NnteryaMingsvlall des �orwaris Nr. 43. Freiwq. den 1. März. lv07 lRachdruck verboten). 2Z Oie alte Truhe* (Schluß.) Dat schall ni lang dum"— entgegnete Hans.—„Dat War ja doch Tied, na'n Afkaten to goh'n." Er nahm seinen Stock und seine Mütze und ging nach der Tür. „Dat du mi ni wcllcr ower'n Triissel kommst!" schrie Klaus ihm nach. „Hct niks to segg'n!" antwortete Hans, da war er schon draußen. Das war das letzte Wort, was sie zusammen sprachen. Als Hans wegging, hatte er die Absicht, gleich nach der Stadt zum Advokaten zu gehen. Ter Weg nach seinem Heim zweigte ungefähr in der Mitte des Weges ab. Da stand er an der Scheide. Und gerade an dieser Stelle,— ein Bach schwatzte still durch ein Buchenwäldchen,— lag die Kate, wo die Mutter groß geworden war. Mars Schütt wohnte dort, es waren gute Leute. Hans ging hinein und sog den Schmerz um seine Mutter und um seinen Bruder noch einmal in allen Winkeln des alten Hauses ein. Er ließ sich den Platz zeigen, wo die alte Lade gestanden hatte. Jetzt Ivar da blankge- scheuertcs Kupfer- und Messinggeschirr an derselben Stelle auf einer gcniauerten Platte, die das alte Stück würdig gehoben und präsentiert hatte:„Sobald du denkst, ein Bruder habe etwas gegen dich, geh' hin, versöhne dich! Und dann zu mir. zu deinem Gott!" Hans ging weiter, nach Jmmeuheiderfeld zu. Er konnte den Weg zum Advokaten nicht mehr finden; die alte Truhe sollte bleiben, wo sie war, aber seinen Zorn wollte er bc- halten. ». Zehi, Jahre waren dahingegangen, und Hans Paulscn hatte von seinem Bruder nichts gesehen und wenig gehört. Er hatte noch immer geglaubt, den alten Groll in seinem Herzen zu tragen; in Wahrheit trug er an der Stelle nur eine Leere und eine nie verstummende Klage um eine verlorene Liebe. Freilich, in der Regel vermochte er seinen Schmerz in dem allgmeinen Gleichgültigkeitsmeer zu ertränken; aber es kamen Stunden,... wo es anders war. Nun hatte er bei seiner Arbeit Hoheuwichel im Nebel gesehen und auch die beiden Männer Arm in Arm... Er brauchte gar nicht hinzusehen; wenn er die Augen schloß, sah er es beinahe besser und deutlicher. Namentlich auch Hohen- Wichel. Sieh' mal an! Ordentlich das Haus und den Kreuz- bau. worin das Vieh aufgestellt wird, daran. Die hoben Linden am Weg und die Eoldweiden am Kuhhaus. Gold- weiden auf dem Knicken. Es war ein Haus, so recht in Gold- ' weiden eingebettet, hieß darum auch Hoheuwichel. Das wunderlichste aber waren die beiden Männer, die nach Hoheuwichel gingen und sich nicht ließen. Zum erstenmal war es vor drei Tagen gekommen. Ein Wagen lvar auf der Landstraße im Nebel schattenhast vorübergcfahrcn; Hans Paulsen hatte immer die Wcgschlacken gehört, wie sie vom Rad in dre tiefen Geleise zurückfielen. Der Wagen war vcr- schwunden; Hans hörte ihn kaum noch... da sah er die Männer Arm in Arm. Am Dag vor der zehnten Wiederkehr des Todestages der Mutter ging Haus nach dem Nachmittagskaffee nicht wieder nach der Koppel. Er bat Trien um lvarmes Wasser und nahm sich den Bart ab; er wollte in der Frühe nach Hoheuwichel gehen. „Das tu man", sagte Trien und kriegte das Sonntags- zeug ihres Mannes aus der Lade. Hans ging früh vor Tag im Nebel weg. Um sieben Uhr sollte die Sonne aufgehen. Er hatte schon eine ganze Strecke auf dem Jmmenbeidervierth zurückgelegt; er sah, als die Sonne vermeintlich gekommen war, nur einen blassen Schein im Osten. Der Nebel blieb, wie er war, oder wurde aar noch dichter. Hans Paulsen, der mit dem Stock den breiten Fußsteig maß, war das recht. Je einsamer es war, um so deutlicher sah er die beiden Männer, die Arm in Arm auf Hohenwichel zu- gingen, vor sich her. Er ging und ging. Vor Jahren, als er, ein neuer Ansiedler, hierher ge- kommen war, da hatten die Katen in kleinen Gärten und .Koppeln gelegen, alles andere war stnwpige Heide gewesen. Nun war wenigstens am Weg hin eine mehr oder lvcniger breite Leiste angebauten Landes. Hans schlug einen Richtsteig ein, der ihn tiefer in das Blachfeld führte; nun streifte er wieder das ungekämmte Jungfernhaar einer unbcgcbenen Erde. Und immer die beiden im Nebel vor ihm ans. In den Gemarkungen glücklicher Dörfer mit altem Kulturland endigte der wilde Steg. Alte glückliche Dörfer sind auch die, zu denen die Buchholzkate und nachher auch Hoheuwichel gehört. Vorher ist aber ein unheimliches Moor zu überschreiten, das seine Dünste brütend gen Himmel schickt. Das Moor war besonders wild und weich und morastig. Wenn Hans bei Sonnenlicht von der Höhe her einen Menschen hinübergehen sah, so war es ihm immer vorgekommen, als sähe er eine tote Seele zum Tor der Verdammnis schleichen. Nun stieg er ohne Sorge hinab. Was kümmerte ihn das Moor? Ter Nebel deckte alles zu. Sonst hatte auch ihm an Schilf und Binsen entlang die Natur etwas zu sagen gehabt. Nun schwieg sie. Jedenfalls sagte sie nichts von den Schreck- nisten des schwarzen Moors. Der Nebel machte alles gleich. Und zwei Schatten gingen vor ihm her. Er sah auch Hoheuwichel.