Nnttthaltungsblatt des'Dorivärts Nr. 139. Sonnabend, den 21. Juli. 1906 (Nachdruck verboten.) 0] Kinder der Gaffe, Roman von Charlotte Knoeckel. Derweilen hatte Frau Kamp den Johann aufs Bett der Wöchnerin gesetzt und lief zur Tür hinaus. Die Marie schrie ihr nach, aber sie hörte es nicht mehr. „Warten doch, Kampen, warten doch!" rief sie,„ich geh mit Euch naufl" Bei den Worten richtete sich die Luis auf, reglos mit weitgeöffneten Augen hatte sie an der Wand gelehnt. „Mutter!" rief sie erschreckt,„um Gotteswillen, Ihr weren doch nit aufstehn!" Sie trat unter die Schlafstubentür. Die Marie aber hockte schon auf dem Bett und zog sich mit zitternden Fingern die Strümpfe an. „Ihr weren doch nit, Mutter!" bat das Mädchen,„der Doktor hat doch gesagt, acht Tag müssen er im Bett bleiben und heut is es erscht der dritte!—" „Des is mer alleins!" sagte die Marie...Die Doktor reden gar viel, wenn der Tag lang is, ich will sehen, wie das Paulache stirbt, das muß ich sehn!" Sie zog sich ein paar Unterröcke an und schlüpfte in die Pantoffeln. Großäugig sah ihr zu Luis zu. Als aber die Marie mit beiden Füßen am Boden auftrat, flimmerte es ihr vor den Augen, sie taumelte aufs Bett zurück und senkte die Lider. Eine Sekunde lang lag sie so, dann richtete sie sich wieder auf und, am Bett sich stützend, setzte sie einen Fuß vor den anderen. „Ihr kommen nit nauf, Mutter!" sagte die Luis,„bleiben doch!" „Was, ich nit naufkommen?" spottete die Marie,„da guck! Das ist nure der erst Augenblick!" Sie schritt schon durch die Küche, ein wenig schwankend zwar, und gleich darauf war sie unter der Türe verschwunden. Als sie die Treppen zu den Mansarden, die der Eckel bewohnte, emporsieg, wußte sie sich schwer auf das Geländer stützen, und schier bewußtlos kam sie oben an. Ganz ermattet ließ sie sich auf den Stuhl, der zunächst der Türe stand, fallen.„Wasser!" sagte sie— es kam kaum hörbar von ihren Lippen. Die Kanip sah erschreckt zu der Frau hinüber, die toten- blaß und reglos im Stuhle lag. „Auch das noch!" sie hielt ihr ein Glas Wasser an die Lippen, und als die Marie beim Trinken die Augen aufschlug, meinte sie gutmütig:„Das hätten er nit tun dürfe! Da rauf komme! Nee, nee!" Sie schüttelte den Kopf. In die Wangen der Marie kehrte das Blut zurück, aber erschöpft lehnte sie im Stuhl. Frau Kamp war wieder um das fiebernde Kind bemüht. Sie legte ihm ein frisches nasses Tuch auf die Stirn. „Das tut gut! Gelt, mei Herzche?" sagte mit tränen- dumpfer Stimme der Vater der Paula. Er beugte sich zu ihr herab und küßte sie auf die blauen, rissigen Lippen. „Nit auf de Mund!" wehrte Frau Kamp, und zog den Mann am Aermel zurück,„nit auf de Mund, sonst kriegen Ihr auch noch die Krankheit!" „Wenn ich se nur kriegen tät," sagte der Mann,„wenn mer das stirbt, dann sollen se mich nure gleich mit begrabe!" Und er setzte sich auf den Stuhl am Fußende des Bettes, stemmte die Ellenbogen auf die Knie, legte den Kopf in die Hände und weinte. Mit seinen welk und dünn gewordenen Fingerchen tastete das Kind in der Luft umher. „Wo... wo... is denn mein Kränzelche, mein Ver- gißmeinnichtkränzelche?" Sie sagte es in seltsam singendem Tone. Die Marie durchrieselte es bei dem fremden Klang des matten Stimmchcns. Unwillkürlich faltete sie die Hände. Frau Kamp fuhr streichelnd über des Mädchens Köpf- chcn.„Sei doch ruhig, mein Herzclche!" sagte sie. Und dann faßte sie des Kindes ruhelos in der leeren Luft umhertastendcn Hände und zwang sie auf die Bettdecke.„Was die Händchcr heiß sind," sagte sie dabei, und sie nahm das nasse Tuch von des Mädchens Stirn und rieb ihm damit die Hände ab. „Bring mer die Waschschüssel, Minchen!" rief sie über die Schulter hinüber in den hintersten Winkel der Stube. Dort kauerten die Emma und das Minchen auf einem Fußbänkchen. Sie hielten sich eng umschlungen und rührten sich nicht. Auf der Mutter Ruf löste sich das Minchen geräuschlos aus der Emma Arm und trat auf den Herd zu, nahm die Schüssel mit Wasser, die dort stand, herunter und brachte sie der Mutter. „Kommen, Eckel!" sagte Frau Kamp und zog dem Manne die Hände vom Gesicht.„Mer müssen em Paulache wieder en Umschlag mache!" „Ach Gott, wozu denn?" klagte der Mann,„es nützt ja doch nix! Wozu denn?" „Das dürfen er net sagen, sehen nure wie's brennt!" meinte Frau Kamp,„wie glühtige Kohle!" und sie deckte das Kind auf und machte ihm den Umschlag ab. '„Nit, nit! Kein kalt Wasser!" wimmerte das Kind. Sein Leib zitterte, und seine Aermchen klammerte es fest um des Vaters Hals!