Nnterhaltungsblatt des Horwärts Nr. 120. Dienstag, den 25. Juni. 1907 lNachdruck ocvBoten.) frcderih Hapbjergs pflucfelTeii. 3] Von Jeppe A a k j a r. Autorisierte Uebersetzung von Theobald Völcker. Line, die nun sah, daß sie ihre Gäste beisammen hatte, rief leise ihren Mann in die Küche hinaus und sagte: „Ach, Frederik, es wird wohl gehn, daß Du vom Tisch Wegbleibst bis nachher; wenn es nun vielleicht doch nicht aus- reicht. So'n nüchtern Kalbfleisch, das schlägt ja nicht an. Und ich weiß noch ganz gut, wie das bei Per Simmelkjärs Pflug- essen ging, wo die Frau für ihr Lebtag Schimpf davon hat, weil das Essen zu früh alle wurde. Und da sitzt nu so'n Schchuckhals wie der Movst. Der frißt ja wie'n Wolf. Er kann, weiß Gott, ein ganzes Kalb allein auffressen, wenn er's kriegt." Nach diesen Bemerkungen hinter den Kulissen trat Line wieder auf die Szene und sagte: „Ach, seid nu so gut und setzt Euch, daß Ihr'n Bissen eßt und Euch stärken tut;'n paar können sich wohl hier auf'n Schemel setzen," fügte sie hinzu. Modus hatte schon entdeckt, wo die beste Schiissel ihren Platz hatte, und sagte: „Denn will ich mich man auf den Schemel hinpacken." Unter vielem Schnaufen brachte er endlich die dicken Beine mit den schweren Holzschuhen über den Langschemel, worauf er sich niederließ mit dem Herzensseufzer: „Ach ja, man wird alt und steifknochig." Unterdessen warf er einen alles verzehrenden Blick auf die Schüsseln. „Was, Frederik, sollst Du nich Platz nehmen," fragte Movst. „Jawohl: aber die Gäste kommen zuerst. Meine Zeit kommt auch noch ran. Seht Ihr nur zu, daß Ihr was kriegt," antwortete Frederik. Das war eine Aufforderung, die sie sich nicht zweimal sagen ließen. Sie langten kräftig aus nach den Schüsseln und beluden ihre Teller mit mächtigen Stücken glänzenden Kalbsbratens und mit guten Kartoffeln, die sie mit einer Flut von Sauce und Eingemachtem übergössen. Nach all der herben Salzkost des Sommers, den leder- zähen Räucherlenden, dem gebratenen Speck und den gelben ranzigen SckKfschenkeln war solche Mahlzeit frisch geschlach- tenen Kalbfleisches eine Götterspeise. Was Wunder, daß sie kräftig einHieben auf die Fleischstücke. Movus war besonders tief interessiert. Er hatte die zivilisatorische Bedeutung der Gabel noch nicht entdeckt, sondern hielt, wie mit einem Berserkergriff, die Fleischstücke mit den fünf Fingern der einen Hand fest, während er mit den übrigen Fünfen den' Zuschnitt machte, daß es kreischte, wenn das Messer über den Teller fuhr. Er hatte noch nicht eine halbe Stunde gegessen, da lagen schon die abgenagten Knochen in Massen vor ihm wie Schiffs- trümmer. Auch die andern drei suchten nach besten Kräften sich schadlos zu halten für den edlen Schweiß, den ihre dicken Gäule auf Frederik Tapbjergs disteltragendem Acker ver- gössen hatten. Während des ersten Teiles der Mahlzeit war es nur Movst, der etwas sagte, etwas, das er nun einmal un- möglich, selbst in den ernstesten Augenblicken des Lebens, zurückhalten konnte. Aber seine Scherze wurden zu diesem Zeitpunkt nur schlecht belohnt, bald mit einem geistcsleeren „Was", bald mit einem nichtssagenden„Na", bald mit einem ungeduldigen Grunzen, das so viel sagte als:„Ja, was schiert das mich in der gegenwärtigen ernsten Situation." Aber nachdem Lines vorzüglicher Kalbsbraten mehr und mehr seine Aufgabe erfüllt hatte, wurde der Drang zur Ge- felligkeit stärker und die Gedanken suchten fernere Ziele. Nur Movus Aufmerksamkeit war noch immer gleich sklavisch auf die Schiisseln und die saftigen Fleischstiicke ge- fesselt. Dem Movst aber war es zu Ohren gekommen, daß ESper Goul ein Pferd hatte, das verfangen war. Dieses be- dauernswerte Faktum gab ihm Veranlassung, in einem längeren Vortrag bei Pferdekrankheiten im allgenieinen und Verfangenheit im besonderen zu verweilen, und schließlich das Mitleid seiner Zeitgenossen zu erwecken, indem er von den schier unglaublichen Qualen berichtete, die er— Movst— vor Jahren mit einer näher bezeichneten kranken Mähre durchlebt hatte, die nun schon lange eines sanften und ruhigen Todes gestorben war, deren Bild ihm jedoch so deutlich vor- schwebte, als wäre sie sein eigener leiblicher Bruder gewesen. Mit Rührung schilderte er, wie das arme Aas Wochen- lang so elend daran war, daß es in Seilen hängen mußte, die zwischen den Ständen ausgespannt waren. Es konnte damals keine andere Nahrung zu sich nehmen, als die, die man ihm aus einer Flasche in den Hals goß, bis es dlirch eine Wunder- kur, die Movst eigenhändig an dem Tier probiert und die von der hohen Genialität ihres Erfinders zeugte, wieder zu Kräften kam, wenn es auch noch lange Zeit recht angegriffen und erbärmlich aussah. Aber siehe— so weise regiert Gott die Welt, daß Movstens kranke Mähre sich völlig erholte. Ja nicht genug damit, sie wurde sogar das beste Roß, das seit Menschen- gedenken niit seinem Schweif einhergetrabt war ans dem Bauernhof von Movst. Er verweilte noch länger bei diesem lieben Tahinge- schiedenen, folgte ihm auf seiner späteren Lebensbahn, schil- dcrte detailliert das Gedeihen des Pferdes, seine Eigenschaften, seinen Verkauf auf dem Wolborgmarkt, der allein ein großes und abgerundetes Kapital ausmacht. Und sogar dann ließ er nicht von dem Ungeheuer, sondern verfolgte in Gedanken durch phantasiereiche Schilderungen seine Nachkommen bis ins dritte und vierte Glied. Die phänomenalen Berichte und Markterlebnisse dieses Pferdehistoriographen wirkten anspornend auf die übrige Ge- scllschaft. Die ailderen Bauern wollten keineswegs hinter Movst zurückstehen, wenn es galt, von Gebresten der Pferde und dergleichen tierischen Qualen zu erzählen; denn sie hatten alle ihr Teil davon kennen gelernt. Und eine Zeitlang stank das Gespräch förmlich von ge- waltigen Geschwulsten und Entziindnugen, von ausgebrannten Wunden und strohumwickelten Pferdebrüsten. Movst konstatierte als Quintessenz seiner Lebenscr- fahrungen, daß so lang das Maul einer Mähre noch nicht kalt ist, noch Hoffnung vorhanden ist, und der rothaarige Thomas Moesjärg schloß dieses interessante Kapitel des Ge- sprächs mit der gewiß unangreifbaren Behauptung, daß man eine Kranke wohl selbst kurieren könnte, wenn man nur die dazu nötigen Medikamente kennte. Als man ausreichentr lange bei diesem Thema, das dem Herzen am nächsten lag, verweilt hatte, glitt das Gespräch unwillkürlich auf die Dienstleutc über. „Haft Du'n Knecht gemietet, Movst," fragte Rot-Thomas. „Ich Hab keinen guten Griff gemacht! Das is in unserer Zeit nich so leicht,'n Knecht zu mieten," sagte Movst mit einem Seufzer.„Nu sitzt der Teufel in den Dienstleuten, besonders seit diese Satans Sosalistcn aufgekommen sind." „Sozialisten", berichtigte der„Herrenmann." „Ach, Deibel nochmal, das is egal, wie Ihr sie nennt," erwiderte Movst mürrisch,„denn wie's in der Bibel steht: An ihren Ta— a�ten sollt ihr sie kennen. Und wie ich immer sag': seit dieser 5trimskrains ins Land gekommen is, sind einem die Dienstleute so aufsässig und störrisch geworden, daß man seine Plage hat, bloß daß man einen über die Tür- schwelle bringt." „Ja, das is inal'n wahres Wort, was Du sagst," brnNunelte Modus von der anderen Seite des Tisches. Er hatte nun seine Freßgier so weit befriedigt, daß er glaubte, dem Gespräch etwas Aufmerksamkeit schenken zu können, ohne dadurch den noch immer verlockenden Kalbsbraten allzu sehr vernachlässigen zu müssen. „Ja, das is ein ganz wunderliches Geschlecht, das beut- zutage unter Gottes Sonne rum läuft," fuhr Movst fort. „Das is wie so'ne Sturmflut. Alles wie's will und nichts wie's soll. Ich fragte mal den alten Tokter Rönsolt— denn der war kein Döstopf—»voran das liegt, dieie große Ver- änderung in allen D uigen.„Das liegt am Luftdruck", fchwur er mir,„ganz allein am Luftdruck, Movst." Das war m so feine Meinung, daß davon all das Schlimme kommt. Aber ich glaub eher, daß es an der schlechten Zucht liegt. Seht bloß mal an, was das für Häuslerjungens sind, die man hier in der Gegend zum Hüten kriegt. Was is denn das eigentlich für'n Zeug? So'n elendes Gewächs, oas sich auf nichts versteht: so kräsig und verhätschelt, daß sie nicht wissen, wo sie noch hinaus sollen." (Schluß folgt.1 (Nachdruck««rboten.j Zur Gcfdncbte cles MKrolKops. Die älteste Geschichte des Mikroslops ist in vollständiges Dunlel gehüllt. Weder die Zeit seiner Erfindung noch der Name des Er- findcrs ist mit Bestimmtheit zu ermitteln. In seiner allereinfachften Form, wo es nur eine aus Glas oder einem anderen durchsichtigen, lichtbrcchenden Körper bestehende Kugel oder Linse darstellt, mag es schon den ältesten Kulturvölkern des Ostens bekannt gewesen sein. Waren diese doch schon Meister in der Kunst des Glas- und Eteinschleifens und kommen unter den von ihnen aus durchsichtigen Edelsteinen, namentlich auch aus Berg- kristall geschliffenen Kunstgegcnständen kugel- und linsenförmige Formen vor. Bei den Schriftstellern der Griechen und Römer finden sich schon entschiedenere Beweise dafür, daß ihnen schon ftühe die zündende Kraft der Glaskugeln, mochten sie nun massiv, oder hohl und mit Waffer gefüllt sein, bekannt war. Auch war ihnen die Kenntnis der vergrößernden Kraft erhaben geschliffener Gläser und durchsichtiger Edelsteine nicht entgangen. So spricht z. B. Aristophanes in seinen Wolken von einer zündenden Kugel(oder Linse?), durch welche man mittels der Sonnenstrahlen ein in der Nähe ihrer Oberfläche befindliches Papier entzünden könnte. Die Vestalinncn zündeten mittels Brenngläser ihre Feuer an. Plinius der Jüngere erwähnt gleichfalls die zündende Eigenschaft der Glas- linsen. Aus den Schriften dieses Naturforschers geht auch fast mit Sicherheit hervor, daß sich der kurzsichtige Nero eines hohl- geschliffenen Smaragdes gleichsam in der Art einer Brille bedient habe. Vom zweiten Jahrhundert an findet sich im Zeitraum von tausend Jahren keine einzige Spur mehr vor, durch welche das über den Mikroflop herrschende Dunkel aufgehellt zu werden der- möchte. Erst der um das Jahr 1100 lebende arabische Gelehrte Alhazen Ben Alhazen spricht einmal von der vergrößernden Kraft erhabener geschliffener Gläser. Während dieser Zeit und noch lange nachher hatte die Kenntnis der Vergrößerungsgläser und die Kunst, dieselben herzustellen,— wie Kunst und Wissenschaft überhaupt— ihren Sitz vorzugsweise in den Klöstern. Wenigstens ist es ein Mönch, der im 13. Jahrhundert lebte, dem wir aus jenen Zeiten ausführlichere Nachrichten über das Mikroskop verdanken. Roger Baco zeichnet sich unter einer dummen stumpfsinnigen Umgebung durch seine Kenntnisse von der Natur und ihren Erscheinungen rühmlichst aus. Er kannte den Gebrauch der Linsen nicht nur im allgemeinen, sondern hafte auch eingesehen, wie nützlich dieselben Personen in hohem Alter oder mit schwachen Augen werden könnten; endlich versuchte er auch mehrere Linsen zu zusammengesetzten In- strumentcn zu verbinden. Ein Schriftsteller des 16. Jahrhunderts berichtet, Baco habe zu Oxford ein Glas geschliffen, durch welches man so wunderbare und autzerordenthche Dinge gesehen, daß seine Wirkung allgemein der Macht deS Teufels zugeschrieben worden sei. Daß Baco auch der Erfinder der Brillen sei, ist nicht wahrscheinlich. da die von ihm zum Auflegen oder zum Nahehalten an die Schrift empfohlenen Glaser nur eine kurze Brennweite gehabt hatten, während diejenigen, welche zu Brillen verwendet werden sollen, eine große Brennweite besitzen müssen. Jedenfalls aber fällt die Er- findung derselben in die Zeit kurz vor oder nach seinem Tode. Be° kannt wurde die Kunst des BrillenschleifenS gegen das Ende des 13. Jahrhunderts, durch den Pisaner Pater Alexander de Spina, welcher dieselbe nach glaubwürdigen Zeugnissen dem Florentiner Armati, dem wahrscheinlich ersten Brillenverfertiger, abgelernt hatte. Im Laufe des folgendenJahrhundertS verbreitete sich die Brillen- fchleiferei immer weiter und wurde zu einem eigenen Gewerbe er- hoben, welches man fast an allen einigermaßen bedeutenden Orten ausübte. Diese allgemeine Ausbreitung der Kunst, Glaslinsen zu schleifen, führte aber zur Entdeckung der beiden für die Natur- sorschung so bedeutend gewordenen Instrumenten Fernrohr und Mikroflop. Aus den schriftlichen Erklärungen von Wilhelm Borcels, Pcn- sionarius von Amsterdam, eines Zeitgenossen Drcbbels, sowie aus anderen Urkunden geht mit Sicherheit hervor, daß die beiden Middelburger Brillenschleifer Hans und Zacharias Janssen die- jenigcn waren, welche gegen Ende des 16. Jahrhunderts die ersten zusammengesetzten Mikroskope verfertigten. Diese Mikroflope, deren innere Einrichtung nicht einmal bekannt ist, bestanden aus einer einen Zoll weiten Röhre von vergoldetem Kupfer, getragen von drei messingenen, in der Form von Delphinen gearbeiteten Pfeilern, welche auf einer Scheibe von Ebenholz befestigt waren, auf der zugleich die Vorrichtung zum Festhalten der zu betrachtenden Gegen- stände angebracht war. Nachdem erst 1624 durch Bcrmittelung Drebbels und Galileis das Mikroflop in Rom bekannt geworden war, untersuchte schon 1625 der dortige Gelehrte Francesco Etclluti verschiedene Teile der Honigbiene mit seiner Hülfe und machte seine Beobachtungen durch eine in demselben Jahre erschienene Schrift bekannt. Diese Instrumente, welche unter dem Namen Floh- oder Mückengläser bekannt waren, dienten indessen keineswegs ernsteren Forschungen, da ihre Vergrößerung zu unbedeutend, ihre ganze Einrichtung viel zu mangelhaft war und ihnen namentlich auch jede Vorrichtung fehlte, um Objekt und Linse in gehörigen Abstand von einander zu bringen. Erst Leeuwenhoek(sprich: Lowenhuk), dieser treffliche Beobachter, gab dem einfachen Mikroskop eine solche Ein- richtung und versah eS mit solchen Linsen, daß es fernerhin zu wissen- schaftlichen Beobachtungen verwendet und durch seine Leistungen die oes zusammengesetzten Mikroskops tief in Schatten stellen konnte. Für Beobachtungen mittels auflallenden Lichtes hatte Leeuwenhoek schon kleine, den Lieberkühnschen ähnliche Spiegelchen konstruiert, so daß also er der Erfinder dieses kleinen Beleuchtungsapparates ge- nannt zu werden verdient. Einen wesentlichen Bestandteil des BeleuchtunasapparateS bei Mikroskopen führte Hertel ein. Er versah seine Mikroflope nämlich mit einem ebenen Spiegel, mittels dessen das einfallende Licht auf den Gegenstand reflektiert wurde. In dem Hertelschen Mikroflop haben wir das erste Vorbild unserer vollkommeneren Instrumente mit ihren wesentlichen Teilen. Es wurde aber seinerzeit wenig bekannt und, wie gewöhnlich, mußte erst aus der Fremde, namentlich von England auS, das Mikroflop eingeführt werden. Die Ver- größerung aller dieser Instrumente ging indes wenig über 100', sehr selten über 200mal hinaus. Dabei war, obgleich seit Doolond schon das von Huyghens zuerst beim Fernrohr angewendete ver- besserte Ocular auch für das Mikroflop eingeführt worden war, der optische Teil, namentlich in Beziehung auf Reinheit und Schärfe der Bilder, noch immer höchst mangelhaft. In Deutschland ver- fertigte zuerst Fraunhofer achromatische Objektivlinsen, d. h. ohne Brcchungsfarbstrahlen(1811), welche indessen die van Dchlschen lange nicht erreichten. Dem ftanzösischen Gelehrten Ernst Seligue war es vorbehalten, den von Fraunhofer angeregten Gedanken der Verfertigung achromatischer Objekte zu einer für das zusammen- gesetzte Mikroskop wahrhaft ftuchtbaren Tat werden zu lassen und den Weg zu ebnen, auf dem es zu seiner heutigen Vollendung gelangte. Je weiter indessen die Naturforschung eindrang in die innersten Geheimnisse der Natur, desto deutlicher mußte sie die Schranken er- kennen, die sich ihr noch immer nach allen Seiten entgegenstellten, und desto höher steigerten sich ihre Anforderungen an das Mikroskop. Wir sehen daher während der verflossenen 60 Jahre die Optiker fort- während und rastlos bemüht, namentlich den Objektivsystemen in dem begrenzenden sowohl als in dem unterscheidenden und ver- größerndcn Vermögen größere Vollkommenheiten zu erteilen. Von den Deutschen war es vorzüglich Merz in München, Ploetzl in Wien, Schick in Paris, Robert in Greifswalde, Oberhäuser in Berlin, welche Vorzügliches leisteten. Dennoch aber wurden ihre In- ftrumente in manchen Beziehungen, namentlich was die Unter- scheidung der feinen Zeichnungen auf den Kieselschalen der als Probeobjckte benutzten Diatomeen betrifft, von denen Amicis, Roß', Powells, Smiths und Becks in London überflügelt. Die neuesten Instrumente Roberts und besonders die der Fabrik Zeiß in Jena, deren noch nicht lange verstorbener Leiter der bekannte Professor Abbe war, dürfen sich mit den ausländisch«: Instrumenten ruhig messen. Mit diesen neuesten Instrumenten, die noch bis weit über das tausendfache gehende, sehr brauchbare Vergrößerungen ge- währen, ist eS möglich geworden, gegenwärtig Einzelheiten in der Organisation der Pflanzen und Tiere zu entdecken, wovon man vo» einigen Jahren noch kaum eine Ahnung hatte. E. Landgrebe. kleines Feuilleton. g. Urlaub. Der Chef sagte:«Wenn«S Ihnen paßt, Herr Schöller, dann können Sie die zweite Hälfte des Juli auf Ihren Urlaub verwenden." Schöller sah ganz verdutzt auf:.Urlaub?" .Ja. Paßt Ihnen die Zeit nicht? Vielleicht tauscht einer de» Herren mit Ihnen." .O doch, doch, die Zeit paßt mir schon." Er sagte eS eilig und stotternd, in demütiger Dankbarkeit fast. Die Hand mit dem Feder- Halter begann zu zittern. verwundert ging der Chef loeiter. Schöller dachte: träume ich? Er versuchte, das eben Ge- schriebene zu lesen. Als es ihm incht gelang, weil eS ihm wie ein Schleier vor den Augen lag, sah er sich mißtrauisch um. Dort stand der Prinzipal bei«inen, anderen Angestellten und verkündete diesem — Schöller hörte es deutlich— dieselbe Botschaft. Es war also kein Traum. Urlaub I Schüllers altes Herz be- gann ungeschickt zu hüpfe». Die Feder in der Hand auch. Urlaub! Holdriol Ich, Ferdinand Schöller. werde in die Ferien gehen. Ferien! Em Wort wie Engelgeiang und Sphärenmusik, ein melodiöses, harnionie- und freudevolles Wort. Schöller dachte an seine Schülerzeit, wie sie am letzten Tage vor den Ferien auS der Schule gesprungen waren, übermütig wie junge Böcklein, die sich vonr Strick gerissen. Seitdem hatte er das Wort nicht mehr gehört. Oder ja: gehört wohl, aber nur wie aus der Ferne. Etwa so. wie « die Worte„Jtablar* und.Seit" gehört und gelesen, als etwas, daS einem persönlich nichts angeht. Dreißig Jahre saß Schüller auf dem Drehstuhl. Nicht hier, nicht auf diesem. Bis vor einem halben Jahre hatte ein anderes Pult ihn gehabt. Ein Pull, an dem sein Gesicht gelb, sein Haar dünn, sein Hals mager und trocken geworden. Da hatte er wohl mal gemurrt, weil es nie ein Erholen, nie ein Ausspannen gab. Und sein damaliger Prinzipal, der alte fette Gauner, antwortete ihm: »Wissen Se, Herr Scheller, mit de Fersen da Hab ich Se nischt im Sinn. Geld lost'S den Leuten, in'S Faulenzen kommen se rein und am Ende sind se unzufriedener als vorher. Nee, nee. Herr Scheller! Wenn ich nich um meine Gesundheit nach Marienbad müßt',— weeß Gott I— ich blieb Se viel lieber hier. Also sei'n Se vergniegt und passen Se gut uff's Geschäft uff I" Na ja, und dann war der alte Geizkragen abgereist und Schöller blieb täglich zwei Stunden länger im Bureau als sonst. .Hahaha I' Schöller mußte lachen. D i e Zeiten waren vorüber. Er hörte von Pult zu Pult die Ottsnamen fliegen; vom Gebirge sprachen die Kollegen, vom Meer, vom Angeln, vom Rudern, vom Schwimmen— ein liebliches Geläute wars, wenn dabei auch tüchtig aufgeschnitten und die Tiroler Alpen mit den Alpen von Buckow ver- wechselt wurden. »Wo machen Sie denn hin, Schöller?" Er erschrak. Ueber seine gelben Wangen flog ein leises Rot. .Ich— weiß noch nicht." Ja, wohin eigentlich? fragte er sich selber. WaS anfangen mit dm Ferien? Ein Fest muhten fle werde», ein einziges großes Fest! Ein Fest, das den übrigen Teil des JahreS erleuchtete und erwärnile. Und ein besonderes Fest diesmal, weil eS das erste Mal war. Das Blut strömte dem Grübelnden zu Kopf. Tausend Möglichkeiten drängten mit verlockender Macht aus ihn herein. Geradezu erstaunlich war es, wie Landschaften, Ortsnamen und allerlei Reiie- geschichten in ihm aufstanden, deren Ursprung ihm ganz dunkel war. Woher kamen sie und wie sollte er sich da herausfinden? Aber diese Verwirrung und Hülflosigkeit gab ein köstliches Gefühl; es war herrlich in all diesen bunten Borstellungen umher- zuschwimmen und unterzutauchen. Ferien I Wirklich, dies Wott war Musik und zaubette Oase um Oase nach langer, langer durstiger Wüstenwanderung vor sein Auge. Die Noten hüpften da auf dem Papier herum. Der Radiergummi schlug lustige Purzelbäume auf dem Pult. Das Linial wand sich in fröhlichen Schlangenlinien, und das Tinteufaß schwenkte seinen dicken Bauch umher und jodelte: Fetten! Ferien I Nein, nun war es bald zu toll. Jetzt schaukelte sich auch der Abreißkalender; die Bttefbogen hüpften aus dem Kasten und das Kontobuch begann fich zu wälzen. Die Flasche mit dem Gummi arabikum lief im schönsten Gleich- gewicht pultab und pultauf, ohne einen Tropfen zu verlieren. Ich werde närrisch, dachte Schöller. Aber ist's denn«in Wunder? Dreißig Jahre warte ich auf diesen Augenblick, auf ein paar Tage, die mir gehören, nur mir. Tage, die mich frei sehen.— Ja, das war's I Die Freiheit I Unabhängigkeit und Sonnenschein I Mensch sein— einen halben Monat lang I... Holdrio l"... „Na, Schöller, Sie bleiben wohl da heute?" Er sah auf. Da stand schon einer und setzte fich den Hut auf. Also Feierabend. Schöller war bald draußen. Außerordentlich hell und freundlich kani die Straße ihm vor. Die Sonne warf einen schmalen Streifen auf's Pflaster, und oben zwischen den Häusern sah blaublanker Himmel herein. Wie schön war das Leben I Er konnte nicht anders, er mußte zum Bahnhof gehen. DaS bunte Reiseleben— wie interessant es ihm nun geworden war. Die Droschken mit den Koffern, Körben, Hunden und Kanatten- vögeln. In endlosen Reihen kamen die Gefährte heran. Er schlängelte sich, lustig nach allen Seiten blickend, hindurch. Und dachte: Bald werde auch ich verreisen. Ich, Ferdinand Schöller.... Eine Pferdeschnauze streifte sein Ohr. Der Kutscher riß das Pferd mit einem Fluch zur Seite. Die Elektttsch« läutete heftig. Eine Schutzmannsfausl packte Schöller am Kragen und riß ihn auf einen Jnselperron. „Mann I Sie sind hier doch nicht auf dem Buxtehuder Markt- platz I Um ein Haar und Sie waren futsch." Er stand da, von dem«inen Gedanken beherrscht: daß er jetzt fast sein Leben verloren. Jetzt! Er lachte wütend und sagte feindlich:„Ja, so ein Schafskopf bin ich wohl, was? Daß ich mich kurz vor meinem Urlaub unter die Elcktttsche lege?!"... Medizinisches. Ickg. Berusskrankheit der Bergarbeiter. Die nachteilige Arbeit der Bergarbeiter ist im allgemeinen größer, als man für gewöhnlich annimmt, selbst wenn man die Wurmkrank- heit und die mannigfachen äußeren Verletzungen, denen der Berg- arbeiter ausgesetzt ist, außer acht läßt und nur die Schädlichkeiten in Betracht zieht, welche bei der Ausübung der regelmäßigen Ar- bcit die Gesundheit des Bergarbeiters bedrohen und langsam unter- graben. Diese schädlichen Momente lassen sich nach Dr. Horn („Deutsche Medizin. Wochenschrift") in zwei große Gruppe» ein- teilen: 1. solche, die bedingt sind durch die Beschafscuheit der Arbeitsstätte(vermehrter Luftdruck, hohe Temperatur, künst- liche, zum Teil mangelhafte Beleuchtung, Fehlen der Sonne, ver- dorbene Luft, häufiger Temperaturwechsel, einseitige Körperhaltung usw.); 2. solche, die durch das zu verarbeitende Material (Kohlenstaub) hervorgerufen werden. Bei der Mannigfaltigkeit der schädlichen Einflüsse wird nicht nur vorzugsweise ein Organ betroffen, sondern es erkrankt der ganze Organismus. Wir finden Krankheiten der Lungen(Emphysem und chronischen Bronchial- katarrh, Kohlenlunge usw.), Krankheiten des Herzens(Vergrötze- rung und ungenügende Arbeit der linken Herzkammer), Krank- heiten des Magen-Darmkanals(Magenerweiterung, Muskel- schwäche des Magens und Darms, chronische Stuhlverstopfung, Brüche usw.), Krankheiten des Blutes(Blutarmut und Bleichsucht), Krankheiten der Muskeln und Gelenke(Rheumatismen, Nerven- schmerzen, Lähmungen, Versteifungen, Krampfadern usw.). Krank- heiten der Augen(Augenzittern, chronische Lid- und Bindehaut- erkrankungen).