Anterhaltnngsblatt des vorwärts Nr. 136. Mittwoch, den 17. Juli. 1907 (Nachdnlck verböte».) i2] Die JVIutter» Roman von Maxim Gorki. Deutsch von Adolf Heh. „Nachodka, bist Du wegen politischer Verbrechen schon in Untersuchung gewesen?" fragte der Offizier. „Ja. in Rostow und in Saratow.. � Aber die Gendarmen haben mich dort„Sie" genannt.. Der Offizier blinzelte mit dem rechten Auge, rieb es und meinte, seine kleinen Zähne zeigend: „Ist Ihnen— ich sage Ihnen— Nachodka bekannt, welche frechen Burschen in der Fabrik die verbrecherischen Auf- rufe und Bücher verbreiten?" Der Kleinrrisse schaukelte auf seinen Beinen und wollte mit breitem Lächeln etwas sagen, aber wieder klang in ver- haltenem Zorn Nikolais Stimme: „Freche Burschen sehen wir hier zum ersten Male..." Dann herrschte Schweigen; alle blieben einen Augenblick unbeweglich. Die Schramme im Gesicht der Mutter wurde blaß, und ihre rechte Braue glitt in die Höhe. Nybins schwarzer Bart zitterte sonderbar, er erhob die Hand, senkte den Blick und kraute sich langsam den Bart. „Führen Sie das Vieh hinaus?" sagte der Offizier. Zwei Gendarmen faßten Nikolai unter die Arme und stießen ihn roh in die Küche. Dort machte er Halt, stemmte die Füße fest gegen den Boden und rief: „Halt... Ich will mich ankleiden?" Vom Hofe erschien der Polizeioffizier und sagte: „Ist nichts da. haben alles nachgesehen!" „Nun, natürlich!" rief der Offizier lächelnd.„Das habe ich ja gewußt! Der Kerl ist ein schlauer Fuchs... Natürlich!" Als die Mutter seine schwache, zitternde, spröde Stimme hörte und voll Furcht in sein gelbes Gesicht blickte, fühlte sie, daß dieser Mann ihr Feind, ihr unversöhnlicher Feind voll Menschcnverachwng sei. Sie hatte auch früher wenig solche Leute gesehen und jetzt fast vergessen, daß sie existierten. „Das sind also die Menschen, denen Pawel und seine Freunde zu Leibe wollen!" dachte sie. „Unehelich geborener Andrej Onissimow Nachodka, ich verhafte Sie!" „Weshalb?" fragte der Klcinrusse ruhig. „Das werde ich Ihnen später sagen!" ettviderte der Offizier mit schadenfroher Höflichkeit. Dann wandte er sich zu Frau Wlassow und schrie sie an; „Kannst Du schreiben?" „Nein!" erwiderte Pawel. „Dich frage ich nicht!" sagte der Offizier strenge und fragte noch einmal: „Alte, antworte? Kannst Du schreiben?" Die Mutter gab unwillkürlich ihrem Haß gegen diesen Menschen nach: ihr ganzer Leib zitterte plötzlich, als sei sie in kaltes Wasser gesprungen, sie richtete sich auf ihre Narbe wurde purpurrot, und die Augenbraue senkte sich tief herab. „Schrei'n Sie doch nicht!" begann sie und streckte die Hand gegen ihn aus.„Sie sind noch ein junger Mensch.,. haben noch keinen Kummer kennen gelernt." „Beruhige Dich, Mutter!" suchte Pawel sie zu hindern. „Hier heißt es, die Zähne zusammengebissen!" sagte der Klcinrusse. „Wart', Pawel!" rief die Mutter und stürzte zum Tisch. „Warum verhaltet Ihr den Mann?" „Das geht Euch nichts an... Still geschwiegen!" rief der Offizier aufstehend.„Führen Sie den Arrestanten Wjessowschtschikow herein!" Er vertiefte sich in ein Aktenstück, das er dem Gesicht näherte. Nikolai wurde hereingeführt, „Mütze ab!"� rief der Offizier, seine Lektüre unter- brechend. Rybin trat zu Fra» Wlassow, stieß sie gegen die Schulter und sagte leise: „Werd' nicht hitzig, Mutter.. „Wie kann ich die Mütze abnehmen, wenn man mir die Arme festhält?" überschrie Nikolai das Verlesen des Protokolls. Der Offizier warf das Protokoll auf den Tisch. „Unterschreiben!" Die Mutter sah, wie alle das Protokoll unterschriebest, ihre Erregung legte sich, ihr Mut sank, und in ihre Augen traten ohnmächtige Tränen der Schmach! Solche Tränen hatte sie während der zwanzig Jahre ihrer Ehe geweint, die letzten Jahre aber hatte sie ihren beißenden Geschmack ver- gessen. Der Offizier sah sie an und meinte mit verächtlichen? Gesichtsausdruck:' „Sie brüllen zu früh los, Madame? Passen Sie auf, später werden die Tränen vielleicht nicht reichen!" Sie wurde wieder böse und sagte: „Bei einer Mutter reichen die Tränen für alles-.. für alles! Wenn Sie eine Mutter haben— die