„Kein Umschlag, Vater, gelt, nit! Kein Um- schlag!" Aus des Mannes Augen brachen die Tränen, er hielt die Frau am Arme fest, sie war gerade dabei, das nasse Tuch auszuwringen. „Kein Umschlag mehr!" sagte er. Frau Kamp ließ sich nicht beirren. Das Kind � aber wimmerte lauter und schlug mit den glühendheißen Bcinchen um sich. „Lasien's doch in Friede!" bat der Mann. „Hcben's hoch!" befahl Frau Kamp und breitete das nasse Tuch über einen dicken Wollschal. „Die Schwester hat mer heut morge noch gesagt, das wär's einzig, was em noch helfe könnt! Die kalte Tücher treiben die Fiebere herunter!" Sie nahm dem Eckel das Kind ab und legte es in den Umschlag. Das schrie laut auf, so laut, daß die Emma auf dem Fußbänkchen zusammenzuckte und das Minchen mit der Schüssel einen Schritt zurückwich. Hinterm Ofen aber tauchte für einen Augenblick des Peters Kopf auf. „Stirbt se—?" fragte er. Er hatte die Augen starr und weit geöffnet. Da ihm keine Antwort ward, kam er langsam näher. „Stirbt se?" fragte er noch einmal und zupfte Frau Kamp am Rock, er war totenbleich im Gesicht. „Nee, nee!" sagte die. Das Kind lag reglos mit geschlossenen Augen, unhörbar fast floh sein kurzer Atein über die bläulichen, rissigen Lippen. Auf Zehenspitzen schlich das Minchen zun: Herd zurück, dork stellte sie die Schüssel ab, und dann setzte sie sich wieder neben die Emma.„Is se schon en Engelche?" fragte sie das Minchen. „Nee, sie lebt noch!" sagte die. Während die Kinder leise also flüsterten, stand die Marie auf und trat ans Bett. „Ach herje, herje, wie sieht das Mädche aus!" Sie schlug die Hände zusammen.„Das is ja kein Vergleich mehr! Das hat gar kein Bäckelche mehr! Herje, herjc, in en paar Tag so abzunehme! Es is ja nit zu glaube!" „Ja, ja!" Frau Kamp nickte und fuhr mit dem Schürzen- zipfel iiber die Augen. „Wer hat em denn die Zöpfchcr geflachte?" fragte die Marie. „Die Schwester, daß mer se cm nit abschneide müßt, aber--" Die Marie nickte.„Ja, ja! Das wär nit mehr nötig gcwcse! Aber wenn's tot is, machen er em die doch wieder auf?" Sie fragte flüsternd. „Natürlich." sagte Frau Kamp, und sie fuhr über des kranken Kindes Köpfchen.„Das schön Haar," sagte sie,„das schön Haar!" „Und überhaupt eso en schön Kind," jammerte der Mann. „Daß mer das sterbe muß!" Er schlug die Hände vors Gesicht. „Ruhig!" gebot in dem Augenblick Frau Kamp. Sie legte den Finger auf den Mund, ihre Augen wurden starr Btib Kaken aus den HWen hervor, ütemhaltend beugte sie sich Uber das Mädchen herab. Das lag reglos, auch seine Fingerchen ruhten ohne Be- lvcgung aus der Bettdecke. Der Mann ließ die Arme sinken, das Blut wich aus seinem Gesicht. Er zog die Schultern ein und reckte den Hals. Seine Knie zitterten, seine Hände krampsten sich in die Hosen. Die Marie taumelte einen Schritt rückwärts und lehnte am Bettpfosten. Mit entsetzten Gesichtern hockten die beiden kleinen Mädchen im Winkel. Die Emma hatte die Hände gefaltet, ihre Finger zitterten. Der Peter stand, ohne sich zu rühren, mit weitgeöffnetem Munde. Draußen ging die Sonne unter. Sie schwebte wie ein feuriger Ball über weißem Duft und Nebel. Ihr roter Wider- schein lag auf dem Fußboden, seltsam groß und ohne Re- gung. Da plötzlich ein wilder Schrei! Ter Peter warf sich auf die Erde, mitten hinein in den roten Widerschein der Abend- sonne. „Sie is tot! Sie is tot!" Und er bohrte sich die Fäuste in die Augen. Wie elektrisiert war bei dem ersten Schrei die Emnm auf- gesprungen, ihre dunklen Augen leuchteten im totenbleichen Gesicht. „Tot?" flüsterte sie, ihr dünnes Stimmchen zitterte, ihre Hände zitterten und ihre Füßchen.„En Engelche is se?" Da wandte sich Frau Kainp um, sie hatte den Finger vor dem Munde. „Still, still, sie lebt noch," flüsterte sie. Kurz und lautlos atmete die kleine Paula. „Ach je, ach je," jammerte jetzt auch der Mann. Er taumelte auf seinen Stuhl zurück. Aus allen Poren brach ihm der Schweiß. Da klopfte es. Die Frauen wandten sich nach der Tür. „Ach Gott, der Herr Doktor!" Wie ein Erlösungsschrei kam es über Frau Kramps Lippen. Der Arzt legte den Hut auf den Stuhl neben der Türe und trat ans Bett. „Nun?" Frau Kamp zeigte auf das Kind, und ein Hauch von Er» regung flog über des Mannes Gesicht. Er griff nach des Kindes Puls. „Höchste Zeit," sagte er, fuhr in die Rocktasche und zog ein Etui hervor, dem er eine Spritze, eine Nadel und ein kleines Fläschchen entnahm. „Halten Sic!" Er reichte dem Eckel das geöffnete Glas. „Ein