— Augenfällig gering ist das. Vorkommen der Lungentuberkulose unter den Bergarbeitern. Dys Rc- sultat all dieser schädlichen Einwirkungen ist ein vorzeitiger Ver- fall, welches den Bergarbeiter in verhältnismäßig jungen Jahren zur Bergarbeit unfähig, bergfertig, macht. Diese Bergfertigkeit tritt um das 50. Lebensjahr ein, also zu einer Zeit, wo andere Ar- beitcr noch voll leistungsfähig sind. Der bcrgfcrtige Bergmann stellt sich uns dar als ein vorzeitig gcalteter, kraftloser, hinfälliger Mann mit schlaffer, gebückter Körperhaltung, müden, schwerfälligen Bewegungen, eingeknickten Knien, fahler, welker Haut, vergrämtem GesichtSausdruck, schlaffer Muskulatur, aufgetriebenem Unterleib und kurzer, erschwerter Atmung. Die allseitige Abnutzung fast sämtlicher Organe ist so allgemein, wie sie sich in solcher Regel- Mäßigkeit und Vielseitigkeit bei keinem anderen Berufe vorfindet, so daß man wohl berechtigt ist, den vorzeitigen Verfall(Marasmus) der Bergarbeiter als die Berufskrankheit der Bergarbeiter zu bc- zeichnet' Hauswirtschast. Allerhand Flecken. Vielleicht wird kein Gebiet fort- gesetzt mit so vielen wirklich oder angeblich neuen Erfindungen bereichert als das der Fleckcnreinigungsmittel. Man sollte eigcnt- lich denken, daß bei dem heutigen hohen Stand der Chemie die Auf- gäbe, für jeden Flecken ein gutes und billiges Reinigungsmittel zu schaffen, längst gelöst sein müßte. Die Schwierigkeit aber besteht darin, daß man nach einem Mittel verlangt, das möglichst für alle Flecken gleichzeitig zu gebrauchen ist. und dieser Wunsch ist schwer oder wahrscheinlich überhaupt nicht erfüllbar. Wer sicher gehen will, wird daher gut daran tun, sich ein kleines Verzeichnis von Rezepten anzulegen, das für alle vorkommenden Fälle Auskunft gibt. Die Flecken auf Kleidern sind in zwei große Gruppen unter- scheidbar, je nachdem sie von mineratischcn oder von Pflanzen- stoffcn herrühren. Zu der ersten Gruppe gehören z. B. Tinten» und Rostflecke, zu der zweiten Tee-, Kaffee-, Obst-, Weinfleckcn und viele andere. Eine mittlere Stellung nehmen Flecken von Fett» Oclfarbe und ähnlichem ein. Mineralische Flecke sind durch eine Säure herauszubringen, in frischem Zustand schon durch Butter- milch oder Essig, in veraltetem Zustand durch Oxal- oder Salz- säure. Gegen Flecken pflanzlichen Ursprungs helfen alkalische Stoffe. Jeder guten Hausfrau ist z. B. bekannt, daß man einen Rotweinfleck auf einem frischen Tischtuch möglichst schnell mit Salz bestreuen soll. Nachträgliche Wäsche mit Borax und Wasser voll- enden dann das Reinigungswerk. Teeflecke sollten immer vor der Berührung des Stoffes mit Seifenwaffer entfernt werden, und zwar entweder mit reinem kochendem Waffer oder wiederum mit einer Mischung von Borax. Gegen Fettflecken hilft ein wiederum recht bekanntes Mittel, das in einem Löschpapier und einem heißen Eisen besteht, aber auch nur wirkt, wenn der Flecken noch nicht ver» altet ist. Außerdem empfehlen sich Ammoniak, Benzin und Paraf- sin. Für feine Wollsachen, die besonders empfindlich in Gewebe und Farbe find, wird folgendes Rezept angeraten. Man nimmt etwas reinen Alkohol und etwas weiches altes Leinen, halt ein Stück Leinen hinter den Fleck und trägt den Alkohol auf diesen mit einem anderen Leinenstück auf. Nach Befeuchtung muß das Leinen gewechselt und mit dieser Behandlung fortgefahren werden, bis nichts mehr von dem Flecken zu sehen ist. Nachdem der Alkohol verdunstet ist, kann der Stoff noch auf der linken Seite gerieben werden. Grasflecken weichen gleichfalls dem Alkohol sowie dem Cremor tartari(Weinstein). Für Flecken auf Porzellan»st fcuchteS Salz zubenuhcn, für Flecken auf Silber eine Waschung in Am- moniok oder Boraxwaffer oder auch einfach in Buttermilch. Flecken in weißen Strohhüten werden mit einer Mischung von Zitronensaft und Schwefel behandelt. Bei einem größeren Unglücksfall mit Tinte, wenn z. B. ein graßes Tintenfaß über eine Tischdecke aus- gegossen worden ist, muß die Flüssigkeit zunächst so gründlich wie möglich mit Löschpapier aufgenommen und dann der Fleck mit Milch und später mit Ammoniak und Waffer gewaschen werden. Schwarz gewordener Marmor wird mit einer Mischung von Chlor» kalk und Waffcr gebürstet oder auch mit einer solchen aus zwei Teilen Soda, einem Teil Bimsstcinp.llver und einem Teil Kalk- pulvcr mit Zusatz von Wasser, wobei uocki mit Seifenwaffer nach- gewaschen werden soll. Flecken auf poi'erten Tischen und Tee- brettcrn, die durch heiße Teller verursacht sind, weichen einer Be» Handlung mit einer dünnen Mischung von Salatöl und Salz. Für Flecken auf Mahagoniholz eignet sich besonders eine Mischung von einem Teil Salmiakspiritus und einem Teil eines zitronensauren SalzcS. Um Flecken au» einer Vergoldung herarszubekouimen» nimmt so viel Schwefelblüte, um einer