Anterhaltungsvlatt oes"Vorwärts Nr. 119. Sonnabend� den 22 Juni. 1907 lNachdnlck verbolen.) frcdcnh Zapbjcrge pflugdTcn» 2] Von Jeppe A a k j ä r. Autorisierte Uebersetzung von Theobald Völcker. Aber ihm fehlte ja jede Art von Zugkraft. Wohl hatten Leute ihm den Rat gegeben, von seiner hängebäuchigen Kuh Gebrauch zu machen; aber sie mutzte sich wahrhaftig genug Plagen, ihren eigenen schlotterigen Leib auf den verwachsenen Spalthufen über die holperige Heide zu schleppen. Wie konnte sie auch noch Pflug oder Egge ziehen! T« war kein anderer Ausweg, als, ebenso wie seine Standesgenossen, sich auf den Bettelgang zu den Bauern der Umgegend zu begeben und sie zu bitten, ihm einen Gefallen zu tun, wenn es ihnen am besten patzte. Und so wilrde der Tag. da flsrederik Tapbjerg Pflitgleute hatte, an dem grotzen Tag der Heidehütte. Wohl sah Frederik dem Tage immer mit gemischten Ge- fühlen entgegen, denn kein anderer Tag im Jahre lietz die Rechnung beim Kaufmann so anschwellen wie dieser. Die Kinder dagegen freuten sich von ganzem Herzen darauf, denn der Anblick der vielen glänzenden, wohlgenährten Bauerngäule mit den flatternden Dtähnen und dem klirren- den Geschirr hier auf Vaters armseligem Stück Erde— das war doch ein königliches Vergniigen mitten in ihrer alltäg- lichen, engumgrenzten Heidecinsanrkeit! Und selbst nur einen einzigen Tag so seltene Gerätschaften wie Wagen, Pflug und Egge zu betrachten und zu betasten, ja vielleicht gar eine richtige Peitsche anvertraut zu erhalten — denn man wußte ja gar nicht, welch abenteuerliche Ueber- raschungen ein solcher Tag bringen konnte—■, das war doch etwas anderes, als immer in demselben Aschenhaufen mit demselben Topfscherben herumzustöbern, oder immer mit der- selben rosügen Eisenpfanne Staatskutsche über die Sand- berge zu fahren! Und dann konnte bei solcher Gelegenheit vielleicht auch ein leckerer Bissen abfallen, in angenehmem Gegensah zu der ewigen Grühe und den schier unvenvüstlichen Kartoffeln. Sturz gesagt, der Pslugtag war einer von den wenigen Tagen im Jahre, der Möglichkeiten aller Art bot. Aber die Person, von der der Erfolg des Tages abhing, war eigentlich Line. Mit Recht fühlte sie eine große Verantwortlichkeit, denn, wie sie zu sagen pflegte: Es ist keine leichte Sache für ein einfältiges, armes Mensch, so'n leckeres Volk zu füttern. Auch hier waren die Vorbereitungen das schlimmste ge- Wesen. Es war auch wirklich keine leichte Sache, all das, was man brauchte, herbeizuschaffen. Sie selbst hatte umhertraben müssen, um hier einen Kochtopf und dort ein paar Messer oder einen Präsentierteller zu leihen, und Frederik mutzte einen Tagelohn opfern, um nach der Stadt gehen zu können. Er kehrte zurück ganz überlastet mit einem grotzen Sack voll von Spezereicn, Fleisch, Fisch und— nicht zu vergefsen— mit einer kolossalen Brannt- weinkruke, die jedesmal, wenn er einen Fuß vor den anderen setzte, gluck, gluck sagte und ein gut Teil beitrug zu der tiefen Schramme, die der Eichenstock auf Frederiks knochiger Achsel machte. Am Tage des Ereignisses sah man in der Windrichtung dem Dorfe zu eine große Staubwolke treiben. Das war der Wagenzug: die Bauern hatten mit dem Ausrücken begonnen. Eine viertel Stunde später schwenkten vier Gespanne langnrähniger Pferde, kraftstrotzend und glänzend von guter Pflege, über Frederik Tapbjergs armseliges bißchen Ackerland, so rasend schnell, daß die Koppeln klirrten und die Holzeggen sich kreischend an den Pflugeisen rieben. Nun hatte man es eilig in der Hütw. Draußen vor der Tür wimmelten die Flachsköpfe der Kinder. Frcderik kam heraus mit der Branntweinflasche, und Line, eine fnschgctvaschcne und gestärkte Schürze vor, folgte ihm auf dem Fuße mit einem Teller voll kleiner Kuchen. Beide gingen sie von Wagen zu Wagen und sagten will- kommen, während sie nacheinander jedem der Ankömmlinge Schnaps und Kuchen hinaufreichten Es waren noch licht die Bauern— sie kamen später, wenn die Arbeit getan war—, sondern ihre Söhne, oder m Ermangelung solcher ihre Grotzknechte. Sobald der Schnaps vertilgt war, wurde das Arbeits- gebiet verteilt, während man die Gerätschaften von den Fuhr- werken hob. Einen Augenblick später schnitten vier blanke Pflüge durch Frederik Tapbjergs sandiges Heideland, hinterher taumelte ein Rudel schnatternder kleiner Ltinder, und alle Augenblicke stürzte eines in die von Erdfeuchte duftende Furche, um bald einen blanken Scherben, bald die vergänglichen Reste eines Holzschuhs aufzusammeln. Die Zügel um den Hals gehängt, die Pfeife im Mund» Winkel, schlenkerten die Bauernsöhne oder Grotzknechte hinter ihren Pflügen einher und riefen einander, wenn die Gespanne sich begegneten, Scherzworte über den Acker zu. Das Ganze war für sie ein behagliches Spiel, das in weniger als vier Stunden aufs glücklichste vollführt war. Dann wurden die Pferde wieder an die Wagen gebracht und erhielten