Unterhaltimgsblatt des Horwärts Nr. 154. Sonnabend, den 10. August. 1907 (Nachdruck verboten.) 80j Die JVIutter. Roman von Maxim Gor!i. Deutsch von Adolf Heß. „Setzt Euch!" schlug die Mutter vor, und stellte das Essen auf den Tisch. Beim Essen erzählte Andrej von Rybin, und als er ge- endet hatte, rief Pawel bedauernd: „Wäre ich zu Hause gewesen, ich hätte ihn nicht so fort- gelassen I Was hat er nun mitgenommen? Große Empörung und Wirrwarr im Kopf." „NeinI" meinte der Kleinrusse lächelnd,„wenn jemand vierzig Jahre alt ist und so lange mit dem Bären in seinem Innern gekämpft hat, wird man ihn schwerlich noch ändern." Und es begann eines von jenen Wortgefechten, bei denen hie Beteiligten der Mutter unverständliche Worte gebrauchten. Das Mittagessen war zu Ende, aber man überschüttete sich noch immer eifrig mit hageldicht prasselnden Phrasen. Bisweilen wurde jedoch ganz einfach gesprochen. „Wir müssen unseren Weg gehen und dürfen keinen Schritt von ihm abweichen!" erklärte Pawel fest entschlossen. „Und treffen unterwegs Millionen, die uns als Feinde entgegentreten---" Die Mutter hörte dem Wortgefecht zu und begriff, daß Pawel die Bauern nicht liebte, der Kleinrusse aber für sie einsprang und auseinandersetzte, man müsse die Bauern eines Besseren belehren. Sie verstand Andrej am besten und er schien ihr im Recht zu sein, aber jedesmal, wenn er Pawel etwas sagte, wartete sie ängstlich auf die Antwort ihres Sohnes, um möglichst schnell zu erfahren, ob der Kleinrusse ihn auch nicht gekränkt hatte. Aber sie schrien sich gegenseitig an, ohne das weiter übel zu nehmen. Ab und zu fragte die Mutter ihren Sohn: „Ist das wirklich so, Pawluscha?" Und er antwortete lächelnd: „Ja." „Mein Herr." rief jetzt der Kleinrusse mit freundlicher Bosheit,„Sie haben schön gegessen, aber schlecht gekaut, da ist Ihnen ein Bissen im Halse stecken geblieben,, � Sollten sich den Rachen einmal ausputzten..." „Mach keinen Unsinn!" riet ihm Pawel. „Ich bin ja ernst wie ein Leichenbitter..." Die Mutter schüttelte lächelnd den Kopf. XXIII. Der Frühling kam näher, der Schnee schmolz und der Schmutz und Ruß aus den Fabrikschornsteinen, der tief im Schnee verborgen lag, kam an die Oberfläche. Jeden Tag flog einem mehr Schmutz in die Augen, und die ganze Vor- stadt sah zerlumpt und ungewaschen aus. Tagsüber taute es von den Dächern, und die grauen Hauswände dampften matt und schwitzten, nachts aber erglänzten überall weißliche Eiszapfen. Immer häufiger erschien die Sonne am Himmel und kleine Bäche, die in den Sumpf rannen, fingen leise an zu rauschen. Mittags zitterten über der Vorstadt die un- ruhigen, hoffnungsfrohen Lieder des Friihlings. Man rüstete sich zur Feier des 1. Mai. In der Fabrik und in der Vorstadt erschienen Flugblätter, die die Bedeutung des Feiertages erklärten, und selbst die von der Propaganda unberührte Jugend meinte Ties der Lektüre: „Das müssen wir machen!" Wjessowtschikow rief mit verdrießlichem Lachen: „Ist Zeit! Haben genug Versteck gespielt!" Fedor Masin war hochvergnügt. Er war stark abge- magert und glich mit seinen unruhigen Bewegungen und Reden einer Lerche im Käfig. Ihn begleitete stets der schweigsame und über sein Älter ernste Jakob Somow, der jetzt in der Stadt arbeitete. Samoilow, der im Gefängnis noch rötlicher geworden war, Wassili Gussew, Bukin, Dragunow und noch einige erklärten es für notwendig, be- Waffnet zu gehen: Pawel, der Kleinrusse, Somow und noch andere stritten dagegen. Von Zeit zu Zeit erschien Jcgor, stets müde, schwitzend und keuchend, und schmte: „Es ist etwas Großes um die Veränderung der bestehen» den Ordnung, Genossen, damit dieses Werk aber glücklich von statten Acht, muß ich mir ein Paar neue Stiefel kaufen." Gleichzeüig deutete er auf seine schmutzigen und zerrissenen Stiefel.„Meine Galoschen sind ebenfalls unheilbar zerrissen, und nun hole ich mir jeden Tag nasse Füße. Ich will nicht eher in die Grube fahren, als bis wir uns ganz und vor allen Leuten von der alten Welt losgesagt haben, und deswegen ver- werfe ich den Vorschlag des Genossen Samoilow bezüglich eines bewaffneten Umzuges und schlage vor, mich mit heilen Stiefeln zu bewaffnen, denn ich bin fest davon überzeugt, daß das dem Sozialismus weit mehr nützt als eine allgemeine Keilerei!..." In derselben maniriertcn Redeweise erzählte er den Ar« beitern, wie das Volk in den verschiedenen Ländern versucht hätte, sein Leben leichter zu gestalten. Die Mutter hörte ihn gern an und sie gewann aus seinen Reden einen sonderbaren Eindruck: die allerschlimmsten Feinde des Volkes, die es am niederträchtigsten und häufigsten betrogen, waren kleine, ge- wissenlose, gierige, schlaue und grausame Männchen mit dicken Bäuchen und roten Gesichtern. Wenn ihnen das Leben unter der Herrschaft der Könige schwer