Nnterhaltungsblatt des Horwärts Nr. 191. Mittwoch, den 2. Oktober. 1907 (Nachdruck verbalen.) STZ Vie Mutter. Noman von Maxim Gorli. Deutsch von Adolf Heß. Peter setzte sich neben sie, blickte bittend in ihre Augen und fuhr fort: „Wenn Ihr ihn etwas erleichtern wollt, helfen wir Euch dabei mit Vergnügen?... Solche Bücher können wir brauchen..." „Sie will uns alles geben!" bemerkte Stephan. „Tas ist ausgezeichnet! Wir wollen schon einen Platz finden!.. Er sprang auf die Füße, schritt lächelnd und schnell in der Hütte auf und ab und meinte zufrieden: „Das ist sozusagen ein wunderbarer Zufall!... An der einen Stelle ist der Faden gerissen, an der anderen wird er angedreht... Nicht übel!... Die Zeitung ist aber gut, die putzt die Augen rein... Ten Herren ist das un- angenehm... Ich arbeite hier sieben Werst entfernt bei einer Herrin als Tischler. Ein gutes Weib, muß man sagen, gibt uns allerhand Schriften... Bisweilen ganz einfache... Man liest sie und es ist wie eine Offenbarung! Ueberhaupt sind wir ihr dankbar...Aber einmal zeigte ich ihr eine Nummer der Zeitung... und da war sie sogar beleidigt. Gib das auf, Peter, sagte sie! Davon wird Euer Leid nur größer. Gefängnis und Sibirien steht darauf.. x Er schwieg plötzlich wieder, dachte nach und fragte: „Sagt mir doch. Mamachen, ist dieser Mensch Euer Verwandter?" „Nein, er ist mir fremd," antwortete die Mutter. Peter lachte klanglos und zufrieden über etwas, was ihm nicht klar war und nickte mit dem Kopf: in der nächsten Sekunde schien es der Mutter aber, daß das Wort„fremd" in bezug auf Nybin nicht am Platze sei und ihn kränken müßte. „Ich bin nicht mit ihm verwandt," sagte sie,„kenne ihn ober schon lange und verehre ihn, wie einen leiblichen Bruder... einen älteren..." Das richtige Wort fand sich nicht, das war ihr un- angenehm und schmerzlich. Mürrische Stille füllte er- wartungsvoll die Hütte. Peter neigte den Kopf auf die Schulter und stand da, als horche er. Stephan hatte die Ellbogen auf den Kopf gestützt und klopfte die ganze Zeit über mit dem Finger nachdenklich auf die Platte. Sein Weib hatte sich an den Ofen gelehnt. Die Mutter fühlte in der Dämmerung ihren unverwandten Blick und sah ihr bis- weilen selbst ins Gesicht— ein ovales, braunes mit gerader Nase und kurz und energisch geformtem Kinn. Ihre grün- lichen Augen glänzten eindringlich und scharf. „Also ein Freund.. meinte Peter leise,„einer mit Charakter. N' ja... der schätzt sich hoch ein... ganz wie sich's gehört... Das ist ein Mensch, Tatjana, ah? Du jagst.. „Ist er verheiratet?" unterbrach Tatjana ihn, die dünnen Lippen fest zusammenpressend. „Er ist Witwer!" erwiderte die Mutter traurig. „Deswegen ist er auch so verwegen!" sagte Tatjana mit tiefer Bruststimme.„Ein Ehemann geht solchen Weg nicht — der fürchtet sich.." „Aber ich? Bin doch auch verheiratet..." rief Peter. „Du hör auf, Gevatter!" sagte das Weib, ohne ihn an- zublicken.„WaS bist Du denn? Du redest nur viel und liest mal tvas vor. Die Leute haben wenig Nutzen davon, daß Du mit Stephan in der Ecke herumtuschelst." „Mich hören eine ganze Menge..." erwiderte der Bauer gekränkt und leise.„Ich bin hier soviel wie Sauer- teig... Deine Bemerkung ist ganz verkehrt..." Stephan blickte schweigend sein Weib an und senkte wieder den Kopf. „Und warum heiraten die Bauern nur?" fragte Tatjana. „Sie brauchen eine Arbeiterin, sagen sie... ist aber gar keine Arbeit da!" „Was. willst Du noch mehr zu tun haben?" flocht Stephan dumpf ein. „Die Arbeit, von der Du sprichst, hat gar keinen Zweck. Hunger leidest Du trotzdem Tag für Tag. Werden Kinder geboren— hat man keine Zeit, nach ihnen zu schen immer wegen dieser Arbeit, die doch kein Brot gibt..." Sie trat zur Mutter, setzte sich neben sie und sprach hark, ohne Mitleid und Kummer: „Ich hatte zwei Kleine... Einer, ein Zweijähriger, hat sich mit heißem Wasser verbrüht, den anderen habe ich nicht ausgetragen, er ist tot geboren... wegen dieser ver- fluchten Arbeit...'Mächt einem das Freude? Ich sage, die Bauern heiraten ganz unnütz, binden sich nur die Hände... Wenn sie ledig blieben, könnten sie für die Wahrheit ein- treten, wie jener Mensch... Habe ich recht, Mutter?.. «Du hast recht!" sagte die Mutter.