wenig schräg und hier ans Fenster!" Er füllte die Spritze. „Geben Sie ihr ein Löffelchen Tokayer, Frau Kamp," sagte er dabei und aufschauend, er wollte sehen, ob das Kind noch schluckte:„Noch einen!" „Gut," sagte er zu dem Mann, reichte ihm den Korken und schraubte die Nadel an die Spritze. Mit einem Stückchen ötherbeträufelter Watte rieb er an des Kindes welken Aermchen eine Stelle ab. Ein Stich. Ein Zucken des Kindes, ein matter Schrei, und befriedigt richtete sich der Arzt auf. „Wie geht's denn?" fragte der Mann. In seine starren Augen war wieder Leben gekommen. Der Doktor fuhr über des Kindes Haar, und ein Lächeln ging über sein Gesicht. „Feucht!" sagte er und atmete auf. Dann zählte er:„9, 19, 11, 12, 13. Stimmt! Stimmt!" Ein freudiger Strahl brach aus seinen Augen. Er hob des Mädchens Kopf ein wenig auf, das Kissen war vom Schweiß durchfeuchtet. Er brach aus den Poren am Hals. „Also Krisis!" Und der Arzt sah zum Eckel hinüber.„Ihr Kind ist gerettet!" sagte er. „Gerettet!" Frau Kamp brach in Tränen aus. Der Mann schluchzte laut ans. Die Marie taumelte einen Schritt rückwärts, sie mußte mit den Armen den Bettpfosten umklammern.„Gerettet!" (Jortsetzung folgt, x (Nachdruck verboten.) Der weiße Maulwurf. Von Lisa Wenger-Ruutz. Unter den Maulwürfen herrschte große Aufregung. Sie standen in Sckiarcn beisammen und wisperten. „Wer hat ihn gesehen?" frug der Aelteste der Maulwürfe. «Ich, ich. ich," schrien viele durcheinander. „Ist er wirklich weiß?" frug der Aelteste. „Schneeweiß, auch nicht ein schwarzes Härchen ist an ihm," rief eine junge Maulwurfsfrau. Der Haufe schwieg bestürzt. „Wohin wird es noch kommen?" sagte der Aelteste mit hohler Stimnie,„wenn sogar die Maulwürfe es wagen, allem Hergebrachten ins Gesicht zu schlagen I" „Vielleicht ist er nur gefärbt!" rief einer. „Nein," sagte die junge Maulwurfsstau,„er ist echt l Die Haut unter dem Pelz ist ganz rosenrot!" „Du hast Dir den Weißen genau angesehen," warf höhnisch einer der Maulwürfe ein. „Das habe ich! So gut ich mit meinen Schlitzäuglein sehen konnte I" Die andenr stutzten. „Ich wäre dafür, den Weißen aus unfern Feldern zu verjagen," schlug einer vor. Es war ein gewöhnlicher Maulwurf mit grauem, kurzem Schwanz.„Wie leicht könnte er unserer Jugend solche Un» sitten beibringen! Ich habe auch gehört, daß er aufrührerische Reden hält I" „Allfrührcrische Reden?" rief der Aelteste,„das ist das Schlimmste! Nur nichts Neues I Nur keine Veränderungen I Nur keine Versuche, die doch fehlschlagen! Ich kenne die Welt! Ich lebe lange genug in ihr! Wer sind die wahrhast Glücklichen und Weisen?" Der Aelteste neigte die spitze Schnauze und kniff die winzigen Aeuglein zusammen.„Die, die Erfahrungen von Generationen be- nutzen und die leichtsinnigen Neuerungen verabscheuen! Fort mit dem weißen Maulwurf!" „Fort mit dem weißen Maulwurf I" schrien alle. Nur die Maul« wurfssrarr schrie nicht mit. „Er hat größere Augen als alle unsere Maulwürfe," sagte sie zu ihrer Nachbarin,„er kann einen damit ansehen, und sie glänzen I" „Das kann ich mir gar nicht vorstellen", erwiderte die Maul- wurfin. Da kam hastig ein junger Maulwurf daher. „Wißt Ihr, was der weiße Maulwurf sagt?" rief er schon von weitem. „Was?" schrien die andern und umringten ihn. „Er sagt, wir sollten größere Augen haben I Ich habe es selbst gehört I" „Größere Augen." riefen empört die Zuhörer,„wozu?" „Er sagt, wir sollten bester sehen können!" „Besser sehen! Was denn," riefen wieder die Umstehenden, „Was will denn der Kerl?" „Er sagt, wir sollten lernen, auch außerhalb unserer Gänge Schönes zu sehen!" «Außer unseren Gängen", schrie die Menge,„was gibt es denn da zu sehen?" «Er ist verrückt", sagte halt der Grauschwänzige. „Er ist ein Aufrühker, em Revolutionär!" schrien viele. „Er ist einfach ein Esel", erklärte der Aelteste.„Bester sehen lernen! Haben Maulwürfe je gut sehen können? Und dann: Gibt es außerhalb unserer Gänge überhaupt Schönes? Ein Esel ist er, oder ein Idealist, das kommt auf eins heraus!" Da wurde es hell hinten im Gang. Der Weiße Maulwurf kam. „Da ist er, da kommt er," wisperte es. Die Schlitzäuglein öffneten sich, die kurzen Hälse streckten sich, die grauen und bräun- lichen Schwanzstummel fuhren aufgeregt hin und her. Aber alle schwiegen, auch der Aelteste. Da frug der weiße Maulwurf: „Warum soll ich fort? Habe ich Euch etwas zu Leide getan." „Nein", sagte der Grauschwänzige,„aber Du bist weiß und wir sind schwarz!" „Du willst neue Bräuche einführen!" rief der Aelteste. „Du sagst, wir verstünden nicht zu sehen." schrien die anderen. „Und das ist wahr," bestätigte ruhig der weiße Maulwurf. „Ihr seht nur, was Ihr sehen wollt, und es gibt so vieles, daß ihr sehen könntet!" „Wir brauchen nichts zu sehen," schrien die Maulwürfe. „Wir wissen alles auswendig," rief einer. „Uns gefällt das Schöne gar nicht," pipste ein anderer. „Versucht es doch einmal," bat der Weiße.