ihr Futter. Die Leute aber waren zum Kaffee ein- geladen. Als die Dinge sich so weit entwickelt hatten, fanden sich nach und nach auch die Bauern ein, um dafür zu fressen, daß sie sich dem Häusler Frederik Tapbjerg als Wohltäter er- wiesen hatten. Zuerst kam Movns Vistisen. Er mutzte sich seitwärts durch die schmale Tür zwängen, um seinen ganzen Wanst mit hineinzubringen. Bevor er eintrat, sah er jedoch nach seinen Gäulen, um sich zu vergewissern, daß sie nicht überanstrengt worden waren. Er kraute sich hinter den Ohren und verteilte seinen Priem unter sie. Die Pflugleute saßen unterdessen beim Kaffee und! schwatzten. Sie schwiegen aber sofort, als ilwe Dienstherren nahten. Gleich darauf glitten sie mit einem„Dank für .Kaffee" aus der Stube. Dann schwangen sie sich auf die Fuhrwerke, knallten mit den Peitschen und rasselten Staub aufwirbelnd davon, unter dem Kreischen der Eggen, mit Hufe- gestampf und Koppelgeklirr. Der Nächste, der die Türschwelle überschritt, war ThameZ Moesbjerg, ein kleiner, dünnbärtiger Gnom mit Beinen wie ein Kalb, rapssarbigen Händen und einem Gesicht wie eine fleckige Runkelrübe. Die Farbe seines Haares hatte ihm den Namen Not-Thames eingebracht. In seinem Kielwasser segelte Esper Gtoul, ein Mann mit einer steifen und langen Nemontefratze, bedeckt von einem kurzgeschnittenen Vollbart, den er bei dem geringsten Affekt mit seiner rechten Hand liebkosend zu streichen pflegte. Er mutzte das Haupt stark neigen, um unter Frederiks Balken- decke hineinzukommen, und gelvann dadurch das Aussehen eines Stieres, der sich anscksickt zu stoßen. Seine Sprache und seine Manieren hatten noch etwas Halbvornehmes an sich. was daran erinnerte, daß er seinerzeit einen Herrenhof ver- gcudete. Und obwohl jetzt sein Eigentum ein gut Teil ge< ringer, dafür aber bedeutend mehr verschuldet war als das der anderen Bauern, war ihm viel daran gelegen, noch immer zu den Herrenleuten gerechnet zu werden. Jetzt fehlte nur noch der vierte Mann. „I, wo bleibt nu Movst Kräsen ab," sagte Line, die während der ganzen Zeit zwischen der Küche und dem Tisch hin- und hcrgetrabt lvar, um die Speisen aufzutragen. „Ich glaub', er ist fortgegangen, einen Knecht zu mieten, aber er wird gewiß gleich kommen," sagte Thames. „Ach, Frederik, lauf doch mal und sieh nach, ob er nich kommt," sagt Line in Angst, daß das Essen auf die Neig» gehen könnte, ehe Kräsen eintraf. Frederik faßte die Türklinke, aber als er den Kopf neigte« um hinauszugehen, trat der Erwartete zur Haustür herein. „Gu'n Tag. gu'n Tag," begann er in aufgeräumter Stinimung.„Wahrhasiig, nu hätt' es mir bald gehn können wie dem Mads Fäg mit'm Pastor. Der hatte nämlich in der Kneipe gesessen, als der Pastor auf der Kanzel stand. Aber grab als der Postor aus der Kirche rausgchn will, kommt Mads und will gincin. Mads jammert, daß er zu spät ge- kommen.„Ja, ja, Mads," sagt der Pastor,„gebe Gott, daß l wir uns jenseits im Reich der Ewigkeit auch treffen!"—„Ja, Las i§ traTjr/' saqt Mads darauf,„aber ebenso, dafe der Pastor rausgehn nniß� wenn ich hinein Geh." Erst als Movst diese Geschichte unrständlich erzählt hatte, pina er niit breitem Lächeln herum, und reichte den übrigen die Hand. Btovst war in ausgeprägtem 15roJ)e ein Mann von der alten Schule: das sah man wohl am deutliWen an dem «usterordeirtlich plumpen Schnilt seines Flausrockes, und ob- wohl er 40 000 Kronen auf der Sparkasse hatte, waren ilM Stiefel so unbekannt wie ein Uebcrrock. Wenn er einmal be- sonders fein auftreten muhte, wie an hohen fveiertagen, oder an seinem eigenen Abendmaklstag, so vertauschte er seine gewöhnlichen mistigen Holzschnhe mit einein Paar leichteren, Wvarz lackierten Lederholzschuhen, die vorn spitz zuliefen wie der Steven eines Schiffes. Tiefe �nhbelleidnng hatte er auch heute augelegt, was Lines Fleischtöpfen nur zur Ehre gereichen konnte. Tie Hände hatte Movst fast immer unter der geräumigen Hoscnklappe angebracht, deren ztvei Hüftenknöpfe weit offen standen, so doch dreikantige Stücke des graugefütterten Flanses lose saßen und unter deir Händen wie ein paar Elesantenobren baumelten. �Fortsetzung folgt.? Srolk berliner Kunstausstellung 1907. Von Ernst Schur. Saal 30, 31 und 35 gehört Däne m a r k. Diese Sammlung sieht man mit vergnügen an. Es sind viel tüchtige Arbeiten von gmeii Qualitäten darin. Gleich das erste Bi'dchen.Mondschein" (1353) von Paul sen zeigt diese Vorzüge. Das„Porträt"(1357) von« t 0 t l« M ö l l e r ist krasser, hat aber viel Frische. L a r s e n S „Auf der Heide" hat einfache, cffektlose Snmniung. Wendel stellt eine»„Allen Hof in Helsiiigör", der schöne, alre, gelbliche Töne zeigt und eine„Figiirengrnppe" aus(1863/64), die all und schwer Unrtl. Die„Arbeiterinnen auf der Heide"(136S) von V i g e haben eine vorzügliche, matte Luststinmiung, an? der sich die Silhouetten der Gestalten in einfacher Größe erheben. Fein, weiß