Nnterhaltmgsblatt des vorwärts Nr. 217. Donnerstag Sen 7. Novernber. 1907 lRachdruck vevdolin.) � Oie Brüder Zemganno. Don Edmond d« Goncourt. Auf dem Meßplatz deS Ortes. emeS Marktfleckens, auf welchem der Maire dem Direktor Bescap«? seine Vorstellungen AU geben gestattet hatte, waren die männlichen Mitglieder der Truppe emsig beschäftigt, in einer großen Kreislinie den Rasen auszuheben, dessen Schollen sie zu einem kreisrunden kleinen Wall aufeinanderschichteten, der in Gemeinschaft mit in den Boden gerammten Pfählen, die durch Leinen uiitein- ander verbunden waren, die Einfriedigung und Barriere der Arena abgab. In der Mitte des so hergestellten Kreises war ein hoher Mast aufgerichtet, von dem sich als Dach der Arena ancin- andergercihte und mittels Bindfäden zusammengeknüpfte Dreiecke von grüner Leinwand herab erstreckten, während eine große Sackleinwand, die an dem Rande dieses leichten DacheS befestigt war und von dort bis auf den Boden herabreichte. die runde Alißenwandung des Raumes bildete. An dem Mast, dessen Fuß sich in einem kleinen Hügel weißen Sandes verlor, den man hm denselben aufgeworfen hatte, ermöglichte es eine Vorrichtung von einem Tau mit einigen Zugblöckcn, einen mit eisernen Haken besetzten Holzrahmen eniporzuziehen und herabzulassen, der bestimmt war. abends fünf oder sechs kleine Petroleumlampen aufzunehmen, zu denen der industriöfe Italiener sehr geschickt Reflektoren aus alten Sar- dinenbüchsen hergestellt hatte. Auf der einen Seite des Mastes lief ein init dem einen Ende sehr hoch angebrachtes langes Drahtseil entlang, da? mit seinem anderen Ende an einem eingerammten Pfahl befestigt war: auf der anderen Seite des Mastes hing etwa acht Fuß hock) über dem Boden ein kleines Trapez, das an einein zwischen hohen Pfosten an- gebrachten Querbalken befestigt war. Eine Drehorgel, welche das Orchester im Innern des Platzes abgab: eine Drehorgel mit einigen ausgebrochenen Zähnen und der ein Stück deS Bildes fehlte, das sie schmücken sollte, war gegenüber dem Eingang aufgestellt und wartete hier auf irgend ein an der Tür aufgelesenes Kind, und zwar meist ein solches, das, während es mit der einen Hand die Orgel drehte, aus der anderen Hand von einem grünen Apfel aß: dem gewöhnlichen Honorar für die Kapelle der Arena. Eine Anzahl Bänke, aus Brettern von rohem Holz fabri- ziert und schnell von dem Tischler de? Ortes hergestellt, er- hoben sich auf Rascnstufcn etagenförmig übereinander. Die ersten Plätze unterschieden sich von den zweiten durch einen Streifen jenes Kattuns, aus dem die Jnvalide'ntaschentücher gemacht werden, der platt auf die schmalen Bretter gelegt tvar und sie nicht ganz bedeckte: sie waren außerdem durch eine Barriere abgegrenzt, die man mit einem Goldpapier be- klebt hatte, welches in ovalen Feldern türkische Landschaften, mit Tauben halSfarbe auf blauem Grunde gedruckt, umschloß. Schließlich hängte Vater Tommaso eine fein gemalte per- fische Leinwand auf. die er. nian wußte nicht wo. aufgetrieben und die von unten bis oben mit Pfauenschwänzen in natür- licher Größe bedeckt war: eine lmgebeuere Portiäre, welche, wenn geschlossen, den Anblick der Kulissen nach außen hin ab- schnitt, den die Direktion sich bemühte durch das Heranziehen der beiden Wagen und eine Barrikade von spanischen