NnterHaltungsblatt des Horwärts Nr. 135. Dienstag, den 16. Juli. 1907 (Nachdruck verboten.) UI Vie Mutter. Roman von Maxim Gorki. Deutsch von Adolf Heß. Ihr Sohn und der Kleinrusse lachten, und das gab ihr neuen Mut. Dann wählte Pawel einige Bücher aus und ging, um sie auf dem Hofe zu Versteckens der Kleinrusse aber setzte den Samowar auf und sagte: „Ist gar nicht schrecklich, Mütterlein; man muß sich nur schämen, daß die Menschen sich mit solchen Dingen abgeben. Da kommen dann diese längen Labans in grauer Uniform mit dem Säbel an der Seite, Sporen an den Füßen, und stöbern überall herum. Gucken unters Bett und unter den Ofen, ist ein Keller da, kriechen sie selbst in den hinab, steigen sogar auf den Boden. Da kriegen sie Spinneweben auf die Schnauze, daß sie schnauben. Das alles macht ihnen keinen Spaß: sie schämen sich, und daher tun sie auch so, als seien sie sehr böse und giftig auf uns. Eine ekelhafte Arbeit, daß wissen sie selbst ganz genau! Einmal haben sie bei mir alles durchgestöbert und zogen dann mit langer Nase ab... Ein andermal aber haben sie mich abgefaßt und mitgenommen... Dann ging es natürlich ins Loch... Da Hab' ich meine vier Monate gebrummt. Langweilig. Dann wird man vor- geladen, von Soldaten über die Straße geschafft... nach allerhand gefragt. Ein unvernünftiges Volk, redet dummes Zeug, immerzu, und läßt einen dann wieder durch die Soldaten ins Gefängnis abführen. So zerren sie einen hin und her... Müssen sich ihr Gehalt doch irgendwie der- dienen! Schließlich lassen sie einen wieder los,,, und das ist alles!" „Wie Ihr immer redet, Undrfuscha!" rief die Mütter unwillkürlich. � Er lag vor dem Samowar auf den Knien und blies hart- näckig in das Abzugsrohr, jetzt aber erhob er sein vor An- strengung rotes Geficht, strich mit beiden Händen den Schnurr- bart und fragte: �Wie rede ich denn?" ?,Als wenn Euch jemand gekränkt hat..." Er stand auf, trat zu ihr und meinte kopfschüttelnd mit feinem Lächeln: „Gibt es denn ein Menschenherz, das nie gekränkt worden ist? Mich hat man derart mitgenommen, daß ich es satt bekommen habe, mich gekränkt zu fühlen. Was soll man machen, wenn die Leute nicht anders können? Die Kränkungen hindern mich, mein Werk zu verrichten... Ver- meiden kann ich sie nicht, halte ich mich lange dabei auf— so verliere ich Zeit. Das Leben ist nun einmal so! Früher war ich wütend auf die Menschen.., Als ich dann aber nach- dachte, sah ich, daß alle innerlich zerfallen sind!... Jeder hat Angst, daß der Nachbar ihm einen Hieb versetzt, nun, und da gibt er sich Mühe, ihn selbst schnell hinter die Ohren zu schlagen! So ist das Leben, Mütterlein!" Seine Rede floß ruhig und bestimmt dahin und ver- drängte jede Unruhe und Furcht vor der bevorstehenden Haus- suchung; seine Augen lächelten hell und traurig, und sein ganzes, wenngleich eckiges Wesen erschien schmiegsam und durchaus nicht spröde. Die Mutter seufzte und wünschte ihm mit warmen Worten: „Gott gebe Ihnen Glück, Andrjuscha!" Der Kleinrusse ging mit breiten Schritten auf den Samowar zu, hockte wieder vor ihm nieder und murmelte leise: „Kommt das Glück— so weise ich es nicht ab, bitten darum— werde ich nie, es mir nehmen— dazu habe ich keine Zeit!" Und pfiff. Pawel trat bom Hof herein und sagte zuversichtlich: „Da finden sie sie nicht!" und begann sich zu waschen. Dann trocknete er kräftig und sorgfältig seine Hände ab Und meinte: „Mama, wenn Du ihnen zeigst, daß Du bange bist, werden sie stutzig— sagen sich, in diesem Hause muß etwas sein, wenn sie solche Angst hat. Wir haben aber noch nichts verbrochen... gar nichts! Du weißt doch: Wir wollen nichts! Schlechtes, die Wahrheit ist auf unserer Seite, und wir werder« unser ganzes Leben lang für sie kämpfen— das ist unsere ganze Schuld? Was brauchen wir uns also zu fürchten?" „Ich will mich zusammennehmen, Pawluscha," versprach! sie. Und dann entrang sich ihr der traurige Ausruf: „Wenn sie doch bald kommen möchten!" Sie kamen aber nicht in dieser Nacht, und am nächsten Morgen begann die Mutter, um etwaigen Scherzen über ihre Angst zuvorzukommen,'sich selbst zu verspotten. 