„Ihr werdet sehen, es gefällt Euch dann I" Und feurig fuhr er fort:„Wenn es für Euch zu spät ist, so laßt mich ivenigstens Eure Kinder hinausführen I Laßt" sie einmal hinauf auf die Erde und zeigt ihnen den Glanz des Mondes und das flimmernde Licht der Sterne." „Verführer! Jugendverderber!" schrie wütend der Aelteste,„nun erkenne ich Dich! Zwietracht willst Du säen zwischen uns und der Jugend! Unzufriedenheit willst Du pflanzen! Hochamt willst Du züchten! Wir, die Alten, sollen uns schämen müssen vor der Jugend mit unseren kleinen Auge»! Ich kenne Dich und Deines- gleichen I Jawohl I Mond und Stcnie! Die hätten wir längst ge- lehen, wäre es gut für Maulwürfe I Fort I Hinaus mit Dir aus unseren Gängen!" Der weiße Maulwurf wollte reden. „Fort mit Dir," schrien die Schwarzen.„Fort mit Dir! Fort! Die Maulwürfe drängten den Fremdling durch den engen Gang. Sie kamen an der jungen Maulwurfsfrau vorbei, die dort mit ihrer Nachbarin stand. „Den Besten unter Euch verjagt ihr?" rief fie, spöttisch fragend. „Den Besten?" schrie der Graugeschwänzte,„nennst Du einen weißen Maulwurf den Besten?" Dann wandte er sich zu dem Ver- haßten und schrie:„So hast Du unser Volk schon verhetzt", warf sich auf ihn und versetzte ihn? wütende Bisse. Als die anderen das sahen, wagten sie es ebenfalls und fielen über den weißen Maulwurf her. Bald hatten sie ihn totgebissen. Der weiße Pelz färbte sich rot vom Blute des Ermordeten und ärgerte niemand mehr. Zufrieden tappten alle im Dunkeln nach ihren Wohnungen. Zu sehen brauchten sie ja nichts, denn schon ihre Urgroßeltern waren diesen Weg gegangen.— lNachdruck verboten.) Schwämme und Schwammfircbcrcu Ein so guter Hausfreund uns seit der Kindheit Tagen der Schwamm, besonders der Badeschwamm ist, so sind doch genauere Kenntnisse über ihn wenig verbreitet. Achnlich dem Korallenstock ist der Schwamm im lebenden Zustande eine Tierkolonie. Dieses Fasergerüst ist mit einem Netz überzogen, das wie eine schwarze Haut aussieht. Die Substanz ist eine Art Fleisch aus sehr dünnen, mehr oder weniger elastischen Fasern, die dermaßen verschlungen sind, daß sie ein elastisches Gewebe bilden. Dieses Gewebe wird durchkreuzt von einer Menge Kanälen von verschiedenem Durch- messer, die sich verzweigen. In allen diesen Oeffnungen zirkuliert das Wasser und strömt aus und ein, durch die Bewegung kleiner Wimpern zum Fließen gebracht. Die Wimpern sitzen in Zellen, aus denen die ganze schwarze Haut zusammengesetzt ist; außerdem gibt es auch noch andere Zellen in ihr, die beständig hin und herkricchcn. Nicht alle Schwämme haben dieselbe Klumpenform wie unser Bade- schwamm. Je nach den Arten nehmen sie verschiedene Formen an, z. B. die von Röhren, Vasen, Sträuchern, Fächern usw., und diese Formen sind gewöhnlich sehr unregelmäßig. Ihre Farbe ist ein geldliches Weiß oder bräunliches Rot, das für das Auge nichts Angenehmes hat. Durch die Natur der Außenhaut zerfallen die Schwämme in Unterabteilungen. Entweder bleibt die Außenhaut weich(Weichschwämme), oder sie entwickelt in sich eine Art Skelett. Diese besteht aus Hornstoff- oder seidenstoffähnlichen allseitig sich verbindenden Fäden(Hornschwämme)— oder das Skelett wird aus Kalkiörperchen gleichsam zusammengefilzt(Kalkschwämme), oder endlich es besteht aus zahlreichen� bei den verschiedenen Arten sehr verschiedenartig und oft sehr zie-lich gestalteten, ineinander gewirrten Kicselnadeln, oder auch noch aus langen, glasartigen Kiesel- fäden, die oft als Haare und Bärte den Schwammkörper bedecken (Kieselschwämme). Man findet die Schwämme in allen Breiten, bald in bedeutender Tiefe, bald der Oberfläche mehr oder weniger nahe, bald sogar auf Felsen, die abwechselnd von der Flut bedeckt oder verlassen werden. Die bedeutendsten Schwammfischereien sind im Archipel auf Naxos und den benachbarten Inseln, besonders leben die Bewohner der Inseln Symi und Nikaria fast allein vom Schwammfischen. Auch auf Kerfu und an der dalmatischen Küste, bei Tunis und Algier werden Sckuvämme gefischt. In großem Maßstabe wird die Schwamm- fischerei