Anterhaltungsblatt des vorwärts Nr. 140. Dienstag, den 24. Juli. 1906 (Nachdruck verdaten.) 10] Kinder der Gaffe. Roman von Charlotte Knoeckel. Der Peter war schon, als der Doktor in die Stube trat, vom Boden aufgesprungen, nun lief er zur Tür hinaus, er wollte den Leuten im Haus erzählen, daß es Paula nun doch nit sterben tat! Das Minchen und die Emma aber wischten sich mit den Schürzen die Tränen aus den Augen. „Jetzt wird se doch kein Engelche, gelt?" fragte die Emma. „Nein, das wird sie jetzt nit!" „War se nit brav genug?" fragte die Emma.„Weißt, se hat als dem Bäcker seinen Spitz so arg am Schwanz ge- zoppt, und dann hat se em Bäcker auch emal e Brötche gestohle! Da hat se der lieb Gott am End nit habe wolle!" lllnd sinnend neigte die Emma die schmale blasse Stirn. Ob ich en Engelche werde könnt, en verrechtes, wenn ich ganz brav wär? dachte sie.---- Bon dem Tag an war die Emma noch stiller. Ihre Stics- mutwr aber kränkelte, sie hatte sich durch das frühe Aufstehen und bei dem Gang über den Hof eine Nierenentzündung zu- gezogen. Wochenlang hatte sie das Bett hüten müssen. Die Luis mußte aus der Schule bleiben und den Haus- halt besorgen. Und während die Paula schon wieder mit runden roten Backen im Hof mit den Jungen spielte, plackte sich die Luis, und die Emma schleppte sich mit dem jüngsten Brüderchen ab. 7. Es war ein Ferientag, der Christian hatte seine Schul- aufgaben gemacht und lief hinaus auf den Hof, wo die Buben Soldatels spielten. Als der August ihn sah. rief er froh:„Gut, daß de kommst, mer brauchen en Hauptmann, Du sollst en sein!" „Ja, Du sollst en sein!" bestätigten die fünf Buben, die um den August versammelt waren. Der Hans war unter ihnen und stimmte mit fiir den Christian. Der hatte ibn am Morgen seine Rechnungen abschreiben lasten, nur der Peter wollte nicht wie die anderen. Er war größer wie der Christian und breiter über die Brust herüber und in den Schultern. „Ich bin der Hauptmann!" sagte er,„ich bin älter wie der!" „Sei Du Hauptmann!" sprach Christian und warf den Kopf zurück,„aber ich spiel dann nit mit! Ich Hab en Buch von Pastors Robert, da les ich doch lieber drin." Er zuckte die Achseln und wandte sich nach der Tür. In Franzens Augen blivte es auf. Das Buch von Pastors Robert ärgerte ihn, er durfte es nicht in die Hand nehmen, sonst prügelte ihn der Christian und er bekam Lust, zum Peter überzutreten. Aber noch ehe er zum Reden kam, hatte der August den Christian schon am Rockärmel gepackt. „Bleib doch!" sagte er.„Der Peter, der dumm, den wollen wir nit als Hauptmann!" „Der sitzt ja immer in der letzte Bank," bestätigte ein anderer. lind alle riefen sie:„Den wolle mer nit als Hauptmann!" Nur der Franz schwieg! Wenn die nachher spielen und ich nit mittii! dachte er. In seinen Augen blitzte es wieder auf. Wenn ich nure wüßt, wo er das Buch hat. Aber drinucn in der Swb war ja die Luis: die mit ihre scharfe Auge! Er ballte die Faust. Axr Peter aber höhnte:„Laßt Euch von c Jünfkläßler kommandiere!" „Lieber wie von Dir!" sagte der August. Und alle umringteu sie den Christian. „Du sollst Hauptmann sein!" Zwischen den Buben hindurch drängte sich die Paula, sie zupfte den Christian am Rockärmel.„Du! Darf ich Makedenderin sein?" Mit ihren blauen Augen schaute sie zu ihm auf, die waren größer noch geworden seit ihrer Krankheit, ihre Bäcklein aber hatten sich wieder gerundet und blühten zart und rosig. Lose umwehte das lichtblonde Haar ihr Köpfchen, die Kleine war hübscher denn je. Und wie sie den Christian am Aermel zupfte, stieg eine seltsam weiche Empfindung in dem Knaben auf� Wenn ich Lehrer bin, dachte er, die wird meine Frau! Und noch einmal bat das Mädchen:„Laß mich Makedenderin sein?" „Nein!" sagte der Christian,„Frau Hauptmann sollst Du sein!" „Was muß ich da tun?" Der Knabe besann sich.„Du mußt meine Kinder vcr- sorgen!" sagte er dann. „Du hast ja keine!" Das Mädchen lachte. „Dann mußt für mich koche und putze!" „Da bin ich lieber Makedenderin," sagte die Paula.„Putze und koche mag ich nit!" „Ja, sie soll Makedenderin sein und Bier und Wärst ver- kaufe!" rief der Peter. Er hatte sich langsam wieder in den Kreis der Spielen- den geschlichen. Am Fenster mit den Geranienstöcken stand die Emma und schaute dem Spiele zu. „Willst auch Makedenderin sein?" rief der August zu ihr herein. Das Kind aber schüttelte den Kopf.