52 Die Gendarmen erschienen gerade dann, als man sie nicht erwartete, fast einen Monat nach jener unruhigen Nacht. Nikolai Wjessowtschikow saß bei Pawel, und mit Andrej redeten alle drei von ihrer Zeitung. Es war spät gegen Mitternacht. Die Muter lag schon im Bett und hörte halb im Traum besorgte leise Stimmen. Jetzt ging Andrej vor- sichtig durch die Küche und schloß die Tür leise hinter sich. Im Flur polterte der Blecheimer. Plötzlich wurde die Tür weit geöffnet— der Kleinrusse schritt in die Küche und flüsterte den anderen laut zu: „Aufgepaßt, da klirren Sporen auf der Straße'!.. Die Mutter sprang vom Bette auf, griff mit zitternden Händen nach ihrem Kleid, aber da erschien Pawel in der Zimmertür und sagte ruhig: „Du bleibst liegen... Du bist krank!" Man hörte verhaltenen Lärm im Flur. Pawel trat zuv Tür, stieß sie mit der Hand auf und fragte: „Wer ist da?" Sonderbar geschwind wand sich eine große, graue Gestalt zur Tür hinein� hinter ihr eine andere, zwei Gendarmen drängten Pawel zurück, postierten sich an seiner Seite, und eine hohe, spöttische Stimme rief: „Jemand, den Ihr wohl nicht erwartet hattet, he?" Das sagte ein großer, schlanker, schmächtiger Offizier niit schwarzem, spärlichem Schnurrbart. Neben dem Bett der Mutter erschien der Vorstadtpolizist Fedjakin, legte eine Hand an die Mütze, deutete mit der anderen auf das Gesicht der Mutter und sagte mit finsterem Blick: „Das ist seine Mutter, Herr Leutnant!" Dann bewegte er die Hand gegen Pawel und fügte hinzu:„Und das— ist er sewst!" „Pawel Wlassow?" fragte der Offizier, mit den Augen zwinkernd, und als Pawel schweigend nickte, erklärte er, seineu Schnurrbart drehend: „Ich muß bei Dir eine Haussuchung vornehmen... Alte, aufgestanden! Wer ist dort?" fragte er ins Zimmer blickend und schritt hastig zur Tür. „Wie heißen Sie?" ertönte seine Stimme von dorther. Aus dem Flur traten zwei Polizeizeugen, der alte Gießer Twerjakoff und sein Mieter, der Heizer Rybin, ein stämmiger, schwarzer Muschik. Er sagte mit tiefer, lauter Stimme: „Guten Tag, Nilowna!" Sie kleidete sich an und sagte, um sich Mut zu machen1,, leise: „Was ist denn das!... Kommen mitten in der Nacht Z wenn die Leute schon schlafen!..." Es war eng im Zimmer und roch sonderbar nach Stiefel» wichse. Zwei Gendarmen und der Polizeioffizier der Vor» stadt Ryskin nahmen, mit den Füßen laut trappelnd, die Bücher vom Regal und legten sie auf einem Tisch vor dem Offizier zusammen. Die beiden anderen schlugen mit der Faust gegen die Wand, guckten unter die Stühle, einer kletterte ungeschickt auf den Ofen. Der Kleinrusse und Wjessow- schtschikow standen dicht beieinander in der Ecke. Nikolais Pocken- narbiges Gesicht bedeckte sich mit roten Flecken, seine kleinen grauen Augen blickten unverwandt den Offizier � an. Der Kleinrusse drehte seinen Schnurrbart, und als die Mutter ins Zimmer trat, nickte er ihr freundlich lächelnd zu. Sie bemühte sich, ihre Furcht zu unterdrücken und be» wegte sich nicht seitswärts wie sonst, sondern geradeaus, mit der Brust vorwärts— das gab ihrer Gestalt einen komischen, wichtigtuerischen Anstrich. Sie trat fest auf, und ihre Brauen zitterten.., Ter Dffizler ergriff mit seinen zar?en weißen Fingern schnell die Bücher, blätterte sie durch, schüttelte sie und schleuderte sie mit einer geschickten Handbewegung beiseite. Bisweilen klatschte ein Buch weich aus den Fußboden. Alle schwiegen. Man hörte nur das schwere Schnauben der schwitzenden Gendarmen, Sporenklirren und bisweilen die leise Frage: „Hier schon nachgesehen?" Die Mutter stand neben Pawel an der Wand, hatte die Hände wie auf der Brust verschränkt und blickte ebenfalls den Offizier an. Ihre Knie zitterten und wogender Nebel ver- schleierte ihre Augen. Plötzlich tönte durch das Schweigen Nikolais scharfe Stimme: „Wozu ist das nötig— die Bücher auf die Erde zu werfen?" Die Mutter fuhr zusammen. Twersakoff nickte, als hätte ihn jemand in den Nacken gestoßen, und Rybin räusperte sich und blickte Nikolai aufmerksam an. Der Ossizier warf den Kopf hoch, blinzelte mit den Augen und bohrte eine Sekunde den Blick in das pockennarbige, bunte, unbewegliche Gesicht... Seine Finger blätterten die Seiten noch schneller um. Bisweilen riß er seine großen, grauen Augen so weit auf, als sei ihm unerträglich web zu- mute und als wäre er bereit, einen lauten ohnmächtigen Wut- schrei auszustoßen. „Soldat!" sagte Wjessowschtschikow wieder,„hebt die , aus.. Alle Gendarmen wandten sich ihm zu und blickten dann auf den Offizier. Ter erhob wieder den Kopf, ließ einen forschenden Blick über die breite Gestalt Nikolais schweifen und näselte: „Na— o.