und licht wirkt„Am Fenster"(1371) von H 0 1 s 0 e. Durch strenge Exaktheit zeichnen sich die Arbeiten von Ro hde(1373, 1375) aus. DaS .Hafciibilö" hat in feiner Primitivität Charakter. Die „ftleiue dänische Stadt" hat etwas RinreS, BlinlerndeS in der Lust. DaS„Spinett"(1376) von Holfoe zeigt eine schöne, farbig gestinnme Wand, der Nmnu bat feines Jnnen- licht. P a u l s e n kontrastiert in seinem„Sommerhaus"(l37g) wirkungsvoll däminerige Nacht mit Lainpeubelruchtung man sieht aus dem Dunklen in die geöffnete Stube hinein. Fein gesehen ist der„Novenibermorgen"(1383) von Mohl-Hansen. Die Gruppe »Aage und Else" lvirlt in der graue» Stimmung vornehm. Frische zeichnet das Bildchen„Sommertag"(1381) von I. L a r s e n ans; im Vordergrund mir springende Wellen; nur hinten ein grüner Strich Landes, ganz schmal. Im Saal 31 fällt das gut und sicher gezeichnete Aquarell von Anna S y b e r g(1402)„Chrysanthemum" auf. Man entnimmt im ganzen(denn diese Künstler sind der Durch- schnitt), daß in Dänemark eine feine,»»mifdriiigliche Kunst zu Hause ist. Mau spürt hier etwa? von Tradino», Kultur, Stil. AnS Saal 35, der ebenfalls noch Dänemark gehört, ist zu er- wähnen: die geschmackvolle Porträtgrnppe(1538) von Hansen, die breit gemalt ist und feine Farben hat, die sich besonders an dem Kind(dem weißgranen Kleid, der bunten Kette) zeigen. An Dänemark schließt sich Schweden an, das im ganzen kräftigere Haltung zeigt. Die Motive ivollen hier mehr packen; die Farben find leuchtender. Hier fällt besonders Torneinann auf. Sein„totes Mädchen'(1564) ist kühn in den Farben; bleichgriiner Schinmier liegt über allem; es ist kraftvoll gemalt. Noch dekorativer find seine„Grubenarbeiter"(1585), die groß dastehen, von leuchtender Luft unigeben. Kräftig in den Farben sind die„vcrgiöhren"(1568) von Kallelen ins. Leuchtend ist der„Winter"(1575) von H e d b e r g. Im ganzen ist diese Auswahl nicht reichhaltig genug, um ein Volles Bild zu gebe». Die Kunst Hamburgs kommt in Saal 33 zum Wort. Es ist eine Kunst, die durch die Jnitiatibe eines Kunstkenners geweckt ist. Direktor Lichtioark hat durch sesiie Vorträge die Künstler an- geregt, eine eigene Kunst zu schaffen, die dahin strebt, aus dem besonderen Boden etwas Eigenwüchsige? erstehen zu lasten. So lobenswert diese Tätigkeit, so hat es doch mit der Verwirklichung eine eigene Bewandtnis. Sind tüchtige Künstler da, so ist das schon hinreichend; fehlen sie, so nützt die Belehrung nichts. Und so ist es auch hier. Liebermann hat aus Hamburg mehr Schönheiten her- ausgeholt, als alle diese Künstler zusammen. Doch darf man nach diesen ersten Versuchen noch nicht endgültig urteilen, und jedenfalls siebt man schon Ansätze Die stärkste Vegabimg ist I ll i e S. Seine„Hühner im Tcynre (1423), die fast dekorativ sind, vielleicht noch etwas flan, jedoch gut gesehen, seine„Figurengruppe"(1436), in der eine anerkennenswerte Kraft steckt, besonders die Köpfe vor der Lampe haben Wucht; die „Nacht", die in so tiefe Stimmung getaucht ist(1437), die blau» schattige„Wolke"(1457) sind Zengniste einer tüchtig eil Art. Ebenso ist das„Fischerhaus"(1426) von Ehren mit dem farbig schönen Teil am Fenster und dem bunte» Arrangement der Teller und Tasse» eine seine Arbeit. Durch wohltuende Einfachheit zeichnet sich das„Interieur"(1440) von Siebelist cm? und der„Frühling" (1443) von E i t n e r(Frühstück unter blühenden Bäumen) bat viel Frische und Geradheit. Der«Pflüger"(144S) von S ch a p e r steht wirkungsvoll da; der Acker ist vorzüglich in Grau und Grün geinalt. Die„Bauernstube"(1450)' von Ehren hat ieine, flockige Töne in dem gelb und rotbraunen Interieur. Paul K a y s e r zeigt in ein paar Landschaften Fähigkeiten, Lust- stimmungen fein zu beobachten. Die„LandungSbrücke"(1458) hat schönes blaugraues Licht; die„Werft"(1461) ist großzügig hin- gestrichen; der„Frühling"(1460) fällt durch Frische auf. So ist dieser Saal als ein Anfang zu betrachten, der den Bs- niühungen eines Mannes zu verdanken ist, der in den Künstlern die Empfindung wecken will für das Besondere einer Landschaft, der Landschaft, der sie angehören. Selbstverständlich kann er nur an- regen; er kann nicht die Künstler aus der Erde stampfen. Doch sind im ganzen Aussichten vorhanden, daß hier ein neues Zentrum sich bildet. In diesem Sinne find diese Bestrebungen zu werten. Für die Plastik, der wir uns nun zuwenden, kommen die Säle 3 und 16 in Betracht. In Saal 3 beherrscht L e d e r e r mit seinen Nelieffiguren, worunter zwei Arbeitergcstaltcn, das Feld (26—32). Werke von einer bedeutenden Wucht der Erscheinung. Eine Konzentration; die aus dem Technischen sich ergibt, indem die Figuren als Hochrelief behandelt sind, dadurch jene eigentümliche Gebundenheit in der Erscheinung erhalten, indem sie aus dem Grund hcrauSslreben und doch nicht ganz Wirklichkeit werden. Sie fügen sich damit einheitlich dem Ganzen