wird das wissen, jawohl!" Der Offiziere legte die Papiere geschwind in ein neues Portefeuille mit glänzendem Schloß. „Was die sich alles herausnehmen!" wandte er sich an den Polizeioffizier. „Frechheit!" murmelte der. „Marsch!" kommandierte der Offizier. „Auf Wiedersehen, Andrej, auf Wiedersehen, Nikolai!" sagte Pawel warm und leise und drückte den Kameraden die Hand. „Ganz richtig— auf Wiedersehen!" lachte der Offizier spöttisch. Wjessowschtschikow drückte mit seinen kurzen Fingern schweigend die Hand und schnob laut. Sein dicker Hals war blutunterlaufen, seine Augen funkelten hart. Der Kleinrusse lächelte, schüttelte den Kopf und sagte der Mutter etwas; die bekreuzigte ihn und antwortete: „Gott sieht die Gerechten!.. Endlich schoben die Leute in grauen Mänteln in den Flur. klirrten dort eine Weile mit den Sporen und verschwanden. Als letzter ging Rybin hinaus: er maß Pawel mit einem auf- merksamen Blick und sagte nachdenklich: „Nun... Lebt wohl!" Dann hustete er in seinen Bart und trat langsam in den Flur. Pawel ging mit auf dem Rücken verschränkten Händen langsam im Zimmer auf und ab, wobei er über die Bücher und Wäsche, die auf dem Fußboden lagen, hinwegtrat, und sagte mürrisch: „Siehst Du, wie es gemacht wird?..» Mich hat man hiergelassen." Die Mutter blickte ratlos in dem unordentlichen Zimmer umher und flüsterte bekümmert: „Warum ist Nikolai grob gegen ihn geworden?".., „Er hat Furcht bekommen..." sagte Pawel leise. ... mit denen kann man nicht reden!..." „Kommen herein, nehmen einen fest und führen ihn fort..." murmelte die Mutter händeringend. Der Sohn blieb zu Hause, ihr Herz schlug ruhiger, aber vor ihren Gedanken stand die unabwendbare Tatsache, die sie nicht begreifen konnte: „Was will der gelbe Kerl mit seinen Drohungen?..." „Schon gut, Mutter!" sagte Pawel plötzlich entschlossen. „Laß nur. Wollen jetzt das Zimmer aufräumen..." Sie bewegte sich zu ihm, blickte in sein Gesicht und fragte leise: „Haben sie Dich gekränkt?" „Ja," erwiderte er.„Es ist ekechaft-.. und schwer zu ertragen! Hätten sie mich doch auch mitgenommen..." Es schien ihr, als wenn in seinen Augen Tränen ständen: sie empfand seinen Schmerz, wollte ihn trösten und sagte mit einem Seufzer: „Wart' nur... Sie werden auch Dich holen!.. „Das werden sie!" erwiderte er. Nach kurzem Schweigen meinte die Mutter traurig: „Ach Pawel, wie bist Du streng! Wenn Du mich nur etlvaS trösten wolltest..." Er sah sie an, trat zu ihr und meinte leise:' „Ja „Ich versteh' es nicht, Mama! Ich kann nicht lügen... Du mußt Dich daran gewöhnen!" Sie seufzte, schwieg einen Augenblick und sagte dann, ihr furchtsames Zittern bezwingend: „Und vielleicht foltern sie die Leute! Zerreißen den Körper, die zarten Knochen... Wenn ich daran denke.,. .Pawel, mein Liebling, das ist entsetzlich!.. „Ich glaube, sie zerreißen die Seele und nicht den Leib... Das tut weher, wenn sie mit ihren schmierigen Fingern die Seele betasten,, XI. Am nächsten Tage wurde bekannt, daß Bukin, Samoilow, Ssomow und noch fünf andere verhaftet waren. Am Abend kam Fedja Masin zu ihnen gelaufen— bei ihm hatte man ebenfalls Haussuchung gehalten. Das erfüllte ihn mit Be- friedigung, er sohlte sich wie ein Held. ü„Hast Angst gehabt, Fedja?" fragte die Mutter. Er wurde etwas blaß, sein Gesicht wurde schärfer, die Nasenflügel zitterten. (Forrsetzung folgt.) lNnchdruck oeifiolcn.) Die Gartenbau ausstellungen der Zukunft:* Berlin soll im Jahre 1909 seine Internationale In anderer Beziehung wird hingegen dem Verlangen der Künstler nach angewendeter Gartenbaukunst auf den Zukunfts- ausstellungen Rechnung getragen werden, das ist, soweit Blume und Pflanze als Mittel zum Raumschmuck in Betracht kommen. Bereits vor Dresden sind an verschiedenen Orten, so auch in Berlin wiederholt Versuche gemacht worden, Blume und Pflanze als Schmuckmittel im Raum vorzuführen. Es sei nur an die dies- jährige Berliner Bindckunst-Ausstcllung im März erinnert, zu der verschiedene Wettbewerbe für Innendekoration ausgeschrieben waren; wenn die Beteiligung an diesen Wettbewerben recht schwach war, so