wurde, hetzten sie die Volksmassen gegen die Königsmacht, wenn aber das Volk sich erhob und den Königen die Macht entwand, rissen diese Leute durch Betrug die Macht an sich und jagten das Volk in seine elenden Hütten: wenn es aber mit ihnen selbst kämpfte, brachten sie die Menschen zu Hunderten und Tausenden ums Leben. Eines Tages faßte sie sich ein Herz und beschrieb ihm dieses Bild, das er durch seine Reden hervorgerufen hatte. und fragte lächelnd: „Ist das wirklich so, Jegor Jwanowitsch?" Er lachte laut auf, rollte die Augen, atmete schwer und rieb die Brust mit beiden Händen. „Es ist wahrhaftig so. Gevatterin! Ihr habt den Stier der Geschichte bei den Hörnern gepackt... Auf diesem ekligen Grunde sind noch einige Schnörkel und Ornamente, aber die ändern das Wesen der Sache nicht! Tatsächlich sind solche Dickbäuche die Hauptverführer und giftigsten Insekten, die das Volk auffressen. Die Franzosen nennen sie bezeichnend Bourgeois. Behaltet das im Kopf, liebe Gevatterin: Bourgeois fressen uns auf und saugen uns aus." „Das heißt die Reichen?" fragte die Mutter. „Stimmt! darin liegt ihr Unglück. Wenn man einem Kinde etwas Kupfer ins Essen tut, so wird das Wachstum der Knochen aufgehalten und es wird ein Zwerg: und wenn man jemanden von klein auf mit Gold vergiftet, wird seine Seele winzig, schlaff und grau, gerade wie ein Gummiball zu fünf Kopeken..." Eines Tages sagte Pawel über Jcgor: „Weißt Du, Andrej, am meisten scherzen doch die Leute, denen beständig das Herz weh tut." Der Klcinrusse schwieg, blinzelte mit den Augen und be- merkte: „Das ist nicht richtig! Hättest Du recht, so würde ganz Rußland sich totlachen..." Auch Natascha erschien. Sie hatte ebenfalls im Gefängnis gesessen, in irgend einer anderen Stadt, aber das hatte sie nicht verändert. Die Mutter bemerkte, daß der Kleinrusse in ihrer Gegenwart lustiger wurde, mit Scherzen um sich warf, alle mit seiner freundlichen Bosheit neckte und fröhliches Lachen bei ihr erregte. Wenn Natascha aber ging, begann er seine traurigen, endlosen Lieder zu pseifen und schritt lange, verdrießlich mit den Füßen scharrend, im Zimmer auf und ab. Oft kam auch Sascha, stets finster, stets geschäftig und noch eckiger und schärfer als früher. Als Pawel sie einst in den Flur hinaus begleitete und die Tür hinter sich nicht geschlossen hatte, hörte die Mutter solgende schnelle Unterhaltung: „Sie tragen die Fahne?" fragte das Mädchen leise. „Ja. Ist das bestimmt?" „Ja. Es ist mein Recht." „Wollen Sie wieder ins Gefängnis?" Pawel schwieg. „Könnten Sie das nicht.- begann sie stockend. „WaZ?" fragte Pawel ..Einem anderen überlassen i i/ „Nein!" sagte er laut. „Ueberlegen Sie doch--. Sie sind so einflußreici).,. Man hat Sie so lieb... Sie und Nachodka sind die Ersten hier... Was können Sie in der Freiheit alles ausrichten.— Ueberlegen Sie es sichl Man wird Sie dafür in die Ver- bannung schicken... weit fort... auf lange!" Es war der Mutter, als wenn in der Stimme des Mädchens bekannte Gefühle— schmerz und Wehmut mit- sprächen. Und Saschas Worte fielen wie große Tropfen Eis- Wasser in ihr Herz. „Nein, ich bin fest entschlossen!" sagte Pawel.„Ich werde um keinen Preis darauf verzichten." „Selbst wenn ich Sie nun bitte--. wenn ich-. Pawel begann plötzlich schnell und streng: „Sie dürfen nicht so reden.,, Was wollen Sie? Sie hürfen nicht!" „Ich bin aber doch Mensch," sagte sie leise. „Sie sind ein gutes Wesen!" erwiderte Pawel ebenfalls leise, aber in einem besonderen Ton, als ioenn er schwer atmete.„Sie sind mir teuer. �, Ja! Und deswegen dürfen Sie nicht so reden..." „Leb wohl!" sagte das Mädchen. Am Klopsen ihrer Hacken erriet die Mutter, daß sie schnell ging, fast lief. Pawel trat hinter ihr auf den Hof. (Fortsetzung folgt.) Oer Sambus im lieben äer t>opem><5lKer. Von Dr. I. Wiese. Eines der wertvollsten Geschenke, mit denen die Natur die Ein- geborenen der östlichen Tropenländer bedacht hat, ist der Bambus. Seine Verwendung ist fast unbeschränkter Art. Von Natur eine Säule, ein gerader, gleichförmig dicker Zylinder, fest und haltbar mit glatter, kegeliger, schon von selbst glänzender, gleichsam po- liertcr Oberfläche, ist er durch Zwischenwände in regelmäßige Ab- stände abgesondert, jedes einzelne Glied ist ein völlig geschlossenes, wasserdichtes Gesäß. Wegen der Hohlheit und Härte der äußeren Hülle und des Vorhandenseins der Querwände ist er im Verhält- nis zu seinem Gewichte außerordentlich fest. Man hat eine Aus- Wahl der verschiedensten Größen und Gestalt; leicht und schwer, mit kurzen und langen Gliedern von der Größe eines Nohrstockes bis zu einer schlanken Palme kommen die Bambusarten vor. Sie lassen sich mit größter Leichtigkeit und Sauberkeit spalten und in- folge der Hohlheit auch nnt Hülfe eines scharfen Messers oder Beiles