ein; das Figurale wird zum Ornament und behält doch genug eigenstarkes Leben. Körper sind als dekoratives Moment benutzt, ohne künstlerischer Pose als Mittel zu dienen. Was ihnen den Stempel der Großheit ausprägt, daS ist die zupackende, aufwachsende Einheit. Der Künstler überninnnt nicht Klischeefignren und setzt sie hierhin und dorthin in billiger Symbolik, so daß eigentlich die ganze Arbeit nur ein Drapieren in Stein ist; dies hier ist Schöpfung, straff, einheitlich und nur für diesen einen Zweck so denkbar. Roch bescheidener als dieser vordere Plastikeusaal ist der aiu Ende der Halle liegende Raum 16. Hier sind Porträts zu sehen, die man nicht für möglich hält. Eine solche Arbeit ist z. B. eine getönte Gipsbüste von Wendschncider(943). Man denkt bei dieser getreuen Nachbildung, bei dieser nnangenehmen Buntheit an CaslanS Wachsfigurenkabinett. Als Sockel dient der Büste. ein eben« falls farbig imitierter Foliant. Dann wäre es schon besser, voni Gesicht einen Abguß zu nehmen, wenn die Porträtkunst solchen Zielen nachstrebt. Ebenso lvirlt eS nur erheiternd, wenn eine Brille in getreuer GipSnachbildung auf der Nase balanciert, wie es auf einer anderen Büste zu sehen ist. Ein anderer gibt einer Büste einen Schädel in die Hand. Plastik auf dem Niveau der Photo- graphie I Auf derselben Sttife steht eine vollkommen getreu« und farbige Tigergrnppe; man meint, es sei sogar das Fell ausgesiebt worden. Die kleinen Tiger knabbern an exakt nachgebildeten Knochen. Es ist eine Freude. Wird man das später einmal glauben? I In das Gebiet der Kleinplastik führen die Medaillen und Plaketten, denen ein besonderer Saal(43) gewidmet ist. Man muß diese kleinen Arbeiten gründlicher betrachten. Sie lohnen es; denn man findet ans Neiner Fläche oft eine achttinggebietende Kunst. Während die Medaille in Deutschland zur Zeit Dürers auf siinst- lerischcr Höhe sich hielt, ist sie in der Gegenwart so gesunken, daß erst eine wirkliche Bewegung wieder einsetzen muß, die auf die Hebung dieser Kunst abzielt. Die Franzosen find vorbildlich. Sie geben der Medaille durch verwischte Konturen, die allmählich in den Grnnd Übergehen, ein malerisch feines Aussehen. Demgegenüber erhalten die deutschen Medaillen ein strengeres Aussehen; die Form kommt mehr zur Erscheinung. Tie Schwarz-Weiß-Kunst erfährt in mehreren Räumen (8 und 9) besondere Berücksichtigung. Die Auswahl ist eine gute; die geschmackvolle Ausstattung der Räume, die auf die Wirkung der Bilder besondere Rücksicht nimmt, kommt dem Ganzen vortrefflich zugute. Und so macht diese zweite deutsche Schwarz-Weiß-Ausstellung einen überraschend einheitlichen Eindruck. der sich voir der Wirkung der anderen Bildersäle vorteilhaft abhebt. Eine ganze Reihe von Künstlern haben Kollcklivvertretiing er- halten. Boehle, Kolb. Schinutzer, Jettmar. Schulte im Hofe, Bossard, Graf, JllieS, Steinhaufen. Umer diesen sind Boehle und Schmutzer die intercssantesten Künstler. Beide entgegengesetzte Tempera- Meute. B 0« h le, der eigenwillige Frankfurter, den man sich unwillkürlich als Bauerntyp vorstellt. Zäh und charaktervoll. S ch ni ll tz e r, der elegante Oesterrcicher. raffiniert, geschmeidig. Beide sind in ihrer Art ab- geschloffen. Schmutzer bleibt m allem der raffinierte Techniker; seine Radierungen überraschen durch die Größe und durch die Fein- heit der Durchbildung in den Einzelheiten. Am eigenartigsten ist Schmutzer aber nicht in diesen oft das Aeußerliche, die Stoffe z. � zn sehr berilcksichiigenden großen Werken, sondern in den kleinen Blättern, in denen er mit Geschmack und Geschick mit wenig Strichen charakteristisch einen Kopf fjinsegt und die dunkle Masse des Haares etwa gegen die lichten Partien des Gesichtes wirkungsvoll kon» trastieren läßt. Gegen diese Eleganz, dieses Rafsinenient wirkt Boehle knorrig, bäuerisch. Es ist eine nierkwürdige Mischling in ihm, von Altem und Neuein, von Einfluß und Eigenheit, von Selbständigkeit und Anlehnung. Er ist der Meister der Linie; die er aber so plastisch handhabt, daß seine Darstellungen eine Form haben, die in ihrer Kraft und Größe aktmeisterlich zn nennen ist. Man ist zuerst geneigt, das Alte als maßgebend im Eindruck zu bezeichnen. Dann aber merkt man unwillkürlich das Moderne. Ans dein Realismus — denn seine Szenen sind Wirklichkeitsszenen, seine Menschen sind die Schiffer und Fischer und Lastknechte, wie sie am Hafen zu seheu find— holt er mit seltener Eindringlichkeit eine Größe heraus, die ganz unwirklich erscheint. Man denkt an die Komposition, an die Forn:. die in diesen Dingen steckt, und vergißt die Realität. Daneben loäre noch Graf zu nennen, als ein Techniker, der in der Radierung breiten, malerischen Wirkungen nachgeht. Man sieht diese großflcckigeu Kontraste von Grau, Schwarz uttd Braun gern; sie haben etwas Weiches, Materisches. Jllies, der in Hamburg tätig ist, ist dekorativer. Seine Dkiinten, die