Ur. 384. Absmttment»• frthtpngrn: Nbonnemlnli-Prei» pränumerando: vierleljährl. 330 Ml., monatl. I.loMl.» ivöcheulltch LS Psg. frei in» Hau». Einzelne Nummer S Pfg. Tonnlagt- Nummerstr»k Berlin" Redaktion: SW. 19, Vcntlx-Straslze 2. Dienstag, den 3. Dezember RfcWV. Expedition: SW. 19, Veuth-St raste 3. Nene Schiffe, nene Stenern! Die Haudtzahlen aus dem Reichs-Etatsentwurf für 1900 haben wir bereits mitgeteilt. Das Hauptinteresse beansprucht begreiflicherweise im Augenblick die Frage, ob— wie von den Offiziösen gern behauptet wird— die Reichsfinanz-Entwicklung wirklich auf Jahre hinaus noch eine Höherbelastung durch Steigerung der Marine-Ausfaben denkbar erscheinen läßt, ohne zu neuen Steuern grefcn zu müssen. Richtig �st. daß bisher noch immer der Voranschlag weit von ken später sich herausstellenden wirklichen Einnahnen überholt wurde. So crgiebt sich aus der, dem Reichstag seeben vorgelegten„Ucbcrsicht der Reichs-Ausgaben und-Ein lahmen für das Rechnungsjahr 18S8"(1. Apnl 1898 bis 31. L'ärz 1899): Bei Gegenüber dem Gesamtsoll von Mark Eine lvirkliche Einkunft von Mark 701 48g 4S0 60 842 000 LS 467 944 1 63S 148 25 278 72g 5 988 300 31 434 295 781 813 706 65 471 007 47 117 589 2 257 537 25 563 787 14 018 482 34736 185 dec Zöllen und VerbauchS : teuer»...... Bei den ReichS-Stempelabgaben Bei de: Postverwaltung.. Bei de:: Reichsdruckerei... Bei de; Eisenbahn-Berwaltung Bei de i Bankwesen... Bei vtcschiedencn VerwaltungZ« Einnahmen.... Nv/i sind allerdings im neuen Etatsentwurs die meisten Einnahmequellen nicht anders behandelt, wie in den früheren Etats euch; bei den Zöllen und Verbrauchssteuern für 1900 z. B. durch Berechnung eines Durchschnitts aus den wirklichen Ergebnissen des zweijährigen Zeitraums von September 1897 bis A-lgust 1899, während dem Etatssoll für 1899 in gleicher Weise der Durchschnitt von September 1896 bis August 1898 zu Gninde lag. Daraus— und das scheint zunächst ganz überzeugend und zuverlässig— ergeben sich bei einem Vcr- gleiche von 1966 und 1899 über 36,8 Mehr ansah für die Zölle, fast 16 Millionen für die Zuckersteuer. 661 666 M. für die Salzstcucr, über 5 Millionen für die Branntweinsteuer, insgesamt 47 464 646 M. mehr für Zölle und Verbrauchs- steuern, und ähnlich 3899666 M. mehr für die Stempelabgabcn, etwa 7Vz Millionen mehr bei der Post(33 664 325 M. int Brutto-Etat), 476660 M. bei der Reichsdruckerci. 6 823 766 M. bei der Eisenbahnverwaltung. 3 216 666 M. bei den verschiedenen Verwaltungseinnahmen. Aehnlich könnte man selbst diesem Etatssoll gegenüber die zu erwartenden wirklichen Einnahmen nach dem Vorbild der letzten Jähre höher bewerten wollen, sodaß der vorgesehene Anleihe- bedarf von 76 Millionen Mark entsprechend an Bcdcnklichkeit zu verlieren schiene. Aber solche Berechnungen und Vermutungen setzen offenbar voraus, daß der un> unterbrochene wirtschaftliche Aufschwung, der in den zurückliegenden Jahren immer höher sich steigerte, niemals durch einen Still stand oder gar einen ökonomischen Rückgang abgelöst werden könnte, der sofort den Verbrauch der Massen und die Geschäftsthätigkeit der Post, der Eisenbahnen, der Reichsbank weit hinter den zuletzt erreichten Umfang zurückwerfen müßte. Eine ewige Haussebewegung der Einnahmen wird auch der wagehalsigste politische Spekulant angesichts so vieler kritischer Zeichen nicht mehr annehmen wollen. Der-Anleihe, fast aus- schließlich durch unproduktive Ausgaben für das Militär (26 Millionen) und die Marine(46 Millionen) vcr- anlaßt, würde also kaum irgendwelche sogenannte„Schulden- tilgung" aus später sich herausstellenden Ueberschüssen gegenüberstehen, selbst wenn in solchem Falle diesmal nicht statt der„Schuldentilgung" eine Verstärkung der Be- triebsmittel der Reichskasse vorgesehen wäre. DaS alles trotz hoher Einnahmcschätzungen und obwohl auch nicht ein Pfennig für den neuesten Flotten- plan vom vorliegenden Etat in Anspruch genommen wird l Daß unter solchen Umständen die bisherigen Steuerquellen vollends viel zu dürftig fließen würden, um auch noch das zweite Doppelgeschwader der Marineschwärmer tragen zu können, liegt auf der Hand. Neu« Schiffe, neue Stenern! Das ist das unumstöstliche Ergebnis selbst einer sehr optimistischen Prüfung des Etats. Dieser Einsicht scheint man sich auch in sonst recht hoffnungsseligen Kreisen nicht länger mehr verschließen zu können/ Daß insbesondere die Finanzminister der Einzelstaaten sich keiner Täuschung über den wahren Sachverhalt hingeben, dürfte aus den Verwahrungen hervor- gehen, welche von ihnen neuerdings mehrfach gegen die stärkere Heranziehung der Einzelstaaten zu M a t r i k u l a r- beitrügen erhoben worden sind. Scheinbar ohne äußern Anlaß, dünn die Finanzen fast aller Bundesstaaten sind an- dauernd derart günstig, daß sie auf Rcichszusthüffe mehr wie je verzichten können; und Landeszuschüsse hat das Reich sei't langem nicht beansprucht. Wenn trotzdem im bayrischen wie im sächsischen Landtage die Regierungen mit einem Ma le die.. R e i ch s f i n a n z- R e f o r m" wieder an- schnitten, sto ist daS unseres Erachtens ein schlagender Beweis, daß die P-artikuIarverwaltungen sich gegen den Rückschlag der Flotteupläfic auf ihre Staatsfinanzen zur rechten Zeit schützen möchten. Aber die Einzelstaaten nicht durch Matrikularbeiträge heranzuziehen, heißt dann um so sicherer: neue Steuern im Reiche schaffen zu müssen. Tie ganze Lage nähert sich so, je mehr die Flottcupläne Unterstützung finden, wieder der Situation von 1893, als die Eaprivische HcereSvorlage über 56 Millionen jährlichen Mehrbedarfcs geschaffen hatte, ohne daß eine Deckung durch die bisherigen Steuerquellcn möglich schien. Unter Führung des Herrn Miqucl betrieben damals bekanntlich die Finanzminister eine Finanzreform großen Stils, die nicht nur 66 Millionen für das Reich, sondern gleich noch 46 Millionen für die Einzelstaats- Kassen aus dem Tabak, dem Wein, den Quittungen und Fracht- bliesen liefcm sollte, nachdem man vorher mehr an Bier und Branntwein gedacht und nur aus Sorge vor dem Wahlkampfe davon Abstand genommen hatte. Damals hat die Hochflut des Geschäftsganges von selber größere Einnahmen gebracht und damit den Anschlägen des Herrn Miqucl die Spitze abgebrochen. Heute ist mit einer solchen automalischen Einnahmcvermehruug nicht mehr zu rechnen, viel eher mit einer Ebbe und Rückflut in den Reichs- kassen. Darum wird wahrscheinlich die bevorstehende Etats- beratung sich sofort den neuen Flottcnpläncn zuwenden. Finden sie keine unverhüllte, entschiedene Ablehnung, so mag mau für das Etatsjahr 1966 sich noch einmal durchwursteln, wie eine kaiserlich östrcichische Regierung. Indes die Aussicht für die Zukunft bleibt dann doch allein: neue Schiffe, neue Steuern, und zwar diesmal, außer der Erhöhung der Gctrcidezölle, wahrscheinlich Steuern auf Bier und Tabak. A)olikifchv MebeLNchk» Berlin, den 4. Dezember. Der Reichstag hatte heute die nene Münzvorlage der RcichSregierung in erster Lesung zu erledigen und das brachte natürlich eine Doppel währnngs-Debatte. obgleich der Gesetzcnt- Wurf mit der Gold- und Silberwührung eigentlich gar nichts zu thun hat. Wenigstens nicht direkt. Denn er hat nur den praktischen Zweck, die goldnen 5 Markstücke und die silbernen 26 Pscnnigstücke, jene binnen Jahresfrist nach Erlaß des Gesetzes, diese vom 1. Januar 1892 außer Gültigkeit zu setzen und die Prägung dieser zwei Münzsorten sofort einzustellen. Für Rorddentschland hat das beiläufig gar keine praktische Bedeutung. da die beiden unzweckmäßig kleinen Geldmünzen vom Publikum Norddcutschlands thatsächlich bereits längst außer Kurs gesetzt sind und sich nur noch in Süddcntschland vorfinden, wo man an die winzigen Kreuzer gewöhnt war. Mit dem Gesetzentwurf ist aber die weitere Bestimmung ver- bundcn, daß bei der Silbcrausprägung die Norm von 14 Mark Silberscheidemünze auf den Kopf angenommen worden soll, anstatt wie gegenwärtig von 16 Mark per Kopf, und daß für die Auspiäguug, bis jener Betrag erreicht ist,„Landes- silbermüuzen" zu verwenden sind— und zwar in der Höhe von 36 Millionen Mark im Jahr. Es ist berechnet, daß dann »ach 16 Jahren die Norm von 14 M. Silbermünze auf den Kopf erreicht würde. Hiernach wären 36x16 Millionen, also 366 Millionen Mark, das heißt 166 Millionen Thalcr eiuzu- schmelzen, und der Gesamtbetrag wird jetzt auf tingefähr 126 Millionen geschätzt. Tie Gesetzesvorlage spricht demnach über die noch im Kurs befindlichen Thaler das Todesurteil aus. Und das ist es. was die gewerbsmäßigen Agitatoren für Doppelwährung in die Wolle gebracht hat. Denn an den T h a l e r, der in die Goldwährung nicht hineinpaßt und sie zu einer„hinkenden" gemacht hat, knüpften sie große Hoffnungen,(ms dem Thaler gedachten sie den Hebel zu schmieden, durch den die Goldwährung aus den Angeln zu heben sei. Hing lllne lacrymae! Darum der Schmerz unserer Silber-Jnteressentcn. Dies der Grund ihrer Opposition gegen die Geshtzcsvorlage. Dies der Ursprung der Doppelwährungs- Debatte. Eine Doppelwährungs-Debatte gleicht der anderen, wie ein Ei dem andern gleicht. Was die Frage selbst angeht, Gold- oder Doppelwährung? so ist das eine Frage, die nur für Unwissende oder— Interessenten besteht. Eine„Währung" kann nur eüie einheitliche sein, wie jedes andere Maß mit Notwendigkeit einheitlich sein muß. Was würde man von einem Gewichts maß sagen, das neben dem Kilo- gramm auch das Pfund hätte? Es wäre die organisierte Konfusion.(Und Doppcl Währung wäre noch weit schlimmer als solches Doppcl maß. weil das gegenseitige Werwerhältnis wischen Gold und Silber bestündig wechselt, während das Naßverhältnis zwischen Pfund und Kilogramm immer das gleiche bleibt. Und ebensowenig wie man sich über das Wesen der Doppelwährung Illusionen hingeben kann, ist eine Täuschung über den Zweck den Doppclwährung, so wie sie heute ge- fordert wird, noch möglich. Man mag sich wenden und drehen wie man will, die Doppelwährung oder lateinisch: der Bimetallismus läuft auf Falsch niünzexci oder, was dasselbe, auf planmäßige M ü n z v e r s ch l e ch t e r u n g zum Vorteil der Junker und auf Kosten des arbeitenden Volkes hinaus. Geredet haben heute wieder die alten Redner. Die Frege, Arendt, Hahn und Kardorff ritten die alten Schlacht- rosse, verzapften die alten Schlagworte und hatten das alte Schicksal. Es wurde ihnen tüchtig heimgeleuchtet. Und die Herren Siemens und Koch besorgten dieses Amt nicht gerade höflich. Indes das nahmen die Herren Vimetallistcn nicht übel; es gicbt einen Grad der Unwissenheit oder— Interessiertheit, der das Gefühl der Blamage ertötet. Unserer- seits sprach Genosse Schocnlank. Nächste Sitzung morgen 1 Uhr. Kleinere Vorlagen und dritte Lesung der Gewerbe Ordnungs-Novelle. Die Flottenvorlage naht! Am Montag, den 23. Oktober 1899, gab die„N o r d- deutsche Allgemeine Zeitung", in der Absicht, die durch die Hamburger Kaiscrredc erregten Gemüter zu be> schwichtigcn, eine offiziöse Erklärung ab, die also begann: � „Wie wir von zuvcrlässi.qcr Seite erfahren, ist der Marine» Etat für daö RechunngSjahr 1900 abgeschlossen und hält sich im Rahmen dcS FlottcngcsctzcS. Für das EtatSjahr ISOO ist eine Novelle zum Flottcngesctz nicht tu Aussicht ge uonuiien." Ein paar Wochen später, am 4. Dezember 1899, schreibt dieselbe„Norddeutsche Allgemeine Zeitung" ebenso offiziös au der Spitze des Blattes gegenüber Behaup- tungen der„München er Neuesten N a ch r i ch t e n": „In der Presse ist die Ansicht aufgetaucht, daß dem Reichstag in der jetzigen Session nicht ein Flottenge setz, sondern n u r eine Denkschrift vorgelegt werden soll. Wir sind ermächtigt z» erklären, daß die oben erwähnte Nachricht unzutreffend ist. Der Reichstag wird bestimmt noch i» dieser Session Ge-- lcgcnheit haben, eine Novelle zum Flottcngcsetz zu beraten. Der genaue Zeitpunkt, an dem die in Arbeit befindliche Vorlage dem Reichstag zugehen wird, steht indessen noch nicht fest." DaS ist einmal ein Musterbeispiel offiziöser Unehrlichkeit. Am 23. Oktober die entschiedene Versicherung, daß für das Etats» jähr 1900 keine Novelle zum Flotteugesetz in Aussicht ge- nommen sei, am 4. Dezember die nicht minder entschiedene Erklärung, daß der Reichstag noch bestimmt in dieser Session eine Flottcnnovclle zu beraten haben werde. Will man künftig noch eine Steigung für„Unwahrheit" auwenden, so mag man von einer„ o s s i z i ö s e n Erklärung" reden. Da die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung" aber nicht irgend ein Blatt ist, sondern als das Sprachrohr der Re- gierimg benutzt wird, so trifft das Kennzeichen absoluter U n z u v e r I ä s s i g k e i t der offiziösen Erklärungen in der Presse auch die Versicherungen der Regierung selbst. Man braucht schlechterdings nicht mehr so„höflich" z« sein, den Herren Vertrauen und Glauben entgegenzubringen. Jedenfalls wissen wir jetzt, daß uns die Flotienvorlage nicht nur in der Form einer unverbindlichen Denkschrift be» Vprstsht, sondern daß sie als eine Abänderung des jetzigen Flottensexennats dem Reichstag vorgelegt werden wird, der nun Gelegenheit hat, seine Festigkeit gegenüber einer ebenso maßlosen wie nebelhaften abenteuernden Ueberscepolitik zu beweisen.—_ Drohungen. So Icickit geht die Abscbüttclung deS Herrn Schweiiiburg nicht von siattc», wie sich die Berliner IlinvcrsitätSprofcssoren gedacht haben. Er selbst denkt gar nicht daran, zu gehen, und diejenigen, die ihn gehen machen könnte», werden es sich sehr überlegen, che sie sich daS Ilcbclivollcn des genannten Herrn zuziehen. Im„Kleinen Jonnial' wird eine ganz deutliche und vielsagende Drohung an alle diejenigen erlassen, die ans seinen Sturz hinarbeiten. Ans die Frage: Wird man ihn fallen lasten, erhalten wir dort den Bescheid: „Das Gebot der Klugheit müßte dagegen sprechen, denn Herr Schweiiiburg weiß viel, sehr viel— er besitzt einen wohlver- wahrten Schatz von Dokumenten, deren Veröffentlichung viel Staub answirbcl» würde. Die Luft ist auch bei ti»S durchaus nicht so rein, daß ihr Bacillcugchalt noch eiper Vermehrung bedürste. Wer diese Drohung niedergeschrieben hat, der muß Herrn Schweinburg persönlich sehr nahe stehen, den» sonst könnte er doch von dem wohlverwahrten Schatz von Dokumenten leine Kenntnis haben. Es liegt hier also eine ausgesprochene Drohung von feiten SchwcinbnrgS vor. die ihre Wirkung nicht verfehlen dürfte. Schon jetzt wird selbst von den Blättern, die ganz energisch die BeseitignngS SchwemburgS von seinen Vertrauens- Posten verlangten, zum Rückzüge geblasen. So schreibt das „Leipziger Tageblatt", das bisher mit am schärfsten gegen Schwein» bürg losgezogen hatte, nunmehr ganz merkwürdig diplomatisch: »Man kann mir wünschen, daß Herr Schweiiiburg hieraus (aus den Protesten der Universitätsprofessoren gegen seine Führung iin Flottenverein) für sich die Notwendigkeit ableitet, seinen exponierten Posten im Vereine aufzugeben. Ist sein selbstloses Interesse an der Flottcnsache so groß, wie seine hohen Protektoren versichern, so wird er wohl einen Weg finde», der seine zweifellos seltene Arbeitskraft dem Vereine erhält. diesen aber von der Verbindung mit einem Namen befreit, der nun einmal der großen nationalen Sache Gegner schafft und Freunde abwendet." Das heißt nichts anderes, als den Feldzng gegen Schweiiiburg einstellen, vor ihm in aller Form kapitulieren. Man begnügt sich mit dem Wechsel der Firmen,»ach wie vor soll aber Schweinbirrg die Seele deS FlottenvereinS bleiben dürfen, mir benamst soll sie nach einem anderen werden. Wenn dann die Berliner UniversitätSprofessoren dem Flottciivcrcin noch nicht beitreten wollen, hören sie überhaupt ans, von Herrn Schwcüibml, nach ernst genommen zu werden. Wir freuen uns, dasz Herr Schwcinburg als einfacher Mann der Feder seine hohen Protektoren, die RcgiernngSkreise wie auch einen grohen Teil der bürgerlichen Kreise so in Schach zu halten versteht, daß niemand ihm ctwaZ zuleide thnn mag. Er benutzt in seiner Weise das Wort „Wissen ist Macht". Weil er tief eingeweiht in die schmutzigen Coulissciihändel der letzten Jahrzehnte ist, so stellt er eine Macht dar, mit deren Wissen gerechnet werden muß. Allerdings laßt sich die Drohnote auch als ein Pfeil ans den» Hinterhalt deuten, der gegen Schlvcinburg und vor allem gegen seinen Herrn gerichtet ist. Es kann sein, daß es kein Freund SchwcinbnrgS ist, der hier als sei» scheinbarer Verteidiger anstritt. Man mag niit bestimmten oben herrschenden Stimmungen rechnen. indem man ihn als eine Art Erpresser denunziert, man mag ans jenes vernichtende„nun er st'recht" spekulieren, mit dem Leute durch höhere Gewalt beseitigt''werden, die sich mittels Drohungen aufrecht zu erhalten suchen. Die höfische Jntrigne wandelt gern solche Schleichwege. Natürlich handelt es sich nicht um den gleich- gültigen Schweinbnrg. sondern um seinen bisher unbesieglich er scheinenden Patron im Kastauicnlvaldchcn.— der Partei nur jene gemästeten Agitatoren übrigbleiben, die so J Bisher konnten unsere Vertreter Anträge nicht selbständig zur lange von ihrem angesammelten Fett zehren, bis sie mangels neuer Zufuhr von Arbeitergroschen elendiglich verhungern.— � Drei Männer ans dem Volke sind bisher in der„Nord- deutschen Allgemeinen Zeitung" aufgetaucht. Der erste-stiftete Floticnsainnilnng. Der zweite Der dritte, ein Studiosus, folgende Quittung: erklärte, daß er erhält im Brief Studiosus, Berlin. Wir Aushebung des Verbiuduugsvcrbotö. Noch bei Beratung des ZiichthansgesctzeS versuchte Graf Posa d o w s k y die Aufhebung des Koalitiönsvcrbots für politische Verciiiigimgen zu einem Handclsobjckt rcakstonSrcr Wünsche zu mache». Er deutete an, daß die Ncgicrmig sich der Erfüllung ihres wichtige» Versprechens überhoben fühb wenn der Reichstag dem ZuchthauSgesetz snicht wenigstens einige Schritte weit entgegenkomme. Letzthin wandte sich nun der noch immer von amtlicher Gunst begnadete Herr Schlvcinburg in sciiicn „V. P. N." gegen diese Auffassung der Worte des Staatssekretärs des Innern und ließ erkennen, es sei nicht die Abficht der Regierung, die Einlösung ihres Versprechens nur al Würze eines Untcrdrüc'imgsgesetzcs zu spenden. Jetzt verlautet mit Bestimmtheit, daß die Rnshebuttg dcS VrrbiudnngövcrbotcS alSbaldigst z» orwartcn sei. Bekanntlich hatte Fiirfh Hohenlohe bei der Bcraluiig des Bürgerlichen Gesetzbuches feierlich zugesagt, daß das Verbot für politische Vereine, niit einander in Verbindung zu trete», jedenfalls eher aufgehoben werden solle, als- das neue bürgerliche Gesetz Kraft tritt. In einer ganzen Reihe von Bundesstaaten ist das Verbot im Laufe der letzte» Jahre beseitigt worden: in Bayern wurden zugleich einige sonstige Derbcsscrniigcn im Verein?- und Bcrsanim lnngSrccht durchgeführt, in' Sachsen dagegen wurde die Reform mit erheblicheu m,d fast ausschließlich' die Arbeiter Ilasse treffenden Dcrschlcchtcnmgcn des VcrcinSrcchts verkoppelt. In Preußen' sollte das Versprechen des Kanzler- zum Vorwaud einer völligen Beriffchlmig des Arbeiter-VercinSicchis bcnützt werden. Die!e!r Recke zerschiült die Fcffel dcS Verbindimgs- Verbots, um zugleich die Arbeiterklasse von jeder Bcinitznng des entfesselten Rechts auszuschließen. Nur knapp entrann die Bc völkernng Preußens dieser eigentümlichen Erfüllung dcS Versprechens des höchsten RcichSbenintcu. Jetzt stehen lvir unmittelbar vor dem äußersten Termine, den der Reichskanzler sich selbst gesetzt hatte. Das Bürgerliche Gesetzbuch tritt am 1. Jamiar lvlX) in Kraft. Schon jahrelang nmßten die Rcichsregicrimg und ihr oberster Vertreter von allen Seiten Hohn und Mißtrauen dulden, ob des»och immer tinerfülltcn Ver- sprechen?. Ja. sicherlich trug die Nichterfüllung der dein Reichstag gegebenen Zusage erheblich dazu bei, daß die Mehrheit des Reichs- tags das Znchthansgcsetz init ungewohnter Erbitterung beiseite warf. So blieb denn jetzt nichts anderes übrig, als daß dem widrigen Spiele ein Ende gemacht wird. Fürst Hohenlohe soll die neue Flotten vorläge im Reichstag rcpräsciiticreu. Ohne Ersüllnug jener Zusage vor einen« ob dcS WortbrncheS grollenden Parlament könnte er feine bescheidene Rolle unmöglich erfüllen. Um den Mariiie-Abeutcncrlichkeiten die Dahn ein wenig zu glätlcn, erfüllt die Regierung mühselig und unwillig eine seit Jahr zehnten von allen bürgerlichen Parteien geforderte, seit Jahren zu- gesagte und doch stets hintertriebe»«, winzige Rcform.— » Deutsches Zieich. Eine Verschwörung Die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung", die sonst nur in der Lage ist, ossiciöscn Ilnziiverläfsigkeitc» ihre Spalten zu weiheii, hat endlich einmal daS Glück, auf Grund eines geheimen Aklenstücks die lautere Wahrheit z» verkünden. In ihrer Somitags- »mmner bringt sie nämlich die folgende sensationelle Enthüllnüg.: „Wie wir hören, soll seitens der in Partcifregcn als maß- gedend erachtete» Stellen für die focialdcniokrattschc Partei die Parole ausgegcbr» sei». Volksvcrsamnilmigcn, in denen die Flottcuborlage auf der Tagesordnung fleht, zu meiden. Sollte diese Nachricht zutreffend sei», so geht nur daraus hervor, daß Ulan es für richtig hält, zu dem alleü Mittel„Erhalten in Unkenntnis"- zu greifen. Man befürchtet wohl mit Recht, daß die intelligenten dentschen Arbeiter scbon zum großen Teil eingesehen höben oder durch Flottcnvorlrüge leickit davon überzeugt werden könnten, daß eS sich bci der Flottrnfragc nicht um eine Maßnahme gegen, sondern für ihre vitalen Interesse» handelt." Wir müssen leider bekennen, daß die„Norddeutsche" das Nichtige gehört hat. Irgend ein schnsliger Verräter hat ihr von der geheimen Konferenz erzählt, die unter der Leitung des durch seine großen Pnrteibeiiräge bekannten„Mannes im Monde" und in Gcgcnivart des ansklindischcn jüdischen Millionärs, der als„Nordische Waffcr- kante" figuriert, stattgestmden hat. In dieser Versammlung ivnrdc einmal beschlossen, daß jeder'Socialdcinokrat, der eine Flotten- versammlmig besucht, nicht nur ans der Partei ausgeschlossen wird, sondern ihm auch nach der bekannten terroristischen Manier die Knochen im Leibe zerschlagen lvcrdcn. Insoweit ist die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung" zutreffend unterrichtet. Wa? sie aber nicht loeiß ist. daß dies nicht die erste Verabredung der Art ist: schon bci der Znchthansvorlage durfte nie- rnaud die Volksversannnluiigen besuchen, die für das herrliche Gesetz loarben; denn wir hatten auch damals eingesehen, daß nnscrc intelligenten Arbeiter sonst durch die Conin, is der Scharfmacher leicht hätten über- zeugt»verde» können, daß die- Vorlage keine Maßnahme gegen sie war, sondern in ihre»», vitalsten Juteresse lag. Zweitens hat die„Norddeutsche" vergessen oder absichtlich imtcr- lassen hiiiznzufügen, daß Nia» in den Kreisen der edlen Waffer- schwärincr beabsichtigt, jedem deutschen Arbeiter die nötigen 50 Pf., die bci den bisherigen sslotteii-„V0IkS"versanimlnngeli als Eintrittsgeld erhoben Ivnrdcn, leihiveise aber zinskos vorzustrecken,«in ihnen den Besuch dieser Veranstaltungen zu ermöglichen; weitergehende Vorschläge planen sogar, den intelligenten dontsthen Arbeitern Pferdebahiigcld, sowie sonstige Auslagen zu ersetzen. Eudlicl, will inan Marinemissionare in die Privattvohmlugen sowie Werkstätten der Arbeiter senden, iun sie über die Segnungen der Weltmeerpolitik zu imterrichten. Samt- liche deutschen Uiilernchmer bcabzichtigcn. zii diesem Zioeck täglich eine zlveistündige Extrapaiffe bei voller Lohnnuszahlnng einzuführen, NM die Gelegenheit- zur Enlgeotnnahnie der Bekehnmgsversnche zu geben. Wir können uns nicht der schlimmen Befiirchtnng entschlagen, daß aus diese Weise die Sscialdemokratie mn den Erfolg ihrer Der- ichwöruiig gebracht wcrdeii loird, daß uns die Arbeiter, flotten- begeistert�, bis ans de» letzten Mann davoiilanftn werden, und in 2200 M. für die nichts geben würde lasten des Blattes haben Ihre» Beitrag für die Flottensanimlniig ciitgegcngenommcn mid der ziistäiidigen' Stelle übennittclt."