ist dies eben darauf zurückzuführen, weil es sich um etwas Neues, noch nicht recht Erprobtes handelte. Die Dresdener Aus- stellung bot schon mehr. Und für die in diesem September in Mannheim stattfindende Allgemeine Bindekunst-Ausstcllung sind eine ganze Anzahl von Aufgaben gestellt, die in ihrer Gesamtheit das Heim im Vlunienschmuck zeigen sollen. So sehen wir die Gartenbauausstellungen nach zwei Richtungen hin sich in ein neues Gewand kleiden. Beide Richtungen wurden in Dresden zum ersten Male in umfassender Weise einem großen Publikum vorgeführt und somit muß die Dresdener Ausstellung als bahnbrechend für die Gartenbauausstellungen der Zukunft be- zeichnet werden. Für die Folge wird der Pflanzenzüchter uns mit keinen Leistungen Naturbilder zeigen, und der Blumenbinder und Dekorateur werden bemüht sein, zu veranschaulichen, wie Blume. und Pflanze als Schmuckmittel im Raum zu verwenden sind. Ein drittes Moment wird bei solchen Ausstellungen neu hinzukommen, deren Dauer sich über die Sommermonate erstreckt, eben jenes,. nach dem die Künstlerschaft verlangt: der vollständig ausgeführte Haus- und Villengarten. K r a f f t. kleines feuilleton. AuS der Wanderzeit. Langsam schlenderte ich durch die Rosen- felder von Britz. Es hatte am Tage zuvor geregnet; aber heute lachte die Junisonne um so kräftiger auf die grünende, blühende. reifende Erde herab und auf den Feldern schimmerte und flimmerte der Abglanz ihrer Strahlen, wie ein hingewehter, goldiger Hauch. Ein junger Bauernknecht häufelte Kartoffeln, ab und zu durch muntere Zurufe das dicke, schwere Pferd antreibend. Eine gut gepflegte Chaussee zieht nach Mariendorf hinüber. rechts und links von Bäumen flankiert. Die Böschungen zu beiden Seiten sind mit schwellendem Grün überzogen und laden wie ein weicher, ausgebreiteter Teppich zum Rasten ein. Und ich nahm die Einladung an und streckte mich darauf aus, in dem wohligen Gefühl des Alleinseins, weltabgeschieden, fern von allem Lärmen und Hasten, mir selbst überlassen auf eine kurze Spanne Zeit. Drüben, auf den Wiesen, lag gemähtes Heu, und Frauen mit bunten Kopftüchern und Männer in Hemdsärmeln-wendeten es mit Rechen und Gabeln. um es aufs neue der sengenden Sonnenglut auszusetzen. Und indem meine Lunge den herben, satten, fast betäubenden Duft in gierigen Zügen einsog, tauchte in meiner Erinnerung eine weit zurückliegende. aber doch fest eingeprägte Begebenheit auf. Es war vor zehn Jahren. Ich zählte damals 18 Lenze, hatte einen vielversprechenden Flaum unter der Nase und kühne, gletscher- hohe Hoffnungen in der tatenschwangercn Brust. Es war mein erster Ausflug aus der Enge des elterlichen Nestes, er sollte zu einem dauernden werde«. Wochen-, monatelang hatte ich, im Ueber- schwang der jugendlichen Freiheit» jede Arbeitsgelegenheit ver» schmähend' und weit von mit weisend, die Schweiz und Tirol auf Schusters Rappen durchzogen. Nun aber gingen meine Barmittel, trotz eingehender, ökonomischer Erwägungen und Berechnungen zur Neige. Mit den Stiefeln mußte ich auch des öfteren ernste und der- söhnende Rücksprache nehmen, denn schon in der Schweiz war ich auf „deutschem Boden" gegangen und an meinen Absätzen hätte ich selbst den verbohrtesten, hartnäckigsten Zweifler davon überzeugen können. daß die Welt rund ist. Es war in Oberbayern, wir kamen von der Tiroler Grenze. Ich hatte mich in Gesellschaft eines Gefährten, eines„berufs- mäßigen" Walzbruders, an einem Bcrgesabhang gelagert. Ueber uns türmten sich die waldigen Höhen in gigantischen Formen auf, links, weit hinten, in Blau verschwimmend, winkten die Tiroler Berge, und zu unseren Füßen breitete sich die hügelige Ebene aus. Die Bauern waren mitten in der Heuernte, und die Eisenteile ihrer Gerätschaften blitzten und funkelten in der Mittagssonne weithin. Ein leichte Brise trug uns den köstlichen, herben Heuduft wellen- weise zu und wir sogen ihn, auf dem Rücken liegend, in kräftigen Zügen ein. Mein Begleiter war etwa 40 Jahre alt, aus der Rhein- gegend gebürtig und hatte einen schönen, ernsten Christuskopf. Er war von hohem Wuchs und