Ur. 287. Abmmrmeilts- Kedingunzen: ttbonnement«- Preis pränumerando: vierteljährl. 3,30 Ml., monatl. 1,10 Ml.. wöchentlich 2S Psg. frei ins HauS. Einzelne Nummer 3 Pfg. Sonntags- Nummer mU MuNricrier Sonntagi- Beilage„Die Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: 3,30 Marl pro Quartal. Singetragen in der Post- ZeitungS- Preisliste für IlZVS unter Et. 7H20. Unter ilreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für dal übrige Ausland 3 Marl pro Monat. «erscheint täglich nutzet Monlng«. Vevlinev Volksvlatt. 16» Jahrg. Die Inseriions- Gebühr deträgt für die sechsgespaltene Kolonel» zetie oder deren Raum so Pfg., für politische und gewerlschaftliche Vereins- und BerfammlungS- Anzeigen 20 Pfg. „Kleine Zinieigeu» jedes Wort S Pfg. (nur das erste Wort fettj. Inserate für die nächste Nummer müssen biS S Uhr nachmittag« in derErpeditlonabgegeben werden. Die Srpcdttton ist an Wochen- tagen dt« 7 Uhr abend«, an Sonn- und Festtage» bl« S Uhr vormittag« geöffnet. Fernsprecher: Amt l, Nr. IStZS, Telegramm-Adresse: „»ottnldrmokrat Srrlitt" Centrawrgan der socialdemokratischen Partei Deutschtands. Lrdalltiou: SW. 19, Senth-Stratze 2. Freitag, den 8. Dezember 1899. Expedition: SW. 19. Beuth-Skraste 8. Nochmals das„Wydener Manifest". Die Perle in dem Anllagering, den unsere Beamten der Geistes- fceiheit, der selige Bosse und der unselige Elster, für unseren Genossen AronS geschmiedet hatten, ist bekanntlich das Wydener Manifest ge- Wesen— und diese Perle ist falsch. Ueber diese Thatsache, daß es sich um eine grobe Imitation handelt, können sich unsere Scharf- macher nicht beruhige» und sie suchen fortgesetzt durch iveitere Fälschungen die Echtheit des Kleinods zu retten. Herr Elster, der Ankläger im Universitäts- Hexcnprozeh oder Ketzergericht, bezog sich auf ein sogenanntes„Wydener Manifest", in welchem die deutsche Socialdemokratie offiziell den gesetzlichen Charakter abgeschworen und sich auf den Boden der gewaltsame» Revolution und des Umsturzes gestellt habe. Dies wurde von der Verteidigung mir Recht bestritten; das Abschwören des gesetzlichen Weges war einfach die s e l b st v e r st ä n d l i ch e Erklärung, das; wir denr S o ei a list en g e s e tz die Anerkennung versagen, uns durch die zum Gesetz erhobene Gesetzlosigkeit in unserem Handeln nicht beirren lassen und folglich den Passus unseres Programms, der von dem gesetzlichen Weg handelt, st r e i ch e n müssen. Daß eine geächtete Partei das sie ächtende Gesetz nicht anerkennt, ist etwas so Natürliches, daß nur ein geistig und moralisch verkrüppelter Mensch sich darüber wundern kann. Und war denn wirklich ei» solches offizielles Manifest erlassen Ivorden? Der Verteidiger leugnete es. Und von dem Hcxenrichtcr mutzte denn auch zugegeben werde», datz seine Kenntnis des„Manifestes" dem berüchtigten Polizei- Opus Z a ch c r s cnt- stamnite, der nur„Auszüge" gegeben hat. Als Elster beim Vcr- lesen dieser Auszüge behauptete, das„Manifest" sei in der Partei allgemein bekannt, da antivortcte der Verteidiger des Genossen Arons, Genosse Heine, mit Fug und Recht, das sei nicht wahr. Ein M a n i f e st der von der Anklage bezeichnete» Art e x i st i e r t überhaupt nicht, geschweige denn ein offizielles von der Parteileitung veröffentlichtes oder gutgcheitzenes. Der schreibende Polizist Zacher, und durch ihn irregeleitet der redende Jnquisitionsanwalt Elster sind das Opfer eines Qnidproquos. wie das„unfehlbaren" Leute» besonders häufig widerfährt. Ein Flugblatt, von dessen Existenz die in der Partei jungen Gc- »offen Heine und Arons keine Ahnung hatten und von welchem Herr v. Pnttkamer bereits in der Reichstags- Sitzung von, 30. März 1881 gesprochen hat, ist allerdings seiner Zeit in der Schweiz veröffentlicht worden. Dieses Flugblatt war jedoch weder ein Manifest, noch ging es von der Parteileitung aus, die eS im Gegenteil in i tz billigte. Nicht des Inhalts' wegen, denn dieser ist nichts iveniger als nmstürzlcrisch, sondern ivcil die deutsche Socialdeniokratie nicht wünschte, datz im Ausland eine Art von Neben regier» ng gebildet wurde. Das Flugblatt war nämlich unterschrieben:„Die auswärtige Vcrkehrsstclle. Walter",— eine Firma, hinter der nicht die Partei stand. ES wurde dann dafür gesorgt, datz die„auswärtige VcrkehrSstelle" aufhörte. Dies ist die Wahrheit, wie aktcnmätzig nachgewiesen werden kann. Kurz: Erstens hat der Polizist Zacher das Flugblatt eines einzelnen Genosse» in ein offizielles P a r t e i m a n i f e st um- gefälscht. Zweitens hat der Polizist Zacher durch HerauSreitzcn einzelner Stellen des Flugblattes den Sinn gefälscht. Drittens hat der Hcxenrichter Elster sich zum Opfer dieser D o p p c l f ä l s ch n n g gemacht. Viertens hausiert die reaktionäre Presse b c w u tz t mit dieser Doppclfälschnng. Das gefälschte Futter liefert der kleinen Provinzprcsse die von Stumm unterhaltene„Deutsche Volkswirtschaftliche Korrespondenz". Datz die nichtswürdigen Täuschungen mit Belvutzt- sein verübt worden sind, wird dadurch bewiesen, datz der Verfasser des„Korrespondcnz"-Artikcls erklärt, das Stenogramm der Reichstags- Verhandlungen vom 30. März 1881 gelesen zu haben. Damals las aber Minister Pnttkamer das ganze „Manifest" vor, das dem„Socialdemokrat"- Artikel entspricht, und aus diesem ganzen Wortlaut mutzte jeder sehen, datz die zusammenhanglosen Citate, wie sie Zacher gegeben, die Tendenz der Anschannngcn in ihr gerades Gegenteil verkehrten. Trotzdem hat die „Deutsche Volkswirtschaftliche Korrespondenz" abermals»ur die paar aus dem Znsammenhang gerissenen Sätze wiedergegeben. Aber dies Scharfmncherorgan fälscht nicht nur das„Wydener Manifest", sonder» auch das Stenogramm über jene Reichstags- Verhandlungen. Es wird erwähnt, datz Pnttkamer bei der Ver- lesung des Wydener Maniscsts hinzufügte:„Es ist dies das Manifest und Program», der Herren Liebknecht und Bebel." Unterschlagen wird aber der amtlich verzeichnete Zwischenruf: „Nicht wahr". Jenes Manifest trug die Unterschrift„Walter" und die Korrespondenz philosophiert mm über diesen„Walter": „Zu dieser Unterschrift bemerkte Herr v. Pnttkamer: Dieser äutzerst harmlose„Walter" ist ein Pseudonym, wie wir ermittelt haben, und ich bin nicht ganz gclvitz, ob nicht verschiedene„Walter" existieren, vielleicht mehr i n m e i n e r N ä h e, als man denkt." Der Name Walter tauchte nämlich damals häufiger nnter Knud- - gebnn gc» auf, tvelche die socialdemokratischen Führer als von ihnen ausgehend kenntlich machen wollten. Ihre tvirklichen Name» durften diese infolge des damals bestehenden Socialistengcsctzcs nicht nennen.„Walter" war eine offenbar allgemein verabredete Deckndresse, unter welcher der eingeweihte Socialdemokrat sofort: Bebel, Liebknecht usw. verstand und vcr- stehen sollte. Die Antheulicität des Wydener Manifestes ist somit unwiderleglich festgestellt."'rweiidung findet, zu! Es war ganz selbstverständlich, datz die socialdemokratische Reichstags- Fraktion unter der Situation des Socialistengesetzes keinen Anlatz hatte, in aller Form dagegen zu protestieren, datz der von„Walter" verbreitete, sachlich zudem in allem Wesentlichen zu billigende Artikel eine offizielle Parteikundgebung darstelle. Gleichwohl ist diese Desavonicrung schon damals in Zwischenrufen geschehen. Die„Deutsche Volkswirtschaft- liche Korrespondenz" unterschlägt nämlich aus dem Stenogramm nicht nur jenes„Nicht w a h r", sondern verhehlt auch, datz auf die Vermutung Puttkamcrs, datz verschiedene Walter in seiner Nähe existierten, der Zwischenruf links erfolgte:„Hier ist kein Walter". Uebrigens sah damals Pnttkamer wohl ein, datz mit dem„Wydener Manifest" sich nicht viel machen Uetze, und er operierte deshalb vorzugsweise mit Mo st scheu Citatcn. Wenn die„Deutsche Volksivirtschaftliche Korrespondenz" das Stenogramm über jene Verhandlungen nicht zum Zwecke der Fälschung, sondern in der Absicht, sich zu unterrichten, durchgesehen hätte, so hätte sie mancherlei Nützliches lernen können. Bebel gab z. B. damals eine bündige Erklärung, was die Social- demokratie unter„revolutionär" verstünde. Nachdem er durch den Satz,„datz die Socialdeniokratie ihrem Wesen»ach revolutionär ist. das haben wir»ieinals bestritten", ein„hört, hört! rechts" ent- fesselt hatte, erläuterte Bebel seinen Satz wie folgt: „Ich habe aber auch— ich nmtz daran erinnern— insbesondere bei Erörterung des Socialistengesetzes im Jahre 1373 in meiner Rede ausgeführt, ivas unter revolutionärem Standpunkt zu ver- stehen sei. Ich habe insbesondere, gestützt auf die Ausführungen des StaatSrechtslehrerS Bluntschli, nachgewiesen, wie jede von Grund ausgehende Uinäudcrmig einer Staatsverfassung oder einer gesellschaftliche» Organisation, die neue Principicn an Stelle der alten setzt, eine revolutionäre Umgestaltung sei. In diese», Sinne glaube ich sogar, datz, Iven n der Bundesrat ernsthaft auf den, Wege der Gesetzgebung fortfahren würde, auf dem jetzt das U» f a l l v e r s i ch e r n n g s- Gesetz den ersten freilich sehr schwachen Versuch bildet, dies eine vollstäfidige revolutionäre Thätigkeit in ihren, Verlauf sein würde und sein mutz. Also von diesem Standpunkte aus haben ivir stets zugegeben. wir sind eine rc- volntionärc Partei. Wir haben dabei aber auch stets betont: im übrige» ist es ja Sache der Entwicklung der allgemeinen Verhältnisse, die von einzelnen Personen und sogar von einer ganzen Reihe von Persönlichkeiten und deren persönlichem Willen vollständig unabhängig sind, wie sich die Dinge in der Praxis gestalten werden. Wir haben stets erklärt, ivir wollen den Weg der sogenannten Reform, wir werden den Versuch machen, auf dem Wege der Gesetzgebung und der o r g a n i s ch e n E n t w i ck l u n g allmählich unsere Ziele zu erreichen, und Sie können uns nicht bestreiten, datz wir im Lause der' Jahre eine ganze Zahl von uns ausgehender Anträge eingebracht habe»— die allerdings bisher stets das Schicksal hatten, von einer Majorität des Hauses als unannehmbar betrachtet zu werden, die alle darauf hinzielen, die Lösung wichtiger socialer Fragen auf friedlichem Wege zu ver- suchen." Wir cmpfchlcn dieses Citat aus dcrZeit dcSSocialisten- g e s c tz c§ dem mit dem„Wydener Manifest" zu Unrecht Wirt- schaftendc» Jnqnisitionsgericht, und wir hoffen, datz Ivir damit die Akten über diese Angelegenheit schlictzcn dürfen— es mutzte denn sei», datz neue Fälschungen die Fcststellnng der Wahrheit abermals erheischen.—_ z�ottitslsze Mebevfiözi. Vcrlin. den 6. Dezember. Der Reichstag scheint die Länge seiner Sitzungen im umgekehrten Verhältnis zur Länge seiner Tagesordnung zu bemessen. Je länger die Tagesordnung, desto kürzer die Sitzungen. Heute hatten Ivir eine Tagesordnung von 4 Nummern und 14 Unternummern, von denen jede selbständig zu behandeln war. Und die Sitzung hat keine zwei Stunden gedauert. Es ist wahr, die meisten der Unternummern waren Petitionen, und Petitionen wird im Plenum gewöhnlich nicht viel Zeit gewidmet. Außerdem wurde gerade die Petition, oder richtiger: Gruppe von Petitionen, die voraussichtlich zu einer längeren Debatte Anlaß gegeben hätte, von der Tagesordnung abgesetzt. Nämlich die Petition betr. den Heringszoll, welchen die biederen Junker dem deutschen Volk aufhalsen wollen, weil ihnen die Fleischprcise noch nicht hoch genug sind. Die einzigen Petitionen, um die sich eine Debatte entspann, waren die der Gemeinde Helgoland auf Beibehaltung der sogenannten Fremdeiitrauungen bis zum Jahre 1910. Der Pastor auf Helgoland hatte unter der englischen Herrschaft bekanntlich ein ähnliches Recht wie der Schmied von G r e t n a G r e e n an der schottischen Grenze — er konnte sogenannte„Fremdentrauungen", wenn auch nicht wie dort auf die bloße Versicherung des Bräutigams, daß kein Ehehindernis im Wege stehe, aber doch unter sehr leicht erfüllbaren Bedingungen vornehmen. Hierdurch er- wuchsen, von dem Einkommen des Pastors, Küsters usw. ab- gesehen, der Gemeinde etwa 11009 Pt. das Jahr. Unter deutscher Herrschast hat dies fortgedauert. Mit Einführung des Bürgerlichen Gesetzbuches, also vom 1. Januar 1900 an, fällt aber die Frenidentrauung und diese Einkommenquelle weg. Für das Recht der"Gemeinde auf Entschädigung trat Genosse Stadthagen ein. Ueber die Petitionen seihst mußte., da � in S�iig auf das burgeplsche Recht für Helgoland keine Ausnahme gemacht werden kann, zur Tages- ordnung übergegangen werden.— Die Frage, ob das Mandat eines Abgeordneten, der als Abgeordneter in Konkurs gerät, erloschen sei oder fort- bestehe— eine staatsrechtliche Frage, die jedenfalls zu längeren Verhandlungen führen wird, wurde ohne Debatte der Gesckiäfts- ordnungs-Kommission überwiesen, die dem Reichstag Bericht zu erstatten hat. Ein Antrag auf Aenderung des Strafgesetzbuchs, dahin, daß Pferde- und Straßenbahnen nicht als Eisenbahnen im Sinne des Strafgesetzbuchs anzusehen sind, wurde nach kurzer Debatte, an der sich unsererseits Singer beteiligte, a n» genommen. Auf Grund des Strafgesetzbuchs, das an Straßen-Eisenbahnen nicht dachte, sind Kutscher oft und schwer wegen an sich geringfügiger Dinge bestraft worden. Eine Aeiidcnmg des Gesetzes wurde unsererseits angeregt und dann auch von anderen Parteien vorgeschlagen. Freitag und Sonnabend keine Sitzung. Montag: Etat. Nach Schluß der Etatsberatungen erster Lesung Beginn der Weihuachtsfcrien._ Die Diktatur Preußens. Von allen Seiten wird jetzt gegen die junkerlich ver- knechtete preußische Politik Sturm gelaufen. Die Re- gieiimgen der Einzelstaaten müssen sich für ihre Nachgiebigkeit gegenüber den preußischen Ansprüchen harte Worte sagen lassen. Der Reichstag und der Reichskanzler haben durch die Aufhebung des Verbindungsverbots für Vereine, wie die konservativen Blätter ganz'richtig empfinden, der preußischen Negierung einen Schlag versetzt, die es gewagt hat, das feier- liche Versprechen Hohenlohes durch die lox Recke zu verhöhnen. Sogar in der letzten Botschaft des Präsidenten der Vereinigten Staaten Mac Kinley findet sich unter den Freuiidschaftsbezeugungen für das Reich eine scharfe Spitze gegen Preußen und das in ihm herrschende agrarische Ostelbiertum. Sehr bezeichnend für den ebenso bösartigen wie erfolg- reichen Einfluß, den die preußische Reaktion auf die Gesamt- Politik des Reiches ausübt, sind die letzten Vorgänge in der württemborgischen Kammer. Wir haben schon bereits be- richtet, daß der württembergische Minister P i s ch e k sich in der Kammer gegenüber der socialdemokratischen Beschwerde wegen der Zustimmung zur Znchthausvorlage verantworten mußte. Aus einem ausführlicheren Bericht geht hervor, wie schwer es dem Minister wurde,, sich zu rechtfertigen. Er vcr- teidigte nicht die Haltung seiner Regierung, sondern bemühte sich'nur, wenigstens mildernde Umstände für sie zu erwirken, Er führte au8: „Er habe im Namen der Regierung sich über die Anfrage zu änhcrn. Wie der Staatssekretär v. Posadowsky in, Reichstag er- klärt habe, sei der Entwurf in, Bundesrat einstimmig, also auch mit Zustimmung der ivürttembergischen Regierung an- genommen worden. Um dieses Ergebnis aber richtig verstehen zu können, müsse mal, auf die der Abstimmung vorausgegangenen Verhandlungen eingehen. Einem früheren Entwurf von 1890 habe die Württemberg ische Regierung da», als zugestimmt, in der Erwägung, datz der§ 153 der Gewerbe-Ordnung zum Schutz der Arbeitswillige» bei Streiks nicht genüge. Im Reichstag seien damals die betreffenden Bestimmungen nicht angenommen worden. Schon damals habe v. Berlepsch erklärt, datz die vcr- büildctcn Regiernnge» nach wie vor von der Notwendigkeit reichs- gesetzlichen Vorgehens überzeugt seien. Im Jahre 1897 sei dann die Frage wieder in Flntz gekommen. Die wllrtlembergische Ncgierung habe damals die Staatsanwaltschaften und Oberämtcr über die bei Handhabung des Z 153 der Gcwerbe-Ordnung ge- machten Erfahrungen vernommen. Sie habe sich dam, damals ans Grund dieser Erhebungen der Rcichörcgicrnng gegen- über dahin ausgesprochen, daß in Württemberg weder zn einer Erweiterung der gesetzliche» Thatbestände, noch zu einer Vcrschärinng der Strafbcstimmnngen ein Bedürfnis vorliege. In andern deutschen Staaten haben sich aber andere Erfahrungen und Verhältnisse ergebe». Die würtcinbergische Regierung habe gegen eine Reihe der Vorschläge des Simvurfs entschiedene �Ein- Wendungen in den AiisSchnssen und im Plenum erhoben. Sie sei aber nicht durchgedrungen mit ihrer Anficht. Wen» sie de», Entwurf schlietztich im ganzen zugestimmt habe, so sei die Rc- giernng von folgenden Motiven geleitet worden: einmal datz sie einer Erweiterung der Thatbestände des§ 153 Gewerbe- Ordnung schon 1830 zugestimmt hatte, ferner datz für die weiter- geheudo» Bestimmungen des Entwurfs seitens der übrigen Re- gierungen unter Bezugnahme auf die in ihren Ländern gc», achten Erfahrungen ein entschiedenes Bedürsifis geltend gemacht worden sei. welches auch die württembergische Regiermig nicht habe ignorieren dürfen; sodann datz eine de» Entivurf im ganzen ablehnende Abstimmung de» württembcrgischcn Vertreter nach Lage der Verhältnisse lediglich keine praktische Bedentniig gehabt hätte, wohl aber geeignet gewesen wäre, mitzverständlichc Anschauungen über die Stellungnahme der württembergische» Rc- giernng zu der Gesamtheit der Bestimmnnge» des Entwurfs hervor- zurufen oder gar den Schein einer demonstrativen Kundgebung zu erwecken." Aus dem Diplomatcndeutsch in die Volkssprache übersetzt, bedeuten diese Darlegungen: Die württembergische Re- gierung war gegen den Entwurf, stimmte ihm aber schließlich trotzdem zu, weil sie nicht gegen— Oeynhausen demonstriere» wollte. Daß die Entschuldigungsgriinde, die der Herr Minister für die Unterwerfung unter die Diktatur Preußens an- führte, keinesfalls stichhaltig seien, hat er selbst gefühlt. Besonders deplaciert ist der Hinweis auf die Geneigtheit Württembergs, die es 1890 für die Bcrlepschschen Pläne hatte; denn der Minister erzählt unmittelbar darauf, daß die württembergische Regierung inzwischen zu einer besseren Ein- ficht gelangt sei und 1887 sich gegen jede Erweiterung und Verschärfung der Strafbcstimmungen ausgesprochen hatte. Daß 1897 die Frage wieder in Fluß gekommen, erklärt sich aus der Bielefelder Rede. Bielefeld genügte also nicht, um Württemberg von der Notwendigkeit einer Zuchtharis- vorläge zu überzeugen, erst nach Oeynhausen be> sann sich diese Regierung plötzlich wieder ans ihre längst korrigierte Meinung von 1890. Diesen Rückfall zum Jahre 1890 und dem Berlepschschen Entwurf hat ja auch Posadowsky im Reichstag vollzogen, um den Beweis zu führen, daß die Zuchthausvorlage nicht plötzlich entstanden sei, sondern sich„organisch" seit 1890 entwickelt habe. Ans der Darstellung des württembergischen Ministers aber geht nun unzweideutig hervor, daß zwischen 1890 und 1897 niemand in der Regierung an die Berlepschschen Pläne dachte. Erst als der Pastor v. Bodelschwingh in Bethel sich über den Terro- rismus der Streikenden gegenüber Arbeitswilligen beklagte. entdeckten die verbündeten Regierungen— das Heil deS Zucht- Hauses. Die württembergische Kammer geht mit dem Verhalten der Regierung scharf ins Gericht: „Die Kammer der Abgeordneten b e h a r r t auf ihrem Beschlntz ?om 21. Juni 1898, wonach die königliche Staatsregierung ersucht uurde, ihre Bevollmächtigten zum Bundesrat anzuweisen,' für die Einbringung des Entwurfs eines Gesetzes zu wirken, welches das Koalitionsrccht der Arbeiter im Sinne der vom Reichstag jüngst angenommenen Resolutionen erweitert und schützt. Zugleich ihr Bedauern darüber aus, daß die königliche Staatsregicning nicht nur diesem Beschluß nicht stattgegeben, sondern im Gegenteil dem Entwurf eines Reichsaesetzes zugestimmt hat. welches lediglich Bcrscharfungeu der geltenden Strafbestimmungen enthielt und in seiner Wirkung das ungenügende Koalitionsrecht der Arbeiter noch weiter ein- geschränkt haben würde." Schließlich wurde ein volksparteilicher Antrag an- genommen, der billigt, daß die Regierung Einwendungen gegen die Zuchthausvorlage geltend gemacht hat, es aber be- dauert, daß sie den Entwurf nicht abgelehnt habe. Hoffentlich hat die württembergische Regierung nach dieser Rückenstärkung durch die Kammer künftig weniger Furcht, in den Verdacht einer demonstrativen Abneigung gegen Preußen zu geraten. Jedenfalls ist es der Wille des Volkes, daß die allgemeine Politik nicht auf der iMllektuellen und moralischen Höhe des preußischen Herrenhauses geleitet werde.