Ur. 283. Abennemtitts-Zcdlngungen: «bonnement»-PrciZ pränumerando: Vicrteljährl. 330 Mi., monatt. 1,10 Mk. wöchenllich W Pfg. frei In» Hau«. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonnlag«- Nummer mit illuNrinier Sonntag«- Vellage„Die Neue Well" 10 Pfg. Post- Abonnement: S.S0 Marl pro Quartal. Eingelragen in der Post-Zeitung«- Pr-iSlifis für>000 unter Lr. 7«Sl>. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Marl, für da» übrige AuZland 3 Marl pro Monat. Trscheint lüglich allster Montag«. Devlinev VolksblÄkt. 16. Jahrg. Die Inftrtions.Grliülfr beträgt für die sechigespaltene Kolons!- »eile oder deren Raum»0 Pfg., für politische und gewerlschastliche verein«- und Versammlung«-Anzeigen 20 Pfg. „Kleine Aitfeigln" jede« Wort 5 Pfg. (nur da« erste Wort fett). Inserate für die nächste Nummer müssen bi« l Uhr nachmittag« in derExpedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen- tagen bi» 7 Uhr abend«, an Sonn- und Festlagen dl» L Uhr vormittag« geöffnet. Fernsprecher:»ml l, Nr. tlZOL. Telegramm- Adresse: „Sorialdrmolir.rt Verlin" Centvawrgan der sodaldemokratischen Partei Deutschlands. Kedaltkivn: 19, Beullz-Strasze 2. Emil Dierl. Unser Kollege Emil Dierl, genannt Roland, ist am Dienstag- dormittag an den Folgen eines Herzschlages plötzlich v e r- schieden. Der Verstorbene war am lt. Dezember 1829 in München geboren, er hätte also am nächsten Montag sein siebzigstes Lebens- jähr uollendot. Im Kreise seiner Kollegen uild engeren Freunde war eine fröhliche Feier dcS Gebnrtstngc-Z unseres allgemein beliebten Mitarbeiters geplant. Jetzt hat der unverhofft eingetretene Tod durch diese Absicht eine» Strich gemacht. Dierl lernte, nachdem er die Volksschule verlassen, daZ Posa mcntierhandwerk. Schon mit seinem 19. Lebensjahre sagte er aber dein erlernten Handwerk Valet und wandte sich der darstellenden Kunst auf den„Brettern, die die Welt bedeuten", zu. I» Siiddeutschland, der Schweiz uud Oestreich gehörte Dierl, der als Schauspieler den Namen Roland annahm, den verschiedensten Stadt- und Saisontheatcrn an; nicht selten aber mutzte er, um den kargen Lcbciisnnterhalt zu gewinnen, auch als Mitglied einer so- genannten„Schmiere" durch das Land ziehen. So von frühester Jugendzeit an mit den Schattenseiten des Lebens vertraut und gar oft von bitterster Not heimgesucht, schlotz sich unser Freund sofort der socialdeniokratischen Partei an, nachdem sich diese im Jahre 1869 auf Grund des Eisenacher Programms kon- stituicrt hatte. Auf dem Kongretz in Stuttgart 1870'vertrat er die Genossen in Bothnang. Ebenso war er als Delegierter 1874 auf dem Parteitag in Coburg anivesciid. Während der zwölf Jahre des SocialistcngesctzeS wirkte Dierl die erste Hälfte im stillen überall für nnS, wo fein Beruf ihn hinführte; während der zweiten Hälfte übte er in Deggendorf a. d. Donau, wo er als Schreiber bei einem Rechts« amvalt beschäftigt war. seine Parteipflicht aus. Als mit der Zahl der wachsenden Jahre es dem Verstorbenen immer schwieriger wurde, passende Engagements zu finden, trat er im April 1892 in die Redaktion des„Vorwärts" ein. Natürlich blieben ihm auch die Annehmlichkeiten eines RedacteurS unter der deutschen Reichs- Prctzfrcihei«- nicht erspart. Dierl-zeichnete.1893, zur Zeit als der Sedanspuk gelegentlich jenes fünfundzivanzig- jährigen Jubiläums besonders toll getrieben wurde, unser Blatt verantwortlich. DaS Feuilleton über die Kirche mit der später weggcmeitzelten Kamcl-Jnschrift sowie ein Artikel, in dem der Militarismus nach Verdienst gekennzeichnet wurde, hatten seine sofortige Vcrhnftitng zur Folge und brachten ihn vor die Brausewett erkamm er. Unter dem Vorsitz des lvohl damals schon schwer kranken und bald darauf im Wahnsinn zu Grunde gegangenen LandgerichtSpräsidenten wurde der Angeklagte in mehreren Prozessen zu der unerhört schweren Strafe von 18 Monaten Gefängnis verurteilt. Diese Strase wurde dann auf 13 Monate zusammengezogen. Dierl hat die lange Strafzeit in dcr Bastille am Plötzcnsce abgeblitzt. Die harte Gefängnishaft konnte nicht ohne Rückwirkung auf die Gesundheit unseres Genossen bleiben. Seit seiner Entlassung kränkelte er zuweilen. Trotzdem aber kam das plötzliche Ende uns allen überraschend. Hat der Verstorbene doch bis zur letzten Stunde pflichtgetreu auf seinem Posten gestanden. Jetzt ist er mtS unseren Reihen geschieden. Ein braver Kamerad, ein unerschütterlich überzeugter Parteigenosse ging von uns, sein Andenken wird von allen, die ihn kennen zu lernen Gelegenheit hatten, in Ehren gehalten werden. Keine Gewerbe-Anfsicht ohne organisierte Arbeiter. Den preußischen Gewcrbe-Aufsichts-Bcamten ist bekanntlich durch den Erlaß des„Ministeriums sür Handel und Gewerbe" vom 22. Januar 1896 verboten worden, mit den Beschwerdekoinmissionen der Arbeiter in anitlichen Verkehr zu treten. In Siiddeutschland ist dagegen die Stellung der Gewerbe- Aufsichts- Beamten zu den Arbeitern eine ganz andere. So steht die württenibergischc Gewerbe- Inspektion mit den Vertrauenspersonen der Arbeiter in engster Fühlung. Ja. in dem neuesten Bericht über den 1. württembergischen Kreis wird ausdrücklich hervor- gehoben, daß auf Veranlassung der Gewerbe-In- spektionsbeamten für die Arbeiterinnen versuchsweise 23 weibliche Vertraucnspersonen aufgestellt" wurden. Und derselbe Bericht schildert den Wert der Vertraucnspersonen mit folgen- den Worten:„Durch die vermittelnde Thätigkcit der Vertrauens- Personen wird deni Gewerbe-Jnspektor manchmal das nützlichste Material an die Hand gegeben, dessen Kenntnis ihn bei Revisionen in den Stand fetzt, verborgen gehaltene Mißstände an den Tag zu bringen; auch ist nicht zu verkennen, daß durch die Äcrtrauenspersonen den Beamten die Annäherung an die Arbeiter erleichtert wird. Des weiteren dürste die Thatsache, daß die Gewerbe« Jnspektionsbeamten mit den Vcrtrauenspersonen regelmäßig verkehren, vielfach prophy- laktisch(Uebcrtretungen der Arbciterschutzgesctze verhütend) zu wirken geeignet sein." Das neueste aber ist, daß die württembergischen Gewerbe- Aufsichtsbeamtcn einer, kürzlich in Stuttgart abgehaltenen Konferenz der Vertrauensleute der Arbeiter nicht nur bei- gewohnt, sondern sich auch dort an der Debatte in durchaus entgegenkommender Weise beteiligt haben. Diese Konferenz, die von 28 männlichen und 4 weiblichen Vertraucnspersonen aus 2lj Orten besucht war, beschäftigte sich mit der„Enquete der Gewerbc-Jnspcktion über die Beschäfti- gung verheirateter Frauen in Fabriken und mit der Ver- besserung und Erweiterung der deutschen Fabrikinspektion". Daß diese wichtigen Angelegenheiten mit gründlicher Sachkenntnis behandelt worden sind, beweist die ein- stimmig angenommene Resolution. In ihr wird die heutige Gewerbe-Jnspektion nach Umfang und Gründ- lichkcit als unzureichend bezeichnet; eine Besserung sei nur zu erwarten, wenn der gesetzliche Arbeiterschntz und die Gewerbc-Aufsicht in der, von den Arbeitern schon längst geforderten Weise ausgebaut und das Koalitionsrccht der Arbeiter nicht beschränkt sondern erweitert werde. Einer solchen Konferenz sprach, wie wir dem Bericht unseres Stuttgarter Parteiorgans entnehmen. Banrat Berner im Namen der Gewerbe-Jitspcktoren und Assistenten seinen Dank aus für die Einladung und zugleich auch sür die Unter- stützung, welche ihnen von den Vertrauensleuten und Arbeitern bei Ausübung ihrer Thätigkcit zu teil werde. Ja. noch mehr! Der Referent hatte hervorgehoben, daß die württembcrgische Gewerbe- Inspektion bei ihrer Enquete sich nicht wie die Beamten in Preußen mit den Angaben der Unternehmer begnüge, sondern sich direkt an die Arbeiter gewandt habe. Auf diese Aeußerung kam Banrat Berner zurück. Er erklärte, daß den Gewerbe- Inspektionen aus Anlaß der Enquete von den Vertrauens Icutcn und den Gewerkschaften zum Teil vorzügliches Material übermittelt worden fei, das nach Möglichkeit verwendet werde. Auch ini weiteren Verlaufe der Debatte bemühten sich die Bcaniten, Mißverständnisse aufzuklären und die Vertrauens- Personen zur eifrigen Mitarbeit aufzumuntern. So wiesen die Gewerbe-Jnspektorcn wiederholt nach, daß mit Hilfe der Arbeiter bereits nianche Besserung erzielt worden sei und noch vieles erreicht werden könne. Selbst persönliche An gelegcnheiten wurden in der ruhigsten Weise erledigt. Es fragte nämlich einer der Vcrtrancnslcutc, ob es wahr sei, daß Banrat Berner in einem bestimmten Falle sich inißliebig über eine Arbeiterfordemng ausgesprochen habe. Gefragte- legte den Thatbestand klar und hat dadurch ein Vorurteil beseitigt, das in seinem Verkehr mit den Arbeitern nur störend hätte sein können. Kurz, die Konferenz ist in der besten Weise verlaufen und wird hoffentlich der Gewerbe Aufsicht in Württemberg in jeder Beziehung zum Nutzen gc reichen. WaS aber in Württenib�rg möglich ist, kann und muß auch in Preußen geschehen. Die Arbeiter haben schon längst die Hand dazu geboten. Die Beamten mußten sie bisher zurückweisen, weil Herr v. Berlepsch als Minister Furcht hatte, daß durch einen amtlichen Verkehr der Gewerbe-Jnspektion niit Arbeiter- Ver- trctern die socialdemok ratische Bewegung gefördert werde. Inzwischen sollten sich jedoch die preußischen Regierungsherren überzeugt haben, daß auch trotz jenes ministeriellen Erlasses die Socialdemokratie nicht zu Grunde geht. Der Erlaß hat daher keine andere Wirkung als daß er es der Gewerbe-Anfsicht aufs äußerste erschwert, ihre, für das Wohl und Wehe der Arbeiter so wichtige Auf- gäbe zu erfüllen. Wie lange wird es noch dauern, bis dieser für die Regierung nutzlose, für die Arbeiter aber höchst nach- tciligc Erlaß beseitigt und es den Gewerbe-Aufsichtsbcamten ermöglicht wird, die Unterstützung der Arbeiter und ihrer Organisationen in Anspruch zu nehmen? Nolikiftszo Mobevfiltzk» Berlin, den b. Dezember. Der Reichstag hatte heut seine kürzeste Sitzung seit Wiederaufnahme der gesetzgeberischen Arbeiten. Ohne Debatte wurde das Zünd- schnar-Gesetz in dritter Lesung angenommen, alsdann wurden die Anträge Hehls(die aus der Gewerbe-Novelle gestrichenen Bestimmungen über die Krankenversicherung der H a u s i n d u st r i e l l e n) in erster und zweiter Lesung an- genommen. Zu der dritten Lesung der Gewerbe- Novelle hatte sich— nach alter Praxis— eine „freie" Kommission der Majoritätspartcien gebildet, welche noch einige Verschlimmbesserungen zusammen- gebraut hatte, die auch samt � und sonders angenommen wurden, während einige konservative Anträge, die noch größere Verschlechterungen bringen sollten, abgelehnt wurden. Binnen l'/s Stunden wurde die dritte Lesung er- lediat. Da jedoch ein Antrag Hehl über Mitgabe von Arbeit an Arbeiterinnen nicht zur Verhandlung kam, weil Richter mit Hinweis auf die geringe Zahl der anwesenden Abgeord- neten' Protest einlegte, konnte eine Schlußabstimniung über die Novelle nicht stattfinden. Nächste Sitzung morgen t Uhr: Vereinsgesetz(Ab- schaffung des famosen Verbindungsparagraphen) und Reichs- Berggesetz-—_ Inn, Flottengesetz. Die Regierung läßt zwar tagtäglich in ihren Blättern jeden Gegner der Flottenpläne in Grund und Boden verdonnern, aber offenbar weiß sie selbst noch nicht, welche Pläne sie demnächst an den Reichstag ausbreiten soll. Man will etwas, man will sehr viel, aber kann nicht sagen, was man will. Dies ist auch nicht verwunderlich, da bei der Geschwindigkeit, in der sich in den Köpfen der RegieningSmänner die Ansichten über das, was nötig ist, ab- lösen, cS wirklich nicht leicht sein mag, in irgend einem Zeitpunkt Expedikion: LW. 19, Veukh-Skrasze 3. eine bestimmte Auskunft über daS WaS und Wie der zu erwartenden Flottenherrlichkeit zu geben. Bisher ließen die Aeußerungen der Offiziösen vermuten, die neuen Flottenpläne würden sich iit ähnlicher Gestalt wie das letzte Flottengesetz vorstellen. Verdoppelung deS gesamten jetzigen FlottcnbestandeS binnen 17 Jahren war der Inhalt des ersten Artikels der„Nordd. Allg. Ztg." noch der Hamburger Kaiscrrede. Jetzt aber kündigt die„Nordd. Allg. Ztg." im Anschluß an die „Verl. Korr." etwas erheblich anderes au. Es soll danach die Verstärkung der Flotte gesetzlich fe st gelegt werden, aber eine Frist, bis zu deren Ablauf die Ver- stärkung durchzuführen sei, soll nicht festgelegt werden. Das würde also bedeuten, der Reichstag soll anerkennen, daß eine Verdoppelung der Linien schiffe, AnSlandSlreuzer ec. notwendig ist, aber das Tempo der SchiffSbautcn würde noch der besonderen Beratung und Entschließung vorbehalten bleiben. Offenbar hat die Regierung erkannt, daß sich für eine weitere Aufhebung deS EtatSrechts dcS NcichSrageL auf 17 Jahre unmöglich eine ReichstagSmchrhcit finden wird. Sie streckt darum die Fühler aus, ob sie ihren Willen in anderer Art durchsetzen kann. Für daS Wesen der Sache ist natürlich der Unt-»r- schied gering, ob neben der gesetzlichen Festlegung dcS Baues eines neuen Doppelgeschwaders die 17jährige Frist sofort mit festgelegt wird. Diese Form ist noch gefährlich«« als die andere. Denn, wenn auch der Reichstag dann das forniello Recht behält, das Tempo der SchiffZbauten zu verlangsamen, so bleibt auch der Regierung ausdrücklich das Recht zugestanden, später eine Beschleunigung des Schiffsbaues zu fordern, so daß nicht einmal die 17jähri.qe Frist bis zur Durchführung aller jetzigen Fordennigen innegehalten wird und schon zeitiger sich die Möglichkeit noch ivcitergehender Pläne ergiebt. Und cS ist nicht zweifelhaft, daß die Regicrimg, wenn einmal der Reichstag durch gesetzliche Festlegung dcS Doppelgeschwaders samt den übrigen jetzige» Forderungen die Notwendigkeit einer derartigen Flottenverstärkung an- erkennen würde, leichtes Spiel hätte, um eine möglichst beschleunigte Durchführung derselben vom Reichstag zu erpressen.