„Ich muß gleich wieder es Brüderche hüte!" Und im selben Augenblick schrie auch schon hinten in der Stube der kleine Ludwig. Schnell ging die Emma hinüber. Gehorchen mußte man, wenn man in den Himmel kommen wollte, und die Enima wollte in den Himmel komnien, darum lief sie so rasch. .Laß en nit falle!" sagte die Mutter, als sie mit den schwachen Acrmchen ein wenig ungeschickt das Kind aus der Wiege nahm. Mit der kleinen Menschenlast kehrte die Emma zur Luis in die Öiiche zurück. Die stand dort über einen Kübel Windeln gebeugt. Sie wusch.« Ab und zu horchte sie hinaus auf den Hof. Dort spielten sie„Ererzi?rels" und zwischendurch tönte der Paula Stimme: „Will niemand Bier oder Wnrst! Bier oder Wurst!" Die Luis aber rechnete nach, wie lange sie nun schon die Schule versäumt habe. Ihr Gesicht wurde finster. Wenn ich sitzen bleib? Die Röte stieg ihr in die Wangen bei dem Ge- danken. Ich sitzen bleiben?! Und dann zuckte sie die Achseln. Mein Schuld is es nit! Trotzig preßten sich ihre Lippen auf- einander. Auf dem Hof waren die Kinder plötzlich verstummt, eine tiefe Männerstimme schallte darüber hin: „Wo wohnt der Weber Müting?" „Da, die erste Tür rechts!" Der Christian hatte geant- wartet. „Suchen Sie meinen Vater?" fragte er weiter,„der is nit da!" Die Luis wollte eben zum Fenster hinausschaucn, als ein Gendarm über die Schwelle trat. Das Mädchen wurde rot vor Schreck. Für eine Sekunde war es ihr, als stockte ihr der Atem. Sic faltete die nassen, vom Seifcnwasser schrumpelig gewordenen Hände. „Bist Du die Luis Müting?" fragte der Mann. „Ja," sagte das Mädchen. Ihre Stimme klang rauh. „Wo ist Deine Mutter?" „In der Stube da!" Sie zeigte mit der Hand.„Wer sie is krank!" „Warum gehst Du nicht in die Schule?" fragte der Gendarm. „Weil die Mutter krank is! Die laßt mich nit!" „Das wollen wir doch hören!" Lauten Schrittes ging der Polizist auf die Kammer- türe zu. Die Emma, den kleinen Ludwig auf dem Arm, hatte sich jn einen Stubenwinkcl verkrochen, sie machte große per, ängstigt? Augen. Er wird doch die Luis nit mitnehmen und ins Kittche bringe! Wer würde denn dann auch für sie kochen und den Ludwig seine Windeln waschen und die Betten machen? Und dix Luis hat doch gewiß nix getan. Sie konnte doch gar nit in die Schule gehen, wenn die Mutter im Bett lag! In der Kammer schimpfte der Gendarm mit der Marie. Drei Mark Strafe müsse sie bezahlen, hörte die Luis, und morgen müsse sie das Kind zur Schule schicken. Drei Mark Straf! dachte die Luis. Ein kleines schaden- frohes Lachen ging über ihr Gesicht: drei Mark Straf! Was der Vater dazu sagen wird?! Und sie zuckte die Achseln. Ich hab's ihr ja en paarmal schon gesagt! Ihr bleiches altkluges Gesichtchen wurde kalt und ernst. Sie soll nure aufstehn! Und überhaupt, wenn sie mir gefolgt Hütt, wie es Paula so krank war, wenn sie nit aufgestande war damals, aber— Die Luis verschränkte die Arme und hob den Kopf höher. Ich bin viel vernünftiger wie die! Der Mutter weinerliche Stinime klang zu dem Mädchen herüber, aber sie konnte ihre Worte nicht verstehen. 's wird ihr all nir helfe, dachte sie, wenn enial de Gen- barm kommt, da nützt kein Heule mehr! Und sie bückte sich wieder über den Waschkübel und begann an den Windeln zu reiben. Ueber die Blumentöpfe rüber guckten der Christian und der August in die Stube. „Muß se Straf bezahle?" fragte der Christian. „Wahrscheinlich!" „Na, denn wird's wieder was gebe heut abend, wenn der Vater heimkommt!" Die Luis zuckte die Achseln.„Ich kann nir dafür!" Die Emnia aber fing an zu weinen, sie stand dicht neben der Luis. „Was haste denn?" fragte die. „Schimpft der Vater arg, wenn er kommt?" „Natürlich!" „Arg? Arg schimpft er?" Das Kind schluchzte heftiger, ihr ganzer Körper bebte. „Mit Dir söhimpft er doch nit!" sagte der Christian über die Blumenstöcke herüber. „Geh, wein doch nit, ich schenk Der auch en Glücker, en große, farbige!" tröstete der August. „Die heult immer gleich!" warf verächtlich die Luis hin und wusch eifrig weiter. Während noch der AugusHn der Tasche nach. dem bunten Glücker suchte, und die Emma* das unruhig gewordene Kind auf dem Arm hin und her wiegte, kam der Polizist aus der Kammer. Er hielt der Luis ein Blatt hin. Die trocknete sich die Hände an der Schürze ab. „Das gibst Deinem Vater!" sagte der Mann,„und morgen früh um acht Uhr bist in der Schule!" „Ja!" „Na adieu denn!" Der Gendarm ging hinaus. „Luis!" rief's aus der Kammer. „Ich han kein Zeit!" „Willst wohl komme!" Da gehorchte sie. Die Mutter wollte den Schein haben. Müting sollte ihn nicht erst sehen., lFortsetzung