— Wieder eine gescheiterte Aktion. »st- Wien, 7. Dezember. Die gemeinsamen Beratungen zwischen den Vertrauens- Männern der Rechten und Linken sind, wie wir es gleich vor- aussagten, ohne jedes Ergebnis geblieben. Die beiden Komitees hielten gestern ihre dritte Sitzung ab, und da es mittlerweile klar geworden war, daß sich die Parteien auf keinen Beschluß einigen werden, so gingen die Konferenzen einfach auseinander, ohne daß das geringste verfügt worden wäre. Der Konferenz lagen wohl einige Anträge vor, die das Einstellen der jungczechischen Obstruktion herbeiführen sollten; aber da die Jungczechen die Obstruktion nicht um eines� bestimmten Zweckes willen machen, sondern rein als Selbstzweck, so fanden sie natürlich an jedem Vorschlag etwas auseinanderzusetzen, ohne eben selbst zu sagen, was sie verlangen. Thatsächlich ist die jungczechische Obstruktion nur ein nationaler Wutausbruch, und solchem Verrücktspielen gegenüber sind Argumente der Vernunft natürlich ganz un- wirksam. Die Jungczechen treiben Obstruktion, weil die Deutschen sie gemacht haben; sie wollen zeigen, daß sie ebenso viel wert sind wie die Deutschen, und daß sie dasselbe zu leisten im stände sind, wie ihre Nebenbuhler. Weim das so fortgeht, wird dem östreichischen Staatsgrundgesetze ein neuer Paragraph eingefügt werden: Jeder Volksstamm ist gleich- berechtigt und hat das unveräußerliche Recht auf O b st r u k t i o n.... Was aber soll jetzt geschehen? Graf Clary ist morgen zum Kaiser beschieden, und es ist nicht unwahrscheinlich. daß da schon irgend eine Entscheidung fallen wird. Für den Kampf gegen die Obstruktion fehlt es nicht nur an Zeit. sondern auch noch mehr an Geduld; es würde uns also auch nicht wundern, wenn die Krone das Parlament sofort heimschickte und den Z 14— dessen Streichung gestern im Verfassungs- ausschusse mit großer Mehrheit beschlossen wurde?— wieder zu„Ehren" brächte. Das traurige daran wird nicht einmal der weitere Mißbrauch des§ 14 sein, sondern mehr noch die stumpfe Gleichgültigkeit, womit dieser Mißbrauch von der Bevölkerung aufgenommen wird. Man will natürlich in Zeitungen und Versammlungen weiter murren, aber im Innern sagt sich doch jeder, daß eben nichts anderes übrig geblieben sei. Wenn man ganz Oestrcich durchfragen würde, was ge- schehen soll, so würde man nicht viele und unwidersprochene Anttvorten bekommen, sondern jedermann würde die Antwort schuldig bleiben. Wenn dem Menschen das Wasser schon bis zur Gurgel reicht, so nützen ihm Dar- legungen über die Ursachen seiner schlimmen Lage nichts, und nichts nützt es ihm. wenn man ihm klar macht, wie er sich künftig vor solchen Gefahren bewahren könne. Er will gerettet werden, er will wissen, wie er sofort aufs feste Land kommen kann. Und so geht es jetzt diesem über- kranken Lande. Die Frage für Oestreich ist nun, wie es sich sofort vor dem Erstickungstod retten kann. Die Frage ist aber nicht zu beantworten, denn wem nicht zu helfen ist, dem ist auch nicht zu raten. Und zu helfen ist Oestreich nimmer, denn seine Krankheit ist unheilbar. Die östreichische Frage hat sich in Europa neben der türkischen etabliert.— «« Deutsches Weich. Gegen den Fürsten Hohenlohe, der es gewagt hat, sein Wort einzulösen, wettert die konservative Presse. Wie verlautet, hat der Reichskanzler es erst im letzten Augenblick erreicht, daß er in die Lage versetzt wurde, als ein politischer Ehrenmann zu handeln. Er habe die Einlösung seines Versprechens als Vorbedingung seines weiteren Verbleibens im Ancke erklärt. Die„Kreuz-Zeitnng" klagt über zweierlei Matz. Als die Konservativen die Kanalvorlage ablehnten, wurden die Landräte gematzregelt. Nachdem aber die Linke und das Centrum die Zucht- Hausvorlage in beleidigender Weise zurückgewiesen, habe man die Opposition mit der Aufhebung des Verbindungsverbots belohnt. Diese Klagen über ungerechte Behandlung stehen an geistiger Reife noch tief unter den verwandten Beschwerden sechsjähriger Schüler über die Ungerechtigkeiten ihrer Lehrer. Die„Deutsche Tageszeitung" sieht in dem Verhalten der Reichs- regierung einen Vorstoß gegen Preußen. So hat es Hohenlohe zwar nicht beabsichtigt, aber in moralischer Wirkung verhält cS sich in der That so, wie'd�„Tageszeitung" jammert.— Arbeiter»md Flottcnplan. Eine Illustration zur Flotten- vorläge bildeten vier große öffentliche Versammlungen, welche am Sonntag, den 3. d. M., in den Vororten von Stettin gleichzeitig stattfanden und von insgesamt 4000 Arbeitern der bekannten Schiffs- werft„Vulkan" besucht waren. Die Versammlungen waren eine großartige Demonstration gegen die unmenschlich lange Arbeitszeit, die ans dem.Vulkan" herrscht. ES ist an die Direktion das Ersuchen gestellt: 1. die regelmäßige tägliche Arbeitszeit auf zehn Stunden fest- zusetzen, 2. den in Stundenlohn beschäftigten Arbeitern für die zehn- stündige Arbeitszeit denselben Tagesarbeitsverdienst zu gc- währen, den dieselben zur Zeit bei länger als zchnstnndiger Arbeitszeit erhalten, 3. für den Fall, daß ausnahmsweise Ueberstunden unumgänglich notwendig sind, dafür einen Zuschlag von 25 Proz. den Lohn- sowohl als den Accordarbcitern zu gewähren, 4. die Accordpreise um 6—30 Proz. höher zu setze», mit der Maßgabe, daß für die schlechtcst bezahlten Arbeitsstücke der höchste Ausschlag gewährt wird. Diesen! Gesuch ist eine ausführliche Begründung beigegeben. Zunächst wird nachgewiesen, daß die Verkürzung der Arbeitszeit nicht etwa allein im Interesse der Arbeiter liegt, sondern auch das Werk einen Nutzen hat, insbesondere weil es nur zu oft vorkommt, daß in 2 Woche» 235—&40(1) Stunden gearbeitet wird. Ein Teil der Zeit wird natürlich— verschlafen!-- Die Begrnndungsschrift weist ferner auf die große Zahl von Unfällen hin, die mit der Länge der Arbeitszeit gewaltig znnehinrn. Ebenso wird darauf aufmerksam gemacht, daß der Schnapsgenuß mit der Länge der Arbeitszeit wächst, und wahrlich nicht sittenverbessemb wirkt. Unterzeichnet ist das Schriftstück von 12 Arbeitervereinignngen. darunter 6 Gewerkschaften, 3 Gewerkvereine(Hirfch-Dnuckerscher Richtung) und 4 lokalen Organisationen. Wer Wissen will, was der Arbeiter von dem Flottenban zu er- warten hat. der braucht nur diese Dentschrift zu lesen! Sie zeigt auch, wie nötig wir es haben, die Arbeiter über die Segnungen der Flottcuromantik in: dunkeln zn lassen. Man darf auf die Antwort der Direktion einigermaßen gespannt sein!— Zur Flottenplanlosigkeit. Die ministerielle„Berliner Kor- respondenz" holte gestern ans ihrer Schrcckcnskammcr wieder das Blockadcgespcnst hervor und kompromittiert die Marineverwaltung dadurch, daß sie ihr die Urheberschaft des früheren Blockade-Artikels zuschreibt. In dem jetzigen Artikel wird ausgeführt, daß eine Schlachtflotte von 19 Linienschiffen zwar ausreiche, imi 26 bis 30 feindliche Linienschiffe von der Blockade abzuhalten, daß aber eine deutsche Flotte von 40 Linienschiffen notivendig sei, um auch der größten Seemacht gegenüber eine wirksame Blockade anszn- chließen. DaS heißt mit anderen Worten, so bcincrtt die„Freis. Ztg.", die deutsche Flotte muß 40 Linienschiffe zählen, damit sie einem Blockadegeschadcr von 60 englischen Linienschiffen gewachsen ist. Man sucht also hier glauben zu machen, als ob die englische Flotte, welche bekanntlich wenig über 60 Linienschiffe zählt, aus allen Weltteilen vereinigt werden könnte, um eine Nordsee-Blockade durchzuführen. Die„ Fr a n kfu rt e r Z t g." macht darauf anfmerksain, daß die Einbringung deS FlottengesctzeS offiziös angekündigt wird. bevor der Bundesrat niit einer Vorlage befaßt worden ist. Das ist ganz genau derselbe Weg der Gcscbäftsordnung, wie er bei der Zuchthansvorlage eingeschlagen wurde. Die. sagcnwir. preußischen Wünsche iverdeii über die verbündeten Ncgieruiigcn himvcg zur Er- lcdigung gebracht. Mit dem verfassungsmäßigen Geschäfts- gang stimmt dieses abgekürzte Verfahren allerdings nicht übcrcin. Die„K ö 1 n. V o 1 l S z e i t u it g" nimmt an. daß das C e n t r n m gegen einen Flottcnplan von der Art, wie er jetzt angekündigt wird, in i e e i n M a n n stimmen werde,„und es kann das nm so eher thun, als cS bereits zn Anfang des vorigen Jahres durch die Zustmiinung zum Flottcii-Scxeiniat seinen patriotischen Sinn— auch bezüglich unserer maritimen Wehrkraft— wahrlich hinlänglich bewiesen hat. Für„Uferloses" sind wir nicht zu haben und wollen auch nicht dem Manne gleichen, der sich eine Toilette, eine Panzer- toilette— anlegt, die über seine Verhältnisse gehl." Gegen die g e s e tz l i ch e F e st l e g u n g des Sollbestandes der Flotte hat sogar die marinebcgcistcrte„N ä t i o n a l- Z e i t u n g" Bedenken. Sie kann sich„eine parlamentarische Lage vorstellen, in welcher die verschicdeiisteii Freunde der Flottenverstärlniig gegen die Forderung der gesetzlichen Feststellung des künfligen Sollbestandes sein würden: nämlich wenn dadurch ohne Not, während man das nächste, allein praktische Ziel stärleren WeiterbaueS in den Jahren 1991—1903 auf andere Art erreichen könnte, ein Konflikt mit der Mehrheit des Reichstags herbeigeführt würde." Es scheint, als ob man auf die Werbekraft einer Wasser« Wahlparole doch nicht vertraut!— Der amtliche Anfang deS YahrhundertS ist nicht nur vom Papst, sondern auch von dem deittichen Kaiser für den 1. Januar 1900 verfügt worden. Es werden verschiedene Feierlichkeiten für diesen „Umsturz der zweiten Zahl" geplant. Nach der„Kreuz-Zeitnng" sollen die Fahnen der deutschen Regimenter Er- iiinerungszeichen erhalten, und die Postkarten sollen für de» 1. Januar einen besonderen Schmuck erhalten. Daß man auch eine neue Politik der nenen Zahl zu Ehren beginnen wolle, scheint nicht beabsichtigt zu sein.— AnS dem Reiche Podbiclskis. Daß der schneidige Koni- mandeur des Heeres der deutschen Reichspostniiterbeaiiite» seinen Untergebenen das KoalitionSrecht beschneidet, ist bekannt. Man hält in postalischen Kreisen aber auch sonst auf strenge, wahrhaft militärische DiSciplin. Ein Beispiel hierfür wird uns ans Jena berichtet: Der hiesige Konsunivereiu, dem ein sehr großer Teil der Gewerkschaftsmitglieder angehört, hatte seine Generalversammlung nach einem Lokale einberufen, das sonst den Gewerkschaften zu Ver- sammlungen nicht zur Verfügung steht. Dagegen wurde remonstriert und für die Zukunft vorbeugende Maßregeln getroffen. Für die Abhaltung der späteren Versammlungen wurde ein anderes Lokal vorgeschlagen, in welchem die socialdemokratischen Partei« und sonstige größere Gewerkschafts-Versammlungen abgehalten werden. Da stand ein Po st Unterbeamter auf, um die Erklärung abzugeben, daß die dem Verein angehörenden ca. 90 Beamten nicht in der Lage sein werden, die Versammlung zu besuchen, weil den Beamten von ihre« Vorgesetzten der Besuch des Saales wegen deS über denselben verhängten Militärboykotts ver- boten sei. Unsere Partei hat zweifellos ein großes Interesse daran, zu erfahren, ob etwa ein übereifriger Vorgesetzter, den vielleicht der Rescrveliciitenant kitzelt, aus eigener Machtvollkommenheit eine solche Maßnahme angeordnet hat, oder ob S y st e m hinter der Sache steckt und ob in gleichen Fälle» auch in anderen Städten dieselbe Praxis geübt wird.— Einen Lichtblick nennt die der Scharfmacherei dienende Münchener„Allgemeine Zeitung" das Zusaniinciigehen aller bürgerlichen Parteien,„als es sich darum hanvelte, die provokatori- scheu socialdemokratischen Anträge in betreff der Koalitionsfreiheit » Uwini abzuweisen." , Hfl wcchjverdieascs Hob I Das Kommimalwahlrecht. Der„Hamb. Korrsp." berichtet: Vertrauliche Beratungen zwischen Vertretern der Regiernngs- bchördcn und der Kommniien finden seit einiger Zeit ini gesamten Gebiete der preußischen Monarchie statt. Es handelt sich um Schaffung eines Einverständnisses bezüglich der Fragen, die das nein: K o m m u n a l w a h l g e s e tz aufrollt. Ein Direktor und mehrere Räte aus dem Ministerium des Innern bereisen zur Zeit die Provinzen, um Konferenzen der erwähnten Art ab- zuhalten. In den letzten Tagen haben eingehende Be- ratniigen mit Bertretungen der Stadtkommniien und Kreise in den Provinzen Schlesien und Posen, sowie in der Rheinprovinz und Westfalen stattgefnnden. Die Bürgermeister und Landräte der Mark Brandenburg waren kürzlich mit den Vertretern des Ministers deS Innern in Potsdam zn einer Konferenz vereinigt, in der die Basis für die Behalidlimg der ncii auftaucheiiden Fragen in der Angelegenheit des Gemeiiidewahlrechts für den zuständigen Bezirk gefunden lind festgestellt wurde. Den Beratungeii in Potsdam wohnte auch der Bürgermeister von Berlin bei. Etwas anderes wie rcakiioiiäre Tränkche» braut man in diesen Bcratuilgen sicherlich nicht.— v. Puttkanier, der Oberpräsident von Pommern soll krankheits- halber aus dem Amte scheiden. Er ist unsterblich geworden durch die fabelhafte neue Orthographie.— Z« den dringlichen Pflichten der Regierimg gehört, nach der agrarischen„Dcntschcu Tageszeitung", die Wiedereinführniig der Prügelstrafe. Das Blatt ist empört darüber, daß der Regieruilgs- Vertreter in der Petitionskoniinission zu einer Eingabe über die Prügelstrafe bemerkt habe:„Die verbündeten Negiernngen haben zti der Frage noch nicht Stellung genommen." Mit solcher Wendung habe sich die Negicnmg der führenden Rolle beacben, sie niiisse das Vertrauen einbüßen, wenn sie nicht prügeln lassen wolle. Vielleicht führt die preußische Ncgiemng min, um den Wünsche» des BLiidlerorgans eiitgegeilzukomineii, Stockschläge für unbotmäßige Landräte ein, wie's in China Brauch ist.— Ei» alter Rchtnndvierzigcr ist am 6. Dezember in Zürich gestorben: Friedrich von B e n st, einer der preußischen Offiziere, die an der Bewegung des Jahres 1848 und an dem NeichsverfasstnigS- kämpf des Jahres 1849 teilgenonmicii haben. Beust, der in Baden ein Komiiiaiido hatte, trat mit der Revoliitioiis- Armee in die Schweiz über und widmete sich dort einem bürgerlichen Beruf, und zwar einem, der für seine ideale Vcranlagniig spricht: er über- nahm die Frübelsche E r z i e h u n g s- A n st a l t in Seefeld bei Zürich, die nntcr seiner Leitung eine Milstcranstalt geworden ist. Bcnst hat unserer Partei nicht formell als Mitglied angehört. war aber als radikaler und konsequenter Demokrat bewußter Socialist und stand unserer Partei sehr nahe— wozu auch eine entfernte Verwandtschaft mit Friedrich Engels beigetragen haben mag. Er hat ein Alter von 82 Jahren erreicht. Unter den deutschen FreihcitSkämpfein wird Benst allezeit eine ehrenvolle Stellung ein- nchnien.— Das virsammlnngSrccht in Sachsen-Weimar beschäftigte in einer nahezu fünfstiindigen Sitzung am 6. Dezember den weiiiinrischcn Landtag. Die Veranlassung dazu gaben die aus den 14 größeren Orten des Landes von den Vertrauensleuten der socialdemokratischen Partei an den Landtag � gelichteten Schreiben, in welchen Protest gegen die schabloneiimäßigen Versamnilnngsverbote geführt und ein nnbeschränktes Vereins- und Versaillmlungsrecht sowie Redefreiheit gefordert wurden. Die frei- sinnige Partei hatte eine Petition ähnlichen Sinnes eingereicht. Der Minister des Innern HanS Lutze von Wurmb suchte die Handlungsweise der Regicrnng zu verteidigen und betonte, daß auch in Zukunfl„ausländische Agitatoren" im Großherzogtnm nicht sprechen dürften. Nur wenige Abgeordnete gaben ihrer Freude zu dem Vorgehen der Regierung Ausdruck, n. a. Abg. von Boynebnrg, welcher sich bereit erklärte, noch schärferen Gesetzen zum Kampfe gegen die Socialdcmokratie zustimmen zu wollen. Avg. Band ert hatte eS leicht, an der Hand eines umfangreichen Beweismaterials die ungercchre Behandlimg der Arbeiterschaft dar- zulegen. Scharf kritisierte derselbe die schablonenmäßige Bcgründimg bei den Veriammliiiigsverboten. Die ganze Art und Weise der Socialistenhetzc in Sachsen-Weimar führe dazu, kleinere Beamte zu uiigesetzlichcii Handlungen, ja selbst zum Falscheid, wie Redner dies an einem Fall ans Oldisleben nachwies, zu verleiten. Das Vorgehen des neuen Herrn führe zur Anarchie, zur Revolution von oben, und man brauche sich nicht zu wundern, wenn durch despotische und thraniiische Eiiirichtungell in einem Staate der Haß gegen die Urheber derselben sich steigert. Die Socialdemokratie ivcrde daraus Nntzen ziehen; ihr bester Agitator sei in den letzten Monaten Hans Lutze von Wnrnib gewesen. Freisinn, Centrum und ein Teil der Nationalliberalen erklärten sich ebenfalls mit dem Vor- gehen der Negierung nicht einverstanden. Der Centrums- Abgeordnete Dr. Kiel bedauerte, daß Professoren wie Professor Dr. Höckel in Jena ungehindcrt weit gefährlichere Ideen in ihren Werken verbreiten köimteii. Die Freistniiigen klagten darüber, daß durch das Vorgehen der Regierung„mir sie" den Schaden hätten, weil die freisinnigen Stimmen immer mehr den Social- dcmokraten zufielen. Der Antrag auf Erlaß eines einheitlichen Vereinsgesetzes wurde schließlich abgelehnt. So steht nun zu erwarten, daß die Socialistenhetze in Sachsen-Weimar noch die sonderlichsten Blüten treiben wird.— München, 6. Dezember.