— Stilistische Flottenngitatoren. Für die Flottenvorlage wirkt nun auch, wenn auch ohne ausdrückliche Bezugnahme, die im amtlichen Statistischen Bnrcaii bearbeitete Korrespondenz. Im Gegensatz zu den mit malthusianistischen Thorhciten wirtschaftenden Marine- Professoren weist sie allerdings nicht auf die Austvanderung als ein Symptom der„Uebervölkerung" hin, sondern sie stellt im Gegensatz fest, daß trotz stark wachsender BevölkeruitgS- zunähme in Preußen die Auswanderung so sehr gesunken ist« daß sie im Verhältnis zum Gedurteiiübcrschuß gar uicht mehr in Betracht komnit. Es betrug: die natürliche der Verlust.. im Jahr,»°�°. 1891. 448 863 88 426 862 437 1892 391 891 83124 308 767 1893 409 834 61 030 848 804 1894 463 829 28 560 434769 1893 478 858 28 603 454 756 1896 518 650 21 976 496 674 1897 510 902 15 389 495 453 1898 554 342 18 810 540 582 Die„Uebervölkerung hat also stets zugenommen und dabei ist die Auswanderung stets zurückgegangen. Die „Statistische Korrespondenz" verwendet nun in anderer Weise diese Zahlen für die Flottcnpläne: „Es bedarf keiner weiteren AnSführimg. daß dieses rasche An- wachsen der Bevölkerung nur dann einen MachtzitwachS bedeutet, ivenn es gelingt, die steigende Volkszahl zu erhalten, und daß dies nur möglich ist. wen» der heimischen Jttditstrie nene Absatzgebiete im Auslände oder in eigenen Kolonien erschlossen werden können. Wo dies angeht, wird daneben ein Teil der Volksznnahine auch zur Besicdclung deutscher Kolonien Verivendung finden imd damit zur Besestigmig der deutschen Herrschaft in diesen wesentlich bei- tragen können. Die starke natürliche BevölkcrltngSvcrmchrung ist ein Zeichen der noch ungebrochenen Volkskrast. Sie ist haitpt- sächlich veranlaßt durch das Tilike» der Sterbeziffer unter gleichzeitigem, wenn auch geringem Steigen der GcbnrtSziffer seit 1892." In den Zahlen spiegelt sich sehr klar und überzeugend der wirtschaftliche Aufschwung der letzten Jahre. Die Be- völkerung wächst namentlich infolge der Verminderung der Todesfälle, die durch eine bessere Lebenshaltung herbeigeführt wird. Aus demselben Grunde sinkt auch die Auswanderer- zahl— ein Beweis, daß daß, was den Gedankenlosen als Uebervölkerung erscheint, in Wirklichkeit die Unvernunft der socialen Verhältnisse ist, die ihrerseits nicht durch die Bevölkerungsdichtigkeit veranlaßt sind, sondern durch die ökoitomische Struktur. Trotzdem verfällt die„Korrespondenz" wieder auf den sinnlosen Gedanken, es müsse Abfluß für die Bevölkerung in Kolonien gesucht werden. Da spukt wieder der alte Ueber- völkerungLwahn. Wenn andererseits eine Erweiterung des äußeren Marktes gefordert wird, so braucht man an sich diesem Verlangen nicht zu widerstreben, wenn auch die Konsumfähigkeit des inneren Marktes durch sociale Hebung der Massen in erster Linie erhöht werden sollte. Aber diese Beförderung des Exports wird weder durch Kolonien noch durch Panzerschiffe bewirkt, sondern durch günstige Handelsverträge, sowie durch die Güte und Preiswürdigkeit der Waren. Jeden- falls lassen sich durch die Notwendigkeit der Eröffnung neuerAbsatz- gebiete die Marinepläne nicht begründen, zunialunserHauptabsatz nach Ländern, wie England und den Vereinigtenh Staaten, geht, wo wir schwerlich unseren Waren durch Panzer- schisse de» Eingang erzwingen könne». Daß Deutschland nicht zu viel Menschen hat und daß die Auswanderung kein Anzeichen einer drohenden Ueber- völkerung ist, dafür liegt auch ein strikter Beweis in der Er- scheinnng der Abwand e d u n g vom Osten in den Westen des Reichs, die viel stärker ist als die Auslvanderung. lieber die Bewegungen des Arbeiterangebotes in der Landwirtschaft im Jahre 1898 niacht die- P o s e n s ch e Landwirtschafts- kommer für ihren Berichtsbezirk Angaben. Es betrug der Abgang einheimischer Arbeiter insgesamt 42 334, und zwar a) durch Sachsengängerei liehnfs Beschäftgung in Landwirtschaft Industrie Bergwerk überkianpt fllgbz. Bosen 31 220 2407 485 34 172 Bromberg 0 941 598 16 7 555 Provinz Posen 33 161 3005 501 41 727� b) durch Auswanderung behufs Beschäftigung in Landwirtschaft Industrie Bergwerk überhaupt Ngbz. Posen 362 41'5 408 Brombcrg 177 22— 199 Provinz Posen 539 63 5«OV Es sind aus dem einen Bezirk 41 727 Personen ab- und nur 697 Personen ausgewandert. Räch malthnsiauistischer Logik müßte man auch aus der Abwanderung auf eine ll e b e rv ö l k e ru n g des Ostens schließen, auf einen Kraft- Überschuß, der irgendwo einen Abfluß braucht. Jedermann iveiß aber, daß im Osten im Gegenteil die Entvölkerung eine Gefahr bildet, daß die Klagen über die Leutenot zu den agrarischen Beschiverden gehören, die keine Lügen sind. Die Abwanderung wie die Auswanderung erklärt sich lediglich aus den Differenzen der socialen und politischen Verhältnisse. Das Elend treibt die Massen aus dem Osten, nicht allzu große Menschenzahl. Die Erscheinungen der Bevölkerungsbewegung lassen sich demzufolge in keiner Weise für eine utopistische Weltmachts-, Export-, Marine- und Kolonialpolitik verwerten, sondern aus- schließlich zunächst für die Notwendigkeit socialer Reformen und in weiterer Konsegnenz gegen den Kapitalismus für den Socialismus.— « �« Deutsches Zieich. Hohenlohes Versprechen. Wenn der„Lokal-Anzeiger" richtig unterrichtet ist, beabsichtigt Fürst Hohenlohe nnu in der That, sein zu trauriger Berühmtheit gelangtes Versprechen zu halten. DaS preußische StaatSministernmi habe auf Grund des Jinmcdintvortragcs des Fürsten Hohenlohe beim Kaiser beschlossen, dem dem Bundesrat noch vorliegenden An- trag deS Reichstags ans Aufhebung des VcrbindnngSvcrbotS für Vereine bedingungslos znznstinnnen. Der Bundesrat wird sich vor- miSsichtlich noch am Dienstag in diesem Sinne schlüssig machen, so daß die für Mittwoch im Reichstage angesetzte erneute Beratung dieses Antrages gegenstandslos wird. In parlamentarischen Kreisen erwarte man, daß der Reichskanzler vor Beginn der Beratung des Antrages Basscrmann den Beschluß des Bundesrats mitteilen werde. Danach scheint es, als ob wirklich einmal bei uns das Selbst- verständliche Wirklichkeit werden soll. Man bringt der Flotten- vorläge daL„Opfer", ein feierlich gegebenes Versprechen zuhalten!— Die Einberufung des preußischen Landtages soll zum 9. Januar erfolgen,— Staatssekretär v. Tirpitz, der Vcraiitwortlichc der Wcli- flottenpläne, ist vom Konkcr-Adniiral zum Vicc-Admiral befördert worden. Ein SiegeSlohn vor der Schlacht!— Schweiuburg i» Röteu. Herr Victor Schweinbnrg will zwar ans sein Ehrenamt verzichten, aber seine Unehre nämtcr möchte er doch beibehalten. Er verteidigt sich darin heute mit weinerlicher Scntiincnlaliiät gegen die ans ihn cinhagclndcn Angriffe. Ja, er geht sogar soweit, das erste Mal in seinem Leben. dem„Vorwärts" recht zu geben. Er bestätigt nnsere Annahme, daß cS sich in dem Drohnrtikel des„Kleinen Journals" um eine hofkonservative Jutrigne gegen ihn und Migncl handle. Zum Beweise seiner Makcllösigkeit führt er sogar seine vstrcichi- scheu Orden an, die Fcldzngsmcdaillc von 1806, den Franz Joseph- Orden und den Orden der Eisernen Krone. Und dann schildert er das Verfahren der Ränkeschmiede: „Vorerst stempelt man den Finanzministcr zum Ehcfredactcnr der ,,V. P. N." und zum Inspirators der„Verl. Neuesten Nachr.", nni ihn stir die Artikel beider Journale verantwortlich z» machen, und sodann dichtet man demjenigen, der als MittelSpersou für den Verkehr mit beiden Blättern ausgegeben ivird, alle möglichen Schlechtigkeiten an, um die Waffe, welche man gegen den Finanz- »ninister geschmiedet zn haben glaubt, noch zu vergiften." W i r Haben immer die Meinung vertreten, daß Herr Schwein- bnrg stets der Sache wstrdig gcivcscn ist, die er durch sein Geschäftsgcschick gefördert hat, und daß darum kein Anlaß vorliegt, ihn ans seiner jetzigen Stelle des Uebcrscc- Apostels zu ver- drängen.— DaS Eentrum»uid die Flottcnvorlage. Die„Gennania" stimmt un-Z bei, daß die Regierung, nach der Art, wie sie die nciren Flottenpläne behandelt hat, lein Vertrauen beanspruchen darf. Zu- gleich stellt das CcnirumSorgan die Grenze fest, bis zu der ein Eni- gegcnkomnien möglich wäre: „Es würde dein gesetzgeberischen Begriff einer„Novelle" entsprechen, wenn sich der zu erwartende Gcsctzcnuvnrf daraus gcschränkeu sollte, unter Festhaltiuig an dem durch das Flotten- besetz festgelegten Flottenbaupla» lediglich einer Erhöhimg der Vaukostcn Rechnung zu tragen. Darüber würde sich ja im Reichstage allenfalls eine Verständigung erzielen lassen. Allerdings würde dabei eine genaue r e ch n c r i s ch e N a cb w c i s u n g nicht zu Hingehen sein,' ivie viel von den Mehrkosten aus die Er- höhung der Löhne, wie viel ans die Preissteigerung für Roh- Materialien und ivie viel außerdem»och etwa aus einen— Mehrgewinn der Unter nehm er entfallt." Es ist selbstverständlich, daß diese Bewilligung der Mehrkosten nur eine Folge der früheren Bewilligungen iväre. Die Regierung will aber eine neue Vorlage, iicne Schiffe, neue Milliarden. Spricht die„Germania" im Namen der Centrnmsfraktion. so bedeutet diese „Limitierimg" des Entgegenkommens eine runde Absage an jeden neuen Flottcnplan, mag er diese oder jene Form haben. Achnlich klingt es auch aus der„Kölnischen Volkstg.", die sich mit dem Gedcknkcn einer Auflösung des Reichstags an- srcnndet: Soll der Reichstag aufgelöst werden, so sagen wir kühl„Wie's beliebt.".. Einmal muß es doch zum„Krach" kommen. Wir glauben, daß es gar nicht schaden kann, wenn die jetzige schwüle politische Atmosphäre einmal durch ein tüchtiges Gewitter geklärt wird, wir hoffen dann mit Sicherheit ans „reine Luft". Die Regierung wird nach einer gründlichen �.Niederlage weit umgänglicher werden, die Schädlichkeit \dc3 steten Ex p e r i in e n t i e r en S besser begreifen und jauch einsehen lernen, daß man nicht mit dem Kopfe die Wand e i u st o ß e n kann, Nun, Hochmut kommt bei dein Eentrum nicht selten vor dein U m s a l l!— Eine Mahnung an die Justiz richtet der Präsident des Reichs- gerichts v. Oehlsch läger, indem er in das„Goldene Buch des Deutschen Volkes an der Jahrhundertwende" den folgenden Spruch einschrieb: „Richten und Rechtthun sind stammverwandt, Gehn mit einander Hand in Hand. Wer nicht gefeit gegen unrecht' That, Kein Schicklichteit zum Richten hat." Zu dem Rechtthun gehört sicher nicht die Befolgung des Unrecht- grundsatzes: Wenn zwei dasselbe thnn, ist cS nicht dasselbe.— Keine Rümmer ohne Fälschung. Die P o st" scheint jetzt ein besonderes Ressort für Fälschungen eingerichtet zu haben, dessen besondere Aufgabe es ist, Aeußeningen des„Vorwärts" in ihr Gegenteil umzukehren. Heute finden wir z. B. folgende Ve- rn erkling: Bedrohungen mit Mord, welche Streikende gegen Arbeitswillige ausstießen, pries der„Vorwärts" als Bekundung des„Solidaritäts- Bewußtseins der Arbeiter" mit dem Wunsche.'„daß in nicht zu ferner Zeil die sittlichen Grundsätze der klassenbewußten Arbeiter- schast Gemeingut der ganzen Bevölkerung werden". Da der„Vorwärts" dergleichen Zeug nicht geschrieben haben kann, ist es unnötig, zu fragen, wo sich' daS Citat findet. Es ist im journalistischen'Generalstab der Scharfmacheret erfunden worden.— Dresden, 5. Dezember. wurde unser Genosse F. Kästner mit der höchsten Stimmcnzahl in den Gcmeindcrat ge- wählt. In Franken eck(Pfalz) hat die.socialdemokratische Kandidatenliste glänzend gesiegt. Die Wahlbeteiligung war eine außergewöhnlich rege. J» A a l e n lWürttcmbcrg) ivurde der Genosse Lutz init der zweithöckisteu Stimmcnzahl gewählt. In Z u f s e n- Hansen errangen unsere Genossen durch ein Kompromiß mit der Volkspartei einen Sitz im Gemcinderat. Je ein Parteigenosse wurde gleichfalls gewählt in S ch i I d e s ch e und in Gellershage n. Polizeiliches» Gerichtliches nsw. Wegen Beleidigung eines Bürgermeisters wurde der Genosse Schätzte in Karlsruhe zu 20 M. Geldstrafe verurteilt. GvweMschnftliiszes. Berlin nnd llmgegcud. Bei den Wahlen der Vertreter zur Generalvetsammlung der QrtS- Krankenkasse der Gastwirte nnd verwandter Ge- werbe siegte die Liste der vom Verband deutscher Gastwirts« gehilfen aufgestellten Kandidaten mit 16? gegen 65 Stimmen der Gegenkandidaten. Verloren gegangen ist die vom Eentralborftand der F o r m st e ch c r zu Gunsten der ausgesperrten Fonnsteeber heraus- gegebene Santmelliste Nr. 173. Man bittet, dieselbe gegebenenfalls anzuhalten nnd Unterzeichnetem einzusenden. C. Schubart, Voltastr. 