— W i e hoch der Betrag ist, wird nicht verrate». Es lebe der vierte Mann ans dem Volke! Inzwischen geht der Flottcnrnmmcl in den scltsamsicn Formen weiter. In den Üniversiiätcn werden Ansrnfe angeschlagen, i» der die patriotisch gesinnten Studenteli zu einer nationalen Flottensubskription angefleht werden...Ein jeder Deutsche," so heißt es in dem Anfmf. „möge ohne Unterschied dcS Standes wenigstens allmonatlich ein freiwilliges Opfer ans den Altar des Vaterlandes legen, bis wir eine gelingend starke Flotte habe», bis wir ebenso mächtig zu r See si n da l s zu Lande. Ihr Reichen gebet viel, ihr mäßig und Ivenig Bemittelte» gebet mindestens so viel, als ihr nn- bedingt abbrechen könnt." Wem, die Studenten kein Bicr. mchr trinken, keine Eigarre mehr rauchen, auch sonstigen tenreil Bc- dürfnisscn abschivören,' so werden die gclvoinicncn Spargcldcr einen ganz hübschen Beitrag zur Flotte abgeben. Sie können die von ihnen gestifteten Schiffe auch dann selber bemannen. Schweinbiirg auf Urlaub. Der Orgaiilsator der Schlacht- flottcnpolitik, Victor Schweinburg, hat sich, wie er in seiner Kor- respondenz mitteilt, als Sekretär des Flottenvereins beurkanbt. Er habe schon längst eingesehen, daß diese Thätigkeit einen ganzen Maiin erfordere t „Ich habe wiederholt das Präsidium nn» Enthebung von der Stelliiiig dcS Sekretärs veSFlottenvercillS gebeten, imd, nachdem nicine Gesiiche abgelehnt wnrdcn, weil es biShcr»loch nicht gelnnge» tvar, cinc Persönlichkeit z» finden, welche ihre ganze Kraft«nd Zeit diesem Ehrcnamte widmet, habe ich in der vor weingen Wochen stattgehabte» Sitzimg des gcschäftsführciidcn Ausschusses meine Bitte wiederholt. Dieselbe ist indes von dem AnSschnsse e i n st i m in i g abgelehnt worden. Ich habe mich bei dieser Ablehnung lediglich ans den» Grunde bcschieden, weil mir dadurch Gelegenheit gegeben ivird, dem Vorstände des Deutschen FlottenvcrcinS,' welcher am IC, d. M. zu einer Sitzung znsammciitritt, Recheiischaft über meine bisherige Thätigkeit für den Verein zu geben, und weil ich mich überznigt kalten muß, daß der Vorstand sich den Gründen für eine» Wechsel in der Person de? Sekretärs, welche mich zu iiiciiieii ivicdcrholten EiitlaffmigSgesnchen bestimmt haben. sicherlich> licht verschließe» und auch ivohl die Ucbcrzengimg geiviimeii wird, daß cS im Antercffe des Vereins zweck- mäßiger ist, die Stelle des Sekretärs des Dcutscheii Flotten- vcrciiiS mit einer politifch ucntralcrcn Persönlichkeit zu besetzen, als ich es bin." Nachdem wir aiiS dieser Erklärung erfahren haben, daß es sich bci den? Sekretariat deS FkoiteiivereinS nm ein Ehrenamt— das bescheinigt ihn« auch Fürst Wied in cincüi Telegramm— handle, zweifeln wir nicht ini nliiidcstcn daran, daß Schwcinburg»n der That leichten Herzen? auf diescn Posten verzichte» wird. Anders steht es um seine andern Aeiiiter, in denen er sich Gold- grübe» gegraben hat. Die möchte er nicht iniffe». Dänim ver- vffeiillicht er als GcschäftSlciter der„Berliner Ncnesten Nachrichte»' Debatte bringen. Da fünf Unterschriften dazu notwendig find, waren sie auf die Hilse der Liberalen angewiesen, und diese ivarscn fast regelmäßig alle socialdemokratischen Anträge ohne genügende Uliterstützimg unter den Tisch. Selten kam einmal ein Antrag zur Debatte und zur Abstimmung. DaS. ist hinfort nicht mehr liiöglich, unsere Anträge werden Minmehr ans eigener Kraft immer zur Debatte gebracht iverden kvimcn. Der Ausfall der Wahlen ist ein deutliches B e r d ik t g c ge n die Liberalen. Vor drei Jahren zogen sie mit der Fordermig der Wahlrechtsreform großsprecherisch in den Wahlkampf und. soivcir die aus Grund des allgeincincii. gleichen Wahlrechts ioählendeii Klassen in Stadt und Land in Betracht kommr», erzicltcii sie damals einen Zuwachs von insgesamt 869 Stimmen. Diesmal aber, nach- dem die L i b e r a l e n' in der Wahlreformfrage und anderen pol-.- tischen Angelegenheiten sich so schiväch und unfähig crwicscii haben, ist ihre Stimmcnzah!»i m 27 5 g e su» k c n. Die S o c i a l d e m o- k r a t i e hingegen iv n ch S 1386 in Stadt ünd Land um 764 Stimmen und diesmal nah m sie n in Weitere' l'C 6 o S t i m m e N z n. Die liberalen Stimmen beliefcn sich 1803 ans 6464, 1896 ans 7324, 1899 auf 7049 Stimmen; die s o ei a l d e in o k r a t l s ch c n aber 1893 ans 2232. 1886 ans 2336, 1839 auf-4001 Stimmen. Ans dem Landgebiete sind die G c g n e r völlig von uns ü b e r f l ü g e l t worden: ivährend 1833 noch 963 liberale gegen 339 socialdcmolratische Stimincii, und 1806 840 liberale gegen 588 social- dcmokratische Stimmen standen, sänke» jetzt die liberalen Stimme« ans 597, und die s o c i a l d e in o tr a t i s ch c u stiegen auk 978 S t i in in e n.......... Die Zunahme au Mandaten ist also begleitet von �eiiiem S t i m m e n w a ch s i» m in Stadt n nd Land. In der S t a d t gehören uns jetzt 32,19 Proz. der abgcaebeuen Stimmen(gegen 24.87 Pröz. in 1593 lind 26.85 Proz. in 1896). Iii» L a Ii d g e b i c t gehören imS 62,06 Proz. der Stimmen(gegen 23,12 Proz. in 1893 und 41,03 Proz. in 1896). Und dabei muß bedacht werden, daß wir in der Stadt noch nicht einmal in iämtiichcu 24, sondern nur in 17 Aezirkeu Kandidaten aufgestellt hatte»! Das Resultat darf ivirklich als ein günstiges knzeichnct werden. Der Rückgang d c r L i b e r a l e n wird nun wshl auch bei den nächsten Rcich-stägSwahleii offenbar werden.— Karlsruhe, 2. Dezember.(Eig. Bcr.) Durch di? preußisch- hessische E i s e n b a h n- G e m e i u s ch a f t crlcdct Baden für die Blidgclpcriode 130Y/1301 einen Einnahmc-AuSfal im Güter- verkehr im Betrage von 588200 M. Diese Thatache dürfte der badischen Regierung, die deiiAncktjoiiSgclüstenPrcilßcriSbiShcrilicht den nötigen Widerstand cntgcgcnictztc, doch zu dciikc» geben. Wirde eS Preußen gelingen,— wonach'es ichon lange gelüftet—-seil« Polyvcnanne verkehr. kcit wäre die Selbständigkeit Badens aber überhaupt in Frage gc- stellt. Vermutlich wird es im badischen Landtage in dicscrAiigclcgcn- hcit zu heftigen Debatten führen.— deutsche Koalitionsfreiheit im Elsaß.' Den wiederg-wonnciicii eine Erklärung, er würde einen in dem Blatt veröffentlichten An- griff gegen das Centrnm nicht gebilligt haben, wenn er ihn vor der Veröffentlichung gesehen hätte. Pikant ist es. wen» Herr Schweniburg sich in seiner obige» AuSlasinlig aiS eine politisch nicht neutrale Persönlichkeit vorstellt. Oder handelt es sich nur»in einen Flüchtigkeitsfehler. Wollte der politisch gänzlich iminteressierte Nachrichtciihäudlcr und_ Agent der StinimimgSmache schreibe» t«mit einer geschäftlich ilcntralcrcii Persönlichkeit"?— Freisinnige Marinelnst.� VcmcrkenSivcrt ist der Wortlaut eines Beschlusses, lvelckicii am Sonnabend der Parteitag der ' r e i j i» n i g e u Volkspatei für Berlin gesaßt hat; er lautet: „Der Berliner Parteitag der freisinnigen'VolkSpartci erklärt sich mit Entschiedenheit gegen alle Plane zur Vcrmchrnng der Flotte, welche eine Äcschränkiing dcS EtatSrcchts dcS Reichstage? in sich schließen und zu einer wesentlichen Mehrbelastung des Volkes führen miisien." Nur bei weiterer Beschränkimg deS EtatsrcchtS»nd bci„wesent lichrr" Mchrbelastung deS Volkes ist dieser freisinnige Verein Gegner der Flottcnberinehruilg. Die poliiischen Gefahren der Vcrabcn- teurcrei sowie die Nnknltur dieser internationaleii WettrüstungS- anarchie stören die freisinnigen Leute nicht in ihrer pnncipiciibaren Schcinopposiliou.— Ein nettes Fälscherstückchen leistet sich die an der Wydener Manisest-Fälschimg erst eben wieder geschulte„Post". In der Soiintags-Nnimiler hatten wir von den Aiigststimmiliigcn gesprochen. die man wegen der Kommune Berlin cnipfindel. Die„Post" kriegt es fertig, das, was wir als Halliicinationcn einflußreicher Kreise schilderten, als— Pläne der Socialdcmokratie wiederzugeben. Der„Vorwärts" vergleiche Berlin mit Paris, da? als revolutionäre Hauptstadt bei den französischen StaatSumwälzungen mit.tvniider- barer Schlagfertigkeit' seine„Ausgabe" begriffen habe,»nd trete ür eine einheitliche Stadtgcmeinde Berlin ein, die ihn» als eine Konzciiiration rrbolutionürer Kräfte höchst ivillkoiniiic» sein würde. DaS fei ein etwas weiter Griff in die Zukunft, aber er zeige doch. woraus man im socialdeniokraiischcn Lager hinmiS will, was man von der heute noch freifitinig-socialistisch regierten Hauvt- und Residenz- ladt erhofft, und warum man so viel Geld»nd Mühe darauf ver- wendet, im Berliner RaihmiS ivciicrcs Terrain zu gctvinnen. Wenn 'rgend etwas, so sei diese»n vorsichtige Enthüllnng ocialdemokratischer Endo b sichten init Bezug aus die Gestaltung der kommunalen Entlvicklimg Berlins dazu augethan, die Anlmerksamkcit aller Wohlgesinnten auch fernerhin auf die Bor- gänge im„Roten Hause" zu lenken. Ter Mann, der diese Zeilen geschrieben, könnte sich ein gutes Stück Geld erwerben, wenn er seine Geschicklichkeit bemitzte, fremde Namen auf Wechsel zu schreiben. Jedenfalls verdient er für die bewiesene AnfopscriinizSfähigkeit, die er gegenüber den Ansprüchen der Ehrlichkeit bewiesen, zum 1. Januar eine'Gchaltsaiifbeffcrung.— Tr. Raliinger, Reichstags- und bayerischer Landtags-Ab- gcordiicier, ist'am Sonntag in München g e st o r b e n. Dr. St. ivar am 3. April 1844 geboren, hatte katholische Theologie studiert imd ivar 1869 zum Kaplan ii» Berchtesgaden ernannt ivorden. Von da ab bis 1888 war er bald schriftstellerisch, bald als katholischer Pfarrer thäiig. Seit 1888 war er nur»och schriftstellerisch thätig. Ec»uar Führer des bayrischen Bauernbun des. Dem Reichs- tage hat er 1377/78 inid seit 1898 als Vertreter des fünfte» Wahl- kreise? Niedcrbayeru angehört den» bayrischen Landtage 1875/77 und seit 1593.— Die bremischen Biirgerschaftswahlcn sind nn» beendet n»d »»iserc Partei hat gut abgcschlosicn. Seil 1893 war sie bloß mit zwei Mandaten in der Bürgerschaft vertreten, jetzt aber hat sie im ganzen sieben Sitze erobert, drei ländliche und vier städtische. Zu den bisher in der Bürgerschaft sitzenden Genosscii B l o m e und H a r t m a n n sind die Genossen Redactenr Nhcin. Voigt, llelmer, Ri e g e» e r und Behrens hiuzngewählt worden. Doppelt gew'ählt wurden die Genosse» Rhein und Voigt. Gelingt eS, die zweiten Mandate beider Gcnoflcn in der Nachivahl zu halten inid semer in den beiden Stichwahlen, in die wir schon jetzt mit der größeren Stinimenzahl gegenüber den Gegnern eintreten, zu siege», so wird vom 1. Januar ab eine socialdemolratische Fraktion von 11 Mitgliedern in der Bürgerschaft sitzen. Brüdern der RcichSlande wurde, seit. jeher die AnSibmig des KoalitionSrechtS»iitcr Beruftuig auf die rcichsländischei Sonder- Vorschriften, die hinsichtlich der gemerlschaftlichcn Bereinignigen»ach der R.-G.-O. ausdnicklicki aufgchat'cu worden sind, umiögiich gc- macht. Vör einiger Zeit hatte' es ein Maurer jedoch ans gerichtliche Entscheidung ankommen lassen und das Landgericht Metz hat auch, wie lvir seiner Zeit berichtet haben, durch die Verwaltt.igspraxis dcS Miliistcrinms Puttkamer einen. dicke» Stt-ich gemacht: cS sprach teil Maurer siei unter der ausdrücklichen Festsiellniig, da,-, auf die bon ibin gegründclc Zahlstelle des Manrerberbaiides der �122 der RcichS-Gcivcrbe-Ordiiinig anziNvendeii sei und die landesgisetzlichen Sondervorschriften hierfür nicht mehr gelten. Für das Ministerium Puttkamer eriveist sich de? dicke Sirich aber als ein so düinler juristischer ZivirnSfaden, daß cS darüber nech lange nicht zu stolpern branchi. Einige Holzarbcilcr in Schiltigheim, die— nach dem Mctzer Gerichtsurteil ganz libcrflüssigeriveife— bci der KrciSd,rektioii wegen der Gründling einer Zahlstelle des Holzarbeiterverbaiiecs an- gefragt hatten, erhielten folgenden Bescheid: Straßburg, den 23. Nobcinbcr 1899. Ans Ihre Anfrage vom 23. September cr. eröffne ich Ihnen anfiragSgemäß. daß'die Verwaltung die nengegriindete Zahlstelle des Deutschen Holzarbeilcr-Verbaiides. n i ch t als niitcr den§ 152 der Gcwcrbc-Ordniing fallend betrachtet, da angenvmmcu ivird, daß die in den Satzungen v-o vg e s e h« n c n ivirt- s ch a f t l i ch e» B c st r e b n ii g e ii nur vorgeschützt sind, während der Verein in Wirklichkeit politische Ziele verfolgt. Dcmcntsprechcnd Ivird hiermit an den Verein die Auffordernng' gerichtet, sich aufzn- lösen, da er die zu seinem Bestehen gesetzlich erforderliche Polizei- liche Genchmigliiig nicht besitzt. Im Falle der Ergcbnislosigkcit der Ansfordernng wird mit Strafanzeige gegen die Vereins- Mitglieder nnd gegebenen Falles ihre Mitschnldigen«Art. 2 und 3 des Gesetzes vom 10. April..1834, Art. 291 ff. des französische» Gesetzbuchs) vorgegangen.und- außerdem der Verein von Ainiswegen aufgelöst werden. Ich ersuche uni Anzeige der erfolisien Anflösmig binnen 8 Tagen. Der KrciSdircktor. (-lcz.) Gf. z. Solms. Wenn nun jemand annähme, daß die durch nichts begründete Annahme der Kreisdirektion nur vorgeschützt ist, nm den Arbeitern die Ansübnng des Ävalitionsrcchtcs' trotz Gesetz und trotz Gericht innnöglich zu machen? Die Holzarbeiter werden eS hoffentlich wie die Maurer auf die gerichtliche Entschcidiing auloniineii lassen.— Ehronik der MajcstätSbclcidignngS-Prozcsse. Wegen Beleidigung der Kaiserin nnd des AmtS- vorstchcrs Rndloff in Giebichcnstcin war, fo wird ,niS ans Halle ge- schrieben, der 50jährigc HandrlSmann Julius Schulze aus Giebicheiistei» vor der Strafkainmcr angeklagt. Er soll im Januar 1833 die Kaiserin durch Singen eines Liedes lind den Amlsvor- sicher durch die Beschimpfung seiner Frau beleidigt haben. Der An- geklagte ist Vater von zehn Kindern, cr soll ein militär- und 'rcgicrniigssrcmidlich gesinntcr Mann sein mid hat schon längere Zeit in'eincr Nervenheilanstalt zugebracht. Die Verhandlung entzog sich der Ocffeittlichkcit und hatte das Ergebnis, daß der Angeklagte zu' vier Monaten Gefängnis verurteilt wurde. Seine Zu- rechninigSsähigkcit, hieß es in der Brgrlliidnng, sei nicht auSge- schloffen._ Marinevorlage und Wahlrecht in Baden. Karlsruhe. 2. Dezember. Auf die Interpellation der s o c i a I d e in o k r a t i s ch e n Landtags- fraltion bezüglich bcr föndcrbare» Ankllndigiuig der Mittincvorlage nnd die Stelliiiig der badischen Regierung.zu derselben hat die letztere heute der Kammer eine„Antwört" ziigehe» lasse». Die badische Regierung erklärt kurz und bündig, daß sie n i ch t in d e r L a g e i st. aus die Interpellation«ine Anskunft zu geben, da dem Bundesrat zur Zeit eine Vorlage über die Marine nicht vorliegt. Die Interpellation ist dadurch zwar im Augenblick gegenstandslos gc- ivorden, die socialdemokralische LandtagSsraktion wird aber zweifellos im Laufe der gegenwärtigen Session noch. Gelegenheit bekommen. ein ernstes Wort über diese Vorlage nnd die nierkwü rdige An- küiidignng derselben mit der badischen Regierung z» sprech en. Die in der Thronrcdc angekündigte Deukfchrift der Ntcgicrnug über die WahlrechtS-Aendernng:ist heute den Abgeordnete» zugegangen. Der Inhalt der Denkschrift deckt sich saözlich mit dem. was die badische Negierimg schon bisher über ihre Stellung zur Wahlrcchtsäiiderinig gesagt hat. Sie erklärt sich n uter keincii Umständen bereit, das taut eleu lose direkte Wahlrvcht zu bewilligen; sie bcharrt im Gegenteil auf dem Stand! punkt, daß bei einer Acndermig des bestchendeii Wahlrechts neben den direkt gewählten Abgeordneten auch Privileg i erte, d. h. Vertrctci: i'cu ZZ crwaltim �Skörpc m, mit in die II. Kammer gewählt werden sollen. Die Zahl derselben soll 25 betragen, nämlich 1t Abgeordnete der Städte und 11 sonstige Vertreter des Selbstverwaltung�- organe. Neben dieser nnzweifclhaften Verschlechterung der Volks- k amin c r verlangt die Negierung eine Verstärkung der Mitglieder der ersten Kammer, StellvertretungSrechl eines ThcilS der Mitglieder und eine Erweiterung d e r R e ch t e derselben. Diese Denkschrift bedeutet eine rücksichtslose Provo- a t i o n der Mehrheit der badischen Volksvertretung. Heftige Debatten stehen im badischen Landtag bevor und daß Minister E i s c n l o h r nicht als Sieger'ans denselben hervorgehe» wird, dürfte iinzivcifclhast sein. Päpstliche Jahrhundertseier. Der Papst fordert in einem Riuidschreibe» zur Feier des Jahr- hiiiiderijnbilänniS auf. Die Feier dauert ein ganzes Jahr, das „heilige Jahr", und beginut in der heiligen Stadt mit der ersten Vesper des WeinachtSfestrs 18S0, mit mit der ersten Vesper deS °8cihiiacht-5fes!cS 1900 zu schließen. „Für die Dauer dieses Jubeljahres erteilen wir, so heißt es in dein päpstlichen Schreiben, und verleihen huldvoll im Herrn vollkommenen Ablaß aller Sündenstrafen/ Vergebung und Verzeihung allen Christgläubigcn beiderlei Geschlechts, welche wahrhaft ihre Sünden- bereuen, die hh. Sakramente der Buße und des Altars empfangen und die römischen Basiliken der hh. Petrus und Paulus, Sauet Johann im Lateran und Maria Mäggiorc gemäß der.hier.folgenden Vor- schrift besuchen. Der in Rom seinen Wohnsitz hat, muß jene Kirchen an zwanzig Tagen, wer als Pilger nach Rom gekommen ist, tmiidcstcuS an zehn Tagen wciiigstcus einmal täglich mit Andacht besuchen und daselbst für die Erhöhung der Kirche, für die Ans- rottung der Irrlehren, fiir die Eintracht unter den katholischen Fürsten und für da? Wohl des christlichen Volkes beten. ES ist nicht nötig, daß die Tage, an welchen man den Kirchenbesnch vornimmt, unmittelbar anfcinauder folgen; auch macht eS keinen Unterschied. ob es bürgerliche oder kirchliche Tage sind, welch' letztere aber von der ersten Vesper jeden Tages' bis zur vollen Abcnddämmcruug des solgeiidcn gerechnet werden." In dem Schreiben findet sich mich eine Anklage gegen die Sünden der Zeit, die an die Schilderungen erinnert, die fromme Eiferer von dem römischen Lotterleben entwarfen, als ein Alexander VI. in der heiligen Stadt residierte: „Wenn man aber Umschau hält und den Blick nach der ent- gegciigesctztcn Seite wendet: welche Blindheit, welche Bcrirrung, welch' eine Menge Mensche», die dem ewige» Verderben zu- eilen! Das Herz preßt sich uns zusammen, so oft wir daran denken, daß so viele Christen, verlockt durch eine zügel- lose Freiheit im Tcnken und Empfinden, daS Gift verderblicher Lehren gierig in sich aufiiehmen und unablässig daran arbeiten, die unschätzbare Gnade des heiligen Glaubens in ihren Herzen zu zerstören. Daher der Wideriville gegen ein ivahrhaft christliches Leben und die weit um fich greifende Sittenverderbnis, daher die glühende unersättliche Gier nach Tinge«, die den Sinnen schmeicheln, daher jenes Sinnen und Trachicn. das von Gott sich gänzlich abwendet und in das Jrdilche sich vergräbt. ES läßt sich kaum mit Worten wiedergeben. wie groß jetzt schon das Verderben ist, ivclchcS aus solch' giftigen Quellen selbst in die Grnndvesten der menschlichen Gesellschaft sich ergossen hat. Denn die vielfach herrschende Unbotmähigkeit, die wilden Ausbrüche der Bolkslcidcnschafteu, die unsichtbar drohenden Gefahren. die mit Betrübnis uns erfüllenden Ver- brechen: im Grunde genommen sind sie nichts anderes. als ein schranken- und zügelloses Ringen nach Besitz und Gcnuh der Erdcngütcr." Für die katholische Christenheit ist nun jedenfalls endgültig ent- schieden, wann daS neue Jahrhundert ansängt.— Ausland. Frankreich. PariS, 2. Dezember.(Eig. Bcr.) In der gestrigen K a in m e r- i i tz n n g, gelegentlich der Beratung des Budgets deS Ministeriums des Innern, kam wieder cnimal die Frage der Abschafinng der Nntcrpräfcktrn zur Verhandlung. Sic gehört zu den Fragen, die alljährlich bei der Vndgetbcratnng wiederkehren, ohne je gelöst zu werden. Nur cininal, im Jahre 1389. fand sich eine Kammcrmchrheii, die den betreffenden Budgctposten(ungefähr 9 Millionen) strich. Tic einzige Folge davon aber war der Sturz des damaligen Kabinetts Frcycinet, das aus der Bcibchaltniig der lliitcrpräfektcn eine Kabinetts- ftage gemacht hatte. Der Senat stellte dann die gestrichenen Kredite wieder her und die Kammer sagte ja und Amen dazu. Denn cS war lediglich eine zufällige und gemischte Ministcrstnrz-Mchrhcit, die a»f die Reform selbst sehr wenig hielt. Diesmal verhielt sich die Sache so. Der Urheber des Antrages auf Streichung der Kredite war der guesdistische Abgeordnete Zevass, aber die Klcrikal-Monarchistcn nnd die Mclincschen Parteigänger machten den Versuch, das Manöver von 1836 gegen daS gegenwärtige Ministerium zu wicdcrholcn— natürlich mit dein festen Entschluß, nach dem Sturz des MinistcrinmS die Kredite für die Untcrpräfektcn im Einverständnis mit dein Senat und mit ihre» eigenen Wünschen wiederherzustellen. Der Versuch war so weit gc- diehen, daß die Melinisten in der Bndgetkomniission den socialistischc» Antrag mit 9 gegen 7 Stimmen durchsetzten, die Abwesenheit der größeren Hälfte der Bndgctkommission anSiintzciid. trotzdem diese bereits die Kredite votiert und auch in dem gedruckten und zur Verteilung gelaugten yudgctcistivurf veröffentlicht hatte.... Die Anhänger der Abschaffung der llnlcrpräfektcn, die Socialisten und Radikalen, sahen sich also vor die iinanacuehme Wahl gestellt, ciiiivcdcr mit den reaktionäre»' Gegnern des Ministeriums dieses zu Falle zu bringen, oder aber ihren früheren Abstinmiimgen zuwider für die Iliitcrpräfcktoii- zu votieren, um das reaktionäre Manöver zu vereiteln. Denn die Regierung mußte sich schon deshalb gegen die Abschasfniig der Ilnteppräfekleii erklären, weil sie ihrem Programm gemäß nur solche Reformen vertreten darf, über welche alle Rc- publitancr einig sind. Die s o c i a l i st i s ch e Fraktion hat sich mm in offener Weise über dieser an sich iiiibcdcutendcii Frage gespalten. Die kleinere Hälfte stiminte für den Antrag ZävaeS,' die größere, worunter ein Teil der giieSdistischen Abgeordneten selbst, dagegen. Die Spaltnng. die sich selbstverständlich mit derjenigen über die Frage Millerand deckt, kam zum Ausdruck nicht nur bei der Ab- stimmimg. sondern mich auf der Kanimcrtribüne. Während Z e v a e S sciiicn Antrag begründete und der blaiigiiistische Abg. Wolter ihm ziiskiinmte, sprachen die socialistischen Abgeordneten R o u a n e t und Jonrde gegen die Zweckmäßigkeit des Antrages, da dieser von reaktionärer Seite unterstützt werde, um eine Ministerkrise herbei- zuführen. Die Debatte endete mit der Ablchmmg de? Antrages Z-vaes bczw. mit dem Botnm des fraglichen BndgctpostcnS mit 395 gegen 14-1 Stimmen. Die' Mindacheit besteht ans dem kleineren Teil der socialistischen Fraktion, den Klcrikal-Monarchisten, den Nationalisten und den Melinisten reaktionärster Art. Das Ergebnis der Ab- siimiimiig zeigt wohl, daß die Socialisten sämtlich für den Antrag Zevass hätten stimmen können, ohne die Existenz des Miliistcriumö in Frage zu stellen. Leider aber scheint die ganze Debatte von socialistischem Gesichtspunkt, aus der Frage Millerand gegolten zu haben, was eine Bcrständigiiiig onSschlox. Um so mehr, als die socialistische Fraktion seit ihrer Spaltung im Juli keine gemeinsamen Sitzungen mehr abhält Am Vorabend des EiingmigskongreffeS sind diese Vorgänge eine doppelt dringende Mahnung zur endlichen Schlichtnng der Gegen- fätzc.