(Eig. Ber.) In der heutigen Sitzung der Abgeordneteiikamiiicr nahm die Generaldebatte über den Haiiptctat der Militärvcrwaltiiiig für da? Jahr 1899 ihren Allfang. Nachdem der Referent Abg. Wagner slib.) in iVzsstiiidiacr Rede die Verhandlungen des FiiiaiizanSschulses rekapituliert hatte, nahm Kriegsminister v. Asch daS Won zn einer Erklännig bezüglich des von der Münch. Post seiner Zeit veröffentlichten Geheimerlasses des Kriegs Ministeriums vom 11. Juni 1898, belr. das Verbot des Verkehrs der Osfiziere und Beamten der Militär- verwaltimg mit der Presse und mit Mitgliedern der Kammer der Abgeordneten. Herr v. Asch erklärte: Dieser Erlaß hatte einen streng vertraulichen Charakter und ging nur unter persönlicher Adresse an die koinmandierendeii Generale usw. hinaus. Vom militärischen Standpunkte muß es als mit den dienstlichen Grundsätzen unvereinbar bezeichnet werden, wenn Angehörige der Armee sich mit ihren Wünschen und Klagen direkt an die Oeffentlichkcit wenden, denn für sie besteht der Dienstweg, dessen Unigehung nicht gestattet ist. Im Finanzansschusio wurden nun an diesen Erlaß Schlußfolgerungen gezogen, deren Be- rechtiauilg ich nicht anzuerkennen vermag und die jedenfalls nicht in iiieiiiem Sinne lagen. Mir stand es jederzeit vollständig fern, die Rechte der Abgeordneten irgendwie anzutasten und an eine Gering- schätznng der Mitglieder dieses hohen Hauses ist von mir in keiner Weise auch nur gedacht worden, mein bisheriges Verhalten allein sollte mich schon vor den Aeuherimgen eines solchen Verdachts schützen. Wenn ich aber dienstlich nnznlässige Zuträgereien vermieden wissen wollte, so kann nur daraus ein Vorwurf wohl kaum gemachr werden. Wie sehr dieser Mahnruf an Pflicht« und Ehrgefühl berechtigt war. beweist die Thatsache, daß dieser geheim zu haltende Erlaß durch Pflichtverletzung eines untergeordneten Organs nichr nur an die.Münchener Post", sondern auch an einen Abgeordneten gesandt wurde. DaS war für mich eine tiefernste, traurige Thar« fache. Das Hans nahm diese Erklärung mit eisigem Schweigen auf und Herr von Asch dürfte den damit beabsichtigten Zweck wobl schwerlich erreicht haben. Behauptete doch nicht nur der demokratiiibe Abg. Köhl, daß der Geheimcrlaß die Abgeordneten trotz der Er- klärung des Kriegsininisters verletzen mußte, sondern auch der Cciitrmiisabgcoröiicte Gerstcnbergcr bezeichnete das vom Kriegsministerium erlassene Verbot des Verkehrs von Militärpersoncn mit Abgeordneten als verfassungswidrig, denn der Landtag habe das Reckjt der Kontrolle über alle öffentlichen Einrichtungen und doizu gechswe eben auch das Militär.— Chronik der MajestötSbcleidignngS-Prozcsse. Aus Kiel wird berichtet: Wegen Majestäts- und Schutz- mannSbeleidigung hatte sich der aus Leipzig gebürtige Schuh- juachcr Johannes S ch l o in a n n vor der hiesigen Strafkammer zu verantworten. Schlomann hatte in der Hagenschen Wirtschaft in der Damenstratze derartig skaudaliert. daß man den Schützmann Malku- weit herbeiholte. AIS dieser dann den Angeklagten verhaften wollte, stieß derselbe die Beleidigungen aus. Vom Staatsanwalt wird eine Gefängnisstrafe von sechs Monaten beantragt, doch nimmt das Ge- richt als mildernd an, daß starke Trunkenheit vorlag und er- kennt auf vier Monate Gesang nis.— Berichtigung. Am Schluß der gestrigen Notiz„Ist das Gesetz- liche erlaubt* muß es heißen:„Vielleicht' erlebt man es schließlich noch, daß irgend einer unserer R e a k t i o n ä r e, der für die gcsetz- liche Nevisiou der 1848er Revolution s erruugenschaften eintritt, wegen Hochverrats eingesperrt wird.— Ausland. Dänemark. Fm Folkcthiug stand ein Antrag der Linken zur Verhandlung, daß die Landstädte in Zukunft durch den Geni ein berat den Bürgern, ei st er wählen sollen.� Jetzt wird der Beamte vom Ministerium ernannt. Die Zustände in vielen Städten sind unerträglich, da der Bürgermeister meist ein Rechtsanwalt ist und für sein'Amt nicht genug Zeit hat. Auch werden Personen ernannt, die gar kein Vcr-standiiiS für die Lokalangelegenbeitcn haben. Die Vertreter der Rechten und auch der M i n i st e r stellten sich auf den Standpunkt, daß erst das Wahlrecht zu Gunsten des Gcldsacks reformiert werden müsse, wenn man dem Geincinderat die Bürgermeisterwahl überlassen wolle, sonst bezahlte die eine Partei die Kommunalsteucm und die andere bestimmte, was mit dem Gelde geschehen solle. Natürlich erklärte unser Parteigenosse, daß davon keine Rede sein könne. Würde der Gemeinderat durch Aenderung des Wahlrechts konservativ, würde er erst recht /inen konservativen Bürgermeister, einen Vertreter des Kapitalismus wählen.— Der Antrag kommt demnächst zur zweiten Beratung. England. London, 7. Dezember. Gutem Vernehmen nach wird Lord Saliöbury in dieser Woche noch die Leitung der Geschäfte voll- ständig übernehmen. Es wird jetzt behauptet, daß Lord Salisbnrh die Auslassungen C h a m b e r l a i n s. die in Europa und Amerika allgemeine Mißbilligung erfahren haben, durch eine Erklärung wieder gut zu niachen versuchen tvcrde, welche besonders dadurch als notwendig erachtet werde, iveil Chamberlains Rede nur den Erfolg hatte, die Sympathien für die Bocren zu vergrößern.— Amerika. Washington, 6. Dezember. In der heutigen Sitznng des Senats brachte Haie eine Bill ein betr. Belvillignng von 11 Mill. Dollars zur L e g u n g eines Kabels im Stillen Occan nach Hawaii, den Philippinen, Japan und China.— Varlttinenkainf-ches. In der Wahlprüfniigö-Kommissio» des Reichstages wurden heute die Wahlen der Abgg. Möller-Duisbnrg(«.'Düsseldorf, natl.) und Ernst(1. Broinbcrg: Czernikau-Kolniar, frs. Vg.) für gültig erklärt. Zur Verhütung der Ginschlcppnng der Pest ist durch kaiser- liche Verordnungen vom 6. September 1897 und vom 22. August 1899 die Einfuhr von Leibwäsche, alten und getragenen Kleidungsstücken. gebrauchtem Bettzeuge, Hadern und Lumpen aus denjenigen Läiidcrn. welche damals von der Seuche befallen ivordpn sind oder unmittelbar bedroht waren, verboten worden. In neuerer Zeit ist die Pest auch in Sudamerika aufgetreten, wo eine Reihe von Pcstsälle» iii Paraguay und Brasilien festgestellt worden sind. In der diesjährigen Verordnung ist die Ermächtigung des Reichskanzlers zur Ausdehnung deS Ausfuhrverbots nur mit Bezug auf Portugal bc- nachbarte Länder ausgesprochen. Zur beabsichtigten Erweiterung der Einfuhrsperre ist dem Bundesrat, wie bereits mitgeteilt, der neue Entwurf einer Verordnung betreffend' Be- chränkungen der Einfuhr wegen P e st g e f a h r zugegangen. Da bei dem sprnngweisen Auftreten der Pest in der letzt- vergangenen Zeit und bei dem regen Handelsverkehr unter den Kulturstaaten mit den, Ausbruch der Pest in weiteren Gebieten ge- rechnet werden muß. wird der Reichskanzler zur Ausdehnung des Einfuhrverbots ohne Beschränkung auf Gebiete von einer bestimmten geographischen Lage ermächtigt, damit nötigenfalls ohne Verzug die erforderlichen Anordnungen getroffen werden können. Gemeindewahlen. In Baden find unsere Genossen in einer großen Anzahl Orte in die Wahlbewegung eingetreten. Vielfach unterstützen sie in der I. und II. Klasse die bürgerliche Opposition. In dem Dorfe Grötzingen bei Karlsruhe haben Misere Genossen in der III. Klasse einen glänzenden Erfolg erzielt. Mit Unterstützung unserer Genossen siegte die Opposition auch in der II. Klasse, und sogar in der I. Klasse wurden von den zu wählenden 14 Bürger- auSschuß-Mitgliedern sieben von der Opposition durchgcbracht. Im ganzen Lande macht sich allenthalben eine starke Bewegung gegen die nationalliberale Vcttcrmvirtschaft auf den Rathäusern bemerkbar. In Hettenleidelheim(Pfalz) wurde unsere Liste glatt gewählt und ein Parteigenosse in Erdung(Oberbaycrn), ebenso in Schwenningen(Württemberg) und in K o tz s ch e n b r o d a (Sachsen). Eine interessante Erinnerung frischt die„Rh. Wests. Arbeiter- zeitung" auf, indem sie schreibt: In diesem Jahre sind es 25 Jahre geworden, daß E. W. Tölcke im Kreise Dortmund von der focialdemokratischen Partei als Kandidat für den Reichstag aufgestellt wurde. Mit welchen Schwierigkeiten man damals kämpfen mußte, davon haben die jüngeren Genossen keine Ahnung. Am Wahltage wurden die meisten Genossen, die die Wahllokale im Landkreis besetzten, blutig geschlagen. So unter anderen Aug. Hoffmann in Eichlinghofen.' In Dorstfeld wurden unsere Zcttelverteiler durch die Emscher getrieben. Fast keiner kam zurück, der nicht mißhandelt worden wäre. Der Liberale Bcrger erhielt über 11 009 und Tölcke 1227 Stimmen. Nach der Wahl fanden die Maßregelungen statt. Siebel, der auf Zeche Dorst- fcld arbeitete, war der erste, der entlassen wurde. Als er schon auf mehreren Zechen um Arbeit angefragt und immer abgewiesen worden war, kam er auch nach der Zeche„Wcstfalia" nnd fragte um Arbeit an. Der Bctriebsführcr Gcrdes aber sagte ihm:„Wenn Sie nicht Siebel hießen, könnten Sic Arbeit bekomme».* Zuletzt bekam Siebel auf der Zeche Hansa, die eine englische Betriebssührung hatte, Arbeit. In kurzer Zeit folgten ihm dahin Ludw. Schröder, Brinkmann, der jetzige Knappschaftsälteste Fröhlich und viele andere, so daß zuletzt wohl 50 gemaßregclte Bergleute auf der Hansa arbeiteten. Von diesen Personen wurde denn auch die Agitation im Kreise gemacht. Die aufgeklärten Engländer kümmerten sich nicht um die politische Meinung ihrer Arbeiter. Die genannten Personen können in diesem Jahre daS 25jährige Jubiläum ihrer ersten Maß- rcgclnng feiern.' Wenn man sich dieser Vorgänge erinnert, die übrigens nicht auf Dortumnd beschränkt ivaren und sich in neu in Angriff genommenen AgitationSgebicten mich heute noch ii, derselben Weise wiederholen, und damit die heutige Sachlage, die heutige Stellung der Social- demokratic vergleicht, dann sollte doch das beschränkteste Polizeihini zu der Einsicht kommeih haß mit Gewaltmitteln, kleinen oder großen, gegen uns»ichts auszurichten ist. Polizeiliches, Gerichlliches usw. — Genosse Waberöky. verantwortlicher Rcdacteur des„Harn- burger Echo", wurde vom Landgericht Hamburg zu 100 M. Geldstrafe verurteilt, weil er durch eine Notiz in seinem Blatte den Oberbürgermeister von Bannen beleidigt haben soll. Kommunales. Stadtverordneten- Versammlung. 3ö. Sitzung vom Donnerstag, den?. Dezember, nachmittags 5 Uhr. Von der Kaiserin Friedrich ist folgendes Dankschreiben für die Glückwünsche der Versammlung zu ihrem Geburtstage eingelaufen: Die herzlichen Gliickivünsche der Stadtverordneten von Berlin zu Meinem Geburtstage erwidere Ich mit aufrichtigem Danke. Stets werde Ich die fortschreitende Eiitwicklnng der Haupt- und Residenzstadt Berlin mit lebhaftem Interesse erfolgen. Mich freuend an dem Gelingen der Arbeit der städtischen Körperschaften, und wünsche Ich Ihren Bemühungen, den stets wachsenden An- forderungen der Neuzeit gerecht zu werden, segensreichen Erfolg. Trient, den 30. November 1399. Victoria verwitwete Kaiserin und Königin Friedrich. An die Stadtverordneten von Berlin. Die Versammliing begleitet die Verlesung des Schlusses des Schreibens mit Beifallsrufen. Dem Andenken des verstorbenen früheren Stadtv. Ullstein widmet der Vorsteher Dr. Langerhans ehrende Worte. Zur Verhandlung gelangt zunächst der vor 8 Tagen wegen Bc- Hinderung des Referenten Stadtv. Ullstein zurückgestellte Ans- schuhbericht über den Antrag Singer in betreff der gewerblichen B e s ch äfti g u n g s ch u l'p fli ch tig e r Kin d e r. Der von der Schuldeputation ausgestellte, vom Magistrat gebilligte, vom Polizei- Präsidenten verbesierle Entwurf einer bezüglichen P oliz ei v effo r d nun g soll nach den Beschlüssen des Ausschusses in einer Form befürwortet werden, die zwar über die polizcipräsidialen Vorschläge hinausgeht hinter dem ursprüualichen Antrag Singer aber weit zurückbleibt. Nach den AiiSschußbeschliissen soll die Grenze für die Unter- saonng jeder gewerblichen Thätigkeit außer dem Hanse vom 9. ans das 10. Jahr herausgerückt werden. Kinder von 10— 14 Jahren sollen außer dem Hanse abends nicht nach 7 Uhr, morgens in den Monaten April bis September nicht vor 5'/z, in den Monaten Oktober bis März nicht vor 6�/e Uhr zum Austragen von Back- waren, Milch, Zeitungen oder anderen Gegenständen, ferner zum Kegelanfsctzcii oder zu sonstigeu Verrichtiiugen m Schank- ivirtschaftcn, sowie überhaupt zu irgend welchen Nlechauischeil Dienst- leistuiigcii in einem Gewerbebetriebe verwandt werden. Nach einem neuen§ 2a dürfen Kinder unter 12 Jahren zu öffentlichen Schau- stellmigcn nicht verwendet werden; nach K 3 findet die Berordunng keine Anwendnng auf alle Kinder, ivelchc von der Schnldcpiitation vom Nachinittagsnntcrricht befreit sind,»in» Laufburschendienste zn verrichten.§ 4 bedroht die der Verordnung zuwiderhandelnden Eltern, Vormünder nnd BetriebSiuHber mit Geldstrafe bis zu 30 M. oder mit verhältnismäßiger Haft. Stadtv. Jacob» beantragt die Streichung des§ 2a, vom Stadtv. L a d e w i g ivird eine Modifikation dahin gewünscht, daß nur niit polizeilicher Geuchmigmig Kinder unter 12 Jahren zu öffentlichen Schaustelluugen verwendet werden dürfen. Stadtv. Carl Goldichmidt beantragt, die gewerbliche Be- schäftigmig nur Kindern über 12 Jahre zu gestalten, auch das Wort „mechanische" zn streiche», womit auch§ 2a hinfällig würde. Stadtv. Ullstein rekapitnlert die AuSschußverhandlmigen. Stadtv. Jacobi: Die hauptsächlichsten Aeiidcnmgeil des Ans- schnsscS betreffen die Erböhmig der Altersgrenze, die Laufburschen und die theatralischen Schaustellimgril. Wir alle wünschen ja kürzere Arbeitszeit für Kinder wie für Erwachsene, aber wie das erreichen, ohne eventuell sociales Elend heraufzubeschwören? Der Ausfall des Lohnes bei 25 000 Kindern beträgt etwa 2 Millionen. Was nützt die Einschränkung der Arbeit, wcinr die Kinder nachher Hunger» müssen? Es handelt sich hier vielfach um Witwen und che- verlaflcne Frauen. Es ist nicht damit abgemacht, wenn in dicscn Fällen die Stadt mit erhöhten Leistungen der Armenpflege eintritt. Nach der Entzichnng dieses Verdienstes müssen viele solcher Familien entweder gänzlich der Armenpflege anheimfallen, oder zn uin so schliiiinicrer, Körper nnd" Geist verderbender Heimarbeit heran- gezogen werden. Wohl kommt es vor, daß die Kinder schon des Morgens so angestrengt sind, daß sie im Schnlnntcrricht einschlafen; aber ivird daS nicht vorkommen, wenn die Kinder noch viel länger und noch dazu in»»igcsnnden Räumen»it der HanSindüstrie gcgnält werden? Es könnte leicht dahin kommen, daß das Goethesche Wort „Vernunft wird Unsinn, Wohltbat Plage" eine unliebsame Wahrheit ivird. Wir lehne» also die Auödehnnng ans daS zwölfte Jahr durchaus ab. Den§ 2a bitten wir zu streichen, weit der Wortlaut „Schailstellung* zu dehnbar ist und in der ganzen Bestimninng ein Angriff ans die Kunst im allgc», einen entdeckt werden kann. Wie soll z. B. die Jnfantin im„Don Carlos" ein Kind von drei Jahren, zur Darstellung gelangen? Berlin»st doch Weltstadt geworden und sollte solche Beschränkungen nicht einführen, welche jeder Vorort überdies zn Schanden machen könnte. Stadtv. Singer: Ich bedaure, daß die ivarme Teilnahme deS Vorredners für kürzere Arbeitszeit Erwachsener nicht bei»hin zum Durchbruch kam. als es sich hier um die SonntagSarbeit handelte. Seine Teilnahnie stellt sich meistens zu unrechler Zeit ein. Sein warniesHerz versagt, wenn er Gelegenheit hat. Fortschritte mitzninacheii. Jetzt kommt eS zum Vorschein, aber da ist es ein anderer Grund, der ihn verhindert»ntziimachell, weil dann Not und Elend noch größer werdeu würde. Man kann es den Herren von dieser Richtung eben nicht recht machen. Wollen wir Einschräukliug. Ueberwachnng der Hausindustrie, dann lehnt man das als Eingriff in die elterlichen Stechte, als Polizeimaßregeln ab; wollen wir das Verbot der Aus- bcutnng schulpflichtiger Kinder durchsetzen, daun geht cS nach Herrn Jacobi nicht, iveil dann die Kinder in die viel schlimmere Haus- indnstrie getrieben lvürden. Herr Jacobi will eben von seinem Standpuult auS in das AusbcutimgSrccht der Eltern nicht eingreifen, das freie Spiel der Kräfte zur höchsten Entfaltung bringen. Es ist aber doch Pflicht der Gesellschaft und der Gemeinde, die schreienden Uebelstände auf dem Gebiete der gewerblichen Kinder- arbeit zu beseitigen. Die Berechnung deS Lohnanssallcs ans zwei Millionen ist an sich nicht richtig, denn die Arbeit, die jetzt die Kinder thuii, werden dann andere thün müssen. Trifft der Lohnausfall die Eltern der jetzt beschäftigten Kinder, dann muß eben für Ausgleichung gesorgt werden durch bessere Arbeitsbedingungen für die Erwachsene», nicht aber darf wegen dieses LobiianSfalleS die Gesundheit dieser schulpflichtigen Kinder erheblich geschädigt werden. Die Pädagogen haben festgestellt, daß diese Beschäftigung die Kinder in Bezug auf Erfüllung der Schulpflicht und ans ihre Ausbildung ganz antzcr- ord entlich benachteiligt.— Nicht ganz so ungenügend, wie die Vorschläge der Schuldeputation und deS Polizeipräsidiums, aber auch durchaus unzulänglich sind die Vorschläge des Ausschusses. Halbe Reformen sind gar keine Reformen; Das einzig Richtige ist die Beseitigung der gewerblichen Bc- schäftigmig der schulpflichtige» Kinder überhaupt, sonst werden die Verhälmisse nicht wesentlich geändert werden. Ein Artikel der „Pädagogischen Zeitung", der auf meine Mtteilung, daß Kinder nachts in den Bäckereien schlafen, mn schon in ftühester Morgenstunde zun: Austragen geschickt zn»verden, zurückkommt, bestätigt dessen Richtigkeit»nd hebt hervor, daß auch gewisse besonders Bäckern eigentnniliche Krankheiten auf die Kinder übertragen tzvorden sind. Heute erst lese ich in der Presse eine Notiz, wonach ein 11 jähriger„Rollmops* von dem Rollwagen gefallen ist und einen Bruch beider Oberschenkel davongetragen hat.(Heiterkeit.) Ich iveiß nicht, warum Sie das so heiter stimmt; Sie werden sagen, das kami jedem passieren.(Jawohl!) ES ist doch aber ein starkes Stück, daß ein kleiner 11 jähriger Knabe abend« noch auf dem Rollwageu seine Beschäftiqnna wnh0i,h«e« unch. Ich freu» mich aufrichtig.' daß ich diese Ihre Stellung zu solchen Vorfällen nicht einnehme.(Oho!) Die Maßregel, ans die Kinder unter 10 Jahren beschränkt, hat lvenig oder gar keinen Zweck, weil doch nicht anzuiiehmen ist. daß untcr den 25 000 Kindern die unter 10 Jahre alten einen erheblichen Teil bilden. Eine so miniine Erleichterung ist Ihrer großen Anstrengung wirklich nicht wert. Sie lverden etwas mit dem Namen Reform belegen. ivas thatsächlich nichts bedeutet, sondern die schlimmsten Verhältnisse konserviert. K 2a betreffend, würde es mir keine Ucberwindung kosten, auf die dreijährige Jnfantin in Carlos zu verzichten, lvenu ich dafür die Sicherheit hätte, daß kein dreijähriges Kind auf die Bühne kommt. Kunstgenüsse, die ohne solche Verwendung von Kindern nicht zn haben wären, kann man entbehren. Sonst ist jeder Fortschritt ans diesem Gebiete ansgeschlossen. Entscheidend muß doch die Frage der Wirkung auf die Kinder sein. Das Interesse, die Kunst nicht zu schädigen, hat dabei nur sekundäre Bedeutung. Die Kinder wirke» doch nicht mit. sondern sind nur Statisten; handelt es sich um wirkliche Kinderrollen, dann werden doch sicher über 12 Jahre alte Kinder herangezogen. Ich bin erstaunt, daß ein so nebensächlicher Punkt hier als maßgebend uns vor- gerückt wird. Warum reden Sie überhaupt von den Theatern? Warum nicht von den Schaustellniigen, Ivo kleine Kinder in Balletts, in Akrobaten-Arbeit vorgeführt werden, Ivo die kleine» Würmer die Glieder verrenken müssen nnd jeden Augenblick sich das Genick brechen können? Zählen Sie doch die Kinder, welche in den ChantantS und BariStöS vorgeführt werden, nur um den Zuschauern die Sinne zn kitzeln.