„. Hebt sie auf � Ein Gendarm bückte sich und begann die zerzausten Bücher aufzuheben. Dabei schielte er nach Wjessowschtschikow hin... „Der Nikolai sollte doch still sein!",,» flüsterte die Mitter Pawel leise zu. Ter zuckte die Achseln. Der Kleinrusfe senkte den Kopf. „Was ist das da für ein Flüstern? Bitte zu schweigen! Wer liest hier die Bibel?" „Ich!" sagte Pawel. „Aha... Und wem gehören diese Bücher?� „Mir!" erwiderte Pawel. „So!" sagte der Offizier und lehnte sich auf dem Stuhl zurück. Dann knackte er mit seinen zarten Fingern, schob die Füße unter den Tisch, glättete seinen Schnurrbart und fragte Nikolai: „Bist Du Andrej Nachodka?"._■ „Jawohl!" erwiderte Nikolai, bortretend. Ter Klein- rnsse streckte die Hand aus, faßte ihn an der Schulter und drängte ihn zurück. „Er irrt sich! Ich bin Andrej!..." Der Offizier erhob die Hand, drbhte Wjessowschtschikow mit dem kleinen Finger und sagte: „Du, paß auf!..." Er stöberte in seinen Papieren. Bon der Straße blickte die helle Mondnacht mit starren Augen inS Fenster. Vor dem Fenster ging jemand langsam aus und ab, der Schnee knirschte. (Fortsetzung folgt.) J�och einmal ßlutsvcrwandtfchaft. Von Dr. C. Thesin g. In dem Unkerhaltungsblatt Nr. 133 berichtet H. G. über die tvichtigsten Erscheinungen des Blutes. Es fei mir hier gestattet, noch einige ergänzende Tatsachen diesen interessanten Ausführungen zuzufügen. Wir erfuhren dort bereits von der merkwürdigen Er- fcheinung, daß das Blut zweier verschiedener Tierarten aufeinander «ine stark zersetzende Wirkung ausübt und die roten Blutkörperchen des einen Individuums von der Blutflüssigkeit des anderen zer- stört werden. Die Gistwirkung ist um so schwerer, je ferner die verwandtschaftlichen Beziehungen der betreffenden Arten find. während bei einander sehr nahestehenden Tieren oder gar bei In- bividuen der gleichen Art überhaupt keine schädlichen Folgen mehr beobachtet werden. Durch zahlreiche interessante Untersuchungen vermochte nun Friedenthal den Nachweis zu erbringen, daß das Blutserum eines Menschen Wohl noch die roten Blutkörperchen von Hundsaffen lPaviancn usw.) zerstört, nicht aber mehr die der Menschenaffen(Schimpanse, Orang usw.). Auch der umgekehrte Versuch gelang vollständig, auch die rvken Bluischeiben des Menschen wurden in den meisten Fällen von dem Blutserum niederer Affen aufgelöst, dagegen blieb bei Benutzung des Blutess höherer Affen diese Reaktion aus. Es ist eine seit langem bekannte, wertvolle Eigentümlichkeit des lebenden Körpers, für jedes eingeführte Gift oder Toxin ein Gegengift oder Antitoxin zu erzeugen, das die gefährlichen Wirkungen des ersteren bekämpft Auf dieser Fähigkeit beruht es. daß sich der Organismus mit der Zeit durch allmähliche Steigerung der Giftdosen selbst an dir schwersten Gifte zu gewöhnen vermag, Wer kennt nicht die alle Sage von Mithridates, dem mächtigen Herrscher von Pontus, der aus Furcht von Meuchelmord seinen Körper so gegen alle Gifte gefestigt hatte, daß er bei Zusammen- brnch seines blutigen Ruhmes keine Giftmenge mehr fand, starb genug, ihn von seinem elenden Leben zu erlösen. Endlich gab nncr seiner wenigen Getreuen dem Könige mit dem Schwerte den er-> sehnten Tod. Auch als Folge der Einspritzung artfremden Blutes bilden sich in dem tierischen Körper gewisse Stoffe, die wir als Präcipitine bezeichnen und die sich bei lange währender systematischer Vor- behandlung mit einer bestimmten Blutart in großer Menge in dem Blute des Versuchstieres aufspeichern. Diese Präcipitine haben die merkwürdige Eigenschaft, in der Blutflüftigkeit der Tierart, von welcher das Blut zu den Injektionen(Einspritzungen) gelvonnen wurde, auffallende Niederschläge zu erzeugen, während sie das Blut aller anderen Tierarten unverändert lassen. Doch ein Beispiel wird dieses klarer machen. Spritzt man einem Kaninchen in regelmäßigen Zwischenräumen von zwei bis zu sechs Tagen je 10 Kubikzentimeter Huhnerblut ein— wenn sich das Tierchen erst an das fremde Blut gewöhnt hat, kann man auch die Menge etwas steigern—, dann erhält man endlich ein Kaninchen- blutserum-Hühncrantiserum, das, mit Hühnerblut vermischt, in diesem sehr starke trübe Niederschläge erzeugt, da? Blut anderer Tiere dagegen klar läßt. So interessant diese Beobachtung ist, so würde sie für den Zweck des Nachweises einer Blutsverwandtschaft zwischen ver- schiedenen Tieren doch ohne Bedeutung sein, falls nicht auch die Wirkung des so gewonnenen Kaninchenserums ebenso wie die Gift- Wirkung des Blutes selbst keine streng spezifische