Wänden gegen die Neugier der Nichtzahlendcn zu verteidigen. Dann klebte der Bajazzo zu beiden Seiten der Eingangs- tür Affichen an, die gleich für die ganze Saison dienten: auf- schneiderische Affichen, in denen der Direktor ein Pröbchen von der gleichzeitig klugen und naiven Kunst seiner Re- llameit, seiner Literatur und sogar seines Latein gab. Slreua-Theater Bescap�. Da? Zelt. Ivasierdickt und mit großen Kosten hergestellt, bietet eine»«uscnthatt dar. ebenso sicher, als wen» es«in Gebäude von Stein wäre. Das Arena-Thcater wird abend? durch ein Ststtein von Petroleumlanrpen erleiudtet, in denen sich da? leuchtende Äa? selbst tierstellt. Amerikanisches Patent von Hollyday. Die durchweg vorziigltchen und berühmten Künstler der Gesell« schaft sind ohne Rücksicht auf die Kosten aus den ersten Etablisscmentl Suropa« gewählt. Zu der Gesellschaft gehören: Madame Stepanida BeScapö. Curriculi regina. Mlle. Hartrirse Pataclin. Die Sylphide de? Drahtseils und Stern de? Arena-Theatcr?. deren Erscheinung und Produltionen über alle Beschreibung hinaus« gehen. M. LoniS RabastenS. Alleiniger und nuverglcichlichcr Athlet. Mit der Stärke eine? Herkules begabt, fordert er die ganz« Welt heraus und hat nie in seinem Leben, seit seiner frühesten Jugend her, kennen gelernt... was es heißt, geworfen zu werden! M. Gianoi BeöeapS. L'lntrepido seuza rlvale ncl trapezo. Welcher sich bei seinen Exerzitien als baS Ideal männliches Schönheit zeigt. M. Rgapit Eochegru. Welcher mit der Gelenligleit der Kauschukproduktionen einen drolligen Witz vereint, dessen einzelne Spaße, in einem gedruckren Heft zusammengefaßt, gratis an die Zuschauer des ersten Platze? verabfolgt werden. M. Tommas» Bescap�. Der Miiniker beider Welte». Berühmt durch seine Pantomimen: Der ausgerissene Zahn) Der Bart drs Garkoch«; Der verzauberte Sack usw., welche er die Ehre hatte, vor Sr. Majestät dem Sultan und dem Herrn Präsidenten der Vereinigten Staaten aufzuführen. Zu der Gesellschaft gehört ferner: Lavisiettc. Diese junge Pudelhündin, llr-Enkelln des berühmten HnndeS Munito» deren Produktionen eine Klugheit des Tieres bekunden, die über alles hinausgeht, IvaS man stcki davon vorstellen kann, wird zuletzt die verliebteste Person unter der anwesenden Versammlung bezeichnen. Die komischen Szenen sind unterhaltend, drollig, von gutem Geschmack, zun, Lachen bringend, ohne an da? Unanständige oder an irgend etwas zu streifen, das ein junge? Mädchen nicht hören dürste. Den Beschluß der Vorstellung bildet die köstliche Pantomime: Der verzauberte Sack» unter Mitwirkung sämtlicher Herren und Damen der Gesellschaft. Inzwischen waren die kleinen Stufen zu dem Gerüst der Schaubühne vor der Arena hinansgebracht: schon saß Steucha vor der Bude an dem kleinen Tisch mit der Schublade für die Kasse, schon warf der Bajazzo in das Getöse des Bum-Bum der großen Pauke, des Dröhnens der Posaune und des Schailens der Schritte des Direktors den Schwall einer albernen Witze, und schon haranguierte die„Kopfnuß" die unter dem Lärmen sich sammelnde, staunende Menge mit den wilden Drehungen ihres Körpers, dein klatschenden Jnein- anderschlagen ihrer Hände und den gellenden Rufen:„Treten Sie ein. treten Sie ein. meine.Herrschaften, die Vorstellung wird sogleich beginnen!" Außen strahlte die Sonne, und unter