Anterhaltungsblatt des Vorwärts Nr. 32. 18] Donnerstag, den 15. Februar. ( Nachdrud verboten.) Der Kuppelhof. Roman von Alfred Bock. Ein Dugend Fäuste tanzten auf Kalmuds Rüden. Ob gleich er sich mannhaft wehrte, wurde er windelweich geprügelt. Dann schafften sie ihn ins Sprißenhaus. Dort stand eine Totenbahre. Darauf banden sie ihn mit Stricken fest und ließen ihn liegen, bis ihn, durch sein Wimmern herbeigelockt, der Nachtwächter befreite. Als später Gast fand sich zur Brait der Lehrer noch ein. Ihn besonders zu ehren, befahl der Doßheimer, daß Wein aus dem Keller heraufgeholt werde. Das föstliche Getränk behagte allen, nur der Notring blieb bei seinem Schnaps. Der Lehrer war nicht bloß ein gescheiter Kopf, sondern auch ein vortrefflicher Gesellschafter. Wo er erschien, verbreitete er Fröhlichkeit um sich. Kaum daß er warm geworden war, schlug die Stimmung unter den Braitgästen um. Ein Jur jagte den anderen, und das Gelächter wollte kein Ende nehmen. Von des Magisters guter Laune angestedt, begab sich der Bürgermeister seiner Würde und sang: ..Wääste net, wu Bombach leit? Bombach leit bei Saase, Wu die schiene Mädcher sein Met de lange Nase." Und der Notring setzte darauf: Ach Gottche, sprach Lottche, Siwwe Kinnercher un kei Mann, Die Kinnercher hawwe Läusercher, Und die Fra hat kein Samm. Nach Mitternacht brach man auf. Die Männer hatten sämtlich einen scheppen Gang". Nur die Frauen bewahrten ihre Haltung. Jede trug als kostbare Beute vom Kampfplatz einen halben Kuchen im Schnupftuch heim. 13. Der Kaufmann und Viehhändler Moritz Edelschild aus Bellersheim hatte seine Karriere als Hausierer begonnen. Mit einem Back Wollwaren besuchte er die Städtchen und Dörfer des Kreises und schlug im Lauf der Jahre so viel Geld dabei heraus, daß er in seinem Heimatort ein Haus erwerben und ein Manufakturwarengeschäft errichten konnte. Dem rastlos Tätigen, der feine Mühe scheute, wo's einen Groschen zu verdienen gab, stand seine Frau, eine stattliche Brünette, zur Seite. Die sechs Kinder, die sie ihm gebar, drei Knaben und drei Mädchen, wurden sorgfältig erzogen. Den Knaben erteilte der Pfarrer so lange Privatunterricht, bis sie zum Besuch einer höheren Schule vorgebildet waren. Später midmeten sie sich dem Kaufmannsstand. Von den Mädchen verheirateten sich zwei nach Sturhessen, während die Jüngste, die ein wenig hinkte, bei den Eltern blieb. Der Moritz Edelschild lebte wie die meisten Juden auf dem Land streng religiös. Niemand hätte ihn dazu vermocht, am Schabbes" etwas zu verkaufen. Dann saß er im Feiertagsrock in der Stube oder vor dem geschlossenen Laden und gab sich seinen Betrachtungen hin. " Es war ein Mann von ansehnlicher Gestalt. Ungeheure Ohren flankierten das von grauem Vollbart umrahmte Gesicht, aus dem eine stark gebogene Nase hervorsprang. Lebhafte braune Augen verrieten großen Verstand. Es begab sich, daß der Moritz Edelschild mit seiner Familie den Sederabend, den Vorabend zum Bassahfest, feierte. Angetan mit dem schneeweißen Sterbegewand las er Frau und Kindern aus der„ Hagada" vor und trank herzerfreuenden Wein aus silbernem Pokal, der, wie das Gesez vorschreibt, viermal gefüllt werden muß. Vor ihm stand das„ Charoses", der braune Teig, der den Lehm versinnbildlicht, woraus die ägyptischen Sklaven Ziegel bereiten mußten, das Moror", das bittere Kraut, das an die Leiden der Kinder Israels während der ägyptischen Gefangenschaft gemahnen soll, endlich das Ei, das Symbol der Umwälzung. Und er las von den Tagen des Tyrannen Pharao und von den Wundern, die Gott an seinem Volf getan. Und sein freudiger Gesang erscholl: Herr, nun bau Deinen Tempel auf 1906 im nächsten Jahr zu Jerusalem, in diesem Jahr noch Knechte, im nächsten Jahr freie Männer!" In dieser„ Nacht der Freiheit" klopfte es an die Tür, und ein junger Mann aus dem Hannoverschen trat herein. Er war auf einer Handelsreise begriffen und fragte den Hausherrn, ob er den Sederabend mitfeiern dürfe. Den Juden ist das Gastrecht heilig. Sogleich ward ihm ein Platz eingeräumt. Und siehe da, der junge Mann aus dem Hannöverschen fand an der jüngsten Tochter des Hauses, die ein wenig hinkte, Gefallen. Man zog Erfundigungen über ihn ein und hörte, daß er von„ betuchen"*) Leuten stammte. Eref Schwuos**) erschien er als Freier und wurde mit offenen Armen empfangen. Bald nach seiner Verheiratung trat er in das Geschäft seines Schwiegervaters ein, das sich unter seiner Mitwirkung zu einem Kolonial- und Manufakturwarengeschäft" erweiterte. Der Moritz Edelschild sah seine Sache in guten Händen und wandte sich mehr und mehr dem Viehhandel zu. Auch lieh er Gelder aus, wobei er feineswegs Wucherzinsen