wäre. Mit anderen Worten, das Kaninchensernm erzeugt nicht nur im Hühnerblut, sondern auch in dem der am nächsten verwandten Tier- arten einen, wenn auch schwächeren Niederschlag. Diese Eigenschaft ist von N u t a l l und anderen Forschern' zum Ausgangspunkt ge- nommen worden, um in umfangreichem Maßstab die verwandt- schaftlichen Beziehungen der Tierwelt zu ermitteln. Versuche, die im großen und ganzen zu einer glänzenden Bestätigung der Er- gebnissc führten, zu denen wir bereits vorher auf Grund der ver- glerchend-anatomischcn und entwickelungsgeschichtlichcn Forschungen gelangt waren. Wir können hier natürlich nur einige dieser intcr- essantcn Untersuchungen herausgreifen. Es verdient aber noch bemerkt zu werden, daß man auf Grund positiv ausgefallener Ver- suche niemals sagen kann, wie nahe die untersuchten Tiere miteinander verwandt sind. Ans der Menge und Stärke des Niederschlages können wir vielmehr nur schließen, daß ein Tier.A näher mit dem Tiere B a l s mit dem Tiere C verwandt sei. Durch eine sinn- reiche Methode hat es Nutall ermöglicht, durch einfache Messung der Menge des Niederschlages den Verwandtschaftsgrad zu ver- gleichen. So ergab beispielsweise ein Antischafferum, das man durch fortgesetzte Einspritzung von Schafblut bei einem Kaninchen erziell, mit Schafblut zusammengebracht einen kräftigen Nieder- schlag, dessen Menge man als IMproz. bezeichnet. Mit Rinderblut vermischt, betrug die Menge des Niederschlages entsprechend der entfernteren Verwandtschaft nur noch etwa 80 Proz., bei der Antilope bv Proz., beim Para 47 Proz., beim Rcnnticr 30 Proz.» beim Schwein 20 Proz., beim Pferd 16 Proz., bei der Katze 12 Proz.» beim Hund 7 Proz. und beim Kängernh nur noch 5 Proz. Ganz entsprechend lieferte ein Antischweineserum beim Schwein 100 Proz., beim Para 14 Proz., bei der Katze 14 Proz., beim Hund und Schaf je 13 Proz. und beim Känguruh S Proz. Ein Antirinderseriun lieferte nicht nur bei anderen Rinderarten Reaktionen, sondern schwächere auch noch bei Schafen, Ziegen, Antilopen und- Gnus. Wir dürfen nach der Meinung von Nutall und anderer Forscher ans diesen Versuchen wohl den Schluß ziehen, daß auch der stammesgcschichtliche Verwandtschaftsgrad dieser Tiere der Menge des Niederschlages entspräche. Auch über die verwandtschaftliche Stellung des Menschen im Tierreiche versuchte Nutall in der gleichen Weise Licht zu ver- breiten, und es ist bemerkenswert, daß diese Experimente nicht nur zu den gleichen Ergebnissen führten wie die Versuche Friedenthals, sondern sich auch mit dem von Haeckel aufgestellten Stammbaum der Herrentiere im Einklang befinden. Es zcigre sich nämlich» wie zu erwarten war, daß ein Antimenschserum bei Mensche»? ver- schicdener Rassen die stärkste Reaktion lieferte, eine etwas schwächere bei den menschenähnlichen Affen, noch geringer wurde die Höhe des Niederschlages bei Meerkatzen und Pavianen, am geringste», bei den Affen der neuen Welt, den sogenannten Brcilnasen oder Platyrhincn. Bei den Halbaffen oder Prosinrien endlich trat nur in seltenen Fällen und bei Anwendung sehr starker Sera eine leichte Trübung auf. Ja, die Versuche deuten sogar darauf hin, daß die biochemische Verschiedenheit, welche das Menschengeschlecht Soft Schimpanse und Gorilla scheiden, geringere sind aiZ die Unier- schiede zwischen diesen Menschenaffen und ihren niederen tierischen Verwandten. Vermag natürlich auch die Blutreaktion allein nicht einen einwandfreien Beleg für die stammesgeschichtliche Zusammen- geHörigkeit der einzelnen tierischen Arten zu erbringen, so bildet sie doch in der Kette der anderen Beweise ein wertvolles Glied. � Ich möchte nicht versäumen, gleichzeitig auf die hohe praktische Bedeutung hinzuweisen, die dieser biochemischen Methode zukommt. Bei manchen Krimiualfällen ist es oft von großer Wichtigkeit, zu entscheiden, ob Blutflecken auf dem Boden oder an den Kleidern des Angeklagten von Menschen oder Tieren herrühren, ja bis- weilen kann an diesem Nachweis die Entscheidung über Leben oder Tod eines Menschen hängen. Heute gelingt diese Entscheidung leicht und mit großer Sicherheit; ist es doch nur nötig, die be- treffenden Blutflecken in Wasser aufzulösen und etwas Anti- mcnschserum. hinzuzufügen. Entstammten die Blutspuren den Adern eines Menschen, dann tritt in der Flüssigkeit sofort oder doch nach kurzer Zeit ein trüber, flockiger Niederschlag auf. Hatte dagegen ein Tier das Blut