dem Zelt, wo das Schlagen der losgegangenen Bindfäden gegen das Leinendach das leise prasselnde Geräusch machte, das man aus Segelschiffen zu hören pflegt, herrschte ein angenehmes Dämmer- licht, eine zarte Abschwäckning der Farben auf Gesichtern und Sachen, ein kühler Halbschatten, in inelchem hier und da ein Sonnenstrahl, der sich durch eine schlecht geschlossene Spalte stalil, einen Tanz leuchtender Stanbatonie in Bewegung setzte. Auf der grauen, ganz vom Licht durckPrungenen Leinwand. welche den Raun, umschloß, zeigten sich die Gestalten der � außen Vorübergehenden in Schattenrissen von tiefem Schwarz. I Aus dem Spalt der großen Gardine mit den Psauenschwänzrn 1 schaute das Gesicht Steuchas» deren Brust sind Unterkörper von dem um sie �uftunmenaezoaencn Stoff nmfiäfft war, als sei sie mit dein Gewebe von all diesen Pfauenfedern bekleidet, mit ihrem böten Senken der Augenlider in das bleiche Innere des Raumes hinein. Tie Vorstellung sollte beginnen, und mit schmerzlichem Senden zog der Herkules, auf dessen gewaltigen Nacken das helle Tageslicht aus der Eingangstür fiel, feine Eifengewichte unter der Bank hervor, auf der er saß. (Fortsetzung folgt.> (Rachdruck verboten.) Das Lehrmädchen. Bon Jacques Canstant. Mit einer dünnen Pelerine auf den Schultern, einen Korb am Arme, lief Sidonic Clement nach dem Bouleoard Malesherbcs. Sie warf einen raschen Blick auf die große Uhr in der Rue Royale: Schon zehn Minuten vor neun! Lchne sich daran zu kehren, daß der Schmutz der nassen Straße an ihren dünnen Waden empor spritzte, begann sie zu rennen. Ihr schmutzigblonder Zopf, an dem ein Band hing, tanzte unter dem unförmigen Stroh- Hut hin und her. Durch die weitgeöffneten Nasenflügel atmete sie die Luft mit einem pfeifenden Tone ein, ihr sommersprossiges Gesicht überzog sich mit einer vorübergehenden Nöte, während fin sich ihren angstvollen Gedanken hingab: Q weht Schon wieder zu spät! Diesmal würde die Leiterri, der Schneiderwerkstatt ihr sicher eine Rüge erteilen! Dabei hatte sie sich gar nicht unterwegs aufgehalten! Aber von der Rue Haxo, ganz hoch oben in'Belle- ville, bis zur Madeleine war es ein gutes Stück Weges. Und dann hatte sie, bevor sie wegging, ihr Hemd und ihr einziges Paar Strümpfe, die sie am Abend vorher geivaschen hatte, platten müssen, werk sie die Nacht über nicht getrocknet waren. Uebrigens wurde sie morgens rie fertig. Sie mußte die Stube auskehren, die'Betken machen, die Mittagssnpp« für den Pater bereiten, den kleinen Bruder anziehen und in die Schule bringen. Und wenn sie irgend etwas vergaß oder nicht gut machte, dann gab es Ohrfeigen! Selbst wenn er nüchtern war, hatte der Vater Clement eine harte Hand und seit dem Tode seiner Ehehälstc bekam Sidonie die doppelte Portion. Aber sie konnte den höhnischen Nähmädchen doch nicht alle diese Einzelheiten erzählen? Und vorausgesetzt, sie täte es. würde Madcmoisekke Marcelle solche Entschnkdigirngen gelten lasien? Denn sie war nicht sehr sanft gegen die armen Lehrmädchen, fie war es eigentlich gegen niemand. Ihre znsammengetnisfenen Lippen öffneten sich nur für böse Worte und Schelten. Was half es ihr, so hübsch zu sein, da sie so boshaft war! Wenn Sidonie wenigstens scbon seit längerer Zeit angestellt gewesen wäre? Doch sie war erst seit acht Tagen im Hause