Anterhaltungsblatt des Horwärts Nr. 74. Mittwoch � den 18 April 1906 (Nachdruck verboten.) Die Eroberung von Jerusalem. Roman von Myriam Harry. LS� Autorisierte Uebersetzung aus dem Französischen von Alfred Peuker Geschmeichelt und gerührt von Cäciliens Unterwürfigkeit. besänftigte sich Herr Zorn. „Stehen Sie auf! Weil Sie die Tochter eines Priesters und eine ehemalige Diakonissin sind, will ich noch einmal meinen Zorn zurückhalten. Aber unter zwei Bedingungen: Erstens müssen Sie die Fortsetzung der„Auferstehung des Heidentums"� verhindern: die zweite Bedingung werde ich Ihnen gegenüber nicht klar aussprechen, aber Sie werden mich verstehen, wenn ich Ihnen sage, daß dieser Mann von jetzt ab für mich nicht mchr existiert, daß ich sogar seinen Namen aus meinem Gedächtnis auslösche und daß Sie, auch wenn Sie in den Augen der Welt Frau Jamain bleiben, für mich und für Gott wieder Schwester Cäcilie werden müssen. Ver- stehen Sie mich und versprechen Sie es mir?" Ihre Blicke trafen sich: wie mit Blut Übergossen senkte sie den Kopf. „Ich verspreche es Ihnen," sagte sie ganz leise:„der Wille des Allmächtigen geschehe!" IL Nun begann der Kampf, ein heimlicher und lückischer Kampf, den Cäcilie mit all ihrem Starrsinn und Pastor Zorn in völliger Ueberzeugung von seiner Gerechtigkeit führte. Elias fühlte sich von allen Seiten belauert und bedroht. Man ließ ihn nicht einmal mehr in seinem Obergemach un- geschoren. Fortwährend fand er auf seinem Arbeitstisch Broschüren der Bibelgesellschaft:„Die Macht des Gebetes", „Die Bekehrung eines heidnischen Gatten",„Das Wasser der Taufe und der Barmherzigkeit". Die Nummern der„Trom- Pete von Jericho", in der„Josua" seine Predigten und die „Lilie von Saron" ihre moralischen Geschichtchett veröffent- lichten, schlichen sich unter seine Papiere ein: Evangeliumverse waren sogar auf den Bauch seiner Götzenbilder geklebt und Testamente verirrten sich unter seine Blumentöpfe. Bei den Mahlzeiten machte Cäcilie sich jetzt Zionas Gegenwart, die ihrem Vater gewisse Rücksichten auferlegte, zunutze, um Er- bauungsschriften vorzulesen, und meistens verließ Elias das Speisezimmer mit leerem Magen, aber mit religiöser Kost bis zur Uebelkeit gesätsigt. Wenn er sich abends auf der Terrasse hinstreckte, hörte er seine Frau auf der unteren Plattform ächzen und seufzen, Psalmen herbeten oder den Herrn anrufen, er möge ihrem Gatten seine Gnade schenken. Dann wandelte ihn das Gelüst an, alles im Stich zu lassen, davon zu gehen, zu fliehen, geradeaus fortzulaufen, sich auf einer Insel, in der Wüste, an einem bösen Orte zu verbergen, gleichgültig, wo oder wie, wenn man ihm nur nichts mehr von Gott und der Bibel vorschwatzte. Wenn er dann aber zu anderen Zeiten auf Cäciliens Antlitz echte Trauer las und sie in Tränen überraschte, sagte er sich, von ihrem beiderseitigen Elend zu Mitleid gerührt: „Warum soll ich mich um Religionen kümmern und mit Dogmen quälen? Worte, Worte, alles Worte! Kitty hat recht: ich werde in ihre Kirche gehen und das Evangelium anhören, und wenn sie noch darauf Wert legen, sogar meinen Glauben abschwören. Dann wird Cäcilie wieder glücklich fem. Und wer weiß? Vielleicht liebt sie mich dann auch wieder und ich erlange noch einmal meinen Frieden." Sogleich aber dämpfte der Gedanke an Pastor Zorn, der fast in seinem Hause wohnte, ihn aber nie auf der Straße grüßte, seine hochherzige Aufwallung. Eines Tages bemerkte Elias, daß man die Schublade er- brachen hatte, in der er sein Manuskript verschloß. Ein Kapitel der„Auferstehung des Heidentums" war verschwunden Er gewöhnte sich nun daran, seine Tür zu verriegeln, lebte jedoch in der beständigen Angst, man habe sein Schloß er brachen. Noch andere Sorgen stürmten auf ihn ein. Religiöse Horden, die aus Aemen gekommen, waren in Moab ein- gefallen. Aufruhr und heiliger Krieg wurde unter den Beduinen gepredigt, und die Wüste war unzugänglicher ge» worden als eine Stadt im Belagerungszustand. Da Elias keine Hoffnung mehr hatte, nach Arabien zurückzukehren, hatte er Slamin beurlaubt. Aber immer wieder drängte dieser sich an ihn heran, ebenso unverschämt« wie er früher unterwürfig und schmeichlerisch gewesen war. Bald waren es alte Schulden, deren er sich jetzt erinnerte, oder aber er schrieb die Schuld an irgend einem neuen Unglück Herrn Jamain zu. Bald hatte er sein Geschäft als Heiligen- bilder-Maler, bald seine Beschäftigung als Dragoman ver- loren. Alles Herrn Jamains wegen. Bald hatte eine Fetta Morgana sein Auge geblendet, bald das Fieber die Gabe seiner Rede gelähmt. Seine Mutter