in den Gewässern der Bahama-Jnseln betrieben. Die Schwammfischcrflottillen fahren gewöhnlich von der Hafenstadt Nassau aus. Im Hafen dieser auf der Insel New Providence ge- legcnen Stadt liegen stets einige Dutzend Schwammfischer-Schuncr und Schaluppen vor Anker. Dieselben haben zwischen 10 und 30 Tonnen Tragkraft, eine Besatzung von acht bis zwölf Mann und führen je zwei bis drei kleine Ruderboote mit sich. Insgesamt sind in den Bahamas etwa 45V bis 50V solcher Fahrzeuge bei der Schwammfischerei in Verwendung. Die Zahl aller bei der Fischerei und Zurichtung der Schwämme beschäftigten Personen mag 50VV bis 6000 betragen. Mit Ausnahme der Schiffseigentümer und Makler sind dieselben durchweg Neger und Mulatten. Die Schwammfischerci kann das ganze Jahr hindurch betrieben werden, jedoch pflegen die meisten Schiffe ihre Fahrten während der Monate Juli, August und September einzustellen, da dann die Bahamas häufig von Orkanen heimgesucht sind. In der Regel werden die Schuner für sechs bis sieben Wochen ausgerüstet und verteilen sich dann, fünf bis sieben Fahrten jährlich ausführend, über den ungeheueren, aus mehr als 3000 Inseln, Riff- eilanden und Klippen bestehenden Archipel. Die Sckuvammbctten sind sehr ungleichmäßig verteilt. Äm ergiebigsten sind diejenigen der nordwestlichen Inseln. Auf den Bänken angekommen, setzen die Schaluppen die Mannschaften in den kleinen Ruderbooten aus und nehmen sie samt der Ausbeute am Abend wieder an Bord. Zwei Mann genügen für ein Boot. Der eine handhabt das Steuer, während der andere dem Fischen der Schwämme obliegt. Zur Ausübung ihres Gewerbes bedürfen die Schwammfischer nicht vieler Werkzeuge. Diese bestehen nur aus einer 10— 15 Meter langen Stange, die unten mit zwei starken Hakenzähnen versehen ist, und einem sogenannten Wasserglase. DaS letztere ist ein kleiner, viereckiger Holzkasten, mitunter auch nur ein Eimer, in dessen Boden, zwei Finger breit vom Rande entfernt, eine Glasscheibe eingesetzt ist. Wird dieses Instrument bis über die Glasscheibe hinaus in das Meer eingetaucht, so ist unter der Scheibe jede störende Wellen- bewegung aufgehoben, so daß man durch das überaus durchsichtige Wasser alle auf dem Boden des Meeres befindlichen Gegenstände bis zu 20 Meter Tiefe deutlich erkennen kann.'„Als ich." sagt Rudolf Cronau, New Uork, in einer herrlichen Schilderung(„Ueber- all", 1902), der wir hier folgen,„in einem solchen Schwammfischer- boot eine Fahrt nach den berühmten Secgärten der Insel New Providence unternahm und dort zum erstenmal ein solches Meer- glas benutzte, entschleierte sich meinem staunenden Blick eine träum- Haft schöne Welt. Was ich bisher nur in Aquarien vereinzelt und in dürftigen, halb verkümmerten Exemplaren gesehen, war hier in überschweng- licher Fülle und schönster Entfaltung vorhanden. Da waren weite Strecken, auf denen sich schneeweiße Korallenstöcke erhoben, bald in bäum- oder blumenkohlartigen, bald in Handförmigen oder knolligen Gebilden, bald in mächtigen Platten und Waben, bald verzweigt und zackig aufragend, gleich Kakteen. Und auf allen diesen von smaragdgrünen und azurblauen Wassern umgebenen Bauten flimmerten die Fühler von Millionen winziger Korallentierchen. Zwischen ihren zackigen Gehäusen wucherten lange, jeder leisen Strömung folgende Scefedern, daneben standen karminrote, aus feinstem Spitzengewebe bestehende, metcrgrotze Seefächer auf dünnen Stielen. Andere Gewächse erinnerten an mächtige, Purpur- und gelbgefärbte Farrnkräuter, oder sie wallten wie vom Zephir gc- tragene grüne, weiße oder violette Seidenbänder hin. Als ein paar Ruderschläge uns bis zu jenen Stellen brachte, entdeckten wir, daß dort ganze Ansiedelungen entzückender Seerosen und Anemonen wucherten; bei schärfcrem Zusehen vermochten wir sogar die Bc- wegungen der einzelnen staubfadenartigen Fangarme zu erkennen, mit denen diese zwischen Tier und Pflanze ein Mittelding, bildenden Geschöpfe ihre aus kleinen Mollusken und Würmern bestehende Beute erhaschten. Einen schneidenden Gegensatz zu jenen leuchtenden, anscheinend nur aus Sonnenschein und Farbe bestehenden Wesen bildeten faustgroße, tintenschwarze Körper, die manchmal so massen- Haft beisammen lagen, daß ihr Schein der Oberfläche des Wassers einen eigentümlichen, rötlich-schwarzen Schimmer verlieh. Es waren Kolonien von Seeigeln, lebendige, mit taufenden von langen, über- aus feinen Stacheln besetzte Nadelkissen, die den in diesen Gewässern Badenden wenig Freude bereiten. Weitaus poetischer erschienen mir die großen, glockenförmigen Medusen, die gleich untertseeischen Seifenblasen durch die dunkelblauen Wasser dahinschwebten und ihre Nesselfäden hin und her spielen ließen. Keiner der zahlreichen Fische wagte die zarten Geschöpfe zu stören, denn dieselben verfügen über ein ganzes Arsenal geheimnisvoller, giftiger Waffen, die selbst dem Menschen gefährlich weitden können. Auch unter den zahlreichen Fischen, die vereinzelt oder in Zügen daher kamen, gab es viel oben- teuerliches Volk, mit dem, wie mit großen Herren, nicht gut Kirschen zu essen ist. Da war der an der Stirn gleich einem Rind mit zwei Sörnern bewaffnete Kuhfisch; der kugelrunde, über und über mit kacheln besetzte Judenfisch und tausend andere Schuppcnträger, die bald wie mit Gold und Silber bedeckt schienen, bald brennend rote, kanariengelbe, samtschwarze und hellgrüne Farben trugen, oder jenes entzückende Blau besaßen, das wir auf den Fittichen gewisser brasilianischer Schmetterlinge bewundern. Doch alle diese Naturwunder interessierten den mich begleitenden Schwammfischer nicht. Seine Blicke glitten gleichgültig über diese ihm alltäglichen Erscheinungen hinweg, um mit desto größerem Bc- Hägen auf einigen recht unscheinbaren, dunklen Klumpen haften zu bleiben, die einer Korallenbank aufsaßen. Ein Nuderschlag genügte. um das Boot direkt über jene Stelle zu treiben, und nun langte der Fischer, das Glas mit der linken Hand haltend, mit der rechten nach seiner langen Harpune, stieß dieselbe in die Tiefe hinab, brach mit einer geschickten Bewegung die Klumpen einen nach dem anderen los, zog sie empor und schleuderte sie mit kurzem Ruck auf den Boden des Bootes. Die so aus dem Schoß des Meeres ans Tageslicht beförderten Schwämme waren nichts weniger als anziehende Gegenstände, sondern häßliche, braun-violette, oft fast schwarz aussehende, schleimige Klumpen, die gleich einem Gclatincpudding schwabberten und zitterten und nach einiger Zeit, als die heiße Sonncngut auf sie einzuwirken begann, einen üblen Geruch verbreiteten."— Als ein gutes Ergebnis wird es bezeichnet, wenn die Bc- mannung nach etwa seck�wöchentlicher mühevoller Arbeit unter den glühenden Strahlen der Sonne 12— 15 000 große Exemplare nach Hause bringt. Gewöhnlich bringt ein Schiff aber etwa 5000 große und 7000 kleine Schwämme heim. Der heraufgebrachte Schwamm sieht, wie schon bemerkt, ganz anders aus als der in den Handel gebrachte. Er ist schleimig, weich, mit der erwähnten schwarzen Haut bedeckt und mit einer weißen Flüssigkeit gefüllt. Alle diese tierischen Substanzen, diese Millionen von Lebewesen, die den Schwanim aufbauten, werden durch die Sonnenhitze getötet und durch wiederholtes Austreten und Ausspülen entfernt. Tann legt man die Schwämme unter öfterem Begießen mit Mccrwasser zum Bleichen in die Sonne, sortiert sie und bringt sie zum Verkauf. Für die Ausfuhr werden sie noch besonders geschnitten, nochmals chemisch gereinigt und in kleinen Ballen zusammengepreßt, die nun in die weite Welt wandern und, che sie in Gebrauch kommen, im Groß- Handel noch durch mehrere Hände gehen.— J. Wiese, Kleines f einlleton* Gibt es noch Simultankirchen in Deutschland? Ter kürzlich an dieser Stelle veröffentlichte kleine Artikel„Eine Simuliankirchc" veranlagt mich zu dem Hinweis auf eine Simultankirche, die noch gegenwärtig in dem oberpfälzischen Psarrdorf Fürnried zu finden ist. Die Bevölkerung der Oberpfalz hatte ja schon den Einfall der alles verwüstenden Hussiten zu erleiden gehabt. Während der Zeit der Reformation kam es noch schlimmer. Jetzt erlebte die Bewohner- schaft das einzig dastehende Schauspiel, innerhalb nur 80 Jahren nach dem bequemen Satze:»Lujus regio, ejus religio(Wem das Land gehört, dessen Religion mutz das Land annehmen)" nicht weniger als viermal das Glaubensbekenntnis wechseln zu müssen. Von 1541 bis 1559 bekannte man unter dem Kurfürsten Otto Heinrich Luthers Lehre; von 1559 bis 1576 unter Kurfürst Friedrich III. war die Oberpfalz calvinistisch; von 1576 bis 1583 unter Kurfürst Ludwig wieder lutherisch, und von 1583 bis 1696 unter Kurfürst Friedrich IV. abermals calvinistisch. In dieser Periode war Christian I. von Anhalt(starb 1639) in kurpfälzischen Diensten Statthalter der Oberpfalz. Er war ein gar eifriger Calvinist und hatte den Auftrag gegeben,„die calvinistische Lehre mit Hochdruck beizubringen". So kam es denn, datz der in der Rachbarschaft Fürnricds belegene Ort Lauterhofen, wo seit Karl