Ur. 378, Adsnnemtitts-Kedingungen: /lbonnemenIS- Preis pränumerando: «ierteljährl. Z,S0 Md. monald l.lvMd. wöchentlich 23 Pfg. frei in- HauZ. Einzelne Nummer S Plg. Sonntags- Nummer mit iNuNricrler Sonntags- Lcilage„Die Neue Well" 10 Pfg. Post- Ilbomiement: 3,30 Mar! pro Quartal. Eingetragen in der Post- ZeilnngS- Preisliste für Ivso unter vr. 7320» linier itrenzdand für Deutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Marl, für da? übrige«»bland 3 Marl pro Monat. Erschrinl täglich«iifjec Aonksg». Vevlinev VolKsblskt. 16. Jahrg. Die Insertions-Vcliühr beträgt für die sechsgespaltene Kolonel» zeile oder deren Raum so Pfg., für politische und gewerlschaslltche Berlins- und BerfammlungS- Anzeigen 20 Pfg. „Kleine Ziuleigen" jedes Wort 5 Pfg. (nur das erste Wort fett). Jnferate für die nächste Nummer müssen biS 4 Uhr nachmittags in derSxpedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen- tagen biS 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bt» 8 Uhr vormittags geöffnet. Fernsprecher: Sml l, Cr. 1308- Telegramm-Adresfe: „Sorinldemokrnt Berlin" Centrawrgan der soomldemokratischen Partei Deutschlands. Krdaltiion: SW. 19, Brilth-Strasze 2. Dienstag, den 38. November 18{)9. Expedition: SW. 19, Venth-Straste 3. Die wissenschaftliche Leibgarde Schweinbnrgs. Deutsche Professoren, darunter zahlreiche von der Universität Verlin. haben sich zu einer„freien Vereinigung für Flottenvorträge" zusamuieugcschlosseu. Sie wollen zum Volle herabsteigen und ihre loisseuschaftliche Autorität in die Dienste der von Herrn Schweinburg geleiteten Flotten Agitation stellen. Neben Vorträgen, deren ersten Herr Pro fessor Schmollcr halten Ivird, wirken die wissenschaftlichen Leuchten auch publizistisch.„Lokal- Anzeiger" und„Tie Woche" des Herrn Scherl sind vornchwlich die Organe, in denen dem Volke wissenschaftlich die Notwendigkeit einer starken Kriegsflotte nachgewiesen werden soll. Die Herren Professoren mögen in ihrem engeren Fache sehr gescheute und kenntnisreiche Herren sein, politisch sind sie keine Autoritäten, sondern Männer, die nur allzu leicht und allzu oft ihr Wissen in den Dien st jeder mächtigen Strömung stellen. Wir glauben zu dieser Qualifikation der deutschen Professoren umso berechtigter zu sein, als gerade bei der Beurteilung der Flottcufrage die innere Haltlosigkeit der Herren vor der Wissenschaft deutlich zu Tage tritt. Unter den zahlreichen Professoren für Flotten- Propaganda befindet sich auch Adolf Wagner. Derselbe hat sich noch vor kurzein— es war zu Anfang dieses Jahres— ganz energisch gegen eine Weltpolitik Deutsch- l a n d s ausgesprochen. Es ist der Mühe wert, das Verhalten eines solchen Professors dem deutschen Volke ein wenig vorzuführen, damit es zu einer richtigen Einschätzung der sogenannten wissenschaftlichen Autorität auf dem Gebiete der Politik gelangt. Prof. Wagner führte damals in einem Artikel über den Wert der deutschen See- und Export interessen aus: Mau werde Eisenbahnen von vielen Tausend Kilometern bauen, neue Handelsflotten würden entflohen und ein großartiger Güteraustausch werde eingeleitet tvcrdcu. Seien dabei ivirtiich für nnscren VolkSivohIstand so viele dauernde Vorteile zu gc- wältigen? Jedes Ding habe als Naturprodukt eineu gewissen Wert, der sich bei der Verwandlung zum Fabrikat um den Preis der Arbeit vermehre, ivclche an den Gegenstand gewendet werde. Unsere ökonomische Uebcrlcgcnheit beruhe auf hie Dauer darauf. daß wir durch Verbesserung der Technik die Kosten des Noh- Produktes und des Fabrikats vermindern. Das habe aber doch immer seine Grenzen. Dann drücke die Konkurrenz auf den Arbeitslohn und Gewinn. Hier aber drohe der Sieg dessen, der mit den niedrigsten Löhnen arbeite» könne, und das sei der „Asiate".«Ist sonnt"— fährt Wagner wörtlich fort—«wirklich eine Besserung des Wohlstandes des Bürgers von solcher EM- wicklnug zu erwarten? Die Lebcnsbedinginigeil werden dadurch nur komplicierter. Was aber diese Schwierigkeiten verschärft, das ist die Steigerung der socialen Gegensätze. In erster Linie werden ja bei solcher Ausweitung des Weltmarktes jene Kreise profiticrcn, welche die gegebenen Konjmiktnrcn im großen auSztnnitzcn vcr- mögen, kaustnännische, induftrielle Großmitenlehmungen. ES wird mit der Ansammlung großer Kapitalien in den Händen einzelner der Luxus solcher Kreise wieder einen ungeheuren Aufschwung nehmen, die Kapitalübermncht derselben noch wachsen, damit aber auch die Gefährdung großer Existenzengruppen sich steigern". Tie Ausführungen Wagners bedeuten eine cnt- schiedene Verurteilung der von den Kolonial- und Ueberseeschwärmcrn gewünschten Wclthandclspolitik. Als eine solche wurden die Ausführungen Wagners in der That auch von aller Qeffcntlichkeit aufgefaßt, wie auch eine scharfe Polemik des„Deutschen Oekouoiuist" gegen Wagners Aus fllhruugeii seiner Zeit deutlich bewies. Steht man nun aber grundsätzlich auf diesem Standpunkte Wagners und erblickt mit ihm in der Exporthandelspolitik eine Gefahr für Deutsch- land, so muß man logischcrweise zur Ablehnung jeder Flotte»- Vorlage gelangen, denn die Kriegsflotte wird als FörderungS- und Schutzmittel des zu vermehrenden Exporthandels au- gepriesen. Von einem schwer gelehrten Professor wie Herr Adolf Wagncrmöchte man ein solch konsequentes Verhalten immer noch erwarten. Aber weit gefehlt. Nicht nur etwa Schirp irnd Scherl, auch Wagner macht alles: er verwirst eine deutsche Wcltpolitik, tritt aber unentwegt für die Vergrößerung der deutschen Flotte ein. Daß bei einem solchen Verhalten die wissenschaftliche Autorität zum Teufel gehen muß, ist an- scheinend Nebensache. Nicht nur ist Wagner Mitglied des Vereins für Flottenvorträge, er wettert auch in der„Woche" gegen die„S teu ers ch e u" des deutschen Volkes und er- geht sich dort in einer Flottenbegcistcrung, die einem Schweinburg alle Ehre machen würde. Dies Widerspruchs- volle Verhalten ist für die gesamte deutsche Professorenwelt geradezu typisch. Wir behaupten nicht, daß es nicht auch noch Professoren gebe. die über die Wahrung ihres beruflichen Ansehens ernster denken, aber diese sind in der Minorität. Gegenüber dem hochtrabenden Wesen der Berliner Professoren berührt es schon überaus augenehm, wenn ein deutscher Professor einer Marinevorlage gegenüber so kühl sich verhält, wie der Erlanger Germauist S t c i n m e h e r, der über sein Urteil wegen der Marincvorlage befragt, sich stir inkompetent erklärt und nur bitter bemerkt: «Ich könnte nur von meinem subjektiven Standpunkt aus als deutscher Gelehrter und Angehöriger einer deutschen Universität dein Stoßseufzer Ausdruck geben: Was könnte nicht alles für die deutschen Univcrfitätcn, die ost jahrelang um wenige Tanseudc von Mark petitionieren müssen, geschehen und welcher Gewinn könnte der Vildung Deutschland zugeführt werden, wenn der Kostenbetrag auch nur cinrS einzigen Panzer- schiffrö nntcr den deutschen Hochschulen zur Verteilung gc- langte." Das Dioskurenpaar Schmollcr und Wagner lächelt über diesen Professor aus der alten Schule: sie finden das Ansehen der Wissenschaft ivcit besser gewahrt durch ein Zusammcitgchcn mit Schiveinburg und Scherl. politische MvbevNchk. Berlin, den 27, November. Der Reichstag beschleunigie auch heute nicht das Tempo seiner Beratungen, ivohl aber verschärfte sich der Ton der Debatte. Schon in den beiden letzten Sitzungen offenbarte sich eine zunehmende Gereiztheit, und zwar gerade bei solchen bürgerlichen Ab- geordneten, die bisher in Beiirteilirng socialpolitischer Fragen Objektivität gezeigt hatten. Auffällig ist das nicht. Es erklärt sich psychologisch als eine Art Reaktion gegen die bei Verwerfung des Z u ch t h a u s g e s e tz e s bewiesene Energie. Es liegt in der Natur des Bürgers, daß er über jede kräftige Handlung erschrickt und das Bedürfnis hat, zu beweisen, daß er nicht ein Löwe ist und auch keines Löwen Weib, sondern Snock der Schreiner und gute Bürger. Zu den Herren R ö s i ck e und Hitze, die uns am Sonnabend so drastisch ihre gut bürgerliche Gesinnung bekundet und uns dargethau haben, daß sie keine socialistischen Revolutionäre sind, sondern gute Bürger und Gescllschastsstütze», ist heute Herr v. H c y l. der Rivale und. soweit das Zuchthausgesctz in Frage stand, Antipode des Freiherrn v. Stumm, gekommen. Er entwickelte einen so großen kapitalistischen Reaktionseifcr, daß Kollege Stumm ganz in Schatten gestellt wurde. Beide Magnaten des Kapitalismus schienen die Rollen vertauscht zu haben. Herr v. Hcyl ging in seinem socialisteutötcrischeu Zorn so"weit, daß er den Socialdcmokraten vorwarf, sie wollten den jugendlichen Arbeitern und Arbeiterinnen bloß deshalb die stcie Verfügung über den Lohn sichern, um tüchtig Arbeitergroschen für sich herauszuschlagen. Als Bebel, der dem Herrn auch sonst nach Noten heimleuchtete, erklärt hatte, eine solche Behauptung verrate eine bedenkliche„Tiefe der Ge- sinnuug", verstieg der edle Freiherr sich zu der Behauptung. die Socialisten wollten die Familie und Ehe abschaffen. Und eine halbe Stunde laug hatten wir wieder eine reguläre Socialistcndcbatte, an der auch Graf Oriola und der fromme Herr Kaplan Hitze sich beteiligten. Man traute wirklich seinen Ohren nicht, als man aus dem Munde von sonst gebildeten und in ihren Kreisen sogar als Autoritäten geltenden Ab- geordneten vorsündflutlichcs Altweibergeschwätz vernahm, daö man im deutschen Reichstag nach der unglücklichen Richter- Bachemschen Zukunftsstaats-Dcbatte vor fünf oder sechs Jahren nicht mehr sür möglich gehalten hätte. Snock, der Schreiner, m u ß aber der Welt wissen lassen, daß er kein Löwe ist! der Welt konnte sonst angst werden. Scherz beiseite. Dieser Rückschlag war nach dem Votum des 16. November, das die Zuchthausvorlagc verscharrte, zu erwarten. Die Vertreter der Bourgeoisie, auch die radikalsten und vorurteilfreiestcn, können nur so weit mit uns gehen, als die Interessen ihrer Klasse es ihnen gestatten: und sobald»vir Rcfonnen vorschlagen, die unter die Oberfläche der bürgerlichen Gesellschaft gehen, so müssen sie. als Vertreter ihrer Klasse, sich gegen uns wenden. Das liegt min einmal i» ihrer Natur. Wie dem sei, die Socialistentötcr werden mit dem heutigen Tag nicht sehr zufrieden sein. Die Genossen Bebel und Molkcnbuhr haben den Herren eine Lektion gegeben, die ihnen zwar nicht gefallen, aber vielleicht ctivas nützen wird, wenn sie der Belehrung überhaupt noch fähig sind. Die Kommissionsanträge wurden angenommen, und unsere Anträge bezüglich der Lohnzahlung— namentlich daß in allen Betrieben die Freitagszahlung eingeführt»verde— »vurden verworfen. Die Beratung gelangte heute mir bis zu Artikel 7a. der das K r a« k c n V e r s i ch e r u n g s- G e s c tz abändert. Nächste Sitzung morgen 1 Uhr. Fortsetzung.— ZuchthauSvorlage durch— Polizeiverfügung. Polizei und Kammcrgericht haben die Negierung gerettet! In der gestrigen Sitzung des Kammergerichts ist die Revision eines Arbeiters, der Streikposten gestanden und dcStvcgen vom Landgericht zu 10 M. verurteilt worden war. zurückgewiesen worden.(Vcrgl. Gerichtsbericht a. a. Stelle.) Dannt ist von höchster Gerichtsstelle anerkannt, daß die Polizei da? Recht habe, ruhig einhergehenden Bürgern bestimmte Teile der Stadt als Verkehrsmittel zu entziehen, bloS, weil sie annimmt oder anzumhmen vorgiebt, die öffentliche Ordnung könne gefährdet»verde». ES ist natürlich in das freie Ermessen der Behörde gestellt, ob sie bei irgend- welchen Gelegenheiten„Störung der Ordnung" befürchtet oder nicht. So »Verden regelmäßig»viedcrkehrend bei höfischen Festen, Paraden, patrioti- schcm Klimbim ganze Straßenzügc und zwar die verkehrsreichsten der Hauptstadt häufig für viele Stunden gesperrt,»vodmch der Verkehr in den umliegenden Stadtvierteln geradezu lebensgefährlich »vird— macht nichts, eine Stönmg»vird darin nicht gefunden. Hier geht«in einzelner Arbeiter auf und ab im Interesse seiner für Besserung ihrer Lage kämpfenden Kollegen, und schon dadurch soll die Ordnung gefährdet sein. Das Streikpostenstehen ist für die Arbeiter unerläßlich. Bei Ausbruch eines Streiks sucht das Unter- nehmertum in der Regel Streikbrecher ans den cntfenttesten Winkeln heranzuziehen, ans Gegenden, in»velche die Kunde über die Wirt- schaftlichcn Kämpfe entlvedcr gar nicht oder doch nur langsam dringt. Die Unternehmer lassen es sich ein gut Stück Geld kosten. Leute hcranzlizichen, von denen sie annehmen, daß sie gewillt sind. Strcikarbcit zu verrichten. Aber cS gicbt fast keine Arbeiter mehr in Deutschland, die nicht »vcnigstcns teilweise die Notwendigkeit begriffe» hätten, daß sie mit ihren Klasscngcnosscn solidarisch handeln müssen. Für viele von den durch die Versprechungen der Unternehmer herbeigelockten Arbeiter genügt schon die JnkemitniSsctzung von der Lage der Dinge, um sie zur Abreise zu bcivcgcn; sie waren gar nicht in der Absicht gc- kommen, ihren Arbeitsbrüdcrn in den Rücken zu fallen, sie»viißten nichts vom Streik. Sie davon zu unterrichten, ist Sache der Streikposten. Das Recht des StreikpostcnstchcnS ist denn auch in allen fort- geschrittenen Ländern a u S d r ü ck l i ch anerkannt, so in dem engli- scheu«Conspirac� and Proporty Act", Aber auch das deutsche Gesetz verbietet wenigsteiis nicht das Streikpostcnstchen, unter Strafe steht»ur die Aiuvcnduug von Zivaug, Drohung, Gcivalt. Was aber das Gesetz nicht verbietet und»vaS die Scharfmacher und Herr v. PosadvtvSky vergeblich crstrcbtZhabcu, das macht-v die Polizei. Die Polizei nimmt au, die Ruhe könnte gefährdet»verde», nicht, lvcil der Streikposten zu Gelvaltthätigkeiten greift, sondern es bei dem Zusammentreffen mit Arbeitsivilligen dazu kommen könnte. Kommen„können" kann es aber in Berlin zn Schlägereien zu jeder Zeit und an jedem Ort, z. B. auch in den die ganze Nacht geöffneten„Eylinderdestillen". Wenn die Polizei logisch sein»vill, muß sie auch den Arbeitsivilligen den Vcr- kehr in dem betreffenden Stadtteil verbieten, denn durch ihr Zu« sammcntreffe» mit Streikenden kann es zu OrdnungSstvrungen kommen. Die Unternehmer können frohlocken. sie haben ohne Zuchthans« gcsctz erreicht,»vaS sie wünschen, dank der Polizei und— dem Kammergiricht. Diese höchste gerichtliche Entscheidung betveist,»vie notlvendig unsere Aniräge zur Sicherung der Koalitionsfreiheit sind, und»vcit entfernt, übermäßig radikal zu sein, könnten sie eher»och verschärst »vcrdcn, um das neben dem Wahlrecht»vcrtvollste Recht der Arbeiter auch gegen alle Angriffe einer ftrasvcrfiiguugslustigcu Polizei und anSlcgUligscifrigcr Gerichte zu bcivchrc».— Scheingefechte. —st.— Wien, 27. Novciilber. Die östreickjische Politst ist»vie ein Guckkasten: jeden Augenblick zeigt sie ein anderes Bild. Vorige Woche, nach den„Audienzen" beim Kaiser,»var die Stimniung Himmel- hochjauchzcnd. jetzt ist sie»viedcr ziemlich gedrückt. Die Jung- czechen machen nämlich Miene, sich dem Diktat von oben nicht zn fügen, das heißt, sie»vollen sich die Passierung der „Staatsnotivcndigkcit" durch irgendlvaS abkaufen lassen. Da die Rechte zu einem Sturm auf das gehaßte Ministerium nicht zu mobilisieren ist— eine offene Rebellion gegen den Willen der Krone können Polen, Feudale und Tcntfchklerikale natürlich nicht»vagen— so haben sich die Jungczechcn. uin nicht leer auszugehen, selbst zn einer„That" entschließen niüssen. Sie haben also ztvci Tage Obstruktion gemacht oder wenigstens so gcthan, als ob sie sie machen»volltcn. Die Jung- czechen brauchen nämlich, das ist der Schlüsse! der Situation, einen Erfolg. Gleichgültig»vas sür einen; sie müssen nur ciivas erreichen, um ihre erzürnten Wähler zu beruhigen, um den Krach ihrer Politik zu verdecken. Daß kann nur zlvcierlei sein: entlvedcr den Sturz eines Ministers oder die Wiedcrcinführting der czechischcn inneren Amtssprache in den czechischcn Gebieten von Böhmen und Mähren, Der als Opfer aiiserschenc Minister ist der Justizminister Krüdingcr: er beging nämlich das unverzeihliche Verbrechen, die Anfhcbimg der Sprachenverordunngen ernst zn nehmen und hat in einem Erlasse den Gerichten eingeschärft, sich »viedcr an die Bestimmungen zn halten, die vor Erlassnng der Sprachenverordunngen Rechtens»varen. Daß sich die Jungczechen auf seinen Sturz verbissen haben, zeigt den unsäglich läppischen, ja ordinären Charakter der jung- czcchischen Politik. Sie könnten eben so gut die Entlassung eines beliebigen Dinrnisten fordern, denn der Jnstizminiftcr ist ein unbeträchtlicher Ressortminister, der in diesem Falle nichts anderes gcthan hat, als seine Pflicht. Es mag zlvcifcl- Haft sein, ob es gut gcthan war, die Sprachenvcrordnungen aufzuheben, ohne an ihre Stelle ein Gesetz zu setzen; keinem Ziveifel kann es aber unterliegen, daß.»venn man sie auf- gehoben hat, man diesen Aufhebungsakt durchführen mußte. Es ist auch eine Portion Feigheit in dieser Wut gegen einen einzelnen Minister. Die Jungczechen haben nämlich erkannt, daß die Aussichten, die ganze Regiening oder auch nur ihren Chef zu stürzen, sehr geringe sind; sie haben sich also ent- en, gegen einen Minister besonders erbittert zu sein. ie man den Jungczechcn ihren Groll abkaufen»vill, ist im Augenblicke nicht zn erkennen; es ist auch wirklich gleich- gültig. Die Regierung läßt mit ihnen bereits verhandeln, und es ist nicht unmöglich, daß man ihnen in der Sprachen- frage etwas versprechen oder den Justizminister als Opfer hinwerfen wird. Was diesen Scheingefechten Bedeutung gicbt, das ist bloß der Umstand, daß durch sie die Un halt- barkeit dieses Parlaments neu aufgezeigt wird. Ein Parlamcutarismus wie dieser östrcichischc ist einfach ekelhaft, denn es fehlt ihm die Voraussetzung für jedes Zusammenwirken von Menschen: Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit. Nur die Gleichgültigkeit,»nit der die östreichischcn Völker „ihrem" Parlament gegenüberstehen, erklärt es. daß keine Partei Bedenken hat. ans den lächerlichsten Vorwänden heraus das Parlament zu zerschlagen. Das alles muß geschehen, dannt eine solche simple Selbstverständlichkeit wie ein Budgetprovisorium im Parlamente durchgesetzt wird? Die Krone greift zu dxn stärksten Pressionsmitteln, im Hause bricht die Obstruktion ans— und weshalb das alles? Wer mit den östrcichischen Dunimh'eitcn nicht vertraut ist. der ver- mag wohl nicht zu begreifen, daß eine Krise ausbricht, weil ein Minister ein Gesetz durchgeführt hat! Aber hinter all diesen abscheulichen Wirren verbirgt sich immer dieselbe Thatsache: die Unmöglichkeit eines Parlamentes, dessen Wurzeln abgestorben sind und dessen Triebkraft verdorrt ist.— *« � Deutsches Aeich. Sie thuil Buße. Nach dem Aufschwung der zweiten Beratung der Zuchthaus- Vorlage sind die bürgerlichen Parteien rasch in reuevoller Zcr- knlrschnng in sich gegangen und beteuern ihre gute lohalc Gesinnung. Basicrmann erscheint im demiitigen Büßergcwande, das Centrum schwört allem revolutionären Thun ab und Freisinn und Demo» kratie sitzen schirmend an den Grundsäulcu des Staates und der Panzer- thiire des Geldschrankes des Unternehmertums. Triumphierend darf Schweiuburg in den„Berliner Neuesten Nachrichten" verkünden, die uationalliberale Fraktion habe den einmütigen Beschluß gefaßt, die demonstrativen Anträge der Socialdemokcatcn zu 8 152 und 153 der Gewetbe-Ordnnng ohne weiteres abzu- lehnen. Und ein parlamentarischer Berichterstatter weiß über die geschäftliche Behandlung unserer Anträge zu melden, daß die Meinungen darüber zwar in den Fraktionen anScinandergehen, daß man aber einig sei, sie zu beseitigen: „Auf der einen Seite hält nian es für das beste, diese a» dieselbe Kommission, welche die Novelle zur Gewerbe- Ordnung durchberaten hat, zu verweise», auf solche Weise Zeit zu sparen und ein stilles BegrÄbuis zu bereiten, wenn die Frage, ob neue Anträge. die mit der Novelle selbst nicht in Zusammenhang stehen, selbständig der Konunissionsberatmig unterzogen Ivcrdcn können, bejaht wird. Andrerseits soll auch Neigung bestehen, daß die einzelnen Fraktionen knappe Erklärungen abgeben und damit die Anträge von voruhcreiu zurückweisen. Wie verlautet, würde in diesem Falle das Ecntrnm eine Erklärung mit motivierter Tagesordnung abgeben." Wir dürfen eigentlich diese Art der Behandlung für ein zart- sinniges Kompliment halte»: denn man scheint uns dadurch zn ver- stehen geben zn wollen, daß man uns bereits für völlig— regierungsfähig hält. Aber im Ernste gesprochen, bedeutet dieses Verhalten der bürgerlichen Parteien gerade das, lvas von unfern Anträgen fälschlicher Weise behauptet Ivird, eine Demo n st r a t i o n. eine Demonstration der über ihre eigene Kühnheit erschrockenen Bourgeoisie gegen die Socialdemokratie. In dem llebcreifcr, die gute biirgcr- liche Gesinnung der Regierung und den Scharfmachern gegenüber zn beweisen, übersehen die braven Leute ganz nnd gar, daß unsere Anträge doch auch zn ihren eigenen Programm- forderungen gehören. Das freisinnige Programm verlangt Bersammlungs- und Vereinsfreiheit sowie volle Wahrung des freien VereinigungSwescns der arbeitenden Klassen— mehr fordern auch unsere Anträge nicht, llnbeschränkte Koalitions- freihcit für alle verlangt auch die deutsche Volkspartci, ebenso wie in dcnr Centrumsprogramm die BcreinignngSfrcihcit der Arbeiter enthalten ist. In eine besonders komische Lage bringt sich das Centrum durch sein blindeifriges Demonstrieren gegen unsere Anträge, da diese ja, Ivie wir wiederholt betont haben, im ivesentlichcn nichts Ivciter dar- stellen als Ansführnnge» der Liebcrschcn Erklärungen in der ersten Lesung der Zuchthausvorlage. Trotzdem schreibt die„Kölnische V o l k s z c i t u n g": „Man muß gestehen, an Radikalismus lassen diese An- träge, als deren Verfasser der Abg. Heine genannt wird, nichts zu wünschen übrig. Alle Arbeiter und Beamte, anscheinend(!) sogar Offiziere und llntcrojsizicre, sollen zum Zweck der„Ein- Wirkung ans die Arbeits-, Gehalts- und Lohnverhältnissc" die weitestgehenden Befugnisse haben, die Arbeitgeber aber sollen bestraft werden, wenn sie das Koalitions- recht gebrauchen, um sich dagegen zn wehren. Man hat die' Anträge verschiedentlich nicht' ernst nehmen wollen und das insofern ohne Zweifel niit Recht, als die Antrag- stcllcr selbst nicht glauben werden, daß sie damit durch- dringen. Es ist ihnen zunächst nur um die Gelegenheit zu thun, sich mit de» denkbar höchste» Forderungen und mit einigen schönen Reden bei den Massen zu empfehlen. Von jeher war ja ihre Methode, aussichtslose Forderungen zn stellen und dann die anderen Parteien zu beschuldigen, sie meinten es nicht ehrlich mit den Arbeitern. Hätten