— Par!S, 3. Dezember. Der Minister des Innern hat Befehl gegeben, die letzte Nummer des Blattes„Caricature" zu beschlag- nahmen, ivcil sich darin eiix Bild befindet, welches als eine Be- Iridigung der Könlgtu von England aufgefaßt werden kann.— Französische Deputiertcnkammcr. Paris, 4. Dezember. Die Deputiertenkammer lehnte bei der Beratung des Budgets deS Ministeriums des Innern ans Antrag des Ministerpräsidenten Waldcck- Ronsseaii mit 312 gegen 207 Stimmen einen Autrag der Socialisten auf Anfhebnng der geheimen Fonds ab. Belgien. Brüssel, I. Dezember.(„Voss. Ztg.") Ein neuer kougostaat- licher Skandal ruft großen Lärm hervor. Alle Aiigestellteii des Kongostaates, ohne jede AtiSnabme, müssen, bevor sie nach Afrika abreisen, die förmliche Verpflichtung eingehen, streng verschwiegen zu fein und alle ihre Beobachtmigen am Kongo geheim zu halten. Der Staat ningiebt sein gesamtes Personal mit strenger lieber- ivachmig, und diese Ucberw'achung wird sogar ausgeübt, wenn sich einer der Angestellten ans Urlaub in Belgien befindet. Auf olle Wesc soll verhindert werden, daß nnliebsaine Vorfälle oder die wahren Zustände am Kongo in Europa belamit werden. Sogar das Briefgeheimnis wird im Kougostaat nicht geachtet, sondern auf das gröblichste verletzt. Die vorn Kongo her nach Belgien kommenden Briefe sind zum größten Teil ge- öffnet, ja künstlich entsiegelt und mir nachlässig wieder ver- schloffen worden; viele kommen offen an oder verschwinden überhaupt spurlos. Beschwert sich ein Empfänger eines solchen Briefes bei dem Briesträger über dessen vor- genommene Ocffnung. so erwidert dieser bezeichnend und achsel- zuckend:„Das muß ein Kongobrief sein!" Staatliche Beamte ver- sichent, daß in der kongostaatlichcii Hauptstadt Borna ei»Schwarzes Kabinett eifrig arbeitet. Da aber die Verletzung des Brief- geheimnisses vor der Aiikimft der Kongodampfer in Ant- ivcrpen erfolgt, so sind die belgischen Gerichtshöfe außer stände, die' Schuldigen zur Rechenschaft zu ziehen. Der Brüffclcr katholische„Patriote" stellt noch weitere Enthüllungen mit Angabe der Namen und Zeitangaben in Aussicht. DaS Ganze ist ein unerhörtcr Skandal, und da wundern sich die kongostaatlichen Kreise und Äolonialschwärmcr noch, daß das Koiigo-IIiitcriichiiicn in den breitesten Kreisen der belgischen Nation sehr unbeliebt ist und jede Geldbewilligung für den Kongostaat im Laude stets einen Eni- rüstuugssturm hervorruft. England. Zu EhamberlaiuS„BnndniS"-Rcde. Dein„Hamburger Korrcsp." wird offiziös ans Berlin gemeldet: „Der Berliner Korrcspoiidciit des„Daily Telegraph" erklärt den Thatsachcn entsprechend: Bei der K o n s e r e n z d c S K a i s e r s tu W i II d s o r wurde von der Möglichkeit eines schriftlichen BüiidiiisscS überhaupt nicht gesprochen; er glaubt aber, daß immerhin wichtigeResnltate erreicht worden seien. Ihr Zweck sei, zu v c r h i n d e r n, daß bei irgend welchen Differenzen England oder Deutschland versuchen, eine Annäherung an andere Länder zu erwirken, um eine»Druck a u f e i n a» d e r a n§ z n ü b e n. Hiernach werde stets zuerst zu freundschaftliche!! Verhandlungen gegriffen werden, um eine Reibung oder Spannung zu verhüten. Der Kaiser denke jedoch nicht daran, seine europäische Politik abzuändern, sondern bleibe bei sciiicn Verpflichtungen gegen den Dreibund mid seiner traditionellen Freundschaft f ü r R u ß l a n d."— Belfast, 4. Dezember. Die Zeitung„Velfast News Letter" bc- richtet ans Dublin, infolge einer scnsatioiicllcn Information, die zu den leitenden Militärkrciicn in Dublin gelangte. sei die Ver- doppclung der Wachen in allen Kaserne» des Bezirks des Dnblincr Schlosses angeordnet norden. Es verlautet, daß daS Vorhandensein einer Verschwörung in Dublin entdeckt worden sei, die bezwecke, durch Bedrohung mit Tyiiaiiiitattcntaten die UnterstützungSgeldcr für die B o e r c n reichlicher f I i c ß c n z u m a ch e n.— Rußland. Äcthaftuiigcn. In der Nacht vom 13. auf den 14. November war die Stadt Hornel im G o u v c r n c in c n t M o h i l e w, so wird miS geschrieben, dem Ilcbcrsall der Polizei nnd der Gendannerie preisgegeben. ES wurden 80 HauSsiichiingen vorgeiiommen, bei welchen nichts KontpromilticrciidcS gesiiiidcn wurde. Trotzdem ver- hafteten die Geiidarmen folgende Personen: Stolzncv(Lehrer), Agraw(Lehrer), PromischljänSli. Werchin(Arbeiterin). Sori» (Arbeiterin), Dragkin(Arbeiterin). Ganelin(Sä»icidcr>. Lewin (Schneider), Rotnikow(Schneider). Chaikin iArbcilcr), Fcigin (Arbeiter), Schljafcr(Einbinder). Raiski(Arbeiter), Bcrkowski iSchnhmochcr). Liwschitz(Schiihmackcr), Bubi», Radin(ein töjähriger Knabe.) Tag darauf erschien ein gedruckter Aufruf mit der Beschreibiing der vergeblichen Polizeibciiiiihniigcii bei dl i Haussuchung- n. Aus diesen Anfruk annvorlcte die Polizei mit ncnen Verhafiniigeit und nahm noch süni Arbeiter fest. Agraw und Bnbin sind bereits wieder freigelaffen. ES laufen hier Gerüchte von neuen massenhaften Verhaftnngcii in Petersburg mid Moskau um.— Amerika. Washington, 2. Dezember. Heute haben Staatssekretär H a y, der deutsche Botschafter v. H o l l c b e n und der englische Botschafter Sir Julian Pauncefote das Abkomincn unterzeichnet. durch welches die Verciniglen Staaten von Amerika der dciitsch-ciiglischcn Vercinbarting über Samra beitreten.— Washington, 3. Dezember. In dem Jahresbericht des Marine- sekrctärS Long wird der Van von drei Panzerkrcttzer» von 13 000 TonS. drei gedeckten Kreuzern von 8000 Tons und 12 Kanonen- boten von 900 Tons gefordert.— Erklärung. Kürzlich lief durch die bürgerliche Presse folgende Notiz:„Nach einer Meldung der„L. C." bat der frühere antisemilischc Abgeordnete Leuß durch Vemiitteltnig von Franz Mehring Anichlnß an die Socialdcmokiatie gesucht und gcsnndcii. Die letzte Nnmmcr der . Neuen Zeit" enthält bereits eine» Aufsatz von Lcnß." Mir ging diese Notiz zuerst als ein Ausschnitt ans der„Freisinnigen Zeitung" zu, wo sie noch bedeutend verschönert war, eben dadurch aber so abgeschmackt wurde, daß ich sie als einen der landläufigen kapitalistischen Puffs laiifcii ließ. Jedoch werde ich verständigt, äaß ihre oben mitgeteilte, schlichtere Form in manchen Parteilreisen Mißverständnis' verursacht hat, und so stehe ich nicht an, zu er- klären, daß die Bchanptmig. Lenß habe durch meine Vermittlung Anschluß au die Socialdcmokratie gesucht und geftiiidcii, eine leere Erfindung nnd zwar eine Erfindung wider besseres Wissen ihres Urhebers ist. Die Art, wie Lenß ein tragisches Schicksal zu tragen gewußt hat. ist mir persönlich in hohem Grade sympathisch, und ich freue mich, dadurch in frenndschaftliche Bczichiiiiacn zu ihm gc- koninien zu sein, aber ich habe nie bei ichend einer Partei- instaiiz irgend einen Schritt gethan, der in irgend einem Sinne dahin gedeutet werden könnte, als habe ich seinen Anschluß an die Socialdemokratie vermitteln wollen, so wenig wie Lenß mir jemals dergleichen Schritte nahe gelegt hat. Als ich seine int- politischen Gedichte in der„Nene» Zeit" anzeigte, schrieb ich:„Nach seiner Freilassung stieß Lenß in der bürgerlichen Welt ans ver- schloffene Thürcn. Sein Schicksal hatte ihn dem politischen Kampf entfremdet, aber er wünschte seine Gedichte zu veröffentlichen und hoffte auf einiges Eiitgcgciikvmmett der bürgerlichen Presse. Jedoch deren schöner Berns, ausgleichend einzutreten, wo die Satzmigen des geschriebenen Rechts mit de» kategorischen Fordcrmigen der Sittlichkeit in einen unlösbaren Konflikt geraten, ist heute vergessen, mid als sich Lenß nach manchem gescheiterten Versuche mit der Bitte um Rat an mich Ivandte— in der irrigen VvrauSsetzung, daß ich noch nähere Beziehungen zur bürgerlichen Presse hätte—, konnte ich ihm kein gutes Prognostikon stellen. In der Thal verlief der einzige Weg, den ich ihm als mciischenmvglicherweise noch gangbar andeutete, so- fort nt eine Sackgaffe. Unter so bcwandtc» Umständen erfülle ich gern den Wunsch von Leuß. seinen Gedichten an dieser Stelle ein Geleitwort voranztnckuckcii, obschon ich ihm nicht verhehlt habe, daß ihm damit dem bürgerlichen Publikum gegenüber leicht mehr ge- schadet als genützt iverden könnte. Hieraus zu folgern— und irgendwo anders habe ich mich nicht über ihn geäußert— daß Leuß durch meine Vermittlung Anschluß an die Socialdempkratie gesucht tmo gefunden habe, ist in der That nur wider besseres Wissen möglich. Uni den Htitnbtig zu stützen, wird dann noch die Thatsache herangezogen, daß die„Nene Zeit" cincit Aussatz von Leuß ver- öffentlicht hat. Ich kömstc mich begnügen zu sagen, daß ich nicht Redacteur der„Neuen Zeit" sei; aber da diese Ablehnung bei dem tiitbestrcitbarcu Talent der kapitalistischen Presse fürs Entstellen nno Unterstellen zu neuen Quertreibercieti penntzt werden möchte, so will ich der Nedattion der„Neuen Zeit" zwar nicht in ihre Zuständigkeit pfuscheti, aber als alter Mitarbeiter dieses Blattes an seine herge« brachte Praxis erinnern, auch Nichtmitglicdcm der Partei das Wort zu geben, vormiSgesetzt. daß sie über Fragen von öffentlichem Jntereffe, wie etwa Strafrechtsfrage mid' Gefäugnisverwaltuitg. Bemerkenswertes zu sagen habe», dies in der bürgerlichen Presse zu sagen ihnen durch deren bornierte Vorurteile verboten wird. Stcglitz-Bcrlin, 4. Dezember 1899. F. Mehring. Vsvkei-Nswlzvidjtett. . Folgende Erklärung finden wir in utiserin Karlsruher Parteiblatte: Nachdem der unterzeichnete Paiteivorstand in Gegenwart der Partcigcnosien Angnst Dreesbach»nid Adolf Geck von den zwischen einem Teil der Karlsruher Genossen nnd dein Genossen Adolf Geck ansgebrochenen Differenzen Kenntnis genommen hat, erklärt der unterzeichnete Parteivorstand, daß der in Nr. 234 des„Volkssreimd" erschienene Bericht über die WahlkrciS-Konfereiiz des zehnten badischen Wahlkreises durch seinen Inhalt den Genossen Geck verletzen mnßte nnd zwar timsomchr, da die dem Genossen Geck brieflich gewordene Zusage, zu einer solchen Versammlnng eingeladen zu werden, nicht eingehalten ivurde. Der tiiitcrzeichncte Parteivorstand tmd die mit anwesenden Genossen August Drccsbach und Adolf Geck erachten tmmnehr den Zwischenfall für erledigt. Berlin, 30. November 1899. Der Parteivorstand der socialdeinokratischcn Partei. Gemcindcwahlen. In Gräfin an(Schw.-R.) wurden unter vier neu zu wählenden Genteiiiderats-Mitgliedern 3 Socialdcniolratcn gewählt. DaS gesainte Kollegilirn besteht ans 6 Mitgliedern, von denen 5 Socialdcmokratcn sind. In Schortens(Oldcnbnrg) siegte die socialdemokratischc Liste. Es waren vier Mandate zu besetzen. In Oßweil(Württemberg) wurde ein Parteigenoffc in den Ge- rneinderat gewählt. In Furt Ivangen im bad. Schwarzwald haben unsere Genoffen bei den BürgerauSschußwahlen der 3. Klaffe gesiegt. Von der Partcipresse. In einer Parteiversammlung in Leipzig wurde mitgeteilt, daß die„Leipziger VolkSzcitiing" bereits auf annähernd 27 000 Abonnenten gestiegen ist. Im Verhältnis zur Zahl der focialdemokratischcn RcichStagSwählcr. die für das Haupt- sächliche Vctbrctttingsgcbict in Frage kommeii, ist daS der höchste Abomtcntcnstand, den ein deutsches Parteiblalt bisher erreicht hat. Der Tr. Lütgenan ist, wie unser Dorttnnnder Partciblatt meldet, in die Ztcdäktion des dortigen srcisiningcn Tageblattes eingetreten. Polizrilichrs, Gcpichtlichro«Nu. — Wegen Bclcidigtiiig des Baumeisters Herrn Jahn in Frankenberg ivurde Genosse Schöpflin als verantwortlicher Redacteur der„Chemnitzer Völksstimme" vom Schöffengericht zu 30 M. Geld- strafe verurteilt. Der Beleidigung lag das Baunnglück am Seminar- bau in Frankenberg zu Grunde. Der französische Einignttgskongreß. Paris, 3. Dezember. Vor der K o n g r c ß c r ö f f n tt ti g. Heute um 2 llhr tinckniiiltagS tritt der EinigtmgSkongreß des französischen SocialiSmnS ztisattiinen. Ilm über dessen Verhandlungen den Leser im vorattö zu otietttimn, teilen ivir die von den ver- schirdeneti Organisatiotien überciiistinimend fcstgejctztcii Grundlagen deS Kongresses mit, die von dem Cude 1898 zuerst geschaffenen Ver- ftändignngskomitce onsgcarbeitct ivnrdcn: T ie Z ii l a s s u ii g S b e d i n g»i n g c n zeigen, daß die fünf besicheuden Sonderorgaiiisatlonen(die guesdistische Arbeiterpartei, die blanqnistlsche sociatistisch-revolutionäre Partei, die allcmanistische socialistiscki-reoolnlioiiäre Arbeiterpartei, die possibilistischclbronssistische) Föderalicn der secialtslischni Arbeiter und die Konföderation der imabhaitgigrii Socialistcn. die wieder in eincit rechten und cincit linken Flügel zerfällt) in den g r u ndl« g c n d e n Prineipien des S o c i a l i§ m u S übereinstimme n. Die Fcststellnng der priiicipielleii Znlnssuiigsbediiigmigeit war die leichteste der Vorarbeiten. da schon daS LcrstäiidigiingSkoinitee sich auf derselben Grundlage konstituiert hat. ES werden zum Kongreß zugelassen nur die Gruppen, die„im voraus und schriftlich die»ach- stehende Formel ancrlannt haben, welche die wesentlichen Grundsätze deS revolutionären SoeialiSmiis ziisammcnfaßt": «Jntertialionale Verständigung und internationale Aktion der Arbeiter, politische nnd ökonomische Organisation deS Proletariats in einer Klaffcnpartei zimi Zivecke der Eroberung der politischen Macht und der Vcrgcscllschaftlichmig der Produllions- und AnStansch- mittel, d. h. der llinwaiidltmg der kapitalistischen Gesellschaft in eine kollektivistische oder koimnimistische." Z n s a m in c ii s e tz u n g des K o n g r c s s e S. Es werden zu- gclaffcii: 1. Studien- und Propaganda« Gruppen nnd ständige politische Gruppen, die seit dem 1. Januar 1899 bestehen mid im VcrstäiidigmigSkoniitee durch eine der fünf Orgaiiisationcn vertreten sind. Die vereinzelt dastehenden Gruppen' lverden jedoch zu- gelassen, falls sie vor dein 31. Oktober 1899 einer der fünf Orgamsationen beigetreten sind. 2. Dieselben Gruppen, wie i-nb 1, die zwar leinet der fünf Orgaiiisatiouen. wohl aber einer regionalen oder dcpartemcntalen Föderation angehören, die seit dem 1. Januar 1899 konstituiert ist 8. Gewerkschaften, die seit dein gleichen Datum bestehen und die principielle Grundlage des Kongresses acceptiert haben. 4. Geiiossciischasten unter den nämlichen Bcdingimgen, wie Gewcrkschnfte», mit der zusätzlichen Bediiigniig, daß sie in ihren Statuten die Zuweisung eines Teiles des Rein- gewinnS zu Gnnftcn der socialistischen Propaganda vorschreiben. Jede Gruppe hat das Recht aus einen Delegierten. Außerdem hat die Gesamtheit der Gruppen cincS Wahlkreises, die derselben nationalen oder dcpartcmcutale» Organisation angehören und sich an den letzten Kanmierwahlen beteiligt hüben. daS Recht ans 2 Delegierte für 500 bis 2000(im I. Wnhlgang) erhaltene Stimmen tmd 3 Delegierte für 5000 Stiinnieii und darüber. Jede Organisation wählt diese letzteren Delegierten gesondert von den auderen. anSgenominen den Fall, daß der gleiche Kandidat von Gruppen, die verschiedenen Organisationen angehören, aufgestellt wird. TageSotdnnng dcS Kongresse». 1. Der Klassenkampf u n d die Eroberung der politischen G c>v a l t: aj In ivelchem Maße kann die Partei in Gcmäßheit deS Grundsatzes deS Klassenkampfes, der Grundlage ihrer Organisation, sich an der öffentlichen Macht in Geineinde, Departement und Staat beteiligen? b> Mittel nnd Wege zur Eroberung der Macht. Politische Aktion(Wahl- nnd revolntionäre Aktion). Oekonomische Aktion(Streiks, Generalstreik. Boykott usw.). 2. D i e S t e l l n n g n a h in e d e r s o c i a l i st i s ch c n P a r t e i zu den Konflikten innerhalb der verschiedenen bürgerlichen Fraktionen: Kampf g'gen den Militari»"iZ. AntisemitiSnuts, NafionaliSmnS usw. 3. Die s o c i a l i st i s ch e Einigung, deren theo- r e t i s ch e und praktische Beding n g e n. Leitung m- d Kontrollicrung der verschiedenen AltionZ-, Ag'aiie-s u d O g»m» salionSelcmcnte durch die Partei. Geschäftsordnung. I. Ein Delegierter kann Träger von höchstens fünf Mandaten fein. 2. Ueber die Geschäftsordnung wird nach 5töpfen ab- gestimmt, über die grundsätzlichen Fragen nach Mandaten jedesmal, wenn dies von eincnr Zehntel der vertretenen Mandate verlangt wird. 3. Jeder Delegierte hat dem Organisations-AuSschutz des Kongresses 3 Franl pro Mandat einzuzahlen. Am Vorabend deS Kongresses haben die fünf Organisationen in gesonderten Lokalen für ihre Delegierten eine Empfangsfeier veranstaltet, wo zugleich die Aufgaben des Kongresses vorbesprochen wurden. In der„Petite Räpublique" erklärt heute der Chefredacteur Genosse Geranlt- Richard, sein Organ beuge sich im Voraus vor den Entscheidungen des Kongresses, die die Haltung dieses Blattes bestimmen wurden. »* lieber die Sonutagssilzung liegt bisher nur folgendes Tele- g r a m m vor: � Paris, 3. Dezember. Der Allgemeine Socialistenkongreß ist heute nachmittag im Gpmnase Voltaire eröffnet worden. Es' waren etwa 1000 Delegierte aiNvesend, darunter sämtliche socialistische Deputierte und die hervorragende» Führer der Partei. Wie die„Liberte" erstihrt, wolle Millerand, falls es seine Parreifrcunde für notwendig erachten, im Socialistenkongresse er- scheine», um seinen Eintritt ins Ministerium zu rechtfertigen. Der Ausschuß der Arbeiterpartei zog mir einer roten Fahne in den Kongreßsaal ein. Der anwesende Polizeikommissar duldete diese rote Fahne, weil sie eine Inschrift trug. Als Vorsitzender fungierte auf Vorschlag des provisorischen Komitees Bürgermeister D e l o r y von Lille. Es entspinnt sich eine längere rein geschäftliche Debatte über die Tagesordnung und die Einsetzung von Kommissionen. Die erste Abstimmung ergab die A n n a h m e der von den Guesdisten gemachten Vorschläge niit ctlva LOO gegen dOO Stimmen. Trkkevnl'ifihes. W. Kulcmaun: Die Gewerkschaftsbewegung. Dar- stellung der gewerkschaftlichen Organisation der Arbeiter und der Arbeitgeber aller Länder. Bei Gustav Fischer in Jena. 730 Seiten. Preis 10 M. Es war keine leichte Aufgabe, die sich der Verfasser da gestellt hat und wir dürfen eS ihm aufs Wort glauben, daß er' große Schwierigkeiten zu überwinden hatte, daß es ihin ungeheure Mühe gekostet, das Material zusammen zu tragen. Es ist keine G e- schichte der Gewerkschaftsbewegung, es soll keine sein, es ist eben nur eine Darstellung, wie der Verfasser sein Buch betitelt, eine Darstellung, soweit sie ihm möglich war. Der Verfasser hat sich die Aufgabe gestellt, eine Zusammenfassung der gesamten gewerkschaftlichen Entwicklung zu geben. Dabei hat er sich nicht auf Deutschland beschränkt, sondern auch das Ausland be- rücksichtigt; und zwar auch diejenigen Länder, für die es bisher eine allgemeine zugängliche Littcratur nicht gab. Was Deutschland an- langt, so erfahren neben den Gewerlschnften und den Hirsch- Dunkerschen Gewerkvereinen unseres Wissens zum erstenmal auch die Christlichen Gewerkvereine. die Kansmäimischeu Vereine, die Beaniten-Vereine eine zusammenhängende Darstellung. Ueber die eigentliche Gewerkschaftsbewegung kann uns K. nichts Neues sagen, im Vorwort zu seinem Werk bekundet er selbst, daß er, soweit möglich, die vorhandene Littcratur als Unterlage beuützte, und daß er in solchem Falle auf das Urniaterial nicht zurüchgegaiigcii sei. DaS Fehlende suchte er aus Fachblättern und durch private Umfrage zu gewinnen. So ist er bei Beschreibung der englischen Gewerkschaftsbewegung fast ausschließlich den Webbs gefolgt, während seiner Darstellung der deutschen GeWerk- schaftsbewegnng neben Schmöles Buch namentlich die Proto- kolle der drei Gewerkschaftskongresse zn Grunde gelegt sind. Das soll kein Vorwurf sein, der Wert des Buches besteht darin, daß hier zum erstenmal die Sammlung und Zusammenfassung eines weit- schichtigen und verstreuten Materials vorgenommen wurde. Dagegen wird selbst der Kenner der Arbeiterbewegung in einzelnen Kapiteln Thatsachen zusammengelragen finden, deren Kenntnis ihn, wohl hie und da bruchstückweise durch die Tagespreise geworden, so aber auch wieder verloren gegangen. Das gilt zunächst von den Ver- einen der Post- und Eisenbahnbeamten. Die argen Mißstände, unter denen die Arbeiter und Beamten zu leiden haben, die dem kgl. prenß. Spar-Minister von Thielen unterstehen, sind fortgesetzt der Gegen- stand lebhafter Klagen in der Presse. Man sollte meinen, daß die Eisenbahner sich durch starke Organisationen bessere Existenz- bedingungen zu erringen trachteten. An Organisationen fehlt es nicht, aber ein Blick auf die im Auszug lviedergcgeben Statuten zeigt, tuie harmlos sie sind. Vereine, die zuerst das„Lpvositimis- princip" verfolgten, wie der im Jahre 1892 in Hannover gegründete »Deutsche Eiseubahnbeaniten-Vercin", niutzrcn dies bald gegen das „Loyalitätsprincip* eintauschen, wenn sie nicht der Anflosuug ver- fallen Ivollten. In den Statute» der ineisteii dieser von höheren Beamten gegängelten Vereine wird den Mitgliedern zur Pflicht gemacht,„Patriotismus zu pflegen" und'„alle staatsfeind- lichcn Bestrebtuigen zu meiden und abzuivcbrcu." Den gcivcrkschaftlichen Anforderungen etwas näher kommen die bayrischen Eiseiibahner-Vereiiie. indem sie die Erzielmig besserer Lohn- und Arbeitsbedingungen sich zur Aufgabe stellen. Der„Verband der deutschen Eisenbahner", der sich der Generalkommission der GeWerk- schaften Deutschlands angeschlossen hat, sah sich bezcichncnderiveise in die Notwendigkeit verjetzi, im Hinblick auf die llnierdrückungs- und Verfolgungssucht der Veiwaliungsbebörden, alle Angabe» über Stärke zc. deS Verbandes abzulehnen. Ebenso verhält es sich mit den Postbeamten- Vereinen. Dem Postassiücnten- Verband ist der «Giftzahi.' ausgebrochen, indem Herr v. Podbielski den Vorstand bekanntlich zur Streichung der Worte im Statut nötigte, die als Ausgabe des Verbandes die«Vertretung der Interesse» der Post- assistenten" bezeichneten. In der Darstellung Leer die«konfessionellen Arbeitervereine" wird uns bestätigt, daß diese, von gescheitelten und geschorenen Gottesmäunern geleitete-, angeblich unpolitische Bewegung in erster Linie der Bekämpfung der Socialdemokratie gilt. Namentlich gilt daS von der evangelischen Richtung; aber wen» in den kalbolischen Gewerkschaften sich neuerdings vielfach eine bessere Einsicht Bah» bricht, so ist das gewiß»ich: die Schuld der streitbaren Kapläne. Den i n te rii a ti o n a l en B c z i e hu ng e n der Arbeiter redet K. das Wort, weil jeder Arbeiterschutz nur dann durchführbar ist, wenn der ausländischen Konkurrenz die gleichen Beschränkungen anfcrlegt sind.