ganz realistisch gegeben find, erinnern in ihrer leichten, lebendigen, farbigen Schönheit an die japanische Kimst. Seine farbigen Radierungen stich sehr kräftig und eigen in der malerischen Wirkung. Auch die Architektur(Saal 13— 16) trägt dazu bei, das Bild abwechslungsreicher zu machen. Die kleinen Modelle ver- anschaulichen sinnfällig den Reiz deS Baukünftlerifchen im Entwurf. Alle Kunst geht von der Architektur ans und strebt zu ihr hin, und so schließt die Ausstellung mit dieser Abteilung iu richtiger Weis« den Kreis der künstlerischen Betätigung. Liemes femUetcm. Der Geranienstock. Er stand vor einem niedrigen Fenster in einer leeren Kellerwohnung und war gewiß beim Umzüge ver- gessen worden. Tie Scheiben im Fenster waren trübe und schmutzig und das Zimmer dumpf und stickig. Dort wuchs er m einer halb zerbrochenen Schale, die jeden Tag ganz auseinanderzufallen drohte. Er stand in der Ecke auf der Fensterbank und sebnte sich nach Licht und Luft und nach den goldenen Sonnenstrahlen, die nur des Abends zuweilen einen Augenblick durch die staubigen Scheiben lugten.„Bleibt doch noch eine Weile!" sagte der Ge- ranienstock dann jedesmal und streckte den Scheidenden seine grünen, bestaubten Blätter nach. Aber die hatten niemals Zeit. Es war ihnen auch zn schmutzig und dunkel in der trüben Stube. Dann seufzte die arme Pflanze, denn die einzige Freude des Tages war wieder vorbei. „Ich weiß nicht," sagte eines Abends eine alte Spinne, die sich in der Fensterecke ein Netz gesponnen hatte,„was Tu nur zu seufzen hast? Kann man es besser haben als Du? Lächerlich! Diese unausgesetzte lluzufriedenheit in der Welt heutzutage!" Die bescheidene Blume unterließ es von diesem Tage an zu seufzen und hielt sich kerzengerade und steif. Aber die Sehnsucht in ihr wurde immer größer mit jedem Tage. „Wenn ich nur hinaufwachsen könnte bis da oben, wo die Fensterscheibe entzwei ist— da scheint die Sonne länger als bei mir hier unten und der Wind streicht dort vorbei. Ich könnte meine Blätter in die frische Lust hinausstrecken— o. wie schön wäre das!" Und sie wuchs und wuchs, schweigsam und ohne zu seufzen. Mit jedem Tage wurde sie höher. Beinahe hatte sie schon ihr Ziel erreicht und fühlte schon das leise Wehen der steien Luft. „Wie Du wachsen kannst!" sagten die Sonnenstrahlen, wenn sie des Abends aus kurze Zeit zu Besuch kamen.„Nein, wie Du wachsen kannst! llnd das so im Dunkeln! Andere würden ver- zweifeln und hinwelken und sterben." „Es ist die Sehnsucht!" sagte das Geranium und erbebte in hoffnungsseliger Freude. „Du mußt Dich nicht so anstrengen!" sagten die Sonnen- strahlen und sahen mitleidig auf seine fahlen Blätter und blassen Stengel.„Ordentlich bleich und aiigegrijfen siehst Du aus von dem unablässigen Wachsen." „Aber ich möchte blühen da oben im Lichte, blühen und vom Winde geschaukelt werden!" erwiderte die Blume leise, denn sie war besorgt, die Kreuzspinn« da oben könnte ihre Worte hören und zu schelten beginnen. „Verlier nur den Mut nicht im Dunkeln," sagten die Sonnen- strahlen und gingen davon. Am nächsten Tage zogen wieder Leute in die Kellerstube. Möbel wurden hereingeschleppt und aufgestellt, ein Tisch mit wack- ligen Beinen gerade unter das Fenster gerückt. „Nein, wie dunkel es das alte Geraniuur hier macht," sagte die Schustersfrau und nahm den Stock vor dem Fenster weg, wobei ihr der Blumentopf in den Händen zerbrach und trockene Erde aus deu Fußboden rieselte.„Anderen Leuten ist er zu schlecht zum Mitnehmen gewesen, das alte staubige Ding, und unS will er noch das Licht wegnehmen!" Damit warf sie ihn in den Mülleimer. W. Scharrelmann. t�rziehnug und lluterri«tzt. Das GewichtderSchulranzen. Eine reckst beherzigeuS- werte Verfügung hat das Prodinzialschulkollegiuin in Berlin erlaffen. Es verfügte, daß die Schüler die Mappen»uf dem Rücken zu hegen hätten und daß das Gewicht der Mappen bei jungen Schülern den achten oder neunten Teil des Körpergewichtes nicht überschreiten solle. Daß die Schulmappen nicht unter dem Arm getragen werden sollen, leuchtet ohne weiteres ein. Ter Vorteil der Schultornister liegt vor allem darin, bat' die Bücher ohne An- strengung einzelner Muskelgruppen, ohne Krümmung der Wirbel. säule und ohne Behinderung der Atmung nach der Schule gebracht werden können. Qsine Ursache für die Entstehung der seitlichen Wirbelsäuleverkrümmung wird dadurch sicher ausgeschaltet. Ader ebenso wichtig ist die Vorschrift, daß die Kinder nicht unnütz mit den Schulbüchern belastet werden sollen. Die Menge der mitge« schleppten Bücher ist oft nicht unbedenklich und die Kinder werden dann unnütz belastet. Daß Kinder vom Ger icht von etwa LS Kilo oft S oder noch mehr Kilo Schulbücher schleppen muffen. ist keine Seltenheit. Es ist aber für die Gesundheit der Schul« kinder nicht zuträglich, wenn sie weite Wege mit einer Maffe von Schulbüchern schleppen müssen und für die Zunahme der Herz. kronkhcitcn im schulpflichtigen Alter dürfte dieses Moment wohl in Betracht zu ziehen sein. Die Lehrer müßten daher von Zeit zu Zeit revidieren, um zu verhindern, daß die Schüler sich nicht mehr bepacken, als unbedingt nötig isst Anthropologisches. Ein großes alt sächsisches Gräberfeld. Vor nun» mehr drei Jahren wurde in dem nahe bei Göttingen liegenden uralten Dorfe Grone ein umfangreiches Gräberfeld entdeckt. Es wurden da» malS fürS erste 19 Gräber freigelegt, in denen man im ganzen LZ menschliche Skelette und in einem Grabe nebe» dein menschlichen auch ein Pserdeskelett fand. Die Ausgrak ungcn sind in diesem Frühjahr wieder aufgenommen worden und haben weitere be« merkenswerte Aufschlüffe gezeitigt, worüber ihre Leiter, Prof. Verworn, Prof. Merkel und Dr. Heiderich in der letzten Sißung der Göttinger Anthropologischen Gesellschaft Bericht erstatteten. Es sind zehn weitere Gräber neu ausgegraben, darunter zwei. welche ebenfalls ein Pserdeskelett enthielten. Das in mehreren Fällen festgestellte Vorhandensein von zwei Skeletten in einem Grave erklärt sich nach den neuesten Untersuchungen daraus, daß der Friedhos, wie sich aus seiner gewaltigen Ausdehnung ergibt. sehr lange im Gebrauch war und infolgedessen zu verschiedenen Zeiten an der gleichen Stelle mehrmals benutzt worden ist. Die Annahme, daß die Pferdeskelette von Lcicbcnsckmauscn herrührten. ist dadurch völlig atisgescbloffen, daß das eine Pserdeskelett, welches nicht durch spätere Bcswttungcn zerstört worden war, ganz unvcr» fehrt und in aufgezäumtem Zustande im Grabe bei dem Toten lag. Man hat also offenbar in einzelnen Fällen dem Toten, bc- sonders dem Edlen, sein Pferd ins Grab folgen lassen. Die Aus» beute an Beigaben war gering. Aus den Topfscherben, die in größerer Menge in der Graberde gefunden wurden und die jeden- falls von Lcichenschinausen herrührten, läßt sich erkennen, daß die Benutzungszeit des Groner Gräberfeldes etwa in das 6. bis 8. Jahr» hundert nach Christus anzusetzen ist, in dieselbe Zeit, aus der das einige Kilometer weiter nach Süden gelegene bekannte Gräber- selb von Rosdorf stammt. Es war eine einfache Bauern» bevölkerung, die schon damals wie noch heute, im alten Grone wohnte, und zwar eine langtöpfige, orthocephale(geradköpfig) unk» orthognathe(geradzähnig) Menschenrasse. Ein Vergleich mit Schädeln aus späterer Zeit führt zu dem Schlüsse, daß sich seit der Merowingerzeit der Typus doch nicht unerheblich geändert und daß die ursprüngliche Bevölkerung einer anderen Platz gemacht hat. wenn auch die alte Rasse des Lcinegaues keineswegs völlig ver- schwunden ist. Aus dem Tierreiche. Jagdtiere. Nicht von dem gehetzten Wilde soll hier ge. sprachen werden, sondern vielmehr von Tieren, die sich der Mensch zu treuest Gehülfen bei seinen Jagdzügcn erwählt hat. Der Jagd- Hund in seinen verschiedenen Nassen, ich nenne nur Windhund und Dachshund, Bracke, Saurüde, Schweiß- und Stöberhund usw., ge» hört ja auch hier zu Lande zu einem allbcliebten Haustiere; sonst jedoch finden bei unseren Jagden nur selten andere Tierarten Ver- Wendung. In früheren Jahrhunderten freilich gehörte auch noch die Falkenjagd, die bereits von Griechen und Römern eifrig gepflegt wurde, zu einem beliebten Spart an den europäischen Höfen. Doch nur Reiche, nur die obersten Zehnhuudert, tonnten sich dieses kost- spielige Vergnügen leisten. Außer dem nordischen Jagdfalken wurden vornehmlich Wanderfalken, Sperber und Habichte zur Falkenbeize abgerichtet. Auch heute noch wild die Jagd mit Falken und Adlern von verschiedenen asiatischen Steppcuvölkern eifrig betrieben. Eine rein passive Rolle spielt bei der Jagd an der Krähenhütte der Uhu. der, an einem Baum augekettet, dem gut verborgenen Schützen zur Anlockung von Raubvögeln und Kraben dienen soll. Sowie sich nämlich am Tage dieses gewaltige Nachttier zeigt, wird es sofort von zahlreichen Vögeln verfolgt und mutig angegriffen Selbst kleine Singvögel, Schwalben und Meisen, teilen diese all» gemeine Abneigung gegen den Uhu und geben sie durch ihre kühnen, ober ungefährlichen Angriffe kund. Bekannt ist ferner, daß die chinesischen Fischer sich vielfach der Kormoran?, dieser geschickten und ausdauernden Taucher und ge- fräßigen Fischräuber, zum Fischen bedienen. Jung werden die Tiere eingesangen und gezähmt, dann geht es hinaus zum Fange. Damit die Kormoran? jedoch ihre Beute nicht selbst fressen, wird ihnen ein enger Lcderriemen um den Hals gelegt, der den Vögeln das Hinunterwürgen der Fische unmöglich macht. Erst nachdem sie ihrem Herrn die gewünschte Menge von Fischen abgeliefert haben, wird die störende Halsbinde gelockert und sie erhalten zum Lohne ihren genügenden Teil am Fange. Die Preise für gut ab- gerichtete Kormorane sind verhältnismäßig hoch, belaufen sie sich doch nach unserem Geld? bis auf SO Mark für das Stück. Namentlich in England, doch auch in vielen Gegenden Deutsch- lands üblich ist die Kaninchenjagd mit Frettchen. Das Heimatland der Frettchen ist ursprünglich Spanien. Die Tierchen sind nichts anderes als eine weiße(albi- notische) Spielart unseres gemeinen Iltis. Wie die meisten Al- binoZ unterscheiden sie sich aber von ihrem normal gefärbten Ver- wandten außer in der Farbe noch durch einen schwächlicheren und zarteren Körperbau und ihre leichtere Zähmbarkeit. Als geschwo- rcne Todfeinde der Kaninchen läßt man die Frettchen in den Bau der Kaninchen, um die legitimen Bewohner heraus- und in vor- gestellte Fangnetze hineinzutreiben. Des öfteren geschieht es dabei, daß unser Frettchen ein Karnickel bereits im Bau erwischt und abwürgt. Dann kann der Jäger lange auf die Wiederkunft seines Jagdgefährten warten. Berauscht vom Blute legt sich das Tierchen im Bau zum Schlafe nieder, und will man es nicht ganz verloren geben, muß man sich schon zum mühevollen Ausgraben entschließen. Um dieses zu verhindern, pflegte man in früheren Zeiten grau- samerweise den Frettchen einfach das Maul zuzunähen. Heute legt man ihnen gewöhnlich vor der Jagd einen kleinen Maulkorb an und erreicht so auf humanem Wege den gleichen Erfolg. In Indien findet man in weiter Verbreitung in den Häusern der Eingeborenen einen Angehörigen der Schleichkatzen, den zier- lichen Mungo, der daselbst etwa die Stellung unserer Hauskatze vertritt. Doch nicht nur bei der Bekämpfung der Ratten- und Mäuscplage macht sich der kleine Geselle nützlich, sondern er ist gleichzeitig einer' der eifrigsten unV verwegensten Schlangenjäger und scheut selbst vor der gefährlichsten Giftschlange nicht zurück. In seinem bekannten Dschungelbuch hat R. Kipling dem Mungo ein hübsches Denkmal gesetzt. Auch bei uns läßt sich der Mungo leicht halten, tollt lustig frei in der Wohnung umher, folgt seinem Herrn wie ein Hund und ist einer der amüsantesten Spielgefährten, den man sich nur denken kann. Ich selbst habe lange Zeit zur Freude aller Bekannten ein solches Tierchen gehalten,, bis unser aller Freund leider von unwissenden Leuten, die ihn wahrscheinlich für einen Marder hielten, erschlagen wurde. Alls nützlichem Haustiere gebührt dem Mungo vor der Hauskatze noch insofern entschieden der Vorzug, als er weit reinlicher ist und in Ermangelung von Ratten, Mäusen und Schlangen auch in der Vertilgung von Spinnen, Kerftieren, Fliegen usw. erkleckliches leistet. Wie mir erzählt wurde, hat sich der Mungo denn auch in dem praktischen England bereits Bürgerrecht erworben, und auch bei uns würde sich seine Einführung sicher empfehlen. Der Preis für einen Mungo ist selbst heute, obwohl doch die Tiere nur gelegentlich von Lieb- habern oder Matrosen mitgebracht werden, kein sehr hoher» und man erhält sie bisweilen schon für 1ö,Mark angeboten. Auch aus der Reihe der großen Raubtiere, der echten Katzen, hat sich der Mensch einige Arten als Gefährten bei seinen Jagd- zügen auserwählt. Am bekanntesten ist der Gepard oder Jagd- lcopard, der schon seit alten Zeiten in Persien und Indien zur Jagd auf Gazellen und Antilopen abgerichtet wird. Auf niedrigen iOchsenkarren wird das Tier mit verbundenen Augen unter Wind in möglichster Nähe des zu beschleichenden Wildes hcrangefahren. Dann wird er seiner Fesseln befreit, auf das Rudel aufmerksam ge- macht und zum Boden niedergeduckt. Mit katzenartiger Gewandt- heit schleicht er sich weiter an das erkorene Opfer an. Nun ein paar mächtige Sprünge, ein wütender Biß in die Kehle und zahl- reiche rasche Tayenschläge, und die Beute wälzt sich im Todes- kämpfe auf dem Rasen. Jetzt heißt es für die Jäger, sich beeilen, wenn sie von dem erlegten Wilde etwas erhalten wollen.. Schnell sind sie denn auch zur Stelle und mit einer Schale Blut locken sie die Jagdkatze zum Karren zurück.— Sogar ein Luchs, der Karakal, wird in Indien häufig zu Jagdzwecken verwendet und bewährt sich namentlich beim Fange von Kleinwild aller Art. Der Vollständigkeit halber mag endlich noch an die Verwendung von Elefanten bei Tigerjagden erinnert werden. Die Schützen werden auf ihrem Rücken in gefahrloser Höhe dem wütenden Raub- tiere entgegengetragen. Bekannt ist es serner, daß gezähmte Ele- fanten vielfach zum Einfangen wilder abgerichtet werden. sich. Physikalisches. Photographie von Wärme st rahlen. Wärme- strahlen in einfccher Weise auf einer photographischen Platte zu fixieren, ist in jüngster Zeit Professor Zennetz in Braunschweig gelungen. Es ist bekannt, daß verschiedene Entwickler, z. B. die gebräuchlichen Rodinal- und Hydrochinon-Entwickler, die Photo- graphische Platte im kalten Zustande nicht beeinflussen, d. h. nicht schwärzen. Treffen nun auf einen Teil einer solchen in kalte Ent- Verantwortl. Redakteur: Haus Weber, Berlin.— Druck u. Verlag: wickelungsflüsfigkeit getauchten Platte Wärmestrahlen, so tvirö dieser Teil geschwärzt, während die anderen Teile hell bleiben. Wird z. B. vor die Platte ein Blech aufgestellt, aus dem irgendeine Figur ausgeschnitten ist und vor dieses Blech eine heiße, Wärme- strahlen aussendende Substanz, wie kochendes Oel, gebracht, so dringen die Wärmestrahlen durch die Oeffnung, bringen den Ent- Wickler zur Wirkung und schwärzen an diesen Stellen die Platte. Wird dieser Ausschnitt mit Glas abgedeckt, so wird das Bild schwächer. Wird der Ausschnitt mit einer Hartgummiplatte ver- deckt, so ist das Bild stärker als bei der Glasabdeckung, weil die Wärmcstrahlen Hartgummi leichter durchdringen als Glas, während es bei den kurzwelligen Lichtstrahlen umgekehrt der Fall ist Humoristisches. — Ein Genußmensch.„Sehen Sie, dort sitzt mein Freund Pecherl— der hat schon alles mögliche mitgemacht! Zuerst hat er sich beim Radeln die Zähne eingeschlagen, dann beim Fuß- ballspiel ein Schienbein verstaucht, später bei einer Bergpartie mehrere Rippen gebrochen, und letzthin wäre er beim Rudern auf ein Haar erlrunken I" „Na ja, der versteht's halt, das Leben zu genießen!" — Gerechte E n t r ü st u n g. Hypermoderner Komponist(zum Publikum, das während der Aufführung seiner Symphonie aus dem Saale flüchtet):„Feiglinge I" — Sonderbare Logik. Frau lzum neuen Dienstmädchen): „... So, so, bei Frau Kanzleirat Giflheim waren Sie vorHerl Wissen Sie, ich halte es für furchtbar ordinär, ein Dienstmädchen über ihre frühere Herrschaft auszufragen.... Was ein an- ständiges Mädchen ist, erzählt s o alles I" („Fliegende Blätter.') Notizen. — B ö ck li n s„Gefilde der Selige n", diese Zierde unserer Nationalgalerie ist nach amtlicher Bestätigung in der Tat beini Rücktransport von der Londoner Ausstellung ernstlich be» schädigt worden. Die Muieinnsverwaltung will Entschädigungsansprüche geltend machen. Wichtiger wäre zu erfahren, welcher Art die Beschädigungen sind und od sie durch Neslaurierung behoben werden können, ohne das Gemälde zu verändern. — Der falsche, der echte und der ganz echte H»l n d von B a s k e r v i l l e. In D o r t n, u n d ist ein heißer dramaturgisch- literarischer Kamps um den tantiemenbringcnde» dramatisierten Hund entbrannt, den das deutsche Theater der Muse Conan Doyles verdankt. Tritt da ein Ensemble auf, das dieses nützliche Tier zu neuem draiilatischen Frikassee verarbeitet hat. Ohne die Erlaubnis des echten Hundezüchters Bonn. Darob lebhafter Protest der Boimischen. Mit dem Motto: „Nur das Schauspiel„Der Hund von Baskerville' von Ferdinand Bonn wurde wiederholt von Ihren Kaiserlichen Majestäten in Berlin mit deren allerhöchstem Besuche beehrt. Alle anderen Aufführungen dieses Stückes sind völlig iniudenvertiger Art und haben mit der Berliner Anzahl der Auffuhrungen dieses Stückes ebensowenig wie mit dem Kaiserbesuche zu tun. Alle dem entgegenstehenden Be- hauptungen sind Schwindel und nur auf Täuschung des Publikums berechnet." Die Gegenpartei antwortet: ihr Hund wäre auch ohne kaiser-'' liche Besichtigung ebenso echt, originell, rasie- und theaterrein. Und es gäbe noch mehr dieser Hunde, entstanden aus einer Kreuzung des Holmesschen Ronianes mit der Bühne. Welcher von diesen Bastarden die gelungenste Mischung darstelle, möge das pp. Publikum ausmachen.... Recht haben beide Parteien, denn sie haben beide trotz des Protestes des alleinigen Besitzers des Originalhundes von Baskerville: Conan Doyles, dessen Werk benutzt. Daß das Drama in Deutschland auf den Hund gekommen sei, kann nun noch schtverlich jemand bestreiten. — Die Zensur. In P r a g wurde die Auflührung des Einakters„Die Witwe" von Klara Viebig verboten. Außerdem Wedekinds„Frühliilgsechvachen".— Die Münch euer Zensur verbot dem Reinhardischen Ensemble außer Wede- kinds„FrühlingSerwachen" auch den„Gott der Rache" von Schalom A s ch. Reinhardt verzichtete darauf auf sein geplantes Gastspiel.— In Wien ivurde das Intime Theater gesperrt, angeblich weil es keine Konzession habe. Die halte es aber schon fünf Jahre nicht und als„Dileltantentheater zu wohltätigen Zwecken"(allerdings eine merkwürdige Sache) auch nicht nötig. Es war auch weniger diese mangelnde Konzession als die 37g. Aufführung eines französischen Stückes, daS hezeichnenderweise das„Bett" heißt— was zu d-eser drakonischen Maßnahme führte. Der Wiener Statthalterei kann man wenigstens den Mangel an Langmut und Entgegenkommen nicht nachsagen. 37g mal durften die Liebhaber paprizierter Literatur die Pikanterien des Bettes aus- kosten. Erst dann schnappte der Hahn ein. Welcher Unterrock dabei tälig war. mögen die Eingelveihten wissen. — K i l o l i t e r a t u r. Eine Gesamtausgabe der Werke des älteren Alexander Dumas ist in Vorbereitung. Sie soll 239 Romane auf 17 ggg Seiten mit 2100 Zeichnungen umfassen und 40 Kilo in leichtem Einbände wiegen. Viktor Hugo wiegt im Buchhandel nur 30 Kil. und Michelet 21. Vorwärrs Buchdruckerei u.VerlagsauitaltPaul Singer LcCo., Verlin t>W.