David, Woksf n. Co. Vorher arbeitete sie in der Rue de la Paix, bei Rose Lemarquis, in einem feinen Schneideraielicr, in dem jedermann nett zu ihr war und wo sie oft ein Trinkgeld bekam. Aber sie wur ein Pechvogel. Infolge eiiier_ ungeschickten Bewegung hatte sie eine Flasche voll Maschinenöl über ein fertiges Kleid gegossen. Man entließ sie natürlich ans der Stelle, und harte Worte unS Schläge hatte sie zu Hause über stch ergehen lassen müssen, als fie dem Vater die Nachricht mitteilte. Mit klopfendem Herzen betrat sie das Haus und wollte ganz leise die Treppe hinauflausen, aber die Hefterin trat ihr in den Weg: ..Du kommst zwanzig Minuten zu spät!" In der Schneiderwcrkstättc waren tatsächlich die Lehrmädchen schon damit beschäftigt, die Tische abzuwischen, die Stühle aufzustellen und Stecknadeln zu verteilen. Um neu» Uhr stellten stch die Nähmädchen zu zweien oder dreien ein. Tie benahmen stch wie schwatzhafte Papageien, und ihr fortgesetztes Lachs» hallte in dem hohen Räume laut wieder. Die guten Freundinnen küßten sich geräuschvoll auf die Wangen. Man erzählte stch allerlei Geklatsch:„Ach, ich muß Dir noch er» zählen!..." Man teilte sich häßliche beschichten im Flüstertöne mit. Dann wurden Taschenspiegel und kleine Blechschachteln her- vorgezogen; man puderte sich»aS Geficht, man kämmte sich die Löckchen aus oder steckte das Haar von neuem auf, wenn der Knoten nicht gut geraten war. Doch plötzlich wurde es mäuschenstill. Die Direktrice trat ein. Mit einem hochmütigen Gesicht überblickte sie die ganze Werkstatt. Seitdem das Automobil des �Grafen Safay sie jede» Abend abholen kam und seitdem sie aus ein schönes Vermögen spekulierte, das ihre Gunstbezeugungen ihr nach und nach ein- bringen mußten, hatte sie das Benehmen einer Königin. Sie be- trachtete ihre Kameraden als Untergebene. Wie«in Gewitter fiel sie über Sidonic her. „Ich verlange, daß Du Punkt halb neun hi seit längere», Wertvolles geleistet, bei dem sie mit Reckt bieiben mag. AnderZ ist es mit der allzu mertlickcn Beriünstelimg und Foicicrung. man möchte sagen: Verzappclung des szenischen Spieles. Hier wird die angestrebte Natürlichkeit zu einer Kunst» lichkeit, die gleich der Parfumierung den Zug zu einem immer unerträglicheren Mehr in sich trägt. Das Publitum fällt natürlich großenteils auf derlei herein; und ein in spitzfindiger Weise forciertes Duett mußte sogar wiederholt werden— womit wir denn glücklich! nieder bei der angeblich überwundene» alten Opern- spielerei angelangt find.»r. Erziehung»nd Unterricht. Märchcnvereine. Im ersten Novemberhcft de?„Kunst- warts" gibt Franz Diederich folgende Anregung: Die letzten Jahre haben das Märchen erzählen mehr und mehr zur Entwickelung gebracht. Mau weiß dock) wenigstens schon hier und da, was man nicht machen darf. Wie man nun am besten bei Veranstaltung iolcher Märchenstunden bcrfährt, daS freilich ist noch nicht ganz erforschtes Neuland. Sehr oft aber mißlinge» sie halb und ganz, weil man nicht Zeit genug fand, alljS genügend im einzelnen zu erwägen und zu ordnen. Man besinnt sich oft nicht viel früher als bei den ersten WeihnacktSvorboten auf den Plan, einen Märchenabcnd für Kinder zu organisieren. Ost genug kommt es erst zum Werke, wenn längst einS der Klitterstücke, mit dem die Theater alljährlich monatelang