(Uimihe.) Dieser Teil der Kinder- arbeit ist der wundeste Fleck in der ganzen Frage. Sehr schlinim bestellt ist es auch um den 8 Der ist das Loch, durch welches die Kinder, die trotz aller Polizeiverordiluugen ausgebeutet werden sollen, vierspännig hindurchfahr«» können. Ich �glaube ja nicht, daß die Mehrheit der Versammlung dem Spinolaschen Princip huldigt. die Anträge abzulehnen, weil sie. von uns koinmen.(Stadtv. S p i n o l a: Ja. das hat sehr viel für sich! Große Heiterkeit.) Solche Auffassung erleichtert allerdings ungemein das Nach- denken nnd macht die Stellungnahme sehr bequem, aber ob sie richtig ist, ist doch eine andere Frage. Den Forde- rungen der Gerechtigkeit und Humanität, wie sie in miserrii Anträgen sich darstellen, treten Sie entgegen I(Vorsteher Dr. L a n a e r h a n S: Diese Kritik können wir uns nicht gefallen lassen; wir glauben, es mit unserer Stellungnahme richtig zn machen.) Es handelt sich bei Ihnen um vorgefaßte Urteile.(Lebhafter Wider- sprnch.) Streiten wir uns nicht darüber! Die Berliner Verwaltung thäte viel besser, frcilvillig diese Frage zn lösen, als daß sie sich, wie es ans andern Gebieten geschehen ist, erst von der Gesetzgebung zwingen lnssen muß. Berlin sollte anderen Kommunen mit guteni Beispiele vorangehen. Gerade auf diesem Gebiete bringen Sie das Manchcstcrtum zur Geltung, mn der Ausbeutung der Kiuder ivillen Moral und Geiuudheit der Kinder mit Füßen zu treten!(Beifall und großer Lärm.) Stadtv. Karl Goldschmidt: An dem nötigen Ernst zur Behandlung dieser Frage fehlt es uns nicht. Die priucipielle Frage ist bereits von allen Instanzen in friedlichem Siime eutschiedeii, einig sind lvir mir noch nicht über die Grenze. Ich halte die Grenze von 10 Jahre» für viel zu niedrig. Am liebsieu verböte ick mit vielen meiner Fremide die Kinderarbeit überhaupt; aber vor der Hand läßt sich das nicht erreichen. Deshalb wolle» wir wenigstens das 12. Jahr als Grenze setzen. Gewiß hat das Kind den Bcschäftignngstrieb, aber es iveiß doch nicht, waS_ es seinem Körper znmntcn darf; unsere Pflicht ist es, hier einzugreifen. Die Schulzen muß doch auch der gesamte» Arbeitsleistung des Kindes zugerechnet werden. Der Beschluß des BreS- lauer Lehrertages geht auch dahin, jede gewerbliche Be- schäftigmig von Kindern»ntcr 12 Jahren zn verbieten. Wir geben für die Volksschule 13 Millionen jährlich aus; von diesen» Geld erfüllt ein Teil gar nicht sciiicii Ziveck, iveil die Schilleiiirichtuiigen den geivcrblich beschäftigten Kindern gar nicht zu gute kommcn. Das Wort„»lechanifch" muß gestrichen werden. Viele Leute iviirdcn darunter vielleicht eine Befchäftigmig an Maschinen ose- stehen; jeden fallö ist der Ausdruck kein im Volke uuhedingt verständlicher. Selbstverständlich dürfen dann auch Kinder bei öffentlichen Schaustellungen zn rein gewerblichen Zwecken nicht beschäftigt werden; eventuell müßte,»in den berechtigten Kimstintereffen zn entsprechen/ nach dem Antrage Ladcwig polizeiliche Genchmigung erfolgen. 8 9 hebt allerdings die guten Absichten der ganzen Verordnung wieder auf; die„Laufburschen" cutzicheu sich jeder Kontrolle und könnten nach wie vor zu allen möglichen Thätigteiten hcraugezogen werden. 8 3 muß gestrichen werden, wenn nicht die Umgehung der Ver- ordinliig die Regel werden soll. Es handelt sich zunächst nur un» 6300 solcher„Laufburschen"; die Behörde könnte ja aber ganz ruhig nach und nach diese Zahl ans 25 000 erhöhen. Bürgermeister K i r s ch n e r: Wer den Alisführungen des Herrn Singer aufmerksam gefolgt ist. muß den Eindruck gewonnen haben, als hätten alle Instanzen, die hier in Frage kommen, für den Ucbclstaiid der AuSbentmig der Kinder keinen Sinn und kein Herz, und als sei die ganze Frage erst von ihn» angeregt worden. DaS entspricht nicht den Thatsachen. Diese Frage ist gleichzeitig an allen Ecken und Ende», von allen Verufsklasscu, von der Regierung an- geschnitten worden, und man ist überall ernsthaft daran gegangen, diesen Schaden zu entfcruen. Schon 1896 hat die Schuldeputation sich mit der Frage beschäftigt, hat statistisches Material gesammelt, und Die Lösung hat sich verzögert, weil die Judikatur schwankte und erst ein Erkemilnis des KainmcrgerichtS von 1898 sicheren Boden für ci» weiteres Vorgehen schuf. Ich persönlich meine noch heute, daß die Schuldeputation und das Polizeipräsidium das Nichtige getroffen haben. daß Ihre weiteren Wünsche über das Ziel Hinausgehen. Bezüglich der Verwendung von Kindern bei Schaustellungen ist schon 1886 eine besondere Polizeiverordming ergangen. Danach dürfen Kinder nur mit Erlaubnis der Polizeibehörde auftreten; diese Cr- laubnis darf mir erteilt werden, nachdem der zuständige Schul« inspektor die GcnchinignUg gegeben' hat; die Beschäftigung darf nicht über 11 llhr abends hinaus erfolgen, nnd die Erlaubnis ist jeder Zeit wiederruflich. In den Jahren 1897/99 ist in 219 Fällen diese Erlaubnis erteilt worden, im Jahre also etwa in 70 Fällen. Relativ sehr wenig Kinder unter nenn Jahren befinden sich darunter. Der Zustand, den diese Verordnung schuf, ist also ein sachgemäßer. Der Mißbrauch von Kindern zu WinkclschaustclllMgen ist diirchailS zu tadeln; eS sollte die bestehende Polizeiverordming möglichst scharf zur Anwenolmg gebracht werden. Aber die mit den Eltern heriimzieheiiden Kinder wird man kann, damit treffen; da liegt ein gewissermaßen internationaler Schaden vor. Wenn es an der nötigen Aufsicht fehlt, könncii auch sittliche Schäden für diese Kinder eintreten; an guten Theatern wird das aber nicht geschehen. Jeden- falls ist es sittlich besser, wenn Mädchen von 10—14 Jahren, als daß Mädchen von 14—17 Jahren dort anftrctci»,(Heiterkeit nnd Zustimmuua.) An den königlichen Theater» besteht eine eigene Ballettschule, wo die' Kinder fchiilinäßig ausgebildet werden, und welcher eine qualifizierte Lehrerin vorsteht; die Leistungen dieser Schule sind durchaus gute. Ich bitte also um Bescitignng des 8 2a,' aber auch um Ablehnung des§ 3. ES werden zwar nicht alle 25 000 Kinder min unter diesen§ 3 falle», aber die Be- stimmung ist nicht durchführbar. Die dispensierten Kinder werden nicht kontrolliert.(Hört, hört!) Was sind denn auch Lauf- burschendieuste? Warum soll nicht Semmel- und ZciiungSaustragcn auch ein Laufbnrschcndienst sein? Die Schnldepiltatton bemüht sich unablässig, die Zahl dieser Dispense soweit wie möglich ein- znschränkcn. Bei der geplanten Maßregel war die Haupt- anfgabe, wirtschaftlich schwache Existenzen möglichst zu schonen„nd lvir glauben, in dieser Hinsicht an die äußerste Grenze gegangen zu sein.(Beifall.) Stadtv. S p i n o! a: Hoffentlich werden diese gediegenen Aus- sühnuigen von durchschlagender Wirkung sein. Herr Singer hat sich heute wieder auf den Wogen seiner Beredsamkeit geschaukelt. aber so wenig wie irgend ein anderer ist Herr Singer unser Oberhosineistcr'(Große andaucnide Heiterkeit.) ß 2a'ist unan- iiehmbbar. Die sittliche Gefahr liegt in der That weit weniger bei den Kindern untcr als über 12 Jähren.§ 3 sollte auch fortfallen. Das 9. Lebensjahr genügt. Herr Singer hat ganz extravagante Au- sichten verfochten; blinder Eifer schadet nur. Er schüttet das Kind mit dem Bade aus, weil er die Berhältnisse nickt genügend kennt. (Gelächter und Beifall.) Herr Singer sollte sich' einmal in ein Krankenhaus aufnehmen lassen, um die wirkliche Lage unserer armen Bevölkerung kennen zu lernen.(Zuruf: Wann haben Sie da ge- legen?) Ich bin gern bereit, ihm in der Charito eine Freistelle zu beschaffen.(Stürmische Heiterkeit.) Seine Ausführungen beweisen nur nur, dah die wahren Freunde der Arbeiter nicht in den Reihen des Herrn Singer und seiner Trabanten zu suchen sind. (Heiterkeit.) Stadtv. Brauereidirektor F r. G o l d s ch m i d t II: Ich nehme das Wort, um nicht mit dem Kollegen Goldschniidt I verwechselt zu werden.(Grosie Heiterkeit.) Ich stehe fast durchweg auf dem ent- gegengesetzten Standpunkt. Ich war jetzt zum dritte'nmale in Nord- amerika, wo diejenigen Leute am meisten vorwärts kommen, die von frühester Jugend an in eifrigster Arbeit standen.(Zurufe.) Denken Sie doch bloß an den Präsidenten Abraham Lincoln. Der Tadel der Beteiligung von Kindern an Theatervorstellungen ist ganz un- berechtigt. Wollen Sie uns denn auch die Darstellungen der schönen Kindermärchen rauben oder wollen Sie. daß die Kinder darin von ausgetragenen Kindern dargestellt werden?(Stünnische an- dauernde Heiterkeit.) Und wie soll im Tcll die Apfclschusiscene künftig dargestellt werden? Herr Singer und mein Namensvetter haben sich um die Künste wenig gekümmert. Stadtv. M o m m s e n: Wir können doch nur das Erreichbare annehmen und sollten nicht Wünsche aussprechen, von deren Unersüll- barkeit wir überzeugt sein müssen. Herr Singer tvill ja den Kinder- schütz nicht als eigenes Ziel, sondern eine Lohnaufbesserung für die gesamte Arbeiterbevölkerung. Stadtv. L a d e w i g: Kein Stück von Gcrhart Hauptmann wäre ausführbar, wenn§ 2a angenommen würde. Da mein Antrag durch die Mitteilungen des Bürgermeisters hinfällig geworden ist, bitte ich um einsacke Streichung des Z 2a. Damit schliefet die Debatte. Stadtv. Goldschmidt I(persönlich): Mir ist es auch nicht immer angenehm, mit dem Kollegen Goldschmidt II verwechselt zu werden. Betonen Sie doch, daß Sie der Fritz sind, ich bin der Karl> (Heiterkeit.) Stadtv. Singer(persönlich): Ich habe in der Debatte nicht mehr das Wort ergriffen, um die gehörten Reden in ihrer ganzen Gröfee auf die Oeffentlichkcit wirken zu lassen. Dem Bürgermeister bemerke ich. dafe von uns schon 1893 die erste Anregung in der Frage gegeben worden ist. Herr Spinola hat geschmackvoll von meinen Tra- bauten gesprochen.(Stadv. Spinola: Das ist doch eine Schmeichelei! Heiterkeit.) Wer das für Schmeickelei hält, mit dem läfet sick über den Ausdruck nicht diskutieren. Die persönlichen Angriffe des Herrn Spinola gegen mich standen ganz auf der Höhe seiner sachlichen Ausführungen. Herrn Mommsen zur Ertvidcrung, dafe ich nicht Anträge zu stellen pflege, von deren Unausführbarkeit ich überzeugt bin. Ueber die künstlerischen Anschauungen des Stadtv. Ladewig habe ich keine Veranlassung, mich zu öufeern.(Heiterkeit.) Die Anträge Goldschmidt l werden abgelehnt,§Z2a und 3 gestrichen. Mit diesen Aenderu'ugeu wird der Verordnungsentwurf genehmigt. Die Verhandlung über die Regelung des Submissions- Verfahrens und über die Annahme von Sckulärzten wird der vorgerückten Zeit wegen von der heutigen Tagesordnung a b- gesetzt. Mit der Einsetzung einer besonderen Deputation für die städtische Blindenpflege hat sich der niedergesetzte Ausschuß einverstanden erklärt; dieselbe soll aus 2 Magistratsmitgliedern, 4 Stadtverordneten(nicht blofe 2, wie die Vorläge des Magistrats vorschlug) und 3 Büraerdeputiertcn bestehe».' Der WirkungS- kreis der Deputation soll in der Sorge für die Ausfühnnig und Verwaltung der Beckerschen Stiftung(B li n d e n- A s y l), für die Beschäftigungsanstalt für Blinde und für die Blindenschule und Fortbildungsschule für Blinde bestehen. Sämtliche städtische Stif- tungcn für Blinde sollen der Deputation überwiesen werden, soweit nicht statutarische oder sonstige Bestimmungen entgegenstehen. DaS Referat erstattet Stadtv. L a d e w i g. Die Vorschläge des Ausschusses gelangen ohne Debatte zur Amiahme. Die neue Fraktion der Linken, Stadtvv. Kalisch und Genossen, beantragen, den Magistrat zu ersuchen, mit der Versammlung in gemischter Deputation über die Reform des Reglements der Feuersocietät zu beraten. Stadtv. Kalisch führt aus, dafe das noch heute geltende Statut aus dem Jahre 1794 stammt und auf das heutige Berlin absolut nicht mehr pafet. Das Reglement müsse modernisiert iverdon, auch müfeten die Häuser, welche feuergefährliche Betriebe eulhalle», mehr zahlen als die andern. Von Elcktricität, von Warenhäusern habe man damals noch nichts, von Explosionen kaum etwas gewußt. Bürgermeister Kirschner macht darauf austnerksam, daß die betreffende Knbinctsordre ein Gesetz ist und nur durch Gesetz ab- geändert werden kann. Auch Stadtv. H. Sachs hält den Antrag nicht für ohne weiteres annehmbar, beantragt daher Ausschufeberawng. Der Antrag Kalisch geht an einen Ausschuß. Mit der Einsetzung einer gemischten Deputation über den Erlaß eines Ortsstatnts für die Ausdehnung der Krankcnversicherungs- Pflicht auf die Hausindustriellen hat sich der Magistrat einverstanden erklärt. Die Wahl von zehn Mitgliedern zu derselben soll vor der nächsten Sitzung erfolgen. Der Etat für die st ä d t i s ch e Feuersocietät für den 1. Oktober 1899/1900 geht an den für den Antrag Kalisch soeben beschlossenen Ansschufe. Die Vorlage wegen des U m b a u e s der S ch n i t t e r b a r a ck e in Buch wird dem Magistrat zur Vervollständigung zurückgegeben. Schluß nach V29 Uhr. Der französische Einigungskongretz. Privatdepeschen. Abend- Sitzung. Mittwoch. Die Kommission erstattet den Bericht über die Ministerfrage: Mit 49 gegen 7 blanquistische Stimmen ist die Ausgleichs- Resolution angenonnnen worden, dafe in AnSnahmefällc» die Partei zu prüfen habe, ob ei» socialistischcr Minister zulässig sei; sonst hat die Partei nur die Eroberung von Wahl ämtern zu betreiben mit dein Endziel der revolutionären Ex- p r o p r i a t i o n. Namens der Minorität berichtet ein Blanquist für V a i l l a n t s Resolution. G u e s d e hatte versprochen, seine Partei für den Ausgleich zu gewiuueii. Jetzt stellt Gncsde einen neuen Antrag: Der Klassenkampf verbiete, das) ein Socialist Minister sei. Es entsteht eine lebhafte Entrüstung auf der rechten Seite de? Kongrefesnales. Jaurös schreit: Verrat! und fordert Erklärungen. G u e s d e schiveigt. Tumult. I a u r ö s kann nicht sprechen. Die Erregung dauert wohl eine Stunde, während welcher sich die Delegierten in zivei Gruppen spalten. Rechts besteigt die Mehrheit die Tische und schwenkt eine rote Fahne. In lebhafter Begeisterung ertönt der Ruf: Hoch die Einigkeit! Mau singt die Hymne der Internationale. Die Linke sitzt ruhig unter der Wucht der drama- tischen Scene, da rechts die Mehrheit sich befindet. Um 11 Uhr ist die Ruhe wieder hergestellt. Guesde erklärt seine Haltung: Die Partei werde zuerst seinen Zusatzantrag, dann den Ausgleich votieren. Ter Kongreß nahm darauf mit 8I.Z gegen 634 Mandate» de« Znsatzantrag Gnesdcs an, daß kein Socialist Minister sein dürfe. Darauf gelangte der Ausgleichsantrag des Ausschusses, nach welchem in Ausnahmefällen und mit Zustimmung der Partei der Eintritt eines Socialisten in ein Ministerium erlaubt ist» mit 1143 gegen 243 blanquistische Mandate zur Annahme. Einigung ist nunmehr verbürgt! Am Donnerstagnachmittag macht die Debatte einen vorteilhaft nachhaltigen Eindruck durch volle Sachlichkeit. Alle Redner plädieren für eine Einigung. Guesde verlangt eine Centralvertretung auf proportionaler Grundlage, alljährlich gemeinsame Kongresse und eine Kontrolle über die Deputierten und die Presse. Lagardelle bekämpft die Sektiererei und den Doktrinarismus. Dubrcilh ist für eine Er- Weiterung der Vollmacht des Komitees. Entete(Broussist) tritt für eine Union zur Vorbereitung der Einigung ein. Allemane ist gleich- falls für eine Centralvertretung und gleicher Mitglicderzahl für alle Richtungen. Die Tagung des Kongresses ist um einen Tag der- läugert. »» • Der Pariser Korrespondent der«Voss. Ztg.' faßt daZ Ergebnis dieser Abstimmungen in den Satz zusammen: .Der Kongreß hat Millerand und JauröS recht gegeben, ohne Guesde, Vaillant und Lafargue unrecht zu geben.' GewevkpchNfttiölzes. Berlin und llmgegend. Die Auflösung der Kraukenkaffe der DrechSler-Junnug, die von den Mitgliedern(Gesellen) beschlossen worden war, wird zunäckst noch nich'r vor sich gehen. Die Jnnungsmeister, die, mit dem Obermeister Schulz au der Spitze, ehedem viel Neigung zu haben schienen, den Wünschen der Gesellen entgegen zu kommen. haben ihre Meinung vollkommen geändert; sie beschlossen in einer Versammlung mit großer Majorität, die Kasse bestehen zu lassen. Nach dem alten, jetzt noch gültigen Kassenstatut läfet sich vorläufig dagegeit nichts macken, das' neue, auf Grund des JiinuugsgesctzeS verfaßte, jetzt den Behörden vorliegende Statut sichert den Gesellen mehr Rechte. Der Gcsellenaiisschufe wird jedoch gegen obigen Be- schluß bei der Aufsichtsbehörde Protest erheben. Deutsches Reich. Gcwcrbcgcrichts- Wahlen. Bei den Arbeitnehmervertreter- Wahlen zum Lübecker Gewerbegcricht siegte die Liste der Geiverk- schaften gegen die der Hirsch-Dimckerschc».