„Hast recht, Liebe. Anders bezwingt man das Leben nicht." „Habt Ihr denn einen Gatten?" „Der ist tot... Ich habe einen Sohn.» „Und wo ist der, wohnt er bei Euch?" „Er sitzt im Gefängnis!" antwortete die Mutter, und fühlte dabei, daß diese Worte außer dem gewöhnten Kummer ihre Brust mit ruhigem Stolz erfüllten. „Haben ihn schon zum zweitenmal eingesperrt!... Und immer deswegen, weil er Gottes Wahrheit verstanden und sie offen ausgesät hat, ohne sich zu schonen... Er ist jung und ein hübscher Bursche... ein kluger! Die Zeitung hat er erftmden und Michails Jwanowitsch aus den rechten Weg gebracht... obgleich Michaile doppelt so alt ist wie er... Jetzt werden sie über meinen Sohn deswegen Gericht halten- und chn verurteilen... Aber er flieht aus Sibirien und tut dann wieder seine Arbeit... Es sind schon viele solche Leute geboren, und kommen immer mehr hinzu, und alle werden bis an ihr Ende für die Freiheit der Menschen und die Wahrheit eintreten..." Sie vergaß jede Borsicht, mnd wenn sie auch keine Namen nannte, so erzählte sie doch alles, was sie von der Geheim» arbeit zur Befreiung des Volkes aus den Ketten der Sklaverei wußte. Indem sie Bilder entwarf, die ihrem Herzen teuer waren, legte sie alle Kraft und allen Ueberfluß an Liebe in ihre Worte. Es machte ihr Vergnügen, ihren längst gehegten Wunsch zu verwirklichen. Jetzt sprach sie selbst über die Wahrheit. „Mit solchen Leuten kann das Volk zusammengehen, die geben sich nicht mit wenigem zufrieden, sie hören nicht eher auf, als bis das ganze Volk emstimmig sagt: Ich bin dep Herrscher, ich gebe für alle gleiche Gesetze!... Sie schwieg müde. In Ihrer Brust lag ruhige Sicher» heit, daß ihre Worte hier nicht verloren gehen würden.., Die Bauern blickten sie an: sie warteten noch etwas.-Peter hatte die Hände auf der Brust verschlungen, blinzelte mit den Augen und in seinem bunten Gesicht zitterte ein Lächeln. Stephan hatte einen Arm auf den Tisch gestützt und sich ganz vorgebeugt, den Hals ausgestreckt und hörte scheinbar noch immer zu... Auf seinem Gesicht lag Schatten, dadurch erschien es durchgearbeiteter... Sein Weib saß gebückt neben der Mutter, hatte die Ellbogen auf die Knie gelegt und blickte vor sich auf die Füße. „Also so ist es..." flüsterte Peter und setzte sich köpf- nickend auf die Bank. Stephan richtete sich langsam auf, blickte seine Frau an und breitete seine Hände in der Lust aus, als wollte er etwas umarmen... „Wenn man an die Sache herangeht," begann er nach- denklich und halblaut,„mutz man es schon mit Leib und Seele tun.. Peter flocht schüchtern ein: „N'ja... Zurück darf man nicht blicken!..." „Die Sache ist groß gedacht..." fuhr Stephan fort. „Ueber die ganze Erde!.. fügte Peter wieder hinzu. XVII. Die Mutter hatte sich mit dem Rücken gegen die Wand gelehnt, den Kopf zurückgeworfen und hörte so ihre halb- lauten abwägenden Worte. Tatjana stand auf, blickte um sich und setzte sich wieder. Ihre grünen Augen glänzte» trocken, als sie unzufrieden und geringschätzig die Bauer» ansah �Ihr habt, scheint's, viel Kummer erlitten?" wandte sie sich plötzlich der Mutter zu. «Das habe ichl" erwiderte diese. „Ihr sprecht gut.. Es zieht einen an. zieht das Herz hinter Eure Rede her... Man denkt— Herrgott, wann man wenigstens durch eine Ritze solche Leute und solches Leben sehen könnte. Wie lebt man denn? Wie ein Schaf!... Ich für meine Person kann lesen und schreiben, lese Bücher, denke viel nach... schlafe oft sogar nachts nicht. Aber was hat das für einen Sinn? Denkt man nicht nach, so geht man zugrunde und denkt man nach, so geschieht ganz dasselbe. Ist ja doch alles umsonst. Die Bauern hier zum Beispiel, die arbeiten und rackern sich ab wegen eines Stückchen Brot... Und trotzdem ist nichts da... Das kränkt, sie werden böse, trinken, prügeln sich, arbeiten wieder... arbeiten... Was soll das? Gar nichts.. Sie sprach spöttisch und lächelte ebenso. Ihre Stimme war tieffließend und stockte bisweilen, als hätte sie plötzlich ihre Rede wie einen Faden durchschnitten... Die Bauern schwiegen. Der Wind streichelte die Fensterscheiben, raschelte im Stroh auf dem Dach und summte leise im Schornstein. Ein Hund heulte. Und unwillig schlugen ab und zu Regen- tropfen gegen das Fenster. Die Flamme in der Lampe zit- terte, wurde trübe, brannte aber nach einer Sekunde wieder gleichmäßig und hell. (Fortsetzung folgt.) Oer Garten cles Laubenkolonirten. Oktober. Nach dem nassen Sommer, der Prietzke gründlich verschnupft hatte, und dem er so manchen Mißerfolg seiner Kulturen in die Schuhe schiebt, freute er sich kindlich über die prächtigen, sonnigen Spätherbsttage. Noch am Sonntag, den 22. September, drückte er mir seine Freude über den hellen Sonnenschein aus und bekundete feine Genugtuung über das flotte Anwachsen der frisch angepflanzten Erdbeeren, die er sich selbst aus den Ranken seiner Mutterpflanze herangezogen hat. Prietzke ist ein außerordentlich fleißiger und gewissenhafter Arbeiter, aber ab und zu überkommt ihn die An- Wandlung, sogenannten blauen Montag zu machen. Er zieht einen gelegentlichen blauen Montag dem schönsten Sonntag vor, weil ein Festtag für ihn besonderen Reiz hat, wenn er nicht von allen mit- gemacht wird. Der Montag galt der Gartenarbeit. Prietzke machte sich frühzeitig aus den Federn. Schon auf dem Wege zum Garten wuroe ihm klar, daß