litt an der Cholera, seine Frau an Veitstanz, er selbst hatte kein Hemde mehr auf dem Leibe, und keinen Talari mehr als Halsschmuck für sein Kind. Und Elias gab, gab immer wieder, obgleich er dazu beim Schweizer Bankier borgen mußte, bei dem der Zinsfuß seit der letzten Veröffentlichung des Gelehrten von dreißig auf vierzig Prozent gestiegen war. Eines Tages kam Slamin sogar mit groben, plumpen Nachahmungen moabitischer Töpferwaren, die er dort unten gefunden haben wollte. Elias drohte ihm mit dem türkischen Pascha und verbot ihm seine Tür. Der andere schnaubte Rache und ließ sich auch wirklich nicht mehr blicken. Elias machte sich wieder an sein Buch. Aber er hatte den Geschmack daran verloren. Er glaubte nicht mehr an die Schönheit des Lebens, nicht mehr an den Nutzen des Kampfes. Seine Energie war gebrochen, durch die wachsende Erbitterung um ihn her allmählich zermürbt: und seine Begeisterung schwand, entmutigt durch all den Haß, der mit jener Frömmig- keit in sein Haus eingekehrt war. Dazu machten sich jetzt die Strapazen seiner Reisen bemerkbar. Seine Schläfen brannten, seine Adern spannten sich wie Eisendrähte, und wenn die drückende Sonnenglut auf der Kuppel des Hauses lag, glaubte er, daß alle Sonnen Arabiens, zu Goldbarren verdichtet, auf seinem Schädel lasteten. Stundenlang saß er starr vor feinen weißen Blättern, dann versank er in einen seltsamen, von fieberhaften Wahnvorstellungen gestörten Schlummer, der ihm abwechselnd blendende Fata Morganen und stockdunkle Nächte vorgaukelte, lind wenn er dann von einem unbestimmten Angstgefühl und schrecklichen Visionen aufgeschreckt, die Türe öffnete und ehren Blick auf die lange Via dolorosa warf, die sich vom v-tefanstor bis zum Dom auf Golgatha weiß ab- zeichnete, so glaubte er der Reihe nach seine Leidensstationen zu erkennen. Um seinen Grübeleien zu entfliehen, zog Elias oft seinen Burnus über den Kopf und schlenderte durch die Läden und die geheinrnisvollen Bazare, wo Haschischrauch und Nardenduft sonderbare, über alles hinwegtröstende Träume spenden. Manchmal stieg er sogar noch weiter hinab in die unteren Gäßchen Jerusalems, wo Dirnen ihm durch das Gitter der Muscharabis wohlriechende Blätter auf den Kopf streuten. � Als er eines Abends müder und angeekelter als je zurück- kehrte, waren die Gitter des Bazars schon geschlossen, und er mußte einen Umweg machen. Dicht ballte sich die Finsternis unter den überhängenden Bogen, Fledermäuse flatterten von einer Mauer zur anderen und die von Hunden aufgewühlten Kehrichthaufen sahen auS wie am Boden"riechende Larven. Gespenster krochen aus grausigen Höhlen mpor und andere wieder, die auf unsicht- baren Treppen herabstiegen, schienen vom nächtlichen Himmel zu fallen. Ein trügerisches drohendes Schweigen auf der Straße erweckte unwillkürlich ein Gefühl der Unsicherheit. Man fühlte sich belauert von unten, beobachtet von oben, verfolgt von allen Seiten. Durch Schmutzhaufen tappend, suchte EliaS keinen Weg, und seine Gedanken tappten mit ihm durch die nmmen Pfade seiner Verzweiflnng. Immer wieder mußte er an seine Verdrießlichkeiten, seine Känchfe und seine Einsamkeit denken, besonders aber an jene Falschheit, die in seinem Hause lauerte, an all jene Hinterlist, die seine Schritte wie ein Netz umgab. „Was habe ich ihnen denn getan, daß sie mein Leben so vergiften, mein Herz martern, mir den Verstand rauben? Und wuZ Ijof« ich daün Gacilie getan, daß sie mir den Zutritt zu ihrem Zimmer verlvehrt und so viel Verdruß bereitet? Und olles nur einer Dogmenfrage wegen! Ist es denn wichtiger zu glauben, als zu leben, und ist das Glück an den Glauben fiebunden? Sollte ich wirklich ein Gottloser, ein Ungläubiger ein, wie sie mich schmähen? Erstreben wir im Grunde ge- nommen doch alle dasselbe, da wir ja das Gute wollen... Nein, es ist nicht einmal mein Unglaube, den sie mir als Sünde anrechnen, sondern meine sinnlichen Begierden, mein Lebens- und Liebesbedürfnis. Jene suchen die Wahrheit in ihrer Lehre und ich, ach! ich suche sie in der Natur. Das ist mein Verbrechen. Ach, wie friedlich und gut wäre das Leben ohne Religion!" Plötzlich aber hielt Elias in seinen Gedanken inne, um auf ein langgezogenes, seltsames Wimmern zu horchen. Er stand vor einem großen, verschlossenen Bau, einer Art Gefängnis, aus dem durch eine nach der Straße gehende Oesfnung ein schwacher Lichtschein fiel. Dort bewegte sich im Halbschatten ein phantastisches Ge- bilde, das Elias kläglich anblökte. Allmählich gewöhnte er sich an die Finsternis und über- sah die Situation. Er befand sich vor