— In Zwickau i. S. ging ebenfalls die Geivcrkschaftsliste durch. Eine Lohnrcduktio» soll, wie das.Volksblatt für Anhalt" mitteilt, die Deutsche Gasbahn fabrik Dessau, ain 1. Januar 1900 vornehmen wollen. Scholl vor acht Wochen machte die Direktion einen solchen Versuch, schließlich uilterblicb die Reduktion aber, da die Arbeiter energisch protestierten. Den jetzt gewählten Zeitpunkt hält man. wie es scheint, für die Arbeiter sehr ungünstig. Um diese Hoffnung zu vereiteln, ersuchen die betreffenden Ärvcitcr schon jetzt ihre auswärtigen Kollegen, alle Arbeitsangebote der Dessauer Fabrik abzulehncn. Fn Solingen haben 700 Messerschläger, Schleifer zc. der Finna H a in m e s f a h r die Arbeit niedergelegt. Die Finna hat ihre Versprechungen in Bezug auf das neu ailfznstellcnde Preisverzeichnis, das von allen anderen Solinger Firmen im Einverständnis mit den Arbeitern angenommen worden ivar, nicht gehalten. Die übrigen Fabrikanten unterstützen den Streik. Ans dev I�rttuenbeinesung. Fraucnstudium in Württemberg. Wie im„Staats-Anzciger" für Württemberg mitgeteilt wird, ist vom kgl. Ministerium des Kirchen- und Schulwesens die Anordnung getroffen worden, dafe Mädchen, welche den Nachlvcis der sür die Zulassung zu den Apotheker- Prüfungen erforderlichen iviffcnschaltlichc» Vorbildung führen wollen� von der Ministerial- Abteilung für Gelehrten, und Ncalschulcn ans Ansuchen einem Gymnasium oder Real- Gymnasium zu einer sür diesen Zweck abzuhaltenden außerordentlichen Prüfung zugewiesen werden. Durch diese an eine bestimmte Zeit nicht gebundene, sowohl schriftlich als»lündlich vor- zuuehnlende Prüfung soll die Erreichung des Lchrzieles in sämtlichen Fächern der 8. Klasse(llntcrsckunda) eines Gymnasiums bcziv. Real- gymnasinms ermittelt werden. An die zu prüfenden Mädchen dürfen keine geringeren Nnfordcrnngcn in wissenschaftlicher Beziehung ge- stellt werden als an die Schüler, welche die Versetzung von Üntcr- sckunda nach Obersekunda erstreben. Sociales. Die Pleitarversailimlung dcS sächsischen Landcömcdiziiial- KollegiiimS, die dieser Tage in Dresden abgehalten wurde, hat den vom ärztlichen Kreisverein Leipzig kommendeu Antrag, dafe alle Schankivirtc angewiesen werden, die Trinkgefäfee in laufendem, allen Gästen sichtbar angebrachtem Wasser auszuspülen, ab- gelehnt. Doch sollen die einzelnen Polizeibehörden an- gcivicsen werden, zweckentsprechende Spülborrichtunge» vorzn- schreiben. Die Eiusührung der Anzcigepflichr bei Tuberkulose hielt man für angebracht. Jedem Arzt soll die Pflicht auferlegt iverdcn, in jedem Falle, in dem ein an vorgeschrittener Lungen- oder Kehlkopsschwindsuckt Erkrankter seine Umgebung hochgradig ge- fährdet. der OrtSbehörde Anzeige zu erstatten. Dasselbe gilt für jeden Todesfall ans den gedockten Krankheiten. Die Frage, ob es sich empfiehlt, die ärztlichen Verordnungeil abschriftlich ans den Arzncibchältnissen vermerken zu lassen, vcnieinte man einstimmig. Ebenso lehnte man einen Antrag Hankcl-Glauckau ab, wonach den Bäckern ec. zu verbieten sei, das Mehl in Säcken auf Hausfluren, Gängen ec. anfzndewahrcn. Uebelständen in fraglicher Rickmng könne schon jetzt durch die Ortsbcbörden entgegengetreten werden. Die An- preisung der Behandlung Kranker ans der Ferne(brieflich zc.) in Zeitungen solle bei Strafe verboten werden. Die Dllrkopp-Fahrräder bringen noch ein schönes Stück Geld ein. Der Aufsichtsrat der Bielefelder Maschinenfabrik, vorm. Dür- kopp u. Co.. schlägt auch für das abgelaufene Geschäftsjahr ivicdcr 25 Proz. Attiendividende vor. Die Aktionäre dieses Unternehmens bekommen schon seit einigen Jahren solcke fette Dividenden. Dabei ist aber der wirklicke Gewinn noch viel höher, da zuvor nach starken Abschreibungen auf den Maschinen- zc. Verbrauch und Bezahlung von Schuldzinsen erst noch erkleckliche Reserven unter den vcr- schiodensten Bezeichnungen zurückgelegt werden. So schloß die Gesellschaft, die mit einem Attienkapital von 3 Millionen Mark arbeitet, September 1898 ein nur 9 Monate dauerndes Geschäftsjahr mit einem Reingewinn von 1 Million Mark ab und verfügt dabei über Rücklagen von circa 3 Millionen Mark. Die hohen Verdienste der Fahrradfabriken sind überhaupt notorisch; trotzdem schreien die Herren Fabrikanten nach einer Fahrradstcuer. Die Altersversorgung städtischer Arbeiter ist in Breslau von den Stadtverordneten beschlossen worden. Die Magistratsvorlage wurde nur unwesentlich abgeändert. Die Rente beträgt nach zehn- jähriger Dienstdauer Weo des Lohnes und steigt mit jedem weiteren Dienstjahre um t/go bis zum Höchslbetrage von �/«l. Witwen.und Waisen sollen eine Unterstützung erhalte», die die öffentliche Armen- Unterstützung unnötig macht._ Der Krieg. Ein Londoner Telegramm der„Morning Post" aus Estcourt vom 4. d. M. besagt, aus Ladysuiith vom 3. d. M. werde ge- meldet: Alles wohl! Dasselbe Blatt meldet aus Durban: Die optiscke Telegraphenverbindung zwischen Frere und Ladysmith ist hergestellt. Von der Verbindung erhofft man günstige Resultate. ' Diese frohe Meldungen können jedoch die Trübseligkeit der wirk- lichcn Thatsachcn nicht hinwegtäuschen. Die Situation des General White in L a d y s in i t h wird offenbar täglich unhaltbarer. Hier- über wird-berichtet: r J». d«.Rnr- Dem„Rcuterschen Bureau" wird aus dem Hanptlager von Ladhsmith vom 30. November über Laurcnco Marques gemeldet: Die Boeren-Kommaudos sind näher an die Stadt herangerückt, drei schwere Geschütze sind auf neue Stellungen ge- bracht und haben das Feuer eröffnet. Man hatte erwartet, dafe die Boeren heute früh einen allgemeinen Sturmangriff machen lviirdcn. aber es erfolgte im letzten Augenblick Gegenbefehl. Das Bom- bardement dauerte indessen von 4 bis 6 Uhr morgens un- geschwächt fort. Eine besondere Ausgabe des Londoner Blattes„Echo" ver- öffentlicht nachstehende vom 2. d. M. datierte Depesche aus Lady- smyth: Am 30. v. M. hatten wir das schwerste Bombardement seit Beginn der Belagerung auszuhalten. Das große Geschütz der Boeren auf dem Lombards Kop beherrscht die Stadt vollständig. Die Beschießung dauerte am 1. Dezember fort. Am 2. Dezember begann ein planmäßiges Bombardement. Einige Geschosse waren besonders wirksam. Unsere Zelte wurden zerfetzt. Es herrscht große Aufregung. Die Granaten des Feindes riechen stark nach Melinit. Einige von unseren Haubitzen sind zerschmettert. Es scheint, daß 32 Geschütze ringS um die Stadt tu Schußweite aufgestellt sind. Die„Tiines" veröffentlichen in ihrer zweiten Ausgabe folgendes Telegramm aus Ladysmith vom 2. Dezember: Die Lage wird täglich schwieriger, das Bombardement richtet großen Schaden an. Die Boeren respektieren die Genfer Flagge nicht.(?) Die Rationen sind bei allen hier Eingeschlossenen herabgesetzt worden. Bon der britischen Eutsatzkoloune in Frere sind mit Hilse dcS Scheinwerfers Mitteilungen hierher gelangt. Im Westen. Auch in Kimberley ist die Situation für die Engländer ungünstig: London, 7. Dezember. Nach einem amtlichen Telegramm aus Kapstadt von gestern berichtete Lord M e t h u e n, er habe das Kommando wieder übernommen. Er stehe während der Nacht in Verbindung mit Kimberley. Der Gesundheitszustand der Truppen sei vorzüglich.* London, 7. Dezember. Amtlich wird bekannt gegeben, Oberst Kckcwich bericktetc unter dem 3. d. M.: die Zahl der uni Kimberley versamnielten Boeren nehme ständig zu, und unter dem 4. d. M.: den Verwundeten gehe es gm; in dem Gefecht bei Kimberley am 25. November seien auf englischer Seite 5 Mann getötet, 3 Offiziere und 21 Manu verloundet. Dem„Rcuterschen Bureau" wird aus Kimberley vom 1. d. M. gemeldet: Alles deutet darauf hin, dafe es bei S p y t f o n t e i n zu einem bedeutenden Zusammenstoß kommen wird. Die Boeren sammeln sich dort auf den Hügeln und sind eifrig damit beschäftigt, Vcrtcidigungswerke mit Steinen zu errichten und Gräben herzu- richten. Auch die Erdwcrte auf dem Lazaretto-Bergrücken werden verstärkt und crivcitert. Aus Modder River melden die„Times" unter dem 2. Dezember: 3000 Boeren aus Natal hätte» die Truppen Cronjes ver- st ä r k t. ferner habe sich das ganze bisher vor Mafeking verwendete Bocrcn-Kommando den Boeren vor Kimberley angeschlossen. Alles deute ans eine Zusammenziehung der beiderseitigen Truppenmassen und auf eine bei Spytfontein bevor st ehe»de Schlacht. Frankfurt a. M., 7. Dezember. Die„Franks. Ztg." meldet aus London: Ein Telegramm aus Blocmfontcin vom 3. Dezember besagt, daß sick Präsident Steju zum Modderfluß-Kommanoo be- geben habe. Sein Erscheinen dort habe großen Enthusiasmus unter den Boeren erweckt. Die Boeren im Kapland? Kapstadt, 2. Dezember. Nach hier eingegangenen Meldungen ist die Stadt Griquatown in West- Griqualand am 17. November von den Boeren besetzt und annektiert worden. Der Feind lvurde von den hollqiidischcn Beivohnern der Stadt, welche schon vorher in Hellem Aufruhr gcivescn waren, mit offenen Armen empfange n. London, 6. Dezember. Das„Rcuterscke Bureau" meldet aus Queenstow n(Kapkolonie) vom 2. d. M.: Die Telegraphen- Verbindung mit Dordrccht, Steynsburg und Maraisburg ist ab- gcscknitten und der Verkehr mit diesen Orten umerbrochen. Man glaubt, dafe Steynsburg von den Boeren besetzt ist. Das rollende Material der Eijenhahnlinie nach Jndwe ist gerettet. Besorgnisse in London. London» 7. Dezember. Die heutigen Morgenblätter drücken sich weniger optimistisch über die Kriegsoperationen aus. Das voll« ständige Ausbleiben neuerer Nackrichten steigert die allgemeine Unruhe. ES werden Bcfürchtungeu laut über das Schicksal der Truppen unter General Clcry in Natal und Lord Mcthuen bei Kimberley. Vcljke NLtiszvicszten und DepelAzen. Ocstrcichischcö Parlament. Wien, 7. Dezember.(W. T. B.) In der Debatte über den Dringlichkeitsantrag des Abg. Wolf, betreffend die Herbeiführung eines SchiedSspruckeS bei der Arbeitscinstimmung in Zlvickau(Böhmen), kommt Wolf auf den Mangel an Schutz und Wohlfahrtseinrichtungeu sür die Arbeiter in Oestrcick zu sprechen, und erklärt, die beste Hilse sür Arbeitgeber und Arbeiter sei eine zielbewußte Handels- Politik, welche in Ocstrcich fehle. Redner verweist demgegenüber auf Deutschland, welches in allen Weltteilen für HandclSzwecke lveite Gebiete eröffne, während in Ocstreich die Kurzsichtigkeit des Haudelsministers sowie innere Wirren dazu beitrügen, daß man sich nur mit Lappalien beschäftige. Fournier veriveist hierauf auf die nachteiligen Folgen des Zwickauer Streiks. Der Leiter des Handels- Ministeriums erklärt, die Regierung sei dem Verlaufe dieses Streiks mit Aufmerksamkeit gefolgt und der dortige Gcivcrbe-Juspektor sei angewiesen, auf einen Ausgleich der Gegensätze hinzuwirken. Nach- dem noch der Socinldcmokrat Hauuich sür den Antrag gesprochen, wird die Sitzmig geschlossen._ Budapest, 7. Dezember.(B. H.) Falls die Delegation�- Verhandlungen in diesem Monat nicht zu Ende geführt werden sollten, ist die Regierung entschlossen, eine viermouatige Indemnität zu verlangen. Paris, 7. Dezember.(W. T. B.) Französische Dcputiertcu- kammcr. Im weiteren Verlaufe der heutigen Sitzung lvurde über das Kultusbudget beraten. Der Berichterstatter T o u r g n a l(Soc.) verlangt die Herabsetzung verschiedener Kredite. Cassaguac lvendct sich in heftigem Tone an Tourgnal soivie an Berteaux, der in gleicher Weise antwortet. Es kommt infolge dessen zu lärmende» Auftritten. Cassaguac und Bertcaux werden zur Ordnung gerufen. B e r n a r d(Nalionalist) verteidigt inmitten des Lärms einen Antrag auf Trennmig von Kirche und Staat. Minister- prsident W a l d e ck- R o u s i e a u bekämpft diesen Antrag, � da vorher ein Gesetz über die Vereine angenommen iverdcn müsse. Der Antrag Bernards lvird dann mit 330 gegen 128 Stimmen abgelehnt. Chauviöre(Socialist) beantragt hierauf die Abschaffung des Kultusbudgets. Dieser Autrag wird mit 336 gegen 189 Stimmen verworfen. Die Kammer be- schließt ferner auf Verlangen des Ministerpräsidenten Wolbeck- Rousseau mit 322 gegen 194 Stimmen die Kredite für die Gehällcp der Bischöfe und Vikare wiederherzustellen, welche von der Budget- kommission herabgesetzt worden waren, weil sie in ihrem bisherigen Umfange dem Konkordat nicht entsprechen. Brüssel, 7. Dezember.(W. T. B.) Der Senat verlvarf mit 47 gegen 16 Stimmen einen Antrag Janson zu Gunsten des allgemeineu Stimmrechts. Rom, 7. Dezember.(W. T. B.) Der Kardinal-Staatssckrctär Rampolla machte heute den Mitgliedern des diplomatischen Korps die Mitteilung, daß die Erkältung des Papstcö durchaus leichter Art sei. Aus Vorsicht ordnete der Arzt an, dafe der Papst das Zimmer hüten solle. Vcralitlvortlicher Redactcur: Paul John in Berlin. Für den Inseratenteil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin. Hierzu 3 Beilagen und ttuterhaltungsblatt. Ar. 287. 16. 1. KeilM des„Mmiirls" Knlim MsblM FreitW, 8. Hcpder 1899, Lleichskctg. 118. Sitzung vom 7. Dezember 1899, 1 Uhr. Am VundeSratstische: Graf Posadowsky, Dr. Nieder ding. Erster Punkt der Tagesordnung ist die Beratung des An träges Kopsch sfrs. Vp.), das Mandat des Abgeordneten I a c o b s e ii- Schleswig(Hospitant der frs. Bp.) aus Veranlassung der Eröffnung des Konkurses über sein Vermögen für erloschen zu erklären. Staatssekretär Graf PosadowSkh t ES ist durch die Presse die Mitteilung gegangen, dost ein Mitglied deS Reichsamts des Innern sich' dahin aus gesprochen habe, daß auch für den Fall, daß die Vor dedingung für die Wählbarkeit eines Mitgliedes erloschen sei, deshalb das Mandat nicht erlösche. Ich weiß nicht, welches Mitglied das gewesen sein soll. Jedenfalls würde eine solche Er iläruiig keinen Wert gehabt haben, denn nach dem Artikel 27 der Neichsverfassung hat der Reichstag die Legitimation seiner Mit glieder zu prüfen, und daS Reichsamt des Innern hat keine Ver anlassnng, zu dieser Frage Stellung zu nehmen. Der Antrag wird darauf der Gcschäftsordnungs Kommission überwiesen. Darauf wird der Initiativantrag Bassermann, das Ver bindungsverbot der Vereine aufzuheben, in dritter Lesung debattelos angenommen, desgleichen in dritter Lesung der Antrag der Abgg. Frhr. v. Hehl(natl.), Dr Hitzev e r b e immer u n e n t- b e h r l i ch c r macht und ihm eine steigende sociale Bedentnng giebt, dagegen hat die Vermchrimg der Alleinbetriebe bei den ver- 'chiedenen Arten des Warenhandels, bei der Schneiderei und bei den Ofensetzern wesentlich statistisch-formale Gründe. Es wurde nämlich 1882 der Gewerbebetrieb im Umherziehen von der Zählung überhaupt ausgeschlossen(!!), während er 1895 bei dem Handel in der Art berücksichtigt ist, daß die Hausicrer, welche die Ware, die sie vertrieben, angegeben hatte», zu dem Handel mit der betreffenden Ware gezählt, die übrigen aber zn einer besonderen Geiverbe-Art„Hausierhandel" zusammengefaßt lviirden.eht. 4. Haben sich die Maurer Berlins nie geweigert, Putzarbciten zu fertigen zu Stundenlöhnen, die von der Organisation der Berliner Putzer festgesetzt waren,— und werden dieses auch für die Zukunft nicht thun: Hilfeleistungen beim Verlegen von Granitstufen. Sand- stciufassadcn zc. sind nie und sollten auch sür die Zukunft nicht verweigert werden, jedoch vollzieht letztere Arbeiten kein Maurer selbständig. 5. Stehen die Versammelten auf dem RcchtSboden, indem sie für alle Zukunft verlangen, der Unternehmer hat für die Zeit, wo durch Mangel an Material oder Jnhibierung des Baues zc., wenn nicht elementare Kräfte mitwirkten, die Arbeit ausgesetzt werden muß. zu bezahle», und werden dieselben im Vcrweigcruugsfallc von de» Kollegen zur gerichtlichen Enticheidung gebracht, die Arbeit jedoch nach Abhilfe des Mangels unter Vorbehalt der Rechte fortgesetzt. 6. Beschließt die Versammlung, daß Bausperren wegen nn- organisierter Maurer nicht stattfinden dürfen, es aber keinem organi- sierte Maurer untersagt werde» kann, die Arbeitsstätte zu verlassen, auf welcher sich unorganisierte Maurer befinden, sowie auch bei den- jenigen Arbeitgebern die Arbeit zn verlassen, die es sich zur Aufgabe machen, einzelne Bauten in Accord ausführe» zu lassen. Ferner beschließt die Versammlung, daß vor jedem Verlassen der Arbeit die Lohnkommission informiert werden muß, um gegebenen Falles vermittelnd eingreifen zu können, widrigenfalls die Unter- slützung davon abhangig gemacht wird. In den beiden anderen Versammlungen, die in der Weberstraße und in der Admiralstraße tagten, bildete das Schreiben des Arbeit- geberbnndes ebenfalls den hauptsächlichsten Oiegeustand der Debatte, und wurde auch hier die vorstehende Resolution einstimmig an- gcuommeil. Die Putzer Berlins und der Vororte hielten am Dienstag bei Keller in der Koppenstraße eine öffentliche Versammlung ab. Nach der Abrechnung betrugen die Einnahmen des Streikfonds in der Zeit vom 13. Dezember 1898 bis 24. November 1893 und inkl. des alten Bestandes von 7371,32 M. insgesamt 42 192.17 M. Neben den diversen Einnahmen von 327,10 M. und 3000 M. vom Central-Streikfonds in Hamburg wurden sür Beitragsmarken 31 193,75 M. vereinnahmt. Die Ausgaben in derselben Zeit be- trugen 23 896,09 M.. so daß ein Bestand von 12 236,03 M. ver- blieb. Unter den Ausgaben figurieren unter anderen folgende Posten: Streikunterstützung an 846 Putzer 17 344 M., Unterstützung Gemaßregeltcr 601 M., Generalfonds der Maurer Deutschlands 6000 M., an die ausgesperrten Arbeiter iu Dänemark 1000 M.. Krefelder Weber 200 M.. Entschädigung der Lohnkomniission 3424,75 M.. Baukontrollen 289,70 M. und Druck- sacken 274,80 M. Die Abrechnung wurde von den Revisoren als richtig bestätigt und auf deren Antrag die Kommission einstimmig entlastet. Der Kommission wurde sodann aufgegeben, die Abrecknung und gemeinsam mit einer Darstellung über die Ursachen und den Verlauf der diesjährigen Lohnbewegung drucken zu lassen und in Form eines Flugblattes oder Broschüre unter den Putzern zu verbreiten. Nack längerer Diskussion über die weitere Beitragszahlung zum Streik- fouds, in der niehrere Redner die gegenwärtigen Verhältniffe im Bouge- werbe und das Vorgehen der Unternehmer schilderten und in der darauf hingewiesen wurde, daß allem Anschein nack nicht nur den Putzern, sondern auch den übrigen Bauarbeitern größere und ernste Kämpfe bevorstehen, gelangte folgende Resolution zur Annahme: „Die am 5. Dezember in Kellers Festsälen tagende Versanim- lung der Putzer Berlins und der Vororte beschließt, daß vom 4. Dezember ab bis auf weiteres 25 Pf. zum Streikfonds pro Woche bezahlt werden. Die neuen Slreikfondskatten gelangen vom 2. Januar ab, einzeln oder bantenweise zur Ausgabe. Die alten Sammel- karten werden von diesem Tage ab mit'dem Schlutzstempcl versehen. Die Kollegen. Ivelche arbeitslos sind, haben sich zwecks Abstempelung der Arbeitslosigkeit in den Karleu iu den drei letzten Tagen der Woche im Bureau(Rosenthalerstr. 57) zu melden. Das Bureau der Kommission besteht bis auf weiteres aus 2 Personen." Der Antrag. 50 Pf. pro Woche an den Streikfonds abzuführen, wurde gegen eine große Minorität und der Antrag, die Beitrag»- zahlung' auf einige Zeit gänzlich auszusetzen, gegen etnzelne Stimmen abgelehnt. Nach kurzer Diskussion beschloß die Versammlnng, daß dein Generalstreikfonds der Maurer Deutschlands die während der Lohnbewegung erhaltenen 3000 M. zurückbezahlt werden sollen. Außerdem wurden der Agitatiouskonimission der Maurer für die Provinz Brandenburg 200 M. zur Agitation überwiesen. Die Unterstützung der ausständigen Formstecher, die vom Delegierten zur Gewerkschaftskommisston angeregt worden ist, wurde dem Central- vorstände des Verbandes überlassen. Die Textilarbeiter tagten am Mittwoch in der Königsbaiik. Große Frankfutterstraße. K o tz k e hielt einen Vortrag über die Stellung der Frau in der modernen Gesellschaft, dessen Schluß darin gipfelte, daß die Frau, wenn sie sich auch nicht politisch bethätigen dürfe, doch im wirtschaftlichen Kampf Schulter an Schulter mit dem Mann für die Zukunft, für ihre Kinder kämpfen solle. Dann bc- richtete N e u h a u s über die Thätigkeit der Gewerkschaftskommission. Als Gewerkschaftsdelegierte wurden Treue und Quast gewählt. K o tz k e gab den Bericht über die Agitationskommission. In der Lausitz habe sich infolge des Krefelder Streiks eine Bewegung zu Gunsten der zehnstündigen Arbeitszeit bemerkbar gemacht. Die bisher übliche Arbeitszeit von 13, 14 und sogar 13 Stunden sei denn auch in vielen Fällen einer etwas kürzeren gewichen. Die Agitationskommission selbst habe 33 Versanim- lungen im letzten Jahr abgehalten und 6300 Flugblätter ver- teilt. Zwei eingegangene Filialen des Verbandes, in Bernau und Wcißcnsee, seien wievcr neu aufgemacht worden und zwei neu gegründet worden: in Ncndanini und Charlottcn- burg. Die Einnahme stellte sich nicht so hock wie sonst, da auf Berlin verzichtet werden konnte; 432,18 Mark wurden eingenommen, so daß nach sämtlichen Ausgaben ein Bestand von 97,13 M. bleibt. Die alte Kommission wurde wiedergewählt und zwar bis zum 1. April 1901, wegen der Konferenz der Agitations- kommissionen, die alle zwei Jahre stattfinden soll. Zu Revisoren wurden Zupp, Kleemann und Herzbcrg gewählt und zum Schluß die Erwartung ausgesprochen, daß die am 1. Feiertag in der Königs- dank stattfindende Weihnachtsfeier gut besucht werde. Socialwisscuschafllicher Studentenverein. Freitagabend sV, Uhr Lebrer Agahd über das Thema:„Ist ein Ausbau der Kinderfchutz- Gesetz- gcbuug notwendig?" Der Vortrag findet im Hause des Handwerkervereins, Sopbienstr. 