vergossen, so unterbleibt jede Reaktion, die Flüssigkeit behält ihr klares Aussehen. Ja, so ungemein fein ist die Wirksamkeit des Serums, daß selbst bei in Fäulnis über- gegangenem Blut oder bei Blutspuren, die bereits jahrzehntelang eingetrocknet waren, sich noch der Nachweis ihrer Herkunft er- bringen läßt. Diese Methode ist daher in Teutschland sowie den meisten Kulturstaaten in die gerichtsärztliche Praxis eingeführt. Auch den Nahrungsmittelverfälschern ist ein scharfer Aufpasser erwachsen, vermag man doch sofort Pferde- oder Hundefleisch in der Wurst zu erkennen. An Stelle von Blut lassen sich auch andere Eiweißarten der- wenden. So hat Uhlenhut gezeigt, daß das Blutserum von KaninSen, denen mehrere Male in regelmäßigen Intervallen Eiweißlösungen von Hühnereiern in die Dauchhühle injiziert wurde, beim Zusatz zu einer solchen Eiweißlösung einen kräftigen Nieder- schlag erzeugte, alle Lösungen von Eiweiß anderer Vogeleier aber klar ließ. Auf diese Weise ist es also möglich, Eiweißstoffe der verschiedenen Vogelarten zu unterscheiden, was bisher die Chemie vergeblich versuchte. Selbst in starken Verdünnungen von einem Gramm Eiweiß auf 10t) Liter Wasser treten noch deutliche Nieder- schlüge auf. Ja, A s c o l i will sogar noch bei einer Verdünnung von 1: 1 000 000 einwandfreie Reaktionen gesehen haben. Zum Schluß möchte ich hier noch eine bemerkenswerte Beobachtung Hanscmanns anführen. Ist es diesem Forscher doch scheinbar gc- lungcn, mittels der biochemischen Methode fünfiahrtausende alte Mumien ihrer Herkunft nach zu bestimmen. Kkmes Feuilleton. Literarisches. .Nils Holgersons wunderbare Reise." Das Lese- buch für Volksschulen, das Selma Lagerlöf unter dem Titel „KiIz Holgersons imderbara rosa" herausgegeben hat, ist in Schweden mit großer Begeisterung aufgenoaunen worden. ES hat aber auch mebr oder minder scharfen Tadel hervorgerufen, der sich hauptsächlich daraus stützt, daß das Leben und die Eigenschaften der Tiere sowie andere Naturverhnltuisse nicht den Tatsachen entsprechend gefchildert seien. Die Begeisterung überwog bei einer Diskussion, die Lehrer und Lehrerinnen auS allen Teilen Schwedens kürzlich bei den Sommerkunen in Stockholm veranstaltet hatten. Ein Oberlehrer betoute, daß durch das Buch»die Lesestundcn zu wirklichen Feststunden geworden find*.� Ein anderer Redner meinte:.Die Kleinsten werden durch die märchen- basten Schilderungen, den Sagenton. gefesiclt, die Größeren der- stehen der Verfasserin innerste Meimmg und Absicht und lernen da- von." Eine Lehrerin berichtete aus ihrer Erfahrung, daß»Nils Holgerson" dazu beitrage, die.Kinder die große Kunst zu lehren, .mit einer seelenvollen Ausfassung einen seelenvollen Vortrag zu vereinen" Die Diskilssion schloß damit, daß man Selma Lagerlöf in einem Telegramm„ehrerbietigen Dank für den teuren Schatz, den sie Schwedens Kindern schenkte," cnisiprach. Wir Deutschen beneiden jedenfalls die Schweden um dieses wunderbare Buch, das auch in der deutschen bei Langen erschienenen Ucbersetzung aufs wärmste zu empfehlen ist. Mnsik. Dem musikalischen Schaffen bietet die jetzige Theaterzeit nichts; dem imifikalischen Rachschassen insofern wenig, als sich das Reper- toire der gegenwärtigen Opern- und Operetten- Aufführungen in engsten Kreisen dreht. Dagegen gibt sie vielen Künstlern Gelegen- hrit, sich überhaupt oder in mrgcwohuten Rollen oder vor einem anderen Publikum zu betätige». Namentlich das Sommerspiel unseres Zentral-Theaters bei Kroll leistet dafür in wenigen Tagen mehr als winters in Monaten. Derzeit weckt das Gastspiel des Tenors Hermann Jadlowker Interesse. Wir hörten ihm an, Sonntag in der Hauptrolle der mit Recht viclbelieblen Oper„Der Bajazzo" von Leoncavallo und fanden mir einer gutgebildeten, teilwcis an Klarinettenklang erinnernden Stimnie, die nur manchmal bis zum Umkippen forciert wird, ein scharf charakterisierendes Spiel verbunden. Auch die übrigen Mitwirkenden— ungeläufige Namen— gaben sich Mühe, die innerliche Tragik des Werkes reich auszugestalten; so vor allem Jenny Wilms. die ihre etwas dünne und harte Stimme mit starker dramatischer Kunst zu behandeln weiß. Auch den Herren Armando Maurel und Karl Heinr. Barth sei» tenoraler Baryton, der einem barhtonalen Tenor wie z. B. dem Oskar Brauns nahesteht) möchten wir gerne bei einer weiteren Eu.'raltuug wieder begegnen. Eine hübsche Wiener Offenbachiade,„Die schöne Galathee" von Franz