Nnterhaltungsblatt des Horwiirts Nr. 8. Freitag, den 11. Januar. tö07 lNachdruck verboten.) � j�aäame cl'Ora. Nomon von Johannes V. Jensen. Aber während sie dastanden und den Tiger ansahen. der in seinein Käfig ans und nieder ging, unruhig und vom Sonnenschein geblendet, rief Madame d'Ora aus: „Da stehen sie ja alle beide!" „Wer?" fragte Hall, „Evanston und Mirjam, Dort beim Affenkäfig." Sie lief dahin und brach in ein Gelächter aus. „Guten Tag, Mirjam! Herr Evanston will Dich wohl seiner Familie vorstellen? Guten Tag, Herr Missionar! Daß New Nock doch nicht größer ist! Wie geht es Dir, Mirjam, bist Du in Dein neues Heim gekommen, und magst Du gern da sein?" Evanston hatte sich einen Schritt zurückgezogen, sein Ausdruck bezeugte, daß er sich geehrt fühlte und doch einen gewissen Abstand bewahren wollte, er starrte Madame d'Ora an und bemühte sich, warnend zu lächeln. „Fräulein Karekin wohnt jetzt im Hause des wohl- ehrwürdigen Samuel K. Mc. Carthy, Atlantic Avenue. Brooklyn, eines allgemein geachteten Mannes, der Ihnen, gnädige Frau, freilich wahrscheinlich unbekannt sein wird. Ich bin überzeugt, Fräulein Karekin wird die Freundlich- keit nicht vergessen, die man ihr an Bord des„Bacharach" erzeigt, wie ich auch überzeugt bin, daß es zu ihrem besten ist, daß sie jetzt in ruhigere Verhältnisse gekommen ist..." „Sagen Sie lieber, Sie freuen sich, daß sie nicht mehr bei mir, der Entsetzlichen ist," sagte Madame d'Ora trocken. „Herr Evanston, darf ich mir die Frage erlauben, ob es Ihre oder Mirjams Idee ist, daß Sie hier'sind und die wilden Tiere ansehen? Wenn es Mirjams ist, so befinden wir uns hier in einem Garten Edens, wenn aber Sie es sind, der sie hierher geführt hat. so ist es— darf ich es sagen?" „Fräulein Karekin versteht noch kein Englisch," ent- gegnete Evanston mit einem unheilverkündenden Blähen der Nüstern:„wäre das der Fall, so würde unsere Unterhaltung ihr Ende erreicht haben." Edmund Hall legte sich ins Mittel, indem er eine Ve- merkung an Evanston richtete, und während sie sprachen, nahm sich Madame d'Ora Mirjams an. die ein wenig hüls- los dastand, sonst aber frisch und lebhaft aussah. „Aber wo ist die hübsche Frisur, die ich Dir gestern �morgen gemacht habe?" fragte Madame d'Ora ganz vor- wnrfsvoll.„Darfst Du dort, wo Dil bist, nicht damit gehen? Du siehst lange nicht so hübsch aus, wenn Tu das Haar aus der Stirn trägst, obwohl Tu auch so süß bist. Herr Evanston, warum darf Fräulein Karekin doch nicht ein wenig modern ausschen? Ist es ein sehr pietistischer Mann, in dessen Hanse Sie Mirjam untergebracht haben?" Evanston antwortete nicht, sondern sprach weiter mit Hall, dem er große Fürsorge und Ehrfurcht erwies. Sie gingen ein wenig zwischen den Käfigen umher, und Madame d'Dra fing an, Mirjam von den Tieren zu erzählen. Mirjam schien ganz Auge zu sein, mit großen, lebhaften Blicken sah sie alles an, aber die feinen Züge rührten sich nicht. Nur wenn Madame d'Ora sie dazu zwang, sprach sie, und dann lächelte sie, schien aber nicht fröhlich zu sein. Es gelang Madame d'Ora nicht, sie zum Lachen zu bewegen, weder über die Bären noch über das Kamel, das sie selber auslachte, oder das Flußpferd, dessen Blick sie vor Vergnügen hüpfen machte. Nur einmal blieb Mirjanr von selber vor einer Umzäunung stehen, wo ein Paar Bergschafe weideten. Sie schienen ihr Gefallen zu erregen, sie sah zu ihnen hinein und ihr schönes Gesicht wurde noch stummer. „Mein Gott, fühlst Du Dich so angezogen von dem Schaf!" rief Madame d'Ora mit einem teilnehmenden Lachen und umarmte sie. Mirjam seufzte und sah mit sairften Augen auf. „Das muß Hall hören!" sagte Madame d'Ora glucksend. Sie eilte zu den anderen beiden und erzählte es. aber weder Hall noch Evanston konnten darüber lachen. „Ob wir nicht lieber fahren sollten?" fragte Hall„Sie wollten mit mir in bezng auf Fräulein Karekin sprechen, Herr Evanston. Wollen wir nach meinem Laboratorium fahren— ich denke, wir haben alle vier Platz im Automobil — oder ziehen Sie es vor, in meine Privatwohnung zu kommen? Ich wohne in der dreißigsten Straße. Das Haus, in dem ich mein Laboratorium habe, wird um sechs Uhr ge» schlössen." Evanston sah Madame d'Ora mit einem Blick an, bei dem sie ihn sofort ertappte: „Ja, ich fahre mit, Herr Evanston," sagte sie und lachte ihm ins Gesicht.