folflt.l (Nachdruck verboten.) JVIorc|eiifahrt auf der Spree. Silberne Morgenstillc lag über der Stadt, als der Dampfer sich in Bewegung setzte, der mich nach Woltersdorf bringen sollte. Die Stadt hinter mir erschien von grauem Morgendunst weich um- kleidet, und ruhig, beinahe feierlich lagen die Häuscrmassen da. Dennoch wehte schon ein frisches Lüftchen, und es war eine Freude, die junge Kraft einzuatmen. Die Sonne lag golden über dem un- klaren, schwebenden Dunst und märchenhaft schön erschien so das Gewand, in das die Erde sich an diesem Morgen kleidete. Tie Essen, die Fabriken senden ihren Rauch langsam in die Luft. Sie sehen gar nicht so dräuend und wuchtig aus wie sonst. Morgen- dunst umkleidet auch sie. Sonnenstrahlen blitzen an den Flächen. Die Häuserreihen am Ufer sind trotz ihrer hellen, roten oder weißen, Färben graudunstig überzogen. Dazwischen am Ufer Baum und Strauch so grauplastisch in der Hitze sich herausdrängend. Das Grün ist schleierhaft überzogen. Silberner Schimmer liegt über den Weiden, die leise im Morgenwind zittern. Es ist. als ob die Zeit feiert. So ruhig und still liegt alles im Raum und der ganze Raum trinkt die Sonne und saugt sich voll von morgendlichem Lichte. Wuchtig liegen die schweren Kähne längL des llsiws im Wasser. Das Grün, das meist den Rand des Schiffes umzieht, gibt dem sonst vorherrschenden Gelbbraun des Anstrichs eine kokette Note. Wie prächtig stehen auf Deck hoch am Steuer oder vorn am Bug die Gestalten! Kaum merklich zieht das breite Schiff dahin. Tie Männer, die das schwere Ruder halten, die Frauen, die die Hand auf das breite Steuer drücken oder sich um die Kinder kümmern— wie voll und hell stehen sie im Licht des Morgens! Nun folgen eine Reihe Brücken aufeinander. Schwer und düster breiten sich die Bogen. Dunkel liegt der Raum drunter. Rauchig schwelt die Luft. Es rauscht uud tost der Lärm hier drunten. Dann eine leichtere Holzbrücke, nur provisorisch scheinbar. Tarauf folgt eine imposantere Anlage, bei der der Architekt mehr Wert legte auf die Fassade der Brücke und Türme und Brüstungen, während unten die Bogen platt ins Wasser gedrückt werden, so daß man meint, das Schiff könne gar nicht hindurch. Brücken sollten die Ingenieure anlegen. Ter Architekt ist umist vom liebe Cr legt den Hauptwerk auf die Fassade und marin sie meist zu hiver, sie wirkt dann erdrückend. Und eine Brück l hinführt urch den Raum, soll nicht aussehen wie ein Bauwinl. Äic leicht, a graziös schwingt sich die elegante Eisenbrücke, die wir nun passieren, in hohem Bogen durch die Luft, so daß man beinahe, ohne etwas zu merken, darunter hinwcgfährt. Nur leichtes zartes Gitterwerk, sonst kein Schmuck. Die Anlagen bei Treptow liegen in prächtiger Fülle da. Große Wiesenflächen umsäumt von dichten Büschen. Wenig Bäume, diese aber dann alt und hochragend. Prachtexemplare, die auf der freien, grünen Fläche um so imposanter stehen. Aus den Bänken, vom Dampfer aus sichtbar, hier und da Menschen. Morgcnspazicrgänger. Und auf dem Wasser liegen vereinzelt Boote, zwischen Stangen; Angler, die geduldig sitzen und warten... Ein Morgenbild voller Frieden und Ruhe. Weiter fährt der Dampfer. Stiller wird es, da die Häuser zurückbleiben, die Natur uns allmählich empfängt. Köpenick. Auch hier herrscht noch das Grau vor, das leichte, zarte Grau des Morgens. Ter Dampfer legt an und wir haben Zeit, das Bild, das sich uns bietet, zu betrachten. Ein Bild von eigentümlichem Reiz. Gärten, in denen lila, blaue und gelbe Blumen auf kleinen Beeten blühen, reichen heran bis an das Ufer, an dem wir anlegen. Alte Holzzäune, vom Alter morsch und gc- bräunt, ziehen sich am Wasser hin. Frauen-nicu am Steg und waschen. Und grau erscheint im Dunst das Bild der Stadt, das den großen Hintergrund abgibt. Nur diese Silhouette sieht man. Dazwischen vereinzelt sich hervordrängcndes Grün, das in Sträuchern die Mauern schmückt. Und während das Schiff hält, fallen die Sonnenstrahlen blitzend ins Wasser, und das fortwährende Funkeln läßt es so erscheinen, als ob unaufhörlich silberne Tropfen ins Wasser fielen. Der Wasserweg wird schmal. Zu beiden Seiten sandige Ufer. Der Wald reicht beinahe bis ans Wasser heran. Kinder patscheln im Wasser und liegen am Ufer. Ganze Gruppen haben sich gebildet, die sich um eine Erwachsene sammeln, die die Spiele leitet. Knaben und Mädchen tummeln sich im Nassen und spritzen sich, hell auf- schreiend. Eine ganz Kleine hat sich bis aufs Hemd ausgekleidet