eine nicht gewöhnliche Nacht überstanden war. Es fröstelte ihn, und beim Betreten des Gartens sah er nur zu rasch, daß diese Nacht den ersten ernstlichen Frost gebracht hatte. Tomaten, Kürbisse und Gurken waren dem Frost zum Opfer ge- fallen und zeigten die typische schwarze Belaubung, die vom Froste getöteten krautartigen Pflanzen eigen ist. Zum Glück können diese ersten Fröste den Früchten selbst nichts anhaben; die Gurken Werden von den erfrorenen Stauden heruntergeschnitten und mög- lichst bald in der Küche aufgebraucht, die großen, gelben, reifen als Schmorgurken, während man die übrigen als Essig- oder Salz- gurken konserviert. Aus den reifen Gurken nimmt man die Kerne, »ätzt sie einige Tage in einer Schale mit Wasser schwimmen, um sie danach vom anhaftenden nun aufgeweichtem Fruchtfleische zu rei- nigen, zu trocknen und trocken für die nächstiährige Saat aufzu- bewahren. Wenn man immer einige der schönsten Gurken zur Samen- gewinnung an den Stauden läßt, so kann man sich hierdurch von Jahr zu Jahr lieb gewonnene Sorten verbessern. Daß Gurken- und Kürbissamen mehrere Jahre liegen müssen, bevor man sie der Erde anvertrauen darf, wenn aus ihnen reich tragende Pflanzen hervorgehen sollen, ist ein weit verbreiteter Volksglaube, aber kein echter, sondern ein Aberglaube. Ich verwende auch bei Gurken, Kürbissen und Melonen von Jahr zu Jahr nur frischen Samen und habe nie über mangelhaften Fruchtansatz zu klagen. Was die Kürbisse betrifft, so hat deren Wachstum mit dem Abfrieren des Krautes natürlich aufgehört, Prietzke kam deshalb der un- gewöhnlich zeitige Frost recht ungelegen, da er sich an der Kon- kurrenz um den dicksten Kürbis beteiligen will. Einige seiner Früchte haben aber einen so respcktabeln Umfang erreicht, daß sie es im Gewichte fast mit dem fettesten Bierbrauer aufnehmen tonnen und nicht ohne Aussicht am Wettkampfe teilnehmen werden. Kürbisse sind bekanntlich Dauerfrüchte, die man nicht gleich nach der Ernte aufzubrauchen braucht, im Gegenteil, sie werden schmack- hafter, wenn sie längere Zeit liegen, und sie halten sich, auf irgend deinen Schrank einer kühlen, aber frostfreien Stube gelegt, vor- güglich bis zum Anfang des nächsten Jahres. Nach ein- bis zwei- monatlichem Lagern geben sie ein weit besseres Kompott als bald pach der Ernte. Die Tomaten waren in diesem Jahre Schmerzenskinder aller Gartenfreunde. Diese südländische Frucht patzt nicht recht in unser rauhes Klima, trotzdem reift sie meistens in warmem Sandboden hei freier sehr sonniger Lage, wenn man vom Gärtner unter Glas gezogene Sämlinge gleich nach Pfingsten in reich gedüngten Boden auspflanzt. In diesem kalten Sommer haben nur die allerfrühesten Sorten, wie„König Humbert" und.Johannisfeuer" einige reife Früchte gebracht. Nach dem Froste habe ich von vier Stauden der letztgenannten Sorten noch 2b Kilogramm halb» bezw. dreiviertel- reifer Früchte abgenommen. Wenn man diese mit dem ganzen Stiele schneidet, sorgfältig einpackt, so daß sie keine Druckflecken bekommen, und dann an einer gespannten Schnur in luftigem Zimmer aufhängt, so reifen sie allmählich nach. Dann kocht man den Ueberfluß ein oder legt ihn auch in einen irdenen Topf in nicht zu sehr gesalzenes Wasser; sie halten sich bei diesem Per- fahren im Keller den ganzen Winter hindurch. Allerdings find derartig konservierte Tomaten nur Surrogate und als Suppen- würze den an der Staude gereiften nicht gleichwertig zu erachten. Je mehr wir in den Herbst hineingehen, um so trostloser wird der Garten. Mit den vorgeschilderten Nutzpflanzen sind in gleicher Nacht auch unsere schönsten, aber empfindlichsten Herbstblüher dem Froste zum Opfer gefallen, die Dahlien. Von Hause aus eine Südamerikanerin, ist sie glcichsfalls sehr frostempfindlich und dies nicht nur in ihrem Kraut, sondern auch in der knollenartigen Wurzel. Nachdem nun das Kraut abgefroren, tut man gut. die Stauden sorgfältig auszugraben, die Erde aus den Wurzelknollen zu schütteln und das Kraut dicht darüber abzuschneiden. Die so behandelten Knollen müssen zur Ueberwinterung in einen möglichst frostfreien Keller kommen, am besten auf eine nicht allzu trockene Sandunterlage. Hier bleiben sie bis Mai nächsten Jahres, worauf sie wieder in den Garten ausgepflanzt werden. Der Liebhaber vermehrt seine Dahlien am besten durch Teilung der alten Wurzel- stöcke; dabei ist aber zu beachten, daß die einzelnen, abgebrochenen Wurzelknollen nicht die Fähigkeit besitzen, junge Triebe zu bilden, also weiter zu wachsen, da sich die Augen, aus welchen neue Triebe hervorgehen, nicht an den verdickten Wurzeln, sondern am Grunde des Wurzelstockes befinden. Deshalb müssen die Wurzelstöcke zur Vermehrung derartig auseinander geschnitten werden, daß aft jeder zu pflanzenden Wurzelknolle ein Stück vom eigentliches Wurzelstock bleibt. Dieses Zerschneiden nehme man aber, usti Fäulnis zu verhüten, nicht jetzt, sondern im Mai, kurz vor dem Auspflanzen vor.