dem Grotzcn ein Meierhof bestand, sogar eine calvinistische Pfarrei hatte. Von 1629 an, infolge des Ueberganges der Oberpfalz an Altbayern kam katholischer Glaube wieder zur Herrschaft, im Geiste damaliger Zeit zum Teil mit Gewalt, woher noch das oberpfälzische Sprichwort:„Wart', ich will Dich katholisch machen!" Unberührt von diesem Wechsel blieb nur der Landstrich, der zum Gebiet der freien Reichsstadt Nürnberg gehörte: das war der halb ober- pfälzische, halb mittelsränkische Pfarrbezirk Alfeld. Dagegen wurde im Fürstentum Sulzbach durch einen im Jahre 1652 zu Köln ab- geschlossenen Vertrag nebst der protestantischen Lehre das simultane Ausübungsrecht der katholischen Religion eingeführt. Dies Doppcl- ding hat sich denn bis auf den heutigen Tag unter dem Namen „Simultaneum" erhalten; und Fürnried ist der Ort, der in einer Kirche zweierlei Konfessionen vereinigt. Die katholische Geistlichkeit von Lauterhofen versorgt die gut römischen und der protestantische Pfarrer von Fürnried die gut lutherischen Christen. Ist zuvor eine protestantische Handlung gewesen, so wird die Kirche im Innern erst tüchtig durch Weihwasser und Weihrauch- dunst vom Geruch der„Ketzer" gereinigt; alsdann ist sie würdig für den katholischen Ritus. Umgekehrten Falles wickelt sich die Sache viel einfacher ab: indem das Kirchcninnere blotz ausgefegt wird. Im übrigen kommen die katholischen und protestantischen Seelsorger sehr friedlich miteinander aus.— Bei dieser Gelegenheit seien zwei merkwürdige Bräuche er- wähnt, die von früherer Zeit her am Fürnriedcr Psarrhof bestehen. Alljährlich im Oktober, wenn die Naturalabgaben ans Pfarrhaus geliefert werden, macht sich der Pastor, nicht selten in Gemeinschaft seiner Gattin auf, um jedem seiner kirchlichen Gemcindemitgliedcr einen Besuch abzustatten. Ihn begleiten zwei Trägerinnen mit grotzen Rückenkörben. Ueberall, wo er, nach vorheriger Ansage, in ein Bauernhaus tritt, wird er mit einem gewissen festlichen Aufwand bewillkommnet und meistens mit Kaffee und Gebäck be- wirket. Teilt er seinerseits Lebkuchen usw. aus, so wird hin- wiederum von feiten der Bäuerin für die„Frau Pfarrerin" aller- Hand an Eiern, Butter. Schmalz usw. den Trägerinnen in die lltiescnkörbe getan, die dann allabendlich mit schwerer Tracht zum Pfarrhof heimkehren, um anderen Morgens den Rundgang, der sieben bis acht Tage in Anspruch nimmt, fortzusetzen. Die Be- völkcrung hält sehr viel auf diesen Besuch, den der Pfarrer, trotz aller Beschwerlichkeiten, welche obendrein noch durch die täglich fünf- bis siebenmal abzuhaltenden Kaffeeschlachten gesteigert werben, nicht versäumen darf. Roch eigentümlicher ist ein Beichtgebrauch, der autzer in Fürnried und dem benachbarten Jllschwang sonst nirgends in Deutschland zu finden sein dürfte. Ist Beichttag, so kommen die Frauen vor der Beichte, indessen deren Männer im Dorfwirtshaus bei einem Schnäpschen zu warten pflegen, zur Pfarrcrsfrau und überreichen ihr Schmalz. Eier usw., während diese jeder Bäuerin ein Gegengeschenk in der Gestalt von 15 Pfeffcrmünzen macht. Tarauf gehen Männer und Frauen zur Kommunion. Während dieser Zeit entwickelt sich in der Pfarr k ü ch e eine emsige Tätig- keil. Dort bereitet nämlich die Pastorin den sogenannten„Bier- drei", ein Gemisch aus Bier, Schwarzbrot, Schmalz, Zimmt und Nelken, der, wenn er nach ortsüblicher Ansicht„gut" sein soll, so dick gekocht werden mutz, datz der Löffel darin stehen kann. Alles ist hergerichtet, der„Bierbrei" steht auf langen Tischen in Riesen- schüsscln bereit; denn gleich nach Beendigung des Gottesdienstes kommen die Beichtgängerinnen, in der Regel 79 bis 89 an Zahl, zum Essen. Nachdem eine Partie fertig'ist, legt sie die sauber— abgeleckten Löffel neben die Schüssel, die Pastorin nimmt von jeder Frau ein Kompliment über die Vorzüglichkcit des„Bierbrcies" entgegen und verabschiedet sich durch einen Handschlag; die nächste Partie beginnt— und so geht das weiter, bis alle gegessen haben. Jedenfalls schreibt sich dieser sonderbare Brauch daher, datz in früheren Zeiten, teilweise aber auch noch heute, die Leute nüchtern zur Beichte gingen und manchmal sehr weite Fußtouren zu machen hatten, so datz ihnen im Pfarrhause eine kleine Stärkung in dieser Form verabreicht wurde. Den Fürnrieder Frauen wird der „Bierbrei" einzeln ins Haus getragen. Wenn man in Betracht zieht, datz im Durchschnitt jährlich zehn Beichttage abgehalten werden, so hat die Paswrin ein ganz respektables Stück kochkünst- lerischer Arbeit zu leisten.