einer Mühle, in der ein altes, blindes, an einen Göpel geschirrtes Kamel einen Mühlstein in Be- wegung setzte. Eine Ecke des Göpels hatte ihm die Schulter durchgescheuert; eine blutende Wunde klaffte, und dicke Tränen flössen aus seinen leeren Augenhöhlen auf die bebenden Linnen herab, zwischen denen die gelben, bloßgelegten Zähne das letzte Futter wiederkäuten. Das große, abgemagerte, blinde Tier ging unaufhörlich im Kreise hemm; bald verschwand es im dunklen Hintergrund, von dem sich nur sein langer Hals abhob, bald kam es in den Vordergrund zurück und klagte in dumpfen Tönen der düsteren Straße sein Leid. Mit wehem Herzen setzte Elias sich der Mühle gegenüber auf einen Prellstein; in seiner Seele sah es jetzt noch trauriger aus, denn er dachte: «Die Menschheit gleicht diesem Tier. Blind laufen wir alle um ein Göpelkreuz herum, ohne Aussicht, es ertragm zu können, doch auch ohne Mut, sein Joch abzuschütteln." 12. Nachdem Slamin das von Elias erhaltene Geld ver- schleudert hakte und zu der Ueberzeugung gekommen war, daß von jenem nichts mehr zu erlangen wäre, fiel ihm plötzlich ein, daß er eigentlich doch nicht den wahren Glauben besäße. Und nun fühlte er sich von Gewissensbissen gepeinigt. Nachdem er je nach dem Fallen seiner Finanzen oder dem Steigen der Taufgebühren abwechselnd griechisch oder römisch gewesen war, gewann er nun die Gewißheit, daß das ewige Heil bei den Protestanten sei. Er suchte also Herrn Zorn auf, den er manchmal in dem sarazenischen Hause getroffen hatte, und klagte ihm seinen ganzen Seelendurst und Börsenhunger,' Beim nächsten Dorcas Cäciliens verkündete der Pastor diese gute Nachricht mit bewegter Stimme; es handelte sich nämlich nicht nur um die Bekehrung von Herrn Jamains Dolmetscher, sondern auch um die seines ganzen Stamm- baumes, der so dicht belaubt war, daß selbst Slamin sich in der Menge der Zweige irrte und die genaue Zahl der kleinsten Blätter erst berausfand, als er sie mit Hülfe von klingenden Piastern zählte. Die Damen wurden bei dieser Nachricht bis zu Tränen gerührt und begannen einstimmig den Psalm: Preise, Jerusalem, den Herrn; Lobe Zion, Deinen Gott! Dann schritt mm: zur Verteilung dieser unverhofften Ernte und der heilige Eifer war so groß, daß die Damen sich in ihrer Aufopferung fast überboten und Pastor Zorn wieder- holen mußte: „Ordmmg, meine teuersten Schwestern? Ich bitte Sie Carum, Ordnung in Ihren Gedanken und Sammlung in Ihren Herzen!" Frau Nikodemus wurde dazu bestimmt, Nahrungsmittel zu liefern; Frau Fischer die Kleidung; Frau Simon flüssiges Geld; Cäcilie die Bibeln; andere boten ihre Häuser, ihre Bitten, ihr Tafelgeschirr und selbst ihren bescheidenen Jetschmuck an. Darüber vergaß man sogar den Fingerhut voll Malaga und das Stückchen Napfkuchen, denn in die heilige Freude der Proselytenmacherei mischte sich noch der Stolz eines Triumphs über die Lateiner und Schismatiker, sowie die Genugtuung über die Relwbilitierung in den Augen der Glaubensgenossen und entfernteren Anhänger. In der Tat genossen Slamin und seine wirkliche und adoptierte Familie einen abscheulichen Ruf: verdächtige Dol- metscher, Antiquitätenfälscher, Maler, Badewärter, Kupp- lerinnen, Haarausrupferinnen, Klageweiber— Männer und Frauen einander würdig. Hat aber Jesus nicht sein Reich den Zöllnern uni> Sünderinnen geöffnet? Durfte man strenger sein als er? *. � Am folgenden Tage begann Herr Zorn selbst mit der Ein- führung Slamins in den Katechismus; gar nicht genug konnte er diesen Schüler loben, dessen Begeisterung für den neuen Glauben und Abscheu vor dem alten Götzendienst ihm den Text zu einer Predigt über die Sprüche„die Letzten werden die Ersten sein" und„der Diener oft mehr wert als der Herr", lieferten. Im Geheimen schmeichelte er sich mit der Hoffnung, aus diesem Heiligenbilder-Maler mit der Zeit einen lutherischen Missionar zu machen. Eines Tages gestand ihm der Araber im Laufe einer schrecklichen Reueszene, daß er Falsifikate angefertigt habe. „Das ist sehr schlimm, aber was hast Du mit diesen Falsifikaten gemacht?" „Ich habe sie in die Sammlung des Herrn Famain ein- geschmuggelt." „Falsifikate! Es gibt Falsifikate in den Sammlungen des Herrn Jamain?" Vor Erregung nahm der Pastor seine Brille ab und klappte das Testament zu, daß es laut schallte. „Ist's auch wahr, was Du da sagst?" „Könnte ich denn wohl Gewissensbisse über eine Sünde empfinden, die ich nicht begangen habe? Aber Jesus wird mir verzechen, nicht wahr?" „Gewiß; aber welcher Art war das Falsifikat?" „Eine irdene Vase." „Nur eine?" „Ja, eine