— In der Tür stand die Mutter und wartete auf die, die Arm in Arm daherkamen. Und nun war das Moor hinter ihm, das Flüßchen, vor dessen sumpfigen Ufern es abgelagert war, hatte er über- schritten, nun war Hans in den glücklichen Knickdörferir ange- langt. Und überall um Haus und Hof und aus der Straße, da war es still, so still, daß er daS Rieseln des Nebels hörte. Nur ein paar Hühner hatten es für nötig befunden, zehn Schritt vom Wieden zu gehen. Hier und da sah man Bauernmädchen Geschirr auf die Regale am Hauskamin stellen. Und iin grauen Nebel schauten sie frisch und fröhlich aus. Aber nein, das war ein Eindruck als ein Gesicht; alle Formen verschwammen, und alles Harte und Herbe wurde weich. Ja, selbst Geräusche, deren Quelle zum greifen nahe lag, kamen wie ans weiter Ferne und aus alten Zeiten her.—- Die Schatten gingen Arm in Arm. Er erreichte das Wäldchen mit den: Häuschen, aus dem die Mutter herstammte. Der Bach schlvatzte an seinem Weg entlang, leiser als sonst... kling... klung... ganz leise. Hans Paulsen ging vorbei,— er wollte sich der Schatten gctrösten, aber er sah sie �sticht mehr. Aber ein anderer Schatten... nein... kein Schatten... ein Mann, der fest austrat(sein Stecken hinterließ Löcher im Sand)..., der kam ihm entgegen. Und vor der Buchholzkate im Weg, da begegneten sie sich. Und beide standen still.. und waren starr— und ließen die Augen über sich hergehen... und... schwiegen. Hans nahm zuerst das Wort. „God'n Tag, Klaus!" Und sie reichten sich die Hände.— Und sahen sich in die Augen... Und jeder sah die Bewegung des andern... „Jk wull heu na di, Klaus! „Jk wull hen na di, Hans! Dat söi:d virn Dag lein Johr." „Torüm just, Hans." Und wieder schwiegen sie. „Wie hcbbt uns lang ni sehn," sing Hans wieder an. „Wi sönd ni good utenanner kam. Jk hew di unrcch bahn, KlauS!" „Nä, ick hew di unrcch dahn, Hans!" Und wieder Schweigen... eine halbe Minute lang. � Dann trat Hans dicht an Klaus heran und streichelte ihm die Backen: „Wat böst du för'n poden Kerll... Du böst min leive Witte Klaust" Klaus war der Weichere, in seinen Zügen fing es an »u arbeiten, er machte krause Falten... sein Gesicht war des Weinens nicht gewohnt. Aber er tat es doch, er weinte mitten auf der Landstraße, vor der Buchholzkate, und schlang den Arm um seines Bruders Nacken. „Komm mit trüg, Broer,... ick dröm ömmer, ick ga Arm in Arm mit di na Hohenwichel hen." Auch in Hans Pautsens Auge glänzte es verdächtig. „Komm, Broer," sagte er und schob seine Hand unter Klaus Paulsens Arm. So gingen sie. �» Es kain wie sie beide geträumt und träumend gesehen hatten. Und wenn die Tote auch nicht gerade in der Person 'im Türrahmen stand, sie zu empfangen,— so war sie doch bei der stillen Feier, die man in Hohenwichel feierte, zugegen. Nach langer Zeit sah Hans seines Vaters Haus wieder— und siehe dal— es war alles gut.— Wie das Haus so warm im Nebel auf der Höhe lag,— die Linden noch immer vor der Tür und die Goldweiden im Knick. Der Nebel sperrte zwar die Aussicht, aber für Hans bedurfte es keiner Sonne zu schauen. Er wußte, vom alten Steinwall am Stall sah man am weitesten. Vor dem Wall fand er eine Hecke, nun war der Wall eigentlich überflüssig. Und es juckte ihm ordentlich in den Fingern, die Erde unten nach den Wiesen hinunter zu karren. Von dem Erbstück,— von der alten Lade sah er nichts.— Ton dem Erbstück sprach keiner ein Wort. . Am andern Tag nahm Hans seinen Stock...„Nun wi ich nach Haus und an Trien und an mein Kind sagen, damit auch sie sich freuen." „Wenn es dir recht ist, Hans," entgegnete der andere, -„dann gehe ich ein bißchen mit längst." Sie gingen zusammen. Unterwegs sagte Klaus zu seinem Bruder.„Es muß doch davon gesprochen werden, Hans.