die Herren irgendwelche • Hoffnung, durchzudringen, so würden sie wohl etwas vor- sichtiger in der Formüliernng ihrer„populären" Vorschläge gc- wesen sein. „Selbst der aufrichtigste Freund der Koalitionsfreiheit sieht sich außer stände, die wichtige Materie so aus dem Stegreif bei der zweiten Lesung einer Vorlage zu regeln, die von ganz anderen Dingen handelt. Es ist schön deshalb nicht an die Annahme der Anträge zn denken, weil damit die ganze Vorlage scheitern würde.... Darum bat es auch gar keinen Zweck, sich bei dieser Gelegenheit in weitläufige Debatten über die Einzelheiten der Anträge mit den Socialdemokratcn einzulassen. Mögen diese ihre Reden zur Empfehlung derselben hallen; aber" weiter wird nichts geschehen. Liegt den Antragstellern daran. sie nicht einfach abgelehnt zn sehen, sondern eine Verständigung zu erzielen, so mögen sie diese Frage von der Novelle ausscheiden und sie einer Kommission zur Vorbereitung überweise» helfen. Bekanntlich liegen vom Centrnm und anderen Parteien ichon mehrere Anträge über das KoalitionSrccht und die Organisationen der Arbeiter vor. Mit diesen zusammen mag man die social- demokratischen Anträge in einer Kommission eingehend prüfen Das Ccntrum wird zur Stelle sein, um den Arbeitern eine Koalitionssrcihcit zu verschaffen, die allen Anforderungen der Gc- rcchtigkcit entspricht. Beabsichtigen die Socialdcmölraten nicht bloß eine Dcmonstratiost und höhnische Herausforderung mit ihren Anträgen, so Ivcrdcn sie Gelegenheit haben, das zu beweisen Jni übrigen würde man sich vor ihren Demonstrationen auch keineswegs fürchten und eS nicht an Aufklärung der Massen über die wahreii Absichten der Antrag- steller fehlen lasse n." Es ist ja sehr liebenswürdig, daß das CentrumSorgan nnscrn Anträgen„der Ehre" cii»er KommissionSberatnng würdigen will— und die Scharfmachcrei vermerkt dem Blatt diese Auszeichnung sehr übel— aber wertvoller wäre eine sachliche Kritik unserer Vorschläge statt des thörichtcn Geredes über imsere demonstrativen Zwecke und der freien Erfindung,, daß. die Anträge die Arbeitgeber für ihre Ausübung des.Koalitionstcchts bestrafen wollen. Hoffentlich hat sich die„Köln. Volksztg." inzwischen durch unsere Darlegungen eines Besseren belehre» lassen nnd holt mm das Versäumte nach und erklärt, was mm eigxntlich in unseren Anträgen ihr anstößig er- scheint, die nichts wie die gesetzgeberische Umschreibung der gerade vom Eciitrum geforderten allgemeinen Koalitionsfreiheit darstellen. Wen» man schließlich die von»nS geforderte Bestrafung der Bcrhinderuilg an der AliSiibung.dcr Koalitionsfreiheit als etwas Unerhörtes bezeichnet, so sei daran erinnert, daß die s r a n z ö s i s ch e Kammer wiederholt eincii ähnlichen Antrag eingebracht hat. 1889 stellte Bocier-Lapierre.den folgenden Antrag: „Jeder— er sei Arbeitgeber, Werkführer oder Arbeiter— der überführt wird, daß er durch Androhung von Verlust der Bc- schäftigung oder durch Arbeitsentziehung, durch eine begründete Weigerung, Arbeit zn geben, durch Entlassung von Arbeitern und Angestellten wegen ihrer Zugehörigkeit zu einem Arbeiter- oder Untcrnehmcrsyndikate, durch Zwang oder Gewaltthätigkeiten, oder auch durch Versprechungen nnd Anerbietungen von Arbeit die Freiheit der gewerkschaftlichen Vereinigung beeinträchtigt oder die Ausübung der in dem Gesetze vom 21. März 1834 bestimmten Rechte verhindert, wird mit Gefängnis von 1—3 Monaten oder mit einer Buße von 100—2009 Fr. bestraft." Die französische Kammer hat den Gesetzentwurf am 17. Mai 1889 und am 13. Mai 1890(344 gegen 142 Stimmen) an g e- n o m m en, der Senat hat ihn beidemal verworfen. Am 19. März 1892 hat die Deputiertenkammer abermals das Gesetz cm- genommen, der Senat hat seitdem keine Entschließung getroffen. Sind ivir recht unterrichtet, so wird derselbe Antrag die Kammer demnächst abermals beschäftigen. Man sieht, der französische Antrag ist in der Tendenz mit dem uuscrigcn identisch, der nur aus dem bereits erörterten Grund der llcberflüssigkcit die Bestrafung des ParallelvcrgchenS der Arbeiter unterläßt. Jedenfalls zeigt unser Hinweis, wie wenig Anlaß vor- liegt, nnscre Forderungen als einen Ausfluß maßlosen Radikalismus nnd unernfter Dcmonstrationssncht zn denunzieren. Wohl aber geht aus der Entrüstung der bürgerlichen Parteien über unsere For- dernngcn eine socialpolitische Rückständigkeit und Sterilität hervor, die geradezu die Bankrotterklärung der Sccialrcformcrei ist.— Mit der Zlnflösnng der Parlamente rechnen nun auch die „Kreuz- Z e it n irg" und die„Deutsche Tageszeitung". Die Presse ist voll von Erörterungen über schwere innere Kämpfe. An Die Annahme des FlottrnplancS glaubt man nicht, nnd Fürst Hohenlohe soll durchaus an seinem nicht erfüllten Versprechen in Sachen des Vcreinsgcsctzcs noch vor dem 1. Januar 1900 sterben. Daß Lucanus dem Reichskanzler und dem Miqucl Besuche ab- gestattet, wird gleichfalls als Wcltuntcrgangszeichcn aufgefaßt. Wir wundern uns über nichts, envarten nichts und überraschen lassen wir uns erst recht nicht. Die schwere Krisis des herrschenden Systems dauert an, auch wenn keine Minister stürzen und leine Parlamente aufgelöst werden. Ter Obcrhofmcister der Universität. Die„Franks. Ztg." bestätigt, daß in dcrThat dcrFrhr. v. Mirbach, der Oberhofmeistcr der Kaiserin, sich berufen gefühlt hat. den Privatdocentcn P r c n ß wegen feiner unschuldigen frommen Citatc in der Stadtverordneten- Versammlung beim Rektor der llnivcrsität zu deminziercn— mit dem bekannten nnbcgrtifliche» Erfolge, daß die juristische Fakultät, anstatt den ungehörigen Brief in den Papierkorb zu werfen, dem Privatdocentcn seine Mißbilligung aussprach. Nach unserer Kenntnis der Dinge können wir hinzufügen, daß diese Mißbilligimg bereits erfolgt ist, bevor der Brief an die Stadtverordnctcn-Vcrsammlmig bekannt ivurde nnd damit die Angelegenheit eine principiclle Bedeutung erhielt. Die Fakultät ver- mutete offenbar nicht, daß die Sache noch die Lcffcntlichkcit bc- schäftigcn wurde und erteilte den Verweis, um dcn�Fall kurzerhand" ans der'Welt zn �schaffen'; vielleicht hatte sie Grund zu der Annahme, daß der Freiherr v. Mirbach eine Art Vorgesetzter des Kultusministers sei. und sie war deshalb bemüht, die Gelegen- heit zn einem lau givicrigcn Discipli»arvcrfah>.cn von Hans ans durch die Konzession eines Verweises zu beseitigen. Nehmen wir zur Ehre der juristischen Fakultät an, daß sie dann. als der Mirbach-Bricf an die Stadtverordneten ruchbar wurde, ihr übereiltes Vorgehen bedauert hat; denn es ist doch wahrlich nichts Ehrenvolles, daß sich die Berliner llniverfität den Weisntigeu irgend eines gänzlich iinbafitgtcli Hofinannes fügt.— Ter eine Patriot der That, der in der Kleidung eines „MamicS aus dem Volke" die Besitzenden zu einer freiwilligen Flottcnfteucr aiifgcriifcn hat, hat bisher in seiner großherzigen Einsamkeit keine Gesellschaft gcfimden. Tic„Rorddenische Allgem. Zeitung" veröffentlicht nicht die kleinste Quittung über bisher ein- gclanscnc Beweise barer Flolteiibegcistcriing Dafür müsscii die abgetriebenen Flotten- Mähren um so eifriger die papicriicn Pflüge durch den wasserspröden Acker ziehen. Das kostet ivcnig und bringt viel ein.— Flottcnpropaganda in Bariötö'S. Aus Kiel wird nnS geschrieben: Jetzr soll auch daS Publikum der Specialitäten- b ü h ii e n zur Flottciivcrnichrimg begeistert werden. Man will den Kincinatographeii in den Dienst der Flottcnpropaganda stellen. Die hierzu nöligeii Aufnahiiicii werden m i t Zu st i in m n n g der M a r in e v c rw a ltu ii g am 27., 28. nnd 29. November von dem Berliner Photographcn Mefter zunächst an Torpedobooten und einem Küstcnpanzcr gemacht. Die Aiifiiahmcil erfolgen in der Kicker Bucht und ist dem' Photographcn der Wcrftdainpfer der kaisrrl. Werft „Aeokus" zur Verfügung gestellt. Neugierig sind wir nur, wer die cntstehcildcn Kosten trägt. Etiva die Manncvcrivaltuiig? Jmincr weniger günstig, schreibt die„Freis. Ztg.". gestalten sich die Rcichöfinanzcn. Im Monat Oktober sind die Ein- nahmen aus Zöllen und LcrbraiichSftciicrii gegen den Oktober des Vorjahres um 3'/s Millionen Mark z u r ü ck g e b l i e b c n. Während ini Vorjahr die Eiiniahiiieii aus Zöllen und Verbrauchsstcncin in den ersten sieben Monaten des Etntsjahrcs. also vom 1. April bis zum 1. November, die Einiiahiiicii in der betreffenden Zeit des Vorjahres inn 33 387 347 M. überstiegen, beträgt im Jahre 1899 für dieselbe Zeit das Plus gegen das Borjahr die winzige S ii m m e von 445 363 M. Die Finanzloge erweist sich also im Jahre>599 gegen daS Vorjahr nin 350s Millionen Mark weniger g ii» st i g. DaS Fliigblalt des Fürsten Wied und des Herrn Schweinbiirg, welches' der Flottenvcrein als ZeitungSbcilage ver- breitet, rechnet bekanntlich mit einer fortgcsctzlcii Steigerung der Reichseiimahme aus Zöllen und Verbrauchssteuern„um jährlich 30 Millionen Mark". Tas Parlament der Hrnkcrskncchtc.„Nachdem die Singer- scheu und ihre Helfershelfer den Schutz der Aibeilsivilligen in Fornie», sie denen roher H e n t e r s k u e ch t e gleichen, zur Strecke gc- bracht haben, holen sie jetzt zinn vernichtenden Schlage gegen den verantwortlichen Staatsmann, den Fürsten zu Hohenlohe, selbst ans." So nift die antiscmitischc„StaatSbürgcr-Zeitniig" in über» qiicllendein Mitleid für das abgclhane Scheusal zoriUvntig aus, indem sie«S— an östrcichischcr ParlanicntSsprachc gebildet— ganz angemeffcii als eine hiurichtuiigswiirdige Kreatur chciialtcrisicrt, dabei aber vergißt, daß gerade ihre Leute die ZuchthauSvorlage am schimpflichsten behandelt haben; denn die Antiiciiiiteii würdigten sie überhaupt leincs Wortes.— llcbcr eine Steuerdeklaration anö Hintcrponnucru wird berichtet:„Die GulShcrrfchaft S. umfaßt in der fruchtbarsten Gegend am Ostscestronde belegene Güter- Koniplexe. welche nach dem Poiiiincrschen Gütcr-Adreßbuch von 1891 eine Fläche von 1638 Hektar Acker einschließlich Gärten. 299 Hektar Wiesen, 1316 Hektar Weiden. 293 Hektar Holzniigen, 1407 Hektar Wasser, in Snunna 4958 Hektar darstellen. Der Viehbestand ist mit 142 Stück Pferden. 248 Haupt Rindvieh(darunter � 221 Kühe), ferner 2200 Stück Schafen und 369 Schweinen angegeben, und der Grundsteuer- Reinern-ag beträgt 34 945 Vi. Außer dein landwirtschaftlichen Gclucrbe bcstchl noch eine Danipf-Mehlmühlc. eine Wasser- und eme Windmühle, eineZiegelei und cinc Dampfmollcrei. Nachdcn eingereichten Steuerdeklarationen arbeitete die Gutshcrrscbaft S. mit Unterbilanz. Es wurden dem Deklarantcn trotzdem 300 M. Einkommensteuer auferlegt. Es ist nämlich fest- gestellt worden: 1. daß die durch den Verkauf von Federvieh und Eiern erzielten erheblichen Einnahmen nicht als Einnahme gebucht waren, also keine Berücksichtigung bei der Steuerdeklaration fanden. Diese Eimiahincii sowie die 2. durch den regelmäßig fortlaufenden Verkauf von zivei großen Mastschweinen erzielten Beträge sind unter dem Buchungsvermerke„Für die gnädige Frau" in Abgang gebracht. 3. Sind die ganz bedeutenden Einnahmen aus der Jagd durcki Ver- kauf des erlegten Wildes nicht gebucht. Alle diese Eiiinahmen fließe» in die Tasche der„gnädigen Frau", dagegen werden die Ausgaben, wie Gehalt für Jäger, Schußgcld zu Gimstcn der Steuerdeklaration des Besitzers in Ausgabe gebückt. 4. Die Buchungen des Abschlusses weisen nicht den Miels- und NntzungSwert des berrschaftlichen Schlosses, den Ertragswert des herrschaftlichen Lust- und Wirtschafts- gartenS, der Parkanlagen, den Unterhalt der Dienerschaft, des Mar- stallcs usw. nach. 5. Für Fischercipacht werden ans einem der Seen jährlich 800 M. vcrcimiahint, außerdem hat der Fischpächtcr laufend wöchentlich 72 Pfund Fische oder den Geldwert von etwa 1000 M. jährlich an die herrschaftliche Küche abzuliefern. 6. Aus dem Molkereibctricbe werden im Jahresdurchschnitte für Butter etwa 13 800 Mann gcwomicii." Dabei ist 300 M. Einkommciisteuer doch eine lächerlich geringe Summe I Weimar, 27. November. Im Landtag beantwortete Staats- minister Rothe eine Anfrage des Abg. Ellsselmann wegen der Flottcuvorlage in dem Sinne, die Regierung werde sich schlüssig machen, wenn die Vorlage an den Bundesrat gelaugt ist, jedoch die Mittel nicht vertveigern, die nötig find zum Schutz der Handels- intcressen und Kolonien. Da man in Weimar emsig an der Uiiterdrückungspolitik gegen die Arbeiter mittvirkt, warum' soll man da nicht eben in Ucbcricc- „Idealismus" machen?—__ Von den Friedenskonferenz-Märchen wird wieder etwas ans dcni Haag vermeldet. Es heißt, daß die drei von der Friedenskonferenz licschlossencii Konventionen und die drei De- ilaratioiicn der Uiiterzeichming seitens Deutschlands und Eng- lands noch harren. Was das Londoner Kabinett betrifft, sei dasselbe zur Uiiterzeichming bereit, falls die Mächte den Vorbehalt Englands bezüglich des die Genfer Konvention auf den Seekrieg ausdchiieiidcu Artikels 10 der Haager Konvention acccpticreii. Die Zustimmmig der andern Mächte zn. dieser Reserve könne als un- zweifelhaft'aiigeschcn werden. So redet die Diplomatie von Frieden nnd Kriegsbeseitigung. Derweilen sprechen in Südafrika die Kanonen derselben Diplomatru eine andere Sprache.— Austand. bestreich-Nngnr». Wien, 27. November. Ab g c o r d ne t e.nh a ns. Nach Ver- lesung der cingegaiigciicii Vorlagen wird die Debatte über die Aus'gleichsvorlagen fortgesetzt. Als erster Redner ergreift der Kroate Bianchini das Wort.' Biaiichini sprach, zumeist in kroa- tischcr Sprache, von UV« bis S'/s Uhr und bat dann um Unter- brechimg der Sitzimg. damit er sich erholen und seine Rede fortsetzen könne. Um S'.s Uhr wurde die Sitzung auf fünf Minuten unter- brochen, nach ceren Ablauf Bianchini seine Rede fortsetzte. Wien, 27. November. Nachdem Bimikiui seine fast fünfstündige Rede um 402 Uhr geschlossen, spricht der Sociäldcmolrat Berner über die Aiisglcichsvörlagcn. welche er schaff kritisiert. Hierauf wird Schluß der Debatte angenommen nnd die Bcrhmidlung abgebrochen. Auf eine Anfrage des Abg. Groß wegen Aufnahme czcchischcr Schriftstücke in das Protokoll, erwidert der Präsident, jeder, der der deutschen Sprache nicht vollkonmicii mächtig sei. dürfe in seiner Muttersprache interpellieren, auch habe. der. Präsident kein Recht, jemand zu verbieten, in seiner Muttersprache eine Rede zu halten. (Beifall bei den Czcchcn.) Wien, 27. November. Graf C I a r y erstattete gestern dem Kaiser in einer längeren Audienz Bericht über den augenblicklichen Stand der innere» Politik und wird, wie eö heißt, heute mit dem Obmann des JungczechenklubS Dr. Enge l eine Unter- rcdung haben, der man in parlamentarischen Kreisen große polittsche Bedeittimg beilegt, weil man glaubt, daß es dem Grafen Clary g c l i n g c ii>v c r d e. die Jungezccheii von der Obstruktion a b z u b r i n g e n. Frankreich. Teputicrtcnkammcr. Paris, 27. November. In der heutigen Sitzung wird zunächst über eine außerordentliche Krcditivrdcruiig von 60 Millionen beraten. die in diesem Winter zum Schutze der Küsten und Häfen so- wie der Kolonien verausgabt worden sind. � Flenry-Ravarin billigt die gcinalbtcn Auftvendmigeii, denn die Ereignisse dieses Winters hätten Frankreich überrascht, welches auf die Verteidigung jeincr Küsten und Kolonien nicht vorbereitet war. Redner wünscht jedoch, daß ein Programm ausgearbeitet und ein Komitee ein- gesetzt werde, damit in der Vcrtcidiguug der Kolonien jeder Koinpctcnzkoiiflikt zwischen dcmKricgLminister und dem Mariiicministcr vermieden werde. Der Minister der Kolonien, DccraiS, erwidert, ei» Komitee sei bereits eingesetzt, lvas beweise, daß die Regierung sich mit der Lage der Kolonien beschäftige. Hierauf wird die Kredit- ordening mit 480 gegen 44 Stimmen bewilligt. Paris, 27. November. Auf Antrag des Ministerpräsidenten vertagte die Kammer die Interpellation des Socialistcn Renoux betreffend die Jittervention der Armee bei den jüngsten Ausständen der Hiiffchinicde auf etzicn Monat. Es wurde sodann in die Dis- lussioii.iiber die 60 Millionen Franks eingetreten, welche zur Befestigung der sranzösischen Kolonien gefordert sind.— Komplottprozest. Paris, 27. November. Bei Beginn der heutigen Sitzung ver« liest der Vorsitzende Fallisres von' den Anwälten der Mehrzahl der Angeklagten eingebrachte Anträge, nach welchen diejenigen Mitglieder des Hohen Gerichtshofes abgelehnt werden sollen, welche am Soiinabciid dcni Schluß der Sitzung nicht beiwohnten. Der Staats- antvält verlangt die Abweisung der Anträge. Die öffentliche Sitzung wird sodann unterbrochen und der Gerichtshof zieht sich zur Geheim- beratung über die betreffenden Anträge zurück. Nach Wiederaufnahme der Sitzung verliest Präsident Fallisres den Beschluß, nach welchem diese Anträge mit 134 gegen 32 Stimmen abgelehnt sind. Hierauf wird die Vernehmung der Zeugen über das Vorleben GuerinS fortgesetzt. Portugal. Lissabon, 27. November.(„Voss. Ztg.") Die Wahl von 40 oppositionellen Abgeordneten ist gesichert; die Negicrung wird dennoch eine große Mehrheil erhalte». In Oporto wurden trotz aller Wahluiache der Rcgiermig drei Republik a n e r mit 600 Stimnicn Mehrheit gclvählt. Gestern abend schritt die Polizei gegen Gruppen ein, die Hochrufe auf die Republik aus» fr i e ß e n.— Nnmänien. Bukarest, 27. November. Die ordeniliche ParlamcntSscssion würde in üblicher feierlicher Weise mit eintr Thronrede er- öffnet, in welcher es heißt: Die weise und � loyale Politik, von welcher Nnmänien niemals abgctvickieii ist. trägt fortgesetzt ihre Früchte. Die Beziehungen zu alten Mäckiten sind die besten. Die Thronrede gcdeiitt der Teilnahme Rumäniens an der Haager Friede n slo n ferenz und kündigt zahlreiche Gesetzentwürfe finanzieller, wirtschaftlicher und juridischer Natur an, ferner eine Reform der Stenergesetzgebung. Sie spricht die Hoffnimg aus. daß die durch Trockciihcir' hcrvörgcrnfeiie landwirtschaftliche Krisis bald überivuiidcn sein wird.— Türkei. Tie Verhaftungen. Eine Meldung deS Wiener„Telcaraphen. Korresp.-BiircanS" besagt: Die Zahl der infolge jiingtürkischcr It intrirbe vorgcnonmiMen Verhaftungen soll S7 erreicht Häven. Iliner ihnen befinde sich der Oberst der Militfirfcncrivchr Raschid. Unter der türkischen Bevölkerung ÄonstantinopclS herrsche große Beunruhigung. Bon jungtürkischcr Seite tvird versichert, daß die sensationellen Verhaftungen der letzten Tage absolut nicht ,nit revolutio- nären Umtrieben in Zusammenhang stehen, sondern nur auf P a l a st- I n t r i g u e n zmriirfznfiihrcn siiid.— Asien. Peking, 26. November. Der französische Gesandte Pichon hat die Hinrichtung des für die örmmduug der französischen Offiziere in KivangtschaMvan veränktvörilichcir Beamten und die Bezahlung einer kleinen Geldbuße verlangt. China wird wahrscheinlich gern hierzu seine Zustimmung geben," da man dort auf viel schwerere'Bc- dingungen gefaßt war. Die Ernennung Li Hmig Zschangö zum Handclsministcr tvird als ein hervorragender Schritt in der Richtung einer bedeutenden Hebung der chinesischen Handelsbeziehungen dem Auslände gegenüber betrachtet. Ter erste Zug zivifchm Talienwan. Niutfchwang und Mulden hat lsÄrt Arthstr am Freitag mit Eisenbahn- Ingenieuren verlassen.—_ Pattfei-Xtsiilsvidifctt* Der Reichstags- und LaudtagS-Abgcorducte für Karls- ruhe, Genosse A. Geck, soll nach einer Meldung des Depeschen- burcaus Herold beide Mandate niedergelegt haben. Wir können auf daS bestimmteste versichern, daß"die Meldung gänzlich un- wahr ist. Gcnicindcwahlcn. In Graz sSteiermarks wurden am Freitag die Stichivahlen vorgenommen. ES war ein sehr lebhafter Kampf, steigerte sich doch die Zahl der abgegebenen Stimmen von 1660 ans 2000. Unsere Pärtcigciwsscn errangen 2 von den fünf streitigen Mandaten. Gewählt' find danach die Genossen-Resel mit 1104 und Pongratz mit 1032 Stimme», während die drei Gegner mit 1060 bis 1111 Stimmen gewählt wurden. Unsere drei unterlegenen Kandidaten brachten es auf 978 bis 1014 Stimmen. Graz ist die erste Landeshauptstadt Oestrcichs, iii deren Gemeindevertretung Social- demokratcn einziehen. Tic Parteigenossen sind über diesen Ausgang der Wahl sehr erfreut. In Ketsch bei Schwetzingen haben unsere Genossen in der dritten Klasse einen glänzenden Sieg errungen. Die Düsseldorfer Genossen errangen am Sonntag bei den. Wahlen zur Metallarbeitcr-Kraukenkasse einen glänzenden Sieg über die Eclltruin-kandidatcN. TaS Eentrum erhielt trotz einer mit seltenem Eifer betriebenen Agitation ganze 137 Stinimlcin, während unsere Kandidaten 751 Stimmen erhielten. In Lalingcn bei Düsseldorf siegten unsere Genossen mit ihrer Liste bei den Wahlen zur Ortskrankcukasse über die Ecntruinslistc. Totenlistc der Partei. In Fermersleben starb der Genosse W. Schmidt, langjähriges Mitglied des dortigen social-� demokratischen Vereins., Die Würzburger Genossen betrauern den Tod eines ihrer ältesten Freunde, des Genossen H c r b i g. Aus Dresden ist der Tod der Genossen Große und Andrich zu melden. Die Verstorbenen werde» im GcdäckitniS ihrer Freunde fortleben. Tic Bccrdigung des verstorbenen Genossen Hciuzcl in Kiel am letzten Sonnlag gestaltete sich zu einer iniposantcn Trauer- kimdgebung der Genossen für ihren verstorbenen Führer. In endlos laugen Reihen, zu vielen Tausenden folgten sie dem Sarge. Sämt- lickc Gewerkschaften Kiels und Umgegend mit ihren Fahnen waren erschienen, während von fast allen größeren Orten der Provinz Schlcswig-Holstcin Deputationen und Kränze geschickt waren. Auch der Partcivorstand harte in Form ciucS Kranzes den letzten Gruß gesandt. Auf dem Friedhof mußte die Polizei in einer Weise, welche die Icbhastcsie EntrüsMng des Traucrgesolgcs hervorrief, sich be- merlbar machen. Mit Gewalt verhinderte sie es, daß ein Gesang- verein ein angefangenes Lied zu Ende singen konnte. Nur der Selbstbeherrschung der Genossen ist es zu danken, daß nicht dieser Vorgang der Anlaß zu weiteren unliebsamen Sccncn winde. Polizrilichrs, Grrichtlichrs usw. � Wegen unbefugten«ammclnS wurde in Magdeburg der Genosse O. Allniairn aus Hamburg, Vorsitzender des Verbandes der Bäcker, vom Schöffengericht zu 23 M. Geldstrafe verurteilt. Gvmoeltpszcifklichcs. Deutsches Reich. Deutsche Arbeiterinnen werden für die Hemdenfabrii von C. F. I u s e l i u s i» u r k u(Abo) in Finnland gesucht. ES tvird»ms von dort mitgeteilt, daß in genannter Fabrik 70 Ar- bcitcriniicn wegen Lohnhcrabsctzung die Arbeit eingestellt haben, und ersucht, daß die deutschen Arbeiterinnen ctivaige Angebote der Firma unberücksichtigt lassen. Der Streik der Planicrcr in der Düsseldorfer Firma Wortmann u. ElberS dauert unverändert fort. Er steht nicht nngüuftig für die Arbeiter, tri bis zur Stunde Streikbrecher sich nicht gemeldet.haben. Wenn. Zuzug, nach Düffeldorf nach ivic vor fern- gehalten wird, dann dürfte» Wortniaim u. Elkers bald nachgeben müssen. Darum falle kein auswärtiger Planicrcr den Düsseldorfer Kollegen in den Rücken! Sechzehn S t e i u m c tz e n der Firma Rittcrbach in Ellcr bei Düsseldorf, am dortigen Neubau einer kalholischen Kirche be- schäftigt, legte» wegen unberechtigter Lohnabzüge und Verminderung der Accordarbeit die Arbeit nieder. Ausland. Die Streikende» von A u d i» c o u r t(Frankreich) haben den Kammerpräsidenten und den Handclsmiiiiftcr Millcrand zu Schiedsrichtern geivählt. Die Arbeit wurde wieder aufgenommen. Aus dcv �rauenbetuegung. Arbeiterinnen Berlins k' Der Parteitag in Hannover hat zur Förderung des Schutzes der Arbeiterinnen wichtige Beschlüsse gefaßt. An den Arbeiterin»«! liegt es NUN, diesen Beschlüssen noch Ivcilcrcn Nachdruck zu geben»md i'o für ihre Verwirklichung sorgen zu helfen. Noch fehlt es aber weiten Kreisen der Arbcitcriimen an der Einsicht in die Notwendigkeit gcsetz- licher Schutzvorschristeu: sie wissen noch nicht, wie schwer die Schädi- gungcn find, die ihnen und der gosamtc» Gesellschaft erivachsen durch die ungehinderte AnSbeiitüng': sie bedürfen der Äufklärnng darüber. durch weiche Mittel d.ie Leiden beseitigt werden können, denen sie jetzt »luterivorfcn sind. In einer öffentlichen Versaiilmliing. die heute. Dienstag, den 23., abends'S Uhr, im Kosliuer Hof abgehalten wird, tvird der RcichStogs-Abgeordnetc E. Fischcr-DreSdcn über den Arbeiterimicifichutz vom jocialpolitischen und ein Arzt vom gesund- heitlichen Gesichtspunkte aus ipreche». Die Arbeiterinnen werden zu zahlreichem Erscheinen in dieser Lersaininliuig aufgefordert... Bertrauenspersoil der socialdcmokratischcn Frauen Deutschlands. Die alö Beamte thätigcn Frauen Wiens sind in eine leb- hafte Bewegung zur Verböserung ihrer Arbeitsverhältnisse ein- getreten. Nachdem bereits die im Staatsdienste thätigen Frauen bestimmte Forderungen aiifgestellt haben, haben nun auch die Privatbeamtiniieil in einer Versammlung über, ihre Lage ver- handelt. Die Bcrsammlmig stellte folgende Forderungen auf: Für die bei Lffcntlichcn Gesellschaften(wie Etsenbahnen, Transport- und Versichernngsanstaltcn ec.) als fcstcu Beamten- körpcr angestellten Frauen: Regelung des Gehaltes mit Berücksichtigung der heutigen Lebensverhältnisse und Schaffung einer Alters- Versorgung. tvenn bei der gleichen Anstalt eine solche für andere Gruppen"von Bediensteten bereits besteht. 