Mttterhaltungsblatt des vorwärts Nr. 89. Donnerstag, den 10. Mai. 1906 (Nachdruck verbolen.) 7) Smer JVIutter Sohn» Roman von ClaraViebig. ./He hat noch en starke Stund' jelebt. He sagt noch, dat he de Solheid aus Longfaye war' und dat se sein Frau holen sollten. „Ich war den Tag jrad am Heckenscheren, da kam einer jerannt. Un ich macht mich auf mit der Lisa, die war damals im sechsten Monat met'm Jean-Pierre. Aber als mir hin- kamen, war et schon zu spät. „Se hatten ihn liefen, nicht weit vom frohen Kreuz. Se hatten ihn tragen wollen bis Ruitzhof in cn Haus, aber he saat:„Laßt mich— hier will ich himmelen!"*) lln hat in de Sonn' jekuckt. „Höhr, die stand am Himmel so jroß un rot de Tag— so jroß— wie se einst wird stehen am Tage des Jerichts! Höhr, he war janz in Schweiß un Blut— Stunden waren se mit ihm gejagt— aber an der Sonn' hatt' he noch sein Freud'! „Hähr,� de Kerl, de ihn jeschossen hatt', de war janz drauß, de hielt ihn im Schoß un war am weinen. Höhr, ne," — der Gemeindevorsteher schüttelte sich, und inan merkte seiner Gebärde den Abscheu an—„ich mächt' kein Cam- mis sein!" Die Stimme dcS alten Mannes war tiefer und rauher geworden— es war das Zeichen seiner Anteilnahme— nun bekam sie wieder ihren früheren gleichmütigen Klang:„Wenn et Euch paßt. Madame, wollen mir jetzt jehcn!" „O das Kind, das arme Kind," flüsterte Käte erschüttert. „Glauben Sic denn, daß die Witwe sich von diesem Jüngsten trennen wird?" fragte Schliebcn, von einer Plötz- lichen Befürchtung erfaßt. Dieses nach dem Tode des Vaters geborene Kind— war es möglich?! „O �!" Der Alte wiegte den Kopf und schmunzelte. „Wenn Ihr wat Ordentliches dafür jcbt! Sie hat'er ja noch jenug!" Jetzt war Nikolas Rocherath wieder ganz Bauer', das war nicht derselbe Mann mehr, der von der Sonne des Venns und dem Tode des Solhcid gesprochen hatte. Nun galt es, so viel als möglich herauszuschlagen, einen Fremden, der noch dazu ein Städter war, ordentlich übers Ohr zu hauen! „Hundert Taler wären nich übertrieben jefordert," sagte er und blinzelte dabei von der Seite nach dem ernsten Gesicht des Herrn— mußte der ein Geld haben, der verzog ja nicht eine Miene! Voni Viehhandel her war der alte Bauer seit Lebzeiten das Feilschen gewöhnt, nun blickte er, von scheuer Bewun- dcrung für �olch einen Reichtum erfüllt, auf den Fremden. Bereitwillig führte er nach der Hütte der Solheid.—- '4. Die Hütte der Solheid lag, wie alle Häuser des Dorfes, ganz für sich allein hinter einer giebelhohen Hecke. Aber die Hecke, die da schützen sollte gegen die Stürme des Venns und das wilde Schneetreiben, war nicht mehr dicht: man sah's, hier fehlte die sorgende Männerhand. Die Hainbuchen waren regellos in die Höhe geschossen: abgestorbene Zweige, die der Vennwind peitschte, reckten sich wie klagende Finger in die Luft. Hu, hier mußte es eisig kalt sein im Winter! Unwill kürlich zog Käte den weichen, seidengefistterten Tuchmantel fester um sich. Und doppelt dunkel mußte es hier sein an dunklen Tagen! Die winzigen Fcnsterchen waren durch die Schutzhecke lichtlos gemacht, und tief hing das Dach über den Eingang. Ohne Stufen, gleich von der ebenen Erde ging's hinein.' Der Gemeindevorsteher rappelte am„Jadder", der einst mals grün gestrichenen, jetzt farblos gewordenen Haustür mit dem eisernen Klopfer. Der Klopfer dröhnte durchs Haus, sterben, aber die Tür gab dem Druck nicht nach. Ei, die Soleid war wohl in den Beeren und die Kinder mit ihr! Man hörte drinnen im verschlossenen Hüttenraum nur das hungerige Schreien des Jüngsten. Das arme Kind— o, sie hatte es wieder allein gclassenl Käte zitterte vor Erregung, wie Hülferuf erklang ihr das Geschrei. Gelassen setzte sich der Gemeindevorsteher auf den Hau- klotz vor der Tür und zog seine Pfeife aus der Tasche des faltigen blauen Leinenkittcls, den er, der Herrschaft zu Ehren, rasch über das Arbeitswams gezogen hatte. Jetzt hieß es warten. Enttäuscht sah sich das Ehepaar an— warten?! Käte hatte«den Sitz ausgeschlagen, den ihr der Alte mit einer gewissen Galanterie auf dem Hauklotz angeboten: sie hatte keine Ruhe, rastlos schritt sie vor dem Fcnsterchen auf und ab und mühte sich vergebens, durch die blinde Scheibe hinein- zuspähen. Immer ungebärdiger schrie drinnen das Kind. Der alte Rocherath lachte: das war mal ein Brüllen, der Jean-Pierre hatte'n kräftige Lung'! Käte konnte das Schreien nicht mehr mit anhören, es machte ihr körperliche und seelische Qual. Ach, wie es ihr in den Ohren gellte! Sie preßte die Hände dagegen. Und ihr Herz zitterte vor Mitleid und Empörung: wie konnte die Mutter so lange ausbleiben?! Der Angstschweiß trat ihr auf die Stirn: mit brennen- den, ungeduldigen Augen starrte sie hinaus aufs Venn, auf den nackten, baumlosen, sich endlos hinschlängelnden Pfad. Da sah sie endlich Gestalten � endlich!