nahm, sondern nur von seinen Klienten verlangte, daß sie sich beim Ein- und Verkauf des Viehs seiner Vermittelung bedienten und allerlei Waren von ihm bezogen, die freilich nicht zum billigsten waren. Einer seiner größten Schuldner und besten Kunden war. der Zacharias Allendörfer. Dieser hatte sich mit Leidenschaft der bündischen Bewegung unter den Bauern angeschlossen, die auf eine tatkräftige Vertretung der ländlichen Bevölkerung in allen geseßgebenden Körperschaften hinwirkte, den Kampf gegen die Roten" und die Handelsleute" verkündete und eine lebhafte Agitation für die Genossenschaften in die Wege leitete. Mit den Handelsleuten verhielt es sich in Wahrheit folgendermaßen: gewiß gab es hie und da gewissenlose Ausbeuter, die dem Landmann zum Verderben gereichten. Seitdem jedoch die Darlehnskassen ins Leben getreten waren, entliehen vom Juden nur die noch Geld, die sich bereits auf einer schiefen Ebene befanden. Beim Viehhandel waren die jüdischen Händler einfach unentbehrlich, und wer da glaubte, ihrer Vermittelung entraten zu dürfen, kehrte wieder zu ihnen zurück. Noch am selben Abend, da im Haus des Doßheimerberz die Brait gefeiert wurde, erfuhr der Moritz Edelschild in Bellersheim, daß der Zacharias Allendörfer sein Gut dem Mat verschrieben habe. Er erfaßte sofort die Situation. Zwei Wege standen ihm offen, seine Forderung zu retten, die achttausend Mark betrug. Entweder ließ er durch seinen Advokaten den Vertrag anfechten, wozu er berechtigt war, weil der Karges etwas abgetreten hatte, das ihm nur teilweise gehörte, oder er einigte sich mit dem Maß, dergestalt, daß dieser die Schuld seines Vaters übernahm. Das letztere schien ihm am ratsamsten. Beim Grauen des Tags brach er von Bellerheim auf, und der Zufall wollte, daß er den Maß auf dem väterlichen of traf, eben damit beschäftigt, die guten Sachen, die seine Mutter für ihn zurecht gemacht hatte, in seinen Tornister zu packen. ,, No, man kann Dir gratulieren," begrüßte der Handelsmann den Soldaten. " Ja," erwiderte der Maß, ohne sich in seinem Tun stören zu lassen. ,, Chammer!" dachte der Moriß und sagte mit Lebhaftig. feit:" Dem Doßheimer sein einzig Kind, Massel toff!***) Der Mazz schien keine Lust zu haben, sich in eine Unterhaltung einzulassen. Er deutete auf den Garten: Wann Du mein Vater sprechen willst, he is bei den Bienenstöck." Der Morig änderte plöglich die Tonart. " ,, Wer sagt, daß ich Dein Vater sprechen will? Ich hab mit Deinem Vater nir mehr zu schaffen. Dich will ich sprechen." Mich?" *) wohlhabend. **) Pfingstabend. ***) großes Glück. „Jawohl. Dich. Ich Hab net viel Zeit. Ich muß in die Stadt zu meinem Advokat." Nichts Gutes ahnend ging der Matz voran ins Haus. die Treppe hinaus in seine Kammer. Der Edelschild folgte ihm dorthin, schob pustend die Mütze zurück und begann:„Was man net all erlebt!'s mögen zehn Jahr her sein, da bin ich an Deinem Vater seinem Hof vorbeigegangen. Und Dein Vater hat an der Einfahrt ge- standen. Und ich Hab gefragt:„Nir zu handeln, Karges?" «Gerad kommst Du recht," hat Dein Vater gesagt,„'s gibt was zu handeln. Ich Hab da eine Kuh.'s is kein Untätchen dran, aber sie paßt mir net. Du sollst sie haben für sieben Karlin. Und kannst mir bringen eine andre Kuh."„'s is gut," Hab ich gesagt,„ich werd erst sehen, ob ich was find für Dich." Die Woch drauf Hab ich Deinem Vater eine Kuh ge- bracht, eine schöne Kuh und Hab gefordert acht und eine halbe Karlin.„'s soll mir recht sein," hat Dein Vater gesagt, „Du nimmst meine Kuh, ich nehm Deine Kuh und zahl Dir anderthalb Karlin eraus."„Karges," Hab ich gesagt,„warum willst Tu Beschores machen? Ich weiß doch. Deine Kuh is eine.Zopplern*) und darfst sie mir geben für fünf Karlin, ich will sie net." Und Dein Vater hat gestiekent,**) hat seine Zopplern behalten und hat gekauft meine Kuh für acht und eine halbe Karlin. Von dem Tag an Hab ich mit Deinem Vater Geschäfte gemacht. Un der wird net anders sagen können, ich bin gewesen ein reeller Mann. Und Dein Vater is gekommen nach Bellersheim und hat gesagt:„Moritz, ich brauch Geld." Und ich Hab ihm gegeben Geld. Und er is wieder und wieder gekommen und haben sich zusammen- geläppert achttausend Mark. Nu hat bei uns angefangen die Antisemiterei. Und Dein Vater is marschiert mit den Bläffern durch dick und dünn. Und mein Schwiegersohn hat gesagt:„Wie kommst Du mir vor? Du läßt dem Allen- dörfer, dem Rosche, Dein Geld? Er soll zahlen. Er wird nicht tönen zahlen, und Du wirst ihn verklagen."