einzige... nein, drei... vier... zehn.. Und hinter seineu tief herabgesenkten Wimpern beobachtete Slamin die schlecht verhehlte Freude des Pastors. „Und warum hast Du das getan?" „Um Geld zu verdienen. Mein früherer Herr war groß- mütig und gab mir für jedes Stück einen Backschisch. Ach, es war meine Glanzperiode! Aber jetzt, ja, Herr, jetzt habe ich keinen Para mehr. Mein Weib hat heute Nacht wieder vor Hunger geweint. Ich sagte zu ihr: Schweige und lies die Bibel. Sie aber antwortete mir:„Davon werde ich nickst satt." — Wie, Sünderin, erwiderte ich, Herr Zorn lehrt uns täglich, daß darin das ewige Brot und der Urquell des Lebens ist, was brauchst Du also noch mehr? Sie aber fuhr fort zu klagen: „Ich wollte, es wäre noch die Zeit, da wir katholisch waren!" — Unglückliche, willst Du mich denn wieder dazu zwingen, Falsifikate anzufertigen?—„Gott segne Dich, nein! Aber gestehe alles unserem guten, reichen Herrn Pastor, er wird es Dir lohnen." Und Herr Zorn wird in der Tat die Seele Slamins be- lohnen. (Fortsetzung folgt.! (Nachdruck verböte».) Die Kalilalzc» Unter tem Namen Kalisalze wird eine ganze Gruppe miteiu- ander verwandter Salze zusammengefaßt. Die mächtigsten Lager bildet unter ihnen der Carnallit, der, an sich farblos und wasserhell, durch Beimengungen von Eisenoxyd und anderen Stoffen dunkelrot, rosa oder gelb gefärbt ist. Carnallit ist aus einer Verbindung von Chlorkalium und Chlormagncfium mit Wasser hervorgegangen. Die Stärke der Carnallitregion bcläust sich auf 15— 40 Meter. In weit geringerer Menge vertreten ist der Kainit, der bald iveiß, gelb oder rosa, bald grau und schwarz gefärbt ist und eine Verbindung von schwefelsaurer Kalirnagnesia und Chlorumgnefia darstellt. Der Kieserit, der aus scbwcfclsaurer Maguesia besteht, bildet mit dem Sylvin— reinem Chlorkalium— und dem Steinsalz ein Gemenge, das als Hartsalz bezeichnet wird. Das Hartsalz stimmt ziemlich mit dem Kainit übercin, nur ist sein Wassergehalt geringer und die einzelnen Bestandteile find in einein etwas anderen Verhältnis gruppiert. Fehlt iu diesem Gemenge der Kieserit, und finden sich dafür in dem vom Steinsalz durSsetzten Sylvin kleinere Mengen von Kainit vor, so ergibt sich der Sylvinit. Dazu gesellen sich dann itoÄ vcrschicdci'e cuJcrc Salze, wie der Schönit, der Ttatzsurt.it, der Tachyörit, Lercn Borkommen seltener und spärlicher ist. Die Kalisalzlagerstätten bilden ein Glied der oberen Zechstein- formation. In dem ältesten Fundgebiet. dem Magdeburger-Halber- städter Becken, liegen sie einer machtigen Ablagerung von älterem Steinsalz auf. Wegen seiner Verunreinigungen wird dieses ältere Steinsalz nicht abgebaut. Ueberlagert sind die Kalisalzschichten von einer wasserdichten Decke von Salzton und schweselsourem Kalk, auf die nach oben hin das jüngere Steinsalz folgt, das ziemlich frei von Beimischungen ist und darum abgebaut wird, lieber dem jüngeren Sternsalz breiten sich GipS, bunter Lettenschiefer, Kalksteinbänke und Rogensteinschichten aus, die der unteren Bundsand- steinsormation angehören. Die Gesamtmächtigkeit aller dieser Schichten, also ihre Stärke, beträgt gegen 1500 Meter. Davon entfallen etwa 900 Meter auf das ältere Steinsalz, 100 Meter auf die Kalisalzablagerungen und der Rest auf das jüngere Steinsalz und seine Decke. Das ist der allgemeine Grundritz. Aber wir können diese Ab- lagerungen noch feiner zergliedern und damit zugleich einen Blick in ihre Entstehung vor Hunderttausenden von Jahren tun. Als das Meer noch die norddeutsche Tiefebene überflutete, bildeten sich an der damaligen Küste Buchten und Becken, die mit dem Ozean nur durch enge Kanäle in Verbindung standen oder durch Barren, über die die See nur ausnahmsweise hinüberwogte, abgeschlossen wurden. Diese Buchten und Becken stellten daher riesige Salz- Pfannen dar. Unter dem Einflutz der sommerlichen Wärme ver- dunstete ihr Wasser mehr und mehr und die noch zurückbleibenden Massen erhielten einen immer höheren Salzgehalt. Endlich kam es zur Ausscheidung der einzelnen Bestandteile der laugenartigen Ansammlungen der Becken. Zuerst wurde der schwefelsaure Kalk in der wasserfreien Form oder der Anhydrit ausgefällt. Die Aus» scheidung des Anhydrits erfolgte wahrscheinlich in der lühleren Jahreshälfte. In der wärmeren Jahreshälfte hingegen ging die Ausscheidung des Steinsalzes vor sich. Diese wechseltveise Ab- lagcrung von Anhydrit und Steinsalz, durch die das ältere Stein- salzlager geschaffen wurde, dauerte einen gewaltigen Zeitraum hin- durch an. Vom Bergmann werden die abgesetzten Anhydritschnüre Jahresringe