— und doch blieb ihr auf einmal der Atem stehen, ihr Herz setzte den Schlag aus, um dann plötzlich, wie toll, ungestüm drauf los zu hämmern: da kam die Mutter! Lisa Solhcid trug eine Reisigwelle auf dem Rücken, um die Schultern mit einem Strick festgeschnürt. Die Last war so schwer, daß sie das Weib ganz vornüber drückte und ihm den Kopf tief duckte. Drei Kinder— die kleinen Füße in plumpen Nagelschuhen— trappten vor der Mutter her, während ein viertes an ihrem Nock hing. Das hatte auch schon Preißelbeeren gesucht, seine Händchen waren rot ge- färbt wie die Hände der größeren Geschwister, die Eimer, Maß und Kamm schleppten. Hübsche Kinder, alle vier! Sie hatten dieselben dunklen Augen wie der kleine Jean-Pierre, mit denen starrten sie halb dreist, halb scheu die fremde Dame am die ihnen zu- lächelte. Die Solheid erkannte die Herrschaften nicht, die ihr gestern auf dem Venn eine Gabe gereicht hatten— oder tat sie nur so? Der Strick, der die Welle zusammenhielt, hatte ihr tief in Schultern und Brust eingeschnitten, jetzt löste sie ihn und schleuderte mit kraftvollem Ruck die Bürde ab: und jetzt griff sie»ach der Art, die neben dem Hauklotz lag, und begann, als sei niemand zugegen, mit mächtigen Hieben ein paar starke Aeste zu zerkleinern. „Hecla, Lisa," sagte der Gemeindevorsteher,„wenn Du jenug Holz jehanen has', für die Jrumbieren zu kochen, paß ens op!" Sie sah flüchtig von ihrer Arbeit zu ihm auf. Die Fremden waren beide— ohne Verabredung— ein wenig auf die Seite gegangen: mochte es der Gemeindevorsteher ihr erst einmal sagen! Es war doch nicht so einfach, wie sie sich's gedacht hatten. Die war nicht leicht zugänglich! Der Solhcid verschlossenes Gesicht veränderte keinen Zug: stumm, mit zusammengepreßten Lippen verrichtete sie ihre Arbeit weiter. Das Holz barst unter ihren, kraftvollen Hieben, die Stücke flogen um sie herum. Ob sie überhaupt auf das hörte, was der Mann zu ihr sprach?! Ja— die Beobachtenden wechselten einen raschen Blick — und jetzt antwortete sie auch! Lebhafter, als man es bei ihrer verdrossenen Art vermutet hätte. Lisa Solheid hob den Arm und wies nach ihrer Hütte, darinnen der Kleine noch immer unerhört schrie. Rauh klang ihre Rede, in einem schier barbarischen Dialekt, man verstand. nichts davon, nur ab und zu ein französisches Wort. Auch der Gemeindevorsteher sprach wallonisch. Sie wurden beide lebhaft, erhoben ihre Stimmen und redeten laut gegenein- ander an: fast klang es wie Zank. Sie schienen nicht einig zn werden? Käte lauschte in verhaltener Angst. Würde sie es geben? Würde er's von ihr losbekommen?! Heimlich zupfte sie ihren Mann.„Biete mehr, gib ihr doch mehr, hundert Taler sind viel zu wenig!" Und dem Bauer da mußte er auch etwas versprechen für seine Be- mühung. Hundert, zweihundert, dreihundert, hundert mal hundert waren nicht zu viel! Ach, wie das arme Kindchen schrie! Es litt sie fast nicht mehr so tatenlos vor der Schwelle. Tie Geschwister des kleinen Jean-Pierre— ein schönes Mädchen mit wirren Haaren und drei jüngere Knaben— standen, den Finger im Mund, die schmutzigen Naschen rm- gewischt, und rührten sich nicht vom Fleck. Da fuhr die Mutter sie an:„Hcela," und sie stoben davon, eines fast über das andere purzelnd. Aus der kleinen Höhlung unter der Schwelle scharrten sie den Schlüssel vor, und die Größte stieß ihn ins rostige Schloß und drehte ihn, auf den Zehen stehend, mit aller Kraft ihrer beiden Händ- chen un?. Die Solheid wandte sich nun gegen die Fremden: ihre hagere braune Rechte machte eine einladende Bewegung: „Eutrez!" Sie traten ein. Innen war's so niedrig, daß Schlieben dm Kopf bücken mußte, uin ihn nicht wider die Balkendecke zu stoßen, und so dunkel, daß sie geraume Zeit brauchten, bis sie nur irgend etwas unterscheiden konnten. Aern?licher konnte es nirgendwo seil?— alles in allein ein einziger Raum. Der Herd war von rauhen Steinen kunstlos gelnauert, darüber hin von? geschwärzten Balken an eiserner Kette der Kessel herab: offen stieg der Qualin der langsam schwclcirdcn Torfglut hinauf in den rußigen Rauchfang. Ein paar irdene Teller im Schüsselbrett— bnntblnmig aber rissig— ein paar verbeulte Zinngefäße, eii? Melkeimer, ein hölzerner Bottich, eine lange Bailk hilckern? Tisch, a?lf de:n Tisch ein halber Laib Brot ui?d ein Messer, wenige Kleider an Nägeln, in die Wand halb hiueingcba?it das Ehebett, darin jetzt bohl die Witwe mit den Kindern schlief, ui?d davor die plumpe Holzwicge des kleinen Jeai?