1km die in Pribathäusern, wie Adbokatcnkanzlcicn, Privat- bureans:c., mid bei Firmen thätjgcn Frauen vor Ausbeutung zu schützen. erklärt die Versammlung ihren Anschluß an den am 14. Oktober 1899 vom Abgeordneten Verkauf im Abgeordnetenhause gestellten Antrag über"die Regelung der Dienstverhältnisse der Handlungsgehilfen, der Angestellten in Kanzleien ec. Um"allen Privatbeamt"inncn die Krankenversicherung zu sicher», fordert die Versammlung die Anstellung einer größeren Anzahl von Gcwcrbe-Jnspektoren rcip. Gcwcrbe-Jns'pcktorinncn, damit diese eine umsichtige Ueberwachnng des Krankcnvcrsichcrungs-GcsctzcS durchzuführen im stände sind. Hinsichtlich einer Altcrsvcrsichcrnng der Privatbeamtinnen im allgemeinen fordert die Versammlung die Durchführung einer all- gemeinen Altersversorgung. Die staatliche Regelung und Organisierung einer reellen un- entgeltlichen und unparteiischen Stellenvermittlung für alle Arbeit- suchenden._ Gvvrchks �Äoikung» DaS Streikpostcnstehcn unmöglich gemacht durch— das Strasicnpolizci-Rcglcmeiit. Gelegentlich des Streiks der Arbeiter einer Stockfabrik in der Alexandrinenstraße fungierte der Drechsler Grauer als Streikposten. Er ging in der Nähe der Fabrik ruhig auf und ab, um z» erforschen, welche Kollegen weiter arbeiteten. Bald forderte ihn ein Schutzmann auf. sich zu entfernen. G. setzte darauf seinen Spaziergang auf der anderen Seite der Straße fort. Der Schutzmann duldete aber auch dies nicht, sondern ivies ihn an, den ganzen, in der Nähe der Fabrik belegenen Straßentcil zu verlassen. G. weigerte sich, da ihm solches Verlangen völlig un- berechtigt erschien. Er tvurde deshalb später wegen llcbertrctniig des Berliner Slraßcnpolizci-Reglcmcnts vom 7. April 1867 zu 10 M. Strafe verurteilt. Das Landgericht als Beniflingsinstanz führte aus: Nach den ZK 117 und 113 des genannten Reglements mache sich strafbar, Iber den zur Erhaltung der Sicherheit, Bequemlichkeit, Reinlichkeit und Ruhe ans der öffentlichen Straße ergehenden Anordnungen der AllfsiKtsbcamtcn nicht unbedingt Folge leiste. Ilm eine derartige Anordmuig handle es sich hier aber. Beim Verweilen des An- geklagten in der fraglichen Gegend hätte es leicht zwischen ihm und denen, die weiter arbeiteten, zu Reibereien»md Geivaltthätig- leiten k o m in c n können.(!) Der Schutzmann sei deshalb befugt gewesen, G. den Aufenthalt in jenem Straßentcil im Interesse der Sicherheit und Ruhe des öffentlichen Verkehrs gänzlich zu unter- sage».— G. griff zum Rechtsmittel der Revision und machte geltend, daß das Landgericht das Straßcnpolizei-Rcglcmcnt total falsch ausgelegt und angewendet habe. Wäre seine Auslegung richtig, dann könnten ja die Streikposten eventnell zum Verlassen einer Stadt aufgefordert werden. Der Strafsenat des Kammer- g e r i ch t s verwarf jedoch die Revision als unbegründet. Der Präsident führte aus. der Vorderrichter habe die ZZ 117 und 118 des S t r a ß e n p o l i z c i- R c g l e m c n t s ohne R e ch t S i r r t i! rn angewendet. Nach den thatsächlichcn Fest- st e l l u n g e n sei die Anffordcnnig des Schutzmanns im Interesse der öffentlichen Verkehrssicherheit ergangen, der Angeklagte hätte ihr deshalb unbedingt folgen und den gemeinten Teil der Alexandrinen- straße sofort verlassen müssen. Was soll da noch die Zuchthaus- vorläge?! OrdnUngSthatcn in Herne. Aus Bockum wird uns geschrieben- Der Prozeß des Landrats Stndt und Gen. gegen Dr. R c i s m a n n- Grone und 5larl v. Backen von der bürgerlichen.Rheinisch- Westfälischen Zeitimg". welcher vom hiesigen Landgericht von früh 9 llhr bis abends>/i9 Uhr dauerte, hat über manche Ansschreitunge» der bei den Hemer Unruhen in Tbätigkeit getretenen Polizei noch den Schleier gelüftet. Das Wohlvcrhalteils-ZengniS, welches sich die Polizei nnd ihre Freunde ausstellten. bekam manches Frage- zeichen durch die Aussagen schlichter Leute, Bergarbeiter:c. und deren Frauen, die Hiebe mitbekommen hatten, weil sie gerade an Stellen angetroffen wurden, wo Radaubrüder anwesend gewesen waren. Der an zwei Krücken in den Saal wankende Fabrikarbeiter Kösters, ein junger kräftiger Mann, der am 27. Juni nachmittags bei der Schießerei an der Bahnhofstraße. auf dem Heimweg von der Fabrik begriffen, eiiien schweren Schuß in den Fuß erhielt und zeitlebens Krüppel bleiben wird, trat als lebendiger Beweis dafür ans, daß blindlings drauflos geschossen worden ist, ebenso wie der'Bergarbeiter PiSnatzti, der einen Schuß in die Schulter er- hielt, als er auch nur zufällig, um Einkäufe in der Stadt zu machen, an jenem kritischen Nachmittag in die Bahnhofstraße einbog. Bon wem sie die Schüsse erhalten hatten, konnten sie allerdings nicht sagen. Der Bergarbeiter Puhlmann und seine Frau aber, welche am Mittwoch, den 28. Juni, vom Begräbnis ihres Kindes kamen und natürlich in Trmierkleidcrn die Brunncnstratze passierten, um in ihre Wohiimig zu gelangen, wurden von d e n G e n d a r m e n ni i t der scharfen Klinge so geschlagen, daß der Mann heute noch kränkelt nnd die Frau eine tiefe Narbe an der linken Hand da- von getragen hat. Nachdem der Vorsitzende de» Mann abgehört hatte, winkte er der Frau ab. jedenfalls wollte er diehäßliche Geschichte nicht zwei- mal hören.— Der Verteidiger der Angctlagtcn. Dr. Wallach l(Esse»), zerpflückte dciin auch in. cinrr mehr den» emstündigeii Rede die Anklage so gründlich, daß es noch zweifelhaft ist. ob die Richter dem Antrag d'cö Staatsanwalts, Dr. Reißmanu zu 1000 Vi. und v. Backen zu 300 M. Geldstrafe zu verurteilen, entsprechen werden. DaS Urteil ist bekanntlich auf acht Tage ausgesetzt. Eine neue Auslage wird der Prozeß noch am 13. Dezember erleben, wenn gegen unsere Genoffen. die Ncdactcn.re Wolf und LebinS, ebenfalls wegen Beleidigung der Hcrncr Polizei verhandelt wird. Im AugSbnrger Kravcllprozest ging die Vernehmung der Zeugen in den letzten Ta.gcn mir langsam von statten. Zahlreich und drastisch sind die Asschagcn über Mißhandlungen, denen sich die als BclaftuiigSzcngcn nuNrcl'eiidcn Schntzlcnte schuldig gemacht haben sollen. Bezeichnend ist folgender Vorfall von Mißhandlungen eines wehrlosen Weibes: Der Eisendrchcr Anton Schmidt hat von seinem Fenster aus bcmcrlt, wie die Angeklagte Afra Singer von mehreren Schutzleuten über die Straße verfolgt wurde. Am Gartenzäuiic hat der Zeuge dann Säbel blitze» sehen. «chützniänil Schuster, der die Angeklagte festgenommen hat, bestritt jede Mißhandlung. Polizci-Arzt Dr. H"ö f n e r bestätigt, daß die Angcllagte Afra Singer am Abend des 19. Juli d. I. zu ihm gebracht worden sei. Sie"habe leichte Hautllerlctzniigcn an den Händen gehabt und sei »ach Anlegung eines Verbandes wieder nach ihrer Wohnung geschafft worden. Die Angeklagte habe sich damals in einem sehr erregten Zustande befunden und sich heftig über Mißhandlungen durch die Schutzleute beklagt. Der Handluiigsgchilfc Gustav Thieme hat von dem Fenster seiner Wohnung ans gesehen, wie ei» Schutzmann der Angellagten Afra Singer ohne Veranlassung einen Schlag ins Gesicht versetzte. Ans das Geschrei der Geschlagenen seien noch 3 Schutzleute herbei- gespruugeu, die sie über die Straße zerrten. Dort habe sie sich am Gartcnzaun festgehalten und einer der Schutzleute habe sie mit dem blanken Säbel auf die Hände geschlagen. Dann sei der Gastwirt Kunlcin dazugekommen uiid habe sich über dieses Vorgehen der Schutzleute aufgehalten. Mehrere Zeugen führen einzelne Fälle von Beleidigungen und Mißhandlungen durch Schutzleute an. Der Tapezicrermcister Franz N e u b e r t hat am 19. Juli abends gesehen, wie ein Schutzmann cincil Mann mit blankem Säbel verfolgte und von rückwärts niederschlug, der Schutzmann hieb auf den am Boden liegenden Mann immer noch ein nnd ließ erst von ihm ab. als der Zeuge ihm zurief: Jetzt Ivär's aber doch schon genug! Darauf entfernte sich der Schutzmann und eilte nach der änderen Seite der Straße davon. Die Richtigkeit der Behauptung, daß die eigentlichen Urheber der bedauerlichen Vorgänge im Unternehmertum zu suchen sind, wurde namentlich in der GcrichtSsitznng vom 24. November bestätigt. Der Polizeibeainte Recht 3 rat Werner bekundete, zwei Tage vor Beginn der Unruhen sei ein Gesuch der� Meister um vcrstärlten" polizeilichen Schutz gegen die Streikposten ein- gelaufen, in dem sie eine ftändige Wache von zwei Mann am Bahnhofe von morgens 5 Uhr bis nachts 11 Uhr verlangte». Nach Meldung der Polizei haben sich die Poliere ans dem Bahnhofe sehr provozierend benommen, während sich die Streik- p o st e n der Arbeiter durchaus korrekt v e r h a l t e Ii h a b e n. Er sei daher n n lv i l l i g darüber gewesen, daß die Arbeit g e bar an die Polizei die Zumutung stellten, gegen die.Streikposten schärfer vorzugehen, während ihre eigenen Leute sich so ungeeignet betrugen. Deshalb habe er mit Bleistift an den Rand deS von ihm erstatteten Berichts die Bemerkung geschrieben:„Die Arbeitgeber sollten doch nicht immer unnötig die" Polizei in Anspruch nehmen!" Er für j e i n e Person habe den Polizeiorgancn stets eingeschärft, nicht einseitig vorzugehen nnd gegen die Streikposten nicht einznschreiieti, ivenn sie sich ruhig berhälten und nichts Unrechtes thun. ES sei eine offenkundige That- sacke, daß die Arbeitgeber die VcriniUlilng des Negicrungspräsidenten sehr brüsk zurückgewiesen haben. Die Arbeitgeber seien es auch gewesen, die ihre den Arbeitern gemachten L o h n v e r s p r e ch u n g e n n i ch t g e h a l t e n haben. Rcchtsrat Deutschen bau eh giebt� auf die Frage des Rechts- anwälts Dr. Bernheim zu, die Verfügung vom 19. Mai er- lassen zu haben, in der es heißt:„Banineister und Poliere sollen agitatorisch oder so» st in strafbarer Weise auf- tretende Maurer den Polizei-Orgauen bcnenuen. Ebenso sei auch die Verfügung vom 20. Mai gegen die Aufstellung nnd An- sammlung von Streikposten von i h m ausgegangen. Maßgebend hierfür sei die Anschauung gewesen, daß solche Streikposten weggcwiescn werden können, da ihr. Zweck nur der sei, Arbeitswillige auf unerlaubte Weile im Sinne des K 153 der Gewerbe-Ordnung zur Teilnahme am Streik zu bestimmen oder an der Aufnahme der Arbeit zu hindern. Er könne sich im allgemeinen eine erlaubte Weise der Einwirkniig auf Arbeitswillige nicht denken und halte deshalb das Streik- p o st eilst e'h e ii in der Regel für unzulässig. Man stelle diese Anschauung, die einem Stumm alle Ehre machen würde, de» Bekuiidungcn des über die Niedertracht des ll n t e r ii e h m e r t n m s empörten Rechtsräts Werner gegenüber. Sehr klar wurde zum Schluß der Sitzung der Wert eines polizistischen Eides dargelegt. Die Zeugin Agnes O st er maier und der Zeuge Micha c.l Roth bestätigen auf ihren Eid daS am Tage vorher von Rechts- anwalt Dr.'Beruhet m zur Sprache gebrachte Vorkommnis bezüglich des Strauß, das dieser unterm Eid in Abrede ge- stellt" hat. Sergeant Strauß giebt dann die M ö g l ich k e i t zu, daß der Vorgang im Zengciiziinmer sich so ähnlich abgespielt lind daß er in Bezug ans den Angcklagteil Lugenhvfer so ähnliche Acnßcrniige» gemacht haben kann. Rechtsanwalt D r. Beruhet in: Ich mache dem Sergeanten Strauß kein Verbrechen ans diesem Porkouimuiffe, aber ich mache ihm ein Verbrechen daraus, daß er unter Eid der Wahrheit nicht die Ehre gegeben hat. was jetzt bewiesen ist. Der Maschiiicuschloffer Jakob Herr in n n n ist erst 14 Tage vor den Krawallen von Nürnberg nach Augsburg geloinmcn. Er war am 19. Juli abends auf denn Heimwege begriffen und wurde da verhaftet und 11 Wochen in Untersuchungshaft gehalten. Nachträglich ist dann das Verfahren gegen ihn eingestellt worden. Dieser Zeuge erzählt, daß bei seiner Einbringung in das improvisierte Haftlokal in der Senkel.- b a ch f a b r'i k von a I l e» S e i t c n auf i h n e i n g e h a u eu worden i st. Mehrcrc Angeklagte erheben sich und erklären, daß es ihnen ebenso ergangen ist, obivohl sie sich der Verhaftung ruhig gefügt haben. Die Schntzlente stellen jede Mißhandlung in Abrede. Der Maurer Alois Putz ans München, der im Auftrage des Cciitralvcrbandcs der Maurer zu der kritischen Zeit in Augsburg anwesend war, nnd als„Haupträdclsfiihrcr" niigcrcchlscrtigteriveise 14 Tage lang in Untersuchungshaft gehalten wurde, zählt die Maß- nahmen auf, die von den Arbeitern getroffen ivarc», um den Provokationen ocs Untcrnehmcrtnins zmii Trotz jede Ausschreitung der Streikenden zu verhindern...• Vvvpatnmtnngvn» Eine Konferenz der Gcsellcu-Altöschüsse Berlins und des NcgicruiigSbezirkS Potsdam, die gut besticht war, tagte am Sonntag in den„Ariiiiiihallcn", K ommandantciistraße. Zunächst hielt Genosic Robert Schmidt einen sehr interessanten nnd belehrenden Vortrag filier den beabsichtigten Zweck bei der Schaffung des JnniliigsgcsctzcS, über die' verschiedenen Einrichtungen und Besiimmmigcn der nciicn Jiiniingsorganisation. über die Be- dentnng und Aufgaben der Geselleiiausschüfse und der Handwerker- knnnncrn, wobei er auch die bisherige Thätigkeit der Innungen kritisch beleuchtete. Dem mit lcbbaftem Beifall anfgeuominencn Vortrag folgte eine kurze Diskussion, in der— wie das auch vom Rc- fcrcntcn geschehen ivar— aufgefordert wurde, trotz der wenigen Rechte, die der Arbeiterschaft bei dem iiciicn Gesetz eingeräumt sind, an der Wahl teilzunehmen, damit solche Personen in die Handivcrkcr« kammcrn gewählt werden, die wirklich die Interessen der Arbeite� soweit dies überhaupt möglich, nach jeder Richtung vertreten. � Nachdem eine Verstniidigmig unter den Gewerben, die die ein- zclncii Gruppen umfassm, stattgefunden hat, wurden folgende Kandidaten für den Gcscllcnansschnß der Handwerkerkaminer ans- gestellt: Gruppe l: Bäcker W. Most nnd Bäcker Karl Hetz- schold. Als Ersatzmänner: Bäcker Otto Kießling und Bäcker Rod. R c p p m a n n. Von der Gruppe II: Maler M. Mark und Steinsetzer P. Grabitz. Als Ersatz- mämicr: Klempner K ü p k e nnd Steinmetz Marschall. Von der Gruppe III: Schmied Michaelis und Kupfer- schmicd S ck i e w e. Als Ersatziiiänncr: Feilcnhancr D a m k e nnd Schmied Timm ermann. Von der Gruppe IV: Sattler Peter B l u m und Korbmacher Paul B r ü ck n e r. Als Ersatzmänner: Böttcher E. G r a m b e r g e r und Bürstenmacher K. K n h n. Bon der Gruppe V: Schneider I o"h. W i l k nnd Schuhmacher S t n m p f. Als Ersatzmänner: Hutmachcr Lnnd und Schneider Kaschefski. Von der Gruppe VI: Tischler B l e c ck- Charlottenburg und Tischler P i e s ch e l- Nixdorf. Als Ersatzmänner: Maurer P o r t h e- Ebers- Walde nnd Tischler Lange- Steglitz. Bon der Gruppe VII: Schlosser H. W i l h e I m- Potsdam' und Tischler Fr. Müller- Brandenburg. Als Ersatzmänner: Töpfer E. M a r f i g- Rathenow und Korbmacher I o h. E i ch e l b a n m- Luckenwalde. Im Stcinuictzgcwcrbe sind zwischen einigen Unternehmern nnd den Arbeitern aufs neue Differenzen ausgebrochen. In einer Jniimigsgesellcn-Vcrsammlmig am Sonntag, zu der auch die Jiinlmgsineister eingeladen waren, wurde berichtet, daß aus dein Platz von W i m in e l 70 und ans dem Platz von Z e i d I e r circa 30 Steinmetzen die Arbeit eingestellt haben. Der Grund der Arbeits- einstelliing ist der, daß die Untcrnehnier den Arbeitern die Ab- Haltung des„BndcnrcchtS" verboten habe». Das Recht, wonach den Arbeitern gestattet ist, des Sonnabends nach dem Frühstück auf eine halbe Stunde znsämmcuzntrclcii»ni über die Lohn- und Arbeitsverhältnisse zu beraten, besteht im Stcinmetzgcwcrbe schon seit uralter Zeit und bisher ist niemals an dcffcn Beseitigung gedacht worden. Beim Friedensschluß der letzten Lohnbewegung ist ans» drücklich festgestellt worden ,_ daß die alten Arbcitsbediiiguilgen aufrecht erhalten werden müssen und daß keinerlei Abänderniigcn an den bisherigen Gepflogenheiten bis zum 1. März 1900, an welchem be- kanntlich ein neuer Tarif in Kraft tritt, stattfinden dürfen. Das Lorgehen der Unternehmer ist nach keiner Richtung gerechtfertigt, und zwar auch deshalb nicht, weil ja die Unternehmer die allgemeine Einführung der Tagelohnarbcit verweigert haben und das'Budeiv recht von den Accordarbeitern auf ihre eigene Kosten ausgeübt wird. Auf Veranlassung des Gesellenausschnsses hat sich auch die Innung damit beschäftigt und den Vorschlag gemacht, daß bis zum 1. März 190» das Budenrecht in der alt hergebrachten Weise bestehen bleibt und vom 1. März ab wegen der verkürzten Arbeitszeit entweder das Buden- recht nach Feierabend oder des Sonnabends nach dem Frühstück ab gehalten ivird, und im letzteren Falle die Mittagspause um eine Viertelstunde gekürzt werden soll. An der Diskussion beteiligte sich auch der Stcinmetzmeister Z a b e l, der daraus hinwies, daß das Budenrecht im Steimnetz- geiverbe ein fundamentales, seit Hunderten von Jahren bestehendes Recht ist. Er würde an":m althergebrachten Recht unter keinen Um- ständen rütteln lassen. Den Unternehmern müßte übrigens selbst daran gelegen sein, das Budenrccht aufrecht zu erhalten, weil sie dadurch Gelegen- heit haben. Differenzen, bevor sie weiteren Umfang annehmen, sofort an Ort und Stelle zu regeln. Der Redner gicbt der Meinung Ausdruck, daß die Steinmetzen sich den letzten Funken des Rechts, das so- genannte Budenrecht, durchaus nicht nehmen lassen dürfen. Auch alle übrigen Redner traten für die Aufrcchterhaltung dcS Budenrechts ein, und verschiedene Redner sprachen sich entschieden gegen jedwede Abänderung auf diesem Gebiete aus. Gegen ca. 20 Stimmen gelangte folgende Resolution zur Annahme:„Die Versammlung nimmt de» Vorschlag der Jnnungsmeister an, wonach das Budenrccht in der althergebrachten Weise bis 1. März beizubehalten und von da ab wegen der verkürzten Arbeitszeit das Budenrccht des Sonnabends nach Frühstück Vr Stunde abzuhalten ist und daß diese Viertelstunde in den Sommermonaten gekürztwird. In dcnWintermonatcn jedoch darfdie Mittagspause nicht gekürzt werden." Ein anderer Vorschlag der Innung, die Frühstückspause auf eine andere Zeit zu verlegen, wurde einstimniig abgelehnt. Um Differenzen auf den einzelnen Plätzen möglichst zu vermeiden, soll bei der Lohnbcrcchnung, wenn notwendig, der Platz-Altgeselle hinzugezogen werden, der eventuell auch mit dem Gcschästsführer bczw. mit dem Unternebniern über den Preis der Arbeit zu verhandeln hat. Wird auf diese Weise kein Resultat erzielt.ßso soll die Angelegenheit dem Gescllenausschuß unterbreitet werden. Beschlossen wurde ferner, daß Zusammenkünfte, sog. Rechnungsstunden, alle 14 Tage arrangiert werden sollen, an denen sich alle Plätze zu beteiligen haben, daniit jeder Steinmetz mit der Berechnung der vorkommenden Arbeiten vertraut Ivird und die will- kürliche Bezahlung seitens der Unternehmer endlich einmal auf- hört.— Wie noch mitgeteilt wurde, sind neuerdings auch in andern Städten die Unternehmer daran, das bisher ausgeübte Budcurecht zu verweigern, mid ist es auch dort schon deshalb zu Differenzen gekommen. Egidh-Vercinigung. Dienstag, den 28. November, abends 8'/, Uhr, in Kühnes Feftsaal, Niederwallstr. 20: Vortrag des Herrn Adolf Damaschke:«Der gegenwärtige Stand der Bodenbesitz- reform- Frag e." Gäste willkommen. An die Mitglieder der Orts-Kraukciirasse i» Eharlottenburg k Heute, Dienstag, abends 8>/z Uhr, findet in der Gambrinus-Biaucrei eine Versammlung statt, in der die Delegierten zur Orts-Krankenlasje nominiert werden._ Sociales. Die Vornahme einer Arbcitslosen-Zählung in Verbindung mit der Volkszählung im nächsten Jahre ist vom Kaiserlichen Statistischen Amte, wie der„Volks-Zcilnng" niitgeteilt wird, ab- gelehnt worden.