15, statt. Gäste willkoininen. Centralverein der im Adressenwesen nnd verwandten Branchen Beschäftigten. Sonnabend, den 9. Dezember, abends 3 Uhr, bei Kernchen, Wallstr. 57, Versammlung. Handlungsgehilfen: Handlungsgehilfinnen k Heute abend N/z Uhr finden die Wahlen zur Orts-KranCenkasse der Kaufleute statt. Wir mächen die Kollegen darauf aufmerksam, daß unsere Kandidatenliste mit Schumann, Werner, Ida Baar beginnt und uiit Jonas Stahl endigt; sie ist identisch mit der der ccntralorganisierlcn Handelo-Hilfsarbeiter. Achtung, HaudclShilsSarbeiter, Kutscher, Kohleunrbeiter, Holz- »nd Bretterträger ic. Heute abend finden die Delegiertenwahlen statt und zwar für die Betriebe rechts der Spree bei Keller, Koppcnstr. 20, und für die Betriebe links der Spree bei Cohn, Beuthstr. 20,21. Unsere Liste sängt mit Rein, Engelhard an und endet mit Fritz Zimmer- m a n n. Ans, alle Mann zur Wahl._ Deutscher Holzarbeiter-Verband. Heute, Freitag, abends 8>/z Uhr, bei tlolin, Beuthstr. SO/Sl: Sitzung der Orts- Ver waUang-. Sonntag, den 10. Tezeniber, vormittags 10 Uhr, bei Herzbcrg, Alte Jakobslr. 75 ZW" Grosse Einselzer-yersamraluiig.'MU Tages- O r d n u Ii g: 1. Berichterstattung über die Verhandlungen mit den Arbeitgebern. 2. Disknlflon. 3. Verschiedenes nnd ArbcitSangelegenheiten. Sämckiche Einsetzer haben pünktlich zn erscheinen, weil pünktlich eröffnet wird. Die Kommissionssitzung findet am 13. d. M. ebendaselbst statt. IHe Ortsvcrrvnltnng. Somttag, den 10. Tezeniber, vormittags 10 Uhr, im Lokale des Herrn Schiller, Rosenthalerstr. 57 Braiiclieii-Tersaiiiuilang dev Vurstcn-«nd Hinsel»NÄchev. TageS- Ordnung: 1. Vortrag deö Kollegen lillngner über„Arbeitslofen-Untorstützung". 2. Diskussion. 3. Berbaildsangelegenheiten 279,3 Das Erscheinen sämtlicher Kollegen ist unbedingt erforderlich. _ I>er OOiiiiinii. Paul Flegel, Ackcrslr. 10. Central-Srrtiaüd derZimmrer MtsWilds Zahlstelle Berlin. Sonntag, den 10. Dezember, vormittags 10 Uhr Mitglieder-Versammlung in den„ttnamlialleiT, Kommandantenstr. 20. Tage s-Ordnung: 1. Bericht über die letzte Baukontrolle. Berichterstatter: Kamerad Stemkowitz. 2. Der Verein„Arbeiterschutz" und die„Märkische Volks- zcituiig". 3. Bcrbandsangelcgeiiheiten. 255/13 Um zahlreiches Erscheinen ersucht Der Vorstumi. AWüig! Former. Miiiig! Sonntag, den 10. Dezember, mittags IS Uhr. im„ILolbcrgcr Salon", Kolbcrgcrstr. 23 Große öffentliche Versammlung der Former und aller in Eiscngieszereien beschäftigten Arbeiter. Tages-Ordnung: 1. Die Beendigung des Leipziger Streiks. 2. Diskussion. 3. Die schlechten Verhältnisse in verschiedenen Gießereien. Das rücksichtslose Vor- gehen der Meiner in mehreren Werlstätten. 4. Aus welche Weise können die Arbeiter das andern. 61/18 Eures jeden Kollegen Pflicht ist es, in dieser Versammlung anwesend zu sein. Die Kollegen der Firmen Mössemaiin u. Kühneniaiin, Härtung ». Roscnberg(Rixdorf), Nnd extra eingeladen._ I. A.: A. Plath. JWniia! Kistenmacher. AM»ng! _ Joiinabcnd, den 9. Dezember, abends SVa Uhr:_ PT" Mitglieder- Versammlung""ND bei Stechert, Audreasstraffe 81. Tages-Ordnung: 1. Die nächsten Aufgaben unserer Gewerkschaft. 2. Diskussion. 3. Wahl von Mitgliedern zur Lohnloui Mission. 4. Bereiusangelegenheiten. 198/1 Da dies die letzte Versammlung in diesem Jahre ist, cnvartet einen zahlreichen Besuch_ Ter Börstaud. I. A.: Karl Jncltcl. Sonnabend, den 9. Dezember, abends 8l/2 Uhr. Melchiorstr. 15. ia@r Versammlung. Tages-Ordnung: Vereinsangelegenheilen. 199/10 Sonnabend, den 10. Dezember:«cncral- Vcr»»mmlniig. Wahl des gesamten Vorstandes für das Jahr 1900. _ Per Toratand. Muigi Bauarbeiter! Mm! Freie VermiMg bei' BilMrbeiter Beriills v. Umgegellh. Sonntag, den 19. Dezember, vormittags 19'/, Uhr SIUK'IieÄer-Tersainuilimg im Lokale des Herrn Wilkc, Andreasstr. 86. Tages-Ordnung: 34/3 1. Vortrag. 2. Diskussion. 3. Vcrcinsangelegenheiten. 4. Verschiedenes. Neue Mitglieder werden aufgenommen. Per Yorotand. 8fiit>cii Inlinlt der Inserate iiberniiiinit die Redaktion dein Pnliliknin ftenemiber keinerlei Acranlioortnng. T l;rntev. Freitag, 8. Dezember. Opcrilhans. La Traviata. Ansang 8 I l li r. SchankpielhanS. Die Vrautfahrt. Anfang 7r/z Ubr. Neues Cpcr»> Dbeater(Kroll). Gustav Adolf-Festspiel. Anfang 7' z Uhr. Deutsches. Der Probekandidat. Anfang 71/2 Uhr. Lefsing. AIS ich wiederkam... Anfang 7>/, Nur. Berliner. TaS verlorene Paradies. Anfang 7Vz Mr. Schiller. Die Richtcrin. Ausana 8 Uhr. Neues. Ein imbeschricbenes Blatt. Anfang 7' 2 Uhr. 950. steil. Der Zigeunerbaron. Anfang 7»/z Uyri Thalia. Der Plahinajor. Anfang 7-/, Uhr. Ncfidenz. Büsch und Reichenbach. Vorher: Die Richtige. Ansang 7-/2 Mr. Luisen. Kurbad Centrum. Anfang 8 Uhr. Central. Die Geisha. Anfang 71/, Uhr. Carl Weist. Der Weltuntergang. Anfang 8 Uhr. Friedrich- Wilhelnistädtisches. Ei» gesunder Junge. Anfang 8 Uhr. Victoria. Die Venus von der Markt- Halle. Anfang 8 Uhr. Belle- Alliaiicc. Gastspiel des Schliersecr Bauern- Theaters. Liserl vom Schliersee. Anfang 8 Uhr. Metropol. Specialitäten- Vor- slellnng. Rund um Berlin. An- fang 3 Uhr. Npollo. Specialitäten- Vorstellung. Anfang 7-/2 Uhr. Nelchshallen. Stcttincr Sänger. Anfang 8 Uhr. Palast. Susanne im Bade. Speciaki- täten-Vorstellung. Ans. 8 Uhr. Passage< Pauoptttuni. Specialt- tätcn-Vorstellmig. Urania. Iuvnlideuftr. 57/G2. Täglich abends von 0— 10 Uyri Sternwarte. Taubeustr. �8/ckS. Im Theater: „Transvaal". Vorher:„Der dunkle Erdteil". Anfang 8 Uhr. Cchilltt-Äitliltt (Walluer- Theater). Freitag, abends 8 Uhr:' Dlv Ittel, tei-kn. Schauspiel in Ausz. Vach Conr. Ferd Meyer von Roman Wömcr. Sonnabend, abendSSUHr: Zwei glttckllche Tage. So nntag, nachmittags 8 Uhr- Der Itledter vun �alame». Sonntag, abends 8 Uhr: Die Ehre. CariWeiss-Theatep Gr. Fraukfurtcrstraste 13%. Der Weltuntergang. Großes Ausstattungsstttck mit Gelang w 3 Akten(1ö Bildern), von Dir. Carl Weiß und Jos. Dill. Musik von M. Fall. Anfang 8 Uhr. Vorzugsbillcts habe» Gültigkeit. Im Tunnel v. 7 Uhr an ssrelkonrert. Morgen: Der Weltuntergang. Sonnabendnachm. 8-/, Uhr: Kinder- Vorstellung: Aschenbrödel. Zaubernlärchen uiit Ges. in S Bildern von A. v. Hahn. Regie: I. Dill. Preise der Plätze: Galerie lO Pf., II. Parkett u. II. Rang 20 Pf., I. Par- kett von der 17. Reihe und I. Rang 80 Pf., I. Parkett 50 Ps., Loge 60 Pf. Tbalm-l'IieAtkr. Tel. AmtIVa 6440. Dresdenerstr. 72/73. Drittlctite Woche! Ter Platzmajor. Thomas, Tltlelsolier, Helmerding, Junkermann. Anfang 71/2 Uhr. Morgen und folgende Tage: Ter Plahmajor. Freitag, den 15. d. M., zum Beste» der Stiftung:„Nationaldauk für Beteraneu". einmalige Aufführung von:»Ter Millioucubancr«. __ Kopkc: Emil Thomas._ Eintral T lzrater Direktion: Jose ferenezy. Vir G r i s tz tt. Ansang Vz8 Uhr. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Sonntagnachmitt. 3 Uhr zu halben Preisen: Tie Fledermaus. Von Johann Strauß. Urania Tnnbcnntrassc 48/49. Im Theater abends 8 Uhr Transvaal. Vorher: Der dunkle Erdteil In, alidenstr. 57/0%: Sternwarte. Nachmlltags 5— 10 Ulir. "teais-fpopticöii/ \ cii! Anatomisch. Tägl. Dienstags für Damen. Passage- Theater Beginn des Konzerts 6 Uhr, derVorst. 7 Uhr. 15 erstklass. Deb. CASTÄNS PÄNOPTICÜM Präsident von Transvaal „Ohm" Krüger und General Jouhert mit kriegsgeriisteton Boeren. Eine Gruppe von aktuellstem Interesse! itnpl-Wer. llehrenstr. 55,57. Dir.: Rieh. Schultz. Um 10 Uhr 30: Liane de Vries. giegmund Steiner. Mirano. Mary Wolf. Brothers Ceado. freres Kulper. Franp. Rivoli. The 5 Greenwoods. Um 8 Uhr 40: Hund am Berlin. Anfang 8 Uhr. Apollo-Theater. A'nr noch knrze Zeit: The Gothams. Mary Werder. Dressierte Füchse, vorgeführt von Prof. E. Bonetty. The Haytons. Brüder Wille. Cäcilie Carola. Adolll Trio.* Mclilndler. Der Ko»>niog;ra]tli etc. etc. Anfang 71/, Uhr. In Vorbereitung: Im Reiche des Imlra. Vorverkauf täglich Im Theater, beim„Kilnstlerdank", Unter den Linden 60, und beim„Invalidendank", Unter den Linden 24 I. W. 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Reisende müssen von Haus zu Haus gehen und die Leute zur Be- tellung von gähnen überreden. Für jeden Knuden erhält der Reisende ca. 10 M. Provision. Ferner bekommt der Kaisiercr 10 Prozent der einkassierten Gelder.[31908' Wer iniist dies alles bezahlen? Doch nur der Patient k Damit auch der Unbemitteltste etwas für seine Zähne thun kann, berechne ich: Plombcn IM., schmerz- loscsZahnzichen 1 M., RcparamtLM., ZU 1,110 1,59.71» iL. Die besten koste» dem Zahnarzt nur ca. 50 Pf., u. zahle 100 M. Belohuung, wer nachweist, daß die Zähne, für die andere 5, 4 u. noch mehr Rkark nehmen, besser sind. E. En Ii nii sinn, jetzt Kastanien-Allee 75. I. Sprechst. 9—7 Uhr, Sonnt. 9—2 Uhr. + Natur- Heilverfahren. Ich heile_ ohne Berufsstörung alle Männer- und Frauenleiden, ebenso Nieren- und Blasenleiden. Naturgemäße Behandlung. 30451!* Fr. C. Henke, Rathenowerstr. 49, I Ecke Perlebergeratrasse. Sprechstunden 9—2, 5—9, Sonntags 9—2. Bei Vorzeigung der Vcrbandskarten 10 Proz. Lauscha. Genossen aus Lauscha Di- senden der- das Postkistchen unter Nachnahme frnnco für 5 M., enthaltend nur größere, fein versilberte und bemalte Ncuheiicn, auch Reflex-Perlen-Kngeln, Eier, Glocken, Banmspitzen und Früchte aller Art usw. Als Beilage eine Bernstein- Cigarrenspitze aus Glas mit der eingebrannten Photographie von Bebel oder Liebknecht. Für völ- lige Zufriedenheit des Käufers wird garantiert. Man schreibe an Guido Müller jun. 31358* Eaimcha I. Th. BtMMtlt fiir Berlin: Fritz Zubeil, Konsumverein Berlin- Nord, Binetaplatz l. Hiermit die traurige Nachricht, daß unser lieber Bruder und Schwager, der Töpfer f1276b Carl Hase im 28. Lebensjahre nach langem, schweren Leiden sanft entschlafen ist. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 10. d. M., nachmittags 3 Uhr, van der Leichenhalle des Elisabeth- Kirchhofes aus statt. Dies zeigen tiesbetrübt an Gebrüder Hase, Uiedomstr. 16. Deutscher Marbetter- Verband. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Kollege, Tischler 279b Heinrich Thomas am 6. Dezember verstorben ist. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 10. Dezember, nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des neuen Luisen- Kirchhofes in Rixdors, Hermannstraße, aus statt. Um rege Beteiligung er- sucht Die Ortsverwaltung. Sonnabend, den 0. Dezember, abends 8 Uhr. im Saale der Norddeutschen Brauerei, Chaussee strafte 58: Toi'trag von Dr. Hans Brackebusch; „Das Recht des Reichsbiirgers� Jedermann hat nicht mir Anrecht ans eine Stelle des Bodens, wo er begraben wird, sondern auch aus eine Stelle, wo er leben und arbeiten kann. Niemand soll um Arbeit betteln müssen. 1269b _ äV Eintritt frei!"TUfä Kränze C. Jürgens Bonqnet- und Krauzbinderei llottbuserstr.Z. Wasserthor8tr.69.| ÄSEäEi_________ Canaria-Nynipiiaea alha- Ausstellung 12516 von Kail arten, Papageien, Eroten, Waldvögeln, Aquarien, Kominaii- dantenstraße 62 vom 8. bis 12. De- zember 1899. 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Zrurnieustr.g. ■W Dir«rltbekanute"UM Bettfedern-Fabrik ffluflnuSuflin. Berlins..stJrinstiu straft« 46,»rsindkl g«g«!i Nachnatm« garant.n«»« 0«llsed«rn d. Psd. 5b Pf., ! chinesisch« Kalbdanneii d Psd. M.1,25, desjere öalddauaeu d. Psd. M. 1,75, I dorjüglichr Daunen d. Psd. M. 2.65. »»» Um diesen Pannen oenugen z»I>4 Psnnd zum araften Oterbell. Beroackung frei. Prciöl. n. Proben grali». Viele AnerlennungSschr.• Vtifolgt\M der Zweck von mir, beste Waren auch im einzelnen zu wirklichen Cngroö- preisen zu verkaufen, wovon jeder sich leicht überzeugt z. B. durch meinen (keine Essenzenwarc), nur wohlbelömmlicher, reiner Jamaica-Verjchnitt,>/i Fl- X'U Liter) inkl. von 90 Pfg,, und Vi Fl. inkl. von 50 Pf. an, ferner altea\ord- httiiscr, pro Lit. 50 Pf., Halb n. Halb, Vi Champ.-Fl. 90 Ps. inkl., sliss. UiiKarwein,'/i Orig.-Fl. inkl. von 90 Pf. an,-c. tc. �gnat» Svllo, Weinhaiidliiiig und Likörfabrik, 110. Brunnenstr. 110» neben dem Straßenbabn-Depot. Filiale; Kastanien- Allee 97. Dienstag, den 5. d. Mts, verstarb plötzlich am Herzschlage unser alter Mitstreiter, der Redacteur Joseph Vieri Roland im fast vollendeten 70. Lebensjahre. Die Beerdigung findet beute, Freitag, den 8. d. Mts., vormittags II Uhr, von der Leichenhalle des Städtischen Friedhofs in Friedrichsfelde aus statt., Die Tertrancnspersonen. Freie Volksbühne. Sonntagnach mittag 2% Ehr: 2 Vorstellungen. II. Abteilung Eesslng-Theater:„ülinna von Barnhclm". V.* Carl Weiss-Theater:„Winterschlaf". Pünktliches Erscheinen wird den Mitgliedern zur Pflicht gemacht 235/12 Der Vorstand. I. A.: G. Winkler. Heute, Freitag, abends 8�/2 Uhr, bei Stechcrt, Andreasstr. 21: liiclitbilder-V ortrag über; 82042 |tt«9en=. Den- nud Djerenleiden vom prakt. Naturhelli.<»ra»dma»a. Männer und Frauen willkommen. Eintritt 20 Pfg. Verein ftir IVatiirliellvcrfalireii. Geschäftsstelle jetzt Köpniekcrstr. 72. Nähe Brücken- strafte. Sprechstunden 11—1, 6—8, Sonntags 11—12. 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M., Bon mittags 12 bis abends 8 Uhr, die Wahl für die Arbeiter statt. Wir fordern mm die Arbeiter NixdorfS auf, ihre Pflicht zn thnn, und Mann für Mann znr Wahlurne zu erscheinen, damit der Sieg unser werde. Wahlberechtigt ist jeder 2Sjähr!ge Arbeiter oder Arbeitgeber, der feit einem Jahre in Nixdorf wohnt oder arbeitet. Der Ort ist in 4 Bezirke eingeteilt. o r m i t t a g elf Uhr oon der Leichenhalle des städtischen Central- Friedhofes in Friedrichsfelde ans zur letzten Ruhe bestattet werden. An die Parteigenossen richten wir die Bitte, sich möglichst zahlreich an dem Tranergelcite für unfern so jäh dahingerafften Mitkämpfer zu beteiligen. Die Stadtverorducteu-Versammlung hat gestern in Sachen der Polizeiberordnung zur Ein- schränkung'der gewerblichen Nebenbeschäftigung schulpflichtiger' Kinder endlich Beschluß gefaßt' und sich für den Kinderschutz ausgesprochen. Es' hat recht lange gedauert, bis sie sich zu diesem Schritte bequemt hat, aber das Sprichwort:„Was lange währt, wird gut" ist dabei wieder einmal nicht bestätigt worden. Die Mehrheit der Versammlung hat dem„warmen Herzen", das sie angeblich für die Kinder der Armen hat, so sehr Zwang augethan, daß' mm nicht allznbiel bei ihren Kindcrschutz-Bestrebimgen herausgekommen ist. Die Debatte, die der Beschlußfassung Boranging, bot ein wenig erfreuliches Schauspiel. Genosse Singer wies noch einmal die Notwendigkeit einer möglichst weit gehenden Einschränkung der Kinderarbeit nach, aber die Mehrheit der Versammlung zeigte durch ihre Haltung oon Boriiherein, daß sie nur für halbe Reformen zu haben sei. Der Hauptredner StadtBerordncter I a k o b i drehte und wendete sich nach allen Seiten, um dem ablehnenden Standpunkt, den seine Fraktion gegenüber den Forderungen unserer Genossen einnahm, wenigstens einen Schein Bon Berechtigung zu Berleihen. Einen sehr eifrigen Helfershelfer fanden die Gegner eines eiiergischen Kinderschutzes an Herm Bürgermeister Kirsch ner. Er hatte diesmal au Stelle des zwar anwesende», aber stumm bleibenden Stadtschulrats Bertram die Aufgabe übernommen, die bekannten beruhigenden und beschwichtigenden Versicherungen abzugeben. daß die Schäden der Kinderarbeit keineswegs so schlimm seien, wie sie hingestellt würden. Er hatte sogar eben erst ein paar Zeitungsjungen getroffen, die ganz frisch und gesund aussehen und scelenbergnügt waren, während sie ihre Arbeit oerrichteten. Es gehört in der That eine große Portion Mut dazu, in einer solchen Sache solche Beweisgründe Borznbringen! Aber die Mehrheit der Versammlung stimmte dem Herrn Bürgermeister mit großem Eifer zu, als er erklärte, er könne nicht finden, daß diesen Jungen durch das Zeitungsaustragen ein Schaden an ihrer Gesundheit geschehe. Er sprach damit das erlösende Wort aus, auf das die Freunde der halben Maßregeln gewartet hatten, um sich mit Anstand gegen die weitergehenden Forderungen unserer Ge- nossen erklären zu können. Die Debatte wurde nach den Ausführungen des Bürgermeisters noch eine Bolle Stunde fort- gesetzt, aber sie ariete bald in eine entsetzliche Seichtheit ans und fand schließlich mit den unfreiwillig komischen Expektora- tioneu des Stadto. L a d e w i g ein unrühmliches Ende. Die Ab- stimmung ergab wenigstens das eine Erfreuliche, daß sich für die Bom Ausschuß Borgeschlagene Dispensations-Klausel keine Mehr- heit fand.''_ Zur Frage der Herabsetzung des GaSpreifes berlautet, daß die zur Vorbcratuug dieser Angelegenheit eingesetzte Kommission die Einführung eines Einheitspreises Bon 10 Pf. abgelehnt, aber beschlossen hat, dem Magistrat die Einführung eines Einheitspreises Bon 12 Ps. pro Kubikmeter Gas— gleichbiel ob dies zu Be- leuchtiings- oder zu gewerblichen Zwecken Verwendung findet, zu empfehlen. Ueber den Beschluß der Kommission wird der Magistrat in seiner heutigen Sitzung Entscheidung treffen. Gegen eine solche Regelung der Gasfrage kann von den kleinen Konsumenten aus nicht entschieden genug Einspruch erhoben werden. Zum Fall Koschemaun. Der Mechaniker Franz K o s ch e- m nun, der im Jahre 1397 wegen des Attentats gegen den Polizei- Obersten Krause zu 10 Jahren Zuchthaus berurteilt' wurde, setzt in Gemeinschaft mit seinen Angehörigen die Bemühungen, das Wieder- aufnahme-Verfahren zu erzielen, mit Beharrlichkeit fort. Vor kurzem hat Koschemanns Bruder wiederum ein umfangreiches Schriftstück bei dessen damaligen Verteidigern, Rechtsanwälten Dr. Schöps und Werthauer, sowie beim Justizrat Dr. Sello eingereicht, worin ber- sucht wird nachzuweisen, daß der Verurteilte mit dem Attentat gar nichts zu thnn gehabt haben kann. Da die bisherigen diesbezüg- lichen Anträge der Verteidiger sämtlich abgelehnt worden sind, ber- spricht man sich auch Bon einem erneuten Antrage kaum einen Erfolg und der Unglückliche, Bon dessen Unschuld weite Volksschichten über' zeugt sind, wird weiter im furchtbaren Kerker schmachten müssen. Von Arbeitern der Allgemeinen Elektricitäts-Gesellschaft wird uns geschrieben: Im Betriebe Ackerstraße wurde Dienstag bekannt gegeben, daß am Mittwoch alle Mann bis halb acht Uhr arbeiten müßten. Motibicrt wurde dieser Befehl damit, daß„großer Besuch" käme. Mittwoch wurde alles gestriegelt und gebügelt. Jnstituts-Fcnsterpntzer thaten ihre Schuldigkeit, an jede Thür stellte man einen Arbeiter, dem zu diesem Zioeck ein Stehkragen, ein neues blaues Jackett und eine neue Mütze Berabreicht wurde. Diese Kleidungsstücke sollten Portiertracht markieren, denn der also Beehrte halte in entsprechender Positur jedem eintretenden Herrn die Thür zu öffnen. Die Herren kamen denn endlich. Acht Bon ihnen trugen höhere Marineuniform; geführt wurden sie Bon einem Angestellien, der einen Orden an der Kleidung befestigt hatte, was sich sehr hübsch machte. Die Flottenführcr werden ganz gewiß alles herrlich ge- fnnden haben. Die Arbeiter und Arbeiterinnen aber fragen sich, loeshalb es nötig war, daß man eines solchen Besuchs wegen zehn- tausend Personen zwei Stunden über Gebühr an die Fabrik kettete. Und ob der Besuch oon solcher Maßregel erbaut gewesen sein kau»? Sollte den Arbeitern und Arbeiterinnen an diesem Beispiel eine Probe beigebracht werden Bon dem Segen, der ihnen aus deit uferlosen Flottenplänen erwächst? Sie dankten für Obst, schüttelten den Kopf, als sie endlich an dem mit Centennar- und anderen Orden geschmückten Portier Borbet nach Hanse marschieren konnten und erwogen die Zweckmäßigkeit einer Stärkung der Gewerkschafts- Organisation. In England, so meinten sie, werde es bei den ge- festigten Organisationen, die die Arbeiter sich dort errichtet haben. nicht so leicht möglich sein, ans dem Handgelenk berans eines Besuchs wegen die Arbeitszeit um zwei Stunden zu Berlängern. Prüfung von VcrsammlungSsäle». Auf höhere Veranlassung findet gegenwärtig eine Prüfung solcher öffentlicher Versammlungs' räume(Säle), die nicht über 299 Personen aufzunehmen Bermöge», hinsichtlich ihrer Fencrsicherheit ec. statt. Eine Unfallstation mit ärztlichem Tag- und Nachtdienst wird in de» nächsten Tagen auf dem Gesundbrunnen, Bad- und Nene Hochstraßcn-Ecke auf einem der Brauerei Gregory gehörigem Grund- stücke eröffnet. Eine schärfere Fahrkartcn-Kontrolle wird dem Vernehmen nach auf Berschiedenen Eisciibahn-Vorortstrecken geplant. Es soll zur Kenntnis der Eisenbahnbehörde gekommen sein, baß mit den Monats- karten Bielfach Mißbrauch getrieben wird und zwar in folgender Weise: Besitzer oon Dauerkarten sollen zu weiteren Fahrten auf der betreffenden Borortstrecke) zumal an Sonn- und Feiertagen, zwar zur Hinfahrt genügende Karten lösen, die Rückfahrt aber derart an- treten, daß sie nur eine 19 Pf.