— Auch die Zeit der Sommerblumen ist jetzt vorüber. EG blühen von diesen fast nur noch Reseda und einige andere ganz an- spruchsloser Art. Mit Eintritt der kalten Jahreszeit sterben dtd echten Svmmerblumen ab. Sie haben dann aber zum größten Teil schon ihre gereiften Samen ausgestreut, die bei vielen Arten dem Winterfroste standhalten, so daß die liebgewonnenen Blumen im Frühling immer wieder aufs neue erscheinen. Man läßt sie dann da, wo sie willkommen sind und entfernt sie mittels Bchackcns, wo sie etwa stören. Zu den Sommerblumen, die alljährlich durch Selbstaussaat wieder erscheinen, gehören Reseda, Mohn. Rittersporn, Kornblumen, Vergißmeinnicht und viele andere. Im Gegen- satz zu den Sommerblumen sind die Stauden ausdauernde, viel- jährige Blütengewächse, die, einmal angepflanzt, sich von Jahr zu Jahr wieder in üppiger Weise entwickeln. Von ihnen blühen jetzt noch die wundervollen, weißen und rosafarbigen japanischen Anemonen, die stolzesten Blütenstauden des Herbstes, und die Staudenastern. Nach beendigtem Flor werde die absterbenden Zweige dicht über dem Wurzelstock abgescknitten. dann ist es aber auch Zeit zum Verpflanzen und Neuanpflanzen. Im allgemeinen sollte man Stauden nur drei Jahre am gleichen Orte stehen lassen; dann haben sie den Boden derartig ausgesaugt und auch derartig dichte Wurzelstöcke gebildet, daß Neuanpflänzung asi anderem Orte erforderlich wird. Bei dieser Gelegenheit teile man alte Wurzelstöcke; hierdurch vermehrt man seinen Bestand. Den Ueberfluß kann man jederzeit bei Nachbarn loswerden, die dafür vielleicht andere Arten, welche dem eigenen Garten fehlen, in Tausch geben. Der Gemüsegarten ist mit fortschreitender Jahreszeit mehr und mehr geräumt worden. Reif gewordene Zwiebeln nimmt man jetzt aus, reinigt sie von anhaftender Erde und trocknet sie danach in luftiger Kammer. Im allgemeinen sind unsere meisten Gemüsearten nicht so frostempfindlich als allgemein angenommen wird. Ausnahmen machen nur Hülsenfrüchte, Gurken, Tomaten und einige Gewürzkräuter. Kopfkohl kann ziemlich lange im Freien bleiben; um ihn aber vor Dieben zu schützen, ist es ratsam. den Ueberfluß an einem trockenen Tage mit den Wurzeln aus- zugraben, die losen Blätter abzuschneiden, so daß nur die festen Köpfe bleiben, und diese im Keller einzuschlagen. Sellerie, Breit- lauch oder Porree halten ziemlichem Froste stand und können lange draußen bleiben, immer vorausgesetzt, daß man nichts durch Diebe zu fürchten hat. Wurzeln, namentlich Möhren, Teltower Rübchen und Rettiche werden ausgenommen und im Keller eingeschlagen. Draußen bleiben dagegen Feldsalat, Blumenkohl und Grünkohl, die freilich häufig durch Kaninchen. Ratten und Mäuse stark mit- genommen werden. Wo man aber diesen Nagern energisch zu Leibe geht, da liefern uns die genannten Arten im strengen Winter ein vorzügliches Gemüse. Der Oktober ist für verschiedenartige Gewächse der beste Pflanzmonat, so für die bereits genannten Stauden, für früh blühende Zwiebelgewächse, für Ziersträucher, Beerenobst und Obst- bäume. Die Anpflanzung von Zwiebelgewächsen möchte ich da nicht empfehlen, wo viele Mäuse und Natten vorhanden sind, da diese Nager in erster Linie den Tulpenzwiebeln, aber auch den Hyazinthen nachstellen. Die Anpflanzung von Zier» und Obstgehölzen ist auf —<( Pachtland im allgemeinen nicht zu empfehlen, da der Pächter oft gerade dann in die Lage kommt, die Parzelle aufgeben zu müssen. wenn die angepflanzten Gehölze anfangen, die Pflege zu danken. Dann mutz man diese Gehölze entweder mit schwerem Herzen zurück- lassen, oder man mutz sie nach einem neuen Grundstück verpflanzen, was namentlich bei inzwischen stark gewordenen Sträuchern und Bäumen grotze Unkosten verursacht und nicht einmal empfehlenswert ist, weil eine Holzpflanze mit zunehmendem Alter um so schwerer das Versetzen verträgt. Im günstigsten Falle gebraucht sie mehrere Jahre, um sich wieder vollständig zu erholen. Eine Ausnahme machen nur Himbeeren, Brombeeren, Stachel- und Johannisbeeren, die als kleinbleibende Sträuchcr stets gut verpflanzbar sind und, falls sie sich stark verzweigt haben, gelegentlich des Versehens in mehrere Pflanzen zerlegt werden können. Obstbäume pflanzt man nur auf eigenem Grund und Boden und zwar möglichst gleich nach dem Laubfall. Für alles Stein- und Kernobst soll der Boden möglichst ein Meter tief rigolt werden. Wo das der zu hohen Kosten wegen nicht durchführbar ist, da werfe man für jeden Baum eine mindestens einen Meter tiefe und einen Quadratmeter grotze Pflanzgrube aus, damit die Wurzeln in gut gelockertes Erd- reich kommen, das ihnen allein die