„Nachdem soeben erst die Bearbeitung der Berufs- und Gewerbezählung von 1895 vollendet ist"— so heißt es in dem erteilten Bescheide—„scheint der Kostenaufwand für eine neue Berufsftatistik schon im nächsten Jahre nicht gerechtfertigt. Auch würde für die Arbeitslosen-Zählung dieses Mal nicht die günstige Bedingung wie 1895 vorhanden sein, wo an zwei verschiedenen Terminen diese Aufnahmen gemacht werden konnten." Die Behandlung Lungenkranker bei der Versicherungsanstalt Berlin gestaltete sich nach dem Bericht ihres statistischen Bureaus im Jahre 1898 folgendermaßen:„Es kamen L6S männliche und 94 weibliche Lungentuberkulöse zur Entlassung. Die Männer wurden in der Heilstätte des Roten Kreuzes, in Görbersdorf, Loslau und Andreasberg, die Frauen zunieist in Görbersdorf behandelt. Die Kur dauerte durchschnittlich bei einem Manne 92, bei einer Frau 95 Tage und verursachte 342 bezw. 423 M. Verpflegungskostcn. Aus der Heilbehandlung wurden 85 bczw. 83 Proz. erwerbsfähig entlassen; der einstweilige Erfolg bleibt hinter dem in dem Sanatorium von Güterg otz(für männliche, nicht tuberkulöse Kranke) erzielten nur um einige Prozent zurück und ist deshalb ein günstiger zu nennen; die Zeit muß es lehren, ob er auch ein nachhaltiger sei» wird. Im ganzen wurden zur Bekämpfung der Lungenschwindsucht für die behandelten Versicherten beiderlei Geschlechts über 139(X)C>M. verausgabt."— Die gesamten Kosten für die llebernahme des Heilverfahrens(bei tuberkulösen und nicht tuberkulösen Personen) betrugen im Berichtsjahre für die Ver- sicherungsanstalt Berlin 249 597 M., dazu kommen noch an ein- maligen Ausgaben für die neu zu errichtenden Heilstätten bei Beelitz 561 884 M., so daß für Krankenfiirsorgczwecke im Jahre 1893 rund 899 999 M. aufgewandt worden sind. Moderne Socialpolitik. Die entschiedene Kritik, die die „Münchener Post" an den Praktiken der dortigen Stadtverwaltung übte, Schulsuppen und freie Schulbücher als Armenunterstützung aii den Vätern der Kinder zu rächen, hat raschen Erfolg gehabt. Auf Antrag des ersten Bürgermeisters hat der ArmeupflegschaftSrat in seiner letzten Sitzung einstimmig beschlossen, die Ausgaben für Suppenmarke» und freie Lehrmittel in Zukunft dem Schulctat zu überweisen, um den Gewährungen den Charakter der Armen- Unterstützung zu nehmen. Der Krieg. Die letzten Depeschen berichten von einer NückwärtSbetvegung der Boereutrnppen. Wie es scheint, geht der General Joubert nur zurück, um eine günstige Ausnahmestellung gegen die anrücken- den englischen Entsntztruppen einzunehmen. General B u I l e r ist am Sonnabend in Pielermaritzburg angelangt und hat sofort den Vormarsch seiner Truppen angeordnet. Es wird hierüber gc- meldet: Durban, 26. November. Nach einer Depesche des„Natal Advcrtiser" aus Estcourt ist Befehl für den allgemeinen Bor- marsch der Engländer auf Colcnso erteilt worden. Die Depesche fügt hinzu, die Truppen seien in b e g e i st e r t e r Stimmung. Das Blatt ist der Ansicht, Joubert gehe wahrscheinlich deS- halb zurück, um den Engländern den Uebergang über de» Tugcla streitig zu mache«. Estconrt, 26. November. General Joubert geht v o n M o o i R i v e r iu der Richtung auf Ladysmith zurück. Estcourt, 26. November. Heute abend ist die englische Kolonne von hier nach Frere aufgebrochen. Die Eisenbahnbrücke wurde zerstört aufgefunden. Die Bahnlinie ist bereits an sechs Stellen von den Engländern wieder hergestellt worden. Der Feind geht eilig zurück. Wie wenig aber diese Nachrichten vom Rückzug der Boeren einen Umschwung dcS Kricgsglücks bedeuten, zeigt die Thatsache. daß ein zur Aufkläruug von Mooi River ausgehendes Lanzen- r e i ter- R e g im e nt verloren gegangen ist. Aus Durban wird hierüber gemeldet: Das nennte Lanzenreiter- Re- giment, welches abgesandt wurde, um einen Anfklärungs- ritt zu machen, ist noch immer nicht eingetroffen. Man befürchtet, daß das Regiment von den Boeren aufgerieben oder ge- fangen genommen ist. Die gesamte Presse spricht ihren Unwillen über diesen vorausfichtlichen Verlust auS und macht die Heeresleitung dafür verantwortlich. Dieselbe sei anscheinend in den- selben Fehler verfallen, wie bei Elandslaagte. Im Süden. Queenstown, 25. November. Der Bürgermeister von Barkly East ist hier eingetroffen und berichtet, daß am letzten Mittwoch, den 22. November, siebzig wohlbekannte Farmer von Barky East eines Magazins daselbst sich bemächtigt hätten, das 399 Martini- Gewehre und 4999 gefüllte Patronengürtel enthielt. Des Abends seien 139 Boeren des Oranje-Freistaats eingetroffen und die Aufständischen hätten sich sofort mit ihnen ver- einigt. Kapstadt, 26. November. Die Boeren nahmen Stormberg. Ein zweites Gefecht Lord MethuenS. Nach einer in London am Sonntag eingegangenen Depesche des Lord Mcthnen ist derselbe am 25. ds. Mts. bei Tagesanbruch vorgerückt und bei Graspan auf eine feindliche Abteilung in der Starke von 2599 Mann mit 6 Geschützen und 2 Mitrailleusen gestoßen. Um 6 Uhr früh kam es zum Gefecht. Die Batterien eröffneten das Feuer und schössen mit S h r a p n e l l s, bis die Höhen verlassen schienen. Hierauf gingen die Seesoldatcn und Infanterie im Sturme vor. Nach heftigem Kampfe, der bis 19 Uhr dauerte, wurde» die Höhe» genommen. Die Boeren zogen sich in der Richtung auf einen Punkt zurück, wo das 9. Lancer-Ncgiment Aufstellung genommen hatte. um sie abzuschneiden. Im Augenblick der Absendung des Telegramms war das Ergebnis dieser Bewegung noch nicht bekannt. Die Artillerie benutzte sofort den Rückzug der Boeren. Bei Beginn dcS Gefechts griffen 699 Boeren die englische Nachhut an. die Garde- brigade schlug sie aber zurück und deckte die Flauken. Die Marine- brigade focht mit großer Tapferkeit und erlitt große Ver- l u st e. Einzelheiten sind noch nicht bekannt. Die Boeren leisteten hartnäckigen Widerstand und müssen große Verluste erlitten haben. So viel bis jetzt bekannt, sind 31 Boeren gefallen und 48 ver- wundet. Auf einem Platze lagen 59 Pferdcleichen. Die englische Kolonne wird einen Tag bei Graspan bleiben, um zu rasten und Vorräte und Munition zu erneuern; sie ist bereit, alle Schwierig- leiten zu überwinden. Bezüglich des Gefechts vom Donnerstag sagt das Telegramm Methueus noch: Wir wissen, daß 81 Boeren gefallen sind. Wir haben 64 Wagen der Boeren verbrannt, sowie 759 Geschosse, 59999 Patronen und eine große Menge Pulver vernichtet. Ferner meldet eine amtliche Depesche aus Kapstadt vom 25. d. M., daß Lord lvtethuen heliographische Verbindung mit K i m b e r I e y hergestellt habe. Präsident Krüger erkrankt? „Daily NewS" meldet aus Kapstadt vom Sonntag, nach verlaß- lichcr privater Information aus Pretoria erwecke der Gcsundhcits- zustand des Präsidenten Krüger Besorgnis. AuS einem Briefe JonbcrtS. Ein Mitarbeiter der„D. Z.", der mit General Joubert in Transvaal verkehrt hat, erhielt einen vom 27. d. MtS. datierten Brief. auS dem wir einige bemerkenswerte Stellen entnehmen. Joubert schildert zunächst die Vorgänge vor Ausbruch des Krieges. Er sagt:.... „Unter solchen Umständen mußten wir uns auf die e t g e n e Kraft verlassen, und diese nnt unermüdlichem Eifer und schweren Opfern zu heben und den Engländern nach Möglichkeit zu ver- heimlichen, war unser würdigstes Bestreben. Nun, es ist uns gelungen. Verkappte englische Spione ließen wir mit Absicht eine» Einblick in unser veraltetes Artillerie- niaterial thuu, von dem modernen Material und seinem ansehnlichen Umfange kam ihnen bis kurz vor Beginn des Krieges keine Ahnung auf. Nickt mit Unrecht bauten wir auf die Unznverlässigkcit der englischen Meldungen über ihre Schlag- fertigkcit. Ihren Rufen„Nach Pretoria!" legten wir ebenso� wenig Wert bei wie Deutschland anno 1379 den Rufen Pariser«schreier ä Berlin!"." Jonbert schildert weiter die fast unüberwindlichen Schwierig- leiten der Engländer und geht ans die Aussichten des Ver- t e i d i g n n g s k r i e g c s ein: „Der Verteidigungskrieg, an den wir in absehbarer Zeit noch nicht z» denken brauchen, bringt uns schließlich noch größere Vorteile als der Angriffskrieg. Mit dem Gelandewechsel tritt ein Wechsel der Taktik ein; in Natal und im Süden hatten wir mit wenig bekannten Verhältnissen zu rechucn. auf dem Hoch- land von Transvaal und vom Oranje-Frcistaat sind wir zu Hause. Die Engländer müssen»ms und der freien Gotlcsnatnr hier jeden Schritt unter den unglaublichsten Schwierigkeiten abkämpfen und immer gewärtig sei», nach zwei und drei Fronten einen Kampf anzunehmen, es wird dann— wie Sie sehr richtig annehmen— ein Guerillakrieg entstehen, wie er blutiger nicht zn denken ist und wie ihn die Engländer nur wenige Monate auszu- halte» in der Lage sind. General Joubert spricht schließlich als seine feste Neberzeugung aus, daß die Boeren obsiegen werden. Gegen den Krieg. London, 26. Novcmvcr. Die bekannten Politiker D i l k e und Labouchsre hielten Reden gegen den Krieg. Letzterer stellte fest, daß der Krieg bis jetzt bereits 339 Millionen Frank gekostet und mindestens noch das Doppelte kosten würde, bevor er beendet sei. Er ist der Ansicht, daß das Geld hätte besser verwendet werden können, um die Not in England zn mildern. Der Krieg werde vom Volke nicht gebilligt und finde nur Beifall in den Börsen- kreisen und in den Verwaltungen der Goldmincn. Keine Intervention. Die„Berliner Neuesten Nachr." schreiben: „Nach Erkundigungen an unterrichteter Stelle können wir nochmals bestätigen, daß es sich bei den Meldungen englischer Blätter über den Inhalt der Unterhandlungen in W i n d s o r um müßige Kombinationen und haltlose Er- findungen handelt. Nanientlich ist Transvaal überhaupt nicht ein Gegenstand von Verhandlungen oder Erörterung e n gewesen." Die Londoner Blätter befaßten sich eingehend mit der Rede des französischen Ministers des Aeußcren D e l c a s s ö in der Kammer und erklären, durch diese Rede sei England freie Hand in Südafrika gelassen. Letzte Meldungen. London, 27. November. Beim Kricgsamt ist eine Depesche de» General Bnllcr ans Pieterniaritzbnrg von gestern eingcganaen. welch« besagt: Die unter dem Befehl des Generals Hilynrd stehende Brigade rückte am 23. d. M. aus Estcourt gegen den Feind vor. der auf' dem Willow Grange beherrschenden Beacon-Hill Stellung genommen hatte. Das Vorgehen von uiiscrcr Seite hatte zur Folge, daß der Feind sich zurückzog und die Bahn- Verbindung sowie der Telegraph zwischen Estcourt und Weston wiederhergestellt wurden. Die Engländer verloren 14 Tote und 59 Verwundete. General Hildhard rückte nach einer Stellimg in der Nähe von Frere vor; er hofft, den Feind, der, wie man an- nimmt, auf Colemo zurückgeht, abzuschneiden. General Barton rückte von Westen aus nach Estcourt vor. Die Eisenbahn ist jetzt nordwärts bis Fröre offen. Eine beim Kolonialamt aus Pietcrmaritzburg eingegangene Depesche des Gouverneurs von Natal von gestern meldet: Die Boeren ziehen sich auf Wecnen zurück. Die Briten halten einen Höhenrücken 3 Meilen nördlich von Mooi River besetzt. Es hat den Anschein, daß die Boeren die Stellung der Briten zu stark fanden und in der Richtung auf Ladysmith zurückgehen. Der Tele- graph ist von hier bis Estcourt wieder im Stande Durban, 26. November. In dem Gefecht der von Hildhard befehligten Truppen beim Beacon- Hill vom 23. ds. wurden dem „Natal' Advertiser" zufolge auf englischer Seite 15 getötet und 72 ver- wundet. Das West Dorkshire-Reaiment hatte schwere Verluste. Major Hobbs geriet in Gefangenschast. Von den Unteroffizieren und Soldaten werden einige vermißt. Resultate der Berliner Stadtverordneten-Gtichwahle». 6. Wahlbezirk. Er erhielten Ewald(Soc.) 347, Barth(lib.) 1126 Stimmen. Bei der Hauptwahl hatten Ewald(Soc.) 499, Barth(lib.) 677 und der Antisemit 284 Stimmen erhalten. Gewählt: Barth(lib.) 7. Wahlbezirk. Es erhielten Karl Lankow(Soc.) 695, Ullstein(Lib.) 1411 Stimmen. Bei der Hauptwahl hatten Lankow(Soc.) 529. Ullstein(Lib.) 816 und der Antisemit 521 Stimmen erhalten. Gewählt: Ullstein(Lib.) 43. Wahlbezirk: Es erhielten Glocke(Soc.) 1999. Ullrich (Antis.) 1925 Stimmen. Bei der Hauptwahl hatten Glocke (Soc.) 895, Gerold(Lib.) 654 und Ullrich(Antis.) 393 Stimmen erhalten. Gewählt: Ullrich(Antis.) Die Wahlbeteiligung war in dem 45. Bezirk besonders stark. Die Antisemiten hatten eine fieberhafte Thätigkeit entfaltet. Alle Beamten wurden herbeigeschleppt, um unter dem Drucke der öffent- lichcn Stimmabgabe für den Antisemiten zu stimmen. Nach AuS- sage einiger Postbeamten ist ihnen vom Vorsteher mitgeteilt worden, daß sie zu wählen haben, und wurde ihnen dabei bedeutet, daß, wenn sie könlgStren wären, sie wohl wüßten, wen sie zu wählen hätten. Droschken und Kremser hatten die Anti- femitcn in Dienst genommen, um die säumigen Wähler herbeizuholen. So mußte denn der Antisemit mit Hilfe der Frei- sinnigen, die mit Ausnahme von 24 Mann, die bei der Haupt- wähl frcisimiig gestimmt hatten, ohne Unterschied ob Jud' ob Christ für den Antisemiten votierten, gewählt werden. ES macht einen heiteren Eindruck, einen Vertreter des Antisemitismus mit Hilfe derjenigen gewählt zu sehen, denen sein ganzer Haß gilt. Mehr als eine solche Sclbstentmaunung kann selbst die„Kreuz-Zeitung" vom liberalen Bürgertum nicht fordern, und insofern ist der AuS- gang der Wahl sehr lehrreich, bedeutsamer, als er unter anderen Umständen je werden konnte. Der Ausgang der Wahl kann nach der Haltung der beiden freisinnigen Fraktionen der Linken nicht überraschen, sie entspricht auch sonst den oft wiederkehrenden Gepflogenheiten der freisimiigen Partei. Mögen sich die Freisimiigen, die sich im innigen Verständnis mit den Reaktionären der antisemitischen Partei zusammengefunden haben, ihres SicgeS freuen, wir gönnen ihnen den Erfolg. Uetzke NktchvichZen und Depeschen. Französische Depnticrtcnkammer. PariS, 27. November.(W. T. B.) Fortsetzung. Bei der Debatte über das Budget des Acußcrn erklärt Delcaffe in Beantwortung mehrerer Anfragen, er habe an den französischen Vertreter in China sofort Jiiftruklionen geschickt, um Genugthmmg wegen der in Kwangtschouwan ermordeten Offiziere zu ver- langen. Weiter sagt Delcaffö, eine Machtsrnge gebe es nicht, Frankreich habe dort dieselben Rechte wie England; und protestiert gegen die Angriffe der Opposition, welche nicht mehr vor der Möglichkeit zurückschrecke, die Stellung Frankreichs dem Auslände gegenüber zn gefährden.(Beifall auf der Linken, Widerspruch auf einigen Bänken.) Bei dem Kapitel betreffend Gehälter der Botschafter verlangt Dclcaiss Wiederherstellung des Kredits für die Botschaft beim Vatikan und führt ans. cS handle sich um ein nationales Interesse; Frank- reich sei ein große? katholisches Land und so lange seine Regierung den Beziehungen des französischen Klerus zur römischen Kurie ihre Ailfmerksflmieit zuwenden werde, sei die Aiifrechtcrhaltnng der Botschaft beim Vatikan eine Notwendigkeit.(Anhaltende Bewegung.) Cochin erklärt, er werde für den Posten stimmen, wolle aber damir der Regierung kcm Vertrauensvotum geben. Der Vorsitzende der Bndgctkommissioii Meinreur bekämpft die Bewilligung des Kredits. Ribot spricht sich wegen der nationalen Jntcresscn dafür aus. Der Kredit wird mit 349 gegen 292 Stimmen bewilligt und die Sitzung fodaim geschlossen. Köln a. Rh., 27. November.v s k y. Zunächst wird der Antrag der Geschäftsorduuugs-Kommissiou, die Genehmigung zur strafrechtlichen Verfolgung des Abgeordneten 'Bau der t(Soc.) wegen Beleidigung des Bnchdruckcreibcsitzers Acrgcr-As'olda zu versagen, dcbnitcloS angenommen. Die zweite Beratung der Gewerbe-Ordnungs-Novelle wird fortgesetzt bei A r t. 6b, der im'Z 124-» der Geiverbe-Ordnung, nach welchem ans wichtigen Gründen der Arbeitsvertrag ohne Jnnehaltung einer Kündigungsfrist aufgehoben werden kann,„wenn derselbe -mindestens auf 4 Wochen oder wenn eine läiigere als 14tngigc Kündigungsfrist vereinbart ist", diese Bedingung der Aufhebung streichen loill. Abg. Frhr. von Stumm sRp.) beantragt, den Art. K b zu streichen. Abg. Frhr. v. Stumm(Rp.): Ich gebe zu, dag bei längeren Kündigungsfristen die sofortige Aufhebung des Arbeitsvertrages aus wichtigen Gründe» berechtigt ift,� bei kürzeren als 14tägigcn Kündigungsfristen dagegen kann ich diese Berechtigung nicht anerkennen, der ganze Arbeitsvertrag hätte unter solchen Umständen gar keinen Wert. Aüüerdcm ist doch der Begriff der„wichtigen Gründe" ein ganz unbestimmter. Wenn ein Arbeitgeber einen Werkmeister gegen den Wunsch der Mehrheit seiner Arbeiter behält, oder Arbeiter einstellt, die nicht organisiert find, so können das die Arbeiter sehr wohl als einen wichtige» Grund erklären, die Arbeit sofort einzustellen. Oder nehmen tvir an, ein Arbeitgeber hat Aussicht ans große Bestellungen, er stellt darauf- hin Hunderte von Arbeitern ein und erhält dann plötzlich die Nach- licht, daß er die BcstcUnng nicht erhalte. Das ist doch dann ein „wichtiger" Grund für ihn, die Hunderte von Arbeitern sofort wieder ohne Kündigung zu entlassen. Es ergäbe also eine große Unklarheit für die Auslegung des Arbeitsvertrages, wenn Sie den hier be- autragten Artikel 6b annehmcn würden und ich bitte Sic daher, ihn im Interesse der Arbeiter selbst abzulehnen und es bei den bis- herigen Bestiimnunge» zu lassen. Abg. Basscrman»(natl.): In der Kommission herrscht vollständige Uebercinstimmung darüber, daß dieser Artikel anzunehmen sei. Bestimmend war dabei die Thatsache, daß heute schon eine Kontroverse darüber bc- steht, ob die Einschränkung des 124a der Gcwcrbe-Ordiiuiig durch den§626 des Bürgerlichen Gesetzbuches, nach dem das Dienst- Verhältnis von jedem Teile ohne Einhaltung� einer Kündigungsfrist gekündigt werde» kann, wenn ein wichtiger Grund vorliegt, auf- gehoben sei oder nicht. Es wäre sehr ivünschenswert, wenn wir bei dieser Gelegenheit auch die Ansicht dcS LtcichS-Justizaintcs erführe». Für den Arbeiter ist es jedenfalls besser. Ivcnn im Gesetz fest um- schricbcnc AufhebnngSgründe für den Arbeitsvertrag angegeben sind. Durch Wiederherstellung der jetzigen Fassung des§ 124» wird aber natürlich die erwähnte Kontroverse nicht entschieden. Ich werde daher zwar für den Antrag Stnnnn stimmen, behalte mir aber für die dritte Lesung vor, den Artikel 6b eventuell in anderer Fassung wieder einzubringen. Württcmbcrgischer Ministerialdirektor v. Schicker: Ich darf wohl hoffen, daß nach den Ausführungen des Herrn Vorredners das hohe Hans den Borschlag der Konmiission nicht annehmen wird. Die Regierung legt aber Wert darauf, zu erklären, daß diese Bestimmung des§ 124» der Gcwerbc-Ordnnng durch den § 626 des Bürgerlichen Gesetzbuches nicht aufgehoben wird. Rur die Bestimmungen der Gcwerbe-Ordmnig sind durch das Bürgerliche 'Gesetzbuch aufgehoben, die im Einsührungsgcjctz ausdrücklich erivühnt sind und das ist bezüglich dieser Bestimmung nicht der Fall. Ich bitte Sic daher, den Kommissionsantrag abzulehnen. Abg. Stadthageu sSoc.): Ich bin diesmal in der seltenen Lage, einem Antrag des Abg. Stumm zustimmen zu können. Principi'cll ist ja die allgemeine Bestimmung, daß bei wichtigen Gründen der Arbeitsvertrag ohncKündi- gung aufgehoben werden kann, durchaus zu billigen, aber nicht in den Fällen, Ivo es sich um thatfachlich ividcrsprcchende Interessen handelt und wo der Richter sich leicht durch die sociale Lage des einzelnen Teils in seiner Entscheidung darüber, was richtig. ist. bestimmen lassen kann. Im Interesse der social schlecht gestellten Arbeiter liegt es daher, daß der Arbeitsvertrag möglichst genau umschrieben wird. Es kann in der That eine ganze Reihe solcher Gründe, wie sie Herr v. Stumm angeführt hat, geben, in denen es sehr zweifelhaft ist. ob' die angegebenen Gründe wichtig sind oder nicht. Jedenfalls ist es unter den heutigen Verhältnissen ganz klar, daß die Gerichte in den weitaus meisten Fällen zu IIn- gnnsten der Arbeiter entscheiden werden. Tic werden ohne Zweifel einen Streik z. B. nicht als wichtigen Grund zur sofortigen Nicdcrlegnng der Arbeit anerkennen, llcbrigcns möchte ich noch darauf hinweisen, daß, wenn auch unzweifelhaft der§ 626 des Bürgerlichen Gesetzbuchs auf das gewerbliche Arbeitsverhältnis im allgemeinen keine Anwendung findet, die Judikatur doch dahin gc- langen ivird. seine Gültigkeit für dos Lehrlingsverhältnis aiizn- erkennen, da dies ohne Zweifel zu den Arbeitsverhältyisfcii auf längere Zeit gehört. Ich hoffe aber. Herr Bassermann wird sich davon überzeugen, das; es am einfachsten ist, den Artikel 6 b über- Haupt zu streichen, und bitte Sie vor allem im Interesse der Ar- beitcr, die durch die Ausnahme einer solchen Bestimmung entschieden geschädigt werden würden, den Vorschlag der Kommission abzulehnen. (Beifall bei de» Socialdcmolratcn.) Abg. Dr. Fregc-Weltzicn(f.): Es ist hier von den verschiedensten Rednern nachgewiesen worden, daß es sich bei Streichung dieses Beschlusses der Kommission um eine Maßnahme im Interesse der Arbeiter handelt, und deshalb kann es auch den Kommissionsmitgliedern. die diesen Beschluß ein- sliinmig gefaßt haben, nicht benommen werden, jetzt ebenfalls für Streichung dieses Artikels z» stimme». Damit schließt die Diskussion. Für Annahme des Artikels 6b erhebt sich niemand, derselbe ist also gemäß dein Antrag Stumm q e st rich e n. Es folgt die Beratung von Artikel 6c, der die Kündigungsfrist für Betricbsbcainte, Werkmeister usw. nach den in den§§ 67— 69 des Handelsgesetzbuchs enthaltenen Bestimmungen regelt, so daß die Kündigungsfrist mindestens einen Monat beiragen und für beide Teile die gleiche sein inuß. Abg. Frhr. v. Stumm(Rp.): Ich habe in der ersten Lesung ausgeführt, daß im Gesetz die Möistichkeit gegeben werden müsse, Werkmeistern,� die sich zum Bei- spiel Bestechungen zu schulden kommen lassen, sofort zu kündigen. Daraufhin bin ich sehr heftig angegriffen worden. Es hat'mir aber natürlich ferngelegen, den Stand der Werkmeister überhaupt herabsetzen zu wollen. Er ist mindestens eben so ehrenwert wie der Stand der Unteroffiziere. Wie diese aber in einzelnen Fällen ihre Autorität gegenüber den Rekruten mißbrauchen können, so auch sn den einzelnen Fällen die.Werkmeister ihre diskretionäre Gewalt gegenüber den Arbeitern. Währenddessen habe.ich mich aber bc- lehren lassen, daß durch Aufnahme entsprechender Bestimmungen in die Arbcilsordnmig solchen-Ugbergrifscil.einzelner Werlmeister ent- -gegengewirlt werden kann. Daher habe ich für die zlveite Lestmg jeine weiteren Anträge hierzu gestellt. Abg. Bafsermau»(natl.) erklärt sich mit den Vorschlägen der Kommission einverstanden, die geeignet seien, die hcstchcnden großen Ungleichheiten in den Vertrags- Verhältnissen der Werkmeister:c. zu beseitigen. . Artikel 6c wird hierauf a n g c n o m in e n. des Jorniitb" Es folgt die Beratung von Artikel 6cl, dessen erste Ziffer ein Lohnbuch für minderjährige Arbeiter einführt durch Einschaltung eines dritten Absatzes in den§ 134 der Gewerbe- Ordnung. (Allgemeine Bestimmungen über die Verhältnisse der Fabrikarbeiter) welcher kantet: Ans Fabriken, für welche besondere Bestimmungen auf Grund des§ 114» Abs. 1(nach welchem der Bundesrat für bestimmte Gc- werbe Lohnbücher oder Arbcitszcttcl einführen kann) nicht erlassen sind, ist auf Kosten des