quer zerschneiden und entkcrbcn. Bei großer Festigkeit ist der Bambus zugleich elastisch, und weder frisch noch trocken hat er einen besonderen Geschmack oder Geruch. Das breiteste Zentrum des Vorkommens der Bambusarten liegt zwischen den Tropen. Indessen gehen sie über diese Grenzen hinaus, um zu kalten Brciiegraden aufzusteigen oder sich auf bedeu- tcnden Höhen zu erheben. Wachsen sie in niedrig gelegenen, sumpfigen Regionen, in pcstdurchhauchtcn Dschungeln, geheimnis- vollen und ungesunden Wäldern zur Riescngrötze empor, so steht man kleine Arten die Schnccgipfcl des Himalaya und der kalten Anden erreichen. Zu 20 und 40 Meter Höhe bei 20 und 22 Zcnti- mcter Durchmesser wachsen sie heran in Zcntralafrika, in Süd- amerika, den Aequatorial-Rcpublikcn, den Sümpfen des Amazonen- stromes, in einem großen Teile Brasiliens, den heißen Tälern der Anden, im westlichen und östlichen Indien, in Ecylon, Kalkutta. Chittagong, Birma, Tcnasserim, auf den Inseln deS östlichen Archipels, auf den Philippinen, Java, Sumatra usw. In dem östlichen China, wo der Bambus eine große Ausbreitung hat, kommt er von Süden nach Norden unter den verschiedensten klimatischen Ver- hältnisscn vor, in Canton und Schanghai, wo die Hitze bedeutend, in Peking und Nuh-Po, wo die Kälte grimmig und der Schnee häufig ist und die Bäche einfrieren. In der ganzen tropischen Zone hat der Bambus seit den ersten Anfängen der Menschheit die größten Dienste geleistet, wie er auch heute noch für die Eingeborenen und selbst die sogenannten zivili- sicrten Völker von größter Bedeutung ist. Daher zollen gewisse Bc° völkerungcn dem Bambus eine besondere Verehrung. Die Arten der Verwendung des Bambus zu allerlei Hausgerät sind kaum aufzuzählen. Aus zwei Bambusstangcn von aus- reichender Länge stellt man sehr leicht Leitern her, indem man Einschnitte gerade über jedem Querringe macht, die ein Loch zur Auf- nähme des Sprosses bilden. Um auf den hohen Bäumen Wachs auszunehmen, fertigt man eine Steigleiter in sehr sinnreicher Weise aus Bambusrohr an, die zu jeder beliebigen Höhe hinanreicht. Man wählt dazu eine der härtesten und dicksten Arten und stellt aus ihr eine Anzahl von Pflöcken etwa 1 Fuß lang, her. Diese werden an einem Ende zuaesvidt und dann in einer senkrechten Linie etwa drei Fuß voneinander in den Baum getrieben. Ein schlanker, dünner Bambusstamm wird dann aufrecht gestellt und mit Rotang oder anderen Stricken an den Enden der Pflöcke festgebunden; so bildet er mit dem Baume selbst eine Leiter. Ein Mann besteigt diese und baut die Leiter im Hinaufsteigen weiter, indem er neue Pflöcke eintreibt und neue Bambusstäbe daran befestigt, bis er— oft in einer Höhe von 80 bis 100 Fuß vom Erdboden— die niedrigsten Zweige des Baumes erreicht. Da das Gewicht des Mannes auf mehrere Pflöcke verteilt wird, die durch den senkrechten Stab verbunden sind und gestützt werden, so ist eine derartige Leiter viel sicherer, als man aus den ersten Blick meinen sollte, und ihre An- fertigung geht erstaunlich rasch vor sich. Auch wenn ein Pfad steil bergan führt und der Boden glatt ist, werden oft Bambusstufen darauf gelegt, um ein Ausgleiten beim Hinaufschaffen schwerer Lasten zu verhüten. Solche Stufen werden aus gleich langer» Stücken von starkem Bamhus angefertigt, deren entgegengesetzte Enden gerade an der Verbindungsstelle zweier Glieder eingekerbt werden. Durch die so gemachten Einschnitte kann man dann starke Pflöcke aus Bambus in die Erde treiben, die die Stufen festhalten. Die Masten und Raaen der Fahrzeuge der Eingeborenen sind fast sämtlich aus Bambus fabriziert, der Leichtigkeit, Festigkeit und Elastizität zugleich in hohem Grade besitzt. Zwei bis drei große Bambusse geben die besten Auslcgebäuine für Kähne wegen ihrer großen Schwimmkraft. Ferner dienen dieselben zum Erbauen von Flößen, und in der Stadt Palembang auf Sumatra gibt es eine ganze Straße von schwimmenden Häusern auf Flößen, die aus großen Bündeln von Bambus bestehen. Die Dayakcn auf Borneo bauen Brücken über Flüsse oder an Abhängen ganz aus Bambus; die letzteren werden manchmal in sinnreicher Weise mit Hülfe von schrägen Bambusstrcben an überhängende Bäume befestigt, so daß sie wahre Hängebrücken sind. Die Fußböden der malayischui Häuser bestehen fast immer anS Bambus, werden aber auf ver- schicdcne Weise hergestellt. Gewöhnlich werden die Stämme der Länge nach in zwei Teile gespalten, und die Stücke mit Rotang be- festigt. Dies gibt einen gitterartigen Fußboden, etwas elastisch und für die barfnßgchcnden Eingeborenen sehr angenehm. Eine bessere Art von Flur wird aus Platten gefertigt, die aus großer» Bambusstücken bestehen, die in Längen von drei bis vier Fuß zcr- sögt und dann an einer Seite gespalten werden. Die Querwände werden dann ringsum mrt einem