und watschelt vergnügt und stillzufrieden für sich einher und die Sonne bcschcint sie. Plötzlich öffnet sich weit der Ausblick. Eine Fläche, endlos und breit, dehnt sich aus, auf der wir nun, aus der schmalen Straße einmündend, schneller und schneller hingleiten. Vorn spritzen die Wogen gewaltsam zur Seite und weithin springen noch die Kämme der Wellen. Bewegung ist überall auf der weiten Fläche des Müggelsees. Drüben die dunklen,.waldigen Berge. Hier das bunte Gewimmel der Häuser, Friedrichshagen. Auf dem Trittbrett der Badeanstalt stehen Schwimmerinnen und verschwinden in kühnem Sprung im Wasser, tauchen wieder auf und prusten. Andere lehnen am Steg und winken uns zu. Die Sonne fällt glitzernd auf die vollen, weichen Formen. Daneben eine Hcrrcnbadeanstalt. Nock kühner fliegen die Schwimmer durch die Luft. Noch heller prallt die Sonne auf das braune und gelbe Fleisch. Noch heißer brennen die Farben. Sie schwimmen um das Schiff, umschwärmen die Fahrt. Aber bald lassen wir sie hinter uns. Denn nun legt der Dampfer mit aller Kraft aus. Weit, wie die freie See, dehnen sich die Flächen. Die Ufer erscheinen ganz fern am Horizont. Nur Wasser, Wasser, springende Wcllenkämme, Rauschen, Himmel und Sonne und unendlicher blauer Raum. An der Bank lehnend, wirst Tu hingetragen über die Fläche. Wie frei wird Dir dabei! Es ist, als flögest Du hin über das Wasser und ließest alles, alles, was Dich hemmt, hinter Dir. Vor Dir das Ziel, die Zukunftf�hinter Dir die Vergangenheit, die im Grauen versinkt. Wasscrgeruch steigt herauf und immerfort umrauscht Dich das Gemurmel der Wogen. Wie prächtig sieht das aus: da kommt uns ein Dampfer entgegen. Weiß segelt er heran, stolz, immer dem Ziel entgegen, uns nicht achtend. Auf dem Ungewissen Untergrund rast er seinem Ziel näher und überwindet Gefahr und Unsicherheit und spricht den Zweifeln und Erwägungen Hohn. In herrlicher Stimmung voll- endet man diese Fahrt über den weit sich ausdehnenden See. der so groß ist, daß man Land und Heimat vergessen kaum Man verliert sich im Unendlichen, im stillen, großen Raum, die Wellen schaukeln und der Himmel glüht, sonst nichts. Und schließlich wundert man sich, daß man wieder in die schmale Fahrstraße mündet, die uns nun enipfängt. Man erwacht wie aus einem Traum, den die Phantasie aufbaute. Man staunt: Du bist ja in der Nähe von Berlin. Ganz wo anders hin hatte Dich die Melodie der Dich ewig umgaukelndcn Wogen getragen. Noch einmal blickt daS Auge zurück: wie herrlich groß und weit die Fläche. Wie schön legen sich die kaum überall sichtbaren Ufer wie ein schmaler, grüner Gürtel um die aufspritzende, immer bewegte Fläche! Langsam und vorsichtig gleitet das Schiff in die schmale Fahrstraße. Links und rechts prächtige Ufer; helles Grün und dunklere Töne, Wiesen weithin, eine lachende Fläche. Busch und Strauch beleben die Ebene. Weiter hinten beginnt hinter einer kleinen Senkung Kiefernwald. Schilf wächst hoch am Ufer und das Wasser, das hoch am Ufer anschwillt, wenn wir vorbeifahren, rauscht in den Halmen. Am Ufer wird gemäht, Felder stehen schon voller Getreide- Haufen. Schmetterlinge fliegen über dem Felde. Die Mäher stehen tief im Getreide drin. Sonne vergoldet alles Leben. Hier ist die Welt ganz anders. So abgeschlossen, eng und still. Und dort das Dorf, Rahnsdorf, ein richtiges altes Dorf. Ein Durcheinander von alten roten Dächern. Die Sonne liegt«sau und warm daraus. Am Ende des Feldes liegt es. So heimlich, so warm liegt es da. Von Häusern gar nichts zu sehen. Nur die kleinen warmen Dächer im Grünen. Hoch darüber, iqi blauen Raum, fliegen Lerchen! Und ihr Zwitschern dringt leise zu uns herunter, nur wie ein ferner Gruß hörbar. Da weitet sich wieder die Fahrstraße, ein See nimmt uns auf, klein und umschlossen: der Dämeritzsee. Villen liegen am Ufer. Hellrote und weiße Häuschen. Blau leuchtet das Wasser. Diese Fläche ist still. Es sieht aus, als behüteten die Ufer den sich still einschmicgenden See. Warm liegt das sonnige Licht im Laub der Uferwaldungen, deren Grün fast gelblich erscheint. Zwei helle Kleider am Waldrand, Frauen, die ani Walde entlang gehen... Leicht und langsam gleiten wir hin über den See. Am Ufer, die schweigend liegen, nur selten, ein Mensch, nur wenig Kinder. Erkner. Eine Birkenallce führt am Ufer hin, junge Bäumchcn. Kinder spielen und liegen im Wasser. Kähne schaukeln. Durch einen engen Kanal fährt der Dampfer an Erkner heran. Hier drängt sich alles. Kleine