zeuge vorhanden, so unterbleibt die Klage besser. 2. Weil Kassen außerpreußische Scheine nicht zu nehmen verpflichtet sind.—> B. 73a. 1. Ja. 2. Ja.— L. I. Friedenau. Ja.— Zl. K. 50. Die Hälfte des Gesamtbetrages der Klebemarken.— W. Sch. 1. und 2. Ja. — H. P. 25. I. Nein. 2. Es ist eidesstattliche Versicherung besser.- M. K. 780. Wenn Sie der Erbschast rechtzeitig entsagen: nein.- H. T. 1. Ja.— Q. F. ISIS. Nur innerhalb 6 Monaten kann(durch Zu- stellung) ein Geschenk-Widerruf giltig erfolgen.— H. Kraft. Ihre frühere, bereits beantwortete Anfrage ist vernichtet, Ihre jetzige Anfrage daher un- verständlich. Sie wollen Ihre Anfrage in volle m Umfange ohne Bezug- nahine auf früher erteilte Antworten wiederholen.— N. I. 50. Ihre Bezugnahme auf eine frühere Anfrage und Autwort ist nutzlos, da die An- fragen nicht aufbewahrt werden. Sie müssen schon nockimals den Sach- verhalt darstelle» und Ihre Frage wiederholen.— Pl. IV. Nein.— C. Jaeger. Ja.— F. G. Eine bestimmte Zeugenzahl ist nicht vorgeschrieben. — H. B. W. S. Der Vater ist unterhaltsverpflichtet. Welche Pflicht in Ihrem Fall vorliegt, ist nicht ersichtlich.— N. T. S. W. Das ist uns nicht erinnerlich. Es steht Ihnen frei, in der Expedition den Bericht nach- zuschlagen.— N. M. 100. So schnell geht die Klage nicht. Sie können die Klage auch abends zu Protokoll geben.— A. S. So viel uns er- innerlich, nein.— P. L. 1. Kanonierstr. 17—20. 2. Das Gesetz ist in jeder Buchhandlung zu haben. Am praktischten ist die im Verlage von Guttentag erschienene Ausgabe. 3. DaS wissen auch wir nicht.— K. N. 100. Auf die von Ihnen dargelegten Mängel wird keine Rücksicht genommen.— Putbus 21. Der junge Mann ist zur Zahlung verpflichtet. — Sebnurr. 1—3 Ja.— F. B. 10. Der Gläubiger kann täglich den Gerichtsvollzieher schicken. Die Kostenlast beträgt in Ihrem Fall etwa SM. — H. St. Genehmigung ist seitens des Magistrats und der Polizei er- forderlich.— K. B., Beuffelstr. 16. Falls Sie an einer städtischen Schule(beim Reinigen) verunglückt sind, steht Ihnen ein Anspruch aus Heilung und Kranleugeld zu. Wenden Sie sich an die Schuldeputatio».— Boltastr. Ja.— L. M. 3. Darlehnssorderungen verjähren in dreißig Jahren. Zuständig für Klagen aus Darlehen bis bOO M. ist das Amtsgericht, über eine größere Summe das Landgericht.— Boltastr. Die Klage wäre nicht ohne Aussicht auf Erfolg. — Sch., Moabit. Ohne Einsicht in Ihren Vertrag ist Ihre Frage nicht zu beantworten.— L. K. Die Klage hätte wenig Aussicht auf Eriolg.— Paul 2. Ch. 222. Mit dem Strafantrag würden Sie kaum Erfolg haben. Sprechen Sie gelegentlich in der Sprechstunde mit dem auf den Unfall be- züglichen Papieren vor.— 3 1. P. Eine Ehescheidung wegen gegenseitiger Abneigung ist nicht mehr niöglich.— A. H. Vom 1. 1. IllOO ab bedürfen über 21 Jahre alte Heiratslustige leiner elterlichen Einwilligung mehr.— Bülkau. Ja.— E.' I. 100. 1. Nein. 2. Ja. Das ist nickt möglich.— Sie können nur, wenn gcpsändet ist, intervenieren. 4. Jedes Beweismittel ist zulässig.— E. Iah». Nein. R. E. 32. Sie müsse» sich an einen Gcldmann wenden, oder an die Direktion der Gcwehrfabrik in Spandau. H. Sch. 7. Uni einen Platz auf der Zuhörertribüne des Reichstags zu erhalten, müssen Sie sich am Tage vor der Sitzung, die Sic be- suchen wollen, im Eintrittskarten- Bureau des Reichstags vonnerkeu lassen. Ihnen wird dann ein Bons verabfolgt, auf welchen Sic am Sitzungs- tage von 0 Uhr bis zum Beginn der Plenarsitzung die eigentliche Eintritts- karte erhalten. Der Zutritt ist unentgeltlich. D. St. Ein Verzeichnis der Kassen finden Sie im zweiten Teil des Adrcßlalcndcrs. Auch wird Ihre Gewerkschaft Ihnen eine Ihrem Beruf nahe stehende mitteilen können.