., Simon," Hab ich gesagt,„überleg Dir emal, was is mit der ganzen Antisemiterei? Die Preußen haben sie bei uns eingeschleppt. Lern mich unser Bauern kennen. Die sind bei Gott keine Reschoem. Jetzt schreien sie gegen die Juden, weil sie meinen, sie müßten schreien, und werden auch wieder aufhören zu schreien. Unsere Leut haben schon so viel durchgemacht, sie werden auch das noch durchmachen." lFortsetzimg folgt.) (Nochduick verbolen.) Im Schnee. In unserem Tieslande kann der Schnee schon im Oktober und noch im Mai fallen. Die Gebiete, die mehr nach Osten und Norden gelegen sind, besitzen eine längere Schncesallpcriode als die westlichen und südlichen; sie erstrecktz�sich in Westdeutschland auf 140 bis 160 Tage, in Leipzig umfaßt sie aber bereits den Zeitraum von 140 bis 270 Tagen, und ini Hochgebirge ist auch im Hochsommer der Schnee eine gewöhnliche Erscheinung. Durch seine weißen Sendboten macht der Winter Vorstöße weit in den Süden hinein; gelegentliche Schneefälle kann man noch in Nordasrika von den Atlasländcrn bis Unterägypten beobachten, und es schneit noch manchmal aus den Azoren und den Bermudasinseln. Europa ist aber der einzige Erdteil, der in seiner gesamten Aus- dehnung in der Schnecsallzonc liegt. Die hohen kalten Luft- regionen sind die Wiege des Schnees; dort gefriert der Wasserdmnpf zu feinen Eisnadeln, zu zierlichen Schncckristallen, die seit lange durch die Schönheit und Mannigfaltigkeit der Formen daS Auge der Forscher entzücken. Es find winzige Gebilde, mitunter so klein, daß erst 1600 der Nüdelchen und Sternchen ein Gramm wiegen. Einzeln fallen sie aber nicht in der Regel zur Erde nieder, auf dem toeiten Wege durch den Luftozean stoßen sie zusammen, vereinigen sich zu Gruppen und Hausen, bilden die uns wohlbekannten Schnee- flocken.� Wir wissen alle, daß sie bald kleiner, bald größer sind, Schneeflocken_ von 2 bis 3 Zentimeter im Durchmesser kann man nicht selten sehen. Manchmal fallen aber vom Himmel lockere Schneebälle; so hat der Engländer Lowe zu Cheystone Schneeflocken gesammelt, die 7 bis 0 Zentimeter in, Durchmesser hielten; diese Flocken hatten ein Gewicht bis zu Ilb Gramm, und«ine einzige ergab geschmolzen 14 bis 16 Tropfen Wasser. Im Jahre 1802 wurden im Erzgebirge sogar 12 Zentimeter große Flocken beobachtet; auf 1 Quadratmeter Boden fielen E> bis 12 dieser Ballen. Ist das Wetter kalt, bleibt der Schnee liegen, häuft er sich zu einer dichten Decke an, so ist über Nacht und Tag das Landschaftsbild ') So nennt man eine Kuh, die ihre eigene Milch aus dem Euter saugt. **) geschwiegen verändert, und auch in das Treiben der Menschen greift der Schnee ein. Auf den Landstraßen werden Wage» durch Schlitten ersetzt; Schellengeläute erklingt; der echte Winter hat bei uns Einzug ge- halten, und ein Unglück ist er durchaus nicht. Mag der moderne Verkehr vorübergehend unter den Schneewehen leiden, der Land- mann begrüßt die Schneedecke mit Freuden, denn sie schützt seine Saaten. Der frischgcfallenc Schnee ist ein lockeres Gebilde, im Durch- schnitt enthält er 11 Proz. Eis und 89 Proz. Lust. Wenn er länger liegen bleibt, so fällt er zusammen, wen» die Sonne seine Ober- fläche anschmilzt, so wird er dichter, aber immer bleibt er noch porös; selbst ein alter Firnschnee im Hochgebirge ist bis zu 50 Proz. seiner Masse mit Luft durchsetzt. Tarin gleicht er den Federbetten, die wegen ihres Luftgehaltes uns im Winter warm halten, und in der Tat ist er auch das große Federbett, mit dem die Natur die durch Rinde und Holz nicht geschützte Pflanzenwelt zudeckt, damit die zarteren Kräuter und Gräser nicht erfrieren. Schon wenn die Schneedecke eine mäßige Höhe ausweist, gewährt sie beträchtlichen Schutz; beträgt ihre Dicke 20 bis 30 Zentimeter und zeigt das Thermometer an der Luft— 27 Grad Celsius, so ist der Boden unmittelbar darunter noch nicht fest gefroren und zeigt in Meter- tiefe+ 5 Grad Celsius. Bei andauerndem strengen Froste kühlt sich allmählich auch der Schnee mehr und mehr ab; immer aber mäßigt er die Wirkung der Kälte. In Katharinenburg in Rußland hat nian einen Bodenfleck fortlvährend frei vom Schnee gehalten. Ter Boden fror 3 Meter tief ein, unter der 67 Zentimeter hohen Schneedecke drang aber der Frost nur U Meter tief in den Boden ein. Aber noch in einer anderen Hinsicht nützt der Schnee den Pflanzen. Unsere Lungen spüren, wie rein und klar die Lust un- mittelbar nach einem Schneefall ist. Kein Wunder, denn die Milliarden und Milliarden von Schneeflocken fangen alle Staub- teilchen, die in der Lust schtoeben, auf und reißen sie zu Boden nieder. Da dieser Staub zum Teil organischer Natur ist, so wird dadurch eine feine Humusschicht unter der abgeschmolzenen Schnee- decke abgelagert, welckte die Fruchtbarkeit der Felder erhöht; außer- dem saugt aber der Schnee gasförmige stickstoffhaltige Verbindungen