„Ist Ihnen das sehr unangenehm?" Er schlug die Augen nieder, und an seinen Kiefern bildeten sich große Muskelknotcn. „Komm. Mirjam, wir wollen zusammen sitzen, mein liebes kleines Schaf. Dann können die beiden Hirten sich mitein- ander unterhalten." Hall lachte kopfschüttelnd über Madame d Ora, aber sie machte mit kampfbereiter Miene Front gegen ihn. Sie war unwiderstehlich und als sie das alte, verliebte Aufblitzen in Halls Augen sah, ward sie wieder die Güte selbst. Während sie nach der Stadt hinunterfuhren, strahlte sie vor Aus- gelassenheit. Evanston saß schweigend da. Im Laboratorium angekommen, ließ Hall die beiden Damen Platz an den Fenstern nehmen und forderte Evanston auf, sich an seinen Arbeitstisch in dem anderen Ende des Raumes niederzulassen. Evanston aber schien dies nicht als Aufforderung zu betrachten, mit seinem Vorhaben heraus- zürücken, er fing an, sich umzusehen und über die verschiedenen merkwürdigen Dinge zu reden, die im Laboratoriuin zu sehen waren. Hall pflegte mit niemand über seine Arbeiten zu sprechen, aber in dem Bestreben, Madame d'Oras llnliebens- Würdigkeit gegen Evanston wieder gut zu machen, begann er, ihm einige in die Augen fallende Kleinigkeiten zu zeigen, die, wie er wußte, stets die Aufmerksamkeit deS Laien fesseln. „Wir wollen auch sehen!" rief Madame d'Ora vom Sofa her und kam mit Mirjam herbei. Nun sah Hall ein, daß etwas gemacht werden mußte, und mit der Miene eines Zauberers schickte er sich an, einen Kolben und einige Gläser zusammenzustellen, er lächelte Mirjam zu und klingelte ge- heimnisvoll. Mirjam errötete. „Ach, das ist der alte Versuch mit Luft, die knallt," sagte Madame d'Ora geringschätzend,„wie inagst Du nur!" „Fräulein Karekin hat es vielleicht noch nicht gesehen." meinte Hall und sah gutmütig ans. Madame d'Ora wandte sich ab und begann unter einem ignorierenden Trällern eine Reihe Reagenzgläser zu betrachten, die zugedeckt und mit Auf- schristcn versehen in einen? kleinen Stativ standen. Es waren gefärbte Flüssigkeiten und sonderbare erstarrte Massen darin. „Was ist das?" fragte Madame d Ora. „Das sind Va.zillcn," erklärte Hall,„nimm Dich in acht, daß Du keines der Gläser zerschlägst. Sie sind gefährlicher als Dynamit." „Komm doch her und erkläre mir das alles," befahl Madame. Hall ging lächelnd hin und nahm verschiedene von den Gläsern heraus, klopfte mit dein Nagel daran und erzählte, was sie enthielten. Aber dies interessierte auch Evanston lebhaft, und Mirjam sah mit großen, friedlichen Augen zu. Hall zeigte ihnen Tuberkelbazillen und suchte ein Buch hervor, in dem sich Bilder davon in vergrößertem Maßstab befanden. Er zeigte ihnen Pestbakterien und andere tödliche Ansteckungsstoffe. Madame d'Ora stand da und pfiff, sie langweilte sich. „Es ist sonderbar," sagte Evanston und wog eins der Gläser in der Hand,—„hier stehe ich mit diesem Glasrohr. das nichts weiter zu enthalten scheint als ein wenig trübes Wasser, und dabei ist es eine kleine Welt von Krankheiten..." „Es sind Keime zu Hydrophobie in dem Glase. Hunde- tollivut, genug lim eine Provinz anzustecken." erklärte Hall. Evanston hielt das Glas mit einen? Ruck vor sich hin. setzte es dann langsam und vorsichtig wieder in das Stativ. „Und dies?" fragte er. auf ein anderes Glas?nit einer blutroten Flüssigkeit zeigend. „Sollen wir denn jetzt Dem Knallkunststuck sehen?" fragte Mada?ne d'Ora ungeduldig. „Ich m?lß erst ein wenig Seifenwasscr haben," sagte Lall und ei?tfernte sich.„Eine?? Augel?blickl" Miriam Tjiclf: 5cn Kovf tu Sic?ö?c itnS schnüffelte Unbewußt wie ein junges Tier. Plötzlich verbreitete sich eine eigentümlich kalte Luft in der gewöhnlichen Atmosphäre des Laboratoriums. Sie kam aus dem Entwicklungsapparat, den Hall aufgestellt hatte. Madame d'Ora trällerte eine Melodie vor sich hin und klopfte mit dem einen Fuß unge- duldig auf den Fußboden. Auf einmal sah sie Evanston mit einem großen, kriegerischen Mick an, betrachtete prüfrnd seinen grauen Anzug, seine Stiefel: Evanston machte sich aber etwas zu schaffen und wandte ihr den Rücken zu. Er hatte eine Maschine von sonderbarem Aussehen entdeckt und fing an, sie zu untersuchen. Madame d'Ora sah sich elend an diesem grauen Rücken, der die Schulterblätter ihr zuwandte. Schließlich lachte sie mit einem kurzen Schnauben vor sich hin. Sie sah Mirjam an und ließ ihre großen Augen, die jetzt ganz vorstehend waren, über ihre schniächtige Figur und das einfache weiße Kleid gleiten. Aber sie sagte nichts. Und Mirjam stand unschuldig da. „Darf ich mir die Frage erlauben, wozu diese sonder- bare Maschine dient?" ertönte Evanstons vorsichtige Stimme. Er wandte den Kopf fragend nach Hall um und zeigte auf den Apparat. „Das ist eine Maschine zur Herstellung von Radium," antlvortete Edmund Hall, der mit einer Tonpfeife und einer Tasse mit Seifenwasscr beschäftigt war. „Radium— ach so! Radium.