Kasie machen, die Märckenlust über- wuchert und vergiftet hat. 3 der in den Märchenerzählstunden, die nun. da Callwey. Voigtlünder, Teubner Glasbilder von ihren Kunstblättern zur Verfügung stellen, sehr gut und mit geringen Kosten auch die Sehlust befriedigen können, läßt sich, sollte man meinen, eine ganz wirksame Gegenwehr gegen die weihnachtlichen Theatcrgrcucl schaffen. Nur muß System in die Arbeit kommen. Man muß beizeiten beginnen und von einem festen Mittelpunkte au» das Ganze mit Voraussicht ordnen. In die Reihe all der zur Kunstpflege, Kunsterziehung und Volksbildung entstandenen Vereine könnten als sehr nützliches Glied örtliche Märchenvercine treten. O weh. eine neue Sorte Vereint Prüfen wir, vielleicht ist so doch ein besonders gangbarer Weg gewonnen, der da sichert, daß die aufgewendete Mühe nicht so leickt vergeblich ist. Das Märchen- erzählen kann nicht in großen Sälen geschehen, die tausend und mehr Kinder fassen. Ein Raum für hundert und zweihundert Kinder wäre groß genug. Natürlich nicht, daß so viele Kinder hören müßten. Je kleiner die Zahl, um so besser. Aber Tausende von Kindern mochten hören und solltcn auch gefunden werden. Man braucht also eine ganze Reihe von Wiederholungen eines Abends. Und dann achte man einmal darauf: will man alle Kinder, die gekommen sind, fesieln, so dürfen nicht fünf Reihen dem Erzähler nah und alle übrigen �ern und die lebten unsinnig fern sitzen. Tie Stimme deS Erzähters muß für jedes Ohr mit ganzer Deutlichkeit all ihrer feinen Herzlichkeit wirken. Hier kann nur eins helfen: Märchenstunden sind kein Tbeaterspiel und kerne Konzertveranstaltung, also weg mit dem Schaubühnenpodium für die Märchencrzählerinl Man schiebe das einfache, niedrige schmale Podium— es braucht nickt böher als ein Fenstertritt zr� fein— in ein tiefes Halbrund von Sitzreiben hinein, und wem; dann die vorderen Sitzreihen auS kleinen Bänken für die Kleineren hestehen, so läßt sich für die dahinter auf Stühlen Sitzenden die wichtige Bedingung leichter erfüllen, daß auch sie der Erzählerin nah sein können. Natürlich verursachen solche Acnderungen Kosten, oder ein Verein, der darauf ausgeht, eine lange Reihe von Märchcnstunden zu schaffen, und der namentlich die Eltern ge- Winnen muß, denen die Pereinsbciträae durch Eintrittskarten ver- gölten werden, wird das Erforderliche schaffen können. Eine einzelne Veranstaltung kann das nickt. Ein Verein aber ist auch das Mittel, Erzähler zu finden und zu schulen. Daran fchltS. Einzelne tauchen auf, viele braucht man. Und eS find viele vor- banden; mit Schauspielerinnen, Lehrerinnen erschöpft sich der KreiS nicht, die eigentliche Welt, wo Märchenerzähler wohnen und gedeihen, ist vielleicht doch immer noch die Kinderstube: manche Mutter bat sich dort erworben, was gerade die Märchenstuben schön wachen kann. ES wäre eine edle Aufgabe, wenn solche Frauen sich jahrüber zusammenfänden und planten und erprobten, waS sie zur Weihnachtszeit den tausend und abertausend Kindern an Märckengeist schenken wollen. Also: bildet Märchenvereine k Und wo schon Vereine sind, die sich der Kunstpflege widmen, da mag von diesen der Answß ausgeben. Jetzt ist gerade die rechte Zeit, ans Werk zu gehen. Viele Märchen sind rechte Erzieher zum Hin- fühlen zu allem Schönen in der Natur, und