— Ich meine von der alten Lade..." Hans nickte. „Sieh, Hans, ich Hab' sie nicht mehr. Ich Hab' so gedacht in meinen Sinn. Es ist nicht mehr zu erforschen, was Mutter eigentlich gemeint hat. Und da Hab' ich gedacht, es sei das beste, weder ich kriegte sie, noch du. Und das beste sei, sie wieder nach dem Haus und der Familie hinzugsben, wo sie herge- kommen ist. Da Hab' ich sie nach unserm Vetter Mars Schutt gebracht." Hans sah schweigend vor sich nieder. Klaus faßte seine Rechte. „Sag' mir, mein Bruder. Hab' ich recht getan? Das wäre schön, wenn du das meintest. Denkst du aber anders,— auch das ist recht und gut. Dann wird dir niemand wehren, an dich zu nehmen, was dein gutes Eigentum ist. Denn das weiß ich. und das ist gewiß: Meines Bruders Hand, Hans Paulsens Hand, legt sich nur auf Sachen, die das Recht ihm zu eigen gegeben hat." Da rief Hans Paulsen:„Sprich nicht so töricht, mein Bruder! Jedes Wort, das du sagst, als ob ich nicht einver- standen sein könnte, tut mir weh. Die Truhe gehört dahin. wo du sie hingebracht hast. Und da soll sie bleiben." Das Gespräch fand nicht weit von der Buchholzkate statt: es war still rings umher, nur der Bach schwatzte leise in die Worte hinein. Bei Mars Schutt kehrten die Brüder ein. Die große Dielentür war zu: da lief Klaus nach der Seitcntür(Blang- dör), die nach dem Garten geht, hin. Und Hans wartete. Da wurde das Tor aufgeschlagen, da standen der Vetter und seine Frau, und ein paar Kinder standen herum und führten ihn in das gastliche Haus. Und des Herbstes fahler Echem lief mit ihm hinein auf die Diele. Und siehe dal— in der Hörn, auf dem alten Platz,— da stand ehrwürdig die alte vom Urältervater Schutt geschnitzte Truhe. Adlerflügel und Löwenklaucn aus Ecken und Kanten springend, Laubwerk und Blattwerk, die Felder umrahmend. und auf der Vorderseite Kain und Abel— und David und Jonathan.— Mit ihrer Kunst und mit ihrer Liebe stand die alte Lade da: der Spruch der Vergebung lief an der unteren Leiste hin: Sobald du denkst, ein Bruder habe etwas gegen dich,— geh' hin, versöhne dich!— Und dann—- zu mir. zu deinem Gottl— Die pbonctih. IL Wir haben in dem ersten Aufsatz gesehen, daß eS sich in der Phonetit oder Lautlehre um die Eulstehung der Sprochlaute handelt. Die Lautlehre setzt uns instand, jeden einzelnen« Sprach- laut nach seiner Artikulation zu beschreiben, nahe zusammenliegende und weit voneinander abweichende Laute an eben dieser Artiku» lation zu erkennen und nach ihr zu bezeichnen. Wir haben im Norddeutschen z. B. zwei von denen das eine mit den Lippen und den Zähnen, wie in„wahr", das andere aber nur mit den Lippen, wie in„Schwester", hervorgebracht wird. Das erste w wird daher ein labiodentales(Lippenzahnlautj und das zweite ein labiales < Lippenlaut) w genannt. Die Phonetik ist imstande, die beides ganz verschiedenen o in Sohn und Sonne genau nach der Mund- stellung zu beschreiben usw. Es ist so von vornherein klar, daß die Phonetik vor allen Dingen dazu berufen ist, nicht nur unsere Einsicht in das Wesen der Sprache überhaupt zu vertiefen, sondern auch in die Sprach- Wissenschaft selbst fördernd einzugreifen, mag diese nun theoretisch oder nur praktisch betrieben werden. Wer sich eine richtige Vorstellung von dem Wesen der Sprache zu bilden sucht, dem ist die Einsicht in das Wesen der Laute un- entbehrlich: sie sind die eine, die der Außenwelt zugekehrte Seite der Sprache. Ihre andere Seite, ihre mannigfach verfchtungenen Vorstellungen, liegen in dem dunkeln Raum des Unbewußten in der Seele als ein höchst verwickeltes Gebilde. Aus diesem dunkeln Raum fließt das, waS der einzelne an sprachlichen Mitteln zur Verfügung hat, und man könnte sagen, noch etwas mehr, als worüber er unter gewöhnlichen Umständen verfügen kann. Die Hervorbringung der einzelnen Laute geschieht infolge bet Artikulation in den Sprachorganen, sie ist also ein Vorgang, eine Tätigkeit, die bei zwei Sprechenden niemals genau die- selbe ist. Sprechen wir also von einer Gescnntsprache, z. B. dem Deutschen, so meinen wir damit einen Durchschnitt durch eine kleinere oder größere Reihe einzelner Sprechweisen, ein Durch- schnitt, der. obwtchl keiner einzelnen Sprechweise völlig gleich, dock allen so nahe steht, daß wir ihn als Typus der ganzen Gruppe betrachten können. Also ist jede Sprache nicht als ein Konkretes, sondern als ein Abstraktes anzusehen. Um die Wichtigkeit der Phonetik für die theoretische Sprach- Wissenschaft darzutun, lassen wir eine Aeußerung eines Berufenen, des dänischen Phonetikers Otto Jespersen mit kleinen Aenderungen folgen: ..Es wird nicht schwer fallen, in den Annalen der vergleicheirden und historischen Sprachforschung viele Fälle zu finden, wo Ge- lehrte durch eine