aus der Luft auf; mit dem Schnrelzwasser dringen sie in den Boden und dienen später den Pflanzen als Nahrung; ein altes Sprichwort sagt darum mit Recht: der Schnee düngt. Wenn ein tüchtiger Schneefall einttitt, wenn den ganzen Tag hindurch Schneeflocke» auf Schneeflocken herniederwirbeln, dann bildet sich plötzlich ein« mächtige Schneedecke. Bei uns im Tieflande beträgt sie aber bei einem einzigen Schneefall selten mehr als 30 Zentimeter; bleibt nun der Schnee liegen, ohne zu schmelzen, bis neue Schneefälle kommen, so wächst die Schneedecke an; dann kann tatsächlich„alles im Schnee vergraben sein." Tas ereignet sich hauptsächlich im Gebirge, wo noch Schneewehen die Täler verschütten; dann verschwinden Hütten in 6 Meter hohen Schneewehe»; dann liegt wie am Sonnblick der Schnee bis zu 20 Meter hoch. Im Tieflands hat aber die Schneedecke keinen so langen Bestand. Ter Frost wird bald durch Tauwetter abgelöst, manchmal erweist er sich aber hartnäckig, und so blieb im Jahre 1879/1880 der Schnee 40 Tage lang in Mittel- und Süddeutschland liegen. Im Jahre 1869 fiel in Klagenfurt Schnee am 27. Oktober und er- hielt sich, durch spätere Fälle verstärkt, 168 Tage langl Das er- innert schon an die klimatischen Verhältnisse in Sibirien, wo bereits um Mitte September die Natur sich in ihr Winterkleid hüllt und die Schneedecke bis in den April, ja in den nördlicheren Gegenden bis in den Mai liegen bleibt. Auch hier ist sie nicht unwillkommen. In Gegenden, wo es keine Eisenbahnen gibt und die Wege schlecht sind, bildet sie die Bahn des Verkehrs; gerade im Winter reist man hier am liebsten, und auch der Warenttansport wird mit Vorliebe auf Schlitten besorgt. In den Länder» und in den Steppe» Sibiriens und Rußlands können aber Schneefälle eine Wucht und Stärke er- reichen, daß sie zur höchsten Gesahr für Menschen und Tiere werden. Tort treten auch im Winter heftige Wirbelstürmc auf, die unter dem Namen Burane übel bekannt sind. Ein solcher Sturm treibt förmliche Schneehoscn, wirbelt den gefrorenen Schiree in so dichten Massen auf, daß Menschen und Tiere darin ersticken. Das Vieh flieht vor dem Winde und läuft ohne anzuhalten vielleicht 100 Werst, und nicht selten stürzt es in die Abgründe oder über steile Ufer hinab und kommt um. Durch einen einzigen Buran wurde einmal alles Vieh einer Kirgisenhorde ins Saratowsche Gouvernement ge- jagt, wobei 10 500 Kamele, 280 500 Pferde. 30 480 Stück Hornvieh und über 1 Million Schafe verunglückten. Man schätzte den Verlust auf 13,5 Millionen. Aehnliche Winterstürme, die mit Schneetreiben und heftiger Kälte verbunden sind, kommen i» den Vereinigten Staaten von Nord- amerika vor. Man nennt sie Blizyard, und sie treten hauptsächlich in Idaho, Montana, Dakota, Minnesota und Manitoba auf. Ein Blizyard, der am 8. Januar 1873 gewütet hat. brachte über ein« tausend Menschen den Tod. Diese Stürme brechen aber auch an der Atlantische» Küste los, und Professor Faye schilderte einen, der im März 1888 sich ereignete, folgendermaßen:„Ter Blizyard ist ein Schneeorkan, der von einem auerordentlich raschen und tiefen Sinken der Temperatur begleitet ist. Am 9. und 10. März 1333 war der Himmel zu Philadelphia' klar und die Lust warm; am 11. März begann der Südwcstwind zu wehen und brachte«inen warmen Regen. Das Thermometer zeigte 16 Grad Celsius. Die plötzliche Temperaturänderung trat um 11 Uhr abends ein; der Regen vcrwaitdelte sich innerhalb IQ Minuten in Graupeln, dann 127 Nee id bin jarnich Luischen, id bin tüdich, wie' n Affe." " Jeder tückscht, so jut wie er tann", sagte Dntel Friz. " in ein Gemisch von Schnee und Hagel. Der Wind, der von Südost nach Nordwest umgesprungen war, begann nach Mitternacht sturmartig zu wehen. Er warf zu Philadelphia Tausende von Bäumen Wat willsten damit gemeint haben?" Frau Pennemann fuhr um. Das Thermometer sant unter 18 Grad Celsius. Der vom empor.„ Du hör überhaupt auf! In so'ne Lokale schleppste Winde gepeitschte Schnee häufte sich zu Bergen an, die der Frost einen, wo de Mächens mit de Männer anbandeln, und Du läufft zu einer festen Masse gestaltete. Als der Tag anbrach, war alles auch immer mit." Sie warf Tante Gustchen einen wütenden Blick Leben gelähmt, denn alle Verbindungen waren abgeschnitten. In zu. In so'ne unanständigen Lokale läuffte mit." der Chesapeake- Bai scheiterten 30 Schiffe, in der Delaware- Bai 22 und 60 Schiffe wurden ans Ufer geworfen. Auf einem an der Küfte von Maryland ans Ufer getriebenen Schiffe wurde die gesamte Schiffsmannschaft erfroren aufgefunden." Die Ilimatischen Bedingungen in Deutschland find für die Entstehung solcher Schneestürme nicht günstig. Wenn auch bei uns im Schneegestöber hin und wieder Menschen sich verirren und in der Kälte umkommen, so bleiben solche bedauernswerten Unfälle doch mehr vereinzelt. Glüdlicherweise werden wir von solchen Katastrophen wie die geschilderten in unseren Wintern verschont. C. Falkenhorst. Kleines feuilleton. eb. Beim Bock. Ueber die Bockfahrt war man sich also einig, auch über den Tag, nur noch nicht über das Ziel. Urbock, Hasenheide oder irgend eins von den großen Lokalen, wo Bockjubel angekündigt war? Frau Pennemann war für den Urbock; das sei doch wenigstens was echt Berlinsches. Vater Bennemann war's janz ejal".