Häuschen wagen sich bis dicht ans Wasser. Es bleibt nicht viel Raum für den Garten. Und Fabriken nehmen den Platz weg, vor denen die breiten Kähne lagern. Die Essen dampfen. Woltcrsdorf. Dichtes Grün an den Ufern. Zuweilen steigt das Ufer hügelig an; Kiefernwald an den Hängen. Hier ist die Welt zu Ende, scheint's. In breiter Bucht schmiegt sich das Land um den See, und nur wenn man genau hinsieht, sieht man eine schmale Ocffnung drüben, jenseits der Landzunge, da gehts wieder hinaus. Dies ist der Flakensce. Hellblau und idyllisch. Wie in einem Badeort ist es hier. Am Ufer in weißen Farben leuchtende Restaurants. Eine Ufcrpromenade. Am weißen Landungssteg entlang stehen die Händler. Frauen oerkaufen in Tüten Birnen, Stachelbeeren, Pflaunien. An hohen Ständern bieten sie Ansichts- Postkarten feil. Die Sonne blitzt an dem Blech der Einfassung. Motorbome fahren lautlos dahin am Ufer und landen, ohne daß ein Geräusch vernehmbar. Und die Sonne liegt in friedlicher Fülle, segensxendend auf dem hellblauen Wasser. Wie ruhig ist es hier. Zwischen den Bäumen, in den Restaurants nur wenig Menschen. Voll liegt das Licht auf den am Ufer errichteten Badeanstalten, und die nackten Gestalten funkeln ordentlich und lösen sich auf in helle Flecken. Weit, ganz weit weg von Berlin. Viel weiter noch, als die räumliche Entfernung beträgt. Du mußt nur mit frischen Sinnen anschauen, was Dich umgibt. Dann erscheint Dir alles neu, und selbst das Alltägliche redet zu Dir in einer Sprache, die Dir neue Dinge offenbart.—— r. Kleined Feuilleton. — Szenen ans der russischen Revolution schildert Gabriel Bertrand in der„Petite Republique". Typisch ist die Schilderung einer militärischen Meuterei:„Um sechs Uhr morgens versammeln sich die Artilleriegarden von Tiflis, die in großen Ge- bäudcn kaserniert sind, im mittleren Hof vor dem Pavillon der Offiziere und beschließen, sofort zu streiken. Ein durch den Lärm aus dem Schlaf geweckter Leutnant legt rasch seine Uniform an und will wissen, was der Skandal zu bedeuten hat. An der Schwelle des Pavillons halten ihn die Soldaten zurück:„Sie dürfen nicht weiter, Leutnant!"—„Seid Ihr verrückt?! Erkennt Ihr mich nicht?"—„Ja. Sie sind unser Leutnant!"—„Dann benehmt Euch, wie es sich geziemt!"—„Leutnant, wir schuldeten Ihnen Respekt und Gehorsam, weil Sie unser Vorgesetzter waren, aber seit heute früh streiken wir, und wi? haben keinen Vor- gesetzten mehr."—„Ihr proklamiert also die Empörung?"—„Ja, Leutnant, aber keine politische Revolte. Mehr können wir darüber nicht sagen."—„Laßt mich heraus."—„Nein, Leutnant."— „Schön, ich habe also keine Autorität mehr bei Euch, aber ich bin -in Bürger, der von anderen Bürgern die Freiheit verlangt, sich zu seiner Mutter begeben zu dürfen."—„Als Bürger können Sie gehen, wohin Sie wollen. Aber wir werden Sie zu bestrafen wissen, wenn Sie uns verraten."—„Und die anderen Offiziere?"— „Die anderen Offiziere sind hier Gefangene."—„Und wenn sie wie ich als Bürger daS Recht verlangen, in Tiflis frei umherzugehen?" —„Kameraden müßten dann fü> sie bürgen, wie wir für Sie bürgen." In diesem Augenblick erscheint ein Oberst, das Gesicht Purpur» rot vor Zorn, die Uniform aufgeknöpft.„Die Soldaten umringen ihn:„Nicht weiter, Oberst!"—„Was! Eine Rebellion! Man schieße auf die Kerle! In Reihe und Glied oder ich kommandiere Feuer auf die Meuterer!" Keiner rührt sich, aber die Soldaten nehmen eine drohende Haltung an.„Herr Oberst, ich bitte Sie,"- nüscht sich der Leutnant ein,„beruhigen Sie sich. Bedenken Sie, daß Sie für alles verantwortlich sind. Es ist gegenwärtig hier kein Mann, der Ihren Befehlen gehorchen würde. Und wenn geschossen wird, werden wir das Ziel sein. Man muß mit den Soldaten ruhig sprechen, man muß unterhandeln." Der Zorn des Obersten legt sich bald. Drei oder vier andere Offiziere kommen dazu. Man be- schließt rasch, daß der Leutnant sich mit einer Abordnung dcS Regiments in Verbindung setzen soll. „Also, Bürger," sagt der Leutnant zu etwa hundert Soldaten, die sich um ihn scharen,„worüber habt Ihr zu klagen? Warum diese Revolte?"—„Die politische Revolte ist noch nicht beschlossen, Leutnant. Wir wollen nur unseren Dienst nicht weiter tun. Wir streiken."