— ich meine doch, ich habe etwas darüber gelesen— das ist ein neuer Grundstoff, nicht wahr?" Hall nickte. Er blies, von Mirjam beobachtet, das Seifenwasser in der Tasse zu Blasen auf. (Fortsetzung folgt.) (Nachdruck verboten.) Die Dr. Hrons- QucckfUbcr- Dampflampc ist öor kurzem von der Allgemeinen Elektrizitätsgcsellschaft zu Berlin in den Handel gebracht worden. Bei der Fülle von Neue- rungen, die beständig auf dem Gebiete der Beleuchtungstechnik auf- tauchen, denkt man vielleicht, wenn man den Namen zuerst hört, an eine technische, von Dr. Arons eingeführte Neuerung, um so mehr, als mehrfach bereits von der Quccksilber-Dampflampe in Verbindung mit dem Namen des Amerikaners Cooper-Hcwitt in den letzten Jahren die Rede ivar. Doch ist das nicht ganz richtig. Die Quccksilber-Dampflampe ist bereits 14 Jahre alt, und es handelt sich bei ihr nicht um eine amerikanische Erfindung, sondern um eine deutsche, eben eine Erfindung unseres Genossen Dr. Leo Arons. Dr. Arons hat die Lampe am 21. Oktober 1892 der Physikalischen Gesellschaft zu Berlin vorgeführt. Damals war er Privatdozent an der Berliner Universität, aus welcher Stellung er bekanntlich wegen seiner sozialdemokratischen Gesinnung entfernt worden ist. In ihrer einfachsten Form, in der die Lampe vor 14 Jahren der zzdnnkalischcn Gesellschaft vorgeführt wurde, besteht sie aus einer luftleer gepumpten U-formig gebogenen Röhre, deren nach unten gekehrte Schenkel mit Quecksilber gefüllt sind. Die Strom- zuführung wird durch eingeschmolzene Platindrähtc vermittelt. Der Lichtbogen zwischen den Ouccksilberkuppen in den beiden Schenkeln entsteht, wenn man durch Reigen der Röhre eine vorübergehende Berührung der Kuppen bewerkstelligt. Bald nach dem Vortrage von Dr. Arons in der Physikalischen Gesellschaft wurde die Lampe in mannigfachen Modifikationen für Laboratoriums- und technische Zwecke hergestellt, sowie in den ver- schicdensten Zeitschriften— wir nennen nur die»Zeitschrift für BcleuchtungSwesen" und die„Zeitschrift für Jnstruinentcniunde" — eingehend beschrieben. Die ihr eigentümlichen Vorzüge sind: sie verbraucht kein Material; das Quecksilber destilliert langsam von der Anode zur Kathode hinüber; ist der Kathodenschcnkcl bis zur Biegung gefüllt, so fließt das Quecksilber zurück, ohne daß eine Untcrbreckning des Leuchtcns stattfände. Ein weiterer Borzug ist die Möglichkeit, den Lichtbogen außerordentlich zu verlängern; Arons beschrieb im Jahre 1896 in den»Annalen der Physik", wo er seine weiteren Studien über den Quecksilbcrlichtbogcn vcröffcnt- lichte, einen solchen von dreiviertel Meter Länge. Durch eine solche Ausdehnung der Lichtquelle— das Licht strahlt von dem ganzen dampferfüllten Räume aus— werden ähnlich wie beim zerstreuten Tageslicht scharfe Schlagschattten vermieden. Weiter stellt das Licht dieser Lampe das rationellste Licht dar. dessen Herstellung bis jetzt geglückt ist; denn es wird fast die Hälfte der aufgewendeten Energie in sichtbare Strahlung umgesetzt, gegenüber einem Fünf- zigstel beim Gasglühlicht, einem Seckizehntel beim elektrischen Glühlicht, einem Zehntel beim elektrischen Bogenlicht und dem Acetylenlicht. Professor Lunimcr, eine der bedeutendsten Auto- Fitäten auf dem Gebiete der Beleuchtungstechnik, gcgenioärtig Direktor des Physikalischen Jnstiiuls an der Universität Brcslcklk. sagt von der Lampe:„Tie Tcmpcraturstrahlung scheint bei ihr ganz ausgeschlossen. Damit wären wir tatsächlich bei der Luminesccnz-Lampe, dem Leuchten der Geißlerschen Röhren, des Lc.'ichtkäfcrS usw. angelangt, und zwar in einer tcchnifch vcrwend, baren, tocil ökonomischen Form." Ein weiterer Vorteil der Lampe zeigt uns sofort auch ihren hauptsächlichsten Nachteil: Betrachtet man ihr Licht mit einem Spektroskrop, so erblickt man nicht wie bei einer anderen elektrischen Lampe oder sonst gebräuchlichen Beleuchtungsquelle das sogenannte „kontinuierliche«pektrum", das bekannte Lichtband, das die Regen» bogenfarben von Rot bis Violett im stetigem Uebergange zeigt, soi.dern das„Linienspcktrum" des Quecksilbers, einzelne scharfe hell strahlende Linien, zwischen denen die Ucbergänge völlig fehlen. Dieser Eigenschaft verdankt die Ouecksilbcr-Tampflampe von Arons ihre große Bedeutung für optisch-wissenschaftliche Untersuchungen. bei denen man ein starkes Licht von einfacher Farbe braucht; da- gegen vermindert diese Eigenschaft zugleich die Verwendung des Lichts für die gewöhnliche Beleuchtung. Denn in dem Spektrum des Ouecksilbcrdampfs fehlt vollständig das Rot, und deshalb werden di« Farbcneffekte in dieser Beleuchtung recht eigentümlich und viel- fach geradezu abstoßend. Bier z.-B. sieht in diesem Licht wie Absinth aus, saftiger frischer Schinken erscheint als eine faulige grüne Masse, die Menschen erhalten ein fahles leichcnhaftes AuS- sehen mit grünlich-gelbcn Wangen und bläulichen Lippen. Ucber- all dagegen, wo es auf die Farbe nicht ankommt, in Zeichensälen, Werkstätten, Maschinenräumen, dampfhaltigen Betrieben, bei Schaufensterrcklame usw. wirkt dieses Licht sehr angenehm. Tie Arbeiter der Feinmechanik rühmen ihm nach, daß bei ihm ihre Sehschärfe eine ganz außerordentliche ist. Auch dies beruht auf dem völligen Fehlen des roten Lichts. Unser Auge kann ebenso- wenig wie die von Menschen verfertigten optischen Apparate für alle Lichtarten achromatisch eingerichtet sein, d. h. für die Strahlen aller Farben ganz scharfe Bilder geben. Für unser Sehen am wichtigsten ist das grüne Licht, und unser Auge ist deshalb gerade für grünes Licht am besten eingerichtet, so daß die aus der Netz- hellt des Auges entstehenden Bilder bei den gewöhnlichen Licht- quellen und auch bei dem natürlichen Tageslicht unscharfe farbige Ränder erhalten. Wenn unser Sehen im allgemeinen dadurch auch nicht gestört wird, so ist doch klar, daß das Fehlen solcher farbigen verwaschenen Ränder bei der Beleuchtung mit dem einfarbigen grünen Licht der Quecksilber-Dampflampe die Schärfe unseres Sehens steigern muh. Ein Mangel der ursprünglichen Form der Lampe von Arons tr�r der Umstand, daß sie durch eine Bewegung, durch leichtes Neigen oder Kippen, um die Quccksilberkuppcn zur Berührung zu bringen, angelassen werden mußte. Bald nach der Erfindung der Quecksilber-Dampflampe durch Dr. Arons trat eine Reihe von Technikern an Arons mit der Bitte heran, auf die Lampe ein Patent zu nehmen, um sie dann aus- schließlich durch eine Gesellschaft weiter ausbauen zu lassen. Arons lehnte alle derartigen Anträge ab, weil er für die weitere Bc- avieitung der Quecksilber-Dampflampe möglichst ungehinderte Bc- Wegungsfreiheit für alle auf diesem Gebiete Tätigen gewahrt wissen wollte. Alle von anderen Erfindern später erworbenen Patente dieser Lampe können sich daber nur auf spezielle Vorrichtungen beziehen, nicht auf die Hauptsache:„den Quecksilberlichtbogen im völlig luftleeren Raum", der nicht patentiert ist, und dessen Her- stellung daher jedem freisteht. Eine besondere Verwendung findet die Lampe zu medizinischen Z> lecken; das Ouecksilberlicht ist nämlich außerordentlich reich an chemisch wirksamen ultravioletten Strahlen. Da diese durch ge- wöhnliches Glas stark absorbiert werden, wurde von der bekannten Platinschmelze Heräus in Hanau der Quecksilberlichtbogen in Quarz erzeugt, weil Quarz für die chemisch und medizinisch wirksamen Strahlen sehr gut durchlässig ist. Diese Quccksilber-Quarzlampen für medizinische Zwecke sind namentlich von Professor Kromayer in Berlin näher untersucht worden, der ihnen bei verschiedenen H'wtkrankhciten eine sehr gute Wirkung nachrühmt. Auch von den bekannten Jenaer Glaswerken Schott u. Genossen sind für den gleichen Zweck die sogenannten Uviollampen in den Handel ge- bracht worden; auch diese find Aronssche Quccksilbcr-Dampflampcn. die in ein besonders quarzhaltigcS Glasrohr eingeschlossen sind. Wie so viele deutsche Erfindungen wurde auch die Quecksilber- Tampflampe in Teutschland erst bekannter, als sie im Jahre 1962 als eine amerikanische Erfindung herüberkam. Bon der Wcsting- h«use°Eesellschaft wurde sie unter dem Namen Cooper-Hewitt- Lampe in den Handel eingeführt. Es handelte sich aber bei ihr durchaus um die AronSsche Lampe, bei der auch die Zündung in der alten Form durch Kippen geschah. Inzwischen hat sich auch die General-EIectric-Eompany in Amerika und die mit ihr liierte All» gemeine ElcktrizitätS-Gcsellschaft in Berlin auf die bessere Nutz- barmachung dieser Lampe geworfen, lvobci die Mithülfe des Dr. Arons, der zu diesem Zweck einige Zeit bindurch bei der Allgemeinen Gektrizitäts-Gesellschast arbeitete, in Anspruch genommen wurde. Die jetzt von der Allgemeinen Elektrizitäts-Gescllschast unter dem Namen Dr. Arons-Quecksilbcr-Tampflampe in den Handel gebrachte Lampe unterscheidet sich im wesentlichen nur durch die bequemere Zündung von der ursprünglichen Lampcnform. Das Quecksilber befindet sich nur als Kathode in einem geradlinigen längeren Rohr, In dem Quecksilber schwimmt ein Eisenstück, bis zu welchem von dem oberen Ende des Rohrs ein dünner Kohlenfaden herabgcht. in den der positive Strom eintritt. Sobald der Strom geschlossen ist, durchfließt er auch eine das Quecksilber und das Eisen umgebende Spule; infolgedessen wird das Eisen— die ftromdurchflossene Spule imrlt bekanntlich wie ein Magnet— weiter in das Quecksilber hineingezogen, und dadurch eine Stromunterbrechungsstelle zwischen dem Eisen und dem Kohlenfaden erzeugt. Der Strom und die elektrische Entladung hört aber deshalb nicht auf, sondern sie cnt- sieht nunmehr in Form des Lichtbogens, der die ganze Länge der Röhre erfüllt. Diese bequeme Form der Zündung ermöglicht es, mehrere Lampen hintereinander in denselben Stromkreis einzuschalten. An eine Spannung von 110— 120 Volt werden zwei Lampen hinterein- ander geschaltet, an eine solche von 220 Volt, wie sie in dem Leitungsnetz der Berliner Elektrizitätswerke vorhanden ist, vier Lampen hintereinander. Da jede dieser Lampen eine Helligkeit von 300 Kerzen hervorruft, so kann man durch zweckmäßige An- ordnung der Lampen eine außerordentliche Helligkeit erzielen. Gegenüber den gewöhnlichen Bogenlampen gewähren sie den großen Vorteil der bequemen Bedienung. Während man in eine Bogen- lampe nach wenigen Stunden neue Kohlenstäbe einziehen muß, findet hier gar kein Materialverbrauch statt. In ausgedehnten Anlagen, z. B. bei Güterbahnhöfen, müssen die Arbeiter an jedem Tage stundenlang umherlaufen, um die Lampen wieder betricbs- iähig zu machen. Das fällt bei dieser Lampe vollständig fort. Man erkennt also leicht, daß sie, obwohl sie für die gewöhnliche Zimmcrbeluchtung wegen der häßlichen Farbeneffekte nicht in Bc- tracht kommt, sich doch ein weites Feld der Benutzung erobern wird. Dr. Bruno Borchardt. kleines f cuUleton. Zum Militär. Es war ein grauer, regcnschwerer Frühherbsttag. Kein Wetter, um Menschen hinauszulocken,— aber wir mußten hinaus, uns war es gerade recht, so waren wir allein mit dem was um war. Und zu unserer Stimmung paßte eS. Er mußte zum Militär, nur noch drei Tage war er bei uns, kein Sonntag blieb uns mehr.— und er war mein jüngster Bruder. So machten wir uns auf den Weg und fuhren nach Wannsee. Der Himmel war noch grauer geworden und ein feiner Regen kam hernieder. Mes war wie in ein großes Schleiergewand gehüllt, traurig, müde— müde. Die Blätter hingen in letzten leuchtenden Farben an den Zweigen, aber sie vermochten die düstere Wehmut nicht zu scheuchen. Der Dampf und Rauch der Lokomotive zog in langen Schwaden durch die Hecken am Bahndamm, zerreißend, zer- flatternd, graziös verschwebend; aber dies war ein anmutiges Bild, und wir sahen schweigend darauf nieder während der ganzen Fahrt. Und dann fuhren wir mit dem Dampfer über die weite ruhige läche des Wannsecs und die Havel hinunter. Es ist ein schönes. illvcrträumtes Stückchen Erde, ob die Sonne lacht oder die Wolken weinen. Die Natur ist hier so ruhig und dabei so voll Kraft und Stärke, daß der Mensch sich ihrer Schönheit hingeben muß. Die Ufer des Sees hat der Reichtum der Leute für sich in Beschlag ge- nommcn, aber was kümmerte das uns? Wir fuhren fast allein, über die weite Fläche und die Schönheit war unser an diesem Ab- schiedstag. Wir standen beide am Bug; der Regen schlug uns ins Gesicht. Wenig hatten wir bisher gesprochen und es war doch noch soviel zu sagen. Da faßte er nach meiner Hand und drückte sie warm: .Schwesterchen, es ist schön heute— so schön. Und es sind ja nur zwei Jahre." Ich sah ihn an. Seine Augen leuchteten, wie er i» den verschleierten Tag blickte. Der ganze siegfrohe Trotz, um des- willen ich ihn so lieb hatte, lag in seinem Gesicht. Und etwas wie ein stummes Grüßen stand darin.— so, als wollte er zu den alten Kiefern sprechen: Es wird schwer sein, aber ich bleibe frei und stark wie ihr, wie's auch gehen mag. In Moorlaie verließen wir den Dampfer und schritten nun durch daS alte märkische Sagenland. Und mm fingen wir an zu sprechen von allem, was unsere Seelen bewegte, was so weltfern von dem lag, was nun seine Pflicht sein sollte zwei lange Jahre hindurch. Ueber alles, worüber er in diesen zwei Fahren zu keinem Menschen reden würde, das nicht versanden sollte und das doch nicht in hellen reinen Flammen emporlodern durfte ans der jungen heißen Seele, was auch geschehen mochte. Und die alten majestätischen Kiefern erzählten uns leise von all dem was sie gesehen in der langen, langen Lebenszeit: Biel Hoff- nung und wenig Erfüllung, viel Hohlheit und viel Heldentum, viel reines, hohes Freiheitssehnen und viel siegloseS Sterben. Und sie sprachen ernst und mahnend von der Zukunft, und daß sie ein neues Geschlecht bringen müsse, daS in der freien Erde Heimatboden suche.— Von der Kirch e bei Nikolökoje klangen Glockcnschläge her- nieder,— sie kündeten die Zeit. Da übermannte eS den lieben, großen Fungen. Er sprang zu der nächsten Kiefer und umschlang sie mit beiden Armen:.Ich bleibe treu I" rief er laut in den Wald hinein; das war ein Schwur, ich wußte es. Und in Miseren Seelen war Feiertag— froher, siegender Feiertag. Der Regen strömte jetzt hernieder und als wir Wannsee wieder erreicht hatten, waren wir ganz durchnäßt, aber das tat unserer Feiertagsstimmung nichts, die wollten wir mit nach Hause nehmen. Da kam die schrille Dissonanz auf die volle Schönheitsharmonie dieses Tages. Ein alter Mami war es. Die Kleioer noch nicht zerlumpt, das Gesicht noch nicht verkommen, aber mit den Spuren der Heimat« losigkeit;— des Vagabundentums,— sagten wohl die, an deren reichen Hausportalen er um eine Gabe bettelte. Aber der Rock des Alten war vorne an der Brust mit Orden bedeckt; drei Kriege standen in blanken schillernden Dingern auf dieser Brust verzeichnet. Drei„heilige" Kriege für„Kaiser und Vaterland". Und keins dieser gleißenden Dinger brachte dem Alten ein trockenes Stück Brot Und lvir mußten gerade an den Mann kommen, als er vor der vornehmen Villa abgewiesen wurde.„SB Hund hat's besser". knirschte er halblaut und wandte sich ab. Da war der„zukünftige Soldat" bei ihm mit einem Satze wie vorhin bei der Kieser und drückte dem Alten ein Geldstück in die Hand. Und dann fühlte ich meine Hand umklammert, fest und hart.„Schwester", stieß er rauh hervor. .Armer Junge, aber laß, es sind ja nur zwci-Jahre."— „Nur zwei Jahre,— ah—"--— Noch ist die Zeit nicht um. noch haben wir nicht wieder mit einander gesprochen. C. B.-S. Religiöse Tragikomödie in Kristiania. Norwegen ist ein Laird, in dem religiöse Bewegungen, mögen sie von Narren oder von Be- trügern ausgehen, inirncr noch einen guten Nährboden finden. Tie großartige Natur, die den Bauern auf vinsanwm Gehöft, die den Fischer an der an Fjorden und Klippen überreichen Küste nur zu oft in Gefahr bringt, nmcht das Volk besonders empfänglich für religiöse Gedanken und Gefühle. Doch selbst in der Hauptstadt, wo man so sicher wohnt, wie in anderen europäischen' Großstädten, treten von Zeit zu Zeit religiöse„Erweckungen" auf, daß die„Be- kehrten" oder„reumütigen Sünder" sich wie wahnsinnig gebärden. Meist haben die Leute, die hier die Schöpfer solcher Bewegungen sind, in Amerika„studiert" oder sich in der religiösen Geschäft?» Praxis weiter ausgebildet. Mit gutem Grund kann man annehmen, daß in den meisten Fällen solchen Leuten die religiösen Neigungen des Volkes nichts als ein Spekulationsobjekt sind. Gegenwärtig ist in Kristiania wiederum eine große„Erweckung" im Gange, uist» sie übertrifft offenbar alles, was man dort bisher erlebt hat. Ein Methodistenprediger Barret, Engländer von Geburt, aber seit vielen Jahren in Kristiania ansässige Gründer der„Stadtmission" und vor zwei Jahren gewählt als Stadtverordneter auf Vorschlag der Abstinenzler, ist erst kürzlich von einer„Studienreffe" aus Amerika zurückgekehrt und hat von dort eine GeschäftSgewandheit in Religions fachen mitgebracht, die ihm eimm ungeheuren Einfluß gibt. Zu feinen Büß- und Bewersammlungen hat er sich das Lokal vom„Studcntersamfundct"(Stcidontenvcrein) gemieter. Abend für Abend füllt sich der Saal, füllen sich die Gange und Treppen mit einer Menge von Frauen, von Kindern und Männern. Oft dauern die Bußülbungen die ganze Nacht. Der Prediger redet und singt und betet, zeigt der Meng: Totenschädel, beschlvört„Geister aus dem Jenseits und bringt die Bersamlung so in die höchste religiöse Extaie. „Die Hörer", so berichtet über eine solche Versammlung der Korrespondent von„Göteborgs Handelstidning",„gebürdeten sich wie eine Horde Wahnsinniger, heulten und schrien, wanden sich in furchtbaren Scelenqnalen, und viele stürzten hin auf den Fußboden in krampfhaftem Schluchzen. Ein Besucher, der als Zuschauer an- wesend war. berichtet, daß alte Weiber auf den Treppen saßen und heulten wie Hunde. Kurz gesagt: alle waren von religiösem Wahn- sinn schönster Reinkultur ergriffen." Ein junger.Neubekehrter" erzählte selbst, wie er von abends 10 Uhr bis zum anderen Morgen 6 Uhr aus dem Fußboden ge- legen und„mit seinen Sünden gekämpft" habe.„Aber daun siegte der heilige Geist. Ich fühlte, wie er in mich hineinflog, und ich stand auf und sprach in fremden Zungen." Was er gesprochen und in welcher Sprache, wußte er selbst nicht, meinte aber, es sei„die Negersprache" gAvesen.— Von den Kindern, die an diesen Versammlungen teilnahmen, sind viele erst 10 bis 12 Jahre alt. Die Zeitungen ermahnen die Eltern, besser auf ihre Kinder zu achten, und auch die Geistlichen warnen vor den schrecklichen religiösen Vorstellungen. Theater. Schiller-Theater dl. sNachnnttagsvorstellung):„Das Krippe„spiel", ein Tiroler Volksspiel in sechs Bildern von Rudolf Greinz, Musik von Max Zenger. Tirol ist nicht bloß die Heimat der Schnaderhüpfln und des derben Humors. Dort gedeiht auch die Gläubigkeit und die fromme Poesie. Weih- nachtslieder gibts so viele, daß in jedem Jahre immer wieder neue entdeckt werden können. Ein Zweig dieser Volksdichtung sind die „Krippenspiele. Rudolf Greinz, der auch in Norddeutschland nicht ganz unbekannte tiroler Schriststeller, hat nun anfangs der neunziger Jahre das eingangs genannte„Krippenspiel" geschrieben. Nur ein Tiroler, notabene ein genauer Kenner des Volkes und Dichiersmann dazu, konnte das wagen. Vom christkaiholischen Weihrauchdunst, in den die„glorreiche Geburt unseres Hei« landes" getaucht ist— und wie gerne zugestanden fei, i n» brünstig getaucht ist— soll hier nicht gesprochen werden. Aber vom kulturhi st arischen Standpunkt aus betrachtet bieten — 32— Jene frumbden Krippenspiele Poch ewiges Interesse. Sie vergönnen an« tiefen Einblick in die Seele des Tiroler Bolksschlages. Als besonderes Merkmal springt die Naivität, mit welcker diese Vebirgler die biblische Geschichte auffassen, in die Augen. Man wird gewahr, daß aller kirchliche Kram nur so mit hinübergenommen worden ist, daß geivisse Ueberlieferangen au-Z heidirisch-germanischer Borzeit noch sehr lebendig sind und sich beide nebeneinander ganz vergnüglich behaupten. Das Volk denkt immer ziemlich materialistisch. Es wird von einfacher Wirklichkeit umgeben; sein Leben vollzieht sich nach einfachen natürlichen Gesetzen. Dieser Anschauung ordnet es auch die Geburtsgeschichte Jesu unter, verquickt sie mit semem Dasein. Die realistische, ja man kann sagen, raturalistische Behandlung jenes Stoffe» in dichterischer Form ist da wie von selbst gegeben. Deshalb sind auch die Volks szenen im Greinzschen Krippenspiel da» beste, weil ergötzlichste. Bolkstümliche Begriffe und derbe Ausdrucksmittel werden hier auf den biblischen Vorgang übertragen und mit urwüchsigem Kraftgefühl zur Anwendung gebracht, daß bei dem allen der Volks- Humor auf seine saftige Rechnung kommt: das eben erhöht da» Er- götzen. Und die Berliner genießen ja noch einen Extraspaß. Di« Zeusurbehörde entsetzt sich dermaßen über den Tiroler Mordslackl: Volkspoesie geheißen, daß'' ihr die Darstellung des Krippeuspiel» als höchst gefährlich erschien. Erst langwierige Kanossagänge zu Herr» von Studt— man denke!— zerstreuten jene Bedenken. So wenig der preußische Kultusminister für die Volksschulen und Lehrer übrig hat: der lieben katholischen Geistlichkeit hat er sich doch ge- fügig gezeigt. Herr von Studt hat gut getan, nicht prüder scheinen zu wollen, als die bayerischen oder tiroler Bolksdichter, oder als die Klerisei, die in jenen Gegenden fünf gerade sei« läßt und sich seit langen Zeiten bis in unsere Tage hinein au derlei derben.Spielen" den eigenen Humor entzündet. Den Bemühungen Leopold ThurnerS vom Schiller-Theater verdankt man diese für die Reichshauptstadt immerhin einzigartige Veranstaltung. Vor nun anderthalb Jahrzehnten wurde die? Greinzsche Krippenspiel an, Müuchener Gärtnerplatz-Theater zum erstenmal aufgeführt. Wie damals, so gab Thnrner auch diesmal den mehr als hundertjährigen Hirt Lenz. Nun freilich mit gereifter künstlerischer Kraft. Er führte auch die schwierige Regie. Gegen jene Münchener Aufführung gehalten, war diese weit Keffer. Da? dekorative Element ist einfacher gehalten. Die Inszenierung folgt mit viel Glück der Anordnung der süddeutschen Bauern- theater: Der Himmel schaut hinein, und die gigantische Bergnawr bildet den äußerst wirksamen Hintergrund. So wurde die Geschloffenheit der sechs Bilder und die poetische Stimmung gewahrt. Max ZengerS, des weiland Professors an der Musikakademie zu München musikalische Jllustrienmg paßt sich dem kirchlichen wie weltlichen Sinne sehr gut an. Aus der großen Zahl von Dilettanten und BerufSschanspielern, die da mitwirken, hoben sich eine Anzahl durch annehmbare Leistungen ab. DaS Haus war gesteckt voll: darunter viel Schwarz- röcke. Der Beifall, die Heilerkeit äußerten sich selbstverständlich sehr stark. Mehrere Wiederholungen dcS Krippenspiels an Nachmittagen sollen noch stattfinden. o. k- Kttltnrgeschichtliches. Kaleuder-Refor m. Neuerdings ist wieder mehrfach davon gesprochen worden, daß endlich auch Rußland seinen Sonderstand- Punkt in der Zeitrechnung aufgeben und den verbesserten Gregorianischen Kalender an die Stelle des veralteten Julianischen setzen werde. Man wird sich bei Erörterung dieser wichtigen»ultursrage die Schwierigkeiten nicht verhehlen, die sich der Durchführung einer so einschneidenden Reform in den Weg stellen. Tatsächlich sollen denn auch die jüngsten Bestrebungen an dem Widerstand derer, die ihren althergebrachten Tagcslauf nicht stören lasien und die Aus- nahmestellmig ihrer Konfession und Nationalität gegenüber der übrigen Welt nicht aufgeben wollen, gescheitert sein. Lehrreich er- scheint dabei ein Rückblick auf die Zeit, da die ganze Knlturwelt bor die Frage der Verbesierung einer als fehlerhaft erkannten Zeitrechnung feste llt war. Die Einführmiz des von Papst Gregor XHI. 1582 estgesetztcn neuen Kalender» ging denn auch keineswegs leicht und glatt vor sich. Konfessionelle und nationale Vorurteile der- bmderten lange die allgemeine Anerkennung der trefflichen Neuerung. Ein kleines Stimmungsbild aus dem Lager der Gegner geben wir nachstehend ans Grund ungedruckter Quellen:.Anno 1603 schreibt Kür-Palz an die Rüth ufm Reichstag, der neue Calender sei nicht anzunehmen, weil dadurch mir des Pabsts Primat und gewalt über da» Deutsche Reich je länger je mehr bestätttgt würde. da» jusftzwesen zu Speier(dem Sitz des ReichSkainmergerichtS) werde durch Annehnmng des neuen CalenderS merklich gehindert, dessen sich� die EameraleS ohngefragt und ohn wissen und Erlaubnn» der Staudt»nderfangen hätten, welches ihnen nicht gebührt, sondern hätten Sie in diesen und andern Fällen mehr auf Kais. Maiest. und Stände de» Reichs, von denen sie gesetzt und geordtnet seindt, als uf den Pabst zu Rom zu sehen: were auch nicht unbillich, daß den Cameralibuö ihre Besoldungen, soviel solche dieser vielfalltig feiertag halben ertragen, abgekürzt würden.' Hebet den neuen Kalender finden fick gleichzeiiig noch folgende Bemerkungen: Anno 1582 gibt Michael Mastlin. Mathemattc-Profcssor, sein Bedenken über den vom Bobst Gregorio corrigirten Calender ex bindarnen'is Mathematäcis sauf Grund der Mathematik). XL. Bischoff von Speier schreibt anno 1585 wegen Publikation de? neuen Calenders in seinen landen, IvelcheS Schreiben aber, weil der alte Stylus darinnen nicht observirt svon Kurpfalzs, wieder zurückgegeben worden." Es dauerte von da ob noch geraume Zeit, bis eine bessere Einsicht sich Bahn brach. Zuerst hatten sich nur die Katholiken der Reform angeschlossen. Sie wurde angenommen: 1582 in Italien söhne Toskana), Frankreich, Däne- mark, Lothringen, Portugal, Spanien, Holland und Böhmen, 1583 in der katholischen Schweiz, 1584 ün katholischen Deutschland, 158S in Polen, 1587 in Ungarn, 17