Möglichkeit zur Entfaltung eines gesunden Wachstums bietet. Weit mehr als hochstämmige' Bäume sind für kleine Gärten die von unten auf verzweigten Jogenannten Buschbäume zu empfehlen. Von diesen kaufe man ich ganz junge, sogenannte zweijährige Veredlungen. Diese Bäumchen werden je nach der Qualität des Bodens in drei bis vier Meter allseitigen Abstand gepflanzt. Die besten Aepselsorte» für den Garten des Liebhabers sind die Ananas-Renctte und die Muskat-Renette, weil sie nur geringen Umfang annehmen, früh und dankbar tragen, dabei delikate ananas- bezw. muskatartig schmeckende Früchte liefern. Von Birnen empfehle ich die schöne, runde deutsche National-Bergamotte. Amanlis Butterbirne und als Wintersorte die Pastorenbirne; von Pflaumen Kirkes-Pflaume und die sehr spät, erst im Oktober, reifende.Anna Späth"; von Kirschen die„Schattenmorelle", eine reich tragende Sauerkirsche, und von Pfirsichen den neuen Proskauer Pfirsich, eine prachtvolle, fpät reifende Züchtung, die sich aus den Kernen leicht ziehen lätzt und schon im dritten Jahre mit der Tragbarkeit beginnt. Hd. Kleines f euiUeton* Graue Steine am Wege. Alles, was Sie wollen,— nur bleiben Sie nie stehen I Setzen Sie sich nie auf graue Steine am Wege. Alles,— nur nicht das l Denn es sind nicht Steine, sondern verzauberte Menschen, die «inst denselben Weg gingen, den wir gehen. Denselben Weg. Wie wir: von einem grotzen Streben beseelt. Auf der Irrfahrt um? Glück. Viele zogen aus, wenige kamen anS Ziel. Viele graue Steme säumen die Wege unserer Heimat. Unendlich viele... Und mit jedem Jahre wächst ihre Zahl. JedeS Jahr ziehen neue Meuschen aus. Wie Schwalben im Herbst. Froh und rüstig zu Anfang. I Wie Schwalbenschwärme. Aber dünner und dünner werden die Reihen. Einer nach dem anderen bleibt stehen. Bleibt stehen und schaut sich um. Durch die Zweige der Linden und Apfelbäume schimmert ein Strohdach. Und schwerer werden des Wanderers Füße, als Nebten sie an der Erde. Er möchte sich setzen und ruhen. Einen Augenblick nur. Sich setzen und em letztes Mal den Blick über alles schweifen lasten, was hinten liegt. Roch schwankt er. Aber schon ahnt der Stein den Sieg. Wie von selbst beugen sich des Wanderers Füße,— er läßt sich nieder. Goldige Lehren lehnen sich an fein Haupt und flüstern alte, uralte Geschichten.... Um feine Füße schlingt sich das Gras, als wolle eS sie halten. Die Kornblumen wiegen müde die blauen Köpfchen. Und der Wind geht auf leisen Sohlen einher und summt: .Bleib' bei uns.— geh' nicht fort I" .Geh' nicht fort l" lispeln die Nehren. .Ja. ja, geh' nicht fort!" nickt die Kornblume. Fern aus den Wesen klingt eine Sense. „Geh' nicht fort I" Und der Wanderer fühlt: er kann nicht weiter. Nicht... weiter... Der graue Stein hat gesiegt. Wie Lächeln huscht es über sein bemoostes Antlitz. Er zählt die Opfer. Viele sind ihrer I O, wie viele! Und immer wieder werden neue kommen, immer wieder... Kommen, ein Weilchen zu ruhen und bleiben. Und so immer- fort: ruhen und bleiben. Immerfort... Wenige kommen ans Ziel., Nur die, welche taub und blind sind und herzlos gegen sich selbst und hasten können, wo sie lieben. Die nur. Mach dem Lettischen von W. P. Larsen.) Astronomisches. Die Himmelserscheinungen im Oktober. Fü» die Beobachtung des gestirnten Himmels tritt im Oktober die günstigste Zeit ein. Der frühe Einbruch der Nacht, der einesteils durch die südliche Stellung der Sonne zum Aequator bedingt ist» welche Anfang Oktober um 5� Uhr, Ende des Monats aber schon um 4� Uhr untergeht, andererseits aber auch die nur kurze Zeit der Abenddämmerung bewirken zusammen, dah die Betrachtung des Himmels in so frühen Abendstunden sich darbietet, datz der Auf. enthalt im Freien noch nicht zu unangenehm ist. Denn während in den Sommermonaten die Sonne nur einen kleinen Bogen» wenige Stunden vor und nach Mitternacht, unter dem Horizonte beschreibt und in der geographischen Breite von Berlin nur so wenig unter diesen sinkt, daß selbst um Mitternacht noch ihre Strahlen unsere Atmosphäre erhellen, befindet sie sich jetzt bereits während des größten Teiles der Tageslänge unter dem Horizonte» und sie steigt gegenwärtig mit solcher Eile hinab, datz die Dauer der Abenddämmerung auf zwei Drittel ihrer Länge vom Sommer verkürzt ist. Der Komet Daniel ist nun wieder aus dem überstrahlenden Sonnenlichte herausgetreten. Am 15. Septemk�r stand er dicht unterhalb des grotzen Sternes erster Größe Regulus im Löwen und bewegt sich seitdem auf Spica in der Jungfrau zu. Anfang des Monats tritt er aus dem Sternbildc des Löwen in das der Jungfrau über, nähert sich am Ib. Oktober dem Himmels- äquator bis auf ein Drittel Vollmondsbreite, wendet sich dann wieder aufwärts und bewegt sich auf das Sternbild der nördlichen Krone zu. Herr Ouönisset in