—„Gut, aber warum denn eigentlich?" Ein Soldat tritt vor und spricht:„Leutnant, wir haben Recht auf Decken. Ter Zar hat sie bezahlt. Sie sind geliefert worden, aber Oberst X... hat sie vor drei Wochen verkauft. Wir kennen den Käufer und wissen, was er bezahlt hat. Wir haben Recht auf Kohle, und man gibt uns zum Heizen nur schlechten Kohlenstaub. Unsere Kohle ist von dem Major X... verkauft worden. Wir haben Recht auf Zucker. Er ist von dem General X... unterschlagen worden. Wir können für alles Beweise bringen. Früher ließ man alles hingehen. Jetzt fordern wie die Gerechtigkeit ebenso wie die Bürger...."—„Gutl Gut! Und wenn man Euch Eure Decken, Eure Kohle, Euren Zucker gibt, hört Ihr dann sofort auf zu streiken?"—„Wir hören dann zu streiken auf. wenn man uns aber wieder beftiehlt, fangen wir den politischen Streik an."—„Was ist denn das: politischer Streik?"—„Der Streik durch die Revolution!"— hl. Ein seltsamer Volksstamm in Spanien. Spanien ist in ethnologischer Hinsicht verhältnismäßig reich an merkwürdigen Rasseninischungen. Besonderes Interesse erwecken neben den Zigeunern und Basken die wenig bekannten Maragatos. an- scheinend Nachkommen der alten, aus Spanien vertriebenen maurischen Eroberer, die noch im westlichen Teile des Landes ihre streng gesonderten Wohnsitze haben. Die Maragatos bewohnen im Südwesten von Astorga in der Provinz Leon einen„Maragatcria" genannten Landstrich, der sich zwischen den Bergen FonccbadcS und Telono erstreckt und 450—500 Quadratkilometer groß ist. Ihre Hauptdörfer sind Santiagomillas, Val de San Lorenzo, Pradorrey, Beldedo, Nabanal, Santa Colomba und Vällar de Golfer. Alle diese Dörfer waren ehemals durch eine Art Vertrag miteinander verbunden, in dem sich noch Spuren vorfinden. Noch heute sehen die Maragatos die anderen Bewohner des Landes fast als Fremde an. mit denen sie möglichst wenig zu schaffen haben wollen; mit allen Fasern ihres Herzens aber hängen sie an ihrer Heimat. Da das Land jedoch sehr wenig ertragreich ist, wandern sie zeitweise aus, um bestimmten Geschäften nachzugehen, aber sowie sie vom Glück begünstigt werden, setzen sie sich wieder in ihren Dörfern fest. Gewöhnlich sind sie als Maultiertreiber tätig, aber je nach der Gegend, die sie aufsuchen, wechseln sie die Beschäftigung. So verkaufen sie in Astorga Schokolade, in Palcncia Decken und in Madrid haben sie besondere Fischhandlungen. Dieser Beruf erklärt sich durch die Tatsache, daß Maragatcria auf dem halben Wege zwischen den Fischereien Galiziens und Asturiens und der Hauptstadt gelegen war, sodaß die Maragatos, nachdem sie beim Transport der Fische auf den Landstraßen beschäftigt worden waren, schließlich in Madrid den Verkauf übernahmen. Dort stehen sie nun unter den anders gekleideten Großstädtern als letzte Träger einer ver- gangenen Kultur in ihrer malerischen Tracht, die sie mit einer exotischen Stimmung, umgibt und zusammen mit einigen Besonderheiten in Sitte und Sprache ihren maurischen Ursprung zu bestätigen scheint. Die Männer tragen einen großen Filzhut, eine Jacke, die das große Lederioams ersetzt, mit Nadeln festgesteckt wird und von einem Gürtel mit Kupferzieraten gehalten wird, Ivette bauschige Hosen aus Wolle oder Marino, auf die manchmal eine Art roter Nock mit Knöpfen aus Goldfiligran in der Art der„Fustanella" fällt und Wadenstrümpfe aus Stoff, die über den Fuß herabreichen. Noch charakteristischer ist die Tracht der Frauen. Sie besteht aus einem großen buntgestreiften Schleier mit langen Fransen, der Kops und Schultern bedeckt, einem kurzen, gewöhnlich braunen Kleide, dessen Bermel hinten geschlitzt sind, und einer mit Arabesken gestickten Schürze. Das gescheitelte Haar fällt zu beiden Seiten des Gc;ichteS in Flechten herab, in den Ohren hängen schwere Ringe und um Hals und Brust schlingen sich eine Menge Ketten, Halsbänder, Schnüre, Münzen, Agraffen und Amulette von uralter arabischer Form. Früher ließen sich die Männer nach muselmännischer Art den Kopf bis auf eine Locke scheren, aber diese Haartracht ist nicht mehr üblich. Nu Fest» tagen schmücken die Maragatos ihre Hüte mit Blumensträußen und ihre Kleider mit Bändern. So gekleidet ziehen sie bei bestimmten Gelegenheiten, z, B. beim Karneval, truppweise in die Städte und diese.Comparsas" oder Banden tanzen dann ihre typischen Tänze. Es sind höchst schwierige und komplizierte Figuren, die die sich zu je zweie» gegenüberstehenden Tänzer beim Klange des Tambourins und der Dudelsäcke ausführen. Dabei schlagen sie nach dem Takt die bebänderten Stäbchen, die sie in der Hand halten, gegen- einander und begleiten so rhthmisch ihre Bewegungen. Die Sitte der MaragatoS verlangt es, das; ein jungeS Mädchen «ach ihrer Verlobung nur mit