scharfen Messer durchschnitten, so daß das Stück glatt gerollt und gepreßt werden kann; alsbald bildet sich ein hartes Brett mit natürlicher glatter Qberflächc, die nach kurzem Gebrauche eben und schön glänzend wird. Blenden, Schränke, Matten werden ebenfalls auf verschiedene Weise hergestellt, manchmal aus dünneren Arten, deren Stämme flach gedrückt und gefaltet werden, öfter aber aus feine» Streifen, die mit Bam- busrinde oder Rotang verbunden werden. Längsstücke von Bambus auf Böcken geben gute Betten, indem sie mittels ihrer Elastizität zugleich die Matratzen ersetzen und nur noch eine übergelegte Matte nötig machen, um ein behagliches Nachtlager abzugeben. Jede Art von Körben, von den rohcsten und schwersten bis zu den niedlichsten und zartesten fertigt man aus Banibus. Wo, wie in Lombock und Macassar, das Land stark bevölkert und das Bauholz selten ist, werden ganze Häuser aus BanibuS erbaut. Ständer, Mauern, Fuß- bödcn und Dächer, alles wird aus diesem einen Material herge- richtet, und kann man wohl sagen, daß auf keine andere Weise ein so nettes und gut ausgeführtes Haus so rasch und billig erbaut werden kann. Auch alle Arten von Möbeln, Stühle, Sofas, Bett- stellen stellt man auf den Molukken so gut und billig wie sonst wohl nirgends aus Bambus her. Ein Stuhl kostet eine halbe Mark, ein Sofa zwei Mark. Wenden wir uns zu den einfacheren Gcbrauchsartcn, so eignen sich die Bambus ausgezeichnet zu Wasserbehältern. Einige der leichten Art werden zu Enden von fünf Fuß verschnitten, wobei man ein Loch durch die Querwände stößt. Dieses Verfahren hindert ein zu rasches Ausfließen des Wassers und ermöglicht ein all- mähliches gleichmäßiges Ausgießen bis auf den letzten Tropfen. Man bindet drei bis vier solcher Gefäße an einander und kann sie sehr bequem in die Ecke stellen. Wasserrohre und Leitungen werden ebenfalls aus Bambus gefertigt; letztere aus Bambus- röhren, die von Zeit zu Zeit durch kleine Böcke aus zwei krcuzweis verbundenen Stäben gestützt werden. So leitet man das Wasser oft aus ziemlicher Entfernung bis in die Mitte der Dorfschaftcn. Gc- säße für Reis oder Palmwein, Becher zum Trinken, Wasscrkcllen hat man in Gestalt eines Gliedes der Bambusstämme fast fertig: befestigt man einen Deckel daran, so hat man Tabaksdosen und Schwammdosen. Stangen für Papageien mit Sauf- und Freß- schälchcn lassen sich leicht aus einem einzigen Stück Bambus her- stellen, während mit etwas mehr Fleiß sich sehr schöne Vogelbauer daraus anfertigen lassen. Auf Timor macht man ein musikalisches Instrument aus einem Glicde eines großen Bambusstammcs, indem man mit großer Sorgfalt sieben Streifen der großen Rinde zu Saiten ablöst, die dann an beiden Enden befestigt bleiben Und durch kleine Pflöckchen unterwärts angekeilt werden; dabei hindert man das Ablösen der Saiten durch ein starkgeflochtcnes Band aus gleichem Material, das man ebenfalls an beiden Enden fest um das Instrument bindet. Eine Ocffnung, die man an einer Seite ein- schneidet, setzt nun den Bambus in den Stand, in musikalischen Tönen zu schwingen, wenn die Saiten mit dem Finger scharf an- geschlagen werden. Auf Java bedient man sich schmaler Streifen von Bambus, die an straffen Saiten befestigt sind und mit einem Klöpfel geschlagen werden, um die höheren Töne des„Gamelang" oder der Musifchör« der Eingeborenen bervorzubringen. die im übrigen hautsächlich aus Gongs und metallenen Becken verschiedener Größe bestehen. Fast alles gewöhnliche chinesische Papier wird aus den Blättern und Stämmen einiger Bambusarten fabriziert, während die jungen Triebe, wenn sie eben aus dem Boden auf- schießen, ein ausgezeichnetes Gemüse, so schmackhaft wie Artischocken, geben. BambuSglicdcr geben auf Reisen vortreffliche Kochgeschirre. Sie dienen als Töpfe und Geschirre zum Aufbewahren von Zucker, Salz, Obst, Syrup und gekochten Speisen; endlich kann der Raucher aus zweckmäßig ausgewählten Bambusgliedcrn in wenig Minuten sehr gute Pfcifentöpfe und Hukahs oder indische Wasserpfeifen he?» stellen.» In der Ernährung spielt der Bambus eine große Rolle. Die Inder UNd die Chinesen essen die jungen Sprossen besonderer Arten, wie wir den Spargel essen, aber auch als Salat, und die äußersten Spitzen der Sprossen werden zu ausgezeichneten Konfitüren ve» arbeitet. Bambuskonserven sind der Gegenstand eines großen Handels in den kalten Teilen Chinas oder in den Hochgebirgen, wo die Temperatur nicht mehr den Wuchs dieser Pflanze gestattet. Die durch Dörren konservierten Sprossen werden in Ballen in die Mandschurei und in die ungeheuren Ebenen der Mongolei ex- pediert, wo die Völkerschaften während eines allzu langen Winters zu großer Armut verurteilt sind. In lauwarmes Wasser getaucht werden diese trockenen Konserven zart und von angenehmem Ge- schmack. Die