Juvisy hat den Kometen Daniel im Julk und August sehr oft photographiert und interessante Bilder er» halten. Eine Aufnahme mit einer Porträtlinse von nur IM Milli» meter Brennweite läßt den Schweif 17 Grad weit, bis zum Platten» rand, verfolgen. Aufnahmen an Instrumenten mit langer Brenn. weite zeigen Ausströmungen aus dem Kerne, die gegen die Sonne gerichtet sind, und einen komplizierten Bau des Schweifes. Auch das Spekrum wurde von Oueniffet untersucht; es hat jedoch keine Ab. weichungen gegen das normale Komctenspcktrum dargeboten. Von den grotzen Planeten bleiben die beiden inneren Merkur und Venus in diesem Monat unsichtbar. Mars entfernt sich nach Norden zu vom Aequator schnell und kommt daher auch in unseren Breiten in günstige Beobachtungsverhältnisse. Er rückt vom Schützen in den Steinbock; am 15. Oktober steht er gerade unterhalb des Mondes. Der Planet ist um die Mitte des MonatS schon am Ende 5 Stunden lang abends fichtbar. I u p i t elc wird in der zweiten Woche des Monats auch in den Abendstunden sichtbar, und am Ende des Monats beträgt die Dauer der SichH; barkeit bereits 7 Stunden.— Der siebente Jupitcrmond ist übrigens, von Prof. Wolf in Heidelberg photographiert worden. SaturN geht nunmehr vor Tagesanbruch unter, ist aber am Ende des Monats immer noch 8% Stunden lang sichtbar.— Der neunte Saturnsmond Phöbe ist von Prof. Wolf mit dem Wzölligcn Re- ftaktor des Astrophysikalischen Instituts zu Heidelberg dreimal photographiert worden. Für dieses Instrument ist er ein verhält» nismätzig„leichtes" Objekt, obwohl er selbst in den größten Fern» röhren der Welt direkt nicht- oder nur ausnahmsweise zu sehen ist. Vom Saturn steht dieser Mond jetzt etwa eine halbe Erd- vollmondbreite nach Westen. In seiner Nähe wurden zwei neue kleine Planetoiden entdeckt, von denen der eine vielleicht zu den sonnenfernen gehört, da seine Bewegung ziemlich langsam erfolgt. Der Fixsternhimmel gewinnt stetig an Pracht, je mehr wir uns dem Winter nähern. Die günstigste Zeit zu seiner Bcob- achtung ist die erste Hälfte im Oktober, weil dann der Mondschein fast völlig fehlt(am 7. ist Neumond). Dann treten auch die schwächeren Sterne auf dem dunklen Himmelshintergrundc her- vor. Das schimmernde Band der Milchstraße überspannt den immel von Nordosten nach Westen, auf ihrem Wege die schönsten terngruppen bezeichnend. Dort, wo sie sich in zwei Aeste gabelt, steht der hellste Stern Dcncb des kreuzförmigen Schwanes, darunter der Adler mit dem helleuchtenden Atair. Auf der anderen Seite gelangt man über die Wförmige Cassiopeja und den Perscus mit dem veränderlichen Stern Algol, zum Fuhrmann mit der Capella» zu den Plejaden und zum Stier, einer Vgcstalteten Gruppe, dii mit ihrer Oeffnung zur Milchstratze weist. Um Mitternacht geht auch schon der Orion auf, doch steigt er(um 4 Uhr morgens) nur bis zu geringer Höhe am Himmel empor. Im Norden erblicken wir außer den bekannten Bildern des großen und kleinen Bären den Cephcus, den Drachen, den Herkules und die drei Sternpaare der Leier mit ihrem Hauptstcrne, der Wega. Archäologisches. Der Ursprung des Kreuzes. Es bricht sich immer mehr die Erkenntnis Bahn, wie eng die Weltkulturcn auch in antiker Zeit schon miteinander verknüpft waren und wie die christ» liche Aera das Erbe der Jahrtausende alten orientalischen Kulturen in vieler Beziehung angetreten hat. Wichtigste Elemente der christ» lichen Symbolik, die man bisher allein aus dem Geiste der Religiös — i I und den Erzählungen de? Neuen TestamenItcS ableitete, stehen in einer geheimnisvollen immer klarer werdenden Verbindung mit der uralten Symbolik feuhcrer Völker. Selbst das Kreuz ist in neuester Zeit durch Forschungen des schwedischen Archäologen Oskar Montelius auf einen durchaus von christlichen Vor- stellungen zunächst unabhängigen Ursprung zurückgeführt worden. Diese wichrigcn Untersuchungen faßt Artur Hahr nach ihren Er- gebnissen in den Monatsheften der kunstwissenschaftlichen Literatur zusammen. Montelius geht von dem Symbol des Rades aus, das lauge vor Christi Geburt als Sinnbild der Sonne, des Sonnen- gottes und alles Göttlichen gegolten hat und unter dem auch in christlicher Zeit auf Äatakombenmalcreien, Sarkophagen und byzantinischen Kapitälcn das Bild der Gottheit dargestellt wurde. Aus dem vierspeichigcn Radsymbol nun ist ganz sicher daS so- genannte griechische Kreuz mit den vier gleich langen Armen ent- standen, in dem nämlich die vier Speichen kreuzförmig gestellt wurden und der Kreis allmählich wegfiel. Dieses innerhalb des Kreises losgelöste Kreuz und auch das Kreuz ganz ohne KrciS finden sich auf ältesten christlichen Grabmälern und auf nordischen Grabsteinen aus dem frühen Mittelalter, wobei sie noch ganz beut- lich den Zusammenhang mit dem Sonncnrad zeigen. Selbst