Arbeitgebers für jeden minderjährigen Ar- bester ein Lohnbuch einzurichten. In das Lohnbuch ist bei jeder Lohnzahlung die Berechnung des verdienten Lohnes einzutragen; es ist. bei der Lohnzahlung dem Minderjährigen oder seinem gesetzlichen Vertreter, auszuhändigen und von dem Empfänger vor der nächsten Lohnzahlung zurückzureichen. Auf dnS Lohnbuch finden die im § 110 Abs. 1,§ III Abs. 2—4 enthaltenen Bestimmungen über die Einrichtung der Lohnbücher Anwendung. Abg. Frhr. v. Stumm(Rp.) beantragt, diese Ziffer zn streichen, oder eventuell statt„die Berechnung des verdienten Lohnes" zu setzen „der Betrag des verdienten Lohnes". Abg. Frhr. v. Stumm(Rp.): Die Fassung der Kommissionsvörlage ist durchaus unausführbar. Jede Erschwerung der Lohnzahlung rückt die Frist der Lohnzahlung zum Schaden des Arbeiters hinaus. Eine Erschwerung, liegt aber in der Vorschrift, die Berechnung des verdienten Lohnes in ein Lohn- buch einzutragen. Fast undurchführbar ist die Bestimmung in großen Betrieben mit Accordarbcit, wenn nur monatlich Loh» gezahlt wird und vorher Vorschüsse gewährt werden. Wenn der Bater des jngcnd- lichen Arbeiters der Ansicht ist, daß der Lohn falsch berechnet ist, so genügt ja die Einsicht in das große Lohnbuch.des Fabrikanten. Zur Kontrolle des jugendliche» Arbeiters durch den Vater, die ja socialpolitische Bedeutung hat, reicht es vollkommen aus, wenn der Betrag des vcrdicistcn Lohnes eingetragen wird. Das. hat mich zu meinem Eventualantrag geführt, wenn ich auch nicht verkenne, daß auch eine solche Bestimmung in großen Betrieben die Verschiebung der Lohnzahlung um mehrere Tage bewirken kann. Abg. Dr. Pachnickc(frs. Vg.): Daß' es sich empfiehlt, nur den Betrag des verdienten Lohnes einzutragen, ist von Frhrn. v. Stnnnn überzeugend nachgewiesen worden. Meine Bedenken gegen den ganzen Paragraphen sind so stark, daß ich eine Ablehnung empfehle. Die Lohnbücher für jügend- lichc Arbeiter haben sich in der Praxis nicht bewährt. Schon jetzt konnten sie durch Ortsstatut vorgeschrieben werden, aber nur ganz vereinzelt haben die Gemeinden davon Gebrauch gemacht. Auch die Annahme des heutigen Kommissionsvorschlageß, selbst wenn er im Sinne des Vorredners geändert werden würde, würde sich als ein Schlag ins Wasser erweisen. Sollte der Antrag dennoch Annahme finden,.so behalte ich mir bis zur dritten Lesung vor, eine Aenderjuig dahin zn beantragen, daß die Lohnbücher nicht für alle minder- jährigen Arbeiter, sondern nur für diejenigen unter 18 Jahren ein- geführt werden. Abg. Bebel(Soc.): Wir befinden uns abermals in der seltenen, aber doch sehr an- genehmen Lage, mit Freiherrn v. Stumm stimmen zu. können, solvohk sür seinen Evcntual- wie Priiicipalantrag. Zwar hat Freiherr v. Stumm schließlich sich bereit erklärt, den Paragraphen anzunehmen, unter der Voraussetzung, daß er in dritter Lesung verbessert wird. Aber wir sind unter allen lllnstiindcu gegen den Kommissionsantrag, weil>vir uns, wen» er so bleibt, ivie er dasteht, und das wird er doch wohl, gar nichts davon versprechen.können. Wir Häven uns schon 1891 mit aller Entschiedenheit dagegen gewandt, daß eine Be- stiinmuug über die Lohnzahlung jugendlicher Arbeiter, wie sie § 119» jetzt enthält, anfgenouimcn werde. Wir sind damals in der Minorität geblieben. Mittlerivcile mögen die Erfahrungen, welche mit jener Bestinnmnig• gemacht worden sind, auch bei Herrn v. Stnnnn die Ucbcrzcngnng wachgerufen haben, daß eine ähnliche Bcstimhmng, wie sie hier zn§ 134 verlangt Ivird, noch wenigcr Erfolg haben wird. Nun ist aber vom Urheber der gegenivärligen Gcsetzesfassung— ich glaube vom Abg. Dr. Lieber— neulich selbst bei Art. 6 hervorgehoben worden, daß der Wert der§§ 114». ff., ivie sie die Mehrheit angenommen hat. mir ein sehr problematischer sei. Ich behaupte aber, daß, wenn diese Paragraph- i unter Art. 6� einen problematischen Wert haben, diese hier zn§ 134» vor- geschlagene Bestimmung gar keinen Wert hat.. Die Vorredner haben das so anSkömnilich dargelegt. daß ich mir jedes Wort darüber sparen kann. Ich möchte Sie ernsthaft bitten: hiachcw Sie keine Gesetzgebung, wo große Paragraphen in die Gesetzgebung hineliiaeuommeil werden, von denen sich hinten- nach heransstellt. daß sie eigentlich eine überflüssige Dekoration derselben sind und bei der derjenige, tvclcher mit der(tzenürbe-Ord- iinng umgeht, auf Dinge stößt,' von denen er nicht-weiß, was er damit machen soll. Lehnen Sie gemäß den» Antrag Sinnini den' ganzen Artikel ab! Sollte er aber nicht abgelehnt w.crdcn, so iverdcn wir für den Evcntualäntrag Stumm stimme». Abg. Hitze(C.): Ich ziehe mich auf den Eventualantrag Stumm zurück, da ich eiilsehc. daß sich die Euitragmig der Berechnung dcS Lohnes für große Betriebe nicht durchführen läßt. Eine Kontrollo der jngeud- lichen Arbeiter durch die Eli er« ist von großer Bedeutung. Erhalten die jugendlichen Arbeiter nur Lohnzettel, dann können sie ihn. leicht mit solchen vcrtanschcn, ans denen geringere Beträge, als die wirklich verdienten eingezeichnet waren. Man muß das Treiben der jungen Bttrschen an den Automaten beobachten. um zn ermessen, ivie viel Groschen Lohn de» Eltern untcrschlageii werde». Deshalb sollte der verdiente Lohn wenigstens in ein Lohn- blich eingetragen werdest. Abg. Freiherr Heyl zu Herrnsheim(natl.); Die große Mehrzahl meiner politischen Freunde werdcii für den Koinmissionsvorschlag init der vom Abg. Stiinnn beantragten Ab- änderung stimmen. Der springende Punkt dieses Paragraphen ist nicht die Berechnung d.cs Lohnes fiir die jugendlichen Arbeiter, sondern die Absicht, das überaus lässige Vorgehen der Gcincindcn auf svcialpolitischcnl Gebiete durch die Gesetzgebung zu bekämpfen. Ich begreife nicht, ivie sich Herr Bebel hiergegen erklären kann. Oder ist er vielleicht mir ags dem Gnuide dagegen. damit die Eltern nickst erfahren, wenn die jugendlichen Arbeiter ihre Groschen der Socialdcmokratie zutragen?(Unrube bei den Social- demokraten.) ?lbg. Bebel(Soc.): Der Herr Abg. v. Hehl scheint nicht zu lvissen, daß»ach unserem Vereins- und Versainuiliingsg esetz jugendliche Arbeiter upseren Vcr- sammlunge», überhaupt politischen Organisationen nicht angehören dürfen, iveuigstens inüsscn sie in Preußen 18 Jahre alt sein. Im übrigen aber muß ich mir anss allerentschiedcnste verbitten, eine derartige Vermutung hier auszusprechen, so lange nicht Herr v. Hehl in der Lage ist, den Beweis dafür anzuführen, daß tvir eine solche Verinntung bei diesem Paragraphen besäßen. Ich würde mich in der That schämen, lvcnn ich selbst einen so kleinlichen Hintergedanken, wie er ihn mir unterschiebt. in der Bekämpfniig des§ 134» aiitvcnden sollte. Wir bclämpfcn vielmehr den Paragraphen, weil tvir in ihm eine chikanöse Bestimmung scheu und ihn für ganz inibrauchbar halten. Nun sagt Herr Hitze, die Elfern sollten dadurch die Möglichkeit erhalten, über den'Verdienst ihrer Kiuder unter 21 Jahren jederzeit Auskunft zu erlangen. Wenn das Familien- Verhältnis aber so beschaffe» ist, daß die jungen Leute mit den Eltern auf einem solchen Kriegsfuße stehen, daß sie nur durch gesetzliche Zwangsmittel genötigt werden können, den Eltern über ihren Ver- dienst Auskunst zu geben, dann ist das nicht allein traurig, sondern dann hilft auch das Gesetz nicht.(Sehr wahr! bei den Socialdem.) Denn diese jungen Leute kämen dann ja, wenn sie so auvgezeichncte � Diwstg, 28. ilminbtt 1899. Löhne erhalten, wie Llbg. v. Heyl meint, jederzeit in die Lage, ihre Eltern zu verlassen. Somit ist dieser ganze Paragraph ein Schlqg ins Wasser.(Sehr richtig! bei den Socialdemokrateii.) Gerade bei der Fluktuation der Arveiterbevölkerung,■ von der die jugendlichen Arbeiter keine Ausnahme machen, sind solche Bestimmungen gänzlich nutz- und ergebnislos. Der einzige Trost, den tvir haben, wenn Sie den Antrag an- nehntcst, ist der, daß er. wie Sie ihn auch formulicren, ans dein Papier bleibt, sonst müßten Sie eine ganze Reihe weiterer Bc- stimiunngen in das Gesetz aufnchincu, die(sie wieder nicht aufnehmen dürfen, weil denen die allgemeinen Gesetze gcgcnnbcrstchcii, das Recht der Freizügigkeit usw. Wir verkennen keineswegs, daß die Verhältnisse in den Fabriken in Bezug ans die jungen Leute sehr schwere Ucbclständc im Gefolge haben, aller tvir bestreiten auf das entschiedenste, daß»nan mit gesetzlichen Bestimmungen diese socialen Schäden heilen kann.— Sie sagen, tvir wollen die lüd�r- lichen jungen Leute zwingen, ihren Eltern jederzeit de» Nachweis zu liefern, was sie verdienen, gegebenenfalls ihnen Geld abnehmen könncil. Wie aber,-wenn der Vater Trunkenbold ist»md das schwer' erarbeitete Geld des Kindes haben will, um scistcr Trunksucht zu fröhnen?— Was niin unsere Stellung zil dem Evelitlialailtragc Stumm betrifft, so genügt es, wenn der Gesamt- betrag dasteht.' Was die Kinder im einzelnen verdient haben, können die Eltern doch nicht koiitrollicrcn. Außerdem ist es ein unbilliges Verlangen, wenn Geschäftsleute, die 20. 30, 40 derartige junge Leute beschäftigen, die Lohnbücher mit diesen ellenlangen Berechnungen ausfüllen sollen. Ich halte meinen Standpunkt, der dahin geht, den Antrag abzulehnen, für besser, werde aber, wenn der Antrag an- genommen wird, für diese Bcrbesscnlng stimmen.(Beifall bei den Socialdcmokraten.) Abg. JacobSköttcr(k.): Wir haben in der Koinmission für den Antrag gestimmt und werden auch jetzt für die Kominissionsfasstmg eintreten. Wir ver- kenneii nicht, daß einzelne Bedenken dagegen sprechen. Die von Herrn Hitze vorgebrachten Gründe sind aber für uns ausschlag- gebend. Den Evcntnalnntrag Stninnt halte» wir für eine Vcr- befferiliig. Bis zur dritten Lvsnng behalten wir uns vor, eine neue Fassung'vorzuschlagen. Llbg. Frhr. v. Hctzl(natl.): Ich habe Herrn Bebel lediglich gefragt, ob ihm die erzieherische Tendenz dcS Antrags nicht syippathisch sei, uiid ob der Partcikasse nicht etwa die Beiträge ans den Löhne» der jugendlichen Arbeiter für die.socialdenivkratischc Partcikasse wichtiger seien. Ich ging dabei davon ans, daß die Socialdcmokratie für Avschaffnng der elterliche» Autorität sei, weil sie ja auch die Ehe abschaffen will.(UnruHe bei den Socialdcmokraten.) Abg. Franke»(natl.) sieht in den Kontmissionsvorschlägeu ein ivirksameS Mittel, die Jllgcnd zn kontvollicren, und wird deshalb dafür stinimen. Abg. Dr. Pachnicke(frs. Bg.) erklärt sich gegen die KounnissionSvorschläge, wegen der unvcrmeid- lichen Scherereien für die Arbeitgeber, Diese könnten leicht deshalb überhaupt von der Einstellung jugendlicher Arbeiter absehen. Llbg. Molkeubnhr(Soc.); Wo die Erziehung dnrcki die Kirche Schiffbruch gelitten Jjat, scheint Herr Hitze den' Polizisten zn Hilfe rufen zu tvollen,(Sehr richtig! bei den Socialdemokrateii.) Der Paragraph schafft, überdies ein Äusnahincrecht, denn die jugendlichem Arbeiter im Handwerk fallen nicht nn.ter die Kontrolle. Ebenso sind die iin Handcls- gcwcrbe beschäftigten Arbeiter frei und nur die Fabrikarbeiter unter- stehen der Kontrolle. In den meisten Fällen ist den Eltern der Per- dienst der Kinder genau bekannt, nur bei Accordarllrit nicht immer. Ter Vorschlag des'. Herrn Hctzl soll, auch die Socialdcmokratie be- kämpfen helfen. Dinge, die sonst zu nichts nutze sind, sollen gegen die Sociakdcmokratic helfen, das ist ein alter Aberglaube dcx bürget- lichen Parteien. Die Rcccpte gegen die Socialdemokratie werden wieder um eine Ninnincr vermehrt sein, aber Helsen wird auch diese neue Rmnmer nichts.(Bravo! bei den Socialdeinokraton.) Abg. Möller(natl.): Ter Gedanke, die Loslösnng der jugendlichen Arbeiter von der Familie zn verhindern, ist auch mir shinpatisch, aber ich muß mich hier den Bedenken des Abg. Bebel anschließen und' halte die hier vorgeschlagenen Bcstimmnngcn für ciiicii Versuch mit nntang- lichen Mitteln. Ich kann deshalb für die KolnmissiöuSfasstmg nicht stimmen.:,, Abg. Bebel(Soc.): Nach den Acußcritzigen, die lucr von verschiedenen Rednern ge- fallen find, besteht die Absickii, mit' diesem GesctzeSporagraphcn eine erzieherische Wirkung' anszunben. Zu diesem Zwecke sind die jngcnd- lichen Arbeiter hier in sehr schwarze»» Lichte dargestellt worden. Wgrunl schilt man aber hier mir die jugendlichen Arbeiter, warum nicht«»ich die jugendlichen Söhne von Kaufherren und Fabri- kauten?(Sehr gut! bei den Socialdcmokraten.) Die jugendlichen Arbeiter geben ivcnigstciiS nur das leichtsimiig aus, was sie sich selbst erarbeitet Hr.:». Für die anderen jugendlichen Personen, ivelche ich eben erwähnt habe, können die Eltern oft daS gar nicht herbeischaffen, ivas.sie in. einer Nacht leichtsinnig aufs Spiel setzen. Da ivird in einer Stunde oft mehr vergeudet als hundert. Arbeiterfamilien das ganze Jahr über berdiencn. Warum geht«lau dagegen nicht gesetzgeberisch vor? Es gicbt doch eine Menge nmnündiger Offiziere, die»nir ihre»! Gehalt nicht aus- komuien und leichtsinnig Schulden machen, und der Harm- losc»»-Prozcff hat nach dieser vlichtnng hin sehr wenig schmcichcl- hafte Bilder über unsere goldene Jugend aufgerollt. Den Vergleich mit dieser Sorte von Menschen haben unsere jugendlichen Arbeiter wahrlich»ichr zu scheuen.(Sehr richtig! bei den Socialdcinokratcn.) Herr v. Heyl verbindet mit den» Paragraphen auch noch politische Zwecke, aber es ist doch»neekwürdig, datz diesmal die Herren Stuinin und Möller, die sonst bei jeden» politischen KnebclnngSversuch gern dabei sind, sich ablehnend gegen die Vorschläge des Herrn v. Heyl verhalten, der sich ja mit Srolz einen liberalen Arbeitgeber nennt. Herr v. Hehl hat zun» zweitenmal die Jnsiunation wieder- hott, die ich schoi» nach dem erstenmal zimickgeivicsei» hatte. Das spricht von eine»» solchen Tiefstand der Gesimuilig, daß ich zur Kennzeichnung keilten parlanicntarischen'Ausdruck bei der Hand habe. Viceprnsident p. Frege: Herr Abg. Bebel, die Worte:„Tiefstand der Gesinnung', sind in der Verbindung, wie Sie sie hier gebraucht haben, parlaineutarisch unzulässig. Abg. Bebel(fortfahrend): Was würde Herr v. Hehl sagen, lvenn ich ihm unterschiebe, er beabsichtige mit diesen gesetzlichen Bestimmungen hier ein kleines Socialistcngesetz i» die Gewerbe-Ordnung hincinznbringen. Das würde er sich gewiß entschieden verbitten. Aber ich könnte das mit größerem Rechte sagen als wie Herr v. Heyl uns insinniert, wir träten nur für die jugendlichen Arbeiter ein, weil tvir ihre Groschen haben wollten.'Auch tvenn ivir keinen roten Heller von ihnen bekämen, unsere Stellung- »ahme wäre dieselbe. Nachdem sich Herr v. Hehl so ausgetrinnpst hat, übcrtrunipst er sick, noch selbst und sagt, wir seien gegen die elterliche Autorität, tveil tvir die Ehe abschaffen wollen. Eine solche Geschmacklosigkeit hätte ich ihui nicht zugetraut, weil ich immer an- nahm,.daß er in der socialistischen Lilteratnr doch einiges, maße u Bescheid weiß. Soweit die socialistischen Führer vcr- heiratet sind, leben sie in legitimer, nicht etwa in wilder Ehe, und jeder von iins hat bei seinen Kindern miiidestens so viel Autorität und Einfluß wie Herr v. Hehl und seine Freunde. Herr v. Hehl möge»nir eine Stelle in der iocialistischeit Liiterntur zeigen. welche die Abschaffung der Ehe verlangt. Er vermag cS nicht. Wo von btt Uinwandlung und llmgcstaltuiig der Eheverhältuissc die Rede ist. da ist nur gesagt, daß sich ebenso wie die socialen und Wirt- fchaftlichcn Verhältnisse der Verkehr der beiden Geschlechter um- gestalten und ändern werde.(Sachen bei den Nationallibcralen und rcchlS. Rufe: Da haben Sic ja die Bestätigung!) Das verstehen Sie nicht(erneutes Lachen bei den Natioiiallibe'ralcn), nein, das verstehen Sie nicht, dazu sind Sic in all zu grostcu Vor- urteilen besangen. Mit dem ganzen GesctzcSvorschlag werden Sie nur da-Z Gegenteil voii dem erreichen, was Sie erreichen wollen. Sic werden den Streit erst, i» d i c F a ni i l i c n h i n c i n b r i n g c n. denn wenn ein jugendlicher Arbeiter oder eine Arbeiterin sich weigert, den Lohn beranSzilgeben. so kann er ihnen nicht genonuncn'wcrdrn. Die Folge dcS Streits wird nur sein, dag die jugendlichen Leute das Elternhans verlassen. Ist denn die Mehrzahl der Leute, ans die es hier abgesehen ist, überhaupt jetzt noch im Elternhaus?(Abg. Rettich: Leider nein!) Jawohl leider, aber ich kann es nicht ändern. Ii» übrigen ist es eine unerhörte lkcbcrtrcibung, wenn Sie de» Leichtsinn der.jugendlichen Arbeiter und ihren Häng, daS Geld zu verjubeln, hier als so gros; hinstellen. Wenn Sie konsequent sein wollten, mutzten Sie die Bcstiinnnuigcn ans alle jugendlichen Ar- bester ausdehnen und denjenigen, die nicht i» der Heimat beim Elternhaus sind, einen Vormund von Ainlstvegen stellen, der die Kontrolle ansnbi. Das können Sie nicht und so lange Sie das nicht kvnncu. bleibt die ganze Bcstilnmnng ein Schlag ins Wasser.(Bravo I bei den Socialdemokraten.) Abg. Dr. Hitze(C.): In den kleinbürgerlichen Verhältnissen sind die Dinge nicht so schlimm, wie in der grotzen Industrie. Dein HaildtverkSmeiftcr steht der Vater des jugendlichen Arbeiters doch viel näher, als dein grotzen Habrikherrn. Der Abg. Bebel hat sich gewundert, datz wir so für die Söhne der Arbeiter sorgen und uns nicht um die Kinder der Fabrilauten kümmern. Ja, in Fabrikanteukreisen ist die Autorität des Vaters nicht so erschüttert und leichter aufrecht zu erhalten als in Arbcitcrkrcisen. Es ist also die Sorge um das Wohl des Arbcitcrstaiidcs, die unser» Standpunkt bedingt. Die Gesetzgebung hat nach unserer Auffassung die Aufgabe, über die Durchführung des vierten Gebots zu wache».(Bravo! im Centrum und rechts.) Ich bc- greife jetzt vollkommen, weshalb sich Herr Bebel so gegen diese Bestimmung ereifert. Sie st ä r k t die Autorität der Eltern und die Socialdemokraten wollen sie beseitigen. Das ist ganz konsequent. Nach Ihrer Auffassung(zu den Socialdemokraten) ist die Ehe eben nur ein Privatvertrag, wie jeder andere, von dem die Vcrtragschlietzcndcn jederzeit zurücktreten können. Nach Ihrer Meinung soll die Ehe jederzeit kündbar sein tvie jeder Privatvertrag Ja. Sie verlangen, datz sich Staat und Gesetzgebung gar nicht darum zu kümmern hätten. Ihre Ansicht ist. datz der Wkami gar nicht die Verpflichtung hat, für die Mutter aufzukommen und für daS Kind. � Die Fürsorge für Mutter und Kind übernimmt Ihr Social st aat oder die Gemeinde. Die Mutter kommt ins Wöchnerinnen-Asyl. Das Kind wird nach einer gewissen Frist der staatlichen Erziehung überwiesen. Mit einem Wort: Sic wollen in Ihrem Zukunftsstaal die Mutter beseitigen(Stürmische Heiterkeit bei den Socialdemokraten.). ich meine die Mutterschaft(Erneute. Hcitcr- keit.), natürlich nicht die physiologische, die Sic allein anerkennen, sondern die geistige und ideale Seite der Mutterschaft, die wir hochhalten,(Bravo I im Ccntrmn.) Wenn die Mutter nicht mehr die Pflicht der Erziehung hat, sondern diese vom Staate übernommen wird, wenn der Vater sich gar nicht um das Kind zu kümmern braucht, dann steht den Eltern natürlich später auch keine Autorität zu. Sie beseitigen die Pflichten der. Eltern, an die Stelle von Vater und Mutter treten Staatsbeamte. Iliid Sic führen als Grund dafür o». datz die Erziehung ein so schwieriges Geschäft ist, datz nur gebildete Leute sie verrichten dürfen. Die Mutter darf höchstens zur Kinderkrippe gehen nnd das Kind einmal besuchen. Das ist das Bcbelsche Zukuiiftsstaatsrezept.(Lachen bei den Socialdemokraten), zu dem lvir im principiellc» Gegensatz stehen. llnscre Anfgahe ist es. Ehe und Familie zu stärken. Da aber auch nach Ihrer Anffassuiig die Abänderung der Ehe ZllkunftSsache ist, sollten Sic sich heute ans den Boden der Gegeinvarr stellen und für unsere Anträge stimmen.(Lebhaftes Bravo im Centrum.) Abg. Frhr. v. Stumm(Np.); ES kann nicht bestritten werden, datz die Socialdemokraten die Abschaffung der Ehe und die Einführnng der freien Liebe in ihr Programm aufgenommen haben. Was die vorliegenden Paragraphen anlangt, so kann ich Herrn Pachnicke bestätigen. datz die Kpmuinncn bisher von der Erlaubnis wenig Gebrauch gemacht haben, durch Orts- stntnt LohnzahlungSbüchcr cinzuführen, und zwar deshalb, weil die jugendlichen Leute und die Eltern in dieser Bcsnnmuliig ein Mitztraucns- Votum erblicke».(Sehr richtig!) Auch der Arbciterausschutz meiner Fabrik hat sich einstimmig und zwar aus demselben Grunde gegen die Einführnng dieser Kontrolle erklärt.(Hört, hört! bei dcii Socialdemokraten!) Herr Hitze geht zu weit. Das Geld, das der jugendliche Arbeiter verdient, gehört von Gott und Rechtswcaeu ihm; gclvitz ist er moralisch verpflichtet, die Eltern zu unterstützen; aber man darf doch nicht sagen, das Geld, daS cr verdient, gehört nicht ihm, sondern den Eltern. Abg. Frauke»(natl.) bestreitet, datz in Schalke die Löhne der jungeudlichen Arbeiter niedrig seien. Bei ihm(Redner) verdienten sie 2,50—3 M. täglich. Dagegen zahle der Potschappcler socialdcuiokratischc Koilsuinvcrci'n sehr niedrige Löhne und habe für die Geschirrführer eine Arbeitszeit von'/eö bis 7 Uhr, wie sie in keinem bürgerlichen Geschäft üblich sei. Abg. Bebel(Soc.): Die Anstände in der Fabrik dcS Herrn Franken kelinc ich nicht. Ob die Löhne, die er für die jugeiidlichen Arbeiter von Schalke ge- naniit hat, die richtigen sind, lätzt sich erst feststellen, wenn ein Ver- gleich der Löhne mit den Nachbarfrcisen gezogen wird. Der Abg. Möller hat mit vollein Recht darauf hingewiesen, datz seit 1890 die Zahl der jugendlichen Arbeiter und Arbeiterin»»! bedeutend gestiegen ist. Was ist der Grund für diese gewaltige Zlinahme? Die Technik, die Maschinerie, die Teilung derProdliktionsprvzcsse der Gratzindnstrie haben so mächtige Fortschritte gemacht, datz man heute Arbeite», die vor 20 Jahren von erwachsene» und gelernten Arbeitern verrichtet werde» mutzten, heute von jugendlichen Arbeitern und Arbeite- rinnen verrichten lassen kann. Datz bei dieser Entivickimg die Löhne der jugeiidlichen Arbeiter gestiegen sind, ist klar. Herr Franken hat wieder von socialdeinokratischcn Konsumvereine» gesprochen. Ich habe wie so oft schon nochmals auf das uachdrücklichsle hervor: Es kann und darf kciiic svcialdcinokratischcn Konsumvereine geben. Tic Statuten dieser Vereine gestatten jedem den Zutritt, nirgends findet sich die Bestimiimng, datz mir Socialdemokraten eintreten können. DaS wäre ja auch vom Staiidpunkt des Gesetzes ans im- möglich. Nach dieser Logik mützten Sie mich die Hilfskaffen, die FabrU-Kraukenkasse» und die Orts-Krankenkassen, in deren Vorständen so viele Socialdcinokrateii sitzen, socialdcmokratisch ncimcii.