Körner des Bambus sind nach Form und Zusammen. setzung denen der Cercalien gleich, und ihr Erscheinen ist oft für die sehr dichten Menschenansammlungen in den Gegenden, wo diese Vegetabilicn wachsen, geradezu ein Segen. Die dort leider nicht seltenen Hungersnöte würden in vielen Fällen eine furchtbare Sterblichkeit herbeiführen, ohne die unerhofste Hülfe des Bambus. In Sikkim spendet eine Art alle Jahre reichlich lange und schwarze Körner; man läßt sie wie Reis kochen und verfertigt aus ihnen Kuchen und eine Art Bier. Aus bestimmte Arten zieht man eine ziemlich reichlich fließende zuckerähnliche Flüssigkeit, und die in- dianischcn Stämme Amerikas finden oft ein sehr frisches und trink- bares Wasser, wenn sie die Zwischenstücke gewisser Bambusarten durchbohren. Der Bambus ist also fast überall in der tropischen Zone ein Segen für das Menschengeschlecht. Oft aber muß sich auch diese kostbare Pflanze in Kriegs- und Folterwerkzeuge umwandeln: in Lanzen, Schweinsfedern, vergiftete Pfeile, gespitzte Pallisadcn, furchtbare Mcnschenfallcn usw. Die groben Knoten werden mit Pulver, Salpeter und Teer gefüllt und dadurch Brandfackeln, die das Feuer und den Tod in die DschunkeU und in die feindlichen Dörfer bringen. Die Eingeborenen Neu- Guineas verteidigen den Eingang zu ihren Dörfern durch eine Reihe kleiner Hindernisse mit Hülse des Bambus, der in feine Nadeln, in kleine Gabeln, in mit Widerhaken versehene Pfeile vcr- wandelt ist; das Ganze ist unsichtbar und vertikal in den Boden eingelassen, um die Füße und Hände der Feinde zu zerreißen. Die indische und chinesische Bevölkerung sprechen dem Bambus auch eine giftwirkcnde Tätigkeit zu, die indessen übertrieben zu sein scheint. Auch bei uns hat man sich im letzten Viertel des vcr- gangenen Jahrhunderts der kolonialen Ausdehnung bemüht, den Bambus im weitesten Sinne nutzbar zu machen. In der Ortho» pädie fabriziert man aus ihm ebenso feste, wie starke Apparate. In Paris sind die Anzünder der Gaslatcrnen mit einem langen Bambusstabe bewaffnet. Auch in militärischer Hinsicht spielt der Bambus eine Rolle, besonders bei der Anlage telegraphischer Linien und der Luftschiffahrt. Manche Regimenter in dem englischen und dem niederländischen Indien sind mit Lanzen bewaffnet, deren Schaft von sehr harten Arten des BambuS herkommt. Der Ge- lehrte Julius Cloquct sagt sogar von dem Bambus:�„Der Bambus wird eines Tages für die Industrie das sein, was die Kartoffel für die Ernährung ist." kleines Feuilleton. Gleich und Gleich? Es hatte in der Nacht geregnet. Ein Ge- Witter war niedergegangen. Nun lag eine seltene Frische über dem Schmuckplatz, der die Lukaskirche nmgiebt. Im Schatten einer Vaumgruppe, auf einer Ruhebank saß eine Frau. Sie las in einem abgegriffenen roten Leihbibliothcksband und blickte jedesmal auf, wenn Schritte auf dem Kies knirschten. Sie betrachtete die Vorübergehenden mit müden, verächtlichen Blicken. Ein paar Männern quittierte sie ihr zudringliches Lächeln mit Achselzucken, einer auffallend gekleideten Straßengängerin lachte sie höhniich ins Gesicht und erntete dafür ein halblautes Schimpfwort. Sie schüttelte sich, als das ihr Ohr traf. Es wirkte mlf sie nicht anders als feiner Staub, der gegen den Wind geworfen wird, oder wie Wasser, daS über das Gefieder crncr Ente läuft. Vom Kirchturm schlug die Mittagsstunde. Die zwölf Schläge gingen kaum gehört unter in dem Lärm der Straße. Aber einige Minuten später öffnete sich daS Nebcnportal des großen ZeittingSverlages, der auf der Ostseite deS Lukaskirchplatzes liegt, der Portier grüßte besonders freundlich vor dem elegante» Paar, das auf die Straße schritt. Der Herr zog die Hand der Dame an die Lippen und sagte:„Auf Wiedersehen, meine Gnädigste I" Die Dame lachte freundlich und winkte dem Herrn, der einen Augenblick stehen blieb und hinter ihr drein sah, mit der Hand zu. Die Frait ans der Bank hatte sich erhoben, als das Paar tmf dcu Treppenstufen bor dem Portal erschien. Sie klappte das Buch zusammen, senkte eS in die Tasche ihres grauen SwubmaittelS und ging eilig in eine Nebenstraße hinein, die auf den Platz stößt. Sie lachte leffe vor sich hin und sagte:„DaS wollen wir schon deichseln — das kaffen wir uns nicht entgehen, das hätte ich wahrhaftig gar nicht erwartet— Die andere war indrffen weiter gegangen, auch auf ihrem Gesicht lag ein Lächeln. Sie sprach nicht laut mit sich selbst, aber in ihrem Jmrern stiegen Gedanken auf:„Rein— das hätte ich nicht gedacht— das darf ich nicht unbenutzt lasten—". Sie ging einige Häuser weiter, bog um eine Straßenecke und traf mit der Frau im grauen Staubmantel zusammen, die einen abgegriffene» roten Lcihbibliotheksband in der Tasche trug. Aber sie hatte keine Acht auf die Menschen, die ihr begegneten, sie war ganz erfüllt von dem ungehofften Erfolg, den sie eben mit ihrem neuesten Gedicht gehabt halte.... Bare hundert Mark... sie ging etwas schneller—„und alle bisher unveröffentlichten Ge- dichte zur Prüfmig einschicken"—„Sie wiffcn gar nicht, welche Goldgrube Ihr Talent für Sie sein kann, ivcnu sie den rechten Ton treffen..." Sie ging noch etwas eiliger. Ihr Taffetrock rauschte, die Federn ihres Hutes wippten— eine feine dezente Duftwolke strömte von ihr aus. Sie seufzte— den rechten Ton.