hielt, was bei diesen Leuten selten vor- kommt, viel auf sein Aeutzeres. Besonders die schmalen, aristokra- tischen Hände Pflegte er mit der Sorgfalt unp Eitelkeit einer Pariser Modedame. Gott weiß, wo ich ihn aufgelesen hatte, auf der Wanderschaft findet man sich und verliert sich wieder, in raschem Wechsel, daß man kaum darauf achtet. Mit diesem reiste ich schon mehrere Tage. Es war ein interessanter, unterhaltender Begleiter. Er kannte alle Städte. Dörfer, Höfe, alle Wege und alle Häuser, wo es ein Geschenk gab. In allen„Kittchen" hatte er schon ge- brummt und m?t allen Ortspolizisten sich herumgeschlagen. Mit Hülfe eines Onkels hatte er das Baufach studiert, in Köln und zu- letzt in München, und da war es auch, wo er, durch irgendwelche Streiche, über diesen Punkt ließ er sich nicht aus, verbummelte. Er besaß viel Wissen, was mir, als einfachem Handwerksgesellen, un- geheuer imponierte, und wenn er mir in seiner fesselnden Weise etwas erklärte, dann lauschte ich andächtig und mit heiliger Scheu blickte ich zu ihm auf. Besonders geschickt im Zeichnen war er, und mit verblüffender Sicherheit und Schnelligkeit konnte er einen Menschen, ein Haus oder ein Fuhrwerk an irgendeinem Bretter- zäun oder auch auf dem Papier festhalten. Zwerchfellerschütternd aber wirkte er dann, wenn er einen geizigen Bauer oder Pastor karikierte. Mit einem einzigen Blick hatte er den charakteristischen Zug. in dem Gesicht des Verhaßten erfaßt und mit genialem Ge- schick entwarf er dessen Bild an der Wand eines Hauses oder an einem Hoftor, das Charakteristische ins Groteske übertreibend. Aus dem Tal herauf, durch die brütende Mittagsstille, klang das dünne, wimmernde Läuten eines schwindsüchtigen Glöckchcns. Nur ganz kurz, dann ein leises Nachklingen, ein schwaches Vibrieren des Tons und alles war wieder stumm und still. Den steilen Weg herauf kam jetzt ein kleiner Zug. Sechs Männer trugen keuchend einen roh- gezimmerten Sarg. Keine Blume, kein Kranz schmückte diesen, und die Sonnenstrahlen prallten auf die kahlen, nüchternen Bretter. Mich durchzog ein frostiges, häßliches Gefühl. Ein altes, schluchzendes Mütterchen, mit Ivclkcn, trockenen Zügen, mühsam an einer Krücke humpelnd, folgte hinterher. Daneben trottete ein Idiot, mit un- förmigem Kopfe und grinsendem Gesicht, und zwischen beiden trippelte barfuß ein kleiner, blasser Junge. In den kleinen Händen hielt er einen Kranz aus Feldblumen, roter Mohn, blaue Korn- blumen, vermischt, mit Rittersporn und anderen. Das war alles. Kein Pfarrer war zu sehen. Gewiß ein Selbstmörder, der da hinaus- getragen wurde, dazu eine Armenleiche. Mein Gefährte war auf- gestanden und hatte das Haupt entblößt. Ich tat desgleichen. Dann winkte er mir zu und folgte dem Zuge, und ohne zu wissen, warum, gehorchte ich. Wir schritten ernst hinter den anderen her. Die Träger blickten sich finster und fragend um. Sie nahmen vermut- lich an, es handele sich um einen Ulk. So erreichten wir den kleinen Friedhof, der am blande des Waldes gelegen war. Wohl aus prak- tischen Erwägungen hatte man ihn hier oben angeregt, denn der Boden war rissig und steinig und somit wertlos. Ein aus Knüppel- holz primitiv errichteter Zaun schloß den Friedhof ein. Ganz hinten, zwischen Brennesseln und wildem Gestrüpp, abgeschieden von allen anderen Gräbern, hatte man, in echt christlicher Liebe und Duldsam- keit, eine schmale Grube gegraben. Ohne besondere Umstände zu machen, ließen die Männer, froh, ihrer Last entledigt zu sein, den Sarg hinabgleiten. Alle warfen eine Handvoll Erde in die Gruft hinein, dumpf und hohl klang es jedesmal zurück. Oben, in dem Wipfel eines Baumes, sang in tiefen, vollen Tönen eine tlmscl. Das alte Mütterchen schluchzte bitterlich, durch ihren Körper ging ein konvulsivisches Zucken. Das Kind aber wollte gar nicht begreifen, warum die schönen Blumen in das Grab gelegt werden sollten, und mit großen blauen Augen sah es hinunter, auf den Sarg. Schon wollten die Männer beginnen, das Grab zuzuschütten, als mein Bc° gleiter ein Zeichen gab und, sich um die erstaunten Blicke der