(Herr v. Stumm nickt.) Winideibareriveise nickt mir Herr v. Stumm zu. DaS verstehe ich absolut nicht. Genau so steht cS auch mit den Kviismn- verciiicii. Wir lehnen die Beranttvortlichkeit sür die Thätigkeit der Konslinivertinv aus das entschiedenstc ab, wir haben gar keine Lust, alles zu verantworten, was in ihnen geschieht, nnd das versichere ich Ihnen, wenn wie einzngreifcn hätten, würden wir manches anders»lachen. Andrerseits mutz aber mit demselben Nach- druck hervorgehoben werden, datz die durchschnittliche Lage und Lohn- böhc der i» Koiismnvcreinon angestellten Arbeiter besser ist als in den übrigen bürgerlichen Geschäften, auch in Beziig auf die Arbeits- zeit.(Sehr richtig! bei den Socialdemokraicii.) Tie Bestimnimig über die Arbeitszeit der Geschirrführer im Koiisiimverei» iil Potschappel ist gewitz hart. Am besten können Sie �iber dieser langen Arbeitszeit dadurch entgegcnivirkeii, wenn Sie unfern Antrag, einen Noruialarbeitstag, sagen wir zunächst von 10 Stundeil — wir lasten ja mit nns handeln(Heiterkeit bei den Socialdcino- kraten)— amiehmen wollten. Das haben Sie aber bisher nie gc- wollt. UcbrigcnS liegen mich die Arbeitslöhne im Speditionsgeschäft überhaupt sehr migünstig. Was für Löhne Konstimvereine zahlen, dafür giebf der- Dresdener Konsnmvcrcm ein glänzendes Beispiel. Hier sind die Arbeitsbedingungen für jeden Angefteklicii viel günstiger als in irgend einem anderen Äonkmrcnzgcschäft. lind so wie in'DreSden liegt es auch in Leipzig mid Ehemnitz. Die Leute drängen sich zu den Posten; das würde doch nicht der Fall sein, wenn die Bedingungen so schlechte wären. Herr Stumm hat eine interessante Aeutzernng gcthan: sein Aebeiter-Ausschn hat die Einführnng von Lohnzahlungs-Büchern für jugendliche Arbeiter einstimmig'abgelehnt mid zwar, weil auch die erwachsenen Arbeiter darin mir ein MitztranenSvotilnr gegen jiigcublichc Arbeiter erblickten. Das sollte für Sie doch matzgebend sein. Wenn in einem Betrieb, tvie dem des Herrn Stumm, von dem es heitzt, da die Arbeiter nicht grotze Selbständigkeit gegenüber dem Unter- nchmcr besitzen(Widerspruch des Herrn v. Stumm), ein solcher Bc- schlntz gcfatzt wird, so ist das der schlagendste Grund gegen die hier empfohlenen Bestiminmigen.(Sehr richtig! bei den Socialdcnio- kraten.) Daneben hat Herr v. Stumm noch behauptet, im social- demokratischen Programm stände, wir wollten die Ehe ab- schaffen und die' Freiheit der Liebe einführen. Ich wäre ihm sehr dankbar, wenn cr mir auch mir ein socialdcmokratischcs Programm oder ein ähnliches offizielles Aktenstück miserer Partei vorlegen wollte, in dem solches Zeug steht.(Sehr richtig! bei den Social- dcmokratcn.) Wohl finden sich ähnliche Gedanken m der socialistischcn Litteratnr, vor allem in meinem bekaimten Blieb;„DieFran". Dies Buch aber enthält, tvie ich bei verschiedenen Gelegenheiten hervor- gehoben habe, imr m eine rein p r i v a t e n A n s i ch t e n(Abg. Hitze: Das ist noch ein Trost!) und meine Ansichten über die Ehe beziehen sich aus eine Gestaltung der socialen und ivirtschaftlichen Verhältnisse, von denen weder ich noch ei» anderer sagen kanii, wmiii sie eintritt. Gewitz ist mein Buch eines der weitgclcsclistcn Bücher der Parteilitteratur, mich hier im Reichstag wird'cs wohl viel gelesen— ich wollte es mir aus der Bibliothek holen kafscu. tonnte es aber .nicht erhalten(Grotze Heiterkeit), künstig werde ich mir ei» Hand- excniplar immer initbringen.(Erneute Heiterkeit.) Was lntzr mm Herr Hitze nils behaupten und glanben? Nack unserer Meimnig soll die Ehe nur ein Privatvertrag sein. Diese Bchanptnng iverden Sie nirgends beweisen können. Weim unsere Stellung zur gegenwärtigen bürgerliche» Ehe bei irgend einer Gelegenheit hätlc erörtert werden kömieii, so beim Bürgerlichen Gesetzbuch. Ans nnscren damaligen Reden mid Anträgen wird cr aber keine Bestätigmig dieser seiner Allffassliiig unserer Anficht siuden. Wir stehe» nur auf dem Stand- piuikt, datz die Ehe iii der heutigen bürgerlichen Gesellschaft ein bürgerlicher Vertrag sc!» soll nnd kein religiöser Vertrag. Das war auch der Standpunkt Luthers, das' ist der Standpunkt unserer ganzen Gcsctzgcbnng. Auch sie betrachtet die Ehe nicht als kirchlichen Akt. sondern macht ihre Rcchtsgültigkcit vom bürgerliche» Vertrag abhängig. Sic(zum Cciitriim) mögen aus religiösen Gründen anderer Ansicht sein, nach dem Bürgerlichen Gesetze ist die Ehe aber nur ein bürgerlicher Vertrag und kmui auch nur auf Grund des bürgerlichen Gesetzes geschlossen werden. Ebenso falsch ist Herrn Hitzes Behauptung, datz lvir die V e r p f l i ch t u n g d c r Väter lengneten, für Mutter nnd Kinder zu sorgen. DaS steht im vollen Widerspruch zu den Antragen. die lvir beim Bürgerlichen Gesetzbuch gestellt habe», um die Alimentationspflicht der Väter miehelicher Kinder zu erweitern. 5keinc Partei ist in dieser Bezichnng iu der Fürsorge für Mutter und Kind so tvcit gegangen, wie wir.(Sehr richtig! bei den Socialdciiiokraten.) S i e h a b e n» n s b e i d i e s e n A» t r ä gen i in Stiche gelassen. Es widerstreitet also direkt der Wahr- hcit, wenn Herr Hitze nns solche Aiisckianniigc» nntcrschicbt. Herr Hitze hat dann iveiter behanplet, im socialistischen Staale würde die Mutter beseitigt sein.(Heiterkeit bei den Sorialdemokrateii.) Ich schiebe diese Bchanptimg aus scinen Mangel an Sachkemitnis. (Stürmische Heiterkeit.) Ich frage Sie unr, wie' soll denn das gemachr iverden?(ErncntcHeiterkeit.) Wirsagen folgendes l Wenn die vollständige Uiiigcstallnng aller socialen und wirtschaftlichen Verhältnisse, wie wir sie erstreben, erreicht sein wird, dann wird in mnfasiendcrer Weise als hente die ErziehniigSpflicht der Gesamtheit gegen die Kinder in den Bordergrimd treten. Thöricht ist es, zu behaupten, datz Vater und Mutter dann nichts hiiicinzlircdcn hätten. Ich sage Ihnen, so 'chlimm wie in Ihrem GegeiilsartSstaat wird es dann in dein Zu- kliiiftSstaat nicht werden.(Lebhafter Beifall bei den Sveialderno- kraten.) Ich erinnere Sic an die K a d c t t e n a n st a I t e n, wo die Eltern zur Erziehung der Kinder„nix tau seggen" haben, ich erinnere Sie an die Erziehung der Kinder in den K l ö st c r n, ? e n s i o n a t e Ii nnd Alumnaten: Da köinicn sich die Eltern gar nicht um ihre Kinder küinmerit. Unser Staat aber wird der demokratischste sein, der je existiert hat.(Bravo! bei den Socialdemokraten.) In diesem Staate iverden Männer nnd Fralien gleiche Rechte genictzcn, Wahlrecht und Erzieh» n gsr echt. Unsere Änschanmigcn sind in der Tbat von dencii des Herrn Hitze giiliidverschiedeii, aber dafür mich viel vcr- iinnftiger.(Lebhafter Beifall bei den Socialdemokraten.) Wieepräsident v. Frcgc: Ich habe bisher der Diskussion den weitgehendsten Spielramn gegölint(Heiterkeit). Nun möchte icki aber doch bitten, mir noch zur Sache zu sprechen. Erneute Heiterkeit.) Abg. Frhr. V. Hcyl(natl.).: Politische Motive spielen bei nnS nicht mit.(Abg. Bebel: Sie haben es ja vorhin selbst gesagt!) Der ganze Paragraph geht ja den Arbeiter nnd den Arbeitgeber nichts, sondern mir den Vater cnvas an. Ob der Vater dem Sobn verbietet. jocialdeniolMlische Beiträge zu leisten oder nationalüberale Zeitungen zu halten, ist mir ganz gleickgültig dabei. Wenn mir also deshalb Herr Bebel Tiefstand der GesimilMg vorwirft, so trifft ihn das mir, nicht mich. (Sehr richtig! bei den Nationalliberalen.i Was min die Ab- schafflliig der Ehe anlangt, so verweise ich nach der Ab- leugnmig durch den Abgeordneten Bebel auf das Kouninmistischc Manifest, von Marx, das noch hente als die Hanplgrimdlage der socialdcniolratischen Partei gilt nnd wclckcS ganz klipp und klar die A b s ch a s s n ii g d c r' E h e aussprichst Herr Bebel hat heute ivicdcr einmal Znkunftsbilder ausgeinalt. Ich möchte ihm in Er- inncruilg bringen, datz ihn sein Parteigenosse Auer in Hannover als cincn der schlccklteftcn Propheten bezeichnet hat, weil der von ihm prophezeite Kladderadatsch sich nicht eingestellt hat.(Heiterkeit.) Die Verhandlniigeli in Haiinover haben aber auch den Beiveiö erbracht, datz man in der Socialdemokratie selbst nicht mehr an den Kladderadatsch glaubt.(Beifall bei den Nationallibcralen, im Centrum und rechts. Abg. Frhr. v. Stnnim(Rp.): Herr Bebel hat aus daS socialdernokratifche Programin hin- gelvieseli. Ja. was ist denn das Programm. Nach der Richtung maus«! Sie sich ja fortwährend, so datz das Programm alle Tage anders ist. Wenn Herr Bebel mir erwidert hat. solch ein Zeugs steht nicht in der offiziellen socialistischen Litteratnr. sondern nur in seinem Buche„Die Frau", so bin ich mit dieser Kritik des Buches mit dem Verfasser einer Meimmg.(Heiterkeit.) Abg. Graf Oriola(untl.): Ich muh Hern« von Stumm reckt geben, datz man doch das, was Herr Bebel in seinem Buche geschrieben hat, nicht als Privat- meiiiimg aiiffasseii kann.(Abg. Singer: die Meinung des Herrn Basse rmaiiii zur Zuchthansvorlage ivar ja auch nur seine Privat- meinnng. Grotze Heiterkeit.) Es wäre doch wünschenswert, ivemi nmi endlich einmal ein klares Programm von der Socialdemokratie aufgestellt Ivürdc, damit man wühle, was die Socialdemolratie nnn ivirflich über die Ehe denkt und ivas sie nicht darüber denkt nnd wie sie sich den Znknnftsstaat denkt nnd lvie sie ihn sich nicht denkt. (Bravo in der Mitte nnd rechts.) Der Wunsch nach einem solchen Programm ist zu berechtigt(Abg. Singer überreicht dem Redner ein Parteiprogramm); Grotze Heiterkeit!), denn nagelt man die Herren ans Stellen in ihrer Litteratnr fest, so erklären sie dieselben für Privatansichten. Für Abschaffung der Ehe hat auch die„Sachs. Ärbeiterzcitling" plädirt. Redner verliest(offenbar ans einem „Socialdc>nakratcnspiegel''1 eine Stelle dieser Zeitung, in der von dem ziiküiiftigeii srcicii Verkehr der beiden Geschlechter die Rede ist. (Heiterkeit!) Abg. Bcbcl(Soc.): Wenn wir uns nicht ans genaue Schilderung des Zükunftsstacktes einlassen, geschieht das, weil wir im Gcgcmvartssiaate noch soviel Wünsche haben, datz nnsere Zeit mehr als genug damit in Anspruch genommen wird. Ich rate dein Grafen v. Oriola deshalb, sich über den Zukniiftsstaat nicht den Kopf zu zerbrechen, sonderit lieber mehr auf die von nns schon beantragten Reformen ein- zngchcn. Das wird»nS vielleicht einander näher bringen. Sein Wunsch nach eiilem socialdemokratischen Programm ist viel bescheidener und vom Kollegen Singer, wie ich sehe, ja auch schon erfüllt worden.(Heiterkeit.) Wenn sich Herr Graf Oriola ivundcrt.'datz bei meiner Stellung in der Partei es Genosscil ab- lehnen, das Ivos ich in meinem Buche„Die Frau" gesagt habe, zu uiiterichreibeii. so antworte ichZihm: Päpste giebt es in der Social- dcuiokratie nicht und die Geiiosscn sind in ihrem Recht.(Grotze Heiterkeit). Weuu Herr Graf Oriola nach meiner Rede dabei bleibt. datz die Socialdemokratie die Ehe abschaffen will, so beweist mir das nur. datz cr nicht im stände war. das zu versteheii, was ich gesagt habe. Diese Unsähigkeit, mich zu verstehen, enthebt mich aber aller weiterer Beweisführungen.(Heiterkeit.) Hiermit s ch l i e tz t d i e D i s k u s s i o n. Ein Antrag Stumm statt„Lohnbuch" zu sagen«Lohn- z a h l u n g s b n' ch" ivird a n g e n o m in e n. Auch der Antrag Stumm auf Ersetzung der Worte„Bercchnimg des verdienten Lohncs" durch„Betrag des verdiciitcn Lohnes" wird angenommen. ebenso die damit geänderte Ziffer I des Artikels 66. Dagegen stimmen mir die Socialdemokraten nnd Freisinnigen. Art. 66 verbietet in Ziffer II die Anslöhnung am Sonn- abend oder Soniitag, Der Artikel fügt in Z 134b, der die Be- stimmnitgen festsetzt, die in der Arbcitsordming enthalten sein müssen, zu Ziffer 2, welche lautet:„über Zeit nnd Art der Abrechnung nnd Lohnzahlinig" hinzu:„mit der Matzgabe, datz die regelmätzige Lohn- zahlnng nicht am Sonnabend oder Sonntag stattfinden darf. Ans- nahmen lvnncn von der untcren Vcrlvaltimgsbchörde zugelassen werden." Abg. Frhr. v. Ttninm(Rp.) bcanlragt, jdie Worte„Soiuiabend oder" sowie den letzten Satz zu streichen. Die Abg. A l b r e ch t und Gen.(Soc.) beantragen, datz diese Bestiniimiilgell nicht mir für die Fabrikbctriebe gelten sollen, sondern für alle Gelv erbebet riebe, und zwar soll diese Be- stimniung dem§ 115 Abs. 1 als Zusatz hinzugefügt werden. wclck>er den Gcivcrbctrcibcndeii die Art der Lohnzahlung vorschreibt. Abg. Frhr. v. Stnmm(Rp.) befürwortet seinen Antrag. Die Lohnzahlung am Sonnabend sei immer noch besser als die am Montag, Aber die Zahlung oin Montag würden bei Annahme dcS AiilragcS der Kommission die Fabrikanten cmsührcn. Das aber würde nicht nur Iliizufnedeicheit bei dem Arbeiter, solider» besonders bei den Arbeiterfrauen cr- wecken. Ganz unglücklich sei die Beslimmmig, die Entscheidmig. über Ansiiahmcn den niitcrcii Verwaltungsbehörden zu überlasse« Abg. Bebel(Soc.): Unser Ankrag will, datz allgemein die Lohnzahlung am Sonn- abend nnd Sonntag verboten ist. Dieselben Gründe, die sür die Fabrikbctriebe das Verbot rechtfertigen, rechtfertigen es auch bei den übrigen Gewerbebetrieben. Die Absicht des Antrages ist die: Wir wollen die Arbeiterfrau in den Stand setzen, datz sie Freitagabend oder spätestens Soiuiabeiid früh in den Besitz des Lohnes kommt und ihre Einkäufe noch am Solmabcud beiverkstelligen kann, was ihr am Sonntag nicht mehr möglich ist. Es ist ja null möglich, datz die Unteruchmcr die Lohnzahlung bis zum Montag hinausschieben iverden. Das wäre gewitz nicht erwünscht, aber ivird iiinncr imr Ausnahme bleiben. In vielen Gewerben ist jetzt schon die Lohnzahlung am Freitag Usus, so im Buchdruckergewerbe. Ans- zahlliug cm Montag halte ich für groben Unfug; die Fabrikanten werden sagen, datz sie damit dein Verjubeln des Geldes am Wochen- schlntz eitlen Riegel vorschieben. Aber der Arbeiter hat keinen grötzeren Hang zi'nn Leichtsinn, wie andere Stände. Die Offiziere belommeit ihr Gehalt pränumeran6o ausgezahlt. Ich frage Sic. lvie viel davon wird bei ihnen noch im letzten Drittel deS Monats da sein. Die Herren von der Rechten mid dem Ccnlrnm wolle» das Handiverl schonen. Wir meinen ober, datz dort GcsetzcSbcstiimnungen niindestens ebenso am Platze sind, tvie im Fabrikbctriebe. Nehmen Sie deshalb unseren Antrag an., Abg. Wattcndorf(C.) tritt für die Komniissionsfassnng ein. Der Antrag Bebel geht zn weit. Abg. Rösicke(wildliberal): Ich finde den Vorschlag der Kommission sehr schablonenhaft und Wundere mick über die Zustimmung der Socialdemokratie. Wir haben gehört, datz jetzt schon vielfach die Lohiizahlmig am Freitag erfolgt. Entspricht das den allgemeinen Wünschen, so wird sich die Sitte noch iveiter einbnrgcnt. Der Antrag erfüllt gar nicht den Zivcck, den Freitag als Lölmtag festzusetzen. Der Arbeitgeber hat»ach ihm die Wahl zwischen Montag bis Freitag. Der Antrag kann die bedenkliche Folge haben, datz sich die Lohnzahliliig lim zwei Tage hinaus schiebt. Man soll in die Gewohnheiten der Menschen nicht überflüssigerweise gesetzgeberisch ciiigrcifeli. Herr Wattcndorf will die Arbeiter davor bewahrcii, datz sie nicht einen grotzen Teil ihres Lohnes am Sonn- abend vergeliden. Ja wer bürgt denn dafür, datz das nicht schon am Freitag geschieht. Ich halte derartige moralische Verbesserungen durch gesetzliche Bcstiminungcu sür durchaus verfehlt. Am meisten winidert mich, datz die socialdemokratische Partei die ver- heirateten Arbeiter oevorimmde» will und gar noch beantragt, datz die unteren Polizeibehörden AilSnahmen machen dürfen. Staatssekretär Graf Posadowsky: Ich möchte mich bei nilwesentlichen Bcftinnntlngen nicht in zweiter Lesung festlegen. Doch gebe ich zu. datz praktische und humanitäre Gründe den KoinnlissionSvorschlag hcrvorgerufcit haben. Andererseits sind nur die Einwürfe des Herrn v. Stumm durchschlagend er- schiciicii. Viele Arbeiter lehren erst am Sonnabend nach Hanse zurück. Da aber Geld in allen Taschen die Eigenschaft hat, rund zu seilt nnd zu rollen, so fürchte ich, datz solche Arbeiter, wenn sie vor Sonnabend Geld erhalten, einen Teil bis Sonnabend unproduktiv anlegen. Besser ist es, aus dem Vertvaltungswege die grotzen Niitcrtiehiner aufznforderli, bei der Wahl des Lohn- lages ans die lokalen Verhältnisse Rücksicht zu nehmeit. Bei der Zivcifclhastigkcit dcx Materie empfehle ich den Antrag Stumm. Für ehr bedenklich halte ich jedes Gesetz, das höheren oder nnteren Bcr- ivalimigsbehörden Ausnahmen zu machen gestattet. Damit erhält die Verwaltung gesetzgeberische Funktiolle». Abg. Möller(natl.) 'chlieht sich den Aiisführnngen der Abgg. v. Stumm und Rösicke an.(Seine weiteren AllSführungeii blieben auf der Tribüne un- verständlich.)/ Abg. Dr. Hitze(C.): Wenn wir den Neimuhr-Ladenschlutz einführen, muffen wir die Kanflente von dem Andrang am Sonuabend, der mit der Lohnzahliliig znsantinei»häilgt, entlasten. Von diesem Standpirnkt ans sind lvir zu dem Kommisfionsbeschluffe gekommen. Soimabend ist der Hauptmarkttag; da sollte die Arbeiterfrau das Geld zu den Eiiikänfen habe». Der Einwurf, der sich auf die auswärts wohnenden Arbeiter bezieht, ist richtig. Für sie kann ja eine Ausnahme gemacht werden. Nur die regelmätzige Lohiizahlimg soll nicht am Sonnabeud oder Sonntag erfolgen. Doch bin ich gern bereit, eine besondere Bestimmung eiiiziifügcil, wonach die Lohn- zahliuig an, Sonilabend an Arbeiter, die nicht am BeschäftigmigS- orte wvhueu, zulässig ist. Abg. Bebel(Soc.): Ilnscr Standpunkt ist durchaus gerechtfertigt, wenn auch Herr Rösicke lhii nicht begreifen ivill. Unser LohnzahlungS-Antrag steht in direktem Zusammenhange mit unserem Antrage, an« Soimabend um vier Uhr Schicht zu machen, damit der Soimabeild- Nachmittag zn Einkäiiscn frei ist. Herr Rösicke täuscht sich, weuu er bestreitet, datz in SfiBcitcrTrcifcn nicht dcr Wunsch auf Beseitigung der Lohnzahlung oui Sonnabend besteht. Eine Reihe Organisationen, Gewerkschaften haben sich dafür ausgesprochen.(Abg. Rosicke: Es ist doch nicht all- gemeiner Wunsch.> Was heißt denn: allgemein. Herr Rösickc hat doch sonst auch immer hier die Anschauung vertreten, daß die organisierten Arbeiter die Intelligenz der Arbeiterklasse repräsentieren, und daß sie in erster Linie maßgebend sein müssen, weil sie wissen, was not thut.(Sehr richtig! bei den Socialdemokratcn.) Wir wissen, welche Nebclstände der jetzige Lohuzahlungstag mit sich bringt. Immer wird als Grund gegen den Vorschlag die Berechnung dcr Accordarbeit angeführt. Sic thun so, als wenn sede Accordarbeit jetzt immer Sonnabends zu Ende ginge. Jetzt ist es meistens so, daß am Sonnabend die Accordarbeit ve- zahlt wird, die am Donnerstag beendet ist. In den Eisenbahn- Werkstätten ist es sogar Vorschrift, daß vier Tage zwischen der Beendigung dcr Accordarbeit und ihrer Bezahlung liegen müssen. Muß der Lohn am Freitag gezahlt werden, so' verschieben sich alle diese Termine um einen Tag. Herr Rosicke verlangt heute, daß das Gesetz nicht in die Gewohnheiten dcr Menschen eingreife. Ich habe mich bisher immer gefreut, wenn er Rcfom, Vorschläge gegen schädliche Gewohnheiten machte. Daran halten wir heute fest. Weiter wird befürchtet, daß die auswärts- wohnenden Arbeiter ihren Loh» nicht einen Tag in dcr Tasche be- halten können. Erstens ist die Zahl dieser Arbeiter doch nicht so groß. Und dann bestreite ich entschieden, daß sie den Lohn nicht 24 Stunden in der Tasche behalten lönncn. Sie unterschätzen die Arbeiter denn doch bedeutend. Zudem haben die Ar- beiter doch die Möglichkeit, wcim die Lohnzahlung selbst am Montag oder Dienstag erfolgt, den Lohn durch die Post nach Hanse zu schicken. Was die italienischen Arbeiter im Auslande regelmäßig thun, können wir den deutschen Arbeitern auch zutrauen. Herr v. PodbielSki sollte dann freilich die Summe, die für 10 Pfennig befördert wird, von 5 auf 20 Mark erhöhen. Unbequem mag eine solche Bestimmung wohl für die kleinen Handwerker sein, die mit Zahlungsschwierigkeiten an Lohntagen kämpfen, aber um so not- wendiger ist sie für die Arbeiter.(Sehr richtig I bei den Social- dcmokraten.) Abg. Frhr. d. Stumm(Rp.): Ich könnte mir gar kein besseres Agitatiousmittel gegen die beiden Parteien, mit denen ich in meinem Wahlkreise zn kämpfen habe, gegen Centrum und Socialdemokratie, denken, als wenn 4« Kommissionsantrag mit Ihrer Hilfe angenommen lvürde. Ein doppelter Lohntag für Arbeiter, dcr am Beschäftigungsorte und die nicht anr Beschästigungsort wohnen, ist in großen Betrieben gar nicht durchführbar. Ich halte diese hier von dcr Kommission eingefügte Bestiinmung für so bedeutsam, daß ich, falls mein Ameiideincnt nicht angenommen wird, gezwungen sein ivürde, gegen die ganze Novelle zu stimmen, s Natürlich gebe ich diese Erklärung nur für meine Person ab>■ D%-iS■£ w Hiermit schließt die Diskussion.*** 4** Der socialdemokratische Antrag Albrccht und Genossen wird gegen die Stimmen der Antragsteller und einiger Freisinniger ab- g e l e h n t, ebenso der Antrag des Abg. Frhr. v. Stumm gegen die Stimmen der Socialdcmokraten, einiger Freisinniger, einiger Natioitalliberaler und des Ccntrums. Die K o m m i s s i o ir S f a s s u n g bleibt also unverändert und ivird a n g e n o nt in e n. Ohne Debatte wird noch Artikel 7 angenommen. Die weitere Debatte wird hierauf auf Dienstag 1 Uhr vertagt. Schluß« Uhr. ffur de» Inhalt dcr Inserate «bcrniinnit die Redaktion dem Pnblikni» gegenüber keinerlei Zterantinortnng. Tlzrnkvv. Dienstag, 28. November. OpernhanS. Die Fledermaus. An- fang IV? Uhr. Schanspielhans. Doktor Klaus. Anfang 7»/, Ubr. Deutsches. Der Meister v. Palmyra. Slnfang 7i/, Uhr. Lcssing. Als ich wiederkam... An- sang 7l/z Uhr. Berliner. Dcr Tartüff. Advokat Patelin. Anfang 71/, Uhr. Schiller. Dcr Richter von Zalama. Ansang 8 Uhr. Neues. Ein unbeschriebenes Blatt. Ansang 71/, Uhr. Weste». Linda von Chamounix. Anfang 71/, Uhr. Thalia. Dcr Platzinajor. Anfang 7Vz Uhr. Residenz. Jagdfreudcn. Vorher: Familien- Souper. Anfang 7-/2 Uhr. L»ise». Molly Carrö. Anfailg S Ubr. Central. Die Geisha. Anfang 71/, Uhr. Carl Weift. Johanna von Castilicn. Ansang 8 Uhr. Friedrich- Wilhelnistndtlsches. Ein gesunder Junge. Anfang Victoria. La Roulotte. Ansang 8 Uhr. Belle- Alliancc. Gastspiel des Schlierseer Bauern- Theaters Liscrl vom' Schliersce. AnsaNa 8 Uhr.' Mctropol. Spccialitäteu- Vor stellung. Rund um Berlin. An fang 71/, Uhr. Apollo. Spccialitäten- Borstclluiig. Anfang 71/2 Uhr. Rcichchalle». Stcttmer Sänger. Ansang 8 Uhr. Palast. Susanne im Bade. Specialis täten-Vorsielliing. Ans. 8 Uhr. Passage- Panoptiknni. Specials- täten-Vorstellnug. Urania. Jiivalidensir. 57/. Dienstag, abends 8 Uhr: Der Itiebter von Zalamen. Schallst), in 3 Anfz. v. Caldcron de la Lima, bcarb. 