& Bier war ja doch allemal desselbe. Tante Gustchen fand den Urbock zu roh, und Onkel Frizz schlug die Hasenheide vor: ,, Da sind die Bayern, und' s is jemütlich." Onkel Karl war auch dafür; die Bayern find' mal was andres. Ja, man wollte zu den Bayern gehen. " In die Mächenskneipe?" brauen mißtrauisch zusammen. Frau Pennemann zog die AugenNa, Dein Oller wird Dir ja nich gleich durchbrennen," meinte Onkel Frig. Und bei de Bayern ist's so gemütlich," redete Tante Gustchen git. Das sind doch da nich sone Kellnerinnen wie in de Berliner Mächentneipen. Die sind doch anständig!" " " Boussieren wer'n se ooch schon," meinte Frau Pennemann. Nu, wenn schon!" sagte Onkel Frizz. Frau Pennemann warf ihm einen entrüsteten Blick zu:„ Nu, wenn schon! Det fannst Du sagen, Du hast keene Frau, aber de berheirateten Männer sollen die Mächens in Ruhe lassen." ,, Na, ich tue ihnen ja jar nichts," entschuldigte sich Vater Bennemann. Es blieb also bei den Bayern. Der große Saal war schon dicht gefüllt. Auf den ersten Blick war es überhaupt schwer, noch einen leeren Platz zu entdecken. Eine blaugraue Dunstwolte lagerte über dem riesigen Raum, dazu ein wirres Durcheinander schreiender, lachender, singender Stimmen. Es legte sich förmlich lähmend auf die Sinne. Ontel Frizz steuerte seiner Gesellschaft voran ruhig durchs Gewühl. Er kannte sich offenbar schon aus. Er unterhandelte bereits mit der Seellnerin um den Plaz, als die andern erst antamen. Also fünf Krüge, Bepi; nich zu lange warten lassen, wir haben Dorscht!" Na wie allemal." Pepi verschwand mit einem Lachen. Und hier foll's anständig find?" Frau Bennemann ließ die Blicke schießen:„ Na weefte! Sieh mal, wie der da drüben de Kellnerin in de dicken Arme Ineift! " Jott, laß ihm doch det bischen Verjnügen! Seine Frau hat vielleicht nur Stöcker!" " Frig, wenn De anzüglich wirst sollste mal sehen!" Frau Bennemann beugte sich über den Tisch, als wollte sie ihrem Schwager ins Gesicht fahren. Ontel Frizz lachte. „ Er hat Dir doch jar nich jemeint," fuchte Tante Guftchen zu begütigen: Er redt ja von den seine Frau. " Ach wat, Frau is Frau, aber du hältst immer Deine Brüder de Stange. Laß Du Dir doch von Deinem Mann betrügen, meiner darf's nich." " Das wird er sich auch nie erlauben. Was Bennemann?" fragte Onkel Karl ernsthaft. Bennemann brummelte in seinen Bierkrug und antwortete nicht weiter. Onkel Frizz lachte malitiös vor sich hin: # „ Na, erlaub mal, dies is ja doll! Wie kannste einem denn so was sagen?" Tante Gustchen wurde ebenfalls tücsch. Ein Profit ein Profit der Gemüt- lich- keit!" Onkel Frizz hielt den Bierkrug zwischen beide und fiel in den Rundgefang mit ein. Nu willste Einen auch wohl noch verhohnepiepeln?" Frau Bennemann war wütend." Pennemann und Du fizt da, wie ne Schaute, wat läßte Dir denn alles jefallen?" ,, Laß Dir' s nich jefallen, Bennemann" schrie eine Stimme vom Rebentisch herüber. vom Nebentisch herüber. Man war auf den Tisch aufmerksam geworden. Bennemann muk auf!" Bennemann, zieh de Hosen an!" Ein dröhnendes Gelächter. zwei drei G'suffa!" Üleber Frau Bennemanns Schultern weg fam ein Bierkrug und Eins lang an ihren an. Das is ja ne Frechheit!" schrie Frau Bennemann. „ Ein Profit ein Profit- der Gemüt- lich- teit!" manns Hutbänder flogen. Zwei, drei, vier andere Krüge folgten dem ersten. Frau Benne Schulter weg nach dessen leerem Serug. Noch' ne Lage?" fragte Bepi und langte über Bennemanns " Jezt fällt se ihm schon um'n Hals," rief Frau Bennemann. Jetzt hab ich aber wirklich genug!. Pennemann, jetzt stehste auf und kommst nach Hause!" ,, Aber, Luischen!" flehte der Gatte. " Aber, Luischen!" rief Onkel Frizz. Stimmen nahmen es auf. „ Aber, Luischen " aber, Luischen!" Ein paar andere Nun seid doch bloß ruhig, man tiett ja nach uns 1" sagte Tante Gustchen gedämpft. " Ach und da soll ich wohl dran schuld sein? Was führt.hr einen denn in solche Bude, wo de Mächens mit de Männer an bandeln. Mit Euch bin ich überhaupt fertig!... Pennemann, jezt tomm!" Sie nahm ihren Mann am Arm und schob ihn dem Ausgang zu. Durch's Lokal flang wieder der Rundgesang:„ Ein Projit ein Profit der Gemüt- lich- feit!" -" c. Die Hebung einer ganzen Stadt. Zu den zahlreichen wunderbaren Ingenieurleistungen, die amerikanischer Unternehmungsgeist in der durchgreifenden Lageveränderung ganzer Städte bereits vollbracht hat, gefellt sich als neueste die Hebung der Stadt Galbeston, deren Geschichte Watson Davis in der American Review. of Reviews" erzählt. Galveston liegt am östlichen Ende einer langen niedrigen Insel an der Küste von Texas, an der auf der einen Seite die Brandung des Golfs von Merito schäumt, während auf der anderen die ruhige Wasserfläche der Galveston- Bai sich ausdehnt. 