— Ernst Kreowski. h. Die beim Baden entstehende Schwerhörigkeit. Zuweilen tritt beim Baden und Schwimmen ganz plötzlich Taubheit ein. Da diese sich manchmal von selbst wieder verliert, so wird sie zunächst wohl gar nicht weiter beachtet und zur Erklärung der Erscheinung angenommen, datz Wasser in den Gehörgang eingedrungen sei. In vielen Fällen verschwindet jedoch diese Taubheit nicht von selbst. ja, es zeigen sich noch andere Erscheinungen, wie Schwindel, Er- brechen, Ohrensausen, Schmerzen und eingenommener Kopf. Jetzt wird mit dem Aussuchen des Ohrenarztes nicht mehr gezögert, und was findet dieser als Ursache der bedrohlichen Erscheinungen? Sie ist in diesem Falle eine recht harmlose. Der Störenfried ist nichts weiter wie ein verhärteter Ohrenschmalzpfropf. Dieser hat seinem Träger bisher keinerlei Beschwerden verursacht, weil er bis jetzt am Rande des Gehörganges gesessen hat. Beim Baden hat sich nun der Pfropf vom Rande losgelöst und sich tiefer bis zum Gehör- gang vorgeschoben. Dieselbe Erscheinung zeigt sich manchmal auch nach stärkeren Bewegungen, nach heftigem Niesen oder Schneuzen. Durch Ausspritzungen mit warmem Wasser gelingt es meist, den Pfropf zu entfernen, wonach dann mit einem Schlage das Gehör sich wieder einstellt, und die bedrohlichen Erscheinungen schwinden. Ist der Pfropf sehr hart, so mutz er zuvor durch Eingietzung von warmem Oel erweicht werden.— HnmoristischeS. — Ein K ü n d i g u n g S g r u n d. Pfleger(in der Sitzung): „Unsere Gemeindekasse wird immer leerer. Es gehen keine Strafgelder mehr ein I" Mooshuber:„Dös kommt daher, weil d' Leut' vor unserm neuen Polizeidiener so arg Angst haben, datz s' gar nix Strafbares mehr anfangen I" Bürgermeister:„Js dös wahr?... Nacha w e r d' i' dem Kerl glei' wieder kündigen!"— — Auch eine Auszeichnung.„Wie kommt denn der Bierbrauer Pantscherl mit seinem miserablen Gesüfs zu einer goldenen Medaille?" „Die hat er auf der letzten hygienischen Ausstellung für her- vorragende Leistungen gegen die Trunksucht er- halten!"— — Ein Ausweg. Hansbesitzersgattin:„Wenn ick nur wützte, unter welchen Ausgaben ich meinen neuer. Hut eintragen soll, damit mein Mann nichts merkt!" Freundin:„Schreib' einfach: für Dachdecker arbeiten!"—(„Fliegende Blätter".) Notizen. — Nestroys Posse„Der Zerrissene" wird in der kommenden Spielzeit des„Deutschen Theaters" ihre Auf- erstehung erleben.— — Das ehemalige Wohnhaus Peter Paul Rubens in Antwerpen soll in ein RubenSmuseum umgewandelt werden.— — Die erste ländliche Volkshochschule wird in SchleSwia-Holstein am 1. November in Albersdorf eröffnet werden. Sie soll der erwachsenen Jugend Gelegenheit bieten, sich für das praktische Leben auf den» Lande weiter auszubilden.— — Wie Goldklumpen e n ist e h e n. Nach dem„Ehem. Soc." entstehen Goldklumpen aus wässerigen Lösungen, die das Metall bei gewöhnlicher, manchmal aber erst bei höherer Temperatur ausfallen lassen. Es handelt sich bei ihnen um mehr oder weniger gerollte Massen, die aus lockeren Adern freigemacht worden sind. Die neuere Gesteiiislehre hat den Beweis erbracht, datz Gold viel verbreiteter ist, als man lange Zeit annahm, aber es findet sich zumeist in so verschwindend kleinen Mengen in die verschiedenen Körper eingesprengt, datz seine Gewinnung daraus bei weitem nicht die Kosten decken würde. So ist unter anderem in den natürlichen Salzlagern und Solen, im Seegras»iid in Austernschalen Gold be- stimmbar. Der Goldgehalt des Steinsalzes beträgt 9.9648 Gramm auf die Tonne. Das Verfahren, mittels dessen das Gold bestimmt wird, besteht darin, datz Va— ö Gramm Schwefeleisen zu der un- filtrierten Lösung von 199—1999 Gramm Salz in Wasser zugesetzt wird. Der entstandene Niederschlag wird mit Blei verschlackt.— — Die grötzte Fabrikpfeife der Welt befindet sich in St. Louis. Sie besteht eigentlich aus drei Pfeifen, von denen die grötzte Manneshöhe besitzt. Die Vorrichtung ist an eine Uhr ange- Ichlossen. In einem Umkreise von 15' K i l o m e t e r n sind die Signale der Pfeife deutlich hörbar.— — Ein hübscher Name. Wie der„Figaro" berichtet, lebt in Milwaukce ein Grieche, der den Namen Jack Pappatheo- dorokoummountourgeotopoulos führt.— Seiner Länge nach darf man vielleicht auf eine gewisse Verwandtschaft mit der Seeschlange schlietzen. Aber hübsch ist er doch.— Verantwortl. Redakteur: Hans Weber. Berlin.— Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u.VerlagSanstalt Paul Singer LcCo., Berlin LW.