Ur. 283, Abonnements-Zedwgungen: DbonnemenlS-Preti pränumerand»: vierteljährl. Z�o Mr., monatl. l.roMl., wöchexlltch SS Pfg. frei in« Hau». Sinzeine Nummer S Pfg. Sonntag«- Nummer mit illuiirierlec Eonnlag»- Beilage„Die Neue Well" 10 Pfg. Post- Slboimeuient: 3,30 Marl pro Quartal. Eingelragen in der Post- Zettung«- Preisliste für lgSS unter Qr. 7U80k Unter Kreuzband für Teutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Marl, für da» übrige Ausland 3 Marl pro Monat. Erscheine laglich»ulier Wonlag». Vevlinev Volksblalk. t«. Jahrg. Die Insertions- Gebühr betrügt für dt« iechSgeipallene Kolonel» zelte oder deren Raum«0 Pfg, für politische und gewerlschaftltche Pereini- und Bersammlnngs- Anzeigen 20 Pfg. „«leine Anieigen" jede» Wort 5 Pfg. (nur das erste Wort fett). Inserate für die nächste Nummer müssen bi» t Uhr nachmittag» tn derSrpedtlion abgegeben werden. Tie Expedition ist an Wochen- tagen dt! 7 Uhr abend», an Sonn- und Festlagen blZSUhr vormittags geöffnet. Jen, sprecher i Smt I. Nr. 1508, »clegramin- Adresse: „SoctaldimoKrat Verls»'« Centraiorgan der sociatdemokratischen Partei Deutschlands. Nedaktiott: SW. 19, Veuth'Strafzc 2. Vom neuen Reichshanshalts-Etat. Der NeichshauShalts-Etat für 1900— so entnehmen Mir einem Auszuis der„B. P. N."— liiilcmciert in Einnahme und Ausgabe uiit 2 038 333 331 M. Von den Ausgaben entfallen 1 783 042 493 ü>!. auf die fortdauernden, 198 092 642 M. auf die einmaligen Ausgaben des ordentlichen Etats und 79 198 411 M. auf die außerordentlichen Ausgaben. Gegen die früheren Etats ist der diesmalige insofern geändert. als für das Reichs-Militärgericht und für den Eheckuerkehr iri, Rcichs- Postgcbiet besondere Etats aufgestellt sind und für die Betriebs- derivaltungen das System de? Bnilto-EtatS durchgeführt ist. Der ordentliche Ausgabe-Etat mit 1 979 1 3ö 140 M. übersteigt die Ausgabe des Vorjahres um 137 KL0 133 Mark, wovon 107 004 665 M. auf die fortdauernden und 30 68S S00 M. auf die einmaligen Ausgaben entfallen. Wären die fortdauernden Ausgaben der Betriebsverwaltungen, wie dies bisher geschehen ist, von den Einnahmen abgesetzt, so würden die gesamten Ausgaben sich auf 1 ö72 701 510 M. belaufen und die des Vorjahres um 107 574 199 M. übersteigen. Der außerordentliche Etat schließt gegenüber dem Vorjahre mit einem Minderbcdarfe von 32 011 621 M. ab. Der Mehrbedarf deS ordentlichen Haushalts in Höhe von 137,7 Millionen fetzt sich so zusammen, daß auf das Ans- w ä r l i g e Amt 0,5 Millionen mehr fortdauernd und 4,5 Millionen mehr einmalig, auf das R e i ch s a m t des Innern 5,2 Millionen mehr fortdauernd und 2,3 Millionen weniger einmalig, auf das ReichSheer 21,3 und 17,7 Millionen mehr, auf das Reichs- Militärgericht v,3fMillioncn und 30 000 M., auf die Marine 4,9 und 8,6 Mill. mehr, auf das Reichs-Schayamt 37,4 Mill. fortdauernd mehr, auf die Reichs schuld 2,1 Millionen mehr fort- dauenid und 140000 M. weniger einmalig, auf den Allgemeinen Pension sf o» d s 2,8 Millionen mehr fortdauernd, auf dcir Reichs- Jnvalidenfonds 2,1 Millionen mehr fordaucrnd, auf die Post Verwaltung 25,5 und 0,9 Millionen mehr, ans die R e i ch S- dru cke r ei 0,1 und' 1,9 Millionen mehr und aus die Eisenbahn- Verwaltung 4,5 Millionen fortdauernd mehr und 0,5 Millionen einmalig weniger entfallen. Die Einnahmen sind fast durchweg höher veranschlagt. Es figurieren die Zölle mit 473,2 H-30,81 Millionen, T a l> a I st e n e r mit 12,1 0.1) Millionen, Z u ck c r st c u c r 102(-l- 9,9) Millionen, Salzsteuer 47,3(-4-0,6) Millionen, Braimtweinmaterialsteucr 13.5 (-4- 1,7) Millionen, BrannttveinverbrauchSabgabe 105,8(-j- 3,6) Millionen, Bransteuer 30,2(-4- 1,0) Millionen, RcichSstempelabgaben 65,5(-4-3,9) Millionen, Post- und Telegraphcuverwaltnng'393,5 (-4- 33) Millionen, Reichsdrnckerci 7,5(-4- 0,5) Millionen, Eisenbahn- Verwaltung 86,2(-4- 1,8) Millionen, Bankivesc» 14,9(-4- 5,1) Millionen. verschiedene Verwaltungseinnahmcn 18,5(-4-3,2) Millionen, Reichs- Jnvalidenfonds 30,1('-4- 2,1) Millionen, Veräußerung ehemaliger �cstungsgrundstücke 0,2(— 0,8) Millionen, Ucbcrschüsse auS früheren Jahren 30,7(-4- 5,2) Millionen, zum Ausgleich für die nicht allen Bundesstaaten gemeinsamen Einnahmen 15,6(-4- 1.5) Millionen. Matrikularbeiträge 526,7(-4- 36,8) Millionen. außerordentliche Deckungsmittel 79,2(— 32) Millionen, darunter Anleihe 76,1 (— 88,8) Millionen. Das Gcsamtmchr der Einnahme bcläuft sich auf 163,7 Millionen. DaS Mehr der Einnahmen, welche der Reichs- lasse verbleiben, beziffert sich auf 100,9 Millionen, so daß gegenüber den oben angegebenen ordentlichen Ausgaben von 137,7 Millionen noch 36,3 Millionen fehlen, welche. Ivie' gleichfalls angegeben, bei den Matrilularbeiträgen in Zugang gebracht sind. Die Einnahmen, welche den Bundesstaaten zugeführt werden, belaufen sich abzüglich der dem Reiche vorbehaltcncn 130 Millionen auS den Zöllen und der Tabaksteuer auf 514 Millionen. Diese sind als U e b e r w e i f u n g e n in den Etat eingestellt und ergeben gegen das laufende Jahr dn Mehr von 37,3 Millionen. Der Etat für 1900 zeigt dasselbe erschreckende Bild wie alle seine Vorgänger im Reiche deS Militarismus und der Volks ausbcutung. Nur sind die Widerwärtigkeiten wiederum verinchrt und verschlimmert. Die Steigerung der ReichSeinnahmen bedeutet die Steige- rung der Ungerechtigkeit des indirekte» Stcuerwescns. Zölle und Verbrauchssteuern, die den, Unbemittelteren einfach schwerer treffen, die dem Aermsten die drückendste Last zumuten, gewähren dem Reich die Mittel der Existenz. Diese also miS der Not der arbeitenden Klaffen gezogenen Mittel werden verwendet wie seit jeher und in noch höherem Maße zu Zwecken, welche den Interessen derselben arbeitenden Klassen s ch n u r st r a ck sIz u w i d e r l a ,1 f e n, zu dem Zwecke des Militarismus und MariniSm u S. Den Löwenanteil der gesteigerten Einnahmen nimmt der Militär- und Marine-Etat in Anspruch, Für das ReichSheer erfahren die fortdauernden AuS- gaben eine Erhöhung um 2HU Millionen. Die jährlich fortdauernde Ausgabe beträgt damit 341>Ai Millionen Mark. Die einmaligen Ausgaben für das ReichSheer steigern sich gegen das Vorjahr um 17,7 Millionen, sie erreichen damit 98778 396 Mark. Der Marine-Etat wächst durch die Vermehrung um fast b Millionen Mark auf fast 74 Millionen Mark in den fortlaufenden Ausgaben und durch eine Steigerung um 8.6 Millionen Mark an einmaligen Ausgaben auf fast 48 Millionen Mark. Dazn kommt ein Extraordinarium für die Marine von 46 Millionen, so daß der Voranschlag für die gesamten Marine- ausgaben sich stellt auf ungefähr 162 Millionen Mark. Auch der K 0 1 0 n i a l e t a t und die Ausgaben für K i a u i s ch 0 u find wieder erheblich gestiegen. �Tie ncnc» Flottcnfordernngr» der Regicrmig kommen in diesem Etat noch in keiner Weise zum Ausdriick. Alle zu erwartenden Mehreinnahmen deS Reiches— und sie sind überaus reichlich ein- geschätzt worden— werden aufgebraucht durch die im Rahmen der jetzigen Militär- und Marincgesctze sich steigernden Ausgaben. Woher sollen die Summen genommen werden. die zur Durch- führung der neuen alles bisherige überholenden Marincpläne not- wendig werden?_ Die Delegationen. —st.— Wien, 1. Dezember. Gestern sind in Wien die ö st r e i ch i s ch- u 11 g a r i s ch e n Delegationen ztisammcngctretcn, und Man wird nun wieder einen Monat lang mit den breitspnngstcii Berichten über ihre„Vcr- Handlungen' behelligt werden. Iii Wirklichkeit sind aber diese Delegationen eines der lächerlichsten politischen Gebilde, das jemals zur Erledigung öffentlicher Angelegenheiten ersonnen tourdc, ein un- frnchtbarcs und ohnmächtiges Unding, dessen Lebensmöglichleit nur nllf seiner völligen Einflnßlosigkcit beruht. Die kurzsichtigen Leute, die nicht zu erkennen vermögen, daß das allgemeine und gleiche Wahlrecht nicht nur das gerechteste Wahlrecht ist, sondern auch das für den Staat beste und nützlichste, die können an diesem Delegicrtcnparlamcnt studieren, wie untüchtig und wertlos eine Körperschaft wird, Iveim sie aus dem unmittelbaren Znsammcn- hange mit dein Bolkswillcn und dem Volksempfindcn gelöst tvird. Die Delegationen sind bekanntlich das Parlament, de!» die Er- ledkgmig der ztvischcir Oestreich und Ungarn gemeinsamen An- aelcgcnheiten obliegt. Diese sind nun zweierlei: erstens die ge- samten auswärtigen Angclegcnhcite», und zweitens das ganze Kriegswesen, Heer und Marine. Der Wirkungskreis der Delegationen ist also kein geringer, denn die Auftvendungen auch der habS- bnrgischcn Monarchie für militärische Zwecke werden von Jahr zu Jahr größer. Die Delegationen haben Heuer über.ein Budget von 337 Milllotie» Kronen zu beschließen, ein Betrag, der für ein so blutarmes Reich nicht gering ins Gewicht stillt. Wie setzen sich nun die Delegationen, denen allein die 5son!rolle über die auswärtige Politik deS Reichs und das BelvilligmigSrecht für den Moloch Militarismus zusteht, zusammen? Jede'Delegation besteht miS sechzig Mitgliedern, wovon überall vierzig durch das Unterhaus, zwanzig vom Oberhaus entsendet werden.' Während aber das ungarische Abgeordnetenhans die Delegierten im Plenum wühlt, die Delegation also gleichsam als der Ausschuß deS Parlaments, als ein verkleinertes Haus selbst auftritt, ist für die Wahl der vierzig Delegierten in Oestreich ein ganz besonders lächerlicher Modus auS- gedacht tvordcn. Sie werden nämlich nach Ländern gcivühlt, das heißt, jedem Kroulande ist eine bestimmte Zahl von Delegierten zugewiesen— von einem Delegierten bis zu zehn, je nach der Größe der Provinz— und das Wahlkollegimn sind die Abgeordneten aus dem betreffenden Lande. Die östrcichische Delegation ist also weder ei» Ausschuß des Abgeordnetenhauses, sie ist auch keine Vertretung der Parteien, und am'allerwenigsten ist sie eine Vertretung des Volkes. Sie ist eine aus lauter Komproinisicn und lokalen Machenschaften gebildete Körperschaft, in der natürlich die ärmsten und rückständigsten Provinzen überwiegen. Dazu kommt noch, daß jedes Jahr andere Delegierten„gewählt" werden, damit durch die sechs Jahre so ziemlich jeder Abgeordnete an der Hof- t a f e I teilnehmen könne— denn das ist immer das Hauptcrcignis der DelegatioitStaguiig. Wie dann schließlich die Zusamnieusetznng der Delegation ausfällt, steht man besonders deutlich an der diesmaligen: Herrenhaus, nitglicdcr tind Großgrundbesitzer- Ab- geordnete, also Leute. die überhaupt niemand vcr- antwortlich sind, haben darin vorweg die Majorität! Die absolute Sinnlosigkeit ist thatsächlich dos die Delegationen beherrschende Element. Die Delegationen sollen ein Parlament vorstellen, aber das Recht, Gesetze z'n beschließen, steht ihnen nicht zu l Ihre Koinpetcuz geht nur dahin,„Beschlüsse zu fasse», das heißt das Budget zu genehmigen. Zu g e neh ini g e n. denn seit mindestens 20 Jahren ist es nicht vorgekommen, daß die Delegationen von den Forderungen der Kricgsocrwaltmig aiieh nur einen Kreuzer gestrichen hätten, Ihre hilflose Ohnmacht ist so eklatant, daß das Kriegsministprium voriges Jahr mit einem Nachtragskredit von 20 Millionen Gulden nngernckt kam und die Judenmität'erhielt. ohne daß mair auch nur erfahren hätte, wofür das Geld ausgegeben worden war! Aber nicht nur, daß die Delegationen zu jeder' noch so anfechtbaren Forderung des öftreichifchen MilitariSnuis Ja und Amen sagen— so zum Beispiel zu der sinn- und ztocckloscn Vermchrnng der Krie�sstotte. die bei der Armseligkeit der östreichischcu Küste die reine Nachäfferei ist—: die Dinge liegen so, daß cS einfach unmöglich ist, es könnte in den Delegationen jemals ctlvas ab- gelehnt werden. Denn zum Neinsagen gehören hier zwei; die östrcichische Delegation genügt nicht, sondern auch die Ungarn müßten mitwollen, damit eine Forderung abgelehnt sei. Das ist nun ganz ansgeschlosien, denn die Ungarn.' die zu den gemeinsamen Ausgaben nur ein Driltcl beitragen, befolge» seit jeher die Politik, sich mit der unbedingten Zuftimnmng bei allen militärischen Dinge» der Krone gefällig zu zeigen, um'auf diese billige Weife zu staatsrechtlichen und natioiinlen Konzessionen zukommen. Was geschieht nmi, ivenn die östreichischc Delegation nein sagt— ei» Fall, der bei ihrer Zusammen- setzung fast undenkbar ist— die ungarische aber ja? Dann treten die beiden Delegationen zu cuicr gemeinsamen Sitzung zusammen, eitler stummen Sitzung, da in ihr nach der Geschäftsordnung kein Wort gesprochen werden darf, Bei ciiicr solchen Abstiinmnng genügt aber eine einzige Stimme der Ocstrcichcr. um das Nein ihrer Delegation wertlos zu machen, Tritt nämlich zu den ungarischen bewilligenden Stinmicn eine einzige östrcichische, so ist die Forderung bewilligt. Dieser sinnreiche Modnö macht jeden Widerstand unmöglich; die Bestinmimig der Delegationen ist also voriveg, die Fordcrnngcn des Milita.ssinnS zu bewilligen, und ihr Recht' ist nur, ihre Folgsamkeit mit ein paar inhaltslosen Rede» zu garnieren. Weniger erbitternd aber dafür um s» possierlicher ist die sogenainlt'e Kontrolle der auswärtigen Angelegenheiten, die angeblich die Delegationen ausübe» sollen. Das Eigentümliche dieser „Kontrolle" ist vor allem, daß sie immer zu spät kommt, Die östreichischen Abgeordneten können im Jahre»ur einmal über die berühmte„auswärtige Lage" schwätzen: wenn eben die Delegationen tagen. DaS kann ebenso im Frühjahr wie im Winter sein; läßt sich nun die internationale Lage beifallen, im März verwickelt zu sein und die Delegationen tagen Expedition: SW. 19, Bentlz-Skrafze 3. erst im Dezember, so wird eben erst im Dezember„kontrolliert". Wir Ivetten, daß ein großer Teil der Kontrolle sich Heuer mit dem spauisch-nmcrikanischen Krieg beschäftigen tvird, denn die Delegationen kommen seit dem Mai des vorigen Jahres eben erst jetzt zusammen! Im Auslände ist man so naiv, die alljährlichen „Exposes" des Grafen Goluchowski ganz ernst zu nehmen; in Oestreich Ivciß man schon, daß das lediglich die Stilubutigeu des Hofrates D o c z i sind, der sich damit die Zeit vertreibt, die ihm sein Dichtcrhandtvcrk übrig läßt. Das schönste an der Sache ist, daß Graf Goluchowski diese durchaus nicht gcheinmis- vollen Exposes immer im Ausschüsse vorträgt, nie im Plenum, ob- wohl doch gar kein Grund vorzuliegen scheint, die Debatte über die auswärtige' Politik zweimal zu führen lind der soaenaunte Voranschlag für dieses Ministerium doch keine Datailprüfuug verlangt. Graf Goluchowski darf jedoch in den. Delegationen überhaupt nicht rede n. Er kann nämlich nicht ungarisch, und da doch die Ungarn nicht das zum Himmel schreiende Unrecht dulden könnte», daß in ihrer Delegation deutsch gesprochen tvird, so verlegt man die Komödie in den Ausschuß, Ivo die Ungarn auch zuhören können, wenn man deutsch mit ihnen spricht. Da aber die„Parität" nicht gestört werde» darf, muß Graf Goluchowski auch in der östreichischen Delegation mit dem Schloß vor dem Mund henimgchen. Das ist doch sicherlich das ergötzlichste Parlament, daS die Welt überhaupt keimt! Die künstliche Art, die schreiende Unnatur dieser Delegationeil ist freilich nichts anderes als das Spiegelbild einer„Großmacht", deren Eutstehmigsursacheu vergangen und deren Daseinsmöglickkeiten aufgezehrt sind.' Bekanntlich bestand schon Heuer die größte Gefahr. daß' cS in Oestreich zur Wahl der Delegationen überhaupt nicht kommen werde mid die plötzliche Schlvenkiing in der inneren Politik ist mir aus der Furcht vor dieser Möglichkeit entsprungen. Die Furcht war sehr berechtigt, denn die Delegationen sind heute die alleinige Stütze des Großniachtsschivindcls: mit ihnen würde auch das internationale Prestige dieses lächerlichen Staates zusäminenfallcn. Aber aufrecht zu halten sind die Delegationen nicht mehr, Sie könne» nur als völlig einflußlose, rein orna- mentale KvN'crschvften smiktioi>icre>i, aber für diese Art Kon- stitntioiialiSimiS ist das Volk denn doch zu mündig geworden. Den Herren Abgeordneten sind natürlich die"Drle>iationen sehr wertvoll; sind sie doch ci» reicher Markt aller Eitelkeiten! Aber die Völker sind der Conlissciiwirtskhaft und Hofpolitik gründlich satt,>md wenn eines schönen TagcS das Wiener Parlament samt der De- Icgationcii verschtvändc, so würde kein Mensch diesen Wahngcbilden eine Thräne uachiveiiicn._ politische Meberfichk. Berlin, den 2. Dezember. Canossa. Wenn inlsere Anträge zum Koalitionsrecht als Agitations- mittel gedacht worden wären, so könnten wir mit ihrer vorgestrigen„Verscharrnng" zufrieden sein. Solche Nieder- lagen stärken unsere Daseinskraft: denil sie beweisen, daß in der That nur die Socialdcmokratie anch die Partei energischer kultureller G e g e n w a r t s rcformen ist. Alle bürgerlichen Parteien haben bewiesen, daß sie nicht gewillt sind, selbst ihre eigenen Programmfordernngetl— und dazu gehört die Koalitionsfreiheit— durchzusetzen. Sie haben die alten liberalen Rechte, wie daS der Koalition, nur noch als dekorativen Plunder in ihren Programmen, und wenn jemand sie ernstlich verlangt, erzittern sie über ihre eigenen Wünsche, als wären es schwere Angriffe von außen. DaS Bürgertum hat sich selbst vergessen und verraten. Das haben die Reichstags-Verhnndlnngen über die Koalitions- frcihcit wieder einmal deutlich gezeigt, und darum sind wir mit der agitatorischen Wirkung zufrieden, und wir könnten, wenn wir eitel wären, uns zu unserem taktischen Geschick gratulieren, daß es UnS gelang, unmittel- bar nach der Sympathie erweckenden Haltuna der bürger- lichcu Parteien bei der Ziichthausvorlage in einem grellen anschaulichen Beispiel zu zeigen, wie diese tapferen Leute nur noch die Kraft haben, die ailerblödesteii reaktionären Gelüste abzuwehren, wie sie aber für jede fruchtbare Weiterarbeit voll- kommen versagen. Dieser agitatorische Ertrag der Debatten über unsercn Antrag ist also sehr zusricdcnstcllend. ES ist darum sehr thöricht, wenn die„National-Zeituitg" jetzt schreibt: „Daß sie die Annahme der Anträge erwartet hätten, muß freilich als ausacschloffen gelten: so sehr kann ihnen das Fiasko jenes verniiglüliteii Entwurfs nicht zn Kopfe gestiegen sein. Aber cs scheint, daß sie crlvartet hatten, das Hans werde sich mit ihnen ans Vcrhaiidliinge» einlassen, cs lvcrdc Über die Anträge wenigstens die Koininissionsberatung beschließen, deren die Vorlage der Regierung nicht gewürdigt worden war. Das wäre ein neuer, großer Triumph für die Partei gc- iveseu, mochte schließlich mich nichts ans der Beratimg heraus» kommen; immerhin wären die Herren Bebel nnd Geiiosseir ihren Anhängern im Lande als die itzolitiler erschienen, ivclche bereits die Führung des Reichstags bei Verhandlnnge» über Fragen wie die deS Koalitionsrechtes erlangt haben: cS Iväre daher kein gc- ringcr Erfolg für die fernere Agitation gewesen, wenn der Reichstag sich auch mir zu einer eingehenden Diskussion über Anträge wie diese herbeigelassen hätte," Gerade umgekehrt liegt für einen verständigen Politiker der Fall. Centrrmi nnd Liberale hätten sich auf ihre freiheit- liche. arbciterfreundliche Gesinmuig triumphierend berufen können, wenn sie unsern Antrag, m dieser oder jener Form. angenommen hätten. Weil unser Antrag eben keine agita- torischen Zwecke verfolgte, sondern einen Versuch darstellte, dem deutschen Volke endlich zn der Erfüllmig eines liberalen Grundrechts zu verHelsen, das in anderen Ländern längst besteht, darum hätten wir den bürgerlichen Parteien gern de» Ruhm gegönnt, daß sie ihre socialpolitische Einsicht durch eine T h a t bewiesen' hätten. Und aus diesem sachlichen Interesse heraus'wäre die Ergebnislosigkeit unseres Versuchs bedauerlich. Wenn sich die bürgerlichen Blätter jetzt ihres„klugen" Sieges über unsere Niederlage freue», so gestehen sie damit nicht nur ein, das', sie.mit, dem liberalen Latein am Ende sind, sondern sie verraten auch einen merkwürdigen Mangel an Einsicht in die Wirkungen ihres Thuns. Das Verhalten der ReichStagsmehrhcit. erscheint nach außen als eine Dcmon- stration der Angst, als einiBnßgang zur Entführung von dein Frevel, den sie an der Zuchthausvorlage begangen. Aber sie verstehen nicht einmal würdig zu büßen. Es ist ein k o nr i s ch c s Eanossa.—_ Der Fall Schweinburg. Es glückt nichts mehr. Die Zuchthansvorlage ist ab geschlagen, die egoistische Triebfeder des Flotten-PatriotismuS liegt klargestellt vor dem ganzen deutschen Publikum. Nach beiden Richtungen hin sehen wir das Großiinternehmertnm nnt den verbrauchtesten und zum Teil schmutzigsten Mitteln für seine Taschen arbeiten.' Die Agrarier machen es nicht besser wie gcgcmvärtig die Eiscnbarone.