0. Ad. Wilbrandt. Mittwoch, abends 8 Uhr: Cyiirlenno. Donnerstag, abends 8 Uhr: Die Jungfran von Orleans. (Criif t'al(E Iivnlcv Direktion: Jose Ferenczy. Dir G r i s h cr. Anfang i/,8 Uhr. Morgen und folgende Tage: Die- selbe Vorstellung. Sonntagnachinittag 3 Uhr zu halben Preisen: Ter Zigeunerbaroii. Von Johanil Strauß. 'kdsIjA-'l'dkater. kol. zintIVa 54)0. Dresltenersir. 7Z/7Z. Der Platzmajor. Thomas, Thielscher, Helmerding, Junkecmann. Im 2. All: Gr. Mntoskop' Terzett. Ansang 7>/, Ul>r. Morgen und folgende Tage: Ter Platzinajor. Carl W elss-Theater «ir. Fruiitlnrleriiiafte HW. Gastspiel d. rnssischcn üvfichanspielerin Elisabeth G 0 r e w a. �ohaima m\ Castilien. Drama in 5 Akten. Regie: R. Wach. VorzngSbilletS haben Gültigkeit. Anfang 8 Uhr. Morgen: Dieselbe Vorstellnitg. Tonnerstag- Hdlllflt. H. Snderman». Billcts von heute ab an dcr Kasse. Bon dem Schauspiel ...Heimat" finden nur wenige Anfführilngen statt. Sonnabeudnacbiu. 31/, Uhr: Kinder- voiflcllun'g: Zlschenhrödcl._ Amcrican-Theater. DreSdenerstr. 06. Dir.: Emil Schnabl. „Berlin ulkt!" Gastspiel des preisgekrönten Natur- iangcrs Ilnzxar Sandor. Mf- 12 Glanziiuiilmern. Ansang 8 Uhr. Kasscncrüffnung 7 Uhr. CXSTMiS"■ PANOPTICUM Präsident von Transvaal „Olim" Krüger und General Joubert mit kriegsje rüsteten Boeren. Eine Gruppe von aktuellstem upp In nteresso! rßpfll-Ilieatiir. Belironetr. 55/57. Dir.: Rieh. Schultz. Telephon Amt I. 2126. ZM" L c t, t e W 0 ch e. Diiö lirojc Ngvemlier- Tvtciulitättil-Progl'Wiil Bund um Berlin. Freitag, den I. Dezember: Uane de Vri�s. Siegmund Sieiner. nnd IO brillante Dcbiit*. Apollo-Tbeater. Um V«8 Uhr abends; Frau Luna m..Grlgolatis' u. CUcillc Carola Ferner: Robert Steldl. The Gntliams. Franklins. Barru-Tronpc. Eva Malier. 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In Nr. 274 des„Vorwärts"»utcr„Gewerkschaftliches" erklärt der Vertraiieiisiiiaiiii dcr GastwirtSgchilfen: „Herr Stechert, AndrcaS-Fcstsälc, Andrcasstr. 21, hat es vorgezogen, seine Arbeiter durch eine» Uilternchuier-Nachiveis zu beziehen; in- folge dessen lehnen wir es bis auf weiteres ab, ihm bei späteren Anlässen organisierte Arbeitskräfte für sein Geschäft durch unsem Nachweis zu überweisen." Ick, habe hierauf zu erwidern: Ich habe meine Kellner stets von dem Arbeitsnachweis des Verbandes(Jüdeiistraßc 36) bezogen. Vor einiger Zeit verlangte indcS ein bürgerlicher Wirteverein zu seiner Lustbarkeit, daß ick, Kellner aus seiner eigene» Kontrolle enga- giere. Meine festen Kellner(aus der Jüdenstraße 36) sollten auch bei dieser Fcstlichleit niitarbciieu, erklärten aber:»daft der Borftand ihnen verbiete, mit Kcltncru ans audcren Nachweisen zu- sammen zn arbeite»,« und legten die Arbeit bei mir nieder! Bei anderen Gclegcnhcitc», wo ich dringend»m Regelung von Unregelmäßig leiten einzelner seiner Mitglieder mir nnd meinen Gästen gegenüber den Vorstand ersuchte, erschien dieser trotz nieineS drin- gciide» Ersuchens nicht bei mir. XL. Auf die weitere Veröffentlichung der Gastwirtsgehilfen in der vorgestrigen Soiintag-Nnmmcr des„Vorwärts" habe ich zu er- ividem, daß die Uiiterzcichniing des betr. Schriftstückes»teinerseiis er- folgte, ohne die Sache gründlich z» erwägen. Heule,„ach ruhiger Nrbcrlegung. widerrufe ich diese meine Zufagc mit der Bcmerlnng, daß ich einem von feiten dcr Partei oder der GewerkschastSkvmmisswn zusammengesetzten Schiedsgericht gern mein Verhalten rechtfertigen will.— Den geehrten Vereinen und Gewerkschaften stelle ich meine Säle nach wie vor zu Versaniiilllingen und Festlichkeiten zur Verfügung und bin geri» bereit, über obige Angelegenheit jedem dcr sich dafür Jnter- essiercnden genauen Aufschluß zu geben. HochachlungSvoll C/Jil*! Ktndvess Andreasstr. 21. 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Die Parteigenossen werden auf die heutige Generalversammlung des Wahlvereins, welche bei Miegcl, Stralauerstr. S7, stattfindet, anfmerksam gemacht. Näheres siehe Inserat. Der Lorstand. Ter Wahlvcrcin des dritten Kreises hält heute abend 8 Uhr im Apollo-Saal, Scbnstianstr. 3S, eine Versannnlnng ab. Rechts- anwalt Viktor F r ä n k l spricht über.das neue Recht und die besitzlosen Vollsklasicn". Wegen des jedenfalls sehr zeitgemäße» Themas ist reger Besuch aller Mitglieder sehr zu wünsche». Das Protokoll deS letzten Parteitages kann bei dem Kassierer unentgeltlich in Canpfang genommen werden. Der Vorstand. Achtung 5. Wahlkreis. Wir mache» darauf aufmerksam, daß am Sonntag eine Sondervorstellung in der Urania stattfindet und verweisen auf die Annonce des heutigen„Vorwärts". Den jenigen, welche Billcts zum Vertrieb übernommen haben, geben«vir bekannt, daß über die Karten am Freitagabend, den 1. Dezember, bei W. Knvtzsch, Hirtenstr. 10, abgerechnet werden muß Billets, welche bis zu diesem Zeitpunkt nicht zurück gegeben sind, werden als verkauft betrachtet und müssen bezahlt werden. Die Adresse des Vertrauensmannes der Zlrbeitcr- Rad- fahrcr von Berlin und der Umgegend ist Louis Friese, Bcussel- straße 14, Part. Briefe und Sendungen wolle man nur an diese Adresse richten; auch werden die Vertrauensmänner der Partei, die Vorstände der Wahlvcrcinc to gebeten, von dieser Mitteilung Notiz zu nehmen._ Wer zerstört shstcmatisch die Religion im Herzen des Landvolkes? Wenn unsere Parteigenossen bei ihrer?l g i t a t i o n auf dem Lande wieder einmal den so sehr beliebten Vorwurf hören sollten, daß sie die Religion ausrotten wollen, dann mögen sie dein Gegner an folgendem Beispiel zeigen, daß keine Macht systematischer und erfolgreicher an dieser Aufgabe arbeitet, als das I u n k c r t u m. Die„Blätter ans der Arbeit der freien I i r ch l i ch- s o c i a I c n Konferenz" bringen ein Beispiel über die Verwahrlosung des Volks auf dem Lande durch die Vernachlässigung aller freundlichen menschlichen Beziehungen: „Die„Philadelphia, Organ für evangelische Gcnicinschafts pflege und Evangclisation", schreibt in einem Nachruf für eine» früh verstorbenen P a st o r in einein b r a n d c n b u r g i s ch e n G u t s b e z i r k. der ein Mitglied»iniercr Konferenz war:„Obgleich das Begräbnis mit Absicht auf b Uhr nachmittags angesetzt ivar, hatte niemand von de» Tntsarbeitern, die das Gros der Gemeinde ausmachen, frei bekommen. Der Betrieb war in voller Thätigkeit, obwohl die Arbeit nicht gerade drängte und der Herr Kirchenpatron— etwa 18fachcr Mil- I i o» ä r— nicht gerade zu den notleidenden Laiidwirtc» zählt. Die Straße, auf der wir den Sarg begleiteten, war nicht etwa mit Blumen, sondern dick>n i t M i st bestreut, daß man oft Mühe hatte, für den Fnß ein sauberes Plätzchen zu finden. Als der Entschlafene vor sieben Jahren sei« Hirtenamt antrat, da schlug sein Herz der Gemeinde entgegen... und man kann sagen: er hat seine Gemeinde geliebt wie sich selbst. Ilud doch, die Frucht seiner Arbeit ivar gering. Es ivürde zu weit führen, wenn ich das T a g e l v h n e r e I e n d. wie es an vielen Orten im Osten unseres Vaterlandes herrscht, schildern würde. Wo Mann und Weib von Montag bis Sonnabend für die Herr- schaft arbeiten, da ist der S o n»tag natürlich erst recht ein Sl r b e i t S t a g in ihrer eigenen Wirtschaft. In vielen Fällen geht die Abgcstnmpfthcit dann in G o t l c s v e r a ch t u n g über. Leicht hat es ein Pastor in solch einer Tagelöhnergemeinde wahr- lich nicht, zumal wenn in dem Verhältnis von Arbeitgebern und Arbeitern n i ch t e i n H a n ch v o n L i c b c zu spüren ist. Es wird ivenig Missionare in Afrika geben, die es schwerer haben in ihrer Arbeit, als ein Pastor in solch einem Tagclöhncrdorf." Auch hier bestätigt sich die alte Wahrheit, daß gerade die Leute, die am nächsten an der Erhaltung der alten Ordnung interessiert sind, am meisten zur Zerstörung der Grundlagen dieser Ordnung beitragen. Ter Ausschuß des Verbandes deutscher Arbeitsnachweise hielt am Sonnabend in Berlin eine Sitzung ab, zu welcher erschienen waren die Herreu Rcchtsrat Mcnzinger-Münchcn, Gcmciiidcrat Stock- mayer-Stnttgart, Geheimer RcgiernngSrat Professor Dr. Böhmert- DreSdcii, Geheimer Ober- Finanzrat Fuchs- Karlsruhe, Stadtrat Dr. Flesch- Frankfurt a. M., Rat Dr. Naumann- Hamburg lind Dr. Frcund-Berlin. Ferner wohnte der Sitzung bei der Heraus» gebcr des Vcrbandsorgans Dr. Jastroiv. Der Vorsitzende des Verbandes Dr. Freund-Berlin erstattete den Geschäftsbericht, ans dem hervorzuheben ist, daß dem Verbände zur Zeit nahezu 100 zinncist allgemeine kounnnnale oder Vereins- Arbeitsnachweise angehören. Der Verband»nnfaßt somit zur Zeit das ganze deutsche Arbeitsuachwcisnctz. Der Ausschuß beschloß, Mitte September 1 900 e i n c B e r b a ii d S v e r s a m m i» t« g abzuhalten, für welche die Dauer von drei Verhandlungstagcn vorgesehen ist. von denen die beiden erste» Tage auf die engere VerbandSversammlnug cnt- fallen und der dritte Tag einer allgemeinen ö f f c n t l i ch c n A r b e i t s n a ch w e i S- K o ii f e r e» z gewidmet sein soll. Als einziger VcrhandlnngSgcgcustand für diese Konferenz wurde bc- stimmt: Die Organisierung der Fach- Arbeits- ii a ch Iv e i s e und ihr Sl n s ch l u ß an die a l l g e m e i n c n Arbeitsnachweise. Auf der cngcrcii Verbands- Versammlung werden folgende Gegenstände zur Verhandlung gelangen: 1. Die Errichtung von Arbeitsnachweise» iii kleineren Orten. 2. Arbeitsnachweis für männliche Personen und Dienstboten. 3. Die Erhebung von Gebühren seitens der Arbeits- nachiveisc. 4. Berichterstattung über den Fortschritt in der land- wirtschaftlichen Arbeitsverniittlüiig. 5. Fürsorge für die Beamten des Arbeitsnachweises. Zu der engeren VerbandSversanimluiig werden alle Interessenten als Zuhörer zugelassen werden. Der Orl der� Verbands Versammlung lind der Bcrichlcrstaltcr werden nach Abschluß der einzuleitende» Verhandlungen bestimmt werden. Ter Tchriftstrllcr Maximilian Hardc», HcranSgcbcr der Wochenschrift„Die Ziilunst", hat am Sonnabend die Festung Weichsel- münde verlassen nud ist wieder nach Berlin zurückgekehrt. Harden war bekanntlich wegen Majestätsbeleidigung zu 6 Monaten und wegen Beleidigung des geisteskranken Königs Otto von Bayern, zu weiteren 14 Tagen Festungshaft verurteilt worden. Ter„Wlihlkanipf" um das Direktorium der akademischen Lesehalle ist heute mit einer— polizeilichen Beschlag- ii a h m n n g eingeleitet worden. Die national-antiscmitische Partei ließ ein Flugblatt verteilen, das keine Angabe über den Drucker enthielt und daher konfiseicrt wurde. Die Aiiiisemiten stellen sieben Kandidaten ans, darunter zwei Mitglieder des Vereins deutscher Studenten, ciucn Vertreter der V. E.-Turnerschaft, je einen Vertreter vom Wingolf und vom nationalen Verbände wifscuschaftlichcr Vereine, sowie zwei iiickitinkorporiertc Herren. Die„Nichtinkorporicrten" werden, wie wir hören, es jrdoch ablchiicn. lediglich durch die Gnade der Antisemiten ein paar T-tze im Dircltoriuui zu erhalten t denn die F i n k c n s ch a f t ist jetzt selbst organisiert und wird eine eigene Kandidatenliste aufstellen. Durch dieses selb- ständige Eingreifen der Mnkenschaf! erhält die Wahl diesmal ein neues Gepräge.— Sie wird am 8., 9., 11. und 12. Dezember stattfinden. Wahlberechtigt find alle immatrikulierten Studenten, die bis zum 30. d. M. durch Lösung einer Scmcstcrkarte Mitglieder der Lesehalle geworden sind. Die Wahlen sind für ein ganzes Jahr entscheidend. Gegenwärtig hat die Lesehalle etwa 1400 Mitglieder. „Drcssel" in ilonknrö. Der am Freitag über die Wein- Handlung von Fritz Mertens, in Finna Rudolf Dressel, Unter den Linden, und„Zum Hohenzollern", Anhaltstr. 12, eröffnete Konkurs hat großes Aufsehen erregt. Der Inhaber, der jüngste Sohn eines verstorbene» Berliner Millionärs ans der Lindcnstraße, übernahm vor etwa Jahresfrist die Weinhandlung von Dresiel für 200 000 M. Die Weinstube„Zum Hohenzollern" hatte Herr Mertens, der sich u. a. auch einen Rennstall hielt, im Jahre 1897 eröffnet. Beide Weinstuben wurden in der letzten Zeit wenig besucht, so daß der Zusammenbruch der Firma für Eingeweihte nicht überraschend gc- kommen ist. Die Passiven sollen nmd l1/» Millionen Mark gegenüber 10 Proz. Aktiven betragen. Herr Mertens, dessen Mutter(eine geborene Litfah) noch lebt, ist durch seine Frau und Geschwister mit den angesehensten Berliner Familien verschwägert. Vom Kampf gegen die ärztliche Ziinftclei. Dem Antrage Zad ck-Frcndenberg wegen Ausnahme von Acrztimicn in die Berliner medizinische Gesellschaft sind bisher 3S Mitglieder beigetreten. Einige Vcrbcssernngen der städtischen Kraukcnhänser werden demnächst ausgeführt werden. Beim Krankenhaus im Friedrichs- Hain erhält das Badehaus einen Slnbau für orthopädische Apparate, der 23 000 M. kosten wird. Beim Krankenhaus am Urban handelt es sich um die Beschaffung der auf 3350 M. veranschlagten Ein- richtilngcn für die Umbauten des Operationshanscs und deS Diphtherie- Pavillons. Schlimme Folgen eiacr Geburtstagsfeier. Der hochbctagte Arbeiter Karl Külitz ans der Sellcrstr. 14, der in einer Schmiede- Iverkstatt in der Scharnhorststr. 0 beschäftigt war. feierte dort am Sonnabend den Geburtstag eines Gesellen. Starl angeheitert drang er abends um 7 Uhr auf dem Grundstück Schnruhorststr. 34 a iii einen Bäckerladen. Der Pförtner Lnbifch ans dem Nachbarhaufc fetzte ihn vor die Thür. Auf der Straße rempelte Külitz später den Lnbisch an und folgte ihm schimpfend in den Schlächlcrladen von Steffen in demselben Hanse. Lnbisch nahm ihn beim Kragen und schüttelte ihn. Dabei fiel der Betrunkene zwei Stufen hinab und sckilug mit dem Hinterkopf auf die unterste Stufe auf. Schmicdcgcscllcii legten den am Kopfe Verletzten auf dem Hausflur nieder und holten feine Frau. Diese brachte ihn mit einer Droschke nach der Wohnimg, versäumte cS aber, eine» Arzt zu Rate zn ziehen. Bald nach 1 Uhr morgens verlor Külitz die Besinnung und eine Stnndc später war er tot. Tie Leiche wurde gestern vormittag beschlagnahmt und zur gerichtsärztlichcn Oeffiinng in das SchanhaiiS gebracht. Einige Mit nrbcitcr des Verstorbenen behaupten, daß Lnbisch ihn mit Absicht die Treppe hinuntergeworfen habe. Lnbisch selbst bestreitet daS und mehrere Zeugen bestätigen seine Darstellung, nach der Külitz wider den Willen des Pförtners gefallen ist. Motorwagcn-AiiSstclliing. Unter Vorsitz deS Staatssekretärs v. P o d b i e I s I i fand gestern mittag ini Sitzungssaal des Reichs- Postamts die letzte Sitzung des Komitees der Internationalen Motor wagcii-AiiSstcllung Berlin 1899 statt. Ans der Tagesordnung stand die Feststellung der Schlußabreckiuimg. Die Summe der Eiuuahmcn war 53 810 M., denen 43 702 M. an SlnSgaben gegenüberstanden, io daß sich ein Uebcrschnß von 12108 M. ergicbt, der für eine zweite ähnliche Ausstellung zur Verfügung gestellt werden soll. DaS Obcrpcrwaltungögcricht soll, wie offiziös geschrieben wird, im Gebäude der Scchandliing in der Jägcrstraße nntcrgebrackit werden. Der Plan, daS Gericht nach Schöncbcrg zu verlegen, ist bekanntlich aufgegeben worden. Am Totensonntag, der von einer inn diese Jahreszeit selten trockenen und angcuchmcii Witterung begünstigt war, herrschte in den nach den Vororten führenden Straßen ein gewaltiger Verkehr und die Strnßcnbahn-GcscNschaftcn vermochten nur zum Teil den gestellten Ansprüchen gerecht zn werden. Ans den beiden Linien »ach Weißenicc wurden gestern bis 6 Uhr abends ca. 5000 Personen befördert. Die Straßeniiohiilinie Gcorgenstraße— Pankow lSienicnS n. Halske). welche Einsatzzüge von der Elsasser- und Jiivalidcnstraße stellte, beförderte bis 8 Uhr abends 11 000 Personen nach und von den Bcgräbnisplätzcn. Tie nach dem Gesundbrumieu führenden Linien wurden von insgesamt 29000 Personen benutzt. Achnlich war der Verkehr in der Richtung nacki Tegel. In Abständen von je acht Minuten folgten hier Pfcrdebahiiziige von 5—9 Dccksitzwagcn. die jedesmal 270—400 Personen beförderten. Im Laufe des Tages wurde diese Strecke von etwa 18 000 Passagieren benutzt. Noch Iveit stärker war der Verkehr nach Nixdorf. Die ans den verschiedenen Richtungen dorthin fahrenden Straßenbahnwagen beförderten nahezu 50 000 Personen. Der Südringverkehr der Stadtbahn war durch Eriraziige verstärkt, da Tausende und Abertausende mittels der Stadt- bahn ihrem Ziele nach den BegräbiiiSplätzen ziistrebten. Auf den Kirchhöfen herrschte natürlich, besonders in der vierten Nachmittagöstunde ei» gefährliches Gedränge, und ein be- dciitcndcs Polizei« und Gendarmerie-Aiifgeböt war erforderlich um die Ordnung an de» Eingängen anftccht zu erhalten. Die Kranzhäiidlcr machten ein ganz vorzügliches Geschäft und verkauften auch selbst während der Äirchcnstundcii. Sehr befremdlich war es, wie nnS berichtet wird, daß das Publikum nin Sonntagiiachmittag zu dem BcgräbniSpIatz der MarkiiSgcmcindc in Wilhclmsbcrg plötzlich keinen Einlaß finden konnte, weil einem unkontrollierbaren Gerücht zufolge der Schlüssel zu den Tborcu nicht ansfindbar war. Es entstand ein argeS Gedränge. Schließlich rissen einige mutige Mäimcr vom Zaun einige Bretter los und Hobe» so wenigstens zum Teil das Verkehrs- Hindernis. Tic Rache der Bäckermeister. Die Abschaffung des im- entgeltlichen Zustcllcns der Backwaren ins HauS haben die Berliner Bäckcnneistcr in SlnSsicht genommen, um sich für daS bevorstehende Verbot der Kinderarbeit schadlos zu halten. Wieviel hundert Pro- zcnt möchten die Bäckermeister auS dieser Kontribution heraus- wuchern? Zu argen Plünderungen für den Totcnsoinitag haben die Mostichschcn Banmschulcii zu Treptolv herhalten müssen. Diebe haben daranS nicht weniger als Ii/z Ccntiicr Grün von WcimuthS- Kiefern gestohlen, für das sie in Kranzbindcrcicn wohl»inen guten Absatz gefunden haben werden. ES sind zwei Männer gewesen, von denen der eine Stiefel trug, während der andere ans Strümpfen ging. Die Spitzbuben haben wie die Vandalen gehaust, kleinere Bäume ganz ausgcrisic», größere, die schon zu fest eingewurzelt sind, durch Abreißen der Zweige so zugerichtet, daß sie eingehen müssen. Der Bcstohlcne erleidet einen Schaden von 000 Mark. Ans die Ermittelung der Personen, welche die Figuren in der Sieges- Allee verstümmelt haben, sind laut Bckanntmachnng des Magistrats zur Zeit im ganzen 2150 M. Belohnimg ausgesetzt. Der Magistrat selbst schrieb bekanntlich unmittelbar nach Bekannt- werden des� Geschehene» eine Belohnimg von 500 M. auf den Nach- weis deS Schuldigen aus. Außerdem haben Privatpersonen von besonders patriotischem und kunstliebendein Naturell aus ihrer Tasche Belohnungen ausgesetzt, so daß die oben genannte Summe dem Eilt- dcckcr der Vcrsti'iinmcliingcn zufalle» würde. Bei einer gründlichen Untcrsiichiaig haben sich übrigens vcr- schicdene Schäden gezeigt, die auf die Herstellung in den italienischen Wcrtstältcn znriickziiführcn sind. Der Kaiser soll sich über diese „Lotteret" sehr mißbilligend ausgesprochen haben. Als die Berliner Bildhauer seiner Zeit für die Herstellung der Werke in Berlin agitierten, wurde diesem Verlange» zum großen Teil nicht stattgegeben, weil in Italien die Sl r b e i t s l ö h n e bc- deutend niedriger sind als hier. Die in Betracht kommenden Künstler gebrauchten mehrfach die Ausflucht, daß deutsche Arbeiter nicht im stände seien, solche Arbeiten sachgemäß zu verrichten. Wie auS Stuttgart bekannt wird, hat die direkte Fern- sprcchlcituiig Berlin- Stuttgart die gehegten Erwartungen bis jetzt nicht erfüllt. An den meisten Tagen konnte der Draht überhaupt nicht benutzt werden; im übrigen aber war die Verständigung eine derart mangelhafte, daß in manchen Fällen die Gespräche ab- gebrochen werden mußten. Die Ursache dieses Uebclstandcs ist nicht bekannt. Tödlich verbrannt. Die 22jährige Marie Kellner, die mit ihrer Mutter Lausitzcrstr. 3 wohnt, leidet zeitlveilig an Krämpfen. Als am Sonnabendabend die Mutter aus kurze Zeit anSgcgangcn war, bekam das Madchen einen Anfall, stieß den Tijch mit der brennende» Petroleumlampe um, welche die Kleider der Unglücklichen und mehrere Möbelstücke in Brand setzte. Das Mädchen muß sofort die Besinnung verloren haben, denn keiner der Nachbarn hatte einen Schrei vernommen. Durch den Brandgeruch nufmerksam gemacht. drang der Kellner Quark in die brennende Wohnung und löschte im Verein mit seiner Frau die Flammen. Dann erst fand man das Mädchen ans dein Fußboden liegend, am Unterkörper furchtbar vcr- bräunt. Die Samariter der Feuerwehr brachten die schwer Verletzte nach dem Krankenhaus Bethanien. Das Mädchen dürfte kaum ge- rettet werden. Beim vorzeitige» Abspringen von einem Pferdebahnwagcn der Linie Dönhoffplatz— Lichtenberg verimglückte in der Nacht zum Montag der Arbeiter Larisch aus der Giibencrstraße 12a an der Ecke der Memeler- und Frankfurterftraße. Die Rettungswache in der Frankfurter Allee leistete ihm die erste Hilfe. Fahrraddicbc treiben in verschiedenen Stadtvierteln wieder ihr Unwesen. Der Oberst v. Kalckrcnth ans der Neucnbnrgerstr. 8 nahm vor drei Wochen seine Maschinen, ein Herren- und ein Damenrad. von der Halensccr Rennbahn mit nach Hanse und stellte beide in einen unverschlossene» Raum ans dem Treppenabsatz im hohen Erd- gcschoß. Am Sonntagabend entdeckte man, daß sie gestohlen waren. In ähnlicher Weise ist vor einigen Tagen der Attachs Tcng- LLn von der chinesischen Gesandtschaft um sein Rad gekommen. ES wurde ihm aus dem ebenfalls verschlossenen Hanse Kaiser Friedrich- straße 31 gestohlen. Unbekannt grstorben ist Sonntagabend auf � dem Lehrter Stadtbahnhos eine gntgeklcidcte Dame von etwa 63---70 Jahren, die wahrscheinlich von einem Besuche nach Hanse zurückkehren wollte. Sic kam mit einem Stadtbahnznge vom Bahnhofe Bellevue her. Einen Selbstmordversuch unternahm in der Nacht zum Sonntag der Buchhalter Erich C. anS der DreSdenerstraßc. Der junge Mann, der in einem Kurzwaren-EngroSgeschäft seit sechs Jahren thätig war. erregte in den letzten Monaten bei seine» Freunden und Bekannten dadurch Anfsehen, daß er ein sehr auS- schweifendes und mit seinen Verhältnissen nicht in Einklang zn bringendes Leben führte. Er war ein ständiger Besucher zahl- reicher Restaurants mit Damenbcdieming und verschiedener Cafö ChnntantS. Ivo er durch große GcldauSgaben viel von sich rede» machte. Am Sonnabendabend hatte er wieder einige Freunde in eins jener Lokale geladen, wo er sie freigebig bewirtete. Gegen 12 Uhr trennte sich die fröhliche Gesellschaft, und C., der einer der Lilstigstcn gewesen war, begab sich nach Hause. Kaum hatte er sein Zimmer betreten, als er sich aus einem Revolver eine Kugel durch den Kopf jagte. Die Eltern eilten herbei und sorgten sofort für ärztliche Hilfe. Ein vorgefimdcncr Brief gab Anfklärung iiber die Motive, die den jungen Mann zu der nnscligen That getrieben haben. Er hatte, imi scincn Passionen fröhneii zu können, ans den Namen seines Ehefs einen Wechsel gefälscht, der am Montag fällig ivar. Die Elten: des C. haben sich bereit erklärt, den Wechsel ein- zulöscii. Einen seltsamen Auftritt gab cS in der Nacht zmn Montag gegen 12 Uhr an der Oranienbriickc. Hier entledigte ein unbekannter junger Mann, der nur Weste. Hose. Unterkleider und Zugstiefel trug, sich seiner Kleidung und sprang in den Kanal. Er winde gerettet und nach deni Krankenhaus am Urban gebracht, wo er Noch immer bewußtlos dariiicdcrlicgt: Es soll ein Arbeiter Karl Berg sein, der seit langer. Zeit an Krämpfen leidet. Ans dem Bau verunglückt ist gestern vormittag der Arbeiter Otto Radicke aus der Mcmclcrstr. 