-Pierre— das war alles. Wirklich alles?! Von einein Frösteln iin dämmerkalten, kellerdunipfen Raun? geschüttelt, sah sich Käte um. O wie trostlos arm! Da war kci?? Schlnuck, keine Zier! Doch, dort ein schreiend buntes Marienbildchen— ein roher Farbendruck a?if dünnem Papier— ein Weihwasserkesselchen aus weißem Porzella?? darunter— und dort, auf der anderen Seite der Wand, dicht bein? Fenster, so daß das wenige Licht darauf siel, ein Soldatcnbild. Unter Glas und Rahmen, in drei Ab- teilungen, dreimal derselbe Infanterist. Links: das Gewehr geschultert, auf Posten vor??? schwarzweißen Schilderhaus— rechts: marschbereit. Tornister??nd Kochgeschirr a?'.fgcsch??allt, Brotbeutel ui?d Feldflasche ai? der Seite, Getvehr bei Fuß— in der Mitte: in Paradeinontur als Gefreiter, die Hand grüßend an den Heln? gelegt. Ah, das sollte tvohl der Mann sein, Michel Solbcid als Soldat?! Einen scheuen Blick warf Käte auf das Bild— der da, der war ja erschossen Wörde?? bei??? Schmuggeln auf be?n Venn! Wie schrecklich! Sie hörte wieder den Alte?? erzählen, sah de?? blutenden Mann i»? Heidekraut liegen. und das Gra??sen des Abenteuerlichen rüttelte sie. Ihr Blick glitt wieder und wieder hii? zu den? Bilde, dein üblichen Soldatenbild, das in seiner stereotype?? Nichtigkeit so gar nichts sagte, und von da zu der Wiege des kleinen Jean- P?erxc: ob der viel voin Vater hatte?! Schlichen hatte gewartet, daß seine,, Frau das Wort uehinci? sollte— sie würde ja ain besten w?ssen, wie n?it der anderen zu reden sei— aber sie schwieg. U??d der Gemeinde- Vorsteher sagte auch nichts: nu?? er die Verhandlung einge- leitet hatte, hielt er es für höflich, dem Herrn das Wort zu lassen. Und die Solheid sprach auch nicht. Sic scheuchte nur rnit einer stun?men Gebärde die Kinder, die sich?nit Gier über das harte Brot auf den? Tisch hermachen lvolltcn. Tann stand sie still bei der Wiege: ihre Rechte, die l?och das Beil vom Holzspalten hielt, hing schlaff hcr????ter an? armseligen Rock. Fi?lstcr»var ihr Gesicht, unnahbar, und doch spiegelte sich ein Kainpf darin. lFortsetzring folgt.Z sNechtruck verboltN.) Qtifer BratiUanen Von Ilse F ra pa n- A k u nian. Hillmo?? Amazonowitsch Nmerikanski ist eine der inieressoniesteu Belanntschosten, die ich in meinem Leben gemacht habe. Originalität, Heiterkeit, Geselligkeit und eine fast unversiegbare kindliche Zu- traulichkeit in? Verkehr zeichnen ihn vor vielen Menschen aus, und oft und gern gedenke ich des guten Augcnhlickö, der diese so angc- nehm hervorstechende Persönlichkeit zuerst i?r unseren Kreis ein- führte. Die Originalität beginnt-schon in der Kleidung; selbst in größerer Gesellschaft fällt sein grüner, tadellos sitzender Anzug»n- bedingt auf. Wem? ich sage, daß er sich stets grün kleidet, so meine ich damit nicht, daß er in eine jener zlveifelhaften Nüanccn gehüllt ist, die die Schnittwarenhändler für Herrenstoffe als grün bc- zeichnen. Nein, sein Kostüm ist freudig salatgrün mit breitem hell- gelbem Schalkragen, lvozu noch kleine rote scherzhafte Achselklappen ko?nn?en, die das FIctte und Frische seiner Erscheinung erhöhen. Eine flache pcrgißincinnichtblarie Mütze ist dicht über die kluge?? gold- braunen Augen gezogen; nild das Merklvürdigste ist, daß diese phantastische Farbenzusaminenftellung sehr gut„zusainmen geht" und sotvohl dem Schneider!oic dein Träger des Anzuges Ehre macht. Besonders an melancholischen Herbst- und Nebeltagcn, lvo die gesainte Menschheit, oder doch deren männliche Hälfte sich in breite?? schtvarzen nnd kräheirfarbigen Massen durch die Straßen der großen Städte tastet, ist es eine wahre Erfrischung, den iinmcr grünen Hilarion A?i?azono!vitsch anzusehen, und alte Träume von einer Farbenreforin der männliche:? Kleidung tauchen bei seinem An- blick auf. Seit Jahren trug ich mich mit einem flehenden Aufruf z. B. an die Hamburger.„Hamburger, kleidet Euch rotl" sollte mein Ruf erklingen,„die Nebelperspektiven Eurer Straßen, die Ranch- und Dampfhintergründe Eurer Hafcnlaudschaften schreien nach farbigen Kleidern! Rot solltet Ihr tragen in allen Schattierungen, vom zartesten Lachs bis zum feurigsten Purpur, nur nicht schinutz- grau und brauuschlvarz unter deni grauen Regenhimmell." Und ich träumte von einem riesengroßen Plakat mit scharlacknoten Bürger- schaftsuiitgliedcrn, die prachtvoll und imposant zwischen türtisch- roten Börsenbesuchern hindurch zur Sitzung gehen, und ich träumte von der Wärlne und Heiterkeit, die dann von außen nach innen durch die erfreuten Augen in die kühlen Herzen einströmen Ivürde... Aber seit ich Hilarion kenne, denke ich mir oft die Hamburger grün. Und alle tragen sie breite Schalkragen und scherzhafte rote Achsel- klappen und vergißmeinnichtblaue Mützen und sind fröhlich, übermütig wie er! Was man nicht alles träumt I Aber Hilarion ist sclmld. Er deutet so durchaus in die Zukunft. Keine» Alkohol, keine?? Tabak rührt er an, nicht einmal Fleisch. Wie alle Nichtraucher liebt er die Süßigkeiten, zu denen der kleine Schäker i?i erster Linie— Küsse rechne! I Jmmerhii? sind sie billig und beinahe