Suppö, leitete den Abend ein, in einer bequemen Vereinfachung, von welcher jedoch der geduldige Theaterzettel nichts wußte. Die Titelrolle— eine erwachende Statue— beansprucht so viel Gesangskunst, wie auf der gewöhnlichen Operettcuhöhe nicht vorzukommen pflegt. Erna Fiebiger bringt für diese Nolle ein genug reiches Können mit, das wert ist, über die noch etwas schul- gerechte Korrektheit durch weiteres Ausreifen hinausgehoben zn werden. Was die beiden Männerstimmen in diesem Stück an Wohl- lmit fehlen ließen, ersetzte einigermaßen der Klang der Stimme von Lotte Klein— eine höhere Mtstimme, die allerdings noch etwas Fülle gewinnen könnte. sz. Meteorologisches. Der Mond als Wolkenschieber. Die wetterkundigew Leute im Volk, die bekanntlich vieles besser wissen als die zünftigen Meteorologen, haben seit langer Zeit den unerschütterlichen Glauben, daß der Mond die Fähigkeit habe, Wolken zu zerstreuen. Ter jüngstverstorbene Altmeister der Meteorologie in Deutschland» Wilhelm v. Bczold, pflegte diesen Umstand auch in seinen Vor- lesungen zu erwähnen und dann stets darauf aufmerksam zu machen. daß das Volk dabei einen logischen Fehler beginge. Wenn sich die Wolken zerteilten und der Mond zwischen ihnen hervorkäme, dann hätte natürlich immer dieser selbst die Wolken aufgelöst. Bliebe aber der Himmel bewölkt und machte den Mond dauernd unsichtbar» so dächte niemand daran, daß er am Himmel stünde und daher ebenso zur Betätigung seiner Fähigkeit gegenüber den Wolken ver- pflichtet wäre. Daraus geht schon hervor, daß die wissenschaftlichen Vertreter der Witterungskunde diesem Volksglauben nicht günstig! gesonnen sind. Otto Meißner untersucht jetzt in der Wochenschrift „Umschau"(Frankfurt a. M.) die Bedeutung dieser Sage noch etwas genauer und weist zunächst darauf hin, daß die Beobachtung an sich nicht unrichtig sei. Die Häufigkeit der Erscheinung hängt vor allem damit zusammen, daß die Bewölkung gewöhnlich abends abzunehmcw pflegt. Im Sommer beispielsweise bilden sich durch die Erwärmung des Erdbodens aufsteigende Luftströme, die ihre Feuchtigkeit in größeren Höhen infolge der Tcmperaturabnahme zu Wasserbläschen verdichten und so Wolken bilden. In dieser Jahreszeit haben diese die allbekannte und besonders schöne Form der Haufen- oder Cumulus-Wolken. Unter gewissen Bedingungen entsteht aus den Haufenwolkeu oder auch von vornherein eine Abart, die ganz all» gemein Schäschenwolken, von der Wissenschaft Stratocumuli ge» nannt wird. Gerade diese besonders häufige Wolkenform löst sich sehr oft abends oder nach völligem Eintritt der Dunkelheit restlos auf, so daß der Himmel durchaus klar wird und der Mond selbst» verständlich hervortritt, wenn er überhaupt am Himmel steht. Ist dies der Fall, so wird die Auflösung der Wolken für den mensch- lichen Beobachter natürlich weit auffälliger, und daraus ist es schon genügend erklärlich, warum die Gegenwart des Mondes und die Zerstreuung der Wolken mit einander in eine ursächliche Verbindung gebracht werden. Meißner hat nun die Beobachtungen der Wetter- warte in Potsdam dazu benutzt, das Verhältnis von Mondschein unt» Bewölkung genau festzustellen, und zwar hat er zu diesem Zweck ein gewaltiges Material von 1834 bis 1300, also für 80 Mondläufe» dearbeitet. Es wurden für drei Zeitpunkte am Tage, nämlich für 9 Uhr und 10 Uhr abends und für Mitternacht, die mittlere Be- wölkung festgestellt und die Bcobachtungsergebnisse nach den Tagen des Mondalters geordnet. Es verstand sich von selbst, daß im Fall der Richtigkeit jenes Volksglaubens das Ergebnis dieser Unter- suchung eine Zunahme der Bewölkung bei abnehmendem Mond hätte zeigen müssen. Gerade das Umgekehrte aber erwiesen die von Meiijner zusammengestellten Tabellen; denn danach war in der an- gegebenen Zeit durchschnittlich immer gerade in der Zeit des Voll» monds oder gleich danach der Himmel am stärksten bewölkt gewesen. und um die Zeit des Neumondes herum am wenigsten. Man könnte also höchstens den Schluß ziehen, daß der Mond die umgekehrte Wirkung hätte, die Wolken gerade anzuziehen und zu verdichten. Im allgemeinen aber geht die Ansicht der Meteorologen noch immer dahin, daß der Mond überhaupt keinen oder nur einen ganz ver» schwindenden Einfluß aus die Witterung besitzt.— Aus dem Tierreiche. Der schönste Affe. Für die Wissenschaft ist zunächst kein Tier häßlich, weil die Wißbegier, die sich auf die Erforsckung aller Lebewesen richtet, derartige Gefüblsurteile unterdrückt. Wenn man aber bezüglich der Affen eine Volksabstimmung veranstalten wollte» so würde deren Ergebnis doch wohl dahin lauten, daß sie im großen und ganzen recht hätzliche Tiere sind. Sie mögen in manchen ihrer Vertreter zierlich und possierlich sein, aber auch das trifft beispicls» weise auf einen Pavian nicht mehr recht zu. Auch unter den Affen gibt es einen, der sogar von den Zoologen als ein Adonis unter all seinen Verwandten bezeichnet wird, das ist der in Afrika heimische ©üctc�tf. Die Korßerform dieses Affen würde an sich nicht be- sonders durch Schönheit auffallen, aber in der Färbung und nament- lich in der Behaarung ist er ohne Zweifel eines der prächtigsten Tiere überhaupt. Dazu kommt die außerordentliche Gewandtheit seiner Bewegungen, die gleichzeitig durch Anmut und Kühnheit ent- zücken. Der Leib hat das Aussehen von schönstem schwarzen Samt, während die Augenbrauen, der Hals, die Schläfen und das Kinn mit glänzendem Weiß davon abstechen. Die größte Zierde aber sind die langen Haare, die von der Mittellinie des Leibes zu beiden Seiten wie eine glänzende Schabracke herabfallen, und das mächtige Haar- büschel von gleich strahlendem Weiß, in das der Schwanz ausläuft. Diese Mannigfaltigkeit der Zeichnung, das Wallen der Seitenhaare und der ausdrucksvolle Schwanzwedcl gewähren im Verein mit den schönen Bewegungen des Tieres einen seltenen Eindruck. Leider ist nicht häufig Gelegenheit gegeben, den Anblick dieses Tieres zu ge-' ttießen, weil es in der Gefangenschaft äußerst schwer zu halten ist. Auch der Berliner Zoo logische Garten besaß bisher kein Exemplar und schätzt die Erwerbung eines Gueretza-Paares daher als eine Besonderheit unter den Neuergänzungen seines Tier- bestandes. Die Nahrung dieses Affen besteht nämlich, da er aus- schließlich auf Bäumen lebt, aus dem, was er dort findet, also aus Blättern, Blüten. Früchten, und es ist begreiflicherweise schwer, ihn in anderen Ländern stetig mit der gewohnten Nahruna aus seuter Heimat zu versorgen.— Humoristisches. — Der Schandfleck der Justiz. Soll ich lachen? Soll ich weinen? Armes, deutsches Vaterland I Exzellenz, so will mir scheinen, Haben sich das Maul verbrannt. Was Sie laut und deutlich sagten (Ach I Mich überläuft es kalt!), Wenn wir's nur zu denken wagten? Käme gleich der Staatsanwalt. Wir und Siel Ich bitt' um Gnade. Daß ich nahm bei Ihnen Platz. Wir und Sie l Das ist ja grade Der gcwalt'ge Gegensatz. WaS sich Exzellenz erlauben, Wäre für mich Vogelleim. Hüpft' ich drauf, müßt' ich dran glauben•• Nicht wahr, liebes Stadelheim. Und mit Recht. Die kleinen Diebe Oder Mörder hängt man auf. Ehre, Vaterland und Liebe, Alles ist Geschäft und Kauf. Und das Mitleid mit den Arme» Gilt zumeist als Hochverrat. Darum spare dein Erbarmen Für die großen Herr'n der Tat l Toller wird'S und immer toller, Alle Hirne werden weich. Packt am End' der Tropenkoller Auch die Edelsten im Reich? Horch I Die Weltgeschichte fiebert, Macht im Fieber einen Witz: Zornrot redet Herr von Liebert Von dem Schandfleck der Justiz. Er, der Ordnung stärkste Säule, Wütet wie ein Anarchist. Und mit jubelndem Geheule Applaudiert ihm Jud und Christ. Applaudiert ihm Christ und Jude— Heilige Justitia, Geh' und schließe deine Bude l Denn wir sind in Afrika. (Edgar Steiger im.Simplizissimus'.) Notizen. — Ein Grabmal Menzels wurde auf dem Berliner Dreifaltigkeitsftiedhofe am Sonntag enthüllt. In einer Nische der Granitwand steht auf einem Sockel Menzels Büste, ein Abguß deS Originals von Neinhold Begas in der Nationalgalerie. —.Kolonialpolitik' nennt Ernst v. Wolzogen eine Umarbeitung seiner Komödie„Unjamwewe", die 1397 keinen Erfolg zu erzielen vermochte. — Eine Volksoper in Paris. Der �Pariser Gemeinde- rat hat bcschlofien, das GaitS-Theater einem Direktoren» Konsortium unentgeltlich zu überlassen. Die Unternehmer ver- pflichten sich dafür, vom 1. Oktober bis 31. April mindestens 250 erst- klassige Aufführungen von Spielopern zu veranstalten. Der Maximal- preis eines Platzes ist auf 4 Frank festgesetzt, mindestens 500 Plätze müssen um 50 Centimes abgegeben werden. Paris erhält auf diese Art sein erstes wirkliches Volkstheater und unbemittelte Musikfteunde werden künftig nicht mehr darauf angewiesen sein, sich am 14. Juli, dem Tag der Freivorstellungen in den Opernhäusern„anzustellen" l — Das gerettete Wien. Hermann Vahrs Büchlein über Wien, in