43. Er stürzte auf dein Neubau de? Qucrgcbändcs in der Frankfurter Allee 107 ans der Höhe des ersten Stockes herab, brach sich den rechten Oberschenkel und wurde durch die Rettungswache I nach seiner Wohnung gebracht. Theater. Im Schillcr-Theater wird jetzt„Die Richteriii", Schauspiel in vier Aufzügen nach Eonrad Ferdinand Meyer vom Roman Wlirner, vorbereitet. Die erste Anfsührung ist für Dienstag, b. Dezember, in Aussicht genommen. Henke findet die letzte Wiederholung des Schauspiels „Der Richter von Zalamea" statt. Fcncrbericht. In der Zwischenzeit wurde die Wehr mehrmals gernfeit. In der Nacht zum Moiitag brannten Liebigstraße 12 Bodenverschläge. Zur selben Zeit brach K ö p e n i ck e r st r a ß e 0 in einem Cigarrcnladcn Feuer ans, doch konnte die Gefahr bald be- scitigt werden. Eine Stunde später hatte H o h e r S t e i n w e g 4 die Balkenlage und Schaldccke Feuer gcsangcn. Ein WohnungSbrand rief die Wehr nach D r e s d c n e r st r a ß e 3. Betten, KleidniigS- stücke und Möbel wurden hier zerstört. NcbergckochteS Pech in einem Schnfterladeii verursachte eine Alaniiicrnng der Wehr nach Neue König straße 55/50. Montngmittag war Schönhauser Alle c 158 ein ZiimnerbrcMd zu beseitigen, der Möbel, Klcidimgs- stücke usw. zerstörte. Teltow er straße 13 hatte die Balkenlage Feuer gefangen. Kurz nach 2 Uhr wurde die gesamte 3. Coinpagmc nach L i n k st r a ß e gerufen. wo in dem Pclzwarc»- Geschäft von E. Schmidt Feuer ausgebrochen war. Der Brand wurde mit einem Rohre abgelöscht, doch soll der Schaden sich ans einige tausend Mark beziffern._ Aus de» Anchbarorlc». Zur Lokallistc. Die VcrtraneiiSlciitc, Mitglieder der Lokal- koinmissioneii und sonstige Parteigcnoffcn in den Vororten und der Umgegend von Berlin, welche Mitteilungen zur Lokal- liste zu veröffentlichen habe», werden dringend ersucht, ihre Zu- scndiingcn einzig an den Partcigcnosicn Karl Scholz, Wrtingck» straße 110, Berlin SO. zn richten. Mitteilungen der erwähnten Slrt, die der R c d a k t i o n dcs„Vorwärts" direkt zugehen, werden nicht publiziert, sonder» in allen Fällen dem Gcnoffc» Scholz zugesandt. Aeuderungcn zur Lokaltiste. In N i e d e r- S ch ö n h a u s e n ist daS Lokal Moabitcr Brnnerci-AuSschank, vormalS Schäfer, Linden- straße 43. in den Besitz von Th. Grützmacher übergegangen. DaS Lokal steht der Partei jederzeit zur Verfügung. In der letzten Lokalliste muß es unter Reinickendorf heißen: Arbeitcr-VcrkehrSlokal Wirtshaus Zur Tanne, Nordbahn- straße 15. Die Lokakkominission. Weitere Beschränkung der SonntagSrnhc. Für den Ge- schäftsbctricb an den letzten Sonntagen vor W c i h n a ch t c n und Neujahr hat jetzt der Regierungspräsident zu Potsdam denOrtS- Polizeibehörden seines Bezirks zur Kenntnis gebracht, daß er im Falle des Vcdürsniffcs auch dort, wo bereits für sechs Sonn- oder Festtage dcs lanfenden JahrcS eine erweiterte BeschäftigmigSzeit gestattet worden ist, dennoch den Handelsverkehr in offciicn Vcr- kanf-Zstcllcn am 24. und 31. Dezember für die Dauer von 10 Stnndeii freigebe. Doch soll die Verkaufszeit am 31. Dezember nicht über 7 Uhr abends ausgedehnt werden dürfen, während am 24. Dezember eine solche Aiisdchmiiig statthast sein soll. Weistcuscc. Mittlvochabcnd S1/* Uhr spricht Rnd. Steiner im Arbeitcr-Vildnngsvcrciii, Parkstraße 13. über Kunst und Littetatur im Verhältnis zur Naturwissenschaft. Die Verlegung der Jnfanterie-Schiestschnle von Rnhlebcn nach etilem besser geeigneten Ort wird von der Milktärverwaltmig schon seit längerer Zeit erwogen. Es verkantet, daß der Dvbcritzcr Schießplatz in Aussicht genommen worden ist. Die Stichtvahl zum Stadtverordueten- Kollegium in Charlottenhurg endete� mit einer Niederlage unserer Parteigeiiosscu. Es erhielten im 4. Bezirk Genosse Scharnberg K04, die Gegner 690 Stimmen; im 5. Bezirk unsere Parteigenossen Dr. B o r ch a r d t und Sellin 770, die Gegner 847 Stimmen. Rixdorf. Mit der Klage gegen die Stadtverord- Ii e t e n- L c r s a m ni l u n g Nixdorfs, welche sich gegen den Beschluß richtet, durch den' die Wohl der acht socialdcmokratischcn Hausbesitzer für gültig erklärt wurde, hat sich jetzt der Bezirks- ausschuß in Potsdän, beschäftigt. � Die Stadtverordneten- Versnmm- lnng wurde voni Jnstizrat Bnrkncr und der Kläger Gentsch, wie zu erwarten ivar, vog dem eigentlichen Urheber der 5tlage, dein ehe- maligen Lehrer und jetzigen Moliereibesitzer und Stadtv. Beiß vcr- treten. Das Gericht kam noch nicht zu einem Urteil. Es will erst darüber Beweis erheben, auf welche Weise die fraglichen acht Partei- genossen zu ihren Hausantcilcn gekommen sind. Nachdem das Projekt eines städtischen S ch l i e ß a m t e Z an dem Widerstände einer Anzahl Beteiligter gescheitert ist, haben jetzt die vier Grundbesitzcrvercine ein Privatschließamt gegründet. Essoll vom 1. Dezember ab in Funktion treten. Aus Rixdorf. In der Stcinmctzstraße gerieten in der Sonntag- nacht zwci Stcllmacher in Streit/ wobei beide sich mit Messern b'c- arbeiteten. Einer der Beteiligten wurde hierbei so schwer verletzt, daß er nach einem Kranketihänse gebracht werden mußte.— Ein eigenartiger Straßenbahn-ttnfall ereignete sich am Sonntagabend 9l/s Uhr in der Bergstraße hicrsclbst. Auf der Linie Dönhvstsplatz— Änesebeckstraße fahren die Straßcnbahii-Wagcn ans der Hinfahrt die zicnilich steile Zicthcnstraße hinauf und bei der Rückfahrt die noch steilere Steinmctzstraße hinunter. Am Sonntagabend versagte nun bei dem Motorwagen 17äS die Bremse. sodatz der Wagen mit unheimlicher Schnelligkeit die Stcinmctzstraße hinuiitcr- sauste, unten angekommen aus dem Geleise sprang, über den Straßen- dämm der Bergstraße fuhr und schließlich in das Schaufenster des Tengelmannschen Kaffccgcschästs hineinfuhr, dabei alles zer- trümmernd, was ihm im Wege war. Mitten im Laden blieb der Koloß stehen. Der Führer des Wagens blieb wie durch ein Wunder unverletzt, zwei auf dem Vorderperron befindliche Passagiere wurden leicht verletzt und zwar erhielt ein Milchhändlcr ans der Hobrcchtstraße eine Brustqnctschung, ein Schneider aus der Böckhstraße leichte Verletzungen an der Schulter und am Knie. Auch im Innern des Wagens befanden sich mehrere Personen, von welchen eine Frau und ein Kind leichte Abschürfungen er- litten. Nach vielen vergeblichen Bemühungen, den Wage» ans dem Laden herauszuziehen, legte man einen elektrischen Straßenbahn- wagen vor, welcher den Wagen auch glücklich herausbrachte. Der Motortvage» selbst ist natürlich erheblich beschädigt, noch größer aber ist der Schaden, der in dem Kaffeegeschäft angerichtet worden ist und den selbstverständlich die Straßenbahn- Gesellschaft zu tragen hat. I Die Unglücksstätte wurde am Sonntag bis in die Nacht hinein und{ gester» während des ganze» Tages von vielen Neugierigen besucht. Die endgültige Regelung der Schönebcrger Polizei- Verhältnisse in gleicher Weise, wie es am t. d. Mts. in Nixdorf durch Ministcrialvcrfügmig geschehen ist, wird nun bestimmt am t. Januar 1900 erfolgen. Es wird dann fast das gesamte Polizei- wesen Schönebergs, einschließlich der Baupolizei, welche die Stadt sehr ungern verliert, der dortigen königlichen Polizeidircktion unter- stellt werden. Der Stadt erhalten bleiben wird nur die Straßen- und Wegebaupolizci. Beim Ausrücken verunglückt ist gestern morgen in Charlotten- bürg der Oberfeuermann Karl Schnciderniann. An der Ecke der Wilmcrsdorfer- und Kantstraße geriet durch Kurzschluß ein Straßen- bahnwagen in Brand, zu dessen Löschung die Feuerwehr gerufen wurde..' Schneidermann, der mit dem Rade dem Zuge vorausfuhr, kam an. der Ecke der Grün- und Wilmersdorfcrstraße zu Faste und zog sich Quetschungen und Abschürfungen am Kopfe und am rechte» Knie zif. Er wurde' auf der Rettungswache in der WilmcrSdorfcr- straße verbunden und mit einer Droschke in seine Wohnung gebracht. Schöneberg. In der Bahnstraße 17 kani Montagabend Slj2 Uhr ein großer Brand zum Ausbruch, der Dachwohnungen, Trockenböden und das Dach einäscherte, so daß der entstandene Schaden bcträcht- lich ist. Die Berliner Feuerwehr, die ebenfalls auf der Brandstätte erschien, brauchte nicht in Thätigkeit zu treten, da die Schönebergcr allein Herr des Feuers wurde. Vevmifttzkes- Gewaltige Stürme haben ausgangs der verflosseneu Woche die Küste der Ostsee heimgesucht. Aus allen Hasenortcn laufen Meldungen über angerichtete Verheerungen ein. Am schlimmsten scheint der Sturm aber an der russischen Ostsceküste gewütet zu haben. Aus R e v a l wird unterm 25. November telegraphiert: Bei heftigem Sturm ist heute der Schoondr„Bruno",'aus Port Knnda kommend, auf den Strand von Revak geworfen worden. Vier Mann der Besatzung sind umgekommen, einer gerettet; im Hafen von Reval' ist ein Segelschiff um- geschlagen, ein anderes auf den Strand geworfen worden. Zwei Segelschiffe sind bei der Insel Malos gestrandet. Der Sturm dauert noch an. Aus Riga wird unterm 26. November gemeldet: Hier wütet ein furchtbarer Sturm. Das Wasser stieg um 3 Fuß und überschwemmte mehrere Straßen. Viele Fahrzeuge und Holzstöße wurden fortgerissen. Die Parkanlagen sind stark beschädigt; auch der übrige Sachschaden ist groß. Ans Petersburg wird berichtet, daß bei sechs Grad Kälte die Ncva zugefroren ist.— Längs der Brester Eisenbahn hat ein starker Orkan in einer Ausdehnung von mehr als hundert Werst gewütet. Die Dächer mehrerer Stationsgebäude wurden abgerissen. Die deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger teilt von der Rettungsstation B o r k n in mit: Am 27. November von den hier gestrandeten Hcringsloggcrn„Norden" und„Heinrich Daniel", Kapitäne Visier und Korvmg, 28 Personen durch das Rettungsboot „Otto Hast" der Südstation gerettet. Pci der Zollkasse der Eisenbahndirektion Köln sind Unter- sch l a g u ii g e n von bedeutendem Umfange vorgekommen. Von dem Thätcr fehlt jede Spur. Die Haussuchungen, die bisher vorgenommen worden, blieben erfolglos. Schiit; de» Liebespaaren. Der in Frehbnrg a. ll. erscheinende „Bote" bringt folgenden„Hilferuf der Liebespaare":„In der am 1ö. November.abgehaltenen Bürgcrvcrsaminlung wurde der Antrag gestellt, an der Molkerei eine— beleuchtete Nachtwächtcr-Stcchnhr anzubringen. Dieser lauschige stille Winkel ist der einzige dunkele, ungestörte, sichere Platz für das Stelldichein Liebender. Wir bitten die Herren Stadtverordneten, diesen unlicbcnSwürdigen Autrag ab- zulchncii." In Paris sind in einem G r e i s e n a s h l entsetzliche Rt i ß- Handlungen aufgedeckt worden. Ein ehemaliger Franziskaner- mö"ch Namens Uvcs- Marie K s rinn, der sich durch äußere Frömmigkeit große Achtung zu erringen wußte, hat nicht allein schlimme Erbschleichereien und Betrügereien an den Nshlistcn verübt, sondern auch sich zahlreicher grober Mißhandlungen schuldig gemacht, ja mau spricht davon, daß mehrere Personen infolge der von ihnen verübten Barbgrcicn den Tod gefunden haben sollen. Ter Cirkns Turow in Kischincw ist niedergebrannt. Eine Anzahl dressierter Tiere ist dabei umgekommen.— Tic ersten Versuche in den Vereinigten Staaten mit dem Polak-Virag-System der S ch n e l l t ek e g r a p h i e wurden Freitag unternommen. Zwischen Chicago und Buffalo wurden 90 000' Worte in der Stunde telegraphiert. Zwischen Chicago und Milwaukce wurden gar 140 000 Worte in der Stunde abgesandt. Die Entfernung zwischen Chicggo und Buffalo beträgt 1062 Meilen. Herr Virag überwachte die Experimente und glaubt, daß durch eine Vcr- besserung des Systems" noch mehr Worte imierhalb einer Stunde telegraphiert werden können. Marktpreise von Berlin am 25. November 1899 nach Ermittelungen des kgl.. Polizeipräsidiums. «jMeizen D.-Ctr. »jNoggeu Futter-Ecrste„ Hafer g»t „ mittel„ .. gering Richtslroh, Heu f)Erbseii sySpeisedohneii. tstiinfe» Kartoffeln, iiene Rind sie isch, llcul« 1kg do. Bauch„ 0 Ermittelt pro 15,— 14,30 13,90 15,20 14,40 13,00 4,- 0,80 40,- 50,- 70,- 7,— 1,00 1,20 Tonne 13,80 13,50 13,- 14,50 13,70 13,- 3,50 4,20 25- 25,— 30,— 5,- 1,20 1,- vo» der Schmeiuesleisch Kalbfleisch taulmelfleisch uttcr Eier Kamsc» Aale Zander Hechte Barsche Schleie Bleie Krebse 1kg 60 Stück 1kg per Schock 1,60 1,80 1,00 2,80 0,- 2,20 2,80 2,50 1,80 1,60 2,80 1,20 12,- 1,10 1,- 1.- 2,— 2,80 1,20 1,40 1,- ],- 0,80 1,40 0,80 3.- Ccntralslelle der Preuh. Laudivirl- schaflSkämluern— Noticnuigsstelle— und Umgerechnet vom Polizeipräsidium s iir den Toppcl-Ccnwer. f) Kleiilhaudelspreife. Produktenmarkt vom 27. November. Bei sehr geringer Geschäfts- bclciligung gaben Weizen und Roggen je 0,50 M. im Preise nach. Ein größerer Rückgang wäre jedenfalls eingetreten, wenn nicht das aus Peters- irnrg gemeldete Zufrieren der Newa dem entgegengewirkt hätte. Hafer und Rübül ivarc» still und schwächer- Am Spirit ns markt überwog das Angebot die Nachfrage und-Oer Ioco ging bei einigem Handel um 0,20 M. auf 47,30 M. zurück. Teniiüie lagen sehr still, eher schwächer, mir November wurde 51,50 M. gehandelt. Kartosfelfabrilate. Feuchte Kartoffelstärke 10,40 M. la reine Kartoffelstärke disponibel und Dczcmbcr-Januar 19,75 M. In Stärke und Mehl, Atittel- Qualität 18,50-19 M. per 100 Kilogramm. Eier-Berich t vom 27. November. Normale Eier je nach Qualität von 3,75— 3,90 M. per Schock. Aussortierte kleine Ware je nach Qualität von 2,70.-2,85 M. per Schock. Kalkeier je nach Qualität von 3,35—3,40 M. per Schock. Tendenz: ruhig. Vrieskastcn der Redaktion. «»parteiisch. Nicht Kasper, sonder» Werner. «itternnzSübersicht vom„'7. November morgenS 8 Uhr. Wetter-Prognose für Montag, den K8. November I8iti>. Ein wenig liihler, zeitweise aufklärend, vorwiegend trübe mit Nieder- schlügen und frischen westlichen Winden. Berliner W c t l e r b n r e a a. Achkunq!"WU Nthkung! SocialdemokraMer Wahlverein für den l. Berliner Kelchstags- Mahlkreis. Heute. Dienstag, 38. November, abends 8>/« Uhr, bei Mlcgcl, Stralanerstr. 57:_ MT* General- Versammlung."WW Tagesordnung: I. Bericht des Vorstandes. 2. Kassenbericht. 3. Wahl des Vorstandes. 4. Bestätigung der Abteilungs- und Bezirksführer. 4. Vortrag des Reichs- tags-Abgeordneten Genossen Rosenow über„Thomas Mllnzer". Di« Mitglieder des Wahlvereiiis erhalten das Protokoll vom Parteitag in Hannover. Mitgliedsbuch legitimiert. 230/1 l Regen Besuch erwartet ver Vorvtsnck. Dienstag, den 558. November 189U, abends 8 Uhr, im Kösliiier Hof, Köslinerstr.£3: VaMsverlammruna Wahlverein des DI. Kreises. DIcnNtag;, den 38. Xovcniber, abends 8 Uhr, In Spiegclborgn Apollo-Saal, 8cba8tlan-8trassc 80: PF" Versammlung."HW Tagesordnung: 241/2 1. Vortrag des Rechtsanwalts Herrn Victor Fränkl über..Das neue Recht und die bcstüloscu Bolksklassen". 2. Diskussion. 3. Vereins- angclcgenheiteu. S/F* Das Protokoll des Parteitages in Hannover gelangt in der Versainiiilnilg durch den Kassierer zur Verteilung.' WM Regen Besuch erwartet ver Vorstand. TageS-Ordnnng:' Ter Arbeitcrinnenschut; i» wirtschaftlicher nnd gesundheitlicher Beziehung. Referenten Herr RcichstagS-Abgeordneter Genosse Fischer(Sachsen) und Herr Dr. med. Genosse Frendenberg. 1/19 Zahlreichen Besuch erwartet»le Vcrtrancnspcrson. NB. Zugleich wird darauf hingen,., d,„.w am Donnerstag, den 30. November, zwei Volksversammlungen stattsindcn mit dem gleichen Thema und zwar wird sprechen: Zicichstags-Abgcordneter Molkenbnhr und Dr. F r i e d e b e r g bei Keller, Koppenstrabc; Rcichstags-Abgeordnelcr Rosenow und Dr. Zadel in Habels Brauerei._ D. O._ Mittwoch, den'49. November» abends 8 Uhr, in Zlckcrstrastc 6—7: de» Borussia-Sälen, Textilarbeiter u. Arbeiterinnen! Mittwoch. 39. November. obcndS 8 Uhr, im Lokal Ciranmann, Nou»i>nftr. 87: Große öffentliche Verfammlnng aller in Appreturen und Färbereien beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Genossen F. Koiike: Arbeitcrlohn und Unternehmer- gewinn. 2. Diskussion. 3. Wie stellen sich die Kollegen zur Mäsiregclung eines Kollegen der Firma Riedel? 4. Verschiedenes. 273/4 fV Alle Arbeiter und Arbeiterinnen, die in Appreturen und Färbereien arbclten, sind hiermit ganz besonders eingeladen. I»er Vertranensmann. Charlottenburg. Donnerstag, den SO. November, abends 8 Uhr, in der Gambrinusbranerei, Wallstr. 94: ¥ olks-¥ er sammlnng'. Tages-Ordnung: 1. Vortrag über: Arbeitcrinnenfchutz. Referent ReichskagS-Abgeordnetcr E. Wurm. 2. Diskussion. 204/20 Zahlreichen Besuch, besonders der Arbeiterinnen, erwartet Ute Vcrtranenspcrson. Rwdorf. Mittniölh, Den 29. November 1899, libenbs 81z llhr: Grobe TslkS-Verslimmliliig i« Aliolio-Tlieatn«ÄÄ Hcw-nKr. 48-58. Tages- Ordnung: I. Die Gewerbegerichts-Wahlcn im hiesigen Ort. Referent Reichstags- Abgeordneter Genosse Wolfgang Heine. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Es ist selbstvarständlich Pflicht der Ripdorfer Arbeiterschaft, sich an dieser Versammlung recht zahlreich zu beteiligen. 205/1 Der Bertrauensmau» der Gewerkschaften. Oeffeutl. Versammlung der Maurer Berlins und Uittgegeud lVerlk'suell8mSoiiet'-l)evlrAlj8»tion). Tages-Ordnung: 1. Die Konferenz der Maurer Deutschlands und Wahl der Delegierten zu derselben. 2. Bcschlubfassung über den Endtermin der diesjährigen Sammlung und Abstempelung der Sammelkarie. 3. Gcwcrkschastlichcö. 192/4 Ute Uobnlionnntssion._ Deutscher Holzarbeiter-Verband. (Zahlstelle Berlin.) Brandien-VersainL iL hihiitstniineiiten-ArlKiter am Dienstag, de» 28. November, abends 81/.«hr. im Lokale des Herrn ZHlfi sFürftcnhof), Köpnickerstrahe 137/138. Tagesordnung: 1. Vortrag des NaturarzteS Herrn G. Lindenau über:„Welchen Wert hat die Natnrhcilmethode für die Lösung der socialen Frage?" 2. Die Preissteigerung für Pianinos und Flügel mit der Begründung der seit Jahren steigenden Arbeitslöhne. 3. Verschiedenes. Kollegen, der Tagesordnung wegen erscheint pünktlich und zahlreich. Branchen-Versammluflg der Drechsler am Dienstag, den 28. Nov.. abends 8V< Uhr, jgy im Lokale des Herr» Dieke, Ackerftraste Nr. 123."Mg Tages- Ordnung: I. Vortrag deS Kollegen louis vlltd über:„Lohn- und Accordarbcit". 2. Diskussion. 3. Der Streit in de» Alabaflersabrilen und der Terrorismus dieser Herren Arbeitgeber. 4. Verschiedenes. Die Drechsler in den Fabrik- und Modelltischlereien sind hierzu ganz besonder? eingeladen. Werte Kollegen! Da in der nächsten Zeit Punkt 1 für die Drechsler Berlins eine brennende Frage wird, ersuchen wir die Kollegen, recht voll- zählig zu erscheinen. Die Drechsler in den anderen Bezirken sind ganz be- soudcrS eingeladen. 278/20 '__ Die OrtnverwaUnng. MittMiDroschkenkutscheraiirtiiii«! Dienstag, den 28. November, abends 9 Uhr. in Stcchcrts Saal. SlndreaSstr. 21: Oeffeutliche Tersainniluug. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Stadtverordneten A. Hoffmann über: Auf was wir stolz sind. 2! Das denünziatoriiche Vorgehen einzelner Droschkcnbesitzcr und was haben wir zu thun. 3. Diskussion. 1103b Wir ersuchen die Kollegen, in dieser Versammlung sämtlich und pünktlich zu erscheinen. Das Agitationskomitee. Dankfagnttg. Allen werten Kollegen und Freunden mciiicS Mannes, unseres Vaters, sagen wir unseren innigsten � Dank für die rege Teilnahme an der Bestattung seiner Leiche. 114b Die ticsbctrübtm Hinterbliebenen: Frau fc!or»Ier nebst Kindern. Danksagung. Allen Freunden, Bekannten und Kollegen sowie dem Fachverein der Holz- und Bretterträger sage ich meinen besten Dank für die zahlreichen Bliimeiispcndcn sowie die freundliche Teilnahme an der Beerdigung meines lieben Mannes. ll20b Die trauernde Witlvc llmtll« Maschen. Allen Freunden und Bekannten sür die ninige Teilnahme au dem Be- gräbnis meiner lieben, guten Frau II.(fionsclinr geb. Becker sage hiermit meinen ticfgefühltestc» Daul. A. Gonmchur, 11226 ZeitungS- 0-peditcnr. H Allen Freunde» und Bekannten die traurige Nachricht, dab der Brcttsrträger. 1119b Villielm frevllö am 25. November, im 51. Lebens- jähre»ach kurzem Krankenlagcr sanft entschlafen ist. Dies zeigen tiesbetrübt an Witwe Freude nebst Geschwistern Die Beerdigung findet Mitt- woch, den 29. d M., nachmittags 3 Uhr, v?» der Leichenhalle der St.Markusgemcindclu Wilhelms- Orts-Krattkenkaffe de» Töpfergewcrbes zu Vcrli». Mittwoch, den 29. November. abends G Uhr, bei Herrn Qanxe, Tragonerslraffe 15: Ordentl.Generalversamnilung der Alitglicder(Arbeltgeber und Arbeitnehmer). T.-O.: 1. Wahl. von 17 Delegierten (Arbeitnehmer)§ 47 des Statuts. 2. Anträge zur Generalversammlung. 3. Verschiedenes.. 194/8 Mittwoch, bc» 29. November, abends 7»hr, bei Herr» L�nxe, Dragonvrstrafi« 15: Orrientl.Generalversammlung der Delegierten(Arbeitgeber.und Arbeitnehmer). T.-O.; 1. Neu; bczw. Ersatzwahl des Vorstandes(2 Arbeitgeber, 0 Ar- beitnchmcr). 2. Wahl des Ansschnffes zur Prüfung der Reckmung pro 1899. 3. Anträge von Mitgliedern und des Vorstandes§§ 14 und 15 des Statuts. 4. Verschiedene Kaffcuangclcgenheiteu. Der Äorstand. Bade-Anstalt Horden I�ortzingHtr. 33. Lohtamiin, Russich- Romisch, Dampf- lasten mit Massage und Packungen. Wannen-, Sand-, Fichtcnnadcl-, Kleie- und kohlensaure Bäder, Liescrant sämt- lichcr Äranlenlasscn. 25871* Slicialdemokratischer Verein für de» 5. Kerliner Keichstags-Wahlkreis« Sonntag, 3. Dezember, mittags 2 Uhr: SöilderligrWlilg in her Urnnin Danbenstraffc 48/19. 245/17 Billcts n 60 Pf. find bei den Abteilungs-. Bezirissührcrn, sowie in folgenden Zahlstelle» zu haben: B. Bicbtcr, Filzschuh-Geschäft, Neue Künigstr.»0/«. Wendlandt, Cigarreügeschäsl, Marieiibnrgcr- strasie 32;\%\ KnUtzscb, Schankwirt, Hirten str. 10;'Wilhelm Ludwig, Schaukwirt, Landwehrstr. 11; E. Wlttchow, Schankwirs, Ecke Elsasser- und Kl. Hamburgerstrasie; E. GeUnde?, Schankivirt, Iohannisslr. 9; Emil dtteleel, Schankwirt, Monbijonplatz 10; J. Renl, Cigarrengeschäst, Baniimstr. 42; Wilh. 8paet, Schankwirt, Weinstr. 28 Veraiilwottlickier Redactcur: Paul John in Berlin. Für dcu Inseratenteil verantwortlich: Db. Glocke üi Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin.