Ar. 289. Adoimements■ Kedingungrn: febonnement« sortis»tanumetar.be; vteilelliihrl. 3,30 Mk., monatl. 1,10 Mt., n!öche»llich 23 Pfg. frei ins Haus. Sinjelne Nummer 5 PIg. Sonntags- Nummer mit illuNrlerler SonnlagS- Beilage.Die Neue Well" 10 Plg. PoN- Hbonneinent: 3,30 Marl pro Quartal. Singeiragen in der Post- Zeitung«- Preisliste für 1899 unier Et. 7Q20> Unter Kreuzband für Teutlchlanb und Oesterreich-Ungarn 2 Marl, für das übrige«usland 3 Marl pro Monat. Erscheinl täglich außer Zvonlag«. Vevlinev VolKsblslk. 16. Jahrg. Ale Znscrlionz-Gediihr beträgt für die sechSgelpaltene Kolonelzeile oder deren Raum 10 Plg., lur politische und gewetlschastliche Verein?- uno VersammlungS- Anzeigen 20 Plg. „Kieine Zinseige»" jedes Wort 5 Pfg. var, daß man sich von ihm zurückzog und ihn ans der Partei ausschloß. Bei den Socialdcmokratcn unmöglich geworden, wußte er sich Zutritt in den schweizerischen Ossiziersvercin zu verschaffen und durch seine großen militärischen Kenntnisse sich so in das Vertrauen derOffizicre einzuschleichen, daß ihn mehrere derselben auf eine Reise zu den damals im Bau begriffenen Befestigungen auf dem St. Gotthardt— die bekanntlich als Schutz gegen einen Ucbcrfall von italienischer Seite angelegt wurden— mitnahmen, um sein sachverständiges Urteil zu hören. Aber einige Zeit darauf erhielt der Bcriier Bundesrat Kunde, daß Ehrenbcrg die Pläne der Tt. Gotthard-Bcfcstignngcu an Ltalicn verrate», also Landesverrat gegen die Schweiz begangen habe. Das führte zn seiner Verhaftung in Zürich und zur Beschlagnahme seiner Papiere. Aus diesen aber ersah man, daß Ehren- bcrg nicht nur im Ticnste der Berliner politischen Polizei stand, sondern auch sogenannte Handaktcn angelegt hatte, in denen er genau Protokoll führte über die Untcrhaltnngcn, die er mit Politikern gehabt hatte, aber mit dem Unterschied, daß alles, was er als agsut provocateur vorgeschlagen hatte, dem Gegner in den Mund gelegt wurde. So hatte er z. B. die sauberen Pläne, die er Bebel vorgeschlagen, als von diesem ausgegangen in das Protokoll eingetragen, mit Tag, Ort und allen nähere» Umständen. . Der Zweck war durchsichtig. Gelang es die so durch ihn Koni promittiertcn eines Tages, sagen wir in einem Kriegsfall Deutsch- laiidS mit Frankreich, wie ihn z. B. Bismarck 1887 zivcifclloS haben wollte, als gemeingefährlich hinter Schloß und Riegel zu bringen und zu Bismarcks Zeit bestand der Plan, sobald ein Krieg anS- breche, sämtliches bekannten Häupter der Partei durch ihre Bcrhaftnng sofort unschädlich zn mache», ivofür die Bor gänge im Jahre 1870 ein kleines Beispiel lieferten und den Kriegszustand zn proklamieren, so wäre es kinderleicht geworden, an der Hand der Ehrenbergschcn Protokolle einem KriegSgeritkit de» Beweis zn führen, daft die Bcr- hafteten Hoch- und Landesverräter der gefährlichsten Sorte seien. Ihr Schicksal wäre dann besiegelt. Was Kriegsgerichte fertig bringen hat der Fall DrchfnS gezeigt. In Deutschland aber iväre in einein solchen Falle und in solcher Zeit der Haß gegen die Partei zur Siedehitze entfacht worden— ein Geschäft, anf das sich die Bismarck-Presie vorzüglich verstand— und unter diesem Einfluß, unterstützt durch die Ehrcnbcrgschcn Protokolle, hätte jedes Kriegsgericht mit der festesten Ueberzeiiguiig von der Schuld der Angeklagten seines Amtes gewaltet. Dieser Schnrkenplan war durch EhrcnbergS Verhaftimg imd feine Eiitlarvnng als Polizei-Ageut durchkreuzt. Ehrenberg gelang cS aber nach einigen Wochen UiiterfuchnngS- Haft in Zürich, als er eines Abends dem UiiterfuchiingSrichter vor- geführt werden sollte, anf der Straße durchznb reimen. Er entfloh nach Deurschland n»d zwar zunächst nach Freibnrg im Breisgan, Ivo er in Militärhaft gcnonmicii ivnrde. Kurz darauf brachte Bebel ini Reichstag Ehrcnbcrgs Schurkereien zur Sprache und verlangte von dem damaligen Kricgsminister, Bronsart v. Schellen- dorf, die Aiiklage gegen Ehrenbcrg auf Hochverrat. Ferner war es Bebel mit Hilfe miserer Genossen gcluiigen, ein sehr umfassendes Anklagcmaterial gegen Ehrcnberg in der Schivciz zu sammeln.und vom Bnndcöllit in Bern die offizielle Bestätigung ZN erhalte», das« das von ihm vorgelegte Anklagcmaterial, wie sich ans de» Untcrfnchnngsakten gegen Ehrcnberg ergebe, den Thatsacheu entspreche. Unter ailderni hatte Ehrenbcrg auch eine Zeichnung eines Forts der Festung Wesel der Expedition des „Svcialdcmokrat" in Zürich geliefert und dazu schriftlich demonstriert, wie eine aus Holland oder Belgien hervorbrechende revolutionäre Bande sich mit Leichtigkeit des Fort? bemächtigen könne. Die Militärverioaltiiiig wurde gezwungen, die lliitersiichniig wider Ehrenberg einziileiten und zwar anf Grund des Material? das Bebel dem Generalauditoriat des badischc» Armeekorps in Karlsruhe übermittelt hatte. Bebel selbst wurde als Zeuge ividcr Ehrcnberg nach Karlsruhe geladen. In einem f ü n f st ü n d i g e n Verhör, daS mit Ehrcnberg durch den Gciicralanditenr in Gcgcnivart zivcier Offiziere von der Artillerie vorgenomiiien wurde imd in dem Bebel als Zeuge fungierte, wurde Ehrcnberg so in die Enge gc- trieben, daß er keine AnSrede mehr fand; er mußte seine Züricher Thateu ziigestcheu. Zu allgemeiner VeNviniderung hieß eS unmittelbar nach jenem Verhör. Ehrcnberg sei„Gesnndheits halber" ans der Unter- suchnngshaft entlassen worden. Als er alsdann kurz darauf in Wies- baden von unseren Genossen entdeckt und sein Aufenthalt öffentlich denunziert wurde, verschwand er anf N i m m c r>v i e d e r s ehe». Zum ersten Male seit vierzehn Jahren wird durch den Bericht des Berliner Tageblattes bekannt, daß er noch lebt nud wo er lebt. Von den vielen Tunkel-Ehrenninmicrn, die unter dem Socialistc»- gcsetz der deutschen Socialdeniokratie den Untergang zugedacht hatten, war Ehrcnberg der gefährlichste und niederträchtigste. Er ging aufs ganze. Trifft ihn einmal einer unserer Parteigenossen irgendwo in der Welt, so mag er ihn von uns grüßen. polikifchv Mebvvstchk. Berlin, den 9. Dezember. Verlassen! Der Mann im Kastanienwäldchen, der scheinbar imsterb- lichc Miquel, wird jetzt von allen verlassen. Mau erinnert sich, daß nach der Maßregelung der kanalfeindlichen Land- ivirte die konservative Presse plötzlich Sturm gegen den Minister lief, dem man nie getraut hat. Dann kam die bc- rühmte Versöhnung zwischen Miguel und den Konservativen zn stände, und jetzt äußert die„Kreuz-Ztg." plötzlich wieder. im Anschluß an miguelgegnerische Artikel der„Köln. Volks- Zeitung", sie hätte keinen Anlaß, unter den obwaltende» Um- ständen Herrn v. Miguel noch besonders in Schutz zn nehmen. Woher dieser abermalige Gesiummgswechsel der Konservativen gegen den Schntzhemi aller Agrarier? Kein Zweifel, daß die Junker niemals dem Charakter des Emporkömmlings getraut haben; um so mehr Vertrauen hatten sie zu seiner politischen Geschicklichkeit. Sie hielten ihn jür den Manu, der die konservative Karre aus dem Kanalkonslikt herauszubringen vermöchte. Sic hofften, daß es seiner Schlauheit gelingen würde, E.�prditivit: SW. 19, Vrnth-Straste 3. entweder die Wiedereinbringung der Kanalvorlage überhaupt zu hintertreiben, oder doch einen so ungeheuerlich geschwollenen Kompensationsentwurf vorzulegen, daß er, der bloßen Kosten wegen, für keine Partei annehmbar wäre. Jetzt ist diese Hoffnung aufgegeben. Die Kanalvorlage wird abermals vor- gelegt werden— das wird heute in aller Form erklärt— aber ohne jene„östlichen Kompensationen", an deren Grenzenlosigkeit die Liebe der>v c st l i ch e n Känalfrcunde für den Entwnrf zu Grunde gehen sollte. Die neue Vorlage tvird außer dein Mittelland- Kanal nur noch den Großschiffahrtsweg Berlin— Stettin, die Vertiefung des unteronOderlaufes vom Odcrbrnch abwärts und die Verbesserung der Wasserstraße von Bromberg zur Mündung der Netze in die Warthe enthalten. Nachdem Miguel derart die auf ihn vom Junkertum ge- setzten Eilvartuugeu getäuscht, hat es keinen Aulatz mehr, jenes spekulative Vertrauen ihm gegenüber zn h e u ch e l n, das sie innerlich nie cinpfiuiden haben. Mag Miguel stürzen, mag der Mann, der alle saniniclii wollte, uni schlietzlich von allen verlassen zu weiden, ruhig gehen! Das Junkertum ist des Spiels satt. Ingrimmig rät sie zu einem Ministerium Richter-Baffermann-Lieber-Singer. Es möchte heraus aus der unleidlichen Lage. Es hat Sehnsucht nach einem grotzcu Kladderadatsch, auf dessen Trümmern endlich der schneidige Staatsretter»ach dem Herzen der„Kreuz-Zcitung" empor- tvachsen würde. Die leise, an seinen Fäden ziehende Jntrignantcnhand Miguels ist ihnen zuwider, seitdem sie ihre Uiitanglichkeit gezeigt, nun soll eine derb dreinhaucnde Faust helfen. Die„Freisinnige Zeitung" erzählt heute den Hergang jener zwischen den Konservativen und Miguel spielenden Eni- zwciuugs- und Versöhnnngsposse: Herr v. Miguel hat sich am S'o n n t a g, den 6. A u g u st dieses Jghrcö von Langeuschwalbach ans zum Kaiser nach Wilhelmöhöhc begebe». Am 7. August, vormittags, cm- pfähl dort in seinem Vortrag Herr von Miguel d c m Kaiser, von einer Auftösimg dc-Z Abgeordnetenhauses im Falle der dcinnächstlgen Ablehnung der Kanalvorlage Abstand z» nehmen, dagegen die Konservativrn zur Raison z« bringen durch Bedrohung der abhängigen Beamten in den konservativen Fraktionen mit der Stellung zur Disposition. Der Kaiser willfahrte diesem Rate Miguels und erließ bald darauf eine entsprechende Weisung an den Minister Freiherr» v. d. Recke. Am Sonnabend, den 19. Anglist, unmittelbar vor der dritten Lesung der Kanalvorlage. eröffnete der Minister des Junem den betreffende» Abgcordncicn mündlich und persönlich, daß sie beim Beharren in dcrOppositiou würden zur Disposition gestellt iverden. Räch Ablehnung der Kanalvorlage fand dann am Dienstag, den 22. August, nachmittags, Kronrat statt. Für diesen stand die Frage der ZnrdiSpositionsstcllmig der Abgeordnete» nicht ans der Tagesordnung. Herr von M i g u e l aber, und zwar dieser allein, brachte dieselbe zur Sprache. Im ersten Teile seiner Rede fährte er, lvic es bei seiner Redeweise üblich ist, alle Bedenken an, welche gegen die Maßregelung sprechen, insbesondere auch wegen der Trübimg des Bei- hältnisses zu den konservativen Parteien. Im zweite» Teil seiner Rede aber befürwortete er als lönigStrener Mann im Interesse deS Ansehens der Krone um so wärmer und eut- schicdener diese Maßregelung. Kein andere r M i n ist e r er- g r i f f z u r S a ch e d a S W o r t. Die Maßregelung galt hiernach auch als durch den Kronrat und das Gcsaintministcrinm bestätigt. Ilnmittclvar nach dem am 29. August erfolgten Schlnsio des Landtages begann man alsdann die politischen Beamten in der Opposition des Abgeordnetenhauses zur Disposition zu stellen. Diese Thatsacheu erzählte der Reichskanzler dem Präsidenten des prentzischen Abgeordnetenhauses, Herrn v. Kröcher, und Herr v. Kröcher war nicht faul, das Gehörte werter zu erzählen. Dies hatte dann die heftigen Angriffe der konser- vativen Blätter gegen Herrn v. Miguel zur Folge. Nun aber erschien in der Redaktion der„Kreuz-Zeitung" der RcichstagS-Abgeordnctc und Landrat v. L ö b c l l mit einem andern Herrn(Victor Schwcinbnrg oder Herrn v. Falck, dem Chef des Litterarischen Bureaus), um die Konservativen zu beschwichtigen durch die den Thatsacheu nicht entsprechende Mitteilung, datz Herr v. Miquel an den Maßregelungen nicht mehr schuld sei als irgend ein anderer Minister. Wie gesagt, getraut werden die Konservativen trotz «chtveinburg dem Finanzminister nicht haben. Aber sie wollten seine Geschmeidigkeit ausbeuten, so lange es irgend Erfolg versprach. Jetzt ist die Miguelsche Politik völlig bankrott, und das Junkertum schickt sich an, seine Doppcl- sohlen gegen ihren Patron anzuwenden.— Pfarrer Naumann a»f Reise». —st.— Sic ii, 8. Dezember. Wenn der Prophet nichts im Vaterland gilt, so scheint er umso« mehr in der Fremde zu gelten. Pfarrer Raumaiiu wird wenigstens geneigt fein, das Sprichwort dahin zu erweitern. Er, dessen Partei im Vaterlande nie mehr war als ein Paar Ossiziere ohne Soldaten. dessen Stichworte und Schlagworte zu Hanse wirkungslos verhallen, Herr Pfarrer Nninnann kann sich rühmen, in Wie» eine Woche lang der Miltelpniilt angestrengtester Aufmerksamkeit gewesen zu sei». Wir glauben nicht, daß es Herrn Naumann jemals vergönnt war, in Deutschland vor so einem zahlreichen und beifallslustige» Publikum zu sprechen, wie das war, das den zwei Vorträgen, die er diese Woche in Wie n hielt, gehorcht hatte. Der Herr Pfarrer sprach in Wien zweimal, am Montag im Socialpolitischcn Vereine der Inneren Stadt über„Nationalen und i n t e r- nationalen S o c i a l i s m u S und am Mittivoch bei de» Wicnei: Fabiem über die„Verwirklichung s o c i a l i st i s ch e r Ideen im gegenwärtigen S t n a t e"'. und beidemal er- regte er das imciiigeschränklc Entzücken seiner Zuhörerschaft, so weit selbe nicht ans Socialdemokraten bestand. Das ist auch wirklich kein Wunder. Die Wiener Fabicr, eine zwanglose Gesellschaft, die alljährlich eine Reihe socialer Vorträge veranstältet, rekrutieren sich ans den Schichten des HändlertumS und der jüdische» Intelligenz, die beide an dein eigentlichen Klassenkainpse zwischen Bourgeoisie und Proletariat nur' wenig beteiligt sind. Natürlich sind es dabei durchaus brave Leute, die den Arbeitern alles Gute— mit Ausuahinc etwa von M acht— gerne gönnen. Sie sind deshalb für Arbeitcrschntz- Gesetze, für höhere Löhne der Arbcisier begeistert— namentlich, wenn mau die Hmidluugsgehilfcn, ihre Arbeiter, links liegen lägt. Dieser Enthusiasmus hindert sie natürlich nicht, gute Bourgeois zu sein, »nd man kann sich also vorstellen, wie sehr ihnen die Ideen deS Herrn Naumann_ gefallen muhten, der ihnen apodiktisch„bewies", dah die Verwirklichung des Socialismus eine ausgelegte Utopie sei, dah die privatkapitalistische Führung der Pro- duktion eine nnerlähliche» Bedingung ist, und dabei gleich- zeitig aus seinem milden Herzen heraus den gewerkschaftlichen Bestrebungen der Arbeiter ,daS beste Gedeihen wünschte. Die Zu- Hörer waren ebenso vergnügt als erhoben, denn Ethos mit Sicherung des Profites zu vereinen ist wirtlich eine behagliche Socialpolitik. Und da gar Herr Naumann für würdig erachtet lvurde, dag sein Vortrag im„Economisten" der„Neuen freien Presse", der Stätte, die sonst nur den glühenden Apologien der Börse reserviert ist, abgedruckt werden durfte, so konnte es nicht fehlen, das; Herr Naumann sofort ei» großer Man» wurde. Wenigstens für Wien. Wir haben nicht chie Absicht, die unseren deutschen Genossen Ivohl- bekannten Trugschlüsse und Widersprüche der Nainnannschen Politik zu besprechen. Nur das sonderbarsle des Nanmannschcn„Nationalismus" fei gestreift. Dies sonderbarste ist»nzivcifelhaft, daß Herr Namnaun seine nationale Weisheit gerade in O e st r e i ch zum besten gab. Herr Naumann meinte, der internationale Mittelpunkt des SocialismuS sei mit Engels Tod verloren, die internationalen Kongresse nützten nichts, rmd längst mache in jedem Staate die Socialdcmokratie ihre eigene, d. h. nationale Politik. Warum zog also nur Nauinann ans, um gegen den internationalen SocialiS- mus zu predigen? Das wahrhaft pittoreske an der Sache ist aber, daß Herr Naumann seine Wissenschaft in einem Staate darbot. in dem Staats interessc und Rationalitäts intcresse nicht nur nicht identische, sondern e i u a n d e r g e r a d c z u entgegen- gesetzte B e g r i s s e sind. Nationaler SocialismuS, dnS ist die Zusammenfassung� der Interessen aller Glieder der Nation zu einer Einheit: d a S liefe aber in O c st r e i ch a u f d i e v ö l I i g e Verneinung des Staates ans. In einem Staate, der sich � ans acht Nationalitäten zusammensetzt, gicbt es natiir- gemäß nur£ine konsequente nationale Polilik: die den Staat che giert. Selbst das leiseste Transigiren mit der anderen Natio- lität ist schon ein Kompromiß, ist in gewisser Hinsicht schon Jnter- Nationalität. Jndustriepolitik, Exportpolitik, Wctlpolitik: alles das kann in Oestrcich nicht die Nation— keine, auch die deutsche nicht— sondern nur der Staat, der internationale ostreichische Staat treiben. Mit anderen Worten: Ter„nalionalc SocialismuS" des Herrn Naumann bedeutet für Ocstreich i n t c r- nationale K n l l u r p o l i t i k, internationale Socialdcmokratie. Selten hat jemand, der ausging zu fluchen, so gründlich gesegnet. Nach Oestreich wirft die große Diskussion über sociale Pro- blcme nur schwache Wellen. Herr Naumann war hier der erste Vcr- tünder des ncnen SocialismuS, des SocialismuS der Bescheidenheit. Hört man diese und ähnliche Reden, daini� erkennt man erst, welche Bedeutung das große und magische Ziel für unsere Werkeltagsarbcit hat. Wenn wir nicht mehr erreichen wollten, als was wir nach dem ncnen Propheten angeblich erreichen können: lvir würden gar nichts zuwege bringen Be- geistening quillt' nur ans großen Zielen, und ohne Begeisterung würde die Socialdcmokratie in Flachheit und Gleichgülligleit ver- sinken.— Der gccinigle SocialismuS Frankreichs. Der Kongreß, den das klassenbewußte Proletariat Frankreichs in dieser Woche abhielt, ist der bedeutsamst« aller bisherigen Kongresse des französischen SocialismuS. Er hat für die französische Arbeiterklasse dieselbe Bedeutung, wie der Hain- selber Parteitag für die östrcichischc und der Gothaer Partei- tag von 187ö für die deutsche Socialdemokratie, er bedeutet die Ziisammeiifaflung der bisher zersplitterten und durch gegeuicilige Reibung iu ihrer Wirkuiigslvucht beeinträchtigten Kräfte der Arbeiter- tlasse Frankreichs. Die llueiiiigkeit der verschiedenen Gruppen des socialistischcn Frankreichs, der Hader unter ihnen mußte sich bis zur äußersten Heftigkeit steigern, um das Verlangen nach Ueberlvindung des Treiiiiende». nach Einigung nuividcrstchlich werben zu lassen. Die Drcyfus-Afsaire nud der Eintritt MillcrandS in das„Ministerium der Rettung" zeigten den alten Brudcrstreit der socialistischen Parleic» hitziger denn je. Diele Zerwürfnisse in einer politischen Situation, welche die höchsten An- fordernngen an die französische Arbeiterklasse stellte, welche ihr das Schicksal der von Militarismus und KlerikaliSmns schtver bedrohten Rc- publik in die Hand legte, welche dar»»« gerade die höchste Einigkeit erforderte, diese Zerwürfnisse haben in den Massen der Arbeiterklasse das Bedürfnis nach Aendcrung des bisherige» Ziistaiidcs so gesteigert, daß diese Massen sich in fester Entschlossenheit erhoben. im« über die theoretischen Meinungsverschiedenheiten sowie über alle Gegen- sätze persönlicher Art hinweg iett Zusammenschluß deS ganzen großen 5känipferhcercs durchzuführen. Jede der bisherigen Orgailisationcn des französischen SocialiS- mns war ungeeignet, die gesamten Lebenskräfte der Arbeiterklasse zur Entfaltung zu bringen. Da ist der Gegensatz zwischen den Gruppe», welche die Eroberung der politischen Macht betonte««,«md den Gewerkschaften, die den ökonomischen Kampf bevorzugen und den Generalstreik als wichtigstes Mittel der Emancipation der Arbeitcrklafle verkünden. Da ist ferner ein Festhalten an alten Formen deS Kainpics, während die Thatsachcn des Lebens neue Fornici« forderte««, so daß zahlreiche Elemente keine Möglichkeit sehen, sich in ein Ganzes ein- znordnci« und„unabhängig" ihre eigene«« Wege gehen, ohne doch ihrerseits die Festigkeit der Organisation der anderen ersetzen zu können. Dem„Comite dententc", Verständiglingskomitee, das die parlamentarischen Gruppen eingesetzt hatten, fehlten die Voraus- sctzungc» eines gedeihlichen Wirkens, die Regelmäßigkeit der Beratung «nid der unmittelbare Einfluß auf die Aktion. In solcher Lage befand sich die französische Socialdemokratie, als die Schwierigkeiten der Dreyfus- Afiaire an sie herantraten. Nur überaus zögernd und unter Ueberwindung vielfacher Hindernisse gelaugte sie zu klarem Entschluß und eutschicdcucin Handeln. Im Falle Milleraud zeigte sich die Unmöglichkeit, eine cruste Frage der Taktik ernsthaft zu beraten und einheitlich zu lösen. All diese Wirrnisse nud die ans ihnen notwendig entspringende Schädigung der proletarischen Aktion trieben die Arbeiter aller Organisationen und aller Landesteile zu den« Entschluß, diese Miß- lichkcitei, zu beseitigen und endlich den alten Wunsch nach Einigung nud Einheit, trotz aller ividcrstrebcudcii Elemente zu verwirklichen. Der Kongreß hat nach heißem Streit, der sich oft zu stürmischen Sceuci« steigerte, daS Ziel, das er erfüllen sollte, erreicht. Es ist gelungen, die Frage socialistischcr Minister so zu lösen, daß weder die Grundsätze des Klassenkampfes verletzt, noch die Anforderungen der Wirklichkcitspolitik beeinträchtigt ivcrdcu.- Und nachdem dieser Stein des Anstoßes hiulvcggcräumt war, konnte die organisatorische Einigung der fünf Parteigruppen und der freien Gruppen erreicht werden. Unter unendlicher Begeisterung der Arbeitcrdelcgierten, die endlich den alten Zwist verenden sehen, kam das Werk zu stände. Es wurde ein Oomitv clieectsue— Gesamipartei-Vorstand— von 47 Mitgliedern gewählt, in den« alle Richtnngci« und Gruppen ihre verhältnismäßige Vcr- trelung haben und das«über die Haltnng der Partei in allen politischen Fragen beschließt. Das Komitee hat die Aufsicht über die Vereine und über die Piesse der Partei sowie über die Haltung der Kammerfraktion. Bestehen mich die Sonderorganisationen fort, so ist doch das Mittel gewonnen, das eine gemeinsame Marschlinie für sie alle er- möglicht. Die Grundlagen der Einigung sind geschaffen, von denen ans unsere französische Brndcrpartei zu Iveiteren, stets bcdentsamerci« Erfolgen fortschreiten wird bis zum Sieg!— Dentsches Hleich. Die Flottcnfrage wird bei der am Montag beginnenden EtatSbcratung natürlich in« Vordergründe der Erorlernngen stehen. Wie die„Germania" erfährt, sollen Hohenlohe, Biilow, Tirpitz und Thielmnnn zu der Aiigelegenhei« reden. Hilft das alles nicht, so wird das Blockadegespenst höchstselbst das Won nehmen. Der Sitzrcdaetcnr der Politik. Ans den Verhandlungen der Württembergischen Kammer über die Zr.chthausvorlage tragen wir noch eine Aenßenmg des Ministerpräsidenten v. Mittnacht nach, der den Vorwurf der Nachgiebigkeit gegenüber einer unverantivortlichcu Politik abzuwehren suchte. Der Demokrat Hanßmaui« gab der Rc- gierung den Rat, bedacht zu sein, daß keine rein politische Aktion in« Reiche' sich vollziehe, ohne daß ein leitender S t a a t s n« a n n vorhanden sei, welcher die V e r a 11 t w o r t n n g übernehme. Hierauf antwortete Ministerpräsident v. Mittnacht: „Nim ich glaube, nach der NeichSverfassiing ist ein leitender Staatsmann vorhanden» der dem Reichstag verantwortlich ist. Ich denke, es ist seine Sache, darauf bedacht zu sein, daß ihn« die Mitwirkung zukommt, ans die er Anspruch machen kann. Wir können däzn nicht» machen;«ins«miß es g e n ii g e n. wenn alles, wa? an die Einzel-Regiennigen und an die Verbündeten Regieriingeir im Bundesrat gelaugt, von den« veranNvortlicheu lcileudcii Staalsiuau» gedeckt ist und das ist bis jetzt immer der Fall gewesen. Das aber entzieht sich vollständig sowohl nnscrer Kenntnis als imscrer Einivirkimg, wann und wie jene Mitwirkung deS leitenden Staatsmannes eingetreten ist." Die lviirttenivergische Regierung ist. wie man sieht, sehr höflich. Es genügt ihr, daß s o r m e l l der Reichskanzler als verantwortlich zeichnet, und sie ist nicht so indiskret, sich zu erkuiidigen, ob er auch «v i r k l i ch vcrantivortlich gemacht«verde» kam«. Sie«vird vermutlich auch bei der Flotten Vorlage,«iiit der eS ähnlich steht, keine intimem« Nachforschuiigen anstellen.— Schweinburg ist tot— es leben hie Schivcinbürgcr. Nach der „Tägl. Nmidschau"«vird der Flottciivcrcin ihrem Schlvcinburg das Ehrenamt des Sekretärs»ich« länger übertragen. Das schadet auch nichts; denn sein Geist lebt fort und«vird die minder bedeutenden Agcuien des Flottcnrnmmels befcucri«.— Rickert n»d Nanmanu. Die„Freisinnige Vereinigung" derer um Rickert sckieint mit den National-Sociäkei« ein intinieS VcrbältiiiS eingehen zu«vollen. Die Flotte bildet den Gclcgcnheitsmacher, und daS bißchen Chriftentlim und Antisemitismus der Nau»«aniicn«vird gegen die sreisiniiigc Börseilschivänncrci eingetauscht. Nun«verde«« sie gcnicinsan« die Socialdc»«olratic ablösen! lieber socialdcmokratischc Pastoren hat Stöcker am Freitag in einer christlich-jocialcn Bcrsainmlimg gesprochen. Er knüpfte an die Fälle Bluinhardt, Gohrc und Meyer an. Für alle drei errichtete er eine» höchst liebevollen Scheiterhaufen. Bluinhardt hielt er noch für bcsicrnligSfähig. Wenn er erst focialdenrokratischc Zeitungen lesen«verde,>0 würde er zivcifclloS aus scincii Illusionen und Träumen anfwachcir. Daß sich jetzt nicht«nir die Schafe, sondern auch bereits vcr- ciirzelt geistliche Hirten in unscr Lager verirren, scheint den dem Dienst der herrschenden 5klassen tröncii Pastoren wegen der möglichen agitatorischen Wirkungen gefährlich. Das könnte etil böses Beispiel geben. Darum beeilt sich Stöckcr, als TcnfelSbalNier zu fungirtcn.— DaS Organ der Fälschungen, die„Post", hat das Be- dürsnis, sich von den niaiicherlci Nachivciscn infamer Fälschniigci«. die sie stillschweigend hinnahm,«vcnigsteiis i«« einem Falle zu reinigen; dieser Versuch ist— die„Post" scheint an krankhnftcm FälschungS- zlvang zu leiden— natürlich wieder eine dreiste Lerkchrimg der Wahrheit. Die„Post" hatte neulich geschrieben: Bedrohungen mit Mord,«vclche Streikende gegen Arbeits- lvilligo ausstießen, pries der„VorivärtS" als Bekundung des „SoiidaritntsbcivußlseinS" der Arbeiter mit dem Wunsche,„daß in nicht zu ferner Zeit die sittlichen Grundsätze der klaffcir- bcivnßtcn Arbeiterschaft Genicingnt der ganzen Bevölkerung «verde«;". Wir bemerkten dazu: Da der„VorivärtS dergleichen Zeug nicht geschrieben haben kann, ist es»nilötig, z» fragen,«vo sich das Eitnt findet. Es ist im journalistischen Generalstab der Scharf- »«achcrci erfunden«vordeir. Heute wagt nun das Blatt zu lügen, daß sich diese Auslassung „>v örtlich in der vorjährigen Nr. 203 des„Vorlvärls", Ivo- selbst unter der Spitzmarke:„Wie ein Staatsanwalt über das Solidaritätsbcivußtscin der Arbeiter denkt", erzählt«var, daß in Steglitz bei einem Manrernnsstand ein Slrcikcr cinc«« fort- arbeitenden Maurer 1«. a, mit den Worte» bedroht habe:„Du kailnst freilich thnn,«vas Du«villst; aber«venu Dn arbeitest, dann merke Dir: Wenn«vir später einmal ans einem Bau zusainmeii- arbeiten sollten, dann kann Dir leicht einmal ein Stein auf den Kopf sallcn I" Der StantZainvalt hatte,«vie der„VorivärtS" selbst referiert, ivcgen dieser„Bedrohung mit dem Morde" ztvci Monate Gefängnis beantragt,«vogegcn daS Urteil der Strafkammer II auf einen Monat Gefängnis lautete. Dazu hatte jenes Blatt«vciter bemerkt:„Wir«vollen nicht die dem Angeklagten zur Last gelegte Ungeschicklichkeit beschönigen, aber dennoch glauben«vir kaum, die Erivartnng ausspreche» zu dürfen, daß die zu Streikverbänden organisierten Arbeiter sich die Moralgrundsätze des StaalöanivaltS sonderlich zu Herzen nehme» werden. Weit eher ist anzuiiebinen, daß in nicht zu ferner Zeit die sittliche» Grimdsätze der klasscn- bclvnßtcn Arbeiterschaft Geincingut der ganzen Bevöllenuig werden." So gicbt die„Post" den Inhalt cincr Notiz wieder, die sich in der Tbat' in Nr. 103 des„VorivärtS" von« Jahre 1893 findet. Diese Wiedergabe des Inhalts aber ist ein Gannerstiickchcn, daS man außerhalb der Kreise gelverbsinäßigcr Schwindler nicht für möglich halten sollte, selbst nicht nn Reiche' StummS. Die„Post"«'»cht den Anschein z» erwecken, als ob die dnmnte Redensart, die der Arbeiter gebraucht, von»ms als eilt sittlicher Grundsatz der klassenbewnßtcii Arbeiterschaft bezeichnet lvordcn«ei, als ob sich die Svitzmarke„Wie ein StaatSanivalt über daS Solidaritätsbcwußtsein der Arbeiter denkt" auf die Vcr- urteilniig jener„Drohung" durch den StaatSamvalt beziehe, als ob nnscre kritischen Schlilßbemerknngen gleichfalls sich dagegen ge- lvendet hätte««, daß der Staatsanwalt jene Drohung gerügt habe. In Wahrheit giebt ja die„Post" selbst zu, daß«vir die. natiir- lich nicht ernst gemeinte Wendung als eine Ungeschicklichkeit be- zeichnet, also diese angebliche„Bedrohung mir dem Morde" nicht verteidigt haben. Wogegen haben wir uns also gewendet,«velchc Ansichten des Staats'an'lvalts haben«vir kritisch beleuchtet? Wer denkend die Darstellung der„Post" liest, muß selber bereits vcr- muten, daß da etwas nicht richtig sein müsse, daß der Sach- verhalt so,«vie er hier lviedcrgegebeii, gar nicht verständlich sei. Die Lösung des Rätsels besteht darin, daß das edle Blatt die Aeutzermtgcn des Staatsanwalts, gegen die sich sotvohl die Spitz- marke wie die Schlnßbcmcrknng gerichtet hat. einfach unter« schlagen hat. Ter StaatsnMv'alt hatte nämlich nicht nur jcüe Drohung, sondern die A u s ü b u 11 g der Koalitionsfreiheit überhaupt im Sinne« der Lel;ilhai!scr Rede scharf gegeißelt. Er führte,«vie wir damals berichtet haben, in seine»« Plaidoycr ans: „Die gemeingefährliche Thranisri der zu Streikverbänden organisierten Arbeiter gegenüber den nicht organisierten Arbeitern muß streng bestraft ivcrden. Angeklagter Hut einen fleistigeu Arbeiter auf Kosten der Streikkasse, also der Kollegenschaft, ticrleitcn wolle««, zn sanlcnzrn und als ihm das nicht gelang. habe er sich nicht gescheut, mit dem Morde zu drohen." Der Herr Stantsanivalt hat es also fürant befunden, den Versuch, abseits stehende Arbeitskameraden zur sittlichen Pflicht der Solidarilät aiiziirnfeil, als eine Verleitung zur Faitlenzcrei beschimpft und da- gegen haben«vir«ms in: Ramen der heiligen Sache der Solidarität ge- wehrt, lind ans dieser unzlveideutigcn, fonneiiklarenAeußerung«vagt die „Post" schamlos zu fälschen, daß der„Bonvärts" Bedrohungen niit Mord als Bekundung deS Solidaritätsbewußtseins der Arbeiter ge- feiert und gelvünscht habe, solche sittliche«« Gruudsätzc möchten All- gemeingnt der Bevölkerung«verde««. Mit demselben Recht könnte die '„Pvst"'bcha»pteil, der R'cichstag-Zbesch'luß zur Zuchthausvorlagc sei eine Verherrlichung des Mords. Ja. doch Organ, dessen Besitzer die Alleredelsten der Nation sind, erdreistet sich, ihre eigene nichtsivürdige Fälschung dann als Belveisstück für die Moral des„Vorwärts" zu veNvende», indem es schreibt: „llebrigens«virft der ganze Vorgang, daß einfach eine sonst vertretene Änschauimg, wenn sie unbeqnoin erscheint, abgeleugnet «vird, auch ein bezeichnendes Licht darauf, wie«veit von Ehrlichkeit bei der gelegentlickien Ablcngmmg der revolutionären Zicke die Rede sein kann. Und doch giebt es leider noch so viele Leute, ivclche socialdcmokratische Behauptungen für bare Münze nehmen und sich davon bethören lassen,«veil die skrupellose Dreistigkeit, mit der das Eentralorgan alles ihin Unbequeme leugnet, den« mit seinem Wesen nicht genügend Vertrauten imponiert." Wir begreifen, daß die„Post" uns nicht«vohlgesinnt ist, seitdem «vir ihre skrupellose Dreistigkeit, mit der sie die unbequemen Kanal- artikel ihres Zedlitz ableugnete, aktenmaßig entlarvt haben. Aber zu solcher moralischen SelbsteruiedriglNig foflte der Haß anck» nicht in de» journalistische«« Läkaistuben StlMmiS fführcn. Sie ist eine Scbandc für den ganzen jonmalistischen Beruf und steht moralisch noch tiefer als die Gepflogenheiten einer Revolverpresse, Ivo doch immerhin mir versucht«vird, die Kenntnis thatsächlichcr Korruption finanziell ansziibeuten, nicht aber durch Brrleuindlmgen das Reine zn besudeln. Es ist«vahrlich hohe Zeit, daß anständig� Männer von der Feder einmal gegen diese Entehrung des gaiizei« Standes Front machen. Freilich diese lieben, bürgerlichen Kollegen!— Die Berelendniig der Köpfe,«vie sie in den Organen der Industrie fortschreitet,«st zum Erbarnze'n. Jetzt führt«viedcr jemand in den„BcrI. Neuesten Nachr." das ZugeMndniS. daß die Arbeiter vielfach eine bessere Lebenshaltung erworben haben, als Belvets gegen die nnlvidcrlegliche Ansicht an, daß der Klassengegensatz sich verschärft, daS Proletariat an Zahl zunimmt, die Kluft zivischen Besitzenden und Besitzlosen sich erweitert. Der Unterschied von ab- lolnt und relativ ist diesen Gelehrten ein unergriindliches Ge- hcimnis.— AnS Sachsen- Mciningcn. Ten Rekord parlamentarischer Empfindlichkeit erreichte zivcifclloS der nene Präsident des meiiiinger Landlags, Anitsgcrichtsrat Trinis, der cS als unparlamcnlarisch bezeichnete, daß«niscr Genosse Abg. Ecknrbt von einein„Hinaufschrauben der Holzprcise in den Domänenforstcn" sprach; bei Wiederholung dieses Ausdrucks erhielt er einen O r d.n«« 11 g s ru f! Zum zivcitci« Präsidenten wurde Abg. Oberbürgernieistcr Schüler gewählt, derselbe,«vclchcr dcir Ausschluß««»fever Genossen ans allen Kommissionen damit begründete, daß die Böseivichtcr bei Eröffnung deS»«ciningischen Weltparlanicnts den üblichen Kirchgang nicht mitgemacht hatten. Schüler sagte damals, dieses Vorgehen unserer Genossen zeige, welche tiefe Kluft die. übrigen Abgeordneten von der Socialdemokratie trennte. Chronik der ÄNajcstätöbclcidignngS-Prozcssc. Aus Bcnthcii O./S.«vird uns vom-6. Dezenibcr geschrieben: Der Bergarbeiter Stanislaus Z a b i n s k i an? Roßberg«var «vegcn einer angeblichen Maj est ä ts b.e.ke i d i g u 11 g angeklagt, die er in» Jahre 1897(!) beim Anblick, cfiler Kqifcrbüste in ciiicn« Restaurant begangen haben sollte. Der einzige Belastungszeuge war ein Bergarbeiter Urhrinczyk aus Bciithcii, ein Mann, gegen den bereits einmal ein Verfahren«vegen MesiicidS fckiwebte. ZabinSki und Urbrinezyk«varcn ehemals Frcimdc. seit der Zeit deS Meineids- Verfahrens sind sie Feinde. Die Anklage stand schon deshalb auf sehr «'chlvachcn Füßen. Außerdem konnte Zäbiiiski nacknveisen, daß er in der fraglichen Zeit, in» Sommer 1897, nicht in Bentbcn geivcscn «var. Da nutzte dem« die„Beäu.skituftung" des Grenz- kommissars Mädlcr, daßZabinski„ein epragierter Socialdcinokrat sei, dem eine MajestätSbclcidigniig sehr«vohl zuzntraueil sei",«vie sich die Anklageschrift in ganz unverständlicher. Weise ausdrückte, nichts mehr, Z.'mußte freigesprochen«verde««..Der Staqtsamvalt glaubte natürlich an die Schuld des Angeklagte»«nrd beantragte neun Monate Gefängnis. Gegen Urbrinezyk springt ans«einer Denunziation vielleicht ein Meineidsprozcß heraus.— Ans Königsberg«vird uns berichtet: Wegen MajesiätS- bclcidigung verurteilte die hiesige Strafkanmicr de» Schumacher- gesellen Hermann Döring von hier zu vier Monaten G e- f ä n g» i S. Im stark bctrnnkcncii Zustand hatte Döring am 11. September dS. Js. in ciucm Gastlokal eist unflätiges Lied ge- sungcn tmd dadurch die Straflbat begangen. Ter Schutzmann, der ihn' verhaftete, bestätigte, daß der Angeklagte sehr betrimken gewesen ist. doch soll derselbe sich der Tragweilc seiner Handlung voll be- «vnßt geivcscn sein,«veil er bei der Arretiernng gesagt hatte:„Ich «vciß, daß ich bestraft werde, deshalb singe ich das Lied noch einmal".— Das Verfahren«regen MajcstätSbeleidigiing gegen den Rcdactcnr unseres Halbersiädtcr Parteiblalles, Hänpt. ist seitens der Staats- aiiivaltschaft eingestellt lvordcn. Es handelt sich,«r'ie seiner Zeil mitgeteilt, um cinci« Bericht über die Köiffepcüz der Bergarbeiter des Magdebnrg-Harzer Beckens. Ein nichtdelegierter, sogenannter kaiser- treuer Bergmann Beßler batte provokatorisch« ei» Kaiserhoch ausgebracht. Die an diese Mitteilung geknüpfte Bemerkimg:„ES ließ sich aber keiner der Amveseiiden zn einer Dummheit provozieren." hatte die«taatSaulvaltschaft unglaiiblichcrivcise dahin gedeutet, daß uiit dein Worte Dummheit das Kaiserhoch gemeint sein sollte. Ausland. Frankreich. Paris, 9. Dezember. StaatögerichtShof. DaS Zengen- verhör lvird fortgesetzt. Die AnSsagen sindftncisb belanglos nnd be- ziehen sich auf verschiedene royalistische Bersainniliutgen. Mehrere Zengcn versichern. daß die Kundgebüng beim Nclincir in Auteuil nicht von der Gesellschaft„Weiße Nelke" veranstaltet ivar. Italien. Die gestern gemeldete Verhaftung PalizzoloS ist die kühnste That, welche das Ministerium Pcllonx bisher gethan hat. Wehrlose Arbeiter knebeln nnd ein Land mit dem KricgSrecht regieren, dazu gehört kein Mut. nnd daS kann, init Eavoinc zn reden,„ein jeder Esel". Aber das Haupt der„M n f f i a", dieser über halb Italic«, verbreiteten, in ganz Italien»«äcbtigen Spitzbuben- und Mörderbande, angreife», den Mann aiigreifen. der einen Crispi zu seinci« Gönnern«nid— Kunden zähl«, dazu zehört Mut. Dem« die Maffia hat viel Geld und viele Dolche zu ihrer Verfügung. Der verhaftete Abgeordnete Palizzolo hat vor drei Jahren den Bankdirekior Notarbertolo erstechen lassen,«veil dieser die Wege der Maffia in Bankbctrügereiei« gekreuzt hatte. Herr zcllonx niöge sich hüten. Nnd«vie«vird er sich mit seinem Ex- kollegen Crispi abfinden, der bei jenen Bankbetrügercieu mit be- tciligt«var?— Besgien. SStiiffcI, 7. Scjcniücr.(Crifi. SScr.) Das Plural-Dahliqstem ist von ciiicin Kvisterväliv-Libcwlcn, dein chcmaligcii Jnstizministcr Bara, dcin Führer der Ncchtslidcralcn aus das schärfste verurteilt worden. Er tritt für eine Aenderung des bestehenden WnhlIcsctzes ein, solvie für die Ncdision"der Verfassung. Diese Erklärung hat degreiflickerweise grolzen Eindruck hervorgerufen. Die Revision ist mit 4ö Stimmen der Konservativen und Liberalen gegen 16 Stimmen und 6 Stimmenthaltungen abgelehnt worden.— Am Zt. Dezember findet die Ersahwahl für den verstorbenen Genossen Fagnart statt: die Kandidaten. aller Parteien sind bereits aufgestellt, Paul Pa steur ist der Kandidat der Socialisten. Asien. Peking, S. Dezember. Der zum Stellvertreter des, anscheinend Nw. nicht wieder zurückzukehren, hierher berufenen Schantung- Gouverneur-? Uü ernannte General Duan-Scknh-Kai. früher Resident in Korea, ist den F r c wdc n und dem Fortschritt w o h l- g�e n e i g t. Es wird angenommen, dag seine europäisch ausgebildeten Truppen mit der christeuseiudlichen Bewegung in der Provinz Schantung schnell aufräumen werden. Im deutschen Missionsgebict herrscht vollkommene Ruhe. Der fra«zvsische Einigungskongretz. Paris, 7. Dezember. Achte Sitzung.. TonnrrStagnachinittag. (Schlich ans voriger Nummer.) Im weiteren Verknus der musterhaft ruhigen Debatte über die Einigung ergreift das Wyrl Lagardelle, der sugeudlichx Chefredacteur der Revue„Monve- ment Socinliste", unabhängiger revolutionärer Richtung: Anknüpfend an Guesdes Aeicherung.- der Klassenkampf erheische die Einigung der Partei, entlvickelh er diesen Gedanken anssührlich. Bisher hat man ans dein Kongreß ivenig Konkretes über den Klassenkampf gesagt. Gucsdc bat aber soeben den entscheidenden Begriff des Klassenkampfes definiert. Marx hat häufig dieIdee ausgesprochen, derKollektivkampf des Proletariats verdränge allmählich de» individuellen Kampf der Ar- bester ans ökonomischem Gebiete und den fragmentarischen Kampf ans politischem Gebiete. Was die Gewerkschaften in der Oekonomie, das ist die geeinigte Partei in der Politik. In seinem Kampfe gegen die Lassallcaiier hat Marx die Sektenbcivegnng der Massciibcivegnng scharf gegenübergestellt. Ersisrc ist zwar eine Notivcndigkcit im Anfang, mit der Zeil wixd sie aber zu einem Hindernis für die Massenbewegung.(Lebhafter Beifall rechts.) Redner verliest das bezügliche Estat ans dem privaten Rundschreiben der Gcncralrats der Iutcrnationalc(abgedruckt in der Broschüre„I/.�IIianeo de Ja Democratic Socialiste' xc.j Die Geschichte hat Marx' Idee bestätigt. In Teutschland bat die Sektenbcwegnng schon 187S ans dcm Gothacr Parteitag der gecinigtcn Masscupartci Platz gemacht, i» bestreich ist daS 1889 zu Haiufeld geschehe», und zivar auf Grundlage gegen- sriliger Zugeständnisse. Auch für den sranzvsiichcn Socialisinus ist die Zeit des Pcrschwindcns der Sekten gckoinnicn. Die orgauisdtorische Einigung bedeutet aber nicht die starre doktrinäre G insöruiigkrit. Blicken ivir nach Deutschland, wo die heftigsten theoretischen Disknsfioncn nicht im mindesten die organisatorische Eiiiiginig erschüttern.�— Gne-sde hat von Arbcitsteilnng gesprochen, die die Existenz dcr.Sondcrorgmtisationeii rechtfertige» soll. Aber die Arbeitsteilung kann»»gleich wirksamer innerhalb der gcciiiigtcn Partei durchgeführt tverdcn.(Lebhafter Beifall rechts.) Redner cilicrt den Satz aus dein Kommnnistischcn Manifest. Ivo Marx und Engels sich gegen �dic der proletarischen Bewegung ailfgczwiliigciicn doktrinären Systeme wetidcii.(Beifall recht«.)' SLcudc» wir die evolutionäre Kritik an nicht nur ans die BonrgeoiSgescllschaft, sondern auch ans unsere Bcwcgmig.. Passen wir sie an den neuen Bedürf- «ificii des Proletariats.... Schon seit langem suchen die fran- zösiichcn Proletarier»ach einander: ermöglichen Sic ihnen, einander zu siiudeirl" iLebhafter Beifall rechtSd Tilbreilh(Blaiiquist. Sekretär des Verständiglingskomitees). spricht namens seiner Partei für die Einignng, aber, wie Gncsde, unter der Bediirgung der Ans rc.ch t e r b a l t u n g der Sonde r- Organisationen. Das BerständignugSkomitee hat viel für die Einiguitg gclhan. Tie gemeinsamen Bcratiinge» der Komitee- »ntg lieber verschiedener Nichumgcn Häven viele Vorurteile vcseitigt. die die einzelnen Richinngeii von einander trennten. Wir leben mm. das; trotz der heftigen und hcdanernswertcn Auftritte, die auf dem Äougrcsz staltgesundcn, ivir alle Hand in Hand der künftigen V e v e i n.h c i t l i ch u n g entgegengehen,(Lebhafter Beifall überall.) ES gilt, die Arlicir des Komitees zu vollenden. Seine Vollmachten müssen erweitert werden. Wie Gnesde, so verlangt auch die socialistisch-rcvoliltionärc Partei die Kontrolle über die Deputierten und die' P r e s s e. Die Prosiorganc müssen zum 5iollckiivcigcntn»i aller Organisationen werden. iSlürmiscker Beifall links.) In dem neu zu wählenden Ccntralkomitce toll allen Organisationen, auch den selbständigen DeparrcinciitS-Fvderationen ein breiter Platz gcivährt werden.„Thun Sic das. waS meine Organisation vorichlägt, so lvird da« Proletariat in naher Zeit sich in seiner. Gesamtheit gegen den kapitalistischen Feind erheben!"(Lebhastcr Bestall.) Allemaiic, Führer der nach ihm benannte» Richtung der soeialistisch-rcvolntionärcil Arbeiterpartei, stimmt Diibrcilb in der Hauptsache zn. Auch er glaubt, das; man vorerst die vollständige Einigung nicht erreichen könne. Der allgemein herrschende Geist ist noch nichi reis dafür. Beschränke» wir nnS ans die l o p a l c Vorbereitung der o r g a n i s a t ö r i s ch c n V e r- schmelz n n g. Redner verlangi im Gegensatz z» GneSde nicht die p r o p o r t iw n a l c, sondern die gleiche Ver- trctung der verschiedenen. Organisation err in dem neu zu tvählenden Ecntralkomitee und die Beschränkung der Mitglieder- zahl desselben. DaS. Komitee soll kein Parlament sein, wo über allgemeine Prineipien geschwätzt wird, sondern ein Vollzugsorgan. ES soll für die Organisation und Agitation sorgen. Außer diesem Exekutivkomitee ist aber auch eine Ä o»troll- i o m m i s I i o n notwendig. Arbeiten die beiden Organe mit Eifer, dann werden wir s ch o n aus dem n ä ch st e n Jahres« k o n g r c ß die vollständige Einigung verwirklichen könne n.(Stürmischer Bestall.) Was den Vorschlag DubrcilhS betrifft, die socialiststchen Zcstnngen zu vergcsellichaftlichen, so bin ick dafür, denn wir wollen ja alles vergesellscbastlicheii.(Heiterkeit.) Aber vorläufig können wir das. Privateigentum einzelner nicht kon- fisziere». Sprechen wir offen: es handelt sich ja um die„Pctite Repnvliqne"(Rufe: Und die„Lanternc". daS Organ Vivlani- Millerands). Jcki meine mm, daß wir zunächst mit den Eigentümern Rücksprache nehmen müssen, um bis zum nächsten Jahrcskongreß einen modus vivendi zn schaffen. Je nach- dem werden wir dann unsere Stcllniignabmc zn den betreffenden Zciumgcn bcsiimnicn. Was die Dcpnticrlcn betrifft, so sind sie von diesem' Augenblick an unter unserer Kontrolle.(Stürmischer Beifall.) Teslnndcs erklärt namens der Gewerkschaften, diese seien cbcnsallS für die Einignng. Die Gewerkschaften fordern Rc- sormrn. Wenn Ihr durch- die Einigimg praktische Erfolge erzielt habt, werden sich die Arbeiter in Rkasse den Gewerkschaften an- schließe». Ich verlange keinen Borrang für die Gcwerkschaftc». wohl avcr deren Gleichstellung">it den politischen Organisationen... „Wir verlangen die Einigung des SocialiSmuS und das Ver« f ch w i» d c ii der C h e f s!"(Stiirnuscher Beifall rechts.) Morel lPossibilisst.stlniMt Dnbreilh in Bezug ans die Presse zn und verlangt die Vertretung der Gewerkschaften und Genossenschaften im künftigen Ccistralkomitee. Nne Kollekte winde fiir die streikenden Hufsehmiede veranstaltet. Schluß der Sitzimg(5 Uhr.• Neunte Sitznng: Donnerstagabend Nhr. Vor Eintritt in die. weitere Debatte über die Einigung verlieft Vorsitzender eine Depesche von 10 090 gewerkschaftlich organisierten Kohlcngräbern aus MoNtecau-leS-Mines. die den Kongreß beglück- Wünschen zu der von ihm'geschaffenen Einigung.(Lcbh. Beifall.)— i Per Aeclamaiion wird eine Motion F r i b o u r g(Allemanist) an- genommen für die Abschaffung der A u S n a h m e- g e s c tz e(gegen Anarchisten) von 93—94 und g e g e n j c d e Ä ni n e st i c in der Drchfiis?Sache.(Beifall.)-- Ferner wird eine Motion Gelcz- Allein, ans Abschaffung der privaten Arbeits- vcrmitllungs-Biircans einstimmig votiert. Tie weiten Galerien für das Publikum sind überfüllt, Ivie bc- sonders an allen Abendsitziingen. Das Publikum besteht in über- wiegender Mehrheit ans gewerkschaftlich organisierten Arbeitern. Der heutigen Sitzung wohnen über 1900 Gcwcrkschasller bei. Fortsetzung der Debatte über die Einigung. Thumcrcn» erklärt namens der Föderation der Arbeiter des Zoniie-Departeiiients, diese stebe allen socialiftischcn Richtimgen gleich sympatbisch gegenüber. Sorgen Sie dafür, daß der Kongreß das Emiginigswerk vollende! Es soll unter uns nach dem Kongreß weder Sieger»och Besiegte geben!(Lebhafter Beifall.) Beansolcil, Delegierter der Pariser Gewerkschaften, giebt die Gründe an. warum die Gewerkschaften sich auf diesem Kongreß wenig zahlreich vertreten ließen: 1. ans Mißtrancii gegen die Politiker, die Scsseljägcr(Widerspruch bei den Gnesdisten), die alles der Wahlaktion unterordnen, ohne für wirksame Garantien zu sorgen, daß wirkliche socialistische und Klassenfordcrungcii aufgestellt werden: 2. deshalb, weil die Politiker den Generalstreik bekämpfen.(Beifall rechts.) Es giebt keinen Gewerlsckiaftler, der nicht zugleich socialistisch- revolutionär gesinnt wäre. Wenn aber die Eewerlschafller ökonomische Reformen fordern, so deshalb, weil ohne die Besserung der ökonomischen Lage keine rein politischen Rc- formen etwas leisten könnten. Ein Arbeiter, der 12 Stunden arbeitet, hat keine Zeit, sich fiir die Politik zu iiitercssicrcn. Endlich blieben die Gewerkschaften den politischen Gruppen fern, weil die politische Bewegung gespalten ist. Seid einig und die Gewerkschaften werden mit Ihnen' zusammengehen.(Lebhastcr Beifall.) Poulain. iinäbbängigc Föderation der socialistiscki-revolutionärcn Arbeiter Oslfroiikreichs Deputierter des Ardcnncii-DepartcmentS, befürwortet eindringlich die sofortige Verschmelznug aller Soiiderorgänisationen in eine Partei. In Ostfrankreich ver- steht man unter Einignng das Derschwiiiden der ver- schiedcncn socialistischen Schulen. Sonst giebt cS keine Garantien für den Ersolg der Koiigrcßarbcit. Beispiel: das VerstäiidignnaS- komitre, das den Partcistrcit nicht hat verhindern können. Denken Sie an die furckilbarcn Folgen dcS MißliiigenS ihres neuen EinigmigS- vcrsuchcs! Und e r in u ß m i ß l i n g e n, wenn d i e S o n d e r- v r g a n i s a t i o ii c n nicht v e r s ch w i n d c n. Denken Sie an die' Eiittänschipig. die sich dann der Arbeiter und selbst der Bauern, die iniscrcii Ideen bereits zugänglich sind, bcmäch- tiaen würde!... Die Heftigkeit der Kongreßdcbatten der ersten Tage war nicht-? als der Todeskampf der alten Organisationen, die nicht verschwinden wollen. Unsere küiiftigen Kongresse werden eine reellere Vertretung dcS SocialiSmuS sein, wenn die Soliderorganisationeii aufgelöst sind. Man hat von Opfern für das Proletariat gesprochen. Nun wohl, ein solckie-? wäre auch der Verzicht ans die Sondcrorgaiiisationcn!(Dröhnender Beifall recht-?.) Die Gewerkschaften haben sich ans den politischen Gruppen zurückgezogen, weil sie von dem iiiucren Zwist der letzteren angewidert sind. Blicken Sie nach den Galerien dieses Saales, wo seil drei Tagen 1500 Geivcrkschastlcr mit gespannter Anfmerksanikcit Ihre Arbeiten verfolgen. Woher dieses Interesse der Gewerkfipaften? Weil Sie am EinigungSwerk arbeiten!(Stürmischer Beifall, auch ans den Tribünen de-? Publikums.) Seit dem Zusammentritt des Kongresses haben sich in 23 Departements, die vom Redner auf- gezählt werden, nenc Föderationen gebildet.(Stürmischer Beifall.) So befruchtend hat bereit-? der Kongreß gewirkt! Der einstimniige Ruf des proletarischen Frankreichs ist:„Hoch die Socialistisckie Partei! und mögen die anderen socialistischen Parteien verschwinden I" (Langemdaiicriide Beifallssalveu rech!-?.) Tie Redezeit wird mm ans 10 Minuten beschränkt. Bernöde(Unabhängig) spricht für die Einigung und die all- festige Aktion in ollen proletarischen Schichten, auch unter den Kops- Proletariern. Er schließt mit einer Wcu'dniig gegen„die Ehrgeizigen und die Päpste, die gegen nnS den Bannfluch" schlendern.(An- dauernder Beifall rechts.) Gelcz lAleniauist, Pariser GcniciiidcrnlS- Mitglied) will mir die Einigung unter der Beibehaltung der besteheudcu Souder- vrgäiiisntiöiicn. Die Eiiiiginig werde die Grcitzcn des SocialiSmuS gegen die scsseljägerisckien Aueh-Socialistcn scharf abstecken. Massie«, Gewerkschaft der Steinmetzen, betont, daß die Zcr- splitlernng des SvcialiSmns sowohl die politische wie die gcwerk- schastliche Bewegimg hemme. EberS, Blaiiguist, vertritt den Stniidpniikt DubreilhS: Wir kömieii auch in Soliderorganisationeii einig wirken. Wie die Ausbeuter einig sind, trotzdem sie in verschiedene politische Parteien zerfallen, so können es mieb ivir. Die unabhängigen Tepnticrteu sollen nicht incbr im stände sein, den Socialismus zu verraten.(Domonstraiiver Bestall link-?.) Bidouce(GueSdist) konslatierl, daß seine Partei vom Gefühl der moralischen und organischen Eiiiiginig beseelt sei. Hann lGeiverksebafllcii verlangt die Beschränkung der Mit- glicdcrzahl des künftigen Eeiuralkomstees und Kontrollorgans ans daS Mindestmaß. Faberot(Allemanifti freut sich, daß auf den gestrigen Sturm die würdevolle Ruhe des heutigen TogcS gefolgt fei. DaS liabc der Gegenstand der Debatte, die EinigiiiigStragc. bewirkt. Er ist erfreut, daß mit der Einigung die„Sehulhänpicr" verschwinden wurden.«Lebhafter Bestall rechts'.)„Ich, alter Kämpfer,(Fobvrot ist ein Greis von 69 Jahren mit jugendlichem EntbusiaSinils) darf mich freuen, dieses Schauspiel erlebt zu haben.(Tosender Beifall überall.) Keine GiieSdistcn, keine Allcmaniste», keine Vlanauistcn, keine Prousfistcu mehr! Sondern nur Socia- listen!(Längdaneriider Beifallssturm— auch auf den Tribünen, von wo anö Rufe erschallen:„Hoch die Union!") Redner schließt, wie er cS fast in allen seinen VolkSvcrsäiiimluiigsrcdcn thut, mit dem freudigen Rist:„Hoch das Proletariat! Hoch die Revolution!" Dem eiithusiaslischcn Greis wird eine stürmische Ovation dargcvracht. Die ganze Rechte und ein Teil der Linken erbeben sich von ihren Plätzen und lassen die weite Halle von nicht endenivollendcm Beifall erdröhnen. Keranlt-Nichard teilt um 11 Ve Uhr mit. daß die mit der Aii§- arbcitimg der organisatorischen EiiiigmigSvorschläge betraute Koni- Mission heute nacht nicht mit ihrem Bericht fertig werden kann. Er schlägt daher vor, die Sitzung gleich zu schließen. Die Delegierten werden sich so ein tveuig erholen können nach den leidenschaftlichen Alistrengnngcn der späten Nachtsitziingen.(Angenommen.) Der Vor- sitzende verliest eine Protestresolution der Propaganden- gruppe des Pariser Viertels Folie- Mericonrt gegen den Prozeß G o h i c r. worin zugleich die Einigniig vegrüßt»iid I a ii r v s,„der Verteidiger der Gerechtigkeit", beglückwünscht wird. (Lebbafler Beifoll.) Das Votum über alle Ncsolntioneil wird auf Freitag, die letzte Sitzung, verschoben. (Jaurss hatte ans das Wort in der EiiiignngSdebatte ver- zichtot, weil er in der Kommission arbeiten mußte: ebenso hat V a i l l a ii d aus dem gleichen Grimde wenigstens heute abend nicht zn Worte kommen können.) Schluß der Sitziing U'/z Uhr. Paris, 8. Dezember» Zehnte Sitzung. Freitagnachmittag 81/« Uhr. Tagcspräsidcnt P o m m i e r. Gelvcrkschaftsvertreter. Die Kommisnoii ist mit der Resolution über die Eiliigungsfragc noch nicht fertig. ES wird daher zunächst zum Votum einiger Motionen geschritten. Eine Motion zu Gimstcn der Ausdehnung aller Schutzgesetze ans die ländlichen Arbeiter wird von einem Vertreter der organisierten Holzhauer des Cher-DcpartcmcntS warm befürwortet. Tnrot lrcvol. Unabhäng., ans der blaiiquist. Organisation nach dem bekannten Manifest GueSdc-Vaillant ausgetreten) sagt, das beste, was wir für die ländlichen Arbeiter thun könnten, ist die Herstellung der Einigung, denn die Propaganda lvird gerade unter den länd- lichcn Arbeitern besonders erschwert durch die Zwisiigkeiten unter den bcrschicdeiien socialistischen Richtungen. Dse Motion wird einstimmig angenommen. Ebenso die Motion des Abg. Roiinnet ans Äbschasfpng der Disciplinar- bataillonc(Strafeompognieii) in der Armee(Roiianet>var selbst während seiner Dienstzeit ein Opfer der Strafcompagnie» geworden). Ferner wird die Motion einstimmig angenmimien. alle Gruppen der „socialistischen Jugend" anfzistorderii zum Beitritt in die neulich gegründete„Landesfödcration der socialistischen Jugend(ohne Unter- fchied der Richtimgen), deren Zweck, unter den Rekruten a n t i m i l i t a r i st i s ch e P r o p a g a n d a zn betreiben. Der Vorsitzende verliest unter lebhaftem Beifall eine B e- grüßnngsdepesche der Gcsamtcxekntivc der östreichischcn Socialdcmokratie„an die französischen Socialisten aller Richtungen" und eine Begrnßnngsdepesche der czechischenSocialdemokratie. * Die Einigung! Es wird bekannt, daß die Kommission alle ihre Beschlüsse über die Organisationssrage mit Einstimmigkeit gefaßt hat. Es entsteht im Saal eine lebhafte und freudige Bewegung. Alle Kommissioiismitglicdcr treten herein mit freudestrahlendem Gesiebt. Sie sind bald von allen Seiten imiriiigt und beglückwünscht. Mau klatscht Beifall, man drückt einander die Hände, man ruft:„Hoch die Union!"... Indes beantragt I a u r ö S im Nymvi der Kommission, die Sitzimg um eine Stunde zu vertagen, damit die einzelnen Organi- satioiic'n vor der Plenarberatimg gesondert die Koinmiisionsheschlüsse durchbcratcn.„Es gilt, auch im Kongreß die. Einstimmigkeit herbei- zuführen. Wir sind überzeugt, daß die-? gelingen lvird.(Lebhafter Bestall.) Der Kongreß soll mit diesem feierlichen einstimmigen Beschluß seine Arbeiten abschließen."(Lebhafter Beifall.) Es wird demgemäß beschlossen. Die Delegierten der einzeliien Organisationen traten nun zur Vorbereitung der Koniinissionsbeschllisse znsnmmeir. Einige Organi- sationcn halten Beratung im Kongreßsaal selbst, in den verschiedenen Teilen der weite» Turnhalle gruppiert, nnter de» Augen des Publikums und der Presse. Tie zahlreichen Delegierten der GneSviftische» Arbeiterpartei verlassen den Saal; sie versammeln sich, wie während der Dauer dcS ganzen Kongresses, in einem eigenen benachbarten Lokal.'.' Ans der Mitte der einzelnen im Kongrcßsaal beratenden Gruppen erschallen von Zeit zu Zeit BeisallHrnfe und insbesondere macht sich vernehmlich die hohe und freudigs Stimme Janrös' in der Mitte der unabhängigen Konföderation. '' ii«• * Um 3 Uhr wird die Sitzung tvieder alstgenommen. Zunächst lvird nach, kurzer Debatte emsiimnng folgende Re- s 0.l u t i o u votiert: „Die Agitations- und AktioiiSniittel der socialistischen Partei sind: wirtschaftliche, Wahl- und revolutionäre Aktionen, General- streik»nd Boykott." Angenoinmen vlit allen gegen zwei Stimmen. Die Beratung des 3. Punktes der TageSordnnng lvird kurz erledigt durch die ciiifliinmige Annahme folgender Resolution: „Der Kongreß brandmarkt die Nationalisten nnd Anti- scmitcn und fordert die Arbeiter anf, sich vor jeder Reaktion in acht z» nehmen." DaS Volum der Resolution entfesselt doimernden Bcisall.� Die Dclegicickcn stimmen obwechsrlnd das Spottiicd an:„Bespucket Rochefort!" und„Hoch JaurvS! Hoch l" Die Beratung über die EiiiigungSbeschlüD findet in der heutigen Abendsitzmig statt'. Schluß der Nachmittagssitznug 6 Uhr. Pari?, 9. Dezember.(Privatdepcsche des„Vorwärts".) Die Schliißsitznng am Freitag brachte eine apotheose Einigung. Säint- liche Deschlsisse wurde» per"Zlkkiamation votiert. Secnen der Begeisterung ohne Zahl fanden statt nnd überall im Saal herrschte freudige Extase. Das Gencralkomitee besteht ans 47 Mitgliedern: davon sind: 13 GueSdisteil, 7 Blanquistc», 6 Unabhängige, 4 Allcma- nisten. 3 vronssistcii, 7 Anhänger der ant.onomen Föderationen, 4 Gewerkschaftler und 1 Genossenschaftler. Die gesamte Kammcrfraktic» vereinigt sich gemäst Kongrcst- bcschlust am DienStag zn einer erste» gemeinsame» FraktionS- sitznng._ Dr. Ziitgcnan schreibt in dem sreisinnigen„Dortmimder Tage- blatt": � „Ich bestätige, daß. soviel icki weiß nnd urteilen kann, die Abonneiitcnzableii der„Arbcitcrzcitijng"(Nbeiiiisch-Wcstsälischc») und die de?„Dortmunder Tageblatts" inigesähr die gleichen sind. Ich erwartete bislang, daß man dieses für die'„Arbeiterzeitung" be- schämende Verhältnis mir zur Last lege.» würde. Man zieht c-Z aber vor, es abzuleugnen und da-S Publikiutt über den Abonnentenstand des Blatte-? anf unverschämteste zn tänschep." Die Redaktion unseres Dortmimder Parteiblattes, die hierzu das Wort nimmt, stelll dem gegenüber fest. daß. dessen Auslage, wie Lütgenau wissen müsse, mehr als achtmal so groß ist wie die des freisinnigen Blattes. Sie macht diesem Blatte den Vor- schlag, seine Ansinge notariell feststellen und veröffentlichen zn lassen und erbietet sich denn, daS Gleiche zu thnn. Sie teilt überdies noch mit, daß seit der Entfernniig LütgenanS ans der„Arbeiterzeitung" deren Nboimenteiizahl in crsrenlickem Steigen begriffen ist.— Vom Genossen Gerisch erhallen wir zn der Angelegenheit überdies noch folgende Zuschrift: Gestatten Sie mir als Verleger der„Nheinisch-Wesifälifchcii Nrbciter-Zeitnng" und als Inhaber des Dortmunder Druckerei» geschäftes zu den gestern mitgeteilten- AuSlasstmgen der hiesigen „Berliner Zeitung" einige Worte. Die von Dortmund ans in daS genaiinte Blatt lancierte Be- hmiptung, nach welcher das früher von Lütgenau redigierte Dort» mnnder' Partciblatt seit dein Ausbruch der Streitigkeiten sich in fonwährcndem Nückgaiige befinde, i st von A bis Z erlogen! Das genaue Gegenteil ist der Fall. Das Dortmunder Geschäft hat sich in der letzten Zeit dermaßen rapide entwickelt, daß troß großer Nenanschnffmigen und äußerster Ausnutzung der vorhaiideiie» Räumlichkeiten es nicht möglich war, alle Aufträge zu erfüllen, so daß große Druckaibcitcn in fremden Drnckercicii hergestellt werden mußten. Erst vor einigen Tagen habe ich in einer großen Konferenz den Parteigenossen der beteiligten Wablkreise die Mitteilimg machen müssen, daß daS Dortmunder Geschäft die ihm znfalleiideii Arbeiten leider nicht mehr bewältigen könne, und daß ans diesem Grunde zwei bisher in Dort- miind hergestellte Äopfblätter mit einer Anflöge von 6000 Exemplaren möglichst bald in einer anderen Dinckerei gedruckt werden müssen. Die leider viel zu lange hinaiisgeschobene Abschiebung des Dr. Lütgenau ans der Partei hat die besten Wirkungen gehabt. Auch die treuesten Freunde LütgenanS werden durch sein jetziges Verhalten überzeugt, wie sehr sie sich in ihm getäuscht haben. Weder giebt es im Dortmimder Wahlsreis noch„Streitig» leiten", noch im Ruhrrevier eine„Frage Lütgenau". Was schließlich die Mitteilung der„'Berliner Zeitung" an» belangt, man sehe in Dortmund mit Spannung den von Lütgenau angestrengten Beleidigungsklagen entgegen, die'viel lvciter reichten, als man ahne, so fangen diese clvigcn Hinweise auf die kommenden Prozesse, angesichts der Thatsache,'daß der Genosse Bredenbeck noch immer keine Anklage erhalten hat, nachgerade an, kindisch nnd lächer- lich zu werden. Warum dieser mit Spannung erwartete Prozeß gegen de» Genossen Bredenbeck so lange verzögert wird, ist sehr begreiflich. Hat er erst stattgefunden, so wird sich auch der schofelste Gegner der Socialdemokratie schämen, fernerhin noch mit dem„Fall Lütgcnau" zu krebsen. Totcnliste der Partei. Am Donnerstag verstarb in Lucken- Walde nach langem 5trankenlager unser Parteigenosse, der Hut- macher Wilhelm Ä a r g e im Alter von 34 Jahren. Die Arbeiter- schaft von Luckenwalde verliert in ihm einen ihrer besten und treuestcn Kämpfer, denn überall, wo eS galt, die Partei zu ver- treten, war er unermüdlich thätig. Die Mitglieder des Hutmacher- Verbandes erleiden durch seinen Tod einen großen Verlust, denn als langjähriger Borsilzcnder des Verbandes hat er sich die Achtung und Freundschaft aller Bcrufsgeuossen erworben. Von Jugend auf mit der Partei verwachsen, haben wir Gelegenheit gehabt, ihn auf den ver- schiedensten Ehrenposten für die Partei wirken zu sehen. So war er Mit- bcgründcr dcs Wahlvercins, Mitbegründer des Gewerkschaftskartells und dessen erster Vorsitzender. Ferner wurde er von den Genossen auserkoren, für sie im Vorstand der Krankenkasse für Fabrikarbeiter und in der Verwaltung des Konsumvereins zu wirken. Die lange Zeit seiner Anwesenheit in der Heilanstalt am Grabowsce hat seinen Zustand nicht mehr zu bessern vermocht. und so ist er denn seinen Leiden erlegen. Die Arbeiterschaft unserer Stadt wie auch unseres Kreises wird ihm ein bleibendes Andenken bewahren. Die Beerdigung findet heute, Sonntag, nachmittags 3 Uhr, von feiner Wohnung Dessanerstr. 1 aus statt. Am Herzschlage starb in Lübeck auf dem Dampfer-„Storfurftcn" der Schauermann Bade, genannt Bartels. Er war seit Jahren ein eifrig thätiger Parteigenosse und gehörte dem lO. Landdistrikt an. In den Jahren 18SS und 1897 fungierte er auch als Kandidat unserer Partei bei den Bürgerschaftswahlen. Polizeiliches, Gcrichlliches usw. — Wegen Beleidigung deS Bürgermeisters von Mhlau lSachsc») wurde der Genosse Nicklos dort zu 4 Monate» Gefängnis verurteilt. Nicklas. der vor einiger Zeit durch ein herunlerfallendes Hausgesims vom Baugerüst mit in die Tiefe gerissen wurde und eine Zeitlang arbeitsunfähig war, hatte in einer Versammlung in Beziehung auf die Mißstände im Baugewerbe von verlotterter LVirt- schaft gesprochen, was der Bürgermeister von Mylau auf sich bezog Das Gericht schloß sich der Meinung deS Antragstellers an uiid sprach die schwere Strafe aus über den Mann, der schlimmstenfalls in der Erregung über das ihm widerfahrene Unglück seinem berechtigten Zorn Luft gemacht hat.__ DaS Gewcrkfchaftskartcll hielt am Freitag eine Delegierten dersammluug ab. in der Rechtsanwalt Victor' Fränkl über den socialen Charakter des Bürgerlichen Gesetzbuches sprach und der- schiedene Fragen der Delegierten über die neue Rechtslage be antwortete. Wie Th. Fischer mitteilte, sieht das Polizeipräsidium dal Gcwerkschaftskartell als eine» Verein, der sich nnt öffentlichen An- gelegenheiten beschäftigt, an, und verlangt die Einreichuug der Mit- gliederliste. Hiergegen hat die Vertretung deS Kartells Einspruch erhoben, über den weiteren Verlauf der Angelegenheit soll seiner Zeit berichtet werden. Nachdem Kater die Verhältnisse der Arbeiter in der Solinger Stahlwarcn-Jndustrie, insbesondere die Lohnbewegung der Mcsserschläger beleuchtet hatte, tviirde ein Antrag angenommen. welcher besagt: Die Versanimlung der Delegierten des Gciverkschafts- kartclls steht de» im Kampfe befindlichen Solinger Gewerkschaften sympathisch gegenüber und beschließt, dieselben zu unterstützen. Bein» Ausstände der Alabastcr-Arbcitcr ist bisher noch immer keine Aenderung der Situation eingetreten. In den letzten Tagen hat sich zivar das Gciverbcgericht als Einigungsantt mit diei er Aussperrung beschäftigt, indem es die Parteien befragt hat, ob Neigung zur Anrufung des GcwcrbcgerichtcS als EiniginigSamt vorhanden ist, bis zur Stunde ist aber noch kein positives Resultat zur verzeichnen. Die Ausständigen erkennen selbstverständlich da Gewerbegericht als Einigungsamt an, werden jedoch nur dann in Verhandlungen eintreten, wenn ihnen seitens der Arbeitgeber vollste Koalitionsfreiheit gewährleistet wird. Erst müssen die Herren Fabri- kanten ihren Revers zurückziehen, der die Arbeiter zwingen sollte aus ihrem Verbände auszutreten. Der Streik dauert also jetzt noch unverändert fort. Er ist sogar in den letzten Tagen heftiger geworden wie zuvor. Da es den Gcmaßrcgelten gelungen ist, einige Arbeitswillige abzufangen, so sind die Arbeitgeber hierüber voller Zorn und haben verstärkte Polizei herbeigerufen, die denn auch ihre Pflicht thut. Trotzdem sich die Ausständigen vollständig ruhig verhalten, so werden sie doch von der Straße verwiesen und ihnen sogar das Betreten ihres Berkehrslokals verboten. In einem Falle ist ein Beamter sogar handgreiflich geworden. Die Betroffenen haben Beschwerde hierüber eingereicht. Im Interesse dieses Streiks ift deshalh nach wie vor Zuzug zu vernieiden. Sociales. Die Konferenz der Gewerbegcrichts-Beisttzer(Arbeiter) für Sachsen und Thüringen, die wir jüngst schon erwähnten, luird nun für den 21. und 22. Januar 1990 nach Leipzig einberufen. Als vor- läufige Tagesordnung ist bcstimnit worden: DaS Dienstverhältnis im Bürgerlichen Gesetzbuch§§ 611—639 und der geivcrbliche Arbeitsvertrag. Referent: Herr Privatdoceut Dr. Jastrow- Charlottenburg. Der 8 �9 des Gewerbegcrichts-Gcsetzes. Organisation der GewerbegerichtS-Beisitzer. Rechtsprechung der verschiedenen Gewerbegerichte._ Gevilszls��eikutrg. DaS Streikpostenstehc» scheint jetzt auf eine ganz neue Art Verfolgt werden zu sollen. Während bisher zu diesem Zwecke nur der Grobe Unfug-Paragraph und die Bestimmung des Straßen- polizei-Reglements dienten, daß. wer sich auf Aufforderung eines Aufsichtsbeamten nicht sofort entfernt, strafbar ist. wird neuerdings Anklage erhoben auf Grund des§ 90 des Straßenpolizci-Reglemcnts. der das bloße«stehen pon Personen auf den Granitbahnen unter- sagt. Wegen.dieses aus dem letzten Dreherstreik herrührenden Deliktes halte sich der Dreher Steinicke am 8. d. M. zu ver- antworten. Der Schutzmann bekundete, daß Steinicke in der Nähe der Fabrik von Butzke u. Co., ivoselbst Streik lvar. auf der Granitbahn gestanden habe. Die Entlastungszeugen meinten dagegen, daß Steinicke an der Bordschwelle sich auf- aehaiten hätte. Der Staatsanwalt beantragte daraufhin die Betrafung. Der Verteidiger. Rechtsanivalt Dr. Hejnemann, führte demgegenüber aus, daß das Stehen des Steinicke auf der Granitbahn hei dem Widerspruch der Zeugen nicht erwiesen sei. Allein hierauf komme es nicht an, die Frage habe eine principielle Bedeutung. Das Stehenbleiben auf der Granilbahu könne— das ergebe sich aus dein Zusammenhange und Inhalt der Vorschrift— trotz des Wortlauts derselben nur strafbar sein, wenn es den Verkehr wirklich behindert habe. Das Gericht schloß sich diesen Aus fübrungen an und sprach den Angeklagten frei, da auch eine Aufforderung au den Angeklagten, sich zu entfernen, nicht erwiesen sei. Die Sittenpolizei. Was einem anständigen Mädchen in Berkin widerfahren kann, geigt eine Verhandlung vor der 149. Abteilung des Amtsgerichts l. vor welcher sich der Kaufmann Werner wegen Bcamtenbeleidigung und Veraulasiung eines Straßenauflaufs zu verantworten hatte. Eines Nachts passierte der Angeklagte auf dem Heintwege von einem Skatabend in Begleitung eines hiesigen Rechtsanwalts die zu jener Zeit ungewöhnlich belebte Friedrich- straße. Vor ihnen ging eine Zeitlang in durchaus anständiger und unauffälliger Weise die unverehelichte F.. ein vollständig un- bescholtencs junges Mädchen, das seinen Bräutigam aus einem Geschäft abhole» wollte. Plötzlich sahen die beiden Herren, wie zwei Männer an das junge Mädchen herantraten und eS in d i e M i t t c nähme». Die beiden Männer sprachen auch etwas zu dem Mädchen, das ihnen erwiderte:„Lassen Sie mich zufrieden. ich bin ein anständiges Mädchen." Das half aber nichts: einer der Männer, lvie es sich später herausstellte, der Sitten- b e a m t e Hahn, faßte das Mädchen unter den Arm; eS enl- stand ein Hin- und Herzerren, und die beiden Sittenbcamtcn brachten das Mädchen niit Gewalt über den Fahr- dam in. Nun legte sich der Angeklagte ins Mittel, der die beiden Männer für bezechte Mitglieder deS damals hier tagenden Geographen-Kongresses hielt und dem eine solche Behandlung eines widerstrebenden Mädchens unangemessen erschien. Er forderte die Freilassung des Mädchens; dabei soll er die Beamten durch die Worte beleidigt haben:„Euch Brüdern von der Sittenpolizei werden wir schon Euer Handwerk in der Friedrichstraße legen." Durch sein Dazwischentreten soll er zugleich einen Menschenauflauf verursacht haben. Er bestreitet beides ganz entschieden. Er habe gar nicht gewußt, daß er Sittcnbcamte vor sich habe, ihm habe das ruhig seines Weges gehende Mädchen leid gethan, deshalb habe er gesagt:„Euch werden wir schon das Handwerk legen." Diese Darstellung untcrstiitzte unter seinem Eide der erwähnte Rechts- anwalt, der neben dem Angeklagten gestanden hatte; erst nach diesen Worten hätten sich die beiden Beamten als solche legitimiert. Hahn dagegen und sein Kollege bekundeten unter ihrem Eide, daß sie sich sofort als Beanite legitimiert hätten, und daß dann erst die Worte, wie die Anklage sie angebe, gefallen wären. Sie wollen ferner gesehen haben, daß die F.— ivie auch schon in früheren Nächten— Männer angesprochen babe, was die F- ganz entschieden b e st r e i t e t.' Der erwähnte RechtSamvalt hatte bei dem beobachteten Vorgänge sofort den Ge danken, daß das Benehmen der beiden Beamten unerklärlich fei. Der Angeklagte und die F. mußten zur Wache. Hie blieb das junge Mädchen bis zum Morgen wurde dann nach dem Polizeipräsidium gebracht und mutzt sich hier einer peinlichen ärztlichen Unter s n ch n n g unterziehen, dann erst wurde er cnt lassen. Der Staatsanwalt hielt selbst durch die von dem Angeklagten angegebene Acußerung eine Beleidigmig für er wiesen und beantragte 29 M. Geldstrafe; von' der Anklage der Uebertrctimg bat er, den Angeklagten freizusprechen, da der Auflauf offenbar nicht durch das Dazwischentreten dcZ Angeklagten sondern durch das Verhalten der beiden Be amten hervorgerufen worden sei. Der Gerichtsho hielt eS bei den sich' widersprechenden Bekundungen der Zeugen»ich für angebracht, eine Feststellnng zu treffen, und erkannte daher au kostenlose Freisprechung. ES ist hohe Zeit, daß die Stadtverorduetcu-Veriammlung wieder einmal ein cnistcS Wort über die Sittenpolizei spricht. Tie Frage, ob ein Zcitnngsvcrlag eine„Fabrik" darstellt. beschäftigte gestern das Schöffengericht. Wegen Vergehens gegen 8 137 der Gewerbeordnung wurde der Verleger der„Deutschen Zeitung" Dr. Friedrich Lauge zur Verantivonuug gezogen. Bei einer Revision waren in den dem Verlage der Zeitung dienenden Packräumcn abends nach 8 Uhr noch Arbeiterinnen ange troffen worden, welche die Nummern der Zeitung postfertig machten, d. h. zu Bündeln zusanimcnschnürten und mit den Adressen der Ortschaften versahen, wohin sie expediert werden sollen. Hierin wurde ein Verstoß gegen die Gewerbeordnung erblickt. Der Angeklagte und sein Verteidiger bestritten, daß 8 137 hier überhaupt Amvcuduna finden könne. Den Druck der Zeitung besorge vertragsmäßig die Büxcusieiusche Druckerei, die die Zeiiungscxcmplare gcdnickl und gesalzt in die mit der Druckerei gar nicht zusammenhangenden Geschäftsräume de? Verlages hiuüberschaffe. Dort werde zur Erleichterung des Post-ZeitinigsamtS die Arbeit des Vcrschuürcns und Adressiereus der Zeituiigsbüiidel besorgt und so sicher, wie das Post- Zeituugsamt keine Fabrik darstelle, sei auch in diesem Falle der Verlag keine Fabrik. Der Verlag sei ein kaufmännisches Unternehmen und stehe als solche? unter dem HandelSgejetzbuchc.— Der als Sachverständige vorgeladene Ehcfredacleur V o l l r a t h beluudeke, daß unter den ob'.valteudcn Vcrhältnisieu hier von einer Fabrikthätigkcit keine Rede sein könne. Staatsanwalt und Gerichtshof schlössen sich dieser Auffassung an und es erfolgte deshalb die kostenlose Freisprechung des Angeklagten. Geisteskrank und doch verurteilt? Ein Automatenmarder ganz eigener Art stand gestern in der Person des gut situierten Kanfmaiins F i I i p p unter der Anklage de» Diebstahls vor deni hiesigen Schöffengericht. Der Angeklagte betreibt, lvie die Ver Handlung ergab, selbst ein umfangreiches Automatengeschäst; er hat 49— S9 Automaten bei hiesigen Kauflcutcn aufgestellt und u. a. mit der Finna d'Heureuse einen Vertrag auf allmähliche Lieferung von Chokoladentafeln in den bekannten kleinen Kartons im Gesamt- betrage von etwa 28 999 M. abgeschlossen. Er wurde nun be 'chuldigt, die Automaten von Konkurrenzfirmen dadurch bestohlen zu haben, daß er statt deS Zehiipfeunigstücks ein falsches Geldstück, eine kleine Blechplatte u. dgl. in die Ocffnnng des Antomatcn warf und sich auf diese Weise Chokoladentafeln'aneignete. Er ist eines Tages von einem Kaufmann Werner abgefaßt worden und hat bei seiner Fefinahme dem Kriminalbeamten zugegeben, dem Automaten des Herrn Werner an jenem Tage ans diese Weise sieben Tafeln Chokolade entnommen zu haben. Die Ergebnisse der bei ihm abgehaltenen Haussuchung brachte» ihn in den Verdacht, in etwa 29 anderen Fällen gleichartige Diebstähle begangen zu haben und dieser Verdacht wurde dadurch bestärkt, daß man bei ihm eine halbe Cigarrcnkiste voll allerlei Münzen und Eiseustückchen vorfand, die geeignet tvareu. zum Oeffncu von Automaten zu dienen. In dieser Beziehung konnre ihm aber nichts nachgewiesen und seine Behauptung nicht widerlegt werden, daß diese Münzen zc. sich in seinen eigenen Automaten vorgefunden haben und von dritten Per- sollen zur diebischen Entnabme von Chokoladc-Tafeln benutzt worden seien. Als Motiv für die sieben zugestandenen Diebstähle hatte er dem Kriminalbcaniten zunächst angegeben, daß er sich� aus diese Weise schadlos halten wollte für die Verluste, die er selbst durch die Anwendung falschen Geldes ec, erleide. Er hat diese Angabe später abgeändert und behauptete im gestrigen Termin, daß es ihm auf eiiie widerrechtliche Aueigimug gar nicht angekommen sei, daß er vielmehr nur'habe feststellen wollen, ob fremde Automaten auch so leicht durch allerlei Kniffe in Funktion zu setzen seien, wie seine eigenen. Rechtsanwalt Hugo Sachs trat den BeiveiS dafür an, daß sein Klient unmöglich klaren Geistes sein könne und verlvies darauf, daß derselbe vor Jahresfrist wegen schwerer Gebirnkrankhett im jüdischen Kranken- Hause behandelt worden sei. Dies wurde auch bestätigt, die be- handelnden Aerzte und Sauitätsrat Dr. Mittenzweig tvaren auch darin einig, daß der Augeklagte in Bezug auf seine Geistes- klarheit einen Defekt habe, sie konnten aber nickit anerkennen, daß er im Sinne des§ 51 unzurcchminaSfähig sei. Infolgedessen beantragte der Staatsanwalt 1 Monat Gefängnis. Der Gerichtshof er- kannte aus 14 Tage Gefängnis. Ein neuer Fall Schröder? Eine Gerichtsverhandlung, die an den Esiener MeincidSprozetz erimiert, spielte sich am Mittwoch vor dem Schweriner Landgericht ab. Es handelte sich um eine Be- keidigunz des W i s in a r s ch c n Polizeidieners S ch ü t t, deren sick! die Tischler Steinbriigger und Wollcnberg aus Wismar schuldig gemacht haben sollten, indem sie Schutt gegenüber ironische Redensarten fallen ließen, als dieser das BcrkchrSlokal der Wismarischen Gewerkschaften, die„Hansa", im Auftrage der Polizeibehörde überwachte. Am 31. Oktober hatte daS Schöffengericht zu Wismar in der Sache Wollenberg freigesprochen und Steuibrügger zu einer Geldstrafe von 20 M. verurteilt. Gegen diesen Gericht'sipruch hatte die Staatsanwaltschaft Bcnisimg ein- gelegt. Nimmehr ivurde vor der Schweriner Strafkammer ver- handelt. DaS Urteil lautete: Das Gericht hebt daS erste Urteil des Schöffengerichts auf und verurteilt jeden der beiden An- geklagten in eine Gefäiignisstrafe von einer Woche und in die Traguiig der Kosten der beiden Instanzen. Den Zeugen Holst ließ der Staatsanwalt wegen Verdachts des Meineide? in Unter« suchungshaft abführen, weil er b e s ch w o reu hatte, die angeblich beleidigenden Aeußccungen nicht gehört zu haben. Für die Zustände d-S Landes, das Herr v. Ocrtzen so merkwürdig im Bundes- rat und Reichstag vertritt, sehr bezeichnend. Der Krieg. Das„Reutersche Bureau" meldet aus Ladtfsmith über Weene» vom Donnerstag: Seit dem 1. v. M. vis heute sind im ganzen gefallen 5 Offiziere. 26 Mann, verwundet 15 Offiziere. 139 Mann; vermißt tverden 3 Mann. Die Boeren liegen noch in geschlossciicr Streitmacht riugö um unsere Stellung. Alle? wohl und m u n t e r.(?) Im Norden der Kapkolonie. London» 9. Dezember. DaS Kriegsamt veröffentlicht folgends Depesche des befchligenden Offiziers in K a p st a d t von gestern abend 9 Uhr: Die Streitmacht d c s F e i n d c s in der Nähe des Generals Gatacre besteht, wie berichtet wird, aus folgenden Abteiluugeu: 899 Manu in D o r d r e ch t, 799 Mann mit sechs Geschützen auf dem Marsch von Jamestown nach Dordrecht, 1590 Mann in S t o r m b e r g, eine große Streitmacht von iuibckaiinter Stärke in W a t e r f a l l, 400 Man» in M o l t c n o. General French meldet vom 7. d. M.: Die berittene Nciisceland- Infanterie verließ R a a u w p o v r t bei Tagesanbruch und besetzte einen Bergrücken südlich von Arimdel, um die Ausschiffung beritteuer Truppen aus drei Eiscubahnzügen zu decken. Arniidel ivurde jodann um 6 Uhr abends besetzt. Die Vorposten des Feindes stehen drei Meilen jenseits Arundel. Eine Batterie Fcldartillerie und ein Bataillon Jiifantcrie wurden vom Modder River(also offenbar von Lord M e t h n e n) abgesandt; sie trieben das Priestow-Äommando in Stärke von 1000'Mann mit einem Geschütz, das die Eisenbahn zser stört hatte, zurück. Ans miscrer Seite Ivurde ein Mann getötet, 14 wurden verwundet; ein verwundeter Boere wurde in der Nähe von EnSIin gefunden. Die Telegraphen- und Eisenbahn- Verbindung nach dem Modder River ist wieder eröffnet. Dennoch ist die Lage Lord Methuens recht»ngiiiistig; nach Kim beriet) vorzudringen hindert ihn das feindliche Haiiptcorps und die RückzugSlinic scheint ihm verlegt zu sein. Kapstadt, 9. Dezember. Das Blatt„Uitland" weiß noch zu berichten, bei den Gefechten am Moddernver seien die englischen Husaren derart demoralisiert und ihre Pferde so sehr ermattet gewesen, daß Roß und Reiter sich weigerten, die Boeren zu verfolgen. DaS Blatt meint, es sei u n- erklärlich, ivarum General Mcthucn jetzt eine Brücke über den Moddernver zum Transport von Kriegsmaterial bauen lasse, da er doch schon berichtet habe, daß seine Geschütze jenseits des Ufers aiifgestellt seien. Das Blatt fügt noch hinzu, die Eugläuder hätten am Tage der Schlacht von Moddcrrivcr einen Ausfall aus Kimbcrlcy gemacht, seien aber unter großen Verlusten zurückgeschlagen'worden. Die Armee Lord Methuens werde ans dem Ornnjeriver-Distrikt mit frischem Fleisch und Proviant versehen. Eine Schwindclkorrcspondcnz. Der Krieg in Südafrika(so teilt das„Berliner Tageblatt" mit, iiidem es einen sicheren Verdacht bestätigt) hat nicht mir einen groß» artigen Extrablatt-Scknvindcl gezüchtet, sondern auch eine Schwindel- lorrespoudeuz ins Leben gerufen, auf die eine ganze Reihe uainhaftcr deutscher Zeitungen, stolz, sich mit einer direkten„Kabel- k o r r e s p o ii d c u z" ans Südafrika brüsten zu können, herein- gefallen ist. Wir erwähnen aus der Zahl der Hereingefallene» inir die„Voffische Zeitnug". die„Krcuz-Zeitimg". die„Deutsche Tageszeitung", die„National-Zeitiuig", das„Leipziger Tageblatt". den„Hainburger Korrespondenten" und eine Anzahl kleinerer Blätter. Mit dieser Kabelkorrespondenz hat eS nun, nach der„Frankstirter Zeitung" folgende Beivandtliis: Wiederholt ist in diesem Kriege die Ericheiiiiuig cingctretcn, daß plötzlich alle Nachrichten ver- stnmmten, so' nach' der Schlacht bei Glcncoc, während der Känipfc vor Ladvsmith und zuletzt mich der Schlacht am Modder- River. Der Grund lag jedesmal an einer Unter» brcchiing der Telegraphen- bezichuiigsiveise der Kabclverbiiiduug. So verspäteten sich die Depeschen der Schlacht vom Modder-River um eine ganze Woche, da das Kabel an der Ostkiiste von Afrika unterbrochen war. und die umständlichere Kabelverbindniig, die an der Westküste Afrikas entlang zum Kap führt, für den Andrang der amtlichen und privaten Depeschen lind der Prcßtelegramme nicht ausreichte. Nichtsdestoweniger tauchte während dieser Zeit der Kabeksperre in den oben genamiteii dcutschcu Blättern eine gleichlautende „Kabel- Korrespondenz" auf. welche die haarsträubciidften Einzelheiten über die eben geschlagene» Schlachten cuthielt, und für Tauseude von Mark nicht zu haben gelocseii wäre. Thatsächlich hat ie ebenso viel gekostet, wie sie wert war, nämlich g a r nichts. Sie ivar von einer Londoner Gaunerbande einfach aus den Finger» gesogen. Ihr Urheber ist ei» geivisscr Farkuv, der bereits zu Beginn des spanisch- amerikanischen jlriegcs Verbiiiduiigen mit dem Kriegsschauplatz" zu haben vorgab und unter einer irreführciiden Firma von ciiicin Londoner Boardinghanse aus deutschen Zeitungen überseeische„Origiiialliachrichten" anbot. Jetzt hat dieser Herr eine kleine„Redaktion" beisamnien, die alltäg- lich die„Kabelkorrespondeiiz" bei Bier und Whisky dichtet. Die „Redaktion" verfolgt auch die Wirkung chrcr jonnlalistischen Erzeng- nisie mit regem Interesse, und jedesmal, wenn eine krasse Er- stiiduiig der„Kabelkorrespoudeiiz" in Deutschland rechte Sensation gemackn hat. herrscht in der Redaktion dieser ,, Kabelkorrespondenz" türmische Heiterkeit. Letzte Meldungen. London, 9. Dezember. Eine amtliche Depesche anS Kapstadt von heute besagt: Nach einer hierher gelangten Mitteilung des Prä- idcntc» des Freistaats sind der englische Lieutenant Tri'strand und drei LancerS. ivelche als Patrouille vom Modderflnß abgegangen und nicht ins Lager zurückgekehrt waren, alle verivundct in die Hände der Freistaat-Boeren gefallen. Kapstadt, 7. Dezember. Nach Depeschen auS Orange- River haben die Boeren 20 Meiken südlich vom Modder River die Bahn- linie zerstört. Ein Zug. ivelcher, wie die„Soiithafrican News" be- richtet, nach der beschädigten Stelle abgesandt war, um die Strecke wiederherzustellon. wurde mit Granaten beworfen. Kapstadt, 7. Dezember.(Meldung des Renterschen Bureaus.) Die letzten hier eingegangenen Mitteilungen bestätigen die Nachricht. daß sich die Boeren' in beträchtlicher Zahl bei Stormberg verschanzt haben. Ihre«telliing wird für stark angeschen. Kapstadt, 7. Dezember.(Telegramm des Rcuterschen Bureau?.) Die Boeren haben bei Prieska das an der Furt über den Oranje» Iiiß angebrachte Drahtseil abgeschnitten und damit ein Passieren des Flusses bei den zur Zeit uicdergehcndcu Regengüssen unmöglich gemacht._ Uehko Llschvichken und Vezrefchetiu 9. Dez.(B. H.) Die Nachniittagssitzung deS Ausgleich?- wac infolge der Abwesenheit der Jnugczcchen bcschluß» Wien auSschnffeS unfähig. Prag, 9. Dez.(B. Narodiii Lisly" zufolge, �.) Alle czcchischcn Abgeordneten wurden, ür DienStag zur Klnbsitzuiig nach Wieu geladen. Von jetzt ab sollen alle czechische» Slbgeordneten auf dem Kriegsschauplatz gegenwärtig sein, um den Kampf gegen die Re- giennig und die Deutschen, welche jede Genugthimug verweigern, zu führen. Moökan, 9. Dezember.(W. T. V.) DaS Befinden des Grafen Leo Tolstoi, der vor kurzem von einer heftigen Gallenkolik befallen wurde, ist schwankend. Die Temperatur ist normal, die Herzthätig- kcit gleichmäßig, aber schwach. Der Kranke ist sehr schwach und hütet daS Bett. Beraiitwortlicher Redacteur: Paul John in Berlin. Für den Inseratenteil verantwortlich: Tb. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin- Hierzu 4 Beilagen»nd llntcrhnltiingsblatt Nr. 289. 16. Jahrgang. i. KcilM Ks Jormärts" Krlim lolMlott Souutiii!, 10. Nejt»ibtr 1899. Nommunales. In feiner gestrigen auficrordeiitlichen Sitzung hat das Maglstratc>kollcgi>im dem Vorschlage seiner zu diesem Zwecke ein- gesetzlen Kommission zugestimmt, dag das F r i e d r i ch W e r d e r s ch e Gymnasium nach Moabit(möglichst nahe dem Hansaviertel) der- legi werden soll. In Folge eines Beschlusses der Stadtverordneten-Versammlung, itz dem Projekte� für die S i e g i s in n n d- B r ü ck e eine reichere künstlerische Ausschmückung vorzunehme», hat der Magistrat Vcran- lassuug genonimen, den bezüglichen Plan der Bauvcrwaltung zu überweisen, um den Wünschen der Stadtverordnelcn-Versammlung nachzukommen. Die Baudeputation bat nun dein Kollegium dcil lieueu Eiitwurf.lin welchem die gewünschte erweiterte Ausschmückung vorgesehen ist, vorgelegt und hat dasselbe diesem neuen Entwurf seine Zustimmung erteilt. Die Kosten der Ausschmückung find, gegeuilder dem ersten Entwurf mit 25 000, auf 88 000 M. veranschlagt. Da sich die Gasbeleuchtung in der städtischen Turnhalle in der Prinzenstrabe 70 nicht bewährt, so hat das Magistratskollcgium beschlossen, bei der Stadtvcrordneten-Vcrsanimlniig die Genehmigung zur Einrichtung einer eleltrischen Beleuchtung in der Turnhalle nach- zusuchen.— r$ad Geschäftsjahr der städtischen Frucrsocirtät vom 1. Ollober 1898/99 hat gegenüber dem Borjahre mit günstigeren Verhältnissen zu rechnen gehabt. Während im Vorjahre nämlich 2091 Brände der Societät gemeldet wurden, wofür eine Eni- fchädigung von 1 267 957 Mk. zu zahlen war, sind in dem Berichts- jähre insgesamt nur 1833 Brände der Societät zur Kenntnis gelangt, welche eine Entschädigungssnnime von nur 813 934 M. erforderten. es sind demnach weniger 253 Brände mit 424 023 M. Entschädigung 1393/99 gegenüber dem Vorjahre gemeldet worden. Bei der städtischen Feuersocietät waren am 1. Oktober 1899 24 064 Grundstücke mit einem Gesamt- Versicherungswert von 3 926 958 600 M. versichert. Die von der Stadtgeineindc versicherten Gebäude haben einen Versicherungswert von 140 856 000 M. Es ist nunmehr zur Deckung des Gesamtschadeus, der Verwaltungskostcn und des von der Societät zu zahlenden Beitrages von 882017 M. eine Ausschreibung von 1 819 804 M. erforderlich. Das MagistrMs- kollegiuin hat ans Antrag der Verwaltung der Feuersocietät �c- schlo>sen, bei der Stadtverordneten- Versammlung die Genehmigung zur Ausschreibung von 4.7 Pfennigen für jede 100 Mark zu bean- tragen. In Bezug auf die Neuregelung der GaSp reise hat daS Magistratskollegium die Vorschläge der Kommission, den Preis für GaS zum Kochen und für gewerbliche Zwecke auf 12 Pf. und den- jenigen zu Velcuchtungszwecken auf 14 Pf. für das Kubikmeter fest- zusetzen, abgelehnt._ LoltAles. Die Parteigenossen dcS dritten ReichötagS-Wahlkrcifcö werden nochmals auf die heute abend 6 Uhr in Möhrnigs„Märkischem Hof". Admiralstr. 18o. stattfindenden F a ni i l i e n a b e n d mit Tanz- kränzchcn hingewiesen. Eintritt 10 Pf., Garderobe 10 Pf. Achtung, vierter Wahlkreis(Lsten) k Den Mitgliedern dcS Wahlvcreins zur Nachricht, daß unsere Versammlung ain Dienstag Große Frankfurterstraße 117 bei Bräucr(Königsbank) stattfindet. Rcichstags-Abgeordneter Genosse Wurm hat daS Referat übernommen. Da das Thcnia von Wichtigkeit ist. ist es Pflicht aller Mitglieder, pünktlich zu erscheinen. Während dcS Vortrages werden Beiträge sowie Beitrittsineldungen nicht cntgegeugcnommeu. __ Der Vorstand. Sechster Wahlkreis.(Rofenthaler Vorstadt und Gesund- orulnicn.j Am 26. Dezember<2. Weihnachtsfciertag) finden zwei Matinees in Noacks Fest-Sälen, Brunnenstraße 16, und bei Ball- schmieder, Badstraße 16, statt. Mitwirkende sind die humoristischen Gesellschaften Strzelcwicz und Ulk-Trio. sowie die Gesangvcrciiic Oranienburger Vorstadt. Bruderbund, Neue Zeit und Rote Nelke. Billct 20 Pf. Arbcitcr-Bildungsschule. Heute abend 7 Uhr in Feuersteins Fcstsälen, Alte Jakobstr. 75, oberer Saal, Vortrag des Reichstags- Abgeordneten M a x S ch i p p c l:„Von der Erklärung d'c r Menschenrechte bis zum allgemeinen Wahlrecht". L» recht zahlreichem Besuch ladet ein Ter Vorstand. R»S der städtische» Armenpflege. Im Kalenderjahr 1893(bezw. im Vorjahr 1397> wurden in der » o f s e n e n" Armen-Krankenpflege(Behandlung der Armen nicht in Anstalten, sondern in ihrer eigenen Wohnung) von den Armenärzte» 48111(48 791) verschiedene Fälle von Er- krankuugeu usw. behandelt, wobei auch die bloße Ausstellung ciucS Attestes, die Vcrschreibung einer Brille oder Bandage und die Bc« sichtiguug einer Leiche als„ErkranlungS"- Fälle gezählt find. Auf jeden der 80(bezw. 78) Medizinalbezirke, die 1898(bezw. 1897) bestanden. kamen im Durchschnitt 601(626) Fälle. Im ein- zclncn schwankte aber die Zahl der Fälle von 26(Vorjahr 80) im 3. Bezirk(Unter den Linden und Hingebung) bis 1370 (Vorjahr 1626) im 74. Bezirk(Umgebung des Hclmholtz- Platzes, also Raumer«, Lette-, Schliemann-, Dunckerstraße usw.) Die 43 III(48 791) Fälle betrafen 42 409(42 832) verschiedene Personen. Auf jeden Bezirk kamen im Durchschnitt 530(549) behandelte Per- soneu. das Minimum— 26(29)— auf den 3. Bezirk, daS Maximum — 1278(1479)— auf den 74. Bezirk. Viele Arnienärztc sind, weil die Teilung der großen Medizinalbezirkc nur langsam fortschreitet. nach wie vor st a r k überbürdet. Der Arzt dcS 74. Bezirks hatte im Jahre 1898 allein 6682 Verordnungen, der dcS 70. Bezirks iDanzigcr- straße und südliche Nebenstraßen von Schönhauser bis Prenzlauer Allee) sogar 7315. Pro Tag 20 Verordnungen, also wahrscheinlich min- bestens ebensoviel Besuche bezw. Konsultationen, das ist denn doch zu viel, lvenn der Arzt daneben auch Hochfeine umsangreiche Privatpraxis ausüben soll, ohne die er als Armenarzt nicht exiuicrcn kann. Eine baldige und wirksame Entlastung der überbürdeten Armenärzte muß schon im Interesse der A r rn e.n k r a n k c n gefordert werden. Die zuweilen laut werdenden Klagen, daß die Armenärzte sich den Armenkranken gegenüber manchmal wenig zu- gäuglich zeigen, würde dann wahrscheinlich bald verstummen.— ilnter den E r k r a n k u n g S u r s a ch e n standen, wie immer, obenan die Krankheiten der Atmungsorgane mit 10 842(10 576), daS sind 22,5(21,7) pCt. aller Erkr'ankungSfälle: an zweiter Stelle die Krankheiten der Verdauungsorgane mit 7725(8007), an dritter Stelle die Infektionskrankheiten mit 5844(6828). Es starben 1262(1557) Arnienkranke. rund 30(36) pro 1000 Behandelte. Außer« dem wurden 284(124) Personen nur als Leiche besichtigt. Unter den in Behandlung Gestocbenen waren 308(531) Säuglinge, unter den nur als Leiche Besichtigten 163(77) Säuglinge. Au den letztgenannten Zahlen fällt die bedeutende Verschiebung gegenüber dein Vorjahre auf._ Allerhand vom Ladcnschlust. In der gestrigen Audienz des Vorstandes des neuen Vereins der Berliner Cigarren Händler bei dem Staatssekretär des Innern, Grafen Posadowsky, teilte der Minister mit, daß die Regierung dem vom Reichstag beschlossenen Gesetzentwurf, betreffs des N c n» u h r- L a d e n s ch l u s s e s. jeden- falls beistimmen dürfte. Auf den Einwurf der Deputation, daß hierdurch die Geschäftsleute der Handels- und Gcnußmittelvranche, insbesondere aber die Cigarrcnhändler, erheblich geschädigt würden, erklärte Graf Posadowsky, daß der Verkauf derartiger Fabrikate durch Automaten oder in Kiosken au öffentlichen Stellen ebenfalls verboten würde. Als öffentliche Stellen sind, wie Graf Posadowsky auf eine Frage hervorhob, Gastwirtschaften nicht zu erachten. Für de» Neunuhr- Ladenschluß hat sich eine zahlreich besuchte Versammlung der„Freien Vereinigung selbständiger Fleischermeister Berlins und Umgegend" ausgesprochen. Es wurde erklärt, daß sich die Ladenschlöchter nach mehr Ruhe sehnen. Angestellte Apotheker Berlins bereiten eine Eingabe an den Reichstag für de» Neunuhrfchluß der Apotheken vor. Es soll darum gebeten werden, daß bei der Einführung des pflichtmäßigenNeunubr-Geschästs- schlnsses den in den Apotheken Angestellten nicht, wie dies bei der Fassung der Bestimmung über die' Sonntagsruhe geschehen ist, eine Ausnahmestellung zu ihren Ungunsten gegeben werde. An der Möglichkeit, in dringenden Fällen Arzneien auS den Apotheken zu erhalten, würde der Neunuhrschluß nichts ändern. Für die Prcisaufgabc des Tiiberkulofc-KongrefleS sind 77 Arbeiten eingegangen. DaS Thema lautete: Die Tuberkulose als Volkskrankheit und deren Bekämpfung. Es ist nun Sache der Preisrichter, die Arbeiten zu lesen und über die Prämiierung zu entscheiden. Die Wahlen zum Direktorium der akademische» Lesehalle haben gestern und vorgestern dem Verein deutscher Studenten und seinen Verbündeten, die entschieden über eine straffere Organisation verfügen, größere Erfolge gebracht. Die Droschken- und Thortvagen- Kutscher haben sich, wie das Polizeipräsidium mitteilt, zur Abstempelung ihrer Fahrscheine für daS Jahr 1900, nach den Anfangsbuchstaben ihrer Zunamen ge- ordnet, im Bureau des Kommissariats für öffentliches Fuhrwesen. Zimmer 76, einzufinden.— Der für die öffentlichen Fuhrwerke all- jährlich zu erneuernde Farbeustempel sür das Jahr 1900 ist von blauer Farbe. Karl Helmcrding, der am 29. Oktober sein 77. Lebensjahr vollendete, ist seit vierzehn Tagen an einem leichten Anfalle von Gelbsucht erkrankt. Er braucht aber schon seit drei Tagen das Bett nicht mehr zu hüten. Tic Angrlcgruhcit dcö Strafgefangenen Aufsehers Bertram will noch immer nicht zur Ruhe kommen. Der Staatsanwalt hat jetzt Revision gegen das freisprechende Urteil der Strafkammer am Landgericht I eingelegt. Wie wohl noch erinnerlich sein dürfte, wurde Bertram vom Landgericht II zweimal, jedesmal zu drei Jahren Zuchthaus wegen Dnrchstechereicn, begangen im StrafgefänaniS Plötzcnsee, verurteilt. Auf Autrag des Verteidigers Hai das Reichs- gcricht das Urteil in beiden Fällen aufgehoben, schließlich sprach das Landgericht l. an welches die Sache verioicsen wurde, den Angeklagten frei.' ES bleibt abzuwarten, ob das Reichsgericht jetzt der wegen eines Formfehlers eingelegten staatsanwaltlichen Revision Folge geben wird. Vom Bezirkövcrein im Stralaucr Stadtviertel ist jetzt eine Petition an Magistrat und Stadtverordnete mit dem Ersuchen ge- richtet worden, daß möglichst bald die frühere Kaserne, Alexandcrstr. 10/11, beseitigt und die Alcxandcrstraße in ihrem Teile von der Magozinstraßc bis zur Blumenstraße an der Westseite vcr- brcitcrt werde. Liebrödrama. Freitagabend wurde in der Wohnung deS CisclcurS K ö p k c, Luckcnwaldcrstr. 7, dessen Ehefrau und der Bau- führcr W. Jürg ens aus Hamburg tot aufgefunden. Bei den Toten fand man einen Revolver. Wie berichtet wird, sollen die 2! jährige Frau Köpke und der jünfzigjährige Jürgens, dessen Familie in Hamburg wohnt, ein Liebesverhältnis unterhalten haben. Frau Köpke hatte erst vor kurzem den Jürgens kennen gelernt, der bei dein Bau der elektrischen Hochbahn thätig war. Sie hatte gestern ihre zwei Kinder zu ihrer Mutter gebracht. AIS diese abends nicht zurückgeholt wurden, begab sich ein Schwager der Frau in die von dem Ehemann verlassene Wohnung, wo er das Liebespaar toi auf- fand. Frau Köpke hat den tödlichen Schuß in die Schläfe erhalten. während Jürgens sich in den Mund gcschosien hatte. Jürgens läßt eine Frau mit sechs Kinder n zurück. DaS Grofffcuer in der Grcifstvalderstrasie sollte nach dem Ergebnis der bisherigen Erhebungen durch Brandstiftung herbei- geführt ivorden sein. Das Feuer halte bei seiner Entdeckung bereits eine so gewaltige Ausdehnung angenommen, daß hierdurch auf mehrere gleichzeitige Brandherde geschlossen werden muß. Die Lösch- maunschasten waren bis zum Abend 6 Uhr mit den Anfräumuugs- arbeiten beschäftigt und mußten hierbei noch immer zeitweise Wasser geben. Eine Brandwache blieb die Nackt über am Platze zurück u)id gestern morgen wurden die AufräumungSarbcitcn wieder aufgenommen. Die Hungernden und Glcudcn. Die Wännehallen am Alexanderplatz, in den Stadtbahnvogen 95 bis 97, find gesteni morgen um 7 Uhr wieder geöffnet worden. Als sich ihre Pforten auflhatcn, begehrten schon 200 Personen Einlaß. In den ersten Stunden kamen noch 150, und im weitere» Verlaufe des Vormittags noch einige Hundert dazu Die Hallen find wieder bis 6 Uhr abends geöffnet. Die Preise sind die alten geblieben. Eir? trockene Schrippe kostet 2 Pf., eine gcschmierte Stulle 4, eine Tasse Kasse oder Milch 4. ei» Napf Suppe 5 und mit Brot 7 Pf. Durchgebrannt ist der 21 Jahre alte Handlungsgehilfe Arthur B.. der seil zwei Jahren bei seinem Onkel in einer Tuchwaren-Groß- Handlung in der Friedrichstraßc angestellt war und trotz seiner jungen Jahre bereits einen Vertrauensposten einnahm. B. hatte sich von seinem Vater unter dem Vorivande, daß er sich neue Sachen und zu seiner kaufmännischen Ausbildung unentbehrliche Bücher an- schaffen müsse, eine größere Summe ausgewirkt und seinem Onkel nach und nach mehrere Posten unterschlagen. Als der Onkel einige Fälschungen in den Büchern entdeckte und ihm drohte, daß er ihn zu seinem Vater, einem Kaufmann in der Provinz zurückschicken werde. brannte der junge Mann durch. Das veruntreute Geld hat er in lcichlsinniger Gesellschaft durchgcbracht. Nicht aufgeklärt ist der Selbstmord deS 24 Jahre alten Arbeiters Ernst Stock, der aus Detmold nach Berlin kam. Lange- straße 106 wohnte und seit zwei Monaten als Hausdiener und Mitfahrer in der Möbelfabrik von Pctri in der Morkusslraße 52 bc- schäfligt war. Als vorgestern Morgen der Kutscher im Privalcomptoir dcS Geschäftsinhabers' heizte, fand er dort Stock als Leiche am Fcnsterkrenz hängen. Was ihn in den Tod getrieben hat, weiß man nicht. Sein Arbeitgeber stellt ihm das beste Zeugnis aus. Die Preisrichter der„Canaria"- Ausstellung haben nun- mehr auch die Preise für Wald- und Zicrvögel und für Aquarien und Terrarien verteilt. Es erhielten für Wald- und Ziervögel eine Medaille G. Schulze-Altenbnrg und große silberne Medaillen Witwe Risius- Bremerhaven und I. Kalwach-Neustadt an der Mettau. und für Aquarien große silberne Medaillen G. Lachmann und E. Stehr und kleine silberne Medaillen G. Leivanoowsky, Ed. Meyenberg, sowie P. Kühne- Nixdorf, der letztere für Terrarien. Vier Aussteller von Aquarien wurden lobend erwähnt. Im wisse nschaftlichei« Theater wird in dieser Woche noch allabendlich der Vortrag„Transvaal' gegeben werden; vorher findet immer eine Aus- sübrung des dekorativen Ausstntluugsstückcs„Der dunkle Erdteil" statt.— Im Hörsaal werden solgeude Vorträge gehalten: Montag. Herr A. Witt: „Bewolnibarkcil der Himmelskörper"; Dienstag, Herr Dr. G. Ratz:„Gold und Silber"; Donnerstag, Herr Professor Dr. C. Müller:„Das Urteil über den Speisezettel"; Freitag, Herr Dr. P. Spies:„Licht und Farbe"; Sonnabend, Herr Dr. P. Spies:„Wärme und Arbeit". Der Monat Dezember mit seinen dunNen und langen Nächten eignet sich besonders zur Beobachtung der Gestirne. Schon von»/z4 Uhr nachmittags an wird jetzt täglich der Mond mit sclncn Kratern und Ge- birgshöhcn auf der„T r e p t o w- S t c rn w a r t e" gezeigt. Am heutigen Sonntag lautet das Thema um 5 Uhr nachmittags„Die Bewohnbarkeit der Welten" und um 7 Uhr abends„Die bevorstehende Mondfinstemis". Eine Schaustellung verschiedener Kaninchenrassen, von Pelzwerk, Skeletten usw. veranstaltet der Verein sür Kaninchenzucht Alexanderstr. Z0 am Sonntag, den 19. d. M, mittags von 12—6 Uhr. Fcuerbcricht. In der Zwischenzeit wurde die Wehr ver- schiedentlich i» Anspruch genommen. Lothringer straße 15, wo Donnerstag ein Dachstuhlbrand zu beseitigen war. brannte Freitagnachimttag im Seitenflügel die Balkenlage. Kurz nach 4 Uhr wurde' die Wehr nach Andreas straße 39 gerufen. Hier war durch Unvorsichtigkeit in einer Stcppdeckenfabrik ein kleiner Brand entstanden, der von der Wehr bald gelöscht wurde. Mehr Arbeit machte ein Dachstuhlbrand, der abends 6 Uhr Friedrichsgracht 25 zum Ausbruch kam. Ein Wohnungsbrand rief die Wehr nach Neue Hochstraße 40. Kleidungsstücke, Betten und Möbel wurde» hier eingeäschert. Eine Stunde später braimte Steglitzer- straße 11 in einem Schaufenster ein Weihnachtsbaum. Der erste in diesem Jahre.— Trcsckow straße 57 mußte ein Schornstein- brand beobachtet werden, während Potsdam er st raße 13 eine Küche in Flammen stand. Heute früh 8 Uhr mußte Grün- straße 12 ein Kellerbrand beseitigt werden. Endlich erfolgte noch ein Ausrücken nach D r e s d e n e r st r a ß e 8. wo i« einer Buchhandlung ein kleiner Brand entstanden war. Aus den Anchbarorte». Unsere Parteigenosse» in Spandau haben bei der Stadt- verordneten- Stichivahl einen glänzenden Sieg errungen. Unsere Kandidaten Scholz. Rieger und Kunkel sind mit großer Majorität gewählt. Sie erhielten: Scholz 710, Rieger 712 und Kunkel 708 Stimmen, während die Gegner cS im Durchschnitt auf 397 Stimmen brachten. Britz. Heute nachmittag 21/z Uhr findet bei Piischek, Landhaus, Chaussecstr. 97. eine Vollsversanimlnug slatt, in welcher die Gc- nossi» Frau Mesch über den Kampf der Frau um ihre wirtschaftliche und sociale Befreiung sprechen wird. Der Vertrauensmann. FriedrichSfclde. Dienstagabend S'/a Uhr findet bei F. Bube eine Volksversammlung statt. Genosse Zubeil spricht über die neue Jnvaliditätsvcrsichcrung und ihre Bedeutung für den Arbeiter. Köpenick. Dienstagabend 8 Uhr Versammlung de« Social« demokralischcn Arbeitervereins bei Stippckohl. Vortrag des Genossen Kotzke. Um zahlreiches Erscheinen ersucht Der Vorstand. Charlottenburg. Gegen die vo» der dritte» Abteilmig des ersten Bezirks vollzogene Wahl des Generalagenten L o h m a n n zum Sladtverordneten ist von s o c i a l d e m o k r a t i s ch e r Seite Einspruch erhoben worden. Derselbe stützt sich darauf, daß die Oeffentlichkeit der Wahl infolge des Verhaltens des Wahlvorstehers Dr. Waldschmidt teiliveise beschränkt war. daß ferner eine große Zahl von Wählern infolge des nicht ausreichenden Lokals an der Ans- übnug ihres Wahlrechts verhindert waren, und daß schließlich bei der Prüfiiug der Legitimationen der Wähler seitens des Wahlvorstehers parteiisch vorgegangen sein soll. Die Stadtverordneten-Versaniinlimg wird sich bereits in ihrer nächsten Sitzung mit dem Protest befassen. Sonderbar muß es berühren, daß der Wahlvorsteher sich in einer endlosen Erklärung in der„Neuen Zeit" gegen die ihm in dem Pretest gemachten' Vorwürfe zu rechlscrtigen sucht. Warum wartet Herr Dr. Waldschmidt nicht die Verhandlung über den Protest ab? Der HauShaltungö-ttntmicht au de« Gemeinde-Mädchenschulen in Charlottenburg soll nach einer Mitteilung des Ma- gistrats an die Sladrverordneten Ostern 1900 beginnen. Die Teil- nähme an dem Unterricht soll ans das letzte Schuljahr von vier Gcmcindcschnlcii(II. IV, XII. XVI) znuächst bestbränkt bleiben. Der Unterricht ist obligatorisch. Er findet in drei anfeinauder folgenden Slimdcn womöglich vormittags statt. Als Küche— der Magistrat bildet dazu das schöne Wort„Kochkiiche"— dient ein kleines Haus, das in zwei Lehrzimmern. je sechs Kochherde auf- weisen soll, an welchen gleichzeiiig 48 Schülerinucn unterrichtet werde» können. Um die erforderlichen Lehrkräfte zu beschaffen, hat der Magistrat von den sich meldenden städtischen Lehrerinnen zwei nach Chemnitz und zwei nach Kassel in die dortigen Mnsteranstalten auf drei Monaten geschickt. Zwei andere Lehrerinnen besuchten während des Sommers an freien Nachmittagen die von Stadt-Schulinspektor Dr. Zwick in Berlin eingerichteten Küchen — Pardon„Kochkiichcn", während weitere zwei Lehrerinnen in dem Pesialozzi-Fröbel-Hause in Schvncverg ausgebildet wurden. Die Gesamtlostcn für den Untcrrichk betragen 11 400 M.. die von der Stndtverordnelcn-Versannnluiig jetzt verlangt werden. � Davon cnt- sallcn auf die Baukosten für die Lchrküche 6200 M., die Ausbildung der Lehrerinnen 2564 M. ZlnS Schöuebcrg schreibt man unS: Die Petition der Lehrer soll noch einmal in der Stadtverordneten-Versannnluug zur Sprache kommen. Der Magistrat ist dem Beschlüsse der Stadtverordnete» deshalb nicht beigetreten, weil»ach dem Gesetz die Bezüge der ver- heirateten und unverheirateten Lehrer genau vorgeschrieben sind. Eine genaue Bestinmunig wird aber in dem Beschlüsse der Stadt« verordneten vermißt.� Wenn ferner die beiden Schonebcrger Zeitungen davon reden, daß bei nochmaliger Beratung die Entschädigintg statt auf 650 M. auf 600 M. festgesetzt werden wird, weil einige Stadtverordnete„den Wortlaut dcS Antrages anders verstanden", so können wir nur unser Bedauern darüber äußern, daß bei solchen wichtigen Angelegenheiten das Interesse an der Sache anscheinend ein solch geringes ist. daß man sich auf ein „falsches Verstehen" berufen darf. Hoffentlich bleibt es beim ersten Beschluß.— Bei der Stadtverordneten- Wahl im 12. Bezirk der dritten Abteilmig, in welcher Genosse Schubert unterlag, ist von den Parteigenossen Protest erhoben worden, da der Wahl« Vorsteher verschiedenen mit Steuerqnittungen versehenen Wählern die Ausübung der Wahl vcrivcigcrte.— Am Dienstag tritt ein Ausschuß zur Vorp'rüfimg der Wahlen zusammen. Rixdorf. Gelegentlich der Wahlen zum Gewcrbegericht hier« selbst trug bei der Ärbeitgeberwahl die Liste unserer Gegner den Sieg davon. Von dem Resulat der Arbeitnehmerwahlen war bis spät abends noch nichts bekannt. Eine Beschwerde an die Strasicubahn-Gcsellschaft wird der Magistrat zu Rixdorf anläßlich des Straßenbahn-UufallcS in der Bergstraße am Totensonntage richten. In der gestrigen Stadt- vcrördnctcnsitzung wurde der Vorfall zur Sprache gebracht und ge- rügt, daß die Gesellschaft ungenügend ausgebildetes Personal zur Fiibrmig der elektrischen Wagen heranziehe. Dies sei dem Vertrage emgegcii. welchen die Stadt mit der Gesellschaft abgeschlossen habe. Ucbri'geiiS wäre einige Tage vor dem Totenionntage beinahe ein gleicher Unfall erfolgt, weiin es nicht dem Wagenführer noch im letzten Augenblick gelungen wäre, den Wagen durch Brentien zum Halten zu bringen. Der Magistrat wurde ersucht, bei der Straßen- bahn-Gesellschaft hierüber Bcichwerde zu führen und sie auf die Be- stimmnngen des Vertrages hinzuweisen. Bürgermeister Voigt vcr- sprach, eine Beschwerde in diesem Sinne an die Straßenbahn-Gcsell- schafl gelangen zu lassen. In Pankow ist, wie noch erinnerlich sein wird, der Gärtner Richard Schwarzbnrg in der Nacht zum zweiten Ostcrtage d. I. vor dem Restaurant Schloß Schönhanscn von niehreren Leuten über- fallen und so verletzt worden, daß er starb. In dieser Angelegenheit hat der Untersuchmtgsrichtcr jetzt einen Lokaltermin am Orte der That abgehalten. Die der Beihilfe zu Thai verdächtigte» Personen, welche üvrigenS jede Schuld bestreiten, waren bei dem Termin zu« gegen. A«S Spattdau wird uns geschrieben t In hohem Grade be- denklich ist die Art. wie in der königlichen Artilleriewcrkstätte z» Spandau die Sattlerarbeiten vergeben werden. Man lägt biete Arbeiten, nämlich zum Teil durch Spandäuex Saltlenneistcr bcrstelleir ES kommen am Orte hauptsächlich die lvieister Dalitz, Schonmälderstrahe, Komor. Jiidenstreche, und Hertelt, Schönwalder- straße, in Betracht. Sattlenueister Komor beschäftigt über- Haupt keine Sattler in eigener Werkstatt, sondern übergiebt diese Arbeiten nur solchen Sattlern, die in der A r t i l l e r i e w e r k st ä t t e zu Spandan beschäftigt sind. ES ist in hohem Grade befremde lich,>vie dieser Retter des HandtverkK die ihm von der Artillerie Werkstätte übertragenen Arbeiten wieder vcrgiebt. Mittags fährt der mit Lcderz, ischmtt versehene Wagen von der Artillerie Werkstätte fort, zu selbiger Zeit verlassen Arbeiter die kgl. Artillerie Werlstätte und nehmen den Lederzuschnitt von Komor zur Fertig- stcllima in Empfang. Man fragt sich uiiwillkürlich, ob die kgl. Artillerie- wcrkstätte ihren Sattlern so schlechte Accordlöhnc zahlt, dah sie durchaus auf diese Arbeiten angewiesen sind oder ob die Arbeitgeber diese Arbeiten zu solch»icdriacn Vcdingnngc» annchincn, daß sie für eine eigene BctrlcbStvcrkstätte nicht aufkommen können und die Lieferung des Arbeitsmatcrials(Faden, Wachs ec.) anderen Leuten Übersassen müsse». Sattlermeister Dalitz beschäftigt in seiner Wcrkstätte zur Her- stelluug der ihm überautivorteteu Arbeiten 5 Sattler. Es ist be- zeichnend, dah diese fünf Arbeiter für die Miete für den Laden, tvelchen sie als Wcrkstätte benntzen. sowie für die Unkosten der Be- leuchtniig selber aufkommen müssen. «attlcrmcister Hertelt geht so weit, das, er seine Arbeiter die Koste» der Kranken- und Jnvaliditätsversichernng selber be strciic» lägt. Zudem bezahlen diese Sattlcrmcistcr weit niedrigere Accord- preise, als sie bisher den Arbeitern auf der Artillcriewerkstättc ge zahlt wurde». Die Werkstätten-Verwaltnng hat sich denn mich ver- anlaht gesehe», die Accordpreise um LS Proz. herabzusetzen! Ucbcp die Verhaftnug eincS Feldwebels wird ans Spandau gemeldet: Der Feldwebel Grahl vom Garde-Grcnadier-Rcgimcnt Nr. S ist verhaftet worden wegen Unterschlagung amtlicher Gelder. Verinifchkes. Die Gtnrmberheerungo» an der Ostsee. Ein ebenso trauriges wie anschaiiliches Bild aiiS den von den Orkane» und Ucberschivcminungen schwer heimgesuchten Gegenden an der Ostsee- küsle n»d an den Haffen berichtet man der„Tgl. Rdsch."; War das Wasser am LS. v. M. meist nur in die Ställe gedrungen, so stand eS diesmal in de» Stuben vieler Hänser Pji Fug h'och. Selbst die letzte ZusluchtSslättc. daö Himmelbett, worin sich Mann. Weih. Kinder und Ferkel geflüchtet hotten, blieb nicht verschont. In den Kleider- schränken, in den grohenHolztnihen. in den Ocfen.Kochmaschincn, überall Wosser. So gesellte sich zur Wassersnot nochdieKälte, da es bei 1— LGrad Fwst nicht möglich ist, Feuer anzuzünden. Bich und Schweine wurden. soweit dies möglich, wieder von den höher gelegenen Nachbarn a»f- genommen, doch sind besonders viele Schweine erkrankt und muffte» geschlachtet werden. Bei all dem Wirrivorr in de» Stube». Ivo Kar- toffcln, Kleider, Schemel, Holz usw. durcheinaiiderschivimmen, wo die Menschen bis an die Knie im Wasser nmherwaten, noch Schlächterei! Und dranffen. ans Hof und Hausgarten— wie traurig sieht es da erst aus! Nicht wnndern kann man sich, hier lautes'Klagen und Jammern, dort Schelten und Flnchcn zu hören von den Lippen der armen Fischer und Fischerweiber, die so ziemlich ihre ganzen Winter- Vorräte an Gemüse, Kartoffeln, Streu und Holz verloren haben, voit den Fluten vielleicht meilenweit fortgetragen Einem traurigen Winter sehen sie entgegen, einem Winter, in dem Menschen und Tiere hungern und frieren müssen, wenn nicht, der Staat sich auf seine Pflicht besinnt. AuS Ostprcuswn. Die schwarzen Pocken sind ans dem Gute Aschpurwcn im Kreise Memel in bedeutendem Uinsange ans- getreten. Außer einigen Erwachsenen sind v Schulkinder erlrankt. ein wurden sofort'getroffen. Da die Kinder in Deegelit die Schmie besuchen, wurden dort sämtliche Schulkinder und die beiden Lehrer geimpft. Di« Krankheit ist von russischen Arbeitern nach Aschpurwen gebracht. ES müssen also jetzt, trotz dem am 1. Dezember die russische» Arbeiter das Land sollen ver- lassen haben, noch Russen frisch aus Rngland über die Grenze zur Arbeit gekommen sein. Die Angelegenheit verdiente aufgeklärt zu werden. Eine Verzweifluugöthat. In Görlitz wurde die Tapezier Friemaimscho Familie in ihrer Wohnung pcrgistct aufgefunden. Der Mann war tot. Die Frau und das Kind sind schwer erkrankt. Das Motiv der Verzwcifluiigöthat ist in Nahrungssorgen zu suchen. Fiiuffacher Verbrecher. In Vre m e n wurde am Freitag ein Mann, der fünf Mordanfälle innerhalb Ivenigcr Tage, davon drei mit tödlichem Ausgang, vollführte, in der Person deS ncnnzchn- jährigen Arbeiters Enist Grube ergriffen. Er hat zuerst den Lloyd- direktor Bremermann aus der Straffe überfallen, dann drei Frauen und einen Uhrmacher in ihren Wohnungen. Die drei Frauen tötete er. Niederkunft einer znm Tode Verurteilten. Die am 27. November von dem östreichischen Schwurgericht zu Wels wegen Mordes zum Tode verurteilte 28jährige Antonie Wazlalvck, welche am 3. Oktober d. I. ihre dreijährige Tochter Barbara Wazlalvek ertränkt hatte, wurde im Gefängnis von einem gesunden Töchterlcin entbunden. Das Kind erhielt in der Stadtpfarrkirche die Taufe. Die Patcnstelle übernahm die Gattin eines Gefangenanfschers in Wels. Wieder flott geworden ist einem Telegramm aus Antwerpen zufolge der in der Scheldemündnlig festgeratene Dampfer des Nord- deutschen Lloyd„Königin Luise". Weiterhin wird gemeldet, das; der Dampfer am Montag früh seine Reise nach Australien fort- setzen wird. Kirchenraub. In der Nacht znm Freitag wurde die katholische Kirche in Altschottland, einem Bororte Danzigs, beraubt; die Opfer- kästcn sind sämtlich erbrochen und beraubt, das Tabernakulum mit den silbernen und goldenen Kircheugerätcn und der Reliqnienschrciii sowie eine kostbare'gestickte Decke sind gestohlen worden. Unter den goldenen Geräten befindet sich eine Hostienbüchse von hohem Wert. Die Diebe sind durch Einsteigen in die Kirche gelangt. Eine entsetzliche Familicntragödie wird uns aus dem fran- zösischen Departement Giroude gemeldet. In Bill an x tötete die Witive eines Wcinhändlcrs ihre vier Kinder und dann sich selbst durch Rcvolvcrschüsse._ Marktpreis« von Berlin am 8. Dezember 189S wieder am der Lusilosigkeit der Mehrzabl der Interessenten und an der Znrückhaltunz der Käufer scheiterten. Hiesige Importeure haben in letzter Zeit mehrfach Dommweizeu und südrussischen Roggen angenommen und suchten denselben heute unter günstigen Bedingungen für spätere Sichten iinterzubriligcn i aber obwohl man die anfänglich höheren Preissordciungen für Weizen und Roggen schlieblich aus gestriges Niveau ermäßigte, fanden sich kaum Abnehmer. Abschreckend ans den Käufer wirkten die angelündigte grosse Exportziffer Argentiniens und das Umschlagen des Windes von Osten nach Nordwesten, welches wärmeres Wetter erwarten läßt. Hajer lag unverändert, lustlos, Rüböl nominell behauptet. Am Spirit n smart t notierte 70er loco aus vermehrtes Augebot 0,20 M. niedriger, 147,«). Städtischer Schlachtvieh markt. Berlin, 0. Dezember 1809. Amtlicher Bericht der Direktion. Zum Verkauf ständen: 4302 Rinder, 023 Kälber, 8655 Schafe, 8184 Schweine. Bezahlt wurden für 100 Pfund oder 50 Kilogramm Schlachtgewicht in Mark(beziehungsweise für 1 Pfund in Pf.): Für Rinder: Ochsen: a.) vollfleischige, ausgemästete, höchsten SchlochtwerteS, höchstens 7 Jahre alt 62—66, b) junge fleischige, nicht ausgemästete und ältere ausgemästete 57—61; o) mässia genährte junge und gut genährte ältere 54—56; ck) gering genährte jeden Atters 51—53.— Bullen: a.) vullfleifchige höchsten Schlachtwcrtes 60—63; b) massig genährte jüngere »Nd gut genährte ältere 54—58; c) gering genährte 48—52.— Färsen und Kühe: a) vollsseischige, ausgemästete Färsen höchsten Schlachtwcrts 00— 00; b) vollsseischige, ausgemästete Kühe höchsten Schlachtwertes bis zu 7 Jahren 53—54; c) ältere ausgemästete Kühe und wenig gut entwickelte jüngere Kühe und Färsen 51— 52; ck) mäßig genährte Kühe und Färsen 46— 50; v) gering genährte Kühe und Färsen 44—47.— Kälber: a) scinste Masl- kälber? i Ii gö — wollig—3 Zbedeckt—2 2'hlb.brt>!-3 4 wolkenl—4 (•heiler 2 wolkenl ,-14 -v Siaiioiien LS r: 6 l* o2 s— Weller 2 bedeckt 2 Sdmet 3 heiter vs: ;% i" :tö we. — o -11 4 paparanda 769SSW Petersburg 77t ONO Cork 76.SNNO Aberdee» 768 SW Paris' j 7640iO tstvhltvll Wrtter-Proguose für Sonntag, den 19. Dezember 1899. Teils heiter, teils wolkig bei schwachen nordwestlichen Winden, gelindem Frost und leichte» Schneesällen. Berliner Wetterbureau. Briefkasten der Redaktion. Tie juristische Sprechituude findet Aiontag, Dienstag uut Freittig von V— 8 tlhr abends statt. Elettromoutcur. Götze, Auguststraße. Hertz«. 1. Beachten Sie die Annonce» im„Vorwärts", dort werden die Versammlungen bekannt gemächt. 2. Ein Gesetz, das die Berpslichtung aus- hebt, Alimente zuzahlen, tritt nicht in Kraft. Durch die Geburt eines gesunden Jungen wurden hoch- erneut Enget Schiftan sTarn) und Frau Miuua geb. Werkle, Schöneberg, Gothenstr. 5, den 8., 12. 09._ Tauksagnilg. Allen Bcnvandten, Belannten und Kollege», welche meinem unvergeßlichen Maiine,»userem lieben Vater, Bruder und Schwager 113276 Otto Koppen die letzte Ehre erwieseu haben, sowie dem Gesangverein des Eentralverbands der Töpfer, den Meistern«. Kollegen vom Bau Scholz und Bau Kohte für die reiche» Kranzspenden»Usern herz- lichsten Dank. Ww. Koppen nebst Kinder». Adolf«öppe» und Frau. f Aufrttf! Asse Genossen und Kolkegen der HolzarieiteriBrnnche und all« orgaui- sierten Arbeiter dtttet eine arme Frau, ihr behilflich sei» zu wollen bei Er- Mittelung ihres Ehemannes, d.Ziiittner- manne« Peter Paul Ptskorz. ge- boren zu Oioes-Nellie bei Wollsteui, Provinz Posen. PiSkorz hielt sich vor ungefähr 17 Jahie» in gössen bei Berlin ans,. Porto wird erstattet, epenmell, volle mg» Briefe pl. Adresse PiSkorz unfraukteit seubc». Adresse ist: Fron PiSkorz. Grvso-Netko bei Wollslei», Propinz Posen, im Hau!« des Herrn Vetter. Me Ztebeiterbkälter sind um Abdruck dringelld gebeten. Hesouderee llmlmude halber ist eilte kl. Galauterieivaren-«ud Holz. rahmeu-Fabrik mit eleltrjschsiu Be trieb zu verlause». Strebsamen und soliden Fachleute» ist Gelegenheit ge- baten, sich mij wenige» Mitteln eine gute Existenz zu schaffen, da ich gern mit Kapital beteiligt bleibe. Gest. Vis unter M. M. 13 Postamt 90. 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M/10 Der Stadtauflage unserer heiitige» Nummer liegt ein Prospekt deS Geschäftshauses Fci-dinand tät eninunn, Leipzigerstr.»1 bei. I. Wahlkreis. Sonntag, den 10. Dezember, abends 6 Uhr, in Cohns Festsälen, Beuthstraste Ä0: Gr. öffentliche Versammlung. Lortrag des Reichstags- Abg. Rechtsanwalt HVolfxaax Heine: Die persönliche Freiheit, ihr Schutz, ihre Begrenzung durch das Gesetz. kigvlillem: kemütlielieZ Beisammensein.- Eintritt 20 Pf. inkl. Garderobe und Tanz. 208/4 Um rege Beteitigung bitten Die Bertrauenspersonen. SociaidemoKraNscher Wahiverem für den 3. Berliner Reichstags-Wahlkreis. Mittwoch, den 13. Dezember 1899, abends 8 Nhr, in Feuersteins Festsale», Alte Jakobftr. 75: Versammlung. Tagesordnung: 241/18 1.„Ter. Einfluß der ärztlichen Ehrengerichte auf die Krankenkassen/' Referent: Genosse Georg Wagner. 2. Diskussion. 3. Vereins angelegen heilen. Gäste haben Zutrilr. Regen Besuch erwartet_ Der Aorstand. Achtnnjs! Achtung;! Sotialdernokratischer Wahlverein für den 5. Berliner Reichstags- Wahlkreis. Donnerstag, den M. Dezember, abends 8'/- llhr. im Alte» Tchübenhaufe, Linienftr. S: V«»'bsSTittinIiRNL'."WW Tages-Ordnung: 1. Vortrag: Flotienvorlage und Kapitalprostt. Referent: Genosse RechtsaMvalt Dr. Karl Liebknecht. 2 Diskussion. 3. Vereinsangelegen Heiken.— Gäste haben Zutritt. Zahlreichen Besuch erwartet 245/18.. Her■Vorstand. Deutscher Holzarbeiter-Veriiand. Bezirks- Versammlungen. Moutug, den 11. Dezember, abends 8 Uhr: Wedding und Gefnudbrunnen: im Lokale des Herrn Hnahc lKolberger Talon). Kolbergerftr. 23» Tages- Ordnung: 1. Lohn- und Accordarbcit. 2. Diskusston. 3. Verbands- und Werkstatt- angelegenheiten. Pflicht aller Kollegen ist es, zu erscheinen. SSp- Der Obmann wohnt Bernanerstr. 99. Rosenthaler und Schünhanser Rorstadt: Tchwedtcrstrafie 23 bei Wernau. Tages-Ordnuua: Lohn- oder Accordarbcit? Referent: Kollege N. Fendel. Diskussion. Verschiedenes. Der Wichtigkeit der Tagesordnung wegen ist es notwendig, daß die Kollegen recht zahlreich erscheinen. NB. Die»eugegriindetc Zahlstelle befindet sich Dunckerftr. 74, hei (ff. Reumann. Osten und Nordosten: stechert, Tagesordnung: 1. Vortrag über:„Lohn- und Accordarbcit". Referent: Stufche 2. Diskussion. 3. Wahl von drei Beitragssammlcrn. 4. Verbandsangelcgen- heiten und Verschiedenes. Ziideu und Ziidske«: Tages-Ordnung: „Die Lohn- und Accordarbeit." Westen nnd Südwesten: Mittwoch, den 13. Dezember, 8'/t Uhr abends, in Habels Brauerei. Bergmaunstraße 5/7. Ta g e s-O rd nu n g: i. Bortrag des Kollege» Kunze über:„Lohn- und Accordarbeit". 2. Diskussion. 3. Neuwahl des Bezirksleiters und der Werkstatt- Kontroll- Kommission. 4. Verschiedenes. Tic Kollegen werden ersucht, recht pünktlich und zahlreich zu erscheinen. Bestrksversammlnllg für Rnunnelsdnrg am Mittwoch, den 13. Dezember, abends 8 Uhr, bei Bentllng, Kaut- u. Goetheftrasieu-Eckc. Tages-Ordnung: 1. Vortrag über:„Lohn- und Accordarbcit". Referent: Boeske. 2. Diskussion. 3. Verbandsangelegenheiten. 4. Wahl des BeittagssanimlerS. Es ist Pflicht eines jeden Kollegen, zu erscheinen. Die Kollegen der Werkstätten von Bartsch, Wanger und die Sargtischler sind besonders dazu eingeladen. Drechsler u. Berufsgenossen? Montag, den Ii. Dezember, abends 8'/« Uhr, in Oohn» Festsiilcn. Beuthstr. 20: Wnlhenversllinlnlllng siimtlicher Bemke. Tagesordnung: 1. Vortrag des Genossen Theodor Glocke über:„Lohn- und Accord- arbeit". 2. Diskussion. 3. Bericht des Gesellenausfchusscs. 4. Der Streik der Kollegen in den Alabaster-Fabriken und der Terrorismus dieser Herren Arbeitgeber. Die höchst wichtige Tagesordnung erfordert das pünktliche Erscheinen fanitlichcr Kollege» Berlins. Tie Branchen- Kommission. Maimiiinachei*! Montag, den II. Dezember 1899, abends 8 Uhr, im Lokale des Herrn«old, Gr. Franksnrterstr. 133: Z3vQnrl)ettneviQttnnluttg. Tages-Ordnuug: 1. Vortrag über:„Lohn- und Accordarbeit". Referent: Math es. 2. Disknsswn. 3. Werkstatt-Augclegenheiten. Bei der Wichligteil der Tagesordnung ist daS Erscheinen aller Kollegen nötwendig.__'_ 279/11 Achtung! R S x d o b* f« Achtung! Montag;, den II. Dcxembep er., abends 8'/, l'hr, im Lokal des Herrn Ijaukner, Inhaber von„Hossmanns Feftsalou". Bcrgstraste lSl/k2: (lloft'olltl. Hcvlaumtlmia. Tages Ordnung; 1. Vortrag, über: Slrdeitcrbeslrebungeu und die SocialdkmoMilsliier Mlilverein für de« l Derliner Rriöistilgs-Mhllireis(Osten). Dienstag, de» IS. Dezember, abends 8 Uhr, Gr. Frankfnrtcrstratze 1.17 bei Bräuer: Vvl'ssmmlung. Tages-Qrdnung: I.Vortrag des Reichstags- Abgeordneten Genossen Wurm Über:„DaS neue Jnvaliditäts-Gesetz.-. 2. Diskussion.' 37 Verschiedenes. IW Das Erscheinen der Mitglieder ist Pflicht. Gäste haben Zutritt. Beiträge und Aufnahmen werden nur vor dem Vortrage entgegengenommen.-[243/19] Der Vorstand. Konsum-Verein Berlin-Süd. Große Uolks Uersammlung für Männer nnd Fronen am ZU o n k Ä s. Ärn II. Dezember, ttbends 8�s Mhr» im großen Saale der kookkesuerei, Fidicmstr. Ä— 6. Tagesordnung: Bedeutung und Nutzen der Konsum- Bereine für die Arbeiter. _ Referent: Reichstags-Abgeordneter Munw. 1289b Mtung! MAURER. Mim! Mittwoch, den 13. Dezember, abends 8 Uhr, in Kellers Festsälen, Koppenstr. SS: mmnlm(Isr MM Berlins u. Umgegend des MtmloMandes deuMtr Wurer. T a g e s- O r d n u n g: 1. Vortrag des Genossen O. Rath er über:„Der wirtschaftliche Kampf der Arbeiter in der Gegenwart/ 2. Berichterstattung über die 5. Konferenz der Maurer der Provinz Brandenburg. 3. Beschlußfassung über die weitere Sammlung zum Streikfonds sowie über die Abstempelung der Sanimelkarten. 4. Verschiedenes. 137/20"_' Die BerbandSlcitung. I. A.: Karl Panscr. Ärbeiter-Bildongsschnle. IM" Sonntag;, den 10. Dezember, abends 7 L'hr, iii Feuoretolns Saal, Alte Jakobstr. 75; Vortrag des Reiclistags-Abgeordneteu Max Schippsl; „Von der Erklürung; der Menschenrechte bis zum »Itffeuieiiieu Wahlrecht." Eintritt 10 JPfg. Gartierobe 10 Pfg. 5/10 Nach dem Vortrag: Gemütliches Bcisamnienscin u. Tanz. Verein deutscher Schuhmacher. Montag, 11. Dez., abds. 8'/» Uhr, bei Stcchert, Zlndreasstr. 21: AKitK'Hv«!«!'- der �ciL»i'ik-SÄzithin.rztzer. Tagesordnung: 1. Vortrag. 2. Diskussion. 3. Verschredenes. Sonnabend, den 1v. Dezember, abends 8V2 Nhr, bei Schiller, Rofeuthalerstr. 57: Mitglieder- Versmttmlnng derS�xäftvArkietkeru.Alrlioitorittnen. Um zahlreiches Erscheinen ersucht Die Ortsverwaltuug. DUP Das diesjährige WeihnachtSvergniigou findet am ersten Feiertag im Dlz-siuni. Landsberger Allee, statt. B i l l e t s a 25 Pf. sind bei den Vertrauensmännern, im Bureau und den Zahlstellen zu haben._ jnl Offeriere hochfeine Kanarien- ßEi Roller, sowie edle Zucht- kW Weibchen. Vogelbauer in gr. .Auswahl: ferner habe ich einen »r. Posten Stieglitze, Zeisige, M Hänflinge, Buchfinken, Rot- » kehlche», Meisen, sehr billig abzugeben. Es kommen nur gesunde, tadellose Exemplare zum Verkauf, wer daher mit seinen Präsenten Ehre ein- legen will, der kaufe Brückeustr. 1, Specialgcschäst. 3229L" Orts-Krankenkasse der Steider, Schiltiherinilm u. veriv. Ceiverbe zn Berli». Die Arbeitgeber werden hierdurch zu den am 18. Dezember 1883 in der Ressource, Kommandantenstraße 57, abends 8 Uhr, stattstndenden' Ber- treterwahleu pro 1900 crgcbcnst eingeladen. Tages-Ordnung: Wahl von 100 Vertretern aus den Reihen der Arbeitgeber, ß 43 des Statuts.(Nachtrag). Anmeldeschein oder die letzte Rechnung der Arbeiter dient als Legitimation., Um 3 Uhr finden in demselben Lokale die Vcrtreterivahlen der Kasfeiiinitglieder pro 1300 statt, wozu dieselben ergebenst eingeladen werden. 123Zb Tages-Ordnung: Wahl von 202 Vertretern aus den Reihen der Kaflenmitglieder, ß 43 des Statuts(Nachtrag). Das Quittungsbuch dient als Legitimation, ohne dasselbe kein Zutritt. Berlin, 10. Dezember 1833. K. Wegener, H. Möbius, Vorsitzender, Schriftführer. Ruppinerstraste 10. Orts-Krankenkasse 1 \u w Tamm-Werbe zu Berlin. 1230b Aiißerordcntllche General-Ntrsammlung au« Donnerötag, 14. Dezember. abends 8>/2 llhr, in den Armin- Halle», Kommandantenstr. 20. Tages-Ordnung: Wahl eines Bureau- Hilfsarbeiters u. Krankcncontrolcurs. M. Gest, erster Vorsitzender, Charlottenburg, Kailer Friedrichstr. 53. NN aller iu der Klirslhiierei besiliiist. Arbeiter mlb Arbeiteristneil Berlins und llmxepcend. Montag, de» 11. Dezember, abends 8>/z Uhr, im Restaurant Feind, Weinstraffe 11: Mitglieder-Aersaiiiialililß. Tages-Ordnung: 33/8 1. Vortrag des Genossen Dr. Woll- heim: Lebenslage und Kulturforlschritt. 2. Diskussion, 3. Verschiedenes. Um pünktliches und zahlreiches Er- scheinen ersucht Der Vorstand. Vmln für Zrailkn M MWe» der Arbeiterklasse. Montag, den 11. Dezember, abends S'/s llhr, in den Armin- hallen, Kommandantenstr. 20, Vortrag des Herr» Rnd. Steiner üb°r- ÄR« ff'R'LUU«!»". Besprechung der Weihnachtsfeier und Vereiusangelegenheiten. Gäste willkomme>,._ 55/20_ Der Vorstand. Cenfralorgaiiisierte Handels-, Transport- und Verkehrsarbeiter. Heute, Soimtasr, den ID. Dezember, abds. O Uhr, in Cohns FestsiUcn, Beuthstr. 21: Große öffentliche Versammlung inik Isvsuvn. Tagesordnung: 1. Die Aufgaben einer niodernen Gewerkschaftsorganisation. Referent Kollege Kahler. 2. Die Stellung der Aeltesien der Kaiifmaiinschaft zur Verkürzung der Arbeitszeit im Handels- und Transportgewcrbc. Referent Kollege Schumann. 3. Diskussion und Beschlnszfasiuug. 4. Bericht- erstattung der Delegierten zur Äewerkschastskvuimission und Neuwahl derselben. 67/1»! Tie Kollegen werden ersucht, sich zu dieser Versaunnlung recht zahlreich und püultlich einzunndeu. Nach der Versammlung: Geselliges Bcisammeuscin mit Tanz. Verein der Lithographen, Steindrncker und Berufsgenosfen Deutschlands. msb (Zahlstelle Berlin III für Idthog-raphcn). Dienstag, de» 12. d. M., abends präcise 8 llhr, DreSdcucrstr. IS; WM" VrrtKnrmlung."MW Taacsordnnng: 1. Vortrag über: Die Lebensweise bei sitzender Beschiistigung. Referent: Dr. Weyl. 2. Geschäftliches. 3. Die Arbeits- losen-Unterstützungslassc. 4. Verschiedenes. Alle Kollegen werden um piinkt- lichcs Erscheinen gebeten, da der Herr Referent noch anderweitig besetzt ist. VerbSHl! deutscher gclineitleru. gchneitlerinnen (Filiale Berlin). Große fffrtoniibfnfiinniilitiifi Dienst a s, den 12. d. M„ abends 8V3 Uhr, in den A- Armin hallen, Koniuinndantcnstr. äO. Wh» Tages-Ordnung: 1.„Wie stellt sich die Berliner Kollegeuschaft zur Eiufühmng von Betriebswerksigtien. Referent: Kollege Ritter, 2, Diskussion. 3, Ver- schiedcncs, M/lb Um zahlreiches Erscheinen ersucht Die Ortsvcrwaltung. Znchlhiniögcietz Vorluge; ist dieselbe tot oder scheintot? S, DiS lussiou 3. Verschiedenes, 143/8 Zu dieser Versammlung werden die Kollegen ganz besonders eingeladen.__ Ter Einbernser. so M. S Aalelots nach Maff. hochscine Ans- ug. tadelloser Sitz garantiert. Veyer, Roseutliaieestr.« 7. Fewspr, Amt III- 8524. Weitinaciits-Aiisvepkauf! BSF!"Sä1, Max Briimer, Jerusaleuierftr. 42. Filiale: Vrunneustrasje ti. L* Große Vroteß-Versomiiililng der Schmiede Mirä nild Umgegetld NM Montag, den lt. d. M., abends 8Vz tthr, im Lokale„Königsbank", Groffe Frankfnrierstraste Sir. 117. Tsa g e s- O r d 11 u 11 g: 1315b l. Was haben die Schmiede Berlins und Umgegend von der Uni- Wandlung der Jnnungs-Krankeiitasie zu erwarten? 2 Diskussion, Es ist Pflicht eines jeden Schmiedes, in der Versammlung zu erscheinen. * Der Gesellen- Ansschust. I. A.: tiormann MIctiaelie, Altgeselle. AAung! Zimmerer! �tung! (Vertrauens in ä n ner-Centralisatio n.) Mittwoch, de» IS. Dezember 18SS, abends 8 Uhr: Oeffenkl. VevrÄInnrlunn in Cohns Festsälen, BeutHstrafie 20. Tages-Ordnung: 1. Berichterstatwng über die am 2S. November stattgefundene Konferenz und Wahl der Agitationskoiiiuiission. 2. Beschluszsaffiliig über die Ab- stempelling der Sammelkarten für 1839. 3. Bericht über das Gewerkschafts- kartest und Wahl der Delegierten. 4. Verschiedenes. 28Z/4 Es ist Ehrenpflicht eines jeden Kameraden, in dieser Versammlung an- wescnd zu seSi._ Die Kommissio». Taipezierer! Dienstag, den 1Ä. Dezember 1899, abends 8>/g Uhr, Nersammlnng beider Filialen. Filiale Vord: bei Nümaii». Brnnncnstr. 188: 178/17 Tages-Ordnung: 1. Bortrag des Genossen Adolf Hoffman» über:„Auf was wir stolz sind."— 2. Diskussion.— 3. Verschiedenes. Filiale Süd: bei Lorenz. Markgrafeuftr. 83. vis a vis Junckerstrahe. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Genossen Sassenbach, über:„Die geschichtliche Eni- Wickelung der Gewerkschaften."— 2, Diskussion,— 3, Verschiedene?, An alle in städtischen Betrieben beschäftigten Arbeiter und llnterangestellte» Berlins! Dienstax, den 12. Dezember er., abends 8Vs Uhr, Große öffentliche Nersammlnng in Stechert's Kostsäle», AndreaSstr.«1. Tages-Ordnung: [12776 1. Stcllimgnahme zum Statuten- Entwurf der" Betriebs- Krankenkasse. 2. Wie stellen wir uns zur Aerztefrage?— 3. Verschiedenes. Zur Deckung der Unkosten findet Tellersaininlnng statt. Um recht zahlreiches und pünltliches Erscheinen wird ersucht. Die Kommission. Rerlmnd der an MzkmllMngs-MaMim keschiijMen Arbeiter Berlins u. Umg. 11 0 n t a jx. dea II. Dezember er., abends 8V2 l'hr, im..Kiicllschcn©arten", Alorauderstr. 27c, �ailgiiede�-�icrsammKuRg. TageS-Ordnung: 1. Vortrag nnd Diskuliian. 2. Wahl von drei KontrolllonimissionS-Mit- gliedern. 3, Vervandöangelegenheiien. 83/15 Der Vorstand. NB. In dieser Versaiuniluiig werden die Billeis zum Maskenball ausgegeben. Achtung! Schneider. Große öffentliche Versammlung aller Herren- und Knaben-Konfektions-Sclnieider am Montag, den 11. Dezember er., abends 9 Uhr. bei BeKer, Brnnnenstrafte Nr. 15. 13136 Einberufen t. Verein der Herren- n. Knaben-Konfektions Schneider. Tages-Ordnung: 1. Dir Entwicklung und der heutige Staiidpunkt der Kousektion. 2. Die Lage der Hauöindustriellen, Konseltions-Schueider und der Zweck her Organisation. 3. Diskussion._ Der Vorstand. TSlinM II ftl 10 Jahl'e Oarantie. Vollkommen schmerzloses Zahn, /flllHn Z In z'e,IBn> Plomben 1,50 M. Teilt, wöchentl. IM. Zahnarzt Wolf, Lelpzlgerstr. 130. Sprechst. 9-7,, V�arer�hauß /\.We rt h e i nrj Berlin, Leipzigerstr. 132/133.* Rosenthalerstr. 27/29 u. 54.» Oranienstr. 53/54. Weisseren« Cascbentucber Damenschleifen, Selbstbinder, reinseid. Ponge BölPf- Lavalliers, wit Fransen, ca. 140 cm lang I SS Mk. Kopfchales, Seidenstoff mit Spitze 2,®» Mk. Ballecharpes, Seidengaze mit Federbesatz 9,�5 31k. Gaze-Ballfäeher 85«■,!,»?, l,?s Mk. SlraHSSfedern-Ballfächer 2,»«, 3, so, 4,ss Mk. Balllaeber-Balter 38« 48 � Bö�allö? kius reinseid, ffaffet 2,8S Mk. FlChUS aus Seiden-Chiffon 1,15 Mk. Slraussfeflern-Boas 1,™ Mk. POllipatlOUr aus schwarzem Seidenstoff 2,80 Mk. RÜSelienkartOUS, Inhalt ca. 2 Meter, 5 Farben sortiert 98 Kinder-Tasclieiilüelier, ot-. 80?k, i, 1,40 Mk. 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In allen ritterlichen Künsten ist er tvohl- erfahren und seine Freude am 5iainpf artet nie in die Freude am Metzeln aus. An seinem Narren sieht man, daß er Geschmack hat. Kunz von der Rosen ist der lustigste Narr, der je einem Herren die Wahrheit gesagt hat. Er ist zudem ein Narr, der auf seine Ne- putation hält. Er läßt sich nicht treten und schlagen, sondern steht zu seinem Herrn in einem freundschaftlichen Verhältnis. Eigcutlich hat er vom Narren— abgesehen vom Humor— nur das Vonecht der lustigen Person. Kunz von der Rosen nun und der Erbhcrzog machen eine verwegene Fahrt ins burgnndische Land. Der Erbherzog liebt nämlich die Herzogin von Burgund und sie liebt ihn auch. Eine politische Gruppe ivill indes von der Heirat mit dem Ostrcichcr nichts wissen. Der Dauphin von Frankreich ist es. dem sie aus Gründen der staatlichen Macht den Vorzug geben. Infolgedessen bc- finden sich Maximilian und sein Narr in Feindesland. Vor den burgundischen Gegnern müssen sie sich fein säuberlich hüten und der König von Frankreich hat gar Meuchelmörder für sie gc- düngen. Als sie einmal aus ihrer Fahrt in eine ode Gegend ver- chlagcn werden, locken Gaukler und anderes fahrendes Volk sie in einen Hinterhalt. Ihr Leben Ivärc dahin, wenn in der Baude nicht ün anständiges Kcrlchen— ein Lantenschlägcr— wäre, das von der allgemeincii Verderbnis noch nicht angefressen ist. ES verrät ihnen den meuchlerischen Anschlag und flieht mit ihnen a»S der Räuber- spelnnke. Kunz von der Rosen hat an dem Burschen Gefallen und niacht ihn zu seinem Diener. Schließlich gelangen die irrenden Ritter glücklich an den burgundischcn Hof und—' nachdem Maximilian seinen politischen Hauptgcgncr umgestimmt hat— wird die Verlobung gefeiert. Es lommt übrigens noch zu einer ziveitcn Verlobung. Kunz von der Rosen hat herausbekommen, daß sein Diener ein verkapptes Mädel ist und als Narr von Verstand verliebt er sich flugs in das schmucke Ding. DaS wäre der Inhalt. Frehtag schrieb seine Komödie, in der — trotz alledem!— eine Poesie und Humor steckt, im Jahre 18ll. Sie wurde damals preisgekrönt und modert seitdem in den Thcatcrbibliothekcn. Am Freitag kam sie durch einen Zufäll wieder ans Licht. Ich sage durch einen Zufall; denn wenn das Theater planmäßig geleitet wäre, hätte es das Stück längst bringen müssen. Kunz von der Rosen ist der Ahnherr Konrad Bolzens. Es ist genau, aber genau derselbe Charakter. Wenn man von dem vergessenen Stück zu dem bekannten blickt, sieht man wenig, sehr ivenig dichterische Entwicklung. In der Hauptsache ist Frehtag in den„Journalisten" nnr bnhnensichcrcr.qeworden. was dem Stück poetisch nicht immer Allheit bringt. Mir ist— man darf mich steinigen— der unbeholfene Frehtag lieber. In dem Ver- hältnis Kunz von der Rasens zn seinem Herrn liegt mehr Poesie als in dem Bolzens zu seinem liberalen Philister. Dazu kommt noch die reizende Gestalt deS kleinen ZjgcunermädelS, die sich als Lautenschläger auf den Jahrmärkten herumtreibt. In ihrem Ver- hältnis zu Kunz bringt sie einem lebhaft dc-Z großen Kleists „Kätchcn" inS Gedächtnis; aber trotzdem: sie hat ihre eigene Poesie. Die Darstellung brachte das Stück sehr frisch heraus und das Pnbli- Ihm amüsierte sich vortrefflich.— E. S. Theater des Westens. Pst! nicht schimpfen! Vor dem zum Ton gewordenen Champagner, der eine Straußische Operette wie den „Zigeunerbaron" dnrchsprndelt, vor dieser Grazie und vor diesen aufs anschaulichste durchgeführten Phantasicbildcrn brauchen wir uns nicht darüber aufregen, daß hier größtenteils Sprößlinge der einen Welt, der Tanzfrcndc, in den Boden einer ganz anderen Welt hinein- gesteckt sind, wo sie eben nur so hinein passen, wie alles Hübsche überallhin paßt— nicht darüber, daß diese Musik mit ihrem fast unaufhörlichen Hinundherwiegen in den paar elementarsten Accordett und mit ihrer Zusammensetzung aus fast lauter kurz- atmigcn glcichgcbautcn Bestandteilen noch mehr den Wiener Elegant als dcii großen Musiker bewundern läßt— nicht darüber, daß... und daß... und daß... Kurz, das Theater deS W c st e n S hat ganz wohl gctha», seinen komischen Opern nun auch die Operette anzufügen. Des seligen Johann Strauß' „ Z i g e u n c r b a r o n", seit 188Z wohlbekannt und auch in Berlin bereits ein beliebtes Repertoirestück, wurde dort vorgestern„mit gänzlich neuer AnSstattimg" und mit lebhaftem Beifall aufgeführt. Anscheinend ist längst ganz allgemein der Gebrauch eingeriffen, Straußischc Operetten in ihrer Wirkung noch durch eingelegte Walzer" zu verstärlen, diesmal(und wabeschei'niich meistens) mit Streichung ganzer Teile dc-Z Werks. Dadurch wird leider der angedeutete Zwiespalt zwischen den zwei niivereiiibartcii Welten noch vergrößert. das immerhin vorhandene Maß von Dramatik und von'milicu- schildernder mnsitälischer Epil ungerecht zurückgedrängt und die Abbicgnng von dem geschichtlichen Ciitwickliiiigsgniig der komisch- dramatischen Musik noch verstärkt. ES wäre iiiiiidcstens nicht nötig. Abgesehen davon war die Slnfführnng, wen» wir es mit ein- zclneii Schwankmige» des Zusammenhalts nicht genau nehmen, recht afvnilich und Herrn E h r l s Regie wieder von prächtiger Lebendig- keit. Ein Gast, L e o n i c Ney.' bewährte sich als Zigcuiiermädchcii Saffi sehr gut: sie spielte tempcramciitvoll, vielleicht ein wenig zu ernst, und' sang mit einer nicht oben bedeutenden, aber sozusagen blühend schönen Stimme, ziiiiinl in den hier reichlich zngcnieffenen hohen Lagen, während im übrigen die Stimme nicht so recht au-Z- geglichen ist. Neben ihr hatte die iiculich gut ciiigefiihrtc Anna Groß mit ihrer weniger blühenden Stimme einen schweren Stand, oblvohl ihre sonstigen Vorzüge sich auch hier wieder zeigten. L. Dctschy und I. Braaenhainmer vervollständigten den Reigen der weiblichen Partien mit gewohnter Meisterschaft. Unser trefflicher Baßbuffo H. Steffens gab den Schweinezüchter Zsupaii in Gesang und Spiel vorzüglich: eine echte Komik, die doch niemals ins Niedrige geht. Mit den Tenorcn stand es wieder ziemlich man. Von E m. Walter als BarinSkh ist nicht viel zu sagen, imd E. Holy ist kein Lieban, daß er eine Liebyaberrolle cbeiyo erfolg- reich durchführte, wie es ihm sonst mit seinen Buffopartien gelingt. Die Operette wird seit einiger Zeit fortwährend totgesagt. Viel- leicht helfen ihr noch Bemühungen ans, fie ans dem Theater bestens zu pflegen. So ganz scheint uns dies aber nur dann möglich zu fein, wenn wir en'dlich wiederum eigene Operettenbühnen bclommcn.— LH. icrinsIVassc ~'■" T~' �'8511181 aactc !' UG 6 6 0 CKJWG] owoqj P|tt3ge: Wo kauft man Uhren. � Goldwaren und Brillanten reell und an: billigsten? Beim wirklichen Fachmann, denn der ist im **"*****' stände, daS Porteilbaftefte zu wählen und dem �.. -- Käufer das Beste z» vieten. 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Kabale and Liebe, Anfang 7>/?Uhr, Nachm.: Gustav Adolf- Festspiel, Deutsches. Der Probekandidat, Anfang 7>/z Uhr. Nachm, S1', Uhr: Fuhrmann Henschel. Montag: Der Probekandidat, Lrsslug. Josephine. Ans. 7l/z Uhr, Montag: Als ich wiederkam.,, Berliner. Das verlorene Paradies. Anfang 7V2 Uhr,, Nachm. 2Va Uhr: Romeo und Julia, Montag: DaI verlorene ParadieZ, Schiller. Die Ehre, Ansang 8 Uhr, Nachm, 3 Uhr: Der Richter von Zalamea, Montag: Biel Lärnien um nichts. Neues. Ein nnbelchriebelies Blatt, Ansang 7-/2 Uhr. Mittags 12 Uhr: Matinee der SecessionSbühne: Der Besiegte, Hierauf: Der Kammersänger, Montag: Ein unbeschriebenes Blatt, Westen. Der Zigennerbaron.?lu- fang 7Vj Uhr, Nachm. 3 Uhr: Der Freischütz. Montag: Der Zigennerbaron, Thalia. Der Platzmajor. Ansang 7'/- Uhr, Montag: Dieselbe Borstcllmig, Nesidcuz. Busch und Rcichenbach. Vorher: Die Richtige, Anfang 7>/2 Uhr, Nachni, 3 Uhr: Der Schlaswagen- Coutroleur, Montag! Busch und Rcichenbach, Vorher: Die Richtige, Luisen. Knrbad Centrnin, Ansang 8 Uhr, Nachm, 3 Uhr: Graf Essex. Montag: Kurbad Centrmu, hsentral. Die Gellha, Anfang 7t/, Uhr, Nachm. 3 Uhr: Die FledermaliS. Montag: Die Getsho. E�arl Weift. Der Weltinitergang, Anfang 8 Uhr, Montag: Dieselbe Vorstellnng. Friedrich- Wilhclmstndtischcs. Ein gesunder Junge. Ansang 8 Uhr, Nachm. 4 Uhr: Wilhelm Tell, Montag: Ein gesunder Junge, Victoria. Die VeinrS van oerMarlt- halle. Anfang 6 Uhr, Nachi», 4 Uhr: Das ta pserc Schneiderlci», Montag: Die Venns von der Markthalle, Belle- Nltiance." Gastspiel des Schliersecr Bauern- Theaters. Liscrl vom Schltersee. Anfang 8 Uhr, Nachi», 3 Uhr: Alinenransch und Edcl'.veist, Montag: Liserl vom Schliersee, Vtctropol. Specialitäten- Bor- steslnug, Rnttd um Berlin. An- fang 8 Uhr. Nachm. 3 Uhr: Specialitaicn-Bor- stellung, Montag: Rund nm Berlin, Llpollo. Specialitäten- Borstelliing, Anfang 7 Hz Uhr, Reichshalle»/ Stettiner Sänger. Ansang 7 Uhr, Palast. S»saline ini Bade, Special!- täten-Borftellung. Ans, 8 Uhr, Passage< Paiiopttknm. Spcciali, inicn-Vorsteliniig, Urania. Jnvalidcnstr. r>7/t>S. Täglich abends vKi ö-lv Uhr: Stcrnjvärte, Taubenstr. ISJAO- Im Theater: Transvaal, Hieraus: Der dunkle Erdteil. Anfang 8 Uhr, Hörsaal: G, W i t t: Bewohnbarkeit der Hiniinclöliirper,_ Crttkrnl Throkev Direktion: so»« korenerx. Sonutagnachmitt. 3 Uhr zu halben Preisen: Tic Fledermaus. Bon Johann Straust, Anfang V28 Uhr, D iv G 0 i s h er. Morgen: Dieselbe Vorstellung, rdaliA-'l'Iieater. k»I.XmtIVa S440. 0ro»lIonsr»tr. 72/73. Vorletzte Sonutags-Ausführung: Der Platzmajor. Thorn»», Thielscher, Helmerding, Junkermann. Ansang 7l/z Uhr, Morgen und folgende Tage: Der Plaftmnjor. Freitag, den 1-, d.M.. zum Beste» der Stiftnug:„Nationaldank für Veteranen", einmalige Aufführung von:„Der Millionenbancr". Köpfe: Emil Thomas, CarlWeiss-Theater Gr. Frankfiirterstraste I.tS. Nachm. 21/, Uhr: Freie Volksbühne. Winterschlaf. AbcndS 8 Uhr: Ztt Wtttlttltergllttg. AroheS Ausstattungsstück mit Gelang in 3 Akten(lö Bildern) von Dir, Carl Weih und Jos, Till. Musik von M, Fall. Montag: Extravorstelluilg zum Besten des Nationaldanks: Der Weltunter- _ gang, LlhillkrTheilter «Wallncr- Theater». So n n t a g. nachinittagö 3 Uhr: Ittelitvr von Älulanien. Schansp, ins Aufz, v. Caldcron de la Barca, bearb, v, Ad.,Wllbrandt. Sonntag, abends 3 Uhr: I»1o IZIii'c. Schauspiel in 4 Alten von Hermann Stldermynn. Montag,' abends 8 Uhr: > i.'I I.tir nicn iini nlel,«». Dienstag, abends 3 Uhr: IM«> Rtclitcrln. itopfll-Wer. Cehrenstr. 55/37. Dir.: Rieh. Schultz. Um 10 Uhr 30; Liane de Vries. Siegnuind Steiner. Miim Mary Woif. Brotliers Ceado. Preres Kuiper. Franc. fliwJi. The 5 Greenwoods. Um 8 Uhr 40: Hnud nm Berlin. Anfang 8 Uhr. Maehrs Theater 81 „M ooilfu Zkgkin". Lebensbild in 3 Akten von Hugo Schulz, Vorher: bspeciniittitiMr. Anfang 8 Uhr. Sonntags 0 Uhr. Bous lvochcntags gültig, �mei'iean-Ikeater. DreSdmerstr, W. Dir.: Emil Schnabl, MIe. Darlous Vnlhlvnnx vlvant« nnd 1« erstklassige Debüts. „Berlin nlkt!" Anfang 8 Uhr, Kasiencröffnung 7 Uhr, Palast-Theater früher Foon-Palast. Bargst r 22 Letzte Soniitags-Vorsteüuiig der allabendlich mit grvhcm Beifall und jirbelnder Heiterkeit DW- zni« 7:1. Male»L Zur Aiisflilirmig ge- langend, NuSstattungSgesangsburleSle Snsaltne im Wdk. Dazu das riesengrohe Nene jezember- Urogramm! in Morgeil in Tüh-Asrikli. Grone urkomische Pantomime, Ansang: Konzert 6 Uhr, Vorstellung Uhr, Kasienötriuing 5 Uhr, Lillct- Borverkauf von 11-1 Uhr, Mittwoch, den 13. Dezember I3ÜS, zum erstenmal:: Leute vou Heute. Grohc Berliner Lokalpossc mit Gesang, W. Hoacks Theater, Vninnenstrabe 10. Oer Raub der Sabinerinnen. Schwank in 4 Akten von Franz und Paul v, Schönthcn, Jeden Sonntag, Ticustag nnd Donnerstag nach der Vorstellung: Tanzkränzchen. Montag: Ter Raub der Sabinerinnen. Apollo-Theater. iVnp noch knrzc Zeit: Bruder Wille. Mary Werder. 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Nachmittags 4 und abends 7>/z Uhr, Nachm. 4 Uhr hat jeder Erwädffene ein Kind imtcr 10 Jahren frei, weitere Kinder unter 10 Jahren zahlen aus allen Plätzen mit Ansnahme auf der Galerie halbe Preise, abends jedoch volle Preise, Tignor Moglia in, seinen dressierten Affen, Olympische Spiele, ivobtislhtsimtiltieEletllilteil 1111b Pscrbt. Sturz eine» brennenden Germanen aus einet Höhe von 150 Jub ins Wasser, Quadriga- Rennen, 4ipännig, Sprung mit Psrrd anS einer Höhe von 30 Fub ins Waffer, Abendö 7Vä Uhr. I>le Cauiorra. Bon der gesamten Presse als das gröhtc und imvoianteste ScnsationS- Schanstückd, Jahrhunderts anerkannt, Auberdem: Di? 4fad>e Reiter-Kon- knrrcnz. Min Elementine, Miß Dar- ling, Mr, Leon und Mr, Clarke, Die Ritter-Turnicre deS Mittelalters, ge- ritten mit 28 Schulvferdeii, Stack n. Milton. Matadorr ans 3sachcin Reck, Sioch nie dagewesen! 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Einen Schlag gegen die moderne Arbeiterbewegung dachte der nltramoiitane Verein„Arbciterichntz" zu führen, als er einer, besonders für die Zimmerer einberufenen Versammlung, die am Donnerstag im Leo-Hospiz stattfand, das Thema auf die Tages- Ordnung setzte:„Der Terrorisnms der modern organisierten gegen die christlichen Arbeiter". Der Verlauf der Versammlung ivar nichts weniger als ein Erfolg derultramontanenVcreinsleiter. Schon der Besuch der Versammlung zeigte, daß das Bestreben der Geschorenen, den religivscn Fanatismus gegen die Arbeiterbewegung auszuspielen, in Berlin recht wenig Anklang unter den Arbeitern findet. Im ganzen waren etwa 60 dem Verein„Arbeiterschutz" angehörende oder auf dessen Standpunkt stehende Maurer und Zinnncrer erschienen, außerdem waren etwa 15 bis 20 Zimmerer von beiden modernen Organisationen anwesend. Der Referent, ein Herr Weigel, behauptete, uu letzten halben Jahre seien 10 Fälle vorgekomnien, wo christliche Arbeiter wegen ihrer Zugehörigkeit zum Verein.Arbeiterschutz" von socialdcmokratischen Arbeitern terrorisiert und zum Verlassen der Arbeit gedrängt ivorden seien. Einen Teil dieser angeblichen Maßregelungeil zählte der Redner im einzelnen auf, danmter auch den Fall des Zimmerers Karbe, der bekanntlich zu einer Privatklage des letzteren gegen unseren verantwortlichen Redacteur geführt hat. Wie unsere Leser wissen, sind alle wesentlichen Angaben, welche die„Märkische Volks- zeitung" seiner Zeit über die angebliche Tcrrorisierung des Karbe gebracht hat, bereits vor Gericht als unlvahr erwiesen. Trotzdem glaubte der Referent, auch diese Angelegenheit noch für seine Zwecke aus- beuten zu können. Weiter trat derRedner mit dcrBehnuplung ans, Karbe sei, weil er die Klage gegen den„Vorwärts" angestrengt habe, neuerdings wieder aus der Arbeit gedrängt wordcni Zum Schluß gab der Referent seiner Meinung dahin Ausdruck, daß es bedauerlich lci, wenn die Arbeiter sich unter einander bekämpfen, anstatt gemein- sam, ohne Rücksicht auf politische und religiöse MeinungSverschiedcn- heiten, für ihre wirtschaftlichen Interessen einzutreten.— Knüpfe r vom Centralverband der Zimmerer trat in temperamentvoller Rede dem Referenten entgegen. Er führte aus: Bei uns wird kein Terrorismus gepredigt, er existiert auch nicht. Wir tragen die religiösen Gegensätze nicht in die Gewerkschaften, das geschieht nur von christlicher Seite. Die einzelnen Fälle von angeblichem Terroris- mus, die der Referent anführte, lassen sich nicht' auf ihre Wahrheit prüfen, was aber den Fall Karbe anbetrifft, so ist derselbe gar nicht terrorisiert worden. Das ist ja auch bereits vor Gericht festgestellt worden. Nun soll Karbe nach der Gerichtsverhandlung ivicdcr aus der Arbeit gedrängt worden sein. Auch für diese Behauptung kann kein Beweis erbracht werden. Karbe hat bei dem betreffenden Meister vom 23. Oktober bis 18. November. in Arbeit gc- standen, ohne daß ihn die andersdenkenden Kameraden auch nur im geringsten behelligt haben. Karbe, der jahrelang in Fabriken gearbeitet hat, ist für Bauten ein ungeübter Arbeiter, und nur aus diesem Grunde hat ihn der Polier entlassen. Ich bin gewiß ein Gegner des Terrorismus. Wenn aber nial eine Hänselei vor- kommen sollte, die Sie als Terrorismus auffassen, so können Sie sich nicht darüber wundern, denn aus Ihren Reihen kommen ja die meisten Streikbrecher.(Großer Lärm.) Redner macht einen Zimmer- meister namhaft, der gesagt hat. er zahle nicht den Stundenlohn von 60 Pf., denn er bekomme voni Verein„Arbeiterschutz" billigere Arbeiter so viel er nur haben wolle. Sie sprechen von socialdemokratischen Gewerkschaften. Solche giebt es gar nicht. Wir verlangen von keinem unserer Mitglieder ein politisches oder religiöses Glaubens- bckenntnis. Wenn Sie zu uns kommen, so können Sie ruhig Ihren Glauben behalten, aber Sie müssen uns auch unsern Glauben und unsere Ueberzeugung lassen.(Lärm.) Wenn Sie wirklich gewerk- schaftliche Interessen vertreten lvollen, dann gehören Sie dahin, wo die Mehrheit Ihrer Kameraden organisiert ist.(Großer Lärm. DerRedner wird fortgesetzt durch erregte Zwischcrufe seitens der christlichen Arbeiter unterbrochen, so daß der Vorsitzende seine Gesinnungsgenosseu energisch zur Ruhe verweist.) Ihre kleine Organisation kann doch im gciverkschaftlichcn Kampf nichts ausrichte». Mit Ihren Er- Zählungen von angeblichem Terrorismus, die die„Mark. Volksztg." ungeheuer aufgebauscht hat, haben Sie— allerdings ohne Ihre Absicht— diesem Blatte Material geliefert, womit die Zeitung für die ZuchthauSvorlage Stimmung machen Ivollte.(Anhaltender Lärm.) Bedenken Sie docki, was für ein Schlag für die gesamte Arbeiter- beivegung es gewesen wäre, wenn diese Vorlage Gesetz geworden wärei Zinn Glück ist es ja, trotz dem Treiben der„Märk. VolkSztg." nicht dahin gekommen. Streben Sie nach der Einheit und schließen Sie sich unserer Organisation an.— Durch eine Zwischenbemerkung des Vorsitzenden N e tz e l, der früher einmal wegen seines katholischen Glaubens' durch den Verband, besonders durch Kube terrorisiert sein will, wurde Kube veranlaßt, in die Debatte einzugreifen. Er führte aus: Rctzel sei damals von seinen Mitarbeitern gefragt worden, ob er organisiert sei. Netzel habe sich als Mitglied des Vereins „Arbeiterschutz" bezeichnet. Dieser Verein sei damals noch gar nicht bekannt gewesen, niemand habe gewußt, daß derselbe eine gewerkschaftliche Organisation sei, die Kameraden hätten Netzel deshalb für nicht organisiert gehalten, und nicht mit ihn»> zusammenarbeiten wollen. Kiibe habe aber diel Arbeitsniederlegung als unberechtigt ver- hindert. Dagegen könne Redner cinei» Fall anführen, der beiveist, daß das, ivaS man modern organisierten Arbeiten» als Terrorisinus vorivirft, auch bei christlichen Arbeitern vorkomint. Netzel, der heutige Vorsitzende des Vereins„Arbciterschutz". habe früher einmal gelegentlich einer Auseinandersetzung über die Person eines Kanieradei» geäußert, er»verde ihn(Kube) mit der Axt Vörden Kopf schlagen. Netzel lvürde ihn thätlich angegriffen habe», lvein» nicht andere Kameraden dazwischen gesprungen ivärcir.— Der Redner»vandte sich dann in ruhigen, sachliche»» Ausführungen gegen die Sonderorganisation der christlichen Arbeiter und betonte, daß die Leiter dieser Organisation die Geiverkschastsbelvegung>»ur als Mittel zu religiösen Zwecken gebrauchen»vollen. Wenn man aber aus solche Weise cinen Keil i» die gcmerkschastliche Beivegung treibe, dann könne dieselbe nie eine Macht gegen das llnternehmertuin»verde»». In» weiteren Verlauf der Debatte sprachen noch verschiedene Mmlrer und Zimmerer. Jedoch mächte keiner derselben den Versuch, die Frage Kudcs,»varum »»»an eine christliche Sonderorganisation für uotivendig halte, zu beaiitivorteu, es»vnrden vielmehr nur die bekannten Redensarten von Terrorismus und socialdcinokratischem Umsturz in den ver- schiedensten Variationen vorgebracht. M y I e r, der in längerer Rede als lokalorganisiertcr Zimmerer die Ausfühningen seiner Kameraden voin Verband unterstützte, solpie Knüpfer und Kube, die noch- »»»als ihren Standpunkt gegenüber den christlichen Gelverkschaftcn ver- traten,»vnrden von den Anhängern der letzteren oft durck» heftigen Lärm- und Schimpfworte unterbrochen. Der Referent, der es in seiner ersten Rede so hingestellt hatte, als ob der Verein„Arbeiter- schütz" nur entstanden sei, um für die Gläubigen, denen die Social- dewokraten das Leben sauer machen, eine eigene Organisation zu schaffen, deren Hauptzlveck die gewerkschaftliche Bclvcginig sei, sprach in seinem Schknßlvort unuirrivunden aus. daß die christliche» Geiverk- schaften gegründet werden, um dem Volke den christlichen Geist zu erhalten, und den christlichen Glauben, christliche Sitte und christliche Kultur vor dem Umsturz zu retten. Damit ist also bestätigt, daß dem Verein„Arbeiterschutz" das Gewerkschaftliche nur der �Deckmantel ist, unter dein kirchliche Zlvccke verfolgt werden. Diese erste öffentliche Auseinandersetzung zwischen dein genannten Vereiir und den klaffenbelvußten Arbeitern hat gezeigt, daß i»nr eine Hand voll Leute, die aus den schivärzesten Gcgeirdei» Deutschlands nach Berlin gekoinmen sind, hier»vciter unter ultramontaner Obhut»vandcln. Auch diese kleine Schaar »vird, des sind»vir gelviß, über kurz oder lang durch die Macht der Thatsachen belehrt werden, Ivo ihre»vahrei» Freunde zu finden sind. Bis die katholischen Arbeiter zu dieser Einsicht gckonimen sind, werden ihre klassenbewußten Kameraden mit ihnen Nachsicht üben. Die Bauanschlägcr hielten am Freitag eine öffentliche Ver- sammlung bei Spicgelberg, Sebastianstraße, ab. in der die Lohn- konimission über ihre bisherige Thätigkcit Bericht erstattete. Der neu aufgestellte Lohntarif, der iin Januar nächsten Jahres in Kraft treten soll, ist ca. 300 Meistern zugesandt»vorbei» und von einigen auch bereits eine zustimmende Antwort eingegangen. Man hofft, daß bis zum 20. Dezeinber, de»» fcstgesetzien Termin,»och eine größere Anzahl Untcrnchnier den Lohntarif unterschriftlich anerkennen »verde». Ain Donnerstag, den 28. Dezember,»vird eine öffentliche Versammlung stattfinden,'»vozu ailch säintliche Meister eingeladen »verde»» sollen, um eine gegenseitige Aussprache zu ermöglichen. Die nächste Versammlung der Bauanschläger findet ain Dienstag, den 12. Dezember, in Rixdorf, Hermannstraße 48, bei Thoinas statt. Als Revisoren für den Streikfonds wurden von der Versammlung Baulecker, A. Schröder und Robert geivählt. Sainariter-KnrsuS für Arbeiter und Arbeiterinnen. Morgen. Montag, abends 9 Uhr: UebungSstunde in der Filiale Brunnensir. 1ö0. Bortrag des Herrn Dr. med. Weyl über: Verbrennungen, Ersrierungen, Hitzschlag, Blitzschlag, Beschädigungen durch Elcltricität. Nachher praktische Uebungen. Bildnngsvcrein„Mehr Licht". Heute, Sonntag, den 10. Dezember, bei Hoffmann, Alexanderstr. 27c, Bersanunlung. Vortrag des Rechtsanwalts Viktor Fränkl:„Das Recht der Frau im neuen Jahrhmidert" Allgemeine Fainilien-Tterbc-Kasse. Heute Zahltag: Ackerstr. 123 bei Dieke von 3— S Uhr. Frei« Bereinigung der Badenser. Sonntag, den 10. Dezember, abends ö Uhr, bei Lange, Dragonerstr. 15, Versammlung. Konsumverein Berlin- Nord(Eingetragene Genoffenschaft mit be> schräukter Hastp»licht). Montag, den 11. Dezember, abends Uhr, iin Swinemündcr GesellschaftshauS, Swlnemltnderstr. 42: Anfferordcntliche Generalversammlung. Tagesordnung: 1. Bericht des Vorstandes und Aussichtsrats. 2. Antrag: Erwerbung der Mitgliedschaft bei der Grob- einkaufs-Gesellschaft in Hamburg. 3. Mittellungen. Bcrein der Arbeiter und Arbeiterinnen der Wäsche- und Kravattendranche. Dienstag, den 12. d.M., Vortrag deö Genossen Paul Jahn über: Die Idee der Menschlverdung. gehfüber iu6ieren ist ein altes, wahres"Wort, welches sich ganz besonders in der Hauswirtschaft anwenden lasst. So schreibt Frau von Brandenburg: Täglich fast erscheinen Neuerungen auf dem Gebiete der Küche, welche Erleichterungen und Verbesserungen bedeuten; aber immer nur ist es eine im allgemeinen kleine Anzahl von Frauen, die sofort diese Neuerung in ihrer Küche und Haushaltung einführt, bei vielen dauert es eine geraume Zeit, ehe sie einen Versuch machen. Eine immer hervorragendere Bedeutiug gewinnen die Maggi-Produkte: �Grösse der Fläschchen: No, 1 u. No, 2: Original M.—|6S u. 1,10, wenn nachgefüllt M.—,45 u.— ,70. irzeSchltis yon MAGGI s Gemüse- u. Kraft-SÜP P EN 4«i®K*l!rfel ferzeichnis Erbsensuppe: feiner Erbsongesohmack. i. llohnensnppc: äusserst nahrhaft Erbsengesohmack, sehr kräftig und Erbsen in und wohlschmeckend. Erbsen- ni. Itelasnppe: sehr nahrhaft. Erbsen- in. tsagosnppe schmackhaft, feines Aroma. Erbswnrstsnppe: die vorzüglichste ihrer Art: giebt eine äusserst schmacKhafte, sehr nährende und sättigende Erbssuppe. 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Unter den Weibern viele mit bloßen Füßen, andere mit schwere» Schafistiefelii, alle in weiten, unförmigen Röcken und Jacken; nicht eine, trotz des kalten Hcrbstivetters, in warmem Wollzeug, alle in grellbuntem Barchent, mit billigen, bedruckten Kattuntiichern behängen. Unter wildem Gc- schrei und Gekreisch stürmten sie die elektrische Straßenbahn, voll Eifer, noch rechtzeitig zur Kirche zu kommen. Das mußte ihre Ab- ficht sein; keiner war ohne ein Gebetbuch. Das war das erste, was ich in Bcnthcn bemerkte, als ich vom Bahnhofe kam. Und den ganzen Sonntag Höne das Glocken- läuten nicht auf. Bald klangen die Heven Glocken über der Stadt, bald die dunklen, bald alle zusammen wirr durcheinander, wohl von sechs oder acht Glockentürmen. Und überall zogen die geputzten Menschenscharen dahin— das mußte ja hier eine durch und durch vom Glanben geläuterte und gereinigte Weltcckc sein. Das Centrnm, diese stärkste Partei gegen den' zerrüttenden Umsturz, das bisher hier seine ganze Kraft walten lassen konnte, mußte ja in Oberschlesicn wahre Wunderwerke an Sittlichkeit, �wohlgefälligem, geordnetem Lebe» und erfreuender Gleichgültigkeit gegen alle bvsen Verlockungen erzielt haben. Die unzählbaren Scharen der zu den Kirchen Eilenden bewiesen das ja deutlich und unwiderlegbar. Aber trotzdem sah ich'keine verklärten Gesichter. In allen Menschenköpfen, die man hier fortwährend sieht, mag man auf der Chaussee oder in einer größere» Stadt sein— in allen nur dieser scharfe Zug vom Backenknochen nach dein Kinn, dieser Zeuge der übermächtigen Ueberanstrengung, der Erschlaffung, der Gleich- gültigkcit, und daneben die Risse des Klinimers und Grams. der schlechten Ernährung. Das alles nicht vereinzelt, hier oder da— nein, überall, überall, in Massen. Dascinsfreudige Augen in Arbcitcrgcsichtern sind eine ans- fallende Seltenheit. Eine gewisse unruhige Mattheit trifft man am häufigsten. Diese Mattheit wird nur abgelöst von jener künstlichen Ans- gcwcckthcit, die der Schnaps erzeugt. Als ich abends inimer noch zwischen den Scharen der Kirchgänger herum- ging, konnte ich von keiner Straßenecke zur andern gehen, ohne in vom Spiritus glühenden, lustige oder'stiere Gesichter zu sehen. Immer und immer wieder wurde ich von Daher schwankenden angerempelt. Viele von ihnen hatten noch ihr Gebet buch in Händen. Am bösesten war cS in den Straßen, wo„berühmte" Schänken liegen. Und es gicbt nicht viel Straßen in den oberschlesisdie» Orten, wo nicht eine oder gar mehrere solche Schänken, solche„De- stillatyi" zu finden wären. Eine der berühmtesten ist die von Mikeska in der Krakaucrstraße zu Benthe». Als ich zum erstenmal an dem niedrige»,, mir aus einem Parterrcgeschoß bestehenden Giebelhaus vorbeikam, erstaunte ich über die unendliche Kette von Menschen,. die durch die schmale, niedrige Thür drängte. Sollte das ein Durchgang zu einer Kirche, zu einem Gebetsaal sein? Nicht wenige hatten ihre Erbauungsbücher unter deni Ann. Doch sah ich im flackernden Latenrcnlicht über dem Eingang zu dem schmntzig-grauen Gebäude den Namen Mikeska. Im Flur lehnten mehrere Halbtrnnkcne. In einigen zusammen- gedrängten Gruppen kreisten die Schnapsflaschen. Ans' einem offenen Raum drang wirres, lärmendes Getöse, ivie von einer wüst durch- einander sprechenden Menge. Ein Schritt weiter— ich sah die Menge vor mir. In dem niedrigen, nicht allzu großen Schankranm standen sie dicht zusammengepfercht. In dem Zimmer, in deni vielleicht fünfzig Menschen hätten sitzen können, hatten sich mehrere Hundert an ein- ander geschoben. Nicht allein Männer— auch viele Weiber. Am Schanktisch, hinter dem eine ganze Reihe großer SchnapSfässcr auf- gestapelt waren, drängten sie am ärgsten.' Die Schänkcr schwitzten. Mit anfgekrempten Acrmeln füllten sie große Flaschen anS den Fässern und gössen sie in die Gläser, die kleinen Bicrbcchcrn ähn« lich sahen. In der Nähe der mit Kohlenstaub, Maschinenschmiere, Nuß und Asche beschmutzten Wand lag ein sinnlos Vollgctnmkener. Mehrere junge Weiber lachten über ihn— er machte ihnen viel Freude. Und über all diesem Widerlichen, Ekelhaften eine der herrlichsten Errungenschaften moderner Geistesarbeit— elektrisches Licht; das alles von Glühlampen beschienen. Man wollte beim Anblick dieses Fortschritts noch zweifeln, baß ein Graf an der Tochter Mikeskas Gefallen gefunden? Ob ihn die halbe Million Mitgift wohl bedrückt?— Und immer wieder ficht man Scharen Frommer, die zur Kirche eilen. Es vergeht kein Tag. an dem man nicht einem nach Hunderten und Tausenden zählenden Zug Wallfahrender begegnet. Mit Blas- orchester, flaitenidcn Bannern, die Männer entblößten Haupte? vor- auf, die Weiber in grellem Staat hinterdrein, so zicbc» sie, ihre tranrig-flebenden Strophen abwechselnd singend, zur Reinigung der Seele nach dem Wallfahrtsort Deutsch- Piekar. Da liegen mehrere große Kirchen in einem Kranz von etwa zwanzig Kapellen, alle außen und innen üppig, ja luxuriös ausgestattet mit prachtvollen GlaSfcnsiern, Gemälden, Statuen, Leichtern, Ampeln, Stickereien. Manche sind so überladen mit glänzenden und bunten Gegenständen, daß eins das andere verdeckt.' Und überall sieht man Priester in bunten Tataren mit ihren glattrasierten Gesichtern, diese Reiniger der Seele. Einmal überraschte ich einen von ihnen, wie er bei einem Kaufmann die Opfergabcn losschlug— daS Pfund der aus den Säcken auf die Wage geschütteten, entsetzlich riechenden grünspanigcn Pfennige gegen fünf- zehn Mark.— Wenn das obcrschlesische Volk schon so sehr der Reinigung der Seele bedarf, wie viel mehr erst der Reinigung des Körpers! lind werden sich da nicht auch viele Fürsorger finde»? In einem Lokal saß ich niit mehrer» Herren im Chlindcrhut, Frack und weißer Weste an einem Tisch. Sie hatten eben mit einem großen Verein das gewaltige Borsiglverk bei Biskupitz besichtigt und waren nun des Lobes voll über die kürzlich eröffnete Bade- Einrichtung. Bon den tausend vorhandenen Verschlnßtästen zum Aufbewahren der Kleidung und der Badewäsche feien schon siebenhundert im Gebrauch. Tausend Verschlußkasten— und mehr- fach soviel Arbeiter! lind auf der in Benthe» liegenden Hciuitz-Grube, die mehr als 1800 Menschen beschäftigt, steht die Badc-Anstalt noch im Rohbau. Als ich sie bcsichligte. war kein Arbeiter an dem kaum wenige Meter hoch gediehenen Gebäude thätig. Die Bauarbeiter hätten an einem neuen Schachtgebände zu thnn, meinte mein Führer. In schlechten Zeiten ist eben kein Geld zu Vcrbessernngcn flüssig. und in guten Zeiten werden die Arbeitskräfte zur Höchtreibung der Förderkraft gebraucht. Da ist es denn natürlich, daß man die Arbeiter im dicksten Schmutz von der Arbeitsstätte kommen sieht und daß»ran wenig gegen die Verordnung sagen kann, die den Bergleuten das Gehen auf dem Biirgersteig verbietet. Müßte ja sonst jeder sauber Ge- kleidete einen großen Bogen um die schwarzen Gestalten machen, die jetzt mit dem Fuhrwerk und dem Bich ans dem Damm gehen müssen, wenn sie von ihrem schweren Tagewerk heimkehren. Die obcrschlesische Straßenbahn, die fast sämtliche Orte des Hüttcnbczirks verbindet, hat auch zwei Abteilungen: 2. und Z.Klasse. die dritte Klasse für die Arbeiter, die Schnapstrinker. Man mag hier gehen oder sein, Ivo man will: überall haucht einem der Schnaps entgegen, innner wieder wird man an ihn erinnert. Einst saß ich mit Frauen in einem Wagen dritter Klasse. Sie sprachen von der Tencrnug der Lebensmittel und vom Schnaps- lasier.„Ach." sagte eine jüngere Frau:„vom Schnaps kommt doch so viel Unglück. So viel— zu viel!" „Jh," meinte eine ältere mit selbstbewußtem, sichcrem Gesichte, halb ironisch, halb schmerzlich humoristisch:„wenn einer richtig lebt, braucht er mehr als'ne Mark täglich. Kauft er sich einen' Liter Schnaps für sechzig Pscnnige. kann er nichts mehr essen und spart noch. Denken Sic, er spart noch!" Die anderen Frauen lachten über die Komik der Akten. Auch die jüngere lächelte. Doch mußte sie fast entschuldigend sagen:„Ach— cS kommt doch zu viel Unglück vom Schnaps. So viel Familien gehen zn Grunde, und die alle, die von ihren Familien fortlaufen. Ach, cS ist zn viel..." Alle, die von ihren Familien fortlaufe», stoßen zu der großen Armee der Unbeständigen, die sich hier aus den massenhaft Zu- gereisten. Ungelernten bildet. Sic haben»irgcnS längere Zeit zu thnn. haben keinen festen Wohnort, denn die Arbeitsgelegenheit wechselt zu schnell und wäre, bei der Ausdehnung des Bezirks, gar nicht von einem festen Wohnsitz zu erreichen— und ihr Haiipt- nahrungsinittcl ist der Schnaps. Einmal sah ich, ivie eine alle, betrunkene Fran von einem jüngeren Manne angesprochen wurde. Sie schrak zusammen und raufte sich dann ihr Haar. Ihr lange verschollener Sohn, der jetzt Aufseher war, hatte die Gesuchte endlich wiedergefunden. Sic waren durch die'Arbeitsverhältnisse auseinander gerissen Ivorden, hatten sich nicht schreiben können, da die Alte der Schrift unkundig war— und fanden sich nur durch einen Zufall wieder. Die Beschreibung solcher Scencn, wo sich Verwandte finden, die gegen ihren Willen auseinander gekommen sind oder die auseinander- gelaufen waren, ist eine ständige Rubrik in de» vbcrschlcsischcn Zeitungen. Gerade so Ivie die nie abreißenden Messerstechereien. Körperverletzungen und häufigen, unnatürlichen SittlichkeitS-Vcr- brechen.") *) Schlesien hatte im Jahre t8S7 14 664 Verurteilungen wegen Hausfriedensbruch, einfacher und schwerer Körperverletzung aufzuweisen. Das um eine halbe Million in der Bevölkerung stärkere Rheinland dagegen mir 11 02ö Verurteilungen wegen der gleichen Ver- gehen. Besonders stark tritt der Unterschied beim Hausfriedens- brnch hervor. Gegen 1495 Verurteilungen im Rheinland zeigt Schlesien 2490 Verurteilungen. Nur bei den Verurteilungen wegen Unzucht und Notzucht sind die Verurteilungen ziemlich der Ver- hältniszahl entsprechend: 339 in Schlesien, 414 in Rhein- land; also immer»och ein geringer Vorteil zu Gunsten des westlichen Rheinlands. Die Erscheinung, daß Bezirke Diese Dinge miissen ja bei dem wilden Durcheinander der Ver» hältnissc eintreten. Noch dazu, wenn die wenigen führenden Elemente, die Beamten, Kaufleiltc nno Händler solche Beispiele geben, wie der junge Sekretär, den ich einst in der Eisenbahn kennern lernte. Er zündete sich lächelnd seine Cigarre an und machte sich lustig über die Verwaltung von Beuthen, die alle dortigen Mädchenkncipen auf» gehoben hatte.„WaS wir uns schon daraus machen", sagte er leichthin;„da fahren wir— alles, was n bißchen was ist, die Beamten, junge Offiziere und was alles was in der Tasche hat,— rüber nach Rußland. Ach! Ich kann Ihnen sagen, da gicbt � was Feines I Die Juden kommen unsereinem schon am Bahnhof entgegen, ob man ganz was Frisches haben will? Vierzehn— dreizehn— zwölf Jahr und noch jünger.... I» Krakau giebUS überdies auch was zum amüsieren. Da müssen Sie mal hin. Ja, da müssen Sie mal hin!" Er wollte mich mal dort herumführen. Da ich aber dankend ablehnte, zog er sich bcrlctzt von mir zurück. Solche Scencn, wie die folgende, sah ich stets, wenn ich durch die Straßen ging: Bor dem Hause Mikeskas standen drei Hütten- nr best er. Ein Mädchen ging vorbei. Die Arbeiter riefen es an. Lachend ging eS mit ihnen in die Schänke. Bald kamen sie heraus und die drei Arbeiter folgten dem Mädchen in ein weiter hiimnter liegendes HanS... DaS alles geschieht zu den Glockeukläugen, die fast fortwährend über die Ebene schallen. Und sie klingen einem in die Ohren, wenn man das geivaltige Häudcwcrk im obcrschlcsischcn Jnduslriebezirk betrachtet. Sie be- gleiten den Reisenden auf allen Wegen, wo er die Frage zu ergründen sucht: Welche mächtigen Menschen haben diese nu- übersehbaren Fabriken, Fördcrwerke, Hallen und Hochofen aufgeführt, welcher Geist, welche 5lraft gehörte zum Durchwühlen dieser weiten Flächen und Hügel; ivclche Ricsciihände haben anS jenem Thal einen Berg gemacht und aus jenem Berg eine flache Heide? Und da begegnen sie ihm denn, die Schaffer dieser großartigen Werke, die Arbeiter. Sie sehen auch hier nicht Riesen gleich; nein, eher schwächlicher, verfallener sehen sie ans, als in anderen Jiidustriegegcnden. Man mag gehen, wo man will— in den besseren Kausstraßcn der größeren Städte, ans den stets mit Wagen bedeckten Chausseen, ans den wilden, über aschenglciche Felder führenden Wegen, in der elektrischen Straßenbahn, in einem Lokal— überall sieht man Menschen, die verstümmelt sind. Bald fehlt dem ciiien ein Finger, bald einem andern die ganze Hand; ein dritter geht so merkwürdig, so nnbeholfen, daß man sieht, er hat cincn Veiuschadeii. Würde man die ganze Arbeiter- schaft Oberschlcsiens untersuchen, nur wenige wären unter den Tansenden und Abertausenden, die gänzlich nnverschrt sind. Ich ivar bald an den Anblick dieser von ihrer Thätigkeit Ge- zeichneten gewöhnt. Aber einmal erschrak ich doch. Zwischen Morgenrot und Lipinc ging ein junger Mensch vor mir her. Er schlenkerte mit den Beinen und Armen wie ein vom Veitstanz Be- fgllencr. Die Ellenbogen hielt er an den Körper, die Unterarme standen so, als seien sie falsch im Gelenk gedreht, als seien sie aus- gerissen und ans der verkehrten Seite eingeflickt worden. Die Kinder verdrehen manchnial so ihre Gclcnkpnppcn. Ich trat dem Unglücklichen näher. Er erzählte mir, mühsam feine Worte hcransbringeiid, daß er, als er vom Militär losgekommen sei, in die Schwefelhütte der Silesinwcrke gegangen sei. Nach etwa zwölf Schichten sei er krank geworden— nnv der Doktor habe ge- sagt, das komme von der Hütte. Wir kamen an Polizeibcamten vorbei, die ihn grüßten. Er simulierte also nicht. Sonst hätte er wohl unter ihren Augen seine entsetzlichen Bewegungen aufgegeben. Er führte mich dann zn seiner Mutter, niitcrlvegS klagend, daß er ihr, die noch fünf schulpflichtige Kinder zu ernähren habe, nur die In- validcnrentc geben tönne. Und in allen diesen Menschengesichtern, die man hier fort- während sieht, deiicii man hier nicht entfliehen kann, kein Stolz iibcr das Geleistete, keine Begeistening für das Schaffen, für das Arbeiten. Wo sollte dnö auch herkommen bei diesen Zuständen? Immer und immer wieder sieht man den scharfen Zug vom Backentnochen zum Kinn. die Schrift, die allzu schwere Arbeit in daS Ebenmaß des Gesichts reißt. Und fast ganz vergebens sucht man nach aufgeweckten Augen, aus denen nicht die künstliche Erregtheit des Alkohols leuchtet. Aber die Glocken läuten unablässig. Eins der letzten Bilder, das sich mir einprägte, Ivaren mehrere Betrnnkcnc, die Arm in Arm mit ibren Weibern an einem Zug Wallfahrer voriibcrtorkcltcn. Ihrem Aufputz nach schienen sie selbst auch Wallfahrer z» sein. Und von allen Seiten dazu Glockentöne!... mit rein landlvirtschafllichem Betrieb eine größere Ver» urtcilimgsziffcr haben als Jndiistricgcgeiiden, trifft hier nicht ganz zn. Schlesien hat kaum eine schlvächcre Industrie als Rheinland. Seine große Veriirteilungsziffer kann- nur durch die entsetzliche Wirtschaftslage der oberschlcsischen Arbeiter und durch das sprung- hafte, direkte Hcransivachscn aus landwirtschaftlichem Fendalismus zum JndustricfciidaliSmus, wie er krasser nirgends zn finden ist, erklärt werden. Prakt. Weihnaehlsgesehenke• Damen-Kleiderstoffen! Jeden Montag' Grosser Räumungs- Verkauf einzelner Roben und kleinerer Reste für � Kostiiin- Röcke, Rlnseu, RJiKlerklelfler etc. sehr preiswert. Nene wollene Jacquard-Wewebc, effektvollo Phantasie-Muster................ d. Mir. v. 0,85 Mk. Sehr efTektvoIIo Iinlbscidcne Jacquards, aparte Neuheiten............,.., d. Mtr. v. 1,20 Mk. Hochelcsante Selden-Cröpons für feine Toiletten..................,.. d. Mtr. v. 2,50 Mk. Sehr aparte Nenhcttcn mit Saniinet- und Cheiiillc-Uffohtcn.............. d. Mtr. v. 2,50 Mk. Phnnfasle-Carcans, Schottische Careans, für Blusen, Kxudorkleider etc........... d. 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