-Karte erwerben, mit dieser aber über die bezahlte Fahrstrecke hinaus entweder bis Berlin fahren, um boii dort mit der Stammkarte ihre Station wieder zu erreichen, oder aber auch auf dieser direkt sich mit der Abonnementskarte bei der Bahnstcig-Kontrolle ausweisen. Um solchen Schädigungen des Eisen bahn-Fiskus nach Möglichkeit Borznbeligen, sollen während der Fahrt die Fahrgäste auf den Besitz ausreichender Fahrkarten mehr als bisher kontrolliert werden. Flucht eines Engros-VetriigerS. Isidor Behrendt, dessen Konkurs wegen seines Umfanges das größte Anfscheu erregte— die Borrechtlose» Forderungen wurden im Prüfungstermin' auf 4 153 999 M. geschätzt, hiervon aber per Gefälligkeitsaccepte ec. vom Verwalter Martens 1 999 999 M. bestritten, nach Deckung der Vorrechtsfordcriiiigen und Kosten von 39 999 M. würden 325 449 M. oder 19 Prozent auf 3 259 999 M. Passiven znr Verteilung Ber- bleiben— befand sich mit Genehmigung des Gerichts, auf Grund eines ärztlichen Attestes, im Sanatorium Weißer Hirsch bei Dresden. Er hat sich nun von dort entfernt, ohne daß bisher sein jetziger Aufenthalt bekannt geworden ist. Ei» niederträchtiger Streich, der erfreulicherweise aber keinen Schaden angerichtet hat, ist gestern abend an Passanten der Straßen bahn verübt worden. Es wird von amtlicher Stelle darüber gemeldet: Gestern abend gegen 19�s Uhr fuhr ein Straßenbahnwagen der Linie Müllerstraße— Hasenheide vor dem Hanse Ackerstr. 28 a mit dem rechten Vorderrade auf eine auf den Schienen liegende Blechbüchse. In demselben Augenblicke erfolgte ein so heftiger Knall, daß die Bewohner der benachbarten Hänser an die Fenster eilten und in kurzer Zeit ein Auflauf entstand. Wie sich herausstellte, war die von einer unbekannt gebliebenen Person auf die Schiene gelegte Blech- büchse mit Pulver und einigen Zündhütchen gefüllt. Durch die Ex plosion ist glücklicherweise niemand verletzt worden, auch der Straßen bahnwagcn ist unbeschädigt geblieben. Ein bedauerlicher Unfall ereignete sich gesten, vormittag in der Luxuspapier-Fabrik von Hcllriegel in der Kochstraße 5. Die Arbeiterin Emma Böttcher, welche als Anlegerin beschäftigt ist, ge- riet mit der rechten Hand in das Walzwerk einer Lackiermaichine und es wurden ihr an vier Fingern die obersten Glieder völlig abgequescht. Die Verunglückte wurde nach der Unfallstation geschafft, wo ihr die erste Hilfe zu teil wurde. Wege» der Bandendiebstähle, über die in der letzten Zeit mehrfach berichtet wurde, sind jetzt vier Einbrecher und, wie wir schon mitteilten, drei Hehler festgenommen. Drei der Einbrecher sind in der Verbrecherwelt und auch der Polizei schon länger bekannt. „Schlächter- Josef", der.schwarze Hans" und„Latschen- Wilhelm". Der vierte ist ein»och unbestrafter junger Bursche, der seinen Eltern wiederholt entlief, um sich den Spitzbuben anzuschließen. Alle vier sind geständig und gestern in Untersuchungshaft gebracht worden. Zwei hatten mit Mädchen gemeinsam eine Wohming, der dritte hielt sich bald bei dem einen, bald bei dem anderen und dann wieder in„Kaschemmen" auf, der vierte kehrte, wen» er eine zeitlang gebummelt und gestohlen hatte, jedesmal wieder zu seinen Eltern zurück. Gefunden wurden bei der Bande sieben Schlüssel. Diese sind ebenfalls gestohlen und vom.Schwarzen Hans", einem Schlosser, so fein zurecht gemacht worden, daß man bei einiger Geschicklichkeit mit ihnen jedes Kunstschloß aufschließen kann. Von viele» Sachen, die die Kriminalpolizei bei den Spitz- bube» und den Hehlern beschlagnahmt hat. sind die Eigentümer noch nicht bekannt. Das Warenlager ist so groß, daß ein genaues Verzeichnis noch nicht fertig gestellt werden konnte. Unter den ge- stohlenen Sachen befinden' sich auch viele Schuhwaren, und es ist daher wahrscheinlich, daß man in den vier Einbrechern auch die Spitzbuben gefaßt hat. die mit Vorliebe Schnhwarcngeschäfte heim» suchten. Die Ladcudicbstählc, die seit dem Aufkommen der großen Warenhäuser vor Weihnachten sich stets zu häufen pflegen, werden auch jetzt wieder zahlreicher. In einem Kaufhaus in der Leipziger- straße wurde gestern abend eine Erzieherin festgenommen. Diese hielt sich längere Zeit in dem Geschäfte auf, ließ sich viele Sachen vorlegen und kaufte einige Kleinigkeiten. Dann begab sie sich auf die Toilette. Hier versuchte sie, eine seidene Bluse, die sie heimlich beiseite geschafft hatte, unter ihrer Kleidung zu verbergen. Das sah aber eine Aufwartefrau, die in einem gegenüberliegenden Gebäude eine Treppe höher beschäftigt war. Die Frau benachrichtigte den Geschäftsinhaber und dieser ubergab die Kundin, nachdem man die Bluse bei ihr gefunden hatte, der Kriminalpolizei.— In einem' Warenhaus in der Roscuthalerstraße fielen Kriminalbeamten, die dort auf Diebe fahndeten, zwei Frauen auf, die Hand in Hand zu arbeiten schienen. Eine längere Beobachtung ergab, daß der Verdacht begründet war. Die Beiden ließen nach und nach erst kleinere Sachen in eine Tasche, die die eine Frau unter ihrem Nadmantel trug, verschwinden. Als sie dann auch ein größeres Stück denselben Weg wollten gehen lassen, faßte» die Beamten zu. Auch diese Diebinnen wurden der Kriminalpolizei eiugeliesert. In der Frage der Beschränkung der Abend- und Nacht- arbeit im Berliner Speditionsgeschäft hat sich das Aeltesten- Kollegium der Berliner Kaufmannschaft auf eine Eingabe des, Centralverbandes der Handels-, Transport- und Verkehrsarbciter Deutschlands dahin entschieden, daß der Forderung der Arbeiter, die Bahugüter, soweit sie nicht bis 8 Uhr abends fertiggestellt werden können, erst am nächsten Tage zu expedieren, vielleicht entsprochen werden könnte. Das Kollegium hat in einem Schreiben an den Lokalverein Berliner Spediteure erklärt, daß die JnKressen der Versender einen früheren Schluß der Abgabe der Güter an den Spediteur, etwa um 3 Uhr abends, wohl zulassen und in gewniem Sinne sogar auempfchlen, weil alsdann eine sorgfältigere Behandlung der Güter sowie eine Minderung der gerade beim Nachttransporte so häufigen Kollidiebstähle zu erwarten sei. Ein gefährlicher Einbrecher, der seinem Transporteur eut- sprungeu war, ist gestern früh in Berlin wieder festgenommen. Es handelt sich um einen gewissen Albert Migaschessky, der im vergangeuen Sommer hier zu zwölf Jahren Zuchthaus verurteilt wurde.' Gestern früh wurde er bei einem Einbruchsversuch in der Oranienstraße ertappt und wieder dingfest gemacht. Zwei Brillantringe im Merte von 599 und 799 M. sind gestern einem Manne abgenommen worden bei dem Versuch, sie hier zu versetzen. Der Unbekannte gab bei seiner Vernehmung an, die beiden Ringe am 22. November auf dem Lehrter Bahnhof von einem fünfzigjährigen Manne für zwanzig Mark gekauft zu haben. Die Polizei nimmt an, daß die Ringe aus einem Diebstahl herrühren und bittet diejenigen, die Angaben zur Sache machen können, sich beim Kriminalkommissar v. Baeckmaim am Alexandcrplatz zu melden. Selbstmord verübt hat der Rekrut W. von der 19. Com» pagnie des 4. Garde-Regiments zu Fuß. W., der aus dem Rhein- lande stammte und keine Eltern mehr hatte, trug seit seinem Eintritt Zeichen von Schwermut zur Schau. Am Mittwochabend um 5 Uhr trar er vom Gewehrreinigen aus und kam nicht wieder. Als man sich nach ihm umsah und die Korporalschaft alles absuchte, fand man ihn schließlich auf dem Exerzierplatz an der Seydlitzstraße als Leiche an einem Baum hängen. Andere Nachrichten bringen den Selbst- mord mit unglücklicher Liebe zum Militärstand in Verbindung. Zwei Fabrikbräudc, die beide eine große Gefahr in sich bargen, beschäftigten die Feuerwehr in der Nacht zu gestern längere Zeit. Früh gegen 1 Uhr kam F r u ch t st r. 35 in der im zweiten Stock des zweiten Quergebäudes belegenen Möbelfabrik von Rammiuger u. Bröcker aus nicht ermittelter Ursache Feuer aus, das mit rapider Schnelligkeit um sich griff. Die Gefahr war um so größer, als fünf umfangreiche Tischlereien und Fraisereien auf dem ausgedehnten Grundstücke untergebracht sind und in sämtlichen Stockwerken große Posten Möbel. Bretter und Nutzhölzer lagern. Glücklicherweise war dasj Feuer recht- zeitig von der benachbarten Feuerwehr in der Memelerstraße aus bemerkt worden, die denn auch sofort heranrückte und über eine mechanische Leiter hinweg in den brennenden Fabrikraum vordrang. Die vorhandenen fertigen Möbel und Fonrniere boten dem Element reiche Nahrung. Zudem explodierte eine 19 Liter haltende Petroleum- kaime unter lautem Krach. Die von einem Vergnügen herbeigeholten Geschäftsinhaber benachrichtigten die Wehr, daß' in dem Comptoir neben dem Brandherde sich größere Mengen Lack und Firnis be-. fanden, worauf die Löschmannschaften auf Sicherung dieses Raumes bedacht waren. Nach einstündiger angestrengter Arbeit war da? Feuer lokalisiert. Der verursachte Schaden wird auf 19 999 M. geschätzt. Die betroffene Firma besitzt zwar auf demselben Grundstück noch weitere Werkstellen, muß aber für längere Zeit 29 Gesellen infolge des Brandes entlassen.— Mittwochabend OVa Uhr entstand M a r k u s st r. 52 in der Wagenfabrik von F. Dittmann ein Brand, der ebenfalls eine große Gefähr in sich barg, da auch hier sämtliche Etagen mit Tischlereien besetzt sind. Diese Fabrik ist schon öfter vom Feuer heimgesucht. Erst vor 4 Wochen hatte die Feuerwehr dort zu thnn. Diesmal konnte das Feuer noch im Entstehen von der Feuerwehr mittels eines RohrcS gedämpft werden, so daß eine Betriebsstörung nicht eintritt. Fcnerbcricht. Donnerstagnachmittag 2 Uhr brach Frucht- straße 28 in einem Keller ein größerer Brand aus, der bei starker Verqualmung der Wehr viel zu schaffen machte. Zwei Rohre hatten fast eine Stunde Wasser zu geben, bevor das Feuer gelöscht wurde. Fast sämtliche Kellerverschläge mit Inhalt wurden eingeäschert. Zu gleicher Zeit brannte Lothringer st r. 123 die Balkenlage und ein Teil der Dachkonstruktion. Vorher wurde die Wehr nach A u g u st- st r a ß e 13 gerufen, doch lag hier keine Feucrsqefahr vor. Weitere Alarmierungen erfolgten im Laufe des Tages nach Ebers walder- straße 32, L i n i e n st r. 247, F r i e s e n st r. 18 und Münz» straße 7. In allen Fällen handelte es sich jedoch nur um gering- fügige Anlässe._ Aus de» Nachbarorte». Der socialdcmokrattsche Verein in JohanniSthal-Nicdcr- Schöneweidc hält seine Mitgliederversammlung am 9. Dezember, abends 8Va Uhr, im Lokale von Strecker ab. Der Vorstand. Britz. Sonntag findet bei Püschel, Landhaus, Chauffeestr. 97. eine Volksversammlung statt, in welcher die Genossin Frau Mesch über den Kampf der Frau um ihre wirtschaftliche und sociale Befreiung spricht. Auch erfolgt Sonntag 71/2 Uhr Verbreitung von Handzetteln, woran sich die Parteigenossen recht zahlreich und pünktlich beteiligen wollen. Treffpunkt bei Karl Dorn, Bürgerstr. 4. Der Vertrauensman». Rixdorf. In der gestrigen a u ß e r o r d e n t Ii ch e n Sitzung der Stadtverordneten standen folgende Magistratsanträge zur Beratung: 1. Die Stadtverordneten-Veriammlung möge sich niit einer Erweiterung des Rathauses durch Anbau an der nördlichen Seite, vorbehaltlich der Feststellung des Bauprojektes, ein- verstanden erklären. 2. Um die Kostensumme in die nächste Gemeinde- Anleihe mit aufzunehmen, sind der Stadtverordneteu-Versammlung schleunigst EntwnrfSskizzen nebst Lberschlügiger Berechnung der Bau- und Ein'richtungskosten zur Genehmigung vorzulegen. 3. ES wird eine gemischte Rathausbaukommission von neun Mitgliedern niedergesetzt. Das unter Zuziehung derselben vom Stadtbaurat aufzustellende Projekt ist den städtischen Körperschaften thunlichst bis zum 1. Mai 1999 zur Genehmigung vorzulegen. 4. Der Magistrat wird ermächtigt, mit der königlichen Polizeidirektion über die mietsweise Ueberlassung von Diensträumen zc. vom 1. Oktober 1992 ab, vorbehaltlich der ustimmung der Stadtverordneten, ein Abkommen zu treffen. Im jalle der Verständigung wird in Aussicht genommen, die Bau- kosten für den vergrößerten Ausbau aus einer bei der städtischen Sparkasse aufzunehmenden Anleihe zu bestreiten. 5. Die vorgenannte Kommission wird zu der Weiter- oder Neuverpachtung des Rathaus- kellers vom 1. April 1999 bis 1. April 1992 bevollmächtigt.— Der Magistrat gab feine» Anträgen eine ausführliche Begründung bei. Cor oHcm müsse ein neuer Sitzungssaal für die Stadtverordneten Versammlung geschaffen werden, da wahrscheinlich gege l n d c des Jahres 1901 die Zahl der Stadtverord , e t e n v 0 n 48 a u f 60 erhöht w e r d e n m ü s s e. Um die «ttt werde die Stadt mehr als 90 000 Einwohner haben. Die neuen Stadtverordneten hätten am 1. Januar 1902 ihr Amt anzutreten. «vcgen der Kostendeckung erscheine es zweckmäßig, mit der Polizei- dlrektion über die Verlegung ihrer Diensträume in das erweiterte mathauS zu verhandeln. Es entspann sich eine lebhaste Debatte, in Oer„ch die Vertreter aller Parteigruppen im Princip für einen �"bau erklärten. Zugleich verlangten aber fast alle Redner. daß zunächst sämtliche Vorschläge in einer Kommission erörtert werden die bereits in der über acht Tagen stattfindenden ordentlichen ? ntot&n,lten 5 Sitzung Bericht erstatten soll. Demgemäß wurde veschlossen. In die Kommission wählte man auch die Genossen st o n r a d und S i l b e r st e i n. , Spandau. Der erste Tag der Stadtvcrordnetcn-Stichwahl hat «ns einen Borsprung vor unseren Gegnern gebracht, der Be stcchtigung zu Parteigenossen Von unseren imb Kunkel 80 Stimmen. auf sich Stephan 59, Dr. den besten Hoffnungen giebt, wenn unsere auch heute und morgen ihre Pflicht thnn. Kandidaten erhielten Scholz 79. Rieger 82 Die Gegner vereinigten an Stimmen � a l k st e i n 60 und Krüger 59. ... Trotz die, es Vorsprunges von durchschnittlich 20 Stimmen kann sich das Bild immerhin noch schnell ändern, da bei der geringen Beteiligung am heutigen Tage den Gegnern selbstverständlich große Reserven bleiben. Bleibe aus diesem Grunde kei stimmberechtigter Parteigenosse der Wahlurn sernl Alle Hebel müssen in Bewegung gesetzt werden, um den Sieg an unsere Fahne zu heften! Staatliche Musterwerkstätten in Spandau. Unsere Orb- nungsstntzen lieben es zuweilen, mit einer gewissen Emphase auf den hohen„Verdienst", den angeblich die Arbeiter der Staatswcrkstätten haben, hinzuweisen. Wie es aber damit in Wirklichkeit bestellt ist. ..?/ ergeben die häufigen Klagen in der Arbeiterpresse und die all- jährlichen Enthüllungen seitens socialdemokratischcr Abgeordneten im Reichstage bei den Beratungen des Militäretats recht'treffend. Bei ! �Arbelterdebatte" im Frühjahr 1898 erklärte der Krieqsnnnister militärischer Kurze, daß die Klagen der Arbeiter über niedrige Lohne usiv. unbegründet scicu. das von unseren Genossen Kunert und Bebel hierbei vorgebrachte Material vermochte der Herr jedoch nicht zu entkräften; von einer Besserung der Verhältnisse haben die Werkstättenarbeiter aber bisher trotzdem nichts gemerkt, denn nach wie vor spotten z. B. die Lohnvcrhältnisse der Arbeiter der Pulverfabrik und des A r t i l l e r i e d e p o t S i n S p a n d a n jeder Beschreibung. In der Pulverfabrik erhalten Anfänger auch jetzt noch ganze 2,50 M. Tagelohn im ersten Jahre; in den ferneren •Vahren erhöht sich dieser Lohn stufenweise um einen aaiu geringen Betrag, bis er nach 15 bis 20 Jahren die Ichwindelude Höhe von etlva 4 M. erreicht, d. h. wenn es ein Ar b«ter bis dahin nicht etlva vorgezogen haben sollte, anderweit sein Gluck z» versuchen, oder wenn er bei dem„hohen" Lohn nicht vorher schon körperlich so heruntergekommen ist, daß er über- Haupt nicht mehr arbeiten und demnach auch nicht mehr in den Genuß dieser immensen Zulage gelangen kann. Diejenigen Arbeiter. welche bei den„Säuren" beschäftigt werden, rcsp. welche sich hierzu bereit erklären, erhalten eine sogenannte„Säurezulage" von einer ganzen Mark pro Tag. Wer je Gelegenheit hat, diese Arbeiter von ihrer Arbeit heimkehren zu sehen, der wird auch sofort die „Säure- Arbeit er" herausfinden. Fahle Gesichtsfarbe, schad haste Zähne, Ausfallen der Haare, trübcr�SIick, sind Folgen, welche schon nach kurzer Zeit bei den„Säure-Arbeitem" eintreten und welche dieselben besonders kennzeichnen. Naturgemäß bietet ihr Körper bei ihrer gefahrvollen Arbeit schon deshalb viel zu wenig Wider- stand, weil es ihnen einfach unmöglich ist. sich von ihrem'„hohen" Lohne entsprechend zu ernähren und auch den linterhalt ihrer Familie zu bestreiten. Achnlich geht eS de» Arbeitern des ArtillericdepotS Spandau; auch diese fangen mit ciiicn, Taaelohn von 2 M. 50 Pf. bei lOstiindiger Arbeitszeit an. Werden die Tage kürzer, wie gegenwärtig, dann wirb auch die Arbeitszeit auf acht Stunden verkürzt, aber der Lohn wird auch entsprechend herabgesetzt. so daß er für„Anfänger" nur noch 2 M. pro Tag beträgt.' WnS soll man dabei wohl mehr verurteilen, die Handlungsweise des Arbeitgebers„Staat" oder die Arbeiter, ivelckie ihre Arbeitskraft für solche Löhne verkaufen?? Wir können nur wünschen, daß den Arbeitern in den StaatSivcrkstätten immer mehr zum Bewußtsein kommen möge, daß sie unter den heutigen Verhältnifien nichts weiter sind als Sklaven des Kapitals, und daß eS auch ihre Pflicht ist. Schulter an Schulter mit dem klassenbewußten Proletariat für die Abschaffung solcher Zustände zu kämpfen, gleichviel, ob auf politi- schein oder kommunalem Gebier. Geviihks�Ieitung. Noch ein Thomasmchl-Prozrst. In der langen Reihe von Privatbeleidigungsklagen, die in der bekannten Thomasmehl- Angelegenheit von dem Vorstande des Bundes der Landwirte gegen Zeitungsredacteure erhoben worden sind, beschäftigte