überall zu haben. Kaffee und Tee sind scii?e Lieblings- gcträl?ke, sie erhalte??,>vic er behauptet, den Kopf klar und die La>li?e gehoben. Er lebt äußerst genügst????; sein jährliches Budget ist lächerlich ileii?. Wir bewundern ihn oft und beklagen es schmerz- lich, daß wir ih?n aus bcrschiedencn nicht??achlcbci? können. Aber schon-seine Ahnen beflissen sich dieser edlen Einfachheit?l??d blutloser Kost, als die unfrigen??och grauenhafte Menschenopfer darbrachte?? — es ist eine Sache der Vererbung. Modern ist auch Hilarions Neigung und entschiedene Begabung für alle Arten von Sport. Er trainiert fortwährend, daher sel??e Unermüdlichkeit, seine stählernen, leicht federnde?? Muskeln, die Zlvcckmäßigkeit u!?d Eleganz sci??er Bc>vegm?gcn. Er besitzt eine?? eigenen Flugapparat?nit automatischer Steuerung. Aber die Sache ist sein Geheimnis; obgleich er galiz offen darüber spricht, scheint Nachahmung so gut loie ausgcschlosse??, es sei denn, daß ei?? Japaner seine Bekanntschaft lnachte.* Hilarion ist ein Freund der Musik. Tic steigert seinen natür- lichci? Frohsim? und brii?gt seine schöne Gabe für geselligen H??mor zur vollen Entfaltung. Es ist ci>? Genuß, ihn dabei anzusehen. Das kluge Auge blickt bald fair ig, bald feucht und weich; uirwilllürlich streckt er bei de?? schönsten Stellen die Hand aus, um sie jeuiande??? zn reichen, begeisterie Ausrufe werden laut. Ui?d schweigt die Musik, dann summt er tvohl in sich versunken ein Motiv leise nach, das ihm besonders die Seele bewegt hat... Groß ist auch seine Vorliebe für Bücher; er beschäftigt sich mit ihnen gern und intensiv, und ist beständig auf der Suche nach jemand, der ihm seine Bibliothek zur Verfügung stellt, da er die Absicht hat, die Klassiker aller Völker einmal gründlich zu bearbeiten. Vielleicht ist er sich??icht bcivußt, tvaS für cii?c Riesenaufgabe er sich damit gestellt hgt, denn offen gesagt— er ist nicht Pedant genug, um sie durchzuführen. Zu leicht wechselt er den Gegenstand seines Interesses. Voll Phantasie nnd Lau??e liebt er das Freie um des Freien willen, e>?tzückt sich an Bäumen und tziimiiselsblan, schaut aber kindlich bang empor zur dunklen Gewitterw�te.u?id duckt sich naiv vor den??iiederprasscl>?den Regen. Er ou.'dnz einem einfachen innigen NaturlultuS, berührt jedoch n i eine tS rcligiöss Fragen, offenbar aus Zartgefühl. Entzückend ist er als Plaichcwcr. Alle Stirnen cnlrunzeln sich, alle Mundwinkel ziehcn.sich hmättf, söbnkd er seine schelmischen Solo- Vorträge beginnt, lind Ivas neck» die Wirkung erhöht— er spricht allen verstänolich. ES ist eine Mischung von Volapük und Esperanto, worin er sich meistens' ausdrückt. Sein Lachen könnte einen holländischen Knchclofen in Mitschivin�ung bcrsctzerk, so ansteckend klingt es. Das Lachen eines gewöhnlichen Grammophons ist matt dagegen. Wenn er um einen Kuh bittet— so wird die strengste Tugendwächterin zur nachsichtigen Mutter zahlreicher Töchter und errötet sanft und gewährend. Am liebenswürdigsten aber verklärt sich sein ausdrucksvolles Antlitz, wenn eine liebende Seele nahe an ihn herantritt und zart die rein brasilianischen Worte flüstert» „Och, Au min lüttje söte gröne Wackerloral"— Kleines f eiriUeton* a. Mittelalterliche WirtshauSvcrbotc. Das trinkfeste Mittelalter, in dein so ungeheure Quanten Wein und Bier hinter die Binde gc- gössen wurden, war doch keineswegs nachsichtig und geduldig gegen zufälliges oder gewohnheitsmäßiges Volltrinken der Biirg'erkreise. Im Gegenteil, man ging oft recht scharf gegen derartige Ucbcltäter vor. Zumal in der Schweiz, wo es doch in xnncto Trinkens auch nicht zimperlich zuging? wurde doch der Verbrauch an Wein pro Kopf beim Züricher Scchfeläutcn auf nicht weniger als lö Maß gerechnet. So hieß es über das Volltrinkcn in der Stadt- ordnnng von Zug lüvö:„Thrunk auch einer, das er überlüff, der sol auch ein Tag und Nacht in Thurn gelegt und 5 Pfund Pfennige zn Vnß geben, wie dann das bor allen Gemeinden ist abgeredet und beschlossen ivordcn, und söl ein Jeder, der sölichs lBolltrinkcn) sieht, hört oder weißt, den anderen darumb leiden sanzeigen) einem Amaun oder fynem Statthalter by synen geschworenen Eid, und welcher nit leiden und das kundlich wurd, soll mit glycher Straff gestrafft werden als der Thäter selbst." Im Anschluß erfolgte dann in solchen Fällen ein zeitweiliges Wirtshansverbot,„er sol mich ein halb Jar ußer- halb syncm Hus kein Wein thrinken, doch darin bescheidcnlich zu thrinken ist im nachgelassen". Die Motivierung eines solchen Wirtshans- Verbots ist oft rechl drastisch, so wurde einem Bürger von Aura» lG08 «von sine» liederlichen und arbeitssäligcn versoffene» Lebens aber- malen alle GcMschastcn, als miner Herren RathhuS, SchiizcnhuZ, Whn- und WirMhüser" verboten. Auch bei sonstiger grober Pflicht- Verletzung kommen Wirtshausverbote vor. 1521 wurde in Zug Conrad Strüby auS Hundwhl wegen Mißhandlung von Fran und Kind auf drei Jahre aller seinen Ehren entsetzt, durfte kein Zeugnis ablegen, keine Gesellschaft außer der Kirche besuchen, seine Wohnung nur zur Besorgung notwendigster Wege verlassen und drei Jahre lang keinen Wein trinken. Ein solches Wirtshausverbot zu miß- achten, war eine böse Sache. 