-- „Kamilla, warum rennst Du wie besessen— warte, alte Freunde wollen mit—" Sie drehte sich erschrocken um. Die Frau im grauen Staub- mantel stand vor ihr. Aus ihren Kleidern kmn ein aufdringlicher Geruch von Schweiß und schlechtem Parfüm. Kamilla sah Verständnis» los auf diese Frau mit den goldenen Ohrringen, den Händen, au deren Fingern einige unechte Ringe steckten, deren weißes Blusenhemd mit Similiknöpfen zusammengehalten war und deren schlecht- sitzender Rock Flecke von Straßenstaub aufwies.»Du kennst mich nicht?" Die Stimme der Fragenden klang belegt. „Hermine?" fragte Kamilla zweifelnd, verlegen und von dem Gefühl ergriffen als ob eine Rrnche von einem Baum ans sie herab schwebe, an einein dünnen Fädchcn hängend— das doch nicht schwer zu zerreißen ist und das man nicht zerreißen mag ans Angst und Ekel— die Raupe könne auf uns fallen, sich in unseren Kleidern verbergen— einnisten— „Ja, das bin ich. Hermine Balduin— Nachbar Balduins Tochter, Deines Bruders alte Liebe— erste Liebe— „WaS willst Du?" „Die Freundschaft, die Verwandtschaft, daS Handwerk grüßen— wie Dir'S gefällt!" Kamilla inachte ein erstauntes Gesicht. „Unsere Jugcndfrcnndschaft wirst Du nicht aus der Welt schaffen können. Darf ich Dich daran erinnern, daß wir neben einander auf der Schulbank saßen? Unsere Großmütter waren Schwestern— Deine heiratete reich— meine arm— und daS gleiche Handwerk haben wir auch—" »Ich verstehe Dich nicht— und wie Du aussiehst I" „Wir handeln beide mit Liebe— Kamilla." Das Lächeln war schon lange von dem Gesicht der Frau verschwunden. Jetzt lag eine Totenblässe auf ihrem feinen Gesicht. „Handeln beide mit Liebe— bist Du von Sinnen— nimm Dich in acht— geh' Deiner Wege— hast Du verstanden... Die Frait im grauen Staubmantel blieb an KamillaS Seite. Sie sagte mit heiserer Stimme:„Wie Du aussiehst— wie eine Kluge, die es versteht, die Enveloppe nicht zu beschädigen. Die mit spitzen Fingen? die Süßigkeiten herausnimmt und zum Schluß noch Luft dahinein bläst, wo ihre Seele saß, die sie stückweise verhandelte, dann den Deckel wieder darauf legt und aufgebläht weiier stolziert — so siest Du aus... Und ich? Mein Himmel, ich— warf das ganze fort-- alles— auf einmal— ist das nicht gleich? Die schöne Frau schauderte eS vor den Worten der anderen, vor ihren? kranken Atem, vor dem aufdringlichen Geruch ihrer schmutzige?? Kleider. Da???? sagte sie:„Du kannst mich anfsilche«, ich will dafür sorgen, daß man Dir eine Ui?terstützung gibt— brauchst Du Geld? Ich meine jetzt, dann komm—". „Nein," sagte die andere, und warf der Jugendfreundin a??S halbgeschlossenen Augen einen verächtlichen Blick zu,„ich brauche kein Geld, ich verdiene einstweilc?? noch, was ich brauche. Aber ich wollte m?r noch sagen: WaS würden unsere Väter sage??— wenn sie uns begegneten?" „Unsere Väter?" „Der Deine und der?neine—??nsere— Pfui Deibel würden sie sagen..." Ehe Kamilla zu Wo?-te kom?nen konnte, war die Frau in? f;rn?ien Staubmantel verschwunden. Kamilla f??hr sich mit ihrem einen Basistt?lch über daS Gesicht und holte heftig Atem. Abends faß sie lange vor ihrem Schreibtisch, spielte mit ihrem Federhalter und starrte auf ein weißes Papier, das dort bereit lag, u?n auf de?? Markt des Lebens ein Stück von ihrer Seele zu trage??. An de?niclben Abend saßen im Hinterzsinmer einer iialienischc?? Weinstube Mä??ner?md Frauen— ganz junge und alte, schwatzend, rauchend und trinkend um eine Schüssel Makkaroni. Einer, der eine verfilzte Künstlcrmähne und-inen zottigen silchS« roten Bart und schmutzige Fingernägel hatte, sagte gähnend seine gelben Zähne zeigend:„Hernnl?e, zum Donnerwetter, lies, da???it vir in Stimmung kommen— aber feuchte erst Deine Kehle an. Du wirst alle Tage heiserer." Und sie zog den roten Band aus ihrer Tasche und las ein Ge- dicht, darin sich eine Frauenseele in ihrer Nacktheit aller Welt bloß« stellte— eine vor Verlangen und Gier zitternde Seele. „Pfui Deibel." sagte der Mann mit den schmutzigen Händen. ..Pfui Deibel," sagten alle anderen, die nicht bester aussahen als er. Und sie sagten das, weis sie es für ungerecht hielten, daß eine, die ihre Seele stückweise verkauft, bester bezahlt wird— als die andere, die auch— noch die Haut mit drein gibt. Lotte Gubalke. Technisches. Neues über die Wolkenkratzer. Die ersten großen kn den