ungenügende Kenntnis der lautlichen Mechanik irre geführt worden sind, oder wo die Kenntnis der in lebenden Sprachen vorhandenen Laute zu früheren, nichi mehr vorhandenen, den Schlüssel geliefert haben würde. Viele Erscheinungen in der Geschichte der Sprachen können mit Hülfe der Phonetik in ein- facher, übersichtlicher Weise dargestellt werden, während die un» phonetische Berracktungsweif« nur oerwickelte Einzelheiten ohne inneren Zusammenhang erblickt. Wahrnehmungen lautlicher Ver» schiedenheiten, die gegenwärtig nebeneinander i» nahe verwandten Mundarten vorkommen, oder z. B. der Art und Weise, wie Kinder die Sprache chrcr erwachsenen Umgebung unvollkommen nach- ahmen, können für das Verständnis der Sprachentwickelungen in früheren Zeiten manchen Fingerzeig geben." Noch unentbehrlicher ist die Phonetik für die praktische An- eignung der Sprachen. Vor der Einführung der Eisenbahnen, Dampfschiffe und Telephone mochte es genügen, wenn man die fremde Sprache nur in ihrer Schriftform kannte, jetzt aber, wo die Zahl der Leute immer' größer wird, die aus diesem oder jenem Grunde im Verkehr mit Ausländern praktischer Sprach- kenntnisse bedürfen, muß man die Sprache sprechen können. Die meisten lernen ein«e fremd« Sprache im Inlande, und wie könnt« eine gute Aussprache auf eine andere Weise erzielt werden, als wenn die Lehrer zu der Einsicht kommen, daß eine ichoiiensche Schulung hierzu unumgänglich notwendig ist. Einer der ersten, der die Bedeutung der Phonetik für die praktische Spracherlernung deutlich erkannt hat, ist der vor ungefähr zehn Jahren verstorbene Professor Gustav Langenscheidt, der Gründer der Langenich« idtschen Verlagsbuchhandlung. Er versah seine Unterrichtsbriefe zum Selbstunterricht mit einer leicht verständlichen phonetischen Um- schrift, wonach viele fleißige Menschen die französische und englische Sprache(und jetzt alle bekannten europäischen Sprachen) be- herrschen gelernt haben und noch beherrschen lernen. Allmählich hinkten denn auch die Lehrbücher für Schulen in der Berücksichtigung der Phonetik nach, und heutzutage ist jeder Lehrer einer fremden Sprache sich darüber klar, daß er mit den Hauptergebnissen der Phonetik vertraut sein muß, um seinen Unterricht im Schulzimmer praktisch nutzbar machen zu können. Nur der wird ein guter Lehrer einer Sprache sein, wer sich von den Schwierigkeiten, mit denen seine Schüler zu kämpfen haben, selbst eine genügende Rechenschaft geben kann. Wie wäre es ihm sonst möglich, ihnen bei der lleberwindung dieser Schwierigkeiten behülflich zu sein? gerner liegt eS offen zutage, daß die Phonetik für den Unter» richt von Taubstummen nach der Artikulationsmethode von großer Wichtigkeit ist, und nicht minder für die Abgewöhnung von Sprach- sehlern, sofern sie nicht auf einer offenbaren Mißluldmig beruhen. Denn meistens sind diese Sprachfehler nur die Folge übler An- gewohn he iten oder blosie Nachlässigkeiten. Auch wo von solchen Fehlern lein« Rede sein kann, wird die Phonetik unschäHbare Dienste leisten können. Wie viele Menschen gibt eS nicht, für die eins Aussprache ohne mundartliche Bei- Mischungen von großer Wichtigkeit ist: der Schauspieler, der politische Redner, der Lehrer wird, wenn auch in verschiedenem Grade, an der vollen Ausübung seines Berufes verhindert und einer Min, derung fernes Kiusluffes ausgesetzt sein, wenn er sich nicht von solchen Spracheigentümlichkeiten freiAumacheu gewußt hat, worüber die Bewohner anderer Gegenden des Landes— ob mit Recht oder Unrecht, ist eine andere Frage— sich lustig machen. Befindet sich der eine oder andere Leser dieses Aufsatzes in dieser üblen Lag«, so verweis« ich ihn aus die kleinen Werke von Thcod. Siebs, und Wilhelm SJietor.(Die deutsche Bühnensprache von Theod. Siebs bei Albert Ahn in Köln, und Di« Aussprache des SÄriftdeutschen von Wilhelm Vietor bei Reißland in Leipzig.) Zum Schlüsse weisen wir noch auf den ersten Leseunterricht Und besonders auf die Rechtschreibung- frage hin. die in den letzten Jahrzehnten in allen Kulturländern immer wieder auf- tauchte und nur dann tatsächliche Verbesserungen erfahren kann, wenn sie auf Grund einer genauen Kenntnis der Laute der Mutter- spräche vorgenommen werden. Ebenso sollten sich die nicht wenigen Erfinder und Verbegerer der Schnellschrist(Stenographie) ernst- lich mit der Phonetik beschäftigen, wenn sie ihren Grundsatz: „Schreibe wie du sprichst" richtig durchführen wollen. Sie werden dann einsehen, daß der Mangel eines phonetischen Unterbaues in ihren Syst einen sich weit empfindlicher rächt, als sie jetzt anzu- nehmen geueigt find.— Ernst Wrede. Kleines feuiUetoa» Der nrfprnttg de« Getnstvcks. Die Anpflanzung und Be- Nutzung des Weinstocks durch den Menschen ist so uralt, daß es Schwierigkeiten macht, festzustellen, wann und durch welches Volk sie zuerst geschehen ist. Nach dem schönen Stndentenlied„Als Noah aus dem Kosten war", wäre diese Frage allerdings gelöst, denn wir erfahren dort, daß der Herr einfach inS Paradies griff, um dem Noah das erflehte chessi:r« Getränk" gnädigst darzureichen. Mittlerweile hat aber die Altertum ssorichung herausbekommen, daß in Aegypten schon von den ersten Zeiten des Pharaoaeii reich- an. also vor mehr als ö Jahrtausenden, der Weinftock gepflegt wurde und große Mengen von Wein lieferte. Die Beweise dafür geben nicht nur hieroglyphifche Inschriften, die völlig einwaudfrei entziffert worden sind, sondern auch Malereien und Zeichnungen. auf denen Weinbauer bei der Arbeit zu sehen sind. Di« meisten Acgyptologen haben danach auch angenommen, daß Afrika wohl die Urheimat des Weinftock- gewesen sein mag. Neuerdings ist man aber wieder an dieser Annahme irre geworden, obgleich noch ältere Urkunden als die der ägyptischen Gröber in Schrift und Bild nicht vorliegen. AuS anderen Tatsachen ist zu schließen, daß der Wein« stock an den europäischen Mittelmeerküstrn und bis nach dem Kaukasus hin mindestens ebenso früh heimisch gewesen ist als im nördlichen Afrika. Nach gewissen Funden, die im Kaukasnsgebiet gemacht worden sind, soll die Rebe dort schon in vorgeschichtlicher Zeit häufig gewesen fein, und manche Forscher haben daher ihre eigentliche Wiege dorthin verlegt. Im großen und ganzen aber mutz man sich, wie ein Mitarbeiter des„Cosmos" betont, damit begnügen, zuzugeben, daß die Frage nach dem Ursprung des Weins bisher noch keine endgültige Beantwortung gefunden hat. Kulturgeschichtliches. Wie lange raucht vian schsn in Europa. Man meint gewöhnlich, daß die Sitte— viel nennen es eine Unsitte— des Rauchens erst noch der Entdeckung Amerikas in Europa ein- geführt sei. Aber wenn wir auch vieles der neuen Welt verbankeri, da- Rauchen verdanken wir ihr nicht. Das ist allerdings richtig, daß die Tabakspslanze uns Westeuropäern au- Amerika gebracht wurde z für andere Lander gehört auch nicht einmal dies Verdienst den Amerikanern, denn in China rauchte man schon vor vielen Jahrhunderten eine Tabatstzflanze, und es ist bisher kein Nachweis erbracht worden, daß diese etoa vor langer Zeit von Amerika ans über den großen Ozean nach China importiert worden wäre, sondern es besteht große Wahrscheinlichkeit dafür, daß die betreffende Pflanze in China selbst einheimisch ist. Aber daß in Europa auch schon lange vor der Entdeckung Amerikas überhaupt die GewohiiheU bestand, gowisie Pflanzenteile in eigenö dazu bestimmten Gefäßen zu entzünden, den Rauch mittels geeigneter Vorrichtungen einzu- atmen und nach einiger Zeit wieder auszustoßen� ist erwiesen. Unter den Ausgrabungen, die man in Frankreich machte, und die sich auf die Zeit beziehen, als die Römer sich in Gallien nieder- gelassen hatten, befinden sich Gegenstände, die sich gar nicht anders erklären lassen, denn als antike Pfeifenköpsc, zumal sie zum Teil gut angeraucht sind, wie es noch jetzt von unseren Tabakrauchern als eine Art Sport betrieben wird. Auch das Material, aus dem die alten Taibakspfeisen bestehen, ist dasselbe, daS noch heute mit Vorliebe dafür verwendet wird, nämlich gebrannter Ton: wie aber bei anö daneben noch andere Materialien zur Herstellung von Tabakspfeifen benutzt werden, so war es auch schon im grauen Altertum der Fall. Man verwendete damals neben dem Ton aller- dingS nicht, wie es bei uns vielfach beliebt ist, Holz, sondern Meiall, besonders die in jenen Zeiten überhaupt ungemein vielfach benutzte Bronze, und daneben das Eisen. Die in Frankreich gf- machten Fund« blieben nicht isoliert, sondern auch anderwärts, wo sich Römer niedergelassen hatten, wurden Tabakspfeifen au-ge- graben: besonders in der Schweiz und in England. Schließlich— und es wäre wunderbar gewesen, wenn man gerade in Italien, dem Lande, Ivo die Römer dauernd wohnten, keine Rauchapparate gefunden hätten— wurden in Italien selbst an mehreren Orten Tabakspfeifen ausgegraben, von besonderer Wichtigkeit ist ei» Fund, den man in der Mitte des lll. Jahrhunderts in Rom machte, Dort wurde damals ein« große Zahl von Tabakspfeifen aus g-» brannter Erde entdeckt, die einer Art unserer eigenen kurzer» Pfeifen ganz ähnlich waren, denn jede hatte seitlich«ine Tülle zum Einstecken des Pfeifenrohres. Als» daS Bedürfnis, einen narkotisierenden Pflanzenrauch zu genießen, war auch in Europa schon lange vorhanden, etwa wie der Genuß gegorener Getränke nicht nur an einer Stelle der Erde gleichsam erfunden und von do-i überallhin verbreitet wurde, sondern in den verschiedensten Zonen selbständig auftrat. Zum Rauchen wurde vornehmlich eine Pflanze verwendet, die in der Tai narkotisierende Eigenschaften besitzt, nämlich der Hanf; dcmsben kamen zur Verwendung zarte Bambus» schößlinge, allerdings ein RaucÄraut, da- unseren heutigen Rauchern ein gelindes Entsetzen erregen mag. Außerdem rauchte man die Blumen vieler Pflanzen, und das erinnert lebhast an die»cm vielen jungen Europäern der neuesten Zeit angestellten ersten Rauchversuche: denn da der Genuß des Tabak» von der Schule und den Eltern verpönt, die Pflanze also selbst unerreichbar ist, ersetzt man sie auch hier durch die getrockneten Blätter von allerlei Blumen, besonders die der Rosen, und es schmeckt schließlich nicht schlechter, als es den alt«, Römern geschmeckt haben mag. BSlkertund«. Ueber Prof. v. LuschanS Reise in Südafrika bringt der„Globus" ein Referat nach des Forschers eigenem Bericht: Prof. d. Luschan war Gast der.British Association", die im Herbst 1905 ihre Jahresversammlung in Südafrika abhielt. Zu» nächst erwähnt er die vorläufig nocki recht sagenhasten Kattea» einen Pygmäenstamm aus denioar Niedrigster Kulturstufe, der im nördlichen Transvaal hausen soll. Gesehen hat einen solchen Kattea allerdings noch kein Beobachter, und man kann nicht sagen, ob der Stamm wirklich existiert oder existiert hat. Weiter wird die Frage der Stellung der Hottentotten zu den Busch» männern besprochen. Man beginnt jetzt, die Unterschiede zwischen beiden Rassen schärfer zn fassen, und erkennt eine höchst merkwürdige Uebereinftimmung der Grammatik der Hottentotten» spräche mit hamitischen Sprachregeln. Dem Verfasser erscheint hier die Annahme eines direkten hamitischen Einflusses unabweisbar: es seien Leute mit einer hamitischen Sprache vor langer Zeit bis nach Südafrika vorgedrungen, die dann in ihren physischen Eigen» schuften in der angetroffenen alten Bevölkerung aufgegangen seien. nicht aber in psychischer, wie Sprache, Grammatik, Religion. Die Schnalzlaute der Hottentotten spricht Meinhof als Leihgut ivon den Buschmännern) an. v. Luschan verweist noch auf einen wesentlichen ethnographischen Unterschied zwischen beiden Völkern, der nicht übersehen werden sollte: Die Buschmänner sind noch heute Inger und..Sammlew", die Hottentotten aber Hirten, wie alle tzamiten seit Jahrtausenden. Die Entschleierung der hamitischen Wände« rungen sei eine der dringendsten Ausgaben der afrikanischen Völker» künde. Weiterhin wird dir afrikanische Steinzeit berührt. Man findet in Südafrika Mengen geschlagener Steinwerkzeuge. und es erhebt sich die noch aufzuklärende Frage nach ihrem Alter. Mit Bezug auf das Alter und die tzerkunfi der Ruinen R h o» d e s i a S(Symbabye usw.) schließt v. Luschan sich der bekannten Anschauung Randall-MacJverS an, der in ihnen Kaffernbauwerke sieht, die nicht älter als vier bis fünf Jahrhunderte seien und nichts Phönifisches oder Südarabisches an sich hätten. Im Anschluß daran werden die Petersschen„BeweiSuiittel" dafür, daß man hier Ophir oder Punt zu suchen habe, kritisiert und abgelehnt. Dies« sind zum Teil allerdings sehr schwach; so hat sich herausgestellt, daß die Peterssche„ägyptische Grabfigv.r" eine Fälschung ist und daß Einders Petrie, der sie für echt erklärte, sich geirrt hat. Ob die acJverschen Ansichten allgemeine Geltung erlangen werden, ist allerdings noch sehr zweifelhaft; die historische Geographie hat hier auch mitzureden. Ähkietzlich beschäftigt sich der Verfasser mit der Chinesenfrage und der britischen Eingeborenen» Politik in Südafrika. Wir unterschreiben durchaus des Verfassers Standpunkt— resümiert der„Globus"—, daß in un serem Südwestafrika der Krieg zu vermeiden gewesen wäre, wenn man eS der Mühe für wert gehalten hätte, die Bölkerstämme zu der stehen. Technisches. Der künstliche Marmor. Die künstliche Herstellung der kostbareren GefteinSartcn hat derartige Fortschritte gemacht, daß eS stetS besonders hervorgehoben wird, wenn einmal an der äußeren »der inneren Dekoration eines monumentalen Gebäudes olles echt ist. vielleicht die größte Rolle unter allen Kunststeinen, soweit sie §ur Verzierung dienen, spielt der künstliche Marmor, dessen Her» stellung sich zu einer gewaltigen Industrie entwickelt hat. Zu einem kunstlichen Marmor gehört Gips, pulverisierte- Alaun, etwas Marmorpuiv.-e und«ine kleine Menge von starkem Leim. Bei Beobachtung eines bestimmten Verfahrens erhält man d-'vst Mischung dieser Bestandteile einen Teig» der, nachdem er getrocknet ist, die Erscheinung des Naturinarmors in hostcin Grade nachahmt. Eine besonders au-sührlick)c Abhandlung über die Herstellung und Verwendung von künstlichem Marmor hat die in Paris erschei- «ende„Allgemeine Rundschau für Bauwesen" gegeben. Was die Berwendungsarten betrifft, so wird der Kunstmarmor im all- gemeinen in der Form von Platten geliefert, die zur Verkleidung der Wände von Jnnenräumen, auch zur Herstellung von Tisch- platten oder von Dielen für Parkettböden und Treppenstufen dienen. Gewöhnlich werden diese Platten einfach dadurch, dast man die GestcinSrnischung von der beschriebenen Zusammcnsehung in eine Form laufen läßt, deren Boden durch eine Glasplatte von gc- eigneten Ausmästen gebildet wird, llebrigens beschränkt man sich nicht auf die bloße Nachahmung der Natur, sondern versucht auch, 'ste warme Tönung von antikem Marmor bei diesen Surrogaten zu erzielen. Dazu dient etwas Eisenhydrat, das in Wasser gelöst, dem Teig vorsichtig beigegeben wird, damit es sich später unter dem Einfluß der Luft in Eisenoryd verwandelt und der Gcstcinökompo- sition eine leichte Cremefarbe erteilt. Bläuliche Färbung wird durch etwas Kupfcrlosung, rötliche durch eine Abkochung von rotem Holz oder etwas Karmin erzielt, während die Adern des MarmorZ mit der Hand gezeichnet werden. Ricscnkanale für Petroleum. Von den großen Vetrolcumlagcrn aus, die entweder in nicht zu großer Entfernung bedeutende Absatzmöglichkeiten haben oder auf eine schnelle Bc- fördcrung des Erdöls nach einem Schiffahrtsplatz Sorge tragen müssen, find in neuerer Zeit großartige Leilungskanäle geschaffen worden. Die Führung haben in der Schaffung solcher merk- »oürdigcr Anlagen wieder die Amerikaner übernommen. In den Bereinigten Staaten sind die Hauptperroleumgebiete mit den wich- tigstcn Verbrauchs- oder Stapelplätzcn durch solche Leitungen vcr- Kunden, die es gestatten, die wertvolle Flüssigkeit sicher und schnell an ihren Bestimmungsort gelangen zu lassen. Das amerikanische Beispiel hat dann' in' einem außerordentlichen Maßslabe in dem berühmten Pctroleumgebict am Kaspischen Meer Nachahmung gefunden, dessen Mittelpunkt Baku mit dem Hafen Poti am Schwarzen Meer durch eine Leitung verbunden worden ist. Diese Leitung hat die ungeheuere Länge von 885 Kilomeb.rn, die etwa der Entfernung von Berlin nach Basel längs der Eisenbahnlinie über Frankfurt entspricht, aber sogar sie noch um rund 25 Kilometer übertrifft. Diese Petroleumleitung vermag jährlich 1 820 000 Kubikmeter Erdöl vom Kaspischen Meer zum Schwarzen Meer zu befördern. Das neueste Unternehmen dieser Art, das trotz seiner weitaus geringeren Ausdehnung von erheblicher technischer Bedeutung sein wird, ist eine Leitung zur Beförderung von Petroleum quer über die Landenge von Panama, die gleichzeitig mit der Durchbohrung .des großen ZwcimcerkanalS in Arbeit genommen worden ist. Auf diesem Wege soll das Produkt der Petrolenmfelder von Texas möglichst schnell und billig nach der Pacifischcn Küste geschafft lverden. Notizen. —„Exeguien der M i g n o n" betitelt sich eine Kom- Position des Wiener Musikers Theodor Streicher, die am 2. Juni ans dem Mannheimer JubiläumL-Musitfeste ihre Uraufführung erleben»vird. Als textliche Unterlage find die Ehorgesänge gewählt, die im achten Buch von«Wilhelm Meisters Lehrjahren" enthalten sind. — Karl v. S ch c r z e r, dem Weltreisendcn, der ursprünglich Buchdrucker war und de» Wiener Guteubergverein gründete, soll in Wien ein Denkmal errichtet»Verden. — In Paris ist der Professor der alten Geschichte an der Sorbonne Paul G u i r a u d gestorben. Er war ein Schüler von Fustel de CoulangeS und beschäftigte sich hauptsächlich mit Wirtschafts- geschichte. Seine bedeutendsten Werke sind:„TaS Grundeigentum in Griechenland" und„Die Arbeit in Griechenland". Der Band „Wirtschaftsgeschichtliche Studien über die Antike", der vor einem Jahr erschienen ist und sich an ein größeres Publikum»vcndet, enthält unter anderem auch interesiante Beiträge zur Geschichte des Finanzkapitalismus im alten Rom. die die kapirolistischcn Interessen als den treibenden Faktor der politischen Geschichte in der Unter- gangszeit der Republik nachiveisen. — Die Goldoui-AuSstcllung in Venedig ist am 25. Februar im Museo civico eröffnet lvorden. Mau hat eine Reihe von Goldoni-Rcliquicn zusammengebracht, und um diesen den Passenden Hintergrund zu geben, wurden sechs Säle de? Museums in eine Art Patrizierwohrnrng aus der Zeit des DichierS, mit all dem Glanz und der Farüenfreude, die diese Epoche auszeichneten, verwandelt. Vervollständigt wurde der Eindruck durch eine Anzahl von Gewändern von Herren und Damen, von Dogen und Ofstzicre» jener Tage, deren schimmernder Saint und leuchtende Seide, deren kostbare Stickereien und deren oft seltsame Formen ein lebendiges Bild der alten Pracht vermittelten. Eine Sammlung von Theater- zetteln aus dem 13. Jahrhundert,»N denen Aufführungen von Stücken Goldonis augezeigt wurden, Bilder von Theater- Vorstellungen auS der Zeit Goldonis. Illustrationen seiner Komödien und Porträts seiner Darsteller, darunter auch der Duse und Novellis, hatten eine nähere Beziehung zu der Bedeutung des Tages. Lebhaftes Interesse erregte ein Puppentheater und eine An- Berantwortl. Redakteur: Hir» Weber, Berlin.— Druck u. Verlag: zahl Puppen in Zeitkoslüme»>, die in verschiedenen Gruppen zu- sammengestellt waren und das damalige Leben veranschaulichten. Ein Glanzstück war das Porträt Goldonis, daS Longhi von ihm ge- inalt hat; ihm schloffen sich einige seltene Drucke von Bildern Goldonis sowie eine Sammlung von autographischcn Briefen und Dichtungen, sein Gcbnrts- und Totenschein und die alten Ausgaben seiner Dramen an. — Van Dyck in Amerika. Die heruntergekommene italicmsche Aristokratie, die biologisch betrachtet jenen aristokratischen Organen gleicht, die zweck- und finnlos weiterexistieren, zehrt im vollsten Sinne des Wortes von den Schätzen ibrer Ahnen. Ein Palazzo und ein paar gute Bilder au? fernen Zeiten sind ihre letzte Zuflucht, die sie veräußern, wenn alle anderen Hülfsquellen des Swinarotzens versiegt sind. Der Staat verbietet zwar den verkauf »vertvoller alter Gemälde ins Ausland— allein»vozu sind Gesetze da. als um umgangen zu werden. So soll jüngst der Marquese Catraneo in Genua sieben Porträts van Dycks(sprich: Deiks), des glänzenden Hämischen Porträtisten. an Pierpont Morgan, den Stahltrustbeherrscher, um einige Millionen Lire verkauft haben. Morgan hat nämlich momentan den Sport, alte Bilder zu sammeln. Viel- leicht überredet ihn Shaw, der den Sport betreibt. Millionäre zum Sozialismus zu bekehren, wenigsten? dazu, die Bilder in einem Museum der Oeffentlichkeit zuzuführen. Bücher-Einlauf. Gesamtausgaben. --FcrdjinandFreiligratshS sämtliche Werke in 10 Bänden. Herausgegeben von Ludivig Schröder.(Leipzig, Mar Hesses Verlag, In 2 Leinenbänden 4 M. Feine Ausg. 0 M. LuxuS-Ausg. 8 M.) — A n a st a s i u S GrünS sämtliche Werke in 10 Bänden. Herausgegeben von Anton Schlosiar-Graz. Mit 6 Bildnissen, 6 Abbildungen, 2 Titelkupfern der ersten Ausgaben und einem Briefe als Haudschriftprobe.(Leipzig, Max HcsseS Verlag. In 2 Leinen- bänden 4 M.) Romane und Novellen. — E. Baut: Mensche»recht.(Gose u. Tetzlaff, Berlin, 1,80 M.. geb. 2.50 M.) — A. Kuprin, Der Moloch und andere Novellen. AuS Nord und Ost. Bd. 1.(Karl Konegen, Wien. Geh. 1.50 Vi.) — I. v. Lagin, DaS Land der blauen Rosen, Mären und Märchen.(H. Walther. Berlin. 2 M., geb. 2,80 M.) — Robert Sandet, Und über uns leuchtende Sterne, Roman.(Verlag Kontinent. Berlin. 4M., gebunden 5 M.) — E. v. Weitra, Seele nfäden, Novellen.(Gose u. Tetzlaff, Berlin. 3 M.. gebunden 4 M.) — Artur Zapp, Hoch zeits nächte. Acht Erzählungen auS dem Leben.(Gose u. Tetzlaff, Berlin. 3 M., gebunden 4 M.) Lyrik. — Deutsche Dichter seit Heinrich Heine von Karl Henckell. Die Literatur. Band 37/38. Mit 23 Vollbildern und 8 Faksimiles. 3 M., in Leder gebunden 5 M.(Bard, Marquard u. Co.. Berlin.) — Sofy Fuchs-Stermose, Irma.(Richard Fuchs, Hohen-Neueudorf bei Berlin. 3,50 St., geb. 4,50 M.) Dramen. — Leonid Andrejew, Zu den Sternen. Drama in vier Aufzüge», deutsch von A. Scholz,(I. Ladyschnikow, Verlin. Preis 2,50 M., geb. 3.50 M.) — Hermann Bahr, Grotesken: Der Klub der Erlöser, der Faun, die tiefe Natur.(Karl Köncgen, Wien.) — Hermann Burte, Drei Einakter:„Der kranke König",„Donna Ines",„DaS neue HauS".(Wiegandt u. Grieben, Berlin. 3 M., geb. 4 M.) — Jan FabriciuS,„Mit dem Handschuh ge- traut", Kolonialdrama.