18. NuSlaud. Die Llnösperrnug der Textilarbeiter in Jägern darf in SZöhincn erstreckt sich auf ISlX) Personen, ovo waren in Pen Streik getreten, so das; insgesamt 2 Arbeiter feiern. Acht Firmen mit etiva 1000 Arbeiten« haben sich der Uiitcrnehiner-Koalition nicht an- geschlossen; übrigens sind Verhandlungen in« Gange. Sociales. Zur deutschen kiriminalftatistik. Die Zahl der im Jahre 1808 in erster Instanz anhängig gemackitcn Anklagen bei den deutschen Strafgerichten bclicf sich»ach den soeben erscheinenden vorläufigen amtlichen Veröffentlichungen ans gOO S�t? Vergehen und 46 774 Verbrechen gegen 387 979 Vergehen und 44 053 Verbrechen im Jabre 1897. Die Zahl der erlassenen lirtcile betrug 600 698 bei den Schöffengerichten, 88 329 bei den Strafkammern und 5186 bei den Schwur- gcrichten, gegen 609 005, 84 347 und 5066 iin Jahre 1897. Die Zahl der ivcgen Majestätsbeleidiginigeir verurteilten Personen betrug 466 gegen 428 in« Jahre 1897, ist immer aber noch ivcscntlich niedriger wie in den Jahren 93 bis 96. Abgenommen hat anch die Zahl der Verurteilten wegen Aufforderung' zum Un- gehorsam sZZ 110, III), sie betrug 34 gegen 44 im Jahre 97 und 70 im Jahre 93; ebenso Gewalt und Drohung gegen Beamte(KZ 113, 114. 117�119), da nur 16083 Personen verurteilt wurden gegen 16 547 und 16 578 in den beiden: vorhergegangenen Jahren. Zu- genommen hat Hausfriedensbruch; es stehen 22 207 Verurteilte gegen 21 535 im Vorjahre. Ocffcniliche Geivaltthätigkeit-c. 124, 125, 127) zeigt nur 234 Verurteilte gegen«KZ im Vorjahre. Der K 130, Anreizung verschiedener VcvöltcrnngStlnsscn, wird ganz übcrfliissig. Das Jahr 1898 zeigt nur noch 7 Verurteilte gegen 14, 22, 20, 61 m den vorhergegangenen Jahren.''. In ununterbrochenem Steigen begriffen sind die Verurteilungen wegen Ziveikampfes. Sie zeigen 1893: 66; 1894: 83; 1895: 107; 1896: 110; 1897: 140; 1898: 154. Auch die gefährliche Zlörpervcr- letznng steigt fortgesetzt und zeigt 1898 90 822 Verurteilungen gegen 72 919 im Jahre 1893. Nötigung und Bedrohung srieg von 11 450 im Jahre 1897 auf 11 911 in 1898. Die Zahl der wegen Vergehens gegen 8 153 der Rcichs-Geiverbc-Ordnung Verurteilten betrug nur noch 203 gegen 254 im Vorjahre. Der französische GinignngskongreH. Paris, 3. Dezember. E r ö f f n u n g S s i tz u n g: N a ch m i t t a g. Der Kougrest tagt im städtischen Gebäude des Gymnase Japy lfür Turnübungen der Schüler bestimmt), welches dein Koiigrest vom Pariser Ecmcinderät unentgeltlich zur Verfügung gestellt«vurdc. Ter geräumige, mit weiten Galerien für das' Publikum versehene Saal ist mit mehreren roten Fahnen und Standarten geschmückt. Tic letzten Vorbereitungen sind bis zur angesetzten Stunde der Eroffnuiig noch nicht erledigt. Jeder Anfang ist eben schiver. Die Organisation dieses Kongresses ist vielleicht noch schwieriger als die der inlcrnationalcn Kongresse. Schon die MandatSprüfuiig raubt viel Zeit, da»ngcsähr 1000 Delegierte erschienen sind niit einer Gesamtzahl von ca. 2600 Mandaten(nach vorläufiger Schätzung). Der ganze lvcite Mittelranm des Saales ist dicht mit Delegierten besetzt. Diese vertreiben sich die Zeit mit dem Absingen von revolutionären Lieder». Ilm 4 Uhr erklärt D e l o r y im Namen des Vcrständigungs- komitccs. dast die Eröffnungssitzung erst um 8 Uhr abends beginnei« könne. Der Kongreß vertagt sich demgemäß auf 8 Uhr abends, #*. :«. Abcndsitznng. Ilm 9 Uhr wird die Sitzung eröffnet. In daS Bureau werden Vertreter jeder der fünf Organisationen gewählt. Ten Vorsitz führt D c l o r tz, Bürgermeister von Lille,'Mitglied der Arbeiter- Partei(Guesdiste). Zunächst wird die Z u I a s s u i« g d c S P n b l i k u m S beschlossen, und zwar nur der Mitglieder soeialistischcr und geivcrlschaftlichcr Organisationen. Delorh verliest die cingelanfcnen BegriißungSdepeschen: vom Generalsekretär der belgischen Arbeiterpartei, von den dänischen Gc- nosscn Jensen«md Knndsen, vom Centralkoniitec der bulgarische» focialdemokrntischcn Partei. Alle Depeschen begrüßen die cnlstchcndc Einigung der französifchcii Socialistcn. Auf Dckorys Vorschlag votiert der Kongreß per Aklantatio» seinen Tank für die Begrüßuitgs- dcpcschen. Dubrcnilh, Sekretär des VcrständignugSkomitccS, verliest die vom Komitee vorgeschlagene Geschäftsordnung. Zunächst wird die Tagcsorbnling erörtert. Joindy(Alle- uranist) verlangt, daß an die erste Reihe die Frage der Einigung werden solle. Z 6 v a e S im Namen der Gesamtheit der Delegierten der gncSdistischcn Arbeiterpartei� befürwortet die Beibehaltung der Reihenfolge der Tagesordnung, denn die Frage der organisatorischen � Einigung könne logisch nur die Krönung des Ganzen sein. Zuerst müsse über die grundsätzlichen Fragen entschieden ivcrdcn, damit man die grnndsätz- lichc Einigung erziele. Die erste Frage(Beteiligung an der öffrut- kichen Macht, die den Fall Millcrand einschließt) sei von großer Wichtigkeit. L a n d r i n(Blanqnist) stimmt der BcwciSfjihrung ZevaöS' zu und bekämpft die Meinung JoindhS, daß der Fall Millcrand eine untergeordnete Frage wäre. Wir sind auch für Einigung, aber nur mit de» wahren Socialiften. Redner verweist auf die internationale Umfrage der„Pclite Nepilblique", die den Fall Millcrand so cingehend und nieist im negative» Sinuc entschieden habe. Von der Entscheidung über die erste Frage hänge es ab, in welchem Maße die Organisation ver- einhcitlicht werden könnte. Revelnn(Unabhängiger der revolutionären Richtung), Mitglied des VelständigungskomitecS, spricht im gleichen Sinne und verweist darauf, daß das Komitee einstimmig die Reihenfolge der Tagesordnung befchloffeu babe. Ein Delegierter der O st- F ö d c r a r i o n(keiner der fünf Organi- fatioiie» angehörend) unterstützt Joindtzs Vorschlag. In' der Provinz verlange man vor allcip die Einigimg, alles andere sei minder wichtig. Wir im Osten sind ebenfalls Nevolutioiiärc, denken aber nicht, daß MillermidS Ministerschaft den Arbeiter» geschadet hätte.' Dalle lPofsibilist) erklärt, daß Joindy seinen Aiilrog zurückgezogen habe. Hieraus wird darüber abgestimmt, ob.die Vorschläge des Komitees vor den Ziisatzanträgcn zi« votieren seien. Dgs Resultat des Votums ist zweifelhaft. Eine zwcire Abstimmung vcrinitlclft der Nicderlegung der MaiidatSkarten in verschiedenen Urnen soll über die Sache selbst entscheiden. Es handelt sich um den Vorschlag des Koniitccs, zimächst die drei Fragen der Tagcsordming zi« diskntierc» und dann eine Kommission zu wählen. die, in drei Unterkommissioncn geteilt, die Beschlüsse auszuarbeiten hätte. GneSdiste» und Blanquisten stellen hingegen den Antrag, daß über jede einzelne Frage gesondert diskutiert und abgestimmt werde, sei eS niit oder ohne tonnnissarischc Beratung. Infolge der großen Kclcgierteiizahl entsteht viel Zeitverlust. ES dauert geraume Zeit, bis der Sinn der gestellten Formfrage und die Art der Abstimuumg klar gestellt ist. Schließlich findet«nan es be- qnenicr, nicht niit ivkaudatskartcn, sondern mit blauen und weißen Zetteln abzustimmen, wie im Parlament. Während der Zählimg der Stimmzettel werden die anderen Punkte der GcichäftsordnimgS-Vorschläge deS Komitees durch Hand- aufhebe» votiert, darunter die Abfaffung eines offiziellen Kongreß- Protokolls, imt der je zwei Vertreter der fünf Organisationen bc- traut werden sollen. Dieses Protokoll soll als das einzig authentische erklärt werden. Jiizivisckcn wird das Slesnltat der Urnenabstimmimg bekannt: der Gncsdistiich-Blanqnistische Vorschlag wird(nach vorläufiger Zählung) mit 830 gegen 461 Mandate angenommen. Eine Debatte entspinnt sich über die Art der Vertretung der Organisationen in den mit der Ausarbeitung der Beschlüsse betrauten Kouimiisioiicn. Gnesdisicn und Blanquisten verlangen die pro» portionelle Vertretung entsprechend der Zahl der Mandate. die anderen drei Organisationen, die zusammen«veniger Mandate habe» als die ersteren zwei, verlangen die gleiche Zahl' von KommissionS- Mitgliedern für jede Organisation. Die Debatte wird. zuweilen ziemlich stürmisch. Die Getverk- schastlcr betonen die qualitative Wichtigkeit der Mandate, während gewisse zahlreiche Mandate qualitativ Nicht viel wert seien. Das erregt fiünNischen Protest der Gnesdisten und Blanquisten. Die Debatte wird vertagt, denn es ist 12Vs Uhr geworden. Breton, blanqnisiisch'er Abgeordneter, schlägt vor, den socio- listischen Parteien oller Länder einen Gruß zu entbieten und den Wunsch des«iniversellen Friedens zu bekräftigen, angesichts der chau- vinistischen Aufhetzungcit der Bourgeoispresse. Die Resolution wird per Acclamation votiert. Genossin S o r g n e schlägt eine Resolution vor. ans Grund der Meldungen der Abendblätter über blutige Kavallerie-Attacken auf die Streikenden von Nantes die Regierung zu brandmarken.(Stürmischer Beifall der Guesdiste» und Blanquisten.) Jaurös warnt vor einem übereilten Beschluß, der zugleich die Frage Millcrand vorwegnehmen würde. Umso mehr, als man zur Stunde noch keine authentischen Mit- teilungen über die Vorgänge in Nantes besitze. Portais, Gemeindcrat von Nantes, glaubt, die Preßmeldmig sei eine Erfindnng der natio- nalisiischen Zeitung„Patrie". Brunellivres, cb'cnsalls aus Nantes, erklärt, er sei seit vier Tagen in Paris für die streikenden Tabakarbeiter von Nantes thätig. wobei Millcrand die Forderung der Streikenden(Entlassung eines brutalen Direktors) durchgesetzt hätte. Die Resolution Sorgue wird ans morgen vertagt. Schluß der Sitzimg 1 Uhr. Nächste Sitzung Montag 2 Uhr. *« * Paris, 4. Dezember. Zweite Sitzung(M o n t a g n a ch in i t t a g). Die Sitzung wird um 21'3 Uhr eröffnet. Zum TageSprästdeiiten wird Abg. S e m bat, Vertreter der socialistifch-rcvolutionären Partei(Blanquisten), gewählt. Die übrigen Mitglieder des Bureaus werden neu bestätigt und drei Vertreter der'Gewerkschaften, der Gcnosscnschaftc» und der dcpartcmcntalcu Föderationen hinzu- gewählt. lieber die Frage der Z u I a s s u n g d e r P r e s s e entsteht eine kurze Debatte. Em Delegierter der Arbeiterpartei(GucSdistc») spricht gegen die Zulassung, Lenormand im Namen der Mehrheit deS VcrstäiidigungSkomitceZ dafür. Die Zulassiing der Presse wird mit erheblicher Mehrheit beschlossen.(Großer Beifall.) Hierauf werden die osfizicllcn Rcdactcurc des KongrcßprotokollS, zwei für jede Organisation, gewählt. R e v e I i n schlägt vor im Namen der Gesamtheit der Ver- ständigimgskommii'stoi«. außer dem gedrängten Protokoll der gc- wählten Redacteure ein stenographisches Protokoll hcraiiSzugebcn, dcffcii Verlag von der socialisiischcn Buchhandlung Dellai§(Verlag der Revue„Monvcineiii Socialiste") übcruvnnncn wird. Ter Vor- schlag wird cinstimmig votiert. Die gestern abgebrochene Debatte über die Ziisammeiisetziing derRcsolntionskommi'ssionm wird wieder ausgenommen. F a b e r o'l iAllemanist) empfiehlt warm die gleiche Vertretung aller Organi- sationcii, im gleichen Sinne spricht ein weiterer Delegierter. Der dritte Reduci' D c ve r n a.y, von der gueSdistischen Föderation des NorddepnrteniffntS. verlangt die p r v p b r t i o n a I e Vertretung im Verhältnis zur Zahl der Mandate. Er vcnvcift gegenüber den An- spielungen der Vorredner, daß es im Norden leine fiktive» Mandate gebe. Diese Föderation allein verirrte 100000 socialistischc Stimincn.(Großer Beifall bei den Gnesdisten.) Walter(Blanquist) spricht im gleichen Sinne. Es sei nniiiöglich, den Gcnosscnichaftcn, die niit- unter nur einige Mitglieder vertraten, die gleiche Vcrtretcrzahl in der Koimnissivii zu bewilligen. ConstaiiS(guesdistische Föderation MitlelsraiikreichS) unterstützt die Beiveisfübrnng Walters. Joindy verteidigt-den Borschlag der Mehrheit des VerständiguiigS-KoiiiiteeS zu Guiistcii der gleichen Vertretung und der Wahl der Könimissioii durch den ganzen Kongreß, wobei auch die Minderheit der künftigen Kommission einen Berichterstatter haben soll. Genug der DiS- knssioncii über de» Werr der verschiedenen Mandate. nachdem das Äomiice im Geiste der Versöhnung die MaiidatSprüfmig erledigt habe. I a u r e S macht einen vermittelnden Vorschlag nach Art der Vertretung auf dem Kongreß selbst, ein Minimum von drei KommissioiiSmitglicdcrn pro Organisation mid überschüssige Mit- glicdcr im Verhältnis zur Wahlstimmenzahl der einzelnen Organi- sationcn. ES liegen noch eine Anzahl weiterer Anträge vor. Gröussicr( kommmiist. Alliance, die mit den Blanquisten zusammengeht) verlangt eine besondere Vertretung für seine Organisation. Das Votum über die Priorität deS Antrages Walter auf proportionale Vertretung wird für zwcifclhnst erklärt. Ein zweites Vorum hierüber crgicbt die Aiiiiahme der Priorität.(Andauernder Beifall.) Der Vorsitzende beantragt, gemäß einem gestrigen allgemeinen Beschluß, das Volum über den Antrag selbst auf die Abcndsitznng zu verschieben.(Angenommen.) Der Vörsttzcnde verliest hierauf das VegrüßiiilgSschreibeii der Parieilcitung der uiigarländischen Socialdcniolratic.