noch in unseren Tagen findet man auf Friedhöfen klewe Kreuze in einem Kreise,"über den die Kreuzarme hinausragen. Dieses griechische Kreuz nun. das zum wichtigen Symbol deS Christentums wurde, findet sich ebenso Wie das vicrspeichige Rad schon lange vor Christ» Geburt auf zahlreichen asiatischen, besonders assyrischen Denkmälern, auch auf alten Münzen aus der heidnischen Periode der römischen Kaiserzeit. So ist der Weg, auf dem das Kreuz aus dem römisch-asiatischen Kultus in die christliche Kunst eindrang, ganz klar bezeichnet. Aber auch da? lateinische Kreuz, dessen unterer Arm länger ist als die drei anderen Arme und das daher als Abbild des Kreuzesstammcs besonders als eigentümlich christlich angesehen wurde, kommt schon tausend Jahre vor Christus vor und begegnet man ebenfalls auf frühen asiatischen Denkmälern. Es ist ein heiliges Symbol, das ebenfalls mit. dem Sonncndienste zusammenhängt und als die Waffe des Sonnengottes, eine Doppelaxt mit eiuem langen Schaft, erklärt wird. Aus dieser quer übcrcinandergclcgfeu Toppclart culwickclt sich nun ein kreuz- förmiges Symbol, dem wir in dem Attribut der Astarte und anderer Gottheiten auf orientalischen Münzen begegnen und das durchaus wie das lateinische Kreuz aussieht. Dies Symbol findet sich sehr zahlreich in den Jahrhunderten unmittelbar vor Christi Geburt und ist nach der Ansicht von Montelius von den Christen übernommen worden. Eine andere Erklärung für die Entstehung des lateinischen Kreuzes sieht Montelius in der Entivickclung aus dem griechischen, und zwar ist anzunehmen, daß das griechische Kreuz auf einen Stab gesetzt wurde und Stab und Krcuzarm zu einem einzigen langen Arm verschmolzen. Auf nordischen Grab- steinen kann man beobachten, wie das vierspcichige Rad sich durch diese Verbindung mit einem Stab allmählich zu einem lateinischen Kreuz entwickelt Aus dem Ticrlebcn. lieber einen neuen Fall von Genossen- schaftsleben(Symbiose) zwischen einem kleinen Einsiedler. krebs. Dioxenes varians, mit einer Austernart macht v. H a n s e m a n n in den Sitzungsberichten der Gesellschaft natur- forschender Freunde zu Berlin recht interessante Mitteilungen. Gelegentlich eines Aufenthaltes auf dem Lido bei Venedig war eS dem Forscher aufgefallen, datz die Schncckcngehäuse, welche sich der klewe Einsiedler zur Wohnung ausgesucht hatte, in der Regel mit einer oder auch mehreren Ansternschalen bewachsen waren. Man muss also wohl annehmen, dost wenigstens für den Krebs dies« Ver- einigung mit den Austern von Vorteil ist, sonst' würde er sich schwer- lich mit dwser freiwilligen Last herumschleppen, sondern lieber sein Wohnhaus mit ewer austcrfrcien Schneckenschale vertauschen. In der Tat lägt sich auch der Nutzen für den Krebs leicht beobachten. denn man kann nieder flachen Ilferzone deutlich bemerken, daß schon bei leichtem Seegang die Schneckenhäuser, welche nicht mit Austern bewachsen find, heftig herumgeschleudert und viele von ihnen schließlich auf den trockenen Strand geschleudert werden. Die mit Austern behafteten Gehäuse dagegen berankern sich bei Wellenschlag sofort in dem Sande und vermögen sogar ewer erheblichen Bewegung des Meeres Widerstand zu bieten. Nach längerem Seegänge sieht mau daher wohl stets sehr zahlreiche Schalen üllor möglichen Weichtiere auf dem Sande liegen, aber nur sehr selten solche, die von unserem Krebse bewohnt und mit Austern bedeckt sind. Aber auch die Austern werden wahrscheinlich ans diesem seltsamen Bündnisse Nutzen ziehen, wird doch den un- behülflick'en und an ihren Wohnort gefesselten Tieren durch �das Herumkriechen des KrebseS ein viel größeres Jagdgebiet erschlogen; ja wahrscheinlich erhalten sie sogar von den Abfällen der Speise ihres Reittieres cwen bescheidenen Anteil. Notizen. — Johanne Dhbwad eröffnete am Montag mit einer norwegischen Künstlcrtruppe ein Gastspiel am Neuen Theater. Ihre Hilde Mangel, die in Norwegen für eine ihrer besten Rollen gilt, vermochte hier nicht übermässig zu entzücken. Lerantwortl. Redakteur: Hans Weber. Berlin.— Druck u. Vorlag: — Amt bringt Würden. Bruno Paul, der Direktor der Kunstgewerbeschnle von Kaisers Gnaden, bat für seine tunstgewerb- lichen Arbeiten in der Großen Berliner Kunstausstellung die goldene Medaille bekommen. Mit etwas spöttischem Lächeln wird er hoffentlich diese Gabe entgegennehmen, wenn er bedenkt, wer sonst mit dergleichen beglückt wird, und daß er sie selber nur bekommt, weil er höheren Fügungen den Direltorposten verdankt. Sonst wäre der.SirnplizisfimuS'-Zerchner und Künstler Paul in diese Gefahr so leicht nicht geraten. — Ein ii euer Dürer wurde im Germauischen Museum zu Nürnberg entdeckt. Es ist ein Schiebedeckel zu dem Bildnis von Oswolt Krell, das sich in der Münchener Pinakothek befindet. Der Deckel war