1618 wurde in Aaran der Metzger Gabriel Jberg verurteilt, weil er gegen das Verbot Wirtshäuser besucht, und einem Müller Böses gewünscht hatte, im Hirschengraben vom St. Lorcnztor an bis zum Stadtbach beim oberen Tor alle Nesseln auszurenten und in den Sumpf zu tragen, wenn er dies nicht tue, sollte ihm der eiserne Ganskragcn angeschmiedet werden. Das Wirtshausverbot erscheint im Mittelalter aber nicht nur bei Trunksucht und Liederlichkeit, sondern in Verbindung mit Ehr- Verlust ganz allgemein als Ehrcnstrafe, z. B. bei Armut und Schulden. Diese barbarische Anschauung, die den Armen zum.Ehrloscn stempelt, bat ja noch in der Gegenwart Geltung, wo sie manchen armen Teufel um seine politischen Rechte bringt. Noch schlimmer war es damit in der Vergangenheit bestellt. Schuldnern gegenüber war das Mittelalter'ganz außerordentlich brutal. Einen solchen stieß man ohne weiteres aus der damaligen Gesellschaft mit Schimpf und Schande aus. Bestimmte doch schon das Bambcrger Stadtrecht im 13. Jahrhundert:„der zahlungsunfähige Schuldner soll, nachdem er eidlich gelobt, daß er alles, was er fürbaß erübrige über seine Nahrung und über einen shilling Pfennige, dem Gläubiger bis zur gänzlichen Tilgung der Schuld reichen wolle, fortan, anweil er dem Kläger nicht vergolten hat. an dem rechten Bein und Fuß barschcnklich und barfuß gehen". Daß Schuldner auch äußerlich durch besondere Kleidungsstücke als solche kenntlich gemacht wurden, kommt in den alten Land- und Stadtrcchten übrigens recht häufig vor. Ausführlich spricht darüber das Landrecht van Oblvaldcn:„Wer d-x wäre, der mehreres vcr- thäte und sich höher beschuldigte,( c zu bezahlen hätte, und daß gcfehrlich und liederlicherweis durch unhanslichkeit, Thrillen lProzcssiercn) und Märchten und nit ctwan auf zugefallenem Unglück beschechen, hinfüran zu keinen obcrkeitlichcn Ehren und Aemtern, auch in Gericht noch Rath zu keiner Kundschaft soll kommen mögen, verbleiben noch gebraucht werden, bis und so lang ein solcher seine Schulden zu Begnügen bezahlt haben wird,'und an keine Kirchen noch Landgemeinde gehen und Ehr- und gewehrlos sein, auch einen grünen Hut tragen soll, solange die schulden nicht bezahlt." Da nach mittelalterlicher Auffassung das Wirtshaus durchaus ein öffentlicher Ort war, zn dein Zutritt nur solchen Personen ge- stattet war, die im Vollbesitze ihrer bürgerlichen Ehren waren, vcr- stand cS sich von selbst, daß mit der EhrloSerklärung eines Schuldners das Wirtshausverbot verbunden war. Daher kam es auch, daß das WirtshauZverbot bei rein politischen oder sonst strafrechtlichen Wer- gehen, die damals mit dem Makel der Ehrlosigkeit behaftet waren, so oft ausgesprochen wurde. Besonders zahlreich sind die Fälle, wo es in Verbindung mit dem Friedbruch erscheint. Bei der Lcichtig- keit, mit der in> Mittelalter die Hand den Degen oder das Messer zückte, stand auf alle derartige Fälle neben sonstiger Strafe auch der Verlust der Ehre. In den Schwhzer Friedbriefen von 1424 heißt es:„wer gegen einen frävcntlich wirft, stoßt, schlaht oder schüßt", der soll von allen Ehren gestoßen sein und sein Landrecht verlieren. 1535 wurden zu Aarau drei Bürger wegen Friedbruches„vellich umb ir Lib, Leben und Gut" wegen blutruns schlagen zum Tode mit dem Schwerte verurteilt. Aus Allgemeine Fürbitte von Alt und Jung wurden sie dann jeder zu 50 Pfd. Buße und daß sie„ihrer Waffen in der Stadt müssigen und zu keinem schlastrunck gehen sollten", begnadigt. Die 50 Pfd. Buße wurden später auf 20 Pfd. ermäßigt, das Meiden des Schlaftrunkes aber blieb bestehen bis auf scheinbare Besserung. Im Jahre 1542 ergrimmte der Rat von Zürich über das übermäßige und erlaubnislose Reislaufen seiner Bürger. Er rückte daher den Ausreißern mit folgendem strengen Erlasse auf den Leib: „Welcher zum drittcnmale hinweg loufft, dein sol sin haab und guat genommen, und wo er bcträttcn werden mag, hieher in den Wellen- berg sGesängnis) gestiert und er zuo keinen eren, weder zuo gericht, recht, kundschaft(Zeugnis) zesagen, noch keisnerleh andren ecrlichen fachen noch hendlen gebracht, sonder aller eeren entsetzt und für eyn lychten, verzeltcn, meyneyden, ecrlosen man ldesse Zunge und red niemant nützit nützen noch schaden mag) erkent, geachtet und gehalten werden. Ouch in kcyner zunft, gesell- schaft, ürtcn(Wirtshaus) gemeinde, noch einiger anderen ecrlichen Versammlung(one allein zur kilchcn) geduldet noch gelitten werden."— st. Ter Ursprung des D-llarzcichcnS S.— Die beiden Sonnenwende n(die Sommer- und Wintersonnenwende im Juni und Dezember und die entsprechenden Sternbilder des Tierkreises) würden von den Alten als zwei Säulen dargestellt, zwischen denen der Sonnengott hin und her wandert. Der Patron der Wanderer und Schiffer war iaher H erkules, ein alter Sonnengott. dessen berühmte zwölf Arbeiten die zwölf Sternbilder des Tierkreises bedeuten. In Shrien, auf Malta, auch in Gades(jetzt Cadix) an der Pforte des Mittelmeers war sein Säulenpaar in den ihm von den Phöniziern geweihten Tempeln errichtet. Die Säulen in Gades waren die oft genannten„Säulen des Herkules"(Straße von Gibraltar), bis wohin die kühneren Schiffer des Altertums sich wagten. Der vor einigen Jahren verstorbene Berliner Gelehrte Franz Rouleaur, der sich darüber in einer Abhandlung über Sinn- bildcr de» näheren verbreitete, bringt damit auch die biblische Simsonfrage in Beziehung. Simson war, wie auch schon andere Forscher erkannt haben, ein semitischer Sonnengott, wie sein Name zeigt(von Lciicmeselr= Sonne). Er verliert seine Kraft durch das Abschneiden seiner Haare, die winterlichen Sonnenstrahlen, und die Säulen, die er als Gefangener der Philister mit einer letzten Kraft- anstrengung erfaßt und umreißt, bedeuten eben die Sonnenwend- säulcn. Zum Dank für die glückliche Fahrt opferten die Handel- treibenden Seefahrer in Gades von ihren Schätzen. So sammelten sich im Tempel daselbst auch edle Metalle, und die schlug man zu Münzen. Diesen wurde nun. da» Heraklcszcichen aufgesetzt, die beiden Säulen, verbunden durch eine hängende Kette. DaS zog sich bis ins Mittelalter. Man nannte die so gestempelten Münzen Colon naten(Wohl korrum- picrt statt Columnaten von Colurnna„Säule") oder Säulentaler und bildete sie beim Schreiben durch ein Zeichen ab, das sich bald weit verbreitete: Zwei aufrechte Striche mit einem schrägen Zug quer hin- durch, das noch heute für den Dollar S gebraucht wird. Dasselbe Zeichen soll nach Ernst Krause(Carus Sterne) in dem älteren Zeichen für Pfund Sterling L stecken und ebenso in unserem Zeichen für Pfund tt, im Zusammenhang mit dem Wägen der Edelmetalle behufs Be- stimmnng ihres Münzenwerts. Spanische Silbermünzcn tragen noch jetzt das Säulenzeichcn, so die Zwei-Pcsctas-Stücke, worauf das Staatswappen von zwei Säulen, um die sich ein Band schlingt, flankiert ist.— b. Tic Walbungen des Deutschen Reiches. Der deutsche Wald wird vorwiegend, der Zahl der Arten nach, aus sominergrüncn Laubhölzcrn gebildet, und zwar sind e» 37 Arten von Laubbäumen. sofern nur die gezählt werden, welche für die Holzzucht in Betracht kommen. Die Zahl der in unseren Wäldern heimischen Nadelholz- arten bcrrägt dagegen nur sichen. Diese gehören vorwiegend dem subarktischen Waldgürtel. lieber die Bcivaldungsvcrhältnisse im Altertum bestehen mancherlei irrige Anschauungen; so ist es eine zwar weit vcr- breitete Vorstellung, daß ganz Deutschland früher nur mit Urwald und Sumpf bedeckt war, die aber trotz der bei römischen Geschichts- schreibern aufzufindenden„Beweise" nicht aufrecht erhalten werden kann. Ter Professor und Oberforstrat Ziefcrt stehb dnnir ein, daß sowohl während als auch nach der Eiszeft weite Gebchte mit Tundren, Waldsteppen und Grasland beb«fft n-idestq'-'sc»»! mässen. anders wäre dem prähistorischen MensNissi das Dctsein und die Ausübung von Jagd, Bichzucht und einem bescheidenen Gclrcidö- bau gar nicht möglich gewesen. Siefcrt erklärt die den römischen Schriftstellern unterlaufenen Irrtümer durch den gewaltigen Gegensatz des urwüchsigen germanischen Waldes und ihrer Heimat-, lichen Landschaft mit dem ewig blauen Himmel, den nackten Fels-. wänden und zerstörten Holzungen. Um ein richtiges Bild über die ältesten Zustände unscreJ Waldes zu erhalten, müssen die Forschungen aus den Gebieten der Pflanzcngcographie, Paläontologie, Altertumskunde und Sprach« lvissknschaft herangezogen werden. Und auf Grund solcher For- schungen erklärt Siefcrt, daß unsere derzeitigen Waldbäume nach dem Zurückweichen der letzten Vergletschcrungen der Eiszeit von Ost und West und aus den nicht vergletscherten Teilen Mittel- und Süddeutschlands, wohin sie durch die Verschlechterung des Klimas zurückgedrängt waren, mit dessen Erwärmung in langen Zeiträumen die ihnen entrissenen GeGete wieder zurückeroberten; dabei nahmen manche von ihnen ehedem ein weit größeres Vcr- breitungsgcbiet ein als heute, obschon die klimatischen Verhältnisse, dieser Hauptfaktor der Pflanzenverbrcitung, seit der Bronzezeit eine Aendcrung nicht erfahren haben. Weiden, Aspen, Birken, Föhren und Erlen waren bei ihrer Anspruchslosigkeit an den Boden, ihrer Unempfindlichkeit gegen Kälte und kraft ihrer