genannt. Die Zahl der Anhydritschnüre wird auf 13 000 geschätzt. Soviel Jahre waren also nötig, um nur das ältere Steinsalz aufzubauen! Aber der Ausscheidungsprozetz wickelte sich noch weiter ab. Die Lauge der Becken wurde immer konzentrierter. Noch immer zwar wurde Steinsalz ausgefällt, dagegen wurde nun statt des Anhydrits der Pvlyhalit abgesetzt, ein Salz, das aus schwefelsaurem Kalk, schwefelsaurem Kali und schwefelsaurer Magnesia besteht. So bildete sich die Polyhalitregion. Doch auch die Polyhalitausscheidung nahm ein Ende. Sie wurde von der Niederschlagung des Kieserits ab- gelöst, der, wie schon erwähnt, aus schwefelsaurer Magnesia besteht. Nun erst vollzog sich die Ausscheidung der Kalisalze, die in Form des Carnallits abgelagert wurden. Die Mächtigkeit der Carnallit- regio»«, zwischen der noch schwächere Steinsalz- und Kieseritbänke abwechseln, bemitzt sich auf 15—40 Meter. Nach dieser Ablagerung mutz eine klimatische oder tektonische Acnderung eingetreten sein. Denn auf den Carnallit legte sich jetzt eine Decke von Sälzton, in dem Ton mit Magnesia und Kalksalzen gemischt sind. Wie schon be- merkt ist dieser Ton �durchlässig, und so verhinderte er denn das Eindringen von Sickerwässern in die Carnallitrcgion und ihre Auf- lösung. Jetzt aber kam es abermals zu einer Veränderung. Es müssen ähnliche Verhältnisse wiedergekehrt sein, wie sie am Beginn der ganzen Periode herrschten. Denn es lagerte sich nun nochmals Anhydrit ab und diesem folgte dann das jüngere Steinsalz. Doch von neuem vollzog sich eine Acnderung. Die Steinsalzausschcidung hörte auf, und über das jünger« Steinsalz breiteten sich jene, jetzt aus Gips, Lettern Kalkstein und Rogenstein bestehenden Schichten, die es nach der Oberfläche zu abschlietzen. Aber das Ablagerungsgcbiet blieb nicht in seiner ursprünglich mehr oder weniger horizontalen Schichtung erhalten. Durch Druck- Wirkungen von dieser oder jener Seite wurden die Schichten empor- geschoben, ausgerichtet und zerrissen. Stellenweise bützten sie so ihre undurchlässigen Decken ein, und nun begann auch das Wasser sein« auflösende Arbeit an ihnen. Zum Teil fratz es die Carnallit- region ganz weg, zum Teil aber änderte es sie nur um. Hatte das Wasser nur kürzere Zeit zu ihr Zutritt, so entzog es dem Carnallit das leicht lösliche Chlormagnesiurr und es entstand so entweder der Sylvin oder auch das Hartsa.-. Konnte es aber seinen zer- setzenden Einflutz längere Zeit aus.. cn, so traten das Chlorkalium des Carnallits und die schwefelsaure Magnesia des Kieserits in Wechselwirkung und es bildete sich der Kainit. Erschlossen werden die Kaltsalzlagerstättc»» durch das Niederbringen von Schächten, deren Durchtausung wegen der Schwimm- sandablagerungen und der andringenden Wassermassen in den klüf- tigen Schichten des Deckgebirges oft recht schwierig ist. Der Aus- bau der Schächte, die rund gehalten werden und eine lichte Weite von 4, 5 bis 6 Meter haben, erfolgt am sichersten mittels gutz- eiserner Segmente mit Bleidichtung und Betonhinterfüllung. Von den Schächten werden zuerst nach dem höchstgclegenen Teile des Lagers wagcrechte Gänge, die Ouerschläge oder Strecken, getrieben, die die Lagerstätte in ihrer ganzen Ticke durchqueren. Von hier aus wird sie nun durch Bohr- und Sprengarbeit aufgeschlossen. Di« hereingewonrwnen Salzmassen werden in Förderwagen auf Schienenglciscn zun» Schacht geschafft, wo sie durch Fördermaschinen zutage gehoben werden. U»»» ein Itachbrechen der über den Gruben- bauen Hangenden Gebirgsteile zu verhüten, werden die entstehenden Hohlräume mit älterem Steinsalz, Rückständen der Chloöialium- fabriken oder auch Bauschutt ausgefüllt. Kainit, Hartsalz und Sylvinit werden zuerst in Vormühlen, den Steinbrechern oder Glockenmühlen, und sodann in Fertig- mühlen gemahlen. Sie dienen als Düngemittel. Der Carnallit wird nur grob zermahlen, dann aber fabrikmäßig, hauptsächlich zur Gewinnung von Chlorkalium, weiter verarbeitet. Er wird nach der Zerkleinerung durch Elevatoren in Lösungskcssel von 12 Kribikmetcr Fassungsraum befördert, die kochende Chlormagnesiumlauge ent- halten und durch einströmenden Wasserdmnpf geheizt werden. Hierbei löst sich das Chlorkalium im Carnallit auf, während Steinsalz und Kieserit ungelöst im Rückstand verbleiben. Die erhaltene Lösung wird geklärt und flietzt dann in schmiedeeiserne Kristallisier- kästen, in denen nach eingetretener Abkühlung Chlorkalium kristalli- siert, das»roch mit Chlornatrium verunreinigt ist. Daher wird dieses Chlornatrium wiederholt mit kaltem Wasser gewaschen. Nachdem es auf diese Weise von seinen Beimengungen befreit ist, wird es in Kalzinieröfen getrocknet. Die Rückstände in den Klär- gefätzen werden als Kalidüngesalze in den Handel gebracht.— Noch langwieriger ist die Verarbeitung des Kaimts. Aus seiner Lösung wird teils schwefelsaure Kalimagnesia für Düngezwecke, teils mittels Chlorkalium Chlormagnesium und schwefelsaures Kali ge- Wonnen. Chlorkalium, schwefelsaure Kali»ind schwefelsaure Klüt- Magnesia tverden von der Industrie zu Pottasche, Aetzkali, Kali- salpeter, Alaun, Cyankalium, Broinkalium, Jodkalium, Mutlaaigen- salz usw. verwendet. Aus den Endlaugen werden hergestellt Brom, Chlor, Salzsäure, wozu noch als Nebenprodukte Glaubersalz und Bittersalz treten.— Theo Seelmann. Kleines feinlleton. — Urschel oder„Der sterbende Vogel". Der Fre»»nd erzählte: Vor Jahren brachte ich von einer Sonimerreise ein Kanarien- Weibchen mit. Die Vogclmutter hatte alle ihre Jimgen umgebracht bis auf eins. DaS hatte meine Mutter gerettet, es sorgsam auf- gezogen; und es war zutunlich geworden und ganz zahm. War ein Weibchen und erhielt den Namen Urschel, weil es stark war wie eine junge Bärin, gutmütig»md doch wieder verschmitzt, sobald der eigene Vorteil in Frage ka»n, oder wenn es galt, eine Spitzbüberei aus» zuüben. Der Vogel flog frei im Zimmer umher, kam morgens zur Mutter ins Bett, atz von allen Speisen, die der alten Frau schmeckten, krallte sich in das gestrickte Wolltuch ein, wcilii sie in den Garten ging, die schwarzen Johannisbeeren— das anders Beerenobft kam in andere Mägen— abzunehmen. Der Bruder hatte damals eine ganze Anzahl von Hecken, in den Zimmern schrie und trillerte, rollte und klingelte es wie in einer Vogelhandlung. In der allgemeinen Wertschätzung stand die Ursckiel obenan, noch vor den Harzer Vorsängern. Kurz vor der Abreise war's. Sagte die Mutter, während sie mir über die Hand strich:„Wenn ich»mr wüßt', was ich Dir mit- geben soll, datz D' Deine Freude dran hast." Hat mich ein Blick verraten? Ich weiß eS nicht. Aber ich weih, datz ich mich nie ge- traut haben würde, das Tierchen, an dem sie so hing, für mich zu verlangen. Plötzlich griff sie nach der Schulter und schob»»»ir den Vogel in die Hand.„Da hast Du die Urschel I Datz Du sie gut pflegen wirst, weitz ich. Vielleicht denkst Du dann doch das eine oder andere Mal an mich." So kam die Urschel nach Berlin. Sie fand einige Bluts- verwandte, die bereits früher eingetroffen, und war am zweiten Tage völlig eingewöhnt. Selbstverständlich hatte sie ihr eigenes Bauer, aber das Türchen stand den ganzen Tag offen. Und diese ganze Zeit war sie auf Entdeckungs- und Raubfahrten. Mutzte sie gar nichts inehr anzufangen, dann neckte sie die anderen Kanarien. Das Tollen-Männchen kam bei ihrem frechen Geinecker in so eine Wut, datz eS sich öfter als einmal schier den Kopf an den Drähten einstietz. Und nun war eS ergötzlich anzusehen, mit welchen Augen die beiden Frauen anfangs den Vogel betrachteten. Das war ihnen noch gar nicht vorgekommei». Gab's denn so was wirklich? Der einen ritz er den Zlvirn mitten im Nähen aus der Nadel, der anderen hämmerte er mit dem Schnabel a»lf eine Sommersprosse der Hand, datz sie im ersten Schreck aufschrie. Und dann kam wieder die kleine Urschel und nnschelte sich zwischen Hals und Rüsche, als wollte sie da verbleiben für immer. Auf einmal satz sie auf dem Futze und »neidete sich; flog anfs Knie, die Hand, krabbelte den Arm hinauf, vorn herum»»nd spähte, ob man ihr nichts anbieten wolle. Appetit hatte sie immer. Und fratz, pardon, atz alles, mit Ausnahme von Pfeffer: Salz-, Brat- und Quetschkartoffel, Reis, Mohrrüben, alle Sorten Knödel und Fleisch, grünen Salat, Aepfel, Bohnen, Linsen, Sago, besonders gern Salz»md Maccaroni. Ihr Kampf mit einer dünnen Vermicelli war ein Schaustück. Der Nudelfaden bewegte sich und sie brachte ihn nicht hinein und brachte ihn nicht hinein. Da wurde sie zornig. Fauchte. Schrie. Trat mit den Fützcn auf den Widersacher. Spreizte die Flügel, ganz wild stand sie da. Half ih' alles nichts. Ganz bezwang sie das Ungeheuer nie. Brauche ich zu sagen, datz der Vogel bald als Wimderticr galt? Wer kam, wollte ihn sehen.„Urschel, wo bischt?" Aber das Mädchen hatte eS geivöhnlich nicht so eilig. Kroch sie dann hervor, hinter dem Ofen, sah sie aus wie ein schlechtgewaschener Rauch fang- kehrer; satz sie hinter der Gardine,»nutzten erst drei der langen Fäden losgcmatöt werden. Das gab dann ein schönes Loch. Mählich ivurden die beiden Franen eifersüchtig, und die Besucher kamen nicht mehr so häufig. Es schien mir sogar, als neidete die eine der anderen die Gunst des Vogels. So ging das wohl sechs, sieben Jahre. Zu Anfang des vorigen Sommers kam ich einmal gegen Abend nach Hause. An der Thüre ein verweintes Gesicht. „Giebf s was?" ..Die Urschel l... Ach. die Urschel!" Sinn hat man da. in der linken Brust, einen pfundigen Kriesel. Er hilft— manchmal. „Wird sich überfressen haben, das.. „Nein, sie stirbt." Blitzschnell sah ich das Gesicht meiner Mutter. Der Stock flog in den Behälter, der Hut auf den Nagel. Sagen wir drei um den Tisch. In der Mitte eine Pappschachtel, in der früher Chier Langschnitt gewesen, mit dem ich Mitarbeiter geangelt. Da hinein hatten sie die Urschel gebettet. In Watte. Ein kleines Wassergefäh stand vor ihrem Schnabel, einiges Futter lag daneben. Schon rollte» sich Klage und Gegenklage ab. „Da war sie auf dem Tisch gesessen, auf einmal fiel sie hin." „Ja, und ganz plötzlich. Wie wenn sie der Schlag getroffen Hütt'!" „Gestern hat sie Mama noch am Haar gezupft; und jetzt rührt sie nicht mal das Eierfutter mehr an." „Ja, und heut' hat sie den Emeran geärgert und ist auf den Oleandern gewesen..." „Da hat sie was gefressen l" „Nein, nein, sie ist gleich wieder weg. Ich kann eS mir nicht anders erklären, sie muff das Reißen haben..." „Sie kann nicht mehr die Augen offen halten... Sie stirbt I... Sie stirbt l..." Und wieder rollten und liefen die Tränen. Am andern Morgen war mein erster Gang zur Urschel. Die lag noch in der Schachtel. Aber sie hatte klare Augen und ließ sichs recht gut schmecken. Ich sah schärfer hin: Born lag die Urschel, hinten ein Ei, na. und so ging der Tod vorbei.. „Alles Tatsache?" fragte ich. „Wahrhaftig I" „Und lebt das Wundertier noch?" „Leider nein. Im Herbst ist es gestorben." „Auf einmal?" Ich sah die funkelnden Augen des Grimmbart und wollte ein- lenken. Schon fuhr er los I „Hast Du schon einmal sechs Eier gelegt? In einem Sommer?" Jetzt war es höchste Zeit. Bescheiden und ergeben sagte ich: „Ich weiß, daß ein Oberpfälzer gröber sein kann als zehn Alt- bayern: Ausgesuchte Leute, Holzknechte und Floßmeistcr: ich weiß, daß alle?, was Du früher gesagt hast, wahr ist; ich weiß, daß da?, was Du mir jetzt erzählt hast, die reine und unverfälschte Wahrheit ist; ich alaube, daß alles wahr sein wird, was Du jemals erzählen wirst, vis in alle Ewigkeit..." Dem Kerl kroch nicht mal ein Schmunzeln um die Lippen.— Theater. Die Schlierscer im Berliner Theater.„In der Sommer- frisch'«". Volksstück mit Gesang in 4 Akten von Benno Rauchcnegger und Konrad Dreher. Musik von Emil Kaiser.— Zwei Münchener Humoristen von feststchendem Ruf sind die Verfasser dieses Stückes, das, wie bisher überall, so nun auch hier mit ungemischter Freude aufgenommen wurde und den Schlierseern die Gunst des Berliner Theaterpublikums dauernd erhalten wird. Das Sujet liegt auf obcrbayerischcm Boden und ist gesättigt mit urkräftigem Lokalkolorit. Träger der Handlung ist der Rentier Bonifaz Zacherl, eine glänzende Paraderolle, die sich Konrad Dreher auf, den Leib geschrieben und die sein bäuer- licher Meisterschüler Xaver Terofal mit allen Finessen seines unzweifelhaft komischen Darstcllertalcntcs höchst wirksam zur Er- scheinung bringt. Bonifaz Zacherl, ein schwer reicher Münchencr Schweincmctzger a. D., hat beschlossen, mit seiner Familie nach einem von der Kultur noch nicht„bcschleckten" oberbayerischcn Ge- birgsdorf„in die Sommerfrisch'n" zu gehen, um sich dort einmal an der derben Urwüchsigkeit des Bauernvolkes zu.erholen. So ein Gesundbad scheint er wirklich zu bedürfen; denn seine Frau hat es nun, da sie Rentiere geworden ist, mit der„Büldung" zu tun. Sie macht eifrig in„Frauencmanzipation"; dazu muß die einzige Tochter„auf den Doktor" studieren. Aus all diesen In- gredienzicn ergibt sich, wie man schon erraten kann, eine an Situationskomik und drastischen Kontrasten reiche Handlung, die sich vom 2. Akt an in„Latschenthalhauscn", also„in der Sommer- frisch'«" abspielt und die Zuschauer nicht mehr aus dem Lachen kommen läßt. Zachcrls Programmnummern heißen: Finger- häkeln, Kammcrfcnstcrln, Prcisschießen, Ringen, Bcrgkraxelci mit einer Gclegenheitsjagd auf Gemsen. ,Wic es ihm, dem„Stadt- frack", bei dem allem ergehen wird, bedarf keiner näheren Schilde- rung. Genug sei, zu sagen, daß Zacherl regelmäßig hereinfällt, und daß die Belustigung für jeden anderen kein Ende nimmt. Das trifft natürlich auf für Frau Zacherl zu, die mit ihren Emanzi- pationsbcstrcbungcn bei den Bauernwcibern von Latschenthalhausen kein Glück hat. Selbst die Tochter läßt locker. Man