dem„Novio". ihrem Bräutigam, spricht und sonst mit keinem anderen Mann. Wenn sie sich dagegen vergeht— wozu sie alle anderen zu verleiten suchen— mnst sie eine Strafe zahlen, die gewöhnlich in Wein besteht. Früher bedeckte die Neuvermählte am Hochzeitstage das Gesicht mit einem Schleier, den sie erst am folgenden Tage abnehmen dnrste, ein Nachklang der strengen orientalischen Sitten. Bei allen Handlungen zeigen die Marägatos eine in Spanien sprichwörtlich gewordene Ehrlichkeit. Won dem luftigen, lebhaften Charakter der übrigen spanischen Be- dölkcrnng unterscheiden sie sich durch eine ernste würdevolle Art, die an die ritterlich stolze Geste der alten maurischen Eroberer gemahnt. Im Gegensatz zu den anderen spanischen Maultiertreibern, die immer heiter und lärmend stitd, singen die Maragatos fast niemals unterwegs und schimpfen auch nicht auf ihre Tiere. Die Schiver- nult einer vergangenen Gräfte, die Vereinsamung einer abgeschlossenen, aus einer einst groften Gemeinschaft herausgerissenen Rasse liegt Lber ihnen. Dazu kommt, daft ihr schwerfälliges Sprechen, daö auf einen ausländischen Ursprung hinweist, sie noch deutlicher von den anderen trennt und ihnen manche Spötteleien zuzieht. Ucbcr die Abstammung dieses Volksstammes werden verschiedene Ansichten geäuftert. Räch dem Geschichtsschreiber Mariani bemächtigte sich ein Bastard Alfonsos, deS ersten Königs von Leon, namens Maragatos, der väterlichen Krone mit Hülfe eines benachbarten maurischen Königs, und aus Dankbarkeit trat er dessen Untertanen das Gebiet ab, daZ seinen Namen„Maragateria" annahm. Andere bringen den Namen in Verbindung mit„Marruecos",„Marragui" sMarolko, Marokkaner im spanischen) und glauben, daft es sich um einen Berber- paunn handelt, der sich unter dem Schlitze Alfons I. des Katholischen (739— 7b6) in diesem Lande ansiedelte, als die anderen aus Spanien durch die Tyrannei der jemenitischen Araber vertrieben Ivurden und «ach Afrika auswanderten.— Technisches. — Ein neuer Schnelltelegraph. Das Münchcner Telcgraphenamt hat Versuche mit dem neuen.schnellwirkenden JEypendruck-Telegraphen von Siemens u. Halste" angestellt. Er Koll das Drei zehn suche des bisher im Betrieb gewesenen HughcSschen Systems leisten können. Die„Miinchener Neuesten Nachrichten" bezeichnen die Versuche als gelungen und schreiben: Als Haupt- Löchlichster Vorteil kommt in Betracht, daß das abzufertigende Tele- gm nun mittels Schreibmaschine, d. h. mittels Ncmington-Tastatur, getippt wird. Diese Schreibmaschine ist mit einem Mechanismus versehen, der unter dem Tastendruck ein schmales Papierband mit den Üblichen Schriftzcichcn bedruckt, während gleichzeitig unterhalb eines jeden Zeichens zwei Lochungen ausgestanzt werden. Auf dem Papierbande sind elf Reihen für diese Lochungcn vorgesehen, die für sämtliche Zeichen durch die Art der Zwischenräume kom- diniert sind und die durch die am oberen Rande des Papierbandes gleichzeitig erscheinende Typenschrift auf ihre Richtigkeit hin kon- trollicrt werden. Es wird nun bereits dadurch Zeit gespart, daft grofte Institute mit regem Telcgraphenvcrkehr— Presse und Börse beispielsweise— durch diese stanzende Schreibmaschine ihre Tele- graimne als bcförderungsfcrtige Tclegrammstrcifen dem Amte iübcrgebcn können, und daft hier statt des manchmal umständlichen Wortzählcns ein schnelles Abmessen ermöglicht ist. Der nun in einem privaten Bureau oder im Amte hergestellte Telcgrammstrcifen wird dem Senderapparat eingefügt und mittels eines kleinen Motors rasch unter elf Kontaktfedern hinweg- gezogen, deren Zwischenräume den elf Zwischenräumen der Lochungen entsprechen. Sobald nun ein Loch unter eine dieser Federn kommt, schickt diese Feder einen Strom in die Leitung; un- mittelbar darauf wird eine zweite Feder in das zweite, zu dem Buchstaben gehörige Loch geraten, um abermals einen Strom zu verschicken. Für ein Schrtftzcichen sind nun durch die zwei gleich- bedeutenden Lockungen zwei Kontakte erfolgt; diese erzeugen im Enipfangsappa rat einen elektrischen Funken, der die in Frage kommende Zcichentype beleuchtet, die in Form einer Schablone ausgeführt ist und auf einem rotierenden Typcnrade sich bewegt. Wir erhalten also ein aufleuchtendes Schriftzeichcn, vor dem sich ein Bromsilberstreifen befindet, der nun die Type Photographisch aufnehmen muft. Durch eine automatische Vor- richtung wird dann das so entstandene Lichtbild sofort entwickelt und fixiert, um als vorzüglich lesbare und äuherst