Vereinigten Staaten errichteten Häuser befanden sich in Chicago. Dann schickte sich die Stadt New Jork, die durch die beiden, ihre Ausdehnung beschränkenden Flüsse eingeengt ist, an, jene gigantischen Bauten zu errichten, die Haus und Gebirge zu- gleich sind. Aber die ersten Versuche waren nicht völlig glücklich, die Kunst des Architekten, umgebildet durch die technischen Schwierig- ketten, ward zur Kunst des Ingenieurs. In gewissen Städten der Vereinigten Staaten ist es aus be- stimmten Gründen verboten, über eine gewisse Höhe hinaus zu bauen, z. B. verbieten in Boston die Gemcindercglements, 125 eng- tische Fuß zu überschreiten. Diese Vorschrift hat indessen nichts mit der Gesundheit der Straßen, noch mit der Aesthetik zu tun. Die Beschaffenheit des Untergrundes, der in vielen Teilen der Stadt wenig fest ist, beschränkt allein die Zahl der Etagen und folglich das Gesamtgewicht des Hauses. In New Jork liegen ähn- liche Verhältnisse nicht vor. Es ist gestattet, Häuser von 300 Meter Höhe zu bauen, eine, wie man sagt, materiell mögliche Sache, wenn wirtschaftliche Gründe nicht dagegen sprächen. Der erste und viel- leicht der wichtigste Faktor ist die Frage der Fahrstühle. Man be- denke, daß man einen Fahrstuhl für 2500 englische Quadratfuß Oberfläche(bebaute Oberfläche) braucht, und in einem Hause, das augenblicklich im Bau ist und auf das wir noch zurückkommen, sind 21 Fahrstühle für seine 32 Etagen vorgesehen. Diese Fahrstühle nehmen natürlich vom Erdgeschoß ab einen beträchtlichen Raum zum Schaden der zu vermietenden Lokale ein; man muß deshalb eine bestimmte Grenze finden zwischen dem, was nötig ist, um die oberen Etagen bewohnbar zu machen, und dem den unteren Etagen ver- lorcn gehenden Raum. Für die großen Höhen findet man auch, daß der hydraulische Fahrstuhl derjenige ist, der am meisten Sicherheit gewährt und besten Betriebs- und Unterhaltungskosten am billigsten sind. Etwa 30 Etagen scheinen augenblicklich das richtige Maximum zu sein und den besten'Mietsertrag zu geben, wenn man den Preis des Terrains, des Baues, der Abgaben, der Unterhaltungskosten, der Reparaturen, der Gehälter des Personals und aller Unkosten in Betracht zieht. Das Haus, von dem oben die Rede war, wird sich im Zentrum des Geschäftsviertels von New Uork am Broadway und Cortland- Street erheben. Seine äußerste Höhe wird 430 englische Fuß über dem Straßenniveau betragen. Die vermietbare Oberfläche wird ungefähr 500 000 englische Ouadratfuß ausmachen. Man wird bei diesem Hause 12 bis 14 000 Tonnen Stahl verwenden, und sein Gc- samtgewicht, ohne die Personen, die es bewohnen werden, wird sich auf 80 000 Tonnen belaufen. Der Bau, die Ausstattung, die Dekoration wird ungefähr 7 Millionen Dollar betragen, und mit dem Preise für das Terrain kommt man auf die Summe von !10 Millionen Dollar. Die Frage der Fundierung, um eine solche Masse zu tragen, ist das nicht am leichtesten zu lösende Problem. Es gibt in New Bork zwei Gesellschaften, die sich ausschließlich mit dieser sehr speziellen Arbeit befassen. Im vorliegenden Falle ist es nötig ge- Wesen, 80 Fuß hinunter zu gehen, um auf Felsen zu stoßen. Vom Oberflächenniveau bis zu dieser Tiefe war das Terrain zum großen Teil aus einem mit Glimmer untermischtem Sande zusammen- gesetzt, aber bei 80 Fuß Tiefe ist man auf den notwendigen Wider- stand getroffen und hat. bei einer vollständig festen Schicht an- gelangt, in die Tiefe mittels komprimierter Luft durch Eisenstäbe verstärkten Beton versenkt. Die Dichtigkeit der äußeren Mauer ist natürlich veränderlich nach der Höhe der Etagen, während sie auf dem Straßenniveau 32 Zoll erreicht, ist sie bei der 32. Etage nur mehr 12 Zoll stark, in den unteren Tiefen bis zur 6. Etage werden diese Mauern aus Stein sein, in den höheren aus besonderen Ziegelsteinen. Diese Bauten werden ohne Gerüste errichtet, die Eiscnsäulen, die die Armatur bilden, das Gerippe des Hauses, erheben sich die einen auf den anderen. Sobald man zur Decke einer Etage kommt, legt man die hori- zontalcn Eiscnbalken, dann werden zwischen diese und der Decke dieser Etage Ziegelsteine gelegt, man fährt nach der Höhe fort, da die Errichtung der äußeren Mauer nur eine Art Ausfüllung ist, und oft erst an letzter Stelle kommt. Abgesehen von dem Fußboden und den Türen, wird Holz nicht verwendet, man beabsichtigt sogar, die Türen mit einer Kupfecbekleidung zu bedecken, um die Feuers- gcfahr zu vermindern. Oben war von 21 Fahrstühlen die Rede, die die Personen bis zu den oberen Etagen bringen sollen; diese Fahrstühle sind in drei Gruppen geteilt. Die mittlere Gruppe, aus sieben bestehend, hält an allen zwischen dem Flur und der neunten Etage liegenden Stock- werken; eine zweite Gruppe von sieben anderen, die Expreß, steigen auf, ohne bis zur neunten Etage zu halten, um bis zur 17.