häufigen Fruchtbarkeit und der leichten Beweglichkeit ihrer mit vorzüglichen Flugapparaten ausgerüsteten Samen die ersten An- sicdler, gerade so wie heute, wo sie nach Jahrtausenden auf Nah- fcoden, Schutthalden die erste Pionierarbeit besorgen. Mit dem fortgesetzten Feuchter- und Wärmerwerden des Klimas und der Vorbereitung des Bodens durch eine Pflanzendecke folgen allmäh- lich begehrlichere Holzarten, wie Eichen und Buchen, Fichte und Tanne, und als deren weitere Begleiter Eschen, Ahornc, Ulmen, Linden, Hainbuchen und andere, zu denen im Laufe der Zeit sich iiur wenige Arten, wie einige Pappeln, Nußbäume und Edel- ikastanien aus der wärmeren gemäßigten Zone, hinzugcsellen. Un- anfechtbare Zeugen für diese Mannigfaltigkeit der Holzarten sind die Moorfunde und Pfahlbauten. Durch Rückschlüsse aus dem biologischen Verhalten unserer Waldbäume sind wir zu der An- nähme berechtigt, daß in dieser vorhistorischen Zeit der gemischte Wald in unserem Gebiete die Regel bildete. Die dauernde Vor- Herrschaft einer oder nur weniger Baumartcn auf weiten Ge- bieten ist so lange ausgeschlossen, als der Mensch nicht in den Daseinskampf eingreift. Man hat versucht, durch Heranziehung der Limesforschungen, 'archäologische Ausgrabungen, die Durchsuchung jüngerer Ab- lageruugen nach den verschiedenen Holzarten, sprachgcschichtlichc und historisch-topographische Studien die Verbreitung der Holzgcwächse ßur Römerzeit und im frühen Mittelalter festzustellen. Auf Grund dieser freilich noch lückenhaften Forschungen darf als feststehend Angenommen werden, daß im Mittelalter der deutsche Wald, wenn auch nicht überwiegend, doch mehr Laubholz trug als heute, und daß manche Laubholzbaumarten und auch die Eibe in Gebieten vertreten waren, wo sie heute fehlen. Bis zum 7. Jahrhundert trat die Verschiebung zwischen Wald- und Kulturboden nicht erheblich hervor. In den Jahren 110V bis 1300 traten aber ganz gewaltige Elende rungcn ein, indem nicht nur die Vermehrungskraft des lBolkes zu einer Zurückdrängung des Waldes Anlaß gab, sondern auch geistliche und weltliche Gewalten schritten behufs Erhöhung ßhrer Einnahmen zu ausgedehnten Rodungen und Bcsiedelungen. Dieser Vernichtungskrieg blieb auch nicht ohne Einfluß auf die Verbreitung der Holzarten und äußert sich vornehmlich darin, daß vin erheblicher Wechsel, allerdings ein unbeabsichtigter, in der Zu- lsammcnsctzung des Waldes eintrat. Der heutige deutsche Wald zeigt ein Gepräge größter Ein- törmigkcit nach AltcrSabstufung und Zusammensetzung. Die Mannigfaltigkeit der Holzartenmischungen, die urwüchsige, der- fchiedengliedrige Bestandesverfassung ist auf weiten Gebieten durch reine, gleichaltrige Bcstandesformen abgelöst, weniger bevorzugte lHolzarten treten in den Vordergrund, die von Natur schwächeren Holzgcwächse verdrängend. Von der gesamten Waldfläche Deutsch- tlands sind nur noch Wch Proz. mit Laubhölzern und dagegen 07,S Prozent mit Nadelholz besetzt. Die Fichte namentlich erfreut sich Infolge ihrer leichten und einfachen Anzucht, ihrer Wuchsleistungen fowic ihrer umfangreichen Verwendungsfähigkeit gegenwärtig im orstwirtschaftlichen Betrieb einer außerordentlichen Wertschätzung. Diese moderne Einseitigkeit in der Waldpflege vergleicht Cicfert mit einem Lottcriespiclc. EL empfiehlt den Mischwald, glicht nur wegen seiner ästhetischen Vorzüge, sondern auch aus Wirt- schaftlichen Rücksichten. Er weist darauf hin, daß die Anforderungen ön die Walderzeugnisse einem steten Wandel unterworfen sind. Weiter bietet der Mischwald auch den besten Naturschutz gegen die erschreckenden Verheerungen bestimmter Waldschädlinge aus der Knsektcn- und Pflanzenwelt, und endlich sprechen noch mancherlei ändere waldbauliche Bedenken gegen die Bevorzugung nur weniger Holzarten und der Bildung ausgedehnter reiner Bestände. Dem Nichtforstmann ist der Mischwald stets ft-hxc als der reiue Bestand und ihm ist es daher eine erfreuliche Erscheinung. daß die neuere Forstwirtschaft selbst für den Mischwald sich ins ßeug legt.— cn. T..» Gif« und Gegengift von Pilzen. Der gefährlichste aller Gislpil-e, der schon vor hundert Jahren durch einen hervor- ragenden Pilzforscher mit der Bezeichnung eine?