— SI. 10. Leider ja.— C. L. A. D. 1. Ja. 2. Die Bcireffende ist invalidiläts-, aber nicht krankenvcrsicherungs- pflichtig.— Wollinerstr. 30. Der Wirt ist verpflichtet, Ihnen einen brauchbaren Ofen herzustellen. Fordern Sie ihn auf, es in bestimmter Frist zu thun. Bleibt die Aufforderung fruchtlos, so lassen Sie den Ofen auf des Wirts Kosten brauchbar machen.— Lortzing- straffe 8. Nach Ansicht des Ober-Verwaltungsgerichts nein.— Eberliug, Danzig. Die von Ihnen gehegte Befürchtung ist grundlos. v>.- Marktpreise von Berlin a»i ÄZ. November 1893 nach Ermittelungen des kgl. Polizeipräsidiums. D.-Ctr. ')Weizen »)Roggen Finter-Gerfle Haser gut „ Nuttel, .. gering Richtstroh„ Heu iOErbscii« stlSpeisebohne», t)üill!Cll Kartosfcl», neue Rindsleisch, Keule Ih» do. Bauch„ ) Ermiltclt pro 15,— 14,40 lila, 20 14,40 13,60 4,- ?,- 40,- 50,— 70,— 7,— 1,60 1,20 Tonne Schweinefleisch Kalbfleisck Hammelfleisch Butter Eier Karpfen Aale Zander Hechte Barsche Schleie Bleie Krebse 1kg 60 Stück 1kg per Schock 1,60 1,80 1,60 2,80 6,- 2,20 2,80 2,50 1,80 V 2,80 1,20 12- 1,10 1,- 1,- 2,- 2,80 1,20 1,20 1,— ],- 0,80 1,20 0,80 3,- 13,90 13,50 13,- 14,50 13,70 13,- 3,66 4,20 25,- 25,- 30,- 5,- 1,20 1,- von der CcntralsteNe der Prenß. Landwirt- schaslskaiumern— Noticrungsstelle— und umgerechnet vom Polizeipräsidium für den Tvppcl-Centner. st) Kleinhaiidelspreise. Produktenmarkt vom 24. November. Auf dem Getrcidemarkt machte sich heute matte Haltung auf lebhaften Realisationsdraug für Dezcmberlieferuug in Roggen bemerkbar. Bon weiteren Momenten, die die Kauflust unterdrückten, sind zu nennen: das überreichliche JnlandSangebok, die Voraussage einer günstigen argentinischen Weizcnenite, da die Ernte in Nordargentinien unmittelbar bevorsteht: endlich die weiche Witterung, die man für den inländischen Saatenstand für sehr förderlich hält. Im Preise muhten Weizen und Roggen je eine Mark nachgeben und konnten sich auch im späteren Verlause des Verkehrs nicht erholen. In Kansasweizen wurden einige Posten für Januar-Fcbruarabladung nach hier verschlossen. Hafer lag ruhig bei schwacher Tendenz. Rüböl still, unverändert. Am Spiritus markt kamen Loco-Abschlüsse nicht zustande; für loco 70er wurden 47,80 M. gefordert, aber nur 47,50 M. geboten. Tcrinine uuisatzlos. Kartoffelfabrikate. Feuchte Kartoffelstärke 10,50 M. la reine Kartoffelstärke disponibel und Dezcmber-Januar 19,75— 20 M. la Stärke und Mehl, Mittel»Qualität 19—19,25 M. per 100 Kilogramm. WittcrunzSübersicht vom 21. November I8SS, morgens 8 llhr. Wetter. Prognose für Doniiabeiid, de» 2S. November 18SU. Etwas kühler, zeitweise aufklarend, vorwiegend trübe mit Niederschlägen und frischen nordwestlichen Winden. Berliner Wetterb urean. b'eiltral-Krlklktn- oh Begrabilis-Kllffe der Tuttler und Berufögenossen Deutschlands „�o?snung" (Eingeschriebene Hilfskasse 64). Am Mittwoch, den 22. d. M., verstarb ttach langen Leiden unser Mitglied Herniaun Ningk. Zu der am Sonntag, 26., nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des Neuen St. Johannes-Kirchhofs(Plötzensee) stattflndeuden Beerdigung ersucht um rege Beteiligung(10206 Die Ortsverwaltnug. Dattksagmtg. Allen Freunden und Genossen für die innige Teilnahme beim Hinscheiden tneines Mannes sowie für die rege Beteiligung bei dem Begräbnis den herzlichsten Dank! 1030b llaugk nebst Sohn. Orts-Krankenkafse für das Gewerbe der Verfertigung m Mßklnsirnlnellttn.' Sonnabend, den 2. Dezember 1899, abends 8>/z Uhr, bei Mehlmann, früher Buske, Grenadierstr. 33: Ordentliche Gelterlll-Versalnmlullg sämtlicher Vertreter der Arbeitgeber u. Arbeitnehmer. Tagesordnung: In getrennter Wahlversammlung: 1. Ergänzungswahl des Vorstandes, 1 Arbeitgeber, 2 Arbeitnehmer. In gemeinschaftlicher Versammlung: 2. Wahl von drei Revisoren zur Prüfung der Jahrcsrechnung für 1899. 3. Verschiedenes. Um zahlreiches und pünktliches Er- scheinen ersucht 143,6_ Der Vorstand. Orts- Krankenkasse der Bnchbinder nn<1 verwandten Gewerbe. Arn Sonntag, den 3. Dezember, 'findet in der Zeit von 10 Uhr vor- mittags bis 3 Uhr nachmittags in eeuersteins Salon(oberer Saal), Alte akobstr. 75, die Delegiertenwahl statt. Zu wählen sind 233 Ber- treter der Arbeitnehmer. Wahl- berechtigt ist jedes Mitglied, welches großjährig und im Besipe der bürgerlichen Ehrenrechte ist. iviikgliedsbuch legitimiert. Für die Arbeitgeber findet am Moütag, den 4. Dezember, abends von 71/2 vis 9 Uhr, in Feuersteins Salon(Gartensaal), Alte Jakobstr. 75, die Wahl der. Vertreter zur General- Versammlung' statt. Zu wählen sind 116 Vertreter. 26/2 Um recht rege Teilnahme ersucht Iber Vorstand. Eugc» Brückner, Berh. Jost. Schriftführer. Vorsitzender. § Bratflundern 20 Pfg. � sowie. Schellfisch, Cabliau, Seelachs, Seehecht, D Heilbutt, Scholle, Steinbutt, Seezunge etc. @ ferner: gcrUuekcrte nnd marinierte S6efiSCh8, cbeiifaUs billig:, empfiehlt i die Deutsche Dampffischerei- Gesellschaft„Nordsee". Ilini|i(-Fillaic: Berlin C. 22, Kuhnliof UUrsc, Bogen 9—10. Xu. III. Itcriin>W„ LUneburgerstrasse, Ecke Panlstr., Stadtbahnbog. 388/9(Centrallagerei). Xu. V. Berlin X.(Wedding), Ilelnlekcudorfcrsttr. 1, Eingang Schulzendorferatrasse. Xu. II. Cliurlnttcnburg:, WilnicrKdurfcriiitr. 10,11. am Wilhelmsplatz. Xu. IV. Im SchlcmHchen Bnhuliof flludaistr. 22. Xu VI. Prinaenstr. 30, zwwelien lloritzplatx n. ItUterstraisMC. Meeffoch-Kochbilchcr erhalten KUnfcr ninsonst. Pasters tlesellseliafts-Säle InselHtr. 10, 1. Ten geehrten Vereinen und Gewerk- ichafteu bringe meine Säle n. Vereins- zimmer in gütige Erinnerung. Jeden Sonntag u. Mtttmock: Tana u. Gesellschafts-Abend, wozu Freunde und Bekaiiutc ergebenst einladet 23982* O. 11. Paster. femiifitsif« Freunden und Bekannten üinjJfCDlt mein Weib- u. Bayrisch- Bierlokal. Bcintaold Streit, K i rchstr. 22, früh. Nauuuustr. 66. 2309L* »___ 6 j Mtm'-Heilvemhm. j q Haut-, Hnrii' u Blasenleiden, ff • Frauen Krankheit., heilt sicher O d ofinc Berufs störung.[30598* b j R. Wagner, UNK-2 1 # O Herrcuhilte von 1,30 an. Kilabenhüte„ 1,00 ,, PpIzwiippii (nur eigenes Fabrikat).[24532* 8eitZi.'is»e(größtes Luger). Otto Gerhoidt, Dresdenerstr. 2. SSffl Achtung:, Welsnensee! Allen Freunden und Bekannten zur gefälligen Kenntnis, daß am Sonn- abend, den 25. November, ein Mp- Famlllen-Abend,».Ii.»», irbeilsliiile ZT 1 M. Hatfa brit-ComPtoir A. Arbeiter-Berufsartikel u.Wäsche ausschließlich eigenes Fabrikat.— Speeialität: Arbeiter- Berufs- kleidnng: Blau Köper-Jacken M. 1,65, steigend je nach Größe um 10 Pf., blau Köper-Hosen, in allen Längen, M..1,65. Zlrbciterhemde», Blusen, Maler- littet u.Monteurhemdeu. II. �Vnrzel& Co., Wrangelstr. 17 Kakao>FrahdtUck GemQse« und Kraftsuppen Bouillon>Kapseln Suppen-Würze stets vorrätig bei Paul Plstor, X., IVullinerntruMiie&. Jeder Arbetter Jeder Handwerker sollte zur Arbeit die Lcderhose Herkules tragen. Allein-Verkauf. Sehr starke Ware in prallischen grauen u. braunen Streifen. Hinten u. vom am Bund aus einem Stück gearbeitet. Nietknöpfe u. Kapp- nähte. Feste Leder-Pilot-Taschen, die Hose <°i,' IL«'»» 4 lt.°» Echt indigoblaues Jackett für Maschinisten, Monteure-c. IM. 90 Echt indigoblaue Hose dito. I M. 50 Prima Manchester Hose 8,—, 1 M. 75 Gefüttert. Manchest.-Jackett 13,— S,— Aerzte- Kittel, gebleicht Nessel 2 M. 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