„Omni- bus" zu werden, während die sieben der dritten Gruppe bis zur 17. Expreß sind und dann bis zur 25. Omnibus werden, wo man besondere Fahrstühle findet, um das 32. Stockwerk zu erreichen. Der Zeitverlust, um auf- und abzusteigen, ist also auf das möglichste Minimum beschränkt. Die Dauer des Baues eines ähn- lichcn Hauses wird auf 2 Jahre geschätzt. Ein anderes Haus„The New Singer Building" am Broadway wird sich zusammenfetzen aus dem eigentlichen Bau und einem Turm; die Oberfläche jeder Etage des eigentlichen Baues wird 20 103 Quadratfuß betragen und die Fundierungen werden bis 92 Fuß unter die Erde gehen. Der Turm soll 41 Etagen haben. Sind diese Riesenhäuser fest? Nach dem, was in San Franziska bei Gelegenheit des Erdbebens vorgegangen ist, lautet die Antwort bestimmt: Jal Sie sind siegreich aus der härtesten Prüfung, die man sich denken kann, hervorgegangen, dank ihrer sehr großen Elastizität, während die benachbarten Häuser von der Höhe normaler Häuser in Ruinen stürzten. Es läßt sich nicht leugnen, daß die hohen Häuser schön sind: aber sie sind nur schön durch ihre Macht und die'gewaltige Masse, und wenn die Mieter der oberen Etagen sich ein wenig des Tageslichts und der Luft erfteuen, so ist das gleiche nicht der Fall für diejenigen, die in der 7. oder 3. Etage arbeiten. Dort herrscht fast beständige Dunkelheit, und das; elektrische Licht ersetzt das der Sonne. Wenn sie praktisch den Be- dürfnissen des Lebens und des Ortes entsprechen, so werden sie niemals das Ideal dessen bilden, was das menschliche Wesen als Aufenthalt sich wünschen kann. Humoristisches. — Sonntags morgens.(Die Gnädige zur Zofe):„Ich will eins von den Kindern mit in die Kirche nehmen l... Sagen Sie, Pauline, welches patzt wohl am besten zu diesem blauen Kostüm?" — Der Vertrauensmann.„... Bischd Du aach Ver- trauensmann worre?"—„Neel"—„Schal/— do hätt' mer doch als emol ebbes erfahre!" — Rücksichtsvoll. Aerztin:„Anna, bringen Sie mir mein altes Lodenkleid; ich besuche eine schwerkranke Patientin, der jede Aufregung erspart werden muß!" („Fliegende Blätter.") Notizen. — Es werde Licht. Mit Gasglühlicht sollen nach der „Königsberger Hartungschen Zeitung" vorläufig 35 000 Personen- wagen der preutzisch-hessischen Staatseisenbahuen versehen werden. Nach langen Jahren des Probierens und Studiercns hat man end« lich eine Gasglühlichtlampe erfunden, in der die verwendeten Glühstrümpfe die nötige Haltbarkeit auch bei starken Erschütterungen bewahren, so daß sie im praktischen Eisen» bahnbetriebe verwendbar sind. Die Lampen sind in einem Teile der Berliner Stadtbahnen bereits angebracht worden und sollen sich vortrefflich bewähren. Die Einftihrung des GasglühlichtS ermöglicht es, auf den Acetylenzusatz zu verzichten, den man in den letzten Jahren zur Erhöhung der Helligkeit verwendete. Dadurch wird die ganze Beleuchtung billiger, obwohl erheblich mehr Licht erzeugt wird, so daß man auf allen Plätzen ohne weiteres wird lesen können. Ein Teil der Lampen soll auch mit Vorrichtungen versehen werden, die das Anzünden und Verlöschen vom Wagen aus gestatten, so das auch das Betreten der Wagendächer durch die Lampcnanzündcr in Fortfall kommt. — Wie der große Geiser dem Dänenkönig huldigen mutzte. Der dänische König und sein Schweif von Abgeordneten besuchten auf ihrer Jslandsreise vor kurzem auch den großen Geiser, das großartige Naturwunder, das zwar nicht be- ständig, aber doch häufig gewaltige Strahlen kochenden Wassers hoch emporsprudeln läßt. Der Geiser aber ließ es dem Könige gegen- über an der schuldigen Ehrerbietung und Untcrtanentreue fehlen und hatte gerade jetzt seine Wasserkünste eingestellt. Da kamen fach- kundige Männer herbei und schütteten ihm an 50 Pfund schwarzer Faßscife in den Schlund. Dieses Brechmittel wirkte dann auch vor- züglich. Wie die Hofreporter nach dem Muttcrlande depeschierten, hat der große Geiser seine Quellen noch nie so schön springen lasten wie jetzt vor„Seiner Majestät". Von einer anderen heißen Quelle, dem Strokkur, erzählen die Hofreporter, daß er, nachdem er seit 11 Jahren kein Lebenszeichen von sich gegeben hatte und schon für ganz erstorben gehalten wurde, plötzlich beim Erscheinen des Königs zu aller Erstaunen mächtige Wassermassen gen Himmel springen ließ. Was die Ursache dieses Wunders war, ob der Stokkur vielleicht Angst hatte, daß man ihm, wie seinem großen Bruder, ein scheußliches Brechmittel eingeben werde, oder ob in seinem Innern die Liebe zum angestammten Herrscherhaus plötzlich so heiß entflammte, daß das Wasser in seinem Bauch überkochte, darüber sind sich die Hofgelehrten noch nicht einig._ Berantwortl. Redakteur: Hans Weber, Berlin.— Druck u. Verlga: Vorwärts BuchdP-ckcrei u.Verlagtaujtalt Paul Singer LrCo..Berlin SW.