53 Dampferlinien und neun Eisenbahnlinien laufen an diesem Punkt zusammen. Die Stadt führt etwa ein Drittel des Weizenexports aus den ganzen Vereinigten Staaten aus und steht unter den Ausfuhrhäfen des Landes an dritter Stelle. Allgemein bekannt wurde der Name der Stadt infolge des furchtbaren Unglücks, das sie am 8. September 1900 heimsuchte. Vom Golfe her ergoß fich eine riesige Sturmflut über die ganze Stadt und brachte mehr als 5000 Menschen den Untergang, während der materielle Schaden sich auf etwa 17 Millionen Dollar belief. Man glaubte, daß Galveston nun der Vergangenheit angehören würde, aber so leicht läßt sich der Amerikaner von widrigen Verhältniffen nicht beugen; unmittelbar nach dem Unglück begannen die Einwohner der Stadt mit dem Wiederaufbau, und es wurde ein gigantischer Plan ausgearbeitet, der die Stadt vor der Wiederholung einer solchen Katastrophe endgültig schützen sollte. In vier Monaten hatten drei bedeutende Ingenieure die Pläne zur Aufführung eines festen Betonwalls längs der Golffüfte und zu einer allgemeinen Hebung des Niveaus der Stadt entworfen. Zwei Jahre nach dem Sturm wurde die Arbeit in Angriff genommen, und im Juli des Jahres 1904 war zunächst der große Wall vollendet. Er ist aus massivem Beton, 16 Fuß hoch, an der Basis 16 Fuß und oben 5 Fuß dick, und er zieht sich 34 englische Meilen an der Rüfte des Golfes entlang. Nach der Seite des Meeres zu ist er überdies durch Wellenbrecher und Steinschüttungen geschützt. Schwieriger Aber die Pepi is' n niedliches Ding," sagte Tante Gustchen. noch als die Errichtung des Walls gestaltete sich das Problem der , So'n richt'ges dralles Münchner Madl." Die Niedlichste von allen!" Onkel Karl, der die Bayerinnen mit Kennerblicken gemustert hatte, nickte. Wo ich hinjehe, find se immer niedlich", sagte Onkel Fritz gewichtig. " Ja, Du kennst Dir aus!" Tante Gustchen lachte. „ Na, ich weeß nich, was Ihr an se habt, an fo'n Schank mächen, Bennemann, Du brauchst se nich so anzufuden! Wat wirfst Du'n det Frauenzimmer für Blicke nach? Nu fang mir nich sowat an, verstehste!" „ Aber Luischen", begütigte der Gatte. Hebung der Stadt. Es bedeutete nicht weniger, als daß der ganze Boden der Halbinsel vom Wall bis zum Ufer der Bai hinüber mit Sand aufgehöht wurde, und zwar am Wall um 17 B und an der Bucht um etwa 8 Fuß. Der Geschäftsteil der Stadt in der Nähe der Bai mit seinen vielen großen Steingebäuden liegt geschützt und brauchte daher in das zu hebende Gebiet nicht mit einbegriffen zu werden. Zur Ausführung des Planes ließ man vor allem vier gewaltige Sandbaggermaschinen kommen, die zusammen mit zahlreichen fleineren Maschinen die Arbeit, das Material zur Auffüllung herbeizuschaffen und zu verteilen, erledigten. An der Rückseite des Meerwalles wurde ein Kanal gegraben, der, nach seiner Fertig stellung, sich 2½ englische Meilen lang erstrecken, 200 Fuß breit und 128 21 Fuß tief sein soll. Das Material, das zur Erhöhung des Bodens Mascart, der sich zum Zweck der Vornahme von Experimenten freis verwendet wird, ist Seesand aus der Bucht. Die Saugbaggermaschine lich mit Dr. Blondlot zusammengetan hatte, dessen Nähe sich im dampft in die See hinaus und senkt ihr Aufnahmerohr auf den Hinblick auf die Beurteilung der Frage von dem Sein oder Nichtsein Boden hinab. Dann fördern die Maschinen halbflüssigen Sand und der N- Strahlen durch eine ansteckende Kraft als bedenklich erwiesen Wasser in das Boot, und ist nun die Baggermaschine ganz geladen, hat. Außerdem waren noch zwei andere Physiker zugegen gewesen. so fährt sie in den Kanal zurüd. Durch mächtige Röhrenstationen Die deutlichsten Erfolge der Messungen glaubte selbstverständlich mit 42zölligen Röhren wird alsdann die Ladung der Baggermaschine Blondlot selbst angeben zu können, jedoch hatten auch die anderen auf den zu hebenden Boden der Stadt, deren Straßen auf den Forscher bei den unabhängig vorgenommenen Messungen im allge Kanal münden, befördert und ausgebreitet. Der Sand setzt sich, meinen übereinstimmende