„Damit ist der internationale Rahmen der Gewerk- schastSbeweguiig von selbst gegeben," K. erkennt an, daß die ersten Bemühungen, die Arbeiter über die Grenzen der einzclneir Industrie- staaten hinaus mit einander in Verbindmiz zu bringen, von den Socialdemokraten ausging. Und so werden auch die allgemeinen Kongresse der„Internationalen Arbeitcr-Association" und die übrigen «Welikongresse" der Arbeiter und deren Beschlüsse in knapper Form onfgeführt. Im Anschluß hieran folgt die Schilderung der geringen Ansätze internationaler Beziehungen zwischen den einzelnen Berufs- organisationen. Hier beansprucht der Verfasser den„Ruhm eines Erndeckerö unbekannter Gebiete". Und man muß in der That zu- geben, daß es selbst eingeweihte Kreise einigermaßen überraschen wird, zu hören, daß bereits in 23 verschiedenen Benifen inter- nationale Beziehungen angeknüpft worden sind; allerdings sind die Erfolge teilweise recht mäßig. Der 2. Teil des Werkes umfaßt die Unter nehmer-Ver- bände, soweit diese sich mit den Beziehungen zur Arbeiterschaft befassen. Hier ivar die Beschaffung des ivlaterials noch weit schwieriger. Die Unternehmer lvissen wohl, daß ihr Treiben vielfach das Licht der Oeffcntlichkcit zu scheuen hat. Viele Unternehmer- Verbände gaben auf die Anfrage gar keine oder ablehnende Antwort.„Gerade die Unternehmer- Verbände sind heutzutage die wahren geheimen Gesellschaften" schrieb Brentano, den K. um Unterstützung bat. In keinem Teile seines Werkes ist das«Gelieferte soweit hinter dem Gewollten zurückgeblieben, wie hier." DaS Gebotene bestätigt alles, Verantwortlicher Redacleur: Paul John in Berlin. Für den Insei waZ bisher von den.Antistreikvereinen' bekannt geworden. Ans den Statuten erhellt der ausgesprochen politische Charakter der Vereine; das Vereinsgesetz ist für sie nicht vorhanden, sie treten un- geniert mit einander in Verbindung. Der Organisation gegenüber muß der einzelne Unternehmer fast jede Selbständigkeit aufgeben, er muß Arbeiter aussperren, darf sich mit ihnen nicht einigen, wenn dies den Machthaber» der Koalition so gefällt. Von den deutschen Unternehmer-Verbänden in günstiger Weise unterscheiden sich die englischen. In den Statuten der meisten dieser Vereinigungen sind Verhandlungen mit den Arbeitern und deren Organisationen vorgesehen; einige Verbände haben gewisse Minimal- löhne festgesetzt, weicht ein einziges Mitglied von diesen ab, wird ihm bei eventuellem Streik seiner Arbeiter die Hilfe des Verbandes versagt. Es folgen dann neben den Organisationen des Handwerks und der Landwirtschaft noch die Unternehmer-Vercinigungen des übrigen Auslands. Ein besonderes Kapitel ist den«Gemeinsamen Orgam- sationen" gewidmet; hier werden die«Tarifgeineinschaften" der Buchdrucker, des Sächs. Stickereiverbaiides, der Solinger Stahl- industrie geschildert. Den Schluß bildet ein Kapitel über die«Ge- setzlichen Organisationen", wie sie durch die Arbeiterversicherungs- gesetzgebung sich herausbilden. Das Material ist mit großem Fleiß zusammengetragen und übersichtlich geordnet. In gedrängter Kürze wird Auskunft gegeben über de» Zweck und die Ziele der Vereinigungen, deren Entwicklung, Ausdehnimg; vielfach sind Organisations'programme, Statuten usw. beigegeben.' Das Buch wird daher vielen Socialpolitikern, Arbeiter- freunden, den Gewerkschaftsleitcrn selbst, ein willkonimcnes Nach- schlagewerk sein. Der Verfasser hat sich möglichster Objektivität befleißigt, was ihm allerdings auch nicht allzu schwer zu werden brauchte, da er nur D a r st e l I>i n g, keine Kritik gegeben. Immerhin erkennt man den Arbeiterfreund. Seine Arbeitertreimdlichkeit beschränkt sich aller- dings ans die gewerkschaftliche Bewegimg. In einem zweiten Bande, der diesem folgen soll, will er das Verhältnis zwischen Ge- werkschaftcn und Socialdemokratie darlegen; er macht sich an- hcischig, dort den Satz zu begründen:„Die Gewerkschaftsbewegimg ist der Todfeind der Socialdemokratie". Wir sehen dieser Anseinandersetzung mit ebenso viel Ruhe als Interesse entgegen._ H. P. GcmevkslsZÄfM�es« Beili»»ild Uiiigrgcnd. Zur Lage der Beamten der Berliner OrtSkraiifenfasse». Mail schreibt uns:„In Nr. 272 veröffentlicht der„Vorwärts" eincil Artikel„Die Leistungen der Krankcnkasscn", der ein erfrcnlichcs Bild der Geschäftslage der Berliner Ortskraiikeiikasscn im Jahre 1898 giebt. Die Leistungen cincs großen Theils der Kraiikenkassen erfiihren auf verschiedciicii Gebieten eine Eiwcitcrniig. Demgegenüber ist es von doppeltem Interesse, die Lage der bei den Ortskraiikeiikasscn be- schäfliglen Personen kenncil zu lernen, wozu iins eine Statistik Ge- legenheit giebt. welche von der Bezirksgruppe Bcrliii-Braiidcii- biirg des Verbandes der Vcrivaltungsbeamlcn ausigciiömmen wurde. Ans dieser Statistik ergiebt sich. daß znni Teil noch recht niedrige Gehälter bezahlt werden. Sind dock eine Anzahl Kassen vorhanden, deren Rcndanleii mir bis 1000 M. erhaltend, eine Reihe anderer Kassen zahlen 1ö00 M., 1800 M.; die Mehrzahl der Rendnnte» ist jedoch mit 2100, 2400. 3000, einige mit über 3000 M. bezahlt. Die übrigen Beamten sind in ihrer Mehrzahl niit 1500 mid 1800 Mark bezahlt,»ur wenige erhallen ein Gehalt von 2100 M. lmd 2400 M. Müssen Gehälter von 1500 und 1800 M. ür Leute, von denen vielfach qualifizierte geistige Arbeit verlangt ivird, schon als niedrige bezeichnet werden, so sollte man es kaum für möglich halten, daß es sogar noch einige Kassen giebt. die ihre Beamten mit 1200 M.. 1000 M.. eine gar mit 750 M. ent- lohnen**) Die Tbatsache, daß von den Rendantcii also Leute, welchen die Verwalliiiig des Kaffenvciniögens anvertraut ist und welche iast all- geniei» auch noch Kantion' zu stellen haben,»ock 60 Prozent ein Gehalt von 2100 und weniger, 45 Prozent 1800 und weniger, 221/2 Prozent sogar 1500 und weniger beziclien, ist nicht erfreulich. Das ist ebenso traurig wie der IlmÜand, daß 82Vz Prozent der Kassciibeamten 1800 ilnd iveingSk, 40 Proz. derselben 1500 und weiiiger imd 12�/2 Proz. 1350 und weniger hezieben; von den Kassen- boten iliid Kraiikcn-Coiitrolcnren 50 Proz. 1500 und weniger, 37' s Proz. 1350 und weniger. 30 Proz. 1200 M.»nd weniger bezahlt erhalten. J» früheren Jahren lehnten die Kassenvorstände Anträge ans GehaltSerhöhnng stcls mit dem Hinweis am die nilgiiustigc» Kasie»- verbältnisic ab.' trotzdem bei starker Ina» pn»chnok»ne der Kassen durch die Mitglieder an die Arbeitskrafr der Beamten e. höhte An- fordennigeii gestellt wurden. Jetzt, wo ffch die Vermögenslage der Kassen durchgängig gebessert bat. erinnern sich die wenigste».«äffen- vorstände ihrer Ängestcllten imd>o ist es denn nicht zu vcnbimdern, daß dicielben sich genötigt sahen, zur Wahrung ihrer Interessen gegenüber den Knssenvorsländr zilsamlllcnzlitrcle». Die Kassern eamteii haben eine Lobilkoznini n gewählt, welche folgende Forderimge» anfftellt: Aiifangsgchalt für Renda nt.... 2400 M, Für Ka.ffeubecnnte....... 1800. Daß iclbstrcdnid mit dem Dienstjahre eine aiigemesitne Steigerung zu erfolgen hat, eine Minima lkünbigungsfrist von 3 Monaten und eine Maxiinal-ArbeitSzeit von 8 Stnnden zu gelren bat. Wenn nian diese Fordernngen vergleicht mit der augenblicklichen Lage der Beamten, so ergiebt sich ein reiches Felo det Tbäligteit für die Lohnkomiiiisfion und die Berliner Arbeiterschaft ist sicher nicht damit einverstanden, daß die von ihiicn gewählien Dclcgiericn resp Kassciivorstnnde als Arbeitgeber in die Fiißstapsen der,-fita- listen trcccn. Der Ausstand der Alabaster- Drechsler und S-m-. er dauert nnverändert fort. Arbeitswillige bavcii sich, aui.ee denjenigen, die von vornherein in de» Werkstätten siebe» geblieben sind und den Revers, Austritt aus dem Holzarbeiier- Verbände, nnterschriebc» habe», nur wenig geftliide». Berlin scheint eben zur Anwerbung von RauSreißern nichl der günstigste Bode» zu sei». Da die Arbeit jedoch drängt, so haben sich die Uiiterilehmer nach auswärts gewandt »ild siiche» dort die Helfer in der Not. Ihr Augenmerk hat sich auf die Großstädte und auf Thüringen gerichtet, böffeiitlich haben die Herren aber auch dort kein Glück. Das Slrcikposteiistchcn wird den ausständigen Alabastcr-Arbcitern ganz besonders erschwert. Während- dem die Uiiterilehmer selbst ihre Posten aufstelleii, den»nzier»>i sie die der Arbeiter der Polizei mid lasse» ihnen die Pasiaae der be- treffenden Straße verbieten. Man sängt die Streikposten sogar schon ab, wenn sie ihr Quartier verlassen iind verweist auch vollständig Uilbeieiligte des Terrains. Der letzte Entscheid des Kamnlergerichts scheint hier schon seine Wirkung anszuiiben. Die Arbeiter sind des- halb zu doppelter Vorsicht verpflichtet. Alle Anfragen� betreffend diesen Streik, sind an Paul Bünte, Stralaner Allee' 25, zu richten. Neuilnhr-Schliiß der Berliner Apotheken. In den Kreisen der hiesigen Apothclcnprovisore» ist. nach der Pharm. Ztg." Nr. 95. eine Beivegmig im Gange zu Gunsten des Neiiiiuhr-Schlllsses der Apotheken. Anläßlich des ReichStags-BeschluffeS über obligatorischen Nelimihr-Schluß beabsichtigt man eine Petition, ilin nicht wieder wie ehedem beim Gesetz über allgemeine Somitagsnihe von einer wohl- thätigen Nenerung ausgenommen zu werden. Bei den llvahle» der Vertreter zur Generalversammlung der QrtS-Krankeukasie der Buchbinder siegte die Liste der Organisierten mit 696 Stimmen. Eine Gegenliste war nicht aufgestellt. *) Leider sagt uns die Statistik nichts darüber, ob hier nicht etwa solche Personen in Betracht kommen, die im Nebenamte oder nur teilweise durch Kasiengeschüftc in Anspruch genommen sind. —) Auch hier hätte festgestellt werden müssen, ob es sich um ein- für allemal feststehende Gehälter, oder ob es sich nicht etwa um Anfangsgehälter handelt, die im Laufe der Zeit steigen. Red. d..Vorw." atenteil verantwortlich: Tb. Glocke m Berlin. Druck und Verlag von Max Achtung, Gewerkschaften CharlottenbnrgS. Im Januar werden hier die Ncuivahlen zum Gewerbegericht vorgenommen. Die Gewerkschaftslommission hat nun eine fünfgliedrige Kommission ge- wählt, die sich mit den Vorarbeiten befaßt. Da anfangs Januar die Kandidaten aufgestellt werden, ist es notwendig, daß die einzeliien Berufe spätestens bis zum 27. Dezember ihre Kandidaten nominicren imd dem Unterzeichneten Namen und Adreffe mitteilen. Ebenfalls sind dort Listen zur Deckung der Uiikosten zu haben. Jeder Kandidat muß gewerkschaftlich und politisch organisiert sein. Der Vertraiiciismaml hiesiger Gewerkschaften. J. 21.: Fritz Bleeck, Pestalozzistr. 22, v. II. Deutsches Reich. Der Maurerstrcik in Dresden hat— wie jetzt in einer Maurerversaminlimg bekannt gegeben wurde— für die cilizelnen Beteiligten insgesamt 24 900 Tage gedauert. Die Gesamteiimahnie betrug 59 795,18 M.. wovon 23 570,39 M. auf den Central-Streik- fonds in Hamburg, 24 669,90 auf den am Orte angesammelte» Streik- fouds entfallen, während 11 173 M. von den Maurern aufgebracht wurden, die zu den neuen Bedingungen arbeiteten. Die Gesamt- ausgäbe belief sich auf 58 750,13 M., darunter für F e r n h a l t u n g des Zuzuges— Posteuftchen, Agitation nach ausivärts sc.— 15 073,69 M. Die hohe Ausgabe für den letzteren Posten beweist, eine wie große Rolle bei einem größeren Streik das Fernhalten des Zuzuges spielt, was man beim Streik seitens der Unternehmer so gern unmöglich machte möchte. Ausland. Ans Paris wird gemeldet: Die auSständigei, Arbeiter bei der Staatö-Tabakfabrik in N a n t e s, 5000 an der Zahl, organisierten gestern eineil Umzug. Sic wolltcil vor das Präfclturgebäude ziehen und daselbst manifestieren. Eine Slbteilimg Kavallerie verhinderte sie daran. Die Demonstranten warfen Steine auf das Militär und verwundeten eiiicu Ofstzier, worauf der Befehl erteilt wurde, gegen die Menge vorzugehen. Mehrere Berhaftiingen wurden vor- geiionnuen._ Ter Krieg. Die Situation ist uilverändcrt. Wenigstens liegen keinerlei Nachrichten vor. die auf irgendwelche Wendungen des Kampfes deuten. Ans Natal kommen nur Milteillingen über erheblich zurückliegende Tage.„Morning Post" veröffentlicht ein Tele- gramin aus L a d y s Iii i t b vom 25. November, ivonach das Bom- valdemeiit der Boeren in der letzte» Zeit viel mehr Schade» in der Stadt angerichtet hat, als bisher. Das Liverpool- Regiment und der noch vorhalidcneRestdes Gloilcester-Regimeuts haben gestern 11 Tote und Verwundete gehabt. Es lvurden auch mehrere Cimlistcn und einige Mann von der Natal-Polizeitrnppe getötet und verletzt. Die Stärke der Boeren beträgt ivahrscheiulich 10 000 Mann. — Aus E st c o u r t meldet dasselbe Blatt vom 30. d. M., ein von den Boeren freigelaffener Engländer schätzte die Zahl der in Coleuso stehende» Boeren auf 16 000 Mami. auch hätten dieselben 15 Ge- schütze in starken Stellungen. DaS Kommando habe General I o u b e r t selbst. Das englische KriegSamt veröffentlicht folgendes Telegramm des Komniandaiiten von Kapstadt: Oberst Kekewich meldet aus 5li»ibcrlry vom 30. Noveinber: Die Polizei des Betschuanalands- Proleliorats hat das Boercnlager westlich von der Stadt am 23. No- veniber genommen. Mit Äimbcrlcy ist vorn Modderflusse aus eine Bcrlündnng durch Scheinwerfer hergestellt. Wie das Kriegsaint iveitcr mitleilt, ist daS Transportschiff„JSmorc" mit einer Batterie Fcldartillerie und einem Teil der 10. Huiareii an Bord am 3. d. M. bei den Felsen der St. Helena- Bai aus Grund gerate»; die Truppen sind glücklich gelandet, aber die Pferde besiuden sich»och an Bord. Die Kriegsschiffe„Doris" und„Niobe" imd das Transportschiff.Colmubian" leisten der „Jsmore" Hilfe. London, 4. Dezember. Der größte Teil der Geschütze, welche sich auf dem Transportschiffe„Jsmore" befanden, sind i» der St. Helena- Bai gelandet.— Die zweite Slusgabe der .Times" meldet in einciu Telegramm aus Modder River Station vom 29. November über den weiteren Verlans der Schlacht: Die Aufsi mug der Boeren am Modder River war halbkreisförmig. Die englischen' Truppe» wurden beim Anmärsche von beiden Seiten uiner Feuer gciioiumcn. Beim Anbruch der Dämmerung deS 28. November gingen ei» Teil der 9. Brigade und die Hochländer auf dem äußcrsic» linke» Flügel über den Fluß, unter Be« uiitzluig eines Mühlcnwehres, stromabwärts von der Stelle der Modder Niorrbrücke, und faßten jenseits Stellung. Die Nacht brach ..erei». ohne daß der Sieg enlschicdcn war, jedoch folgte» am morgen des 29. November die Garden der 9. Brigade, da inzivischen die Stadt geräumt war. Darauf setzte auch der Rest der Truppen über den Fluß. Das«Reiltersche Biircau" meldet ans Lonreu?» Marques vom 29. November: Wie das Blatt„Standard and Diggers NewS" mitteilt, hat die Regierung von Transvaal den Betrieb der Begbie- Gießerei in JohainieSbürg überiioinmeii. in ivelcher Bombeii und andere Geschosse hergestellt werden. Drehbare Laffetten für die schweren Geschütze der Boeren sind am letzten Montag nach der Front abgegangen. Verwundete Engländer ans der Heimfahrt. LaS Palmas(Canarische Inseln), 2. Dezember. Einer von den auf dem Tampfer.Sumatra" hier eingetroffenen verivliiideten Osfizicren sprach sich Aber die Schwierigkeiten des südafrikanischen Krieges ans, die sich soivohl aus den Hindcrnisscit, die das Terrain biete, ergäben, wie aus der von den Boeren befolgten Taktik. Die Verluste ans beiden Seiten seien große; diejenigen der Engländer seien jedoch bedeutendere als die der Boeren. Letzte Meldungen. London, 4. Dezember.«Daily Chroiiicle* veröffentlicht in seiner heutigen Abendallsgabe ein Telegramm über den Kampf am Nioddrrriner. Dem Korrespoiidentcn' zufolge betrug die Zahl der Boeren 10 000. Sie waren gut verschanzt und verfügten über zahl- reiche Artillerie. Die englischen Truppen bestanden aus 6>/2 Bataillone» Jiifaiiterie, dein 9. Laiizenreitcr-Regimeiit und 8 Batterien. Die Boeren schosicn mit der größten Treffsicherheit auf die vordringende englische Infanterie, welche unbeschreibliche Verluste anfznwcisen harte. Die Highlanders versuchten mchrmals, den Fluß zu über- schreiten, wurden aber jedesmal durch das mörderische Feuer der Boeren zurückgeworfen. Die Ansicht im Generalstabe ist, daß niemals bei einer Schlacht die englischen Truppe» einem so mörderischen Feuer ausgesetzt waren, wie bei diesem Angriff. Bis z>li„ Einbruch der Nacht dauerte der Kampf. Die Boeren zogen sich sodann mit ihrer Artillerie zurück. London, 4. Dezember. Nachrichten auS Kapstadt zufolge hätten sich im Bezirk von Wertenstat 2300 Mann den Boeren angeschloffen. Die Wariiinigsproklamation des Generals Buller wurde herunter- gerisie» und mit Füßen getreten. Man nimmt an, daß sich nuii- mehr sämtliche Asrikandcr gegen die Engländer erheben werde». London, 4. Dezember. Große Meilscheilmeilge», welche sich vor dem Kriegsamte angesanimelt hatten, zogen entrüstet ab, als der Beamte des Üriegsamts die Mitteiliuig machte, daß keine Nachrichten vom Kriegsschauplatze eingegangen seien. Uehkv und Vepesttzena Caracas, 3. Dezember.(W. T. B.) Maracaibo ist in die Hände der Aufständischen»nter Hemandez gefallen. Rio de Janeiro, 3. Dezember.(W. T. B.) Nach amtlich ver» öffenllichtcm Gesetz sind vom 1. Januar 1900 an von alle» Einfuhr» zöllcn 15 Proz., anstatt 10 Proz. wie bisher, in Gold zu zahle». Der Zolltarif bat verschiedene Aenderimgen erfahren. Alle zur Ein» fuhr in Brasilien bestimmten Wareiisendiliigen müssen vom l. Januar n. I. ab von Konsulats-Fattiiren begleitet sein. Zading in Berlin. Hierzu£ Beilagen und Unterhaltungsblatt. it. m u. Z.W» i, KilU heg Jpnätls" gttliitt AcksdlM.».»i*.!«»». Ein Weihnachtsgeschenk für unsere Leser fiitbcu die von uns bereits angekündigten NoMts min Marz iiad Ciigrls. Sun st radier» n gen auf chinesischem Papier Platiengröbe 3SXb2, Kartongröäe SSX�ö cm. Jni gewöhnlichen Annsthandel würden diese Sunfiblätter nicht unter Z0-Z0 Mark zu beziehen fein; wir sind in der Lage, dieselben unseren Abonnenten zum Vorzugspreise von 5 M. pro Paar «u liefern; dieselben stehen in unserer Expedition zur Ansicht aus, ebenso! geschmackvolle Rahmen zu billigenPreisen. Wir bitten um möglichst frühzeitig- Aufgabe der Bestellungen, um recht- zeitig liefern zu können. Alle Spediteure nehmen Bestellungen an; ebenso die Buch- Handlung Vorwärts. Gegen Mehreinscndung von 30 Ps.(eingeschrieben 50 Pf.) erfolgt Zusendung der Blätter ins HauS. Uokstles. Den Parteigenossen des ersten Rcichötaqö-Wahlkreises die Mlttellniig. daß am nächsten Somitagabend 6 Uhr in Cohns Festsälen, Beuthstraßc, eine V e r s a m m l u n g statlfindct. Genosse Wolfgang Heine spricht über die persönliche Freiheit, ihr Schutz und ihre Begrenzung durch daZ Gesetz. Nach dem Vortrage gc- mütliches Beisammensein mit Tanz. Um zahlreichen Besuch bitten Die Vertraucnspersoncn. Socialdemokratischer Wahlvercin für de» zweiten Berliner Ncichstags-Wahlkreis. Heute, Dienstagabend sil's Uhr, findet Friedrichstr. 236 eine öffentliche Versa m m l u n g statt. Tages- ordnung: 1. Die Socialdemolratie und ihr Ziel. Ncfercnt: August Bebel. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes.— Nicht» Mitglieder habe» Zutritt.— Die Versammlung wird pünktlich er- öffnet. Zahlreichen Beiuch erwartet Der Vorstand. � NB. Den Mitgliedern zur Kenntnis, daß die Zahlstelle in der Blücherstraßc(früher Raumann) eingegangen ist. Dir StrasjcnrcinlgnngS-Hilfsarbeitcr werden bekanirtlich nur im Winter bei starken und anhaltenden Schneefällen eingestellt, wen» das ständige Arbeiispersonal der Straßenreinigung die durch die Schneebeseitigung verursachte Mehr- arbeit nicht mehr allein zu leisten vermag. Diese Hilssarbeiter, im Volksmunde„Schnecschipper" gcnaiint. werden immer nur ans einige Tage engagiert und bekommen pro Tag 2.25 Mark. Im vorigen Wrnter, der sehr schneearm war. ist für Hilfsarbeiter leider wenig zu t h u n g e we s e n. Es wurden nur 5726 Mark für sie ausgegeben, fast so wenig wie in dem Winter 1893/L4. der unter den letzten zwanzig Wilitem die allergeringste Ausgabe für Hilfsarbeiter aufwies. In dem ganzen Winter 1898/99 wurden nur 2545 Tagewerke von' Hilfsarbeitern geleistet— eine Zahl, die in sehr schnccreichen Wintern znweilcn an einem einzigen Tage erreicht worden ist. Was solche Unterschiede für die Arbeitslosen Berlins zu bedeuten haben, daS leuchtet ohne weiteres ein. Der neueste VcrivaltnngSbcricht der Straßciireinignngs-Deputation sagt übrigens,„gegenüber de» Er- scheinungen ans anderen Wintern" sei hervorzuheben, daß im ver- flossenen Winter jederzeit die gewünschte Zahl von Hilfsarbeiter» zu haben war. Das ist allerdings angesichts dieses geringen Bedarfs von vornherein zu vermuten. ES ist aber auch in den fchneereichen Wintern der letzten Jahre durchaus kein Mangel an Hilfsarbeitern gcivcscn, wenigstens ist in keinem einzigen Vcrwalwngsberichte des lausenden Jahrzehnts auch nur eine Nndcntung darüber zu finden, daß es jemals an Hilfsarbeitern gefehlt habe. In eim'gcu Berichten wird sogar ausdrücklich hervorgehoben, daß jederzeit zahlreiche Hilfö kraste zur Verfügung standen. Selbst in dem Winter 1894/95, der unter den letzten 20 Wintern die höchsten Ausgaben für Hilfsarbeiter verursachte, waren(wie die Straßcnrcinigungs-Dcpntatiou in einem damals veröffentlichten besonderen Bericht angab)»während der ganzen Dauer der Arbeit Hilfsarbeiter immer in ausreichender Anzahl, oftmals über Bedarf, vorhanden". Man weiß also wirklich nicht, was man dazu sagen soll, wenn jetzt mit einem Mal so gethan wird, als Henriche i» Berlin im Winrer Ueberfluß an Arbeit und Maugel an Arbeitskräften. Merkwürdig ist übrigens daß an einer andern Stelle des»eiiesten VerwaltuugsbcrichtS sogar der Verzicht auf d i e B c n u tz u n g von S ch u c e p f l ü g c n mit dem»günstigen Umstand" begründet wird, daß„zu jeder Zeit, besonders im Wiiiter, zahlreiche Hilfsarbeiter zur Verfügung stehen". Die Direktion der Straßenreinigung scheint also selber ganz genau zu wissen. daß sie kaum jemals einen Mangel an Arbeitskräften zu befürchten hat. Zur Frage der Kinderarbeit schreib! die„Preußische Lehrer Zeitung":»Es ist ein beklagenswerter Umstand, daß man in Berlin bei der Beleuchtung der Frage des Verbots beziv. der Einschränkung gewerblicher Kinderarbeit auf das Material von Nixdorf. Charlotten- durg und vielleicht noch 30 anderer Städte zurückgreifen muß. Zahlen hat man für Berlin auch— nach der überaus lückenhaften Reichscnqnctc, aber den Thatsachcnjammer, der in der ganzen Materie liegt, dck» w o l l t e m a n f ü r B e r l i n n i ch t a n f g e d e ck t h a b e n. Wir wissen das aus sehr genauer Quelle." Das genannte Lchrerorgau wendet sich dann entschieden gegen die im Ausschuß angenommene Bestimmung, wonach daS Verbot der gewerblichen Beschäsiigung von Schulkindern nicht Geltung haben soll für Kinder,«welche von der Schuldeputation von dein Nachmittagsunterricht befreit sind, um L a u f b u r s ch e n d i e n st e zu verrichten". In Berlin sind die Dispense vom Nachmittagsunterricht wohlfeil wie die Brom- beeren. Der Berliner Lehrerverein ist ja auch deswegen bereits vorstellig geworden. Wie kommt man überhaupt dazu, Dispens zu erieilcn, um die Kinderarbeit, die man im Priucip verwirft und zu bekämpfen sich anschickt, erst zn ermöglichen! Was stellt man sich eigentlich unter diesen„Laufburschen" vor? Ihre ll e b e r a n st r e n g u n g ist so groß, daß in Charlottenburg mit Krankheit sich entschuldigten die Laufknaben und Laufniädchen für 562 Tage; ohne jeden Gnind wurden geschwänzt 311 Tage. Meint mau, die 6333 Knaben und 1076 Mädchen, also die 7409 als Laiifkindcr beschäftigte» Schulpflichtigen Berlins seien anderer Art als die CbarlottcnburgS, wo man auf Grund mehrfacher Erhebungen brauchbares Material zur Beurteilung gesammelt hat? Auch diese Worte werden an dem unentwegten Manchestertum deS Kommunal-Libcralismns abprallen. Was ist ihm der moderne Belhiehemitische Kindermord, wo die Heiligkeit des Profits angetastet werden könnte? Ter ZeitnugSverlcgcr Herr Leopold Ullstein ist in der Nackt zum Montag am Herzschlage� g e s» o r b e n. Herr Ullstein ist 73 Jahre alt geworden; er hinterläßt fünf Söhne, welche die Unter- nchmnngcn ihres Vaters fortführen werden. Der Verstorbene gc- hörte in den siebziger Jahre» dem Stndtvcrordnctcn-Kollegium an; in dieser Körperschaft ivie auch später brachte er seine linksfreisinnigen Ucberzengnugcn zum Ausdruck. Sein großes Geschäft hat sich a»S kleinen Anfängen entwickelt. Im Ullsteinsche» Verlage erscheinen die entschieden freisinnige »Berliner Zeitung" mit relativ geringer Aboniientenzahl, die un- parteiische, als Konkurrenzblott des„Lolal-Aiizeigers" gedachte »Berliner Morgenpoft" mit sehr vielen Abonnenten und die niit Bildern von Flottemnaiiövem, Kaiserreisen reich geschmückte»Berliner Jllnftrierte Zeitung". Endlich! Aus dem Rathause wird berichtet: Die Schnitter- barackc auf dem Rieselgute Buch enthält nicht geeignete Schlafräume für die Arbeiter. Der Magistrat beabsichtigt daher, die Baracke entsprechend umzubauen, und will mit dem Unibau schon im Anfang des nächsten Jahres beginnen, damit bei der im Früh- jähr erfolgenden Rückkehr der Schnitter sämtliche Räume der Barackc zur Verfügimg stehen. Zu einer vorläufigen Unterbringung der Schnittcr sind in Buch nicht genügende Räume vorhanden. Die Be- schaffung der für den Umbau erforderlichen Mittel(etwa 11000 M.) ist für dieses Etatsjahr nicht mehr möglich und wird daher in dem Etatsjahr für 1900 ein entsprechender Betrag vorgesehen werden. Der Magistrat wird daher die Stadtverordneten-Versammlung er- suchen, daß mit dem bezeichneten Umbau schon in diesem Etatsjahre begonnen werde, jedoch mit dem Borbehalte, daß demnächst die speciellcn Projekte und Kostenanschläge vorgelegt werden. Magistratösekretär Apitz, der wegen Unterschlagung amtlicher Gelder polizeilich verfolgt wurde. ist am Sonnabendabend verhaftet worden. APitz. der wegen zahlreicher Unterschlagungen verfolgt wurde, hat sich freiwillig der Behörde gestellt. Er hatte sich bisher in Berlin und den Bororten verborgen gehalten. Dem Kriminalkommissar gegenüber räumte er alle ihm zur'Last ge- legten Strafthaten in ihrem ganzen Umfange ein. Er gicbt an, daß schlechte Vermögens- und widrige Familicnvcrhäktiiisse ihn nach und nach auf die schiefe Ebene gedrängt hätten. Ebenso hat er die ganze Angelegenheit in einem Briefe dargestellt. Apitz war von feiner'Frau seit Juni d. I. getrennt. Im Oktober wurde die Ehe gerichtlich gc- schieden und die Frau für den allein schuldigen Teil erklärt. Apitz lebte zunächst in sehr bescheidenen Verhältnissen. Er hoffte, wie er sagt, die Unterschlagungen, zu denen die schlechte Wirtschaft seiner Frau und die unglücklichen Familienverhältnisse ihn gedrängt hätten. nach der Scheidung durch Sparsamkeit wieder gut machen zn können. Die Entdeckung sei aber zn früh gekommen und deshalb sei er geflohen. Apitz wurde gestern nach Moabit in Untersuchungshaft übergeführt. Slcncö Glimnasinm. Die zu diesem Zwecke eingesetzte Magistratskommission hat beschlossen, bei dem Magistrat zu be antragen, daß in Moabit nahe d e in H a n s a'v i e r t e l ein V o l l g y m n a s in m, unter Verlegung deS Friedrich Werder scheu Gymnasiums an diese Stelle errichtet wird. Paketdiebstähle auf Postämtern. Vor Weihnachten, wenn der Andrang zn den Paket-Annahmestellen der Post wächst, pflegen sich auch die Pakctdicbstähkc in den Borräunien der Postämter zu mehren. Besondere Borsicht ist in den Abeiidstundcii nötig, wo die HmiSdiener der miiliegcndcn Geschäfte mit Hunderten von Paketen anrücken und bei dem Gedränge, daS dann in den Vorräumen herrscht, die Ucbcrsicht erschwert ist. Gegen die Paketdicbe, die in dieser Zeit ans Raub miSgehen. sind die Hausdiener machtlos, wenn sie nicht einen besonderen Begleiter zur Bewachung ihrer Postsachen initbckoiimten. Am Sonnabendabend ist eS ciimiak gelungen, ans dem Postamt 25 in der Straße Am KönigSgraben einen dieser Diebe zu erwischen. Er wurde von den erbttterten Hausdienern unbarmherzig durchgeprügelt und dann der Polizei übergeben. Tos Museum für Völkerkunde wird eine interessante Be- rcichcrnng erhalten. Gelegentlich der Ansführnng von Erdarbeiten in der Gegend von Miloslaw fanden die Arbeiter einen großen Stcintopf, welcher mit 476 thalcrgroßcn Gold- und Silbcrmniizeu früherer Jahrhunderte angefüllt war. Wegen der Seltenheit der Münzen sollen sie dem geuaimten Museum überwiesen werden. Tic Verliucr Unsallsta.ioucu sind im Monat November dieses Jahres in 3168 Fällen gegen 2606 im gleichen Monat des Vorjahres für erste Hilfe in Anspruch genommen worden und zwar 2710 Mal bei Unfällen und 458 Mal bei plötzlichen Erkrankungen. In den Stationen wurden 297l, außerhalb derselben 197 Personen behandelt. Der verschwundene Redner. Ein cigentümliches Mißgeschick widerfuhr am Sonnabend der Gesellschaft für Erdkniidc. Als zweiter Teil deS Abends war ein Vortrag eines Herrn Hanson(über Wandcrui/gen auf Island) angesetzt, welcher der Gesellschaft von einem ihrer Mitglieder in den Vereinigten Staaten empfohlen worden ivar. Alles war vorbereitet. Ein überfüllter Saal harrte der Dinge, die da kommen sollten, der Lichtbilder- Apparat war aufgestellt, Photographien aufgehängt usw. AIS der Vorsitzende Freiherr v. Richtyosen aber Herrn Hanson das Wort geben wollte, fehlte der Vortragende! Man inachte eine Pause, suchte und suchte. Wer aber nicht zu finden war. daS blieb Herr Hanson. Der Vorsitzende schlug vor. nun wenigstens die Lichtbilder vorzuführen. Aber es stellte sich heraus, daß mit dem Bortragcndcn auch die Bilder verschwniiden waren! Mit großer Heiterkeit wurde diese Mitteilimg aiifgenonimeii, lind dem Vorsitzenden blieb nichts Übrig, als die Sitzimg zu schließen. Was den Mister beivogen hat, sich derart nnfichtbar zu innchen, blieb vorderhand unanfgcllart. Tie MöiLcrn-Bt'iicke ist gestern vormittag dem Verkehr über- geben worden. Die vollständige Fertigstellung der Brücke wird allerdings noch einige Zeit beanspruchen, da einmal an der Architektur nock manckerlei Ergänzungen vorgenommen werden sollen, sodann aber die Ufcr-Anschlüsse am Halleschcn Ufer erst in Verbindung mit der in der Allsführnng begriffenen Hochbahn in Angriff genommen werden können. Mit dem Abbruch der provisorischen Brücke soll demnächst begonnen werden. 4004 Ratten sind in den beiden Ceiitral-Markthallen in einem einzigen Jahre von dem Kammerjäger zur Strecke gebracht worden. Die Rattenjagd in den Markthallen wird seit einiger Zeit mit Hunden — 8 Terriers und Affenpintschern � betrieben. Es werden damit bessere Erfolge erzielt als früher mit Fallen und Gift. Ganz sind die Klagen über die Rattenplage in den Markthallen aber auch jetzt noch nicht verstummt. Auf der elektrische» Strasienbahu ist Montagvormitiag ein Droschkenlutscher Hoffmami. der Führer der Taxametcrdroschke 3300 schwer v e r ri ii g I ü ck t. Hoffmann hielt mit seinem Wagen in der Französisckenstraßc an der Friedrichstraße. Ilm lO3/-« Uhr trank er in einer Gastwirtschaft. Französischestraße 16, ein Glas Bier und holte sich dann aus einem Schlächterladen Wurst. Als er hierauf nach seinem Wagen zurückkehren wollte, warf ihn ein Wagen der Linie Alexanderplatz— Nollcndorfplatz um, so daß er unter daS Schutzblech geriet. Die SpeditionSkutscher Zander, Becker, Geiscler und Barowski, welche mit ihren Fuhrwerken in diesem Augenblick an der Iliiglücksstelle hielten, suchten den Verunglückten aus seiner gefährlichen Lage zu befreien, und ihrem Menschenfreund- lichcn Bemühen war es zu danken, daß der Droschken- kutscher Hoffniami nach anstreiigender. zehn Minuten währender Arbeit erlöst wurde. Als die inzwischen herbeigerufene Feuer- wehr zur Srclle kam, war das Bcfreiimgswerk vollendet.'und ein Wagen der Wehr brachte den Vcniiiglnckten dann nach der köing- licken Klinik. Hier stellte man schwere Verletzungen an der Brust fest und man glaubte zunächst kaum, daß er noch wieder zu sich kommen werde. Man brachte den Verunglückten in den Kaiser- Pavillon und sckritt hier, sobald sein Zustand es erlaubte, zu einer Operation. Diese scheint Erfolg zn haben. Gestern abend lag Hoff- mann jedoch noch vcrnchmuiigSnnfähig danieder. Der Verimglückte ist ein Mann in den dreißiger Jahren. DaS Unglück scheint dadurch herbeigeführt ivorden zu sein, daß zu gleicher Zeit zwei Wagen auS verschiedenen Richtungen gefahren kamen. Zu wüsten Vorgänge» kam es am Sonntag früh gegen 4Uhr in der Lietzmaimstraße. Zwischen zwei jungen Arbeitern' war in der Landsbergerstraße ein Streit cutstanden. Einer, der 20jährige Arbeiter flüchtete und lief, von seinem Gegner gefolgt, durch die Gollnow- straße. Hier zog P. einen Revolver hervor und feuerte ihn aufs Geratewohl ab. Dann rannte er durch die Landwehr» nach der Lietzmamistraße und gab abermals einen Schuß auf seinen Ver» folger ab, der besser traf, da die Kugel diesem in die reckte Schulter drang. Der Revolverheld wurde von Schutzleuten festgehalten und sollte nach der 19. Polizeilvache gebracht werden. Auf dem Wege dorthin versuchte eine größere Menschenmenge den rohen Menschen zu lynchen und die Schutzleute zurückzudrängen. Nur mit Mühe gelang es. den P. in sicheren Gewahrsam zu bringen. Der Ver- wundete ist ein 23jähriger Arbeiter Reichert. Biicherdiebstähle in der Universitätsbibliothek. Ans dem Lesesaal der Universität zu Berlin wurden gestohlen: Vom 23. 10. bis 10. 11. 99: Ulmami, Lettisches Wörterbuch. Theil I. 1872; Ncffelmaiin, Wörterbuch der litauischen Sprache, 1851: Kurschat, Wörterbuch der litauischen Sprache, I, 1870. Vom 29. 5. biS25. 6. 98: Miklosisch. Vergleichende Grammatik der slavischen Sprache, Band 1 bis 4, 1875—1883. Vom 7. 11. bis 3. 1,2. 98; Miklosisch, Lexicon palaeoslovenico— graeco— lat. Ed. auetior, 1862—1865. Von Anfang Juni 99 bis 16. 9. 99: Troianski, Ausführliches polnisch- deutsches Handwörterbuch 1, 2, 1835—1836. Es ist zu vermuten, daß diese Bücher, die teilweise einen sehr hohen Wert Häven, bei Antiquaren, Pfandlcihern, Buchhändlern oder Buchbindern— im letzteren Falle zum Umbinden zwecks Veseitigimg der gestempelte» Titel- blätter— untergebracht sind. Zwei zum Glück ungefährliche Theaterbrände haben die Feuerwehr in diesen Tagen beschäftigt. Somitagabend 9Vz Uhr wurde die Wehr nach dem'„Feen- Palast gerufen, wo während der Vorstellung Papier im Keller in Brand geraten war. Die Gefahr konnte beseitigt werden, bevor die Theaterbesucher von dem Vorfalle Kenntnis erhielten, so daß eine Beunruhigung d?S Publikums nicht eintrat. Im Mctropol-Thcater entstand Soiiiiabcudabcnd 71/2 Uhr Kurzschluß in der elektrischen Leitung. Die anwesende Thcatcrwache beseitigte den Schaden, ohne daß die Besucher irgend-' wie beunruhigt worden wären. Ei» verlassenes Kind. Das Polizeipräsidium teilt mit: Am 15. November nachmittags hat eine mit grünem Nock, schwarzem Hut und Schleier bekleidete Frau im Wartesaal des hiesigen Anhalter Bahnhofes einen etwa IVzjährifle» Knaben zurückgelassen. Der Knabe war mit gelben Handschuhen, gehäkeltem weißen Unterrock, brannem, rot besetztem Nock und iveißgraucr wollener Mütze bekleidet. Nachrichten über die bisher nicht eimiltcltc Mutter werden im Polizei- gcbäude am Alexanderplatz, Zimmer 319, entgegengenommen. Auf Leichtsinn ist der Selbstmord des Studenten Edgar Neu«� land zurückzuführen, der sich am Soimabendabeiid in den„Musen-' hallen" des Gastwirts Kalbheim in der Kronciistraße 6 erschossen hat. Nenlaiid. der Sohn eines Pastors ans Riga, stndierle'"längere Zeit in Rostock Chemie. Schon über 26 Jahre alt, dachte er noch nniner nicht an ein Examen. Am 1. November kam er nach Berlin. Cr geriet in leichte Gesellschaft, verkehrte viel in Kneipen mit weib-" liche'r Bedieimiig und kam in der Regel spät abends vetrmikeil nach Hause, oft auch gar nicht. So hatte er 900 M., die«r nach Berlin mitbrachte, bald' verausgabt. Am Freitagabend hatte er seinen Ilebcrzichcr in einer Kneipe als Pfand für Zechschulden zurück« gelassen. Am Sonnabend nahm er auch noch die letzten 30 M., die er für ein Kolleg bezahlen sollte, kanfte sich einen Revolver und verbrachte dann den Rest de§ Geldes bis ans 75 Pf. Darauf machte er durch einen Schuß seinem Leben ein Ende. Ei» Opfer deS Alkohols ist der 15 Jahre alte Arbeiter Eduard St. ans der Tegelerstraßc geworden. Der junge Mann war in der Nacht zum Sonntag spät nach Hause gekommen und blieb deshalb den Tag über im Bette liegen. Als ein anderer Arbeiter, der mit ihni die Stube teilte und ihn gegen 3 Uhr nachmittags ver- lassen hatte, gegen 6 Uhr abends nach Hause zurückkehrte und ihn wecken wollte, fand er, daß St. tot war. Ein Arzt, der gleich gc- rufen wurde, konnte nicht mehr helfen. Er stellte fest, daß der junge Mann einer Alkoholvergiftung erlegen war. Ans der Straffe vom Tode ereilt wurde am Sonntag- nachmittag um 3 Uhr der 60 Jahre alte Postschaffner Ludwig Schenk au? der Dunckcrstraße. Schenk hatte eben eineii Ringbahnzug auf der Station am Ccntralviehhof verlassen und wollte»ach Hanse gehen. Nur wenige Schritte vom Bahnhof entfernt, brach er Plötz- lich, vom Schlage' gerührt, zusammen und starb auf der Stelle. Niigliickllchc Liebe hat den 21 Jahre alten Stefan Maylitzcr ans der Wallnertheaterstraße 18 dazu getrieben, sich mit einem Messer den Hals zu durchschneiden. Man brachte den Schwerverletzten in ein KranlenhanS. Jutcriiationale Urania. Von Herrn Dr. Wilhelm Metzer geht n»S die Mitlcilmig z», daß vor wenigen Ta�e» die wissenschaftliche Thcatcrgescllschaft»Jiitcniationale Urania' begründet worden ist. In den AussichtSrat derselben sind die Herren Rechts- nnwalt Dr. Richard Alexander- Katz, Chefredakteur S. Karo, Komincrzienrat Lcichner, Rechtsanwalt Pank Michaelis und Kanf- maini E. I. W. Raven« gelvählt worden. Die geschäftliche Leitung ist in die Hände des Herrn Th. Entsch, Verleger dramatischer Werke, gelegt, während Dr. W. Meyer die tcchiiisch-wisscnschaftliche Leitung übernonimeii hat. Wir wollen, so schreibt Dr. W. Meyer, in erster Linie die Art der von der Berliner Urania mit so großem Erfolge eiitivickcltcn wisienschaftlich-dekorativen Vorträge auch der P r o v i n z und dem Auslände zugänglich machen und den bisher ver- cinzelten auswärtigen Bestrebungen eine gemeinsame Sammelstelle verschaffen. Um für diesen Zweck die vorhandencn Theater- einrichtniigey der übrigen Städte mit größerem Vorteil benutzen zu können, werde ich meinen neuen Vorträgen die Form des Zwie- gesprächs geben, so daß der behandelte Gegenstand durch die lebendige Diskussion i» vielseitigerer, eindringlicherer und auch zum Teil dramatisch wirksamerer'Belcuchtimg erscheint. Orgelkonzert. Fräul. Kate Ravoth, fifrSnl. Anna Corver, Frau Eklen Boglcr-Brachvogcl, der Violinist Herr Alfred Borisch und der Organist Herr Heuer unterstützen den Orgelvortrag, welcher Mittwoch, de» 6. Dezeinber, mittags 12 Uhr. bei freiem Entree vom Musikdirektor Otto Dienel in der Marienkirche gehalten wird und Konwosttionen von Bach, Händel, Pergo- lese, Mendelchohn, Barlandi, Cesar Franck, Liszt, Räderte und Dienel ver- spricht. Theater. Das Gchiller-Theater bringt heute die Novität „Die Richterin", Schauspiel in 4"Aufzügen nach Konrad Ferdinand Meyer von Roman Wocrner. Die Hauptrollen sind ivie folgt besetzt: Karl, der Große: Mar Pategg; Frau Steinum: Alwine Wiecke; Palma Novella: Marianne Wnls; Wuisrin; Ewald Bach; GraciosuS: Georg Päschl«: Rachiö: Leopold Thumer; Faiistine: Grete Meyer.— Im Apollo- Theater wird„FrauLuna" Mittwoch a», 6. d. Mts. zum letzten- male gegeben. Die Vorproben zur Novität„Im Reiche des I n dr a" haben bereits begonnen. AuS de» Nachbarorten. Stichwahl in Spandau. Parteigenossen! Die am Donnerstag beginnende Stichwahl für die dritte Abteilung zur Stadtverordneten- Versammlung muß jeden wahlberechtigten Arbeiter veranlassen, in erh öh ter em Maße als bei der Hauptlvahl seine S ch u I d i g- k e i t zu thuii. Wir müssen unsere Kräfte und unsre Stimmen- zahl verdoppeln, wenn unsre Kandidaten siegreich aus der Stichwahl hervorgehen solle». Auch der letzte Wähler. der seine Stimme für unsre Kandidaten in die Wag- schale wirft, muß herangeholt werden, um dem TerroriSmnS, den unsere Gegner durch ihr« Anhänger in den Kreisen der Beamten. Meister ,c. ans die von ihnen abhängigen Arbeiter ausüben. wirksam zu begegnen. Die Spaudauer Arbeiterschaft hat bei der Hanptwahl bereits erfahren, daß es möglich ist, trotz der schimpflichen Waffe» unserer Gegner ans eigener Kraft etwas zu erreichen. Darum. Arbeiter. heißt es jetzt: Anß Min neuen Kampfe! Auf zum neuen Siege-! Der socialdemokratischc Verein zu Wilmersdorf hält Mittwochabend 8 Nhr bei Witte, Bcrliuerstr. 40. eine Versammlung ab. in der die Kaunnuual- und Gewerbegerichts- Wahlen auf der Tagesordnung stehen. Die wichtig- Tagesordnung erfordert zahlreiches Ericheinen. Treptow- Bauuischttlenwog. Mittwoch hält der social- demokratische Verein„Vorwärts" seine Vcrsaminlnng bei Stnfseldt. Bauinschulcnstr. 84/32 ab. . Rixdorf. Der Magistrat beschäftigte sich in seiner letzten Sitznnq init dein Antrage des H a u d l u u g s g c h i I f e n- V e r b a n d e§ durch ein Ortsstatut die S o Nn t a g s r u h e z» erweitern Nach der üblichen„Prüfung der einschlägigen Verhältnisse" ist der Ma- gistrat zu der Ucberzengniig gelangt, daß ein Anlaß, dem Gesuche zu cntiprcchen. nicht vorliege. Die Antwort soll denigcmäß eine ablehnende sein. Wegen der erheblichen ll e b e r s ch r e i t u n g des Armen- etatS. die besonders ans eine vermehrte Kraiikcnhansbchandluna zurückzuführen ist. soll in nächster Zeit eine gemeinsame Sitzung der Arincnkommissioneii. der Armcndcpntation.' der Deputation für die Pflegc-Anstaltc», der Armenärzte und des Magistrats stattfinden In der Sitzung soll die Frage erörtert werden, in welcher Weile dein«»gewöhnlichen Anschwellen des Armenetats vorgebeugt werden könne. Lü das Klwatgrium für die kausmänniiche und gewerbliche ,5 o r t b r l d n n g s s ch u I e für Frauen n n d Mädchen wurden ans dem MagistratSkollcgiuni die Stadträte Lcyke und Thiemann als Mitglieder delegiert. Den Vorsitz wird Herr Thiemann über- nehmen. In der letzten Stadtverordnctcn-Sitziing hatte der Magistrat wegen finanzieller Bedenken sciiicii Antrag ans Er weite- rung der Krank enanstalt durch Ausstellung einer Dockcrsche Baracke vorläufig zurückgezogen. Der Magistrat hat iiiin- mehr bctchloficn. zunächst fcstziistcllcn. ob und eventuell in welchem Ninfange das A r in e n h a u s für die Bchandliing von Kranken nutz- bar gemacht werden kömie. Biirgenneister Voigt wurde beauftragt, bei der Eisenbnhnver- waltnng im Sinne eines Beschlusses der Stadtverordneten utn die Vcrbeiserimg der Verkehrsverhältnissc auf der Stadt- und Ringbahn, besonders für die Früh- und Abendsiimdeii. cinzn- lönimcn. I» die gemischte Kommission, welche die Frage erörtern soll wie die Müllabfuhr für die Ziikiiiift zu regeln'sei, delegierte der Magistrat den Bürgermeister Voigt und die Stadträte Blirckner B.?ii«»,etz und Thiema»«. Die Kommission soll imtcr anderem auch erwägen, ob nicht die Ilebcrnahine der Müllabfuhr in städtische Regie nützlich und angebracht sei. Ihre Entscheidung imd ihre Borschläge dürften also nicht ohne principicllc Bcdcn- tilug lern. Der Plan einer Eingemeindnilg Friedenaus in Schöne- verg ist trotz der cntschiedenen«ckämpfling. die er»enlich in, Kreis- tage des Kreises Teltow durch den Lnndrat Stiibenranch erfahren hat,»nd auch trotz des der Sache so iingimstigen Gutachtens dcS Kreistages noch keineswegs fallen gelassen worden, sondern wird in Friedenin, selbst init aller Bestimmtheit iveiterbcrfolgt. Unmittelbar „nchdeni der 5lrcistag gesprochen hatte, find einige Vertreter der Gemeinde Friedenau beim Obcrpräsidentei, gewesen, im, dessen Meinung über die Angelegenheit zu hören.'Da aber der Ober- Präsident erklärte, daß er mit der Sache noch nicht vertraut sei. wird von den Friedcnaiiern Vertrete», eine Andicnz beim Minister de* Innern iiachgesiicht werden. Groß wird der Nutze» dieser Schritte nicht sein. Zwei Köcher mit Pfeilen au»»vcndischcr Zeit sind bei Abtragung der Krähenbcrge in der Nähe von K a r I S h o r st von Arbeitern gefnndcn worden. Einer davon, der ans Holz war, wurde durch lliivorsichtige Handhab, mg sanit feinem Jnbalt zerbrochen. Der andere Köcher besteht ans einem etwa einen halben Meter langen Lederbentel. der„och ziemlich gut erhalten ist. Darin befandeil sich ungefähr ein Dutzend Pfeile. Die Pfeilspitzen, deren Widcrbakcn von verschiedener Länge sind, haben von dem Roste wenig gelitten. Die Schäfte sind ans Rohr. An de», unteren Ende befinden sich einige Federn. Der Fund dürfte dem Märkischen Muscinn über- mittelt werden. Unter dem schweren Verdachte, den Mordanschlag gegen seinen früheren Prinzipal, den Direktor Gerling von der Aktiengeiellschaft Gladcnbcck zu Friedrichshngcii. begangci, zii haben, war der Portier D o r f i» a>, ii derzeit verhaftet worden. Wie criiiiierlirt, sein wird. wurde auf de» Direktor ein Schuß durchs Fenster abgefeuert, der zniii Glück das Ziel verfehlte. Gestern ist Dorfmann imn, der dem Ncchisanwalt Wronker seine Verteidiginig übertragen hatte, wiederum ans freien Fuß gesetzt imd das Verfahren gegen ihn mangels Beweises eingestellt worden. Rninliielöburg. Der Kutscher der Mehl-EngroSfirma Gutschow ans der Fricdrichstrnße. Carl Schiller, hatte am Sonnabend die Kundschaft i» RniiinielSbiirg zu bedienen. Gegen 2 Uhr nachmittags langte er bei dem Kanfinann Kaiisch, Türrschniidtsstaße an. Bei dem Bcinilhen, ciiicn Sack Mehl von» Wagen zu nehmen, entfiel ihni der- selbe und ging entzwei, so daß der Inhalt ans dem Viirgersteig umher zerstreut wurde. Als der im Rebenhause wohnende Gcndan» Frcibe den Sch. zur Rede stellte, soll sich Sch. in beleidigenden AiiSdrückei, dem Beamten gegenüber ergangen haben, so daß der Gendarm ihn aufforderte, nach, dem Amte mitzlikoiniiien. Sch. weigerte sich, der Auffordennig Folge zu leisten, und als ihn der Beamte anfaßte, setzte er diesem thätlichcii Widerstand entgegen. Frcibe ließ nun durch seine Frau einen zsoeitcn Gendarmen herbeiholen. Den vereinten Kräften der Bcainten gelang es nicht, den Kutscher in.Haft zu bringen. Darauf zogen die Deanitci» blank, machten Sch. durch Säbelhiebe kainpfnnfähig und brachten ihn dann»ach dem Amte. wo er von Dr. Banselow schwer verletzt vcrbniiden wurde. Abends 6 Uhr ist Sch. entlasicn worden. Ein blutiges Liebesdrama hat sich auf dem Schloß Blumenow, den, Rittsrgute de» Rittmeisters von Ocrtzen,»iahe Gransee. abgespielt. Der Wirtschaftsbcamte und Förster August Schiebler hat dort seine frühere Verlobte, Grete Pichn erschofic» und sich dann selbst den Tod gegeben, lieber das Motiv zur That verlautet, daß das Mädchen, welches Verwandte in Ebarlottenburg besitzt, den Mann in Berlin fcimcu lernte, sich aber später von ihm lossagte. Schiebler, der ein leichtsinniges Leben führte, konnte die Aufhebung dcS BerhältiiisseS nicht' verschmerzen und hat ans Eifcisncht die entsetzliche That begangen, iinchdcn» er eine ihn, zugefallene Erbschaft von SOO Mark verjubelt hatte. Von anderer Seite wird folgende Darstellniig des Vorgangs gegeben: In Ablvesenheit des Vcfitzers Herrn v. Ocrtzen, der in Berlin weilt, erschien, ans den» Gutshofe ein Herr, welcher zu der erst seit einigen Wochen dort thätigen Erzieherin geführt zu werden wnnschte. Eitz. Diener brachte den Freinden nach dem Zimmer. Bald darauf wurde» die Schloßbewohiier durch mehrere Schliffe erschreckt. Man eilte hingst, erbrach die von innen verschlossene Thür und fand sowohl die Erzieheriir, als auch deren Besucher als Leichen. Ans einem von de» Lebensmüden hinterlasscnen Schreiben ging hervor, daß die Eltcrii des Mädchens zu einer Heirat mit dein Geliebten ihre Zllstimnuing verweigerten. Nach dieser Tarstelliing würde also die That mit der Einwilligung deS Mädchens geschehen sein.: Spaudan. In der Nacht von Sonntag zum Montag brannte hier der Tanzsaal von. Knack linder Fcldstraße in ganz kurzer Zeit vollständig nieder. Der gewaltige Feuerschein war meilenweit ini Umkreise zu sehen. Den'Anstreivglmgell der freiwilligen ivid der ebenfalls ans der Brandstätte erschienenen Garnison-Feuerwehr gc- lang es, das stark gefährdete �Wohnhaus zu retten. Ueber die Eilt- stchnngsnrsachc des Feuers.ist noch nichts bekannt geworden. Surtales. Unter dem Titel„Gewerbe ,«nb Handel im Deutschen Reiche" veröffentlicht das Kaiserliche Statistische Amt jetzt die Er- gelmisse der Bctriebszöhlung vom 14. Juni 1895 in textlicher Bearbeitung. Mit dieser Veröffentlichung ist die Bearbeitung der Berufs- und Gewerbezählimg von 189o abgeschloffen. Das ganze Werk dieser Zählimg umfaßt jetzt 18 Bände. Die Erkranknugen und Todesfälle«« Krebs haben im Laufe der letzten Jahre erheblich zugenommen. Wie die„Königsb. Allg. Ztg." vernimint, ist die preußische McdizinalverwaltNng bemüht, vor allem den Ursachen nachzuforschen, auf. welchen die zunehmende Verbreitung der Krebskrankhcit beruht. Auf Veranlassung des Ministers'der geistlichen iisw. Angelegenheiten sollen durch die zu- ständigen Behörden und Mcdizinalbeamtcn im gesamten Staats- gebiete möglichst gcnane Erhebungen über die im letzten Jahrzehnt beobachteten Erkrankimgen und Todesfälle an Krebs angestellt werden, welche sich namentlich auch auf etwaige Fälle von Ansteckiing oder Vererbung der Krebskrankheit zu erstrecken haben. Erwünscht ist jede Mitteilimg über etwaige EntstchnngSnrsachen der Krankheit sowie über etwaige Unterschiede ihres Vorkommens in Städten bezw. ans dem Lande sowie über ein gehäuftes Vorkommen in bestimmteii Gegenden. Gelingt es. lvaS dringend zu wünschen ist. über diese Fragen nähere Ailfschlüsse zn erhalten, so werden sich hoffentlich auch Mittel und Wege finden, nni der drohenden Gefahr wirksamer als bisher zu begegne». Die Lnngenheilstätte des Berliii-brandenbnrgischcn Heilstätten- Vereins in Bcizig ist nunmehr, wie auf der vorgestrigen General- vcrsaniinlnna dieses Vereins mitgeteilt wurde, in Bau und Ein- richtung vollendet. AIS dirigierender Arzt ist der Dr. Möller, der mehrere Jahre in Gröbcrsdorf thätig war, engagiert worden. Ter VcrpflcgniigSsatz ist ans 3,50 M. per' Tag festgesetzt. Das Institut svll neben der Krankenpflege auch wiffcnschast'lichen Zwecken dienen. Sociale Nelsxkspflege. Formelles und thatsächlicheS Engagement. Der Bäcker- meistcr Brandt, ein Anfänger, hatte zu dem Stelleuverinittler Kraffack gesagt, er solle ihn» einen tüchtigcil Werkmeister für 16 M. und Kost und Logis besorgen,»nd zwar sollte die Stellung am 31. Augnst angetreten werden nnd Kündigung ausgeschlossen sein. Kraffack schickte Herrn Brandt am 24. Anglist den Werkmeister S. zn, der dann mit Brandt sofort nnd auch an, nächsten Tage gc- Iviffe vorbereitende Arbeiten für den noch nicht voll- ständig eingerichteten Bäckcrcibctricb erledigte. Dann blieb S. wieder zu Hause, um am 31. Anglist de» Werlnicistcr- posicn bei Brandt zu iiberiiehnien. Der Meister beschäftigte ihn nunmehr jedoch nicht, da ihm inzwischen nahegelegt worden war, daß cs nicht gut sei, einen verheirateten Werkführcr in einer Bäckerei zu haben. S. verklagte daraus Brandt bei», Gewerbcgcricht imd verlangte eine Entschädigung. Brand machte dagegen geltend. daß er mit dem Kläger ja noch gar uichtz über die Stellung verabredet liattc. Im übrigen habe die Kündigung auSgcschloffcli sein sollen. Der Beklagte wurde indessen zur Zahlung von 36,25 Mark mit folgender Begründung verurteilt: Was Kraffack als Bemistragter dcS Beklagten für diesen geihaii habe, binde ihn. Der Kläger sei demnach für den 31. Angnst nntcr Ansschlilß der Kluidigniigsftist engagiert worden. Nim habe ihn gbcr Brandt bereits am 24. und 25. Angnst bciäiäftigt. TaranS sei zi» entnehmen, daß er S. schon am 24. eingestellt habe. Beklagter sei deshalb verpflichtet, S. nicht mir für die beiden Tage,>vo er'etwa? geleistet habe, sondern auch für die übrigen Tage bis zum 31. Anglist Lohn zu zahlen. Für diese Zeit habe das durch Kraffack vermittelte Engagement mit scineii Bediiignngcn, also auch der Kun di g u n g s ein S fLh ln ß, nach keine rechtliche Wirkung, denn danach hätte S. ja erst am 31. Aiigust dtp Stcllimg antreten sollen. Da ihn der Beklagte vorher cinstcllte, so' hätte er für die Zeit bis zum 31. August besondere Ab- m a ch u» g e» treffen inüssen, wenn er auch in dieser Zeit freie Hand haben wollte._ SeclÄuttttlungvn. Neber Streiks»nd Lohnbewegnugen in der Metallindustrie sprach N ä t h c r am Sonntag in einer anßcrordciitlichcn Generalversammlung der hiesigen Zahlstelle dcS Deutschen Metallarbeiter- Verbandes.' Der Redner unterzog die von den Berliner Metall- arbeite»! in den letzten Monaten geführten Luhnbcwcgiliigen einer eingehenden Beirachlung und kam am Schluß seines RcscratS zn der ans dem Verlans des SircilS gezogenen Nutz- anwendung: Man niüffe bei den Lohiikämpfen mii möglichster Vorsicht zu Werke gehen lind Fordcniiigci, mir dann stellen, wenn Aussicht vorhaiiden sei, daß sie auch durchgeführt und erhalten werden können. Die Erfahrung habe gelehrt, daß Streiks von über- mäßig langer Daner für die Arbeiter nicht von Nutzen seien, denn solche Streiks haben nicht nur die ivirtschaftlichc Schädigung der daran beteiligten Arbeiter zur Folge, sondern die vom Streik be- troffencn Betriebe blieben auch den organisierten Arbeitern für lange Zeit ganz nnzngängiich. ES komme darauf an, die Kollegen so zu diScipli- nierni, daß sie bereit sind, einen Streik, der gewisie Zeil gewährt hat und keine Aussicht mehr bietet, zu bcenden, um dann bei puffender Ge- legenheit a»fs neue vorzugehen, nnd dies so lange zn wiederholen. bis die gestellten Fordermigen durchgesetzt sind. Diese Taktik ici die einzige,' welche in den Löhnbewegnngen, die sich in der Metall- indnstrie mehr und mehr zu MaffenkämpfeU aiisivachseli. Erfolg vcr- spreche.— Die Di-Zkussion drehte sich ausschließlich um den Streik bei der Finna Altmaim, der schon verschiedene � t i den Streikenden mit Hilfe der Metallarbeitet-Gewerkschmr veranstaltete Versammlungen beschäftigt hat. Während in jellcn Beriamiiilungen die OrtSvcrwaltnng des Metallarbciter-Vcrbandcs, weil sie auf'Grund des Statuts de» Streik nicht bewilligt hat. von Streikenden und Gewerlschaftsmitgliedcrn hcftjg angegriffen wurde, machte sich in dieser Generalversammlimg keine ernste Opposition gegen den Beschluß der OrtSverwaltimg bemerkbar. In der Debatte iinirde auch die in den vorerwähnten Versammlimgoii aufgestellte Behanptiiiig. vom Bureau des Metallarbeiterverbandes seien Streik- brecher nach der Altmannscheii Fabrik geschickt worden, durch die unmittelbar beteiligten Kollegen als gänzlich m, zutreffend festgestellt. Ein Antrag, die nicht vollberechtigten Streikenden, welche noch keine Uiiterstüviliig erhalten haben, iveiter zu uiiterstützcii. wurde mit großer Mehrheit abgelehnt.— In der Angelegenheit Litfin wurde ein Schiedsgericht von neu» Personen eingesetzt. Alis LitfinS Wunsch konstatierte Nöther. daß ein umlaufendes Gerücht, wonach Litfin vom Metallarbciter-Verband Geld znr Einrichtung eines Geschäfts erhalten haben soll, unwahr ist. Die Drvschkeukiltschcr hielten in der bergaiigcnen Woche wieder eine öffentliche Veriaminlung ob. Dieselbe fand im Stechert- scheu Saale, Andreasstr. 21, statt. Zunächst referierte Stadtverordneter Adolf Hoffniann über das Thema:„Worauf wir stolz sind", worauf Hermann Schulz in längeren Ausführungen das denunziatorische Vorgehen einzelner Troschkenbcsitzer gegen die Taraineterkntschcr und die Stellung der Kutscher hierzu behandelte. Folgende Resolution wurde hierzu beschlogen: „Die Vcrsaninilmig beschließt: Das Bureau der heutigen Vcr- samnilung wird mit Bezug auf das in letzter Zeit von eiiicm Teile der Droschkcnbesitzer beliebte Denunzierci, der Kutscher wegen nicht recht- zeitigen Einschaltens des Fahrpreisanzeigers ans Taxe II an der Weichbildgrenze beauftragt, eine Eingabe au das Polizei- Präsidium zu richten dahingehend, die Weichbildgrenze und»nit dieser die Taxe II für Taxametcrdroschkciifahrten gänzlich aufziihebeil»nd zwar aus folgenden Gniiiden: Es ist aus- geschloffe», daß bei dein iiimier engeren Verwachsen Berlins mit den Vororten es eine» Droschkenkutscher oder selbstfahrenden Fiihrherrn geben kann, der überall mit Sicherheit genan iveiß, wo die Wcich- dildgreiize ihren Anfaiig nimmt. Diese Behauptung wird dadurch erhärtet, daß auch verschiedene Fiihrherrcn denunziert worden sind, welche sich doch selber schädigen würden, wenn sie absichtlich zu spät denFahrpreisaiizeigeranfTax'elltWeichbikdgrcnze) einschalteten. Damit ist auch die Behauptung der denimzierenden Droschkenbcsitzer. dicKutschev häften es nur aus Betrug der Fuhrherren abgesehen, hinfällig geworden. Da im nächsten Jahre wieder neue Wegemesscr zur Ausgabe ge- lailgcii dürften, so wird es jetzt noch zeitig genug sein, diese Ab- änderinigen vorzunchmen. Da ferner der Droschkenvcrkehr nach den Bororten ein immer regerer luftd, so erheischen es die Verkehrs- Verhältnisse im allgemeincil wie der Zeitgeist im besonderen, daß auch hier eine Ve'rbilligiing des Fahrpreises eintrete."— Zum Schluß würde von Jffländer an die Kntscherschaft die Auffordennig gerichtet, dafür Sorge zu tragen, daß die Hofvertranensmänner. welche abgegangen oder entlassen worden sind, wieder ersetzt werden. Von 124 gemeldeten Höfen hätten nur noch 98 Vertrauensmänner. Bund der Tentschen Bodenreformer. Mittwoch, den 6. Dezember, übende 8'/, Uhr: Fabrikbesitzer Heinrich Frees e:.Aus der Praxis und der Theorie der Gewiimbeteiligung". Konsum- Geiiaflenichaft Moabit. Dienstag, den 5. Dezvr., abends 8>/2 Uhr: Versammlung bei Gundlach, Waldeiiserstr. 23/24 Aufnahme»euer Mitglieder. Gäste ivillkomme». Bertammlung der Kraukenkasie»- Vorstände und VerwaltmigS- beamtcn Berlins Dienstag, den 5. Dezember, abends S'/2 Uhr, in„Cohns Fcstsälcn", Bcuihstr. 19,20. Tagesordnung: 1. Bericht über den Bcrkands, tag der Ortstranlenkasien i» Hamwver. 2. Bericht über den Cvklns hygienischer Vorträge. 3. Bericht über die Spiitum-Uiitersuchung. 4. Dis- kttsscou über die Dr. Laiidniaimsche Broscknie. Ss Verschiedenes. RiiiiimelSburg. Mittwoch, den K. Dezember,- abends SV- Uhr, findet im Lokal von W e igcls, Türrichniidstratze.Nr. 4ä, eine Gcmeindewähler- Vcrsaminlnng stait. Gemeindevertreter Genosse Ritter wird Bericht über seine Thätigkeit im Gemeinderat erstatten nnd die Ursachen erörtern, welche den Rncigang unserer Gemeinde oerfchillden. Die Genossen werden gebetcn. für regen Besuch dieser Versammlung auch in bürgerlichen Kreisen zu agitieren. VeLmifchkeSs Drei Arbeiter getötet. Durch einoil vorzeitig losgegangenen D h n a m i t f ch u ß bei Felsenspreiigungen in Buchberg bei Hohenau i» Ricdcrbaycr» Iviirdeu drei Arbeiter getötet; außerdem erlitten noch drei andere Arbeiter Verletzungen. Elf SNeuschcil tot gefahren. Ein großer Wagen, auf welchem sich zwölf von einer Hochzeit hciinkehrciide Laiiolcutc befanden. wurde, als er über das Bahugeleise fuhr, eiwn eine Meile von S m o l e ii S k von einem Güterzuge erfaßt lind zermalmt. Zehn Wageninsaffeil und der Fiihrinann blieben ans der Stelle tot. Die Barriere soll nicht rechtzeitig geschlossen ivordcn sein. Ter Geheimpolizei von Marseille ist es. wie man von dort berichtet, gclnngc», am Sonnabend zwei Jtaliencr. Brüder, zn vcr- haften. in deren Besitz für nichr als 106060 Franks Obligatio»«! gcfiindc» wurden, die von Einbrüche n herrührten. Die iveitereit Nachforschungen ergaben. daß die beiden Bcrhaftetcii Mitglieder einer ailSgcdchntm Verbrech erbau de sind, zu der alle Nationen Elcinente geliefert z» haben scheinen. A», selben Abend wurde noch in der Vorstadt Saint-Hcnri eine dritte Verhaftung mit HauSsiichimg vorgenommen, bei der ungeheure Siinmlc» von gestohlene» Wert- papieren, fcnier Masicn von Edelsteinen. Goldsachcn»sw. zn Tage gefördert wurden. Eine große Anzahl iveitercr Verhastnngeii sichen nnmiitclbar bevor. Ein snrchtbarcr Orkan wütete zwei Tage lang i»i Gonvernc- mcnt M i n S k. In vielen Ortschaften imirden Wohnhäuser vom Stnnn liiedergerissen oder abgedeckt, in Wäldern sogar alte Bäume entwurzelt. Die Vcrwüstungc'ii haben einen großen Umfang an- genommen und der materielle Schaden ist enorm. In den eingestürzten Hänsern sind nach bisheriger Ernnttclnng gegen 35 Menschen uiiis Leben gckonnnen. Zechrnbrand. AnL Oberhausen wird berichtet: Sonntag- abend zerstörte ein Schadenfeuer das Schachtgebäude und die Vcrladeeinrichtiing vom Schacht 1 der Zeche„ C o n c o r d i a ES gelang, den Schacht cinziidäinnicn, so daß das Feuer nicht in den Schacht hineiimriff, dagegen sind zwei Fördcrkörbe gestürzt, ein Teil der Wäsche ist ansgcbrannt; da indessen die BctriebSinaschineil soivie die Wasch- und Setzkästen unberührt blichen, kann die Wieder- iiistaiidictzliiig der Wasche in verhältnismäßig kurzer Zeit erfolgen. Dos Wafferhalt, ingS-Maichinciigebällde ist gänzlich ausgcbraimt. die Maschinen selbst sind nicht»inberührt geblieben. Die Wasser beider Schächte köiineu jedoch auf Schacht 2 gehoben werden. Die große und kleine Fördermaschine sowie der Ventilator sind intakt, desgleichen die Dampskessel. Wie lange die Fördeninterbrechnng ans Schacht 1 dauert, läßt sich noch nicht sagen. Direkte Bahn von Neapel auf den Vesuv. Wie a»S Neapel gemeldet wird, hat das HauS Cook n. Sohn in London die Kon- zefsion erhalten, von der Stadt Neapel ans eine Bahn direkt auf den Vesuv zn baue». Man ivird also künftig nicht mehr gezwungen sein, ein paar Etilndcn in einem Omnibus znr Drahtseilbahn zn fahren,»in dann erst ans den Vesuv zu gelangen. Marktpreise von Berlin am 2. Dezember 1890 nach Ermiitcllingei» dcS kgl. PelizeipiäsidiimiZ. *tT' ei D.-Ctr. »iRoggen stinter-Gerste Hascr gilt mitiel «ering Ziichistroh Hei, ß)Elbicn i/Syeiickahiicli. IlLiiiseil, Jliirioficln, neue Rindsieisch, Keuie 1 bz do. Baiich„ ') Ermilielt pro 14.70 14.30 13,90 15- 14,20 13.40 4,- 6,80 40,- 50,- 70- 7,- 1,60 1,20 Tonne Sclnveineflcilch Salbiscisch Hammeilleisch Butter Eier »arpscn Aale g an der Hechle Bariche Schlei« Bleie llrcbse llg 60 SIstck 1kg per Schock 1,60 1,80 1,60 2,80 f>,- 2,20 2,80 2,50 1,80 1,60 2,80 1,20 12,- 1,10 I- 1- 2,- 3,— 1,- 1,40 1- 1,- 0,80 1,40 0,80 3.- 13.90 13,50 12,90 14,30 12.50 12.80 3,60 4,20 25,- 23,- 30. 5,- 1,20 1,- WWW von der Ceniralsielle der Prcutz. Landwirt- ichaiislami»«»»- Nolicnuigssteste- n»d imigerechlicl vom Poliicipräsidiliw s nr den Doppel-CciiNicr. f) KleiiihandelSpreije. Produktenularkt vom 4. Dezember. Hmte bekundete der Ge- treidcmarki leine eucheitliche Tendenz. Weizen setzte aus startes argentinilcheS Angebot, welches zum Vcrichlub eiiier Dampserladung nach hier führte, sowie aus flaues Nordämerika 0,50 M. niedriger als Sonnabend ein, er- holte sich jedoch mittags ,»itcr dem Einflnffe einer festen Roggentendcnz und erreichte auch senie» vorgestrigen Preisstand wieder.— Roggen zog aus Deckungen hiesiger Mühlen, denen die geringen Warenvorräte stimuliereud cntgegenstoiid en, am Frtihuiarkt 1 M.. yiittags noch um weitere 0,50 M. an. Haser blieb lustlos, eher schwach. RübSl fest. Spiritus. Am Spiritusmarkt wurde 70« mit 47,60 gehandelt. Termine lagen umsatzlos. Kartofselfabrilate. Feuchte itartoffclslärke 10.30 M. I» reine Kartoitelstärke disponibel und Dezember-Jaiiuar 19,25—19.50 M. I» Stärie und Mehl, Mittel-Qualität 18,50 M. per 100 Kilogramm. Cier-Bericht vom 4. Dezember. Normale Eier je nach Qualität von 3,70— 4,00 M. per Schock. AuSiortlerte kleine Ware je nach Qualität von 2,75—2,85 M. per Schock. Kalleier je nach Qualität von 3,25—3,40 M per Schock. Tendenz: ziemlich fest. BSiiternnzSüverstch» vom 4. Dezember l«v». inorgen»« tthr. Stationen Swincmde 768 WSW 3!bedeckt 1 Havaranda 752'Still— Iwolkeiil—15 idamvnrg'—------- � D,-„ Borii» 771 SW 2 heiter-2 Cork 769,©© 5 Dunst 11 RieSbade» 773 N 2 Nebel-0«terdeen 737,50333 3 bedeckt 12 Müiichc» 774 W 2 heiter—5 Paris 774 OSO INebcl—I - W>W»W>>»W>WWWWWW>WW�W�M Weticr-Prognose snr Dienstag, de» 8. Dezember l«ili». Wärmer, zeitweise aufklarend, vorwiegend trübe niit Regensällen und frische» westllchen Windeil. Berliner Wetierdurea». e'- 5 ö Vcräiilwortlicher Redacieur: Ponl John in Berlin. Für de» Juseraienleil veraiiiwortlich: Th. Glocke in Berlin. Drück und Verlag vo» Max Badsna in Berlin. 8t. 284. 16.|ii|rp(|. 2. Deilllßt Meichsksg. 115. Sitzung vom 4. Dezember 18V9, 1 Uhr. Am Tische des BnndeZratS: Reichskanzler Fürst v. H o h en- lohe, Freiherr v. Thiel mann, Reichsbankpräsident Koch. Das Haus ehrt zunächst das Andenken des verstorbenen Abg. Dr. Raninger(Bahr. Bauernbund) in der üblichen Weise. Erster Punkt der Tagesordnung ist die Beratung des Bundesrats- beschlusses betreffend die Aufnahme der Anlagen zur Herstellung von Zündschnüren und von elektrischen Zündern in das Verzeichnis der einer besonderen Genehmigung bedürfenden Anlagen. Der Bnndesratsbeschlust findet in erster und zweiter Lesung ohne Debatte die Genehmigung des Reichstags. Es folgt die erste Beratnng des Gesetzentwurfs betreffend Aenderungcn im Münzwescn. RcichS-Schatzsekretär v. Thielmann: Der Entwurf besteht auS zwei Teilen. Der erste bezweckt die Einziehung der Goldmünzen zu 5 M. und der Zmanzigpfeimigstücke, der zweite soll diejenigen Münzen vermehren helfen, von denen der Verkehr eine gröfiere Menge beansprucht. Die Reichsbank ist zur Zeit nicht in der Lage, das Bedürfnis nach silbernen Fünfmarkstücken in den Industriebetrieben, namentlich in Westfalen, decken zu können. Wenn aber der Verkehr gröszcre Mengen Silber� erfordert, so müssen dieselben beschafft werden. Andere Länder überlassen die Ausprägung des Silbers vollkommen der Verwaltung, wie z. B. England. Bei uns ist der Umlauf mit 10 M. pro Kopf der Bevölkerung gesetzlich festgelegt. Mit diesem Gesetz schlagen wir Ihnen vor. die Grenze auf 14 M. zu erhöhen. Zu der UmPrägung sollen vor allem die Thaler benutzt werden. Diese sind weit weniger beliebt als die Reichs- Silbermünzen. lOho l rechts.) Das ist eine Thatsache, die schon dadurch bewiesen wird, dafi sich unter den Silbcrbeständcn der Reichsbank 45 Proz. Thaler und nur 14 Proz. Rcichs-Silbermünzcn befinden. Die Zeit für ein Vorgehen, wie es das Gesetz empfiehlt, ist durchaus geeignet, da unsere Gold- bilanz in den letzten Jahre» sehr günstig gewesen ist. Von einem „Zerren au der Golddccke" kann keine Rede sein. Was wir an Silber auf den Weltmarkt werfen, ist so gering, das; cS den Silber- Weis kann« beeinflussen kann.— Das Gesetz entspricht einem wirk- Kchcn Bedürfnis, es wendet sich nicht gegen eine einzelne Partei oder Strömung. Ich hoffe, Sie werden es sine ira prüfen und an- nchmen.(Beifall links.) Abg. Dr. v. Frege-Weltzin(k.): Es wäre sehr erwünscht gewesen, wenn die Währungsfrage überall und immer sine ira behandelt worden wäre.(Sehr richtig! rechts. Mit dem ersten Teil der Vorlage, das goldene Fünfmarkstück und das Zwanzigpfennigstück abzuschaffen, sind wir einverstanden. Warum aber cntschlichcn sich die verbündeten Regierungen nicht, ein Fiinfnndztvanzigpfennigftück einzuführen. Im Interesse' des kleinen Märktverkehrs iväre ein solches Geldstück sehr erwünscht. Ich wende mich nun zu den Münzen, die neu angeschafft werden sollen. Der Ausprägung von hochivertigen Silbcrnfiinzcn müssen wir uns durchaus widersetzen. Der Herr Staatssekretär hat ztvar betont, das; es sich nicht um eine Abschaffung der Thaler handele, er hat uns aber doch nicht davon überzeugen können. Das Gold ist doch in den Händen der oberen Zehntausend, das Volk benutzt nur das Silber und dies soll nun wieder noch mehr untcrwertig geprägt werden. Gegen diese Acndcrung des Silbcrumlaufs müssen ivir uns entschieden weitdcn. Damit die Regierung nun in der Lage ist, allen Bedenken entgegen- zutreten, bitte ich Sie, die Vorlage an eine Kommission von 14 Mit- gliedern zu verweisen. Reichsbankpräsident Koch (auf der Tribüne sehr schwer verständlich) legt zunächst das Be- dürfniS einer Erhöhung des Umlaufs an Scheidemünze dar. Die Steigerung des Bedarfs ist vor allein auf den Aufschwung in Handel und Verkehr zurückzuführen. Besonders aus den Jndustricbezirken ans Westfalen ist die Anregung gekommen, neue Zwei- und Fünf- Markstücke zu prägen. Diese müssen also bei den Arbeitern besonders beliebt sein. Die Thalerstiicke dagegen erfreuen sich durchaus nicht derselben Beliebtheit.(Oho! rechts.) Die Währungsfrage hat mit diesem Gesetz nicht das geringste zu thnn, es ist nur aus praktischen Bedürfnisseu hervorgegangen. Ich bitte Sie die Vorlage anzunehmen. Abg. Dr. Hciligenstadt(natl.): Die Mafinahmen, betreffend Einziehung von Münzen sind durch- ans'ztveckenlsprechend. Nur müßten hie nötigen Bekanntmachungen nicht nur im Reichsgesetzblatt, sondern auch im„Reichs-Anzeiger" erfolgen. Auch'die' Erhöhung der Ilmlaufziffcr für Scheidemünze ist durchaus berechtigt. Die Entlvicklung wird zeigen, ob nicht eine Er- höhung auf 16 M. noch besser wäre. Die Thaler sind kein geeignetes Zahlungsmittel, sie tvcrdcn nicht gern gesehen. Wtnn man das aber anerkennt, muß man für eine Ilm- Prägung der Thaler in Scheidemünze eintreten. Von einer Entwertung des Eigentums kann dabei gar keine Rede sein. Dazu ist die ganze Frage auch zu geringfügig. Achnlich war eS mit den östreichischen Thalcr», da war mit der Umprägung sogar ein Plus in die Reichskassc gekommen. Es handelte sich dort freilich um viel größere SuntMen. Bei unserer Vorlage handelt eS sich im wesentlichen um eine Operation münztechnischer Natur. Wenn man damit einen Schritt näher zur Goldwährung kommt, so ist das kein Fehler. Meine Fraktion steht dem Entlvnrf sympathisch gegenüber, sie wird im wesentlichen dafür stimmen. Staatssekretär Frhr. v. Thiclmann erwidert dem Abg. v. Frege, daß es keineswegs in der Absicht der Regierung liege, nur Fünfmarkstücke zu prägen, sondern vor allem auch.Zivei-Markstücke.(Redner legt ein neues Fünfzig-Pfennigstück auf den Tisch des Hauses nieder, das von den Abgeordneten stark besichtigt wird. Abg. Speck(C.): Wir stehen dem EntNmrf ohne sine ira gegenüber, halten aber eine Kommissiönsberatuiig für notwendig. Die zur Einziehung be- stimmten Silberstücke befinden sich Meist in den Händen der kapital- schivächcren Bevölkerung, die Einziehnngstcrmine müssen deshalb in breiter Oeffentlichkcit bekannt gemacht werden. Dankbar würden lvir für die in Aussicht gestellte Umprägung der Fünfzig-Pfcnnig- stücke sein. Bambcrger hat sich gegen die' Erhöhung des Umlaufs an Scheidemünzen ausgesprochen, aber doch nur mit Rücksicht auf den Thaler-Umlauf. Seine Acußerung kann'älso heute nicht mehr ins Gewicht fallen. Würde der klmlauf statt.um 4 um 5 Mark erhöht, so würde ich das auch nicht bedenk- lich finden. Eine Gefahr für die Währung kann schon deshalb nicht vorliegen, weil ja die Regierungen die Befugnis haben, die Erhöhung je nach dem vorhandenen Bedürfnis vorzunehmen. Daß die lim- Prägung von Thalern unbedingt notwendig ist, wird die Regierung in der Kommission zu erweisen haben. Die der Borloge beigcgebcne Begründnug ist in diesem Punkte allzu dürftig. Die Entlvcrtuug des SilbcrpreiseS erkennen wir als schädlich nicht nur für die land- wirtschaftliche Produktion, sondern auch für unseren industriellen Export. Die Frage kann aber mir auf internationalem Wege gelöst werden, vor allem nicht ohne die Mitwirkung Englands. Wir sehen deshalb davon ab, in eine Währungsdebatte einzu- treten. Dagegen glauben lvir, daß der Artikel 4. die Umprägung von Thalern in der Kommission noch eingehend erörtert werden muß. Meine politischen Freunde beantragen die Vorlage einer Kommission von 14 Mitgliedern zu überweisen. Abg. Dr. Arendt(Rp.): Der KommissionSberatung stimmen wir zu. Die meisten Be- stirnmmigen der Vorloge sind ja ziemlich unerheblicher Natur, sie bilden nur eine Dekoration zu der Hauptbestimmung, welche die Um- !>tS.FmiAs" Prägung der Thater verlangt. Die Thaler sind nicht unbeliebt. Wenn sie sich in den Bankfonds anhäufen, so ist das mir die Folge ihrer Ebenbürtigkeit mit den Goldmünzen und weil sie zur Deckung des Notenumlaufs benutzt werden müssen. Der ganze Entwurf scheint mir auf eine vermehrte Prägung von silbernen Fünfmarkstücken hinanszulaufen. Vor allem sind aber die kleineren Münzsorten»ot- wendig; sie bedürfen dringend der Ergänzung durch ein Fünf- undzwaiizig-Pfennigstück. das vom Verkehr außerordentlich gern aus- genommen werden würde. In den Berichten und Ausweisen der Reichsbank werden die einzelnen Münzsortcn leider nicht genau detailliert angegeben. Allerdings ist es Thatsache, daß die kleineren Mllnzsorten in den Beständen der RcichSbank stark abgenommen habe». Damit kann man aber doch nicht eine Reform be- gründen. die auf eine Vermehrung der Fünfmarkstücke in Silber eventuell auch der Zweimarkstücke hinausläuft. Die Rcichsbank hat es ja naturgemäß in ihrer Hand, je nach Belieben die eine oder die andre Münzsorte in ihren Beständen zurückzuhalten. Als Deckung des Notenumlaufes sind ihr dabei die Thaler willkommener, als die Silberscheidcmünzen. So dringend das Bedürfnis nach Vennehrung der Umlaufsmittel auch ist. es darf nicht mit minderwertiger Scheidemünze befriedigt werden, zumal dadurch die Anreizung zur echten Nachprägnng deutscher Scheide- münzen im Auslande vcnnehrt wird: ist doch unser silbernes Fünfniarkstllck sechzig Prozent untcrwertig geworden. Das Land verlangt nach guter, vollivertiger Münze. Wenn die Entwertung des Silbers infolge der Silbervcrkäufe auch nur gering ist, so sollte doch auch diese geringe weitere Entwertung vermieden werden, schon aus Rücksicht auf unfern eigenen Silbcrbergbau, namentlich mit Rücksicht auf den im Absterben begriffenen sächsischen Silberbergbau, der nur noch der Arbeiter wegen weiter geführt wird. Die Tbaler haben den Vorzug, daß sie in jedem Betrage als vollgültiges Zahlungsmaterial angenommen werden müssen. Die Umprägung der Thaler wird zu einer Vermehrung, nicht zu einer Verminderung des Silberballast in der Reichsbank führen, der doch gerade beseitigt werden soll..An die Stelle der Thalcr wird das untcrwcrtige Reichs- Silbergcld treten. Die Lorlage bringt also nicht eine Beseitiguniz. sondern eine Verschlechtcrumz des Status quo. Die Folge wird nur die fein, daß wir früher oder später zu der französischen Gold-Prämicnpolitik übergehen müssen. Die Goldwährung wird damit nicht beseitigt. Das ist aber durchaus notwendig. De» BiinctallismuS strebe ich nur auf. internationale»! Wege an.' So lange als hier nichts zu erreichen ist, halte ich eS für meine Pflicht, für Festigung der Goldwährung im Lande einzutreten. Ich hoffe also, daß die Vorlage in der Kommission eine Gestaltung annehmen werde, die mehr den praktischen Bedürfnissen entgegen- kommt. Abg. Dr. Siemens(frs. Vg.): Ich möchte doch vor den Graulcreien, die der Herr Vorredner mit einer geivissen Leichtfertigkeit uns hier vormachte(Oho! rechts), warnen. Ich finde die Vorlage außerordentlich einfach, sogar ziemlich unbedeutend, und verstehe nicht die Aufregung, in welche sie einige Herren versetzt. Die Vorlage will nichts weiter als den bestehenden Zustand legalisieren. In England sind in den letzten Jahren 240 Millionen Scheidemünzen geprägt worden, ohne daß ein Hahn danach gekräht hätte.(Abg. Dr. Hahn verbeugt sich. Große Heiterkeit.) Hier handelt eS sich nur um eine Uniprägung von Thalcr», die thatsächlich im Jnlande und Auslände für jedermann als Scheidcinünzcii gelten. Gesetzlich aber sind sie den Goldmünzen gleichgestellt. Da ist e-Z doch durchaus erwünscht, daß die Vorlage den thnt- sächlichen Verhältnissen cntgegenkonnnt. Wenn man die Thalcr mit einrechnet, beträgt auch jetzt schon die UmlanfSziffer der Scheidemünze fast 14 Mark, die Vorlage bedeutet aber eher noch eine Vennindcrinig des Silbernmlauss.— Man kann vielleicht wie Herr v. Frege ein gewisses scniimcntales Bcdäncrn empfinden, daß die Thaler allmählich verschwinden werden, aber das kann uns natürlich nicht hindern, uns gegen die Umprägung dieses Geldstücks auszusprechen, dem sozusagen ein legaler Makel anhaftet.— Die internationalen Verträge zur Ein- führung dcS BimetalliSmnS, die Herr Arendt erwartet, werden nie- innls eintreten, weil niemand die PrciSbcivegpng des Silbers a»f- halten kann. Der Preis des Silbers sinkt inmicr mehr, während der Preis des Goldes annähernd gleich bleibt. Daher gehen fast alle Staaten zur Goldwährung über. Ich sehe absolut keine Verankassuiig, die Vorlage noch einer Kommission zu überweisen, sie legalisiert wie gesagt' nur bestehende Verhältnisse.(Bravo! links.) Abg. Hahn(wildk.): Die Annahme der Vorlage ohne Kommissionsberatung würde eine schivere wirtschaftliche Schädigung bedeuten. Vor alle»! ist der Zeitpunkt für diese Vorlage, die eine eminent währiuigSpolitische' Bedeutung hat, sehr schlecht gewählt, weil zur Zeit die Geld- Verhältnisse in den Ländern mit Goldwährung sehr ungünstig liegen. Die Ursache dafür ist natürlich die Lage in Transvaal, und der dadurch herbeigeführte Mangel an Gol'dznfuhr. Die jetzige Vor- läge wird nicht dazu beitragen können, das Land vor weitere» Diskoiiterhöhiingen zu schützen. Dies kann aber mir dnrcli eine vernünftige Wirtschaftspolitik erreicht werden, wie sie Fürst Bismarck betrieben hat. Graf' Caprivi ist leider dieser Politik nicht treu geblieben.(Sehr richtig! rechts.)— Was die technischen Bar- schlage, die Einziehmig der Zwanzigpfennigstücke usw. betrifft, so sind diese wohl diskutabel, dje Frage der Umprägung der Thaler Ivird in der jedenfalls zu wählenden Kommission aber sehr eingehend geprüft werden müssen.— Wenn Herr Koch von der Unmöglichkeit, die hinkende Goldwährung aus- recht zu erhalten, überzeugt ist, so müßte er doch auf lofortigc Einziehung der Thaler dringeu.— Eine KommiisionSbergluiig ist, wie gesagt, sehr erwünscht, auch daS Bankgesetz ist ja in der Köm- inission wesentlich verbessert worden. Abg. Dr. Schoenlank(Soc.): ES ist höchst auffallend, daß gerade die Herren von der Rechten heute wieder ihre Arbeiterfrenndliackfit entdeckt haben und erklären, daß im Interesse der arbeitenden Bevölkerung»nd der kleinen Leute diese Münznovelle nicht annehmbar sei. Herr v. Frege hat dies hervorgehoben und derselbe Herr Arendt, der bei der Zuchthaus- vorläge mit seiner arbeiterfeindlichen Haltung den emseitigsten Unteriiehmerftaiidpuukt hervorgekehrt hat. Herr v. Frege hat unS erzählt, wie glücklich seine Vorfahren mit den schonen Thalcrn waren und hat heute so viel Furcht vor dieser kleinen Münz- gesetz- Novelle gezeigt. Nun wenn die Ahnen des Herrn von" Frege niemals blaß geworden sind. so braucht auch der Nachfahre nicht blaß zu werden.(Große Heiterkeit.) Die Vorlage ist so harmlos, daß ich nicht begreife, wie man sie mit dem Bankgesetz auf ein Niveau stellen kann. Herr Dr. Siemens hat ganz recht. Der Art. 4 bedeutet nichts mehr und nichts weniger, als daß durch ihn ein thatsächlich bestehender Zustand legalisiert wird. Er hat den Sinn, daß die sogenannte hinkende Währung allmählich beseitigt werden soll. Die hinkende Währung hat ihren Ursprung in der Einstellung der Silbervcrkäufe im Jahre 1873. Diese Einstellung der Silbervcrkäufe hat aber ihren Zweck, das Sinken des Silbeö- Preises zu verhindern, nicht erreicht. Die Uebelstände der hinkenden Währung liegen für die Reichsbank darin, daß sie niemanden zwingt Silber anzunehmen, sondern selbst in Gold zahlt, andrerseits aber da» Silber als Scheidemünze dein Verkehr zuführt, so daß die Belastung der Reichsbank mit Silber immer größer wird. Je mehr sich nun der Ivirtschastliche Aufschwung vollzieht und die fieberhafte industrielle Spekulation um sich greift, nm so unbequemer ivird dieser Silberballast für die Reichsbank. Im Jahre 1898 war bei einem Metallbestandc der Reichsbank von 850 Millionen Mark fast ein Drittel desselben Silber. Das kann der Reichsbank natürlich nicht gleichgültig sein. Deshalb muß tzie Umprägung der Thaler jetzt endlich Dic«Mg, 5. Wmbcr 1899. y————.jimmmnMi.Mia'U legalisiert werden. Artikel 4 geht eben dahin, den gesetzlichen Charakter des Thalers als conrante Münze zu beseitigen. Er will also nicht etwa eine Vermehrung der jetzt bereits so'großen Ge- sammtbelastung mit Silber— wir leiden ja geradezu an einer Hypotrophie des Silbers— sondern er degradiert den Thalcr zu einer Reichssilbermünze, und folgt dabei nur der ökonomischen Eiistvickestmg.— Wenn diel er Artikel 4, der den Kern der Vorlage bildet, angenommen wird, dann werden wir in ungefähr 10. Jahren von der hinkenden Goldwährung so ziemlich befreit sein ohne finanzielle Kosten für das Reich. 360 Millionen Mark Thaler stehen zur Ver- fügung. Davon sollen 60 Millionen eingeschmolzen werden. Der Verlust, den wir erleiden bei diesem Verkauf, soll aus- geglichen Ivcrden, durch den Münzgewiun. den ivir bei der Umprägung von 300 Millionen Thalcrn in 333 Millionen RcichS-Schcidcmünze erziele». Es lvird dadurch eine alte Be- stimmung deS Münzgesetzes von 1873 durchgeführt, wonach bei jeder Neuprägung von Reichs-Silbermünze der Nennwert einer gleichen Menge von Thalern cingezogcii wird.— Während der Bimetallismus heute abgewirtschaftet hat, befindet sich die Goldivährung im Vor- wärtsschrciten. Die Doppelwährung, wie sie die Herren dort drüben erstreben, bedeutet direkt einen Vorstoß gegen die Interessen der Arbeiter. Durch sie würde ein Auftreiben der Lebensmittelpreise kommen, lzganz allmählich, nur zögernd folgt eine Steigerung der Löhne nach. Wir haben ebensowenig Anlaß, hier den agrarisch-bimetallisti- schen Tendenzen Vorschub zu leisten, ivie wir auf anderem Gebiete bei der Zollpolitik ihnen eine Erhöhung der Getreidezvlle bewilligen können, denn die Herren wollen ja nur ihre in gutem Golde gemachten Schulden mit billigem Silber bezahlen.(Widerspruch rechts.) Die Arbeiter aber werden Sie nicht davon abbringen, daß sie an der Goldwährung festhalten. Die Herren Silbermänncr sind ja aus dieser Erkemitms heraus schon sehr bescheiden geworden. Sie wissen, daß sie keine uferlosen Pläne mehr schmieden dürfen, sie können nicht mehr ins Weite schlveifc», sie suchen nur noch im Kleinen zu wirken. Sie sitzen wie die Kinder Israel in Babylon und hängen ihre Silbcrträume an die Silberweide!! und weinen.(Heiterkeit.) Es ist vorbei mit ihnen. (Heiterkeit und Bravo! links.) Abg. ti. Kardorff(Rp.): Herr Schoenlank hat früher einmal seine Schwärmerei für die Doppcl- Währung als Jngeiidciclci bezeichnet.. Ich muß ihm unumwunden zugeben, daß er seitdem älter geworden ist.(Heiterkeit rechts.) Der Zcitpmilt. an dem die Vorlage erschienen ist. ist der denkbar ungünstigste, der überhaupt gewählt werden konnte. Der Bankdiskonl ist so hoch, wie nie zuvor, und der Tiefstand des Goldvorrnles der Reichsbank geradezu bedenklich. Bei dem langsamen Tempo der vorgesehenen Durch- fübrimg des Gesetzes hätte cS nichts geschadet, wenn mau mit der Vor- läge gewartet hätte, bis der Goldftaud wieder normal ist. Redner polemisiert gegen den Abg. Siemens und weist darauf hin, daß die Geldknappheit' in der nächsten Zeit noch viel größer werden wird, da die Industrie imincr größere Aiifordermigen stelle. Die Behauptung des Abg. Siemens, die Thalcr müßten weg, weil der Thalerbestaud der Reichsbank doch etwas iiiigiiustig auf den deutschen.Wechselkurs wirke. ist gänzlich nilbewieseii. Wie müßte dcim da bei den großen Silber- beständen der französischen Bank der französische Wechselkurs aussehen? Abg. Siemens hat das Sinken des Silberlvertes auf die kolossale Steige- rung der Silberprodultion zurückgeführt; aber die Goldproduktion hat sich noch mehr gehoben. In den Silbcrlnndcrn hat das Silber noch beute seinen ständigen Wert beHallen. Das Gold aber ist in seiner Kmifkräft gestiegen. Merkwürdig ist die Begeisterung, mit der die Socialdemokratic von jeher für die Goldwährung eintritt.(Heiter- kcit bei den Socialdemokraten.) Das ist bei der Socialdcmokratie andrer Länder nicbt der Fall. Französische, englische und amerikanische Socialdemokraten stehen auf dem Boden der Doppel- Währung. Heute ist die Socialdcmokratie, die sich den An- schein(siebt, als vertrete sie die Interessen der Arbeiterklasse(Lachen bei den Socialdemokraten) bereit, die arbeitende Klasse Mit einem nuterwertigen Metallgelde zu begaben, bei dem die große Gefahr vorliegt, daß es in Kriegszeiten nur zu seinem lvahrcn Werte angenommen wird. Wenn die Social- demokraten heute den Arbeitern sage», der Bimetallismus sei eine agrarische Forderung und würde ihre Löhne erniedrigen, so glauben sie die Wührnugsfrage abgethan zu haben. Vielleicht genügt das den Leuten gegenüber, die Sie für die Welt- weifen halten. Hoffentlich kommt aber bald die Zeit, Ivo diese Aiitivort den deutschen Arbeitern nicht mehr genügl und sie dein Beispiel ihrer englischen und amerikanischen Kollegen folgen. tLacken bei den Socialdeniokraien.) Große Hoffnung, daß bei den Kommissionsarbeiten etwas Besseres als die Vorlage herauskomme» wird, habe ich nicht. Wollten wir die herrschende deutsche Währnngs- Politik am kräftigsten diskreditiren, so brauchten wir die Vorlage nur so anzunchmen, wie sie jetzt ist.(Beifall rechts. Lachen links.) Abg. Fischbcek(frs. Vp.): Wenn die Annahme der Vorlage Ihre Interessen so fördert. Warum nchincn Sic sie nicht an. warum halten Sie so scharfe Reden dagegen?(Heiterkeit links.) Lebte Dr. Bamberger heute noch, so würde er sich vermutlich sehr wundern, den Herrn v. Frege als Hilter seines Vernmchtuisses zu sehen. Die Vorlage entspricht ledig- lich dem Sinne des Münzgesetzes, auch in dem Punkte, der die Ilmprägimg der Thalcr betrifft. Was soll da noch eine Kommissions- Beratung? Beim Bankgesetz bat nicht die Kominission, sondern eine freie Vereinigung die angenommenen Verbesserungen geschaffen. Jedenfalls hoffe ich, daß trotz der KommissionSberatung die Vorlage nicht weseiiltich umgestalte! wird. Damil schließt die Diskussion. Die Vorlage wird durch eine aus Konservativen, Eeiitnim und einigen Nationalliberalen be- stehende Mehrheit an eine Kommission von 14 Miigliedern ver- »uesen. Nächste Sitzung: Dienstag 1 Uhr. Initiativantrag Hcyl, Hitze, Jacobskötter, ans Ausdehnung der Krauleuversichcrung auf die Hemiarbmer. Dritte Lesung der Gcwerbcnovelle. Gevichts Der Sanlboylott in Mühlenbcck bildete den Gegenstand einer Anklage wegen Beleidigung, groben U n f n g s und Gotteslästerung, die am 4. Dezember vor der zweiten Strafkammer des Landgerichts 1l zu Berlin zur Verhandlung kam. In Mühlcnbeck war c» teit langem den Töpfern, die dort eine Filiale haben, nicht möglich, einen Saal für eine öffentliche gewerkschaftliche Versammlung zu bekommen, nur ibre Zählabende konnten sie bei der Wirtin Grote abhalten. Als sie aber auch de» Saal zu einer Versaimnluug forderten, wurde dies nicht nur abgelehnt, sondern die Wirtin forderte von da an auch bei den Zahlabcndcn einen höheren Bierpreis. Nach vergeblichen Verhandlungen wurde der B o y k o t t über die Lokale in Mühlcnbeck erklärt. Zu diesem Zweck winden 3 Flugblätter verbreitet, welche von dem Genossen Georg Frei- waldt verfaßt waren. Bei der Verbreitung eines der Ftugoläncr wurde der Genosse Horn betroffen, und alle beide wurden wegen groben Unsiigs. und wegen Beleidigung der Gastwirie vor dem Schöffengericht angeklagt. Das Schöffengericht cut- deckte aber in dem einen der Flugblätter noch folgenden Satz: „Das P f i ii g st f e st i st da, d a s F e st d e r A u s- gießung des Geistes, laßt Euch von de in Geist beherrscht sein, treu und fest zusammen zu stxhen." crlmlbtcn Zweck Darin sah daS Schiissc»gmcht, trotz Widerspruchs des Staatsanwalts, eine Gotteslästerung, und es verwies die Sache an das Landgericht. In dem Tcnnin mn 4. Dezember erklärte der Vertreter der Staatsanwaltschaft selbst, dah er die Anklage wegen GotteSlästernng nicht vertreten könne. Er beantragte aber Bestrafung wegen Be- leidignng und wegen groben Unfugs, den er in dem Boykott er- blickte. Der Angeklagte Freitvaldt übernahm die Verantwortung für den Inhalt der Blätter; der Angeklagte Horn erklärte, dasj er deren Inhalt nicht gekannt habe und sie mir aus Gefälligkeit für Leute, die ihm gefällig gewesen wären, verbreitet hätte. Ter Verteidiger Rechtsanwalt Heine wicS auf frühere Urteile des NcichsgcrichtZ und besonders des Landgerichts II hin, aus denen hervorgehe, dag ein Saalboylott nicht als grober Unfug anzusehen sei. Iveil, wie daS Landgericht II einmal gesagt hatte,„die Arbeiter in ihrem planmäßigen Besuche rcsp. Nichtbcsnche bestimmter Lokale einen Preis besitzen, mit dem sie die Willfährigkeit der Wirte zu einem gesetzlich erkaufen können". DaS Gericht sprach Horn völlig frei. Es erklärte, in den Flugblättern nicht den geringsten Anhalt zur Annahme einer Gottes- lästermig gcs, mden zu haben, ebenso sah es in dem Boykott keinen groben Unfug. Bloß wegen einer formellen Beleidigung wurde Frciwaldt zu 50 M. Geldstrafe verurteilt. Abermals der Tcppichfabrikant Feibisch und die hentige Rechtsprechung. Wegen Vergehens gegen Z 153 der Gewerbe- Ordnung lZwang gegenüber Arbeitswillige») standen gestern der Ar- beiter bezw. Weber Werner R e i n a r tz. Otto I c ch o w und Wilh. Grosse vor dem hiesigen Schöffengericht. In der Tcppichfnbrik von Feibisch in der Äaiserstraße hatten Ende August die Arbeiter die Ar- bcit niedergelegt, weil der erste Angeklagte entlassen worden war. Die Arbeit wurde aber bald wieder aufgenommen; es kam indes am 4. September wiederum zu einem Ausstände, Iveil zwei Arbeiterinnen entlassen wurden, den Mit- gliedern deS ArbciteranSschnlses jener Fabrik über den Grund der Entlassung keine Auskunft gegeben wurde, vielmehr auch der A r b e i t e r a u S s ch»i ß seine Entlassung erhielt. Der Ausstand, der somit durch Thatsachcn hervorgerufen worden war, die die Arbeiter als Maßregelungen ansahen,»ahm dann den Charakter seines Streiks zum Zwecke der Lohnaufbesserung an, denn den Gebrüdern Feibisch wurde von der Arbeiterschaft ein neuer Lohntarif unterbreitet. Während des Streiks sollen sich nun die drei Angeklagten an Arbeitswillige herangemacht-. und sie durch verschiedene Redensarten, die die Anklage als Drohungen*C.'' migmchtet. auffaßte, zu überreden versucht haben, an dein Ausstände teil zu I � �®( o n a t nehmen. Der Staatsanwalt beantragte je eine Woche G e- fängnis, Rechtsanwalt Heine dagegen die völlige Frei- sprechung, da von Drohungen gar keine Rede sei. Ter Ge- richtShof erachtete nur den Angeklagten Jcchow für schuldig. Dieser hatte»nt� zwei in der Fabrik arbeitenden löjähriaen Mädchen ein Gespräch über den Streik angeknüpft und als er hörte, daß deren Mütter von einem Verlassen der Arbeit nichts wissen wollten, soll er geäußert haben:„Wenn der Streit zu Ende ist, dann werden wir wieder eingestellt, ihr fliegt dann aber heraus!" Diese Worte stellen nach Ans i ch t des Gerichts eine Drohung dar und I e ch o w wurde deshalb zu drei Tagen Gefängnis verurteilt! Die beide» andern An- geklagten wurden freigesprochen. Die Anklage wegen versuchten Mordes beziv. Anstiftung dazu wird heute. Dienstag, die Buchdrnckcrci-Axbcilcrin A u g u st c Buchwald und den früheren Kanzleidiätar Gustav Hahn zum zwciteiimalc vor das Schwurgericht des Landgerichts II führen. Es handelt sich um den Mordpia», der in der Nacht zum 12. Juni auf dem Wege von Schmargendorf nach Wilmersdorf durch die Angeklagte Bnchwald auf die Ehefrau des Hahn ausgeführt ist, ober zum Glück»icht den gewünschten Erfolg gehabt hat. Die beiden Angeklagten imtcrhiclten ein Liebesverhältnis. Hahn pflegte in einem Lokale zn Schmargendorf zum Tanz aufzuspielen, seine Ehefrau, die auf die Buchwald eifersüchtig war, holte ihn gewöhnlich des Zkachts von dort ab. Als sie mit ihrcnr Ehemamic in der Rächt zum 12. Juni einen einsamen Weg den Bahndamm entlaug gjng, ließ letzterer sie unter dem Borlvande, daß er ein Bedürfnis zu verrichten habe, langsam voraus- gehen. Gleich darauf stürmte die Angeklagte Buchwald ouS den, Hintergründe hervor, drang mit einem Dolch- meffer auf Krau Hahn ein und brachte ihr mehrere Wunden bei, die glücklicherweise nicht gefährlich waren, da der aufgeklappte Kragen der Frau Hahn die Wucht der Stiche erheblich ab- schwächte. Frau Buchwald hatte sofort nach ihrer Festnahme ein Geständnis abgelegt und behauptet, daß es sich um einen wohl vcr- abredeten Mordplän gehandelt und Hahn sie zu dieser Thai angestiftet habe. Man habe die Ehefrau Hahn über die Seite bringen wollen, um sich alSdaun heiraten zu können. Die Angeklagte war auch ii, dem am S.November vor dem Schwurgericht ftattgcfundenen Tcnnin bei diesem Geständnis geblieben, während Hahn mit aller Entschiedenheit den Angaben und Beschnldigmigcn der Buchwald widersprach. Er habe nie daran gedacht, seine Ehe- frau ans dem Wege zu räumen. Die Buchwald hatte sich im erste» Verhandlungstermin damit herauszureden versucht, daß sie behauptete: sie habe die Absicht gehabt, den Mordplan doch lieber nicht auszusührcn. habe sich hinter eine» Strauch verstecken wollen, sei aber von der Hahn gesehen und mit einem Schirm ge- schlagen worden, worauf sie sich gewehrt und mit dem Messer blind- liugs um sich geschlagen habe. Die Verhandlung kam am V. November zu keinem Endergebnis, weil im letzten Augenblick der Verteidiger des Hahn die Vorladung mehrerer Zeugen beantragte, um die völlige Iluglaubwürdigkeit der Bnchwald zu beweisen. Diese Zeugen sind zum heutigen Termin geladen worden, doch muß die ganze Verhandlung von Anfang an nochmals wiederholt werden. Durch unvorsichtiges Umgehen mit einer Schnftwaffe ist ein betrübender Unglücksfall verursacht worden, der gestern die siebente Strafkammer des Landgerichts I beschäftigte. Der Ivjährige KanfmannSlehrling Willy P r e n ß hatte sicki wegen fahrlnfsigcr Tötung zu verantworte». Der Angeklagte ist Lehrling in dein Hinzeschen Eiseilwareixgeschäst in der Franlfurterstraße. Ani 28. September wurde dort ein Teschmg abgeliefert. das ein Kunde zur Reparatur gebracht hatte. Das aus drei Personen bestehende Personal veranstaltete in dem langen Laden ein kleines Scheibenschießen, um die Waffe ans ihre Brauchbarkeit zn prüfen. Erst schoß der Kommis, dann der Lehrling Hennig und darauf der Angeklagte. Als der letztere die Waffe»ahm. muß er uu vorsichtiger Weise wohl den Hahn berührt haben der Schuß ging vorzeitig los und das Geschoß traf d�n gerade in der' Schußlinie' befindlichen Lehrling Hcnuig. Der Gelroffcne stützte sich wimmernd mit beiden Händen auf den Laden tisch, der Angeklagte lief angsterfüllt zum nächsten Arzt. Der Wer- ivimdete ist dem Arzt unter den Händen gestorben. Wie der GcrichtsphysikiiS Dr. Stoermcr im gestrigen Termine begutachtete, ist dem Verstorbenen die Kugel in die Lunge gedrungen, der innere Bluterguß hat schon nach' einer Viertelstnude den Tod herbeiführen müssen. Der Angeklagte bot im Termine ein Bild der Ner zwciflnng über das Unglück, daS er durch seine Unvorsichtig Ter' Staatsanwalt beantragte gegen ihn G c f ä n g n i s, während der Verteidiger, Rechts anwalt Dr. Schwindt, zu erzielen suchte, daß die erlittene Unter snchniigShaft als eine genügende Sühne anzusehen sei. DaS Urteil lautete nach dem Antrage des Staatsanwalts, in- dessen wurden hiervon 13 Tage durch die erlittene Untersuchungshaft für verbüßt erachtet. Beleidigte Stcncrerhcbcr. Durch rechtskräftiges Erkenntnis des Amtsgerichts I ist ein hiesiger Einwohner wegen Beleidigung cincS Stcncrcrhebers zu 50 M. Geldstrafe cvent. zu 10 Tagen Gefängnis venirteilt worden. Ein anderer hiesiger Einwohner wurde ebenfalls wegen Beleidigung eines Stcnercrhcbers zn einer Ge- fäilgniSstrafe von 2 Monaten verurteilt. Wege» Zechprellerei und mehrfachcu Betruges wurde der Kaufmann Hugo Nagel aus Berlin von der Strafkammer zn B r i e a zu i Jahren Znchlhans, zweijährigem Ehrverlust und 450 M. Geldbuße verurteilt._ wählt. Meist siegten sie mit erheblichen Stimmenzahlen über ihre männlichen Gegner. In einem Falle standen sich jedoch 3 weibliche Kandidaten gegenüber,_________ Eingegangene Druckschriften. Bon der„Nciic» Zeit«(Slutlgart, Dicy' Verlag) ist soeben daS 10. Heil des 18. JalngnngcS erschienen. Aus dem Inhalt heben wir hervor: Zu Seines Gedächtnis.