sieht sie bald auf dem Pfad der Liebe; sie wird den Doktor nicht machen. Trotz- dem kriegt sie ihn, und zwar in der leibhaftigen Gestalt ihres seit- herigen Jnstruktors, des Dr. Holberg. Der letzte Akt bringt hoch droben auf einer Almhütte die nach dem bewährten.Rezept:„in tausend Aengsten" äußerst effektvoll zurechtgemachte Schürzung und alle und jeden befriedigende Lösung des Knotens. Das grotesk- komische Stück verfehlt auch selbst bei Zensurstrichen, die nament- lich im 2. Akt offenbar wurden, nicht seine todsichere Wirkung auf das Zwerchfell. Daß alle Haupt- und Nebenrollendarsteller, sogar das männliche Trio der von Frau Emerentia Zacherl zu Tee Ge- ladenen, größtenteils ganz prächtige Leistungen bieten, versteht sich für die Schlierseer beinahe von selber.— e. k. Medizinisches. hr. Trockene Frottierung gegen nervöse Schmerzen. Nervöse Schmerzen sind solche, bei welchen auch durch eine sehr eingehende Untersuchung ein organi- sches Leiden als Grundlage nicht festgestellt werden kann. Man muß daher als Entstehungsart der nervösen Schmerzen die Nerven selbst betrachten. Solche Schmerzen haben ihren Sitz im Rücken, im Hinterkopf, in der Hüftgegend und auch in den Beinen. Sie zeichnen sich oft durch große Hartnäckig- keit aus und trotzen der üblichen Behandlung mit Massage, Elektrizität und Wasserprozeduren. Will man diesen Nerven- schmerzen gründlich zuleibe gehen, so muß man sie ursächlich be- handeln. Sie beruhen nämlich oft auf gänzlicher oder teilweiser Vernachlässigung der Tätigkeit der Hautnerven» infolge Ver- weichlickung und Verzärtelung durch die Kleidung, unnötige Angst bor Erkältung, Fernhaltung der atmosphärischen Luft von unserem Körper. Daher werden von den heutigen Kulturmenschen schon schwache Reize ungewöhnlich stark empfunden und die Schmerz- empfindlichkcit ist gesteigert. Von diesen Erwägungen ausgehend. wendet Dr. Lots in Fricdrichsroda, um die Hautnerven in Funktion treten zu lassen und sie zur regen Tätigkeit anzuhalten, bei Nervenschmerzen trockene Frottierungen mit einem rauhen Tuche aus Wolle oder Baumwolle an, und zwar mit bestem Erfolge; schon nach mäßigen Frottierungen verschwinden die Schmerzen oder bessern sich wenigstens bedeutend.— HnmoristischeS. — Die Hauptsache. Schmierendirektor szum stelle- suchenden Mimen):„Die Kritiken sind ja alle vorzüglich, die Sie mitbringen; aber da Sie bei uns den Bonvivant spielen sollen, müssen wir mal erst sehen, ob Ihnen auch unser Zylinder paßt I"— — Pfiffig. Bürgermeister:„... Und was für Ver- dachtSgründe haben Sie denn eigentlich, daß der Eingelieferte der gesuchte Mörder ist?" Polizeidiener:„Ja hauptsächlich, weil er leugnet— das ist immer verdächtig I"— — Viel verlangt. Neue Gutsbesitzerin(zum Ver- Walter):„Der Hühnerstall gefällt mir sehr gut— aber das ewige Gackern geniert mich I... Hoffentlich werden sich die Hühner mit der Zeit diese Bauernmanier abgewöhnen I"— (.Fliegende Blätter.") Notizen. — Carlot R e u l i n g s vieraktiges Schauspiel„Mahner" hatte bei der Uraufführung im Kölner alten Stadt« Theater Erfolg.— — Die Künstlerkolonie in Darmstadt dürfte in kurzer Zeit von der Bildfläche verschwinden. Von den„Alten" waren noch die Bildhauer H a b i ch und O l b r i ch übrig geblieben. An Habich erging ein Ruf von Stuttgart, Olbrich hat draußen genug Aufträge, die ihn voll beschäftigen.— — Der italienische Unterrichtsnnnister hat eine Kommission von Künstlern und Fachleuten eingesetzt, die Vorschläge machen soll, wie Leonardos„Abendmahl" vor weiterem Verfall bewahrt werden kann.— — Im Bezirke der Amtshauptmannschaft OelSnitz wurden in den Jahren von 1889 bis Ende 1904 37 505 Kreuzottern gefangen und gegen Fanggeld abgeliefert.— — In den S ü d p o l a r g e b i e t e n hat man bis jetzt 46 ver- schieden- Moosarten gefunden. Die Pflanzen sind trotz der Kälte von kräftigem Wuchs, kommen aber selten zur Frucht- bildung.— — Um die Spargelanlagen bor Beschädigungen durch die Spargelfliege zu schützen, rät der„Praktische Ratgeber", in den Feldern vom dritten Jahre ab mindestens bis zum 10. Juni alle Pfeifen zu stechen. Die Fliege treibt nur im Mai und den ersten Jnnitagen ihr Unlvesen, nach dem 10. Juni konnte sie nicht mehr beobachtet werden.— — Unglaublich. Die Tochter Ludwig XIV. betrachtete einmal die Hand ihrer Bonne, zählte die Finger und sagte ganz erstaunt:„Wie? Sie haben auch fünf Finger, ganz wie ich?" Und dann zählte sie noch einmal.— Berantwortl. Redakteur: HanS Weber, Berlin.— Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u.VerlagSanstaltPaul Singer äcCo., Berlin