Ergebnisse, so daß Mascart an dem tatund das Wasser fließt ab. So schreitet die Hebung des Stadt- sächlichen Vorhandensein der N- Strahlen nicht mehr zweifeln zu niveaus vom Rande des Kanals nach der Bucht zu fort. Ist die können glaubt. Es handelte sich diesmal um die Feststellung eines Hebung beendet, so werden die Baggermaschinen ihre Ladung in Spektrums der Strahlen, das bei ihrer Brechung durch eine Aluden Kanal selbst entladen und ihn so allmählich ausfüllen, so daß miniumprisma entstehen soll. An zweiter Stelle gibt ein anderer er wieder beseitigt wird. Die Arbeiten werden Tag und Nacht fort- an den Versuchen beteiligt gewesener Gelehrter, Dr. Guton, ein gesetzt, jede Baggermaschine macht fünf oder sechs Rundfahrten in Gutachten über den objektiven Bestand der N- Strahlen ab. Er will 24 Stunden. Am 1. Januar 1907 sollen nach dem Kontrakt alle fich davon überzeugt haben, daß, wenn diese Strahlen auf den Arbeiten vollendet sein. Dann werden 250 Menschen in etwas über primären Punkt eines Herzschen Oscillators gelenkt werden, der zwei Jahren tatsächlich einen ganzen Berg gebaut haben. Etwa Glanz des sekundären Funkens abnimmt. Diese Wirkung ist auch 3000 Gebäude sind in der Stadt zu heben; die Kosten dafür werden auf photographischem Wege festgehalten und bestätigt worden und von den Eigentümern getragen. soll in 37 Experimenten stets flar hervorgetreten sein. Der dabei benutte Apparat wird genau beschrieben, ebenso die Vorsichtsmaßregeln, die für eine einwandfreie Vornahme der Versuche notwendig sein sollen. Es wird nun den Physikern wohl nichts anderes übrig bleiben, als sich aufs neue mit den gespensterhaften N- Strahlen zu beschäftigen. Bisher war es immer so gegangen, daß die Physiker, die für sich allein ihre Experimente machten, zu dem Schluß tamen, das Ganze sei eine" physiologische Illusion" oder, wie man sich deutsch mit Vorsicht ausdrücken fönnte, ein unbewußter Schwindel. Dagegen hatten die mit Blondlot gemeinschaftlich arbeitenden Gelehrten häufig wirklich zu sehen vermocht, was der Entdecker der N- Strahlen ihnen zu zeigen versprochen hatte. Wie in diesem Wirrwarr völlige Klarbeit hineinkommen soll, läßt sich vorläufig noch nicht absehen. Musik. Als man Komische Oper:„ Don Pasquale." dem italienischen Komponisten Donizetti mitteilte, Meister Rossini habe seinen„ Barbier von Sevilla" in vierzehn Tagen hingeschrieben, erwiderte er:„ Das glaub' ich; der war schon immer ein Faulpelz!" Gr aber schrieb seinen„ Don Pasquale" einschließlich Tertbuch in acht Tagen. Seine Routine in der Führung des musikalischen Dialoges und in dem Ausschütten von wirklich ansprechenden Melodien war groß genug dazu; und im übrigen brauchen wir heute auf die Oberflächlichkeit der Mache keinen Stein mehr werfen. Der dramatischen Kunst jener Dialogführung wird auch die strengste ästhetische Stritit von heute kaum viel anhaben können; und überhaupt sind die komischen Opern der Italiener von dem üblen Rufe der ernsten Opern jener Zeit ausgenommen.„ Don Pasquale" steht überdies ein gut Stück höher, als der„ Barbier".. Dazu gehört auch die Fülle schwieriger Gesangsaufgaben in dieser Oper. Sie läßt jenes Stück nicht leicht zur Repertoireoper werden. Hier und da taucht fie an der Hand irgend eines italienischen Gastes wieder auf, und auch in Berlin gab's in der letzten Zeit eine solche Wiedererweckung. Die Aufgabe, aus diesen. Werk ein Repertoirestück zu machen und ihm alles moderne können zu widmen, vielleicht sogar die von uns längst gewünschte Rettung der älteren Spieloper überhaupt anzubahnen, schien für die Direktion unserer jungen Komischen Oper verlockend zu sein. Vorgestern( Dienstag) haben wir denn diese Erstaufführung bekommen. Eine Glättung des Tertes, zumal eine, welche die Akzente im Deutschen den musikalischen Akzenten anpaßt, hatte sich schon längst als dringlich erwiesen. Sie wurde bereits vor einigen Jahren von einem Dichter und einem Musiker, O. J. Bierbaum und W. Kleefeld, in Angriff genommen und zuerst 1902 irgendwo außerhalb Berlins zu einer Neuaufführung be nußt. Nun kam diese neue Verdeutschung auch diesmal auf die Bühne. Soweit wir ohne vergleichende Materialstudien sehen, erfüllt sie gut ihren Zweck. Die Aufführung war schlechtweg bortrefflich. Die Direktion hat gezeigt, daß sie ein Gesamtdrama bis ins einzelne hinein künstlerisch vorführen kann. Allerdings traten wieder die szenischen Bilder, nach Karl Walser, etwas gar anschaulich hervor; Gelb, Orange und Rot herrschten diesmal vor. Vier Sänger bewältigten die schwierigen Aufgaben in musterhafter Weise. Boran stand Hed= wig Francillo- Kauffmann mit ihrer Wiedergabe einer jungen