- Zwei Kritiker meiner„Agrarfrage". Von K. Kautsly.— Proletarier in der modernen Dichtung. Von H. Ströbel.— Hand und Maschine. Von M. Becr-Rew York.- Rems Gesetz in Däne- mark über Eigeiitumsverhältniüe der Ehegatten. Von Maria Cedcrichiöld. - Littcransche Rundschau- Feuilleton: Michael Taltykow(Schtschedrin). Bon Ida Altmann.(Schlux.) Von der„Gleichheit--. Zeitschrist für die Jnleresjen der«rbeiterumen (Stuttgart, Dietz Verlag) ist uns soeben die Nr. 25 des s. Jahrgangs zn- gegangen. AuS dem Inhalt dieser Nummer heben wir hervor: Halbe Arbeit.— Zum Nrbcitgcbcr-Paragravh der lex Heinz«.— Mädcheuhcimc des evangclnchen Dialonicvercins. La» Ida Alt mann.— Aus der Bewegung.- Feuilleton: Der Muulops. AuS den Memoiren eineS Jägers. Von I. Turgenjew.- Notizeuteil von Lily Braun und Klara Zetkin: Weibliche Fabrikinspektoren.- Arbeitsbedingungen der Arbeiterinnen- KoalilionSrecht._ A«s dev Frsuenbetvegnttg. Eine weibliche Hilfskraft für daS Fabrikinspektorat ist in dem Voranschlag dcS badischc» Staatshaushalts für 1000/1001 vorgesehen. Es heißt in den Erlänternnaen für den betr. Posten:„ES soll dem Fabrikinspektorat eine wisieiffchostlich gebildete HilfSarbcitcrin zur Mitwirkung bei der Gewerbeaufsicht in Betriebe» mit vorwiegend weiblichen Arbeitern bcigrgeben werden, �hrc Verwendung ivird zunächst eine vertragsmäßige sein gegen eine jährliche Vergütung von 2000 M." Da sich der geforderte Posten im ordentlichen Etat befindet, so ist dannt ausgesprochen, daß die„Hilfsarbeiterin" als eine ständige Einrichtung gedacht ist." Zllö Schulkommissare wurden bei der letzten Wahl in vcr- I schiedencil VcrivaltuiigSvczirken des Staates New Jork Frauen ge-. Briefkasten der Redaktion. Di« juristische Sprechstunde findet Montag. Dienstag und Freitag von tt— 8»hr abends statt. Koilsnin-Genossciischaft Moabit. Bitte auch Ihrerseits den Frage- bogen einzusenden. ZI. Bi. 23. Aus unserem Leserkreise wird uns mitgeteilt, daß seit dem Herbste 1898 die 3. und 5. Eskadron der 3. Ulanen nicht mehr i» Bees- low liegt, sondern dah das ganz« Ncgimeut jetzt in Fiirstenwalde liegt. Wir bitten unsere Auskunft in Nr. 261 dahin zu beuchligen. Dem Enijeuder der Richtigstellung herzlichen Dank R. K. 04. B-rsttzeuder der Verwaltung deS Gestude-Belohuungs. und UuterstützimgsfoudS ist Stadtrat Dr. Weigert, Friedrichsgracht 58c. Dienst- uiifähinc Dicnsibotcu über 50 Jahre, die längere Zeit uminterbrocheil in Berlin gedient habe», erhalten, wenn sie bei Berwaiidieu Unterkunft finden, bis z» 12 M. monatlich Unterstützung; auch köimeu alte Dienstboten im Gesindeholvital, Koppensir. 38—40, Ansnahme finden. B.<£.(Loncordia. Wenden Sie sich an Herw Louis Friese, Bcnsselstr. 14.- P. A. 16. Zubcil. Kpuast. Nürnberg. Treten Sie schristlich aus der Lasse auZ.— B. St. 1. Nein. 2. Bis 1500 M. ist Stempelung nicht erforderlich. Sonst ist der Vertrag beim Stempeldistributeur mit 1,50 M. zu stempeln— R. R.. .Hayuai!. Ja.— 48 LassaUc. Sie können nur auf Reparatur eventuell Schadenersatz klagen oder di« Reparaturen selbst besorgen und die aus- gewendeten Kosten dann einklagen.— Persie» E. W. Leider nein.— Zwei Wettende. Ja.— Zwei Wettende 99. Die Gerichtskosten verjähren erst vier Jahre nach Ablauf des Jahres, in dem sie cnt- standen sind.— I. I. Sl. Sollte der Tod eintreten, so hat die Kasse Sterbegeld zu zahlen.— R. M. 1000. Sie liinuen Ihre Tochter nur mit Ekliehmkgung des Reltors ans der Schule halten. — P. B. M. 7. Verklagen Sie die Kasse bei der Gewerbe- Deputation des Magistrats. Darin, da« Sie die Krankheit nicht meldeten, haben Sie unrecht gehandelt.— Karl Scholz. Leiter könne» Sie-die Jiwalidenrcnte nicht erhalten, wenn Sie nicht wenigstens 200 Marken geklebt haben.— Sl. S. IVO. Keinem von beiden Eheleuten steht die frühere Bestrafung des Ehemannes bezüglich der Konzession im Wege.— Rciuickendorf 34. Das Recht ans Sterbegeld steht in dem von Ihnen dargelegten Fall den Hiuterbkiebencii zu.—/, Uhr. Echanspiclhans. DaS Winter- niärche». Ansang 7-/, Uhr. Deutsches. DerProbekandtdat. An- sang 7l/, Uhr. Lessing. Als ich wiederkam... Anfang 7V, Uhr. Berliner. Die Herren Söhne. An- fang 77, Uhr. Schilter. Tie Richterin. Anfaiig 8 Uhr. NeneS. Ein unbeschriebenes Blatt. Anfang 77, Uhr. Westen. Die Perlenfischer. Anfang 77, Uhr. Thalia. Der Platzmajor. Ansang 77, Uhr. Residenz. Busch und Reichenbach. Vorher: Die Nichtige. Anfang 77, Uhr. Luisen. Die Grille. Anfang 8 Uhr. Zentral. Tie Geisha. Ansaug 77. Uhr. Carl Weist. Ter Wcltuuterganz. Ansang 8 Uhr. Aricdrich> WilhcliustädtischcS. Ein gesunder Junge. Anfang 8 Uhr. Bietoria. Die VcnuS von der Markt- Halle. Aiifang 8 Uhr. Nachm. 4 Uhr: DaS tapfere Schueiderlein. Belle- Stilianee. Gastspiel deS Schlierseer Bauern- Theaters. Liserk vom Echiiersce. Ansaug « Uhr. Mctropol. Specialitätcn- Vor- stellung. Rund um Berlin. Au- saug 8 Uhr. Apollo. Lpecialitälen- Vorstellung. Anfang 77, Uhr. Rc-chshailen. Stctliner Sänger. Anfang 8 Uhr. Urania. Jnvatidenstr. 37/02. Täglich abends von 5-10 Uhr: Sternwarte. Tanbcnstr. 48/49. Im Theater: Der Sie« deS Meiischrn über die Natur. Ansang 8 Uhr. Höbsaal: Dr Naß: lieber Schwer» meiallc. Palast. Susailiic im Bade. Specialt tätcn-Vorstcllung. Ans. 8 Uhr. Passage< Paniipttkuin. Speeiali- täleii-Vorstellniig. BrfjiMjdifer (WaNner-Theatcr). DienStag, abend» 8 Uhr: Zum 4. Make: vlv Richterin. Schauspiel in Ausz. vach Conr. Ferd. Meyer von Roman Wöwer. Mittwoch, abends L U h r: IMv Itlcliterlii. Donnerstag, abends 8 Uhr: _ Cyprionnc. C rttkv« l T ljvnter Direlfion: lose poreneey. Die Geislicr. Ansang VjS Uhr. Opcrelte in 3 Akten v. Sidney Jones. Morgen und solgendc Tage: Die- selbe Vorstellung._ Thalia-Theater. Tel. AmtiVa 6440. Oreidenerstr. 73/73. SV Trittlestte Woche l Der Platzmajor. Thomas, Thielseher, Helirerding, Junkermann. Anfang 7V, Uhr. Morgen und folgende Tage: Der Planmajor. itrßpol-Itetßr. Behremtr. 55/57. Dir,; Riol). Schultz. Um 10 Uhr 30: Liane de Vries. Siegmtmd Steiner. Mirano. Mary Wolf. Brothers Ceado. Freres Kuljier. Franp. Rivoli. The 5 Greenwowls. Um 8 Uhr 40: Rand um Berlin. Anfang 8 Uhr. CarlWciss-Tlieater Gr. yrankfnrterstraste 132. Täglich: Der lllfltiiutftööiiö. ArosteS Ansstattungsstücl mit Gelang in 3 Akten(15 Bildern) von Dir. Carl Weist und Jas. Dill. Musik von M. Fall. Anfang 8 Uhr. Vorziigsbillets habe» Gültigkeit. Im Tunnel v. 7 Uhr an Fralkonzert. Sounabenduackill. 37, Uhr: Kinder- vorfielluug. Kleine Preise. Asche»- brödcl. Zaubermärchen mit Gesang. Gr. Aiisstatlung!_ Apollo-Theater. Zum vorletzten Male; Frau Luna und dem Luftballelt„GrigoIatU". Ferner das neue Specialität.-Prograim Anfang 77, Uhr. Vorverkauf täglich Im Thealer, beim„Kllnstlerdanti", Unter den Linden 60, und beim„Invaliden- dank", Unter den Linden 24 I. Sanssouci Kottbusoratr. 4 a. Täglich auster Sounabeiid: Mmaims Nord- Ans. So»ut.7,?.wocheut. 8. Tonntag und Donnerstng nach der Soiree Dann. Donnerstag, 7. Dez., zum 700. Mal: Lcne, liebe Leu«. 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Verschiedenes. 239/1 Nichtmitgliedcr haben Zutritt.— Die Versammlung wird pünltlich eröffnet. Zahlreichen Besuch erwartet Der Borstand. rVL. Den Mitgliedern zur Kenntnis, daß die Zahlstelle in der Blücher- straß«(früher Raumann) eingegangen ist._ V. Wahlkreis. Dienstag, den 5. Dezember» abends S1.� Uhr, im Loki von Bötzow, Prenzlauer Allee S4S/S47: Oeffentl. Parteiversammlung. Tagesordnung: 1. Bortrag des Herrn Rechtsanwaltes Vlktvr Frfinkcl über Die Konsumgeilossellslhilften in ihrer söcklm Behelltllilg. 2. Dislussion. 3. Verschiedenes. Die Parteigenossen werbm gebeten, recht zahlreich zu erscheinen. 217/8 Bie Vcrtrauenslcnte. Socidldemokrattscher Mahlverein für den 6. Berliner Reichstags-Mahlkreis. Dienstag, den 5. Dezember 1899, Abends S'/i Uhr, bei Wernau, Schwedterstr. 23: Versammlung Tages-Ordnung: Vortrag des Reichstags- Abgeordneten �ckvlk Thiele.— Dis kussion.— Vereins- Angelegenheiten. Her Vorstand. ___ DM" Gäste haben Zutritt.__ 248/00 GwerWts-Bilrm Berli«. Die Stelle eines Bcamteu in unserem Bureau wird hiermit zur Bewerbung ausgeschrieben. Die Bewerber müssen mit der socialpolitischen Gesetzgebung und Gewerlschaftsbewegung vollkommen sowie mit der Civil- und Strafprozeß-Ordnung möglichst vertraut seiu uud durch ihre seitherige Thätigkeit in de» Arbciier-Olganisatioueil in den Stand gesetzt seiu, die Forderungen und Beschwerden der Arbeiter zu verstehen, um nach jeder Richtung hin Bescheid geben zu können. Die Bewerber haben eine streng selbständige Arbeit einzureichen, worin sie ihre Ansicht über die Bedeutung und Ausgaben des hiesigen Gewerkschafts-Burcaus»icderzulcgen haben. Ein kurzer Lebeusabriß nebst Angabe der bisherigen Thätigkeit ist von den Be- Werbern erwünscht. Das(Behalt beträgt jährlich 2000 Mark. Reflektanten wolle» ihre Gesuche bis 15. Dezember dieses Jahres an unseren Obmann <-i. Bnsse, Annenstraffe 16 I einreichen. 271/4 Der AMvh der Berliiter CewerkschilstSkMmW». Besonderer Umstände halber findet die Dezember-Bersammlung des Arbeitervertreter-BcreinS nicht Donnerstag, fondem am Mittwoch, dtll 6. Dezember, abends 81- Uhr, bei Baske, Grenadierstrahe 33, statt. Tages-Ordnung: Bericht über die Wahl der Vertreter zur unterm Verwaltungsbehörde der Jnvaliditäts-Anstalt Berlin. 2. Noillinierung der Schiedsgcrichts-Bcisitzer. 3. Bericht des Ausschusses und Nominicruiig der Vertreter sowie deren Stellvertreter zum AiOschuß. Bericht über den Besuch der Heilstätte Malchow. JUT' Mitgliedsbuch legitimiert."WS 53/15_ Der Vorstand. I. A.: Warnst, Schriftführer. Achtung! Cementierer! Achtung! Zahlstelle IV des Centrai-Verbandes der Haarcr Dcntschlands and Bornfseonossen. Mittwoch, de» 6. Dezeuiber, abends 8 Uhr, bei Buske, Grenadierstr. 33: OvAentlivIiv Tersaminliiiig. T a gcsordiiullg: 1. Bericht des Delegierten van der Konferenz der Maurer der Provinz Brandenburg. 2. Warum organisierm wir uns r 3. Diskuffion. 4. Verschiedenes. 57/11 __ Die örtliche Verwaltung der Zahletelle IV Berlin, Den geehrten Mitgliedern, welche zum Stiftungsfeste am 9. Dezember bei Lipps von jedem Verein mitzuwirken haben, diene zur Nachricht, daß eine Probe nicht stattfindet. Gesungen wird:„Sängermarlch" und .Freiheit".- DA- Die Vereine werden aufgefordert, am Sonnabend vom Sängcrfcft abzurechnen. Seidiii, den 2. Dezember 1899. Der Vorstand. 17/3 Mtm! a u r e r AWltg! Iii' ilmerstdorf. Mittwoch, 6, d. M.. abends 8 Uhr, bet Witte. Bcrlincrstr. 10: Venuiluiig des Soeialdemokratischen Vereins. Tages-Ordnung: Die Kommunal- und Gewerbegcrichts- Wahlen am Ort. Neue Mitglieder werden aufgenommeu. Gäste willkolnmeil. 13/Z Der Vorstand. Konsum-Verein Berlin-Rixdorf. B. G. m. b. H. Mittwoch, den 6. Deacmber 1800, abends 8>/, Uhr, int Lokale des Herrn Cankner, Rixdorf, Bcrgstr. 151/152: General-Versammlung. T a g e s- O r d n a: I. Geschästsbericht. 2. Kassenbericht uud Er- teilung der Dechar-ge. 3. Festsetzung der Dividende. 4. Festsetzung der Eni- schädigung für den Vorstand und AufsichtSrat. 5. Wahl von drei Mitgliedern zum Anffichtsrat(ß 18 des Statuts). S. Wahl dreier Ersatzmänner zum Aussichtsrat. 7. Wahl eines Mitgliedes zur Prüfung der abgelieserten Marken. 8. Antrag Schmidt aus Abänderung der§ß 14 und 2S des Statuts. 9. Antrag Schmidt auf anderweitige Festsetzung der Geschäftszeit. 10. An- träge ans de» Reihen der Mitglieder(Z 13, Abs. 2 deS Statuts). 11. Be- sprechung und event. Abänderung des ß 3 des Statuts. 285/1 Der Vorstand. _ I. A.! Wilhelm Jäger. Wilhelm Conrad. ZchmMcht PMIiM Sprechstunde von S1/«— und 12'A— l1/- Uhr. ___ Chlelln, G'lisabethstraste 24. 30340* Nenjahrs-Cigarrenfpitzen in großer Auswahl, Dutzend von 40 Pf. an, auch focialistifche mit Porträt von Lasiallc, Marx, sowie jede Drechslerware. B. G'Hngel, tethrlngeretr. 82, GflasereinVereinsgeschäft Max Ricbter, Grüner Weg 65. Emvfehle mein Lager von fänitlichen focialistifchm Bildern». Büsten nebst Einrahmung, auch Kupfer- u. 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Die Kollegen werden dringend ersucht, diese Verfanimlungen zahlreich zu besuchen. 192/8 Die Lohnkommissio». I. A.: Britz Kater._ Monwg, ben 6. Dezember, abends 8'/« Uhr: !I Osten mid Nordosten: bei Mann. Stranstbergerstr.». Tages- Ordnung: Bericht der Obmänner. Werkstattangelegenheit. Verschiedenes. Rosenthaler«nd ZchZuhnnser Vorstadt: bei Wernan, Schwedterstr. 23. Tages-Ordnung: 1. Bericht der Werkstatt-Kontrollkommission. 2. Vorstands- und Werkstatt- angelegenheiteu. 2. Verschiedenes. Jede Werkstatt muß vertreten sein Medding und Gesundbrunnen: im Lokale des Herrn Baabe(Kolberger Salon). Kolbergerftr. 23- Tages-Ordnung: 1. Bericht der Kommission. 2. Disluiston. 3. Werlstatt- und Verbands- angelegenheiteu. AM- Jede Werkstatt muß vertrete» sein. Waakl!:'in Lokale deS Herrn doekseb, Turmstr. 81. Tages-Ordnniig: 1. Bericht der Vertrancnsmänncr. 2. Werkstattanaelcgenheiten. 3. Ver- schicdenes und Vorschläge zur Wcrkstatt-Kontrollkomulilsion. Es ist Pflidit, daß jede Werkstelle vertreten ist. Weste« nnd Südwesten:"ASSIST Tages-Ordnung: 1. Wcrkstattangclegenheiten. 2. Verschiedenes. SÜdSÜtN! bei Borend, Manteuffelstr. 05. Tages-Ordnung: Wcrkstattangelegcnheitcn. Verschiedenes. Jede Werkstatt muß vertreten sein. SMtN: bei«rloeer. Wafferthorftraste 68. Tagesordnung: 1. Bericht der Kommission. 2. Lohn- und Accordarbeit. 3. Verbands- augelegcnheiten und Verschiedenes. Zu dieser Bersaiiimlung sind die Kollegen aus folgenden Wcrkstellen ein- geladen: F ö r st c r l i u g, Urbanstr. 102; Lobs, Prinzcssinncnstraße 24; Schubert, Bllckowerstr. 6; Lange, Luisen-Ufer 12; E l k a n B a b, tÄitschinerstr. 75; W e tz e l, Gitschincrstr. 83; Krügern. Höh mann, Bcuthstr, 4; Lemke, Stallschreiberstr. 25; Dvnat, Nene Jakobstraße 5; Döring, Alte Jakobstr. 20. » bei Belnleke, _» Friedrich Karlstr. 11. a g e s-Ordnung: 1. Bericht des Obmannes. 2. Verbandsangelegenheiten. 3. Verschiedenes. Jede Werkstatt muß vertreten sein. Branche Parkettvodenleger. Mittwoch, den 8 d.M., abends 8 Uhr. beillnbo,„Spreehallen", Kirchstraste 27: Koiiiinis8i()nS'8!fcimg mit Vertrauensleuten. Jede Firma muß vertreten sein.— Ferner werden die Kollegen der Firmen: Wittag, leide, Ende, Badmeier, Damke aufgefordert, auch ihrerseits Vertrauensleute zu ciUfeubcn. M Mittwoch, de» 6. Dezember, abends 8>/z Uhr. im Lokal des Herr» ICüls(„Fürsteiihof"), Köpliickerstr. 137—138. Tagesordnung wird iu der Verjamullung bekannt geurncht. Es muß jede Werkstatt vertreten sein. Wo kein Vertrauensmann ge- wählt ist, hat jedes Berbandsnritglicd die Pflicht, die Werkstatt freiwillig zu vertreten. Drechsler. Am Mittwoch, den 6. Dezember 1899, abends 8'/« Uhr: Vörden: bei Herrn Hoppe, Ackcrstroste 115. Osten: bei Witwe Mühle, Koppenftr 41. Südosten, Westen und Südwesten: bei Herrn Mührlng, Admiralstraste ISc(»Märkischer Hof"). Tages-Ordnung: 1. Berid>t der Obmänner. 2. Der Streik der Mabaster-DrechSler. 3. Verbands- und Braiichcnangelegenheiteli. 4. Verschiedenes. Eine jede Werkstatt muß vertreten sein, auch die Kollegen, welche in Tischlereien beschäftigt sind, haben Vertreter zu entsenden. Die Vertrauensleute haben die ausgefüllten statistischen Fragebogen in die Versammlung mitzubringen; wo solche noch nicht vorhanden, wolle man sich an die Adressen der folgenden Obmänner wenden: Osten: Emil KSppan, NüdcrSdorscrstraße 59. Norden: Wilh. Dentzer, Strelitzerstraße 70. Süd-Ost: Fritz Malsch, Naunynstraße 72. _ Süd-West: Hugo Schöbet, Plan-User 89/90. JHß Zur Bcachtulig! Im C e n t r u m befindet sich die Zahlstelle bei ärtner, Mollenstr. 12. Allen Freunden uud Bekannten die traurige Nachricht, daß am Sonntag, den 3. M., mein lieber Bruder und Schwager, der Töpfer Otto Koppen am Herzschlag sauft entschlafen ist. Dieses zeigen tiefbetrübt an Zldvlf Köppen nebst Fron. Die Beerdigung findet am Mitt, wach, den 8. d. M., nachm. 21/2 Uhr, vom Trauerhause, Pankow, Brehme- straße 56, aus statt. 1341b Ctntrlllvttband der Töjiser DeuischlllltdS. Filiale Berlin. Stm Sonntag, den 3. Dezember abends IOVj Uhr, starb unser Kollege Ott« Köppen am Herzschlag. 195/20 Die Beerdigung findet Mittwoch, den 6. Dezember, nachmittags 2V3 Uhr, vom Trauerhausc, Pankow. Brehme- straße 56, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. Vödes- An-elxe. Allen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, daß meine liebe Frau Warle Heinemann, geb. Hanckel, am Sonnabend, den 2. Dezember, nach kurzem, aber schwerem Krankenlager verstorben ist. Beerdigung am Dienstag, den 5. De- zember, iiadimittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des Wcißenseer Gcmemde- Kirchhofs, Röllestraße, aus.[1235b Um stille Teilnahme bittet' .Adolf Heiuemann, Neu-Weißensee, Langhansstr. 54. SockldemkrlltWr Wnhl- verein sür Teltoiv-Bttskow- Chilrlntteilljilrg. Den Mitgliedern hiermit die traurige Nachricht, daß unser Genosse Drimo Jähnert am Sonnabend nach langen, schweren Leiden verstorben ist. Wir verlieren in ihm einen eifrigen und opscr- willigen Gcnosien. Die Beerdiauug findet am Dienstag, den 5. d. Mts., nachmittags 3 Uhr von der Halle des Neuen Luisen- Kirchhofes in Westend aus statt. 250/11 Um rege Beteiligung ersucht Der Borstand. ltanlsck Metallarbeiter-Verband Verwaltangss teile Berlin. VertrauensmännerVersammlnngen. ♦ Dienstag, den 5. Dezember, abends 8 Uhr, in den lijUMIIIfl.* Arminhallen, Konimandantenstr. 20. Klempner: a6'nM 8 U5t' eei Weste«, Schöneberg, Tempelhof: � Mittwoch, den 8. Dezember, abends 8 Uhr, bei Werner» Bülowstr. 59. Mittlvoch, den 6. Dezember 1399, abends 8l/j Uhr: in den Asminhallen. Konimandantenstr. 20: MMs-NnsammInng für Süden». Centrnm. TageS-Ordnung: 1. Bortrag des Herrn Dr. M a s ch k e über„Die Hygiene deS AugeS". 2. Diskussion. 3. Verbandsangelegenheiten und Berschiedenes. Zahlreicher Besuch erforderlich. 117/16 Die Ortsverwaltung. Berliner Leihhaus! Ubrenbantliung. 41, Indreasstr. 41. Ubrenbandlung. *J B�T Geöffnet von 8 Uhr früh bis 8 Uhr abends.-WA Charlottenhmg. Todes-.Anr.elire. Sonnabend, den 2. Dezember, starb der Genosse Brimo Jähnert im Städtischen Kraukenhause an der Prolctarierkrankheit. 1344b Die Beerdigung findet am Dienstag- nachmittag 3 Uhr von der Leichenhalle des Neue» Linsen-Kirchhofes, am Fiirsteiibrilnner Weg, aus statt. Treffpunkt um 2 Uhr bei Eber« Hardt, Wiluiersdorferstr. 38a. Zahlreiche Beteiligung erwartet Der Vertranensznann, Danksagang;. Allen Freunden unb Bekannten, Insbesondere dem Gesangverein„Typo- graphta", welche nnserer Herzens- gute» Mutter Fanllne StrophlT, geb. Casprlch, die letzte Ehre erwiese» haben, hiermit den Herzlid, steu Dank. 1234b Die trauernden Kinder. Kranzsblndcrcl n. Illnmen« bandlnns von[2474S* Robert Meyer, Wo. 2. Mariunncnstr. Wo. 2. 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Durch rechtzeitigen Gebrauch des Kräuter-Weins werden Magenübcl meist schon im Keime erstickt. Man sollte also nicht sänmen, seine Anwendung anderen scharfen, ätzenden, Ge- sundhcit zerstörenden Mitteln vorzuziehen. Sqmptoiiie. wie: Kopfschmerzen, Zlnfstostcu. Sodbrennen, Blähungen. Uebrlkeit mit Erbrechen, die bei chronischen(veralteten) Magen- leiden um so heftiger auftreten, werden oft nach einigen Mal Trinken beseitigt. QtfiiMttäVifairfiiitrt und deren nnangenchme Folgen, wie Beklemmung. Kolikschmerzen, Herzklopfen. Schlaflosigkeit, sowie Blutanslauungen in Leber, Milz und Pfortadersystem(Hämorrhoidalleiden) lvcrdcn durch Kräuter-Wcin rasch und gelind beseitigt. Kräutcr-Wein behebt Unverdaulichkcit. verleiht dem Berdauungssystem einen Aufschwung und entfernt durch einen leichten Stuhl untaugliche Stoffe aus dem Magen und den Gedärmen. Nagtttg. dlelchkg Aiisfeheii. Uiitmailgel. firt- stnd meist die Folge schlechter Verdauung, mangelhafter Blutbildung und eines krankhaften ZustandcS der Leber. Bei gänzlicher Appetitlosigkeit unter nervöser Zlbspannung und Gcmüthsverstimmnng, sowie häuffgen Kopfschinerzcn. schlaf- losen Nächten,. siechen oft' solche Kranke langsam dahin. Mf- Kränter-Wein gicbt der ge- schwächte» Lebenskraft einen frischen Impuls. Wff" Kräutcr-Wein steigert den Appetit, befördert Derdanung und Ernährimg, regt den Stoffwechsel kräftig an, beschleunigt und verbessert die Blut- bildung, beruhigt die erregten Nerven und schafft dem Kranken Lebenslust. Zahlreiche An- erkennungen und Dankschreiben beweisen dies. Kränter-Wein ist zu haben in Flaschen ä 1,25 und 1,75 M. in sämmtlichen Apotheken von Berlin und Berlins Vororten, sowie in Preußens ganz Deutschland und im Auslände in den Apotheken. Auch versendet die Firma„Hubert«strich, Leipzig, Weststraße 82". 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