„TodeSengelS" belegt wurde, ist der Knollenblätter schwamm oder, mit wissenschaftlichem Namen, Agaricus phalloides. Seine Aehnlichkeit Mit eßbaren Formen, sein ausgezeichneter Geschmack und seine ganz äußerer deutliche Giftigketi bedingen dieses Urteil. Ein Drittel von dem Hut eines kleinen Pilzes dieser Art vermag ein zwölfjähriges Kind zu töten, wie die Erfahrung gelehrt hat. Die Waffen der Medizin gegen solche Vergiftungen sind in schweren Fällen noch recht unwirksam, daher sind weitere wissenschaftliche Untersuchungen, kvik sie jetzt Dr. Ford in dem„Journal für Infektionskrankheiten" ver« öffentlicht hat, von großem Wert. Danach gleichen die Pilzgifte den sogenannten echten Toxinen darin, daß ihre Wirkung für den tierischen und menschlichen Körper erst nach einer gewissen Zeit offenbar wird. Ferner verursachen sie Verletzungen, die denen ge- wisser durch Bakterien ansteckender Krankheiten gleichen. Dieser letztere Satz trifft auch darin zu, daß sie in den Tieren besondere Gegengifte oder sogenannte Antitoxine erzeugen, so daß man daran denken dürfte, durch Gewinnung solcher Gegengifte ein Mittel zur Bekämpfung der Pilzvergiftung durch Impfung zu erlangen, wie es bei den ansteckenden Krankheiten durch Serumbehandlung geschieht. Es ist Ford gelungen, solche Impfungen an Tieren versuchsweise erfolgreich durchzuführen, so daß die geimpften zehnmal stärkere Dosen des Pilzgiftes vertrugen, als sonst zu ihrer Tötung genügt hätte. Die Pilzvergiftungen sind immer noch so häufig und so ge- fährlich— verlaufen doch ettva% aller Fälle tätlich,—'daß die Not- wcndigkeit für eine Art der Serumbehandlung wohl vorliegt.—- Aus dein Pflanzenleben. — D i e Eibe inder Schweiz. Seit Conwcnh 1892 das bevorstehende Aussterben der Eibe in Westpreußen ankündigte, ist auch in anderen Verbreitungsgebieten derselben in Nord- und Mitteldeutschland ein Rückgang dieses wegen seiner schönen Form und des historischen Interesses bcrücksichtigungswerten Baumes festgestellt worden, so daß wenigstens an der Nordgrenze seiner Verbreitung das Aussterben zu erwarten steht. Um so erfreulicher sind die Mitteilungen P. Voglers(Berichte der Naturwissenschaft- lichcn Gesellschaft in St. Gallen, 1903/04), daß die Eibe, Me oder der Taxus Cllaxusbaccata L.) in der Schweiz im allgemeinen und so weit feststellbar, ihr ehemaliges Verbreitungsgebiet noch be- hauptet, und daß auch ihr Bestand noch keineswegs gefährdet ist; wenn auch viel„Eibholz" zu den Holzschnitzarbeitcn der Schweizer gebraucht wird, so genießt der Baum doch allgemein ein ver- ständnisvolles Wohlwollen der Forstleute und Waldbcsitzer. In der schweizerischen Ebene ist die Eibe zwar selten, zahlreich aber findet sie sich auf den nach dem schweizerischen Mittellande zugeneigten Abhangen des Jura und der Alpen, und zwar bis in die Höhen hinauf, ivclche alle bisherigen Angaben weit übertreffen, so z. B. an der Albula zu Stuls und Bcllaluna bis in Höhe von 1500 Meter, am Schanielcnbach im Prättigau und am Säntis bis in Höhe von 1000 Meter und am Weißrufi bei Mutten selbst in 1700 Meter über Meereshöhe. Sie gedeiht noch bei einer durchschnittlichen Jahrestemperatur von 2 Grad Celsius, einem Januarmittel von — 7 bis— 8 Grad Celsius und einem Julimittel von II�H Grad Celsius. Ganz offensichtlich bevorzugt die Eibe den Kalkboden, an dem in der Schweiz kein Mangel ist. und dieser Umstand sichert hier wohl auch ihren Bestand; denn einerseits zeigt sie aus An- laß des ihr besonders zusagenden kalkhaltigen Bodens eine reich- liche Fruchtbildung, andererseits finden die durch die Vögel weit- verschleppten Samen in den vielen Kalkgebicten der Schweiz sehr leicht geeignete und der Pflanze zusagende Orte zum Keimen.— („Prometheus."); Hunioriftischeö. — Verblümt. Fremder(der ein Schloß besichtigt hat, zum Kastellan):„Habe leider augenblicklich kein kleines Geld�; übrigens dürfen Sie ja wohl auch gar kein Trinkgeld annehmen?" K a st e l l a n:„Strengstens untersagt; ich könnte Ihnen aber wechseln!"— — Weltende. A.:„Ucbcrall bebt die Erde l Ich bin über- zeugt, wir stehen vor dem Weltuntergänge; in wenigen Wochen platzt die ganze Erde auseinander." B.:„Ich wette tausend Mark dagegen." A.:„Ach, mit Ihnen wette ich nicht; wenn ich diesmal gewinne,. drücken Sie sich wieder umS Bezahlen!"— („Lustige Blätter".) iQiae.«, — Der Leipziger Lehrerverein errichtet eine Anstalt für experimentelle Pädagogik und Psychologie, in der mit Hülfe von Versuch und Beobachtimg Aufgaben der Pädagogik wissenschaftlich einwandfrei gelöst werden sollen. Die Leitung der Anstalt übernimmt Privatdozent Dr. Brahn.— — Eine Deutsche Brahms-Gesellschaft ist in Berlin begründet worden. Zweck der Gesellschaft ist der Erwerb des Ur- Heberrechts und der Aufführungsrechte an Werken von Johannes Brahms, die Verbreitting dieser Werke und die Pflege deö Andenkens an den Tondichter.— — Der Eintrittspreis für die Deutsche Jahr- Hundertaus st ellung in der Nationalgalerie ist auf 50 Pf. herabgesetzt worden. Dienstag kostet die Karte 2 M.— — Die letzten Arbeiten am Simplon-Tunnel find soweit vorgeschritten, daß der für die offizielle Eröffnung der neuen Berkehrsstraße in Aussicht genommene Termin, der 1. Juni, mit Sicherheit eingehalten werden kann.— verantwortl. Redakteur: Hans Weber, Berlin.— Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u.VcrlagSanstaltPaul Singer LcCo.,Berlin Z�.