gestern wieder eine neue Nummer die 150. Abteilung des Schöffengerichts. Auf Grund des ambulanten Gerichtsstandes der Presse hatte sich vor diesem Berliner Gericht der in Köln wohnende Hauptrcdacteur der „Kölnischen Zeitung", Herr A u g u st S ch m i t s, ver- treten durch Justizrat Wagner, zu verantivorten. Kläger waren die Herren Dr. R o e s i ck e. Dr. D i e d e r i ch Hahn und P las lud a, vertreten durch Rechtsanwalt Dr. Max Hoffmann. Die„Kölnische Zeitung" hatte den bekaiintcn Artikel des „Hannoverschen Courier" überuommen, wonach die Bundesleitung ihre Mitglieder bei dem Thomasmehl-Geschäft schlechter gestellt habe, als sie von anderen Lieferanten gestellt worden wären und in ver- schleierter Form eine erkleckliche Rabattsumme nicht in die Taschen der Konsumenten, sondern in die Bundeskasse zu politischen Zwecken geflossen sei. Die„Kölnische Zeitung" hatte daran die Be- merkung geknüpft, daß der Vorwurf der Untreue ein so schwerer sei, daß der Staatsanwalt alle Veranlassung hätte, die Geschäfts- gebahrung der Bundesleitung einer gründlichen Untersuchung zu unterziehen. Als dann im Bundesorgan die bekannte Erklärung der Bundesleitung mit heftigen Angriffen auf die Gegner erschien. bemerkte die„Köln. Ztg." dazu: Aus diesem bündleriichen Deutsch ergebe sich nur ein gewundenes.Eingeständnis, und Sache des Staatsanwalts werde es sein, diesen Machenschaften auf den Grund zu gehen. Diese Bemerkungen bildeten de» Gegenstand der Privatklage; der Angeklagte hatte seiner- seit? die Erklärung der Bmidesleitung' zum Gegenstände der Wiederklage gegen Dr. Rösicke und Plaskuda gemacht. Justiz- rat Wagner hatte den Wahrheitsbeweis angetreten. Durch Ver- nehmung des Direktors Max Z e ch e n d o r'f von den Rheinisch- Westfälischen Thomas-Werkcn wurde festgestellt, daß durch Vertrag vom 23. Januar 1896 der Bundesleitung daS Mehl zu 25 Pf. geliefert wurde. Der Waggonpreis betrug also 375 M., von denen 45 M. in Gestalt einer dreifachen Provision an die Bundeskasse flössen, so daß 330 M. an die Fabrik zu zahlen waren. Die Bundes- leitling hat sich dann darüber beklagt, daß die deutsche land- wirtschaftliche Gesellschaft das Thomasmehl zu 24 Pf. erhalte. Dieser waren aber nur 30 M. Rabatt zugestanden, so daß schließlich derselbe Nettopreis von 330 M. pro Doppelwaggon herauskam. Am 19. März 1896 wurde deshalb ein zweiter Vertrag mit der Bundesleitung ge- schloffen, nach welchem der Bundesvorstand, wenn ihm bekannt wurde, daß in bestimmten Gegenden das Mehl von anderer Seite zu 24 Pf. geliefert wurde, dasselbe auch zu 24 Pf. beziehen könne, dann aber ülir 30 M. Rabatt und Provision erhalten sollte. Außer den genannten Rabatten wurde der Bundesleitung nachträglich noch eine Gratifikation von 5 Mark pro Waggon zugesichert. Während Direktor Zechendorf die Ansicht vertrat, daß damals der allgemeine Händler- preis nicht 25, sondern 24 Pfennig gewesen sei und daß der Bund auf Grund der im ersten Vertrage enthaltenen Baisse- Klausel in der Lage gewesen wäre, ganz allgemein die Lieferung zu •24 Pfennige zu verlangen, trat der Leiter der wirtschaftlichen Ab- teilung des Bundes, Herr Burkhardt, dieser Auffaffung entgegen. Der Gerichtshof hielt den Wahrheitsbeweis für mißglückt. Möge man dem Vorstande Ungeschicklichkeit in geschäftlichen Dingen vor- Iverfen, jedenfalls liege eine Untreue nicht vor. Der Angeklagte wurde deshalb zu 100 M. Geldstrafe event. 20 Tagen Gefängnis. die Wiederbeklagten Rösicke und Plaskuda wurden zu je 20 M. G e l d st r a f e event. 4 Tagen Gefängnis verurteilt. Die Kosten wurden zu V* den Klägern, zu �3 dem Angeklagten, die den Dr. Hahn betreffenden Kosten aber dem Angeklagten ganz ausi erlegt. Den Klägern wurde außerdem die Püblikcitionsbefugnis zu< gesprochen. Der umfangreiche Wucher-Prozeß gegen den Agenten Johann Blumberg gelangte gestern vor der zweiten Strafkammer des Landgerichts I unter dem Vorsitz des Landgerichtsrats Ziehm zur Verhandlung. Wegen der großen Anzahl der zu vernehmenden Zeugen mußte der große Schwurgerichtssaal in Anspruch genommen werden. Der Angeklagte gab an, daß er früher Schlosser gewesen sei, dies Gewerbe aber infolge eines Unfalls habe aufgeben müssen. Er beziehe seitdem eine Unfa'llrente von monatlich lö' M. Um sich einen auskömmlichen Verdienst zu verschaffen, sei er zunächst Agent der BremerLebensversicherungs-Gcsellschaft geworden und habe sich dann mit der Vermittelung von fDarlehen beschäftigt. Er selbst besitze� kein Vermögen, habe aber bemittelte Hnitermänner an der Hand gehabt, die er nicht nennen wolle. Seine Zeituiigsannoncen hatten zumeist die Fassung, daß mehrere tausend Mark in kleinen Posten zu ver- geben seien. Um nicht zu sehr überlaufen zu werden, annoncierte der Angeklagte unter einer bestimmten Chiffre und traf dann unter den vielen schriftlichen Bewerbern seine Auswahl. Das Geschäft muß einen bedeutenden Umfang gehabt haben, den» er beschäftigte drei söge nannte„Rechercheure", welche sich nach den Verhältnissen der Geldsucher zu erkundigen hatten. Dieselben erhielten je nach dem Umfange ihrer Mühewaltung für jeden Fall eine bis drei Mark. Erst wenn ein Geldsucher ausreichende Sicherheit bot, trat der Angeklagte mit ihm in Verbindung. Blumberg soll nun sein Gewerbe als Versichcrungs Agent in eigennütziger Weise mit den GcldvcrmittelungS-Geschäften verquickt haben. Er war 3>/s Monat Agent für die Bremer Gesell- schaft und hat für dieselbe 27 Versicherungen abgeschlossen, wobei er monatlich etwa 180 Mark verdient hat. Alle Versicherten waren Darlchnssuchcr, die nur deshalb auf den Vorschlag eiiigingcn, um das Darlehn zu erhalten. Nur wenige Monate vermochten sie die Prämie zu bezahlen, dann überschritten sie die Zahlungsfrist und ließen die Versicherung verfallen. Von den 27 Versicherten waren 21 Beamte, nur noch vier Versicherte haben bisher ihrer Verpflichtuug nachkommen können. Blumberg wurde später Agent für die Teutonia für die er 39 Versicherungen abschloß, von denen 19 wieder erloschen sind. Der Angeklagte glaubte den Vorwurf des Wuchers dadurch entkräften zu können, daß er sich von Darlehnssuchenr eine cidcS- stattliche Versicherung ausstellen ließ, daß sie sich nicht in einer Not- läge befänden. Er ließ sich hohe Zinsen zahlen und bedang sich eine Provision aus, die sich nach der Höhe deS Darlehns richtete, Zu den Bewucherten gehörten auffallend viele Schutzleute. Der Angeklagte bestritt, daß er die Versicherungen lediglich zu dem Zwecke abgcschlössen habe, um davon die Gewährung der Darlehne abhängig zu machen. Er könne über 50 Fälle anführen, in denen er auch so Darlehne gegeben habe. Von allen Darlehnssuchenr sei ihm versichert lvorden,' daß sie in der Lage sei» würden, die Wechsel pünktlich einzulösen. Seitens des Verteidigers, Rechtsanwalt Dr. Schwindt, war ein großer Zengenapparat aufgeboten worden, der zur Entlastung deS Angeklagten dienen sollte. ' Die Verhandlung währte bis z ur späten Abendstunde, wir werden daS Ergebnis morgen mitteilen. Die drei Eide des pflichtgctrcue» Beamte». Ein interessanter Prozeß, der eine treffliche Illustration zu dem Kapitel: Schutz vor Schutzleuten bietet, ist am Mittwoch vor dem mittelfränkischen Schwurgericht in Nürnberg nach dreitägiger Verhaiidlung zu Ende geführt worden. Angeklagt war der fühere Schntzmaim K raus wegen' dreier Verbrechen' des' Meineides. Im Oktober 1896 zeigte der Schlosser Z i tz m a u u beim Magistrat an, daß er nachts auf der Währder Wiese von dem Schutzmann Kraus ohne Anlaß an- gegriffen, mit dem Säbel bedroht und später auf der Polizeiivache, wohin er sich begeben hatte, um sich gegen Kraus zu beschweren, von diesem gröblich beleidigt und mißhandelt worden sei. Die eingeleitete Unters u ch u n g wurde wieder nieder- geschlagen. Kraus drehte nun den Stiel um und 'tollte Klage gegen den Anzeiger. Vor Gericht be- chlvor er.' nicht geschlagen zu haben, ein Entlastniigs- zeuge des Zitzmann, der Flaschner Kreuzer, bestätigte eidlich das� was jener behauptete. Nun folgte gegen Kreuzer und Zitzmann eine Klage wegen falscher Anschuldigung und Kraus beschwor abermals seine früheren Aussagen. Zitzmann erhielt 9 Monate, Kreuzer 1 Jahr 8 Monate Gefängnis. Eine weitere Folge dieser Verurteilung war. daß Kreuzer nun auch noch ivege» Meineides. Zitzmann wegen Anstiftung hierzu in Anklage u st a n d versetzt ivurde». Vor dem Schwurgericht b e s ch iv o r Kraus wiederum, er sei der betreffende Schutzmanu nicht gewesen; ebenso widersprach er der Behauptung, daß er im Dienste mit einer verheirateten Frau unter verdächtigen lliiiständen betroffen lvorden sei. Die beiden Angeklagten wurden aber damals vom Schwurgericht freigesprochen, die andere Strafe mußten sie jedoch absitze», obwohl die Geschworenen ein Gnadengesuch eingereicht hatten. In- zwischen trat gegen Kraus so'viel belastendes Material zu Tage, daß er verhaftet und wegen Meineids angeklagt wurde. wobei sich herausstellte, daß in der That jene beiden Arbeiter die Wahrheit gesagt hatten. Ebenso wurde erwiesen, daß Kraus ein ehebrecherisches Verhältnis mit der verheirateten Helene Deusch hatte. Die Geschworenen erklärten ihn für schuldig und er wurde zu sieben Jahren Zuchthaus verurteilt. Unser Nürnberger Bruderblatt, das seiner Zeit den Schutzmann Kraus wegen dieser Sache scharf angegriffen hatte, mußte sich vom Bürgenneistcr v. Schuh eine geharnischte„Berichtigung" gefallen lassen und der ehrenwerte Kraus erhielt daS Zeugnis ausgestellt, daß er nur deshalb mit Haß verfolgt werde, weil er ein energischer pflichtgetreuer Beamter sei. Der Mann. dessen sich damals der Nürnberger Magistrat so warm annahm, ist nun als ehebrecherischer, meineidiger Schuft entlarvt worden. Zum Kapitel der Beschäftigung von Schulkindern lieferte eine Verhandlung vor der 139. Abteilung des hiesigen Schöffen- gerichts I einen interessanten Beitrag. Angeklagt war der Bäcker- meister Karl Schröder, welcher den"Schulknaben Wilhelm L. mehrfach zur Schulvers änmnis verleitet haben sollte. Der Bäcker- meister hatte das Kind im Juni d. I. zum Austragen von r ii h st ü ck angenommen und den Jungen so intensiv beschäftigt. Faß er wiederholt erst eine halbe Stunde nach Beginn des Unterrichts in das Klassenzimmer kam; einmal hatte er sogar die ganze erste Stunde des Unterrichts versäumt. Der Lehrer ?es kleinen L. erkundigte sich bei der Mutter»ach der Ursache der Versäumnis und ermittelte, daß der Knabe vom Angeklagten zum Austragen engagiert sei und nur hierdurch zur Unpünktlichkeit ge- kommen sein könne. Nunmehr wurde gegen den Bäckermeister als den eigentlichen Urheber der Schnlvcrsäumnis ein Straf« b e f c h l erlassen, gegen welchen er auf richterliche Entscheidung an- trug. DaS Schöffengericht verurteilte den Bäckermeister wegen der mehrfachen Straffälle zu einer Geldstrafe von 20 M. und führte im Urteil auS, daß der Gewerbetreibende, welcher ein Schulkind be- schäftiqe, unter allen Umständen darauf achten müsse, daß das Schulkind nicht durch die Beschäftigung vom Schulunterricht ab- gehalten werde. Wegen thätlicher Beleidigung hat die Bcrufungskammer in Essen den G e m e i n d e v o r st e h e r K o k a u s in Horst bei Steele zu 200 M. Geldstrafe verurteilt. Er hatte eine 19jährige Bergmannsfrau, die die Unfallrente bei ihm abholen wollte, un« sittlich angegriffen. Nachdem der liebenswürdige Mann sich ver- geblich bemüht hatte, die Beleidigte durch Geldgeschenke zum Schweigen zu bringen, versuchte er später vor Gericht den guten Ruf der Frau anzutasten. Auch dies Manöver wurde durchschaut. Die Strafkammer bestätigte da» vom Schöffengericht ausgesprochene Urteil. Der Bankier Arendt in Berlin und mit ihm die Aufsichts- räte und Direktoren des Braunkohlen-Bergwerkes„Martha" standen in Leipzig vor Gericht. In mehrtägiger Verhandlung hatten sie sich, deS Betruges und der Unterschlagung angeklagt, zu verantivorten Die Angeklagten Arendt, Körte' uiid Dr. Bahn wurden kosten- los freigesprochen. Polizeidireklor a. D. v. Stnttcrhcim wurde wegen einfachen Bankrotts zn drei Tagen Gefängnis, Erpff wegen cinsachen Bankrotts und Untreue zu sechs Wochen Gefängnis und 200 M. Geldstrafe, Hilbig wegen Untreue zu drei Wochen Gefängnis und 200 M. Geldstrafe, Heilmann wegen einfachen Bankrotts zu fünf Tagen Gefängnis verurteilt. Der Gerichtshof hat als erwiesen erachtet, daß von Stutterheim die unordentliche Buchführung verschuldet und es unterlassen hat, die Eröffnungs- bilanz zu ziehen, ebenso die andern Bestraften, bei denen teils noch Untreue dazukam. Dr. Bahn ist freigesprochen worden, da derselbe nachgewiesen hat. daß er infolge Krankheit ver- hindert war, sich um die Buchfühnuig zu bekümmern. Be- züglich des Körte hat der Gerichtshof nicht die Ueberzeugung geivonnen, daß dieser sich der strafbaren Handlung bewußt ivar. Was die Untreue betreffs Bahn und Arendt anlangt, so ist der Gerichtshof der Meinung, daß die Grube„Martha" ein verfehltes Unternehmen war. Der Gerichtshof hat aber zn Gunsten der An- geklagten aiigenommei!, daß sie sich im guten Glauben befunden haben. Eine Verurteilung in der Wechselangelegenheit konnte»ur eintreten, wenn durch Einbehaltung der Wechsel der Grube„Martha" eine Wechselschuld envachsen wäre, es sind aber nur die Forderungen des Arendt an die Grube„Martha" mit den Wechseln gedeckt worden. Vvvmifltzkes« Ein bedeutender Urnenfund wurde vor kurzem unweit Frey« stadt auf Nieder-SiegerSdorfer Terrain gemacht. Auf dem Felde stieß man beim Pflügen plötzlich auf Urnen, welche sich in reicher Anzahl vorfanden. Etwa 40 Stück derselben wurden zu Tage ge- fördert; sie haben verschiedene Größen, runde Formen und dunkle Farbe; Verzierungen befinden sich nicht daran. Einige sind ganz flach, tellerartig. In mehreren Urnen wurden Knochenreste vor- gefunden. Es'liegt die Vermutung nahe, daß sich das llnienlager noch weiter ausdehnt. Ungliicksbotschaftcn von der Ostsee. Die„Königsb. Allg. Zeitung" meldet aus Postnicken: Bei der Sturmflut am 5. d. Mts. ist in Conradsvitte ein Haus eingestürzt. Drei Personen sind bei der Bergung von Sachen und Haustieren ertrunken, auch ist viel Vieh umgekommen.— Braudkatastrophen. In Santa Maria d e Ni e v a, einer Stadt der spanischen Provinz Segovia, ist eine Feuersbrunst auS- gebrochen. Das alte Dominikanerkloster, Ivo das Stadtarchiv, daS Landgericht, das Friedensgericht. das Gefängnis und die Gemeinde- schnlc untergebracht waren, ist gänzlich niedergebrannt. Gerettet ivurde bloß daS Archiv, das eines der wichtigsten in Spanien ist. Fünf Stunden im Umkreis wurden die Flammen gesehen. Ter Schaden beträgt Millionen.— In S o n d a l o (in Veltlin) sind siebzehn Häuser abgebrannt und zwanzig Familien obdachlos. Der Schaden beträgt 150 000 Franken. Weiter wütet im Misorcrtale(Granbnndten) seit fünf Tagen ein furchtbarer Wald- b r a» d, bereits sind sechs Ouadrat-Kilomcter zerstört. Die ge- samten Thalbewohncr arbeiteten bisher vergebens an der Eindäinmung des Feuers. Schiffs«» glück. Bei Lübtow ztvischen Lcba und Nixhöst ist der schwedische Dampfer„Maria" gestrandet und total wrack geworden Die ganze Besatzung ist leider ertrunken. Südrussische Bettler. Kürzlich berichteten wir über siidrussische Bettler, die Kinder ihren Eltern wegstehlen und mit ihrer Hilfe ein schändliches Gewerbe treiben. Wie russische Blätter berichten, suchen diese vorgeblich Armen aber auch auf andere Weise zu ihrem Ziel zu gelangen. Besonders in Charkow und in anderen südrussischen Provinzialstüdten leben viele Fannlicn nur davon, daß sie ihre Kinder als Bettler vermieten. Die Zahlung pro Kind beträgt monatlich 2 Rubel(zirka 4V2 Mark) und mehr. Mit Vorliebe werden solche Kinder gemietet, die irgend ein physisches Gebrechen haben, »amcntlich Blinde. Hunger, Kälte und barbarische Behandlung sind das Los dieser bedauernswerten Geschöpfe, die von frühester Jugend an zu professionellen Bettlern erzogen Ivcrden. Die„reichen" Bettler erlauben sicki den Luxus, zivei Kinder zu„mieten", von denen das eine auf dem Arm getragen, das andere an der Hand geführt wird. Kein Vorübergehender verschließt sein Herz beim Anblick dieser hohläugigen Wesen, die ihren Quälgeistern mindestens zivei Rubel täglich einbringen sollen.— M arktpreise von Berlin am v. Dezember I8VN nach Erinitteliiiiaeii des tgl. Polizeipräsidünns. )Me!ze» D-Ctr. »Monge» Fmier-iLasle« Hafer gut„ „»i Ittel„ „ genug„ Nichtstroh„ fielt «Ertfcn„ i)Speisebohiien. •Hl'infeit. Kartofsel», neue Rindsleisch, Keule 1 bg do. Bauch„ ♦) Enuittclt pro 1kg 60 Stück 1 kg 1,60 I. 1,80 2,80 6,- 2,20 2,80 2,50 1,80 1,60 2,80 1,20 12,- 1,10 1,- I,— 2,— 3,— 1,20 1,40 1.- 1- 0,80 1,40 0,80 3.- 14,80 14,— Schweinefleisch 14,70 13,70 Kalbfleisch 14,— 13,— Hamuielfleisch 15,- 14,30 Butter 14,20 13,50 Eier 13,40 12.80 Karpfen 4,16 3,50 Aale 7,20 4,40 Zand», 40,— 25,— Hechte, 45,— 25,— Barsche„ 70,— 30,— Schlei«, 7_ 5_ 33lcle 1,60 1,20 Krebse per Schock 1,20 1,- Touue von der Cculralflelle der Preith, Landwirt« schaftSlauiuieru— Noticruugsstelle— und umgerechnet vom Polijeipräsidüini f iir den Toppel-Centuer, f) Kleinhandelspreise, Produtten»larkt vom 7, Dezember. Die von den nordameri- konischen Getreidebörsen eiiigelanseuen inatteren Berichte halten eine leichte Abschwächung am hiesigen Frllhinartte nach sich gezogen, die jedoch nur vor- übergehender Natur war. Mittags verkehrte Brotgetreide in fester Haltiing auf strengeres Froflwetter und da die russischen Rogzenofferten neuerdings wieder unrentabel sind. Weizen schloß ungcfäbr wie gestern, da der Ware- bedarf gering ist; Roggen, für welchen sich aus Sachsen Nachfrage zeigte, war etwas höher gehalten. Bczahtt wurden, soweit zu ermittel», Weizen für Frühjahrs-Licserungen mit 151 M., Roggen mit 143 M. Hafer lag zurückhaltend, Rüböl sehr still. Spiritus wurde sehr wenig gehandelt. Loco 70er mit 47,70 M. (-0,20M)__ Briefkasten der Redakkimr. Die juristische-Sprechstunde findet Montag, Dienstag«ud Freitag vo» 6—8 Uhr abends statt. I. E. Krupp gehörte dem Reichstag 1803—98 an, nicht aber dem jetzigen Reichstag. Sicht. Wahrscheinlich in der königlichen Bibliothek: Marx bort Sc- stimmt. Außerdem Friedrich Engels, Lassalle usw. Näheres in unserer Buwbandlung. W. R.. Charlottenburg. DaS ist daS Hauptziel der gesamten bürgerlichen Frauenbewegung. vittlerungSübersicht vom 7. Dezember 1809, morgens 8 Uhr. Stationen Swineiiide Haniburg Berttii Wiesbaden München Wien £ 8 s e Pc »c B£ Z'? W-tter aK iil Wi 702 N 763 O 762 NRW 758 O 758, W 758 N 5 wolkig 2 heiter 3heiter 2>RegiN 2!Schnce 1, bedeckt -0 -1 -2 2 0 -0 Stationen öaparanda Petersburg Cork Aberdeen Paris Z- W-tter 770 Still 752 W 758'SO 7553 »3 d» c ä «T. wolkig 3 Regen «bedeckt 2�Regen -9 Weiter. Prognose für Freitag, den 8. Dezember 1899. Zlemlich kalt, vielfach heiter, zeitweise wolkig bei frischen Winden; keine oder unerhebliche Niederschläge. Berliner Wetterb urea». Berontwortlichcr Redactenr: Pank John in Berlin. Für den Inseratenteil verantwortlich: Dh. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin.