Ur. 388. AbmmemeMs- Kedtngungrn: Abonnements»Prei« pränumerando: vierteljährl. Z.ZV Mb, monatl. l.lvMl., wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. SonniagS» Nummer mit illuNrierier Sonntags- Beilage„Die Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: SL0 Wart pro Quartal. Eingetragen in der Post- Zettungs» Preisliste für lSSS unter Nr. 7820. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich< Ungarn 2 Marl, für da» übrige Ausland s Marl pro Mona». Erschewi käglich außer ZPonlag«. Vevlinev VolKsvlÄtt. 16» Jahrg. Die Inftrtions- Gebühr beträgt für die fechSgefpaltene Kolonel. zetle oder deren Raum 40 Pfg., für politische und gewerlfchaftliche Vereins- und VerfammlungS- Anzeigen 20 Pfg. „Kleine Anzeigen" jedes Wort 5 Pfg. (nur das erste Wort fett>. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 4 Uhr nachmittag» tn derExpedirlon abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen- tagen bt» 7 Uhr abend», an Sonn- und Festtagen bt» 8 Uhr vormittags geöffnet. Fernsprecher: Ami l, Nr. 1508. Delegramm-Adrefse: „Sorialdemokrai Verlin" Centrawrgcrn der focialdemokrattschen Martei Deutschlands. Kedaktivn: SW. 19. Veuth-Strafze 2. Die Scheucher. Der.Vorwärts" hat sich den Unwillen aller bewährten Patrioten zugezogen, seitdem er einige, für die uferlosen Flottenpläne agitierenden Professoren die„wissenschaftliche Leibgarde Schwein- burgs" genannt hat. Wie könne man, so schreien die sittlich Eni- rüsteten, untadelhafte Ehrenmänner in einem Atem mit ciitcm Individuum nennen, von dem die ganze anständige Presse aus- nahmslos immer weiter abrücke! Da die sittliche Entrüstung für die bürgerliche Heuchelei ein Konsumartikel ist, dessen sie jeden Tag bedarf, so sind wir nicht so unbillig, ihr den Hächsel zu verkürzen, den sie sich auf unsere Kosten schneidet. Mag sie sich also über uns entrüsten, so viel sie will I Was ihr aber nicht ungestraft hingehen darf, das ist der politische Humbug, der dabei auf Kosten der Steuerzahler getrieben werden soll, und da es in der deutschen Spießbürgcrwelt nur allzu viele derer giebt, die nicht alle werden, mit einigem Erfolge getrieben werden kann. U nsere Leser werden Gustav Freytags Roman„Soll und Haben" kennen, den in seiner Art ganz netten Musterroman des bürgerlichen Schachers. Darin trachtet der Wucherer Ehrenthal nach dem Gute des Freiherrn v. Rothsattcl. Um den geldbedürstigen Freiherrn zu kirren, erscheint bei ihm zuerst ein Wucherer untersten Kalibers, ein gewisser PinkuS, der Inhaber einer Diebeshöhle und Schnaps spclunke, der dem Opfer allerlei halsabschnciderische Vorschläge macht. Der Freiherr zieht nun bei Ehrenthal nähere Erkundigungen ein und erhält die dringendsten Warnungen: Pinkus ist ein kleiner Mann. ein schlechter Mann; nehmen Sie einen soliden Geschäftsmann, Herr Baron, wie mich. Der Freiherr fällt zu seinem Schaden darauf hinein, wenn auch nicht zum Gewinn Ehrenthals. Denn wie dieser über Pinkus, so steht über ihm der Wucherer Jtzig, der dem Frei Herrn wirklich den Hals abschneidet und seinem Werkzeuge Ehren- thal die ehrenvolle Erwähnung widmet: Es ist ein gcogcs, ein wichtiges Geschäft, wo der Ehrenthal macht den Scheucher I Man braucht diese Romanfabel nur aus dem Privaten ins Politische zu übersetzen, und man steht mitten in der gcgenivärtigen Agitation für die uferlosen Flottenpläne. Pinkus-Schivcinburg hat in seiner dinnmpfifsigen Schnapsspelunken- Manier das Geheimnis verraten, ivie und zu ivclchen Zivecken der Freiherr v. Rothsattcl, will sagen der Steuerzahler, über den Löffel barbiert werde» soll. Nun arbeiten die Scheucher Ehrenthal-Wagner und wie sie sonst heihen, lauter Männer in weihen Westen und mit untadelhaftcn Börsenpapieren; sie schreien in ihren Flottenvorträgen: Pinkus ist ein kleiner Mann, ei» schlechter Mann; hört nicht auf ihn, sondern ans uns, die Ver trctcr der.deutschen Wissenschaft", die ench sagen können, wo Barchel den Most holt. Und ohne sonst in die Geheimnisse des Kastanien Wäldchens eingeweiht zu sein, so sehen wir doch, wie sich Jtzig-Miquel vergnügt die Hände reibt: Es ist ein grohes, ein wichtiges Geschäft, wo die«deutsche Wissenschaft" macht den Scheucher! Aber das ge- scheuchte Huhn kann sich heilig darauf verlassen: Lägt es sich fangen, so wird es genau so geschlachtet werden, wie Pinkus-Schwcijiburg in seiner läppisch-schlauen Manier verraten hat. Mit andern Worten: Die profcssorale Hetze gegen Schweinburg ist ein politischer Humbug der allergröbstcn Art, der den Steuerzahlern nicht laut genug denunziert ivcrdeu kann. Wir zweifeln durchaus nicht daran, daß die Herren Wagner und Genossen sich in gutem Glauben über Schweinburg erhaben dünken, und wir bestreiten nicht einmal, dah ihre bürgerliche Ehrbarkeit dazu alles Recht hat. Aber man gebe doch endlich einmal den kläglichen Philisterstaudpunkt auf, der in der Politik an weihe Westen und an Profcfforen-Titel glaubt i Pinkns-Schweinbnrg weih, was die grohe Industrie will; er weih. was Herr Miguel will; er weih vemmtlich auch, was noch andere Leute wollen, und er hat aus seinen» Herzen keine Mördergrube gemacht, ivas ihm alle Steuerzahler danken sollten. Nun kommen die flottenschwärmenden Professoren, die, nach ihrer eigenen Angabe von reiner Begeisterung getrieben, weder wissen, was die grohe Industrie will, noch was Herr Miguel will, noch was andere Leute wollen, aber gleichwohl mit aller Kraft ihrer Lungen das von Pinkus-Schiveinburg angezündete Lichtlein ausblasen möchten. Man begreift, dah dieser Treffliche sich nach einigem scheinbaren Wider« stände mit vergnügtem Schmunzeln in den Hintergrund zurückgezogen hat, vor einem heldenhaften Anstürme, der ihm und seinen Hinter- männcrn so trefflich in die Hände spielt. Moral hin und Moral her! Wir bezeugen allen flotten- schwärmenden Professoren mit Vergnügen, dah wir sie für gänzlich unfähig halte»», silberne Löffel zu stehlen, oder solche Trinkgelder anzunehmen,»vie die sind, die Pinkus-Schiveinburg aufscheffelt. Wir würden sie sogar dadurch zu beleidigen glauben, dah»vir diese Meinung überhaupt erst aussprächen, iveiin sie nur selbst nicht bei jcdein noch so gerechtfertigten Angriff auf ihre reaktionären Onertreibereien sich als die persönlich beleidigten Ehren- »nänner anfznspiclen beliebten. Sie mögen Philosophen des llnbewiihten sein, indein sie in der Flottenagitation die Rolle der Scheucher übernommen haben, aber deshalb dürfen die Steuerzahler nicht zu Opfern dieser Rolle lverden. Der Beruf der Professoren ist geivih ein so ehreniverter Beruf,»vie jeder andere bürgerliche Beruf auch, aber er unterscheidet sich von anderen Berufen zu seinem Nachteil darin, dah er n»it einer erstaunlichen politischen Kurz- sichtigkeit geschlagen ist und die dreiste Anmahnng besitzt, diese Knrzsichtigkeit als„Wissenschaft" oder gar als„deutsche Wissenschaft" aufzuspielen. Man nenne uns irgend einen noch so infamen Streich, den die Reaktion in diesem Jahrhundert vollführt hat— früherer Jahrhunderte ganz zu geschweige»»—. und»vir machen uns mit Vergnügen aitheischig, mindestens ein Dutzend und gcivöhulich ein Hundert Professoren beizubringen, die diesen Streich im Namen der„Wissenschaft" gesegnet haben. Gerade das hohle Gespenst der Uebervölkerung, da? gegenwärtig von den Profefforen für die ufer- losen Flottenpläne ins Gefecht geführt»vird, ist schon in der ersten Hälfte des Jahrhunderts unzählige Male gemihbraucht worden, um die armen Klassen der Bevölkerung auszubeuten, zu mihhandeln und zu unterdrücken. Aber weshalb in die Vergangenheit schlveifen? Das Gute oder in diesem Falle Lehrreiche liegt ja so nahe in der Gegenwart. Sehen >v»r uiis doch die Häupter der professoralen Flottcnschwärmerei ein wenig näher an I Da ist Herr Adolf Wagner, der in den Tagen des Socialistengesetzes Arn» in Arm mit dem Hofprediger Stöcker die Inden- und Socialistenjagd betrieb und daneben mit Bismarcks fiskalischem Tabaksinonopol als n»it dem„Patrimonium der Eni erbten" hausierte. Da ist Herr Gustav Schinoller, der, als das Socialistengesetz schon mitten in seinem moralischen und politischen Bankrott war, ihm noch einmal aufhelfen wollte durch den menschen frenndlichen Vorschlag, die socialdemokratischen„Führer" in die afrikanischen Fieberkolonien zu verbannen. Da ist Herr Hans Delbrück, einer der drei RcichstagS-Abgeordnetcn, die für Bismarcks Schnapsmonopol stimmten, das dem deutschen Volke in einer sogar für die preuhischon Junker unannehmbaren Weise die Haut über die Ohren ziehen Ivollte. Noch sind nicht zehn Jahre verflossen, seitdem sich diese Herren in einem so extrem- reaktionären Treiben gefiele»», und heute dürfen sie sich in dein Flottenrinnmel als die Führer der Nation aufspielen und im Namen der„Wissenschaft" einen kolossalen Beutezug auf die Taschen deö Volkes segnen. Ihnen ist daraus gelvifi kein Vorwurf zu machen; sie sind dieselben, die sie vor zehn Jahren»varen, und we»»»» ihre Flottenagitation gelingt, wird Herr Wagner sein Tabaks-, wie Herr Delbrück sein Schnaps- Monopol haben; das ist ja alles ganz richtig. Wundern muff nian sich nur, daß der Geduldsfaden des deutschen Michels so gar kein Ende zu haben scheint. Die Arbeiter freilich haben den gebührenden Respekt vor den Geschenken, die ihnen diese Danaer bringen. Mit dem Tabaks- und dem Schnapsmonopol eine Flotte erbauen, die neue Ficbcrnestcr„er- obert", wo den Vorkämpfern der Arbeiterbeivegung je nach Uniständen ein noch schnellerer Tod blühen kann, als in Kamerun und Togo: dieses Ideal Wagner-Schinoller-Delbrückscher Politik könnte ihnen gerade passen. Und bei aller schuldigen Hochachtung vor den Trägern der patentierten Wissenschaft werden sie sich nicht von dem professoralen Geträtsche verführen lassen, durch das sie von den aufrichtigen, wenn auch abschreckenden Bekenntnissen des ehrlichen, wenn auch un- sauberen»nährischen Seemanns Schtveinbnrg anS fiskalische Messer gescheucht werden sollen. UvbovNM. Berlin, den 3. Dezember. Dankenswerte Offenheit. In der Rede, die Bebel Dienstag im zlvciten Berliner Wahlverein gehalten hat. findet die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung", daß unser Genosse niit dankenstvertcr Offenheit die nächsten Zielpunkte der socialistischen Bewegung skizziert habe und damit die vorläufigen Etappen verraten habe, deren baldige Erreichung die Socialdemokratie von einer weiteren Stärkung ihrer politischen Machtnuttel erwartet. Wenn das Erstaunen der„Norddeutschen" über die Bebelscheu Ausführungen echt ist, so würde es beweisen, daß der Eigentümer dieses offiziösen Erstaunens niemals in seinen» Leben das Programm der focialdeinokratischen Partei zu Gesicht bekoinmcn hat. Sonst würde er sich doch über die einfache Er- läuterung des Programms nicht wie über eine ganz neue, unerhörte Enthüllung»vundern. Interessant aber ist es, daß die„Norddeutsche", eiltgegen der Ansicht Bebels, ganz genau wissen will, daß sich eine solche Revolutionierung nicinals auf friedlichem Wege voll- ziehen könne. Da wir diesen Weg wünschen und erstreben, so giebt die„Norddeutsche"»vieder einmal mit dankens- werter Offenheit die Anschauung ihrer Klasse wieder, die jeder friedlichen Neuordnung der Gesellschaft sich mit brutaler Gewalt widersetzen werde. An sich ist natürlich auch eine Expropriation auf friedlichem Wege denkbar, wie eben erst Podbiclski und der Reichstag gelehrt hat. Die herrschende Klasse aber will, so verkündet die„Norddeutsche", keinen gesetzlich-friedlichcn Weg. Sie, und nur sie, will den Umsturz. Das ist in der That eine dankenswerte Offenheit, obwohl sie uns nicht überrascht, da die Socialdemokratie mit diesen Begierden ihrer Gegner seit Anfang an gerechnet hat.— FlottenschwiirmendeS Unternehmertum. ES wird»ms geschrieben: Ein im Marine« Etat für 19lX) noch Ivcnig beachteter Umstand ist die Thatsache. daß beim Vergleich der Kostenanschläge für die nach Maßgabe des vorjährigen Flottengesetzes die Aiischlagssumme ür Linienschiffe sich von 14 250 000 M. auf 16 650 000 M., für große Kreuzer von 11600 000 auf 13 900 000 M., für kleine Kreuzer von 3 350 000 auf 3 940 000 M. nach den Verdinguiigsergebiiissen ich erhöht. Diese beträchtliche Erhöhung der Schiffskosten ist fast nnsschlietz- lich in der außerordentlichen Steigerung der Matcrialpreise,»vomit die Werften ihre Mehrforderung begründen, zu suchen. Die gewaltige Preissteigerung der letzten Jahre in der Eisen- und Metallindustrie wirft also den in Frage kommenden Industriellen — in erster Linie der Montan-, in ztveiter Linie der KohleninSnstrie — bei einem einzigen Schiffe die extra„verdiente" Summe von 2 400 000 M. resp. 2 300 000 M. resp. 590 000 M. usw. in den Expedition: SM. 19. Veuth-Skeafze 3. Schoß. Der Flottenpatriotismus dieser Herren Industriellen ist also ein sehr, sehr einträgliches Geschäft geivorden und man versteht es. weshalb in erster Linie die Eisen- und Kohlenbarone mit»varmen Herzen der Flottenvermehrung das Wort reden. Und nicht nur diese rheinisch-westfälischen oder schlesischen Schlotjunker ziehen ihren Nutzen, auch die großen Maschinenfabriken, die elektrische Industrie und nicht zu vergessen die Wcrftbesitzer selber, sie alle haben ihren Anteil an diesen Mehrkosten der deutschen Kriegsschiffe. Gewiß wird man auch die„hohen" und gegen daS Vorjahr „erhöhten" Löhne der Arbeiter mit ins Feld führen»vollen. Mit wie»venig Ursache dieses möglich wäre, zeigen die von den Unternehmern selbst in ihre» Berufsgenossenschaften angegebenen Durchschnittslöhne. Dieselben beliefen sich für 1898 in der Süd-Westdeutschen Eiscn-Berufsgenosseuschaft... auf 944 M. Schlesischen Eisen- und Stahl-Bcrufsgenosscnschaft.. 763. Nordöstlichen„„ ,,„.„ 948. Nordlvestlichen„„„„.„ 933„ Sächs. Thür.„„„„.. 1000„ Rhciuisch-Westf. Hütten- u. Walzlvcrk-... 1158„ Süddeutschen Eisen- und Stahl-„.„ 909„ Da die Löhne über 4 M. mit nur einem Drittel in Anrechnung' gebracht sind, mögen sich in Wirklichkeit die Zahlen»och um ein Minimales höher stellen, das ändert jedoch nichts an der Thaffache, daß die Löhne in den letzten Jahren nur um je etlva IVs Proz. sich gebessert habe»». Dieser Lohnsteigcruug steht also eine Steigerung der Schiffskostcn um ca. 11�/4 Proz. gegenüber. Man sieht also, die deutschen Industriellen verstehe» es meisterhaft, das sich ihnen ge- boteue Ausbeutuugsfeld nach allen Regeln der Kunst abzubauen. So vereinigen sich glühender Patriotismus und»varme Fürsorge für den eigenen Geldbeutel. «« Deutsches Weich. Die Rechtfertigung Hohenlohes gegen den Vorivurf, daß er, beleidigend für Preußen, sein dem Reichstag verpfändetes Wort gchallen habe, u»iteruimmt— Schlvesii- bürg in den„Berliner Politischei» Nachricliten". Er versichert, Hohenlohe habe die Erklärung nicht nur als Reichskanzler, sondern auch als preußischer Ministerpräsident abgegeben. Man müsse erkennen, daß es sich bei der Erledigung der au sich praktisch»venig bedeutenden Streitfrage im Sinne der Erklärung des Fürsten Rcichskauzlers vom 6. d. M. um nichts anderes handelt, als uin die Wahrung lvichtiger Rücksichten der Reichspolitik, durch Ivclche die preußischen Interessen weder in dem eine»», noch in dem anderen Sinne berührt»Verden, daß daher nicht der mindeste Anlaß dazu vorliegt, den Herr» Reichskanzler persönlich anzugreifen oder von inneren Streitigkeiten zivischcn den Regierungen im Reiche zu reden." Dagegen sucht die„ K r e u z- Z e i tu ng" andauernd die hei- ligsteu Güter Preußens zu»vahrci». Die preußische Staatsregierung habe„die Ncichsgcsetzgebnng benutzt, um ohne Mitivirkuirg des preußischen Landtages eine landesgesetzliche Vorschrift zu vescitigcn, deren unbedingte Beseitigung jedenfalls ihr selbst vor zlvei Jahren bedenklich erschienen ist und auch jetzt vom Hcrrcnhause möglicherlveise nicht genehmigt»Verden würde." Ein solches Verfahre»! bedeute einen einpfindlichen Mangel an Rücksicht gegen das— Herrenhaus und zugleich einen geivaltigcn Erfolg der Demokratie. Die.Kreüz-Zeitung" richtet dann die schneidige Frage an die Regierung: „ob aus der Erklärung des Reichskanzlers zu ci»tnehme>i ist, daß die Regierung auf die Bekämpfung der Ausivüchse, die in unseren» Vereins- und Vcrsammlungsivescu in immer»vider- »värtigereu, Maße zu Tage getreten sind, endgültig verzichtet hat. Wir sind nicht vcrziveifelt geirug, um das anzunehmen, sondern hoffen, daß auch jetzt noch die Regierung entschlossen ist, den Umsturz mit aller Macht z>! bekämpfen. Daß sie hierbei auf die Hilfe des Reichs- tagcs nicht rechnen kann, ist»vohl ohne»veitcrcs klar. Sie»vird es deshalb nochinals mit der Landcsgesetzgcbung versuchen müssen." Diese scharfen Angriffe der konservativen Presse gegen die Regienmg erklären sich daraus, daß man erfahren hat, der Kanal- plan sei' keinesivegs aufgegeben. Darum»nacht man scharf gegen den für solche Fälle immer>viNko»»menen Umsturz, um den Zorn von den Kaualrebellen abzillenken. Die Könservalivcn sind deshalb in einer besonders fatalen Lage, »vcil das nciie Steckenpferd der Regierung, die Flotte, für die Ab- sichten des Jui»kertums»venig geeigiiet ist. Ein Flottenkonflikt bringt den Agrariern keine günstige Wahlparole, da die Landbevölkerung durchweg flottenfeindlich ist. Ihr sind die Kähne ebenso znividcr »vie der Kanal. Deshalb muß der Umsturz aushelfen.— Preußen gegen Deutschland. Die neueste Botschaft des amerikanischen Präsidentei» hat in der deutschen Presse bei»vcitem nicht die Bcachtnng gefunden, die sie verdici»t. Nament- lich die konservative Presse befleißigt sich einer außerordcnt- kicken Zurückhaltting, was umso auffälliger ist, als sie sonst jede Gelegenheit ergreift, um an den Vereinigten Staaten ihr Mütchen zu kühlen und Material zur Eni- züudnng eines Zollkrieges zusammenzutragen. Diese auf- fällige Zurückhaltung erklärt sich aus dein Passus der Bolschaft, der sich sehr scharf gegen die von de» Konservative», befolgte Wirtschasts- Politik richtet. Die Botschaft betont nämlich in warmen Worten die guten Beziehungen der großen tra»satlai»tischen Regierung zu dem Deutschen Reich, spricht aber zu gleicher Zeit Bedauern aus, daß„einige deutsche Regierungen" der Einfuhr amerikanischer„zu menschlicher Nahrung dienender Erzeugnisse" Hindernisse in den Weg legen. „Einige deutsche Regierungen' ist eine euphemistische Umschreibung für Preußen, denn»venu auch„einige" andere„deutsche Ne- gicrnngen" sich an den, Feldzuge gegen den Magen des deutschen Volkes beteiligt haben, so ist dies doch unter dem Drucke von Preußen geschehen. Und Preußen, d. h. die preußische Regierung»viedenim, sie hat auch unter Druck gehandelt— und zlvar unter dein Druck der preußischen Junker, die ihren persönlichen Einfluß am Hofe und ihre politische Macht ausnützen, um sich durch künstliche Ver- teuer un g des Brotes und Fleisches die Taschen auf Kosten der arbeitenden Klassen zu füllen. Wir haben schon oft darauf hingewiesen, daß die unersättliche Habgier der preußischen Junker unsere Beziehungen zu dem Auslande trübt, ja gefährder. Die Botschaft de» Präsideuten bestätigt auf das eklatanteste die Richtigkeit unserer Ansicht. Und wenn die Mitteilung eines hiesigen Blattes begründet ist, daß der Staatssekretär des Aeußern, Herr v. Bülow, dem Präsidenten Mac Kinlcy gegenüber seine Freude über den freundlichen Ton der Botschaft und zugleich die Hoffnung auSgedrlllkt habe, daß die Reciprocitäts-Berhandlungen zwischen beiden Staaten„beiderseits in freundschaftlichem Geist zu einem guten Ende geführt werden mögen", dann können wir uns auf eine konservativ-agrarische Hätz gegen Bülow gefaßt machen, die alle bisherigen Bülow-Hctzen in Schatten stellt.— Nachdrücklich und maßvoll. Reckes Nachfolger, der Minister des Innern, Frhr. v. Nheinbaben, hat den ihm angebotenen Ehreuvorsitz des Bergischen Vereins für Gemeinwohl mit folgendem Schreibebrief angenommen: „Mit herzlicher Freude und aufrichtigem Danke nehme ich den Ehreuvorsitz an. Wie mich dies Amt an gemeinsame Arbeit in vergangenen schönen Zeiten erinnert, so bindet es zugleich ein neues Band in dem Bestreben, unter nachdrücklicher Abwehr aller auf den Umsturz unserer Staats- und Gesellschafts- ordnung gerichteten Agitationen einer maßvollen Social- Politik mit besonderer Berücksichtigung der minder bemittelten Klassen zu dienen." Daß die Socialpolitik RheinbabenS maßvoll, sehr maßvoll sein wird, glauben wir ohne weiteres. Dagegen wissen wir, daß die Abwehr des„Umsturzes", so nachdrücklich sie geplant sein mag, er- gcbnislos bleiben muß. Jedenfalls sehen wir, daß wir dem Herni v. d. Recke nicht nachzutrauern brauchen. Er hat vollen Ersatz ge- funden.— Die Prügelstrafe gegen Landräte soll der„Vorwärts" empfohlen haben durch die gestrige Notiz über die Prügelsehnsucht der„Deutschen Tageszeitung" und den Hinweis auf den chinesischen Brauch, unbotmäßige Beamte mit Stockprügeln zum Gehorsam zurück- zuführen. Die„Kreuz» Zeitung" bemerkt dazu mit einer ehrbaren Dummheit, die fast rührend wirkt: „Damifl beweist das Blatt wieder einmal, daß es nicht im stände ist, eine wirklich unabhängige und charaktervolle Gesinnung selbst„abhängiger" Beamten zu begreifen, geschweige denn zu ivürdigen, und man wird wisse», was man fernerhin von seinen fortwährenden Tiraden über die charakterfesten socialdemokratischen Manncsseelen zu halten hat. Mit solchen Auslassungen stellt sich der„Vorwärts" auf die Bildungs- und Gestunungsstufe der niedrigsten freisinnigen Preffe." Man möchte wirklich manchmal wünschen. eS gäbe so etwas wie einen Befähigungsnachweis für Redacteure. Damit der„Kreuz-Zeitu»gs"-Mnnn aber von seinem geistigen Ohnmachtsaufall sich erholen kann, erinnern wir ihn zur Heilung daran, daß kein Blatt sich schärfer gegen die verfassungswidrige Maßregelung ausgesprochen hat, als der—„Vorwärts".— Zum Rcyievungsprästdentcn in Brombcrg wurde der vor- tragende Rat im Laudwirtschaftsministerium und konservatives Mit- glied des preußischen Abgeordnetenhauses Conrad ernannt. Hoffentlich hat er doch brav für den Kanal gestimmt!— Flottcnbegcisternng von Polizei wegen. In B e e ck hat die Pol'zeiverwaltung I. A. Schreiber eine Bekanntmachung erlassen, in der sie zur Gründung einer Filiale des Schweinburgschen Flottenvereins mit folgenden Argumenten auffordert: „Der Deutsche Flottenvcrein verfolgt neben anderem den Zweck, das Verständnis und das Interesse des deutschen Volkes fiir die Bedeutung und die Aufgaben der Flotte zu wecken, zu stärken und zu pflegen und für die Augehörige» der deutschen Flotte da fürsorgend einzutreten, wo die Gesetzgebung imd die Verwaltung des Reiches eine ausreichende Fürsorge nicht gewähren können. Mitglied des Deutschen Flotten-Vereins kann jeder zu Kaiser und Reich stehende großjährige deutsche ReichSangehörige werden, welcher sich im Besitze der bürgerlichen Ehrenrechte befindet und dispositionsfähig ist. Im Interesse der echt patriotischen Sache darf ich wohl um ein recht zahlreiches Erscheinen bitten." Fehlt nur noch die Ankündigung zwangsweiser Vorführung und von Geldstrafen für die Widerstrebenden.— Noch ein Mittel gegen den Umsturz. Das neueste Heil- niittcl gegen die Socialdemokratie hat die„Konservative Kor- respondenz" erfunden; es besteht— man erschrecke nicht— in dem Schutz--- höherer Privat-Mädchenschulen: „Man schütze die tüchtigen, gut geleiteten höheren Privat- Mädchenschulen, denn Berlins beste Kreise bedürfen ihrer; unsere heutige Zeit braucht Stätten, wo der Entfaltung der individuellen Kraft der Weg geebnet wird, denn nur individuell ausgebildete, starke Persönlichkeiten können den Kampf führen gegen deii nivellierenden, alles einreißenden socialistischen Geist; zu diesem Kampf ist aber auch die deutsche Frau berufen, sei es in der Oeffentlichkeit, sei es in der Familie." Also ist es uns beschieden, an den höheren Töchterschulen und der höheren Tochter, auch deutsche Frau genannt, endgültig zu sterben, obwohl unsere Romandichter die verleumderische Neigung habeii, die höheren Töchter manchmal mit leidenschaftlicher Liebe zu socialdemokrattscheu Volksführerii auszustatten. Deshalb sind die richtige» Agrarier auch viel konsequenter und meinen, daß die deutsche Frau, damit sie sich nicht„überspannte Ideen" aneigne, überhaupt keiner höheren Bildung ausgesetzt werden dürfte. Jedenfalls wird uns nun nichts anderes übrig bleiben, als einen Verzwciflungskampf gegen jene Institute zu eröffnen. Bremen, 6. Dezember. lEig. Ber.) Die Bürgerschaft hatte heute über einen Millionenpump zu entscheiden, den der Norddeutsche Lloyd beim bremischen Staate anlegen will. Das Reichs-Marineamt hat mit dem Lloyd ein Abkommen getroffen, demzufolge ersteres auf das Mitbenutzungsrecht des großen' Trocken- docks in Bremerhaven verzichtet, wofür der Lloyd den seiner Zeit zum Dockbau bewilligten Reichszuschuß in Höhe von 1.7 Millionen Mark zurückzahlen soll. Der bremische Senat, des Lloyds allezeit getreuer Diener, beantragte nun, daß der bremische Staat dem Lloyd die Summe zahlen soll und zwar gegen 3Vs Proz. Zinsen und Abzahlung der Summe bis zum Ablauf der Dockpachtfrist. Gleichzeitig ivurde beantragt— alles dringlichst— die Pachtfrist, die sich auf 25 Jahre beläuft, um weitere IS Jahre zu verlängern. Gegen diese Vorlage wandten sich unsere Gcnoffen in der Bürgerschaft, weil sie eine schroffe Bevorteilung des Lloyd darstellt. der so wie so das Dockmonopol gegen eine für den Staat durchaus unvorteilhafte Verzinsung(SVi Proz.) in Händen hält. Genosse B l o m e beantragte die Zurückweisung der Seuatsvorlagc. Der Antrag wurde von den Liberalen einfach unter den Tisch geworfen. Genosse Blome beantragte weiterhin die Aussetzung der Beschlußfassung über die Vorlage des Senats, bis der Senat seine Vorlage durch eine Bestimmung ergänzt hat, durch welche die un- zureichende Verzinsung des vom'bremischen Staate zum Bau des Kaiserdocks aufgewandten Kapitals zu Gunsten der Staatsfinanzen erhöht lvird, sowie die Einsetzung einer Kommission, welche über die Erhöhung des vom Lloyd zu entrichtenden Zinssatzes zu beraten und Vorschläge zu machen hat. Auch diesen Antrag verwarfen die Liberalen, ohne ihn zur Debatte kommen zu lassen. Die Bürgerschaft nahm alsdann die Senatsvorlage an. Vor der Reederschaft des Lloyd kriechen die ge- samten bremischen Liberalen auf dem Bauch.— Aus Echwarzburg-Rudolstadt. Der Landtag nahm in erster Lesung das Lehrerbefoldungs-Gesetz an und zwar nicht in der seitens der Regierung eingebrachten Fassung, sondern nach den Beschlüssen des sRechtsausschuffes. Damit erst rückt Schwarz- burg-Rubolstadt eigentlich in die Reihe der„Kultur"staaten, da bis- her hier das AnfangSgehalt eines Gendarmen wohl 1200 M., da» AnfangSgehalt eines Lehrer» auf dem Lande aber 8Zv, im Provisorium nur 750 M. betrug I Jetzt beträgt daS Grund- geh alt in den beiden Residenzen 1200 M., in den übrigen Orten des LandeS 1000 M., dazu kommen Alterszulagen und Miets- entschädigimaen, die ebenfalls erhöht worden sind, so daß jetzt die Lage der Lehrer wenigstens etwas erträglicher ist. Dresden. 8. Dezember.(Landtag.) Die Zweite Kammer verhandelte über den Gesetzentwurf eines allgemeinen BaugesetzeS für das Königreich Sachsen. Es find zwar m dem Regierunasentwurf mehrere brauchbare Bestimmungen getroffen, die aber auch jetzt schon in zwei ministeriellen Verordnungen ent- halten waren. Das schlimme war nur, daß sie nie durchgeführt worden sind, weil die dazu nötige Baukontrolle fehlte. Nach dieser Richtung läßt aber auch der Entwurf so ziemlich alles beim alten. Wie bisher wird die Baukontrolle bezüglich der Arbeiter- schutzbestimmungen den Behörden und den Berufsgenossenschaften überlassen. Das einzige Reue ist, daß der Bauausführende zur Be« aufsichtigung einen„Beauftragten" aus der Mitte der Beteiligten — Polier ec.— zu eniennen hat. Das ist ein ganz und gar un- praktischer Weg, denn von einer strengen Beaufsichtigung wird um des lieben Friedens willen keine Rede sein.' Das wurde sogar von einem Ab- geordneten.derMaurermeisterist— Enke-Leipzig— offenzugcgeben.Selbft dieser Unternehmer verlangte nach schärferen, wirksameren Be- stimmungen und er gab ganz offen zu, daß die U n t e r n e h m e r leider vielfach ihre focralpolitischen Pflichten dem Arbeiter gegenüber nicht erfüllen: Minister v. M e tz s ch benutzte auch diese Gelegenheit, eine Rede gegen die Socialdemokratie loszulassen, obwohl doch der Bauarbeiter- schütz nur auf Drängen dieser Partei in die Wege geleitet worden ist. Abg. Frätzdorf schilderte an der Hand eines reichlichen Thatsachenmaterials die Mängel des Gesetzentwurfs, der schließlich einer Deputation überwiesen wurde.— Ii» badischen Landtag brachte die socialdemokratische Fraktion einen Gesetzentwurf ein, der sich mit der Acnderung des be- stehenden Wahlrechts befaßt. Auf Grund des allgemeinen, direkten Wahlrechts aller 21jährigen Staatsbürger soll die Volks- Vertretung gewählt werden. Die schon früher von der Mehrheit der Kammer nicht zurückgewiesene Einfühnnig des Proporzes wird zur Lösung der Wahlstreitfrage empfohlen; das Land soll nach der alten Kreiseintcilung in 4 Proporzdistrikte zerfallen. Die zur Ein- bringuug des Gesetzentwurfs benötigten 10 Unterschriften kamen zu stände, indem die demokratischen Abgeordneten Dr. Heimburger, Bleß und Hoffmann den socialdemokratischen Antrag unter- zeichneten.— Die Wahlrechtsanträge des CentrumS sowie die Denkschrift der Regierung in der Wahlrechtsfrage wurden einer ISgliedrigen Kommission überwiesen. Der Centrumsführer Wacker erklärte gestern in einer Ceutrums- Festversammlung, daß, falls die Negierung sich in der Wahl- r c ch t s f r a g e nicht nachgiebig zeige, daS Ccutrum sich auf das Recht der Bndgctverwcigcruug besinnen müsse. Noch vor wenigen Tagen hat Wacker erklärt, im Centrum denke niemand a» Budgetverweigerung. Die socialdemokratische Fraktion hat sich konstituiert. Vorsitzcuder ist Dreesbach, Schriftführer Geck. Zum Archivar wurde Kramer ernannt.— CentrumS-Flottcnschwärmer. AuS Baden wird un» ge- schrieben: Sie kommt, sie kommt, die große Flotte! Zunächst ist die neue Rheinhafenstadt Karlsruhe zu einer Regatta eingeladen, die der„verstärkte Ausschuß" der Ortsgruppe deS Alldeutschen Verbandes vorbereitet hat.„Alle deutschgrsinnten Einwohner unserer Landeshauptstadt"— darunter auch Frauen und Jungfrauen— sind zu einer Volksversammlung auf den 8. Dezember in die Fcsthalle eingeladen. ES kostet kein Eintrittsgeld; jeder Deutsche, „sei er Unternehmer oder Arbeiter, Katholik öder Protestant", die Angehörigen jeder Partei sind in der Einladung gebeten, in den Verein der„Flotte Burschen" einzutreten. Was an der Prokla- mation von symptomatischer Bedeutung ist: einige Karlsruher Ccutrnmsgrößen, darunter der Mitrcdacteur und Drucker des Landesorgans der badischen Centrumspartei, Heinrich Vogel, fitzen im Ausschuß und zeichnen mit ihren Namen. Wenn das beim Ccntrum schon möglich ist!— Die Klerikalen der bayrischen Abgeordnetenkammer haben— so schreibt man uns aus Elsaß-Lothringen— mit ihrer schwächlichen Stellungnahme zum socialdemokratischen Antrag, betreffend die Aufhebung der außerordentlichen Gewalten des Statt- Halters in Elsatz-Lothriugen, ihren Parteifreunden im Reichslande einen sehr schlechten Dienst erwiesen. Das ist aus der Art und Weise, wie die klerikale Presse unseres Landes über jene Sitzung der Münchener Kammer berichtet, deutlich herauszulesen. Kein Wunder I Beruht doch der weitgehende Einfluß. den die Klerisei hier zu Lande noch auf die Bevölkerung auszuüben vermag, in erster Linie ans ihrer unversöhnlichen Gegnerschaft gegen das herrschende Diktaturregiment. In aller Erinnerung ist noch der schwere Schlag, den die Regierung vor etwa 2Vs Jahren gegen die klerikale Landespartei geführt hat mit der anläßlich der Kaiser Wilhelm- Centenarfeier auf Grund der„außerordentlichen Gewalten" des Statthalters erfolgten Unterdrückung zweier ultra montaner Preßorgane. Wenn jetzt der bayrische Ministerpräsident. ohne bei den Münchener Parteifreunden der also Gcmaßregeltcn auf Widerspruch zu stoßen, die Behauptung aufstellen konnte, der Diktatur- Paragraph habe lediglich noch formelle oder theoretische Bedeutung; ivenn ferner die ultramontane Kammcrfraktion dieser mit den that- sächlichen Verhältnissen im schroffsten Widerspruch stehenden Auffassung des Ministers»och gar dadurch ihre Sanktion erteilt, daß sie den Antrag der Socialisten mit in den Papierkorb werfen hilft: so wird man das Mißbehagen und die Verlegenheit erklärlich finden, die sich dabei der Klerikalen Elsaß- Lothringens bemächtigt haben. Geradezu komisch muß es wirken, wenn das führende Preßorgan des rcichs- ländischen Klcrikalismus, der in Straßburg erscheinende„Elsäffer", den unangenehmen Eindruck des Verhaltens seiner Freunde in der Kammer dadurch abzuschwächen sucht, daß es die Ansicht äußert, die Behauptung des Ministerpräsidenten v. Crailsheim könne nur ironisch gemeint sein.— Das Schicksal des Antrages unserer Mnnchener Kammerfraktion hat hier zu Lande manchem die Augen geöffnet über die weite Kluft, welche die Worte der Klerikalen von ihren Thaten trennt.—_ AuS Ostpreußen. In der wirkungsvollsten Art wird bei u«S von den verschiedensten Seiten der socialdemokratischen Agitation der Boden bereitet. Und zlvar nicht nur bei den Landarbeitern. Die Lage der k I e i n e n F i s ch e r in Ostpreußen, welche auf dem Kurischen Haff ihrem mühsamen und gefährlichen Berus nachgehen, verschlechtert sich fortgesetzt. Die Fischerei auf dem Künsche» Haff gehört dem Staat, deshalb ist der weitaus größte Teil der Fischer nicht im Besitz einer eigenen Fischcreigerechtigkeit, sondern muß Pächter des Staates sein. Einigermaße» erträglich geht es den Fischern, die im Besitze eines eigene» Hauses und einiger Felder sind. Daneben giebt es aber viele Fischer, die zur Miete wohnen müsse» und deren ganzer Besitz in dem Boot und den Netzen besteht. Diese Leute leben in der kärglichsten Weise von der Hand in den Mund und leiden sofort Noi, wenn schlechtes Wetter sie daran hindert, auf den Fang zu gehe», wie es z. B. in den letzten Wochen der großen Stürme wegen der Fall war. In den letzten Jahren war in den Wintermonaten bei den kurischen Fischern die Not ein ständiger Gast. Das Eis hinderte oft die Ausfahrt mit dem Boot, war aber nicht so stark, daß eS mit Schlitten befahren werden konnte, um die Fischerei auszuüben. Früher ließ man die Fischerleute ziemlich ungestört ihrer Arbeit nachgehen. Jetzt hat sich das gründlich geändert. Es ist genau vor- geschrieben, auf tvelchem Gebiete die Fischer der einzelnen Orte fischen dürfen, ferner wird streng darauf gesehen, daß auf einem Pachtteil nur mit genau bestimmten Arten von Netzen und mit einer bestimmten Anzahl der Fang ausgeübt wird. Es yiebt wohl keinen Fischer, der die Vorschriften genau inne- hält. Die kleinen Fischer behaupten, daß es ihnen unmöglich ist, sich zu ernähren, wenn sie nicht mehr Netze ausstellen als ihnen erlaubt ist. Die Fischmeister sind aber eifrig auf dem Posten. Wenn dieselben finden, daß mehr Netze ausgestellt sind, wie erlaubt ist, werden die Netze, die zuviel sind, beschlagnahmt und den Fischer trifft eine Strafe. Da fast immer arme Teufel von den Strafen betroffen werden, wird dje Strafe selten bezahlt, sondern wird ab« gesessen. Nun hat die Regierung zu Königsberg, deren Ver- waltung das Kurische Haff unterstellt ist, durch Verfügung ange- ordnet, daß solche Pachtfischer, die wegen Fischereikontravention be- straft sind und die verhängte Strafe durch Haft verbüßt haben, llicht eher wieder zur Pachtfischerei zugelassen werde», bis sie die Kosten der Haftverbüßung bei der zuständigen Gerichtskasse hinterlegt haben. Durch diese Verfügung soll verhindert werden, daß bestrafte Fischer, wie eS bäufig vorgekommen ist, sich gänzlich oder wenigstens monatelang oer Verpflichtung zur Deckung dieser Kosten entziehen. Da die Leute in den ärmlichsten Verhältnissen leben, haben sie beim besten Willen nicht die Kosten bezahlen können. Die Verfügung der Regierung hat bei den Fischern außerordentliche Erregung hervorgerufen. Die Fischer lvaren bisher ein genügsames, frommes' Völkchen; bei den Wahlen hielten sie es für se'lbstverständ- lich, daß sie den konservativen Stimmzettel abgaben. Jetzt geben sie laut murrend ihrer Ilnzufriedeuheit Ausdruck. Daß diese Unzufrieden-, heit der Socialdemokratie zu gute kommt, dafür werden unsere Genossen sorgen.—_ Eine konservative Aktion gegen die sächfischen Eisenbahn. arbciter. Schon seit Jahren arbeite» die sächsischen Eisenbahnarbeiter und unteren Beamten auf eine Besserung ihrer zweifellos mißlichen Lage, die bereits sprichwörtlich geworden ist, hin. Sie haben in' früheren Zeiten alle„ordnungsmäßigen" Wege ausprobiert, haben gebeten und petitioniert— alles vergeblich. Dieses resultatlose Bemühen brachte sie auf den Gedanken der „socialdemokratischen" Organisation, und sie streben nun schon seit längerer Zeit in diesem Rahmen, unterstützt von den social- demokratischen Abgeordneten im Landtage, darauf hin, etwa? zu erreichen. Das wird natürlich„oben" stark übel genommen. Bor kurzem, gleich nach Zusammentritt des Landtags, fand nun in Dresden eine von etwa 800 Elsenbahn-Arbeitern besuchte Versammlung statt, in welcher wieder einmal eine ganze große Reihe kraffer Mißstände, die in dem„Musterbetriebe" des sächsischen Staates herrschen, und unter denen die Arbeiter ungemein zu leiden haben, zur Sprache ge- bracht wurden. Der Verlauf dieser Versammlung, die noch da- durch besonders den Charakter einer Demonstration annahm, daß man einen gemaßregelten Eisenbahnarbeiter stürmisch begrüßte und zum Borfitzenden wählte, wurde in einem Bericht der„Sächsischen Arbeiterzeitung" ausführlich wiedergegeben, wodurch die weitere Oeffentlichkeit auf die Vorgänge aufmerksam gemacht wurde. Das hat nun 46 Konservative der zweiten Kammer des Landtags veranlaßt, gestern während der Sitzung eine Jnter- pcllatio» einzubringen. Dieselbe weist zunächst auf die in dem genannten Bericht geschilderten Borgänge in jener Versammlung hin. ES wird be- merkt, daß die'Versammlung nur den Zweck gehabt habe, den organisatorischen Zwecken der Socialdemokratie zu dienen und die Frage gestellt: „Sind der Staatsrcgierung die betreffenden Vorgänge bekannt geworden und was gedenkt dieselbe zu thun, um die DiSciPlt» unter de» Eifcubahnarbcitern aufrecht zu erhalten?" Diese Interpellation komnit nächste Woche in der zweiten Kammer zur Verhandlung, und es durfte zu einer lebhaften Aus- eiiiandersctzuilg kommen. Unfern Genossen im Landtag wird daS ein willkommener Anlaß sein, mit Material die erhobenen Beschwerden zu beweisen, und die Interessen der Eisenbahner in wirksamer Weise zu vertreten. Ausland. Frankreich. Paris, 8. Dezember. L o ck r o y erklärte einem Mitarbeiter des „Gaulois", Frankreich müsse 300—400 Millionen für feine Marine ausgeben und nötigenfalls seinem Landhcere Truppen enwehmen, um die Küsten zu decken. Die Franzosen müßten endlich begreifen. daß die Gefahr nicht mehr im Osten liege. Koloniale Ausbreitung sei Lebensbcdingnng für die Völker Europas. Es handle sich für Frankreich darum, seine Kolonien zu verteidigen. Frankreich hat mit seiner Kolonialpolitil bisher kein Glück ge» habt, sondern nur immer kolossale Unkosten. Wenn aber die französische Kolonialpolitil zur Milderung der chauvinistischen Empfindungen gegen den deutschen Nachbarn beiträgt, so würde sie immerhin etwas GutcS bedeuten; aber auch daS glauben wir nicht.— Belgien. AuS Brüssel schreibt man uns unterm 7. d. M.: Gestern-- Mittwoch— hat der Generalrat der Arbeiterpartei den Termin für den Zusamnientritt des jährlichen Parteikongresses ans Sonntag, den 14. I a n u a r 1300 vorgerückt. Es war, angesilbts der K a m m erwählen i m M a i 1900, nicht möglich. den Kongreß, auf dem die Wahltaktik verhandelt werden soll, wie ursprünglich geplant war. erst Ostern zusammentreten zu lassen. Die vorgeschlagene Tagesordnung ist: 1. Die Wahlbündinffe. 2. Die Frage deS Senats. 3. DaS Wahlprogramm. 4. Die Organisation der Bewegung zu Gunsten der Arbciterpenstonen. Da der Kongreß nur einen Tag dauern kann, wird wohl keine andere Frage noch auf die Tagesordnung gesetzt werden. Die Wahlpröpagauda hat schon begonnen; neue Flugschristen iverden demnächst veröffentlicht werden. In einigen socialistischen Kreisen soll die Rede davon sein, die Proportionalvertretung aus dem Parteiprogramm zu streichen. Wir könnten eine solche Absicht nicht billigen, die der Gerechtigkeit zuwiderlaufen würde. Wenn die Proporttonal- Vertretung ohne allgemeines Wahlrecht ein Schwindel ist, so ist sie m i t ihm eine Notwendigkeit, wie das ja auch i» dem Programm der deutschen Socialdemokratie anerkannt ist. Hier ein bezeichnendes Vorkommnis, das für die herrschende Stimmung symptomatisch ist. Während der letzten stürmischen Tage der Campagne gegen die Wahl- Entrechtung war ein B ü r g e r g a r d i st in ein Meeting gekommen und hatte auf der Tribüne erklärt:„Man hat uns zehn Patronen ge- geben. DaS find drei zu viel, denn wir haben nur sieben M i n i st e r!" Auf Antrag des Ministeriums ivurde der Gardist vor Gericht gestellt und m" erster Instanz freigesprochen. Der Staatsanwalt appellierte, und jetzt ist der Gardist, nach einer glänzenden Verteidigungsrede von Leo Meysmans, einem Redacteur des„Penple", auch' in letzter Instanz freigesprochen worden. Es giebt noch Richter in— Brüssel.— Asien. Peking, 7. Dezember. Der chinesische Gouverneur von Schantnng ist entlasse» worden wegen der Unfähigkeit, feiner Zeit mit den Unruhen, die sich gegen die Missionare wandten, fertig zu Iverden. Duan Schikai, der' frühere Kommandeur der von fremden Offizieren ausgebildeten Brigade von Hciaochau, ist zu seinem Nach- folger ernannt worden.— AuS Hongkong bringen die„TmieS" ein Telegramm vom 6. Dezember, da� besagt, man befürchte Vergeltungs- m a tz n a h m e n der Chinesen für die Festnahme deS Taotai von Haiuan und eines chinesischen Militärbeamten, welche jetzt an Bord des französischen Kreuzers.d'Entrecastreaux" als Geiseln ge- fangen gehalten würden. Alle französischen Konsularbeamten hätten Hainan verlassen.—_ P&xlzi AuS Dortmund lätzt sich die„Verl. Zeitung" schreiben: .ES bestätigt sich nicht, datz Dr. Lütgencm in die Redaktion deS.Dortmunder Tageblatt" eingetreten ist. Das Tageblatt will freisinnig, volkspartcilich bleiben und Lütgenau steht auf dem Boden der Marxistischen Geschichtsauffassung'; die Verhandlungen, die allerdings stattgefunden haben, sind an dieser unüberbrückbaren Differenz gescheitert. Jm übrigensiehtmanhiermit Spannungden Ver- Handlungen der Verleumdnngsprozesse entgegen, die Lütgenau gegen Bredenbeck und gegen den Redacteur der„Rheiu.-Westf. Arb.-Ztg.", Lebius, angestrengt hat. Sie werden viel weiter reichen, als man ahnt. Das hiesige socialdemokratische Blatt, früher von Lütgenau redigiert, befindet sich seit dem Ausbruch der Streitigleiten in fortwährendem Rückgange. Die Notiz stammt offenbar von Lütgenau selbst und ist ver- mutlich nur des Schlußsatzes wegen geschrieben. Es wird nämlich unter Lütgeuaus. Auspizien jetzt in Dortmund eine regelrechte Campagne gegen die wirtschaftliche Existenz unseres dortigen Partei- l lattes geführt. So wird in der„Tremonia" der„Wahrheit" zuwider geschrieben, daß die Abonnentenzahl unseres Parteiblattcs weit !"Inger wäre, wie die des freisinnigen Tageblattes; dieses, dessen Verleger auch Lütgenaus Broschüre verlegt hat, druckt das schmunzelnd ab und schickt dann diese Nummer angestrichen den dortigen Geschäftsleuten zu. llebrigcns— ob den Genossen Breden- bcck und Lebius von dem gegen sie„angestrengten Verleumdungs- Prozesse" schon etwas bekannt ist? GrittevKschttfZliches. Verlin«nd Umgegend. Achtung, Tapezierer! Der Streik bei Heimann, Prin- zesfinnenstr. 21, dauert unverändert fort und ersuchen wir, die Werk- statt zu meiden und Zuzug fernzuhalten. Die Agitations- k o m ni i s s i o n. Achtung, GastwirtSgehilfen! Da die Differenzen mit dem Gastwirt S t e ch e r t noch nicht beseitigt sind, hat der unterzeichnete Verband in seiner letzten Versammlung beschlossen, das genannte Lokal für seine Mitglieder zu sperren. Zwei dort weiter arbeitende Mitglieder wurden ausgeschlossen. So lange die Differenzen weiter bestehen, werden Herrn S t e ch e r t aus dem kostenlosen Verbands- Arbeitsnachweis keme Arbeitskräfte zugewiesen. Der Verband deutscher Gast Wirtsgehilfen. OrtSverivaltung Berlin. Modelleure werden in letzter Zeit nach M a I m ö in Schwede» gesucht. In hiesigen Fachkreisen nimmt man an, daß diese Modelleure unter falscher Adresse für den in letzter Sonntagsnummer gekennzeichneten„deutschen Arbeitcrfreund" gesucht werden. Darum Borsicht. Deutsches Reich. TaS Leipziger Gewerkschaftskartcll«nd der Verband der Buchdrucker. Die Delegierten des Buchdruckerverbandes waren bekanntlich durch einen Beschluß des Leipziger Kartells vom ö. April 1337 und 10. Juli d. I. ausgeschlossen worden. Maßgebend fiir diese Be- schlüsse war die Anschauung, daß die von dem Buch- druckcrverband mit den Uulcrnchnicrn abgeschlossene.Tarif- gemeinschaft" die Interessen und Weiterentwicklung der Orgauiiation der Arbeiter schädige. Die Anhänger der Tarifgemciiischaft, so hieß es in jener Resolution, stünden auf Hirsch-Dun'ckcrschcm Standpunkt und könnten deshalb vom Kartell nicht anerkannt iverden. Mit der Frage der Tarisgemcinschaft hat sich nun aber der Gcwerkschafts- iougreß in Frankfurt a. M. beschäftigt und dahin ent- schieden, daß tarifliche Vereinbarungen, welche � Lohn- und Arbeitsbedingungen auf bestimnite Zeit regeln, den Grundsätzen der auf dem Boden der modernen Arbeiterbewegung stehenden Gcwerk- schaften nicht widersprechen. Das Leipziger Gewerkschaftskartcll blieb trotzdem auf seinem früheren Standpunkt stehen. Die General- kommission hat sich daraufhin an die Delegierten des Kartells ge- wandt und sie ersucht, den Beschluß vom 10. Juli 1899 ivicder allfzn- heben. Nicht die„Gewerkschaft"(deren' Delegierte jetzt im Leipziger Kartell zugelassen sind), sondern der„Verband der Buchdrucker Deutsch- lands" sei die von dem Gewerkschaftskongreß anerkannte Organisation der deutschen Buchdrucker. Tie Verhandlungen mit dem Kartell führten zu keinem Resultat. Die Zulassung der Delegierten deS Buchdrucker- Verbandes sollte zwar gestattet werden, aber unter der Bedingung, daß sie die Beschlüsse deS Kartells anerkennen. Diese Anerkennung hätte aber die LoSsaßung von der Tarifgeuicinschaft zur Folge bezw. Voraussetzung haben müssen. Denn diese wird ja durch Kartellbeschluß als ver- werflich bezeichnet. DaS GewcrkschaftSkartell hatte die Angelegen- heil auch den Vertrauensleuten der Gewerkschaften überwiesen. Diese haben am 24. Oktober folgenden Beschlutz gefaßt:„Die Vertrauens- lcute der Leipziger Gewerkschaften erklären sich mit dem zuletzt ge- faßten Beschluß des hiesigen Kartells cinverstanden und versprechen, alle aus diesem Beschluß entstehenden Konsequenzen solidarisch über- nehmen zu ivolleu." Die Gencralkommission versuchte nochmals, das Kartell zu einer eutschcidcudcn Stellungnahme zu bewegen, doch erklärte der Vorstand des Kartells die Sache nach diesem Beschluß für erledigt. So stehen die Dinge noch genau auf dem alte» Fleck. In der soeben erschienenen Nummer des„Norrcspoudeiizblattcs" veröffentlicht die„Generalkommission" sämtliche von ihr in der Sache gelvcchselten Schriftstücke. In einem Schreiben an die Ccntralvorstände der Gewerkschaften Deutschlands heißt es zum Schluß: „Somit steht das Getverkschaftskartell in Leipzig mit seinen Beschlüssen im Widerspruch mit den Beschlüffen des Dritten Gewerk- schaftskongresses, und ist deshalb die Gencralkommission genötigt, jede weitere Verbindung mit dem heute bestehenden Getvcrkschafts- kartcll in Leipzig aufzugeben. Wir sind iveiter genötigt, an die Vorstände der Eentralvcreine das Ersuchen zu richten, die Mitglieder in Leipzig zu veranlassen, ihre Delegierten von diesem Kartell zurückzuziehen." Ausland. Die Repräscntantschaft der Vereinigten dänischen Fach- verbände hat am Donnerstag und Freitag in Kopenhagen eine Versammlung abgehalten zur Beratung über einige Organisations- fragen, wozu die' große Aussperrung die Veranlassung gegeben hat. We'ientlichc Organisasionsveräiidcrnugen erscheinen nicht notwendig. Ferner wurde die Wahl der drei Vertreter der Fnchvcrbände siir das auf Grund des Vergleichs einzusetzende Schiedsgericht vorgenommen. Gewählt wurden LandeSthingman» C. C. Andersen. Folkethingsmann eanck. zur. Gustav Philipscn und der Vorsitzende des dänischen Schmiede- und Maschincnverbandes I. A. Hansen. Die beiden ersten waren Mitglieder deS früheren Ausschusses. Außerdem wurden auch Versammlungen der Hauptleitungen und Repräsentanten der einzelnen Fachvcrbäude abgehalten. Auch hier bildeten die Resultate des„Ausgleichs" den Hauptgcgenstand der Debatte; es wurden interessante Aufschlüsse gegeben,>vie ver- schiedcne lokale Arbeitgcbcr-Orgauisationen versuchten, den Vergleich zu umgehen. Im März 1900 soll eine Versammlung stattfinden, zu der Anträge über Aendcrunacn der Lokalorganisationen vorbereitet werden. Die Aussperrung der Zwickauer Textilarbeiter dauert fort. Die Unternehmer hatten am 6. d. M. in den Häusern der feiernden Arbeiter Flugblätter verbreiten lasten, in welchen sie den Arbeitern die Mitteilung machten, daß sie am kommenden Tage, am S. Dezember, die Fabriken öffnen würden. Den Zehnstundentag könnten sie nicht bewilligen. Die Arbeiter, die wegen der Nichtbewilligung sofort in den Ausstand getreten seien, hätten unrecht gethaii, sie hätten Not und Elend über zahlreiche Arbeiterfamilien gebracht. Um der„herrschenden Not Ein- halt zu thun", wollten sie die Fabriken öffnen. Würde die Arbeit nicht zu den alten Bedingungen aufgenommen, dann würden sie die Fabriken den ganzen Winter über sperren. Das Mitleid mit der Not der Arbeiter ist ein geheucheltes, denn sie, die Unternehmer, haben die Not selbst verursacht. In den Streik getreten waren nur 400 Mann, worauf die Unternehmer über 2000 Arbeiter aussperrten. Die Drohung, den Betrieb für den ganzen Winter zu sperren, ist ohne Erfolg geblieben. Wie der Wiener„Arbeiter-Zeitung" aus Zwickau berichtet wird, sind Ausständige in die Fabriken nicht zurückgekehrt, nur einige Betriebe arbeiten mit ihren Angestellten und ein paar Personen in notdürfsiger Weise weiter. Die Stimmung ist eine ausgezeichnete. Aber die Not ist allerdings eine große. Die östreichische Gewerkschafts- kommission bittet denn in der Wiener„Arbeiter-Zeitung" um Unter- stützung der Notleidenden. Geldsendungen sind zu richten an A. H u e b e r, Redaktion der„Gewerkschaft", Wien VI, KopcrnikuS- gasse Nr. 12._ Bei der Berliner Gewerkschaftskonimisfion liefen noch folgende Beiträge ein: Für dänische Arbeiter: Vertrauensmann der Gewerkschaften Weitzensees, auf Listen, 9,85. Personal der Buchbinderei der Luxuspapier- tabrik Lange 8,80. Personal der Buchbinderei Hasensteil» u. Vogler 7,45. uchbtnder Berlins, auf Listen, LS, 75. Dachdecker Berltus, aus Listen, 9,85. Handelshilfsarbeiter Berlins(lokal), ans Liste»,—,35. Stuccateure Berlins, aus Listen 14,20. Durch Grauer, auf Listen, 12,90. Gesailgvercin Kaiserscher Männerchor, 2. Rate, 10,—. Kaufleute Berlms, a. Listen, 6 45. Bauanschläaer Berlins, auf Listen 12,50. Sattler Berlins auf Listen 6,85. Maler Berlms auf Listen d. Link 20,15. Maler Berlins auf Listen durch Klotz 8,80. Karl Schulz auf Liste 11.30. Sattler Berlins auf Liste 6,80. Durch Werner (2. Wahllr.) auf Liste 3,50. Handelshilfsarbeiter(central) aus Listen 1.55. Lithographen Berlins aus Listen 37,90. Steinsetzer Berlins auf Listen 18,80. Städtische Arbeiter auf Listen 2,10. Sattler Berlins auf Listen 19,40. Dergolder Berlins auf Listen 11,25. Buchdruckerei- Hilfsarbeiter Berlins auf Listen 12,85. Maurer Berlins auf Listen.4,15. Stockarbciter Berlins auf Liste 0,50. HandelShilssarbeiter Berlins(Central) auf Listen 26,45. Chcniigrapheii Berlins aus Listen 21,45. Kaufleutc Berlins auf Listen 4,50. Stockarveiter Berlins aus Liste 3,85. Wanidt auf Liste 14,30. Für die Steinarbeiter Berlins: Verband der deutschen Buchdrucker 13,—. Kolonie zur Erholung durch Walter 20,—. Fiir die Lederarbeiter in Wilstcr: Organisierte Hntmacher Berlins 30,—. Stuhlfabrit Heims u. Sohn 10,—. Verband der deutschen Buchdrucker 10,—. Socialdemokratilcher Arbeiterverein zu Köpenick 25,—. Für die Formstecher Deutschlands. Verband der Buch- binder und Bemssgenossen Berlins 50,—. Vom Stammtisch der 8 linver> besserlicheu orgaiitsicrten Steinsetzer d. P. G. 10,—. Personal der Galvano- Plastik 8—. Für die Metallarbeiter Berlins. Prägcrei Litthauer und Boysen 9,—. Gürtler der Fabrik Schmidt u. Co. 2,80. Weitere Beiträge für die ausgesperrten F o r m st e ch e r werden aus dem Gewerk schastsbureau, Auneustr. 16, 1, eutaegeugeiioinmcii. D e r A u s s ch u st der B e r l i u e r G e w e r k s ch a s t s- K o m m i s s i o n Klus drv Isrsurnbenu'gttng. Arbcitcrinne» Berlins, wahret Eure Rechte! Die zum Schutze der Arbeiteriuncn und jugcudlicheu Arbeiter erkassenen Bestimmungen der Gewerbe- Ordnung über: die Dauer der Arbeitszeit für Arbeilerinnen über 18 Jahre, für jugend- liche Arbeiter, über Kündigung und Entlassung, Snsstellnng von Zeugnissen. Strafgelder, hygienische n»d Schntzmaßregcln,»nigesunde ArbeilSräume, Wafchvorrichtimgen, Ankleideränme, Beschaffenheit nud Zahl der Aborte, werden vielfach scitens der Unternehmer nicht bc- achtet ,»id die Rechte der Arbeitcrinncn gekürzt. Arbeiterinnen, achtet darauf, daß die zu Eurem Schutze crlasscucn gesetzlichen Bcslimmnngcn von den Untcrnchmcrii Vurchgeführt und innegehalten iverden. Um es den Arbeitcrinncn zu ermögliche», ohne Nachteile für ihre Existenz ans Beseitigung der Mißstände in den Arbeitsstätte» hinzuwirken, sind nachstehende Personen bereit, Ivahrheits- getreue Bcschiv erden unentgeltlich eiltgegcnznnehnlm und auf .schleunigste Abhilfe zu dringen. Die Namen der Beschwerdeführer werden st r c n g geheim gehalten! Frl. O. B a ä d e r, Strausbergcrstr. 23, b. IV. Frau Bau s ch k e, Nostockerstr. 47, Sifl. II. Frl. Haase, Alcxaiidcrstr. 15, vorn IV. Frau I u u g, Fichtcstr.25. Hof II. Frau Lutz, WiIbclmstr.21.Hof part. Frau A. Mesch, Lychenerstr. 3, linker Ausg., IV. Frau M. Tietz. Blmiieiistr. 63, I rechts. Frau Schneider, Höchstestr. 29, I. Frau Sprung. Mariannen- User 7, Hof III, rechts. Jeden Mittwochabend 7—9 Uhr. Gewerkschaftsbureau, Amienstr. 16, I. Alle Wochentage von 9—1 und 6-3 Uhr._ Der französische Einignngskongreß. (Fortsetzung aus der 1. Beilage.) Paris, 6. Dezember. Siebente Siiinng. Mittwochabend. Fourntöre eröffnet die Sitzung um 3 Uhr. Tclcsalle giebt den Bericht der Kommission. Dieselbe schlägt noch folgende E i n i g u n g S r e s o l u t i o n vor: „Der Kongreß erkennt an, daß außergewöhttliche Umstände der Partei zur Pflicht machen können, die Frage zur Entscheiduiig zu bringe», ob die Teilnahme von Socialistcn an der Regierung au- gebrächt sei. Der Kongreß erklärt aber auch ferner, daß die Haupt- nnfgabe der Socialdcmokratie in Frankreich wie in allen Ländern darauf gerichtet sein muß, die Wählämter zn besetzen, Acmtcr, die die Arbeiterklasse selbst' zu vergeben hat. Das Endziel muß sein die gesetzmäßige und friedliche Expropriation der Kapitalisten- klaffe." Der Berichterstatter fügt hinzu: Die AusgleichSrcsoliitton ist in der Kommission angenommen worden mit 49 gegen 7 Stimmen. Diese Resolution ist eingegeben von dein Wunsch, Einigkeit hcrbeizliiühren; sie richtet sich' nicht gegen die Vergangen« h e i t, sie ivill das Geschehene weder rechtfertigen noch ver- urteilen, sondern sie gilt der Zukunft.(Beifall.) Die Kommission ist von dem heißen Bemiihcii beseelt gewesen, im Interesse der Millionen von Proletariern, deren Blicke ans uns gerichtet sind, ihre Aufgabe zu lösen. Triumphieren wir über unsere Leidenschaften und Meinungsverschiedenheiten. Das Resultat des Kongresses hängt von Euren Beschlüssen ab. Laßt Euch dabei von demielben Geiste der Eintracht leiten, wie Eure Kommission. (Großer Beifall.) Laudrtti(Blanquist) begründet die Resolution der Minorität, die sich mit der von V a i l l a n t eingebrachten(vergl. DomierStags- Nummer des„Vorwärts") deckt. Verschiedene Delegierte verlangen daS Wort, nm ihre Ab- stimmung zu begründen, andere widersprechen, es entsteht lebhafte Bewegung. Der Präsident unterbricht die Sitzung ans 5 Minuten. Nach' Wiedereröffnung der Sitzung erhält das Wort ConstanS: Ich erkläre im Namen der französischen Arbeiterpartei(Zwischenrufe), daß wir für die Resolutioi, Lau drin stimmen. Wir sind hierher gekommen in der Absicht, in der Form Konzessionen zu machen.(Unterbrechung.) Nachdem wir für diese gestimmt, werden ivir auch die der KommissionSinehrheit annchnien. sie schließen sich beide nicht anS. Breton hat das Wort, wird aber von Mitglieder» der Partei der revolutionären Socialisten verhindert, nach der Tribüne zu ge- langen. Große Bewegung entstcht. Rufe: Abstimmen! S p r e ch e ii I Der Präsideut: JauröS hat das Wort. Erneuter Tumult. Abstimmen! Hoch Jaurös! Auf den Bänken der G u e s d i st e n und A l I e m a n i st e n wird gepfiffen. JaureS B ü r g e r! Der Lärm verdoppelt sich. Hoch Janrös! Pfeifen auf der anderen Seite. G u e s d e besteigt die Tribüne. laute Protestrufe werden laut, Guesde kommt nicht zum Wort. Pastre ruft: Es ist skandalös! Er vermag keine Ruhe zu schaffe». Der Präsident ruft: GueSde hat das Wort, er wird ein Amendement einbringen.(Belveaung.) ES sind zwei Ameiidenlents eingegangen: die Verfasser dericlbcn müffeu zum Wort kommen. Guesde hat oaS Wort. Walter verlangt daS Wort zur Geschäftsordnung: Der Kongreß möge beschließen, daß keinerlei Amendements mehr an- genommen iverden. Präsident: Hier daS Amendement GueSdes. Hier das zweite von der Konföderation. Hier noch ein anderes.(Lämi.) Walter ruft: Man mokiert sich ivohl über uns! Präsident: Seit dem Gcschäftsordnnngs- Antrag Walters ist kein Amendement mehr eingegangen. Die Antragsteller müssen zmn Wort kommen. Walter besteigt die Tribüne.(Rufe: Ausschluß.) Schließlich gelangt der GeschäftSordnungSantrag Walters, weitere Amendements nicht mehr anzunehmen, zur'Annahme. Der Präsident erklärt, daß Guesde für sein Amendement die Priorität verlangt. Er beginnt GueSdeS Antrag zu lesen: „Der Klassenkampf verbietet cS einem Socialisten, in ein bürget- liches Ministerium einzutreten." Guesde lehnt es ab, das Wott dazu zu nehmen. Jaurös ruft: Guesde! Das ist eine Illoyalität. Guesde, fulcs Guesde, das ist Verrat! Gnesde! Sie haben die flicht, im Namen Ihrer Partei zn spreche».(Beifall. Tumult. Auf den Tribünen ruft man Bravo I � Hoch Jänrös!) Jauröö: GueSde! Das»st Verrat! Ich beschwöre Sie, stellen Sie die Ehre Ihrer Partei wieder her. Die Ehre. die Ehre! Der Genosse Guesde bleibt ruhig ans seinem Platze fitzen, während alle Delegierten aufgesprungen sind, mit Ausnahme eines Teiles der Guesdisten. JanröS: Wir find hier Socialistcn. G u e s d c, Ich ermnere Sie in, Namen der Ehre an Ihre eingegangenen Serpflichtiiiigen. Pastre interpelliert in energischem Tone den Genossen Guesde. Janrös: Guesde, GueSde. Sie sind entehrt. Sie haben Ihr gegebenes Wort gebrochen! Während mehr denn einer halben Stmide herrscht ein mi« beschreiblicher Tumult. Ein Teil der Delogierten besttigen die Tische, schwingen die Fahnen, andere pfeife», schlagen�auf die Tische. Der Präsident unterbricht, uachdeni er vergebens die Ruhe herzustellen versucht hat, die Sitzung. Nach langen Unterhandlmigen zwischen den Führern der ver- schiedeneii Gruppen wird die Sitzniig wieder eröffnet. Janrös erhält nntcr der größten Ruhe des Kongresses das Wort. Er erklärt die Vorgänge in der Kommission. Ein ganz geringer Bruchteil der Guesdist'ci» habe erklärt, auf dem Standpunkt der Vaillantschen Resolution zu beharren. Dieser Teil habe loyal ge- handelt. Die anderen 16 Delegierten habe» dreimal auf ihr Ehren- ivort erklärt, im Plenum des Kongresses für die Ansglcichsresolutioi» D c l c f a l l e s(GneSdist) stimmen und eintreten zu lvollen. Wenn ein solches Wort gegeben fei, müsse es gehalten iverden. GueSde, der»»ter' großem Tuniült die Trjbiüie besteigt, erklärt sicki dahin: Er habe für die AnsgleichSrefolution stimmen wollen. Als er vor einer Sttinde die Tribüne bestiegen, habe er seine Partei nur an den Auftrag erinnern wollen, der ihr vom Kongreß in Epcrnay gcivorden, die Principienfrage vor der Ausgleichs- rcsolution zur' Abstimmung bringen zu lassen. Nachdem noch Dclcsalle gesprochen hat, der den Streit im Ivefenllichen auf Mißverständnisse seitens Gucsdcs und JauröS' zurück- führt, wird zur Abstimmung geschritten. Der Zniatzantrng Guesde wird mit 813 gegen 634 Stimmen angcnoimucn, die Ausgleichsresolution gelangt niit 1143 gegen 245 blanquislischc Stimmen zur Amiahme. Die Sitzung ist um 12�/j Uhr geschlossen. Paris, 7. Dezember. Achte Tilmug. Domierötagnachmittag. (Beginn 21/2 Uhr.) Zum TagcSpräsidcutcn ivird Tembat(Blanquist) einstimmig gewählt. Er entschuldigt sich, nochmals das Präsidium anzunehmen, er thne das aber nicht als Vertreter einer bestimmten Rlchtnng, sondern im Interesse der Gesamtheit des Kongresses, damit' dieser so feierlich seine Arbeiten zn Ende führe, wie wir es alle wüiischtcn. (Lebhafter Beifall) Der Kongreß habe bereits durch die Ausgleichs- rcsolutiou über die Mniifterfrage das wichtigste vollbracht. Die Kluft sei überschritte». Das erleichtere die Vollendung unserer Auf- gaben.(Lebhafter Beifall.) Tnbreilt schlägt uamcuS deS VerteidiginigSauSschnsseL vor, die Tagung um ciucii weiteren Tag(Freitag) zu verlängern, da der erste Punkt der Tagcsvrdliniig vier Tage iii Anspruch gc»o»imeii hat. Nach kurzer Debatte wird einstimmig beschlosscil. noch am 8. Dezember zu tagen, ivobci die Mandate der Arbeiterdelegierten, die nicht länger verbleiben können, von ihren Organisattonsgcnossen bei Ab- stiinniungeu(nach Mandaten) gebraucht werden dürfen. Ferner wird ciuslimniig beschlösse», sofort anstatt den zweiten den dritten Punkt zu beraten betreffend die Einigung. Telory verliest namenS der gneSdistischcn Arbeiterpartei 'olgenden Protest: „Die französische Arbeiterpartei protestiert mit Entrüstung gegen die von Kongreßmitgliedern geleiteten Zeitungen(„Pctite R�publique" und„Laterne", die seit Sonntag nicht aufgehört haben, trotz ihres Redens von Einignng, Zwietracht nud Haß zwischen den großen Organisationen und den ihnen aiigehörenden Gruppen zu säen. Sie protestiert mit der gleichen Energie gegen de» Bericht über die gestrige Abciidsitzniig, in welche»! wiederholt der F. A.-P. und deren Sekretär für das Innere, Jnlcs GueSde,„Manöver",„Illoyalität" und„Verrat" vorgeworfen werben. Die F. A.-P. überläßt die Besch!,»pfpngen, die sie nicht treffe» können, denen, die von ihnen Ge- brauch gegenüber Kameraden machen, imd zur Beschämnna ihrer Gegner beschränkt sie sich darauf, z» crinncr», daß die sogen. AnSgleichsresolntion. welche in gegenwärtigem Zustande der kapitalistischen Gesellschaft jede Beteiligung eines Socialisten in einer Bourgeois-Regierung ausschließt, das eigene Wert ihres Kon- grcsscs von Epernay, welche? einstimmig von der General- Versammlung ihrer Delegierten nm Sonnabend, den 2. Dezember be- stätigt wurde, und daß folglich die Partei desto weniger zögern konnte, die Resolution zu voiiercn, wie sie es gethaii, als dieie de» glänzendsten Triumph ihrer socialistisch-revolutioiiären Politik bildet." — Für die Arbeiterpartei die erwählte Kommission: Bsraud, Delory, Lafargue, Dognien, Zevaös, ConstanS, Millet. Dr. Bach. Der Antrag der Gclvcrksckiaftcn zur Mniifterfrage wird der Kommission überwiesen, ebenso eine Ltesolntion Argyriedös(Blanquist), der in seinem eigenen Namen die Demission M i l l e r a n d s auf Grund der Ausgleichöresolution fordert unter Androhung des Ausschlusses von Millcraud a»S der Partei, falls er sich nicht der Entscheiduiig des Kongresses fügen sollte. Debatte über die Einigung. Jede Organisation stellt der Reihe nach einen Redner. Mattinet(Broussist) spricht für die Union, die sodann die voll- ständige organisatorische Einigimg vorbereite» würde. Unter uns bestehr ein»mgcheiireS Mißverständnis. Die anonyme Menge der socialistischen Partei wäre einstimmig für die Einigimg, wenn sie hierüber direkt befragt würde.(Beifall.) Redner verlangt all- jährliche gemeinsame Kongresse.(Lebhafter Beifall.) Marpanx befürwortet namens von neun iiiiabhängigcii Föderationen Ost-Frankreichs, die 18 Departements umfassen, einen Organisationsvorschlag, der aus die vollständige Verschmelzung aller Richtungen hniansläuft, indem die bestehenden Organisationen in den föderierten Departemcutal-Organisationen ohne Unterschied der Richtung aufgehen würden. GueSde erinnert an den bezüglichen Beschluß von Epernay DcrZlFklassenkampf würde die organisatorische Einigung nicht nur des nationalen, sondern auch des internationalen Socialismus in einer einzigen Partei fordern. Aber zu viel verlangen biege nichts er langen. Verwirklichen wir das sofort mögliche Mast von Eini gung l Die bestehenden Organisationen entsprechen einer gewissen Arbeitsteilung, sie sind nicht Produkt der Willkür. Es ist unmöglich, zu organisieren, wenn man mit der Desorganisation, der Auflosung der» bestehenden Organisationen, beginnt.'sBeifall.) Andererseits ist aber auch die Einigung ein notwendiges Produkt der Entwicklung. Meine politischen Vorschläge sind: 1. Die soeialistische Presse soll der Kontrolle der geeinigten Partei' unterstellt werden sWiederholter, demonstrativer Beisall bei Guesdisten und Blanquisten). Ist es denn z. B. möglich. daß ein soeialistisches Blatt seine„ministerielle Campagne" fortsetzt trotz der Ausgleichsresolution?(Stürmischer 2. Die parlamentarischen sollen der Kontrolle unterworfen Deputierten mehr! Sie gehören sondern dem organisierten Prole bei Guesdisten, Blanauisten Beifall auf denselben Bänken.) Vertreter der Partei werden. Keine unabhängigen fortan nicht ihren Wählern, tariat.(Stürmischer Beifall Allemanisten und den Unabhängigen revolutionärer� Richtung). Die Abgeordneten' sind verpflichtet, stets das gleiche Votum abzugeben. 3. Alljährliche gemeinsame Kongresse.(Lebhafter Beifall überall.) 4. Die Central- Vertretung soll, wie in Epernay beschlossen, auf proportionaler Grundlage errichtet werden(entsprechend der Kraft der einzelnen Organisationen). Sie würde zwar in diesem Fall 100— löv Mitglieder zählen, aber sie könnte eine kleinere Exekutivkommission wählen, die nur in wichtigen Fällen die Gesamlvertretung ein- berufen würde. Redner schließt mit Worten der„Eintracht. Brüderlichkeit, proletarischer und soeialistischer Solidarität".(Leb hafter Beifall.) » Im Laufe der Sitzung verlas der Borsitzende folgendes Vcgriistlingsfchreibcn des Partei- Vorstandes der deutschen Socialdcmokraten: „Brüder Kameraden! Euer Kongreß ist ein Ereignis, das aufs lebhafteste die Soeialisteu aller Länder der civilisierten Welt interessiert. Was uns betrifft, so versichern wir Euch, daß die Aufmerksamkeit des proletarischen Deutsch- lands auf Euch gerichtet ist. Wir sind sicher, daß die Resultate dieses Kongresses ein neues Blatt in der glorreichen Geschichte des französischen Proletariats bilden werden, dem wir die heroische I n n i s ch I a ch t 1843 und die Kommune verdanken.(Dröhnender Beifall, besonders links.) Eins nur fehlte�Ench bisher: die Ein- h e i t.(Ebensolcher Beifall rechts.) Ihr werdet sie dem soeialistischen Frankreich geben— wenn nicht die absolute Einheit der Anschauiingen und Theorien,(Beifall links) so doch die taktische Einheit(Beifall überall), die Einheit der Aktion gegen die Feinde. Ans Wiedersehen in Paris auf dem Internationalen Kongreß des nächsten Jahres, wo wir hoffen, das proletarische Frankreich geeint zu finden. Hoch der internationale Soeialismus! Mit brüderlichem Gruß: der Parteivorstand der deutschen Soeial- demokratie: Liebknecht,(stürmische Ovation links) Bebel, Auer, Singer, Pfannkuch, Gerisch.(Donnernder Beifall.) Auf Vorschlag des Präsidenten wird per Aeelamation beschlossen, der deutschen Soeialdemolratie mit einem Dank- und Begrüßungs- schreiben zu antworten. (Fortsetzung der Nachmittags- Sitzung folgt.) Depeschen. In der Donnerstagabend-Sitzung wurde die Einiglingsdebatte ruhig und würdevoll fortgeführt. In begeisterten Kundgebungen für die Einigung brachen 5toiigreß und Publikum aus, als F a b s r o t spraeb. Da die Kommissions-Resolution noch nicht fertig war, wurde die Abstimmung aller Resolutionen auf Freitagabend, wo die letzte Sitzung stattfinden soll, verschoben. P o u l a i n sprach unter stürmischem Beifall rechts für sofortiges Aufgehen der Sonder- Organisationen in eine Gesamtpartei. *« * Paris, 8. Dezember. In der Nachmittag-Sitzung am Freitag erfolgte ein einstimmiges Votum für die Resolution, welche die anti- semitischen nationalistischen Aktionsmittel brandmarkt. Ferner wurde der Generalstreik mit allen gegen zwei Stimmen augenouimen. Die Kommission, die die Organisation für die Einigung beraten hatte, faßte alle Beschlüsse einstimmig. Die Nachricht davon rief einen allseitigen Freudenjubel hervor. Die Kom- Mission empfiehlt, die Partei besteht ans den alten Organisationen, den Gewerkschaften, den Genossenschaften und den departementalen Federationen. Alljährlich finden Kongresse statt. Das Generalkomitee wird gebildet durch eine proportionale Vertretung. Ein Komiteemitglied kommt auf 50 Kongreßmandate. Die Presse bezüglich ihrer Aktion steht unter Kontrolle des Komitees, ebenso die Deputierten._ Sociales. Ter freiwillige Erziehnngöbcirat für schnlcntlasscnr Waisen, der sich die Förderung öer Waisen Berlins nach ihrem Austritt ans der Schule zur Aufgabe gemacht hat und für den über IbOO Pfleger und Pflegerinnen ihütig sind, veranstaltet eine all- gemeine Umfrage über die gewerblichen Lehrlingsverhältnisse Berlins. Es sollen durch Befragung sachverständiger Persönlichkeiten aus allen Gewerbszweigen die an die Lehrlinge gestellten Anforderungen, soivie die Lehrbedingungen und die Aussichten für ein späteres Fortkommen klargestellt werden, damit die Pfleglinge dem Beruf zugeführt werden können, für den sie am besten geeignet sind: Die Fragebogen kommen jetzt zur Versendung und es ist im Interesse des gemeinnützigen Unternehmens zu wünschen, daß die sehr ausführlichen Fragebogen möglichst zahlreich und vollständig beantwortet werden. Eine Wohnungs-Enguete. Das bayrische Ministerium des Innern hat an den Magistrat in Nürnberg eine Anordnung erlassen behufs Untersuchung der Wohnungsverhällnisse der Minderbemittelten, die bis zum 1. Februar nächsten Jahres bethätigt sein soll. Es sollen u. a. die Dimensionen, Fensterverhältuisse, Heizbarkeit, Kochgelegenheit, Aborlverhältnisse, Feuchtigkeit, Wohndichligkeit, Miets- preise und der Flächeninhalt der bebauten Grundslücke berücksichtigt werden._ Arbeiterschntz in der Schweiz. Der Kanton Zürich soll ein neues Gewerbegesetz erhalten. Der oon der Regierung schon im Jahre 1894 ausgearbeitete erste Entwurf erfuhr unter Berücksichtigung der von den Arbeitern und Unternehmern gemachten Eingaben mancherlei Abänderungen, und vor mehreren Monaten ist er endlich vom Staatsrat parlanientarisch verabschiedet worden. Da im Kanton Zürich das obligatorische Referendum besteht, so hat darüber noch das Volk abzustimmen, und zwar findet die Abstimmung am Sonntag, den 17. Dezember, statt. Das Gesetz regelt verschiedene Materien. Es umfaßt 94 Para- graphen und zerfällt in folgende Abschnitte: Allgemeine Bestinimungen, Gewerbe mit handwerksmäßigem und industriellem Betrieb. Handels- gewerbe, Lehrlingswesen, gewerbliches und kaufmännisches Bildungs- Wesen, Submissionswesen, unlauterer Wettbewerb, Aufsicht und Voll- ziehung. Straf- und Uebergaugsbestiiumnugen. Das Gesetz findet Anwendung auf alle Gelverbe mit handwerksmäßigem und industriellem Betrieb sowie auf das Handelsgewerbe, soweit für sie nicht die Be- stimmungen des eidgenössischen Fabrikgesetzes oder des kantonalen Arbeiteri'nnenschutz-Gesetzes gelten. Demnach wird vom Gesetz auch der kleinste Betrieb erfaßt und kommen seine Bestimmungen auch dem einzigen Gehilfen und einzigen Lehrling, der bei einem Meister ist. zu gute. Eine Anzahl der Vorschriften sind von allgemeiner Bedeutung. So wird zur Regelung der Heimarbeit vorgeschrieben, daß, wenn Wohnräume als Arbeits st ätteu für ein Gewerbe benutzt werden, sie allen gesundheitlichen An forder un gen zu entsprechen haben. Sie müssen im Verhältnis zur Zahl der darin Arbeitenden hinreichend groß, hell, trocken, heizbar und leicht zu lüften sein und dürfen weder zum Schlafen benutzt, noch darf darin gekocht werden. Neben den Wohnungsinhabern sind auch die Hauseigentümer dafür ver antwortlich, daß die als Arbeitsstätten benutzten Wohn- räume den Anforderungen des Gesetzes entsprechen. Die lieber- wachung dieser Bestimmungen liegt den örtlichen Gesundheits behörden ob, welche über ihre Thäti'gkeit alljährlich der Direktion des Gesundheitswesens Bericht zu erstatten haben. Die zulässige Dauer der regelmäßigen iäg li ch e n Arbeitszeit in den dem Gesetze unterstellten Betrieben richtet sich nach den Bestimmungen des eidgenössischen Fabrikgesetzes. Da dieses den elfstündigen Arbeitstag normiert, so gilt dann derselbe auch für den klein st en Gewerbe- betrieb. Wird das Fabrikgesetz revidiert und der Zehn stundentag eingeführt, so gilt derselbe dann ohne weiteres auch für alle Gewerbebetriebe in Kanton Zürich. D i e tägliche Arbeitszeit des Personals der Kauf lüden soll nicht mehr als elf Stunden betragen und für kaufmännische Bureaus 60 Stunden in der Woche. Der Lohn für Ueberzeitstnnden, für St acht- und Sonntagsarbeit soll wenig st ens u m ein Viertel höher sein als der gewöhnliche Lohn. Zur Aufsicht und Vollziehung des Gesetzes werden der Regierung bezw. dem betreffenden Departement zwei Kommissionen beigegeben, eine für das Handels- und eine zweite für das Fabrik- und Gewerbe- Wesen von je 10 Mitgliedern, Welckw je zur Hälfte Vertreter der Arbeiter bezw. Angestellten und der Unternehmer sein sollen. Die Mitglieder wählt auf Vorschlag der betreffenden Organisationen der Regierungsrat.'_ UikkcvÄvtsllszrs. Mendclson, Dr. Max, Die Stellung des Handwerks in den hauptsächlich st en der ehemals zünftigen Gewerbe. X und 240 S. 8 0. Jena 1899. Gustav Fischer. Es war ein sehr guter Gedanke, die Resultate der deutschen Gewerbezähluug vom Juni 1895 mit den Ergebnissen derUntersuchnngen des Vereins für Soeialpolitik über die Lage des Handwerks zusammen zu verarbeiten. Mendelson hat dies für eine große Anzahl von Ge- werben ausgeführt und, was doppelt anerkennenswert bei einer Erstlingsarbeit, in vortrefflicher Weise. Zu bedauern ist nur, daß diese Publikation erschienen ist, bevor die letzten Bände der deutschen Berufs- und Gewerbezählung, vor allem Band III und der noch ausstehende Band 119 über„Gewerbe und Handel im Deutschen Reiche nach der gelverblichen Berufszähliing vom 14. Juni 1895" erschienen waren. Sicherlich hätte bei Berücksichtigung aller Veröffentlichungen über die letzten Zählungen das Buch noch bedeut- saniere Ergebnisse zu Tage gefördert. Aber auch so giebt es einen ausgezeichneten zuverlässigen und gut lesbaren und dabei kurzen Ueberblick über die traurige Lage des Handwerks, über die unüber- windbare Konkurrenzfähigkeit des Großbetriebes. Wir möchten diese Schrift warm empfehlen zur Anschaffung ür Aibeiterbibliotheken, vor allem für die Gewerkschaften derjenigen Berufe, die in dem Buche behandelt sind: Seiler, Gerber, Böttcher, Drechsler, Tischler. Klempner, Schmiede und Schlosser, Tapezierer, Sattler. Buchbinder, Schuhmacher, Schneider. Bäcker und Konditoren, Fleischer, Barbiere, die Baugewerbe(Maurer, Zimmerer, Maler). — n. Ter Krieg. Von Ladysinith. London, 8. Dezember.„Daily Telegraph" meldet aus Pietermaritzburg vom 5. d. M., General B u I l e r und sein Stab seien am Abend dieses Tages nach Frere abgereist. „Star" veröffentlicht eine von Eingeborenen nach Frere gebrachte Ladysmiiher Meldung, daß am 30. November die Besatzung zwei hartnäckige Sturmangriffe der Vorren zurückgeschlagen habe. Die Verluste der Boeren wären angeblich beträchtlich, die der Eng- läuder unerheblich gewesen. Eine„Slandard"- Meldung aus Ladysmith vom 2. De zember besagt, die Beschießung sei anhaltender un d verher ender. da einige' Creuzot- Kanonen jetzt daran teilnehmen. Die Boeren' beschossen das Hospital, mehrere Insassen wurden getötet oder verwundet. White ließ die Meldung nach Frere gelangen, daß ein Zwiespalt zwischen den Transvaal- und Orauje-Boereu entstanden sei, und daß ihre Vor- räte anfangen knapp zu werden. Nach Berichten von Eingeborenen machten die Boeren Montag einen Angriff in großem Maßstäbe aus Ladyimith, wurden aber mit schwerem Verluste zurückgeschlagen. Das„Reutersche Bureau" meldet ans Frere vom 7. d. Mts.: In der Richtung auf Ladysmith wurde heule früh heftiges Geschütz- seuer vernommen. Die zweite Ausgabe der heutigen„Times" meldet aus dem Lager bei Frere vom 6. Dezember: Tie Boeren brachen eins von den größten ihrer fünf Lager nahe bei Colenso ab und bewegen sich ostwärts. Kämpfe im Westen. Meldung de?„Reuterschen Bureaus" ans Moddcr-Nivcr vom 4. Dezember: In �er vergangenen Nacht ist die Verbindung mit Kimberley hergestellt worden. Es wurde von dort gemeldet, daß alles wohl sei. daß die von hier mitgeteilten In- tormationen als befriedigend angesehen würden, und daß reichlich Vorräte vorhanden seien. Die Stadt sei seit dem 25. November nicht mehr bombardiert worden. Da im Fluffe viele Leichen des Feindes gefunden wurden, welche das Wasser verpesteten, ist das britische Lager eine Meile weiter nach Norden verlegt worden. Das„Reutersche Bureau" meldet ferner vom 6. d. M. ans Pretoria: Hier ist die Nachricht eingegangen, daß heute früh 6 Uhr in der Nähe des Modder-Flusses ein Gefecht begann. Im Norden der Kapkolonic. Queenstow», 5. Dezember. Nach Meldungen, die hier aus Ladhgrey eingetroffen sind, haben nicht die Freislaat-Boeren, sondern Aufständische der Kapkolvnie Dordrecht besetzt. Strrkstroom, 5. Dezember. Zur Verstärkung der Division des Generals G a t a c r e treffen neue Truppenabteilnngen schleunigst ein; unter denselben befinden sich die 77. und 74. Batterie. Boeren- Abteilungen stehen noch in der Nähe von Dordrecht. Schamlose Ccnsur. London, 8. Dezember.(B. H.)„Daily Telegraph" beklagt sich bitter über die Censur, welche an den aus Südafrika einlaufenden Telegrammen geübt wird. Das Blatt teilt mit. daß ein Tele- gramm, welches über 1500 Fr. gekostet hat und am 8. N o« v e m b e r aufgegeben worden ist, ihm jetzt erst zugestellt wurde. Es ist dies die zweite Hälfte des Telegramms über die Schlacht bei Ladysmith, dessen erster Teil vor 14' Tagen veröffent- licht ivorden ist. Unterstützung durch das„Note Krcnz". Lanrcnyo MargucS, 6. Dezember. Der deutsche Dampfer „König" ist hier mit einer deutschen und einer holländischen Ab- teilung des Roten Kreuzes eingetroffen. Die Abordnung wurde hier von den deutschen Konsuln in Transvaal empfangen und wird morgen in einem für sie bereit stehenden Ambnlauzzuge nach Trans- vaal abfahren. Major v. Wißmann über die Boeren. Jnteresiant sind die Aeußerungen, die Herr v. Wißmann soeben in der„Steir. Alpenp." über die Aussichten der beiden kriegführenden Parteien gethan hat: „Die kriegerischen Vorzüge der Boeren werden sich ziemlich auf- wiegen gegen den enormen Reichtum an Kriegsmitteln der Eng- länder. Ich glaube, dieser Krieg wird ei» langes Ringen ohne besonders entscheidende Schläge werden; er wird sich, sollte England, nicht auf einem andern Teil seiner kolonialen Interessen bedrängt, mit seinem ganzen Reichtum an Mitteln gegen die Boeren auftreten können, in einen Kleinkrieg auflösen, in dem die Boeren noch Jahre lang, ja bis zu einem gegenseitigen Uebereinkommen das Feld halten werden. Von einer absoluten Unterjochung könne keine Rede sein. Es müsse sich ja nun bald entscheiden, ob General Joubert die englischen Entsatz- truppen aufhalten und zurückweisen kann.„Sollte ihm das gelingen. so wird sich die Partei der Boeren so stärken, daß ein weiterer. fpäterer Nachschub von Entsntztruppen den Engländern nichts mehr nützen wird. Afrikander und manche Partei, die heute noch im Schwanken begriffen und durch den englischen Einfluß nieder- gehalten wird, sowie auch viele Eingeborene werden sich dann offen für die Boeren erklären. Transvaal und der Orange-Freistaat werden dann freie selbständige Republiken bleiben, wenigstens noch auf lange Zeit. England wird in seine schon von den Boeren voll- kommen anerkannten Besitzungen zurückgedrängt werden. Gelingt es aber den Engländern, ihre Entsatztruppen herbeizuführen, zu vereinigen, die von den Boeren jetzt bedrängten Truppen zu ent- setzen, dann beginnt ein langwieriger Kleinkrieg, dessen Ende gar nicht abzusehen ist. Die Boeren werden fechten, man kann ivohl den Ausdruck gebrauchen: bis zum letzten Blutstropfen. Niemals werden sie sich durchaus unterjochen lassen." Letzte Meldungen. London, 8. Dezember. Lord Salisbury wohnte heute einem Ministerrate bei, in welchem ganz besonders die Frage des Auf- standes der Holländer in der Kapkolonie zur Sprache kam. Dieser Aufstand scheint bedeutend ernster zu sein, als bisher vermutet wurde. Derselbe paralysiert vollständig die Bewegungen der Generale French und Gataere, welche mit einer starken Kolonne nach dem Oraujeflusse aufbrechen sollten, um von dort in den Oranje-Freistaat einzudringen. Es wird versichert, daß eine ausgedehnte Ver- schwörnng in Kapstadt entdeckt worden ist, und daß zahlreiche Ver- Haftungen bevorstehen. London, 8. Dezember. Das Kriegsamt giebt bekannt: Von Lord Methuen sind heute keine weiteren Nachrichten eingegangen. Indessen sagt ein Telegramm aus Orange-River-Station, daß heute früh bei Graspan die Eisenbahnüberführung gesprengt wurde. Der Telegraph sei abgeschnitten. Führer bringen Meldungen von heftigem Gescluitzfeuer im Norden. Pretoria, 7. Dezember.(Meldung des„Reuterschen Bureaus".) Folgendes Telegramm ist hier aus dem Hauptlager vor Ladysmith vom heutigen Tage eingegangen: In der letzten Nacht ging hier die Nachricht ein, daß die Engländer auf Colenso vorgehen, aber die Nacht verging, ohne daß ein Angriff erfolgte. Heute früh begann ein ungeregeltes Kanouenfeuer. Die Schiffsgeschütze in der Stadt erwiderten es kräftig._ Nachtrag zum Reichstagsbericht. In der Sitzung am 1. Dezember ist ein Passus aus der Rede des Genoffen Stadthagen herausgeblieben, den wir hiermit nach- tragen: ' Bei Beratung des Bürgerlichen Gesetzbuches ist von allen Seiten anerkannt worden, daß eine Beschränkung des Koalitionsrechts durch die Arbeitgeber etwas gegen die guten Sitten Verstoßendes sei und deshalb ein diesbezüglicher Vertrag ungültig sei.(Hört, hört l bei den Socialdemokraten.) Auf Antrag des CentrumS und auf meinen Autrag ist ausdrücklich die Beschränkung gestrichen worden, da diese Handlungen, die wider die guten Sitten verstoßen, gegen das Gesetz sein würden, auch wenn jemand ein formales Recht gebraucht. Nach der Ansickt des Kollegen Gröber ist es eine der hervorragendsten Eigenschaften des Bürgerlichen Gesetzbuches, daß es den Wert der Arbeitskraft anerkennt und diese als etwas zu Schützendes dar- stellt. Sie gehen aber zurück auf frühere verbohrte, reaktionäre An- schauungen, wenn Sie der Arbeitskraft nicht dasselbe Recht geben wollen, wie irgend einem anderen Teile des Eigentums. Hier zeigt es sich:'wer ist der Feind des wichtigsten Eigentums des Menschen, der Arbeitskraft. Verlangen wir zuviel, daß die Arbeit, die früher mißachtet, von Sklaven verrichtet wurde und heute von Freien verrichtet wird, denselben Schutz genieße wie das Eigentum? Dieser Paragraph ist ein wahrer Paragraph zum Schutz der Arbeitswilligen, und die Regierung müßte ihn eigentlich einbringen. Ich würde es verstehen, wenn manchen Leuten die hier festgesetzte Strafe zu gering erscheint und nichts dagegen haben, wenn für diese Mißachter des Koalitionsrechts das Arbeitshaus an Stelle des Ge- sängnisses tritt.(Heiterkeit.) Tehke LlÄchcichkon und Dopesrhrn« Französische Deputiertenkammcr. PariS, 8. Dezember. vraltifcheStesnltaie zn erzielen. Wir Häven im Jura Genoffenschafte». sie die socialistische Propaganda mit Geldmitteln unterstützen. Mille- rands Eintritt ins Ministerium ist bei uns als eine Erleichterung begrüßt worden angesichts der Gefahren der dckiüäligeii ZltUätloN. lSnikinischer Beifall.) Millerands Ministerschaft hat die Aktion unserer Geiverkschafteit und Genossenschaften angesporiit. Redner beslirwortet sodann die organisaiorische Einigling ans der Grundlage der dcpartementalcn Föderationen.(Lebhafter Beifall.) Die Debatte llder de» ersten Punkt der Tagesordnung wird mit Mehrheit geschlssse«». Vorher ivurde noch per Acclamation Sie Begrüßnltg der söcialistischeN Parteien alle? Länder beschlossen. Rstdes, einer der Leitir der Streiks iN Monteeau-Ies-MiNes NNd ln C r c N z o t, erhält danach das Wort, NM über de» Verlauf der Streiks zn berichten, die Niali gegen Millerand ins Feld geführt hat. In Crciizot war es der' knhiie Plan dcS AnszNges nach Paris, der Waldcck-Rouffeau zn feinem Schiedsspruch beivoaen hat aus Furcht vor dem Auszug. Aber die Folgen des SchicoSspruches? Die verbürgten Rechte der Arbeiter iverden mit iißen getreten. Täglich werden organisierte Arbeiter, besonders die 7italiedcr des Gewerkschaftsvorstandes gemaßreuett. ILebhaftcr Beifall bei Gncsdisten und Blangutsten.) Alle Reklamationen der Arbeiter bei Waldcck-Rousseau Heiken Nichts. Der Schiedsrichter laßt ruhig seine Entscheidung mit Füße» treten. Millerand hat zivar große Anstrengnngc» zu Gunsten der Arbeiter von Ercuzot gemacht, ober er war ohnmächtig. DaS kapitalistische System Ist daran schuld.(Lebhafter Beifall.) Ich weiß, daß Millerand Reformen anstrebt, aber werden sie auch verwirklicht iverden? Sind nicht alle Arbciterschlltzgcsctzc infolge der kapitallstischen Herrschaft auf dem Papier geblieben? 18 Jahre nach Einführung deS Koalitlons- gesetzcs muß man ein ilcncs Gesetz machen, um jenes sicher zu stellen I Und ist das neue Gesetz votiert, so werden die bourgeoiscn Richter für dessen Verfälschung sorgen.(Lebhafter Beifall.) Iii de» Streits von Gnegnon, Caeii, Montlu?on und des Doubsthales ist das Militär trotz des aiiten Willens MillerandS in alter Weise gegen die Arbeiter anfgeboteil ivordcn.(Lebhafter Beifall.) Dort Iväre UM ein Haar ein Gemetzel angerichtet worden. Und welches iväre dami die Situation des socialistischen Ministers ge- wcscu? Diese Erwägung hat noch insbesondere gegen die Minister- schaft entschieden. Ich bin auch für eine erweiterte Anffassuna des KlasscnkailivfeS, für ein allseitiges Eindringen in die kapitalistische Hochburg, für eine allseitige Aktion»ach dem Muster der belgischen Socialisten. Aber die Ministerschaft gehört zum Klassenkampf nicht' (Lebhafter Beifall.) Nach einer verworrenen und unruhigen Disknsston für nnd ivider da? sofortige Votum über Punkt!, schließt die Sitzung um IL�/s Uhr nachts. Paris, 6. Dezember. Gechste Sitzung. Mittwoch, nachmtttags S'/e Uhr. TagcSpräsideiit Drlcsalle, Bürgermeistcr-Adjunkt von Lille, zu dcnjeiiigeil GncSdistei« gehörend, die mit den Unabhängigen zn- sammengeh«». Zunächst ivird ans den Vorschlag der GueSdeschcn Arbeiterpartei cinstiniinig beschlossen, deni gestern ausgeschlosseneii Joindy wieder die AnSübnng feines Delegierten-Mandats zn gestatten. Es entspinnt sich eine neue Debatte für und wider die Wieder- eröffnung der Diskussto» über den ersten Teil deS erste» Punktes der Tagesordnung(Fall Millerand). Der Schluß der Disknsston ivird hauptsächlich mit gucsdistisch-blaiiqnistischcn Mehrheit endgültig votiert. Wir müssen nachtrageii, daß n a ch S ch l» ß der Abeiidsitzung vom Dienstag ein Teil der GueSdisten mit dem Abg. ZevneS an der Spitze versucht hat, ein neues Burcan zu bilden und die Sitzniig ivieder zu eröffnen, um die sofortige AbstiNinmng über de» Fall Millerand vorzunehmen, trotzdem die Resollitionskomniiisioii sich noch nicht riiimnl koiistitnicit hatte. Heute protestieren in der „Petite Rspnbliqnc" ilcim guesdistische Abgeordnete(unter 13) nnd drei weitere gnesdistische Delegierte gegen jeden„UeberrumpelungS- versuch". Die„Petite Ropublique" schreibt ihrerseits:„Der mächtige Geist der socialistischen Einigung und Loyalität, der die übergroße Mehr- heit der Delegierten beseelt, tvird diese Manöver vereiteln: sie werden sich mil schrecklicher Gewalt gegen deren Urheber kehren." Da DelesalleS Beteiligung an der RcsolutivnSlonimissto» not» wendig ist. Ivird er im Präsidium durch Abg. F o u r n i tz c e(Un- abhängiger)-»'setzt. Iii die Komniisston werden»och sechs Gelvcrkschnfts- und drei GciiosicuschoftSvcrtrcter gcivählt. Crrtz, Berichterstatter der M a n d a t s p r ü f u n g S- K ommission, berichtet über eine Anzahl bestrittener Mandate. U. a. beantragt dir Konuuisslo», die Delegierten de« Wahlkreises Ncnilly(bei Paris) ziiziilasse», da die dortigen socialistischen Gruppen nicht dafür z» büße» haben, daß der von ihnen auf- gestellte Kandidat, der seitherige Abgeordnete L n l o g r. sein socialistischeS Wahlprogranim verleugnet hat und in der Kammer der linksradikalen Fraktion beigetreten ist. Der Kommissionsantrag ivird bekämpft unter Hiuiveis darauf, daß Laloge zugleich von den Radikalen unterstützt ivar und autircvolutionäre Erlläruuge» schon während der Wahllampagiie gemacht hat. Die Delegierten von Neuilly werde» mit erheblicher Mehrheit zngelaffe». Die weitere» Anträge der Kommission iocrdc» nach kurzer Debatte en bloc au- geiiomiiien. Hierauf wird ohne Debatte eine Motion eiiistiunnig auge« »o, nm en, die die Wahrung der Ruhe und der Wortfreihcit der Redner verlangt. Nim begimit die Diskussion über den zlveite» Teil deS Pnnkt l: „Mittel nnd Wege zur Erobernng der Macht." Betaut(rcvol. Unabhäiigigerf bcfürlvortct den General« streik, zn deffcn Urhebern er gehört. Alle Gcivcrkschaftskoiigreffe seit dem Marsciller von 1302 haben de» Generalstreik votiert. Die socialdeiiiokratisckie Partei darf nicht die Beschlüsse des orgaiiisicrtc» Proletariats inißachteii, sie muß mit den Gciv erkschaften ja an ihrer Spitze inarfchieren.(Beifall.) Die teilweise» Streiks sind politisch ivie ökonomisch erfolglos. Vom ökonoiiiischrn Standpunkt ist es uu- möglich, Gegner des Generalstreiks zu fei«, wenn man Anyänger der getverkschafllichen Organisation ist. Wie der einzelnen Gelverkschaft, mag sie es wollen oder nicht, der teilweise Streik sich ausdrängt, so kau» der Fall eintreten, daß die Gesniiitorgaiiisnlion sich vor die Not- wendigkeit des Generalstreiks gestellt ficht. Vom politischen Stand- pnnkt wendet man ein, der Generalstreik sei sa die sociale Revolution: wozu also jenen nnd nicht gleich diese zn predigen? Ich antworte: der Generalstreik ist ebenso wie die Revolution von der Entwicklniig und den Umstäiiden abhängig. Man kann nicht die Revolution dekretieren, aber der Menschenivillc kann die Entwicklung bcschlennigeii nnd die Ereignisse vorbereiten. Gnesde sagte gestrrit, wir Ivürten die R e» o l n t t o n mit dem Gewehr in der Hand machen. Aber wo sind die Gewehre?( Lebhafter Beifall.) Der Gciieralslrcik ist eben ein Mittel zur Durchsührinig der Revolution. Die alten R e v o l ii t i o» s in e t h o d e ii t a n g e n nicht mehr. Wie im Krieg alles auf die rechtzeitige Mobilisation ankoniint. so auch in der Revolution. Nim, die Mobilisation des Proletariats ist am schnellsten durch die Gcwcrtschaften z» bcwcrlstclligeii. Selbst ivenn (vir die Majorität im Parlament hätten. � so wären wir nicht im stände, mit der Majorität allein unser Ziel zu verwirklichen. Die Bourgeoisie würde die Armee gegen die socialistische Parlaments- Mehrheit aufbieten. D e r G e n e r a l st r e t k würde d t e ni i l i- t ä r i s ch S A kti o n lähme». Der mißlungene vorjährige General- strcikversnch beweist nichts. Es war aber der erste Versuch, der zn- dem in besonders lliigüiistiger Titnation stattfand. Wer den General- streik vorbereitet, handelt als Socialist und Revolutionär.(Lebhafter Beifall.) Delory» guesvistischer Bürgermeister von Lille: Keine Waffe kann als die beste gelten und andere Waffen verdräiigeii.� Die Wahl der Kmiipfesinittel hängt von den Umständen ab. Die Revolution wird meines Srachlens viel leichter die Folge politischer Ereignisse sein, als die Folge ökonomischer, denn diese haben eine lokal beschränktere Wirkung als jene. Wenn man erklärt, der Geiieratstretk ist ein Mittel, das in einem bestimmten Moment an- gewendet werden kann, so bin ich kein Gegner des Generalstreiks. Dieses ist für mich kein Princip, sondern lediglich ein Mittel. Die belgische Partei, die den Generalstreik zu einem bestimmten Zweck gemacht hat, treibt doch keine speciclle Agitation für den Geiieral- streik. K o in in t einmal ein g ü n st t g e r Moment, dann bin ich bereit, die Zweckniüßigleit des Generalstreiks zn prüfen. Aber es Ist falsch, ihn a l s' d a S einzige revolutionäre Mittel und Princip z n erklären. Das einzig revolutionäre Princip ist, wie Vnillants Resolution besagt, d i e Diktatur de? Proletariats.(Beifall.) Anbörot, Allemanist, spricht für den Generalstreik, ohne neue Gesichtspunkte zn entwickeln. Lc Page erklärt kurz im Namen der Vlanqnisten, daß sie den Generalstreik anerkennen, weil sie alle revolnlionärcn Miitel aner- kennen.(Beifnll.) Dallcniont spricht namens der Bronssisten(Possibilisten) über W ahla ktion. Man kann Socialist sein, ohne eS zu wissen. (Widerspruch.) DaS gilt von den Bauern, nuter denen Redner wirkt. Sobald die Bauern die Vornricile gegen die von den Bourgeois ver- lcunidcten Socialisten überwendeii, werden sie iniseren Ideen zu- günglich. Man braucht aber hierzu, die richtige Methode anzuwenden, das'Minimalprogramm ihnen anSeinanderznsetzen. Wirken wir also auch unter den Bauern!(Beifall.) Döjeantr(Koniliiuiiist. Alliance) freut sich, den Generalstreik nicht mehr so heftig wie früher bekämpft zu sehen. Millerauds Ein- tritt i»S Miniftertnm hat einen im Entstehen begriffenen Generalstreik vereitelt.(Beifall und Widerspruch.) Die Rücksicht auf den Generalstreik ist ein weiterer Grund gegen die socialistische Beteiligung am Miiiisterinm. Der Streik von Crcuzot tvar ein Vorspiel des Generalstreiks. Chaussepat befllrivortet namens der Gewerkschaften den General- streik, aber die ökonomische Aktion muß durch die politische unter- stützt werden. Schluß der Sitzung um 6 Nhr. (Schluß siehe Hanptblatt.); Sociale Mechkspflege. Selbständige»' Tchankbetrieb oder Rebeubetrieb de« Land- Wirtschaft? Die westfälische ltindwirtschaftliche Berufsgeiiossciischnft hat in ihrem Statut eine auf Grund des Gesetzes aufgenommene Bestimmung, wonach der ZwailgSversichcruug bei ihr Landwirte mit eiuciii Jahrcscilikommeu von mehr als 2000 M. nicht unterliegen. Ilntcr Bezugnahme ans diese Bestiniinmig verweigerte die genannte Bcnifsgcnossenschast dem imfallvcrlchtcn Landwirt und Brennerei-' besitze»' Haverben die Gewährung einer Rente. H. legte Berufung ein und wandte sich später, als diese erfolglos blieb, mi das Mcichs- Verstchcrinigsamt. Er führte ans, daß er aas der Landlvirtschaft nur 000 M. jährlich erziele, während die übrigen 1L7S M. seines JahreSciilkonimcns ans der Brennerei und sciiiciii Schmikbetriebe stammten. 200 M. entfielen auf den Ausschank, so daß sein Jahres- einkotiMien ans der Landwirtschaft selbst dann weniger wie 2000 M. betrage, wenn die Brennerei als Nebenbetrieb der Land- Wirtschaft angesehen werde. Somit wart er zivangsiveise bei der Beriifsgenosienschaft versichert. Indessen auch das Rekursgericht er- knlinte zu seinen llngunften. Es ging davon ans, daß die Brennerei ein Ncbenbetrieb der Landwirtichaft sei und daß anderer- seit« der Ausschank zu eng mit diesent Ncbcnbetrlebe z u s a in In e n- hänge, um ansgeschnllct werden zu können. Hilfsarbeiter der Töpfer nnd JimnugS- Schiedsgericht. Die Kammer III des G c iv e r b e g e r i ch i s hat einen jugendlichen Arbeiter, der den Töpfern des Jmmiigsnieisters Segnnterra als Zuträger gedient hatte, mit einer Klage gegen den genannten Meister wegen llnzuftändigkcit des Gewcrbcgerichts abgewiesen und be- grimdend ausgeführt: Das Jnnnngsgcsctz(Novelle zur Gewerbe- OrdmlNg) dehne die Zuständigkeit der Jnmmgs- Schieds- gcrichte auch auf die gewöhnlichen nNa'e lernten i'l r b e t t e r derjenigen Jiinliiigsmeiste»' ans. für die ein JiminigSgericht zuständig sei. Für den Beklagten sei mm an sich das Schiedsgericht der Tvpfer-Jiiming maßgebeitd, deren neues Statut bereits genehmigt sei Nicht z u st ä n d i g für die Klagen» n g e l e r n t« r Arbeiter von Mitgliedern der Töpfer- Innung wäre deren SchledSgcrichl nur dann, wenn die ungelernten Arbeiter des Töpfergewerbes nicht ordnungsmäßig in dem I n n ii n g S- G e s e l l e Ii a u S f ch n h vertreten wären. Ob dies der Fall oder ob es nicht der Fall fei, habe aber nicht das G e w e r b c g e r i ch t festzustellen, das wäre vielmehr Sache des JmmngS-Schicdögcrichts. Gewerbcgericht»nd JiinungS-UchiedSgericht. Der Glaset N. halte den JnnuilgSmeistcr K a st e i ii i ck e beim Gewerbe- geeicht auf Gewährung einer vierzchntägigen Lohnentschädignng verklagt, weil K. ihn ohne vorherige Kündigung plötzlich entlassen hatte. Da die Glascriiiliung bei einem Jnimngs-Schiedsgericht be- tctligt ist, Icyntc es die Kammer III des Gewerbegerichts wegen lliizuftäiidigkcit ab, tu der Sache zu entscheiden. Doch meinte der Vorsitzende, Gewcrberichter Schalhorn, die Parteien könnten beim Gewerbcgcricht eiiien Vergleich schließen. Der Beklagte >var nicht abgeneigt, den Kläger ivieder in Arbeit zn nehmen. Die»och nicht abgelaufene zweite Woche der � Kündigungsfrist wollte er ihn bestinnnt beschäftigen, während für spater die Kündigung ausgeschlossen sein sollte. Es kam auch ein derartiger Vergleich zn stände, der Kläger erklärte dann jedoch, er verzichte nicht ans eine Entschädigung für die ersten 8 Tage. Im Ein- Verständnis mit den Parteien wurde nunmehr in das Protokoll noch ansgenonmic», daß der Kläger beantrage, seine Sache insoweit dem Jmimigs-Schicdsgericht zu' überweisen, als es sich um die Eni- Ichädigung für die erste Hälfte der Kündignngssrist handele.— Es liegt hier sonnt der cigentiiinlichc Fall vor, daß ein Rechtsstreit zur Hälfte vom Gcwerbencricht erledigt wurde, während dem Jmiutigs- Schiedsgericht der Reit verblieb. Vcvsttmmlungvn. Ter Tentfche Holzarbeiter- Verband beschäftigte sich am Sonntag in seiner Generalversammlung mit der bevorstehenden Er- »IchtuNg der ZwangSiiiilnna für das Tischlergewcrbe, ivelche am 1. Januar in Kraft tritt. R o b. Schmidt legte einleitend die ver- schiedenen Bestiniinlingrii klar, die durch das Gesetz getroffen sind. Er schilderte den Aufbau nnd die Thätigkeit der ZwailgSiiliinng nnd empfahl eine rege Beteiligung bei der Wahl des GesellenausschusseS. illedncr kritisiert dann das heutige Krankenkaffenwese». Durch die ZwangSimiung mit ihrer Kafsciieiiirichtnng lverdcn Taufende unserer Kollegen geschädigt, weil sie ihrer Rechte in den alten Kassen(Orts- Krauieiikassc) verlustig gehen. Wir müssen daher dahin wirken, das Kaffcnwcseii einheitlich zu gestalten. Geht'S Nicht anders, dann muß auf die Auflösung der JnitMiaS-Kraukelikasicii hingewirkt werden. Durch die Zlvaiigöiitnuugcn erhalten auch die Jmiungö- Schieds- g«richte eine Bedeutung, die sie jetzt nicht haben. ES wird der Nechtszustlmd für den Arbeiter wieder verschlechtert., anstatt. ver-! Diese Karten werden v.on allen Vertrauensleuten und in sämtlichen bessert.>veil für alle bei Jnnuiijv'ineiitern beschäftigten Tischler das Gcwcrbcgericht nicht mehr zuständig ist. Es tritt dann der iompliciert« Apparat mit Berufung an die ordentlichen Gerichte wieder ins Leben. Zum Schluß erläuterte Redner die Handwerks lanimern und die Arbcitcrvcrtrctung an diesen In der Diskussion wurden vom Referenten einzelne Fragen be antwortet. Gegen die Beteiligung an den Wahlen zum Gesellen ausschuß war niemand. Es wurden sodann von der Versammlung für den Gesellen auSsaniß folgende Mitglieder nominiert: Arndt. Borchard, Dick. Elsasser, Engmann, Eulenfeld, Gcppcrt, Hafsncr. Hascloph, Klingner. Loge. Luche, Mann, MattcS, Mcndc, Munien, Lftermann und Sluche Sobald bekannt wird, aus wie viel Personen sich der Ausschuß zusaumrensetzt, soll die Ortsvcrwaltung eine engere Wahl für eine einheitliche Vorschlagsliste vornehmen. Beim zweiten Punkt der Tagesordnung, Gankonferenz, wurde bcschlosscir, zehn Delegierte zu wählen. Vorgeschlagen wurden Abrens, Böskc, Brinkmann, Bünte, Dcnzer. Tiet, Fendel. Glocke Koppen, Kunze, Krause, Maaß, Malina. Risse», Schulz, Sickseld und Tabert. Da die Zeit vorgeschritten war, so wurde die engere Wahl ebenfalls der Verwaltung überlassen. Mit dem Hiniveis, daß jeder Kollege über 2! Jahre seine Stinnne abzugeben habe, wenn die Wahlen zum Gesellcnausschuß stattfinden, wurde die gutbcsuchte Versammlung geschlossen. AuSschußsitzmig des Arbeiter-Sänger bundcö Berlins und Nrngcgend vom 19. November 1899. Aufgenommen wurden die Mäimergesangvereinc„Osten",„Wach aus!"„Wilhclmsbcrg",„Einig feit N.W." Der neue Vorstand besteht aus folgende» Personen Richard Thate, 1. Vorsitzender, Schvncberg, Grnnewaldstr. 99; Paul Kupfer, 2. Vorsitzender; Max Wcgner, 1. Schriftführer; Otto Jsaack, 2. Schriftführer; Gottfr. Borg, 1.' Kassierer; Ad. Weber, 2. Kassierer. Textilarbeiter. In der öffentlichen Versammlung der A p p r e teure und Färber von» 29. November sprach Kotzte über „Arbeitcrlohn und Unternehmergewinn". Sobann wurde über die Maßregelung des Kollegen Glöge, der von der Firma Riedel, Köpnickerstraße, entlassen tvordcn war, verhandelt; die Versammlung beschloß, den Genannten moralisch und materiell zu unterstützen. Eine glttbcsnchtc Bczirksvcrsammlung der Zimiiicrcr für Süden, W e st e n und Schön ederg tagte am 39. November im Königshof. Mylcr referierte über„die Beschlüsse des Arbcitgebcrbundes für das Baugeiverbe und die Vereinbarungen zwischen den Berliner Zimmerern und ihren Arbeitgebern." Die Form und die Taktik. ivelche die Organisation der Unternehmer einschlägt, sei dazu angethan, den Arbeitnchmcril die Augen zu öffnen und sich nicht durch prahlerische Ergüsse, wie z. B. im Organ der Herren im Hause. schrecken zu lassen. Der Redner forderte auf, streng die von der Achtzchner-Kommission gefaßte» Beschlüsse einzuhalten und jede Un- regelniäßigkeit sofort dem Bureau zu melden. In der sich hieran schließenden Diskussion meint Th. Fischer: Wenn wir i» diesem Jahre auch nicht viel errungen haben, so ist es den Arbeitgebern doch schon leid, diese wenigen Zugeständnisse gemacht zu haben. Jedenfalls aber halten>vir besser Wort, als die Arbeitgeber. Wie sieht es denn mit den in dem Vertrag vorgesehenen Baubuden aus? Sodann erstattete Hinrichscn Bericht über die zweite Kon serenz der Vertrauensmänner-Centralisation der Zimmcrcr Deutschlands vom 26. November 1899. Interessenten ersehen das Protokoll der Verhandlungen in Nr. 43 der„Einigkeit". Eine öffentliche Vcrsammlnng der Schmiede tagte am Sonntag im Grand Hotel, Alexanderplatz. Michaelis erstattete einen kurzen Bericht über die Thätigkeit des GcscllcnauSschusscs. Die Ausführungen gingen dahin, daß leider das Recht des Gescllenausschusscs nur auf dem Papier steht, daß diese Zustände aber nicht eher ge- ändert werden können. che nicht die Gesamtheit der Berliner Schmiede hinter dem Ausschuß steht. BasnerS erfuhr das LehrlingSwescn Schmiede-Jnnung. Eine Aendcrung eine starke Organisation zu erzielen. gang. Sodann hielt Stadtverordneter Ad. Hoffmann einen nnt großem Beifall aufgenommenen Vortrag. Die Rohrer beschlossen in der Versammlung am 3. Dezember. nach einem Referat Gehls, dem Gcivcrkschaftskartcll beizutreten und wurde demgemäß zur Wahl der Delegierten geschritten. Ans der Wahl ging W. Wernau und als Ersatzmann G. Wichmann hervor, dieselben ivurden auch einstimmig als Vertrauensmänner gewählt. Die Wahl der Revisoren fiel auf F. Bchrcnd und A. Steimnar. Ferner wurde beschlossen, wöchentlich 29 Pf. für den AgitationS- und llnterstützungssonds vom 1. Januar 1999 an den Vertrauensmann abzuführen und zwar durch Deputierte, welche sich die Kollegen bei jeder Firma zu wählen haben. Der Verein zur Wahrung der Interesse» der Maurer Berlins und Nmgegcnd hielt am 3. Dezember seine Mitglieder- Versammlung in den«Borussia- Sälen", Ackerstr. 6/7. ab. Genosse Dr. Wehl hielt einen Vortrag Über: Alkoholismus und moderne Arbeiterbewegung, Sodann wurde folgender Antrag angenommen: Sollte das frühere Mitglied Meyer versuchen, sich in dem betreffenden Berein wieder aufnehmen lassen zu wollen, so darf das innerhalb eines Jahres nicht geschehen, nach Verlans eines Jahres ist die Wiederaufnahme desselben von einer Mitgliederversammlung ab- hängig. Wegen Accordarbeit wurden eine' Anzahl Mitglieder aus dem Verein ausgeschlossen. Dann wurde der Antrag angenommen. daß ausgeschlossene Mitglieder, wenn sie dem Verein wieder beitreten wollen, den Antrag selbst oder durch ein Wütglied der Ver- sammlung vorzulegen haben. Alsdann wurde bekannt gegeben, daß die Zahlstelle SO. nach Wrangelstr. 21, Ecke Pücklerstraße zu Herrn Albert Gratzig, verlegt worden ist. Verband der Bau-Hilfsarbeiter. Die Zahlstelle III hielt am 3. Dezember eine Versaminlung ab, in welcher der Genosse Kiesel nach Erledigung einiger Vereinsangelegcnheiten einen beifällig aufgenommenen Vortrag hielt. Der Fachvcrcin der Mnsikiiistrumcntcn-Arbcitcr hielt am 4. Dezember seine Mitgliederversammlung ab, in der Genosse Hoff- mann referierte über:„Ans was>vir stolz sind". Der Redner fand mit seinen treffenden Ausführungen den vollen Beifall der Ver- sammlung. Deni Vortrage folgte eine kurze Diskussion. Unter Vereinsangelegenheiten ivurden die Vorgänge in der Fabrik von H. Schulz' eingehend besprochen. Allgemein' verurteilt, selbst von anwesenden Berbandsmitgliedern, wurde das Verhalten des Holz- arbeiterverbandes, dessen falscher Taktik eS zu danken sei, iveiin die Angelegenheit keine für die Arbeiter günstige Erledigung fand. Die Stock- und Schirmarbcitcr hielten am Mittwoch eine stark besuchte Versaminlung ab. An Stelle des am Erscheine» verhinderten NeichStags-Abgeordnctcil R o s e n o w referierte Paul Jahn über: „Unternehmertum und Arbeiterklasse im Kampfe um ihre Interessen" unter lebhaftem Beifall der Anwesende». Eine Besprechung über den Vortrag wurde nicht beliebt. F l u ck e erstattete hierauf einen aus- führlichen Bericht über Entstehung, Verlauf und gegenwärtigen Stand des Streiks der Wiener Stockarbeiter Die noch etwa 425 Streikenden, von denen sich nur wenige Streikbrecher gefnnden haben, verlangen u. a, Anerkennung der Organisation, Einführung des Neunstund'ciitages und der Lohnarbeit zc. Eine Anzahl Unternehmer haben über 299 Arbeitern diese Forderungen bewilligt. Im übrigen crivartct de: Redner von den Berliner Kollegen eine kräftige Unterstützung, um eine» raschen und vollständigen Sieg der Wiener Stockarbciter zu ermöglichen. Sodann wurde beschlossen, daß alle arbeitenden Berliner Stock- und Schirmarbeiter mindestens 39 Pf. pro Woche als Unterstützung an die Wiener Streikenden während der ganzen Dauer dieses General- ftreikS zu zahlen haben. P o b i g ersucht am Schluß der Bersainm- lung um zahlreiche Beteiligung, bcziv. Entnahnie von Einlaß- Eine scharfe Kritik von feiten und der Arbeitsnachweis der sei aber auch hier nur durch Im selben Sinne sprach Liese- s Zahlstellen der Stockarbciter verausgabt. Ter Arbcitcrvcrtretcr-Verci» hielt am Mittwoch bei Buske. Grenadierslr 33, eine Versammlung ab. Wie E S» m a n o w s! i berichtete, sind die Kandidaten, die in der vom Arbeiierverlreler- Verein nach der Brauerei Friedrichshain einberufenen Versammlung aufgestellt worden sind, mit großer Majorität als Vertreter zur unteren Verwaltungsbehörde der Jnvaliditärsanstall Berlin gewählt worden. Ein genaues Resultat ist allerdings noch nicht bekannt, da die amtlichen Zahlen noch nicht verön'entlicht worden sind. Ob- gleich ein einheitliches Vorgehen eingeleitet worden ist— auch seitens der Arbeitgeber— ist doch eine bedeutende Zersplitterung und zwar aus beiden Seiten zu verzeichnen. Zum Teil ist die Zersplitterung daraus zurückzuführen, daß Kandidaten nominiert wurden, die den von der betreffenden Versammlung gestellien Anforderungen nicht entsprochen, und daß seitens der Orts- Krankenkasse der Kausleute noch Wünsche geltend gemacht worden sind, so daß nachträglich eine Abänderung der Kandidatenliste not- wendig war. Dem Bericht folgte eine längere Diskussion in der sich fast all? Redner zustimmend zu den getroffenen Maßnahmen äußerten. Hierauf berichtete Warnst über die bisherige Thätigkeit und Funktionen des Ausschusses Die interessanten Ausführungen des Redners ivurden von den Versammelten mii lebhaftem Beifall ausgenommen. Von einer Diskussion wurde abgesehen und als VeNrelcr'zum Aus- scbiiß unter denselben Borbedingungen. wie die Schiedsgerichts Beisitzer, folgende Genossen ausgestellt: Warnst, Mude, Seibt Z i in p e I,' D ä h n e, A r c» s, G u tt h e i t, Günther, Lcmpfuhl und Baader, Außerdem wurden 19 Stellvertreter zum Ausschuß gewählt. Dem Vorstande deS Arbeilcrvcrtretcr-Vcreins wurde es überlasse», gemeinsam mit den Beisitzern zur unteren Verivaltungsbchörde noch weitere 29 Vertreter zum Ausschuß zu wählen. Die übrigen Punkte der Tagesordnung wurden der borge- rückten Zeit wegen bis zur nächsten Versammlung vertagt. Rnmnielsbnrg. Was verschuldet den Stillstand in der Enttvickelung der Gemeinde Rum melsbnrg? lieber dieses Thema referierte der Geniciiidevcrlrctcr Genosse Ritter in einer außerordentlich starkbesuchten Volksversammlung. die am Mittwoch im Weigelschen Lokale stattfand und der auch verschiedene bürgerliche Gcmeindcvcrtreter beiwohnten. Redner führte unter anderem ans: Die Eimvohnerzahl der Gemeinde sei nicht nur nicht gewachsen, sondern zurückgegangen, da Runmielsburg infolge seiner famosen Verwaltung in mehrfacher Beziehung hinter allen anderen Vororten Berlins zurückstche. Die Einwohner müßten einen Stcuerzuschlag von nicht weniger wie 169 Proz. zahlen. Dabei seien z. B. die Straßen in einem geradezu er- bärmlichen Zustande, und doch gebe es Leute an der Spitze bei Gemeinde, die da meinten, der augenblickliche Zustand sei niindcstens nock zehn Jahre zu belassen, Sinn für Verschönerung ici nicht vorbanden, öffentliche Plätze und Anlagen, in denen sich die Frauen mir den Kindern tmmncln könnten, wolle man nicht errichten, entsprechende Anträge ivurden einfach abgelehnt. Man sage immer, es müsse gespart iverden. Jawohl, aber wie habe man bisher gespart. Da ici seiner Zeit der Vertrag mit der Kontinentalen Wasierwcrk-Gesescllichaft ab- geschloffen worden und darin habe man sich auf zivci Arien der Berechnung des Kaufpreises eingelassen, wonach der Preis einmal 832 626 Mark, das andere Mal 787 827 Mark betragen würde. Ter Bonrat aus dem vor noch nicht lauger Zeit eiiigcrichrelcn Gemciude-Bauamt habe den Preis horrend gefnndcu und die Ein- holung eines Gutachtens veranlaßt. Danach sei das Wasserwerk einschließlich e i n c§ R c i n g c w i n» s von 19 Proz, nur 517 999 M. wert. Lbne das Baumut hätte man dies nicht heraus- gebracht. Das Banamt sei also nicht überflüssig, wie die„sparlustigen" Philister fortivährcnd behaupteten. Es lasse sich vielmehr keine bessere Spareinlage denken, und es sei nur zu bedauern, daß man an ihre Ein- sührnng nicht schon sechs Jnbre früher gedacht habe. Jetzt iverde es schwer halten, auf friedlichem Wege mit der genannten Gcicll'chast auS- cinanderzukonimcn. Das Bauanit habe auch Mängel in der technischen Ausführung eines der Brunne» entdeckt und rürAbbilfe durch die Gc'ell- schast gesorgt. Dieselbe EinsichtSIosigkeit derVerwaltungsiuänncr. die so gern im allen Schlendrian forlgcschrilten wären, habe bewirkt, daß noch verschiedene andere wirklich praktische Spargelegenbeiten nicht ansgcnntzt ivurden. Der Genieinde- und Amtsvorstchcr werde von de» chöffeu nicht genügend unterstützt; er habe selber in der Gemeinde- Vertretung erklärt, er könne mit den Schöffen des Nachmittags keine Sitzung niehr abhalten. iAllgemcine Heiterkeit.) Tie Nr- ache könne man sich denken. Thatsächlich sei auch ibm, dein Redner, eine selbstherrliche Verivaltnng durch den LASvorsicher lieber, als eine Verivaltnng durch diesen Geinciiidcvorslnnd Als der Ge- ineindevorstchcr krank gewesen sei, sei keines der übrigen Mitglieder des Gemcindcvorstandcs informiert gcivcscn, Zmn Schluß rügte Redner noch die im Orte üblicue Wahlniacbc hinter verschlossenen Thüreii unter Verwendung der angesebenen Gemciiidcmitglicdcr. Lebhafter Beifall folgte seinen Anssübrimgeii. — Der bürgerliche Genieindevertretcr K o l l i n, ein mehrfacher Hausbesitzer, erklärte in längeren Anssühruugcn die von Ritter kritisierten Ucbclstäude f ü r w i r k l i ch vorhanden und versprach, ihn im Kampfe dagegen zu unter- t sitzen.— An der sehr aniiuiertcn Debatte beteiligte» ich dann noch mehrfach die Herren Ritter, Kallin, Gebauer, Reupert und andere. Es wurde eine gründliche Kritik an der Gemeindeverwaltung geübt. In seinem Schlußworte betonte Genosse Ritter noch, daß er eine andere Verteilung der Steuern, die die Unbemittelten entlaste, anstreben werde. Einstimmig erklärte sich die Versammlung mit der Thätigkeit Ritters im Gemeinderat einverstanden und die Anwesenden ver- pflichteten sich, bei Neuwahlen nur solchen Leuten ihre Stimme zu geben, welche das Interesse der Gemeinde auch richtig vertreten. Ferner soll Ritter in der Gcmciudcvcrlrclung auf die Errichtung eines Ge- werbcgcrichts hinwirken. Charlotteubnrg. Am 1. Dezember hielt das G e iv e r k- chaftskartell eine Sitzung ab. Vor Eintritt in die TagcS- ordnung erklärte Bleck, daß er, entgegen dem vorletzten Bericht, nicht 'ür Authcbung des Kartells eingetreten sei. Sodann wurde eine üusgliedrige Kommission zur Erledigung der Vorarbeiten für die Geiverbegc'richtSwahlen gewählt. Folgende Beschlüsse ivurden gefaßt:' Von feiten der Gewerkschaften sollen Arbeit- geber aufgestellt iverden. Bon den vierzehn zu wählenden Beisitzern sollen Holzarbeiter, Metallarbeiter, Maurer, Zimmerer je zivei und Fabrikarbeiter. Maler, Porzellanarbeiter und Buchdrucker je einen Kandidaten nominieren. Die Kosten sollen durch Listen aufgebracht werden und sind solche bei Bleek, Pestalozzistr. 32, zu haben. Die Arbeitsverhältnisse der Schuhfabrik von Tack u. Co. in Burg bei Magdeburg, und lvie stellen stellen sich die Gewerkschasteii zu der neu eröffneten Filiale am hiesigen Orte? besprach der Ver- treter der Schlihmachcr. Nicht anivesend waren Buchbinder und Fabrikarbeiter. Rixdorf. Am Sonntag, den 3. Dezember, fand im Lokale des Herrn Mercicr, Steinmetzstr. 55, eine gut besuchte Versammlung der Handclshilfsarbeiter start. Genosse Netzerau sprach über:„Sind wir berechtigt oder verpflichtet, unsere Lebenslage zu verbessern?" Als Delegierte zum Gcwerkschaftskartell wurden Fischer und Mohr ge- wählr. Schöueberg. Eine öffentliche Versammlung beschäftigte sich am Moiitag, den 4. d. M. mit der G r ü n d u n g eines Konsum- e r e i n s für Schöueberg. Der RcichStngs-Abgeordncte W u r m beleuchtete das Für und Wider eines solchen llnternchmens. Meiling teilt mit, daß schon eine große Anzahl Personen sich als Mitglieder gemeldet hätten und eine' bedeutende Summe als Fonds vorhanden sei. Er hofft, daß die noch fehlenden Mitglieder bei fleißiger Agitation bald gewonnen sind, so daß die Eröffnung im karten zur U r a u i a v o'r st e I l ü n g in der T a u b e n st r a ß c I Frühjahr erfolgen könne. Der Vorsitzende fordert am Schlüsse der am 1. W c i h>i a ch t s- F e i e r t a g, nachmittags 4 U h r. I Versammlung mit kräftigen Worten zur energischen Agitation auf für das zum besten der Schönebergec werklhäiigen Bevölkerung zu gründende Unternehmen. Eharlottcnburg. In der öffentlichen Metallarbciter-Versamm- lung die am c d M. tagte, referierte Menge über die Bedeutung der'Gewerbegenchie für die Arbeiterschaft. Hier anschließend gab derselbe auch seinen Bericht o.IS Gewerbegerichls-Beisitzer. Danach wurden im Jahre 1898/99 insgesamt 539 Klagen anhängig gemacht, das.sind tl Proz weniger, als das Jahr vorher. Sodann erstattet der KariellZelegierte Spörer Bericht. Als Kandidaten für das Gewerbegericht iverden Menge und Spörer wieder aufgestellt, ins Kartell werden Menge und' Montag delegiert. Zum Schluß giebt Menge einen Bericht über seine Thätigkeit als Mitglied des Kuratoriums für ocu städtischen Arbeitsnachweis. Berichtigung. Zu unserem Bericht über die Versamutlung deS V Wahlkreises wird uns geschrieben: „Ich habe mich mit meinen Ausführungen nicht als Freund der Konsumgenoisenschaften gekeniizcichnet, sondern mich im weseiitlicheii eben so ausgesprochen, ivie Genosse Liepmann. Mein Standpunkt war ein neutraler. Allerdings habe ich nicht nur die Schatten- i'eiten des Konsumvereinswescns, wie sie sich in Sachsen bemerk- bar gemacht haben, hervorgehoben. Ans den Unterschied zwischen der deutschen und der englsschen Arbeiterschaft habe ich insofern hingewiesen, als in England, Ivo zivar das Genossenschaftswesen in hoher Blüte steht, die politiiche Aktion der Arbeiterschaft leider sehr in den Hinter- grund getreten ist und die Socialdcniokratie eine unbedeuteude Rolle spielt."' Felix Fränkel. Freireligiöse Gemeinde. Sonntag, den 19. Dezember, vorm. SV- Uhr, im oberen Saal des„Englischen Gartens", Alexaiiderstrahe lllo: Versammlung. Freireligiöse Vorlesung.— Um l0>/« Uhr vormittags ebendaselbst Vortrag des Herrn Prof. Dr. Albert Gehrke:„Der Freidcutcr Reimarns." Gäste, Damen und Herren, sehr willkommen. Weiftensee. Sonutagnachmittag 2 Uhr findet bei Göttling, Rennbahn- strahe 4, eine öffentliche Versannitlung statt, in ivelcher Gcnoffe Kotzte über „Der Kamps gegen das Unrecht" spricht. Zahlreiche Beteiligung erwünscht Der Vertrauensmann. Eentralverband der Elcktroiiiontenre und Berufsgcnossen Deutschlands. Scltion Berlin II. Sonnabend, den 9. d. M., abends 8V, Ubr, Generalversammlung bei Jmmendorser, Sophienstr. 5. Tischlervereiii. Heute, abends S'/e Uhr. Mclchiorstr. lö: Versammlung. Zlllgcm. Kranke»-»i»d Sterbckasse der Metallarbeiter(E. H. 29, Hamburg), Filiale Berlin 7. Mitgliederversammlung Sonntag, den 19. d. M., vormittags I9Vz Uhr, bei Bergemann, Pasewallerstr. 3. Tagesordnung: Kassenbericht, Verschiedenes. Eillgegangctte Druckschriften. Kalender für das Baugewerbe Ivvv. Verlag I. Harrwitz Nachf. Berlin. Allgemeiner Tischlerkalcndcr I»00. Verlag I. Harrwitz Nachf Berlin. „Archiv für sociale Gesetzgebung und Statistik." Das neueste Doppelheft dieser nunmehr im 12. Jahrgang erscheinenden, von Dr. Heinrich Braun herausgegebenen Zeitschrift(Berlin, Kart Heymann's Verlag) hat solgeiideu Inhalt: Abhandlungen: Koalilioiisrecht und Strafrecht. Von Pros. Dr. Löwensetd in München.— Die Berufs- und Gewerbezähtmig im Deutschen Reiche vom 14. Juni 1895. Von Pros. Dr. H. Rauchberg i» Prag. II. Theit. Berufsgliederung und sociale Schichtung.— Die Marxsche Theorie der socialen Entwicktung. Ei» lrillscher Versuch. Von Peter v. Strnve in St. Petersburg.— Gesetzgebung: Deutsches Reich. Die Ziiständigkeit der Gewerbegcrichte aus ß 9l Absatz 8 der deutscheu Hand- werkeruovclle. Von M. v. Schulz, Geiverberichter und Vorfftzendcm des Gcwcrbegerichts Berlin.— Wortlaut des Entwurfs eines Gesetzes zum Schutze eines gewcr btichen Arbeitsverhättnisses.— M i S c e l l e n: Arbeiter- bauveieiue in der Umgegend Kopenhagens. Bon Niels Westergaard, Armen- inspeltor in Kopenhagen-Frederiksberg.— L i t t e r a t u r. Rudolf Faids Wettcrkaleudcr ,»ld Bcrzeichnis der kritischc» Tage. 1. Halbjahr 1990. Kommiffwusverlag vvn Hugo Steiuitz, Berlin Vricskasten der Redaktion. Wir bitte» bei jeder Anfrage eine Chiffre(zwei Buchstaben oder eine Zahl) anzugeben, unter der die Antwort erteilt werden soll und die letzte Abonilcmcntsqlilttung beizutcgen. Fragen ohne solche werden nicht beant- wartet und schriftliche Antwort wird nicht erteilt. Tie juristische Sprechstunde sindet Montag, Dienstag und Freitag von l»— 8 Uhr abends statt. P. W. 19. Lese» Sie in ciilenl Kursbuch oder fragen Sie in eiilem AitskuuslSbureau eines B-hnhoieS nach. <5. C. L. Der Arbeitsnachweis der HauSdiciicr befindet sich in Berlin Biscbofstr 1. Ziutgietzer. Wir bitten, doch in Zukunft mit Paketfahrt-Marken bc- lebte Briefe nicht dem Reichspostkesten anzuvertrauen. Für Ihren Brief miinten mir 20 Pf. Strafporto zahlen. Joh. Kt.„Freßlcgende" ncliilt man die Fabelei unserer Gegner, als beabsichtige die Socialdcmokratie nichts anderes, als eines schönen Tages die bürgerliche Gcscllschast ohne weitere Umstände durch schliellen Handstreich zu beseitige». 9)k. Mitt. Eine in der Tliat nicht öffentliche, auf den Kreis der Mit- glicder beschlänkte Theotervercins- Verlammlnitg kann auffübren, was sie will.— P.(S-. 199. Wenn deshalb die Ehe geschieden wird und der in seinen Rechten ge raufte Ehegatte die Bestrafung verlangt: ja, sonst nein. — Z. N. Ja. Nicht verboten kann eine p r i v a t e Lustbarkeit werden. —-Meinm. Beide Väter müssen zur Hälfte zahlen, haften aber jeder dem Eigentümer fürs Ganze.— E. M. 3. 1. Ja. 2. Ja. 3. Nein. — A. 1894. I u. 2. In beiden Fällen kann Ihnen ein Hindernis bc- reitet werden.— M. W. 199. Ailskunft wird nicht schriftlich erteilt. — G. Schulz 58. Sie find zur Abnahme verpstichtet.— K. S. 29. Ja. — H. I. Sie»uisseii bezahlen, sonst würden Sie zur Zahlung verurteilt uud noch obendrein Kosten zu zahlen haben.— W. L. 4. 2l Jahre.— L. Ä. Wolmen kaini der Bräutigam in der Wohnung der Schwiegereltern. Wenn diese aber dulden, dav er die eheliche Pflicht in der Wohnung vor der Heirat ausübt. so macht sich der Schwiegervater der qualifizierten Kuppelei schuldig, die mit miudesteiis einem Jahre Zuchtbaus bedroht ist.— H. K., Lilbbeiierstrasie. Sie können die Bedingung stelle», dah mir zum vollen Werl verlaust werden darf.— M. A). Das bat lemen Zweck mehr. — A. B. 99. Wenden Sie sich an eincit der Arbeitcrvertreter, deren Namen fast allwöchentlich im„BonvärtS" veröffentlicht werden.— H. B. B. l. Die erteilte Oiuttung genügt. 2. Ja.— Heimfurth. 1. Ja. 2. Es muh Bcnlsiings klage beim Amisgericht erhoben werden. 3. Dos Geivcrbe- gericht, in dessen Bezirk die Arbeitsstätte liegt, ist zuständig.— Zwei Wettende i99I. 1. Nein. 2. Der Absender.— A. Böhme. Bis zum 1. Januar 1999 ja, späterhin: nein.— R. H. 19. l. Sie können fordern, tvas Sie wollen. 2. Bewahre; einigen Sie sich nicht, so bestehen Sie ans Erfüllung Ihres Mietsvertragcs.— O. 1999. Das wissen wir nicht. — Streitende>999. Rur ein Verein, der aus öffentliche Augelegeuheiten eiiiziiwirke» bezweckt, bat Statute» ilstv. ciiizureicheu, ein Vergnügungsverein nicht.— Spagl, Fraukfurt. Ohne Ihre Klage und die Veschlüffe zu kenne», ist es nicht mögtich, Ihnen Bescheid zu erteilen.— C. St. 1. Nein. 2. Die Betreffende mühte selbst bei der Polizei sich danach erkundigen, wo- hin der Betreffende von seiner friiberen Wohnung abgemeldet ist, und au dem licncli Wohnort in derselben Weise recherchieren. Die Kosten sind un- erheblich.— W. H. 59. Dos löst den Bertrag nicht. Wenden Sic sich au eine» Kammerjäger zwecks Vertilgung der Ratten und klagen Sir die Jagdkosten gegen den Wirt ein.— Unwissend 294. 1. u. 2: in 30 Jahren. 3. Ja. — C. S. 511. Carcinoma pylori et ventriouli heißt Krebsgeschwür des Pförtners(miteren Magenmundes) und des Magens.— Kühr H. Sch. Es linih in Ihrem Fall gctündigt werden, und zwar spätestens am 3. Quartals- tage. Beträgt die Jahrcsuiiete mehr als 159 M.. so läuft der Vertrag mit Schluß eines Jahres ohne weiteres ab.— Erbschleicherei. Erbe ist in Ihrem Falle allein das Adoptivlind geworden. Falls der Adaptiv- vertrag formell gültig ist, tommt es aus daS etwaige Erbjchlcich- motiv des Adoptivkindes nicht an. Demnach scheint eine Ansechtung des Erbrechts der Adoptivtochter in Ihrem Fall aussichtslos. G. H.>99, Bcrgstrustc. 1. Nein. 2. Ja. 3. Ja.— F. F. 495. Sie sind zur Zahlung verpstichtet.— P. M. 25. Er muh beitrete».— Zaweliiisky. Schriftliche Antwort erteilen wir nicht. Die Vcrjährungs- srist betrögt 5 Jahre, wird jedoch durch jede gegen Sie gerichtete richter- liche Handlung(z. B. Verfügung eines Stcckbriess) unterbrochen. Von der Betrelbmig ab läuft eine neue Vcrjährungssrist.— Genosse. 1. Nein, die Vcrjähruiigssrist beträgt in diesem Fall 39 Jahre. 2—5 ist aus dem Adreb- kalender ersichtlich. Auskunft darüber, wo man beslimnitc Waren am Orte kauft, erteilen wir nicht.— H. M. 19. Im Klagcfall würden Sie zum Schadensersatz verurteilt werden, wcnil(was iumierhin mehr als wahrscheinlich) der Richter annimmt, Sie treffe als Sachverständiger die Hauptschuld,— issjmmma mmm Geschäftserweiterung Kaufhaus Max Mannheim, Berlin 0. 89. Frankfurter Allee 89. Nach beendigtem Umbau eröffne ich am Sonnabend, den O. d. M., einen Grossen Weihnaohts-Ausverkauf" zej bedeutend ermässigten Preisen in allen Abteilnng�en meines Kanfhanses. Kleiderstoffe, Sammet- n. Seidenwaren, Leinen- u. Baumwollenwaren, Wäsche, Schürzen, Teppiche, Gardinen, Fortieren, Läuferstoffe, Tricotagen, Weiss-, Tapisserie- u. Wollwaren, Damenputz, Bettfedern, fertige Betten und Bettstellen, Konfektion. Gratisverteilung am Eröffnungstage von 10 Uhr ab und so lange der Vorrat reicht 1 gesell Ulfen en Pokal mit Goldrand und Inschrift schon bei Finkänfen in Höhe von 50 Pf. Bei Einkäufen von 3 Mark an einen Wandkalender für das Jalir 1900, neueste Prachtausgabe, gratis. Kaufhaus Max Mannheim, Berlin 0. 89. 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Verantwortlicher Redaeteur: Paul John in Berlin. Für de» Inseratenteil veroutwortlich: Db. Glocke in Berlin. Druck»nd Verlag von»Mar Babing in Berlin. st. 288. i6. mm*. 2. Atjlllgt ilts Jorttßrt0w fctliiict PolkoHutt 9. Dlikmbn 1899. Mnkvvm neuesten Lines. November. 1. Berlin. In der Berufungsinstanz Genosse Jahn- Char- lottcnbnrg 150 M. Geldstrafe wegen Beleidigung von Arbeits- lvilligen. 2. Wilster. Wegen des gleichen Vergehens der Gerber Holm 10 Tage Gefängnis.— Wegen Belästigung jc. der Maurer Winter SO M. Geldstrafe. 6. Dresden. Genosse Hönisch wegen Beleidigung der Polizei- bchörde in Tharandt 1 Monat Gefängnis.— Genosse Block wegen Beleidigung eines Lehrers 2 Wochen Gefängnis. „ Halle. 3 Bauarbeiter wegen unerlaubten Sammelns je 3 M. Geldstrafe. 0. Altona. In 15 Mark Geldstrafe der Wirt Timm und der Tabakarbeirer Heising wegen Uebcrtretung des Vereins- gesetzes. „ Leipzig. Die Steinarbeiter Bartsch und S e h r i n g 3 bezw. 2 Wochen Gefängnis wegen Beleidigung von über Feierabend Arbeitenden. 10. Berlin. Die Maurer Lichtenberg, Ebel und B a st i a n je 1 Monat Gefängnis wegen Beleidigung Nichtorganisierter. , Leipzig. Wegen Beleidigung eines Streikbrechers der Mecha- niker Emmerich 15 M. Geldstrafe. 11. Bernbnrg. Genosse Günther- Dessau wegen Beleidigung eines Schutzmanns 50 M. Geldstrafe. 13. Halle. Der Maurer R a i t h- Giebichenstein 1 Monat Ge- fängnis wegen Vergehens gegen Z 153 der Gewerbe-Ordnung. » Werdau. 15 M. Geldstrafe' Genosse Schmidt wegen Ver- gehens gegen das Vcreinsgesetz. 11. Arnstadt. Wegen Nötigung zc. der Arbeiter Bergmann 6 Monate Gefängnis. 15. Itzehoe. Der Gerber H e e s ch- Wilster wegen Nötigung 1 Monat Gefängnis. m Nürnberg. Genosse Gärtner wegen VerÜbung groben Unfugs bezw. Beleidigung 75 und 30 M. Geldstrafe. 17. Chemnitz. 2 Wochen Gefängnis Genosse Schulze wegen Beleidigung eines Gewervc-Jnspektors. , Leipzig. In der Revisionsinstanz Genosse L ö b e- Vreslan wegen Beleidigung des preußischen Herrenhauses 1 Monat Gefängnis. 18. Kiel. 200 M. Geldstrafe Genosse Korn wegen Beleidigung eines Landrats. 21. Erfurt. In der Berufungsinstanz Genosse Mah 50 M. Geldstrafe wegen VerÜbung groben Unfugs. , Dresden. Wegen des gleichen Vergehens Genossin Jmle 7 Tage Haft. 22. Wilster. Die Gerbcrei-Arbeiter G erbau und Pfaffen- dach je 15 M. Geldstrafe wegen Vcrübuug groben Unfugs 23. Bochum. Genosse H n 6 wegen Beleidigung eines Betriebs- führers 500 M. Geldstrafe. 25. Magdeburg. Wegen unbefugten Sammelns Genosse All- m a n n- Hamburg 25 M. Geldstrafe. „ Berlin. In der Revisionsinslanz der Drechsler Grauer 10 M. Geldstrafe wegen Ucbertretung des Straßcnpolizei Reglements. 27. Dresden. Wegen Vergehens gegen ß 153 der Gewerbe- ordnung Maurer Friedrich 10 Tage Haft.— Ein anderer Maurer wegen Beleidigung 30 M. Geldstrafe. 28. Augsburg. 31 Angeklagte wegen Aufruhrs, LandfriedeuS- bruchs und Widerstands insgesamt 148 Monate 14 Wochen und 45 Tage Gefängnis. . Erfurt. 100M. Geldstrafe Genosse Ma y wegen Beleidigung des Staatssekretärs des Reichs-Postamts. 29. Itzehoe. Der Gerberci-Arbciter Köhler wegen Beleidigung der Polizeibehörde in Wilster 4 Monate Gefängnis. « Potsdam. Wegen Richterbeleidigung Genosse H u t h Brandenburg 1 Monat Gefängnis. Insgesamt wurden erkannt auf 14 Jahre 4 Monate 7 Wochen und 2 Tage Gefängnis und 1339 M. Geldstrafe., Berlin, den 5. Dezember 1899. Der Parteivorstand. zweite Abteilung: Gotth. Ephraim Lessings Lustspiel: Minna von Barn Helm.(Die Titelrolle liegt in Händen von Frl. Elise Sauer); und im Carl Weiß- Theater für die 5. Ab- teilung:„Winterschlaf" von M. Dreher. Die Vorstellungen von „Minna von Barnhelm" finden ferner statt am 17. Dezember <24. Dezember und Feiertage fallen aus) und am 31. Dezember, 1. Januar 1900 und 7. Januar. Um pünktliches Erscheinen zu den Vorstellungen werden die Mitglieder dringlichst ersucht. Der Vorstand. I. A.: G. Winkler. NomntunÄlvs. AuS der Magistratssitzung am Freitag. In der Fortsetzung der Beratungen zur F e st st e I l u n g d e S Stadthaushalts- Etats für das Ver ivaltungs jähr 1900 erledigte das Magistratskollegium zunächst den Spccialetat der st ä d t i s ch e» Grundstücke in der Stadt, indem es die Einnahmen auf 719 110 M., die Ausgaben mit 97 199 M. festsetzte, folglich ergicbt sich ein Ueberschnß von 021 917 M.— Der Specialetat der l än d licheii Gr und stücke innerhalb u n d außerhalb der Stadt ist in Einnahme mit 192 295 M. und in Ausgabe mit 187 099 M., folglich mit einem Ueberschuß von 5190' M. eingestellt. In den Einnahmen ist als Anteil der Stadt- gemeinde Berlin aus den, Ergebnisse der Rüdersdorfer Kalk- berge die Summe von 57 700 M. vorgesehen, während die Ausgaben die Summe von 142 000 M. zur Regulierung der Zufährtstraße zu dem städtischen Grundbesitz am Kurfürslen'damm enthalten. Die Mngistratskommission zur Vorberatung der Angelegenheit wegen anderweiter Regulierung der Abgabepreise für' Gas hat in der Magistratssitzung Bericht erstattch und in Vorschlag gebracht, daß der Preis des Gases zum Kochen und gewerbliche» Zwecken auf 12 Pfennige, das zu Bcleuchtungszwccken auf 14 Pf. festgestellt werde. Die Beratung, welche geraume Zeit in Anspruch nahm, wurde jedoch noch nicht zu Ende geführt, vielmehr soll sie morgen in einer außerordentlichen Sitzung fortgesetzt werden. Mit Rückficht auf das Gesetz vom 10. September d. I. be- treffend die neue Gerichtsorganisation für Berlin und Umgebung hat der Magistrat eine allgemeine Verfügung an die einzelnen Verwaltungen erlassen, in welcher verfügt wird': gemäß K§ 38. 40 der Civilprozeß- Ordnung durch ausdrückliche Ver- einbarung die Zuständigkeit des Amtsgerichts„Berlin- Mitte" für Rcchtsslrcitigkcilen der Stadtgcnieinde Berlin festzu setzen, soweit dies zulässig und ein ausschließlicher Gerichtsstand nicht begründet ist. Insbesondere wird eine solche Vereinbarung bei allen auf längere Dauer berechneten Vertrags- Verhältnissen der Stadtgemeinde von Wichtigkeit sein. Die städtischen Einzelvertvaltuugen werden angewiesen, dies bereits jetzt sowohl beim Nen-Abschluß von Verträgen wie bei einer etwaigen Revision der- selben zu beachten. Es soll hierdurch einer abweichenden Recht- sprechung, die bei der Zersplitterung der Gerichte nicht ausbleibe» werde, entgegengewirkt werden. LsKäIvs. Den Parteigenossen des ersten Reichstags- Wahlkreises die Mitteilung, daß am Sonntag, den 10. Dezember, abends 0 Uhr. m Cohns Festsälen, Beuthstr. 20.22, eine Versammlung staltfindet. Reichstags- Abgeordneter Rechtsanwalt Wolfgang Heine spricht über:„Die persönliche Freiheit, ihr Schutz und ihre Be- Kreuzung durch das Gesetz". Nach dem Vortrage: Gemütliches Bei- sammensein. Eintritt 20 Pf.(incl. Tanz und Garderobe). Um zahl- reichen Besuch bitten Die Vertrauenspersonen. Freie Volksbühne. Sonntagnachmittag finden 2 Vorstellungen statt und zwar nachmittags 23/4 Uhr im Lessingtheater für die DaS Begräbnis unseres alten Kollegen Dierl fand gestern auf dem städtischen Friedhofe unter zahlreicher Beteiligung der Freunde und Parteigenossen des Verstorbenen statt. Eine stille würdige Feier, wie sie dem Wirken des Entschlafenen entsprach. In der Leichenhalle stimmten die Sänger der„T y p o g r a p h i a" den Abschiedsgrutz an. worauf unser Kollege R. Schmidt dem alten Kameraden eine kurze, warm empfundene Gedächtnisrede midmete. Er erinnerte daran, daß in diesem Jahre bereits das zweite Mal der Tod in unsere Reihen eine Lücke gerissen hat. Nicht lange daß sich die Gruft über unserem braven Kollegen Jacobey geschlossen, und schon wieder thut sich das Grab auf, um unseren alten Roland zu umfangen. Sein Leben war ein fort gesetzter Kampf um das Nötigste zum Fortkommen; und als die alten, müden Glieder den Dienst versagten, da fand er in unserer Mitte eine Aufnahme. Aber nicht die Ruhe war ihm beschieden. nach der sich das Alter sehnt, sondern mit den Jungen hat er in schwerer Zeit in den vordersten Reihen gestanden. Und wenn je von denen die Rede ist, die im Kampfe für das Proletariat gelitten haben, dann wird man seiner ehrend gedenken, der 15 Monate hinter finsteren Kerkermanern zubrachte. Nach diesen Worten ertönten abermals die getragenen Weisen der Sänger und der Sarg glitt langsam in die Tiefe. Reiche Kranz- spenden bedeckten die Grnst; es befanden sich darunter solche von den Berliner Parteigenossen, dem Partcivorstand, den Parteigenossen aus Schöneberg, dem Raucherbmid, der Geschästskommission der lokalorganisicrten Gewerkschaften, dem Personal der Buchdruckerei Babing, dem„Vorwärts", Dr. Braun, Max Babing und dem „Hcrzlc-KInb". Noch ein letzter Blick in die Gruft und als der letzte Vers des Liedes„Ein Sohn des Volkes" verklungen war, rollten die hart gefrorenen Schollen dumpf auf den Sarg. Gegen zwei„Musterwohnhäuser" für arme Leute, die beiden, Alexanderstr. 10/11 und Neue Friedrichstr. 5/7 belegenen ehemaligen Kasernengebäude der„Franz er", wird augenblicklich von einem Bezirksvercin dieser Gegend und von einigen Berliner Blättern Sturni gelaufen. Die alteii|B»deil dienen, seit sie von den Marssöhnen verlassen und mit einem besseren Heim vertauscht wurde», teils als Werkstätten, zum Teil als Wohnungen Sie gereicben durch ihr r u i n e n h a f t c s A e u tz e r e der Nachbarschaft zum Acrgernis und geben durch die allen Forderungen der Hygiene hohnsprechende Be Ichaffcnheit ihres Innern zu Besorgnissen in ge snndheitlichcr Beziehung Anlaß. Der Stunn, der jetzt au. diese ehrwürdigen Ucbcrblcibscl aus Alt-Berlin unternommen wird, ist nicht der erste und wird leider wohl auch nicht der letzte sei». Die beiden Steinkästen sind ihrem Alter zum Trotz»och sehr dauerhaft, und der Militärfiskus, dem sie gehöre». wird sie nicht eher losschlagen. als bis er es niit größtmöglichem Vorteil kann. Wenn die bloße Aufdeckung der himmelschreienden Zustände, die in diesen„Muster- Wohnhäusern" herrschen, hinreichte, um ihre Beseitigung zu vcran- lassen, dann müßten sie längst beseitigt sein. Die Arbeiter- S a n i t ä t s- K o ni m i s s i o n hat sich bereits vor sechs Jahren mit dieser Angelegenheit beschäftigt und beiden Gebäuden in ihren im„Vorwärts" vcröfscntlichtcii Berichten eine sehr eingehende Schilderung zu teil werden lassen. Sie hat aber damals mit ihren Klagen keinen Erfolg gehabt. Die Berliner Presse hat von dem Bcwcismatcrial, das die Arbeiter- Sanitäts- Kommission auf Grund der Ermittlungen ihrer Controlcure vorlegen konnte, überhaupt keine Notiz genommen. Hinterher begegneten ivir in dem Jahresbericht der A r m c n v c r w a l t u n g pro 1894/95 der Bemerkung, daß der Arnicnarzt des betreffenden Medizinalbezirks sBezirk 1, Alt-Berlin umfassend) über die Wohnungszuständc in einer ehemalige» Kaserne geklagt habe. In den letzten Jahren haben die Arinenverwaltnngs-Bcrichte aus de» Mitteilungen der Armen- ärzte über die WohnunaSverhältnisse der von ihnen behandelten Arme» nichts mehr verösfentlicht, man kann also nicht wissen, ob die Acrztc ihre Klagen wiederholt haben. Grund dazu hätten sie selbstverständlich nach wie vor gehabt. Das Gebäude in der Neuen Friedrichstraße ist eine Zeit lang von dem F r a u e n v e r e i n „Octavia Gill" verwaltet worden, aber auch er hat nichts ausrichten können und bald wieder das Feld räumen müssen. Die Bauart dieser Gebäude macht es eben voll- ständig unnröglich, hier Sauberkeit und Ordnung zu schaffen. Die Zustände, die hier herrschen, sind vielleicht das Schlimm st e. w a s es an Wohnungselend in Berlin g i e b t,— Schreiber dieser Zeilen hat bisher nichts Schlimmeres gesehen— aber die Gebäude gehören dem Militär- fiskus, darum werden sie wahrscheinlich»och manchen Sturm über- dauern. Vom Ecmeiusinn der HauSagrarirr. Die Städte- Ordnung setzt bekanntlich bei den Grund- und Hausbesitzern ein besonders hoch entwickeltes Interesse für das Gedeihen der Gemeinde voraus und sucht deshalb durch Bevorrechtung dieser Herren zu verhüten, daß nicht etwa die„unansässige" Bevölkerung, die für Wohl und Wehe der Gemeinde weniger Verständnis besitzen soll, das Ueber- geivicht in der Gemeindevertretung gewinnt. Deshalb wird bei Feststellung des Wahlcensus die Grund- und Gebäude- steuer auch bei den Hausbesitzern mit angerechnet, denen „nicht ein Ziegel auf dem Dache gehört". Deshalb haben wir weiter die Bestimmung, daß die Hälfte der Stadt- verordneten in jeder Abteilung ans Hausbesitzer» bestehen muß. Thatsächlich zeigt sich nun aber, daß die Hausbesitzer dieses bei ihnen vorausgesetzte höhere„Interesse" in recht eigenartiger Weise bethätigen. Das zeigt wieder in besonders augenfälliger Weife eine Nachtveisung über die Beträge, welche in der Zeit vom 1. Oktober 1897 bis 31. März 1899 für enteignetes Straßenland und dergleichen von der Stadt gezahlt werden mußten. Es handelt sich dabei im ganzen um 22 Posten. Bei 8 derselben ist aus der Nachweisung nicht zu ersehen, wie hoch die Forderung der betreffenden Grundeigentümer ich belief, oder es wurde von den Eigentümern keine bestimmte Forderung gestellt. Bei den verbleibenden 14 Terrainertverbungen erreichten' die Forderungen der Eigentümer insgesamt die Sunmie von etwa drei Millionen Mark, während in: Enteignuugs- verfahren nur Ansprüche auf etiva 1000000 Mark anerkannt wurden. Das heißt, die Herren Hausagrarier forderten annähernd das Doppelte der Summe, welche ihnen nach der Ent- cheidnng des Polizeipräsidenten oder der Gerichte rechtmäßig z n st a n d. Und der Stadtfäckel, also der Geldbeutel der Steuer- zahler, wäre allein zu Gunsten dieser 14 Eigentümer um 400 000 M. höher belastet worden, wenn deren Forderungen ent- prochen wäre. Fürwahr, ein recht eigenartiges„Interesse" für das Gemeindewohl. Es verdient vielleicht aber noch das eine erwähnt zu werden, daß unter diesen 14 Grundeigentümern auch— der Fiskus sich befindet; er forderte für Abtretung eines Stückes vom Botanischen Garten, das zur Regulierung der Grunewaldstraße er- forderlich war, die Kleinigkeit von 90 000 M., während das Polizeipräsidium im Enteignnngsverfahren 31 000 M.— also wenig mehr als ein Drittel der geforderten Summe— für ausreichend erachtete. Bei diesem Bescheide begnügte sich der Fiskus, ohne den Rechtsweg zu' betreten. Es ist also anzunehmen, daß den Be- Hörden wohl' selbst Zweifel an der Berechtigung der ursprünglichen Forderung aufgestiegen sind. Tie unhaltbaren Zustände in der RcichSdrnckcrri, deren Räume trotz aller Anbauten und inneren Umgestaltungen immer Iveniger dem rapid steigenden Geschäftsnmfang entsprechen, werden in einer besonderen Denkschrift znni Etat eingehend dar- gelegt. Auch manche Mißstände in den Arbeitsverhältnissen sucht die Denkschrift auf die Ueberlastung der Bctriebsräume zurück- zuführen. Den Schwierigkeiten hat bisher durch eine zeit- tveilig stärkere Anspannung der Arbeitskräfte und durch intensive, schon über das zulässige Matz hinausgehende Ausnutzung der Betriebsräume begegnet werden können. Für die Dauer ist dies aber nicht möglich...' Die Luft im Kupferdrucksaale ist schlecht und heiß und läßt sich trotz kräftiger Ventilation nicht er- heblich verbessern. Setzerei und Druckerei der Abteilung II sind überfüllt. Der Raummangel verhindert eine Vermehrung des Personals und nötigt dazu, mit Ueber stunden arbeiten zu lassen. Hier- durch wird das Personal in unzulässiger Weise in Anspruch ge- nonimen, die Betriebskosten aber vennehren sicb durch die Zahlung erhöhter Löhne für die Ueberstunden und durch die Ausgaben für die längere Vorhaltung der Betricbskraft für einzelne Maschinen. Bei der Gravicrabtcilung fehlt es an Plätzen für Graveure und Zeichner... Bei dem Raummangel ist es bisher nicht möglich gewesen, den An- fordeningcn der Gewerbe-Ordnung entsprechend, besondere S p e i s c- räume für die Arbeiter zu beschaffen. Das Personal muß seine Mahlzeiten in den Arbeitsräumen einnehmen, deren Luft durch die Ausdünstung der Menschen und Kleider, den Gas- und Farben- dunst ze. trotz aller Ventilation verunreinigt ist, und die zum Teil auch den für die Gesundheit so gesährlichen Bleistaub enthalten. Es muß etwa 1300 Personen, die während der Arbeitszeit die Reichs- druckerci nicht verlassen dürfen, die Möglichkeit geboten werden, die Mittagpause in einem besonderen, gut gelüsteten Speiseranmc zu verbringen, so daß während dieser Zeit auch die Arbeitsräume gründlich gelüftet werden können. Die Reichsdruckerei darf, wenir sie sich den Charakter einer großen Mustcranstalt erhalten soll, auch in. dieser Beziehung nicht hintergut geleiteten Privatanstalten zurückbleiben." Hoffentlich lassen diese guten Vorsätze nicht nach, Ivenn erst das Geld für die Erweiterung da ist. Für diese sind in Aussicht genommen die Grundstücke Kommandauleustraßc 7—9v e g u n g selbst keinen Grund angeführt haben, der die daraus resultierende Arbeitsniederlegung vor Vollendung der Accorde zu rechtfertigen geeignet wäre. Vielmehr muß, wenn die Beklagten in dem Schreiben vom 9. September die Forderungen der diesjährigen Lohnbewegung auf- stellen, wie man etwa von ein er diesjährigen Mode spricht, und somit d i e L o h n b e w e g u n g w i e eine liebgelvordenejährlicheGeivohnheitbehandeln, die völlige Offenheit des Rcchtsbruchs anerkannt werden." Die vorstehenden Ausführungen sind— wie der Verfasser des Urteils selber sagt— rechtlich unerheblich. Aber sie sind in- sofern für uns interessant, als sie erkennen lassen, daß eine gewisse Voreingenommenheit gegen die Lohnkämpfe der Arbeiter nicht nur in den Kreisen der benifsmäßigen Scharfmacher herrscht. In dem vorliegenden Urteil ist die Bezeichnung der Lohn- bewcgung als eine liebgcwordcne jährliche Gewohnheit, also eine solche, die keine innere Berechtigung hat, unifo tvcnigcr am Platze, als es gar nicht Aufgabe des Gewerbegcrichts war, die Berechtigung oder Nichtberechtigun'g der Lohnbclvegung zu untersuchen. Das Gericht hatte vielmehr nur die Frage zu entscheiden, ob die Be- klagten verpflichtet tvaren, die Accordarbciten fertigzustellen. Die rosenrote Manchcsterbrtllc. Selbstverständlich ist es die „Voss. Ztg.", die sich in der Frage der B e s ch ä ft i g u n g schul- Pflichtiger Kinder folgendes Stück„Fettlebe" ausnialtL „Wer gewohnt ist, morgens etwas zeitiger aufzustehen als üblich ist, und vor dem Frühstück einen lleinc» Spaziergang zu unternehmen— lvas unter Umständen sehr zuträglich ist—. hat ja Gelegenheit, die unglücklichen Kinder des Proletariats bei ihrer Thätigkcit zu beobachten, und wird zu schwer- miitigen Betrachtungen wenig Gelegenheit finden. Die meisten sehen— unberufen I— recht wohl ans und halten sich so munter, daß man sieht, sie f ü h l e n sich tveder ausgebeutet, noch werden sie abgespannt in de» Unterricht kommen. Diese Arbeit muß eben geleistet werden; sie würde unerschwinglich teuer werden, wenn sie nicht als eine Nebenarbeit geleistet ivürde, und sie wirft denn doch für die Familie eine wesentliche Hilfe ab." Gegen solche arkadische Betrachtungsweise anzukämpfen, ist natürlich ein vergebliches Bemühen. Man kann ztvar fragen, warum Lessings Erben bisher der Versuchung widerstände» haben, die Gesundheit ihrer Kinder durch Frühstückaustrage» zu fördern; aber ein ernsthafter Hinweis auch nur auf die vielen Stimmen der Lehrerschaft gegen die Kinderausnutzung tväre vor dem Vossischcn Poeten der holdseligen Morgenröte ebenso deplaciert als etiva vor den letzten Gästen einer Cylinderdestille. Würden auch noch hundert- mal mehr Beweise als bisher gegen die Kinderausbeutung vor- gebracht: vor der rosenroten Brille verwandelte sich doch aller Jammer in eine zu Scherzen animierenden Pausbäckigkcit. Ein glückseliger Zustand, aufs Haar ähnlich dem, den Heine in seinem Gedicht„Der Kaiser von China" schildert: Allüberall ist Ueberfluß lind es gesunden die Kranken; Mein hostveltweiser Konfuzius Bekömmt die klarsten Gedanken. Die öffentliche Bibliothek und Lesehalle in der Alcxandrinen- 'traße 20 erfreut sich lvochsenden Zuspruchs und Besuchs. Die Bibliothek wird gegenwärtig von ungefähr 700 Personen benutzt. Bis Dienstagabend 71/2 Uhr waren es 071, und noch war ein lebhafter Andrag zur Bibliothek. Da die Anstalt am 20. Oktober er- öffnet wurde, verteilt sich also die Zahl von 700 auf 41 Tage, was ungefähr 15 neue Bücher-Entnehmcr auf den Tag ergiebt. Da nun eder Leser und namentlich auch jede Leserin jcden'Tag ein neues Such entnehmen kann, und dies auch vielfach geschieht so ergiebt ich eine sehr bedeutende und erfreuliche Frequenz der Bibliothek. Ihr entspricht die Frequenz der Lesehalle, die trotz des Arbcitsdranges vor Weihnachten jetzt noch durchschnittlich 100 Besucher für den Tag hat. Erwähnt sei noch obgleich das nicht anders erwartet werden konnte— das musterhafte Benehmen des Publikums in der Bibliothek und Lesehalle— ein Benehmen, das dem Publikum der sogenannten höheren und gebildeten Klassen zum Muster dienen könnte. Vom Bodenwnchcr. Von der Steigerung der Grundstücks- preise in den letzten 50 Jahren erzählen folgende Thatsachen. Das Grundstück, auf den? das G ejw erkschaftshaus gebaut wird, wurde im Jahre 1849 in seiner jetzigen Größe von den umliegenden Grund- stücken abgeteilt. Der Kaufpreis betrug 7300 Thaler, Der zweite Verkauf fand 1858 statt; der Kaufpreis betrug schon 23 500 Thaler, und beim dritten Berkauf, 1898, wurden 535 000 M. gezahlt. In Sachen der Allgemeinen VolkS-Krankenkafse E. H. 126 fn Berlin ist gestern auf Antrag des Rechtsanwalts Dr. Herz- seid von verschiedenen Abteilungen des hiesigen Amtsgerichts be- schlössen worden, den Liquidatoren folgendes aufzugeben: Sie sollen am 12. Januar n. I. nachweisen, daß der Antrag auf Auflösung der Kasse von der Mehrheit aller Kassenmitglieder ge st eilt worden ist. Ist dies nicht geschehen, so ist der Auflösungsbeschluß statutenwidrig und die Er- nennung der Herren Schiele und Genossen als Liquidatoren rechtlich ungültig. Die sämtlichen von diesen Herren angestellten Klagen sind dann unbefugterweise erhoben und abzuweisen. __ Der Eisenbahnminister Thielen hat einen Vernichtungskrieg gegen Ratten und Mäuse auch auf den Eisenbahnen eröffnet, Wegen der Gefahr der Seuchenverschleppung durch diese Tiere weist der Minister in seinem an die Eisenbahndirektionen gerichteten Er- lasse auf den Ausbruch der Pest in Portugal sowie auf die Pest- verdächtigen Fälle in Rußland hin. Die Eisenbahndirektionen haben die ihnen unterstellten Dienststellen aufgefordert, das Nötige zur Vernichtung der Ratten sofort zu veranlassen. Wenn dazu ein amt- licher Befehl genügte, gäbe es auf der Welt überhaupt kein Un- geziefer mehr. _ Beschränkung der Arbcitsruhe für Bäcker. Das Polizei- prästdinin teilt mit, daß vorläufig der 9,, 21„ 22, uird 23. Dezember dieses Jahres alS diejenigen Tage festgesetzt werden, an denen in den Bäckereien und Konditoreien Gehilfen und Lehrlinge über die vorgeschriebene Zeit hinaus beschäftigt werden dürfen. Ucber die Aufnahme weiblicher Rerzte in mcdizinisch-wisscn- schaftlichc und StaudcSvcrcine sprach dieser Tage Dr. A, Pahser im ärztlichen Nordklub, Die Bedenken, Ivelche sich gegen die Auf- nähme von Damen geltend gemacht hätten, seien durchweg klein- licher Natur. Man stoße sich daran, daß der Antrag für die Auf- nähme von zwei socialdem akratischen Aerzteu ausgehe, Wer aber an diesem Umstand Anstoß nähme, der hätte diesen Herren zuvorkommen sollen. Andere machten geltend, es wäre schon jetzt im Laugenbeckhanse Platzmangel. Dieser Einwand sei nur als ein S che r z zu betrachten. Bedeutungsvoller sei schon der geäußerte Zweifel, ob die Promotion der in Frage konrmendeu Damen den Satzungen gemäß als„rits« erfolgt zu betrachten sei. Demgegenüber müsse darauf hingewiesen werden, daß der Schweizer„Doktor" bisher stets als vollwertig angesehen sei. Der gewichtigste Einwand sei der, daß man aus Zartgefühl abgeneigt sei, in Gesellschaft von Franc» Dinge geschlechtlicher oder ekelerregender Natur zu besprechen, Für die Wissenschaft gebe es aber nichts Unreines, Der Ruhm, im Bchrendtschcn Kolleg eine Hörerin hinaus- getrampelt zu haben, sei ein gar trauriger. Schon jetzt sei zu beobachten, daß beide Geschlechter bei Operationen zusammen- arbeiten. Mancher kranke Mann ließe sich von der Pflegerin die notwendigen, nicht immer sehr ästhetischen Dienste der Reinigung verrichten. Es handle sich hier un, Frauen, die unter widrigen Verhältnissen jedenfalls einem stärkeren Drange folgend, als eine Zahl von Aerzten, die die Medizin als Brotstndium erwählten, sich der medizinischen Wissenschaft gewidmet hätten.®iefe_ dürsten nicht durch Mißgunst oder kleinliche Bedenken aus dem Kreise ausgeschlossen werden, wo die moderne Medizin den Triumph ihrer weiteren�Entwicklung feiere. Die Berliner llniversität wird nach der amtlichen Statistik im gegenwärtigen Winterhalbjahr von 6478 eingeschriebenen Studenten besucht, die größte Ziffer, die bisher erreicht wurde. Die theologische Fakultät umfaßt 379 Kommilitonen(289 Preußen), die juristische 2334(1792), die medizinische 1348(909), die philosophische 2419(1659). Von diesen sind 789 ans Gymnasien, 369 ans Realgymnasien, 50 ans Ober-Realschulen hervorgegangen; 451 besitzen noch kein Reifezeugnis. Außer den 6478 Studenten sind noch 4843 Personen zum Hören der Vorlesungen berechtigt, so daß diese im ganzen von 11 321 Personen besucht werden. An Frauen sind in diesem Winter 406 als Hörerinnen zugelassen.— Die Technische Hochschule� zählt 2563 Studierende, die Thierärztliche 378, die Land- wirtschaftliche 849 Studierende mit dem einjährigen Zeugnis, die Hochschule für die bildenden Künste 309, die Kaiser Wilhelin-Äkadcmie für das militärärztliche Bildungswescn 300 und die Bergakademie 57 Studierende. Die Krankenhäuser werden tenrer. Nachdem schon längere Zeit über die Erhöhung der Kur- und Verpflegnngskosten in den Krankenhäusern Beratungen gepflogen worden waren,'hat der Minister für das Mcdizinalwesen an, 5. d. M, eine Verfügung erlassen, nach der ftir die königliche C h a r i t 6 am 1. Januar 1900 eine solche Er- höhniig eintritt. Bisher zahlten in der Charitee erwachsene Kraule 2 M, und Kinder 1,50 M, den Tag. Am 1, Januar werden diese Sätze auf 2,50 Mark und 2 Mark erhöht. Ilmfang- reiche Berechnungen haben angeblich diese Erhöhung des Kur- und Verpflcgnngspreises als berechtigt und notwendig erwiesen, Sic haben gezeigt, dqß die wirklichein Kosten sich unter den heutigen Verhältnisien ohne Verzinsung eines Anlage- und Betriebskapitals auf 3 M,, mit einer solchen Verzinsung aber auf 4 M. stellen. In der königlichen Klinik bestehen die in der Charits jetzt neu ein- zuführenden höhern Sätze schon seit längerer Zeit. Auch für die städtischen Krankenhäuser wird eine Erhöhung der bisherigen Sätze gegenwärtig beraten. Für Geisteskranke nimmt die Charits nach wie vor 3 M,, wenn es Berliner, und 4 M„ wenn es Auswärtige sind, falls die Platzverhältnisse die Aufnahme geisteskranker Personen von außerhalb überhaupt zulassen. Aus der Verfügung des Ministers wird sich auch für die Ärauken lassen die Notwendigkeit ergeben, am 1. Januar ihre Sätze zu erhöhen, wenn sie nicht ihre Kranken der Gefahr aussetzen wollen, sich von der Aufnahme in die Charitee ausgeschlossen zu sehen. Angesichts der Liebesgaben, die den Agrariern alljährlich in den Schoß geworfen Iverden, nimmt sich der den Proletariern gegenüber vertretene Krankenhaus- Fiskalismus sehr eigenartig aus.' Vom Standpunkte des Ministers aus müßten konscqncntcrwcise alle ge- nreinnützigen Institute, bei denen Staat oder Gemeinde nicht auf ihre Kosten kommen— Schulen, Telegraph, Bibliotheken usw.— gehörig verteuert werden. Die Krankenkassen werden es gewiß nicht an Versuchen fehlen lassen, das Unheil, das über sie hereinzubrechen droht, energisch abzuwehren. Nach dem Vernehmen der.Verl-Ztg,' soll für den Verkehr mit Ansichts-Po st karten noch eine ganze Reihe neuer Kon- Zessionen bevorstehen. Es sei beabsichtigt, den Vorschriften über Post- karten eine Fassung zu geben, die all den harmlosen Neugestaltungen der Ansichts-Postkarte freie Bahn bereitet. Voraussichtlich werden in nicht ferner Zeit Bilderschmuck und Aufklebungen auf der Rückseite der Formulare in so weit zugelassen sein, als durch die Eigenschaft des Versendungs-Gegenstandes als offene Postkarte sowie die erforder- liche posttechuqche Behandlung nicht beeinträchtigt werden und die aufgeklebten Zettel der ganzen Fläche nach befestigt sind. Elcndsstatistik. Im Männcrasyl deS Berliner Ashlvereins für Obdachlose nächtigten i», vorigen Monat 20104 Personen, im Frauen- asyl 3332 Personen. Arbeitsnachweis erbittet der Verein für Männer Wicsenstr. 55/59, für Frauen Füsilierstr. 5. Die Ausbild»t»g der Wagenführer der Straßenbahn ist auf Veranlassung der königl. Eisenbahndirektion Berlin einer ein- gehenden Untersuchung durch den Kommissar des Polizei- Präsidiums für das öffentliche Fuhrwesen, Polizeihauptmann Vogel, unterzogen worden. Der Beamte hat sich dem Vernehmen nach anerkennend über die G r ü n d l i ch k e ,.t der Ausbildung aus- gesprochen. Mit dieser Gründlichkeit kontrastiert merkwürdig die Entschuldigung, die ein angeklagter Motorwagen- Führer dieser Tage vor Gericht zu seiner Verteidigung vorbringen ließ. Ein Motorwagenführer der„Elektrischen" war an der Ecke deS Kur- fürstciidamms'und der Luthcrstratze mit seinem Wagen gegen einen haltenden Pferdebahnwagen angefahren, wodurch der Kutscher des letzteren eine Verstauchung dcsMickgratsjerlitt. DerjVcrteidiger des des- halb angeklagten Motorwagenführers machte zu Gunsten seines Klienten geltend,„daß dieser anIjenem Tage zum erstenmale allein gefahren sei. Er habe zwar Ucbungsfahrten in Gegenwart älterer Motorwagenführer auf der Strecke Mantenffelstraße— Treptow machen müssen und sei dort instruirt worden, habe bis dahin aber keinePrüfungsfahrt vor dem Oberfahrer für das Fahren in Verkehrsstraßen gemacht gehabt und auch die Strecke und die darauf befindlichen Haltestellen der Pferdebahn nicht gekannt. Thatfächlich habe seine Probefahrt erst nach dem Un- falle stattgcfliiiden." Mit Rücksicht auf diese Verhältnisse jc. erfolgte die Freisprechung des Angeklagten. A»S der Begründung durch den Landgerichts- Direltor Röslcr klang jedoch deutlich die V e r- wunderung darüber heraus, daß die Straßenbahn-Verwaltung nicht vorsichtiger sei. Die Verwunderung des Richters wird das ganze weite Publikum teilen. Großfcner, das einen Schade« von mehreren hundert- tausend Mark verursachte» wütete Freitagnacht im Norden Berlins. In der Greifswalderstratze 78/80, unmittelbar an dem Zugangswcge zum Weißenseer Güterbahnhof, hat die Firma W. K. Küster auf einem ausgedehnten Gelände eine Fabrik für Holzbearbeitung, eine Nutzholzfiandluiig, Zimmerei und Tischlerei errichtet und lagern dort große Mengen Bretter und Bauhölzer, Neben einem Wohnhause für den Platzvcrwalter, zwei Pferdeställen, dem Maschinenhause und zwei Tilchlereiwerkstatten befanden sich auf dem Terrain noch eine Anzahl freiliegender Holzstapel, sowie mehrere überdachte Lagerschuppen. In wenigen Stunden wurde ein großer Teil dieser Anlagen in einen Trümmerhaufen verwandelt. Zwei Familien sind nur mit knapper Not dem Tode entronnen. Kurz»lach Mitternach bemerkte ein Schutzmann zuerst das Feuer in einer der Tischlerei-Werkstätten und eilte, ohne den Platzverwalter Kirste zu wecken, nach dem nächsten Feuermelder. Mittlerweile war auch der rapide um sich greifende Brand von anderen Personen beobachtet und verschiedenen öffentlichen Meldern mitgeteilt worden, so daß die Löschzüge von allen Seiten heranrasselten. Haushohe Flammengarbcn röteten den Himmel, und Hunderte von Personen aus. den entferntesten Stadtgegcndcn machten sich zu Fuß oder Wagen nach den, Brandplatz auf. Vielfach war das Gerücht ver- breitet, ganz Wcitzenscc stehe in Flammen. Der Platzverwalter Kirste lag mit seiner Familie im ticsstcn Schlaf, als die Flammen bereits das Wohnhaus erfaßt hatte». Durch den Feuerlärm erwacht, blieb den Bedrohten kaum Zeit, barfuß in Unterkleidern auf die Straße zu flüchten und sich in Sicherheit zu bringen. Doch da langten auch in rasendem Galopp schon die Löschzüge ans der Kcibel- und Oderbergcr- straße an. Der erste Angriff galt der Sicherung des Wohnhauses, Zugleich muhten dieLöschmannschasten mit einspringen, um 13Pferdeaus den schon brennenden Ställe» zn befreien, was nach großer Anstrengung auch gelang. Trotzdem fast Windstille herrichte, übersprang das in der südlich belegene» Werkstelle ausgekommene Feuer den etwa 20 Meter breiten und 30 Nieter tiefen iVestöckigcn Lagerschuppen und setzte die nördlich belegene Wcrkstelle in Flammen. Nicht lange, so brannte der nun zwischen zwei Feuern liegende Lagerschuppen in seiner ganzen Ausdehnung und an das dadurch gebildete Flammenmeer vermochten die Nohrsührcr nur dadurch zu ge- langen, daß sie Thüren und Fensterläden zum Schutze vor sich hielten. Nur durch einen Bretlerzann war das brennende Grundsiück von dem benachbarten Nr, 75—77 getrennt, a»f dem sich die Nutzholzhandlung von Simonson befindet. Da der Wind um- gesprungen war, griff das Feuer auch auf dieses Grundstück über und äscherte hier einen Bretterstapel im Werte von 12 000 M. ein, Dancvci, wurden auch die Gebäude beschädigt. Immer weiter griffe» die Flammen um sich und erfaßten das Küstcrsche Maschinenhaus, dessen Kesselanlage mit Lokomobile allein einen Wert von über 60 000 M. repräsentiert. Hier aber gelang es der Wehr, Herr des Elements zu werden. Gegen 7 Uhr' früh rückten die meisten Züge ab, um der Ablösung Platz zu machen. Dampfspritze 2 verblieb jedoch bei der Ablöschimg. Die mehrfach genannte Marie Fornayou, die ihren Eltern durchbrannte und von der Polizei gesucht wurde, befindet sich, wie sie ihren Eltern schreibt, in Innsbruck. Die erste» Eisbahne» sind bereits gestern eröffnet worden, Die Tiergartengewässcr waren heute Morgen mit einer ziemlich starken Eisschicht überzogen und cS ist zu erwarten, daß beim Fort- bestand der gegenwärtigen Witterung die Eisbahnen an der Nousseau-Jnsel und dem Neuen See noch vor Weihnachten eröffnet werden. Dnrch eine Raugiermaschine erfaßt und schwer verletzt wurde gestern morgen der vein, Bau der neuen Brücke in Rummels- bürg beichäftigte Arbeiter K. Hufnagel, Wiesenstr. 38 wohnhaft. H„ welcher in der dortigen Eisenbahilwerkftatt beschäftigt ist, war mit mehreren Arbeitskollegen beim Bau thätig und hatte sich von Berufs- wegen ein Stück auf das Geleise begeben, als eine Naiigiermaschinc in'schnellstem Tempo heraiigcsauft kam, den Arbeiter erfaßte und bei Seite schleuderte. Der Unglückliche wurde sehr schwer verletzt. Man brachte ihn in bewußtlosem Zustande nach der Bahnstation,, wo er den ersten notwendigsten Verband erhielt. Inzwischen hatte man den Stationslvagen öcr Unfallstation XVI in der Warschauerstraße, der in der Landsberger Allee stationiert ist, telephouisch herbei- gerufen, der den Schwerverletzten nach seiner Wohnung brachte. Gegen den verschwundenen Kaufmann Isidor Behrendt ist ein Steckbrief erlassen worden. Auf dem Hanpt-Engroömarkt für Weihnachtsbäume an der Groß-Görschen straße steht jetzt der Handel mit Weihnachtsbännici, auf seiner volle» Höhe. Tagtäglich von den frühesten Morgenstunden an bis in den späten Abend' hinein treffen die mit Tannen und Fichten hochbepackten Wagen auf dem weiten Terrain ein. Npollo-Thcater. Nach einer Lebensdauer von 213 Tagen hat „Frau Lima" ihr Dasein beschlossen. Der Flittcrglanz wandert in die Rumpelkammer, das liebliche Lustballet Grigolatis geht„ach London ins Drury Lane-Theater und von der fabelhasten Pracht der Ausstattungsoperette wissen nur noch einige Walzertöne, die bei Schramm und hin und wieder auf einem Leierkasten ertönen, matt und klagend zu erzählen. Das ist nun einmal das Schicksal populärer Operetten: Ein halbes Jahr lang würde auch der gottesfürchtigste Bollejunge die Annahme, daß er ihre Melodien nicht zu pfeifen verstünde, als Ehrenkränkung betrachten, und dann sind sie so mausetot, daß selbst der verwegenste musikalische Freibeuter nicht im stände ist, aus ihnen ein paar ansprechende Töne zu entlehnen. Die Zeit der Vorbereitung zu einem neuen Glanzstück ivird im Apollo-Theater dnrch ein„reines" Specialitäten-Programm ausgefüllt. Einige Vorführungen erheben sich über das Matz des Gewohnten, Mary Werder hat von der Specialität des Pariser Straßensängertums manches gelernt; sie verwertet die fremden Anregungen aber mit voller künstlerischer Selbständigkeit. Ihre„Tippelschickse" verdeckt mit Galgenhumor das Elend der Landstraße, Ein seltsames Vokal- quartctt sind die Gothams aus New Uork; tadellose Gcsangsvorträge werden von ihnen mit wunderlichen Kapriolen gewürzt. In akrobatischen Künsten ist die Gesellschaft„Adolfi" obenauf; artistische Leistungen von unglaublicher Schwierigkeit vollführen aber die drei Kopfeqiiilibristen Gebrüder Willee. Vom vorigen Monat ist u. a. der Professor Bonety mitj seinem buntgemischten Tiercirkus geblieben. Auf eine Neuerung im Bühnenraum des Theaters sei noch hin- gewiesen. Es handelt sich um eine sogenannte Negenvorrichwng, wie sie bereits in mehreren Theatern Berlins angelegt ist. Durch die Vorrichtung kann die Bühne beim Ausbruch eines Feuers in kürzester Zeit unter Wasser gesetzt werden. Zu diesem Zweck ist über der Hauptbühne des Theaters, die 130,5 Quadratmeter mißt, und über den beiden Nebcnbühnen, die zusammen einen Flächeninhalt von 31 Quadratmeter haben, ein Netz von Kupserrohren gezogen worden, daß auch die Galerien und die Eingänge bedeckt. Die Rohre sind mit Ausflntzlöchern versehen, die zu je dreien schräg zur Längenachse der Rohre und in eine», Winkel von 45 Grad zu ihnen angeordnet sind. Die Zuleitung ist 125 Millimeter stark, und bei einein Druck von 20 Meter Wassersäule beträgt die Abfluß- menge rund 24,6 Liter in der Sekunde, also in der Stunde ungefähr 88 560 Liter oder 88,5 Kubikmeter Wasser, was der Leistungsfähigkeit einer Dampsspritze gleichkommt. Die kupfernen Verteilungsrohre haben 40 Millimeter im Durchmesser. Der Apparat funktioniert sehr präcise; in kaum einer halben Minute, nachdem das Wasser an- gedreht ist, strömt es auf die Bühne hernieder. Theater. Im Carl Weitz-Theater gelangt heute nachmittag bei kleinen Preisen als Kindervorstellung„Aschenbrödel" zur Aufführung,— Im Schill er- Theater wird das„KötbÄen von Hcilbronn" neu ein- studiert Mittwoch, den 13. d, Mts,, in vollständig neuer Besetzung zum erstenmal anfgefllhrt,— Fräulein Ada Milant, eine junge Künstlerin, welche in Berlin und Hamburg schon schöne und bemerkenswerte Erfolge erzielt hat, ist soeben von der Direktion des Thalia-Thealers ver- pstichtct worden,— Uebcr„Flüssige Lust" wird heule, Sonnabend, abends 8 Uhr im Hörsal der Urania Herr Dr. P. Spies einen Bortrag halten. — Ein„Rotzmensch", der Neger Barmes, wird sich heute zuerst im Eirkiis Schumann produzieren, Ans de» Nachbarorte». Stadtverordncten-Ttichwahl in Spandau. Arbeiter, Parteigenossen! Heute, als am letzten Wahltage, wird der Entscheidungskamps von unserer Seite zu führen sein, heute Abend, bei Verkiindrim; des Resultats wird eS sich zeigen, ob die Spandauer Arbeiterschaft willens und im stände ist, ohne kleinliche Rücksichten für ihre Ideen und ihre Jntereffen auf kommu- nalem Gebiet thatkräftig einzutreten. Unsere Gegner werden am heutigen Tage einen ganz besonders starken Druck auf die abhängigen Elemente, Arbeiter, Straßenfeger, Nachtwächter und Beamten ausüben, „in, wenn auch auf fremden Krücken, in das Stadtparlament zu gelangen. Sorge deshalb ein jeder wahlberechtigte Arbeiter dafür, daß er sich selbst nach Verlündung des Wahlresultats nicht zu schämen haben wird, mit anderen Worten: Jeder spanne im Dienst für die Arbeitersache heute seine Kräfte besonders an, um unseren Kandidaten den Sieg zu sichern. Noch ist es Zeit! Wer heute jedoch, in letzter Stunde, nicht seine Pflicht im vollsten Maße thnt, der begeht einen unverzeihlichen Verrat an den Interessen der Arbeiterschaft! Der unerhörtesten Wahlmache der Gegner muß der ernste feste Wille der gesamten klassenbewußten Arbeiterschaft Spandaus entgegengesetzt werden. Nur dann ist der Sieg unser! Darum Arbeiter. Parteigenossen: Eilet zur Stichwahl! Die Stadtverordneten- Stichwahlen in Spandau ergaben gestern folgendes Resultat: Nieger(Soc.) 200, Scholz(Soc.) 201 und Kunkel(Soc.) 198 Stinimen. Von den Gegnern erhielten Stephan 89, Dr. Kalkstein 87 und Krüger 88 Stimmen. Waidmannslust. Sonntagnachmittag 4 Uhr findet in KühnS Schweizerhäuschen eine Volksversammlung statt. Genosse Schubert spricht über„Der Reichstag und die pol, tischen Parteien". Außerdem stehen die Wahlen eines Vertrauensmannes, sowie einer Lokalkommission auf der Tagesordnung. Ober-Tchöncwcidc. Sonnabendabend 8>/s Uhr findet bei Püll, SimenSstraßc, eine Versammlung des Arbeiter-Bildungsvereins statt. Stadtverordneter Genosse Th. Metzner hält einen Vortrag:„Gleiches Recht für alle". Gäste haben Zutritt. Stralau- RnmmclSburg. Sonntagnachmittag 4 Uhr spricht Genosse Gutheit bei Schmiert im socialdem akratischen Verein über die Unfallversicherung, die Berufsgenoffenschaften und ihre Vertrauens- ärzte. Neue Mitglieder werden aufgenommen. In der allgemeine» OrtS-Krankenkasse zu Eharlottenburg fand vorgestern die Wahl der Delegierten auS der Klaffe der Arbeit- nehmer statt. Mit großer Mehrheit drang die von parteigenössischer Seite aufgestellte Liste durch. Sonntag ist die Wahl der Arbeit- nchmer-Delegicrtcn. Ans Rixdorf wird uns geschrieben: Die Nichterfüllung eines Versprechens bedeutet die Festsetzung der Arbeitnehmer- wählen zum Ge Werbegericht auf den heutigen Sonnabend. Als der Wortlaut des Ortsstatuts für das hiesige Gewerbegericht seiner Zeit in der damit betrauten Kommission durchberaten und festgestellt wurde, verlangten die socialdemokratischen Kommisstons- Mitglieder, besonders der Genosse Conrad, daß die Wahlen regelmäßig des Sonntags stattfinden sollten. Dieser Vorschlag scheiterte an den religiösen Bedenken der Mehrheit, Hierauf beantragte Conrad, dann wenigstens im Statut festzusetzen, daß die Wahlen nie auf e i n e n S o n n a b c n d anzuberaumen seien. Es wurde ausführlich begründet, weshalb der Sonnabend als Zahltag be- sonders für Arbeiter der ungeeignetste Wahltag wäre. Gegen eine solche B e st i m m u n g wandten sich alle bürgerlichen Mitglieder. auch der Vorsitzende Stadtrat Biirckiier. Jedoch wurde allgemein betont, daß bei der Festsetzung des WahltenninS die Wünsche der Vertreter aus der III. Wählerabteilung berücksichtigt werden würden. Besonders das Magistratsmitglied Justiz rat Bttrckuer gab ein dahingehendes Versprechen ab. Trotzdem wurde vom Magistrat grade der Sonnabend zum Wahltag für die Arbeitnehmer bestimmt, Auf eine Interpellation des Genossen Conrad hat nun allerdings Herr Bürgermeister Voigt in der vorgestrigen Stadtverordneten- Sitzung erklärt, der Magistrat habe den Sonnabendnachmittag für besonders geeignet gehalten, weil am Sonnabend viele Arbeiter einige Stunden früher Feierabend hätten; es könnte höchstens ei» Jrriunl vorliegen; in Zukunft würden entsprechende Wünsche sicher berücksichtigt werden. Das mag richtig und ernst gemeint sein, es schafft aber nicht die Thatsache aus der Welt, daß man sich diesmal über stark betonte Wünsche hinweggesetzt und das von einem Magistratsmitglicde gegebene Versprechen nicht erfüllt hat. Die Folge kann natürlich nur Mißtrauen sein. Vom öffentlichen Arbeitsnachweis der Stadt Rixdorf ver« langten im November 96 Arbeitgeber insgesamt 163 Personen, darunter 22 weibliche und 10 unter 16 Jahren. Im besonderen wurden verlangt 36 gelernte Arbeiter. 100 sogenannte gewöhnliche Arbeiter, 7 Dienstmädchen, 9 Fabrikarbeitern, nen und 6 andere Arbeiterinnen. Es wurde Arbeit gesucht von 257 Personen, darunter waren 19 weibliche und 16 unter 16 Jahren. Die Arbeitsuibendcn zerfielen in 39 Handwerker, 183 andere Arbeiter, 2 Dienst- mädchcn, 19 Fabrikarbeiterinnen, 7 andere Arbeiterinnen. Von den 257 Arbeitsuchenden erhielten 240 Arbeit nachgewiesen. Von den 19 weiblichen Personen wurden 16 untergebracht. Die Be- Nutzung des Arbeitsnachweises kostet nichts. Das Bureau be- findet sich in der Steinmetzstr. 7, parterre. Wie die Armut wohnt! Professor Dr. Thouret in Friedenau hat, durch dritte Personell veranlaßt, dem dortigen Armenhaus. welches früher als Cholerabaracken diente, einen Besuch abgestattet und schildert den gewonnenen Eindruck folge,, dermaßen:„In einer au sich geräumigen Stube haust dort Frau H. mit zehn Kindern, sechs eigenen und vier einer Frau P., die selbst seit 14 Tagen im Krankciihause liegt. Wenn ich auch in Berlin schlimmere Menschen- höhlen(!) gesehen habe, so war der Anblick dieser Armenstube mit der in allen möglichen und unmöglichen Aufzügen herun, lagernden oder sich henmibalgenden Kinderschaar doch ein herzbewegender. In der Mitte stand ein Kinderwagen, worin ein schwächlicher Säug- ling lag. der halb mit der Flasche, halb mit der Brust ernährt wird, obgleich der Arzt der Mutter das Nähren verboten hat. Die berufenen Organe der Arnicnverwalwng usw. helfen wohl aus. aber soviel lvird jedem Besucher klar, datz hier Mißstände obwalten, die Friedenaus unwürdig sind und einer gründlichen Besserung bedürfen, waS natürlich Geld kosten wird. Hier müssen von Gemeinde wegen Opser gebracht werden. Ein einziger Raum für soviel Köpfe kann auf die Dauer kein menschenwürdiger Aufenthalt genannt werden, besonders da das ganze Haus Widerwärtig nach Katzen riecht. Aber die Hauplfrage ist die. ob die Baracke überhaupt als Armeir- haus genügt. Der Augenschein spricht dagegen und vollends im Winter wird sie nscht ausreichen. Eine besondere Bitte richte ich an die Schulverwaltung und die Lehrerschaft. Ich weiß nicht, was daran ist; aber erzählt wurde, daß sich einige von den Kindern Bleistifte, Federn usw. aus einer Handlung auf Borg(!) geholt hätten. Mein Vorschlag geht dahin, den Kindern Bücher, Hefte und Utensilien in der Schule zu liefern und einfach dort zurück- zubehalten, von allen Schularbeiten abzusehen(?), ihnen ober Schreib- tafeln und Lesebücher— die später verbrannt werden müssen— in die Baracke mitzugeben, vamit sie sich nicht immer zu balgen brauchen. Pflicht der Gemeinde endlich ist es, die Kinder im Armcnhanse vor physischer und moralischer Vcrlotterung zu schützen, denn sie sind meistens schlimmer daran als Waisen l" Cm Kulturbild des scheidenden 19. Jahrhunderts! Für die vom«choncbcrgcr Magistrat vor drei Wochen aus geschriebenen vier O b c r l e h r e r st e l l e n. deren Schaffung der wcilcre Ausbau des städtischen Refonn- Gymnasiums zu Oster» nächsten Jahres durch die Aussetzung der beiden Untersekunda-Klasscn (für den Gymnasial- wie Rcalzlveig) erfordert, sind bereits gegen 120 Bewerbungen eingegangen.— Einen Stadtbau meist er sowie einen vereideten Landmesser und außerdem noch drei nntere Baubeamte, sänitlich für das Tiefbauwesen, beabsichtigt der Magistrat zu Schöneberg zum 1. April 1900 anzustellen. Schwer verunglückt ist der Arbeiter Karl Jahnke in C h a r- lottenburg, als er einen Sack mit Mehl vom Wagen nach dem Krahne bringen wollte. Er, stürzte und der Sack siel auf ihn und brachte ihm so schwere innere Verletzungen bcr, daß ihn die Rettungswache in der Wilmersdorfcrstrahe dem städtischen Kranken- lause zuführen mußte. Etationsverleanng. Am Dienstag, 12. Dezember, vormittags 11 Uhr, wird die Starion Kietz- Rumme l s bürg der Linie Berlin-Erkner nach der Prinz Albertstraße hin verlegt. Der Zu- gang zu der neuen Station befindet sich gegenüber dem Hause Nr.<3 der Prinz Albertstraße. Der von Erkner im, 11 Uhr 43 Min. vor- mittag« auf Kictz-Rummelsbnrg eintreffende Zug wird als erster Zug auf der neuen Station abgefertigt. Das als Folterlustrumeut gefürchtete Spandancr Straßen- Pflaster soll seiner schlimmste» mittelalterlichen Schrecken beraubt und dem Kulturzustand nahe gebracht worden, dessen Berlin sich etwa zu Anfang dieses Jahrhunderts erfreute. Zu diesem Zivecke ivurden in Spandau vor einiger Zeit mit alten Berliner Pflastersteinen ein paar Nebenstraßen probeweise gepflastert. Der Versuch ist angeblich als wohlgelungcn anzusehen, und der Spandancr Magistrat hat daher beschlossen, zu Pflasterungszwecke» einen größeren Posten ausrangierter Berliner Steine, im ganzen für 4S 000 M. anzukaufen. In der Alt- Buchhorstcr Mordaffäre wird die Anklage nur gegen das 16jährige Dienstniädchcu Bertha Schröter erhoben werden. Dw von den Berliner nnd den Vorortbchörden angestellten Nach- forschungen nach einem etwaigen Bräutigam oder Geliebten der Sch. waren völlig ergebnislos.' Die Schröter hatte übrigens auch versucht, einen Unbekannten als den thatsächlichen Mörder zu be- zeichnen, nahm jedoch später das Geständnis wieder zurück, und es gilt jetzt als unzweifelhaft erwiesen, daß die Sch. die That allein begangen hat. lieber den Verbleib des gestohlene» Geldes(1300 M.) lvar bisher, da die Berbrecherin jede Auskunft hierüber entschieden verweigert, nichts zu ermitteln. Gevirhks-'Zeitung. Eine romantische Geschichte, bei welcher eine Tierbändigerin mit nienschcnfreundlichcm Herzen die Hauptrolle spielte und welcher auch der Jnstizmiuister aus rechtlichen Gründen wiederholt sein Interesse ziigcwandt hat, beschäftigte gestern die III. Strafkammer hiesigen Landgerichls I. Wegen Diebstahls wurde die L7jährige Marie Wilhelinine Neuhof zur Verantwortung gezogen; sie sitzt feit dem 20. Juni in Unter- slichmigshaft, bestreitet aber jedwede Schuld. Das Verfahren sollte ursprünglich auch wegen Kindesentführung eingeleitet werden, ist aber nach dieser Richtung hin eingestellt worden. Die Angeklagte hat ein vielbeivegtes Leben hinter sich; sie hat schon in jungen Jahren ihre Elten, verloren und hat sich dem Artistcnbcrufe gcividmct. Seit acht Jahren gehört sie dem Cirkus dcS Direktors Behrendt an, mit dem sie als Tierbändigcrin von Ort zu Ort reift. Zuletzt befand sie sich mit dem Cirkus in Paris nnd erhielt dort Anfang Juni ihren zivcimonatlichcn Sornmerurlaub. den sie nach ihrer Bc- houptmig in Oftende verbringen wollte. Sie machte in Antlverpen Station und lernte dort in einem Hotel garni den jetzt 50 Jahre alten Rentier Franz Tüstcrbcck aus Berlin kennen, der in demselben Hotel mit einem 9jährigcn Knaben und einer 7'/2jährigcii Tochter wohnte. Herr Düsterbeck hat auch seine Geschichte hinter sich. Tie ehelichen Scencn, die er aus unbegründeter Eifersucht seiner Frau bereitete, haben seiner Zeit die Lcffentlichkeil beschäftigt, als er wegen Körperverletzung seiner Ehefrau zu 4 Monaten Ge- fängnis verurteilt wurde. Die Ehe der beiden Eheleute ist gcrichtsseitig geschieden und dem Vater der Knabe, der Mutter aber das Mädchen gcrichtsseitig zugesprochen worden. Herr D. war aber, nachdem er hier sein Eigentum zu Gelde gemacht, eines Tages unter Mitnahme seiner beiden Kinder verschwunden. Die Erklärung hierfür ist vielleicht darin zu suchen, daß er die vier Monate nicht absitzen mochte, anßerdeni sollte aber auch, wie die Polizei zu den Akten angegeben hat, ein Verfahren wegen Verleitung zum Meineide gegen ihn eingeleitet werden. Genug: Herr D. war verschwunden und die um ihr Anrecht auf das Mädchen gebrachte Frau Düsterbeck bot in öffentlichen Zeitungs- cnnoncen eine Belohnung für denjenigen aus, der ihr den Auf- uithalt ihrer Tochter nachweisen würde. Diese befand sich, wie gesagt, bei ihrem Vater in Antwerpen, als die Angeklagte diesen keimen lernte. Herr Düsterbeck war da- inalS in großer Verlegenheit: seine Wirtschafterin war in dringenden Geschäften nach Berlin gereist und so nahm denn die Angeklagte das Anerbieten an, sich bis zur Rückkehr der Wirt- schaftcrin als eine Art Bonne oder Mädchen für alles bei D. engagieren zu lassen. Wie die Angeklagte behauptet, hat ihr nun das kleine Mädchen, welches die ganze Ehescheidungsgeschichte ihrer Eltern kannte, wiederholt unter Thränen und Licbkohliigc» die Bitte ausgesprochen, sie doch zu ihrer Mutter nach Berlin zu bringen, da sie zu große Sehnsucht nach derselben habe. Sie will lange diesen Gedanken bekämpft haben, dann aber durch die Bitten der Kleinen so gerührt worden sein, daß sie sich zur Flucht bereit er- klärte. Eines Tage?— am 12. Juni— ging Herr D. aus und ließ der' Angeklagten zur Besorgung kleiner Einkäufe 100 Fr. zurück. Run schritt die Angcllagte zur That. Sie schickte den kleinen Jinigen allein in den Erholungspark, indem sie ihm vor- redete, daß sie mit den, Mädchen bald nachkonimen würde, raffte dami schnell einiges Reisczeug znsamnien. verschloß die' Thür und befand sich mit ihrer kleinen Begleiterin bald auf dem Wege»ach Berlin. Hier nahm sie in einem Gasthof Quartier, schrieb ihren und deS Mädchens richtigen Namen ins Fremdenbuch und begab sich sehr bald zum Einivohncr- Meldcanit, um die Wohnung der Frau Düsterbeck zu erfahren. Inzwischen war aber Herr D. in Ant- Iverpen nicht müßig geblieben. Als er nach Hause kam, mußte er die verschlossene Wohnung erst durch einen Schlosser öffnen lassen und da will er denn festgestellt haben, daß ihm in seiner Abwesenheit eine Summe von 900 Mark in Zwanzigmarkstücken, die sich angeblich in einer verschlosseilen Kassette in einem verschloffenen Korbe befunden haben sollen, gestohlen worden waren. Da die Angeklagte mit der Tochter nicht zurück- kehrte, ahnte Herr D. sofort einen Zusammenhang zwischen dem an- geblichen Diebstahl und dem Verschwinden der beiden und ans sein Betreiben wandte sich der llutersuchungSrichter in Antwerpen mit dem tclegraphischen Gesuch an die hiesige Polizei, die KindcS- entführerin wegen Diebstahls festzunehmen. Die Gasthaus- Polizei entdeckte dann auch sehr bald ihren Aufenthalt und sie wurde in Hast genommen. Die Frau Düsterbeck ist dabei wieder um eine Hoffnung ärmer geworden. Als sie die Kunde von der Ankunft ihres Kindes erhalten und freudig erregt auf der Bildfläche erschien, um es abzuholen, mußte sie zu ihrer Be- trübnis erfahren, daß daS Mädchen schon wieder nach Antwerpen abgedampft war. Und daS hatte die Energie der gerade in Berlin weilenden Wirtschafterin des Herrn D. zu stände gebracht, an die sich Herr D. auch sofort mit telegraphischen Direktiven gewandt hatte. So ist das umstrittene Kind, ans welches nach gerichtlichem Erkenntnis die Mutter einen Anspruch hatte, ruhig wieder dem Vater ausgeliefert ivorden, der keinen Anspruch darauf hatte. Die Angeklagte bestritt bei ihren ersten polizeilichen Wer- nehmungen mit Entschiedenheit, einen Diebstahl begangen zu haben. Sie behauptete, daß sie von der Aussetzung einer Belohnung keine Kenntnis gehabt und lediglich aus Mitgefühl für das kleine Mädchen und deren Mutter gehandelt habe. Sie bestritt auch, daß Herr D. zur Zeit ihrer Abreise überhaupt 900 M. in bar besessen habe, behauptete vielmehr, daß er gerade damals in vorübergehender Verlegenheit gewesen sei und erst Geld von seinem Bankier erwartete. Nun ist hier in einem Zimmer des Polizeipräsidiums, in welchem die Angeklagte vcr- nomnien war, unmittelbar nach ihrer Entlassung ans dem Zimmer am Boden in der Nähe der Thür ein kleines leinenes Beutelchen mit 20 Markstücken gefunden worden, welches nach Ansicht der Polizei die Angeklagte verloren haben mutz. Auch hier bestreitet diese nach- drücklichst, dieses Geld beseffen und— wie angenommen wird— geschickt verborgen zu haben. Zu diesem belastenden Moment kamen noch einige belastende Aussagen, welche das kleine Mädchen bei der kommissarischen Veriiehmuiig in Amsterdam über die Geldmittel der Angeklagten gemacht hatte. Nach der Bekundung des Schutzmannes Richter wurde die An- geklagte am 20. Juni in dem Wacht, zimmcr der Rriminalabteilung eingeliefert. Sie bekam, als sie am nächsten Tage wieder vorgeführt ivnrde, Schwindelanfälle, so daß sie ins Krankenhaus gebracht werden sollte. Unmittelbar nachdem sie aus dem Zimmer' gegangen war, fand man an der Außenseite der Thür ein kleines Bculclcken mit 14 Zwanzigmarkstücken. Die Auffchcrin deS Jsoliergcsäiignisses der Polizei hatte sie nach der Einkicfenmg körperlich Untersucht, aber ein derartiges Gcldbeutelchen nicht bei ihr vorgefunden. Die Polizei- liche Kombination, wie die Angeklagte das Geld verborgen haben könnte, wurde vom SanitätSrat Dr. Mittenzweig an sich als möglich erklärt.— Auf Grund dieses Thatbeswndes beantragte Staatsanwaltschaftsrat F l i cke l das Schuldig wegen Diebstahls, wobei er als anSgeschlosien betrachtete, daß eine andere Person das Bentelche» mit den 20 Marl-Stücken verloren haben könne. Er beantragte sechs Monate Gefängnis unter Anrechnung von vier Mo- naten Untersuchungshaft.— Rechtsanwalt Dr. Schlesinger er- achtete es dagegen für geboten, die SchmerzenSzcit der Angeklagten durch eine Freisprechung zu beenden, da dieselbe weder durch das ominöse Gcldbeutelchen noch durch die Aussage des unter dem Einfluß ihres Vaters stehenden kleinen Mädchens überführt scheine. Der Gerichtshof hielt es nicht für auSgesäilossen, daß ein anderer dos Päckchen mit den 20 Mark-Stückcn verloren haben könne, und erkomlte daher auf Freisprechung der Angeklagten. Diese wurde sofort auf freien Fuß gesetzt. Ter seit nahezu zwei Jahre» schwebende Torgancr Straf- Prozeß gegen unseren Parteigeuosscu Paul Jahn hat aber- mals dns Gericht beschäftigt. Ursprünglich wegen Gendarmen- und Richtcrbeleidigung angeklagt, war Iah» in erster Instanz nur wegen angeblicher Richterbeleidigung zu 2 Monate» Gefängnis, i» der Bernsniigsinsianz aber wegen beider.Straflhatcn' zur gleich hohen Strafe verurteilt Ivorden. Das Obcrlantcögcricht in Raum- bürg a. S. hatte dies Urteil aufgehoben»nt der Bcgründmig, daß eine Verurteilung nicht auf Gnmd des K 185 des Strafgesetzbuchs, sondern nur nach§ 186 hätte stattfinden kömicil, dafür aber keine genügenden Beweise erbracht seien! An die Vorinstanz zurückverwiesen, kantete das Urteil nun- mehr nur wegen Richterbeleidigung auf 1 Monat Gefängnis. Dieses Urteil wurde jetzt vom Obcrl'andcSgcricht b e ftäti g t' nnd das freisprechende Erkenntnis aufgehoben, da eine Vor- urteilung hatte erfolgen m ü s s e n. obwohl keinerlei neue Bc weiSgründe erbracht waren. In der am 5. Dezember abermals vor dem Landgericht in Torgau stnttgeftmdcncn Verhaiidlnng wurde Iah» wegen angeblicher Gcndarnieubcleidigung zu einer Zusatzstrafe von 6 Wochen, insgesamt zu 2 Monaten Gefängnis verurteil:. In der münd- lichen Be gründung durch den von Jahn schon einmal abgelehnten Land- gcrichtsdirektor B a ch m a n» wurde betont, daß das Gcri chl der Anweisung das Oberlandesgericht folgen und eine Vernneilung anssprechcii mußte, weil die von Jahn gemachte bloße Mitteilung, daß ein früherer Gendarm in Thüringen heute socialdcmokratiicher Vertrauensmann sei, eine»arge Verhöhnung dcS anwesenden Gendarmen- als Vertreter der Staatsgewalt bedeute. Und dieses Urteil, obwohl weder Zeugen geladen noch neue Beweisgründe dnfiir erbracht waren. Dem be- lcidigtcn Gcndarmeric-Wachlmeister Schuster in Torgau wurde noch die Publilatiousbcsugins des Urteils im„Torgauer Kreisblatt" zugesprochen nnd dem Angeklagten sämtliche Kosten aller Instanzen auferlegt. Ter Prozeß gegen de» de» Wuchers beschuldigten Agenten Johann B l u m b e r a gelangte gestern in später Abeiidstnnde zum Abschluß. Wie der Bücherrevisor Oehme herausrechnete, hatte der Angeklagte in den am mildesten liegenden Fällen einen Zinsenbetrag von 20 Proz. genommen, in verschiedenen Fällen aber auch 150 Proz. Staatsanwalt Licbenow hielt das GeschnftSgebahren des Angeklagten um so verwerflicher, weil er sich eideSstatlliche Versicherungen aus- stellen ließ, trotzdem er wußte, daß der Inhalt derselben nicht der Wahrheit entsprach, daß die Aussteller sich vielmehr in einer Notlage und in den meisten Fällen sogar in einer sehr drückenden, befanden. Der Staatsanwalt hielt den Angeklagten des gewerbs- und gewohnheilsniätzigen Wuchers für überführt und be- antragte gegen ihn neun Monate Gefängnis, 600 M. Geld- strafe' und fünfjährigen Ehrverlust. Der Gericktshof mußte zwar einige Fälle ausscheiden, bezeichnete das wucherische Treiben dcS An- gellagteu aber doch als ein gewerbs- nnd gewohnheitsmäßiges und verurteilte ihn zu sechs Monaten Gefängnis, 600 M. Geld- strafe und zwei Jahren Ehrverlust. Der Angeklagte erklärte, sich hierbei nicht beruhigen zu wollen. Vermipchkes« Die Verheernngen an der Ostfceküste danern fort. Infolge des in der Rocht von Mittwoch auf Donnerstag erfolgten Durch- bruchs der Haffftaudciche ist die D a n z i g e r Nehrung meilenweit überschwemmt. Besonders betroffen sino viele blühende Ortschaften um Stntthof und Steegen. Das Wasser überflutet Ißs bis 2 Meter hoch das Land. DaS Vieh ist meist ge- borgen, der Schaden an der Wintersaat und den Deichen sehr be- deutend.— Von der Halbinsel Heia wird gemeldet, daß dieselbe an einer schwachen Stelle vollständig überflutet ist. Der Dampfer des„Norddcntschcn Lloyd".Königin Louise", welcher sich aus der Fahrt von Bremen nach Australien mit Antwerpen als Zwischenhafen befand, ist Freitag früh bei Fluth auf der Unterscheide auf der Bank von Walsoords in der Nähe von Bath f e st g e r a t e n. Schlepper sind von hier abgegangen, um den Dampfer abzubringen. Ein englisches Kriegsschiff gescheitert. Bei„Lloyds- Agentur" in L o n d o n ist ans Bembridge, Insel Wight, die Nach- richt eingegangen, daß da» englische Kriegsschiff„Tyne" ans einem Riff bei Bembridge gescheitet ist. Ein Rettungsboot ist dorthin ab- gegangen. Das Wetter ist ruhig. Die„Tyne" ist ein Proviantschiff; sie war ans dem Wege nach Malta. Stilblüten. Für die deutschen Zeitungen in Budapest ist ein Reporter thätig, der sich sowohl durch seinen Eifer als auch durch seine unbesiegbare Vorliebe für Metaphern hervorthnt. Jeder Rcdactcur rennt die an sich schätzbaren Mitarbeiter dieser Art, nnd der liämpse, die er selber mit dem Stil ihrer blangcpaustcn Mitteilungen geführt, wird er sich heiler erinnern, wenn er die folgenden Aussprüche des Budnpester Reporters liest, die das„Nene Pcstcr Journal" mit Fleiß gesammelt und soeben veröffentlicht hat:— Zwei Arbeiter wurden scbwer beschädigt; andere dreibefandensichinjäherEntrinmings- gefahr.— Die Bauarbeiter scheinen denZcitpuukt für erachtet gekommen zu sehen...— Und nun entstand ein Chaos von Stimmengelvirr.— Sie hatten dos Motto der goldenen Freiheit auf die rote Fahne des Banners graviert.— Die Neichen wühlen in den feuersicheren Kassen ihrer goldenen Kälber.— Das ganze Leben der Bäckergesellen ist nichts als eine Vegetation.—... eine von schwach bewohnten slovakischen Taglöbnern wimmelnde Gegend.— Tie Versammlung entzog dem Präsidenten das Vertaucnsvotum.— Die Maurer- gehilfcn sind des Hungers satt.— Fnr den gestörten Ehe- frieden suchte er Trost in den Armen des Alkohols.— Die Abhaltung eines Tischlcrgehilfeii-Kongresscs ist demnach bereits eine aüairo aceonipli.— Moriz Reich suchte die aufgeregten Ge- müter, die bereits in ein Handgemenge geraten waren, zu be- schwichtigen.— Durch diese ins Herz getroffene Maßregel waren die Arbeiter, besonders die Maurer, aufgeregt.— Die Parole:„Auf die Andrassystratze!" wurde durch die Polizei vereitelt.— Die Arbeiter stehen nicht auf der Höhe des Niveaus.— Die nächste Frage: Pcnsioiisverband, wurde vom Referenten unter großem Lärm auf das Tapet der Beratung gczerrt.— Der Zahn der Zeit reift die Menschheit.— Müllers Name war einer der elften, die seinen Pfad kreuzten.— Anna Haduscek ist eine vor imierer Glut sich selbst ver- zehrende, lebende Fackel der Frauenrechte... Marktpreise von Berlin am 7. Dezember I.89V nach Eniiittelimgcn des kgl. Polizeipräsidiimiö. »lffielzcu D.-Ctr. »)Noggcii stiiilcr-Äerste„ Hafer gut „ mitlel .. gering Nichlslroh Scu f)Erbse» ftTpeiscbohneu. fsVinle» Sariofsel», neue iNllldslcisch, ttcllle Ib-; do Bauch. *) Eniiillclt pro 14,85 14,70 14,- 16,- 14,20 13,40 4,16 7,20 40,— 45,— 70- i'so 1,20 Tonne 14,- 13,70 13,- 14,30 13,50 12,80 3,50 4,40 25,- 25,— 80,— 5,— 1,20 ],- Schweinefleisch Kalbfleisch Hammelfleisch Butler Eier Karpse» Aale fliindtt Hechte Barsche Schlei« Bleie Krebse IKg 60 Sllick II- per Schock 1,60 1." 1,60 2,80 «- 2,20 2,80 2,50 1,80 1,60 2,80 1,20 13,- 1,10 1- 1,—' 2,- 3,- 1.20 1,40 1,— I,- 0,80 1,40 0,80 3,- ...______ von der llenlralflelle der Prenß. Landwirt- schaslsk.uumer»— Nolierungsstelle— und niiigirechiict vorn Pollicipräsldllim für den Toppel-Centucr. f) Kleinhandelspreise. P r o d ll l t e II IN a r k t vorn 8. Dezember. Heute war die Haltung des Getreideinarltes keine gletchmiltztge. Stimulierend wirkten höheres Nord- nmcrtta, sowie Nachrichten über Ernlebeschädigungen durch Regen aus Argentinien. Dagegen machte die Thatfache, daß eine hiesige Firma eine» gröberen Posten Dvnauroggeu tnusie, einen stark verstimmenden Eindruck, da dieser Abschlub mit der schlcchten Ernte in den Donnuländern kaum in Einklang zu bringen ist. Nach schwächerem Berlauf des Frühmarktes lagen Weizen und Roggen mittags gut behauptet und tiberschritten schließlich um eine Kleinigkeit die gestrigen Preise. Hafer lag still und unverändert, Rüböl preiShalteud. Spiritus. Am Spiritus markt notierte 70er loco unverändert 47,60 M. Termine waren nominell behauptet. ST t tternngSüdrrsicht vom 8. Trzembcr 169S, morgcnS« Uhr. Slalldiicn!\ Benin Wiesbaden München Wien I«? I--" ! Wetter; d 11 Ii» « —heiter 3 2 wolkcnl—2 Petersburg 1> Lort Aberdee» Paris 3 bedeckt j-4 uwolkeul— 4 d.hciter-11 2 wolkcnl ,—6 Siailonen £ üaparauda 10 i S C 3 766 N 70bONO 759 NNW 762, SSO 754ONO Wetter «4« L a Lheiter 2bcdcckt 5wolkig 7hedeckt Wegen -11 -7 .8 5 1 SCVClItl 1 wo»»-c*. jv... Trocken und vielfach heiter, zeiliveise wolkig mit etwas strengerem Frost und ziemlich frischen nordöstlichen Winden. Berltner Wctterbiireau. Allen Freunden nnd Bekannten teile ich mit, daß mein lieber Mann, der Tllchlcr Hvini-IcK Tlioni«« am 6. d. M.,»achte 114/, Uhr, nach langer, schwerer Krankheit per- starben ist. Die Beerdigllvg findet Sonntag, nachmittags 3 Uhr, von der Leichen- halle des Luiien-Sirchhoses m Rudorf (Hermaniiltrabe) nuS statt. 127vb _ Die trauernde Witwe. TodeS'Aiizeige. 12856 Am 6. Dezember verstarb unser Kollege Hcini'icii Thomas. Dies allen Bekannten zur Nachricht. Die Beerdigung stndet am Somi- tag, den 10. d. M., nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des neue» Luisen- lirchliofs(Sermannstraße) aus statt. Die Kollegen der Planofabrik mm t. Schmidt. Dmtu der Töpfer BerliAS n. Umgegend. Am Mittwoch, den 6. Dezember er., verstarb unser Mitglied Kollege im Aller van 29 Jahren Die Beerdigung findet am Somi- tag, den 10. Dezember, nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des Elisabeth, Kirchhofes in der Prinzen- Allee aus statt. 1282b Um zahlreich« Beteiligung ersucht __ Der Vorstand. Wilhelmsruh hei S pandan. Ani Sonntag, dm lo. d. M.: Großes Gänse AnSwürfeln und ZlnSsPiele». wozu alle Freunde und Bekannte eingeladen slud. 12786 Ergcbeust tiastavErhe. Zu kaafen«jewiicht: Aeltore sociahstische Litte- ratur, Neue Zeit, Socialdemo- krat. Vorwärts, Vorbote, Zukunft, Volks-Zeitung, Volksstaat, Protokolle d. Social. Kongresse, Sooialist, Rheinische Zeitung, Werke von Püttmann, Proudhon, Eodhertus, Marx, Engels, Lassalle, Bebel,Heinzen, Wertling, Buge und andere social. Werke.. 3227L* C. Calvarv& Co., Berlin, Nene Wilhelm str. 1. Todes- Auzcigc. Ccutralvcrcin der Former uud Bernfsgenosfen. Am Dicnötag, den 5. Dezember, starb unser alles und langjähriges Mitglied der Former 61/19 LsHISckmuH: im 81. Lebensjahre. Ehre fchiem Andenken. Die Beerdigung findet am Somi- tag, den 10. Dezember, nachmittags 4 Uhr, von bcr Leichenhalle des Elisabeth- Kirchhofes, Wvllanksir. 63 (Gejmidbrmincii), aus statt. Um recht rege Beteiligung ersucht Der Borstand. Am DonnerStag. den 7. d. M., nachmittags 4 Uhr, verschied meine liebe Frau Helene Balllenl geb. Malzke. Dies zeigt tiefbetrlibt an Charlottenbmg, 8. Dezbr. 1899. Villlelm Bailleul. Di« Beerdigung findet am Sonntag, den 10. d. M., nachm. 4>/z Uhr, von derLeichenhalle des Luisen- Kirchhofes, am Finsten- bntnner Weg, aus statt.(12886 Von Oataracta(grauemStaar) durch neue Behandlungsmethode« des Herrn 05: Robinskl, Berlin(W.), Knr- sürstenstraß« 119, ohne Operation geheilt. A. Boddln. Rentier und Hauseigentümer, Berlin(3,), Stallschretberftr. 39 I. vegeu Lerut8vsoli8kl8! UlmColdwareii spottbillig. Georg Wagner, Sbalitxcrstr. IL« —(nahe dem Kottbuser Thor).— Anfang j Weltuntergang. Fiir den Inhalt der Inserate iibernininit die Ncdaktio» de», Publik»»! gegenüber keinerlei Verantwortnng. Sonnabend, 9. Dezember. Lpernhaus. Äida. Anfang 7Vz Uhr. Schan!t>ielhanS. Faust. Anfang 7 Uhr. Deutsches. Der Probelandidat. Anfang 7>/z Uhr. Lcsfing. Joiephine. Ans. 7'/, Uhr. Berliner. Faust.(I.Teil.) Ansang 7V- Uhr. Schiller. Zwei glückliche Tage. Anfang 8 Uhr. NcneS. Ein unbeschriebenes Blatt. Aiifang 7i/z Uhr. Nachm. 3 Uhr: Kindervorstellung l Hansel und Gretel. Westen. Martha. Anfang 7l/z Uhr. Thalia. Der Platzmajor. Anfang 7-/2 Uhr. Residenz. Busch und Reichenbach. Vorher: Die Richtige. Anfang 7-/2 Uhr. Luisen. Kurbad Centntm. Anfang 8 Uhr. Central. Die 7l/z Ubr. Carl Weist. Der Anfang 8 Uhr. Nachm. 3-/2 Uhr: Kinder-Vorstcllung: Aschenbrödel. Kriedrich- Wilhelin städtisches. Ein gesunder Junge. Anfang 8 Uhr. , Nachm. 4 Uhr: Kinder-Vorstellung: Die sieben Raben. Victoria. Die Venus von der Marli- Halle. Anfang 8 Uhr. Nachm. i Uhr: Das tapfere Schneiderlein. Belle- Alliance. Gastspiel des Schlicrseer Bauern- Theaters. Liserl vom Schliersce. Ansang 8 Uhr. Metropol. Spccialitöten- Vor- stellung. Rund nui Berlin. An- fang 8 Uhr. Zlpvllo.«pecialitäten- Vorstellung. Anfang 71/2 Uhr. Ncichohallc». Stcttiner Sänger. Anfang 8 Uhr. Palast. Susanne im Bade. Speciali- tätcn-Vorstcttung. Ans. 8 Uhr. Passage- Panoplirillii. Speciali- iäicn-Vorstellnng. Urania. Jnpalidelistr. 57111%. Znglich abends bon ö— Ii) Uhr: • Steriiwarle. Taubeustr. 48/49. Im Theater: Der Sieg des Menschen über die Natur. Anfang 8 Uhr. Hörsaal: Dr. S p i e s: Flüssige � Lust._ WllttÄMr tWallner- Theater). S 0 n n a b e 11 d, abends8Uhr: Zwei glückliche Tage. Schwank in 4 Alten von Schönthan j und Kadelburg. So nntag, nachmittags 3 Uhr:: I>ci* Itichtcr von Zalainca. Urania Tanbenstrasise 48/49. Im Theater abends 8 Uhr: „Der Sieg des Menschen über die IVatnr." Hörsaal: Dr. 8pies:„Flüssige Luft". Invalidenstr. 57/03: Tägl. Sternwarte. _ Nachmittags 5—10 Uhr. 'Passage- Panopticüin.' \ e»! Anatomisch. Museum. Dienstags für Damen. Passage- Thealer Beginn des Konzerts 6 Uhr, derVorst. 7 Uhr. 15 erstklass. Deb. CASTANS*** PANOPTIGÜM Präsident von Transvaal „Ohm" Krüger und General Jsubert mit kriegsgerüsteten Beeren. Eine Gruppe von aktuellstem Interesse! Carl W eiss-Theater Gr. Franks, lrtcrfirasje 153. Heute Nachmittag Uhr: Kiudcr- Borstellung: Aschenbrödel. Zaubermärchen mit Ges. in 5 Bildern von A. v. Hahn. Regie: I. Dill. Preise der Plätze: Galerie 10 Pf., II. Parkett u. II. Rang 20 Pf., I. Par- kctl von der 17. Reihe und I. Rang 30 Pf., I. Parkett SO Pf., Loge 60 Pf Abends 8 Uhr: Der Weitnntergallg. Grobes Ausstattungsstück mit Gelang in 3 Akten(lö Bildern) von Dir. Carl Weib und Jos. Dill. Musik von M. Fall. Morgen: Der Weltuntergang. BorzugSbilletS haben Gültigkeit. Im Tunnel v. 7 Uhr an Frelkonzert. Cantralverein der Biianer Deutsclilands (Verwaltungsstelle Berlin). Sonntag, den 10. Dezember, vormittags 9—12 Uhr: Exkursion nach der„Technischen Hochschule"(Polytechnikum Charlottenburg). Treff- punkt 83/4 Uhr in der Vorhalle daselbst. Zu erreichen von Station Tier- garten 3 Minuten linksseits. Dienstag, den 12. Dezember, abends 8Vz Uhr, im VereinSlokal von Spielberg, Köpnickerstr. KL: Versa mmliiii ff. Vortrag des Herrn Prof. A. Gehrke:„Der Charakter". 21/10 Ächtung! Formci*« Achtung! Sonntag, de» 19. Dezember, mittags IS Uhr. im Salon", Kolbergcrstr. 23 jKoIbergcr Große öffentliche Versammlung der Former und aller in Eisengießereien beschäftigten Arbeiter. Tages-Ordnung: 1. Die Beendigung des Leipziger Streiks. 2. Diskussion. 3. Die schlechten Verhältnisse in verschiedenen Giebereien. Das rücksichtslose Vor- gehen der Meisler in mehreren Werkstätten. 4. Auf welche Weise können die Arbeiter das ändern. 61/18 Eines jeden Kollegen Pflicht ist es, in dieser Versammlung anwesend zu sein. Die Kollegen der Firmen Skössemann u. Kühliemann, Härtung u. Rosenberg(Rixdorf), sind extra eingeladen. I. A.: A. Plath. ttilischr imi) BerBgeilchil. 6 Sonntag, den 10. Dezember, mittags 12 Uhr: Oeffentliche Versammlung bei N ü m a n n, Brunnenstrafte 188. Tagesordnung: 1. Vortrag. 2. Die Lohnbewegung der Rammer. 3. Bericht und Neu- wähl der Delegierten zur Gewerlschastskommission. 4. Bericht des Ver- trnuensmannes. b. Gewerkschaftliches. 174/12 Der Vertrauensmann. Verband der Möbelpolierer. Morgen vormittag Punkt 9 Uhr bei Schure: Außerordentliche ilorstands- Sitzung. Montag, den 11. Dezember, abends 8V2 Uhr, Brunlieiistr. 150: Versammlung. Tages-Orduung: 148/9 1. Vortrag des Genoffen liicsei über: Die Arbeitersürsorge in Theorie und Praxis. 2. Bericht über den Ausstand der Kollegen bei Laborenz. 3. Ausgabe der Billcts zur Urania am 26. Dezember. 4. Verschiedenes. Kollegen! Heute abend ist Zahltag. Pflicht jedes Einzelne» ist es, seine Beiträge für dieses Jahr zu entrichten. Der Borstand. Sonntag, abends 8 Uhr: Di« Uhr«. Montag, abends 8 Uhr: Vi«! Dürn» nin nichts. Thalia-Theater. Tel.AmtlVa 6440. Dresdenerstr. 72/73. Drittlehte Woche! Der Platzmajor. Thomas, Thielscher, Heinierding, Jnnkermann. Ansang 7'/2 Uhr. Morgen und folgende Tage: Der Plalimajor. Freitag, den 15. d. M., znm Besten der Stiftnilg:„Nationaldalik für Veteranen", einmalige Aufführung von:»Ter Millioneubauer". Köpke: Km» Thomas. Crntrnl Ttzeater - Direktion: lose Ferenczy. Die G e i s tz er. Anfang V28 Uhr. Morgen;. Dieselbe Vorstellung. Sountagnachmiit. 3 Uhr zu halben Preisen: Die Fledermaus. Bon Johann Strauß._ CiHcus Busch. Heute, Sonnabend, den 9. Dezember, abends 7V, Uhr: High Life Evening. Zum 30. Male: Oie Camorra. Von der gesamten Preffe als das grüßte und imvosanteste Sensations- Schalistiiltd. Jahrhunderts anerkannt. Außerdem: Die 4fache Reitcr-Kon- kurrenz. Miß Clementine, Miß Darling, Mr. Leon und Mr. Clarle. Die Ritter-Tourniere des Mittelalters, ge- ritten mit 26 Schulpferden. Miß Lala Lee, Schulreiterin. Herr Burckhardt- Foottit, Schulreiter. Stack u. Millen, Matadore auf Zsachem Reck. Noch nie dagewesen! Der Sprang d«« Vollblüters„Chips" über einen 8 Fuß hohen � )ßt*initJvli>f)titf#n|| itropol-tatfir. Behrenstr. 55/57. Dir.; Rieh. Schultz. Um 10 Uhr 30: | Liane de Vries. Siegmund Steiner. Mirano. I Mary Wolf. Brothers Ceado. Freres Kulper. Franp. Rivoli. The 5 Greenwoods. Um 8 Uhr 40: Rund um Berlin. Anfang 8 Uhr._ Palast-Theater früher Fcen-l'alast, Burgstr. 22. Das riesengroße neue DtMher-Progrgmm! 10 ersttlassige Specialitaten. Sehen! Alfrede Truppe. Staunen! kiil Morgen m TV-Asrika. Große urkomische Pantomime. Dazu die uiiverglcidsiiche, allabendlich mit großem Jubel zum 74. Male aufgeführte Gcsangsburleske Susanne im Bade. Ans. TV. Uhr. Kasfeuöffuung 6>/, Uhr. Billct-Vvrverkauf von 11—1 Uhr. In Vorbereitung: heute von heute. J®- VorzugSlarten sind gültig und in allen Cigarr.-Gcsch. zu haben. Morgen, Sonntag, den 10. De- zembcr 1890, nachmittags 4 Uhr: Eigner Moglia mit seinen dreffiertcn Asten und Olympische Spiele, worin der 8tnri£«In«« brennen- den biermanen aus einer Höhe von 150 Fuß ins Wasser. Quadriga- Rennen, 4spännig, die 50 Fuß hohe Kaskade hipaus und durch das Wasser. Schwimmende und tauchende Elefanten und Pferde. Cwkus Alb. Schnmann. Heute, Sonnabend, den 9. Dezember, abends präc. T-J-. Uhr: V. Grand Soiree High Life. Gala-Programm. Neue Debüts. 1. Debüt. U. a.: Groat american attraotion, das größte Wunder des Jahrhunderts. Zum erstenmale auf dem Kontinent: Halb Mensch, halb Pferd und Major Pac�e. 29 Jahre alt- 33 Zoll hoch. 50 lb. Championboxer of the world. 2)le LrigMl-TrMMl-Vmtll. Zum 21. Male: Größtes Ritterschaustück „.Weiss — mit sämtlichen Einlagen— Sonntag: 2 Vorstellungen, nachm. 4 Uhr und abends 7Vz Uhr. Scrömii) her im �crplöcnpcröc beMigten Arbeiter miii Mtiteriilileil DeiiWM. Filiale Verliil. Montag, den 11. Dezember, abends 8l/2 Uhr. in den Zlrmilihallen, Kommandautenstr. 30(groster Saal): kKiigisscßen-'�eV'ssmmlung. Tagesordnung: 1. Bericht der Werkstätrcn-Vertrauenslcuie. 2. Diskussion der Anträge zur Generalversaiuullung 1900. 3. Abrechnung von der Matinee. 4. Ver- schiedcnes und Fragekasten. 226/0 Anträge von Mitgliedern der Filiale Berlin sind an den Vorsitzenden E. O e h l e r t schriftlich bis zum 9. d. M. einzusenden. Wegen der Wichtigkeit der Tagesordnung ist es Pflicht eines jeden, pünktlich zu erscheinen. 4). Dehlert. Bautariwerker-Itaiientese für Berlin o. Um?. (Ciugeschriebene Hilfskasse Nr. 118.) Den Mitgliedern von Süd-D»l zur Kenntnis, daß die Zahlstelle von Waldemarstr. 2 nach Wrangelstr. 81, Ecke Pücklerstraste. zum Restaurateur Gratiig verlegt ist und wird von heute an dort kassiert. 38/11 Der Verstand. I. A.: H. Metike, ixdorl. Somldkmkmt. üprfin Jorninrlö" Diciistng, Den IL. Dezember, nbeilbs n Uhr: Mitglieder-Versammlung in Peters Salon, Knesebeckstr. 113. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Genossen Vietor Fränkl, Rechtsanwalt, über: Mietsverträge und Mieterrechte nach dem neuen Bürgerlichen Gesetzbuch. 2. Diskussion. Abrechnung vom Stiftungsfest. 4. Vereins- angelegenheiten und Fragekasten. Gäste haben Zutritt. Nene Mitglieder werden ausgenommen. Unser diesjähriges 232/16 Weihnachts-Berguiigen findet am«6. Tezeniber(2. Weihnachts- Feiertag). uachmittagS 4 Uhr. iiu„Apollo-Xheater�. Hermaunitr. 48/30. statt. BilletS a 30 Pf. sind in dieser Versammlung sowie in den Zahlstellen zu haben. Zahlreichen Besuch erwartet_ Der Vorstand. W. Knacks Theater, Brunueustraßc 16. Tie beiden ReicheumNer. VolkSstück mit Gesang in 4 Akten von Anton Anno. - Nach der Vorstellung—— Tauztriinzche«. Rcichöhalle». t e t t i n c r Sänger. Ueute, kreltag: „In 1000 Aeugsten". Tageskasse 11-1. . Auf. präc. 8 Uhr. Apollo-Theater. Xur noch knrze Zelt: The Gothams. Mary Werder. Dressierte Füchse, vorgeführt von Prof. E. Bonetty. The Haytons. Brüder Willi Cäcilie Carola. Adoiii Trio.» Schindler. Der Koisiuograph etc. etc. Anfang 7l/2 Uhr. In Vorbereitung; Im Reiche des Indra. Vorverkauf täglich Im Theater, beim„Klinstierdank", Unter den Linden 69, und beim„Invaliden» dank", Unter den Linden 24 L Mb-LberMeMe. Restaurant Sportahans. Empf. Veremen, Gesellschaften m Saal Garte». Kegelb. u Kaffeek. Dobslaw Allgemeine Orts-Krankenkasse gewerblicher Arbeiter uilb Arbeiterimien. Die für die Wahlperiode 1898 und 1899 gewählten Delegierten, Arbeit- geber und Arbeitnehmer, werden hier- durch zu einer 285/3 Ordentlichen Generat-Versammlung am Soiintag, den 17. Dezember 1899, vormittags 10 und 10'/, Uhr, in be» Arnlinhallen. Kommandantenstraße 20, ergebcnst eingeladen. Um III Uhr: Versammlung der Arbeitgeber. Tages-Ordnung: Wahl von drei Vorstandsmitgliedern, zwei auf zwei Jahre, einer auf ein Jahr, aus der Zahl der Arbeitgeber. (Es scheiden ausDdie Herren Schulz, Israel und Götze!) Um lO>/s Uhr: Versammlung sämtlicher Delegierten (Arbeitgeber und Arbeitnehmer). Tages-Ordnung: 1. Bestätigung des Vertrages pro 1900 mit dem Verein der sreigewählten Kassenärzte. 2. Bestätigung von vier Verträgen mit vier Kassenbeamteu. 3. Wahl eines Ausschusses von fünf Mitgliedern zur Vorprüfung der Jahresrechnung pro 1899. 4. Mitteilungen des Vorstandes. Schluß der allgemeinen Generalversammlung. Es findet nun die Wahl von sechs Arbeitnehmern zum Vorstande statt, davon vier aus zwei Jahre und zwei aus ein Jahr. Es scheiden auS die Herren Löbe, Kleemann, Kunat und Frau Jäger. Auf ein Jahr ist zu wählen für die Herren Kinzel und Franz Schulz. Berlin, den 7. Dezember 1899. Ter Borstaud. P. Löbe, Vorsitzender. Ohne Legitimationskarte ist der Eintritt nicht gestattet. Fehlende Legitimationslarten werden im Haupf- bureau, Adalbertstraße 94, ersetzt. zehnte Milberuilg zum Statut der Allgemeinen Orts-Krankenkasse gewerblicher Arbeiter u. Arbeiterinnen zu Berlin. Artikel I. Den§ 21 in der Fassung des Ober- Präsidial-Erlasses vom 10. Oktober 1894«'zweite Abänderung zum Statut) auszuheben und dem ß 21 folgende Fassung zu geben: s 21. Das Recht auf die Unterstützung beginnt für diejenigen, welche der Kasse auf Grund des Z 2 angehören, mit dem Tage des Beginns der Mitglied- schaft. Diejenigen, welche auf Grund des § 5 freiwillige Mitglieder der Kasse werden, haben keinen Unterstützungs- aufpruch, ivcnn der Unterstützungsfall eintritt, bevor sechs Woche» seit ihrer Anmeldung verstrichen sind, oder für eine zur Zeit der Anmeldung bereits eingetretene Erkrankung. In Unterstützungsfällen, welche innerhalb der ersten sechs Monate der Mitgliedschaft eintreten, wird die Krankenunterslützung nur bis zur Dauer von 13 Wochen gewährt. Nur die im S 29 Ziffer 2 und 3 be- zeichneten Personen, welche vorüber- gehend auS der Kasse ausgeschieden sind, erhalten betm Wiedereintritt in die letztere schon vom Tage des Wieder- eiulritts ab die vollen staluten- niäßigen Unterstützungen ohne die vorstehenden Beschränkungen. Den an den Folgen eines Betriebs- unfalleS leidenden Mitgliedern, welchen nach Maßgabe deS Unfallvcrflchcrungs- Gesetzes vom Beginn der 14. Woche ab ein Anspruch aus Unsallrcnte zu- steht, werden die im§13 bezeichneten Leistungen nur auf die Dauer von 13 Wochen gewährt, unbeschadet der Bestimmungen des§ 5 Abs. 9 des Unfallversicherungs- Gesetzes voui 0. Juli 1884. Artikel II. Borstehende Aenderung tritt nach erfolgter Genehmigung mit dem Tage der öffentlichen Bekanntmachung m Kraft. Berlin, den 7. Septeniber 1899. Der Vorstand. Paul Löbe, Vorsitzender. Vorstehende Statuten- Abänderung wird hierdurch mit der Maßgabe gc- nehmigt, daß dem letzten Absätze des § 21 am Schluß die Worte hiuzu- gefügt werden:„unbeschadet der Be- stimulUNgen des§ 5 Abs. 9 des Uttsall- versickierungs- Gesetzes vom 6. Juli 1884." Berlin, den 7. November 1899. (L. S.) Der Bezirksausschuß. K a y s e r. C. 433/1. 99. Orts- Krankenkasse der Schlosser und pcrlvaudten Gewerbe. Wir bringen den Mitgliedern hierdurch nochmals in Erinnerung, daß am Montag, den II. Tezeniber, abends � 8 Uhr, im ehemaligen Scefeldschen Lokale, Grenadier- straßc 33, die Xcmvahl der Delegierten für das Jahr 1000 stattfindet. Um zahlreiches Erscheinen ersucht 1275b Ter Borstand. ?a8ter8 tte8ell8eli3t't8'8itlo Inaelidr. 10, I. Den geehrten Vereinen und Gewerk- schaften bringe meine Säle u. Vereins- zimmer in gütige Erinnerung. Jeden Sonntag u. Mittwoch: Tanr u. Gesellschafte-Abend, wozu Freunde und Bekannte ergcbenst einladet 2398L»«. II. Paster. Jeder Arbeiter Jeder Handwerker sollte zur Arbeit die Lederhose Derhnles tragen. Allein-Verkauf. Sehr starke Ware in praktischen grauen u. braunen Sireisen. Hinten u. vorn am Bund aus einem Stück gearbeitet. Nietknöpse u. Kapp- nähte. Feste Leder-Pilot-Taschen, die Hose /bei Entnahme vonl /fl [ 6 Stück 26 Mk. f•* Mk. so Echt indigoblaues Jackett für Maschinisten, Monteure zc. IM. 90 Echt indigoblaue Hose dito. IM. 50 Prima Manchester Hose 8,—, 4 M. 75 Gefüttert. Maiichesi-Jackelt 13,— 9.— Aerzte- Kittel, gebleicht Nessel 2 M. Maler-Kittel in Leineu-Art.ÄM. 25 Mechaniler-Kiltel(braun).. 8 M. 40 Weisses Leder-Jackctt, ge- fültert, zweireihig... 7 M. 50 Weisse Leder-Hosc, Prima Ware........ 3M.75 BSaei*>§ohn En gros Export. En detail. Chausieestr. 24a. Brückenstr. 11. Gr. Franksurterstr. 20. 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