(Äegen die Arbeiter der- langt man Ausnahmegesetze, um sie zu hindern, ihr Lohnniveau zu heben; vom deutscheu-Volke verlangt man dasür die Garantie eines, gesicherten, hohen Unternehmergewinnes, indem mau für eine Kriegsflotte. ersten. Ranaeö agitiert.. Da aber nach Pro fessor Schmoller die großen Egoisten im Wirtschaftsleben ihre Geschäftspolitik nie xiiigcsteheil, so verschanzen sie sich hinter patriotischen Phrasen und erheuchelten Idealen. Und darum ist Herr Schweinbmg, der Virtuose dieser Doppelgriffe, in der That der geeignetste.Maim, an der Spitze der deutschen Flotten agitation zu marschieren. Das ist ebenso selbstverständlich. wie es verwunderlich ist, daß man den geschickten Mann plötzlich— ans„moralischen" Gründen— nicht für den geeigneten Führer der deutschen Nation halten lvill und pharisäerhaft sein Geschäftsinteresse gegen ihn ins Feld führt, als ob nicht die ganze herrschende Politik auf mehr oder minder dicht verschleierte Geschäftsinteressen zurückführt. Warum ans einmal dieser Anfall von sittlichen Reinheits bcdürfnissen! Das lvar doch früher nicht so! Herr Schlvcin lmrg saß fest im Sattel, solange er für 15 000 M. jährlich die Socialdemokratic in niedrigster Weise bekämpfte; keine Mcnschensecle außerhalb der Socialdemokratie verur teilte mit uus dessen haarsträubende Kampfesweise gegen uns, die sich in den gehässigsten persönlichen Beschimpfungen ergin.g. Kein spcialdemokratischer Abgeordneter, kein Gewerkschaftsführer, kein Agitator war vor dem Gifte der Organe dieses Herrn' sicher. Das mindeste, was sie ihnen vorwarfen, war, daß alle, die für die Arbeiter in imscrem Sinne eintraten, GeschäftSsocialisten seien. So kämpfte Herr SchwenMrg unangefochten, ungeniert "nd von keiner Seite zurückgehalten gegen die Socialdemokratie. auf die er, der Ausländer und bestbczahltc Agitator des Unternehmertums, mit �Erfolg Polizei, Behörde», Gerichte und sehr hohe Persönlichkeiten hetzte. So oft wir ans daS Treiben dieses Agitatoren hinwiesen, sie kennzeichneten mich nicht ein einziges Mal fand unsere Kritik ein Echo in den Kreisen des Bürgertums. Man gönnte uns Herrn Schweinbmg, und wir haben ihn, wie unsere Erfolge zeigen, ja auch vertragest. Heute ist die gesamte Ocffcntlichkeit gegen den Mann ge kehrt. den man mit Wollust gegen die Socialdemokratie wühlen sah. Heute ist man sogar so empfindlich geworden, an der V c r g a n g c n h ei t.des Mannes Anstoß zu nehmen lind eine interessante Vergangenheit hat der Mann, eine Vergangenheit, die für imserc inncrpolitischen Verhältnisse so bezeichnend- ist, wie seiner Zeit die Tanschiadc. Tausch und Schweinburg, sie standen nicht nur in persönlichem Kneipverkchr bei Siechen, sie bildeten auch lange Zeit hindurch gewissermaßen die offiziöse Centrale einer gewissen Nebcnregicrung, die besonders zur Zeit Caprivis in lebhafte Aktion getreten war. D asAnZ- wärtigc Amt hatte zur Zeit des Tauschprozcsses Herrn Schwsin- burg schon genügend durchschaut und ihn abgeschüttelt. Herr von Marschall ließ l8Y7 in der„Norddeutschen Allgemeinen Zeitung" einen schgrsen Hieb auf Schlvcinburg niedersausen, indem dort zu lesen war, der Herr werde seit Jahren nicht mehr im Auswärtige» Amte empfangen. Das war insofern hart, als diese Mitteilung Herrn Schweinburg großen pekuniären Schaden brachte. Mit ganz ungetanster Betriebsamkeit hatte sich Herr Schweinburg nämlich in ,'den Ruf gesetzt, durch ihn und seine Korrespondenz vermöge man die Geheimnisse der Regierung bei Zeiten zu erfahren. Nichts war also natürlicher, als daß z. B. die großen Banken ihm seine Prophezeiungchl teuer abkauften. Dieses Verhältnis zur Regienmg war sofort nach der Abschütteln, ig durch das Auswärtige Amt gelöst, dagegen war ein neuer Bund mit Migiiel um so Profitabler und zukunftsreicher. Ter gefallene Busenfreund des Herrn von Miguel, der Abgeordnete Freiherr v. Zedlitz, wurde nämlich der vorzüglichste Mit- nrbciter der„Berliner Politischen.Nachrichten" des Herrn Schweinburg. Und wir heben ausdrücklich hervor, im Gegensatz zu seiner Mitarbeiterschaft bei der Stnmmschcn„Post" bezog er von Schweinburg kein Honorar. Schwcrnburg wurde seit seiner Verbindung mit Miguel in einer Weise vom Glücke begünstigt, daß er den Verlust des Auswärtigen Amtes leicht verschmerzen konnte. So kam, er in die Lage, geheime Akten- stücke, Bnndesrats-Drucksachen und namentlich den Etat vor seiner Veröffeiitlichnng einzusehen oder gar zu erhalten und sie in feinen Nachrichten zu.Geschäftszlvccken auszunutzen. Wieder- holt sind Untersuchungen über diesen m'erklvürdigen Handel mit politischen Nachrichten amtlich angestellt worden, aber zu der Entdeckung des Schuldigen haben sie bisher nicht geführt. Herr Schweinbnrg beschwor vielmehr, daß ihm die Druck- S a m nt e l" begriff seiner Hintermänner. Es ist doch un- billig und entspricht höchstens chinesischer Stellvertretung s- jnstiz, den Lakai zu bestrafen, wenn der Herr gefehlt.— Die Furcht bor der Kommune. Man schreibt uns: Als vor kurzem die Aochricht durch die Presse giug, cS sei gc- plout, die Gemeinde Berlin aufzulösen und durch mehrere kleinere Verioaktilngskörpcr zu ersetzen, mühten sich die Offiziösen im Schweiße ihres Angesichts cm einem Dementi hernm, nicht ohne einen durch- schlagenden Heiterkeitserfolg mit dem Argument zn erringen, an dein Ätrücht tonne nichts Wahres sein, weil man im Miitksteriuin nichts davon wisse! Die'„Kölnische Volkszeiiimg" hat auf die Leistungen der Dcmcuticrnngskoloimc mit kühler Ruhe die Nachricht aufrecht .erhaltest. In der That kann kein Zweifel darüber existieren, daß man in gewissen Kreisen gern der Gemeinde Berlin an den Kragen gehen möchte,'etwas anderes ist es freilich, ob man bereits dein Wunsche die■ Form eines bestimmten Planes gegeben hat. Man mag sich aber wohl in der höfischen Gesellschaft mit der alten Wahrheit einstweilen getrösten, daß da, wo ein Wille auch ein Weg ist. Wenn man nun meint, nut dem, was das Gerücht meldet, sei nichts weiter beabsichtigt, als eine Chicaniernng der freisinnig- socialdemokratisch regierlen Haupt- und Residenzstadt oder gar eine Rache für die harmlosen Spottredcn eines zahm-Iibc- rälcn Stadtverordnete», dann würde man sehr irren. Der letzte Grund aller Versuche,.' die mächtig ausblühende Gemeinde Berlin in ihrer EntwifilP'g Z» hemmen, ist die b l a ss e Furcht vor der Kommune. In den Kreisen der Hofgesellschaft gicbt es eine starke Gruppe, die der Meinung ist.' mit dem iinakifhallsamcii Anwachsen der Socialdemokratie näherten wir uns. mehr und nichr dem Augen- blicke, wo eine blutige AnSeiiiaudcrsctznng unvermeidlich werde. Bismarcksche GcdMkcn von dem„großen Aderlaß" spucken dort umher, und es ist nicht allein der berufene„Macher in konservativer Socialpolitik". der Herr von Massoiv der die Ehnnccii cjncs bcwafflicten Aufitandeö in Berlin abgczvogcn. hat. Tie Erninerniig an die„Schmach von 1818" ist in jenen Kreisen noch sehr lebendig; vielleicht mag auch der eine oder der andere General den Berns zu einem zweiten Wrangcl in sich spüren. Die Kaserniernng der Berliner Garnison ist weislich für alle„Eventualitäten" angeordnet: die Gardc-Fnsilicrc und das zweite Gardc-Regiment.im Norden, die Franzcr und die Dragoner im Süden, dazu die Kürassicrc, das Aiignsta-Regimeut in Moabit. dazu starke Artillcricmnsscn und tvicdcrnm Kavallerie, die Elisabcthcr in Charlottenburg usw. Im Eentrum steht das Alexander-Regiment eine kleine Abteilung ist zum besonderen Schutze des Schlosses in der Kaserne hinter dem Gleßhause aufgestellt und am Kupscrgrabcu So leben wir denn mit aller Welt in den besten Per- hältnissen.j Wir sind eng verbündet niit Ocstmch- tlngarn und Italien; mit England haben wir Beziehungen gewonnen, die zwar keine Alliance bedeuten, aber mindestens die früheren Reibereien ausschließen: endlich verbinden uns auch mit Rußland „frenndschaftliche Beziehungen". Graf G o I u ch o w S k i, der östreichisch- ungarische Minister des AiiZwärtigcn, hat am Sonnabend in seiner großen Rede uor der ungarischen Delegation ebenfalls die vollkommene Friedlichkeit der intcriintionalen Sitnation ver- liindigt. Uns dünkt, die Völker Europas haben den berechtigten Wunsch, von dieser herzlichen Freundschaft, die alle Großstaatcn verbindet, einige Früchte zu schmecken. Es ist gewiß' zu erwarten, daß die guten Freunde die Aufrichtigkeit ihrer Gesinniingen durch schleunige und gründliche Minderung der M i l ii ä r r.ü st u n gen bclrästigen. die unter guten Kameraden sinnlose Thorheit sind. Die deutsche Regierung denkt sicherlich nicht mehr daran, ihre Marine- Pläne, die ans Besorgnis vor eingebildeter Feindschaft ihrer ansländischen Freunde erwachsen waren, weiter zn betreiben. Vielmehr soll Herr v. Biilow seinem Kollegen von der Marine'auf Grund der allenthalben ausgezeichneten internationalen Situation den guten Rat gegeben haben, dem Reichstag mitzuteilen, daß auf die weitere Durchführung des 1?V8cr Flottcugcsetzes mni- mehr getrost verzichtet werden kann.—,'; hat man eine förmliche Zwingburg, so etwas wie eine moderne Basiille oder ein kleines Tinceniics geschaffen. Aber mehr nccki als eine plötzliche llcbcrrmupclimg, die, wen» die Truppe»„treu" bleiben, mit ein Paar Schrapnells und den Klein kalibngcn bald überwunden ist, et man in Hoskrciscn für die „Evculualilät" die Konzentration...olutionürcr Kräfte in der Berliner Stadigcmeiudc. Man weis; dort sehr wohl, daß in der sranzöstschc» Ncvolntion die Scktiencn von Paris das treibende Element waren und daß— um vo» der Julirrvoliition zu schweigen— wiederum beim Znsarmnrnt rnäie Frankreichs die revolutionäre Hauptstadt mit bcwimdcNiSwcrtcr Schlagfertigkcit ihre Aufgabe begriffen hatte. Daß heute der Schlächter der Kommune mit Socialdcmolratcn zusammc in einem französischen Ministcriiiin sitzt, muß auch gerade in den rejsen, von denen ivir sprechen, zn wunderlichen Gedanken an- regen. Nun beruht die Kraft einer revolutionären Bewegung un- zweifelhaft in ihrer Einheitlichkeit und der Macht ihrer Centrale. Könnte man, wie 1848 der„geniale" Gcwaltmcmch aberwitzig träumte. Berlin, den„Wasserkopf" Deutschlands, zerstören, so würden die Hcrrschastcn nchiger schlafen. Da das»im aber doch einmal nicht geht,— warum soll man da nicht wenigstens mit Spinneweben den Sirnson zu scsscln versuchen, damit wenigstens etwas zu geschehen scheine?? Also teilt man die Hauptstadt in eine Anzahl selbständiger Quartiere, deren kommnnale Jntcrcsicngcgcniötze ein- mal sehr nützlich werden könnten. Man erinnert sich, daß auch die alten Römer schon gerade so gescheit waren, wie die edelsten und besten Stützen von Thron und Altar. Zur Beruhigung aufgeregter Nerven dürfen wir wohl»och hinzu- ictzcn, daß die Socialdcmokratc» au eine blutige Revolution nicht glauben daher auch gar keine Ursache haben, die ängstlichen Träumereien schreck- hafter Obcr- und Unterlakaiencrnsthastzirdcbatticrcii. Wirhabc» andere Kräfte auf imscrer Seile als Maxirngeschützc und Mauscrgcwehre. Aber wir. stellen uns den Angriffen ans die Selbständigkeit und Ei» heit der Gemeinde aus Gründen der allgemeinen Wohlfahrt und der vcniiiuftgemäßen Entwicklung der RcichShanptstadt entgegen. Um die revolutionäre„Konimune" für eine blutige Revolulioii brauchen wir uns nicht zu sorgen: aber Deutschland braucht ein starkes, mit vielem socialen Verständnis verwaltetes Berlin! fachen des.Bundesrats allerdings seit Jahren zugingen, aber anonym, er misse nicht, von>v c m. Wir wissen nun allerdings auch nicht, von wem Herr Schwcinburg in der liebenswürdigen Art bedient wird, daß er aber andauernd und sehr zutreffend die Politik MiquclS vertritt, das wissen wir. Ob Herr v. Miguel an Herrn Schtveinbnrg gedacht hat, als er in das jetzt so viel genannte Goldene Buch die Worte schrieb:„Die Einwirkung ernster Schriftsteller auf die Gc- sittting, auf die Erwellniig geistigen Interesses, aus das Gc- mütsleben des Volkes verdient wohl eine größere Wür- diguug, als sie ihr: vielsclch: in Deutschland zu teil gc- worden ist"? Durch die nichtswürdige Tonart der Bekämvsung der Socialdemokratie hat Schweinbnrg sicherlich den Anspruch auf größere Würdigling bei einem Teil des deutschen Bürgertums nach Herrn von Nciquel wohl verdient, als sie ihm jetzt angesichts seiner Flottenpropaganda zn teil wird. Was will es überhaupt bedeuten, wenn man jetzt den einen Schweinbnrg hetzt; er ist doch nur die Coulisse, der Das sricdscvtigc Europa. E h a m b e r l a i ii s Bünbmsrcde wird fast überall als voreilig und maßlos aufgefaßt. Die deutsche RcgicrimgSpreffe schweigt auch heule völlig; es ist sicherlich nicht ganz leicht, die Ucbcrtrcibungcn des englischen Freundes, der die junge Freundschaft gar zu markt- jchreierisch in die Welt posaunte, ans daS rechte Maß zurückzuführen, ohne ihn hoch zu verletzen. Ter„Hainburgische Korrespondent" erhält ans Berlin folgendes Telegramm offenbar offiziösen llrspriiiigS! Ter Teil der Chamberkainfchi» Rede, der sich mit den d e u t s ch- c n g l i s ch c n Beziehungen beschäftigt, wird hier als ein neuer Beweis dafür angesehen, welch' hohen Wert England gegenwärtig ans ein freundliches Verhältnis zu Deutsch- land und dessen sorgsame Pflege legt. ES bedarf keiner langen Aus- ciimNdersetznng darüber, daß auch Deutschland die ungetrübten Be- ziehnngen zn dem mächtigen brilischcn Reiche durchaus in ihrer vollen Bedeutung zu schätzen weiß und daß es gegen ein freundschaftliches Ncbeiieinnnderarbciten nichts einzuwenden hat, soweit es den deutschen Interessen e n t s p r i ch t. Sind somit unsere eigenen. Interessen für djc Gestaltung unserer internationalen Bcziehnngen das ausschlaggebende Moment, so findet das vom Kolonialminister Chamberlain so energisch in den Vordergrund gestellte Gleichgewicht zwischen Deutschland und England seine wertvolle Ergänzung durch die freu n'd schaftlichen Beziehungen, die uns mit Rußland verbinden. Was den von Chamberlain gebrauchten Ausdruck„A I l i a n c e' betrifft, so hat der Minister selbst erklärt, daß er daS Wort nicht im eigentlichen Sinne genommen wissen wollte. Um jedoch Mißverständnisse zn verhüten, sei nochmals ausdrück- lich betont, daß es keinerlei allgcmciucn Gchrimtraktat zwischen beiden Ländern fliebt, auf den der Name„Alliance" paffen würde, sondern lediglich einige Abkommen lokaler Ratnr, über die man sicki schon seit geraumer Zeit in der Oeffentlichtcit unterhält. Wenn Chamberlain von einer Alliance sprach, so wollte er wohl seinen Hörern nur mit dem kürzesten Ausdruck den allgemeinen guten Stand der dentsch-cnglffchcn Beziehungen vorführen." Deutsches Zleich. A»S drin Etat teilen wir vorläufig noch folgende Einzelheiten mit: Tic Etatöstärke des Rcichshecrcs beträgt für 1S00 23 550 Oisi, ziere, 8» 556 Nntcrosfizicre. 491136' Gemeine, 2165 Militär- ärztc usw. Dazu kommen 182 929 Dicustpscrde.. Das Extra-Ordinarinm dcS MilitärctatS beträgt 124484807 Mark, d. i. 1 590 000 M. mehr als im Vorjahre.. Zu erwähnest siud insbesondere eine Erhöhung der anßcrcndrntliclzen Ausgaben für Fcstnngsaulagrn von 10 aus£0 Millionen Mark. Zum Extra-Ordiuarinm der Marine. Venn Schiffsbau sind erste Raten ausgeworfen für 2'Linienschiffe. 1 großen Krenzce. 2 kleine Kreuzer. 1 Kanonenboot,. 1 Torpedoboots- Division. Danach werden sich im ganzen i in B.a u befinden im Jahre 1900 8 Linicnschisfc. 2 große Krcnzcr, 6 kleine Kreuzer. 1 Kanournboot. 2 Torpedoboots:- Divisionen. Ein Vergleich der K o st c n a n s ch l ä g e crgicbt. daß bei de» Linienschiffen, für welche erste.und zweite Raten ausgeworfen find, sich die A u sch l a g s sn m m e. für den. Schiffsbau von 14 250 000 M. nach Maßgabe der. Btrdingwigsergebniffc auf IE<150 000 M. erhöht. Ebenso- eochö h t: sich die Anschlags- silimnc für den große» Kreuzer, dessen Bau begonnen wird, von 11600000 M. ans 13 900 000 M.. die Ansckflagssnmme für die kleinen Kreuzer von bisher 3 350 000 8??. aus 3 940 000 81!., die Auschlagssnmme für das Kanonenboot erhöht sich. von 1250 000 M- auf 1 500 000 M. Nach den Erfahrungen des s p a n i s ch- a m e r i k a» n i s ch e n Krieges ist die Bcrcithaltmig eines größeren Vor« r a l s von Munition geboten. Die Beschaffung erfordert 8 Millionen Mark, wovon 3 Millionen im E!.at in Astsatz koiiinicn. lieber den Van von zwei g r o ße n:T r o cke u d o cks ans der Werft in Wilhelinshasen zum Kostenbeträge von 11 Millionen ist bereits berichtet worden. Die erste Rate dafür ist mit 500 000 M, in den Etat eingestellt. Ebenso ist bereits iiber� die erste Rate von 700 000 M. für Bassinbanteii ans der Hplnnpiel bei Danzig berichtet worden, die Gcioinlkostei! betragen 3L43 000 M.• AnS dr» CivilctatS. Ter Etat des Rcichsaints des Innern erhöht sich in der Eimiohine um 474 620 M. Die M eh r a n s g a h e n belaufen sich im Ordinnrium ans 5 l5i> M. Im RcichSamt tritt 1 Direktor und 1 vortragender Rcst.. hinzu für die uciigcbildcte b a ii d e l sp o l i t i ich e Abteilung. Die llstterstütziiiig des Geriuaiiischen Miisciims wird von 62 000 ans 70 060 M. erhöht, die Iliiterstiitziing für das Nöiiiisch-Gcriuauisllie.Mlisenin in Mainz vo» 15 000 auf 30 000 M. Ter Fonds zur Förderung der Biniiciischiffahrt erfährt eine Erhöhung von 55 000 ans 85 000 M., insbesondere zn biologischen Untcri'iichiiiigen über die Ernährung der Fische und ihre Kraniheiten. zn fischerciwirtschastlichcn Örganisatimicii an größere» Fluß- mid Seegcbieten und zur Herstellung Inustlicher Laichstellen in cen niid Flüssen. Die Neii-Eiiirichtung. der P o st d a m p f e r- Verbindung mit O st a s i e n auf Grund des Gesetzes vom 13. April 1898 erheischt ein Mehr von 750000 S)f.. Der Reichs- z n s cki ii ß zur J ii u a l i d e» v c r s i ch e r n ii g verlangt ein Mehr von? 597 5vi> M. und erhöht sich dapiit aus. 29 682 500 M.— Ter Uiilcrsiützuugsioiidö für die F a m i bi e n d« r.z ii Friede n S- ii b u ii g c ii einberufenen M a u n s ch a f t'e n des Beurlaubten- standeS erhöht sich von 1350 000 M. ans 1530000 M. Zur BcgrüNdiing einer stäudigeu'stusstcllung für Arbeiter- Wohlfahrt ist eine erste Rate von 568 000 M.'in Ansatz gebracht. Es ist der Erwerb eines etwa Hektar großen, im östlichen Teil von Charlottenburg in der Nähe der Hoiiptverkehrssiraße und der Technischen Hochschule belegeiicn Grundstücks in Aussicht gcuomineii. Zunächst soll ein Gcbönde von uiäßigciii Nmstuigc für die Ver- waltung und für die vorläufige Ilntqrbriygniig von Ansstellungs- gegenständen errichtet werden. Für das nächste' Etatsjobr ist däiin der Anbau eines Hör- und Arbcitssoalcs,. sowie ciiics RanmeS für die Fachbibliothck geplant. Aus dem Kolouialctat ist Hervörzichebeii': In Ostasrika er» höht sich der R c i ch S zu s ch u ß-U!n.7tz5 400 M. Die eigenen Eiiiiiahnicn werden um 413 200 M. mehr als i>n. Vorjahre geschätzt. Die fortbancriidcu AuSgabeil erfahren.cluc.Ethöhüug von 852954 M. Aus den ciimialigcn Ausgaben ist zu erivnhuöir eiiie zweite und letzte Rate zur Fortführung der Eisenbahn T a n g a« M u h e s a v-i s K o r v n w e und für Vorarbeiten lztir'Fortsetzung der Bahn über Koroawe hinaus bis.Mouirba 2309 000 M. Zur Ergänzung der Vorarbeiten für eine.Eisguhahn. von Dar-es» Sal a a in nach M r o g o r o und für eiuc tclcgraphischc Verbindung Dar-cS-Salaam und Kilossa 120 000"M..' Für Kamerun erhöht sich d er' R e i ch s z u s ch u ß um 214 300 M. auf 1 197 700 M. Tic eigene» Eiiiuahincn werden um 452 000 M. höher geschätzt. Die Schutztruppe soll eine Aerstärkmig um mindestens 100' Mann erfahren. Dir fortdauernden Ausgaben er- höhen sich um 496 320 M. J... Im Etat von Togo erhöht sich, der.Reich szuschiiß um 15 900 M. auf 270 000 M. Die eigenen Einnahmen zeigen eine Vermindern ng von 70 000 M. Der Etat für Südwcstufrika weist eiise Erhöhung des R e i ch s z u s ch u s s c s um 272 300 M.. ans 7 131 300 M. auf. Für den Eiseubahnbelrieb ist ein diirchlanfeiider Posten von 180000 M. an Einnahme und Ausgabe angesetzt. Die eigenen Einahmen des Schutzgebietes werden um 263000 M. höher geschätzt als im Vorjahr. An persönlichen Ausgaben sind 189 752 Äö an sächlichen und vcriiiischtcn Ausgaben 254 350 M. mehr, als»in Vorjahre angesetzt. An cimnaligcn Äusgaben sind ausgeworfen 3 687 000 M.. darunter zu öffentlichen Arbeiten 510 000 2'?. statt.340 000. M. im Vorjahre. Zur Fortführmig der Eisenbahn niiö des Telegraphen vo» Swakopmuiid nach Wiiidhocl werden wie im Borjähre 2 300 000 M. angesetzt.. Das Schutzgebiet von Nc«-Gninea erfordert gegen das Vor- jähr einen um'191 500 Mark höheren Zu s.ch n ß, so daß der. Ziffchnß 848 500 M. beträgt. Für Beschaffung eines Dampfers siud 130000 23?., für Bauten 120 000 M. ausgewarstn.. Der Etat der Karolinen schließt in Ausgabe niit 370 000 M. und in Eiiinahme mit einem RcichSzuschnß von ebenfalls 370 000 M. ab. Für das Schutzgebiet Kiantschon ist ein NcichSznschuß von 9 780 000 M. gegen 8 500 000 M. im Vorjahre vorgesehen. Die eigenen Einnahmen, namentlich an Laiidbcrkälifen, werden aus 213250 M. veranschlagt. Ter Minister weist noch immer nichts. Die ministerielle ..Berkner Korrespondenz''— Nheinboben scheint durch Bcrichtiqnngen zu regieren— bot jetzt viel zn thun. um die geplante En t- m ü ii d i g ung Berlins abzuleugnen. To schreibt sie heute: Wie vörauSzuseheu war. tritt die K ö l n i s ch e L o l l s- zeitnng" gegenüber dem Dementi in Nr. 11t der„Berliner Korrespondenz" uoin LS. p. M. den Ruckzug an. Während sie noch eben behauptet hatte, in sehr vornehmen Kreisen Berlins, die bei unS den grohtoii Einflnst. haben, werde der Plan verfolgt, Berlin in mehrere Kommunen zu zerschlagen, jagt sie jctzt, dieser Plan sei wohl nur eine„vorübergehende Idee" ge- Wesen. Die Leichtfertigkeit eines solchen Verhaltens, durch grund- lose Nachrichten die öffentliche �Meinung zu vergiften und dann, nachdem die Unrichtigkeit jener Nachrichten autoritativ festgestellt ist, sie einfach als eine„vorübergehende Idee" zn bezeichnen, richtet sich selbst und kaim nicht scharf genug von allen verurteilt werden, denen eine Berubigung und Ge- s u u d u ii g unserer politischen Verhältnisse am Herzen liegt. Einmal bei dem Geschäft des VerdächtigenS, stellt aber die „Kölnische VolkSzcitung" die neue Behauptung auf:„Augenblick- lich trete mehr der Gedanke in den Vordergrund, eine ver- schärfte Staatsaufsicht über die Gemeinde Berlin in die Wege zu leiten." Auch diese Nachricht ist— und das bemerken wir ancki gegenüber der sie weiter gebenden„Berliner Börsen- Zcitnng"— freie Erfindung der„Röliiischen Volkszcitung." Wir schlagen dem Amtsblatt vor,, an der Spitze der nächsten Extra-Ausgabe folgender geharnischten Erklärung Raum zu geben: Tic„Kölnische VoikSzeitnug" behauptet, dast seil mehr als einem Jahr in der Reichs Hauptstadt der versasjnngswidrige Zustand besteht, da st sie kein lominunales Oberhaupt besitzt. Wir könne» versichern, dast diese Ausstreuung völlig grundlos, und bedauern es lebhaft, dast durch solche dreisten Behmiptungen. als ob cS in ciiicn, geordneten Zustand denkbar wäre, dast ein Bnrgenneistcr auch nur einen Monat auf feine Bestätigung zu warten brauchte, das Vertrauen zum Staat und zur Regierung erschüttert wird. Eine solche Erklärung- dürfie mehr zur Beruhigung und Ge- sunduiig uiiscrer politischen Verhältnisse beitragen, als jene Gcständ- iiiffc ministerieller Nichlinforniierlheit.— Nochmals Herr Wagner. Aus akademischen Kreisen wird nnS zu unserer Auseinandersetzung mit Herrn Professor Wagner ge- schrieben, dast dieser in seinen Vorlesnnge» bereits vor der Hain- burgrr Kaiscrrede eine Verstärkung der deutschen Flotte über den Rahmen des letzten FlottciigcsctzcS hinaus als noiweiidig bezeichnet habe. Ist dicS der Fall: so wird dadurch bestätigt, dast Professor Wagner nicht erst jctzt, sondern bereits früher die Zusamnicii- koppcliing auSeniaiidcrgchMdrr und eniniidcr widersprechender Ge- danken liiiteriiommcn hat. Was der Ehorakter des Herr» Professors durch diese Feststellung gewinnt, verliert seine wisicnschaftlichc Autorität.— Tie Freiheit der Presse ist zu einem Disferenzpunli zwischen dcni Landgericht Halle und dem Ober-Landesgerickt Naumburg ge- worden, tlnscr Hallcjchcs Parieiblatt hatte über den Bergarbeiter- Kongrest in Halle zu Lsicrii d. I. berichtet und in dem Bericht auch eine Rede des Bergmanns Pietjch mitgeteilt, der über Miststände in einer Grube gcsprcchcii hatte. Ein Steiger siihlte sich dmch die Rede beleidigt und stellte Strnsautrag gegen den verantwortlichen Rcdactcur des Blattes, Genossen Weistmanii. Die Staatsanwaltschaft erhob Anklage, das Landgericht aber lehnte die Eröffiinng des Haupt- Verfahrens niit folgender, siir deutsche Verhältnisse bcnicrlcnswcrtcii Begründung ab: Ter Angeschuldigte hatte' im„VolkSblail" ein Referat über den„Deutschen Bcrgarbeitcr-Koiigrcst in Halle a. S." gebracht, und darin eine aus jenem Kvngrcst gehaltene Rede sowie cincii in dieser verlesenen Brief abgedruckt. Da sencS Referat einzelne Unrichtigleiten enihielt, liest er in der Nr. IM des„AolkSblattcs" vöm 7. Juni 1S!19 eine Berichtignng rrschciiicii niid zwar imedcrntn i» der Form einer rein sachliche» Wiedergabe der Rede rcsp. des Briefes. Wegen einer solchtn, jeder- subjeltiven Färbmig cntbchrendcii Reproduktion einer in einer usscutlicheii Lenauunlung gchaltciicu Rede kömitc nötigenfalls der Redner oder der Schreiber des Briefes, nie aber der Einsender des Pcrichtcs znr Per- ltuilvortung gezogen wer'dcu. Die Anklage gegen diesen ist daher ungerechtfertigt. . Ticscr von den preiistisch-deutschc» Traditionen so ivohlthueud abstechende Beschlust fand jedoch vor dem Obcrlaiidcsgerichi Naum- bmg. das von der StaatSamvMschast als Bcschwcrdc-Jnslaiiz au- scrufcii wurde, leine Aucrkcuiiung. CS ordnete die Erössnuiig des Verfahrens an und die Verhandlung fand Freitag, den l. Tczcnibcr, vdr dem Schöffengericht statt. Auch das Ssöffengcricht scheint sich ans den Standpunkt des Landgerichts gestellt, zu haben. Denn während der Staatsanwalt sechs Wochen Gefängnis beantragte, lautete das Urteil des Gerichts ans Freisprechung. Die Gründe- dafür sind uns noch nicht bekannt. Wir töniicii das Urteil nur billigen, doch ist zn verninten. dast das Oberlandesgericht, dckS tfich schon mehrfach in dieser Beziehung hervorgethaii hat. das freisprechende Erkciintiiis, ivenn es darüber zu cnlscheidcn haben sollte,, nicht.bestehen lassen, vielmehr ans eine Verurteilung drängen' wird.— Einen Poliztibcanitc» darf man unlcr Umständen Lümmel nennen; sogar in Deutschland. Allerdings nur unter Unisimidcn. In Nürnberg, der FrcisiiiiiSdoniäiic. tagte im Anfang dieses Jahres der LandesaiiSichnst der freifimiigen Volkspartci. Ter in amtlicher Eigenschaft aiiwcsciidc Polizeilomiiiissar Gcriicr, also ein Bcainlcr des srcisiuiiigen- Oberbürgermeisters Schuh, geriet hierbei wegen cincs SttihlcS- in Streit mit Herrn Rechtsanwalt Hahn, einer Freisiiinsgröstc. � Im Verlaufe dieses Streites sagte die Freisiiinsgröstc Hahn zn Gerncr, dem Kleinen im nüriibergischen FreisiniiSreiche:„Siimmcl, ich werde dafür sorge», dast Ihnen andre Manieren bcigc- bracht werden!" Gcrner vcrklagic den Hahn. Das Gericht sprach den Verklagten von Strafe und K o st c n ledig. Der Herr Polizei koinmissar Gcrner habe den Vorfall durch sein Verhalten vcr- schuldet. Er sei nicht aufgestanden, als Herr Hahn mit ihm sprach, auch habe er einen ANriif' des Herrn Hahn nicht beachtet, Herr Hahn war deshalb berechtigt zn seinem Auftreten. Nnn.gehet hiij und thut desgleichen! Rudolstadt, 1/ Dezember(Gig. Bcr.) Dem Landtage ist ein GcsittdrordttUngs-Eniwnrf zugegangen, der sich vorteilhaft von den bestehenden ciuichlägigcn Bestininiungcn anderer Länder unter- scheidet. Unter anderen enthält der Entwurf auch nicht mehr., den 40 der bisherigen Gesinde-Ordnung, der eine„leichte Züchtigung", olvic Beleidkgmig des Gesindes als zulässig erachtete, ohne daß des- wegen gerichtliche Gciinglhimiig gesorden werden konnte. Unser Parteigenosse im Landtage wird jedenfalls auch gegen diesen Ent- wtirs stimme», vielmehr beantragen, das„Gesinde" der Gewerbe- o r d n u n g z u u n t e r st e ll e n.— Ehronir der MäjcstätsbclridlgnngS-Prozessc. Ans Naumburg ipird geschrieben: Am Mittwoch wurde vor der Slras'ammer der Privatmann Karl Rone von hier wegen Käiserbeleidiguiig zu bM o u a.t c n Gefängnis verurteilt. Bcan- tragt war 1 Jahr.— Ausland. Qoftreich-Ungarn. Budapest, 2. Tczcuibew, ,(2J. B.) Das Kricgsniinisterinm hat ocn Entwurf cincs M.ilitörstrasvcrsahrcns mit Zngrimdelegnng der Priucipicu des aualcgcn rcjchsdcntschcn Gesetzes fertiggestellt. Da der Eutivnrf betreffend die Rechte der Verteidigung für zn rcakiionär gilt, Ivtll die Blldapeftcr Advokatcnkamn'cr dagegen Protest «rhcbc».—..:. Schweiz. Bern, 30. November.(Eig. Bcr.) Am nächsten Montag, den 4. Dezember, tritt die Bniidesversammlung zur ordentlichen Dezemberscssion zusammen. Der Nationalrat ist nengewählt und zählt etwa ein Dutzend neuer Mitglieder, und auch der Ständerat ist zimi Teil erneuert worden, so in den Kaiitoiien Zürich, Basel. Bern, Graubiindcn zc. Der Bundesrat hat ein Geschästsverzeichnis von nicht weniger als 57 Nunimern zilsanimengcstcllt, wovon die wichtigsten sind: Neuwahl des Bundesrats und Bundes- Präsidenten für 1900, Bcschlverdc» der ausgewiesenen italienischen Socialistcu. Budget für 1900, Bankgcsetz,' Arbeiterfragen sLohn- zahlung, Arbeitszeit an Sonnabenden, internationaler Arbeiterschntz, Lohn- und AiistellungSverhäliniffc der eidgenössischen Arbeiter), Arbeilszeii beim Betriebe der TranSportaiistalien, Besoldiingen der Bundesräte, Jnitiativbegehren betreffend die Proportionalivahl des Naiionalratcs und die Volkswahl des Viindesrates zc. — Bei der Neuwahl deS Bundesrats kommen von den sieben bisherigen Miigliederu nur noch fünf in Betracht, da die Herreil Lachcnal von Genf und Ruffy auS dem Kanton Waadt sich nicht wieder wählen lasten."Elfterer habe, so ist erzählt worden, in seiner Stellung als Bundesrat keine Bc- sriedigung gesunden, da seine idealen Anschaullngen und Bestreblingen bei seinen Minisierkollegeii stets auf Widerstand gestotzen seien. Es ist aber auch möglich. dast Herr Lachcnal' sich van der Bundcsstadi wieder znrücksehnt nach dem Klein- Paris am Genfer See, wo er vordem eine sehr einträgliche Advokatnr betrieb und zweifellos sich derselben wicdemm ziitvcndcn wird. Herr Lachcnal ist vom Genfer Volke bc- reits zum Ständerat gewählt Ivorden. Herr Rusty liest sich ans den gleichen Gründen, wie seiner Zeit Herr Droz, nämlich mn den 12 000- fränkigcn Gehalt eines Bundesrates mit dem 18 000-fränkigen eines internationalen Direktors zu vertauschen, zum iilicinationnlen Post- dircktor wählen. Bezüglich seines Verständnisses für den fcttbesoldetcn Posten kann man sage», was bei der seiiicrzeitigcn Erncnnnitg des Husaren, Herrn v. Podbiclski, die deutsche Presse über diesen jagte: er beschräult sich auf die gelegentliche Aufgabe und Cmpfangiiahme von Postsendungen. Die Freunde des Herrn Rnffy haben sich über diesen Mangel an Sachkenntilis mit dem Tröste hinweg- acholsc», dast dieses Dircktoriliin kein Arbeils-, sondern ein Rcpräsentations-Postc» fei, den Herr Rufst) voll und ganz nnSfülleit lönnc. Da derselbe i» der Zeit von Iveniflen Jahren nn» schon der dritte Bundesrat ist. der den höchste» Ehrenpoftcil der schiveizerischen Republik mit ciiicm iiitcruatioualcu Direktorium vertauschte, so bat der Vorgang in der Presse viel bc- rcchligte bittere Kritik crsahrcu. Wcim Herr Ruffy sein»encs Amt angetreten, so werden drei srühere Bundesräte folgende inter- »ationalc Direktorciipostcii bekleiden: Droz: Frachiwcsc», Frey: Tele- graphen- und Ruffy: Postwesen. Ucbcr die Nachfolger der beiden onSschcidcndcn Bundesräte sind die herrschenden Radikalen noch nicht einig, doch steht soviel fest, dast nur Parteigenossen von ihnen dafür die nötige Eignnng besitzen, Tie Jahresgehälter der BnndeS- räte sollen von 12 000 auf 13 000 Fr. erhöht werden, wodurch auch der Massenflncht in die intcntäiionale Bureaus cinigeniiasten vor- gebeugt werden wurde. Ob und ipelchc von den zum Teil schon ziemlich lange„lagernden" socialpolilischcn Geschäften Erledigung siiiden werden, bleibt abzuwarten.— Frankreich. Komplottprozest. Paris, 2. Dezember. Bei Beginn der heutigen Verhandlung bcrlangt Gnerin Vertagung der Verhandlniigcn, doniit er sich eine» ticuen � Verteidiger an stelle Menords wählen könne. Ter StaatSanivalt bekämpft diesen Antrag, Gnerin begründet denselben näher unter stürmischeil Kund- gcbungcn der Angeklagten. Von den letzteren macht sich namcnt- lich Büffet durch die Heftigkeit seiner Ilnterbrechmigeii bemerkbar. Ter Staatsanwalt sorderl seine AnSschliestnng, ivaS crncnte Unruhe hervorruft. Ter Präsident bcsichlt, die Äuge- klagten f o r t z u s ü h r e n. Als. dieselben unter einigem Wider- stand den Saal verlassen, stosten sie laute Rnfe aus. Taraus wird die Sitzung»nterbrochcit.— Paris, 2. Dezember. Nach Wiederaufnahme der öffentlichen Sitzung verliest der Präsident den in der gchcinicii Sitzung gesasttcn Beschlust,»ach welchem die Anträge GueriuS abgelehnt werde». Gueriu beantragt hierauf. die Sitzung verlassen zu dürfe». Der iPräsidcnt verweigert ihm die Gcnchmiguug hierzu, woraus Gueriu erklärt, er wohne den Acrhaiidlni'.gcn nur geztvimgcil bei. Hierauf wird, das Zeugeuverhör fortgesetzt. Ein frübercr Soldat Michel, der in der Kaserne Reuillh lag, erklärt, er habe gehört, wie Deraulede i» heftiger. Weise zu den Ofstziercu sprach und ihiicu eiucu Vorwurf daraus machte-, dast. sie. sich- ihn, uickit auschlösscn. General Roget versichert, ivcdcr er noch irgend ein Ofsizicr hätten die Döroulöde zugeschriebenen Aenste- riingen gehört. Ter Zeuge Michel bält demgegenüber seine Aussage aufrecht. Advokat Falateuf erhebt Einspruch dagegen, dast über eine vom Schwurgericht bereits abgeurteilte Sache von neuem verhandelt werde..Die Sitzung wird dann aufgehoben.. England. London, 2. Dezember. Ein Mitglied des Ilnterhanses, Lord Emly. der Richter WiLinicrick ist, ivnrdc wegen seiner bocrcn- 'rrnndlichrn Haltung icineS Amtes enthoben.— Dänemark. Tie Zlebeiterwolinungsfrage stand im Folkething zur Beratung. ES lagen zwei Anträge zur Erwcitcriing des bestehenden Gesetzes vor, das Staatsanleihen. bis insgesamt 2 Millionen Krone» zu billiger Verzinsnng zum Bau von'Arbciterwohnnngcn zu erheben gestattet. Das Gesetz war 1877 geschaffen und ist 1898 verlängert worden, damit die Gemeinden Arbcitcrwohmmgen baucn sollten: aber diese haben bisher keinen Gebrauch davon gemacht, sondcni mir einige Bauvereine. Nun hat zuerst Misere Partei und dann die Rndikal-Libcralcn Eriveiterniigsaniräge gestellt; die Liberalen wollen den Betrag auf 4 Millionen erhöhe», damit alle Gesuche ans Anleihen bewilligt werden könneii. Unsere Partei aber will de» Gcmeiildcii die Pflicht auferlegen, Ivo Woh- iiungSnot herrscht. Wohnungen zu bauen, und ihnen noch günstigere Bedingungen für die Anliehen bewilligen. Unser Partei- genösse Knndsen entwarf zur Begründung deS Antrages eine ergreifende Schilderung von der Wohnnngsnot in Kopenhagen: die Liberalen bleiben lieber bei der Privatbauthätigkeit. weil die Gemeinden teurer bauen würden; der M i» i st e r wieder sah in den Banniiternehmuiigen der Gemeinden eine illoyale Konkurrenz 'ür die privaten Bauunternehmer, womit er selbst das beste Argument f ü r die Borlage vorbrachte. Auch die bisherigen zwei Millionen schlägt er vor, zur Verwendung für Vereine znr Verfügung zu stellen. Beide Anträge wurden dem FinanzauSschust über- wiesen.—•_, Vsvkei-Nttchvichken. Geuteindewahlen. Bei den Stichwahlen in C a s s e l wurden zwei' Parteigenossen gewählt, während der dritte dem Gegner nnterlag.. In T i n z bei Gera wurden 2 Socialdemokraten, in D o m a(?) gleichfalls in Reust j. L., 4 Socialdemokraten in den Gemeinderat gewählt.'■ In Almoshof bei Nürnberg, einem wohlhabenden Bauern- dorf, siegte bei der Gcmeindcraiswahl die socialdcmokratische Liste glatt. Der Bürgerme ister. dessen Steslvcrtretcr, sämtliche Gemeinde- räte und deren Stellvertreter lvllrocn ans den Reihe» uiiscrer Genossen gewählt. Es war das erste Mal, dast unsere Genossen in die Gemeindcratswahl cintreteit. In Rr. 271 des„Vorwärts" befindet sich eine Notiz, welche sich mit der Entlassung cincs Lagerhalters des Konsumvereins„Vor- wärtö" in Dresden beschäftigt und in welcher der Verwaltung der Vorwurf gemacht wird, dast sie ein Schiedßgerscht, das von dem entlassenen Lagerhalter angerusen wurdv, nicht airerkannte und nicht beschickte. Demgegenüber erklqri die Verwaltung, daß sie das in Frage kommende Schiedsgericht bereits bei' dessen Wahl, welche im März 1898 i». einer nicht nur von Koiislinivcreins'- Mitgliedern besnchteu öffentlichen Versammlung zu Dresden erfolgte, sowohl wegen seiner Zusammensetzung als auch wegen der Art lind Weise, wie e-Z gewählt ivurde, nicht anerkennen konnle, weshalb sie bereits damals erklärte. dast sie es, wenn eS einmql in Thäiigkeit treten würde, nicht beschicken könne. Denselben Staiidp linkt nahm die bald darauf, ini Mai 1898, abgehaltene Gen er a I v e r s a m m- lung des Koiisunivereiiis„Vorwärts" ein, gegen deren Bcschlust von keinem Lagerhalter Einspruch erhoben wurde. Das bestehende Schiedsgericht ist nur aus GeschäsiSführern und Lagerhaltern zusammengesetzt, während es nach der Anschaumig der Verwaltung des KousunivercinS„Vorwärts" auch Vertreter des Aussichisrats und des gesamlcu ArbeilspersSiials, nicht nur der An- gestellten,' enthalten müstte. Selbstverständlich würde ein derartig zusanimcngesctztcs Schiedsgericht von der-Verwaltung des Konsum- Vereins„Vorwärts" anerkannt iverden und wird dieselbe NU» erst recht bemüh! sein, dast ein solch richtig ziisainmerigesetztes Schiedsgericht geschaffen wird. Wcim, ivie es in der Notiz deS„Vorwärts heistt, die Entlassung des Lagerhalters„einstimmige scharfe Mistbilligung durch das Schiedsgericht" fand, so erlläri sich diese Halinng des Schiedsgerichts daraus,' dast ihm nicht alle Gründe,- die zur Entlassung führten, bekannt waren. Der Grund der Entlassung war nicht im r der eine, vom Schiedsgericht in Betracht gezogene Fall, sondern auch, wie auch den Lagerhalter-Vertrctern bekannt war, die fortgesetzte, seit Jahren wiederholt gerügte Nichtbeachtung der kontraktlichen Bestimmungen seitens des eiitlassenen Lagerhalicrs. welche zu geschäftlichen Unzu- träglichkciicn geführt hatte. Die Entlassung wurde von der gesamte», ans 21 Personen bestehenden Verwaltung(Vorstand und AussichtSrat) des Konstiiiivcreins„Vorwärts" beschlossen und von der General- versa m in lung, die am t7. November 1899 stattfand, fast ein- stimmig gebilligt, obwohl in derselben der entlassene Lagerhalter wiederholt das Wort zu seiner Verteidigung Aenommeii hatte. Die Presse wird ersucht, von dieser Richtigstellung Notiz zu iichmen. Die G e s a m t v e r tu a l t u u g des Konsimivereins„Vorwärts" siir Dresden und Umgegend. E. G. m. b. H. Von der Partciprefse. In der Redaktion des„Social- deniokrat", des Cciitralorgaus der niederländischen Socialdemokratie, ist ein Wechsel eingetreten. Genosse V l i e g e n. der ivcgcn schwelen Nervciilcidens zn' einem vollstäudigeu Wechsel der Umgebung ge- ziviiiigcn ist, geht nach Paris. An seiner Stelle ist Genosse Troclstra iii die Rcdaltion eingetreten. Ter Kongrest der lombardischci» Socialdemokratie, der ain vergangenen Sonntag in Mailand tagte. war von 151 Delegierten. welche 136 Gruppen vertreten, beschickt, lieber die Verhandlungen wird uns berichtet: Da ein allgemeiner iLandcSkoiigretz nicht stattfindet, wurde hier das Exekutiv- Komitee, bestehend aufi siinf Deputierten, gewählt. Bezüglich� der Gewerkschaftsbewegung wurden die Partcigenoffcu dazu' verpflichtet, siir dieselbe Ihätig zu sein, sich den Syndikaten, den ArbcitSbörsen an- ziischlietze». Eine hervorragende Debatte ciitspanii sich über die Frage der bei den nächsten Wahle» zu befolgenden Taktik.' Dast �die Reaktion unter allxn Uipständen bekämpft werden ninst, darüber war man sich eiiiijp Wahrend aber von der eincii Seite geltend gemacht wurde, daß die Socialdemokraten event. schon im ersten Wali'lgangc für den liberalen Kandidaten zn stimmen haben, wenn damit' der Sieg des Negüruiigskandidaten vereitelt werden kann, war ein Teil dafür, diese Taktik mir erst bei den Stichwahlen zu befolgen. Die letztere Anschauung, die übrigens im ersten Wahlgange eine Uiiterstiitznng der Radikalen, nicht aber der Liberalen zulassen will, siegte schliestlich mit 66 gegen 54 Stimmen.— Bei den Wahlen zu den Berwaltuiigskörperschafteu sollen die Demokraien unterstützt werden, da die Socialsstc», so lange sie die Majorität nicht haben, die Mitverantwortung ablehnen müsttcn.— Zur Presse wurde beschlossen, zu erwägen, ob die Möglichkeit einer Mailänder Ausgabe des„Avanti", des Ccntrqlorgans der itälicnischen Social- demiikratie. vorhanden sesi Die Verhandliiiigen wurden in sachlicher Weise geführt und zewsten von gntcni Geist,, so dast. wir hoffnungsvoll den zukünftigen Kämpfen entgegensehen. -....-.■ i... Aus dev uoubewrgu ng. Christlich-focialer Arbeiterinncnfang. Die kirchlich-sociale Konferenz hatte für Freitagabend„alle Näherinnen, die zu Hause für ein Gcfchäst arbeiten", zu einer Ver- sammluug nach dein Saale des HgudwerkeMreiiis cingeladcu, ufft sie mit den christlich-socialcii Arbciteriiiilcii-Bcglückiiiigspläucn des Herrn Stöcker und seiner Tanieii bekannt zu machen. Leider ging die Sache nicht so christlich, friedlich, salbungsvoll' ab, wie dir fromnicn Herrschaften geglaubt hatten. Gefangeu hat Herr Stöcker keine Arbeiterin.'"........• Der Saal war vollständig geftilli, jedoch nur zur kleineren Hälfte von Näherimie». Die gröstcre Hälfte der VersainmIungS- bcsiichcriiineu setzte sich auS Damen Stöckcrschcr Rtchtiing zusammen. Männer, soweit' sie sich nicht als Pcrtrcter her Presse legitimieren konnten,'.wurden' fast ausuahiiisloS zuiückgewieskii. Den Vortrag hielt ein Fräulein K nutzen ans Kassel. I» salbungsvoller Rede pries sie das Kraukenkasscu- und daS JiivaliditätSgesctz als eine große Wohlihat für die Arbeiter, iliid empfahl eine Resoliition, welche dcii Reichs tag bittet, er möge die Kraukeiiverstchmiug auf die Hausiiidustrie auSdchucn und' beki» Bundesrat beantragen, dast derselbe durch Erlast daS Alters- und Jnvaliditätsgesetz auf die Hausiiidustrie übertrage— Der Reichstag sei jetzt gerade so social gestimmt, meinte die Rednerin, er werde diese Bitte ivohl a»nchmen. Im übrigen that die fromme Dame so. als, ob die Ansdehiiiing der. Kraiikeiiversichernng auf die Heimarbeiter den gröstteii Widerstand scütenS der NähertNnen findx, und diese erst für die Wohllhateu, die ihnen der socialgestiinuite Reichstag und die wohlwollende Regierung zugedacht hätten, geneigt gemacht werden müßten. Ms erste Diskussionsrednerin erhielt Ottilie Baader däs Wort. Sic hielt den christlichen Damen vor. dast deren arbeiter- freiiiidliche Gcsiiiniing mit gutem Grund von den Arbeiieriinien angezweifelt werde, denn bei dem grotzen Konsektions- arbciicr- Streik sei die Sympathie dieser Damen für däs Elend der Arbeiterinnen wohl vorübergehend wach geworden, daim habe- man aber von diesen Damen nichts mehr. gehört. Von den Damen, die der Not des Lebens fem stehen, könnten die Arbeiterinnen mich keine durchgreifende Hilfe erwarten,(Beifall) dagegen sei die Socialdemokratie stets für wirkliche Verbesserungen der Lage der Arbeiieriinien eiiigeireten, insbesondere auch siir die Ausdehnung und Erweiterung der socialen Gesetze. Auch die Ausdehnung der Krankenverficheruiig auf die Heimarbeiter sei citie von unserer Partei längst vertretene Forderung, deren Erfüllung wir jedoch nicht erwarten durch die christliche Liebe wohlthätigcr Leute, sonder» die wir aus Gründen der.Gerechtigkeit verlangen. Darum stehe eö den Arbeiterinnen; mich nicht an, den Reichstag unterthänigst zn biiien. sie hätten die Ausdehmnig der Äranken» versicherimg vielmehr als ihr Recht zu fordern. Die Aiissührungen Frl. Baaders, fanden.bei den anwesenden Arbcitcriniien lebhaften Beifall, den christlichen Kamen waren sie begreiflicherweise sehr unangenehm, und deshalb versuchten sie—' allerdings vergebens— die Rednerin durch Schliistmfe ziim Schweigen zu bringen. Noch größer wurde die nervöse Erregung der ftominen Damen, als Fran Fahren wald hierauf den Stand- Punkt der socialdcmokratischen Arbeiterinnen vertrat und eine scharfe aber sachgemäste Kritik an dem Verhalten der sich arbeiterfrcundlich gebärdenden Damen übte.,., Nunmehr trat Stöa er selber auf den Plan, um seinen Nu- Zhängcrinnen beiziispringe». die. wie er sagte. aus christlicher Liebe den armen Arbeiterinnen Helsen wollen aber durch das un- praltii'che Verhalten der socialdemokratischen Frauen daran gehindert würden. Nach Stöcker sprach eine chrisilich-jociale Lehrerin, eine wohlmeinenoc Dame, die dafür eintrat, daß in der Fr'age der Krankenbersicherung alle Arbeiterinnen, ohne Rücksicht auf die poli tische Richtung, juiammcnstchen müßten. Frau G ö y e verwies unlkc Anführung von Thatiachen darauf, daß in den Ge schäsle». Ivo die feinen Tarnen einkaufen, in der Regel sehr schlechte Löhne gezahlt werden. Hier könnten die christlichen Damen mil ihrem guten Herzen den Arbeiterinnen Helsen wenn sie sich bei ihren Einkäufen nach den Lohnen erkundigen und ihren Einfluß für Verbesserung derselben gellend machen möchten. Gräfin B e r n st o r f erwiderte daraus, dagegen ließe sich nichts machen Die Arbeiterinnen arbeite» nun mal so billig, wenn es die eine nicht wolle, dann thue es die andere. Unter lebhaftem Beisall der Arbeiterinnen und sich lichein Unbehagen der Slöckcrschen Damen vertrat L> l y Braun den Standpunkt der klassenbewußten Arbeiterinnen. Sic erinnerte daran, daß die von Stockei als wohlwollend bezeichnete Regierung soeben erst ein Zuchthausgcsey gegen die Arbeiterschaft ge plant habe. Man müsse sich wirklich wundern, daß hier von einer socialen Stimmung des Reichstags gesprochen werde, wo derselbe eben erst alle socialdemöhatischeii Anträge aus Vcrbefserung der Socialzesey gcbung abgelehnt hat. Die Arbeiterinnen würden natürlich jede de: artige Verbcsscruug mit Freuden begrüßen. Wenn die Damen wirklich so orbeiterfreundlich wären, wie sie vorgeben, dann sollten sie aus die Männer ihrer Kreise einwirken, damit diese im Reichstag für wirtlichen Arbeitcrschutz eintreten. Das sei aber nicht zu erivarlen. denn iver aufrichtig für die Interessen der Arbeiter ein tritt, dessen Weg führe zur Socialdemokratie. Hieraus beleuchtete Schneider Witte die Lage der Arbeiterinnen in der Konfektionsindustrie, dann vertrat Generalsekretär Böhm den christlich-jocialei» Standpunkt und S t ö ck e r wandte sich gegen Frau Braun. Nach dem Wunsch der christlichen Damen sollte hiermit wohl die Versammlung ihr Ende erreichen. Die socialdemokratischen Rediierinnen. die aus die Anzapfungen Stöckers antworten wollten, wurde» von den christlichen Damen durch wüsten Lärm niedergeschrien und konnten sich nur noch zum Teil mit Mühe verständlich machen. Die Er- vegung wuchs auf beiden Seiten. In dein allgemeinen Wirrwarr kam dann die Resolution zur Abstimmung, die Vorsitzende konstatierte die Annahme derselben, von den Gegnerinnen wurde die Annahme bezlveifelt. Unter großcin Lärm der christlichen Damen konnte Lilr> Braun noch einige persönliche Bemerkungen gegen Stöcker machen, dann entstand wieder ein allgemeines Durcheinander von Hin- und Herrcden, und als die Gegnerinnen der Resoliitio» der Aufforderung StöckerS gemäß den Saal verlassen hatten, sagte Stöcker zu sein?» Anhängcrinncn: Liebe Freunde I Wir ivollten den Arbeilerimien helfen, Sie sehen aber, die socialdemokratischen Frauen wollen davon nichts wisse». Lassen Sie»»S daher künftig unter uns bleiben. Ich habe heut gesehen, daß Schiller recht hat,' wenn er sagt c„Da werden Weiber zu Htjänen." W i r wollen mil solchenHyäuen nichts zu thun haben.--— GemevlrMznftlilhes. Berlin und llmgrgciid. Sichtung! Gctverkschastcn Berlins! De» Gewerkschaften bezw. deren Delegierten, welche in der Berliner GewerlschaftSkommission vertreten, wurde ein Fragebogen nebst Cirkular zugesandt. Da der ausgefüllte Fragebogen' zur Fertigstellung des Rechenschaftsberichts pro lSSS venveiidet'werden fall, bitten wir die mit der Abfassung der Antwort betrauten Per- sonen dringend, die Fragen, die auf die Lohnbcwcgnng Bezug nehmen, sowohl wie Frage 11, welche auf die Zahl der orga'nistertcii Mitglieder Bezug niniml, genau zu beantworten, da die Äncsüllimg der Frage 11 für die Einschätzung der BeitragSleisinng an die Kommission maßgebend ist. Tie ausgefüllten Fragebogen sind bis spätestens IS. Dezember an das Getverkschaflsburcau. Anncnsrv 10l eiiizllseiiden. »» O Die Formstecher Deutschlands sind schon in der achten Koche durch die Fabrikanten ausgesperrt. Es sind 234 Personen, davon 110 verheiratet, die zu unterstützen sind. Die Berliner Ge- werkschaftSkonunission hat den Fqrmstechcrn die Unterstützung zugesagt, bis dato haben aber die Gewerkschaften Berlins wenig oder gar nichts gcthan. Wir ersuchen daher das Versäumte nachzuholen. Niemand wird wünschen, daß die Fabrikanten die Formstcchcr zwingen können, nur ihrem, dem Wille» der Fabrikanten genehm zu sein, cS ist so ziemlich wie bei der Ausspernmg der Arbeiter Dänemarks. Können die Formstccher ausharren, so werden auch sie zum Siege gelangen. Alle Gelder sind ai, das GcwcrlschaftSbnreau, Annen- Maße l6, II, zu senden. Der Ausschuß. der Berliner GewerlschaftSkommission. entsprachen auch seine Aussagen. Trotz alledem beantragte der Staatsanwalt wegen Vergehens gegen Z 153 der Gewerbe-Ordnung Bestrafung der AngeNazlen. Das Urteil lautete wiederum auf kosten lose Freisprechunz, flu 9 laufe. Internationaler Kongrest. Die Föderation der Angestellten im Handel. Transport. Industrie ic. von Frankreich hat be'chlosien im Jahre lSOO einen Internationalen Kongreß nach Paris ein zuberuscn. Der Cemralra« erläßt an die französischen Syndikate eine Aufforderung, sich an dem Kongreß zu beteiligen; ebensowohl sind ausländische Delegierte dazu eingeladen. Syndikate. Gewerkschaften. welche die Absicht haben ftch an'dem Kongreß zu beteiligen können nähere Jnsormationen erhallen durch den Sekretär: A r l h u R e z> e r Böurie du travail, Paris. Rue du Chateau dftau 2. Die Arbeiterprssje wird um Abdruck gebeten. Aus der Tchtveiz. Die italienischen A r b e l t e r am S i m p I o n haben nun eine neue Organisation gegründet, der bc rcits über 800 Mitglieder angehören sollen.— Die'Sp enzler in P r u n l r u I stehen mit de» Meistern in Lohndisterenzen.— Die F r i s e u r g e b> f e n der ganzen Schweiz beabsicbtigen. nach Neujahr in eine Bewegung sür Lob'nerhöbunq und Abschaffung von Kost und Logis beim Meister einzutrclcn.— Die Tapezierer in Zürich bereiten sür das nächste Frühjahr eine Lohnbeivegiing vor für Ein führung des Ncunftundentages und eines minimalen Stundenlohns von 60 Els.— Die Gewerlichaste» der Stickerei« und Tertilarbeiter in S!. Gallen haben an alle Unternehmer der bezüglichen Branche» gerne. anie Eingaben gerichtet, um Einführung des Zehn siundentages an den fünf ersten Wochentagen und des Neunstunden tagcs an Sonnabenden fowie an den Vorabenden von Festtage». um Einführung der l'/?stü»digen MittagSpauie. Bezahlung der Ucberstunden mit 50 Proz Zu'chlag und Verlegung des Zahltage au! de» Freitag. Arbeitslosigkeit in Bern. Beim Arbeiter-Sekrctär liest haben sieb bereits über 100 Arbcilsloie gemeldet Unternehmer hat alle cinheiniischen Handlanger bis aui lassen, die italienischen dazegen behalten. Dr. Waisi Ein Bau- einen ent- Die Berliner Arbeitgrbervercine beabsichtigen, zu einem Bund der Arbcilgcbcrvcrbäiide in Berlin zusammenzutreten. Natur- lich soll sich die Organisation gegen die Arbeiter richten und nach dem Muster des Hamburger Arbeitgebcr-BerbandeS aufgebaut werden. Der Arbeitgeberbund für das Maurer- und Zininicrergeiverbe hat bereits mit mehreren Organisationen Fühlung genommen und zu- sagende Antworten erholten. Bekanntlich hat sich auch der Ober- mcister der Tischlcriiimuig, Herr Marschall, zustimmend zu dein Vor- schlag geäußert. Rixfeorf. Die Kutscher, Hausdiener und BcrusSgenosten werden darauf aufmerksam gemacht, daß heute, Somitagnachmitlog, 5 llhr, bei M icier, Steimnctzstr. 55, eine Versammlung stattfindet, in der über die Bedeutung der Gewerbegerichtsivahlcn verhandelt werden soll. TcutscheS Reich. Textilarbeiter. Der Streik der Posamentenarbeiter und «Arbeileriinien in Nürnberg dauert fort, die Situation sür die Aus- ständigen ist günstig, weil besonders die Arbeiierinnen fest zusammen- halten und auch der Geschäftsgang ein.ausnahmstveise guter ist. Tie Ausständigen sind Mitglieder des Deutschen Textilarbeiter- Verbandes. Am Alisslaild beteiligt sind 75 Personen. Alle Zu- sondungen sind an die Hanptinsse Georg Treue. Berlin 0.. Äron- priiizeiiftraße 7, zu richten. Der Eentralvorstand. Fast unglaublich klingt eS und doch ist eS wahr, daß dieser Tage in Sachsen Arueiter, die wegen Verletzung des§ 153 an- geklagt waren, freigesprochen wurden. Beide Fälle ercigiieteit sich vor dem Zwickau er Gericht. In dem einen Falle war dem Maurer Sch. zur Last gelegt worden, während des Maurerstrciks «inen böhmischen Maurer M.' mit den Worten angesprochen zu haben: „Du Lump arbeitest auch weiter rmd verdirbst nns den Streik, Dir hauen wir die Fr.... voll!" Der Angellagte bestreitet, dieAeuße- rinig gethcm zu baben. Der Maurer M. beschwor, daß er von Sch.„Lump"' geschimpft worden sei. DaS Gericht konnte kein Vergehen gegen den§ 153 erblicken und Strafantrag wegen Be- leiZigting war nicht gestellt. Der Angeklagte wurde kostenlos frei- gc>prvche». I» der zweiten Verhandlung wurden die Maurer M. und V. beschuldigt, einen Arbeitswilligen Lump geschimpft zu haben. Die Angeklagten geben zu, mit dem Arbeitswillige» D. gesprochen zu haben und ihm. weil er Gelder voin Streikkomitee angenommen und doch weiter gearbeitet hat, Vorhalt darüber gemacht zu haben. D. soll darauf gesagt haben:„Jetzt geh ich zur Polizei. Euch Lumpen will ich'S schon weißmachen laisen." D. ist als Zeuge geladen; er macht den Eindruck eines echten Schnapsbruders. Diesem Eindrucke Ei» deutscher Arbeitcricind in Schweden. Ans M a I in ö in Schweden wird nns geschrieben! In der ladt Makmö in Schweden besteht eine große Wollivarcn-Fabrik mit einer Filiale in Furuluiid. Die beide» Fabriken beschäftigte» zusammen etwa 1200 Arbeiter, davon die meisten Frauen und Mädchen Der Fabrikdirekior ist ein Deutscher. Namens August Schmitz, gebürtig anS Aachen. Die'er Mann ist als armer Webcrgciclle nach Schweden gekommen, und tzl ist er Millionär. Er hat sich berüchtigt gemacht wegen sc...er Brutalität und Rücksichtslosigkeit gegen die Arbeiter, und cs gicbt in ganz Süd- schwedc» keinen, der so vcrbaßt ist wie er. Im Mai vergangenen Jahres wollte» die Arbeiter"üirulund einen Fachvcrcin bilden. Dieser ivurde aber von Schu.itz verboten. und mehrere Arbeiter wurden deswegen entlasse». Daun haben aber ihre Kollegen die Arbeit niedergelegt. Schmitz hat dann e»c Menge Streikbrecher ziisammengerafft und die Streikenden durch die Polizei verio'gcn lassen. Zu derselben Zeit hat er ongesangen, einen Palast in Makmö auszuführen, der etwa eine halbe Million Mark koste» soll. Aber wegen seiner Brntalilät verhängten die Baugewerbe in Malmö die Sperre über den Bn«. Nackt drei Monaten hat Schmitz versprochen. alles wieder gut zu machen. Man hat ihm geglaubt, und die Sperre wurde ivieder aufgehoben. Aber der Protz hat ganz eiusach sein Wort gebrocho. Darauf verhängten die Gewerk'chaften in Malmö wieder die Sperre über 'einen Bau und während zwei oder drei Monaten in diesem Sommer stand alles ganz still. Schmitz wollte nicht die sireikenden Arbeiter ivieder annehmen oder das Vcrcinsrecht schriftlich garantieren. Schließ- lich ist es ihm doch gelimge». etliche Arbeiter, verfallene Subjekte zu engagieren, und mit dicscn arbeitet er jetzt. Doch kann er keine Bautischler, Maler, Gipsarbeiter usw. bekommen, und diese sucht er jetzt unier falsche» und lügenhaften Borspiegeltingen an« Teutschland z» beziehen. Etliche denlsche Arbeiter sind jchon ans diese Art und Weise nach Malmö gelockt. Wir er su che n deshalb alle Bauarbeiter in Deutschland, nicpt nach Malmö zu reise» und Arbeit bei Schmitz oder seinen vorgeschobenen Stroh- m ä ii ii e r n z» s n ch e n oder nehmen, denn der Kampf gilt das Vereinsrecht. Die G e Iv e r k s ch a f k s k o m m i s s i o n. Die gesamte Albeilerpreiie Teutschlands wird um Ausnahme gebeten. aufgestapelten Vorräte. Jetzt sind dort zehn Otnzicre und etwa 500 Mann damit beschäftigt, die Lebensmittel sür Menschen und Tiere monatlich nach Südafrika abzuschicken. Das Proviantamt handelt in seinen Anardnungen nach dem Grundiay. daß auf dem Kriegs- schauplay Vorräte für l'.bOOO Truppen und de» Troß sowie Futter für öl 000 Pier!? und Mauleiel o u j vier Monate oochanden sein müssen. Da§ ist gegenwärtig nicht de: Fall, denn die in Südafrika aufgestapelten Vorräte würden nur aus drei Monate ausreichend sein. ES wird daher Tag und Nacht gearbeitet um die Vorräte aus die nötige Höhe zu bringen. Aus de: Liste der sür rier Monate berechneten Lebensmittel stehen zivöli Millionen Pfund Fleisch in Zinnbiichsen obenan. Biskuil in ähnlicher Menge folgt. Kance ist mit 400 000 Pfd., Zhee mit 200 000 Pfd.. Zucker' mit 2 200 000 Pfd.. gepreßte Ge« müse mit 800 000 Ptd. und Salz mit 400 000 Pfd. ver- zeichnet. Kondensierte Milch tn 360 000 Ziimbüchjen ist nötig für vier Monate. Eingemachtes Obst das sich in den Feldzüge» im Sudan und gegen die Aichanii ausgezeichnet als Nahrtiiigmittel bc» währ! hat. stellt nahezu Millionen Pftiiid. Unter den Flüssigleitcn stehen 80000Gallonen Rum obenan. dann folgen 12 000 Flaschen Whisley 32 000 Flaschen Portwein und 400 000 Pfund Cilronensasl. sowie 80 Tonnen Alaunerde zur Reinigung des TrinklvesserS Tabal für vier Monaie wiegt 40 000 Pfund, aber die Soldaten müssen 1 Sh sür das Pfund bezahlen. Bemerkenswert stnb die Rattonen die für den Notfall jeder oldai mit sich führt. Kleine Zinnbüchsen, die äußerst tvenig Platz einnehmen enthalte» vier Unzen Pemmica». das heißt getrocknetes und- zu Pulver geriebenes Fleisch, das zu einem Klumpen zusainmengepreßt ist; außerdem vier Unzen Kakao- teig Beides kann tn heißem Wasser ausgelöst oder in trockenem Zustande genossen werden und reicht 36 Stmiden aus. eder Feldzug verlangt den klimatischen Umstände»«»tiprechende besondere Verpflegung Die RoNonen der in Südafrika dienenden Soldaten Iveicheii daher von den in England üblichen gänzlich ab Als Ersatz für frisches Fleisch erhält jeder Soldat Fleisch in Zinnbttchscn, vier Unzen Speck nebst zwei Unzen Käse. Statt Brot erhält er ein Pinnd Bisguit, statt Thee oder Kaffee eine Unze Chokolade: Kaffee und Thee werden nur in kleineren Menge» verabreicht; dagegen erhält er drei Unze» Zucker. eine halbe Unze Salz mid etwas Pfeffer. An drei Wochen- tage» wird ihm eine kleine Menge Rum und vier Unzen Ein- gcinochlcs verabreicht. Die mit Fleijcki vermischte Erbsensuppe wiegt zusammen fünf Unzen. Stall einer Unze Gemüse erhält er zwei sind die Vorräte Heu. die hinausgeschickt Tonnen Heu. 3l 000 Tonnen Haser Ntld füt vier Monate nviig Unzen Reis. Ungeheuer werden müsse». 25 000 3000 Tonnen Kleie sind Tchke Nachvichken und Depeschen. Strasibiirg i. Els., den 2. Dezember. lPrivatdepesche des Vorwärts"). In dem heute hier anstehenden Beleidignngsprozeß gegen unseren Parteigenossen Bohle und den Redaeteur Schulz von der„Freien Presse" wurden beide Angeklagten wegen Beleidigung des Ministeriums, des lothringischen Bczirkspräsidcnten und des Straßbnrger Polizeipräsidenten der erster? zu 150 M, der letztere zu 250 M. Geldstrafe verurteilt. Ungarische Delegation. Wien, 2. Dezember.(SS. T. B.) Ausschuß für auswärtige Sliigelegenheite». Nach dem Exposö des Ministers Grafen Golu- cboivSki' beantragt der Refereul Falk, dem Gräfe» Goluchowski ür die von ihm befolgte Politik die vollste Aiierkeilnung und das Vertrauen auszusprechen. Auf mehrere Anfragen machte Goluchowski darauf ansmcrksam, daß der Terinin der Pcrfeklionicnnig der Beschlüsse der Haager Konferenz der 3l. Dezember sei'; bleibe daher noch immer Zeit gcnng, für diejenigen Mächte, welche der Konvention nickst beigetreten find, dicteu Anschluß nachiräglich z» deklarieren. Für das Schiedsgericht sei allerdings ein bestimmter Termin sesigeietzi. aber er zweifle nicht, daß. wenn auch selbst nach Ablauf dieses Terniins der Wunsch nach Anschluß von irgend einer Seile laut werden sollte, dieser die gebührende Berncksichtigimg sinden werde. Nachdem noch mehrere lliedner ge- 'prochen hatten, nahm der Ausschuß einstimmig den Antrag de» Refereistc» an. Sociales. Eine„bessere saiiitäre Ordiitttig" in den Schwcfelbölzer- Fabriken t cnbsia ijgt»ach Melduligen rnisischer Blätter die riiisischc Regierung cmzusiihrcu. Sic ibll hierzu veranlaßt worden sein durch die Berichte des be- kaiintc» russischen Hygienilcrs Professor Erisma»», der festgestellt hat, daß jäbrlich 11 bis 12 pCt. der Arbeiter dieser Fabriken an der schrecklichen Phospbornekross erkranken. Wenn die osfiziellen An- gaben geringere Eilrankiingszahlen aufweisen, so konnnl da! nach EriSinauii daher, daß die Fabrikantcu diese Kraistheiis'älle nach Möglichkeit zu llerheiniliche» suchen. Will man die Pkospbornckioi'c ganz bcieitigen, dann muß man die Herslclllmg der allen Schwefel- Hölzer gänzlich verbielen. Ter Krieg. Bei Eolenso Italienische Dcpntierkenrammer. Rom, 2. Dezember.(W.?. B.) In Beantlvortnng der AnS» kassuilgen verschiedener Redner erklärte der Müiisterpräsident Pelloux, daß wen» cS der Regierung erst gelungen sein iverde, sämtliche Gcineitidevertvaltiiiige» von allen unlauteren Elemente» zu säubern, die Uebelstände. welche der Eamorra und Mafia zugeschrieben werden, znin großen Teil verschwinde» werden. lBcifall.) Pelloux sagt weiterb daß er das Beamtenpersonal des Süden» säubern werde. De», Socinlisten Bissolati. ivelcher iagt, das Heer sei noch treu, ant» wortet Pelloux. er freue sich über dieses Geständnis nnd füge hinzu. das Heer werde auch in Zukunft und immer treu bleibe».(Leb- hafter Beifall.) Die Kammer nimmt dann durch Ausstehen und Sitzenbleiben folgende Tagesordnung an: Die Kammer geht nach Enlgcgeniiahnic der Erklärungen des Ministerpräsidenten zur Debatte der einzelnen Kapitel des Budgets über. Hamburg, 2. Dezember.(W. T. B.) Dem„Hamburgischen Korreipoiideiitcn" zufolge haben die revolutionäre» Unruhe» in Bcnczuela, die zu Plünderungen und Schädigungen deutschen Eigcniuuis daselbst geführt habe», die Hambnraer Handelskammer veranlaßt, sich an den Senat nnd an das kaiserliche Auswärtige Amt zu wenden und letzteres zu ersuchen, das Geeignete zum verstärkte» Sckuitze der Denlscheu und ihres Eigentums in Venezuela zu veranlassen. Eine Eingabe deutscher am Handel mit Venezuela beteiligter Firmen, in tvelchcr die in Betracht kommenden Verhält- niste näher dargelegt find, wird im Verfolg der telegraphischen Mit- teilüng der Handelskammer an das Auswärtige Amt diesem UN- vcrzüglich zugestellt tverden. scheint cS zu einer Schlacht kommen z» sollen. Tie„Times* ver- ösfcntlickst folgendes Telegramm aus dem Lager von Frere vom 28. v. Mts.: Eine berittene Abteilung unter Lord Dundonald mit vier Geschütze» verfolgte heute früh die letzten nach Eolenso Ztmickgeheiideir Boerenabteilungen. sie beschoß dieselben niit Ärtillcric nnd rückte bis 2>.z Meilen von Eolenso vor. Nach cincnr kurzen Gesckiützkompf kehrte Dlindonald nach Frere zurück; seine Abteilung hatte keine Verluste. Im Westen. London, 2. Dezember. Nack, amtlicher Bekanntgabe sind in der' Schlacht beim M o d d e r- R i v e r im ganzen 73 Engländer gefallen und 363 verwundet ivorden. Dem KriegSamt ging von dem Kommandierenden in K a p st a d t folgende Depesche von gestern zu: General G a t a c r e berichtet, daß die Lage»ilveränderst ist. Gcneral Kreuch ist heute von einem AnfklärutiftSmarsch, den er von Naauwport nach RoSmcad miternoinmen hatte, zurückgekehrt. General Lord Mcthne» ist am Modfecr-Rivcr, um die Brücke über den Fluß wieder- h e r z u st e l l e n; er wird durch Hochländer und eine Kavallerie- Abteilung verstärkt, während die reitende Artillerie, das Kanadische Regiment und daS anstralische Kontingent sowie drei Infanterie- mn'bei icinen Boraeietzten deiinnstert hatte. Bataillone auf der Linie von De Aar„ach Brlmont Porgcrürkt",R De' ,C,nc" i0t3eiC«,en yone. stufe. Die Verproviantierung des britischen Heere» in Südafrika, so schreibt ein Londoner Berichterstatter der„Voss. Ztg." ist keine Kleiiiigkeit. wenn man bedenkt, daß alle NahrungS- mittel für die Soldaten und alles Fntter für die Pferde und Maul- esel von England nach dem Kriegsschauplatz gesandt werden müssen, da die natürlichen Hilfsmittel Südafrikas vollständig unzu- reichend sind zur Ernährung der dort kämpfenden britischen Truppen. In gewöhnlichen Zeiten genügen zwei Offiziere und etliche fünfzig Mann zur Bewältigung der in der Proviaistabteilung in Woolwich Schwelm, 2. Dezember.(59. H.) Zu dein gestern gemeldeten Znsammenstoß eines EisenbahnzugeS mit einem Güterzuge ist noch nachzutragen, daß der Zusanintensloß infolge falscher Weichen- stclliing erfolgte. Einige Bahnbedienstete sollen verletzt sein, darunter der Lokomotivführer schiver.„ Wien, 2. Dezember.(B. H.) DaS Exposö Goluchowski» dürfte, gleichwie die Thronrede, allseitig großes Aufsehen errege»; dasselbe ist eine Friedensknndgebnng ersten Ranges. Mit besonderer Wärme wird dcS Dreibundes erwähnt, der als ein unerschütterlicher Bau bezeichnet wird. Ebenso wird das ftcundichaftliche Verhältnis zu Rußland betont. Schließlich wird für die stetige Bcrmrhrung der Seemacht Ocstrrichck eingetreten. flgram, 2. Dez.(B. H.) Der Gcndarmerlelieutenant Schctccka erschoß auf offener Straße den Forft-Obcrinspektor Tang, weil dieser London, 2. Dezember./z Ubr, die Abeiidvorstelluiigen um ?>/„ Uhr. Auch für den Nachmittag stehen das berühmte Bettpfcrd und die Boerentruppe auf dem Programm. Fcurrbcricht. Sonnabend früh kurz nach Mitternacht kam N a u n y n st r a ß c 3 ein Kellerbrand ans, der die Wehr fast bis Tagesanbruch beschäftigte. Auf dem Grundstücke befinden sich mehrere Tischlereien, die ihre Abfallspäne in einem großen Keller unterbringen, der sich über den ganzen Hof erstreckt. Jedenfalls war »ur ans Unvorsichtigkeit ein brennendes Streichholz in einen durch ein eisernes Gitter abgefchlostcuen Lichtschacht geraten und hatte die Späne in Brand gesetzt. Dieser entwickelte eine enorme Ver- qnalmung, so daß mit Ranchhelmen vorgegangen werden mußte. Trotzdem dauerte es mehrere Stunden, bevor'das Feuer gedämpft war. Abgesehen von einem Posten Fourmercn. die mit ciiigeäfchext ivurden. ist der verursachte Smaden unbeträchtlich. Kurz vorher ivär Greifs walder st raße 20 ein kleiner Dachstuhlbrand abzu- löschen. Auguststraße 10 gingen in einer Bäckerei Holzvorräte in Flammen auf. Der Brand einer Baubude verursachte einen Alarm noch G i t s ch i n e r stra ß e 1. Gegen Morgen wurde Rheinsbergerstraße 26 das Mobiliar einer Wobmmg ein- geäschert. Unfug am öffentlichen Melder verankaßte während Der Nacht noch ein Ausrücken nach Görlitzykstraße 48. Der Thätcr ist entkommen._ A»S de» Nachbarorten. Stadtverordneten- Stichwahl in Spandau. Der heutige letzte Sonntag vor den am Donnerstag. Freitag und Somiadend täglich in der Zeit von 10—1 und 4 bis' 8 Uhr stattstndendcn Stich- Wahlen muß der Agitation für die Kandidaten der Arbeiterschaft gc- widmet sein. Heute muß es jeder klassc.iibcivnßte Arbeiter Spandaus ganz besonders als seine Pflicht betrachten, bei Freunden und Be- kannten dafür zu agitieren, daß der Arbeitersache ein erneuter, glänzender Sieg erblühe. Arbeiter I Laßt Euch nicht daran genug sein, daß wir im ersten Ansturm bereits drei Mandate eroberten. agitiert vielmehr dafür, daß unsere drei Kandidaten Wilhelm S E r» st Niegcr H e INI a n n K u n k e l aus den Siichn'ahlen mit imponierender Stimmmmehrheit als Sieger hervor gehen . VertrancnSmann in Tpanden erhallen mir folgende Anschrift zur BeröffonKnhiMg:?or einiger Zeit sind iiber unfern Parteigenossen S ch r ö c r in Spandau in einem Lokale in Berlin von einer Person Verdächtigungen schwerster Ratur erhoben worden. Wir erklären hiermit, nach gründlicher Nntcrsuchnng des 'Sachverhalts, daß diese Verdächtigung auf absolut boshafter Ve r- leunidung beruht, die dadurch ain besten als solche charakterisiert wird, daß der betreffende Verleumder nicht einmal seinen richtigen Namen zu nennen den Mut hatte. NanicnS der Parteileitung in Spandau: W. Pieper, Vertrauensmann. Paukow. Dienstagabend 8t/, Uhr findet bei Großknet, Dernuerstr. 27, Lcse-?lbcnd des hiesigen Arbeitervereins statt. Genosse Paul Litfin wird einen Bortrag halten. Ferner findet am 7. Januar eine Urania-Borstellung statt. BillctS a 60 Pf. sind bei stimuliert, Florastr. 48. zu haben. Schmargendorf. Iii der am Dienstag, abends 8lli Uhr, bei Paiev statt findend en Versammlung des Arbeiter- BildungSvercins ipiichl Kirchner über«Zweck und Bcdrntiing der Socialdcmokratie". Stcglitz-Fricdcuau. Dienstag, findet bei Schellhaase, Ahorn straße, die Vcrsaulinlung des Arbciter-BildnugSvcrcins statt. Bor trag über das MictSrcchr»ach dem Bürgerlichen Gesetzbuch. Schöncbeig. Morgen, Montag, abends 8 Uhr, wird in einer öffentlichen Vertainmlung im Klubhaus, Hanptstr. S.6, Genosse RcichstagS-Abgcordnetcr E. Wurm die Gcnosseiischaftöbcivcgmig bt handeln. Tie Wahlen z«m Gciverbegericht in Cliarlottcnburg sind für die zweite Hälfte des Monats Januar in Aussicht gc- nommen. Der Wahlansschuß wird in einer besonderen Sitzung des Gcsamt'GewcrbcgcrichtS am IL Dezember, abends 8 Uhr. gewählt mid konstituiert werden. Der Ausschuß soll ans 11 Personen ein- schließlich des Vorsitzenden bestehe». Der Magistrat von(üharlottcnbm-g hat die vom Etats- anSschuß angeregte Erhöhung des Pflege satzeS im städtischen st r a n k c n h a u s e, so weit die Krankenkassen in Frage kommen, abgelehnt. Dagegen wurde beschlossen, von Dienst- boten- Abonnemeiitsvrreiiicii den kürzlich für Sclbstzahler und Patienten auswärtiger Gemeinden erhöhten Kostenbetrag zu erhebe». Ei» cutschlicher lliigliickSsaU ereignete sich Donnerstagabend auf dem Raiigierbahnhvf Tempelhof gegenüber der gleich- nainige» Peisoiiciistatioii der Ningbahii. Ter Weichensteller Karos ans Wilmersdorf, der einen Rangierzug bediente, ninßte, mn eine von ihm zu bedienende Handweiche zu erreichen, die DurchfahrtS gelcife der Personenzüge kreuzen. Er beachtete nicht, daß ein Echnellziig hcraiigcsaiist kam. Erst im letzten Moment versuchte K., sich durch eiiicii Seitensprung in Sicherheit zu bringen, aber leider zu spät. Der Weichcuftcllcr wurde von den Trittbrettern des Zuges erfaßt und zu�Zoden gerissen. Hierbei blieb der Unisormrock an der Kante des Trittbrettes hängen und der Uiiglücklichc wurde mm Vau dem dahinsanscndcil Zuge etwa 200 Meter mitgeschlcift, wobei er entsetzliche Verletzungen am ganzen Körper rrlilt. J» bcsimmiigs losem Zustande wurde K. mittels einer Rangierinaschine nach Berlin gebracht und dem Elisabeth-Kraiikcnhause zugeführt.' Sociale Vcchkspflcgc. Trunkenheit beim Eintritt des Feierabends kein E»t- lassnngsgrnnd. Gegen eine LohnciilschädigungSllage des Kutschers I. machte der Waschaustalts-Besitzer Nciuke vor der Kammer I des GcwerbegerichtS geltend, die KiiiidigmigSfrist sei ausgeschlossen g.'wesen und außerdem bade ein gesetzlicher Grund zur sofortigen Entlassung vorgelegen. I. sei am Abend betrunken von der Tour zurückgckomnirii. Betreffs dcS KiindigmigSaiiSschlusseS vermochte der Beklagte einen dirckic» Beweis nicht zu führen, er mußte deshalb dem Kläger den Eid zuschieben.— Räch erfolgter Bcralimg riet der Vorsttzcnbe Dr. Leo liiunenS dcS gesamten Gerichtshofes zu einem Vergleich, indem er als Ansicht de» Gerichts folgendes ausführte: Wenn der Kläger ä b e n d S bctruiilcii auf den Hof gekommen sc!, daim könne das nicht als ein EiitlasimigSgrmid gelten. Trunkenheit sei nur ein CiitlassmigSgriind, wenn der betrunkene Arbeiter zur Fortsetzung der Arbeit unfähig sei. Der Frage, ob eine solche llusähigkcit vorlag, hätte das Gericht hier aber nur dann näher treten brauchen, wenn J. b e i Tage betrunken zmückgekkhrt wäre. Im vorliegeiiden Falle sei er ilidclscii erst gegen Feierabend, das heißt zu einer Zeit, als die Arbeit nicht mehr fortzusetzen war, ailgetniiikcn zurück- gekehrt, nachdem er vorher seine Arbeit gcthan hatte. Weiin man bicr den§ 123 Nr. 8 der Eewcibc-Ordiiung anwenden ivollte, weil Kläger zur Forffetzimg der Arbeit unfähig gewesen sei, dann wäre diese Auslegung eine Berrciikmig der gciianiitcii GcsctzeSstcllc. ES bleibe somit mir der Eid wegen dcS KüiidigimgSaiiSschlusscS, und in der Bczichimg erscheine gerade diese Sache doch sehr zweifelhaft, e-Z empfehle sich darum ein Vergleich, Ein solcher kam dann auch zu stände. Die letzten lO Prozent. Der Baiiaibeitcr Hünchen hatte sich bei der Arbeit die Gelenke des rechten FußeS stark verstaucht. Der HeilnngSprozcß nahm über ein Jahr in Anspruch. H. erhielt dann von der Nordöstlichen BaiigcwcrkS-BcrnfSgcnosscnschaft 20 Proz. der Vollrente. ES hatten sich rheumatische Beschwerden eingestellt, die ein namhafter Mediziner ni i t der G e I e u k v e r st a n ch n n g in 18« r b i ii d» ii g brachte. Die Bcriiftgenosjciischaft ließ später H. von dem PhtzsiknS Dr. Slühlcr imtersiichen. Ans dessen Gutachten hin sitzte sie die Rcntc auf 10 Proz. herab. Nach einem halben Jahr mußte Herr Dr. Stühlcr abcimalS eine Besserung feststellen. Er sührle in dem iiciicii Gulachtcii auS, daß H. sciiico ErachteuS von den Folgen des NufnllcS ivicdcr hergestellt sei. Ter Verletzte ivärc zwar noch arbcitSmifähig, doch sei dicS auf eine Liiilgeiikrankheit und auf ein r h e u m a t i S m u S a r t i g c S Leiden' zurückzuführen. Die BcrusSgcliossciischaft entzog nunmehr H. die Rente gänzlich, worauf dieser daS Schiedsgericht mir Erfolg anrief. Tic 10 Proz. wurden ihm iviedcr zugesprochen. Die BcnisS- geiiossciischaft kegle den Rekurs beim R c i ch S- V c r s i ch c r n n g«- a m t ein und rügte, daß sich da? Schiedsgericht ohne weiteres über das Giilachtcn des PhhsikuS Dr. Stühlcr hiniveggesetzt habe, Hiincheii bclontc dem gegenüber, daß er mit dem Fuß immer noch nicht auftreten könne. Das NcichS-VcrsichermigSamt verivarf den Rekurs der BcrufSgciioffciischaft mit der vegiüiidimg. baß kein Anlaß gegeben sei, H. die letzten 10 Prozent noch zu cntzicheii. Grobe Pclcidigiing alö Eiillasiiiugsgriind. Der Heizer N. beanfprnchte durch Klage beim Gewerbegericht von den Inhabern einer Kuranstalt eine vierzchntägige Lohneiitschädigimg, wogegen die Beklagte» geltend inachtc», daß N. während der Bctriebszcit be- tnmkcn gewesen sei mid den Anstaltsleiter Dr. Tavidsohn schiver bc- Icidigt habe. Nach langer Verhandluiig und Beratung wurde N. von der Kammer II. mitcr dem Borsitz des Dr. Krause mit folgender Begründung abgewiesen: Für die Entscheidung sei hauptsächlich maß- gebend gewesen, daß der Gerichtshof eine grobe Bcleidigiing dcS Direktors Dr. Davidsohn für erwiesen erachte. Der Kläger habe die Arbeitsstätte verlassen, um ein GlaS Bier zu trinken, und fei trotz der ihm übermittelten Anfsorderuiig seine« Borgksrtzten, gleich zurück- znkommen, nicht erschiene«, sondern habe den Vorgesetzten warten lasten. Und schließlich habe er sich noch geweigert,' dem Arzte die Schlüssel znm Kcssclhaiise aiiSziihäiidigen und dabei die Worte gc- braucht, Dr. D. solle machen, daß er hinauskomme. In diese m ganzen Verhalten sei mindestens eine gröbliche Beleidigung dcS Vorgesetzten und damit ein Grund zur sofortigen Entlastung zu finden. Unter diesen Umstünde» sei es für den vorliegenden Rechts- streit ganz gleichgültig, ob sich die Warmwafseranlage in der Anstalt M einem jämmerlichen Zustande befunden habe, so daß dem Kläger, wie er behaupte, eine bcffere Versorgung der Anstalt mit Warm- Ivafier unmöglich gewesen wäre. Auch die von ihm hervorgehobene Verantwortlichkeit des Heizers, mit der N. sein Verhalten gegenüber dem Dr. Davidsohn zu rechtfertigen suchte, entbinde ihn nicht davon, dem Vorgesetzten höflich und willig entgegen zu kommen. Vermiscsxkes- Opfer der See. Ans M e m e l wird berichtet: Sonnabend- nacht ist an der Südmole des hiesigen HafenS daS Rigaer Segel- schiff„Bravo" gestrandet. Die ganze, aus zehn Mann bestehende Be- satzimg wird vermißt und ist wahrscheinlich ertrunken. Das Schiff ist gänzlich zerschlagen. Ruf der Schichau- Werft zu Danzig ist Soimabendmittag der Stapellauf eines für den Norddeutschen Lloyd erbauten Post- und Passagicr-DoppelschraubendampserS I- Klaffe erfolgt. DaS Schiff erhielt den Namen„Großer Kurfürst" und ist für 2400 Pasiagicre und 206 Mann Besatzung eingerichtet. Der Bau de? meteorologischen Observatoriums auf der Schneekoppe, der im Juni d. I. begonnen wurde, geht in der nächsten Zeit seiner Vollendung entgegen. Die bereits mit zwei Gc- bänden besetzte Plattform des' Koppcnkcgels hat nunmehr ein drittes, für die Wissenschaft besonders bedenffamcS Bauwerk erhalten. Letzteres ist genau nach den HiimnclSrichtimgcn gestellt und besitzt ein Kellergeschoß mit Vorratsräumcn, ein Erdgeschoß und erstes Stockwerk mit Rüche. Wohn- und Schlafräiimcn. ein zweites Stock- werk mit dem Beobachtnngsranm und schließlich einen der HiniiiielSschau dienenden Turmaufbau. Die Kosten des Baues sind auf 40 000 Mark, die der inneren Einrichtniig einschließlich der AnSriistiiiig mit Jiistriimcnteii auf 4000 M. veranschlagt. Alle Banmate'rialicii wurden, nach dem„Ecntral- blatt der Baiwerwaltnng", soweit sie nicht auf der Baustelle und ihrer nächsten llingebmig vorhanden waren, von Krumiiihiibel binaiifgeschafft. Die Lasten wurden, so lange Schnee lag, auf Schlitten, alsdann aber von Trägern ans den Schultern hinauf- befördert: ans diese Weise mußten die Ziegelsteine. Holzvcrbäiide, Thürcn, Feilster, ja selbst das zum Bau nötige Wasser bis zur Koppcnspitze herausgetragen werden. Die bevorzugte Lage des Baues läßt eine reiche ÄnSbeutc für die Iliitcrsuchmig der Hydro graphischen Verhältnisse der nächsten schlesischen Umgebung erwarten, die von starken Regen fällen lind verheerenden lledprschwemimiiigeii in besondercui Maße heimgesucht wird. Ncbcr die Bergung dcS Dampfers„Pakria" hat die bisherige Verhandlung vor dem Seeamt einige iirtercssante Zlvischcn- sällc zu Tage gefördert. Wie bereits mitgeteilt, tvnrde die ,. Patria" von dem Schlepper„Hansa" bis zu der Stelle gebracht, wo sie sank. AIS die„Hansa" mit Kapitän Fröhlich an Bord am 16. November die noch immer lichterloh brennende„Patria" sichtete,>oar man nicht wenig erstaunt, auf der Vorderspitzc des Schiffes sechs Menschen zu sehen. ES waren fünf belgische und ein französischer Fischer, die schon 24 Stunden, ohne zu essen und zu triincii, auf dcm Flammcnschiffe zugebracht hatten. Auf eitler über die Back geworfenen Strickleiter waren die tollkühnen Leute hinauf- geklettert, dann in die Wanten des Großmastes gestiegen und hatten hier die französische und die belgische Fahne befestigt. Hierdurch glaubten sie, daS Wrack für sich in Besitz geiiommcn zu haben, und sie halten zwei englische Dampfer engagiert, um es zortzuschlcppcn! AIS mm der Stcueiniaim der„Hansa" mit einem Matroicn an Bord der„Patria" kam, zeigte sich besonders der Franzose wie rasend; er glaubte sich in seinem Besitzrecht gekränkt und wollte den Matrosen erschlagen. Indessen ließen sich die Haiisalcntc nicht beirren, holten die fremden Föhnen herunter und hißten wieder die deutsche, worauf die„Piraten" das Wrack verließen. Hierauf beganil man die„Patria" fortzuschleppen. Noch am Abend desselben Tages erfolgte eine furchtbare Explosion, daS Potrolcumtank hatte Fciicr gefaßt, und aufs iicne schlug die Flamme zum Himmel. Dann begann sicki das Schiff nach einer Seite zu neigen, wodurch in die runden Kajiiteiisenstcr Wasser drang. Die in das Feuer strömende Flut erzeugte enorme Rauchwolken, während das Schiff immer rascher sich' füllte. Zum Glück gelang es noch, vor dein völligen Sinken in seichtes Wasser zu kommen, so daß das Wrack sichtbar ist. ES ist übrigens unterhalb der Wasserlinie außen intakt: oberhalb aber sind die Platten völlig verbogen. Alle Kajüten und DeckS sind gründlich zerstört. Die zwei Masten des Vorderdecks 'tehcn noch. Tie„Altglättbigeu"(„Starowjerzy"). die vom russischen Staate wegen ihicS„staatSgcfährlichen" Glaubens, einem harmlosen KuliuS. verfolgt mid nach Sibirien verschickt werden, erweisen sich als die besten' Pioniere der Kultur. Die Sekte zählt mehrere Hundert von Anhänger» und wurde bereits vor 200 Jahren gezivimgeii. sich in Sibirien anziisiedeln. Die Verfolgten haben sich, da ihnen die Wahl des AiisiedcliingSortcS frei stand,' mit Vorliebe in den ciitlcgcustcn Klüften. Thälcni und Wildnissen ansäjsig gemacht, um in der AuS- Übung ihres Slilus und der Pflege ihrer Kultur vor Siörimg sicher zu sein. Die der Stadt Tomök am nächsten gelegenen Altgläubigen« Aiisiedelungeu sind 30— 40 Kilometer vom Orte ciiiscriit: die meisten liegen aber über 160 Kilonicicr Iveit ob. Bei der allgcmcinci» Kolonisation Sibiriens rücken im» die neuen Ansiedler den Wohn- orlcn der Sektierer immer näher, und das veranlaßt die letzteren. ihre Wirtschaslen ans dem genaimteii Grunde zu verlassen und iveiter in die Sinöden und Wälder zu ziehen, um sich hier ein ueueS Heim zu gründen. So flüchten die Altgläubigen nach und nach beständig vor den Neiiansiedlern. und daS gereicht, wenngleich ie selbst wirtschaftlich sehr zu Schaden komnic» mid bemitleidet werden müssen, der Koloiiisation zur Uiituffiiitzung, indem sie Piomerdieuste leisten und die erste Kulturarbeit in immer neuen Steppen vollbringen. Ein neues Mittel gcyen die Pest? Aus Rom wird gc» schrieben: Der Unterrichtsiriniister Prof. Guido Baecelli, einer der genialsten Aerzte Italiens, unternahm vor einiger Zeit das Wagnis, gewisse fiebcrstillende und antiseptische Medikamente direkt in die Ader einzuführen, und erzielte damit bei verschiedenen ansteckeiideii Krankheiten große Erfolge. Als Prof. Robert Koch zum Studium des Malariaficbers in Rom weilte, führte ihm Prof. Baecelli im Santo Spirito-Hospital mehrere Fieberkranke vor. denen salzsanres Chinin in die Adern eingespritzt wurde; diese Injektionen führten zur größte» lleberraschmig des deutschen Forschers die völlige Ge- {unbillig der Kranken herbei. Bei anderen Krankheiten machte Prof. Baecelli Ouecksilberchlorid-Jnjektionen und heilte mit diesem ätzenden Sublimat selbst schwere Fälle von Syphilis, Kindbettfieber, Influenza:c. Als die Beiilenpest in Portugal auftrat, war Guido Baecelli sofort über- zeugt davon, daß das ätzende Sublimat, in die Adern der Pestkranken eingespritzt, große Dienste leisten könnte und forderte die Leitung des italienischen SanitätSwesenS auf, mit diesem Mittel Versuche zü machen, fall« die Pest nach Italien eingeschleppt werden sollte. Jnzwffchen machte Professor Terni von der Universität zu Messiua mit dem Baccellischen Mittel Versuche an Tieren, welchen der Pest- Bacillus eingeimpft war, und erzielte positive und andauernde Erfolge, so daß er sich jetzt veranlaßt sah. nach Portugal und von dort iiach Brasilien zu reisen, um die Pcftkraiikcn mit den ueiieii wirksamen Mitteln zu behandeln: er hofft, daß es sich an Menschen ebenso bewähren wird wie an Tieren. Von zusauinirngewachsene» Zwillingen wurde dieser Tage eine Arbeiterfrau in Loitz i. P. cutbiinden. Die Kinder, zwei Knaben, waren genau wie die„siaiuesischeii Zwillinge" zusammen- gelvachscn und hatte das eine seinem Brüderchen den linken Arm um den HalS gelegt. Die sonst völlig entwickelten jungen Welt- bürgcr starben kurz naS der Geburt. Die lleiiien Leichen sind bereits dcm anatomischen Mnsciun der königlichen Universität Greifs- Wald überwiesen worden. Marktpreise von Berlin am 1. Dezember 1890 nach Erinitlelmigeii be« kgl. PolizeipräsidüniiS. D.-Ctr. ")Weize» ")Roggcii Futtcr-tLeifle, Hafer gut „ mittel„ „ gering Richlslroh ven 4) Erb seil si)Spei,'ebohiie» l-sLiiiscn. jkariosielii, neue Rinbflcisch, Steine 1 kg bo. Baiich„ 14,70 14,20 13.00 15, 14,20 13,40 3,83 6,70 40.- 50,- 70,- 7," 1,60 1,20 13,90 13,40 12,90 14,30 13,50 12.80 3,50 4- 26,- 25,— 30,— 5,— 1,20 I.- Schweinefleisch 1 kg Kalbfleisch Hauiuieifleisch, Butler Gier Karpfen Aale Zauber Hechte Barsche Schleie Bleie Krebs« 60 Stück 1 dg per Schock 1,60 1,80 1,60 2,80 6,— 2,20 2,80 2,50 1,80 1,60 2,80 1,20 12,- 1,1t 1,- 1,— 2— 3!- 1,- 1,40 1,— 1,- 0,80 1,20 0,80 3,- •) Eriniltelt pro Tonne von der Getllralflelle ber Prenh, Smibluiil« schastökamnieni— RotlcningSflclle— imb inugerechnet vom Polizeipräsidium sür ben Tvppel-GcuMer. t) Kleinhandelspreise, Produttenmarkt vom 2, Dezember, Unter bem Einfluß bei kälteren Witterung verkehrte ber heiitige Äetreidemarkt in fester Tenbeiiz, die jedoch im wcicutlichcn nur bei» Roggenmarlte zu gute kam, während im Wcizcnverlchr die stimulierende Wirkung durch flaues Nordamerika und reichliche Annoiicieruugcu für Dezemberlieserung paralysirt wurde, Roggen war vorn gut gefragt und zog bei iinchlasiciidem Angebot per Dezember 1 M., per Mai 0,50 M, an, Weizen erfuhr keine nennenswerten PreiSver- änderimgen. Hafer und Riiböl lagen still, fast unverändert. Am Spiritus markt war gar kein Geschäft, Loco 70er war mit 47,80 gefragt, es lan, jedoch kein Abschluß zu stände. Termine waren noiiiinell befestigt, Städtischer S ck> l a ch t v i e h ni a r k t, Berlin, 2. Dezember 1809, Amtlicher Bericht der Direktion, Zum Verkauf stauben: 4369 Rinder, 1129 Kälber, 6849 Schafe, 6073 Schweine, Bezahlt wurden für 100 Pfund oder 50 Kilogramm Schlachtgewicht in Mark(beziehungsweise für 1 Pfund in Pf,): Für Ntndcr: Ochsen: a) vollfleischige, ausgemästete, höchsten Schlachtwertes, Heestens 7 Jabre alt 61—65, b) junge fleischige, iiicfit ausgemästete mtb ältere ausgemästete 58— 60; c) mäßig genährte junge imb gut genährte ältere 53—55; tsi gering genährte jeden Alters 50— 52,— Bullen: a) voll fleischige höchsten Schlachlwcrtes 59—62; b) mäßig genährte jüngere mid gut genährte ältere 53—57; o) gering genährte 48-50,— Färsen und Kühe: a) vollflcischigc, ausgemästete Färjc» höchsten. Schlachtwerts 00—00; b) voll fleischige, atlsgemifiete Kühe höchsten Schlachtwertes bis zu 7 Jahre» 54—56: c) ältere ausgemästete Kühe und wenig gut entwickelte jüngere Kühe imd Färsen 52— 53; d) mäßig genährte Kühe und Färsen 48—50; e) gering genährte Kiihc und Färsen 44-47.— Kälber: a) feinste Mast- lälber(Vollinilchmast) und beste Saugkälber 74—76, b) mittlere Mastkälber und gute Saugkälber 68— 72, e) geringe Saugkälber 52- 56, d) ältere, gering genährte Fresser 42—50.— Schafe: a) Mastläininer mib jüngere Mnsthnmmci 63—60, b) ältere Mafthamuiel 54—58, c) mäßig genährte Homnicl mid Schafe fMcrzschaie) 46—52. d) Holsteiner ZliebermigS- jchafe(Lebendgewicht) 00—00,— Schweine: a) vollfleischiae der falneicn Stoffen und deren Ärcuzimgcii im Alter biö zu!>/« Jahren 50—51, bf Käser 60—00, c) fleischige 48—49. ä) gering ciitwickelte 45—47, e) Sauen 45—44, D e r l a u s und Tendenz. Das Rindergcschäfl wickelte sich langsam ab, es bleibt elwaö Ueberstand; der Kälberchandel gestaltete sich langsam, bei de» Schafen war der Geschäslsgang glatt, es wurde oder nicht ganz ge- ränuit. Der Schweiiicmartt verlief glatt nnd wurde geräumt. Gestern abend wurde die über Schweme verhängte Aussuhrsperre aufgehoben, Samariter Kursu» sür tlrbeiter nnd Slrbeiterimien. Morgen, Montag, abends V Uhr: llebmigöstunde in der Genlrale Dresdeuerstr, 45, Vortrag über: Verbremiungeii, Erfrierungen, Blitzschlag, Hitzschlag, Be- schädigunge» durch Elcklricität. Pralliiche Uebungen. Neue Mitglieder werden noch ausgeiiomuieii. Ständige« Repertoire: Residenz. Theater Busch und Reichenbach, Die Richtige, Metropol- Theater. Rimd um Berlin. Thalia- Theater. Der Plahmajor, Central-Theater. Die Geisha, Belle-Zllliance-Theater. Liierl van Schliersee, Victoria- Theater. Sonntag: Die Chansomictte, Montag und folgende Tage: Die BcnuS von der Markthalle, Carl Weiff-Thcater, AbcndS: Heimat. Montag und folgend» Tage: Der Weltuntergang, Friedrich Wilhelmstädtisches Theater. Onkel Cohn, SoiuitagS-Nachmittaas-Borstellungeu: Soimtag. 3. Dezember, Deutsche« Theater: Weber, Lesiing- Theater: Minna von Barnhelm, (Freie Volksbühne,) Berliner Theater: Wilhelm Tell. Nefidenz-Theater: Schlafwageii-Controleur, NeueS Theater:„La Roulotte".(Abschieds- Vorstellung,) Theater de« Westen«: Troubadour, Schiller-Theater: Kabale und Liebe. Central> Theater: Zlgennerbaron. Bietoria- Theater: Daö tapfere Schnetderlein. Luise«> Theater: Othello, BelleaNiauee- Theater: Almeurausch und Edelweiß(Schlierseer). Friedrich- Wilhelmftädttsche» Theater: Don Carlo«, Carl Weift- Theater: Winterschlaf,(Freie BolkSbühne.) Metropol- Theater: Promenade- Specialitäten-Borstellimg, WitieiunASiibersicht tmw 3. Dezember 1890, morgens 8 Uhr. Stationen SmUiembe. Hanibnrg Berlin Wiesbade» München Wie» ä2 a- 5 H Wetter as :: i» 4 wolkig 4wolkig 4'bedelkt I öwvlkig Vbedeckt -Nebel N 772 708 770 NNW NW SSW heiter Shlb.bcd K bedeckt 1 bedeckt -14 7ö4 W 7ö8 WSW 757'W 700 WSW 767 SW 764 Still c- c Wetter-Prognose für 2 onntag, den Z. Dezember l8»S. Etwas kühler, zeitweise heiter, vielfach wolkig mit geringen Nieder- schlagen und ziemlich frischen nordwestlichen Winden. Berliner Wettervurea». Siaiionen L B E 5c Haparanda Petersburg Cork Aberdeen Paris 750 Z Z K!? Wetter ÄK o." ZV Briefkasten der Redaktion. A. Z. 99. Briefliche Antwort erteilen wir nicht. Ein in Deutschland ergangenes Urteil aus Zahlung kann auch im Ausland vollstteckt«erden. Wird ini Ausland eine Klage wegen eines in Deutschland entstandene» Rechtsverhältnisses anhängig gemacht, so richtet sich die Frage, daS Recht welchen Landes für ein Rechtsverhältnis in Anwendung kommt, nach den Specialvorschriften des betreffenden Landes. Legen Sie eventuell den Sie interessierende» Sachverhalt genau dar, sonst ist eine ausreichende Antwort unmöglich.- M. P. 17. Am 1. Januar 1900.- Elsfe 19. Nächstens. — N.(f. 33. Sprechen Sie mit Ihren» Anliegen in der Sprechstunde vor.— Friedenau. Strasbarteit liegt nicht vor.— Rixdorf 1999. 1. Nein. 2. Nein. 3. Nein. 4, Nein.- 91. W. 191. Erhalt weibliches Gesinde vor dem Antritt der Dienstzeit Gelegenheit, zu heiraten, so steht demselben frei, eine andere tangliche Person an seiner Statt zu stellen. Ist es hierzu nicht 4m staude, so muß das Gesinde in Städten den Dienst auf V«, bei Landwirtschaften auf»/- Jahr antreten. Erhält ein Dieustbote nach dem Antritt des Dienstes Heiratsgelegenhcit, so steht ihm frei, unter Einhalt einer sechswöchigen Frist zu kündigen; das laufende Vierteljahr muff aber ausgehalten werden. Dieselbe Antwort ist bereits unter dem 10. November erteilt. — Jung 49. 1. Der Aruvalt ist im Recht. 2. Kommen Sie unter Hin» weis darauf, dag der betreffende Tag ein Sonntag war, nochmals um Stundung ein.— Ausländer 32. Das Gesuch wäre bei der Polizei an- zubringen, die Aufnahme würde 50 M. kosten: ein Recht aus Naturali» sation hat ein Nichtdeutscher nicht.— C. D. 87. Sie müssen den Ueber- zieher herausgebe», weil er unentbehrlich ist. Die Miete, die bis zum Ersten zu zahlen ist, könnten Sie nur einklagen.— R. F. Beanspruchen Sie Uufallreiile, wen» in der Fabrik Maschinen angewendet werden oder mindestens durchschnittlich 10 Arbeiter beschäftigt sind.— F. M. 9. Nein. — O. 9?.. Hochstraffe. Der Schein ist ungültig, weil er eine Verfügung von Todeswegen enthält, sich aus mehr als den ,20. Teil des Nachlasses bezieht und nicht gerichtlich nusgenominen ist.— A. 2ch. 39. Beschweren Sie(ich bei der Schuldeputation.— W. St, 32. Streichen Sie aus dem MietSvertrags-Fonnular alles heraus, was mehr als die MietSzeit und den Mietszius betrifft. Es genügt folgender Schein: Es vermietet Herr A. an Herrn B. die da und da belegene Wohnung für die Zeit vom... bis... für einen jährlichen Mietsprcis von... Der Mictspreis ist pränumerando in den drei ersten Tagen des Monats in Monatsraten von je... M. zu entrichte».— 99 Charlottenbnrg. Sie sind zur Zahlung noch jetzt ver- pflichtet. Werden Sachen Ihrer Frau gepfändet, so soll diese intervenieren. Achtung! Achtung! Sotillldemokratischer Wahloerein für den 3. Berliner Reichstags-Wahlkreis. Dienstag. den 3. Dezember, abends«V- Uhr. Friedrichstr. 239 (trüber Martsnj:, Große öffentliche Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Die Socialdemolratie und ihr Ziel. Referent:(4.i»sa»t Bebel, 2. Diskussion, 3. Berschiedencs. Nichtmitglieder haben Zutritt.— Die Versammlung wird pünktlich eröffnet. 239/1 Zahlreichen Besuch erwartet Ter Vorstand. KL. Den Mitglieder» zur Kenntnis, daß die Zahlstelle in der Blücher- strahe(früher Nauinann) ciligcgaiigen ist. V. WaWkil-eis. Dienstag, den 5. Dezember, abends 8Vs Uhr, im Lokale von Bötzow, Prenzlauer Allee: Oeffentl. Parteiversammlung. Tagesordnung: I. Vortrag des Herrn Rechtsanwaltes Vlleter Frttnkel über: Die KoilsWgtllOusWtji k ihrer socialen Meutung. 2. Dislussion. 3. Verschiedenes. Die Parteigenossen werden gebeten, recht zahlreich zu erscheine». 217/8__ Die Vertrauensleute. ZocllildlMiikwMer Jüaljlotttin fiit de» 6. Ierllnn Reichstags-Mahlllreis. Dienstag, den 5. Dezember 1899, Abends 88'4 Uhr» bei Wernau, Schwedterstr. 23: Devfammlimg Tages-Ordnung: Dortrag des Reichstags- Abgeordneten kussion.— Vereins-Augelcgcnheiten. Adolf Thiele.— DiS- Gäste haben Zutritt Der Vorstand. 248/00 Achtnng! Schneider! AlMllg! r e r AlilMll! (Vertrauensmänner- Centralisation.) Bier große öjfentlilhe BersWmlnngen, 1. für Briedrlebsberx, Rnmmclsbnrg und Umgegend am Dienstag, den 3. Dezember, abends 8 Uhr. in Rmumelsburg, Rnmmclsburgerstr. 24/25(Deutscher Reichsgartcn). Tages-Ordnung: 1. Vortrag,— 2. Die Konferenz der Maurer Deutschlands und Mahl der Delegierten zu derselben.— 3. E-werkschastlichcs. Am Mittwoch, den 9. Dezember, abends 8 Uhr: für BUd-Dsteii, Süden nnd Westen im„Märkischen Hof". Admiralstr. 18c, für Osten und Vord-Osten: Wcberstr. 17,, Flora-Säle"(früher Niest), für Norden, Wedding und Moabit: Kolbergerftr. 23(Kolberger Salon). Tages-Ordnnng in den letzten drei V e r s a in in l n n g e n: 1. Fortsetzung der Diskussion ans der Versammlung in den„Boroussia-Sälen" über die Stellung des Arbeitgeberbnndcs in der Achtzehncr-Konnnission gegenüber den Gcsellcnvcrtretern.— 2. Verschiedenes; Tie Kollegen werden dringend ersucht, diese Berfa minlunge» zablreich zu besuche». 192/6 __ Die Lohnkonimissio». I. A.: frltr tiater. Alhtuug! PiataKer. Achtmig! Dienstag, den Dezember, nachmittagsl, Koppenstr. Ä9: Große öffentliche Uersainminng der Putzer Berlilts«lid der Vororte. 192/5 TageS-Ordnnng: I. Die Abrechnung vom Streik. 2. Beschlußfassung über die wcilerc Zahlung zun, Streikfonds. Die L-oIucieoininission. Gr. öffentliche Versammlung aller Herren- nrd Knaben-Konfcktions Schneider am Montag, den 4. Dezember, abends 8'/, Uhr. Brniincnstrafte 18 bei Reifer. Einbinifen vom Verein der Herren- und Kiiaven-Konsektions-Schneider. Tages.- Ordnung: 1. Die Entwickelung»ud der heutige Standpunkt der Konfektion.— 2. Die Lage der Hausiiidustrielleo, Konfcktioiiö. Schneider und der Zweck der Organisation.— 3. Diskussion.— 4. Verschiedenes. 1222b Der Vorstand. AM" Drechsler!-MD Für die Vcrtra»ci»Siiiälmer-Bersanimluiig Südosten und Südlvesten, welche am Mittwoch, den 9. Dezember, stattfiildet, ist das Versamm- InngS-Lokal, weil zn klein, von Skalitzerstr. 7 nach der Ndmiralstrafie 18c (Märkischer Hof, Möhring) verlegt. Ein GlaS Bier kostet auch da nur lE Pf. Montag, den 11. Dezember 1899. abends 8'/, Uhr in Cohns Festsäle. Benthstraffc Brauchen-Verfammlnua der Drechsler. _ Referent: Kollege Tn. Glocke. AMm; Kürschner. AAlllig! Montag, de» 1. Dezember, abends 8'/. Uhr, in„Golm!* Festsälen", Bcnthstras.e Nr. 29—22:"TBß Große Utntlilhk VerWmIMlg der in der Llurschuerbranchc beschäftigte» Arbeiter und Arbeiteriuueu. Tagesordnung: 1. Vortrag des Genossen G. I.iuk über:„Socinlgescügebung nnd der Uiiternehmerverband der Juduftricllen Tcntschlands«. 2. Diskussion. 3. Wahl von 3 Revisoren zur Prüsiing der Abrechnung der Vertrauens- lcute. 4. Verschiedenes. 93/17 U», zahlr. u. pünktl. Erscheinen ersuchen Tie Vertranenspcrsonen. Uemn ilknMer SöMhmacher. Am Montag, den- 4. Dezember, abends ü'li Uhr, im Lok< des Herr» Niimann, Brmmctlstr. 138: Vss8giiiiii!!iiix ll. FUiMelter o.-ArbsiteriDnen. T a g e ö- Ordnung: l. Bortrag von Fran?leseb über:»Was hat die Arbeiterin zu thun, »m eine iiiclischeiiwnrdigc Existenz zu erringen?" 2. Diskussioil. 3. Die Lohn- und ArbeitSverhälUliffe der Zwickerinncn. 4. Verichtedenes. Zahlreiches Erscheinen erwartet 281/1 _ Die Ortsverwaltmig. Allztung! PutKer. ? De» Kollegen des„ U n t c r st ü tz n n g s v c r e i n S der Putzer Berlins nnd Umgegend" zur Nachricht, da« jede» Dienstag nach dem ersten und jeden Dienstag nach dem 15. jeden Monats, abends 8 Uhr, eine Mitglieder-Bersainnilung im Lokal von sullns Wernau, Schwedterstr. 23, stattfindet. 12246 Desgleichen findet an jedem Sonntag die M o r g e n s p r a ch c daselbst statt.__ Im Auftrag: Paul«erborg. Aclituno! Textilarbeiter! Achtung! Grotze öffentliche Versammlung aller in der Textilindustrie bcschäft. Arbeiter u.-Arbeiterinnen Berlins nm Dienstag, de» 3. Dezember, abends 8V2 Uhr, in der „Kiinlgsbnnk", Gr. Frankfnrterstr. 117. T a g e S- O r d n u n h: 1. Bortrag des Reichstags- Abgeordneten Roseno w. 2. Bericht der GewerkschaftSdelegierten und Neuwahl derselben. 3. Bericht des Agitations- Komitees und Neuwahl desselben. 4. Verschiedenes. 273/5 Wir ersuchen die Fabrik- Bertranenslente, für zahlreichen Besuch dieser Versammlung Propaganda zu machen. Das Agitatioiiökoinitec der Textilarbeiter nnd-Arbeiterinnen der Provinz Brandenburg. F. A.: Franz Kotzte, Marienbnrgerstr. 31. Tsps�iersiv Montag, den 4. Dezember, abends 8V3 Uhr. in den Arminhasten. Konimandantcnstr. 20(großer Saar»); Oeffentliche Versammlung 178/15 Tages-Ordnung: 1. Die Zustände bei der Firm« Re�iu ann und der Streik der dortigen Kallogeii. 2. Distnssioli. zu dieser Vcrsainnilung sind die Kollegen der Firmen Uobt«v»t»In, Birnbaum, Hocker und Joachim besonders eingeladen. Die Agitation» Kommission. I. A.: l.ca Schmlckt. Ueber die Prostitution 78/13 in ihrer wahren Gestalt, die Gefahren derselbe» für jeden Einzelnen, flu: die Fauiilie nnd das gesamte Volk. Welche|U1U spielt tu der Prostitutiousfrage der Alkohol? hält Max Canitz Vortrag in der Bersanimliing am Montag, den 4. Dezember. abendS i/z9 Uhr. im Jiidustrie-Gebände. Beiithstraste 29, l., grosser Saal. - Damen nnd JHeiren haben Zutritt. Achtung:"WK WM" Achtung: Stock- und Schirmarbeiter! ZRlttwooh, den 9. Deaiember 1890, abends 8 Dhr bei Fenerftein. Alte Jakobftrafte 73 Große öffentliche Uersammlnng. 179/12 T a g e s- Q r d 11 nn g: 1. Vortrag: UnterncHuiertum und Arbeiterklasse im Kampf um Ihre Interessen. Reserenl Reichstags-Abgeordneter Roseuow. 2. Der Streik der Wiener StockdrechSler. 3. Unser Streikfonds. 4. Verschiedenes. Bei dieser wichtigen Tagesordnung erlvartc ich, da« jeder Kollege erscheint. Der Bertrniicnsmanii. Verbanil der Graveure u. Ciseleure Filiale Berlin. � üfffT Vevlsnttnlung 1B8 am 5. Dezember im Dresdener Garten. DreSdenerstr. 45. Tagesordnung: 128/4 Geschäftliches. Vortrag des Herrn W. Bölsche. Verschiedenes. Vollzähliges Erscheinen erwartet Der Vorstand. Orts- Krunkeukusse her Weber und verwandter Gewerbe. Berlin. Groffe Versammlung sämtlicher Arbeitgeber sowie sämtlicher großjährigen Mitglieder obiger Koffe am Sonntag, de» 19. Dezember 1899. vormittags 19 Uhr. in WolffS Festfälcii(früher Thiel), Fruchtstrahe 3(i a. lS03b T a g e s ö r d 11 11 n g: 19 Uhr vor- mtttngs: Wohl von 57 Delegierten der Arbeitgeber für das Jahr 1900. II Uhr vormittags: 1. AufstcNniig der Kandidatenliste. 2. Wahl von 138 Delegierten der Kasienniitglieder für das Jahr 1900. 3. Verschiedenes. Kann die Tagesordnung nicht er- lcdigt»verde», so nndet in dcinsclbeii Lokal zur selben Stunde am Sonn- tag, den 17. Dezember er., die Fort- sctzung der Versamnilnng statt. Wahlberechtigt und wählbär sind nur großjährige Kasseinnitglieder:c. § 48 Abs. II des Statuts. Zum Eintritt in das Wahllokal ist das Mitgliedsbuch erforderlich. DaS Wahllokal»vird tu» 12 Uhr geschlossen, da um diese Zeit der Wahl- akt beginnt. Berlin, den 3. Dezember 1899. Der Vorstand. I. Ries m ei er, Torsitzender, Wrangeistraße 6. G. Bernd t, Schristsührer, _ Hüchstcstraße 5. DieMutter sucht ihre» Ssh». Bor mehr als zwei Jahren ist mein Sohn Franz Samek, Schneider- gehilfe ans Hvhenbruck, Böhmen, aus die Wanderschaft gegangen und seit dieser Zeit habe ich noch Nichts er- fahren, wo er sich anfhäit. Da ich immer krank bin. so möchte ich ihn noch einmal sehen. Ich bitte jeder- mann, der seinen Aufenthalt kennt oder mir nähere Angaben machen kann, um Nachricht. 1231b Frau 8ainck, Schnittwaren- Händlerin in Hoheiibrnck b. Königgrötz _ Böhmen._ fodes-Anzeige. Am 1. Dezember verschied unser stellvertretender Rendant und Bureau- beamte ßerr Paul Kneiff im 34. Lebensjahre. Wir verlieren in dem leider so früh Dahingeschiedenen einen pfiichtireuen, arbeitSfreiidigen nnd mustergültigen Beamten und Berater; durch seine segensreiche Thätlgkctt und Licbens- Würdigkeit»vird er sür uns unvergeß- lich bleiben. Die Beerdigung findet am Montag, den 4. Dezember, nachmittags 2l/2 Uhr, von der Halle des Neuen Jakobi- Kirchhofs statt.. 138/11 Der Voiitanck der Ort«•Krankenkasse der GOrtler, I. A.: I. Wolf. Danksagnng.(11976 vielen Beweise herzlicher Für die Teilnahme sowie Kranzspenden bei für der die schönen Beerdigukig meines geliebten Manncö Karl Herrniann sage ich allen Der- wandten. Freunden und Bekannten, und besonders den Herren Kollegen von. der Löiveschc» Geioehrfabrik, Moabit, ineinen herzlichen Dank. Wwe. Agnes Herrmann, Hermsdorf. Allen Verwandten, Freunden und Bekannten für die herzliche Teilnahme bei der Bccrdignng meiner lieben Frau Bertha geb. Göritz sage meinen besten Dank. 12366 Emil Stundt. taten* n. BegMilMfst d.BerlHiirtleril.BmlMt. (E. H. 99.) Die Beerdigung deö am 1. Dez. 1599 verstorbenen Mitgliedes Rani Knelff findet am Montag, den 4. d. M., Nachm. 2l/i Uhr, von der Leichenhalle des neuen Jakobi-Kirch- Hufes aus statt. Um rege Beteiligung bittet 270/30 Oer Vorstand. Kraukenkaffe. Äeloanbte Leute zum Abschluß von Kraiikenvcrsichcrungen geeignet sür neue Gesellschaft gesucht. Offert,»ub B. V. 693 nn«aasensteln A. Vogler, A,-C., Berlin, Leipzlgerstr. 31/32.[105/11 H. Streekenbachs Tannen- Wäldchen, Waibmnnnsinst a. N. Herrlich im Nadelwald gelegen. Für gute Speisen und Getränke ist bestens gesorgt. 1228b Grosses BereinSzimmer mit Picinv, 60 Personen, Dienstags und Donnerstags frei. Franz Höhlke, früh. Greiser, Oranienstraße 109(Ecke Alte Jakobstraße). NSSb »'»r Vereine offeriere z» Weihnachtsbescheernngcn Gcschenkartlkel. E. l-oewlcko, Alte Jakobstraße 18/19._ 11761, Lade Freunde und Genossen zum Besuch meiner neu eröff». Restaurn- tiou— auch als Zahlstelle— sreundl. ein. Tägl. Frei-Konzert. Alex. Vowvatzki, Schöneberg, Kaiser Friedrichstr. 10. 12196 Phantaßtfeder». � Suche eine Arbeitsstube mit wenigstens 50 geschulten Kleberinnen unter günstigsten Bedingungen. Langjähriger Vertrag und hoher Nutzen garantiert. Meldungen unter J. E. 1682 ou„Bcr- lincr Tageblatt", Jemsalemcrstr. 48. � Kruchkohlen, � ab Platz Scheffel 50 Pf. /\ J. Fischer, Ostbahn, Bronibergerftr.l4d.. 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Aufstellung der Kandidaten zur Reinvahl derselben. 116/17 Der Vertrauensmann. WimMmn„Mehr Licht!" Heute Sonntag, den 3. Dezember. Alexandrrstr. äTc ZW" Vcrfkinlinlnng."WU V»i'tz'ug des Schriftstellers Dr. R r n n o B o r ch a r d t über: Die Drehung u. Bewegung der Erde. Gäste willkommen. Knehher Dan».[140/1] Entree 10 Ps. Verein„Voran" Prodnktlv* n. Einkanfs-Gcnoasensolialt für Radfahrer _ Montag, den 4. Dezember,«>/, Uhr WC Mottttts DrvftttNtttlttttg Im RngNsohen Garten, Alexanderstrasse t7c. T a g e s- O r d n 11 n 0:[11946 Vortrag des Herrn Dr. med. Panl Klein über„Den Einfluß des RadfahrenS auf den gestinden und kranken Menschen," Gäste, insbesondere Damen, willkommen. � Der Verkauf der Weihnachtö-Artikel und Lebensmittel hat im Laden. MarsiUiiSstr. 17, begonnen. Fahrräder u. Nähmaschinen zu Hill. Preisen. Die alte» Mitgliedsbücher muffen bis Ende Dezember in der Ge- schästsftelle gegen neue umgetauscht sein.___ WiirtMerg. Krankenzusctiiiss- u. Sterbelosse für Männer n. Frauen. Bin gesehrf ebene Hllfskassc, Ntnttgart. Di« Kasse empfiehlt sich jeder gelimde» Person im Alter von 16 bis 60 Jahren, ohne Unterschied deS Berufes und Geschlechts. Tägliche Unter- stiitzung von 1—3 M. Sterbegeld von 70—100 M. Monatliche Beiträg« von 1 M. biö 3,80 M. DaS Recht auf Unterstützuiig beginnt nach 13wöchentlicher gesunder Mitgliedschaft. Sterbegeld wird bei 12moiiatlicher Mitgliedschaft zur Hälfte, nach Z4uionatlicher Mitgliedschaft im vollen Betrag gezahlt. Zlcrztliche Untersuchung bei mehr als 1 M. Tagesentschädigung notwendig. Agenten werden an allen Orten gesucht. 1199b Der Verstand. Warerjhau� /\= We rt h e i rq Berlin, Leipzigerstr. 132/133.« ßosentlialerstr. 27/29 u. 54. K Oranienstr. 53/54, M Gardinen« Ceppicbe Englische Töllgardinen, 3, 4,� 5«k. P0rtier6]l m't angewebter Kante, Chftle 4�25� 5,25, 7 Mk. Oewebte Gobelins 1,«, 2,25, 3 � Seidene Dekorations-Cbales 1,«, 2,w, 3, 5 m. Sofclkissen, Satin mit Volant, 2,1° Uk. Sofakissen, veivet mit Volant. 2,75 unä 4 Keisedecken 6.50, 8, 19, 12,5° Wollene Steppdecken 6,75, 8,50, 9,75 Mk. Wollene Jacquard-Schlafdecken 3,75, 4,25, 5,75, 8«k. Fantasie-Tischdecken 3, 4,50, 6Mk. Plüsch-Tischdecken mit angesetzter Bordüre 8,50, 19, 12 �k. Plüsch-Tischdecken mit eleganter Stickerei 17, 22,50, 39-Mk. Ein grosser Posten Losnia-Teppiche limitie.t Sw�rna) (Zrässe ca. 4X80 55X110 65X130 160X200 200X300 800X400 cm 1,20 2,25 3 Tapestry-Teppiche Grösse ca Velour-Teppiche Grösse 15 135X200 22 175X235 49 Mk. 200X300 cm 12 135X200 29 175X235 31,50 Mk. 200X300 cm 12 u 16 27 41 Mk. �xminster-Teppiche Grösse c». 135x200 175x235 200x300 cm 7 12,50 18,25 Mk. Bettvorleger Velwet 3,00, 5, 6,25, Smyma(Handarbeit) 19,50, 15 MJr. T„ Breite ca. 67 00 cm Linoleum-Laufer M.ter— gg p,,] 20 Chinesische Matten Grosse ca. 40x00 50x75 eoxoo 70x140 cm 45 69 75 n. 1,35 Mk. Chinesische Ziegenfelle 1,50, 2,10, 3, 4, 5, 50, 6, so, 7 Mk. 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Es ge- hört der ans Quäkerkrcisen hervorgegangenen Familie Lloyd und hatte seit 1894 Herrn H. W. Maisiiighanr zum Chefredactcur, einen ver- hältnismäßig jungen Schriftsteller, der vordem das radikale Abend- blatt„Star" in dessen Glanzperiode redigiert hatte und mit einer Sektion der englischen Socialistcn regere Beziehungen unterhält. Es ist für die Kennzeichnung der Wandlungen in der Londoner Journalistik nicht uninteressant zu erwähnen, daß Massingham bei seinem Eintritt in die Redaktion dcS„Daily Chronicle" der eifrigste Parteigänger Lord RoscbcrhS war, und es heißt s ogar, daß seine damaligen Artikel nicht Ivcnig dazu beitrugen, daß Roscbery im Frühjahr 1894 Gladstone als Premierminister ablöste. Es dauerte aber nur kurze Zeit, bis aus dem Verehrer ein entschiedener Gegner Roseberys ivurde, und als Roscbery 1896 in der armenischen Frage sich gegen die von Gladstone befürwortete Sonder- Intervention Englands wandte, ward er nirgends bitterer kritisiert, als im„Daily Chronicle". Die Rede, durch die er damals die politische Atmosphäre reinigen zu wollen erklärte, ward von Massingham mit dcn Worten kommentiert: „Lord Rcseberh hat die Atmosphäre von— Lord Rosebery gereinigt". Das„Daily Chronicle" war von da ab das leitende Organ des Roscbcry-feindlichen Flügels der Liberalen. Der südafrikanische Krieg hat das geändert. Nicht da9 er Massingham auss neue zum„Rosebcriten" wie man hier sagt— gemacht hätte. Im Gegenteil. Im Novcniber-Heft der Revue „Niiictccnth Century" greift Massingham in einem Artikel über„die Zukunft Lord Roseberys" diesen auss neue an und führt aus, daß er als liberaler Premier absolut unmöglich sei und nur noch als auswärtiger Minister der konservativ-unionistischen Koalition eine seines Talents würdige Zukunft habe. Viernial sei er seit seinem Rücktritt von der liberalen Führerschaft politisch an die Oesientlich- keit getreten, und jedesmal habe er dabei den Traditionen Gladstoncs ins Gesicht geschlagen. Als letzte der betreffenden vier Erklärungen wird der Satz aus einer der jüngsten Reden Roseberys aufgeführt, daß, wie man anch sonst über den Krieg in Südafnka urteile» möge, doch darüber Einstimmigkeit herrschen müsse, daß England den Fehler von Majuba sd. h. des Friedensschlusses nach der' Niederlage am Majuba-Hügel) nicht wiederholen dürfe, und daß, bis der Krieg bc endet sei, die Opposition ihre Kritik einzustellen habe. Der Artikel machte durch seineu erregten Ton ein gewisses Auf- sehen. Seine Bitterkeit, schrieb die„Review of Reviews", trage die Zeichen„in Haß verwandelter Liebe", und doch sei es nicht Haß, was Massingham zur Feder gegen Roseberv greifen lasse, sondern Betrübnis. Er ringe in ehrlichem Schmerz die Hände über den einst Verehrten. Indes findet der bittere Ton dcS Artikels jetzt eine nähcrliegende Erklärung. Als Massingham ihn schrieb, hatte er schon den Brief des Herrn Frank Lloyd in der Tasche, worin ihm die Unzufriedenheit der Eigentümer des„Daily Chronicle" mit seiner Haltung in der Südafrika-Affaire ausgedrückt wurde, und ans dcn hin Massingham seine Kündigung eingereicht hatte. Vorigen Freitag ist diese Kündigung plötzlich perfekt geworden. An diesem Tage erhielt Massingham einen zweiten Brief, worin von ihm. verlangt wurde, seine Kritik der südafrikanischen Politik der Regierung bis nach Beendig»»« des Krieges einzustellen— das- selbe, was Rosebery den Liberalen empfohlen hat. Massinghan» hat darauf erklärt, er iei dazu nicht im stände, er halte den Krieg für ungerecht und eine unablässige Kritik schon darnm für geboten, um ivirknngsvoll für einen gerechten, mit den liberalen Traditionen übercinstimmenden Friedensschluß zu arbeiten. Angesichts der ihm gestellten Zumutung bliebe ihm daher nichts übrig, als um seine sofortige Entlassung einzukonimc». Sein Rücktritt ward accepticrt, und seit Montag haben die scharfen Angriffe des„Daily Chronicle" gegen Chambcrlaiu und Sir Alfred Milner aufgehört, werden dort nicht mehr diese für den Krieg verantwortlich gemacht, sondern wird nur noch eine ganz milde und iniverbindliche' Kritik an dcn Reden der Regieruiigsvei-trctcr geübt. Von dcn täglich erscheinenden Londoner Zeitungen schreiben nur noch der„Morning Leadcr' und das in dem gleichen Geschäft hergestellte Abendblatt„Star" gegen jede AniiexionSpolitik. Weniger schroff, aber immer noch im altliberalcn Geleise bewegen sich„Echo" und„Westminstcr Gazette". Die sonstige Tagcsprcsse Londons dagegen vertritt, ob konservativ, liberal oder radikal, in gewissen Abtönnugcu eine durchaus imperialistische Politik. Gleichzeitig mit Massingham sind noch zwei Iveitere Redactenre als mit ihm solidarisch ans dem„Daily Chronicle" ausgeschieden: Mr. Harold Spender, der dcn Parlamcntsbcricht dcS Blattes mit großem Geschick redigierte, und Mr. Vanghan Nash, Nedactcur des auf die Arbeiterbewegung bezüglichen Teils des Blattes. Der letztere hat sich durch seine Beiträge für daS„Archiv für Socialpolitik" auch in Deutschland einen Namen gemacht. Mr. Spender hat Ende Oktober in einer Parlamentsnachwahl im Londoner Eastcnd als radikaler Kandidat einen mutigen, wenn auch erfolglosen Kanipf gegen dcn Kandidaten der vereinigten Kriegspartcilcr gc- führt. ES ist beiläufig nicht daS erste Mal, daß der Letztgenannte seine Stellung seiner Ueberzengung auf die geschilderte Weise zu opfern hat. Er gehörte znin Stab der „Pall Mall Gazette", als dieses bis dahin liberale Blatt von dem anicrilanischen Millionär Astor, der cS angckanft hatte, in ein Tageblatt umgewandelt wurde. Herr Astor war so liebenswürdig, der damaligen Rcdaktioii Verbleibe» in ihrer Stellung anzubieten; sie brauchte bloß eine kleine Bedingung zu erfüllen, nämlich statt liberal konservativ zu schreiben. Zu seiner nicht geringen lieber- raschung ward ihm jedoch von den Nedactcuren cimnütigc Kündigung zur Annvort. Den Lesern der„Pall Mall Gazette" ward damals von dem ganzen Vorgang nicht das geringste mitgeteilt. Wer es nicht aus anderen Blättern erfuhr, dein blieb cS überlassen, ans der Haltung der„Poll Mall Gazette" selbst herauszufinden, daß eine Umwälzung in der Redaktion vor sich gegangen ivar. Ganz eben so müssen diesmal auch die Leser des„Daily Chronicle" es selbst hcrausfinden. daß ihr Blatt einen Wechsel in der Redaktion erfahren hat. WaS allerdings keine allzu schivere Sache ist. ES liegt nahe, den Vorfall, der übrigens vor einiger Zeit in der Redaktion der„Daily Neivs" feinen Vorgänger gehabt haben soll, als einen Beitrag zum Thema„Kapital und Presse" zu be- handeln. Aber als solcher, als Beispiel dafür, daß in der großen Tagespresse der oder die Eigentümer das letzte Wort haben, ist er bloß von generellem Juteresse ein Beispiel unter vielen. Sein besonderes Interesse für den Tag liegt in seiner Bedeutung als Reflex der Stinnnung im englischen Piiblikum. Es laufen in dieser Hinsicht zwei Versionen um. Nach der einen hätte daS„Daily Chronicle" in den letzten Monate» infolge seiner boerenfreundlicheu Haltung bedeutend an Absatz eingebüßt, so daß der Beschluß den Herren Lloyd als durch ihr pekuniäres Interesse diktiert erscheint. Nach der radikalen„West- »linster Gazette" dagegen, die Massingham stls einen der fähigsten Londoner Redactenre feiert, dessen Rücktritt zu allen Zeiten einen ") Der obige Brief unsere!- Londoner Korrespondenten ist, wie das Datum ja zeigt, noch vor der letzten Chamberlainschen Alliance- Rede abgesandt worden. ernsthaften Verlust ftir die Londoner Journalistik bedeutet hätte, jetzt aber, wo es so wichtig sei, daß jede Richtung ihren tüchtigen Ver- treter in der Presse habe, doppelt zu bedauern wäre: nach dicsem, dem Genannten offenbar sehr nahestehenden Blatt wären die Lloyds lediglich einer principicllcn Ueberzengung gefolgt und sei deren persönliches Verhältnis zu Massingham nach wie vor ein freund- schastliches. ES spricht manches für diese Lesart, die übrigens der Meldung von dein Abonnentenrückgang des „Daily Chronicle" nicht zu widersprechen braucht.„Morning Leadcr" zc. stellen zwar einen solchen in Abrede, es sieht aber doch so aus, als ob in der That das„Chronicle" in letzter Zeit an Lesern eingebüßt hat. Die Hnnderttauscudc von Ab- nehinern, welche die„Daily Mail", das Haupt-Jingo-Blatt, in dcn letzten Monaten gewonnen hat, sind ihm nicht aus der Luft zu- geflogen. Wie dc>n aber sei, anch wenn es sich nur uni die Herren Lloyds handelte, wäre die Sache nicht ohne große Bedeutung. Denn die Lloyds sind nicht die erste» besten Zeitnngs-Untcrnehmcr. Es sind Leute, die selbst eine Tradition aufrecht zu erhalte» haben, die in enger Fühlung mit einer wichtigen Sektion des radikalen englischen Nonkonformistentums stehen und deren Anschauungen wiederspicgeln. Wäre in diesen Kreisen, die sonst so lebhaft für den Frieden eintreten, nicht ebenfalls die Ansicht weit verbreitet, daß es sich in Südafrika um eine Lebensfrage für England handelt, so würden die Herren Lloyd schwerlich sich zu dem erwähnten Schritt veranlaßt gesehen haben. Aus jenen Kreisen, deren Fricdensdrang zur Zeit des Krim- kriegeS ein John Bright in flaiinnendcn Worten Ausdruck gab, ist diesmal, trotz der leidenschaftlichen Artikel Massinghams. kein Friedensredner von auch nur halb der Kraft jenes Volkstribnncn hervorgegangen. Herr Stcad hat seine Friedensbewegung durch seine widerspruchsvolle Haltung zu Chambcrlain-RhodcS selbst entkräftet— er will mi' Gewalt' Rhades als dcn edlen Ormuzd und Chamberlai»...s den bösen Ahrinian erscheinen lassen— und die Agitation der Socialdemokratie ist nicht im stände, um das breite, mchtsocialistische Publikum zu fassen. Für dieses sind die Umstände, die den Krieg herbeigeführt haben, fast schon vergessen. Es sieht nur die Thatsachc vor sich, daß in Südafrika nm die Frage gekämpft Ivird, ob England oder das Bocrcnvolk dort das entscheidende Wort haben soll, und daß Eng- landS Niederlage in Südafrika seine ganze Weltstcllnng bc- drohen ivürde. Danach richtet sich seine principielle SteNungiiahme. Ucbcrtricbcne Nachrichten von hinterhältigen Manövern der Bocren, deren Annexionen von britischem Gebiet und der eingewurzelte Nasionnlstolz thuu das übrige. Wie sehr erregt die Gemüter sind, zeigt die allgemeine Entrüstung Über die Karikaturen der Königin Victoria in einigen französischen Witzblättern. Die in Bezug auf politische Karikaturen sonst so abgehärteten Engländer sind über diese, allerdings recht geschmacklosen Bilder ganz ans dem Häuschen geraten und haben darüber fast ihre Grundsätze hinsichtlich der Preß- frciheit vergessen. Anch unter anderen Verhältnissen hätte man viel- leicht an dcn Bildern der„Rirc" Anstoß genommen— denn das Karikieren einer achtzigjährigen Frau, die politisch nicht hervor- tritt, hat immer ctivas Äbstoßcndcs— aber man hätte es bei einigen rügenden Worten bewenden lassen. Jetzt ward da? Ans- gleiten der Zeichenftdern einiger Karikaturisten fast zum Anlaß einer Staatsaktion lind ward von ncncm die Parole laut: Boykott der nächstjährigen Pariser Ansstellung. Sic drang nicht durch, denn die Geschäftsleute lassen sich durch solche Vorkomniitisse nicht so leicht bccinflnsscii. Aber sie fand doch ein ziemlich starkes Echo. Jedenfalls ist die Stimmung Frankreich gegenüber so gereizt ivie nnr möglich, lind je mehr die sranzösischc, ivie überhaupt die festländische Presse die Erfolge der Bocren hcransstreicht und die Leistungen der Eng- lättder herabsetzt, um so mehr stachelt sie hier de» Chauvinismus auf. Die LrtS-Krankcukasse für Kauflcutc Nr. 12 zu Kassel hatte unter dem 30. März 1896 mit Zustimmung des RcgiernngS- Präsidenten vom Bczirksnusschnß daS Statut genehmigt erhalten, das in der Gcncralvcrsammlnng vom 1, Dezember 1895 von ihr ncn revidiert worden ivar. Nach diesem Statut sollte die Kasse für Handlungsgehilfen und-Lehrlinge beiderlei Geschlechts bcstinimt feilt. Am 7. Februar 1897 entschied dann das Ober- V e r>v a l t n n g S g c r i ch t in Sachen einer Berliner Kasse, daß OrtS-Krankenkassen nur für Gewerbe und Betriebs- arten errichtet Ivcrdcn könnten, nicht aber für be- stimmte Perfonenkreise(K 16 des Gesetzes). Die Kasseler Kasse suchte durch einen am 12. November 1897 beschlossenen Statntcn- Nachtrag dieser Rechtsanforderung zu genügen. Der Bezirksausschuß versagte am 4. Juni 1898 hierzu die Genehmigung und führte aus, die Orts- Krankenkasse Nr. 12 sei, weil nur für Handlnngsgchilfcn und-Lehrlinge beiderlei Geschlechts, überhaupt z n II n recht errichtet worden; ein Nachtrag zu ihrem Statut sei deshalb nicht zu genehmigen.' Aus Antrag des Ncgiernngs- präsidcntc» zog der Bezirksausschuß am 3. Dezember 1898 die unter dein'30. März 1896 erteilte Genehmigimg des ganzen Statuts zurück und versagte nachträglich völlig die Genehmigung dazu. Der Bezirksansschiiß erklärte die Kasse somit für gänzlich zu Unrecht b e st e h e n d, er sprach ihr das Todesurteil. Auf die Klage der Kasse hielt er seinen Bescheid aufrecht. Der Vorstand der Kasse legte Berufung ein. In der gestrigen Verhandlung vor dem Ober- B e r lv a l t n n g S g e r i ch t vertrat ihn der Rechtsanwalt G u n d- I a ch. Dieser führte aus: Die Regierung hätte erniöglichcn niiisscn, daß die Kasse ihr Statut dem Gesetz anpasscn konnte; cS sei falsch, ihr einfach die Existenzberechtigung abzusprechen, der Borderrichter habe fälschlicherweise nicht' berücksichtigt, daß die Kasse nachträglich noch ein Statut eingereicht habe. wonach sie sämtliche in kaufmännischen Betrieben beschäftigten vcrsichcrnngspflichligen Personen aufnehmen Ivollte. Nim sei anch vom Bczirksnusschnß gesagt worden, ein solches ausgedehntes Statut der Kasse würde mit dem Statut der A l l g c in c i ne» Kasseler Ortskrankenkasse in Widerspruch stehen, weil diese Kasse bereits die Hausdiener und ähnliche Angestellte kaufmännischer Betriebe als Mitglieder anfnchme. Das könnte indessen, da die Kasse Nr. 12 die ältere sei, doch nur zu einer Acnderung des Statuts der 8kl lg em einen Ortskasse Veranlassung geben nnd nicht, wie der Negiernngs- Präsident beabsichtige, zur ileberfnhrung aller Mitglieder der Klägerin in die Slllgemeine OrtSkasse. Das Obcr-Verwalttmgsgericht hob den Beschluß des BezirkSausschnsses auf, weil dieses Gericht nicht berechtigt sei, eine einmal erteilte Statutengenchmigling zurückzunchmen. Eine solche Zurücknahme könne nur durch An- feck-tungsklage beim Ober-Verwaltungsgericht erreicht werden. Diese Enticheidnng bedeutet noch nicht einen endgültigen Sieg der klagenden Kasse. Nach zweimaliger umfangreicher Verhandlung gelangte gestern vor der vierten Straskamuier des Landgerichts I eine Sache zum Llbschluß, die, auS einem ganz geringfügigen Umfange ent- standen, sich zu einem wahren Rattenkönig von verschiedenen Strafverfahren cntivickclt hat. Am 6. Scptbr. v. I. versuchte der Hund dcS RestanratcnrS Scharty in der Koppenstraßc von dem Gänscpökel- fleisch, welches der benachbarte Kaustnann Köhler ini Eingange zu seinem Laden ausgestellt hatte, ein Stück zu erbeuten. Köhler verjagte ihn dadurch, daß er ihm einen schivcren Gegenstand gegen dcn Rücken warf. Das Thier vermochte sich nnr mühsam davonznschleppcn. Köhler ivnrde vom Schöffengericht wegen Tierquälerei zu 15 Mark Geldstrafe verurteilt. Er legte Berufung ein und erzielte vor der zweiten Instanz ein freisprechendes Erkenntnis. In diesem Termine öllte die als Zeugin auftretende Ehcftan Köhler eine Frau Hage- maiut, die eine belastende Aussage abgab, mit den Worten:„Das ist eine freche Lüge!" unterbrochen haben. Ans Antrag dcS Staatsanwalts wurde Frau Köhler in eine Ungebührstrafe von 10 M. ge- nomincii. Hiergegen legte die Gemaßregelte durch ihren Verteidiger Beschlverde beiiii Kanuncrgcricht ein. Die Bcschwcrdcschrift ivar von einer eidesstattlichen Erklärung begleitet, die von vier Personen, der Ehefrau Köhler, einer Frau T c i ch e r t und deren Tochter Elise T e i ch e r t, soivic von der Verkäuferin E m m.a Richter, die in den Diensten der 5löhlcrschcn Eheleute stand, unterschrieben ivar. Die letzten drei Personen wären im Zuhörerramn anwesend gewesen. Gegen diese wurde Anklage wegen Abgabe einer wissentlich falschen eidesstattlichen Versicherung erhoben, gegen Frau Köhler wegen Anstiftinig dazu. Zu einem früheren Termine ivar ein kolossaler Zcngcnapparat aufgeboten ivordc». Die Angeklagten hatten nämlich in der eidesstattlichen Versicherung behanpict. daS nicht die Frau Köhler, sondern die Zeugin Hagemann dcn Ausruf:„DaS ist eine freche Lüge!" gcthan nnd der Gerichtshof sich in cinei» Irrtum in betreff der beiden Personen befunden habe. Der ganze Gerichts- Hof der betreffenden Bcrnsungs- Strafkamnier«vurde vernommen. Der Staatsanwalt gelangte zur Ileberzeugnng von der Schuld der Slngeklagten und' beantragte gegen dieselben hohe Strafe». Nun trat der Verteidiger mit der Behauptung ans, daß die Slngcklagte K. sich' in der fraglichen Zeit in einem Znstandc so hochgradiger Scclcnberstimmung befunden habe, daß sie für ihre Handlungen nicht verantwortlich zu machen sei. Der Termin mußte deshalb vertagt werden. Zur gestrigen Ver- Handlung waren vier A e r z t e geladen worden, welche die Angeklagte Frau Köhler früher behandelt hatten. Ilcbercinstiumiend begutachteten sie, daß Frau Köhler zwar an Hysterie und nervöser llebcrrcizung leide, aber von Geistesgestörtheit keine Rede sei. Der Staatsanwalt beantragte gegen Frau Köhler sechs. gegen Frau Tcichert und deren Tochter Elise Teichert je drei Mo n a t e Gefängnis, gegen die Richter Freisprechung. � Die Verteidiger Rechtsanwälte Dr. Morris, Lahn nnd Ncufeld plädierten mit Erfolg auS rechtlichen wie thatsächlichcn Gründen auf Frei- s p r e ch n n g sämtlicher Llngcklagtcn, denn der Gerichtshof entschied dcingcinäß mit der Begründung, daß bei dcn lvidcrsprcchenden Zeugenaussagen es nicht nachzuweisen sei, daß die Angeklagten den Inhalt der eidesstattlichen Versicherung lvidcr besseres Wissen ans- gestellt hätten. Ein nmfangrcichcr Wnchcrprozcff Ivird am 7. d. M. vor der zweiten Strafkammer deS Landgerichts I gegen den Agenten Blum- b c r g zur Verhandlung kommen. Der Prozeß hat a»S dem Grimde eine eigenartige Physiognomie, lv e i l d c r Ll n g c k l a g t e s e i n e Opfer v 0 r z u g s>v e i s e aus dcn Kreise» d e r S ch u tz- männcr erhalten haben soll. Es sind zum Haupt- verhandlungsterinin weit über 50 Zeugen geladen, darnntcr hat Rechtsanwalt Dr. S ch w i n d t zur Verteidigung des Angeklagten allein 30 Entlastungszengcn vorladen lassen. Mit Rücksicht ans den Umfang der Verhandlung wird diese im großen SchwnrgerichSsaale stattfinden. Zur Kennzeichnung des Teppichfabrikante» Feibtsch. Wege» Vergehens gegen die§8 152, 153 der NcichL-Gcwerbe-Ordnnng hatte sich gestern der Weber Otto F r ö b e I vor der 131. Abteilung des 'Amtsgerichts I zu verantworten. Der Slngcklngtc ivar in der Tcppich- fabrik von Feibisch angestellt. Llm'2. September d. I. ivaren dortselbst zwei Slrbciterinncn plötzlich entlassen worden. Seitens der Slrbcitcr wurde darauf ein Ausschuß gewählt, der mit dem 8lrbcitgeber bezw. dem Werkmeister über die Gründe der Entlassnng verhandeln sollte; zu dem Ausschüsse gehörte anch der Angeklagte. Der Werkmeister aber, an welchen sich der Ausschuß wandte, ver- weigerte jegliche Anskuuft mit der Begründung, er könne zur Arbeit annehmen oder auS der Arbeit entlassen, iveii er ivollc. Zugleich ivnrde» die Mitglieder dcS LlrbcitcrauSschusscS sofort entlassen. Am 4. September er. begaben sich Mitglieder der Löhnkommission nach der Fabrik, wurden aber von Feibisch abgciviescn. Darauf legten die meisten Arbeiter die Arbeit nieder, bis die Entlassnngs- beziv. WiedereinstellungL- Angelegenheit erledigt sein ivürde. Am 5. September fand eine Versammlung der Streikenden statt. Vor derselben begab sich der An- geklagte in die Wohnnug des Arbeiters Gündcl. ivclchcr vorher während längerer Krankheit von seinen Kollegen Unterstützung er-: halten hatte, jetzt aber seine Kollegen im Stich ließ und sick, an dem Streik nicht beteiligte. Der Slngcklagte traf nnr Frau Gündcl an, machte ihr Vorstcllinigcn, daß cS doch unrecht fei, daß ihr Manu, der Untcrstütznngc» erhalten hatte, weiter arbeite, forderte, der Man» solle doch ivcnigstcns in die Versamnilnng kommen und sich erklären/ und fügte beim Hinausgehen die Acnßcrnng hinzu(wie wenigstens die Frau behauptet): der Mann würde doch sonst von den Kollegen verachtet nnd gcniaßrcgelt werden. Durch diese Aeußerung soll der Angeklagte' eine'Bedrohung und Ehrverletznng im Sinne. des§ 153 der Reichs- Gewerbe- Ordnnng begangen haben. Wie auS der Vernehmung des Fabrikbesitzers Feibisch hervorging, war bereits im Anglist in seiner Fabrik ei» Streik ansgebrochen; die Arbeit war danii aber wiederum aufgenommen worden. Die frag- liche Arbeitsiiiederlegmig sei allerdings wegen der erwähnten Entlasiimgen erfolgt'; am 4. September habe er al>er von der all- gcnieincn Lohiikommission ein Schreiben erhalten, in welchem auch Lohiifvrdcrmigcn formultert ivaren. Es>var»ämlich schon vor diesem Streik von der Lohnkoinmission für einen späteren Zeitpunkt ein Streik ivcgcil Lohnforderungen in Aussicht genommen worden. Da nnn schon dieser Streik ausgebrochen war, wollte die Kommission die Sache gleich in einem abmachen. Der Angeklagte bestritt ganz entschieden,' von dieser verfrühten Lohnfordernng Kenntnis gehabt zu haben, er habe davon erst in der Vcrsamuckmlg. Kenntiüs erhalten. Der Zeuge Feibisch erklärt übrigens, er habe den ArbeitöanSschnß, zu welchem der Angeklagte gehörte, nicht anerkannt, da er die Mitglieder nicht bestätigt hätte. Der Staats- anivalt ivar der Ansicht, daß der Angeklagte von dcr Lohnsordernng der Kommisfio» bereits Kenntnis gehabt hatte und bcaiitragte, da in der Aeußerung des Angeklagte» gegen die Frau Giindel eine Bedrohung lind Ehrverletznng im Sinne des§ 153 liege nnd gegen solche Terrorisierung energisch eingeschritten werden müsse, drei Wochen Gefängnis. Der Verteidiger, Rechtsanwalt Wolfgang Heine, führte dagegen ans. daß von einem TerrqriSmuS in diesem Falle gar nicht die Rede sein könne; man könne sich überhaupt keinen milder liegenden Fall denken. Wenn daher eine Bcstrasniig eiittrefen müsse, so sei die niedrigste Strafe angebracht. Der An- geklagte habe sich aber gar nicht strafbar gemacht, da in Wirklichkeit es sich bei dein Streik von Anfang an nicht»»» Lohnfordernngeu, sondern nur um die Einstellung von Arbeitern gehandelt habe. Der Zeuge Fcibisch befinde sich übrigens in einem große» Jrrtnm. wenn er glaube, daß der ArbeiternuSschnß, diese segensreiche Einrichtiliig des Gesetzes, von ihm bestätigt werde» müßte. Davon stehe nichts im Gesetz; die Arbeiter könnten in den Ausschuß wählen, wen sie wollten. Der Gerichtshof schloß sich dcn Ansfiihrnngcn des Verteidigers an nnd erkannte auf Freisprechung. Briefkasten der Redaktion. Die inrisiisckie Sprechstunde findet Nionto«. Dienstag und Freitag von«—8 Uhr abendö statt. Strasiburg Iii. 1. Zwei Johre lang dürste keine deutsche Festung sich halten töniien. ES ist dies ancki praktisch nnnotig, da die metsteil Kriege rascher enlschicden sind und somit der Zweck der Belagerung, ebenso wie der der Vcrteidigniig für die Beteiligten hinfälltg wird. Neben frischen NabrwigSmittelu dienen als Proviant anch Konserven,»aliirlich midi Fleisch: konserven.— 2. und 3. Geuiestbar hält sich gefrorenes Fleisch woh! nur wenige Monate. Heber Haupt kann eö sich jedoch jahrhmidertelaug halten. Wkan hat im ewigen Eise den Kadaver eine» ManniiuthS imt Haut und Haar erhallen gesunden nnd erst dadurch sich ein wirkliches Bild von dem Aussehen jeileS vorsündfliitlichm Riesciitiercs machen können. Michael B.. Lrol'rn. Das Protokoll ist im Buchhandel vcrgrtsfen, 8üt bni Jichnlt der Jliscvnt«? Mmiimmt die Ncdaktio» ffcrm Publikum grgcuübcr keinerlei VelaulU'ortuug. ThvÄkov. Sonntag, 3. D e z e m 6 e r. Steie Volksbühue. Oftcn'b T h e a t c v. 4. Abteilung(braune Karten): Winterichiaf, Anfang 2?// Uur. Lts fing- Theater- 1. Ab teilung(rote.Karten): � Mmua von Barnhelm., Anfang- 2� Uhr Opernhaus. Die Walküre. Ansang Kl/z Uhr. Mmitag: Lucia von Lamme rmoar TchauspielhanS. Schlaraffenland Anfang 7l/z Uhr.. Montag: Egmont. Zteues Oper»-Theater«Kroll» Narziß. Anfang 7*/, Uhr. Ternsches. Der Probeländidat. An fang 7'/, Uhr. ?!achm. 2V- Uhr: Die Weber.' Montag: Der Probekandidat. Lessing. Als ich wiederkam, Anfang 7>/. Uhr.. Montag:. ftra weißeil Roß l. Berliner. Die Herren Söhne. ,A» fang 7l/z Uhr. Nachm. 2'/. Uhr: Wilhelm Tell Montag: Der Taktliff. Advokat Paleli». Schiller. Die Groffstadtlnft. An lang SlUhr. Nachm. 3 Uhr: Kabale und Liebe. Montag: Cyprienne. ReueS. Gin unbeschriebenes Blatt Anfang 7l/, Uhr. Mittags 12 Uhr: Abschieds-Matinee der Gefellschaft„La. Ronloitc". Montag: Ein unbeschriebenes Blatt ZÄefteu. 1.» TraTirtta. iNhfang 7i/: Uhr. Nachm. 3 Uhr: Ter Tronbodonr. Montag: Der Wasfenschimed. Thalia. Der Platzmafor. Anfang 71/2 Uhr. Montag: Dieselbe Poxsieltnyg. Residenz. Busch und Neichenbach Vorher: Die Nichtige. Allfang 71/. Uhr. Nachm. 3 Uhr: Der Schlaffvagen Eoutroleur. Montag: Busch und Reichenbach Vorher: Tie Richtige. Luise». Kurbad GenlrnmV Anfang « Uhr. Nachm. 3 Uhr: Othello, der Mohr von Venedig. Montag: Knrbad Gentrmu. Central. Die Geisha. Ansang 7>/2 Uhr. Nachia.' 3 Uhr: Der Zigeuner baron. Montag; Die Geisha. Carl Weis». Heimat. Nnsang 7'/- Uhr. Montag: Der Wellliniergang. Friedrich- Wilheluiftädtisches. Ein gesunder Jimge. Anfang 3 Uhr. Nachm. 4 llhr: Don Carlos. Montag: Ein gesunder Junge. Bietoria. Die Ehansolmette. Ansang 3 Uhr. Nachm. 4 Uhr: Das tapsree Schueiderleiu. Montag: Die Venus voll der Mamhalle. Belle- Nlliancc. Gastspiel deS Schlierseer Bauern- Theaters. Liserl vom Schliersee. Anfang a Uhr. Nachm. 3 Uhr: Almenrausch und Edelweiß. Montag: Liserl vom Schliersee. Aletropol. Speeialitäten- Vor- stelliing. Rnnd um Berlin. An- fang 8 Uhr. Nachm. 3 Uhr: Speeialitäten. Vor- stellnilg. Montag: Rund um Berlin. Slpollo. Svecialiliileu- Boistellniig. Anfang 7t/, Uhr. Ne'chshalle». Steitiiicr Sänger. Ansang 7 Uhr. Palast.-Slisaiine im Bade. Specialt- täteit-Vorstelliing. Ans. 8 Uhr. Passage> Pauoplikum. Speeiali» läten-Volslcliiing. Ilrauia. Auvalideustr. k»7/NS. Täglich abends von k,— ll» llhr: Eteniwarte. Taubeustr. 48'4iy. Im Theater: „Transvaal". Vorher:„Der dunkle Erdteil". Ansang 8 Uhr. SchiiltrThtllttt «Wallner-Theater». Sonntag, nachmittags 3 Uhr: 11. Vorstellung im Schiller-Cnklns: Itnlialv anC Bürgerliches Schauspiel tu 5 Akte» von Friedrich Schiller.. Sonntag, abends 8 Uhr: vlv(xi-«Ri,»kndkhi/z Uhr: Dir Gvish«. Ansang i/z8 Uhr. Operette in 3 Akten v. Sidne» Jones Montag n-. folg. Tage: Die Geisha Thalia-Theater. Tel. Amt IVa 6440. Dresdenerslr. 72/73. Der Plaijn»ajor. Thomas, Thlelscher, Helmerding, Jnnhermann. Im 2. Ali:(«v. Mutoskop-Terzett Anfang 7'/, Uhr. Morgen und folgende Tage: Ter Planninjor. Ca rl Weiss-Theater Gr. Frauksurtersiraste IltT Nachm. P/, Uhr: Freie Volhedlllme Winterschlaf. Abends 7i/z llhr. L e h l e s G a st s p i e l der rnssische» Hofschonspiel. Elisabeth Gorewa. Heimat. Schauspiel i. 4 Akte» v. H. Sndermanu. Im Tlmnei vonV Uhr an Konzert. Montag: Ter Weltnutergaug. Ansstattmigssttick nu Gesang u. C. Weiß und I. Till._____ Apollo-Theater. Letzter Sonntag mit: Frau Luna und dem Lufihallett„Crlgolatls" Feiner das neue Specialität.-PrograRim Anfang 7V2 Uhr. 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Musik von Johannes Doebber.— Nachgerade aber kann selbst unscreincm die Geduld reiszcir Seit Jahren keine'Haltens- werte Opcrnnovität, ausgcnomincn dÄlbcrts längst verklnngene „Abreise"; dafür ein Häuflein verschicdcntlichcr Stücke, deren keines eine volle Leistung war, und jedes doch bald dies, bald jenes Gute in sich schloß. Es wäre doch gar zu arg, wenn die Herren Koni- ponisten, nach mehrjährigem Studium und mit einiger Theater- routine, nicht gut komponieren könnten— in der heutigen Musik- spracke, die für sie dichtet und denkt und ihnen einen Reichtum an Vorbildern zur beliebigen Auswahl, sogar- eine schon ziemlich gefestigte fortschrittliche Entwicklung darbietet, von der man sich leicht weiterschieben lassen kann. Leider finde» die Komponisten keine Te�lbnchsprachc. die für sie zur Genüge dichtete und dächte. Wir haben darin Beispiele erlebt, die un-Z, zumal angesichts des neulichen „Hermann und Dorothea", an keine Steigerung mehr glauben ließen. Allein sofort kam eS noch schlimmer.„Unter Benutzung einer Grund- idee der George Sand", d. h. wohl nach deren petits Fadette" von 1849, die schon 1857 in der„Grille" von der Birch-Pfeiffer auf die Bühnen gebracht wurde, hat jetzt Erich Speth ein Opcrnlibrctto „Die Grille" geschrieben. Wenn man den Mangel au allem Dra- matischcn darin beschönigen will, so kann man— und das nur zum Teil— von einer„Charakterkomödie" sprechen. Die. Titelfigur ist ein anmutiger Wildling aus vergangener Romanzcit, und die Ex- Position des allerdings nur episch interessanten Verhältnisses der Grille zu ihrer Umgebung ist das einzig Reizvolle im Ganzen: der Dialog hält sich einigermaßen schlicht natürlich. Die Leere des zweiten Aktes, mit einer moralisierenden Liebessccnc, und die litterarischc Greisenhaftigkeit des dritten Aktes mit seiner Rettung einer Unschuld durch ein Testament, zu der nur noch ein vsus ex machina fehlt, endlich die künstliche Auffrischung des Ganzen durch ein paar Episodenchargen— das alles läßt uns wittern, daß wir nächstens noch eine Marlitt ans die Bühne bc- kommen iverden. Der das komponiert hat, ist Herr Johannes Doebber, unserem Publikum als Kapellmeister ini Theater dcS Westens, diesem oder jenem anderen PriMkum durch Opern- und Licderkompositioncn, dem Leipziger Publikum seit 1897 eben durch seine„Grille" bekannt. Er gestatte uns die Frage:„Herr, warum haben Sie dieses Text- buch komponiert? Warum haben Sie es nicht sofort in die Ecke geworfen?! Nun muß wieder der Kritiker, der doch auch ein Mensch ist ssozusagen), herhalten und aus dem Ganzeu heraus- suchen, was dieses Suchcns würdig ist. Hauptsächlicher Vorzug: Anlauf auch, zu einer musikalischen Charakter- und zu einer eben- solchen Dialog-Komödic. Der Komponist versucht und erreicht es auch zum Teil, wenigstens die Figur der Grille charakteristisch ausznstattcu (obgleich ihr Hauptmotiv schon ungefähr für die Wiedertäufer im „Propheten" verwendet ist) simd dann dem auf der Bühne Gesagten durch möglichst anschmiegende Wendungen im Gesang und Orchester zu folgen, lvas freilich oft, z. B. wann von Geld die Rede ist, zu „Spassettln" und rein inusikalisch lgar nicht wagnerisch) zu einer Leerheit der bloß instrumentalen Teile führt. Daun noch der negative Vorzug: es wird Hochtrabendes und allzu Künstliches vermieden. Euseniblegesaug nur aufs sparsamste verwendet, der Fluß des musikalischen Fortschreitens gut innegehalten. Für das Publikum sind aber trotz dessen wohlgefällige Nummern da: ein hübscher Tanz der Grille, clsässische Volksweisen. ein Ballett ältesten Schlages, ein lustiges Schncidrrlicd und noch etwas, das zwischen den Zeilen spukt: Neßlcrs„Trompeter von Säkkingeu"; eine Einlage daraus würde keineswegs stören. Recht gut charakteristisch sind der weinerliche Ausbruch vom„Grashüpscr", dem Bruder der Grille, und die darauf folgende Selbstschilderuug dieser im 1. Akt sowie ein Spottchor im 2. Akt. Im übrigen dehnen sich Strecken voll ödester Sentimentalität, und zwar um so mehr, je weiter gegen Ende. Der Komponist konnte bei der Aufführung in unserem Opern- Haus'am Freitag schon»ach dem ersten Akt dankend hervortreten. Allein obivohl das Publikum sich durch sein Hineiuapplaudicren in die Musik als künstlerisch inkompetent erwies, kam es doch im ganzen nicht einmal zu der üblichen Premieren- erreguitg. Ilud von dem Publikumserfolg ist Hinwider das meiste auf die außerordentliche Leistung der Frau Herzog in der Titel- rolle zu fetzen: dieses Spiel und diese Gesaugeskuust, bis hinauf in die übermütigsten höchsten Töne des kindlichen Jauchzens, können allein schon ein ganzes Werk retten. Neunen wir noch Frau Götze als alte Hexe und Herrn L i c b a n als Schneider, so haben wir drei Leistungen vor uns, um deren Willen wahrlich viel ertragen werden konnte.—' sz. VevpÄUnnIungvn. Tie Korbmacher beschäftigten. sich in einer Versammlung- die am 27. November bei Wille in der Andreasstraße tagte, mit der Festsetzung eines Tarifs für die Grüubranche. Bei der Besprechung des von der Kommission aufgestellten Tarifs machten sich McimingSverschicdeuheitcn geltend, so daß von einer endgültigen Beschlußfassung Abstand genommen wurde und die Angelegenheit noch einer näheren Prüfung unterzögen werden soll. Deutscher Holzarbeiter- VerHaud. Die Mus i ki nst r u- m e nten- Arbeiter hielten am 28. November ihre Versammlung Köpnickcrstr. 137 ab. Nach einem Bortrag des Naturarztcs Herrn Lindenau kam ein Flugblatt der„Freien Bcreinigung der Berliner Pianofortc-Fabrikanten" zur Verlesung, in-welchem eine geplante Preissteigerung mit dem Hinweis auf die seit einer Reihe von Jahren eingetretenen Steigerung derLöhne begründet wird. In längerer Debatte wird der Nachweis erbracht, daß eiiie allgemeine Lohnerhöhung nicht stattgefunden habe, die Versammlung protestiert gegen die Vc- Häuptling der Fabrikanten. Befremden erregt die Mitteilung, daß in einer Fabrik die Ankunft des Gcwerbe-Jnspektors bekannt war. In der Piano fortefabrik von Schulz/ Brniiiienstraße, befinden sich die Umbau iNächcr und die Rasteumacher im Ausstand. Es handelt sich um eine Mehrarbeit, welche die Kollegen bezahlt verlangten. Tie Bauauschläger hielten am Dienstag den 28. d. M. eine öffentliche Versammtung ab. Fendius erstattete Bericht über seine Thätigkeit in der Gewerkschaftskommission. Aus der Neuwahl ging Fendius als Geiverkschaftsdelcgicrter und Ferdinandt- als Stell- Vertreter hervor. Ein. Antrag für Anschluß an das Gelvcrkschasts- kartell. wurde abgelehnt. Die Lohnkommission erstattete Bericht über ihre Thätigkeit durch Finke und klagte über den Jndifferentismus der Kollege». Gabriel berichtete, daß der Beitrag zum Streikfonds vom 1. Dezember auf 39 Pf. festgesetzt ist. Ein Antrag des Kollegen Schröder, die Strcikkarten vom 1. Oktober an auszustellen, wurde angenommen. Ferner wurde beschlossen, daß Kollegen, welche Arbeit zu vergeben haben, dieselbe nur solchen Kollegen zukommen lassen, die im Besitz einer Strcikkarte sind. I» der Drcchslcrvcrsammlnng vom 28. November sprach Michaelis über Lohn- und A c c o r d a r b e i t. Hieran schloß sich eine lebhafte Diskussion, in der die meisten Redner der Ansicht waren, daß bei einer eventuell eintretenden Lohnbewegung für größeren Ausbau der Lohnarbeit einzutreten fei, damit die für den Arbeiter so schädliche Accordarbcit beseitigt würde.— Sodann be- richtete Bünte über den Streik der Alabasterdrechsler. Der Stand desselben ist noch der gleiche. Die Kistcumachcr beschäftigten sich in ihrer Versammlung am 27. November mit der„Taktik des Streiks". Beschlüsse, welche eine Aeuderung der Taktik im Auge haben, wurden vertagt. In der nächsten Vcrsammluiig soll ein genaues Reglemeut vorgelegt werden. Die Versammlung nahm Kenntnis von dein Drcchselschen Streik; derselbe wird noch weiter geführt. In der Versammlung der Fliesenleger vom 28. November wurde über die Frage unterhandelt, wie der Tarif von den Unter- nehmer» innegehalten wird. Gegen eine ganze Reihe von Firmen wurden Beschwerden erhoben, so gegen Zander. Nosenfeld, Bloch sc.. daß sie den Tarif nicht imiehaltcn. Die meiste Schuld aber, so wurde ausgeführt, treffe die Arbeiter selbst, die zum großen Teil nicht organisiert seien. Der Vorsitzende forderte zur Verbreitung von Flugblättern unter den indifferenten Kollegen auf. Für Johanuisthal-Nicdcrschöncweidc fand am 27. November eine stark bcinchtc Volksversammlung statt, in welcher Reichstags- Abgeordneter P f a n n k u ch über die„politische Lage" sprach. So- dann wurde über die Lokalfrage verhandelt. I o h ii führt aus, daß der Partei schon seit drei Jahren kein größerer Saal zur Versüguug stehe. Jetzt, da die Schultheiß-Brancrei den„Neuen Krug" über- nommen, habe mau von neuem einen Versuch gemacht, aber ohne Erfolg. Man habe sich nun an Herrn Rösicke gewandt, der erst antwortete.. daß dies Sache der Pächter sei. schließlich aber die frühere„Borussia" zur Verfügung stellte. Die Versamnilung. der auch der Obmann der Berliner Lokalkonimission Genosse Scholz beiwohnte, hielt die Sache noch für zu wenig geklärt und vertagte die Beschlußfassung. In Weifiensce hielt am 29. November der socialdemokratische Arbeiterverein eine Versammlung ab, in der Dr. Rnd. Steiner einen mit großem Beifall aufgenonimcncn Vortrag über Kunst und Liitcratur im Verhältnis zur Naturwissenschaft hielt. Unter Vereins- augclrgenhciten machte der Vorsitzende auf de» am 7. Januar statt- findenden Besuch der Urania aufmerksam und bat sich frühzeitig mit Einlatzkarten zu versehen. Qrts.Kraiikcnlasse der Gastwirte und verwandten Gewerbe zn Berlin. Am Dienstag, den 5. Dezember, nachmittags 4 Uhr, finden im .Lokale„Arminhallen". Ävmmandantenstr. 20, die Delegiertenwahlcn statt. Zu wählen sind 100 Arbeitnehmer und 50 Arbeitgeber. Der Wahlakt bc- ginnt präcise 4 Uhr und ist ei» späterer Zutritt zum Wahllokal nicht mehr gestattet. Arbeitcr-Sängerbiuid. 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Ganze Häuserviercel mieten sie von den Wirten und bevölkern sie mit den Familien ihrer Arbeiter. Und selbst um den ungeschmälerten Verdienst dieser Arbeiter bemühen sie sich.— »Ja. bei uns ist es schon ein bißchen beschränkt,' meinte der Mann, der mir die Thür öffnete. Eine große Kinderschar umdrängte ihn, alle fast nur mit Hemd oder Röckchen bekleidet. Ein dicker Dunst, von Wasserdamps, Bratgnalm und Rauch gebildet, wehte mir entgegen. Am Küchenherd stand eine alle Frau, die Kohlen aufs Feuer warf. »Das ist meine Nachbarin," sagte der Mann;„sie sieht einmal nach dem Feuer, damit meine Frau gleich kochen kann, wenn sie von der Hütte kommt. Die Kinder sind schon unruhig." Ich drängte mich durch die schmale Küche, die von den acht Kindern ganz versperrt wurde. Die kleine Stube war ringsum mit Betten besetzt. Die darüber sich dehnenden Wandflächen waren so dicht mit Heiligen« und Madonnenbildcrn behängt, daß fast gar nichts mehr von der Tünche der Wand zu sehen blieb. Auf einer Kommode zwischen den Fenstern stand eine große, bunte Madonna in Gips, über die ein weißes Tuch geworfen war. Davor brannte eine rote, zierliche Lampe. »Ja, sehen Sie," sagte der Mann in entschuldigendem Tone, »mehr Raum haben wir nicht. Es will so schon nicht zureichen zur Miete. Der Aelteste, er ist nun sechszehn Jahr— er zeigte auf einen Jungen, dessen schmierige Arbeitskleidung auf dem schwächlichen, wie zehn Jahre alt aussehenden Körper einer Parodie ans die Arbeit glich— der verdient ja auch schon eine Mark pro Tag. Aber zehn Mänler fressen hier schon was weg. Und so geht denn meine Frau auch in die Hütte. Da haben wir denn die ach: Mark Miete jeden Monat zusammen.... Ach, früher wars noch viel schlimmer. Da mußten wir zehn Mark zahlen. Aber dann pachtete die Verwaltung die Häuser und setzte uns herab auf acht Mark Miete." lieber das eingefallene, hohlwangige Gesicht des Arbeiters ging es wie ein Leuchten, das von der inneren Befriedigung über das Wohlwollen der Schlcsischen Aktiengesellschaft für Bergbau- und Zink- hüttcnbctrieb, die hier in Lipine so niilfühlend für ihre Arbeiter sich bemühte, erzeugt zu sein schien. Bald aber wich das Leuchten tiefen Falten und größter Niedergeschlagenheit. „Ja, nicht ivahr, das ist doch sehr schön I" fuhr er traurig fort. „Aber wenn man nun bloß nicht gezwungen wäre, jede vor- geschriebene Schicht mitzumachen. Man Halts doch nicht immer aus an der Schwefelröste. Fehlt man jedoch im Monat zwei Schichten und kann das vorher nicht anmelden oder begründen— dann mutz man die Wohnung räumen." Er sah niit fragendem Blick seine Heiligenbilder an, als wenn sie ihm raten und helfen sollten. Doch trat in diesem Augenblick, als Antwort auf seine Blicke, seine Frau herein. Sie hatte eine mittelgroße Gestalt, die aber durch fortwährendes Bücken krumin und klein gezogen war. Ihre Schultern und Arme hingen ihr wie ans den Gelenken gerissen an den Seiten herab. Noch naß geschwitzt und heiß vom raschen Laufen, den Kohlenrutz auf den Händen und im Gesicht, machte sie sich hastig an die Zubereitung des Mittagbrotes. Die kleinen Kinder wollten von ihr hoch genommen und geküßt sein. Sie aber niußte sie zurückstoßen»nd die großen anschreien: „Run nehmt mir bloß die Kleinen von: Halse. Ihr wißt, ich habe mittags keine Zeit zum Verspielen. Ich soll in der einen Stunde hin und zurück, soll Mittag kochen, und essen will ich doch auch— es bleibt so schon meist keine Zeit, daß ich richtig essen kann — und dann soll ich auch noch mit den Kleinen rumtollen?... Nu macht, macht! Habt Ihr denn die Kartoffeln geschält? Und Fleisch geholt? Ja— schon wieder fünf Pfennig teuerer! Ach, wo soll man da nur noch das Geld herkriegen?— Ich geh nu schon mit auf Arbeit. Das bringt uu im Tag eine Mark. Aber es will nicht langen; ich krieg sie nicht satt, ich krieg sie nicht satt I" Ganz verwirrt machte sie sich an der Maschine zu schaffen. Ich fragte ihren Mann heimlich, wie alt sie sei. Sie hatte es wohl gehört und sagte:„Ja, seh ich nicht aus wie eine Sechszigjährige? Aber ich bin erst vierundvierzig. Seh ich nicht aus lvie eine«cchszigjährige?" Ich mußte ihre Frage bejahen. Ihr Gesicht war schon so zer- furcht, so vergrämt, ihre ganze Gestalt so zerfallen, wie die einer SechSzigjährigen. „Ach, ist das ein Wunder bei der schwere» Arbeit?... Ja, die Arbeit ist zu schwer. zu schwer! Immer die schweren Kohlenwagen hin- und herreißen— da fallen einem ja die Arme aus... Und dazu muß der Mann, wenn er auch krank ist, in die Hütte, denn sonst verlieren wir die Wohnung. Und selbst— wenn wir es riskieren sollten— hier ist ja nie eine Wohnung zu haben. Hier ist ja alles besetzt; hier werden ja zu viel Menschen hergezogen von den Hütten..." Sie hatte beim Sprechen unaufhaltsam am Herd gewirtschaftet. Ich hörte sie noch wirtschaften als ich begleitet von ihrer dreizehn- jährigen Tochter, hinunterging in den Keller des Nachbarhauses. Gleich vorn an der nach der Straße führenden Treppe saß»in Mann in der schivärzlichen Kleidung eines KohlenschauflerS. Er löffelte mit seiner Frau aus einem Napf. Als ich durch die nur mit Tisch und Stuhl ausgestattete, halbdunkle Küche vorbei au den Essenden in die Stube wollte, sprang die Frau mißtrauisch aus und wollte die Verbindungsthür zuziehen. Ich mutzte erst lange reden, um sie zu beruhigen, um ihr klar zu machen, daß ich ihr nichts Böses zufügen wolle, daß ick nicht etwa im Auftrage der Polizei komme. Endlich durfte'ch in die Stube hineinsehen. Nur weniges Hausgerät stand in dem dämme- rigen Zimmer. Aber lang auf die Erde ausgestreckt, wirr neben- einander liegend, schliefen vier junge Leute und mehrere Mädchen. Einzelne wachten wohl auf und sprängen verschlafen auf die Füße. Doch die meisten schliefen so fest, wie man nur in gänzlicher Er- schöpfung schläft. „Das sind meine Kostgänger," meinte die Frau, indem sie sich mit ihren Kindern zu schaffen machte. „Schlafen sie auch in Ihrer Wohnung?" fragte ich. Mit einem verlegenen Lächeln, das meine Frage bejahte» leugnete sie:„Ach nein, die kommen nur zu Tisch; ich koche ihnen nur Mittag. Man mutz doch sehen, wie man auskommt, wenn der Manu nur zwei Mark zehn Pfennig verdient. Irgend was muß man doch noch dazu schaffen. Und für die Wohnung sollen wir auch jeden Monat acht Mark zahlen. Man kann so schon nur so esse», daß man nicht zusammenbricht.„Sehn Sie nur'mal meinen Mann an— das ist ja nur noch Haut und Knochen. Der Mann schämte sich, daß seine Frau auf seine ausgemergelte Gestalt aufmerksam mache»nd ging fort von der Thür nach dem Herd, der ganz im Dunklen lag. Draußen erzählte mir das Mädchen, daS mich begleitete, daß die jungen Männer und Mädchen doch bei den Leuten ivohnten. Aber sie seien nicht angemeldet. Und darum hätte die Frau geleugnet. Es sei nicht erlaubt, so viel Leute aufzunehmen, die nie eine feste Arbeitsstätte für längere Zeit haben, die auch sonst kein Unterkommen fänden. Die Gruben und die Hütten zögen immer mehr Leute heran, für die sie in schlechter Zeit nicht lorgen brauchten, die sie rasch entlassen und ebenso rasch wieder einstellen._ Bei meinen weiteren Wanderungen durch die Keller und Woh- nungen der Arbeiter in Lipine sowie in der ganzen Hüttengegend fand ich noch oft solche mit„Unbeständigen" vollgepfropften Stuben und Gelasse. In Lapiewnick sah ich viele Kellerwohnungen, die ganz unter dem Straßenniveau lagen. Ii: Königshütte sah ich bewohnte Häuser in engen, stinkenden Straßen, die ostelbischen Gutsarbeiter- Wohnungen nichts nachgaben. In Lipine selbst schien die Polizei etwas aufzuräumen. Aus vielen Kellerwohnungen waren die Ein- wohner von der Polizei gewiesen. Was für Löcher mußten das gewesen sein, nach denen zu schließen, in denen die Polizei noch die Bewohner geduldet hatte! Da kan: ich z. B. einmal durch einen muffigen, dunklen Keller- gang in ein Gemach, das nur durch einen dämmerigen Schein er- hellt wurde. Als ich nnch an die Beleuchtung gewöhnt hatte, sah ich auf einem zerfallenen Bett eine alte Frau sitzen. Auf meine Fragen, die ihr meine Begleiterin ins Polnische übersetzte, antwortete sie, daß sie achtzig Jahre alt sei. Bis vor zwölf Jahren habe sie in der Grube gearbeitet. Aber dann sei sie zu schwach geworden. Und nun Iverde sie von ihrer Tochter ernährt. Die sei vierzig Jahre alt und bekomme auf den Tag eine Mark. Im Monat müßten sie vier Mark Miete geben. Das sei ja nicht viel. Was billigeres fänden sie auch gewiß nicht. Aber das Zimmer sei doch gar zu dunkel und dumpf. Das käme aber von den Abtritten, die dicht vor den Fenstern lägen. Jede Familie im Hause hätte einen, und achtzehn Familien wohnten im Hause. Das verdürbe den ganzen Hof. Sie sprach dabei so leise vor Altersschwäche, daß ihr das Mädchen ganz nahe treten mußte. Diese HosgebäudS hatte ich schon lange gesehen. Man denke sich, daß in dem ganzen Gebiet jeder Ort mehrere tausend Menschen beherbergt, daß die Häuserreihen, die sich an den Chausseen entlang ziehen, säst gar nicht unterbrochen iverden, ja, jedes Dorf, jeder Weiler Tausende von Menschen beherbergt, die sechs Orte Beuthen, Alt-Zabrze, Gleilvitz. Kattowitz, Königshlltte und Zaborze über 203 000 Einwohner zählen, daß die häufigen Grubensenkungen den natürlichen Abfluß des Grundwassers, der Fabrikabwässer, der Haus- Haltungsabwässer und der hochgehobenen Grubenwässer hindern, und man wird die Klage der Bewohner jener Gegend über das lieber- handnehmen des Unrats verstehen. Und ist es da ein Wunder, wenn in Beuthen bei der schrecklichen Lebenshaltung der Arbeiter, der schweren Arbeit der Weiber fünfzig vom Hundert der Kinder im ersten Lebensjahr sterben? Von den Hunderten und taufenden abscheulicher Wohnungen will ich nur noch die eine beschreiben, die ich in der Sachsstraße zu Kattowitz fand. Sie war nicht schlechter und nicht besser als viele andere. Das einstöckige Haus stand nicht weit vom Eisenbahndamm, auf dem die blanken, glitzernden Lokomotiven hin« und herrollten. Als ich den Flur betrat, dessen Steinbelag stellenweise schon ganz entfernt war, fühlte ich, wie die Mauern schwankten, wenn ein Zug vorüberfuhr. An jeder Seite des Flurs öffneten sich zwei Thüren. Ich trat gleich durch die erste. Eine abgehärmte Frau kam mir entgegen. Sie bat mich, still zu sein. Ihr Mann schlafe endlich ein wenig. Er sei verunglückt und liege ihr nun da. Sonst verdiene er täglich zwei Mark und zwanzig Pfennige als Kutscher. Aber nun sei's ganz und gar nichts. Die Tochter könne auch nicht verdienen. Die hätte immer ans dem Bau gearbeitet. Aber da habe sie sich einen Nagel in den Fuß getreten und seitdem wolle es nicht mehr so recht gehen. Sie selbst bringe weißen Sand in die Stadt. Da habe sie manchmal zwanzig, nianchmal sechzig Pfennige, oft aber auch nichts. Und die sieben Kleinen wollten doch leben; beaufsichtigt müßten sie auch werden, sonst verunglückten sie. Die acht, die schon gestorben seien, hätten es wirklich am besten. Die brauchten das nicht mehr alles mit durchzumachen. Wie jetzt— mit dem Vater. Und sie zeigte mir den unter Lumpen liegenden Mann, dessen Arm noch blutete und dem am Fuße mehrere Zehen fehlten, die er bei einein früheren Unfall verloren hatte. Dann machte sie mich auf die großen Wasserfleckcn an der Decke aufmerksam und wies ans die handbreiten, großen Risse, durch die der Wind blies, erklärte mir das langsame Schiefwerden der Decke, das jämmerliche Hausen i» dem mit Ziegeln gepflasterten, nur mit einem offenen Herd versehenen Rnuin und führte mich in die andern Wohnungen, die nicht besser aussahen. An der Hinterwand des Hauses war der größte Schaden mit Breitern vernagelt.— „Ja, der Herr Baumeister Franzco, dem jetzt das HauS gc- hört", fügte sie hinzu;„der hat uns aber auch die Miete um zwei Mark herabgesetzt. Früher zahlten wir zehn Mark, jetzt nur noch 3 Mark Monatsmiete!"-- An die Vorstände sämtlicher Wahlvcrcinc, Gewerkschaften, Krankenkasse», gesellige» Arbeitervereiue, Diskutier- klnbS ic. in Berlin nnd der Umgegend richten wir das freundliche Ersuchen, sobald wie möglich das nachstehende Formular der Redaktion des„Vorwärts", Beuthstraße 2, ausgefüllt zuzusenden. Name des Vereins: Centraisitz: Adresse des Ortsvorsitzcnden: Adresse des Ortskassiercrs: Adresse der Vertraueusperson am Ort: Adresse des Verkehrs- oder Ver- sammlungslokals: Adresse des Arbeitsnachweises: Adresse der Herberge: Adreffen der Zahlstellen, Kassen- lokalen oder Filialen am Ort: An welchen Tagesstunden sind die Bureaus' geöffnet? Wann u. wie oft im Monat finden die regelmäß. Versamml. statt? Mitgliederzahl am Ort: Sonstige Mitteilungen: ?rMVeiIillsMzoezeIieiiIke!iIIsiiieii'IlIeiöerzll>?eii! Jeden Montag; Grosser Räumungs- Verkauf einzelner Roben und kleinerer Reste für Kostüm- Röcke, Blasen, Kinderkleider etc. sehr preiswert. STcne wollene Jacqnard-Gcwebc, effektvolle Phantasie-Muster,...............d. Mtr. v. 0,85 Mk. Sehr effektvolle halbseidene Jacquards, aparte Keuheiten............... d. Mtr. v. 1,'iO Mk. Hochelegante Seiden-Crepons für feine Toiletten................... d. Mtr. v. 9,50 Mk. Sehr aparte Menhelten mit Sainmet- nnd Chenlllc-Effekten............. d. Mtr. v. 2,50 Mk. Phantasle-Careans, Schottische Careans, für Blusen, Kinderkleider eto.......... d. Mtr. v. 0,75 Mk. Sehr originelle Phantasie-Streifen für Morgenröcke.............d. Mtr. v. 1,85 Mk. Meue Cheviot-, Kanimgarn- und Tnch-Helangen.................. d. Mtr. v. 0,05 Mk. Heilert Covert-Coat, hochfeine Satin- und Köper-Gewebe.................. d. Mtr. v. 1,30 Mk. 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