(Beifall und Rufe: Hoch die Jntcrnatioiialc!) Man tritt nun in die Tagesordnung ein. l. Der Klassenkampf und die Eroberung der politischen Macht. JanreS erhält zunächst daS Wort: Die Frage sei imifmigreich und erwecke die Lcideiischastcn. Die Zeit sei für die Redner zu kurz bemcsscii(20 Minuten). Er bittet daher um ruhige Anhörimg und beginnt mit der Vcrlestmg folgender von ihm vvrgeschlagcnci« Nesolution, die die Notwendigkeit der Erlangung aller Wahlämter ausspricht und die Beteiligung eines SociKlistcn an einer BourgeoiSrcgiernng nur in ausnahiiisweisen Sitnationeu für zulässig erklärt, nutcr der Bedingung jedoch, daß die Partei zuvor darüber entscheidet und der socia'liftische Minister vor dem Parteitag Rechenschaft ablegt. Unter der gespannten Anfmcrlsamkeit des Kongresses entwickelt JauräS die Gedanken seiner Resolution. Er citicrt anS der iieiilichcn Broschüre LasargucS einen Satz, der die Ministerschaft Millerands als ein wirksames Propagandamittcl für die Partei bezeichnet. Weiter verweist er ans den Beschluß des gucsdiiiischcii Kongresses zu Eperuay, wo die Ministerfragc ja reserviert wurde. Er verlange mm dasselbe für den Eiiiignngskvngrcß. Auch die socialisiischcn Biirgcrmcistcr hätten mitunter schwere Verantivortlichkeitcn zu übernehmen. insofern sie Polizcichcfs sind. Wie das„eherne Lohngesctz" fallen gelassen wurde, so würde auch das eherne„Ministcrgcsetz" fallen,' ohne dem revolutionären Charakter der Partei Atzbruch zu thnn. Man wisse nicht, wann die kapitalistische Gesellschaft zu- lanimcnstürzcn werde. Praktische Reformthätigkcit sei notwendig. Das Interesse des SocialiSmnS fei, diese Reformen in die eigene Hand zu nehmen. Ein socialistiicher Minister, der Reformen durch- setze, setze ihnen damit ein socialistischcs Gepräge ans. Sollen denn die Socialiften aus Doktrinarismus die Durchführung von Reformen den BourgeoiSparteicn überlasten? Reform und Revolution seien innig verknüpft. Früher habe man auch die Gewerkschaften und Genoffcnschastcn als bourgeoise Aktionen herabgesetzt. Die Entwickelung habe diesen doktrinären Standpuiiit über- wunden.... Gelange der Socialismus zur Einiguiig. dann werde der Minister sein Delegierter sein und die Partei werde in Krisenzeiten der Bourgeoisie ihre Bediugimgen für den Eintritt eines Socialiften ins Ministerium diktieren können. Redner schließt mit einem Appell an die Einigimg.(Beifall der ileiiicren Hälfte des Kongresses). Ebers(Blanquist) bekämpft Janres' Resolution. Keine Kompromisse mit den Feinden des Proletariats I Die radikale Partei habe auf dem Wege der Kompromisse— unter dem Vor- wand von Reformen— sich diskreditiert. Hüten wir uns vor parlamentarischem und ministeriellem Schacher! Treten wir nicht in die Fuhstapfeii der Radikalen, die alle ihre Reformen um fette Pfründen oerschachert hätten.(Beifall.) Die ministerielle Vcrantwort- lilükcit ist für einen Socialiste» schwer, aber nicht in dem Sinne, wie JaursS gemeint habe, sondern deshalb, weil ein Socialist nicht regieren dürfe, während es so viel proletarische Hnngerleider gebe, so vielOpfcr der kapitalistischen Ansbentimg, der militärischen Disciplin, so viel von der Polizei mißhandelte Streikende.„Wir können mir als revolutionäre Regierung an die Macht gelangen, ich erinnere an die Kommune!"(Stürmischer Beifall. Rufe:„Hoch die Komnimie!") Champy(Allemanist), ehemaliger Komniimard, ruft gleichfalls „Hoch die Konimime!". das hindere ihm aber nicht. Janre» Resolution zuzustimmen. Die Republil müsse stets hochgehalten werden, sie sei Vorbedingung der socialen Republik. Redner verbreitet sich in endlosen Sätzen über die Konimune und die Entstehung der dritten Republik. Mau hört ihn schließlich nicht mehr wegen der fortwährenden Gespräche der Delegierten. Schluß der NachmittagS-Sitzung 6 Uhr. Gevickzk-s �Jeikung. DaS letzte Nachspiel zum Löbtaucr Urteil. Erfurt, 5. Dezember. Vor der Strafkammer des hiesige» Landgerichts hatte sich heute der Genosse Rudolph, früherer ver- antwörtlichcr Ncdactcur der„Tribüne", wegen Beleidigung des Dresdener Ober- Landesgerichts zu verantworten. Bekanntlich schrieb seiner Zeit der„Vorwärts" nach der Bekanntgabe des ZuchthauSiirtcils unter anderem:„Und wohlbekannt ist die Spmchpraxis deS höchsten sächsischen Gc- richtshofeS, der oft ohne Umschweife die. Angehörigen der Arbeiter- Partei als minderen Rechts erklärt hat, denn andere Staatsbürger." Genosse Jacobcy vom„Vorwärts" wurde von der Anklage der Vclcidignng freigesprochen, da die IV. Straskammcr deS Lcindsgerichts I zu Berlin auf Grund der von Jacobcy beigebrachten Entscheidungen des Dresdener Gerichts den Beweis für erbracht hielt. daß die Anhänger der Arbeiter- Partei durch die angezogene SprnchpraxiS in der That rechtlich ungünstiger gestellt worden seicu, als die Anhänger anderer Parteien. Der Artikel des„Vorwärts" mit dem inkriminierten Satze war auch von der„Tribüne" abgeknickt worden, was zur Folge hatte, daß Rudolph' eine Anklage zugestellt erhielt. Verschiedene Male war bereits Termin i» dieser Angelegenheit angesetzt worden, jedoch stets vertagt, weil man noch nicht in den Besitz der Dresdener Urteile war. Zuletzt glaubte man, es würde in diesen« Prozeß die Verjährung eilitre'ieii und das Gericht garnicht in die Lage konimeii, sich mit dieser delikaten Angelegenheit beschäftigen zu müssen. Aber die Hoffnung war eine trügerische; das Erfurter Landgericht fetzte noch in letzter Stunde den Termin an und blieb so seinen traditionellen Gepflogenheiten uns gegenüber getreu. Nach Vorlesung des inkriminierten Artikels bestritt Genosse Rudolph, die Absicht der Beleidigimg gehabt zu haben. Die Frage eines Beisitzers, ob der Angeklagte„Arbeiterpartei" und „ S o c i a l d e m o krati e"' als gleichbedeutend betrachte, bc- antwortet Rudolph in bejahendem Sinne. Weiter bemerkt der Bei- sitzende Richter, daß daS Obcr-Landcsgcricht nur als Berufungsinstanz in Frage komme und selbst Urteile nicht fälle. Der Verteidiger, Rechtsanwalt Zaiider-Erfurt stellt den Antrag, die sechs Urteile des sächsischen Obcr-LandcSgcrichts zur Verlesung zu bringen. Seitens der Staatsanwaltschaft wird dem Antrage wider- sprachen. Der Gerichtshof beschließt die Vcrlestmg. Es werden iiuimichr dieselben Altcustücke zur Verlesung gebracht, deren Inhalt das Verlincr Landgericht zu einem Freisprechung JacobchS führte. Ter SlaatSm'uvalt führte in seinem Plaidoycr anS, daß der „geschmackvolle" Artikel der„Tribüne" unbedingt eine Beleidigung der sächsischen Justiz enthalte. Namentlich did Steigerung des Tons im zwei teil Teil der Artikel sei bezeichnend für die Absicht deS Angeklagten, in dem direkt von„zweierlei Maß",„Tücke" usw. die Rede sei. Acußerungcn also, die den sächsische» Richter in Harnisch bringen und ihn in den Augen deS Publikums herabsetzen müssen. Er beantrage, den An- geklagten zu zwei Monaten Gefängnis zu vcrnrteileii, nmsomehr, als derselbe schon wegen Preßbeleidigniigen vorbestraft sei und Prcßbelcidigungcii fallen ganz besonders schwer ins Gelvicht. Der Verteidiger bemerkt, daß der Sinn des iilkrimimertcn Artikels nicht richtig seitens der Aiiklagcbcbörde wiedergegeben sei. Keines- wcgS enthalte der Artikel einen gesteigerte» To» bezüglich der Kritik der sächsischen Justiz. Ein Vorwurf der willkürlichen Rechts- benguug sei nicht erhoben worden, nur werde gesagt, daß man diese oder jene Straftbat unter dem partcigcnössischcii GesichtSivinkel anders bewerte. Der Verteidiger bespricht die vorgelesenen Urteile mid legt dar, daß sich aus diesen heraus der eingangs angeführte Satz beweisen lasse. Auch müsse dem Angeklagten der§ 193 zugebilligt werden. Er ersuche um Freisprechung. DaS Urteil des Gerichts lautete auf zwei Monate Eef ä n g n i S und die üb- lichcu Ncbenstrafcii, die UrtcilSbegrnndmig bewegt sich fast im selben Rahmen wie die des BrcSlauer Gerichts. Ans den vorgelesenen Urteilen des sächsischen Ober-LaudeSgerichteS lasse sich kciucsivcgs eine derartige Schlilßfolgening ziehen, wie sie der Verteidiger gezogen habe. Gegen das Gesetz betreffend den Verkehr der VcrsicheriingS- anstaltcu vom 17. Mai 1353 sollten sich die Herren Kitzler und Wirth vergangen haben. Der Central- Kranken- und Sterbe- lasse der Tischler untersteht eine F r a u c n- S t e r b e k a s s e für Mitglieder der genauntcn HilfSkasse. Die Frauen» Sterbekasse wird in Hamburg von ciucin besonderen Vorstände verwaltet, dessen Wahl jedoch in der General- Versammlung der Tischler- Central- Krankenkasse erfolgt. In Breslau, wo die Frauen- Sterbekasse eine größere Anzahl Mitglieder hat, werden von diesen die Beiträge durch die Angeklagten eingezogen, die sie dann an den Vorstand abführen. Sic erhalten dafür eine bestimmte Provision. Die Staatsamvaltschaft warf ihnen cinen Verstoß gegen den tz 7 des Gesetzes vom 17. Mai 1853 vor. Danach ist zu bestrafe», wer für nicht konzessionierte Unter« nehnicr von Tersichcruiigsanstaltcil, oder für konzessionierte Unternehmer solcher Anstalten, aber ohne eigene Kon- zession selbst oder durch andere, gewcrbSwcise oder doch gegen irgend eine» Vorteil V e r s i ch e r n n g s- g e s ch ä f t e a b s ch I i e ß t o d e r v e r m i t t e I t. Die Angeklagten hotten selber keine Konzession und die Staatsanwaltschaft bestritt, daß die Fraucn-Stcrbekasse konzessioniert sei. Die Angeklagten wurden in zweiter Instanz freigesprochen. Das Gericht führte aus, das Gesetz von 1853 und besonders sein tz 7 könne auf K. und W. schon deshalb nicht angewendet werden, weil sie für die erhaltenen Pro- Visionen nur Beiträge eingezogen hätten. Das Einziehen von Beiträgen für eine L c r s i ch c r u n g S a n st a l t könne weder als eine Vermitteln«ig. noch als ein Abschluß von V e r s i ch e r u Ii g's- Geschäften gelten. Die StaatSamvaltschasl legte noch Revision ein und machte geltend, das Landgericht habe den. tz 7 rechtsirrtümlich nicht angewendet. Der Vertreter der Angeklagten betonte, daß die Frauen« Sterbckasse als eine konzessionierte VersichcrungSaiistalt anzusehen sei, weil sie mir einen Teil der genehmigten Tischler-HilfSkassc bilde. Der Strafsenat des KmnmergcrichtS verwarf die Revision der Staatsamvaltschaft, indem er der Anffassmig bcs Landgerichts bei- pflichtete.� Zutveit gehende polizeiliche Fürsorge. Der Landrat deS Kreises S t r i e g a u erließ am 4. April 1898 eine„Polizeivcrordimng. über den Mißbrauch geistiger Getränke", in der verboten war das Einbringen von geistigen Getränken in Steinbrüche, Stein- bruch-Werkstättcn und die im Umkreise von 1 Kilometer bei Stein- brüchen belegenen Gebäude. Nur einfaches vier sollte ausgenommen sein. Der Kutscher Viebig sollte wegen Vergehens gegen' die Ver- ordiimig eine Geldstrafe zahlen, weil er in einem Steinbruche bei Stricgau drei Kasten Lagerbier abgeladen hatte. Er wurde in sämtlichen Instanzen f'reig espro cken. Das Kammer» qericht erklärte, daß eine Polizcivcrordiimig reibts ungültig sei, die das absolute Verbot des EinllringenS geistiger Getiänle in Steinbrüche je. ausspreche. Mit demselben Recht lömite den Ar-, bcitern ganz allgemein verboten werden, Messe; bei sich zu führen, weil sie damit einmal Mißbrauch treiben könnten. Dem übermäßigen Genuß geistiger Getränke könne die Polizei allerdings durch Ver- ordnungen entgegentreten, die Verordnung vom 4. April l898 gehe darüber aber weit hinaus. Sie lasse sich nicht durch die fj§ 6e, 6f iiub 6i des Polizei-Verwaltungsgesctzes rechtfertigen. Alls dem dunkelste» Prenstc». Eine für die Feuerbestattung bedeutsame Entscheidung hat das Landgericht zn Hagen in Westfalen soeben getroffen. Der Fabrikant Fritz Hucke, der im Februar d. I. zu Hagen verstorben ist, hatte vor seinem Tode bestimmt, daß seine Leiche in Gotha verbrannt werden sollte, da er Mit- glied des Fenerbestattungs-Vereins war. Die Witwe kam dieser Bestinimnng nach und wollte die Asche in einer Urne in dem auf dem Friedhof der evangelischen Gemeinde belegenen Erbbegräbnis der Familie Hucke beisetzen lassen. Hierzu versagte jedoch der Vorstand der dortigen Kirchengemeinde die Er- lanbnis. da in Preußen die Feuerbestattung noch nicht zulässig ist. Die Asche mußte deshalb vorläufig auf dem von dem dortigen Feucrbestattungsverein erworbenen Platze beigesetzt werden. Die Witwe Hucke beauftragte nunmehr den genannten Verein, gegen die Gemeinde auf Zulassung der Beisetzung auf dem Kirchhof zu klagen. Das Landgericht zu Hagen hat auf diese Klage entschieden, daß die Gemeinde die Beisetzung der Asche auf dein Kirchhofe nicht verwehren dürfe. ES bleibt abzuwarten, ob die Gemeinde gegen dieses Urteil die Revision beim Reichsgericht einlegen wird, da dies sonst von principieller Bedeutung wird. Wegen gelvcrbS- und getvohnhcitsmäßigcr Kuppelei hatte sich gestern der Hauseigentümer Oskar Wassersleben vor der neunten Strafkammer deS Landgerichts I zu verantworten. Die Verhand- luiig. welche unter Ausschluß der Ocffentlichkcit stattfand, endete mit der Verurteilung des Angeklagten zu acht Tagen Gefängnis. Wie der Vorsitzende bei der Urteilsbegründung ausführte, erblickte der Gerichtshof den erforderlichen Eigennutz darin, daß der Angeklagte Sittenmädchen in seinem Hause wohnen ließ, um selbst unentgeltlich seine Leidenschaften befriedigen zu können, wie das in mehreren Fällen vorgekommen war. und ferner darin, daß sich in seinem Hause schlechte Wohnungen befanden, die er, da er sie sonst möglicher- weise nicht hätte vermieten köunen, an Sittcnmädchcn, deren Treiben ihm bekannt lvar, vermietete, nur um die Wohnungen loszuwerden und keinen zu großen Schaden zu erleiden. Der Gerichtshof war davon überzeugt, daß sich die betreffenden Mädchen dem Angeklagten nur mit Rücksicht auf seine Eigenschaft als Hauseigentümer, um wohnen bleiben zu können, unentgeltlich hergegeben hatten. Prozeß Buchwald- Hahn. Die erneute Verhandlung dieses sensationellen Mordanschlags verspricht einen noch größeren Umfang anzunehmen, als die frühere. Seitens der Verteidigung, die in den Händen der Rechtsanwälte Dr. Werthaucr, Schöps und Pincus I liegt, ist ein großer Zeugen- opparat aufgeboten worden. Der Vorsitzende, Landgcrichtsrat Schnltze, läßt Ivegcn der voraussichtlich langen Dauer der Verhandlung einen Ersatz- Geschworenen auslosen. Die Anklagebehvrde wird diesmal durch Staatsanwalt Kühne vertreten. Zunächst wird die Angeklagte Buchwald vernommen. Sie wieder- holt ihr in der früheren Verhandlung abgegebenes Geständnis. Den mit dem Mitangeklagten Hahn verabredeten Plan, wonach sie besten Ehefrau durch Erstechen aus dem Wege räumen sollte, habe sie wieder aufgegeben gehabt. Als Frau Hahn ihrer aber doch auf dem einsamen Wege in der Nähe des Bahnhofes Schmargendorf ansichtig geworden sei und sie beschimpft und mit dem Schirm geschlagen habe, da sei sie von Wut ergriffen worden und habe blindlings mit dem Messer auf ihre Gegnerin eingestochen. Eine Ueberlegung bei der That könne ihr also nicht zu- geschrieben tverden. Die Angeklagte schildert sodann, wie sie mit Hahn im Deutschen Hause in Schmargendorf, wo derselbe zum Tanz aufspielte, bekannt geworden sei. Sie sei zu ibin in nähere Beziehungen getreten und werde infolgedessen nach einigen Monaten Mutter werden. Hahn habe wiederholt geäußert, daß er seine Ehefrau anS den» Wege räumen wolle, und einmal habe er gesagt, daß er dieselbe gelegentlich einer Nadlertour hinter rücks erschießen iverde. Sie habe ihn auf die Gefährlichkeit dieses llnternehmeiis hingewiesen, und darauf sei Hahn mit dem Vorschlag an sie herangetreten, daß sie den mörderischen lieberfall ausführen solle. Nach längerer Ueberredung habe sie sich dazu bereit erklärt. Am 8. Juni habe sie von Hahn einen Brfief erhalten, worin sie zum folgenden Tage nach dem Bahnhof Schmargendorf bestellt wurde. Hier hätten sie den Mordplan noch einmal aufs eingehendste besprochen und den Ort besichtigt, wo die That zur Ausführung gc- bracht werden sollte. In der Nacht zum 12. Juni, nachdem der Sonntagstauz im Deutschen Hause beendet war und fast alle Gäste den Heimweg angetreten hatten, habe sie, vom Wcidcngebüsch ver- deckt, an der einsamen Stelle auf Frau Hahn gewartet. In ihrer Tasche befand sich das spitze, scharfe Küchenmcsser, das sie schon des Morgens z» sich gesteckt. Während des Wartens sei sie zn einer besseren Einsicht gekommen, sie habe den Mordplan wieder aufgegeben. Als Frau Hahn sich näherte, habe sie versucht, sich völlig zu verstecken, sie wollte dieselbe unbehelligt vorübergehen lassen. Zu ihrem Leidwesen sei es dann anders gekonimen. Der Angeklagte Hahn wiederholte, daß die ganze Bc- zichtinung der Bnchwald erfunden sei. Er habe keine Ver- anlassung gehabt, den Tod seiner Ehefrau herbeizuwünschen, ge- schweige denn, die Bnchwald zu dem schweren Verbrechen anzustiften. Allerdings müsse er zugeben, mit der Buchwald im vertrauten Ver- kehr gestanden zu haben, er habe aber wiederholt den Versuch ge- macht, mit ihr zu brechen. Der Angeklagte Hahn erhob jetzt den nenen Einwand, daß er sich nicht für völlig geistcsgcsnnd halte. Ein Onkel von ihm sei im Jrrenhnnse verstorben. Die Zeugen, die über diesen Punkt ver- »ominen iverdcn. haben nie etwas Auffälliges an ihm bemerkt, schildern ihn vielmehr als einen ruhigen, besonnenen Mann. Eine andere Reihe von Zeugen weiß zn bekunde», daß Hahn der Bnchwald gegenüber sich als ein feuriger Liebhaber zeigte. Er habe sie des Abends oft von der Arbeitsstelle abgeholt. Zu einer Arbeitskollegin der Buchwald hat Hahn geäußert: ,'Er werde nie von der Bnchwald lassen, möge kommen was da wolle". Die Ueberfallene, Ehefrau Pauline Hahn, schildert den Vorfall beim Schmargendorfer Bahnhof im wesentlichen. >vie in der Anklage festgestellt ist.' Sie sei gegen Abend nach dem Deutschen Hanse in Schmargendorf gekommen, um nach Schluß deS Tanzes mit ihrem Ehemann den Heimweg anzutreten. Sie sei dort niit der Buchwald zusammeiigctroffen, der sie ein Schimpfwort zu- gerufen habe. Als sie zum Aufbruch bereit waren, habe ihr Mann gesagt:„Wir fahren doch?" Sie habe aber erwidert, daß sie bei dem guten Weg gehen könnten. Als sie den einsamen Nichtweg eingeschlagen hatten, halte ihr Mann erklärt, daß er austreten müsse. Sie sei langsam vorangegangen. Plötzlich habe sie die Buchwald zu Gesicht bekommen. Die Zeugin habe gesagt:„Da ist ja das alte Frauenzimmer!" Darauf habe die Buchivald sie mit der Linken am Halse gepackt und mit den: Messer, das sie in der Rechten hielt, auf sie eingestochen mit den Worten:„Ich will Blut sehen!" Nun erst habe die Zeugin zur Abwehr mit dem Schirm geschlagen; die Darstellung der Buch- ivald, daß die Zeugin zuerst geschlagen habe, sei unlvahr. In bc- trcff der verdächngen llmstände, aus denen die Anklage ein Ein- Verständnis zwischen der Bnchwald und Hahn folgert, schwächt die Zeugin ihre früheren Aussagen ab. sie will' ihren» Ehe- mann keine Vorhaltungen darüber gemacht haben, daß er zu spät zu ihrer Hilfe herbeigeeilt sei. Sie erklärt auch, daß ihr Mann gar nicht habe annehmen können, daß sie an dem be- treffenden Abende nach Schmargendorf konimcn würde. Di? Zeugin will sich nie mit Schcidiingsgedanken getragen haben, obgleich sie von dem Verhältnisse zwischei, ihrem Mann und der Buchivald Kenntnis hatte. Or. med. Großmann, der der Verletzten die erste ärztliche Hilfe geleistet hat. bcknudet, daß Frau Hahn am Halse ztvci Stichwunden erhalten hat. von denen die eine ganz unbedeutend, die andere ernsterer Natur war. Die weiteren Zeugenaussagen sind ziemlich bedentungskos. Staatsanwalt Kühne begann kurz vor 9 Uhr sein Plaidoyer. Er führte aus, daß die Angabe der Buchwald, daß sie den Mord- plan wieder aufgegeben habe, keinen Glauben verdiene und daß die innere Wahrscheinlichkeit schon dafür spreche, daß Hahn mit dem Verbrechen einverstanden war. Er bat deshalb, die Hauptschuld- fragen zu bejahen. Die Geschworenen sprachen die Angeklagte schuldig der schweren Körperverletzung»Nittels eines Messers unter Verneinung von mil- dernden Umständen, inbetreff des Angeklagten Hahn wurden sämt- liche Schuldfragen verneint. Das Urteil lautete gegen die Buchivald auf ein JahrGe- f ä n g n i ß. Hahn wurde's r e i g e s p r o ch en. Vevfettnntlnngen. Die Tapezierer beschäftigten sich in einer am Montag ab- gehaltenen öffentlichen Versamnrlung mit dem Streik bei der Finna Heymann, Prinzcssinnenstraße. Wie aus den Darlegungen der Redner hervorging, ist die Arbeitseinstellung zurückzuführen auf eine Herabsetzung der ohnehin schon ganz außergewöhnlich niedrigen Löhne. Zur Zurücknahme der Abzüge wollte sich Herr Hehinann nicht verstehen, und die versuchte Einigung blieb deshalb ohne Er folg. Die Streikenden verlangen nun eine Erhöhung der Accordpreise nin 25 Proz., außerdem sind einige Nebenforderungen aufgestellt. Wie weiter bemerkt wurde, ist Herr Heymann wegen seiner billigen Preise und niedrigen Löhne, sowohl ip Unternehmer ivie in Gehilfenkreisen unbeliebt, trotzdem haben sich aber doch einige Streikbrecher— allerdings sehr minderwertige Kräfte— bereit ge funden, bei Hcymann anzufangen. Einer dieser Arbeitsivilligcn ivar auch in der Versammlung anivesend. Er suchte sei» unsolidarisches Verhalten zu verteidigen nach dem Grundsatz: Ich sorge für»nich, was' gehen mich die Kollegen an! Das Austreten des Streikbrechers veran'laßte begreiflicherweise lebhafte Gcgcnäußcrungen. Weiter wurde in der Debatte hervorgehoben, daß die Polizei auch bei dieser Gelegenheit wieder mit der bekannten Schärfe gegen die Streikposten vorgeht. An einem einzigen Tage sind sieben Sistierungen von Personen, die in der Nähe der Heymannschen Werkstatt hin und her gingen, bewirkt»Vörden. Geleaent- lich der Bersammlungs-Anzeige hat auch die Finna Nauck u. Hart- mann wieder ihr angeinaßtes Censorenaint ausgeübt, indem sie verlangte und durchsetzte, daß auf den Säulenplakaten nicht„der Streik bei Heymann", sondern„der Streik bei einer Finna in der Prinzessinnenstraße" als Tagesordnung angegeben»vurde. Nach Schluß der Debatte gelangte eine Resolution zur Annahme des Inhalts: Die Versammlung erkennt das Vorgehen der Kollegen der Heymannschen Werkstatt als gerechtfertigt an, sie bedauert aber, daß die Kollegen nicht schon früher etwas für die Aufbesserung der da- selbst herrschenden traurigen Verhältnisse gethan haben. Den Streikenden»vird nioralische ui»d materielle Unterstützung zugesagt unter der Voraussetzung, daß dieselben sich verpflichten, bis zur Be- willigung ihrer Forderungen auszuharrci». Holzarbeiterverband. Die Branche der Einsetzer hielt am 26. November Versammlung bei Herzberg ab. in ivelcher M a t t h e s einen Vortrag über Rechte und Pflichten der Mitglieder des deutschen Holzarbcilcrv'erbandcS hielt. Pflicht eines jeden Tischlers sei, dem Verband beizutreten. Die Möbelpoliercr(Filiale Süd-Lst) hielten fcin, 27. d. M. Versaminlung ab. Nach einem Vortrag M e tz» e r s wurden Werkstattangelegenheiten erörtert; namentlich wurde das Verhalten der Kollegen bei der Firma I. C. Pfaff wegen ihrer Gleichgültigkeit der Organisation gegenüber getadelt. Die Dezeinber-Versanlnrliing fällt der Feiertage ivegen aus._ Der Krieg. Tie Schlacht am Moddcrflnß war von den Engländern zuerst als glänzender Sieg ausgegeben ivorden. Allniählich zeigte sich, daß die Siegesnachrichtcn»niudcstcns sehr übertrieben»varei», und schließlich stellt sich heraus, daß es mit diesem Siege nicht anders lvar, als mit den anderen, welche die Eng- läiidcr in Natal davongetragen haben»volltcn. Auch die Schlacht an» Modderflnß südlich von Kimb'erley war ehereineNiederlagealS ein Sieg der englischen Truppen. Der Reutersche Kriegskorxespondent gicbt unter den» 29. November folgende Darstellung von der Schlacht: Eine furchtbare Schlacht hat hier gcsteln statt- gestmdcii. Die Division M e t h n e»» s verließ das Wittekop- Lager nm vier Uhr»norgens, die Kavallerie und Artillerie voran, und rückte gegen den'Modderriver vor. Um sünf Uhr befand die Artillerie'sich im Gefecht,»md um 6 Uhr 49 Min. lvar der Kmilpf allgemein. Tic Gardcbrigade rückte rechts, die iieuutc Brigade links vor. Die schottische Garde überschritt das Wasser und lvnrde sofort vom Feind in einen Kanipf vcrivickclt. Ihr Maximgeschütz wurde unbrauchbar gemacht. Als die Truppen gegen die Brücke vorrückten, »vurde ein s ch r c ck l i ck, e s Feuer auf sie gerichtet. Ter Feind hatte eine sehr starke Stellung inne, die sich acht englische Meilen ausdehnte. Seine Laufgräben»varei» vor Bäumen gebaut. Die britische Artillerie beschoß die Boere» nach allen Richtungen. Nach f ü n f st ü n d i g e m, hartem Kampfe trat Pause ein. Darauf begann' ein heftiges Gclvchrfcucr, das über eine Stunde dauerte. Die Engländer konnten den Feind in seinen Gräben nicht sehen, aber ihre Artillerie beivährtc sich aus- gezeichnet. Das nnregelinäßige Kanonenfeuer dauerte mehrere Stunden und der Fluß»vurde darauf überschritten. Die Briten kämpften tapfer, aber litten s ch>v e r, die Garde hatte während zwei Stunden»achniittags ein furchtbares Feuer ansznhaltcn, Ivobci die Kugeln über die ganze Ebene fielen. Die Scklackt»viitete sechzehn Stunden. Die Bocren hatten schwere Verluste; die Stärke ihres Heeres wird auf 11 009 Mann geschätzt. Während der Nacht räumte der Feind seine Stellung. Die Engländer sind in, Besitze des Modderrivers.— Der Korrespondent nennt die Schlacht das Waterloo des Feldzuges. Die Londoner Blätter bringen noch zahlreiche Einzelheiten über da? Gefecht bei Moddcrriver, bedauern lebhaft den Mangel an Artillerie und Kavallerie und verlangen, daß diese Truppcngattnngen unverzüglich beschafft tverden. London, 6. Dezember. Das„Reutersche Bureau" meldet auS Kapstadt, nach einer Depesche ans Maseru von» 1. Dezember gäben die Boeren zn, bei Kimberley und an» O r a n j e- f l u s s e schwere Verluste erlitten z» haben. Desgleichen»verde ans Masern gemeldet, daß die Velagernng von Niafcking auf- gehoben sei.(?) Im Süden. Nach einen» Telegramm der„Times" auS Sterkstrom hat General G a t a c r e am 29. November in Molteno Tnippen konzentriert. Ein Telegramm anS Rokstad in Ost-Griqnaland besagt, daß Boeren ans Barklq East in Drnkcnsberg in der Nähe des Fletcher- Berges gesehen wurden, dieselben hätten augenscheinlich die Absicht, einen Einfall in Ost-Griqualand zu mache»». In Natal. „Daily Mail" rechnet aus, daß die Streitmacht der Boeren am Tugclastusse 25 bis 30 000 Mann betrage. Die Verluste seien seit Beginn des Krieges durch Heranziehung von Freilvilligen aus der Kapkolonie ersetzt worden, so daß die Boeren heute»och ebenso stark seien, wie zu Beginn des Krieges. Die„Times" meldet aus dem englischen Lager bei Frere vom 29. v. M.. daß die Stellimgen der Boeren bei Colcnso von den britischen Vorposten in Chieveley auS sichtbar sind. Die Stellung scheine sehr stark zn sein, ein Frontangriff auf dieselbe erscheine beinahe unausführbar. Nene Rüstungen in England. In Generalstabskreisen beschäftigt man sich bereits mit der Bildung eines neuen Armeccorps von SO 000 Man». Es »vird mit der größten Eile an der Zusammenstellung dieser nenen Kolonne gearbeitet. Auch an der Herstellung der erforderlichen Munition wird in Woolwich eifrigst gearbeitet. 1500 Arbeiter find zu diesem Zwecke neu eingestellt worden. Lstzke Tletilzvichken und Depeschen. Komplottprozeff in Paris. Paris, 5. November.(W. T. 33.) In geheimer Sitzung be- schließt der Gerichtshos den Advokaten Hornbostel lvege» Beleidigung von Senatoren aus drei Monate seines Aintes zu entheben und die Anträge deS Advokaten Evain abzulehnen. Holländisches Parlainent. Haag, 5. Dezember.(W. T. 33.) In der zweiten Kammer er- klärt bei der Beratimg des Budgets des Aeutzern der Minister de Beaufort. daß die' Regierung gegenüber den kriegführenden Parteien in Südafrika bisher eine besonnene Haltung ein- genonimen habe tlnd dies auch weiter thun»verde. Diese Er- klärung der Regierung»vird von den Parteiführern gebilligt.. Redner verschiedener Richtungen greifen die Regierung an,»veil sie die Emladung zur Konferenz im Haag unter den Bedingungen angenommen habe,»velche sich auf die Einladung des Papstes ui»d der Südafrikanischen Republiken zur Konferenz bezogen. Kuyper beantragt, der Regierung die Mißbilligung des Harises»vegen der Nichteinladung der'südafr'ikailischen Rep»lbliteil auszusprechen. Hierauf »vird die Sitzung auf morgen vertagt. Die Botschaft des Präsidenten Mac KInley. Washington, 5. Dezember.(W. T. B.) Dem Kongreß ist heute eine Botschaft des Präsidenten Mac Kinley zugegangen. Die- selbe beginnt mit der Feststellung, daß das Land sich außergewöhn- lichen Gedeihens erfreue. Sein auswärtiger Hai»del habe eine große Zunahme gezeigt. Der Wert der Einsuhr und Ausfuhr zu- lamiuen sei in diesem Rechnungsjahre größer als ihn die Geschichte des Landes je aufzuweisen hatte.. Die Einfuhr sei auf den Kopf der Bevölkerung um 20 Proz. geringer als im Jahre 1870, die Ausfuhr um 53 Proz. größer. Die einzigen Jahre, in denen die in, Allslande verkaufte»» Erzeugnisse der anierikanischen In- dlistrien die iin Auslände gekmiften überstiegen, seien 1898 und 1899 gewesen. Die gesamten Staatseinnahmen des im F»li»i zu Ende ge- gaiigenel» Rechnniigsjahres hätten mit Einschluß der Schuld der Ccnlral-Pacific-Bahi» 610 932 004 Dollar, die Ausgaben 700 093 564 Dollar betrage»». Die Einnahmen deS laufenden Jahres würden a»lf 640 958112 Dollar, die Ausgaben desselben auf 600 958112 Dollar geschätzt. Ter Präsident betont sodann die Notwendigkeit einer Verbessening der Bankgesetzgebung. Der Präsident lenkt sodann die Ausinerksanikeit des Kongresses auf die Bedeutung der ameri- kanischeu Handelsmarine»nid sagt, es iverde dem Lande»»icht möglich sein, alle seine Chancen auszunutzen, lvenn es selbstzufrieden l»ur die Angelegenheiten in der Heimat betrachte, und seine Augen gegen die Notivcndigkeit verschließe, sich einen Anteil an dem»vcrtvollc» Rccdcrci-Gcschäfte der Welt zu sichern. Des»vciteren lenkt der Präsident die Aufmerksamkeit des Kongresses auf die Handels- Ringe(Trusts), die den Wettbewerb ersticken und die Preise der von der Bevölkerung verbrauchten Güter festsetzen. Die ölcgicrnng erwarte, daß Nicaragua der streitenden Parte» volles und billiges Gehör gewähren werde. Der Präsident betont auch dicsinal die Notwendigkeit eines Kanals, der das Atlantische mit dem Stillen Meer verbindet. Die Botschaft befürwortet ferner die Bcivilligiliig eines Betrages zur Einsetzung einer Kommission zum Studium der Handels- und Jndustrieverhältnisse in China im Hinblick auf eine Enveiterung der chinesischen Märkte für die ameri- kanischeu Rohprodukte und Fabrikate.„Die Beziehungen der Bereinigten Staaten zu dem Deutschen Reiche", fährt die Botschaft fort,„sind andauernd die herzlichsten. Die ivachseude Jimigkeit in der direkten Verbindiing ist gekennzeichnet lvorden durch die im Slpril geivährte Erlaubnis zur Lcgung eiiieS Kabel? von Boriun» und Emden und durch den im September erfolgten Ab- schloß eines tlebereinkommens betr. den Poslpaket-Verkehr." „Wir niögeu Nebenbuhler in vielen wesentlichen Punkten sein, aber unsere' Nebenbuhlcrschaft sollte stets edelmütig und offen sein. Einige Negiennigei» im Deutschen Reiche scheinen ab- geneigt zu sei», heiß» es dann»veiter, die ausgezeichnete natürliche Beschaffe», heil unserer zur menschlichen Nahrung dienenden Erzeugnisse und den von uns beständig gelieferten Beweis der Für» sorge aiizuerkennen,»>»it der deren Reinheit durch eine scharfe Auf- sich» von der Farm durch die Schlacht- und Packhäuser bis zum VerschiffuiigShafeii LbcNvacht tvird. Es darf mit der Zeit gehofft werden, daß die beiden Regierungen gemeinschaftlich zur Verwirklichung ihres gemeinsamen Zieles thatig sei» werden, die öffentliche Gesundheit zu schützen und die Reinheit und Zurräglicykcit aller von beiden eingeführten Lebensmittel» erzeugnisse sicher zu stellen." Der Präsident schlägt sodann vor. der Kongreß möge die Ermächtigung erteilen, Deutschland im Zllsaninicnhange init den schwebenden Reciprocitäts-Vcrhandlungen zur Eriiemuing einer gemeinsamen Kommission von Fach- Männer»» eiuzuladeu, die eine eingehende Untersuchtuig über die Erzeugung und Ausfuhr von Lebensmitteln in den beiden Ländern anstelle» solle. Sodann bespricht die Bot» schaft die Beziehnngen zn Großbritannien und betont, daß ab» gesehen von der Al'aska-Grenzfrage die Erörtermig der zahlreichen Angelegenheiten, die sich als Folge des bedeute>»den Verkehrs zwi'sche'u England und Amerika ergebe, durch eine höchst freundschaft» liche Stmlmung gekeimzeichuet iverde. Die Regierung bcwabre Neutralität gegenüber dem»»»glück- liche» Streite in Südafrika. Sie sei dem Grundsatze treu ge- blieben, sich nicht auf Alliancen einzulassen,»velche Angelegenheiten betreffe»», die nicht das Land direkt angehen. Amerika habe beiden käiupfeiidcl» Parteien gegenüber Unparteilichkeit gezeigt. Die Bot- schaft erlvähnl sodann das befriedigende Abloininen betreffend Samoa »md teilt niit, daß dem Senate der am Soi»nabei»d unterzeichnete Vertrag zugehen»verde, der Anierika dieselben Privilegien und Bedingungen bezüglich des Handels und der Handelsschiffe auf den Inseln geivährleiste wie Deutschland. lieber die Ansprüche der weißen Eiuivohner für die ivährend der Unruhen bort erlittenen Schäden werde ein neutraler Schiedsrichter entscheiden.> Hinsichtlich jtubas wird in der Botschaft erklärt, Amerika »verde die Regierung und Bebcrrschuug der Insel dem Volke deS- selben überlassen, wenn die Wiederherstellung der Ruhe vollendet sein iverde. Dieses Versprechen iverde heiligst innegehalten werden. Nach Ansicht des Präsidenten sc» ein»veseiitl'icher Fortschritt in dieser Richtung gemacht. Es iverde keine Mühe gespart, um die günstige Haltung Spaniens zu erividern und in allen praktischen Be» ziehungen die Intimität zlvischei» den beiden Nationen zu pflege»,. Was die künstige Negierung der PHUiPpineu angehe, so bleib« diese dem Kongreß überlassen. Die Inseln könnten nicht aufgegeben werden; auch der Vorschlag. den Juseln die Unabhängigkeit zu geben und dabei ein ainerikanisches Protektorat aitsrcchlzuhalte», verdiene keine ernste Erwägung. Der Präsident tritt dafür ei», daß Muiiizipalregieruiige»», sodann Provinz- regieruiigen und schließlich eine Ceulralregieruiig errichtet»verde»». Der veste Dienst, der de» Aufständischen geichehen könnte, würde die rasche und wirksame Niederwerfung Aguiualdos sein. Frankfurt a. M., 5. Dezember.(B. H.) Die„Franks. Ztg." meldet aus Koustautinopel: Die drei Hauptuuterzeichner der fehler Zeit der englischen Botschaft überreichte» kurdischen Sympathie- Adresse wurden am Sonnabend auf Anordnung des Palais' verhaftet. Der Botschafter O'Connor hat gegen die Ver» Haftung eilergisch protest»<-rt»ud die Freilasiuug gefordert. Paris, 5. Dezember. Die Uebernahme der Karolinen-, Marianen» und Palan-Jnseln ist deutscherseits vollzogen. Die bisherige spanische Besatzung der Inselgruppen ist geftem hier eingetroffen. VcrauNvottlicher Redacteur: Paul John m Berlin. Für bei» Jiiseratemetl verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Bndhig in Berlin. Hierzu 1 Beilage und Untcrhaltungsblatt. at. 285. i6. mmi. Keilllje des Lmiirts" Kttlim WIKsblM Miwoch. 6. vtWbn I8SS. Nvichskag. 5. Dezember 1899, 1 Graf P o f a d o w S k y, Uhr. v. P o d- 116. Sitzung vom Am BuildeSratStifche: b i c l S k i. Zunächst Ivird in dritter Beratung der Beschlust dcS Bundesrats. Anlagen zur Herstellung von Z ü n d s ch» ii r e n und elektrischen Zünder» genehmigungspflichtig zu »uachc», n n g cn o m ni e n. Es folgt die erste Beratung des Initiativantrages der Abgg. Frhr. Hcyl zu Herriishcim(natl.), Dr. Hitzev n n g e n sein, mit einer großen Anzahl f l i e g e n d e r K l a s s e n zu arbeiten und die damit n n t r e n n b a r verbundenen M i ß st ä n d e für längere Zeit ans sich zu nehmen. Ilm dem zum Teil zu entgehen, lvird vorgeschlagen, zunächst durch Ilmwandlmig der Skektonvohuung in der 0. Gemeinde- schule drei Klassenrämnc zu gewinnen."— Seit Jahren schon be- stehen in Schöncbcrg die fliegenden Klassen. Die Gcincindeschnle» sind überfüllt. Bei glltem Willen hiclie es wahrlich nicht schwer, die llcbcrfnllinig der Schulen nnd die fliegenden Klassen zu beseitigen. Die Vorlage:„Bild n n g c i n e r g e in i s ch t c n D c p n i a t i o n f ü r d a Z höhere S ch n l w e s e n", wurde einem nennglicdrigcn Ausschuß zur Prüfung überwiesen. Nixdorf. Ter Bürgermeister V o dd in hat sein Amt als Mit- glicd des KreisansschnsieS für den Kreis Teltow niedergelegt. Der nächste Kreistag hat drei Nenwahlen für den KreiSanSfchstß vor- zimchmen, da die Wahlzeit des Amtsvorstehers Schmock in Treptow nnd des GenlcindcvorstchcrS Massaute in Rudow am l!t. Dezember dieses Jahres abläuft. Am Donnerstag findet eine außerordentliche Sitzung der 3t i x d o r f e r S t a d t v e r o r d n c t e n- B e r f a m in l n» g statt, in der unter anderem auch über einen Ztathansaiiban und über die Verpachtung des StatSkellerS entschieden lv erden soll. Die bei den königlichen Polizeidirektiontn in 3t i x- dors und S ch önc b e rg angestellten Kriiniiialkonnnisiare sowie die dort mit der Polizeir'cvier-VcNvaltnng beauftragten Polizei- lientcnants und deren Stellvertreter sind von den zuständigen Ministem zu Hilfsbeamten der Staatsanwaltschaft eniannt worden. Ein Autignitätcn-Tiebstahl wurde im Sommer dieses Jahres bei der Witwe dcS Generals v. Radcwitz in deren Villa, Kiclgan- straße?> in Charlotte iibnrg, verübt. Bei dieser haben sich wiederholt Diebe in die Wohnräume cingeschlichc» nnd ivcrtvolle RippeSsachen, wie Stntznhrei:, FrcSkobilder, Photographieständer sc. gestohlen. Den Bemühungen des Kriminalinspektors Krause in Charlottenburg ist es gelungen, den größten Teil der gestohlenen Objekte wieder herbeizuschaffen und die Diebe in Frankfurt a. M. dingfest zu machen. Sie sind bereits in daö Moabitcr lliitcrsiichnngs- gcsängniS eingeliefert worden, fast gleichzeitig mit ihnen zwei Hehler, welche ans dem Diebstahl herstammende Kulistgcgenstände bei Berliner An tiqmtä teil«, sinnst» nnd anderen Händlern an den Mann bringen wollten. Ter Charlottcnbnrgcr Stadtberordiictcu-Ausschlch zur Dorberatnug des» Antrags auf Verbesserung der Feuer lösch- ciurichtnngen Charlottenburgs hat folgende Beschlüsse gefaßt, die nach seinem Vorschlag dem Magistwt zur Gcnehmignng cmpfoblcn werden sollen: Säimliche Hydranten der Stadt, die jetzt 85 Milli- nictcr Weite haben, sollen ans IM Millimeter gebracht werden. ES soll so eine vermehrte Wafscrlicferuug erzielt werden. Ferner soll die Fcnertelcgraphie völlig»nigcstaltct werden. Bei dem letzten großen Brande versagte belamitlich der Feuermelder, der am Tage vorher liocli erprobt worden war. Die unsichere Oberleitung soll deshalb durch die ivcit sicherere unterirdische Skabcllcitung ersetzt werden. Die Kosten sind ans Ml) 000 M. veranschlagt. Da die Einsichten über die B rauchbarkcit der Dampfspritzcn in Eharlottcnburg lvcit auseinander gehen, so hat der Ausschuß beschlossen, das Gutachten von Fachleuten über diese Frage einzuholen. Drei Leiter von großstädtischen Feuer- wehren sollen um ihre Ansicht gefragt werden. Zur Sicherung der Speisung der Dampfspritzen sollen, falls solche Spritzen angeschafft werden, Tiesbrunne» angelegt werden, da die Wasserleitung unter Umständen versagen kann. Die Kosten für die Beschaffung der Dampfspritzen nebst Zubehör nnd den erforderlichen Gebäuden zu ihrer Unterbringung, sowie die Herstellimg von Tiefbniimen sind ans 400 000 M. veranschlagt. Spandau. Heute. Mittwoch, abends S1� Uhr. findet bei Wehe, Pichelsdorferstraße 39. eine öffentliche W ä h l e r v c r s a m m l n n g statt. Eines guten Besuchs darf der Einbernfer mit Rücksicht ans die morgen beginnenden Stichwahlen zur Stadtverordneten-Versammlung wohl sicher sein. AnS Spandan wird berichtet: Ein erschütternder Vorgang hat sich hier abgespielt. Der dem Trünke ergebene Arbeiter August Krause, ein Mann Mitte der SOer Jahre, stürzte sich angesichts seiner Familie, die sein Vorhaben vergeblich zu verhindern' suchte, ans seiner vier Treppen hoch belegenen Wohnung. Lynowstr. 15. ans die Straße hinab, wo er mit zerschmetterten Gliedmaßen und völlig zertrümmertem Schädel liegen blieb. Die Leiche des Un glücklichen, dessen Tod ans der Stelle eingetreten Ivar, wurde nach der ObdnltionShalle geschafft. Der Verstorbene hinterläßt die Witwe mit sieben Kindern.— Auf der Havel ist ein mit Braunkohlen be- ladenes Fahrzeug untergegangen. Das Schiff wurde von dem Schleppdampfer„Antonio", dem Kapitän Schulz hierorts ge- hörig, angerannt und erhielt ein großes Leck, so daß eö sich schnell mit Wasser füllte. Die Mannschaft und die an Bord befindliche Familie retteten mit Hilfe anderer Schiffer nur das nackte Leben. ?llif dem untergegangenen Lastkahn betrieb dessen Eigentümer, Bahn, einen Handel mit Kohlen. Z« Gevichks--Äeitttng. dem Kamp sc der Sargtischler gegen den Küster BWMWWBHWWMBWBWWWVMohl- f e l r'von Iß: VcrsohiiuiigSkitchc" stand gestern wieder ein Termin vor dem Schöffengericht, Abt. 136, an. Tie Sache hat einen solchen Umfang angeiionmlcn, daß die Vcrhcmdlmig im großen Schwurgerichts- saalc statifinden mußte, da etwa 40 Zeugen vorgeladen waren. Wegen Bclcidiglmg des Küsters Wohlfeil hatten' sich die Sargtischler Peter meyer, Bredow nnd das Ehepaar Franz zu vcrant- Worten. Der als Nebenkläger zugelassene Küster Wohlfeil wurde durch 3kechtsanwalt Hölck, die Angeklagten durch Rechtsanwalt Morris vertreten. Die Angeklagten hatten eines Tages in ihren Geschäftsräumen Plakate anbringen lassen. durch welche sich Küster Wohlfeil beleidigt fühlte. In den Plakaten wurde dem Publikum bekannt gegeben, daß über die Konlnrrcnz. die der Küster den Geschäftsleuten mache, bicle Klagen laut geworden seien. Er suche die Leidtragenden, die die nötigen Anmeldungen in seinem Küste» blireau machen, zu überreden, die Särge ans einem bestimmten Sargmagazin zu entnehmen: habe aber das Publikum schon einen Sarg gekauft oder einen Wagen schon bestellt, so crkäre er den Leidtragenden, daß sie Sarg und Wagen bei ihm besser und billiger bekommen hätten. DaS Publikum wurde des weiteren vor diesen„Machiiiationcii" des Herrn Wohlfeil gewarnte und aufgefordert, scincil Bedarf direkt bei den Tischlcrmeistcm zu decken, und diesem„Zwischen- Handel" nicht Vorschub zu leisten. Die Slngeklagten haben dieS Plakat erst angebracht, als ihre gegen den Küster Wohlseil bei dem Gcmcindekirchcnrate erhobene Beschwerde erfolglos geblieben war. Herr Wohlfeil hat dann versucht, im Wege einer einstweiligen Bcrsügnng die Beseitigung der Plakate durchzusetzen lind als dieses Bemühen erfolglos war. den Strafautrag gestellt. 3icchtsanivalt Morris hatte einen umfangreiche» Wahrheitsbeweis znsanuncngcstcllt, nni die Behauptung der Angeklagten zu stützen, daß der Küster Wohlfeil nnd seine Frau thntsächlich die bei ihnen erscheinenden Leute zn bewegen versucht hat, ihre Särge nicht bei den Angeklagten, 'ondern bei einem bestimmten Sargtischler zu bestellen. Es wurde ferner von den Angeklagten behauptet, daß das Ehepaar Wohlfeil in den Fällen, wo es den betr. Fnhrhcrrn Kunden zuwies, von den Fuhrhcrren auch Gcid-Bclohnnngcn erhalten habe.— Der als Zeuge vcr- nommene Pfarrer B n r k h a r d t gab dein Küster Wohlfeil das Zeugnis eines treuen und gewissenhaften ManncS, dem er nicht zu- traue, einen solchen Zivischenhandcl betrieben zn haben. Ein Küster habe nicht das Stecht, Leute aiifziifordcrii, sich von ihm bedienen zn lassen, wohl aber dürfe er den Leidtragenden auf deren W u»> ch mit Rat und That zur Seite stehen. Küster Wohlseil behauptete auch, daß nur das letztere der Fall gewesen sei nnd er lediglich das Interesse der Leidtragenden selbst wahrgenommen habe. Er habe von keinem Sarg- Tischler je einen Pfennig erhalten, habe rühcr auch die beiden crstercn Angeklagten den Leidtragende» empfohlen: da aber Beschwerden über diese ans dem Pilbliliim' eingegangen waren, habe er vorkommcndcnfalls den Sargtischler Fangaiif empfohlen, bei dem das Publikum gut bedient würde. Bei der Besorgung von Fuhrwerk sei es vorgekommen, daß der be- treffende Fuhrhcrr in einzelnen wenigen Fällen kleine Geld- b e t r ä g e bei seiner Frau hinterlassen habe. Er habe diese kleinen Beträge z» wohltätigen Zwecken verwendet. dann aber salchc entschieden zurückgewiesen und seiner Fran untersagt, irgend welches Geld anznnchmcn. Frau Wohlfeil bestätigte die Aussagen ihres Ehemannes in cd er Beziehung. Der Zeuge, Sargtischler F a» g a u f bc- chwor, daß er dem sliistcr Wohlfeil für die Zuweisiina von iersonen nie einen Pfennig gegeben habe. Wohlfeil habe ihn ans- cfordcrt, daß er. wenn er arme Leute aus der Gemeinde zn ihm 'chicke. er diese billig bedienen solle.— Fuhrhcrr Krause bcknndete. daß er wiederholt durch Bcrmittelung Wohlfeils Fuhrwerk gestellt habe. Er habe der Fran Wohlfeil etwa dreimal je 3 Mark für ihre Bemühnngeil bei der SNonatSabrechnung gegeben. Sie habe aber nachher erklärt, ihr Mann»volle das nicht haben und habe dann auch den Gesamtbetrag zurückgebracht.— Der inzwischen mit Wohl- 'eil verfeindete Fuhrherr Werner sagte ans, daß er der Frau Wohlfeil von den Erträgen der Aufträge, die ihm zuflössen, 10 Proz. abgegeben habe. Fran W. habe gesagt, daß sie bei Krause' mehr erhalten habe und da habe er hr dann 20 Proz. gegeben. Er bestritt auch, daß dabei gesagt worden sei. daß die Betrüge zn wohlthätigeu Zwecken verwendet werden solltciw— Die Angeklagten behaupteten, daß sie die Plakate sofort abgenommen hätten, als Herr Wohlseil zu ihnen ge- kommen sei und sie„weinend" beschworen habe, ihm doch keine Ilnannchmlichkcitcn zu machen. Tie Plakate seien aber ivicdcr an- gebracht worden, als Wohlfeil trotz alledem mit seiner alten Methode 'ortfnhr. Herr Wohlfeil bestritt, daß er„geweint" habe: der diesen Zupkt betreffende Wahrheitsbeweis hatte auch kein Ergebnis. Ebenso blieb dieser Wahrheitsbeweis erfolglos bezüglich der den An- gellagten Petermeyer und Frank zur Last fallenden Bchauptniig, daß Küster Wohlfeil in einem Falle für Quaricitgesang bei einer Beerdigung 20 M. erhalten, den Sängern aber mir 12 M. ge- geben, also 8 M. nntcrschlagen habe. Der betreffende leitende Sänger behauptete entschieden, nur 12 M. bekommen. Wohlfeil be- bauptcte mit derselben Entschiedenheit, das ganze Geld in Höhe von 14 M. dem Sänger gegeben zu haben, und die Frau, die seiner Zeit das Quartett bestellt hatte, lonnte nur sagen, daß sie„12 bis 16 M." gezahlt zu haben glaube. Im übrigen traten etwa 25 Zeugen auf, nach deren Bcknndnngr» thatsächlich Wohlfeil selbst in zwei Fällen. Fran Wohlfeil ober in vielen Fällen Enipfehlimgen für Särge und Wagen ohne Wunsch der betreffenden Leid- ragenden diesen gegeben haben soll. Fran W. hat sogar in mehreren Fällen, wo die Leidtragenden sich schon versorgt hatten, sich nach dem für Sarg und Wagen gezahlten Preis criundigt. diesen für viel zn hoch er- erklärt und gesagt, daß sie eö billiger geliefert hätte. Ferner ergab sich aus den Bekundungen der Zeugen, daß Frau W. auch von den Fuhrhcrren Entgelt angcuonnncn hat, bezüglich des Ehemanns W. konnte ein solcher Fall nicht erwiesen werden. Das Wohlfeilschc Ehepaar trat mit allen diesen Zeugen in einen eut- schicdcnen Gegensatz, so daß ihm entschieden geraten wurde, recht sehr zu überlege», ob cS seine Aussagen auch mit gutem Gewissen beschwören köime. Beide leisteten jedoch den Eid und erklärten, von ihrer Aussage nichts abzuändern. Küster Wohlfeil führte noch eine SIeihe von Zeugen vor', die bekunden sollten, daß sie bei Einsargnngen sc. von den Angeklagten schlecht bedient worden seien.—' Pastor Burkhardt erklärte zum Schluß, daß der Geineinde-Kirchenrat gar nicht in der Lage gewesen sei, die Sache zu begleichen, nachdem die Angeklagten die Entschließung des Gemeinde- Kirchenrats nicht abgewartet hätten, sondern sofort weiter gegangen seien.— Der Staatsanwalt billigte nach dem Ergcbmffe der Beweisaufnahme den An-. geklagten bezüglich des Inhalts des Plakats den Schutz des Z 193 zu, hielt jedoch Peter meyer und Franz der Beleidigung schuldig. weil sie behauptet hatten, Wohlfeil habe 8 M. unterschlagen, und beantragte gegen beide je 100 M. Geldstrafe, außerdem gegen alle 4 Ängetlägte je 10 M. Geldstrafe wegen unbefugten Anheftens von Plakaten('§ 10 des alten preußischen Preßgesetzes).— Rechts- anwalt Hölck bat um eine empstndliche Strafe und wies darauf hin, daß diese Verhandlung nur ein Vorposten- g e f e ch t sei für einen zu inscenierenden allgemeinen Kampf der Sargtischler gegen die Küster.— Rechtsanwalt Morris meinte dagegen. daß' in Wirklichkeit hier in ihrer gewerblichen Existenz arg' bedrohte Bürger gegen die ihnen durch einen Kirchen- bcamten zugefügten Schädigungen ankämpften. Die Slngeklagten hätten den vollen Wahrheitsbeweis geführt und müßten freigesprochen werden, da eine Beleidigung dcS Küsters nicht vorliege.— Der Gerichtshof erklärte sämtliche Angeklagte nur der Uebcrtretung dcS § 9 des alten preußischen Gesetzes für schuldig und verurteilte jeden zu 3 M a r k G e l d st ra f e. DcröffentlichcnBcleidigungdurchdasPlakat wurden die Angeklagten n i ch t f ii r s ch u l d i g erachtet, da der Gerichtshof für erwiesen hielt, daß die Wohlfeilschen Ehe- lcute sowohl bestimmte Sargfabrikanten und Fuhrhcrren empfahlen, als auch Provisionen erhielten, diesiekeineslvegS zu wohlthätigeu Zwecken, sondern für sich selbst verwandten, daß sie Zwischenhandel trieben und daß Wohlfeil in dem Falle betr. das Sängerquartett 14 M. empfangen nnd 2 M. als Provision erhalten hat. In Bezug auf diesen Fall habe sich aber Franz der üblen Slachrede schuldig gemacht, wofür ihn der Gerichtshof zn 20 M. Geldstrafe verurteilte, während Petei- meyer, dem§ 193 zur Seite stand, in diesem Falle frei« gesprochen ivurde._ Fensterputzer Berlins und llmgegend. Mittwoch, den 6. d. M., abends 7»/- Uhr. Bersammlung bei Siepherr. Wallstr. 32/33. Eharlottcnburg. Erster Verein für Nalurhciltunde und GesundheitS- pflege. Mittwoch, den 6. Dezember, abends 8V3 Uhr, in EckmanNs Salon, Scharrenstr. 34: Vortrag für Damen des NatararzteS Herrn E- Köhler: Frauciilebeu und Frauenleiden." Jede Dame ist eingeladen. Ei» schweres Grilbemi,»glück, dem drei Meuscheulebe» zum Opfer gefallen sind, hat sich in der bei Schönow tNeuinark) gelegenen Grube„E m i l i e n g l ii ck" ereignet. Man hatte früh gemerkt, daß in einem Felde ein' Stempel angebrochen sei. Mit der Erneuerung wurden vier Bergleute beauftragt. Bereits hatte man den angebrochenen Stempel hervorgenonnnen, nnd war im Begriff, den neuen festzukeilen, als unter großem Getöse der ganze Ab- bau z n s a m m e n b r a ch, unter sich drei der dabei beschäftigten Arbeiter begrabend. Ter vierte Arbeiter wurde s durch ungeheure Erdmassen imd den Lnstdrnck einige Meter in der Strecke entlang- geschlendert nnd kam außer mit einigen Hantabschärfungen mit dem bloßen Schrecken davon. Llkau ist jetzt mit dem Bergen der Leichen beschäftigt, glaubt aber kanm»'sie noch in dieser Woche ans TageS- licht fördern zu können, da immer noch ungeheure Erdmassen nach- rutschen. Nnglücköfall ans dem Rhein. Bei Mondorf(Siegkreis) ereignete sich ein bedauernswerter Unfall. Vier Fischer gerieten in Änsülmiig ihres Gewerbes mit ihrem leichten Fischcrkahn in einen Strudel des' Rheines. Einer konnte sich retten, während die anderen drei ihren Tod in den Welle» fanden. Um fünfzig Pfennig. Drei ArbcitSlcute spielten am Sonntag in einem Gasthanse in AryS.Karten und dabei soll einer bon ihnen den beiden anderen fünfzig Pfennig im Spiel abgewonnen haben. Als die Leute das Gasthaus verließen, überfielen die zwei Verlierer den Gewinner, zerbrachen ihm ein Bein und einen Arm, zcr- trüinincrtcn ihm die Nase, schlugen ihm ein Auge ans und ließen ihn in diesem bejammernswerten Zustande liegen. Der so schrecklich Zugerichtete starb nach einigen Stunden: er konnte aber, als er nlifgcfnndcn wurde, noch die Namen seiner Mörder angeben. Diese sind nunmehr dingscst gemacht nnd nach Lyck transportiert worden. 3lnS Kopenhagci» lvird berichtet: Infolge eines Brandes im Hauptleitungülaiial'trat DicnStagnacht eine Störung in der Haupt- station des' elektrischen L i ch t b e t r i e b e s ein. In ganz Siopciihagcn erlosch die cleltrische Beleuchtung: am meisten wurden die ZcituilgSdruckcrcicn von der Störimg betroffen. Der Brand wurde bald' gelöscht, die Betriebsuiiterbrechinig dürfte aber mehrere Tage andauerii. In Wien lvütete gestern Nacht ein heftiger Sturm, der bis in die Vormittagsstunden andauerte nnd an Gebäuden und Park- anlagen Verheerungen anrichtete. So weit bis jetzt gemeldet wurde, find vier Personen durch den Sturm nicdergeworfei» und mehr oder weniger schwer verletzt worden. Grubenunglück. Infolge Allfstoßens eines niedergehenden Förderkorbcs ans ein nicht zurückgezogenes Kaps kamen ans Zeche „Ludwig" 15 Bergarbeiter zn Schaden. Bei vier der Verletzten war die Katastrophe von solcher Wirkinig, daß ihr Zustand zum Teil als lebensgefährlich gilt. Der Korb sollte bis zur dritten Sohle nieder- gehen, stieß aber ans der zweiten Sohle auf das Kaps. Wie der betr. Wärter behauptet, soll die Einrichtung nicht ftmkionicrt haben. Marktpicisc voll Berlin om 4. Dezember 1899 nach Ermitlclimgcii des kgl. Polizeipräfidinms. «/Weizen D.-Ctr. ♦)3!cflflcn Fiiltcr-Gcrste Hafer gut „ mittel, „«eviltfl Nichtstroh Heu ■jlSrbfcn. ß/Spcifcbohnen, tiiiiiiicu. Kartoffeln, neue Nilidffcisch, Keule 11-l bo. Banch ,. ) Ennittelt pro 1kg 60 Stück 1 kg per Schock 1,60 1,80 1,60 2,80 6,- 2,20 2�80 2,50 1,80 1,60 2,80 1,20 12.- 1,10 1.- 1,— 2- 3,- 1,- 1,40 1- 1,— 0,80 1,40 0,60 3,- 14,70 13,90 Schweinefleisch 14,60 13,60 Kalbfleisch 14,— 12,00 Hammelfleisch 15,— 14,30 Butter 14,20 13,50 Eier 13,40 12.80 Karpftu 4,- 3,66 Aale 6,80 4,20 Zander 40,— 25,— Hechte 50,— 25,— Barsche 70,— 30,— Schleie 7,- 5,- Bleie 1,60 1,20 Krebse 1,20 1.- Toimc von der Centralflelle der Preith. Landwirt- schastSlanimenl— Slolieriingssicllc— nnd umgerechnet vom Polizeipräsidinui für den Dvppel-Crntner. t) Kleinhandelspreise. Produkten in arlt vom 5. Dezember. Am Getreidemarkt boten die festeren Tendenzberichte aus Skem ZIorl und Chikago, wo eine leichte Ab- »ahme der sichtbaren WeizeuvonKte stlmulierte, der Speinlatton einige An- reguug. SiaiiieutUch für spätere Lieferungsfristen machte sich Kanslust geltend. Da überdies daß aufllarende Wetter die Abgcber zur Zurückhaltung mahnte, so trat eine Anfwärtsbewegniig der Preisgebote ein. Im Vordergründe des regeren Interesses stand Roggen, der bis 1 M. besser bezahlt wurde, währen» Weizen nur 0,50 M. anzog. Hafer fand wenig Beachtung, ebenso Rüböl.— Am Spiri ins markt wurde ein kleiner Posten bOer loco verschlossen und mit 67,30 bezahlt, 70er stellte sich 47,80(+ 0,20). Termine waren bei miuimnlcm Handel nominell gut behauptet.— Kartofsel- s a b r i k a t e. Feuchte Kartoffelstärke 10,30 M. Ia reine Kartossclstärle disponibel und Januar-Fcbruar 19,25—19,50 M. Ia Stärke und Mehl, Mittel- Qualität 18,50 M. per 100 Kilogramm. Wetter-Prognose für Mittwoch, deu 6. Dezember 1899. Ein wenig kälter, teils heiter, teils wolkig mit geringen Nieder- schlägeu und mäßige» wesilichen Winden. Berliner Wette rbureau. Für tot Inhalt der Inserate I übernimmt die Redaktion dem Pttbliknm gegenüber keinerlei! Äerantwortnng. Tlzvakvv. Mittwochs Dezember. Opernhaus. Die Meistersinger von Nürnberg. Ansang 7 Uhr. Schauspielhans. Schlaraffenland. Anfang 7r/z Uhr. Neues Oper»- Theater(Kroll). Gustav Adolf- Festspiel. Anfang 7V- Uhr. Deutsches. Der Probekandidat. An- sang 7V, Uhr. Lessing. Die Ehre. Ans. 7Vz Uhr. Berliner. Die Herren Söhne. Au- fang 7-/, Uhr. Schiller. Die Richterin. Anfang 8 Uhr. Neues. Ein unbeschriebenes Blatt. Anfang 7Vz Uhr. Westen. Undine. Anfang 7l/z Uhr. Thalia. Der Platzmajor. Anfang 7V- Uhr. Residenz. Busch und Reichenbach. Vorher: Die Richtige. Anfang 7V2 Uhr. Luisen. Kurbad Centrum. Anfang 8 Uhr. Central. Die Geisha. Anfang 7-/2 Uhr. Carl Weift. Der Weltuntergang. Anfang 8 Uhr. Friedrich- WilhelmftädtischeS. Ein gesunder Junge. Anfang 8 Uhr. Bictoria. Die Venus von der Markt- Halle. Anfang 8 Uhr. Belle- Alliance. Gastspiel des Schlierseer Bauern- Theaters. Liserl vom Schltersee. Anfang 8 Uhr. Mctropol. Spccialitäten- Vor- stclUmg. Rund um Berlin. Ansang 8 Uhr. Apollo. Specialitäten- Vorstellung. Ansang 7V, Uhr. Rcichshalle». Stettiner Sänger. Anfang 8 Uhr. Urania. Jnvalidenftr. K7/«S. Täglich abends von S— 10 Uhr: Stcrmvarte. Tanbenstr. 48/4S. Im Theater: ..Transvaal". Vorher:„Der dunkle Erdteil". Anfang 8 Uhr. Palast. Susanne im Bade. Special!- täten-Vorstellung. Aus. 8 Uhr. Passage- Panoptiriti». Special!- täten-Vorsiellung. gtfjiMjeiiter (Wallner-Theater). M i t t w 0 ch, a bcnds 8 Uhr: Idiv Itlclltvi'in. Schauspiel in Auf.;, vach Conr. Ferd. Meyer von Roman Wörner. Donnerstag, abends 8 Uhr: Freitag. abendS 8 Uhr: __ Die Richteriii._ Crntvnl Dhrntev Direktion: Jos6 Ferencry. D i v G e i s h n. Anfang r/,8 Uhr. Morgen: Dieselbe Borstellung. Sountagnachuiitt. 3 Uhr zu halben! Preisen: Die Fledermaus. Von j Johann Strauß. cksbulM Sonntag, den 10. Dezember, nachmittags S'/. Uhr. iul Schiller-Theater, WMntrtjellter-Strilße Nr. 33: Ordentliche Nereinsvorstellung: ver kiedter von 2a!smes. Schauspiel in 3 Akten von Caläsroa de la Barca. Mitglieder werden außer in den bekannteu Zahlstellen auch bei dem Kassierer H. Xeft. Georgenkirchstrafie 24a. aufgenommen. Einschreibegeld 50 Pfennig. Vorstcllungsbeitrog 50 Pfennig. Monatsbeitrag 25 Pfennig.__ 150/20 Urania Tnubenatrasse 48/40. Im Theater abends 8 Uhr: Transvaal. Vorher; Der dunkle Erdteil. Invalldcnstr. 57/02: Sternwarte. Passage-Panopticoin." Keu! Anatomisch. Museum. Dienstags für Damen. Passage- Idealer Beginn, des Konzerts 6 Uhr, derVorst. 7Uhr. 15 erstklass. Deb. CASTÄNS" PANOPTICÜM Präsident von Transvaal „Ohm" Krüger und General Merl mit kriegsgerüsteten Boeren. Eine Gruppe von aktuellstem X terasse! Thalia-Theater. Tel. AmtIVa 6440. Dresdenerstr. 7J/73, IT Drittletzte Woche! Der Plntzmajor. Thomas, Thielscher, Helmerding, Junkermann. Anfang 7Vj Uhr. Morgen und folgende Tage: Der Plahmajor. Mpol-TliGater. Behrenstr. 55/37. Dir.: Rieh. Schultz. _ Um 10 Uhr 30: cariweiss Theater! Liane de Vries. My Wolf. Brothers Ceado. Freres Kulper. Frsny. Rivoli. The 5 ßreenwootls. Um 8 Uhr 40: Rund um Berlin. Drt Wtltlllitngailg. Anfang 8 Uhr. BorziigsbilletS haben Gültigkeit. Im Tunnel v. 7 Uhr an Frelkvnzert. Sounabendilachiu. 3Va Uhr: Kinder- dorstellmlg. Kleine Preise. Aschen- brödel. Zaubcrmärchen mit Gesang. Fslest-Ihester früher Eecu-Dalant, Burgstr. 22. 1 Das riesengroße neue Dezember-Wogramm! 10 erstklassige Specialitäten. Sehe»! Atkredo Truppe. Staunen! kiu Morgen in SMsrito. Große urfomifdje Pantomime. Dazu die unvergleichliche, allabe»d-j lich mit großem Jubel zum 71. Male aufgeführte GefaugSbnrlcöke Susanne im Wde. Auf. TVj Uhr. Kafsenöffnung ti'/j Uhr. Billct-Vorvcrkaiif von 11—1 Uhr. In Vorbereitung: beute von heute. SV VorzugSkarten sind gültig"7WU und in allen Cigarr.-Gesch. zu Haben. Anfang 8 Uhr. ReichsHallc». Stettin er Sänger. Zum Schluß: „Teitoristen- Vogel". Tageskasse 11—1. Ans. präc. 7 Uhr. Mittwoch, d. 0. Dez., abends 7>/z Uhr: Gala-Programm! Zum 27. Make: Vir Caurorrn. Von der gesamten Presse als daS größte und imvosnnteste SensationS- Schaustück d. Jahrhunderts anerkannt. Sturz d. Marchese Uuiai Falaetti v. d. Fclsenllippe durch die Camorristen aus einer Höhe von 150 Fnst kk Ailßcrdcin: Stack und Milton, Matadorc auf dreifachem Reck. Miß lala lee. Schulreitcrin. Treffnr- spielcr. Ballspiclcnde Pferde. Hengste und Elefanten ans dem Spielplatz. Bettpferd. Morgen. Donnerstag. 7. Tezeuiber, abds. 7l/z Uhr: Großer Sports-Abend. Sonntag, den 10. Dezember, nachm. 4 Uhr: Signor Moglia mit seinen dressierten Affen n. Olymp. Spiele. vfrlUIS Alb. Schumann. ! Heute, Mittwoch, den 6. Dezember, abends präc.?>/, Uhr: Zum 18. Male: Der erste Schlager der Saison k Größtes SfiF" Mitte cid) nuftärt-HW Schwarz m» Weiss. Die Orfginal-Transvaal- Voreven. Die phänomenalen Andrea— voldeu— Haeton. vood Night, das Original Bettpferd. Die dreff. Hengste im Kindergarten! Tsching-Taching. Schulpferd, sämtl. Orig.-Creatton. d. Dir. Alb. Schumann. The 7 Eugens, Elite-Parterre-Alro- baten. ClownS Rappo»nd Sullivan. Signor Armand« mit semen dressiert. Assen. Mlle. tdansa llartoveska, San- tense» calisourcho». Doppel-Jocley- Act Gelchw. Hodgint K.:e. Apollo-Theater. Zum letzten Male; Frau Luna mit dem Lufthallett„Grlgolatit" Ferner die neuen Speeialilälen. Anfang 71/« Uhr. Vorverkauf 1 8 glich Im Theater, beim„KUnstlerdank", Unter den Linden 69, und beim„Invalidendank", Unter den Linden 24 L W. Noacks Theater, Bninnenstraße 16. Oer Raub der Sabinerinnen. Schwank in 4 Akten von Franz und Paul v. Schönthän. Jeden Sonntag, Dienstag und Tonnerstag nach der Vorstellung: Tanzkränzchen. Maehrs Theater Oranicnstr. 24. Freitag, den 8. Dezember cr. Auf vielfaches Verlangen k Der Mermann und sein Megediud. Valksstück in 5 Aken von Charlotte Birch-Pseiffer._ K Bons haben Gültigkeit.-lWU g 8 Uhr. Sonntags 6 Uhr. !Sa«ssm»«i ICottbusevstr. 4 a. Täglich außer Sonnabend: iffmanns Nord- Auf. Sonnt. t/,7,wochent. 8. Sonntag und Donnerstag nach der Soiree Tanst. Donnerstag, 7. Dez., zum 700. Mal: Lcne, liebe Lcne. Jeder Besucher erhält den Text gratis. .Ampnegii-Tdentpp. Dresdonerstr. 96. Dir.: Emil Schnabl. dllle. Darlous Takloaiix vivaiit« und 10 erstklassige Debüts. „Berlin ulkt!" Anfang 8 Uhr. Kasseneröffnung 7 Uhr. Zariteksctictzt« Knabe«-Anzüge _ und Rciseninsler ÖBF" sind billig abzugeben 30 Köttigstr. SO, II. Engrosgeschift. 149/2G| UtW! v ereine. Sonnabend 3. n. 17. Februar: AWr» Snnl ri>«t!-VW WPMj Alcxauderstr. 27c. Huslineli«»' Garten. '— Friedrichsberg. JcmiftStej,?. Aimdn, MS S'l. llhr, bti htttn hislich, gtaulfurttt EtutSte HO: Volks-Versammlung. TagesrOrdnung:, 1. Was können die Arbeiter von der hiesigen Orts-Krankenkasse ver- langen? Referent Reichstagsabg. Arthur Stadthagen. 2. Kommunales. Um zahlreichen Besuch bittet_ 223/12_ Pei.' Einbernfei*._ Maurer Charlottenburgs! Donnerstag, den 7. Dezember, abends 8 Uhr: 4i!i'«ss« Fersammlnngr in der Gambrinus-Krauerei, Wallstr. 94. Tages-Ordnung: 192/7 I. Die Ttellnng deS«rbeitgeberbnndes in der Achtzehner-Kommifflon gegenüber den Gesellen- Vertretern. 2. Der Wert der Berufsstatiftik. 3. Berichterstattung der Delegierteil von der letzte» Konferenz. 4. Bericht der Gcwerbegerichts-Beisitzer und Neuwahl derselben. 5. Bericht vom Gewerkschaftskartell und Neuwahl. NB. Kollegen! Da die Tagesordnung von großer Bedeutung ist, so ist es Pflicht eines jeden Kollegen, in dieser Bersauimlung zu erscheinen�__ F. A.: Wilhelm Schulze, Pestalozzistr. 73. I UMstiiler-DkrWgullg. Die in der gestrigen Nummer angekündigten Bersantmlnugen finde» nicht am Montag, sondern heute, Mittwoch, den<*. d. M., statt. Die Ortsverwaltung. Mwig! AMmig! Donnerstag, den 7. Dezember, abends 8 Uhr: Mersammlung der Plad-Depntierten bei Lange, Dragonerstraße 4». Es ist unbedingt notwendig, daß von jeder Arbeitsstelle ein Vertreter anwesend ist._{283/3}_ Die»onemissi««. Danksngnng. Für die zahllosen Beweise liebe- voller Teilnahme sowie die herrlichen Kranzspenden bei der Beerdigung meiner lieben Frau sage Freunden und Bekannten meinen tiefgefühltesten Dank. 1256b Der trauernde Gatte Adolph Hagen u. Sohn._ Für die liebevolle Teilnahme bei der Beerdigung unseres lieben, un- vergeßlichen Bruders und Schwagers Otto IVlenlcke sagen wir allen Verwandten und Bc- kannte», insbesondere den Arbeitern und Arbeiterinnen der Allg. Elektri- citäts-Gesellschaft, Abt. Bmnncnftraße, unfern tiefgeflihlten Dank. 11150b Die trauernde» Hinterbliebenen. Freitag, de» 8. Dezember, abends 8 ilhr im Lokal des Herr» Buske, Grenadierstraste Nr. 33 OeHiche Versammlung der Delegierten. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Herrn Rechtsanwalt Viktou k'rttnkl über:«Das Bürgerliche Gesetzbuch in socialer Beziehung". 2. Verschiedenes. A«?- Die dem Kartell angeschlossenen Gewerkschaften find srenndlichst Kaden. 285/2 emgesi Achtung, Bauanschlager! Freitag, 8. Dezemdcr, abends 7 Uhr» im Lokal deö Herrn Spiegelberg, Sebastianstrasse LS: Große öffentliche Dersammlnng. Tagesordnung: 1. Unsere Lohusrage. 2. Autrag der Lohnkommisston. 3. Verschiedenes. Zahlreichen Besuch erwartet 19/5 vi« I.ohnkoininlMion. Anzüge tmiluKililbeil Gröstte Zlusivahl in in-»nd aus- ländischcn Stoffen für Paletots, Anzüge, Beinkleider zc. werden unter Garantie des guten Siües zu«berans billigen Preise» schnellstens augefertigt im Tuchgeschäft bei A. Karle. Waidemarstr. 66. Lauscha. aus Lauscha ver- Die Genosse» sende» Marmor- nnd Granitarbeiter Berlikks. Heute, Mittwoch, de»«. Dezember, abends 8 Uhr: OetTentliche Tepsainmlnng im Englischen Garten. Alcxaiiderftraffe 27«. Tagesordnung: 1. VierteliahreS-Abrechnung und Abrechnung von der Lohnbewegung- 2. Gewerlfchastliches. 3. Verschiedenes. 275/8 Um recht zahlreiches Ericheiucn ersucht Der Bcrtraueusuian«. KZxrloi'f. DonnerStag. de» 7. Dezember, abends 8>/a Uhr, im Lokal des Herrn Knvploi', Bergstraße Nr. 147: Uolks Uersammtnng. Tagesordnung: 1- Die am hiesigen Ort den 8. und 9. Dezember stattfindenden Gewerbe gerichtswahlcn. Referent Reichstags-Abgcordneier Gen. Frlta Znbell. 2. Dislussion. 3. Verschiedenes. 205/2 WU- Hoffentlich zeigt die Arbeiterschaft Ripdorfs durch starken Besuch der Versammlung, daß es Interesse an den Gcwerbegerichtswahlen hat. Der Vertrauensmann der Gewerkschaften Rixdorfs. daS Postkistchcn»»tcr Nachnahme franco für 5 M., enthaltend nur größere, fein versilberte und bemalte Neuheiten, auch Reflex-Perlen-Kngeln, Eier, Glocken, Baumspitzcn und Früchte aller Art usw. Als Beilage eine Bernstein- Cigarrenspitze aus Glas mit der eingebrannten Photographie von Bebel oder Liebknecht. Für väl- lige Zufriedenheit des Käufers wird garantiert. Man schreibe an Gniäo Müller jun. ZIZöL' LauNcha I. Th. + Natur- hellvarfahrtn. 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Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme sowie für die reiche Kranz- spende bei der Beerdigung meines geliebten Mannes und Vaters Franz Bendschneider sage allen Verwandten, Genosse», Kollegen und Bekannten meinen herzlichen Dank. 1249b Ww. Bendschneider nebst Kindern. Umsonst erhalten Sie 100 Postwitieknrtcn oder-DM" 50 KOnstler- karten, wenn Sie 1 Sortiment Clratnlatlonnkarteii, bestehend aus Seiden-, Zug- und Bücherkarten etc., elegant ausgeführt, für den Preis von 7,50 M. pro 100 Stück; bei Abnahme von 200 Stück 13.— Mark, von mir beziehen. Aeusserst konkurrenzfähig. Beeile Geschäftsführung Princip. Versand gegen Nachnahme. 3x41L* Luxuspapierfabr. S.Stelnlcke BERElJf, Chorinerntr. 6. Knabenanzüge u. Paletots. Mndchenkleideru.-Mäntel preis«. 29168*) 0. Hoffmann, Vetcranenstr. 14. Die schönsten nnd passendsten Weihnachts- Geschenke sind gut gearbeitete 31529* Steppdecken Am besten und billigsten direkt in der Fabrik Beruh. 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