Witwe, die einem alten Liebesgeden zum Schein aufgedrängt wird. Diesen selber, also die Titelrolle, sang Ludwig Mantler; er machte aus dem komischen Alten ein wirkliches Menschenwesen. Den Anstifter der komischen Verwickelungen, den Arzt Malatesta, gab der tenorale Bariton Hans Egenieff, den Liebhaber Jean Nadolowitch. Durch eine Indisposition des Letzt genannten hindurch konnte man immer noch seine hohe Gesangstechnik und dramatische Intelligenz bewundern. Das Orchester tönnte manchmal zurückhaltender sein. Physikalisches. SZ. Humoristisches. go. Humor im brasilianischen Urwald. Ein Die deutschen Schulkinder hier in Brasilien stehen mit dem Hochdeutscher Lehrer in Südbrasilien erzählt folgendes Geschichtchen: deutschen auf keinem besonders guten Fuße. Meist wird nur der von den Eltern oder Großeltern überkommene Dialekt gesprochen und verstanden. Da nun auch infolge der engbegrenzten örtlichen Verhältnisse das Verständnis der Kinder nicht weit reicht, so hat man manchmal seine liebe Not, ihnen dies und jenes begreiflich zu machen, dafür erlebt man aber auch manchen Spaß. Neulich las ein achtjähriges Mädchen in Schusters Biblischer Geschichte die Stelle vor, wo Abraham an Stelle seines Sohnes einen Widder zum Opfern findet. Da ich der Kleinen hinsichtlich ihrer Kenntnis vom Widder nicht recht traute, so fragte ich sie zum Scherz, wie viel Beine so ein Widder habe. Ei zwei", sagte Mariechen ganz fir. In der ganzen Schule befand sich niemand, der das Wort verstand, so daß ich erklären mußte, es sei ein„ Schafbock" gemeint. Nun wollte ich aber doch wissen, warum das Mädchen so hurtig geantwortert hatte:" Zwei Beine"." Njo", sagte sie,„ aich Han gemaint, et wär' n Witmann". " Notizen. " - Von den Büchern der Deutschen Dichter- Gedächtniss Stiftung wurden insgesamt bisher über eine Viertelmillion Exemplare gedruckt. - Mascagnis dreiaftige Oper Jris" ist von der Komischen Oper erworben worden. Die Hauptversammlung der Verbindung für historische Kunst wird in Nürnberg stattfinden. Die Verbindung hat bisher 90 Gemälde für den Gesamtbetrag von 666 000 Mart erworben. Kopfverunstaltungen bei den Germanen. Man hat lange gezweifelt, ob die das erste Mal im Jahre 1820 gefundenen, in germanischen Reihengräbern vielfach vorkommenden turmartigen Schädel mit Quereindruck und niedriger Stirn künstliche Mißbildungen seien. Man hat auch gedacht, daß es sich dabei vielleicht um Avaren- Schädel handelt. Jetzt ist, nach den Münch. N. N.," ein folcher Schädel bei Heilbronn in einem dem fünften Jahrhundert angehörenden germanischen Grabe gefunden worden. nicht mehr zweifeln, daß die Sitte der Kopfverunstaltung( wie sie heute noch bei verschiedenen Naturvölkern besteht) von den Germanen geübt wurde und zwar ausschließlich an Weibern. Man kann en. Neues von den N- Strahlen. Unter den vielen unsichtbaren Strahlenarten, die im Lauf der letzten Jahre entdeckt wurden, waren die N- Strahlen wohl die merkwürdigsten, denn einmal sollten sie vom menschlichen Körper, namentlich von dem arbeitenden Gehirn oder den bewegten Muskeln ausgehen, und zweitens übertrafen sie an Unsichtbarkeit alles bisher Dagewesene. Diese Eigenschaft ging se weit, daß eine Reihe der hervorragendsten Gelehrten sich von ihrem Vorhandensein durchaus nicht zu überzeugen Die Japaner haben in Korea einen Wetterdienst vermochte und vielmehr die Ansicht äußerte, daß sich ihr Entdecker, eingerichtet. Als Leiter ist der japanische Meteorologe Wada Professor Blondlot in Nanch und nach ihm noch manche anderen tätig. Physiker getäuscht haben müßten. Ein wißiger Kopf verglich die Sache geradezu mit dem bekannten Märchen von des Kaisers neuen Kleidern. Man könnte danach eigentlich kaum noch annehmen, daß die N- Strahlen die Wissenschaft noch weiter beschäftigen würden. Diese Vermutung erweist sich jetzt als ganz irrig, denn vor der Pariser Akademie der Wissenschaften sind in einer der letzten Sibungen zwei Vorträge über die N- Strahlen gehalten worden, und zwar einer von einem recht namhaften Physiter, Professor Verantwortl. Redakteur: Hans Weber, Berlin. Drud u. Verlag: Bortvärts Buchdruckerei u.Berlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW. 1 " Ein artiges Sticklein bureaukratischer Gedankenlosigkeit leistete sich, wie aus Halle der Frankf. 3tg." berichtet wird, die auswärtige Zahlstelle einer dortigen Hauptkasse, die wörtlich an letztere folgende Anfrage richtete: Muß von den verstorbenen Pensionären zum 1. März d. Js. ebenfalls eine Hauptquittung eingefordert werden?" Leider ist nicht befannt geworden, ob nicht jene nach der gleichen Schablone gedankenlosen Arbeitens geantwortet hat:" Soweit tunlich, ja!"