Um- stehenden nicht kümmernd, mit seinem prächtigen, sonoren Organ ein Vaterunser zu sprechen begann. Und es schien von ihm eine suggestive Mach� a>«szugchen, denn alle senkten das Haupt und beteten mit. Es war ein schöner, erhebender und doch so wunder- liche- Anblick. Der Stromer in seiner schäbigen Kleidung, den Hut in der Hand, laut vorbetend. In seinen weichen, goldblonden Locken spielte der leichte Höhenwind, seine Gestalt schien sich zu dehnen, und das feingeschnittene, bräunlich angehauchte Gesicht glühte in edlem Feuer. Unter der bannende« Wirkung dieser fascinierenden Er» scheinung mußte sich unwillkürlich alles be»«?en. Als das Gebet zu Ende war, nahm er mich am Arn, und schritt hastig dem Ausgang zu. Hinter uns folgten erstaunte Blicke und das Plumpsen der Erd» schollen klang dumpf durch die Waldesruhc. Als wir draußen waren, blieb er stehen und sah mich ernst an.„Weißt Du." sagte er, mit weicher, vibrierender Stimme,„ich ärgere mich immer, wenn ich so was sehe. Meinen Vater haben sie auch so verscharrt, sang- und klanglos, wie ein verrecktes Vieh, und es sind doch Menschen, Menschen sind's! Menschen!" schrie er noch einmal und seine Augen rollten wild. Zwei-, dreimal schallte das Echo aus dem Walde zurück:„Menschen I" E. U, Kunst. e. s. Vor dein Schloß sind nach der Seite des Lustgartens zu eine Reihe Bronzefiguren, fünf an der Zahl, aufgestellt worden. Die Standbilder der Oranier. Wen die Namen inter- esfieren, der findet an jedem Sockel eine Tafel, die Unterricht in der Geschichte erteilt. Es ist auch nicht nötig, die Namen der Bildhauer zu nennen. Die Figuren gleichen sich alle, dunkle, überlebensgroße Puppen, denen jede Charakteristik, jede plastische Form und dekorative Seite fehlt. Panzer, Schärpen, Helme, Degen in Bronze gegossen und einer Figur angehängt, deren Besonderheit insofern wechselt, als sie einmal das linke, dann das rechte Bein vorstellt, einmal den linken, dann den rechten Arm einstemmt. Das Gesicht geht in dem allgemeinen, schwärzlichen Ton unter, und so stehen diese Helden als recht düstere und in ihrer Schwärzlichkeit mißvergnügte Ge- stalten vor dem Schloß, das dadurch sogar in seiner Front noch Helligkeit gewinnt. Bis dahin hatte das Portal durch die flankierenden Nosscbändiger noch etwas Großzügiges. Die wie eine Wache aufmarschierenden„Oranier" nehmen der Fassade diesen Ein- druck und wandeln ihn ins Spielerische. Vielleicht wird auch noch der älteste Teil des Schlosses, jener schöne Fassadenwinkcl aus dem Jahrhundert auf gleiche Weise zerstört. Seit der„Siegcsallce" ist soviel über diese Art„Kunst" geschrieben worden, daß nichts mehr zu sagen übrig bleibt. Wenden wir uns zu etwas Erfreulicherem I Wenn man von hier aus über den Platz geht, den das einfach schöne und edle Museum mit seinen großartigen Trcppenanlagcn grüßt und der protzige Dom Naschdorffs verunziert, kommt man hinter dem Museum in einen stillen Winkel von einer Schönheit, wie sie Berlin selten hat. Die Nationalgalerie ragt kühn auf. Eine breite Säulenhalle führt im Rundbogen herum. Das perga- meiiische Museum liegt zurückgezogen da. Und von der Säulenhalle aus hat man wunderschöne Blicke über das Wasser, die Spree. Drüben baut sich die Geschäftsstadt auf. Gewimmel und Leben; hier die Stille. Hier an diesem stillen Winkel, in dem man sich von Großstadtlärm und-Unruhe hineinflüchtcn kann, in den die fernen Geräusche nicht hineindringen, wo Bänke zum Sitzen einladen, sind einige plastische Bildwerke zur Aufstellung gelangt, deren Wert dauerhaftere Genüsse verspricht. Ani besten wirkt die Reihe bei der Amazone von Tuaillon. Drei Plastiken. Der Sieger von Heinr. Baucke; die Stein- I l o p f e r i n von Karl Janssen- Düsseldorf und der trunkene Faun von S u ß m a n n- H e l l b o r n. Alle drei ergeben eine gute Gesamtwirkniig und lösen sich fein ab: die' gespannte, erregte Figur des Kämpfers, die ruhige Sitzstcllnng der arbeitenden, sich nach dem Kinde umblickenden Frau und die schlaffe, weichlich nach- gebende Haltung des Trunkenen. Es kommt bei den beiden Stehenden der Gegensatz des energievollen Körpers, in dem alle Muskeln spielen, zu dem Charakterlosen, Verwaschenen der Oberfläche des trunkenen Körpers gut heraus. Als das beste Werk ist der Sieger zu bezeichnen; die Steinklopferin hat für unser Gefühl etwas zu Unrealistisches, Sentimentales. Weniger gut wirkt die auf der anderen Seite der Nationalgalerie fnach dem Wasser zu) aufgestellte Reihe. Vier Bildwerke. Der Fischer, der ein gerettetes Mädchen auf dem Arm trägt, von V r ü t t. Ein wenig zu sehr Genrefigur. Der H u n n e zu Pferde von Hösel; ein bißchen zu kleinlich, von dem Künstlerischen zum Inhalt abziehend, auch zu unruhig. Ein gutes Werk, das rein die Gefetze der Plastik betont, ist der„ B ogensp anner" von Nil. Friedrich, von der Sezession her bekannt. Groß und einfach in der körperlichen Erscheinung, absehend vom Detail; Glieder in der Anspannung der Kraft. Der folgende Bocciaspieler von Aug. Kraus ist eine annehmbare, aber etwas unpersönliche Arbeit. Diese Reihe hat etwas Zusammenhangloses. Sie hat in sich keinen Halt und Ausgleich. Dadurch kommt der Eindruck des Willkürlichen, Unkünstlerischen heraus. Vor dem Gebäude der Nationalgalerie selbst steht die bekannte fignr des„Siegesboten von Marathon' von M a z rufe. Boller Kraft, voller Elastizität. Es ist dies ein erfreulicher Anfang, plastische Kunst in die Oeffentlichkeit zu bringen und sie nicht in Mufeen als in Toten» kammern aufznfpeichern. Leider haben wir in der Gegenwart diese öffentliche Wirkung der Kunst ganz vernachlässigt. Auch der Künstler könnte davon lernen. Das Daniederliegen der dekorativen Plastik und der Dcnkmalskunst hat sicher auch darin ihren Grund, daß die Künstler davon absehen mußten, für die Oeffentlichkeit zu schaffen. Sie verlieren sich mit ihren Schöpfungen ins Kleinliche. Auch m dieser Hinsicht steht also von dem neuen Borgehen eine günstig? Wirkung zu erwaUcu. ES jeiflt sich dabei, wie schön daS natürliche Grün der Um- zebung mitwirkt. Wie eine Gestalt sich dunkel aufreckt vor Sem Blätterwerk, wie eine kniende Figur sich einfügt, wie der glatte Rasen einen wohltuenden Fonds abgibt für die Plastiker, daS isi reizvoll zu beobachten. Davon können auch die Museumsleiter lernen, denn wir sind nicht sehr geübt in der ilufstelliuig solcher Werke im Freien, wie vorliegendes Beispiel zeigt, wo alles zu reglementmäßig aufgebaut ist. Wieviel Plätze haben wir noch zur Verfügung I Wie vielen, Schlechten gilt es noch ein Gegen- gewicht zu schassen. Müssen es immer Denkmäler oder Brunnen sein, die eine» Platz schmücken. Genügt nicht eine schöne, nackte Einzelfigur, um die Gesetze der Schönheit auszusprechen? Ja, ist sie nicht gerade imstande, das Gefühl für die Schönheit zu wecken? Wie gesagt, es ist ein Bersuch, dem Volk ein Musen», im Freien zu schaffen. Als solcher sei er unbedingt anerkannt und mit Freuden begrüßt. Weiterhin hoffen wir. daß die Auswahl künftighin noch mehr sondere. Neben der schönen Amazone von Tuaillon halten sich die meisten der genannten Bildwerke schwer, und es sieht fast aus. als habe man der Verlegenheitsstücke sich entledigt, für die nian in der Galerie nicht gern einen Platz behielte. Für die Oeffent- lichkeit ist aber gerade nur das Beste gut genug. Denn nur das rinwandsfreie, reine Kunstwerk spricht auch für den fachmännisch nicht Vorgebildeten nachhaltige Lehren auS. Aus dem Gebiete der Chemie. Flußsäure im Süßwasser. Die Flußsäure hat durch- vuS nichts mit Flüssen zu tun, so daß der jetzt erbrachte Nachweis ihres Vorkommens im Süßwasser sogar eine große Ueberraschung für die Naturforscher sein wird. Der Name Flußsäure rührt viel- mehr davon her, daß das zu ihrer Herstellung benutzte Mineral Flußspat, dessen meist schön blau gefärbte Würfelkristalle wohl schon jeder gesehen hat, seit langer Zeit als sogenantes Flußmittel beim Schmelzen von Metallen, und zwar von Eisen-, Kupfer- und Silber- erzen, benutzt wird. Das Element, das dem Flußspat und der Flußsäure eigentümlich ist, heißt Fluor. Außer in diesem und einigen anderen seltenen Mineralien ist es im Meerwasser nach- gewiesen worden. Im Seewasser findet sich überhaupt eine große Zahl der Grundstoffe, aus denen sich die Erde zusammensetzt, viele aber nur in äußerst geringen Mengen, die nur durch die ungeheure Masse des Meerwassers bedeutend werden. Das Fluor ist ver- hältnismäßig reichlich im Meerwasser vorhanden, denn auf jedes Liter kommen 12 Milligramm eines Fluorsalzes. Außerdem ist ermittelt worden, daß sich in Austerschalen und anderen Muscheln das Fluor anreichert, so daß es den zehnfachen Betrag der gewöhn- lichen Menge erreicht. Immerhin ist auch diese Menge noch zu gering, um den Genuß der Seemuscheln gefährlich zu machen, wie es sonst der Fall sein würde, da die Flußsäure eins der schärfsten Aetzmittel ist, die überhaupt bekannt sind. Dr. Carles, dem die Wissenschaft schon grundlegende Untersuchungen über das Vor- kommen des Fluor im Meerwasser verdankt, hat seine Forschungen in letzter Zeit auf das Süßwasser ausgedehnt und nun, wie er der Pariser Akademie der Wissenschaften mitgeteilt hat, eben die un- erwartete Entdeckung gemacht, daß auch im Wasser der Flüsse und Sümpfe der gleiche Grundstoff weit verbreitet ist. Auch in diesen Gewässern nehmen die Muscheln besonders große Mengen von Fluor in sich auf und benutzen es zur Verfestigung ihre Schale. Zu gleichem Zweck brauchen es die Schnecken, die es aus den von ihnen verzehrten Blättern aufnehmen. Medizinisches. Gine neue Aufklärung über die Seekrankheit, die gleichzeitig erfreulicherweise auch den Weg zu einer neuen Be- Handlung zu zeigen scheint, wird von Medizinalrat Dr. Schläger aus Oldenburg im letzten Heft der„Münchener Medizinischen Wochenschrift" gegeben. Dieser Arzt vergleicht das Gefäßsystem des Menschen mit einem geschlossenen System kommunizierender Röhren von verschiedener Weite. Wenn ei» solches unter Schwingungen versetzt wird, so werden keine erheblichen Wirkungen auf die in den Röhren enthaltene Flüssigkeit eintreten, wenn sie vollständig gefüllt sind und das Material der Röhren nicht elastisch ist. Die Adern und Gefäße des menschlichen Körpers aber sind elastisch und unter diesen Umständen werden durch Schwingungen, wie sie beim Auf» enthalt auf einem Schiff auftreten, Schwankungen in der Füllung der einzelnen Blutwege erfolgen, indem entweder eine Ueberfüllung mit Blut oder eine Blutleere erzeugt wird. Dr. Schläger ist auf Grund eigener Beobachtungen zu der Anschauung gelangt, daß die Seekrankheit mit dem Magen überhaupt nichts zu tun hat und daß wenigstens die hauptsächliche Störung vom Gehirn ausgeht. Die eigentliche Ursache für die Erscheinungen der Seekrankheit erblickt er auch nicht in der Blutleere oder Blutübcrfüllung, sondern in dem unregelmäßigen Wechsel der Blutfülle und die dadurch ausgeübte Reizung auf das Gehirn. Es würde demnach bei der Behandlung oder Verhütung der Seekrankheit darauf ankommen, die Wirkung der Schiffsschwankungen auf den Blutstrom zu verhindern, und Dr. Schläger macht den Vorschlag, die in so kurzer Zeit berühmt gewordene Biersche Stauung dabei zu erproben. Er glaubt bereits die Beobachtung in einigen Fällen gemacht zu haben, daß eine Er- zeugung von Halsstauung selbst bei starken Stürmen die Entstehung von Seekrankheit bei Leuten verhindert, deren Anfälligkeit gegen dies Uebel durch frühere Erfahrungen auf das Unangenehmste er- wiesen worden war. Es wird daher den Aerzten empfohlen« gelegentlich weitere Versuche mit diesem ziemlich einfachen Ve» fahren auf Seereisen zu machen. Humoristisches. — Eine Prinzen» ot. Der preußische Minister des Innern ersuchte die beteiligten Kreise, die an den Kaiser gerichteten Ein- ladungen um Entsendung eines Prinzen zur Eröffnung von Aus- stellungen und Kongressen tunlichst einzuschränken, da es nicht mehr möglich sei, allen diesen Gesuchen zu entsprechen. Zur Abstellung dieser drückenden Notlage gibt eS zwei Wege: 1. Eine Einschränkung der Zahl der Ausstellungen und Kon- gresse. Wer diese Zahl einschränken wollte, müßte sich aber dem Rade der Zeit entgegenwerfeu; das war früher möglich, aber seit- dem die Zeit in einem Automobil dahinfährt, gerät derjenige, der sich ihr entgegenwirst, unter die Räder. 2. Eine Vermehrung der Zahl der preußischen Prinzen. Diese kann wieder auf zweierlei Arten geschehen. a) Auf natürlichem Wege. Aber selbst weim diese Sache mit der ihrer Wichtigkeit entsprechenden Eile behandelt würde, würden die neuen Prinzen doch erst in etwa 20 Jahren zu verwenden sein. d) Auf künstlichem Wege. Verdienten Männern, die bisher zu Geheimen Kommerzienräten ernannt wurden, könnte der Titel und Rang eines preußischen Prinzen verliehen werden. Aber das geht auch wieder wegen der Ebenbürtigkeit nicht. Unter diesen Umständen sieht der Patriot mit tiefer Trauer in die Zukunft. ES nützt nichts, die Augen vor dem kommenden Unheil zu verschließen. Männern geziemt es offen auszusprechen, was sie befürchten. DaS Vaterland geht einem neuen Jena entgegen: �Es wird bald eine Ausstellung ohne einen Prinzen eröffnet werden müsset» I — Heut wie alle Tage schließt der kleine Max sein Abendgebet mit der Bitte:„Behüte auch den lieben Vater und die Mutter, die Tante und den Onkel" und dann mit einem ungeduldigen Seufzer:„Ach, lieber Gott, nun»nerk Dir's endlich, ich hab'S Dir doch schon oft genug gesagt!"(„Jugend.") Notizen. — Im Neuen Theater findet die Erstaufführung des phantastischen Schauspiels:„Ein seltsamer Fall" von I. Morton und I. F. Gunniver, daS ein Ensemble Berliner Künstler in den Monaten Juli und August zur Darstellung bringt, am Sonnabend, den 20., statt. — Der Planet Mars hat gegenwärtig, wie der„Köln. Ztg." geschrieben wird, seine diesmalige größte Annäherung an die Erde erreicht. 61,5 Millionen Kilometer, während er uns im günstigsten Falle bis auf 56,3 Millionen Kilometer nahe konnnen kann. Die gegenwärtige Opposition dieses Planeten ist also für astronomische Beobachtungen seiner Oberfläche recht günstig, leider steht er aber für unsere Gegenden zu tief am Horizont, so daß er hier nicht mit Erfolg untersucht werden kann. In Berlin beträgt die größte Erhebung deS Planeten über den südlichen Horizont nur 9, in Paris 13, in Rom 26 Grad, weshalb selbst bei günstigster Witterung auch von den größten in Mitteleuropa vorhandenen Fernrobren nicht viel zu erwarten ist. Dagegen dürste in südlichen Breiten die Beobachtung des Mars auch in diesem Jahre wichtigere Resultate ergeben, besonders auf dem Observatoriun, zu Arequipa und demjenigen von Parcival Lowell. Lowell hat bereits über mehrere seiner dies- maligen Beobachtungen Meldungen gemacht. Eine Beobachtung am 26. Mai ergab, daß die Grenze der südlichen Eiszone bei 51 Grad Breite lag, sie war im Durchschnitt pro Woche um zehn Kilometer zurückgewichen. Die dunklen Flecken der Marsoberfläche zeigten Ivieder sonderbare Veränderungen. Ein mit dem Namen I-acus solis bezeichneter wenig dunkler Fleck, wahrscheinlich eine große sumpfige Region auf dem Mars, hat jetzt neben sich einen kleine», ninden, dunklen Fleck, und von beiden laufen dunkle Linien(Kanäle) aus. Einen ähnlichen Anblick hatte diese Marslandschaft 1894 dargeboten, aber seitdem nicht mehr. Der Astronom Comas Sola in Barcelona bestätigt die Wahrnehmung Lowells. Es ist hiernach nicht zu bezweifeln, daß auf der Ober- fläche des Mars wiederum große Veränderungen vor sich gegangen sind, die wahrscheinlich zu den dortigen Jahreszeiten in Beziehung stehen. — Ein neues Bild von Botticelli. In Paris ist ein neuer Botticelli entdeckt worden; das Gemälde befand sich in Privat- besitz und die Eigentümer ahnten nicht, daß es ein erlesenes Werk des berühmten Florentiner Meisters war, das sie in ihrem Hanse bargen. Es ist eine„Madonna mit dem Kinde". Die Jungfrau ist sitzend dargestellt, den Blick gesenkt, das Haupt an das Kind ge- schmiegt, das austecht auf ihrem Schöße steht. Links von der Gruppe gewahrt man das Profil eines anbetenden Engels. Die Figuren sind vor einen Arkadenbogen gestellt, der Ausblick gibt auf eine weite, amnutige Landschaft, durch die ein Flußlauf sich schlängelt. Verantw. Redakt.: CarlWcrmuth, Berlin-Rixdorf.— Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckcrei u.VerlagtanstaltPaul Singer L-Co,.Berlin SW,