haltbare Maschinenschrift im Empfangsamte auSfertignngsbcrcit zu erscheinen. Das Typenrad deS Empfangsapparates muft sich mit der gleichen Schnelligkeit bewegen, die der ablaufende Papierstrcifen ihn gebenden Apparat einhält. Geht dieser Gleichlauf verloren, io ertönt im Empfangsapparatc sclbtütig ein Glockenzeichen, worauf >er empfangende Beamte durch das Niederdrücken einer Taste den Lochstreifen auf dem gebenden Amte festhält. Die Wieder- Herstellung des Gleichlaufes ist dann nach etwa 20 Sekunden zu» stände gebracht. Die Versuche im Münchener Amte haben ergeben, daft der neue Schnelltelegraph in der Minute 2000 Zeichen über einen Draht und in einer Richtung mitteilt gegen- über den 100 Zeichen des jetzt in Gebrauch stehenden Hughes- Duplex-Apparates. Dazu kommt, daft der Schnelltelegraph Photo- graphische Typen mitteilt und Zeit in der Vor- und Rachbehandlung der Telegramme erspart.—■ Humoristisches. — Der Feigling.„Habe gehört, Feldwebel, Sie wollen heiraten?" „Befehl, Herr Hauptmann." „Na, wann soll denn Hochzeit sein, Feldwebel?" „Im Juni, Herr Hauptmann." Ein unsagbar verächtlicher Blick trifft den glücklichen Bräutigam. „Im Jmri, wo die Nächte so kurz sind?— Feigling!" — Ein Ersatz.„Herr Gefängnisdircktor, haben Sie keinen Erlah zur Amnestie erhalten?" „Nein, Herr Pastor I Ich lasse aber soeben den Gefangenen den kürzlich verliehenen Präsentiermarsch vorspielen!"— Eine ganz Feine. Die Gnädige:„Ich reflektiere aber nur auf eine sehr feine Zofe." Stellesuchende:.Gnä' Frau, ich leide sogar anKlepto- manie."—(„Jugend") Notizen. — Amerikanischer Zeitungstrust. In New Dork hat sich ein Zeitungstrust gebildet, der 521 Blätter umfaftt. Er besitzt eigene Telegraphendrähte in einer Länge von mehr als 10 000 Kilometern.— — Internationale Künstlervereinigung. In Paris hat sich eine„Union internationale" für Kunst und Dichtung gebildet, in die Literaten und Künstler aller Stationen eintreten können. Zweck: Interessenvertretung der Mitglieder, Veranstaltung von Ausstelluttgen, Konzerten, Theatcraufführungen.— — R e c l a>n S llniversal-Bibliothck. Neuerscheinungen:„Kinderlieder" von Hoffmann v. Fallers- leben;«Fritz Reuter" von Theodor Gaedertz; „Locken- Berta" und andere Novellen von Lotte Gnbalke;„Jesus", dramatische Dichtung von Karl Weiser;„ E r z ä h l u n g e n v o n den A e g ä i s ch e n Ins ein" von D. Bikslas;„Strandflirt" von John Strange Winter.— —„Die Herzöge von Genua". Schauspiel von Leo Grein er, wird Mitte November im Deutschen Theater aufgeführt.— —„Narrenglanz", ein. SpielmannSdrama" in vier Akten von Rudolf Rittner. wurde von: Schiller- Theater zur Aufführung angenommen.— —„Der Detektivkönig", ein„spiritistisches Drama" von Richard Manz, hatte im Nürnberger Intimen Theater Erfolg.— —„Mandragola", eine dreiaktige Komödie nach dem alten Lustspiel des Macchiadell von Paul E g e r wurde vom Deutschen Schauspielhaus in Hamburg und vom M ü n ch e n e r Schauspielhaus zur Aufführung an- genommen.— —„Doktor Eisenbarth" ist der Titel eines vieraktigen Lustspiels von Otto Falckenberg, das vom Neuen Theater zur Aufführung angenommen wurde.— —„Die Erziehung zum Don Juan", ein dreiaktigeS Lustspiel von Ernst Klein, wurde vom Lu st spielhaus zur Aufführung erworben.— —„Der grofte Baal", Drama von Gustav Her- in q n n, soll in der nächsten Spielzeit am Leipziger Stadt- t h e a t e r seine Uraufführung erleben.— —„Zwei Witwen", die dreiaktige komische Oper von S m e t a n a gelangt im Laufe der nächsten Spielzeit im L o r tz i n g- Theater(Bcllealliaiicc-Thcater) zur Aufführung.— — Die Operette„G r o ft p a p a" von Meyer-Stolzenan hatte in Hannover starken Erfolg.— — Für den Neubau des StadttheatcrL in Lübeck war ein Wettbewerb für Erbammgspläne ausgeschrieben worden. Der erste Preis wurde dem Entwürfe des Professors D u e l f e r in Dresden zuerkannt.— — Chopin kriegt ein Denkmal im Pariser Park Moncemi.— — Drahtlose Telegraphie. Der Pariser Ingenieur B r a n I y konstrnirrte einen UhrwerkSmechaniSmuS, durch_ den der Gebeapparat jeder fimkentelegraphifchen Station die auszusendenden Ströme so wirksam zu teilen vermag, daft zufällige oder beabsichtigte Gesprächsstörungen durch fremde Funken verhindert werden.— — Ein internationaler Kongreft für Polar- forschung findet vom 7.— 11. September in Brüssel statt.— Wenmtwoxtl. Redakteur: Hans Weber, Berlin,— Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckern u.VerlagSanstaltPaul Singer LcCo..BerlmSW.