wer will denn auch behaupten, nur die Schnecmonde um die Weihnachtszeit hin seien die Zeit, wo das Kinderherz dem Märchen offen steht? Humoristisches. — Heroen. Einst legte der deutsche Siegfried ein blankes Schwert zwischen sich und sein Gemahl,— heute tut'» eine Wasser« fchüsiel. — Neue Moralbegrtffe. Und es begab sich, daß ein gewisser Kavalier von Tiesenburg unter Anklage stand. Drohend schwebte das Schwert des Paragraphen 175 über seinem Haupte. Da klang es denn wahrhaft betretend, al» sein Anwalt im Schluß de» PlaidoyerS folgendes ausführte: Man hat meinen Kltenten arger sittlicher Verfehlungen beschuldigt. Durch den Gang der Ver- Handlung ist eS erwiesen worden, daß alle diese Verdächtigungen auf leerem Gerede beruhen. Die Zeugin Amanda Wutschke hat unter ihrem Eide ausgesagt, daß der Angeklagte vor sieben Iahren em VerhälmiS mit ihr ge- habt hat. Mit ihr persönlich Um ihren Bruder, der damals bei der Kavallerie diente, hat sich der Angeklagte gar nicht gekümmert. Er hat die Antanda Wutschke allerdings bald daraus leichtsinnig ver- lasten, aber nur um sosorl fünf neue Vcrhälntisje anzusaugen. Und zwar ausschließlich mit Mädchen und Frauen. Sein intimster Freund mußte ihn die Treppe hinunterwerfen, da er ihn in zärtlicher Umschlingung mit seiner Gattin betraf. Der Angeklagte war somit durchaus normal veranlagt Und an meinen Klier'en. diesen hervor- ragend Normalen, diesen Schürzenjäger, diesen Herumtreiber, diesen Lenuspriester. diesen Mädchenfänger hat sich solche infame Ver- dächttgung heranwagen dürfen I Sprechen Sie ihn stet und geben Sie damtt zu erkeitnen. daß an dem Wüstling, den zu verteidigen ich die Ehre habe, nicht der Schatten eines Vorwurfs hängen bleibtl tDotmernde Bravonife>(„Lustige Blätter".) — Da» zugkrSstige Programm. Han» Pfitzner. der im musikalischen Deutschland nicht ganz unbekannte Koinpotitst der.Rose im Liebesganen", wollte in Köln, der frohen Stadß einen Liederabend veranstalten, mietete einen Saal und ging hin. E» kam aber kein einziger zahlender Gast. Da« Konzen fand ntcht statt. Als Mann von Humor hat Pfiyner diese» Ereignis in einem hübschen Lied besungen, worin e» heißt: Trotz Rellame, Bildern und Afsichen Und Notizen in dem Zeitungsblatt, Könnt' er keinen Memch in Köln erwischen, Der drei Mark für das Konzen gegeben hat. D'rum, o Jüngling, merk' dir diese Lehr«: Komme nie in Kunst nach Köln gereist. Außer, wenn du stammst von einem Millionär», Oder aber du etwa Pucctm heißt. Die Geschichte endete noch heiter, Wenn auch anders, als zuerst gedacht; Der Bassist, der reist« schleunig weiter, Der Vertonet speiste noch zu Nacht. Und er sagte schmunzelnd sich im stillen: „Nächstes Mal, da bin ich nicht so dumm, Und ganz Köln wird mir den Saal erfüllen, Wenn ich mache folgende» Progromm: Ich siingiere als Klavierbegleiter, Spiele Lieder von der Olga Molitor, Mörder Hau dreht mir die Blätter weiter, Und Graf Kuno Mottle trägt die Lieder vor/ Wenn der Autor von allen Zeitungen, die diese fürchterlich« Begebenheit nachdrucken, Nachdruckshonorar erhebt, wird er immerhin noch auf seine Kosten kommen. Stattzea. --Theaternot izen. Lautenvurg, der„Unvergeßliche", dem die Berliner„Theaterwelt' eine so gelungene«bschiedsstier zurüstet«, als er nach Wien überfiedelte, dankte al» Direktor de» Wiener Raimund-Theaters ab und hat außerdem 24000 Kronen Konventionalstrafe zu zahlen. Ob die Berliner Freunderl nun wohl eine ebenso gelungene Empfangsfeier veranstalten, Ivenn er nach dem glänzenden Fiasko wieder nach Berlin kommt? Bielleicht wird aber irgendwo eine Profestur für stanzöfiiche Sprache frei.