dem er nach staatsanwaltlichen Begriffen den oder einigen HabSburgern jene Eigenschaften abgesprochen haben soll, die sie bezüglich oder vermöge ihrer Mission zu haben verpflichtet sind, wurde bis auf vier Stellen vom Wiener Landgericht freigegeben. Die armen vier Stellen müssen aber auf dem Altar des Vaterlandes dargebracht werden. — William Perkin, der Vater, ist im Alter von 69 Jahren gestorben. Er war einer der hervorragenden englischen Chemiker. Als Schüler A. W. Hofmanns entdeckte er in London schon in jungen Jahren den ersten Anilinfarbstoff. Die erste Teerfarbenfabrik wurde von ihm begründet und damit der chemischen Industrie neue weit- führende Wege erschlossen. Auch durch andere Arbeiten über bis Synthese organischer Verbindungen wurde P. bekannt. — Nachrichten von Well man. Die letzten Meldungen aus Spitzbergen, wo Wellman gegenwärtig zum Aufbruch nach dem Nordpol rüstet, besagen, daß der kühne Polarfahrer hofft, bereits in den ersten Augusttagen mit seinem Luftschiff seine Reise antreten zu können. Die„Frithjof" ist am Freitag in Tromsö eingetroffen, um neues Baumaterial für das Ballonhaus aufzunehmen, das bei dem letzten Sturme beschädigt worden ist. Das Ballonhaus hat sich übrigens als zu klein erwiesen. Das Luftschiff ist bereits reisefertig, nur haben die Motore einstweilen noch nicht erprobt werden können. Bücher- Einkauf. Philosophie. Paul Deußen: Die Geheimlehre des Beda. (F. A. Brockhaus, Leipzig. 3 M., geb. 4 M.) Einer der besten Kenner der indischen Philosophie bietet hier fließend zu lesende Aus- züge aus dem altindischen Weisheitsbuche der Upanishads, die in die indische Philosophie auch dem Laien einen Einblick gestatten. Aelter als die griechische Philosophie und viel tieffinniger als die christliche Religion, ist die Upanishadenlehre des Interesses wohl wert, wenn man auch keineswegs die Ansicht des Uebersetzers zu teilen braucht, daß sie für die Ausgestaltung des christlichen Bewußt- seins von Bedeutung ist. Wenigstens nicht, soweit die Arbeiterklasse in Frage kommt, der weder das Christentum noch die indische Philo- sophie etwas zu bieten hat. In der Einleitung hätten wir gerne mehr vernommen über die Klasse und das Kulturmilieu, aus der heraus die Upanishads ent- standen sind. Denn schon aus dem Umstände, daß es eine Geheim- lehre ist, geht abgesehen von allem anderen hervor, daß es eine Klassen- oder besser Kastenlehre ist. — A. von Gleichen-Rußwurm: Schillers Weltanschauung und unsere Zeit.(Marquardt u. Co., Berlin. 1.50. geb. 3 M.) — Th. Ne�west(Hans Goldzier): Einige Weltprobleme, V. Teil: Erdendämmerung.(C. Konegen, Wien. 2.50 M.) — I oh. Wedde: Die Freiheit und ihr Freier, Grundlinien einer monistischen Philosophie der Zukunft.(A. Janssen, Hamburg. 2. M.) Völker» und Länderkunde. — Dr. Hans Lehden: Kreuz und Ouevi 2 Bände. (Deutsche Bücherei, Berlin. Jeder Band 30 Pf.) — Max Löhr: Volksleben im Lande der Bibel. Wissenschaft und Bildung, Band 7.(Quelle u. Meyer, Leipzig. 1 N., gebunden 1,25 M.) — Josef Ruederer: München. Städte und Land- schaften, Band 1.(C. Krabbe, Stuttgart. 2,50 M., gebunden 4 M.) — Friedrich Th. Bischer: Brief« aus Italien. (Süddeutsche Monatshefte, München. 2,50 M.) Verschiedenes. — W. Vröcking: Das Rätsel der eisernen Maske und seine Lösung.(Phil. Reclam, Leipzig, 20 Pf.) — Paul Koch: Mythen und Sagen der Bibel und ihre Uebereinstimmung mit der Mythologie der Jndogermanen. (H. Walther. Berlin. 2 M.) — G. Manolescu und seine Memoiren. Kriminal- psychologische Studie von Dr. Erich Wulfsen, Staatsanwalt in Dresden.(Dr. P. Langenscheidt, Berlin. 2 M., geb. 3 M.) — Moderne Kultur. Ein Handbuch der Lcbensbildung und deS guten Geschmacks. In Verbindung mit Frau Marie Diers, W. Fred, Hermann Hesse, Dr. Georg Lehnert, Karl Scheffler, Dr. Karl Storck herausgegeben von Prof. Dr. Ed. Hey ck. 1. Band: Grundbegriffe.— Die Häuslichkeit.(Deutsche Berlagsanstalt, Stutt- gart. Geb. 15 M.) — A. von Ruthner: Die Paschawirtschaft an den deutschen Hostheatern.(Tasnianiaverlag, München. 1,50 M.) — Joh. Schlaf: Der Krieg. Die Kultur, 21. Band. (Marquardt u. Co., Berlin. 1,50 M., geb. 3 M.) — Leo Tolstoi: Für alle Tage, ein LebenSbuch. Autorisierte Uebersetzung von H. E. Schmidt und A. Skarvan. II. Band.(Karl Reißner, Dresden.) Perantw. Redakt.: CarlWcrmuth, Berlin-Rixdorf.— Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u.Verlagsanstalt Paul Singer LeCo.. Berlin S W,