kleinen Menge weichen Wassers eine recht goldene Färbung zu verleihen, und in diesem Wasser werden dann drei zerstoßene Zwiebeln gekocht. Diese Flüssigkeit wird auf die Vergoldung mit einer weichen Bürste auf» getragen. Technisches. Feuerlose Heiß Wasserlokomotiven. Für Ran- gier- und Versch iebezwecke werden jetzt in Fabriken oder Bahnen oft elektrische Lokomotiven verwendet. Um eine Rangierlokomotive für die Zwecke zur Verfügung zu haben, bei denen eine solche elek- irische Anlage zu teuer würde, eine normale Dampflokomotive aber aus anderen Gründen untunlich ist, werden sogenannte „seu erlose Heißwasserlokomotiven" konstruiert. Das Prinzip dieser Maschinen besteht darin, daß Dampf ohne Feuerung erzeugt wird. Dies wird dadurch erzielt, daß sehr heißes Wasser in einem geschlossenen Raum unter Druck gehalten wird. Wird dieser Druck vermindert, so verdampft das Wasser und erzeugt so den Vjuib Betrieb der Lokomotive erforderlichen Dampf. Die Firma SI. Borsig baut solche Lokomotiven nach dem Prinzip von Franca, bei denen das im Reservoir befindliche Heißwasser durch den einem stationären Kessel entnommenen Dampf auf die ge- nügend hohe Temperatur gebracht wird. Magnetische Legierungen. Der Magnetismus galt bisher als eine ausschließlich dem Eisen, Nickel und Kobalt zukom- mendc Eigenschaft. H e u s l e r und W e d e k i n d haben aber nachgewiesen, daß Legierungen des an und für sich magnetischen Mangans magnetisierbar sind. Wird z. B. ein Pulver, bestehend aus Mangan und dem gleichfalls magnetischen Bor, d. i. Mangan- borid, magnetisiert in eine Röhre gefüllt und an einem Seidenfaden aufgehängt, so stellt sich die Röhre genau wie eine Magnetnadel in den magnetischen Meridian ein. Bei manchen Manganverbin- düngen tritt die Magnetisierbarkeit erst bei hohen Temperaturen auf, so bei den Manganstickstoffverbindungen, die erst bei 2000 Grad magnetisch werden. Die stärkste magnetische Verbindung ist eine Verbindung von Mangan mit Antimon, die sich ebenso stark magne- tisch wie Eisen machen läßt. Aehnlich wie Mangan verhält sich auch das Chrom, das in seiner Verbindung mit Bor, dem Chrom- borid, schwach magnetisierbar sind. Diese Ergebnisse der Forschung Wedekinds sind besonders für die Theorie des Magnetismus, ob er xine molekulare oder atomistische Eigenschaft ist, wichtig. Humoristisches. — Vorschlag zur Güte. Da ist nun dieser Papagei! Ihr tadelt füglich sein Geschrei. Das Stund' auf Stunde ungestillt AuS seinem krummen Schnabel quillt. Wenn ihr auch noch so heftig denkt, Ihr werdet schließlich abgelenkt. Tjaja... Was ist da bloß zu raten? Am liebsten möchte man ihn braten. Denn dieser Modus der Erscheinung Entbält in sich die Sprachverneinung. Da hört nur an: Er imitiert Den guten Ami, wenn er stiert. Er pfeift mich hochbegabter Zunge Scharfsinnig wie ein Bäckerjunge. Er kann verschiedne Worte kneten, Ja selbst das Vaterunser beten, Und bringt als streng loyales Hau» Ein Hoch auf unfern Fürsten aus. Schon recht: da ist zwar viel Geschrei; edoch: Gesinnung ist dabei! ann auch das eine nicht ergehen, So muß man doch das andre schätzen. ... Wie wär's, wir schickten ihn am End' Nach Preußen als Privatdozent? Dr. O w l g l a ß. — Ein M u st e r s o h n. Sohn sCoulenrstudent) zum Vater: ,Jch verkehre überhaupt nur mit Dir, weil Du zufällig mein alter Herr bist." („Simplicissimus'.) — Kindliche Theologie. Die kleine Klara sieht bei ihrem „Onkel Doktor" zum erstenmal ein Skelett. Sie stagt, was das sei. „Das sind die Knochen eines gestorbenen Mannes!" ist die auf- klärende Antwort. Nach einem kurzen ungläubigen Schweigen sagt sie, auf ihre glückliche Lösung stolz.:„Dann kommt also bloß der Speck in' Himmel?" — Neulich gab unser Oberarzt in der Kaserne Krankenträger- Unterricht und besprach erste Hülfe bei Schußwunden. Stichwunden usw. Bei den Hiebwunden fiel ihm zufällig als Beispiel ein: Hieb- wunde über den Rücken. Natürlich verbesserte er sich sogleich und sagte:„Die werden ja bei uns hoffentlich nicht vorkommen." Die Leute sehen ihn ver ständnislos an. „Nun, warum werden' ie bei uns nickt vorkommen?" Allgemeines Sckweige I. Endlich steht einer auf und sagt: „Weil mer als de Tornijckter uff de Buckel hawlve, Herr Owerarzr." �_(„Jugend*.; Jßtiauimttl. Redakteur: Hans Weber, Berlin.— Druck u. Verlag: Notizen. — Freie Volksbühnen und Tantiemenfreihett. Nachdem sowohl die Freie wie die Neue Freie Volksbühne prinzipiell sich bereit erklärt haben, unter gewissen Umständen allerdings reduzierte Tantiemen an die Autoren zu zahlen, sollte man die An- gelegenheit für erledigt halten. Das scheint indes nicht der Fall zu sein. Wie der„Berliner Börsen-Courier" mitteilt, komme eS den Autoren und Verlegern nicht so sehr auf die Zubilligung einer Tantieme wie namentlich auf eine Klärung der Rechtsstage an. Sie wollten keine Gnadenspende haben, sondern da» Recht der freien Verfügung über ihre Werke gesichert sehen. Es handelte sich dabei nicht sowohl um die Bezahlung einer Tantieme irnd um deren Bemessung, als wesentlich darum, daß die Vereinstheater nicht nach Belieben, nicht ohne ausdrückliche Ein- lvilligung der Verfasser oder ihrer Bevollmächtigten Stücke auf- führen. Die Bestrebungen bezüglich einer Klärung dieser Rechts- läge in betreff der in einem eigenen Theater regelmäßig und all« abendlich veranstalteten Vereinsaufführungen würden demnach ihren Fortgang nehmen. — Bühnenmißbrauch wird mit der Dramatisierung er- solgreicher Romane und sonstiger Sensationen schon seit langem ge« triebe». Daß ein Autor sich gegen die Bühnenausschlachtnng wehrt, ist begreiflich und begrüßenswert. Welche Motive— außer den finanziellen— Margarete Böhme veranlatzten, schließlich doch der zuerst angefochtenen Bühnenbearbeitung des Tagebuches einer Verlorenen zuzustimmen, entzieht sich allgemeiner Kenntnis. Wir werden also im August im Zentral-Theater den Unsinn eines dramatisierten Tagebuches erleben. — Professor Emanuel Mendel, der Psychiater und Nervenarzt, ist Sonntag, 67 Jahre alt, gestorben. Er begann als Landarzt in Pankow, gründete später eine Privatirrenanstalt und habilitierte sich 1873 an der Berliner Universität. Als Mensch, Arzt und Lehrer genoß er große Beliebtheit. Sein öffentliches Kolleg „über Zurechnnngsfähigkeit" wurde von Studenten aller Fakultäten besucht. Mendel war während zweier Reichstagsperioden freisinniger Vertreter von Niederbarnim. Am Bürgerlichen Gesetzbuche arbeüete er mit an den Paragraphen über die Stellung der Geisteskranken. An der Erbauung des nach ihm benannten neuen Krankenhauses in Pankow hatte er besonderen Anteil. Ein launiges Wort aus seinen Vorlesungen möge hier eine Stelle finden: Im Verdachte der Geisteskrankheit stehen alle Menschen, mit Ausnahme derer, die ich als geheilt entlasten habe. Und auch da kann ich mich noch geirrt haben. — Wie macht man einen Roman interessant? Indem man ihn frischweg als„Schlüsselroman" bezeichnet, dachte ein betriebsamer Leipziger Verleger. Sollte sich nachttäglich heraus- stellen— wie i» unserem Falle— daß der Autor gar nicht einen Schlüsselroman beabsichtigte und gegen diese„literarische Diskredi- tterung" protestiert, so verschlägt das nicht viel. Die Reklame ist einmal gemacht, den Protest liest fast niemand und die guten Freunde könnten schließlich noch die Mär verbreiten, es wäre eine verabredete Komödie. Also doppelte Reklame. — Ein Museum für Industrie und Technik dürste auch in Oesterreich errichtet werden. Die Regierung hat eine Unterstützung im Beirage von anderthalb Millionen Kronen in Aus- ficht gestellt. Die besonders interessierten technischen und industriellen Vereine werden ein Komitee bilden, das die weitere Propaganda übernimmt. In Fluß kam die Frage durch die Jubiläumsausstellung. die man den Industriellen aufnötigen wollte. Sie parierten die Zu- mutung. indem sie den Museumsplan in den Vordergrund brachren. Oesterreich bekommt also an Stelle einer unnötigen Ausstellung voraussichtlich ein sehr nützliches Museum. — Die Ohrmuschel als Erkennungszeichen. Ein Mittel zur Erkennung von Toten empfiehlt Dr. Jmhoser in dem „Archiv für Kriminal-Anthropologie und Kriminalistik", nämlich die Ohrmuschel, die man siir diesen Zweck wenig beachtet hat. Sie weist aber oft charakteristische Eigentümlichkeiten auf, die sich weder durch Wachstum noch durch Leichenfäulnis wesentlich ändern. Auch die Familienzugehörigkeit soll sich nach Jmhofer in manchen Fällen mit einer gewissen Wahrsckeinlichkeit aus der Ohrform feststellen lasten, was bei Kindesunterschiebungsprozessen oder bei Anfechtung der Ehelichkeit eines Kindes seitens des Baters von großer Wichtigkeit wäre. — Der größte Brückenbogen der Welt. Man be« richtet aus New Dock: Ein gewalttges technisches Unternehmen wird von der Pennsylvania Railroad-Gesellschaft vorbereitet; die Pläne des Projektes liegen bereits den New Dorker Behörden zur Ge- nehmigung vor. Es handelt sich um eine riesige Eisenbahn- brücke, die über den breiten East River gelegt werden soll und die nach ihrer Vollendung den größten Brücken- bogen der Welt darstellen wird. Der gewaltige, in Stahl- konstrilktion ansgesührte Bogen wird eine Spannweite von »ich: weniger als 1000 Fuß haben und sich zu einer Höhe von 220 Fuß emporwölben. Im Anschluß an diese monumentale Stahl- tonstniktion wird die Herstellung eines riefigen eisernen Viaduktes stattfinden, der einstweilen nirgends seinesgleichen bat. Denn dieser erhöhte Schienenweg wird von Long Island bis Brvnz laufen und damit eine Lange von 17 000 Fuß, also-nehc als drei englische Meile» erreichen. Allem die Kosten der Brücke find auf 50 Millionen Mark veranschlagt. Vorwärts Bucht ruckerei u.VeciagSanstalt Paul Singer&Co,, Berlin SW.