— Björn Björnson. de» alten Bsörnson Sohn, hat die Leitung de» Nationnl'Theater» in Kristiania niedergelegt. Da» AuSlandsgastspiel der Frau Dybwad, von dem nicht viel Rühmliche» zu sagen war. dürste den letzten Anstoß dazu gegeben haben.— Herr v. P o s s a r t. ehemals Intendant des Münchener Hostheater», bayerische Exzellenz, mit der Verpflichtung, drestn erhabenen Titel durch Schauspielerei im Kostüm« nicht zn ver» unzicren, ist von der amerikanischen Sängerin Nordica eingeladen worden, an ihrem nach Bayreuther Muster am Hudson geplanten Tbcater Regisieur zu werden. Wenn der immer noch Taten» lusttge annimmt, haben die Bayern zum Schaden einer hohen Pension den Spott, daß ihr fähiger Theaterleiter drüben wirft, während Herr v. Speidel, der vom Truppenkommando zum Bühnenlenker berufene, allmählich lernt, wer Hebbel war. — S p o 1 1 m ü n z e n. Zu den seltensten Münzen geboren, wie wir in der„Bresl. Ztg.* lesen..Zwölfer", die König Friedrich El. mit Locken und langem Dan. wie ihn die polnischen Juden trugen. darstellen. Bekanntlich bestand zwischen dem König und Kaiserin Elisabeth eine erbitterte persönliche Feindschaft; der Gtund lag hanptt'ächlich in dem bitteren Spott, womit der König die„Schwächen" der eitlen Regentin geißelte. Al» die Rüsten mm Ostpreußen be» setzt hatten, ließ die Kaiserin in der Münze zu Königsberg Zwölf» groschenstücke(halbe Taler) prägen, die Friedrichs Bild al» polnischen Juden zeigten. Friedrich wieder rächte sich da» durch. daß et diese Zwölfer in Berlin, jedoch mit dem KömgSberger Münzzeichen, herstellen ließ; vorher wurden jedoch einige Buchstaben der Umschrift umgesetzt, so daß«in arger, bier nicht wiederzugebender Schimpf der jkaiserin herauskam. Nach dem Kriege wurden die Münzen von beiden Seiten eifrig aufgekauft, so daß sie heute sehr selten sind. Ein nicht minder seltenes Stück stempelt Friedrich zum Diebe. Nach der ersten Teilung Polen» brawte«S ein polnischer Münzmeister durch Veränderung der Zwischemäume der Aufschrift fertig, aus„Ein Reichstaler" zu machen „Ein Reich stahl er". — Die Kunst im Volkahause. Die Arbeiterschaft Stockholms ist bestrebt, ihr„Foltet» huS" mit den besten Werken der bildenden Kunst zu schmücken, vor allem mit solchen Werken, die dem Leben und Kamps der Arbeiter gewidmet sind und ihrem Fühlen und Denken lebendigen Ausdruck geben. Die neuest« Er- Werbung ist Konstantin MeunierS„Hafenarbeiter". der nun. in Bronze gegossen, in der großen Halle deS Stockholmer VolkshauseS emporragt. Bei der EmhüllungSfeier hielt„Social- demotrarens" Redakteur Carleson eine Rede, in der er u. a. sagte: „AuS der Welt der Arbeit, aus dem weiten und gestaltenreichen Gebiet der Gegenwartsarbeit steigt sie empor vor unseren Augen. diese Gestalt männlicher.Kraft. Sie ist gewisicnnaßen ein Symbol all der jungen Kräfte unserer Zeit, die die Zukunft schassen."-- Berantwortl. Redakteur: Han» Weber» Berlin. — Druck u. Verlag: Vorwärts Buch»ruckere> u.VeriagSanjtalt Paul Stngee S-Eo., Berlin SV/.