nach Nürnberg geraten; man ahnte aber nicht, daß er von Dürer stamme, noch daß er zu jenem Bilde gehöre. Der Schutz- decke! zeigt auf dunkelbraunen, Grunde zwei.Wilde Männer", die Wappen halten. Uebrigens ist auch der Deckel zu dem berühmten Holzschuhbild im Berliner Kaiser Friedrich-Museum erhalten. — Er kann das Dichten nicht lassen, der nun 84 Jahre alte Rudolf v. Gottschall, ehemaliger Stadtlcipziger Dichterferscht und engherziger Bekämpfer der naturalistischen Literatur. Im Leipziger Siadt- Theater wurde ein patriotischer Schmarren .Auf dem 51 y n a st* von ihm gespielt, der aber nicht einmal sewe lokalen Verehrer zu begeistern vermochte. — Ein Schubartmuseum. Der württembergischen Stadt Aalen ist es gelungen, ein Museum in seine Mauern zu be- kommen. Ein Sohn der genannten Stadt hatte vor Jahren eine Sanm,Im,g von Schnbarierwnerungen angelegt, welche er dann auS- gedehnt hat auf sewe Baterstadt Aalen. Durch Schenkung ist nun dieses reichhaltige Museum an die Stadtgcmeinde Aalen über- gegangen. — Ein Gefolgsmann Lassalles ist wider Willen Schulze-Deliysch, der Schutzheilige der deutschen Genossen- schaftler kleinbürgerlicher Tendenz, geworden. Durch Lassalles geniale Verspottung ist er als Klassiker der Trivialität gestempelt. Man will jetzt seine Reden und Schriften herausgeben. Ew Ausschuß wendet sich an die Oeffcntlichkeit mit der Bitte, alles aus SÄulze bezügliche ihm mitzuteilen, damit es in seine unsterblichen Werke aufgenommen werde. Die Verehrlichen könnten sich die Mühe sparen. Für SchnlzeS Unsterblichkeit ist gesorgt, freilich durch ein Werk, daS nicht von ihm. soiwern gegen ihn ist: durch Lassallcs Streitschrift: Herr Bastiat-Schnlze von Delitzsch, der ökonomische Julian. Dies gläuzeiwe Büchlei» neu aufzulegen, könnte die einzige Aufgabe des Schulze-Komitees sein. Aber daS ist so überflüssig, wie die gesammelten Meinungen und Taten des ansonst Vergessenen aus dem Moder zu ziehen. Sintemalen dafür andere längst gesorgt haben. — Der arktische Forscher Dr. Bruce, den man auf seiner Expeditton nach Friedrich Karl-Land umgekommen wähnte, ist am 30. September mit seinen beiden Begleitern in Newcaftle ein- getroffen. Er hat Friedrich Karl-Land und eine unbekamrte Insel gänzlich erforscht; sein Leben war während der Expeditton niemals ernstlich in Gefahr. — Die japanische Wektansstellung. Die japanische Regierung plant eine große Ausstellung, die w Tokio am 1. April 1812 eröffnet werden soll. Sie wird zwar nur den Namen .Große Ausstellung Japans* wagen; aber wotz dieser Beschränkung im Titel will die japanische Regierung dem Unternehmen einen allgemeinen und internationalen Charakter geben, und fie hat die Absicht, die verschiedenen Völker zur Teilnahme einzuladen, möglichst umfassende Ausstellungen zu veranstalten. Nach dem gegenwärtigen Plan soll ew Terrain von 11» Hektar dieser Ausstellung eingeräumt iverden, von dem 12 Hektar mit Gebäuden bedeckt werden sollen. — Kinematographenindustie in Frankreich. In der kurzen Zeit, die seit ihrer Entstehung verflossen ist, hat die Kine- matographenwdustrie ganz erstaunliche Fortschritte gemacht. Be« sonders hat Frankreich in seiner.Compagnie generale deS eins« matographes* in Joinville ein ganz großartiges Unternehmen. Es bedeckt etwa 10 008 Quadratmeter Terrain, besitzt Theater, Requi- siten, Dekorattonen, Schauspieler, große Räumlichkeiten für die Her- stellung der Films, elektrische Werkstätten und kiinstlerische Ateliers. Die Gesellschaft stellt durchschnittlich 30 Kilometer FilmS am Tage her und hat gegen 30 000 Kilogramm Zelluloid auf Lager, die einen Wert von über 7 Millionen Frank repräsentieren. In Frankreich sind Tausende von Arbeitern in dieser Jnduswie beschäftigt, die ein Kapital von etwa 80 Millionen Frank darstellt. — Bierbra uende Bäume. Um diese Bäume kennen �n kernen, brauchen wir keine Reisen zu machen, wir finden fie ganz in unserer Nähe. Und wenn sie trotzdem den meisten Menschen un- bekannt sind, kommt das wohl daher, weil sich an diesem Bier nur die Insekten laben. Die Eichen erkranken ziemlich oft an einem Schleimfluffe, welcher die Rinde und zuweilen auib das angrenzende Holz vernichtet. Der abgesonderte Schleim sieht schaumig auS und riecht nach Bier. Es ist daS Ergebnis einer Gärung, welche durch eine Anzahl mikroskopischer Pilze hervorgerufen wird. Unter diesen winzigen Pilzen befinden sich Verwandte der allgemein bekannten Bierhefe. Außer den Eichen erkranken auch in ähnlicher Weise die Pappeln und Birken. Schmetterlinge, Hirschkäfer und Horniffen suchen besonders gerne diese Gärstellen auf und ver- schleppen leicht die Vilzkeimc auf Risse und Astbrüche gesunder Bäume, die infolge davon leicht auch erkranken. Vorwärts Buchdruckerei u.VcrlagsanstaltPaul Singer LcTo.,Berlw S5V.