Zlr. 294. Absnnrnitnts-Kedwgungtn: v bonnemenlS- PrelS pränumerando: vierleliährl. Z.M Mt., monall. l.ISMI. ivochenllich LS Psg. frei in«©au«. Olnjetne Nummer 5 Psg. Sonnlag«- Nummer mit tUulirtcrier Eonntag«- v-ilaz-„Die Nene Well" 10 Psg. Post- üldonncnunt: 3,30 Marl pro Quarial. Singelragen in der Post- Zeilung«, Preisliste sur ISSV unter Nr. 7830. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Marl, für da» übrige Ausland 3 Marl pro Monat. Stschrltrl lüglich üuQtt ivonlüg«. Derlinev Volksblskt. 16. Jahrg. Fit Insertions- Gebühr betragt lür die sechigesvalien« iiolonel» zeile oder deren Raum<0 Psg.. für politische und gewerkschastliche Veriin«! und Versammlung«-Anzeigen Lv Psg. ..Kleine Zlnsetgen" lede« Wort S Psg. tnur da« erste Wort sit!>. Inserate für »ie nächste Nummer müssen bi« 4 Uhr nachmittag« in derErpedition abgegeben merzen. Di» Expedition ist an Wochen- tagen bi« 7 Uhr abend«, an Sonn- und gesttagen bi» 3 Uhr vormittag« geössnet. Fernsprecher: Lmi l, Qr. IZVS. Telegramm-Adresse: ..Saciüldrmostrüt Serlin" Centraiorgan der joeiaidemokratisthen Partei Deutschlands. Kedakkion: L�. l9. Beuth-Strasze 2. Sonnabend, den 16. Dezember 1899. Expedition: 3�. 19. Benth-Stvasze 3. Der Boerenkrieg ist zu einem weltgeschichtlichen Ereignis geworden wie weiland der deutsche Bauernkrieg mit den verschiedenen andern Bauern kriegen. Und es gewinnt fast den Anschein, als werde der Boerenkrieg für das britische Reich ähnlich verhängnisvolle folgen haben, wie der Bauernkrieg für das Deutsche Reich. Von Bismarck wird die Aeußerung kolportiert. England werde an und in Südafrika zu Grunde gehen. Wenn die Aeußerung wahr ist— und bei dein Hasse Bismarcks gegen England kann man es wohl glauben—, so hätte Bismarck nur sein bei vielen Gelegenheiten bekundetes Unverständnis der wirk lichcn Machtfaktoren und der historischen Entwicklung auch durch diese Aeußerung bekundet. Man hat die südafrikanischen sowie auch die australischen Kolonien Englands häufig mit dessen amerikanischen Kolomen verglichen, und— in England selbst— es als etwas Natür liches betrachtet, daß sie in absehbarer Zeit sich selbständig erklären würde», wie die amerikanischen Kolonien es gethan haben. Daß der jetzige, so unverantwortlicherwcise aus den denkbar niedrigsten Beweggründen vom Zaun gebrochene Boerenkrieg dieses Ergebnis haben werde, ist schon vor Aus- bruch des Krieges von uns in den Bereich der Möglichkeit gezogen worden— und die Möglichkeit zeichnet sich heute weit schärfer ab als vor zwei Monaten. Allein die Verwirk- kichung dieser Möglichkeit würde nicht den Zusammenbruch des englischen Reiches bedeuten. Ebenso wenig wie bor hundcrtundsechzehn Jahren die Losreißung der amerikanischen Kolonien vom Muttcrlande den Untergang Englands bedeutete. Umgekehrt: die Lostrennung war für England das denkbar günstigste Ereignis, und unmittelbar nach dem Verlust der amerikanischen Kolonien entwickelte sich England in den Kriegen mit Frankreich zu der gebietenden Weltmacht, welche eS seitdem nicht aufgehört hat zu sein. Und dem englischen Handel und der englischen Industrie. diesen zwei Wurzeln der englischen Macht. bringen die Ver- einigten Staaten von Nordamerika zehnmal mehr Vorteil als die amerikanischen Kolonien Englands gebracht haben oder je hätten bringen können. Das ist in England millioncnmal gesagt worden— es ist eine hausbackene Wahrheit, und in zahllosen Reden Zeitungsartikeln und Schriften hat man. gestützt auf das Beispiel der amerikanischen Kolonien. welche die Vereinigten Staaten von Nordamerika geworden sind, die Zukunft der süd- afrikanischen und australischen Kolonien kühl ins Auge gefaßt, so daß man sich an den Gedanken ihrer unvermeidlichen Loslösung vom Mutterland gewöhnt hat. Und insbesondere für die süd- ifrikanischen Kolonien lag der Vergleich mit den amerikanischen Kolonien nahe. Denn dort wie hier hat die englische Äoloni sation eine holländische, zum Theil auch deutsche, zur Vorläuferin und Begleiterin gehabt. Diese stamm- verwandten Elemente mit einander zu verschinelzen, war seit den letzten 30 Jahren das Ziel der englischen Kolonialpolitif in Südafrika; und es ist auch so weit erreicht worden, daß das A f r i k a n d c r t u m. d. h. die in Afrika geborenen Nachkoinmen der holländischen Ansiedler, sich dem englischen Element mehr und mehr befreundeten, ja bis zu einem gewissen Grade assimilierten. In der Äapkolonie, der englischen Hauptkolonie in Südafrika, ist diese Annäherung schon so weit fortgeschritten, daß die Regierung den Afrikandern zufallen konnte. DieEntdeckungderDiamant- undGoldminen in demBoeren- Gebiet unterbrach plötzlich die friedliche Entwicklung und den Vcrschmclzungsprozeß. Die internationale Spekulation wurde leitender politischer Faktor: der englische Kapitalismus jent- decktc ein außerordentlich reiches Ausbeutniigsfeld, und zum Unglück Englands waren Männer in der Regiennig. die, selbst Spekulanten, sich und die Regierung den Zwecken des Kapitalismus dienstbar machten. Alles, was im Interesse der Kulturbedürfnissc notwendig ist, hätte sich durch gütliche Ver- ständigung von den Boercn erlangen lassen. Um Kultur» bedürfnisse und Verständigung war es aber den Ehamberlam und Rhades nicht zu thun: sie wollten das ganze Land der B o o r e n. Der Raubzug Jamcsons war ihr Werk. Nach dessen kläglichem Mißlingen kamen die bekannten Ver- Handlungen mit Transvaal, die zu keinem Ergebnis führen konnten, weil Ehamberlain nicht fordern durfte, was er wollte-» nämlich den Verzicht der Boeren auf ihr eigenes Land— und weil er. hierdurch zur Doppelzüngigkeit und Lüge gezwungen, nur Scheinforderungen stellte, deren An- nähme ihm weniger erwünscht gewesen wäre als ihre Ablehnung. Die Boeren, welche das Spiel durchschauten, thaten das Vernünftigste, was sie thun kanten: sie rüsteten sich zuni Widerstand und drehten, sobald sie bereit waren, den Spieß um. Daß die Engländer nicht vorbereitet waren, das wußten die Voeren— und so wurde Herr Ehamberlain nebst seinem Rhades, die beide geglaubt hatten, durch Drohungen einschüchtern zu können, in ihrer eigenen Falle gefangen. Ehamberlain zunächst nur figürlich, Ehren-Rhodes buchstäblich, denn er sitzt in Kimberley, umstellt von den Boeren, mit denen er eine sehr, sehr schwere Rechnung zu begleichen hat. Freilich, sein Freund und Compagnon Ehamberlain sucht ihm zu helfen, doch die Hilfsversuche sind für England bis jetzt verhängnisvoll ausgeschlagen. Die zwei Niederlagen Lord Mcthuens. der ausschließlich zur Rettung des afrikanischen Napoleon, unter Zersplitterung der englischen Armee, in der Richtung nach Kimberley entsandt worden ist, sind direkt au Herrn Rhades zurückzuführen. Der Weg nach Kimberley. der Diamantcnstadt, und nach Pretoria und B l o c m s o n t e i n, den Hauptstädten der zwei Schwcsterrcpubliken, ist mit Niederlagen der Engländer gepflastert. Die Blüte der englischen Soldaten und Offiziere ist den Büchsen der Boeren zum Opfer gefallen, und es ist sehr die Frage, ob England überhaupt im stände ist, die Boercn mit Gewalt zu bezwingen. In diesem Krieg zeigt sich wieder einmal die Unbesiegbarkeit eines entschlossenen Volkes, und die Ueberlegenhcit eines wirklichen Volksheeres über ein Berufsheer. Hätten die Boeren ihre Sache auf ein stehendes Heer gestellt— die 15—20 Tausend Mann, die sie höchstens gehabt hätten, wären längst auscinandcrgestobcn Anders hier, wo das gesamte Volk kämpft: Väter, Söhne, Enkel— und die Frauen als Landsturm hinter den Männern Und daß die Boeren sich vorzüglich schlagen und den eng lischcn Soldaten, die an kriegerischen Eigenschaften von den Soldaten keines Landes übcrtroffen werden, nicht bloß eben- bürtig, sondern sogar überlegen sind. daS wird jetzt fast all festig anerkannt. Drei Eigenschaften werden den Boeren von allen englischen Militärs und ZcitungSkorrespondentcn auf dem Kriegsschauplatz zugesprochen: Kaltblütigkeit, Beweglichkeit und Treffsicherheit. Und von allen Militärs und Kriegskorrcspondentcn wird ein stimmig zugegeben, daß die Boercn weit rascher beweg lich sind und weit besser schießen als die regulären Truppen. Insbesondere was das Schießen bettifft. so äußert sich ein Militär in dem„Standard":„Auf sehr weite Distanzen, wo man nicht auf den Mann zielen kann schießen die Boeren ungefähr so wie reguläre Truppen und verschwenden ihre Munition; sobald aber der Feind in Ziel nähe kommt, sparen sie ihr Feuer und schießen ans den Mann, lv i c d e r I ä g c r a u s d a S W i l d, und mit furchtbarer S i ch e r h e i t." Und was die Zähigkeit und Ausdauer der Boeren betrifft, w giebt der nämliche„Standard" ihnen folgendes Zeugnis lin der Nummer vom 8. Dezember):„Die Boeren haben die unangenehme Eigenschaft, es nicht zu merken, wenn sie geschlagen sind— wie Soult und Napoleon das einst von den Engländern gesagt haben. 5! a ch allen Regeln der Kriegskunst müßten sie l ä n g st auf dem Rückzüge sein, und sie denken nicht daran. Werden sie nach hartem Kampf aus einer Stellung ctriebcn, so sammeln sie sich sofort ein paar(englische) eilen weiter rechts oder links in anscheinend unverminderter Zahl und mit unverminderter Kampflust. Was nützt es da, sie aus irgend einer Stellung zu ver treiben?" Der„Standard" meint, man müsse einen entscheidenden Schlag führen und die Boeren fangen. Aber zum Fangen gehören zwei: einer der fängt und einer, der sich fangen läßt. Und vorläufig ist mehr Aussicht, daß die Engländer in Südafrika von den Boeren gefangen werden, als die Boercn von den Engländern. In England beginnt man daS einzusehen. Die Jingoes lassen die Köpfe hängen und Herr Chamber- lain, der mit Recht für diesen„frivol und verbrecherisch herauf- beschworenen Krieg", wie ein liberales Blatt sich ausdrückt, verantwortlich gemacht wird, wagt nicht mehr, sich öffentlich zu zeigen. Jede Hiobspost aus Afrika gießt Oc! ins Feuer des Volkszorns. Von der liberalen Opposition ist nichts zu erwarten. Sie hat das feige Schlagwort des„Patriotismus" sich zugelegt: „Der Krieg ist zwar ungerecht, aber wir müssen ihn miS- fechten!" Das heißt, wir müssen Unrecht auf Unrecht häufen. Siegt diese Anschauung, so stehen England schlimme Zeiten und schwere Demütigungen bevor. Von fremde n Regierungen ist nichts zu erhoffen. Sie alle fürchten die englische Seemacht. Einzig vom englischen Volk kann die erlösende That kommen: eine Massenerhebung zum Sturz der SaliSbnry Chamber- lainschen Schandregierung, die Englands guten Namen in den Kot gezogen hat und das einstige Land der Freiheit „um Gegenstand des Abschcus für jeden Freund der Freiheit zu machen bemüht ist._ politifchv Mvbevfichk. Berlin, den 13. Dezember. Dumm aber stark. Der Präsident des preußischen Abgeordnetenhauses. Herr Kröcher, äußerte, wie wir nachtragen wollen, im Reichstag am Schlüsse der Etatsberatung: Der Staatssekretär sagte ironisch auf de» Entwurf des Abg. b. Kardorff, wir müßten eine» starke» Mann hakn, er würde sich freuen. Ivenn dieser starke Mann sich fände, und ans seinen Platz setzte. Ein solcher starker Mann muß auch berufen ivcrdcn. Glauben Sie. daß die Bismarck, Moltkc, Roon ihre Stärke be- wiesen hätten, wenn sie nicht in das Ministerium oder in den Gcnerakstab berufen wären, und ivenn ihnen nicht die Bc- Wegimgsfreiheit gelassen wäre. Ich glaube, das; wir solche Männer haben, und sie sind vielleicht sogar in der Sie- gierung. Es kommt nicht auf die Intelligenz eines Bismarck an, um gegen die Socialdcmokratie zu kämpfen; es kommt vielmehr ans den Willen an, zu kämpfen und dann ans die Nerven. Fürst BiZmarck ha! einmal zu seinem König gejagt: Unter Umständen kann ich mir den ehrenvollsten Tod aus dem Tchasott denken. Wir kennen also jetzt den starken Mann nach dem Herzen der Konservativen, der der So.'ialdemokratic an die Gurgel springen soll: Einen brutalen, stumpfsinnigen Kerl mit eisernen Nerven, der, ohne durch die zarten Bedenken der Moral, des- Gesetzes und des Gewissens oder die Weisungen einer aufgeklärten Vernunft geschwächt zu werden, in blinder Wut losgeht. Wenn es der Berliner Polizei gelegentlich einmal gelingen sollte, einen Mörder zu erwischen, so wird sich Wohl Herr v. Kröcher darum bemühen, daß dieser starke Mann zum— Reichskanzler-Sejjel begnadigt werde. Er wird alle.' Ansprüchen genügen.— Ter Unternehmer als Erzieher. Nachfolgend vcröficntlichcn wir einen Geschäftsbrief des Buch» Verlags von Johann Louis Lotzc.„Köuiglicher. Großherzoglicher und Herzoglicher Hoflieferant" in H o h c n st e'i n- Er n st l h a l(Sachsen), da fei« Inhalt sehr charakleristisch ist für die SinneSwcisc dcS Unternehmertums sowie für die von dett Jndnftrieherrcn beliebten Methoden der..Erziehting" der Arbeiter zur loytilen Gesinnnng und llnlerwürfigleit: Hohcnstein-Er.. im November 1899. Hochgeehrter Herr Kommerzicnrat I Es wurden neuerdings i n n n seien großen nationale tr Blättern Stimmen laut, die als das geeignetste Mittel, dem Anwachsen der Tocialdemokratie eine» Tamm entgegen- zusetze», die Massen verbreit ttng patriotischer Schriften empsohlcn und gleichzeitig den betreffenden zur Er- z i e h n u g und Leitung der Massen b c> n f e n e n K reisen den leisen Vortrnirs machten, dnß sie dieses Mittel leider wenig, ivenn nicht gar nicht versuchten. Ta tnut Sie. hochgeehrter Herr Koinnierzienrat. in Ihrer vom L a n d e S f ü r st c n sei b st a u s g e z e i ch u e t e it hervorragende» socialen S t e II n n g getvtß Interesse für Fragen' von so großer allgemeiner Bedeutung haben, da Sie ferner sicher nicht anstehen werden, den in den oben erwähnten Preßstimmen angedeuletcn Weg zu beschreiten, falls Sie ihn für gut halten und entsprechende Schriftwerke zur Versügung haben, gestatte ich mir, Sic, hochgeehrter Herr Kommerzicnrat. darauf aufmerksam zu machen, daß ich nun bereits int zweiten Jahre ein historisches durch»t n d durch patriotisches Werk herstelle, daS infolge seiner Gediegenheit die Anerkennung de r m eiste» d c» t s ch e n B u n d e s f ii r st e n, vor allem S r. Vi a j e st ä r dcS Kaisers und K v u i g S im vollen Maße gefunden bat und daS ans dem besten Wege ist, ein ständiger Gebrauchsgegenstand für jeden gut patriotisch gefinnlen deutschen Mann zu werden. Ei ist dies mein Deutscher Reichs-, Kriegs- und Militärkalender, der außer dem gewöhnlichen Kalcnderinhalt im vergangenen Jahre von berufener'Schriftstcllerhand die Schilderungen der Ereignisse des dentsch-französischcn Krieges 187071 brachte und in diesem Jahre in Lapidarftil sämtliche Kriege des zur Neige gehenden Jahr- Hunderts, in denen deutsche Truppen mit alter deutscher Tapferkeit und Treue neue Lorbeeren sich erwarben, in das Gedächtnis de« Lesers zurückruft. Giebt es wohl ein besseres Mittel zur Erhaltung und Er- weckung von Vaterlandsstolz und Vaterlandsliebe, als daS tägliche Gedenken an die rühm- und glanzvollen Zeiten des herangewachsenen Reiches? Die Hinterwände meines historischen Gedcnkwcrks stellen in künstlerischem Buntdrncl entscheidende Momente auS der neuen deutschen Geschichte dar(verkleinerte Abbildungen der Hinterlvände am Kopfe dieser), sind geschmückt mit den Bildnissen des Kaisers. oder des Königs von Sachsen bezw. Württemberg oder des Prinz- regcnten von Bayern(die Bildnisse sämtlicher deutschen Bundes- fiirsten befinden sich im Werke selbst), zeigen sich also des gediegenen historischen Inhaltes des Werkes würdig und kann' ich mit vollem Rechte behaupten, daß mein VcrlagSwerk den in den betreffenden, eingangs dieses Jahreß ermähnten Preßstimmen e m p f o h l e n c n E i n f I ii ß i n v o l l e m M a ß e auszuüben i in stände i st. Bereits im vergangenen Jahre hatte ich daS Vergnügen, von einigen größere» Werken Westfalens«nd des Rheinlandes namhafte Bestellung auf mein Verlagswerk zu erhalten, und erfuhr ich erst nachträglich, daß diese Firmen den Kalender als W c i h n n ch t§ g a b e für ihre Arbeiter verwandt hatten»nd dadurch eben den erwähnte» erzieherische» Einssust ans die- selben ausübten. Es wurde mir ferner noch mitgeteilt, daß dies« WeihnachiSgabe citens der Arbeiter mit Freude begrüßt wurde und daß seitens der Direktion erkannt ivorden sei, daß, ohne daß der Arbeiter den Zweck der Gabe erkannt habe, fiir ihn und seine Familie, also auch für die heranwachsende Arbeiterschaft ein patriotisches BildnngS- mittel ersten Ranges in meinem Verlagswcrke sich erprobt und bc- währt habe. Ich gestatte mir daher, hochgeehrter Herr Koinnierzienrat. Ihnen die ergebene Anfrage zu unterbreiten, ob Sie vielleicht geneigt sein würden, ans die Ihne» zur Führung anvertrauten Massen in gleicher Weise eiiiznlvirken. Es sind im vergangenen Jahre 100 000 Exemplare meines „Deutschen Reichs-, Kriegs- und Militür-Kalenders" hinausgegangen in das Reich und die Auflage in diesem Jahre beträgt'/«Million. Ich denke mir das Zeugnis geben zu dürfe», daß ich den empfohlenen und richtig erkannten Weg zur patriottschc» Weitererziehung unserer Arbeiter' betreten habe, und sollte es mich s reiten, wenn Sie. hochgechrterHerrKonmierzienrat, ebenfalls sich entschließenwürden. in der Forin wie die erwähnten Werke im Aheinlnnde und Westfalen auf Ihre Arbeiter erzieherisch zu wirken. In Anbetracht des guten Zweckes gebe ich meinen..Deutschen Reichs-, Kriegs- und Militar-Kalender" noch unter Selbstkostenpreis zu M. 36,— per 0/0 oder M. 350,— per 0/00 ab. Der Ladenpreis beträgt 75 Pf. per Sttick. EincZ weiteren Aonimentnrs bedarf diese Offerte wohl nicht und sehe ich Ihrer Umschließung, hochgeehrter Herr Kommerzienrat, gern entgegen, Mit vorzüglicher Hochachtnng ergebenst L o tz e. Eines weiteren KomincnjarS bedarf diese Ofterte allerdings nicht, So sehr die geschäftliche Absicht in ihr hervortritt, so rschtig'ist doch die Spekulation ans die Denkart des kommerzienrätlichen llnter- nehmertinns, das die Nichterfüllung seiner socialen Verpslichlnngen hinter patriotischen Traktätchcn verbirgt und die Arbeiter vom Streben nach Erhöhung ihrer kulturellen Position durch Verherrlichung des Kriegshandwerks hinivegzuerzichen vermeint.— Vom Schuir der Bauarbeiter. Die deutschen Bauarbeiter haben bekanntlich bei ihrer eifrigen Thätigkeit sür die Schasiung und Fortentwicklung eines wirksamen Arbeiterschutzes insoscrn einen immerhin. beachtensmerlen Erfolg errungen, als sich die bayrische Negierung nach einer Konferenz von Regierungsbcamten, Unternehmern und Arbeitern und unter dem Eindruck einer Anzahl erschreckender Bauunfälle zu einer Verschärfung der Bau- Kontrollvorschriftcn unter gleichzeitiger Anstellung von Eontrolcuren aus den Reihen der Arbeiter entschlossen hat. Der hierzu erforderliche Gcjetzentwurs ist soweit fertig gestellt, daß cc den Unlcrnckim'crn auf deren ausdrücklichen Wunsch zur noch- moligen Stellnugnahme- vorgelegt werden tonnte. Die Jnnungsmeister sind es namentlich, die jetzt den borniertesten Widerstand gegen die verschärfte sgontrolle, besonders aber gegen die Anstellung von Arbeitern als Controleure leiste». Die Jminngs- meisicr waren es, die an dem Entwürfe so gut als alles auszusetzen hatten, mid ihr Organ, die von Herrn Fclisch redigierte„Baugeiverks- Zeitung" erhebt einen Mordslärm, dessen Refrain der bekannte Satz von,„Herrn in, Hause" ist. Herren in, Hause Ivollcn die Felischianer sein. Es sei eines achtbaren Meisters unwürdig, seine Thätigkeit von einen, seiner früheren Arbeiter überwachen zu lassen. Es sei demütigend und empörend, sei der Anfang zum Znkunftsstaal und dergleichen dummes Zeug, mehr, Mit einer anderen Gruppe der in der„Baugcwerks-Zeitung" gegen die Arbcilcrcoiitroleure erhobene» Einwände wollen wir uiiS n' w etw"S ernsthafter auseinandersetzen. Das Blatt meint. Arbeitern fehlen die nötigen technischen Kenntnisse, die ein Baucontroleur.' wolle er eine eriisthafic Kontrolle ausüben, unbedingt haben müsse, und sodann änderten sich die Verhältnisse auf einem Bau fort- während, so daß eigentlich, wolle man den Gedanken konsequent durchführen, bei jeden, Bau, ein Eontroleur ununterbrochen anwesend sein müßte. Die jetzt vorgeschlagene Art der Kontrolle würde dazu führen, für jeden Bau einen von der Behörde angestellten, ständig nuwcsendcn Bauaufsehcr aus den Reihen der Arbeiter anzustellen, und schließlich würden geprüfte Poliere von der Behörde zur Bau- leinlug angestellt werde», so daß der Meister nur noch zun, Zahlen da ivärc, usw. usw. Der Gedanke»,it den behördlich angestellten gegrüfie» Policren. um daS gleich vortvcg zi,„ehmen. ist übrigens ganz erivägcnStvcrt, ES liegt beim Banwe'cu ein öffentliches Jnicrcssc für solche ständige Kontrolle vor: nicht bloß., für die an dem Bau beschäftigten Arbeiter, sondern auch für die zukünftigen Bewohner wäre daS sehr beruhigend. Will man aber davon absehen, so muß allerdings zugegeben werden, daß— und, das gilt für die lleberivachung aller Betriebe. nicht bloß der Bauten— d i e gelegentliche Inspizierung durch besondere A n s s i ch i S b c a in t c niemals' gc- nü.gen wird,„in die, dauernde Bcobachinng aller Schutz- Vorschriften durchzusetzen, iven» der Uniernehincr sein Prosit Interesse zum leitenden Prineip macht. Soll die Betriebskoirtrolle wirklich ausreichend sein, dann muß sie von den im Betriebe beschäftigte» Arbeitern selbst aus- geübt werden lönucn. Das ist aber unmöglich ohne starke Organisationen, die jede Maßregelung der Arbeiter zu verhindern imstande sind. Iliibcdiugtc fioaliiionsfrcihcit und ausreichender gesetzlicher Schutz für die'Kealirivne» und die Ausübniig des Koalitionsrechts sind das wichtigste Erfordernis für eine» wirk- seinen Arbcitcrfchiltz. Erst wenn die Arbeiter selbst kontrolliercii, im», sie wirtschaftlich in eine Lage versetzt sind, daß sie nicht um des Verdienstes willen gezwungen sind, bei der Arbeit z» Hetzen und die Schntzborschristen außer acht zu lassen, tven» sie vcr- hindern können, daß der die Beachtung der Schntzvorschriste» Fordernde gemnßregeit wird, erst dann kann der technisch»nd praktisch vorge- bildete staatliche AnfsichtSbeamie seine Ausgabe bei den gelegentlichen Revisionen wirklich erfüllen. Jnzivischen ist das in Bayern ergriffene Anskniiftsmitlel wohl als ein Schritt zum Bessern anzusehen. Daß der AnfsichtSbeamie praktisch und technisch gebildet sein soll, lvird niemand bestreite». Aber erstens sollen die in Bayern niizusiellendeii Arbeitercontrolenre doch mir Assistenten der oberen AuffichtSbeamici, sein und deren technisches Wissen durch ihre praktische Erfahrung ergänzen, und schließlich sollen sie d i e' V e rtra u et, s l e u t e ihre Kollegen sein, DaS technische Wissen in Ehren— aber die praktische Erfahrung ist ebenso not- ivcndig. und die dürften die Arbeiter bei der bisherigen Kontrolle nur allzu oft vermissen. Iknd ebenso iiolweudig muß der Arbeiter in dem, dem die Kontrolle anvertraut ist, den Main, seines Ber- trauens sehen, was'leider zur Zeit' auch„Nr sehr selten der Fall ist. Darnn, ist das Verlangen„ach BctricbScoiitrolcurcil ans den Reihen der Arbeiter durchaus berechtigt und darnn, ist eine solche Eiurichtniig auch als ein Fortschritt auf dem Gcbicle des Arbeiter- fchutzeS zu begrüßen. «• Deutsches Weich. TaS„Wydencr Manifest" und kein Ende. Die Siummsche„Deutsche Volkswirtschaftliche Korrespondenz" setzt ihr Handwerk der Fälschungen in Sachen des Wydencr Main- festes mit einer erstalinlicheii AnSdancr fort. ES ist uns ganz gleich- gültig, ob sie unseren Nachweis, daß es sich um keine ofsiziclle Parleikundgebmig gehandelt habe, anerkeimt oder„ichi. Das„Manifest" enthält keinen Satz, den ivir nicht vertreten könnten. Aber die Stmmnsche„Korrespondenz" hat eine„ene Entdeckung sich ans den Fingern gesogen. Es giebt nämlich nach ihr„ i ch t S weniger als drei Wydencr Manifeste. „Ein Eiiigcstäiidnis von der Verlogenheit deS„Vorwärts" zn erzwingen, ist ein ebenso schtvierigeS wie langwieriges Unternehme». , Aber in Sachen des Wydencr Manifestes ift eS gelungen, ein solches Eingeständnis herbeizuführen, wenn auch noch mit einigen Klauseln. An, 30. November, also nach dem durch viele Zeitungen gegangenen Artikel„Was ist's mit de», socialistischcn Wydencr Manifest wollte der„Vorwärts" noch immer von einer„ordinären Fälschung ciucs Zeitungsartikels"-reden, d. h. cincs Artikels des Züricher „Socialdemokrat". Nachdem er sodann auf die Verlesung des Wydencr Manifestes durch den Minister v. Pntikamer in der RcichStagssltznng vom 30. März 1881 mit der Nase gestoßen wurde, hat er sich zu dem Eiiigcstäiidnis bequemt, daß es außer jenem„unschuldigen", dem„Vorwärts" angeblich nur bekannten ,SociaIdemokrat"-Artikel auch„och ein„Flugblatt" giebt, von welchem, wie der„Vorwärts"»immchr am 8. Dezember einzuräumen für gut findet,„Herr v. Puttkamer in der Reichstags- sitzung vom 30. März 1881 gesprochen hat". Nun soll aber dieses „Flugblatt"„ach Behauptung des Vorwärts" eine„offizielle Partei- Kundgebung" nicht darstellen und soll weiter dem„Socialdcino- krat"-Artikel„cutsprechen". Aber diescö Flugblatt entspricht keineswegs dem Wydencr Manifest, das Herr v. Puttkamer damals in, Reichstage feinem vollen Wortlaute„ach verlesen bat.... Die von uns angeführten Stellen revolutionären Inhalts, deren Existenz der„Vorwärts" ableugnen will und aus die cS in Sachen de? Herrn Lc. Aren-Z gerade anko».-rt, finden sich zwar in.dem durch Herrn v Puttkamer verlesenen Wortlaut deS Wydener Manifestes, nicht aber in dem„Flugblatt"»nd uicht i» dem„Socialdrmokrat"- A.tikcl. Taraus ergiebt'sich folzender Thatbcstand. Zuerst ist das Wydener Manifest als offizielle Parteikunszebunz er- schienen, so wie cS Hcrr v. Puttkamer im Reichstag? verlesen hat.... Dieser Versuch, sein. Jedenfalls sind, wie wir nochmals fcsistellei,, jene, die „revolutionären" Stellen„verwässernden", das heißt erläuternden, und deshalb von Zacher- Elfter anSgrimtzte,, Zwischensätze auch in der allein echten r e i cki S t a g S n o t o r i s ch e n Kundgebung vorhanden, diewcil das„echte" Pilttkmncr-Maiiifest und der„verwässerte" Zeitungsartikel identisch sind, in den, Vcr- hältniS eines in ciiicin Journal voröffcnilichtcn Aufsatzes zn einem unveränderten Sonderabdruck stehen. Wir glauben, daß nach dieser Darstellung es selbst der geübten Fälschcr-Korrespondenz nicht mehr gelingen wird, an dem„Wydener Manifest" weitere Künste zu probieren. Sie muß sich schon nach einen, anderen Objekt umsehen, um an ihm ihre Schivindelinanöver auSziiführcn._ Der erste Patriot. Den, Flottcnvcrcin und feinem Organisator Victor Schwein- bürg, dem zuerst in seiner Seele die Vcdciitnng der deutschen See- gewnlt aufgegangen, widmet die„Tägliche Rundschau" einige erbau- iiche Betrachtungen; „Herr Victor Schwcmburg ist im Flottcnvcrcin abgethan, aber er ist von» Stamme jener ALra, welche sich frohgemut durch die Hinterthüre wieder in das Haus schlängeln, Ivel», man sie veranlaßt hat, sich durch die Vordcrthüre hiuauszubegeben. Als Thüröffncr bemühen sich für ihn die Hern:» Krupp und Fenke, die den Rot und das Beispiel ihres gescheiteren Kollegen Bucck, sich rechtzeitig von dem anrüchig geivordcnen Prcßagcntcn los- zusagen, noch immer nicht befolgt haben uiid ein merkwürdig intensives Jnteresis an den Tag l-gen, Herrn Schweinburg irgendwie im Bcrcin eine einflußreiche Stellung zu sichern und so den Flotlenveiciii... auch weiter zu einen, Schutzvcrcin für Stahl und Eise» zu degiad'-len. Wir verstehen diesen Eiief des Herrn Krupp, �er doch nicht bloß ein Großindustrieller ist. sondern auch den Ruf eines Patrioten und ciucs Gentleman besitzt, acchl und ninssci, ih� auf mangelnde Sach. bezw Pcpsonenkemilni-Z zurückführen. Aber wäre es Herrn Krupp bei gutem Willen nicht ein' leichtes, sich diese Kenntnisse zu verschaffen? Vielleicht erkundigt er sich einmal im Reichs- Marineai», oder in, Auswärtigen Amte, warum man cS dort hartnäckig ablehui. Herrn Schweinburg. den bisherigen General- jekrctär des Flolteuverciiis, den publizistischen Verlraucnsmann der Großindustrie» den„Freund" so bielcr mächtiger Herreu. zu empfange» ö Hol Herr Krupp schon etwas von politischen Agenten gc- bort? Wenn nicht, so weiß er doch ganz sicher aus seinem eigenen Verkehr mit Schweinburg, daß eS JiisorinatioiiSdicnstc giebt bei der Vörie, bei der Großindustrie und vielleichl auch bei Regierungen, die sehr eiuträglirh sind, die aber mit dem anständigen jonrnalistischen Erwerbe nichts zu ihm, haben.... Herr Schweinburg joll ein jährliches Einkoillincii von 70 000 M. versteuern und i» unglaublich kurzer Zeit ein großes Vermögen erworben haben, so daß er aus seinem Ucberflusse. wie z B. aus dem Tausch- Prozesse ersichtlich, auch Beamten Darlehen gebe» und in seinem Hanse Ntinistcr bc- Wirten komiie. Das ist vom rein finanziellen Gesichtspunkte ans gesprochen eine erstaunliche Leistung, die Respekt vor de» GeisieSgaben und der Energie deS ManncS abzwingt, wie über- hanpi feine Earriere vom„jungen Manne" der„Norddeutschen Allgcm.-Ztg."(nach anderer Version soll sein AnfaiigSstadiuni ein noch weit tieferes gewesen sei») vis zum Vertraute» und Gast- gebcr von Ministern fast etwas Romantische» Hai: aber um diese Romantik können wir uns nicht tümmet». sondern bloß um die Thai- fache, daß der Mann Journalist, Berater der öff'enilicheu Meinung, ist und um die weitere Thatsachc. daß ei» gewöhnlicher Journalist, und wenn er zehnmal bcgabicr ivärc. als Herr Schweinburg, solches ftunstsliickcheir auf dem noriiiälen Wege nicht fertig bringt. und wenn er sich die Finger wund schreibt und er der erfolgreichste Publizist des Jahrhunderts wäre... Herr Krupp hat Herrn Schweinburg dem Kaiser vorgestellt»nd der Photograph hat dicsc» weltgeschichtlichen Moment für die Nachwelt sestgchallcir — in der Gegenwart lamr man das Bild im Wintergarten bc- wundern— aber Herr Krupp weiß wohl nicht, daß. es Offiziere S. M. deS Kaisers mit ihrer Ehre nicht vereinbar erklären, mit Herrn Schweiiibnrg znsammeltzznarbeite»? Er tvciß wohl nicht, daßHerr Schweinburg stolz auf die Protektion döS Herrn Krupp und nicht zufrieden mit seinen verschiedenen Mniisterfretiiiden, deutschen Ofsiziercu stolz erklären konnte:„Ich habe hier zu befehlen; den» S. M. der Kaiser steht hinter mir." Und derselve Mann, der durch Krupps Proickiion frech genug gemacht war. zu behaupte», daß der Kaiser hinter ihm stehe, schüttelt Prügel, die er gelegentlich von einem der Gsschäflsführcr des Flotien- Vereins in ausgiebigem Maße erhält, ali, wie der Pudel die Flöhe, ohne den Mamr äuÄ nur gerichtlich zu bc- laugen... Die Rolle der Großrudustrie beim Flottenvercin war bisher eine ziemlich verhängnisvolle. Die Herren scheinen zu- vergessen, daß das Volk gegen einen Patriotismus, der au Einträglichkeit nichts zu wünschen übrig läßt, mit Recht mißtrauisch ist und absolut leiueir Grund hat, sür Dividende»- erhöhmig durch Licscrung von Panzerplatten zu schtoSrnren. Der Ccntralverbaird deutscher Judiistricllcr soll seine Interessen fordern wo er will, nur nicht inr Flottcuverein..." Wir verstehen nicht recht diese sittliche Entrüstung über den ersten Flottcnpatrioleii deS Reichs. Hat' er darum im„Volle" die Bcgciftermig für die Sechcrrlichkeit entfacht, um jetzt wie ein lästiger Haiisicrerdic Treppe hinuntergeworfen zu werden? WeimHcrr Tirpitz, bevor er die Bimdesregicrimgeii und die Buudcssürstcn über die ueiicir Marinepläne in Keimt'uiS fetzt, zuerst die Großindustriellen „diskret" unterrichtet, so ist wahrlich-kein Grund, de» Vertrauens- mann dieser Industrie verächtlich zu behandeln. Ebenso ist cS keineswegs schlimmer, daß die Marineliefe rantcn im Namen des Patriotismus verdicucu, als wen» die„uiicigcuniitzigcn" Förderer der Wctlniachtflotte, die Edelsten und Reichen. kciuci, Pfennig aus eigener Tasche für das erhabene Werk anSgcbeir, sondern die Zahlung dem durch die indirekten Steuern auSgesogeneir Volke der Armen überlassen. Nein. Schwein- bürg ist nicht der Auswürfling der Flolienbcgcistcrnng, sondern der typische und würdige. Vertreter deS ganzen»nlitaristisch-tyari- iiistischc» Rüstungsgeschäfts. UebngenS leimen wir einen bedeutenden Mann, auch einen ersten Patrioten, der sich mit ganz ähnlichen Mitteln in seiner Stellung behauptet.—_ Ter Kanzler des MißtrancnS. Wie die„Krcuz-Ieitmig" versichert, stehe es„ohne Zweifel fest, daß der konservative Führer, als er seiner Eüttäiischimg über die bisherige Amtsführung deS Reichskanzlers Ausdruck gab, nicht mir die Meinung der gc- samten StcichStagöfraklion. sondern auch weiterer Kreise in der Bevölkerung— und zwar weit über die sich zur konservativen Partei zählenden MqiNrer hinaus— durchaus zutreffend wiedergegeben hat. Bon der damit verbmidcnc» Absicht, die Stellung des JicichSkanzlers zu erschüttern, kann man dabei nur in völliger llukeniilnis des konservativen Wesens oder zum Zwecke der Verdächtigung reden." Es sind Gemütsmenschen diese Konservativen. Sie sind ganz unzufrieden mit dem pleichSkanzler, aber sie möchrcn ihn u», alle» in der Welt»ichr missen. Wenn sie ihn»och so hart tadeln, so soll das nur eine sanfie Mahnung zur Besserung, aber nicht den Wunsch nach seiner Entfernung ausdrücke». ' In dieser Weise vetraucrn die Jlinkcr bekam, ilich auch inimcr noch de» Sturz ihres geliebten, mit dem wärmsten Mißtrauen über- schütteten— Eaprivi.— MiqnclS BefrstignngSrcdc. lieber MiquelS RcichSlagSrede schreibt der Berliner Vertreter der„Frankfurter Zeitmig": „Die Herren Minister und Staatssekretäre sahen diesen kühnen und feurigen Flottenredner des dritten TagcS erstaunt wie eine plötzlich erscheinende Hilfe, die man nicht er- ivartct, vielleicht auch nicht erbeten hat. Machte doch d'"setz ganze Auftreten deii Eindruck wie ein Appell: Hier stehe ich, Herr, und was Deine Bülows und Hohenlohes und Tirpitze und ThielmannS können. das kam, ich auch und bitic, sich, ich kann'S noch besser. Es giebt Leute, die»och dieser Rede glaubeiy daß Herr v. Miqucl wieder fest im Sattel säße und noch manches Reiterstückchen verüben werde." Wenn Herr v. Miqucl die unglaublich plumpen Mittel, die er ailwanvtc, wirklich für geeignet gehalten habe» sollte, sich zu festigen, so hätte er eine s o beleidigend niedrige Mei- n u» g von unseren Z u st ä» d c u, wie sie selbst ein Vcr- trcter des äußersten Radikalismus kaum zu denken >v a g t e.— Eine wertvolle Ergänzung des in Nr. 200 des„Vorwärts" ueröffciitlichtcn ArlikcS„ Au S unserer chinesischen Pracht» k o l o i, i e" liefert ein uns aus unsere,!, Leserkreise zur Verfügung gestellter Brief eines deutschen Soldaten, datiert aus Tsintau. Wir geben aus dem Schreiben das nachfolgende wortgetreu wieder: ..... Der Gesmidheitszustaud' ist zur Zeit sehr schlecht. Wem, eS jemand in Deutschland hört, so glaubi er es nicht. In den Monaten September— Oktober sind mindeskenS 2S Mann gestorben; in einer Woche starben allein acht Mann. Und tvora»? Malaria, Tarmtyphns und Ruhr. Es wird einen, doch eigen zu Muthe, wenn man jeden Morgen hört:„Diese Nacht ist wieder einer gestorben!"— Und dabei liest man in Euren Zeitungen nnr Gutes über Tsintau, oder wie wir es ncniicu„Siinktau". Ucbcr die Soldaten und deren Quartiere ifftv. wird mit Stillschweigen hiiiweggegangen. Im Januar trifft ein Transport Kranker irr �cutschland ein, nVeS Nckruten. iämilich tropenüensiimfahijv Tieie Menschen»nietest Du sehen,— mir Harit u»V Knochen. Ich habe in der Zelt, die ich hier bin. eirea 20 Psd. abgenommen � wir haben ober Lseute, die 30 Pfd. und mehr abgenommen haben. Zur Zeil hat meine Kompagnie mir 40 Kranke und lö— 20 die keinen Dienst machen dürfen. Zu Denischiand Hai eine Kompagnie höchstens 2—3 Kranke,... Wir' sind nur ein Galaillon und hatten im September über ISO. sage und schreibe einhnndertundachlzig Zyxhns- und Ruhrkranke. Aber mir find in Tsiman und das ist iveil von Deutschland. Hossentlrch' werben sie zu Hanse auch bald llug und überlegen sich es erst noch einmal, ehe sie sich freitvillig hierher melden. Ich rate keinem dazu!",.. Vielleicht trügt diese Schilderung der chinesischen Verhällniüe dazu bei, unsere Kolonial- und Flotlensere zu veranlassen, ihren Patriolismns dadurch zu bethältgen, dafe sie unsere Soldaten in China ablösen. Wie wäre es mit dem deutschen Flollenvereiu unter dem Kommando des Exsekletärs Schiveinburg? Ter preußische Landtag wird durch Verordnung im.Reichs- Anzeiger" auf den 9. Januar 1900 einberufen.— Flottenrcklame. Drr schwülstige Aiifrus der„Freien Der- einignug für deutsche Flotlenvonräge" ist denr zum Jlollcnlaumel zu begeisternden Publikum»och nicht genügend oerinitlelst der Zeitungen zugeführt worden. Der Ausnls wird seyl auch in Plalal- gröhe, schivarz-weisz-rot umrandet, an die Eeschästswelt versandt, in dem beigefügten Cirknlar Hecht es: „Der unterzeichnete Verein erlaubt sich Ihnen ein Eremplar seines Aufrufs„Für eine starke deutsche Flotte" anbei zu über- senden mit der Bitte, denselben im Jnleresse der gute» Sache a n einer recht ausfallenden Stelle Ihres G e- f ch ä f t s l o k a l s anzubringen. Weitere Exemplare stehen gern zur Verfügung." Zu den Unterzeichnern gehören außer den rmoermeidlichen Flotieuprofessoren Schmoller. Wagner ze allerlei Flotteiischrislsleller und Flotteiimaler. Die dentsche„Intelligenz" zeigt in dieser einiger- maßen ernsthaften Prüfung ihres polilijch-hiflvrischen Deutend, wie iveil sie sich entfernt hat von dem Vorbild der großen deutschen Denker und Dichter. Diese sprachen von Cwilisatiö» und Humanität. unsere neueren„Geister" denken ans militärische Machlstrllinig und Krieg zu Laude und zu Wasser.— Tic„Post", das Leibblatt des Exkönigs Slinnm. Mir d a S M i l i z f y st e ni— das ist die'iieueste Ileberraschting unserer über- raschiuigsreichen Zeit. In einem längeren Artikel legt sie sich heute ins Zeug für die lörperlichc Ausbildung der Jngeud uiid die Er- ziebmig der Jngeud zur Wehrhaftigkeit. Ganz ivie ivii Soeialdeino- traten es verlangen, und ivie eS VorauSsetznug ist für das Miliz- shstem. Wahr ist: daS Stumin-BIatt hat keine Ahnung von der Tragtveite seiner Forderung, denn in Wirklichkeil ist sein Artikel nur eine Reklame für irgend ein beliebiges Privatnnternehmen, das die Knaben höherer Stande durch Jiigendspiele. Sport und sonstige Kraftübungen zur Wehrhaftigkeit vorbereiten will, auch sogenannte Jngendtvehren einrichtet.' Nun— die Jrigend- wehreu, gebildet ans den Kindern reicher LeiUe. sind Spielereien, und habcir sich in der Schweiz und in Frankreich als solche erwiesen. Aver sie hören ans, Spielerei zu sein, sobald alle Knaben zu ihnen herangezogen werdeii, ivie iv i r ivollen. lind da, wer A gesagt hat, auch B sagen muß, so muß die„Post", wen» sie nicht inkonseguent sein will. von»im an unsere soeialdemokralische Forderung der Jugenderziehiiiig zur Wehrhaftigkeit lind des MilizsiisteinS unterstützen, stall rohrspatzenmäßig darüber zu schimpfen.— Keine Antisemiten Ivollen die N a t i o n a I- S o e i a l e n sein, ivie der„BonvärtS" neulich„gelogen". Wenn die„Hilfe" so stark gegen den Verdacht protestiert, so widerrufen wir feierlich, allerdings nicht ohne ein Gefühl der Bewunderung, daß die Herren, die zumeist ihrer Rassenabkmift nach von den Ehristlich-Soeialen abstammen, sich von den.antisemitische» Instinkten der Vergangen- heit so radikal zu säubern verstanden haben.— Tic Reichskommissiou für Arbeitcrstatistik hat ihre dies- malige Tagung geschlossen. Nach Beendigung der Beniehmnng der AuSinnftspersonen ans dem Flößereibetriebe über die Sonntags- r u h e i n der Binnenschiffahrt wurde zur Fesistellimg' des Berichtes über die Verhältiiisse der in G a st- und S ch a n k- wirtschaften beschäftigten Personen geschritten. Als Referent fungierte ReichStags-Abgeordneter Molke nbnhr, das Korreferat hatte der bayerische Ministerialdirektor Herrmann übernominen. Beide wichen in ihren Vorschlägen weit von einander ab. Die An- träge des Genossen Molkenbnhr sind dieser Tage von uns bekannt gegeben worden. Ihre Annahme hätte für die Tauseiide der im Gästtvirthsgewerhe beschafttgieii Personen— wenn auch nicht alleö, was diefe wünschen»lögen— gar nicht' zu unterschätzende Vorteile � gebracht. Tie üoimmisioit hat sich aber nicht für diese, sondern. für die Vorschläge des Korreferenten entschieden, die weit hinter den Erivartungeii auch des bescheidensten Soeialresoriners znrüclstehen: Den Erwachsenen soll eine»»unter- b r o ch e n e Ruhezeit von a ch t S t u n d e n gewährt werden, sngctidliche Personen unter 10 Jahren sollen von lO'llhr abends bis 0 Uhr früh nicht beschäftigt. Iverden dürfen. Diese achlstnndige Ruhe- zeit darf auch noch an 00 Tagen im Jahr auf eine sechsstündige Rnhezeit herabgedrückl wird. Verboten soll iverden die Heran- ziehmia von Mädchen ilnter 18 Jahren zu ständiger Bedienung. Dies die ganze„Reform", die in Vorschlag zu bringen es langjähriger, umfangreicher Erhebungen und Untersuchungen bedurfte. Wenn die äuSstihrlichen Berichte vorliegen, Iverden wir nicht er- mangeln, darauf ziirückznkoinmen.— Bremen, 15. Dezember. sPrivattekegrainniI Bei der heutigen Bürgerschastsivahl iviirden beide Nnchivahlkreise glänzend de- lianptct, beide Stichivahllreiso bei slärkslec Wahlbeteiligung erobert.— In der II. badischcn Kammer trat am Miilwoch(wie gestern schon telegraphisch berichtet), ein Streik ein. Die Regierung blieb bei der Debatte über die soeialdeniokratische Interpellation zur ZuchthaiiSvorlage und bei der Beratung des demokratische» Antrages aus und erklärte in einer Zuschrift aii das Präsidium dicGründe ihres Fernbleibens vom Landtag. Als der Präsident die Streikerklärung der Regierung verlesen hatte, berieten der Senorientonvent und die Fraktionen, lvas zu machen sei. ES herrschte große Konflikts- stimm un g, namentlich schien auch der Führer des EentrnmS vom tteder ziehen zu, wollen. Die Ansicht, daß verfnssnngSgemäß die iüegieruiig in diesem Falle zu erscheinen nicht verpflichtet ist, drang aber schließlich durch nnd es kühlten sich die Gemüter der bürgerlichen Oppositivn fo sehr, daß die tapfere Dcinolcatic in der wiederaufgenommenen Sitzung auf Wunsch ihren Antrag elend ver- stümmelte. AnS eiiftt A n f f v r.d e r u n g der Kammer, künftigen «besetzen ivider das KonlitionSrecht nicht mehr zustimme», richteten die Demokraten nun eine gehorsame Bitte an die Regierimg. die soeben durch ihre Abstinenz so große Sympathie für dieMajesiät desVolkesbekundet hatte. Der Abg. Muse r begründete sehr eindrucksvoll die ursprüngliche Fassung der demokratischen Anträge und hilt eine verspätete Philippika gegen daS Zuchthmlsgesetz. Der CentrumS-Abgeordiicte Zehnter sprach sachlich, aber sehr malt zimi Kompromiß, nachdem von »ationalliveralcr Seile der bekannte frühere Schweizerianer Wittum den alten Klepper ans socialistengesetzlicher Zeit gegen unsere Partei geritten hatte. Am S.omiabend wird die Debatte trotz der Arbeits- einstellung der Herren vom grünen Tisch fortgesetzt. „Umsturz" im katholische» Gottcöhause. Aus Elsaß- Lothringen schreibt man u'�v: Der katholische Pfarrer C o l b u s in Saargeulüod, bis 1898 Mi'stied des deutschen Reichstages als Angehöriger der Elsäsier-GnipM. hat schon anläßlich des voriährigen WahlkampfeS, in welchem- er Such den„liberalen" Baron de Schmidt, den Schützling des einflußreichen Großkapitalisten Jaunez, von seinem Abgeordnetensitze verdrängt twirde, seinem von Wahlsorgen gequälten Priesterherzen durch eine R> che soeialpolitischer Aeußernn'gen Luft gemacht, die vom StandpN.ckt einer Stütze der bestehenden Ge- jellschaftsordnnng als nicht ganz einwandfrei zu betrachten sind. Jetzi teil! die„Saargemündsr Zeitung" ouS einer kürzlich gehaltenen' Sonntagsprediat des Herrn P'arrers und klerikalen Exabgeordnelen die[olgciite sättige Stichprobe mit: Ter Unterschied zwilchen einem Fabrikdirektor oder sonst einem Arbeitgeber de: Glauben hat, und einem anderen Arbeit- geber.' de: keinen Glauben hat. ist deutlich. Der Direktor der Glauben hat, bildet mit seinen Arbeilern eine große Familie; er liebt und pfleg! sie. Der Direktor oder Arbeitgeber, der keinen Glauben hak, ist ein Tyrann und die Arbeiter sind S! l a o e n, die zu A r b e i t s in a s ch i n e n v e r>v a n d e Ii sind und bloß arbeiten und leben, damit der Arbeitgeber jeden Tag mehr Geld ansammeln kann. Wenn der Ar- beüer. die Magd der Knecht der Taglöhner nicht mehr arbeiten können dann wirst man sie auf die Seite und läßt sie Hungers sterben. Da ist es kein 'Wunder, wenn der Arbeiter Sorialist und Anarchist tvird und sagt: „Ich habe genug gearbeitet. ich will auch das Paradies aus Erden haben wie die Reichen die bloß leben für die Lustbarleilen und den ganzen Tag in Kutschen svazieren fahren. Wir wollen einmal teilen>ch nehme, wo ich finde"— und ich sage es hier, es wäre kein Ticbstahl!—„der Reiche soll auch einmal in der Fabrik arbeiten, er soll auch einmal hinter dein Pfluge gehen." So reden m i t R e ch t die Arbeiter, die bei Tyrannen ohne. Glauben arbeiten niüsien! Den eüaß-lothringiichen Klerikalen passen natürlich diese„um- stürzleriichcn" Anichaunngen ihres psarrherrlichen Parteifreundes und früheren Abgeordneten recht wenig in den Kram. Ihre Preßorgane suchen deshalb den Sinn der Eolbnsschen Worie nach Krästen um- zudeulen und in der Wirkung abzuichwächen Herr Pfarrer Colbus selbst aber, den die Sache doch gewiß am nächsten berühlt hüllt sich in ebenso beharrliches als be:ed!es Schweigen!— Wegen Majestätöbeleidignng verurteilte die Siraslammer in Tilsil einen rumschen Arbeiter zil zwei Monaten Gesängnis. Von der Straie wurde ein Monat ans die Untersuchnngshasl angerechnet. In Kleiii-Schilleningken, wo der Mann in Arbeit stand, soll er im Oktober d I. den Kaiser beleidigt haben. Die Ver- nrteiluttg erfolgle. trotzdem der Angeklagte entschieden bestritt, die ihm nachgesagte Aenßerung getha» zu haben. Ausland. Tic neu konstituierte soeialistische Ltainuierfraktion. Paris. 13. Dezember. Gemäß den Beschlüssen deS Einigungskongresies haben sich die soeialistische» Deputierten am Dienstag wieder znr einzigen Kammer» sraltion zlisämmenges chl ossen. Die prineipielle Grundlage der geeinigten Fraktion bildet natürlich die Prineipiencrklärung des Eiiligungskongresses:„Internationale Verständigung itnd inter- nationale Aktion der Arbeiter; politische nnd ökonomische Organi- sation deS Proletariats znin Zivccke der Eroberung der Macht und der Vergesellschaftlichnng der Prodnktions- und Anstauschmittel, d. h. der llinivandlung der kapitalistischen Gesellschaft in eine kollektivistische oder lömmniiistische."' Ferner erklärten die FraktionSniitglieder „nach einer nochntalige» Kenntnisnahme von den Beschlüssen des Kongresses diesen beizutreten»nb sich zu deren Durchfiihrnng zu verpflichten". Schließlich ist eS den Mitgliedern der Fraktion„ver- boten, zugleich irgend einer anderen Kanimerfraktion beizutreten". Tie neue Priiieipieuerklärnng unterscheidet sich scharf nnd vorteilhast von der verschwommenen nnd vorsichtig verklausulierten Er- tlärung, die iin Beginn der gegenivärligeir Legislatur sJuni 1898) zur Grundlage der soeialisiischeit Kannnersraktion gedient hat. So sind denn aiich die Abgg. I o u r d e. B e r t h e l o t und L a l o g e der neuen geeinigten Kammerfraktion serngeblieben. Außerdem fehlt die Unterschrift deS' Ministers M i I l e r a n d. Andererseits sind unserer FnUsio» Uit Vergleich mit Juni 1398) neu bei- getreten: die Abgg. Labussivre-.LinrogeS, L o t a n g nnd F e r r o u l lbeide letzteren gehörten der Kammer zur Zeit der Ab- fassung der Juni-Erklärung noch nicht an). Im ganzen zählt die neu konstituierte Fraktion Uk Mitglieder: Allard, Benvzech, Boyer. Breton. Cadcnot, Calviiihac, Carnaud, Chauvierc. Colliord. Eontant, Tcjcantc. Dcveze, Jaeqiie Dufonr. Fcrrcro, Fcrronk, Fournivre, Paschal-Groussct. Groussicr, Ekovis Huaucs, Äranß, Labussivrc. Lassalle, Lögitimns, Lstang. Palix, Pa>tre, Ponlain, Renon, Rönanet, Sauvanet, Cemdat, Vaillant, Pierre Vaux, Viviani. Waller, ZovaeS. Man Ihnt gut, sich die'e Namen zu merken, denn die Depeschen- bureans und die bürgerlichen Korrespondenten haben die üble Gewohnheit, in Berichten über Kannnerdebakten allerlei halbe und VierlelS-Soeialisten der linksradikalen Fraktion als„Soeialisten" schlechthin zu bezeichnen. Zum Schiiflführer der geeinigten Fraktion Ivnrde Carnaud, zum Schatzmeister Reno'n gewählt.— Testreich-Ungarn. Nene Ministcrkrise? Aus Wien tvird dem„Berk. Tagebl." gemeldet: In deutschen Kreisen verlautet bestimmt, es sei abermals eine Wendling der inneren politischen Situation eingetreten, Graf Clary werde niit allen Mitgliedern seines Kabineis noch vor W e i h n a ch t e» feine D e in i s s i o n g e b e n, die auch auge- »omine» werde nnd vor Neujahr solle ein neues Beamten- Ministerium folgen, das aber nur ei» oberstes Berwaltunas- organ sein nnd mit den Parteien gar nichts zu thiui haben werde. Der Rücktritt Elarys werde aber nicht durch die Obstruktion der Ezechen herbeigeführt, sondern durch die Schwierigkeit, die letzten Abmachungen des Ausgleichs mit Ungarn ohne Antvendmig des§14 zu erledigen, lvas ja Clary von' vornherein unbedingt abge- lehnt hatte. Der neue Ministerpräsident wird vielleicht der Minister des Inneren v. Koerbcr sein. Eisciibnhnminister Wittel soll ebenfalls bleiben._ Vom Sprachrnftrcit. Prag, 15. Dezember. Die Ezechen organisieren einen passiven Widerstand in g r o ß e m'M a ß st a b e. Bei dem Prager Handelsgericht»nd bei de» Preisgerichte» in Pilsen, Bnd- iveis, Chrndim, Kutirnberg, Tabor nnd Gitschm haben die ezechischen Laienrichter in Handelssachen ihreThätigleit wegen Auf- Hebung d e r S p r a ch e n v e r o r d n u n g e u eingestellt.— Schweiz. Bern, 12. Dezember.i g e u sWürttcurberg) nnd einer aus der Klasse Grundbesitzer in der Stadt Oelsnitz in Sachsen, während in Berggießhübel 2 an- sässige Parteigenossen gewählt wurden. In W e i ß enf e l's wurden die Wahlen in der dritten Ab- teiluiig, tvobei unsere Genossen gesiegt hatten, für ungültig erklärt. In Stuttgart sind rmsere Parteigenossen zwar nochmals nnterlegen, doch ist ein abermaliges erfreuliches Anwachsen unserer Stimmen zn konstatieren. Gegen 1895 hat sich die Zahl der� unabgeänderten Listen unserer Partei mehr als verdoppelt. Dar letztem der diesmal Gewählten erhielt 4552 Stimmet!, während unsere Genossen 4547 bis herunter zu 2803 Stimmen erhielten. Wie die„N. Fr. Pr." ans Budapest. meldet; wurden in BaeS,- MadaraS in Ungarn 40 Soeialdernokraten in den Gemeinderat geivählt. Parteiorganisation. Die Parteigenossen deS 20. sächsischen ReichStags-WahlkreiseS sZschopan-Gelmnu) haben einen den ganzen Wahlkreis umfassenden Verein gebildet, der die Agitation im Kreise einheitlich zn gestalten nnd zn leiten hat. Ter'Verein hat einen ans zwölf Personen zusanmiengesetzten Vorstand, dessen Mitglieder .Ii'-- aus den hauptsächlichsten Parte-'okzirken deS KreiseS entnommen sind und m dessen Händen die Leitung der gesamten Parteiarbeit im t m* t- lgani atioiiöfocm bricht sich in Sachsen immer mehr Bahn. Parteiprcssc. Ter Vertag dex„Freien Presse* in Elberfeld geht mir dem 1.. �annar aus d-en Händen deS Genossen Harm Pressc�übcc.� ueugegrsuideten Handelsgesellschaft„Freie Poliieiltlch,p-s. Gcrichtlichcs uftv. 7.N.- r1,!u® l,'5" Sachsen. Zivei Parteigenossen in Frciberq lallen auf Grund richterlichen Strafbcfehls acht T a g e H a s t ver- iJ'Ji?"'- 10 Üe den �gm sächsischen Eentralkomitee herausgegebenen LlgiiauonZia lsnder guch an Nichtsocialdemolraten verteilt haben. Der »misrichtcr sieht� darin groben Unfug. ES ist eine extrem geniale h""' 6'e wachsen seit einiger Zeit befallen sind— die �zoee. vis Ausbreitung der Socialdeinokratie dadurch unmöglich machen fodfeu. dasz man die Agitation für die focialdemokiat'ijche als groben Unfug bestraft, sobald sie sich an Nichi ' ntaliemolraten wendet.— Aber die Extreme berühren siä�. .e''�_ 1 Gemevkslsznfklichvs. Berlin und Umgegend. Die Nabiizpuher und Plaitcuaufstellcr beschlossen in ihrer letzten Versammlung, über die Firma Schulg-Eharlotten- bürg und W a g e n k n c ch t die Sperre zu verhängen, weit dieselben ihren Putzern Lohnabzüge gcmachr haben. DeutsklicS llteich. Zu einer Woche Gefängnis wurde in Hamburg ein Kutscher verurteilt, der Zettel angeklebt hatte mit Mitteilungen über Lohudifferenzen. Er hatte zu dem Ankleben keine polizeiliche Er- laubiiis gehabt und hat dadurch gegen das alte Hambnrgische Prcßgesetz verstoßen. Und dafür sieben Tage Gejaiignrs Ter aufgelöste sächsische Berg- und Hiittcuarbeitcr-Verband hielt am 11. d. M. in Zwickau eine Schluhversammlung ab. um über das noch vorhandene Vermögen endgültig Bescblusz zu fassen. Genosse Horn erstattete den Bericht über die seiner Zeit gegen den Anflösiingsbeschlus; oer Behörde eingewendeten Rechtsmittel, über die jtlagen einer Anzahl Vcrbandsmitglicder gegen die Liqnidationskoinmissioii und deren Erfolglosigkeit. Ueber die Berwenduiig des nahezu 6000 M. betragenden Verbandsvermögens entspann'sich eine längere Debatte. Die Kommission beantragte, die Hälfte de» Vermögen» dein Deutschen Berg- und Hütlenarbeiter-Verbnnd in Dortmund, die andere Hälfte der nach Auflösung des Sächsische» Verbandes errichteten Sterbckasse Glück Ans zuzuiveisen. während au» der Mitte der Versammlung beantragt wurde, das gesamte Vermögen dieser Stcrbekasse'zuzuweisen, welcher seiner Zeit schau das grohe Vermögen der Sterbeknsse des Verbandes zugewiesen worden war. Dieser Antrag wurde au- genommen. Ausland. Mit der Aussperrnng in Zwickau i. B. hat sich am 13. d. M. auch das östreichijche Abgeordnetenhaus beschäftigt. Der socialistische Zlbgeordnete Dr. Leo Verkauf geißelte i» wirksamer Weise die Brutalitäten der Unternehmer, die Parteinahme der Behörden für die Fabrikanten. Landrat und Gendarmen haben in der offensichtlichste» Weise Stellung gegen die Streikenden genommen. Es wurden schließlich nachstehende Anträge angenommen:„Die Regierung wird aus- gefordert, ihre Organe dahin anzuweisen, daß sie mit allen ihnen zu Gebote stehenden Mitteln die Unteriverfung der streitenden Parteien unter den Schiedsspruch eines Schiedsrichters herbeizufniireii trachten." Ferner:„Die Negierung wird aufgefordert, im gefetz- geberischen Wege dahin zu wirken, daß Kindern unter 16 Jahren der Eintritt in die Fabriken nicht gestattet iverde." Im Streikgebiet selbst ist eine Aenderung noch nicht eingetreten, Die Streikenden erklären sich zu Verhandlungen bereit auf der Basis, daß vom 1. Januar ab der Zehiistniideiitag zur Einführung gelangt. Da die Unternehmer direkte Verhandlungen mit de» Arbeitern ab- lehnen, werden diese indirekt gepflogen durch Vermittelung deS LandratS und des Gewerbeinspektors. Der Versuch. die Fabriken durch Streikbrecher in Betrieb zu setzen, ist kläglich gescheitert. Der Bälkereiarbeiter-AuSstaird in Prag ist bisher für die Gehilfen durchaus günstig verlaufen. Von 1200 in den Streik ge- tretenen haben bereits 900 ihre Forderungen durchgesetzt. Viele Meister stellen Plakate in den Fenstern aus, auf denen sie dem Publikum mitteileil, daß sie sich mit«ihren Gehilfen geeimgr" haben, um so dem Boykott der Bevölkerung zu begegnen. Die Tarifverhandlnngen der östrcichischcn Buchdrucker find beendigt. Es wurde eine Einigung dahin erzielt, daß das Minimum in allen sechs Klaffen um 2 Kronen(1 Kr.= 85—80 Pf.) erhöht werde, in Wien also von 26 auf 28 Kronen. Der Tarif gilt für sechs Jahren? doch tritt nach drei Jahren in den ersten drei, den höchstbezahlten Lohnklassen eine Erhöhung um eine Krone «in. Auch für Berechnende und für Maschinenmeister, die eine zweite Maschine bedienen, sollen kleine Lohnerhöhungen eintreten.— Die Gehilfenvertreter erklärten sich von diesen Zugeständnissen* der Prinzipale nicht befriedigt? die Versammlungen der Gehilfen werden vielmehr erst über die Annahme deS Tarifs entscheiden. AnS der Schweiz. Gegen die N e n t r a l i s i e r u n g d e'r Gewerkschaften hat sich die Arbeiterschaft in Genf mit folgender Resolution erklärt: Die Versammlung erklärt, den gemachten Neutralitätsvorschlägcn nicht zusiimm'eii zu können, noch viel weniger dem Verlangen der katholische» Organisationen auf Aufnahme eines Passus in das GewerkschaftSbundeS-Statnt, der ihnen ein Beschwerderecht und die Erhaltung ihrer Mitglieder garantiert. Die Versammlung weist dieses Verlangen ebenso ernst als entschieden zurück._ Sociales. AttS der Pfalz. Unter den Kaplänen der Pfalz, deren Lage nichts weniger als glänzend ist, und die man rccbt wohl als an's- gedeutete Proleten bezeichnen darf, ist schon seit längerer Zeit eine Bewegung zur Bessemng ihrer Lebensstellung im Gange, die zu einer regelrechten Lohnbewegung auszuwachsen scheint, Ueber die Stimmung, die unter den jungen streitbaren Herren herrscht, giebt nachfolgende, in der in Neustadl a. d. H. erscheinenden freisinnigen„Bürger- Zeitung" publizierten Zuschrift, die dem Blatte aus Kaplankreisen zuging. Kunde: Es heißt dort: „Wie allgemein bekannt, liegen die Verhältnisse der pfälzischen Kapläne so sehr im Argen, daß einerseits der Gesamtklerus der Pfalz aus einem vollen Tritel von Kaplänen besteht und andererseits die Diözese Speyer gerade wegen der Konstellation der SeelsorgS- Verhältnisse geradezu als ein Unikum von sämtlichen bayrischen Diözesansprengeln angesehen werden darf. Zählt doch unsere Diözese Kapläne, die in der Vollkraft der dreißiger Jahre stehend. immer»och den unselbständigen und vom Pfarrer' ganz und gar abhängigen Posten eines„HilfS"- Geistlichen bekleiden. Wie wir nun von ganz zuverlässiger Seite vernehmen, beabsichtigen die pfälzischen Kapläne eine Petition an den Landtag zu senden behufs Verbesserung ihrer Lage,„welcher Kalamität wirkungsvoll begegnet werden kann nur durch rasche Kre- ierung von neuen Pfarreien und durch die dringende notwendige Er- höhung des Kaplansgehalts". Also auch finanzielle Subvention? Soll dadurch die brennende Kaplansfrage in der Pfalz endgültig gelöst sein?— Das reine finanzielle dieser Frage betrachten wir mit nüchternen Augen, da es uns zu sehr theoretischer Nawr zu sein scheint, tvährend«vir Kapläne doch dieser hochwichtigen Frage auch eine praktische, oder besser gesagt eine ideale Seite abgewinnen müssen I Jawohl, ganz recht: finanzielle Unterstützung, rasche Kreirung von neuen Pfarreien, Resignation der absolut untauglich, weil steinalten Pfriindebesitzer und last not Isast rechte und ge- rechte Kaplausbehandlung im Amt und Haus! Mangelt ein Theil dieser Bedingungen, dann ist nicht einmal von einer an- nähernden Lösung der'Kaplansfrage die Rede!" Also— Streik gefällig mit ein wenig Terrorismns? Bauarbeiterschutz. Die Wiener Dachdecker und Bauklenipner bemühen sich seil längerer Zeil vergeblich, die Behörden zum Erlaß von Vorschriften zu bewegen, durch welche Schutzvorrichtungen an Dächern obligatorisch gemacht werden. Sie verlangen namentlich Seilführung auf den Dächern. Schneesänger bei de» Lichthöfcn und niedrige Maucrbrüstungen bei den Dachrinnen. An den anli- fcinitischen Wiener Stadtrat haben sie sich scbon gewandt, doch ohne jeden Erfolg. Dieser Tage war nun eine Deputation der Gehilfen bei dem Statthalter von Niederöstreich, dem Grafen KielinannSegg. Dieser bezeichnete zwar die Wünsche der Arbeiter als durchaus be- rechligl, erklärte aber, die einzige kompetente Stelle für solche Vor- fchrisicn sei der Wiener Stadlrat. Da werden die Arbeiter lange warten können, ehe ihre gerechten Forderungen erfüllt werden. Bon den blödsinnigen Wiener Antisemiten haben sie gar nichts zu er- warte». Ueber die Holzschachlelmachcr im Böhmerwaldc bringt der Tachauec„Vorwärts" einige Angaben, die ein grausiges Elend dieser armen Bewohner eines an Naturschönheiten so reichen Landstriches enthüllen. Die Herstellung der Holzschachteln geschieht in der Form der Hausindustrie. Zwischen die Arbeiter und die Fabrikanten, die die Schachteln verwenden, haben sich blutsaugerische Zwischenhändler eingenistet, denen die Arbeiter auf Gnade und Ungnade aus- geliefert sind. In der Familie de» Arbeiter» muß alle», Iva» sich noch oder schon rühren kann, früh um 4 Uhr an die Arbeit; die alte Großmutter so gut wie das oft noch nicht schulpflichtige Kind. Wenn dann eine Familie von 4 bis 5 Köpfen von 4 Uhr früh bis 10 Uhr abends gearbeitet hat, dann kann sie 1000 Schachteln Nr. 6 fertig haben. Dafür zahlt der Agent 1,58 sl. Der Arbeiter muß aber da» Holz dazu liefern, das 1 st. kostet, er muß für 10 Kreuzer Leim dazu haben und überdies den Ausfuhrzoll von 38 Kreuzern bezahlen. sodaß für die Tagcsarbcit einer ganzen Familie 10 Kreuzer reeller Verdienst bleiben. Da sie damit unmöglich auch nur den ärgsten Hunger stillen kann, so gehen die Männer des Nachts, wenn die Arbeit beendet ist und die übrigen Familienglieder die armselige Lagerstatt zn einem kurzen, nicht erquickenden Schlafe in der verpesteten Hütte ausgesucht haben. beim Sturm und Wetter hinaus in den Wald, der zu vielen Ouadratmeilen den Magnaten des Kaiserstaates gehört, um— das Holz zu stehle». Gar oft bezahlen sie, von Gendarmen und Förstern angeschossen, mit Gesundheit oder Leben das bißchen Holz: Diebe und Krüppel an» blutiger Not, Opfer einer Gesellschaftsordnung, die de» Armen nicht helfen kann und auch nicht helfen will. Unter den noch nicht ganz hcruntergekommciicn Elementen dieser Bevölkerung machen sich jetzt Organisationsbestrebnngen geltend, die von der Socialdemokratie gefördert werden und vor allem dem Widerslande gegen die Zwischenansbenter und der Befreiung von ihnen gellen. Es ist ihnen bestes Gedeihen zu wünschen. Lcntcnot bedrückt auch die russischen Kohlenbarone. Wir haben früher schon über die schändlichen Zustände berichtet, denen die süd- rnjftschen Bergarbeiter unterworfen sind. Ihre Löhne sind seit 1883 kam» um 10 Proz. gestiegen, während die Kohlen- preise sind dieser Zeit, ivie russische Blätter berichten, um 80 Proz. bis 100 Proz. gestiegen find. Tie Kohlemndnstrie dehnt sich innner mehr aus, aber zu den Jammerlöhnen und der argen Schinderei sind nicht genng Leute zu bekommen, Eine Konferenz der beteiligten Unternehmer, die kürzlich in Charkow tagte, hat nun von der Regierung gefordert, ihnen Strafgefangene als Bergarbeiter zur Verfügung zu stellen und die Regierung hat diesem Verlangen nachgegeben. Nun brauchen sich die Millionäre doch nichls von ihrem Prosit abzubrechen. Der Krieg. Ein Ermntigungsvcrsuch. Der Herzog von Tcvonshire hielt im D o r k am DoimerSiag eine Rede, in welcher er sagte, wenn man auch bisher keinen großen Erfolg der britischen Waffen konstaticren könne, so bc- glückwünsche er doch das Land zu der während dieser Zeit über- großer Aufregungen bewiesenen Ruhe und zu. der be- l u ii d e t e n Entschlossenheit, den Kampf bis zur Er- reichnng eines befriedigenden Abschlusses fortzuführen. Trotz der Verschiedenheit der politischen Ansichten sprächen die Staatsmänner dieselbe Sprache, indem sie das Land beschwören. die Regierung zu unterstützen. Die Regierung wisse Wohl, daß man. wenn der Krieg über die Grenzen der Geduld des Landes hinaus verlängert werde, die KriegSfübrimg und in jedem Falle die Geschäftsführung, die zum Kriege geführt hätte. kritisieren iverde? aber er lRedner) hoffe, daß diese Kritik sich auf daS Vorgehen der Regierung beschränken und sich nicht an f die Handlungen der Generale und der anderen Offiziere erstrecken' werde. Nichts fei notwendiger für den Geist eines HeercS, als Vertrauen zu seinen Führern. Redner sprach dann den tapferen Männern, ivelche die Truppen unter schwierigen und gefährlichen Umständen führten, seine Aiierkemniiig aus. Redner sprach weiter lobend von der loyalen Jniiehaltung der Ncntralität seitens aller Staaten und erklärte die Angriffe der aus- ländischen Blätter als gleichgültig. Am Schluß seiner' Rede sagte der Herzog von Devonshire. je länger und heißer der Kampf, desto fester sei auch der Entschlnß Englands, niemals die afrikanischen Kolonien das wieder erleiden zu lassen, was sie jetzt erlitten. Truhpeuzahl und Verluste der Bocren. Hierüber herrscht völlige Unklarheit. Von Boercn-Scitc wird keinerlei Auskunft über die Stärke ihrer Truppen in den einzelnen Gefechten gegeben. Die englischen amtlicheii Meldungcil sowie die Nachrichten' der Kricgs-Berichterstatter widersprechen sich außer- ordentlich. Der Rriegs-Berichterstatter de»„Standard" sagt in einer Schilderung der letzten Schlacht von Magersfontein, einer der Bocrenfübrer habe einem englischen Kaplan, der Verwundete pflegte, erzählt, bereits bald nach Beginn des Kampfe» habe seine Abteilung von 500 Mann 36 Tote und eine Skandinavier- Abteilnng von 40 Mann, die in der ersten Reihe staiiden. 7 Tote und 20' Verwundete gehabt; hieraus könne man schließen, daß auch die Vertu st c der Boeren sehr schwere ge- wcsen sind. Ganz anders lauten die Ziffern in einem Berichte deS Berichterstatters der„Central RewS", der vom 12. d. M. folgende auch sonst intereffante Schilderung giebt: „Da wir gehört hattcu. daß viele unserer Verwundeten aus dem unglücklichen Gefecht von Storniberg»och draußen aus dem „Veldt" lagen, ohne Möglichkeit einer baldigen Hilfeleistuiig durch das Ambulanzkorps der Boeren, so begaben sich gestern morgen zwei Kapläne und der Korrespondent der„Central NewS" mit Erlaubnis unseres Generals auf das Schlachtfeld. Unsere kleine Karawane trug eine große Flagge, welche das Genfer Rote Kreuz zeigte, das, wie wir vertrauten, der Feind respektieren würde Dieses Vertrauen wurde durch die folgenden Ereignisse durchaus gerechtfertigt. Wir stießen bald auf eine Boercnpatrouille und setzten unsere Absichten auseiliander. Nachdem die Boeren einem höheren Offizier- Bericht erstattet hatten, erlaubte man uns, an unser Werk zu gehen. Wir sammelten ans der weiten Fläche alle Toten auf, die wir mit allen Ehren begruben. Die Kapläne hielten eine Begräbnisfeier ab. Darauf suchten wir alle Verwundeten auf, die wir finden konnten, und thaten, was möglich war, um ihre Leiden und Mühsale zn er- leichtern. So waren wir den ganzen Tag über beschäftigt. Abends wurden wir verhaftet und die ganze Nacht hindurch, ohne Nahrimg zu er- halten, eingeschlossen. Gleichzeitig telegraphierte der Boeren- kommandant nach Bloemfoutein, um zu erfahren,»vaS er mit uns anfangen sollte. Heute morgen lief ein Telegramm vom Präsidenten S t e y n selbst ein, in welchem er unsere unverzügliche Freilasinng verordnete. Nachdem wir unsere Freiheit ivieder erlangt hatten. kehrten wir in das Lager der Unscrigen zurück und erstatteten dem General unseren Bericht. Wir waren im stände, ihm eine genaue Mitteilung über unsere Perluste zu machen. Dieselben betrugen 25 Tote und 68 Verwundete, 607 Offiziere und Mannschaften waren ge- sangen. Die V e r l u sl c der Beeren betrugen nur 5 Tote und 14 Verwundete. Alle Verwundeten befinden sich auf dem Wege der Heilung. S'-e haben allerdings eine miserable Ver- pstegung. aber e» ist das beste, was der Feind ihnen geben kann, In der Thai, die Boeren sind außerordentlich freiiiidlich gewesen und man darf ihnen vertrauen, daß sie ihr Möglichste» thun werden um die unvermeidlichen Leiden unserer verwundeten Soldaten zr verringern. Vor Kimberley. Dem„Reuterschen Bureau" tvird aus Modder River von, l3. Dezember gemeldet: Die Rückkehr der Truppen des Generals Methuen hierher erfolgte, weil sie in der Stellung, die sie an Dieiislag einnahmen. an Wassermangel litten. Gefangene ver- wundete Boeren erzählen, daß die Leeren über 700 Mann verlöre? haben. Ei» Gefecht des General French. Eine Depeiche des Generals French vom Mittwoch bc> sagt: Am frühen Morgen wurden drei Abteilungen deS Feindes in Stärke von 1300 Mann bemerkt, welche ihrS Stellungen verließen und auf R o a u w p o r t vorznrückei schienen. Die Engländer schoben starke Kaoallcrie-Abteilunger mit Artillerie vor. Tie beiden Geschütze der Boeren wurder rasch zum Schweigen gebracht, die Kavallerie warf die Bocren zurück. welche sich zum größten Teil in ihre früheren Stellungen zurück- begaben. Am Nachmittag besetzten die Boeren Kcdlefontein. Als indessen zwei britische Geschütze sie unter Feuer nahmen, zogen sie sich mit einem Verlnst von 40 Toten und Verwimdelcn zurück. Die Verluste der Engländer betrugen einen Toten und neun Verwundete darunter einen Lsnzicr. Auösall aus Ladysmith. Die Londoner Blätter veröffentlichen eine Depesche aus Weene» vom Dienstagnachinikiag. welche besagt, die Garnison von Ladysmith habe einen neue» glänzenden Ausfall gemacht und eine über den Modderipruit führende Brücke zerstört, was die Bocren in große Verlegenheit versetzen werde. AfnkandewErhebnng befürchtet. „Daily News" melden au» Kapstadt vom 12. d. MtS.; Die letzten englischen Mißerfolge sind von der niederdriiltendsten Wirkung� Die Loyalen, deren Zahl keineswegs zu- nimmt, sind von düsteren Ahnung«» erfüll«. Die Mifi- stimmung der holländische:» Bevölkernng nimmt rasch zu uuS ein großer Teil desselben würde leicht zu überreden sein, sich den Boeren anznschlicstcn. Vom östlichen Teil der Grenze kommen beunruhigende Nachrichten. DonnerStagnacht überschrill eine starke Abteilung Holländer die Pässe der Amatola- Berge. Im Bezirk Victoria East finden geheime Versammlungen statt. Die England ergebenen Farmer in den Bezirken Sullerheim und Reirod(?) sind von den Behörden bewaffnet worden. Wertlose Hilfe. Sydney, 13. Dezember. Mit Rücksicht auf das in der letzten Zeit der englischen Armee in Südafrika wiedersahreue Unglück hat der Premierminister von Neü-Süd-Wales lelegraphisch bei Chambcrlain angefragt, ob mehr Truppen au» der Kolonie sür Transvaal ge- braucht würden. Da» klingt ja fast wie Ironie!— Lctitc Meldungen. London» 13. Dezember. Ainllich wird bekannt gegeben. Oberst Äekewich berichtet am 10. d. MlS., unter de» Eingeborenen des Bcchuanalandcs gehe das Gerücht, Kuruman sei von Aufständischen angegriffen. der Angriff jedoch von den loyalen Bechuanen zurückgewiesen worden._ Tchke Nschcichken und VcpesTzcn. Französische Deputiertenkammer. PariS, 13. Dezember.(W. T. B.) Der Deputiertenkammer ging heute ein von Lockroy eingebrachter Gcietzcsantrag zu. welcher verlangt, daß dem Marincministcr 300 Millionen Franks zur Verfügung gestellt werden, von denen die Hälslo für die Flotte und Flottille, die andere Hälfte für die Marinezivecke im Mutterlande und den Flottenstützpunkten vcrivendcl werden sollen. In der Begründung ivird ausgeführt, die Gefahr sei groß und erfordere enagische Anstrengung._ Keiner der Stützpinitle Frankreich» sei genügend ausgerüstet? seinen Arsenalen fehle da» »oiwendigo Wert- und Rüstzeug. Seine Flotte sei nicht mächtig genug._ Italienische Deputiertenkammer. Rom, 13. Dezember.(W. T.B.) De Martio begründet einen Antrag, eine Untersilchung anzustellen über die socialen, poli- tischen und administrativen Berhältiiisse in Neapel und Palermo in ihren Beziehiliigeii zur Mafia und Camorra und bittet, den Antrag in Erwägung zu ziehen. Der Unterstaatssekretür im Ministerium des Innern B e'r t o l i n i erklärt, die Regierniig sei entschlossen, infolge der bedenklichenThatsache, die indem ProzeffeRotarbartolo zu Tage getreten seien, gegen alle hohen und niederen, in dieser Angelegenhekt ver- wickelten Persönlichkeiten vorzugehen? mau, misse indessen gegen- wärtig dem Werke der Gerechtigkeit freien Gang lassen. Redner bittet de Martina. seinen Antrag zurückzuziehen.(Lebhafter Beifall.) Wenn de Martina jedoch darauf bestehe, so würde sich die Regierung dem nicht ividersetzen. daß der Antrog in Erwägung gezogen ivürde, würde jedoch weitesten Vorbehalt mache».'De' Martina hält seinen Antrag aufrecht.(Lärm.) AlSdann wird mit 99 gegen 74 Stimmen beschlossen, den Antrag in Er- wägung zn ziehen.(Erlieiiter Lärm.) Hierauf wird das Budget des Auswärtigen mit 167 gegen 73 Stimmen angenommen und die Sitzung geschlossen._ Köln, 15. Dezember.(W. T. B.) Die Rhemschifffahrt von Holland aufwärts ist eingestellt. Die Schutzhäfen am Rhein sind teilweise überfüllt. München, 13. Dezember.(W.£., B.) Den ganzen heutigen Tag dauerte Schneefall an. Der Trambahnverkehr mußte abends zum größeren Teil eingestellt werden. Die Mehrzahl der an- kommenden Züge erlitt erhebliche Verspätungen. Köflach iSteiermarst, 13. Dezember.(W.T.B.) Infolge starken Schneefalles stürzte das Dach einer Glasfabrik ein; 5 Personen wurden getötet, 20 verletzt. Rom, 15. Dezember.(W. T. B.) Die soeben veröffentlichte, im gestrigen Konsistorium gehaltene päpstliche Alloktio» teilt im Eingang die Ernennung jener Kardinäle mit, welche bemiftragi sind, anläßlich de» Beginnes des heiligen Jahres die heiliget Pforte» der römischen Basilik zu öffnen, und fährt dam fort: Der Papst hätte gewünscht, daß die röiiiische Kirch die früheren Freiheiten genieße, um selbst öffentlich nack dem ehemaligen lirchlichen Gebrauche diese Eeremonien zi. feiern. Die Allokuiion erinnert sodann an den Zwischenfall in de» Haager Konferenz, den alle nicht voreiiigeno»»ne>ieil Beurteiler ver. urteilten. Der Kaiser von Rußland habe die Vertreter der mächtigste» Fürsten nach dem Haag geladen, um die möglichste Sicherheit del Friedens zwischen den Nationen herzustellen? niemand war» einer solchen Einladimg würdiger gewesen als der Papst, weil das Snchcii nach Gerechtigkeit, da» Raten znin Frieden und das Ver. hindern von Konflikten nach dem göttlichen Willen zu de» Funktionen des Papsttums gehöre. Der Heilige Stuhl hätte ge» wünscht, auf dieser Konfcrcuz einen Platz zu erhalten. Er bedauers daß eine einzige sich hartnäckig diesem Wunsche widersetzende Stimm den Sieg davon getragen habe.„Das war die Stimme derjenige» Macht, die mit der Eroberung Roms die Macht deZ Papsttumt brach." Verantwortlicher Rcdactcur: Paul John in Berlin. Für den Inseratenteil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin, Druck und Verlag von Max Padiug i» Berlin. Hierzu S Vrilagen» Nr. 294. 16. IchWg. j Die Forterhebttttg der zweiten Gemeindestenerstttfe. Tir teilte» bereits vor den diesjährigen Stadtverordneten- Wahlen mit, das; der Berliner Magistrat ans einstimmigen Beschluß der Steuer dcputation bei der Stadt- verordneten- Versammlung beantragte, die Erhebung der .zweiten" Gemeindc-Einkommcnsteucrslufe— die erste wird bereits seit längerer Zeit nicht erhoben— vom I.April 1800 ab einzustellen und damit die Einkommen von mehr als 660 bis rinschlieblich 000 M. steuerfrei zu lassen. Tie Stadtverordneten-Versammlung überwies diesen Antrag, tvie üblich, einem Ausschuß, und dieser kam in einer Sitzung am b. Dezember— also nach Beendigung der Stndtberordnctciiwahlcu— zu dem Beschlüsse, der Versammlung die Ablehnung des Magistrats- ontroges zu cinpschlcn. Statt dessen schlägt der Ausschuß vielmehr eine Resolution vor. welche„die Beobachtung einer milderen Praxis bei Einziehung und Beitreibung der Steuerbcträge. Erlaß der Steuer in geeignete» Fällen usw." fordert. Soweit sind die Leser des..Vorwärts" ja auch bereits über den Lauf der Verhandlungen unterrichtet. Wenn tvir trotzdem»och ein- mal ausführlich auf diese Angelegenheit zurückkommen, so geschieht es. weil der nunmehr erschienene Ausschußbcricht wieder einmal die socialpolitische Weisheit der..liberalen" Sladtvcrordnelcnmchrheit in hellstem Lichte erstrahlen läßt Wir glauben daher durch einen kurzen Auszug aus dem Berichte zur Aufklärung derer beitragen zu können, welche den„Liberalismus" dieser Herren immer»och nicht nach seinem ganzen Werte zu würdigen wissen. Bedauerlich ist es dabei nur. daß auch dieser Bericht— ivic der über den Submissionsausichuß— erst nach Beendigung der Stodvcrorduetenwahlen erschienen ist. Der Mogistrat teilte dem Ausschuß mit. daß der Steuererlaß zunächst deshalb angeregt ivordcn sei. Ivcil ohne ihn eine sehr er- hedliche Vermchriing des Bureau- und StcuercrhcbungS-PcrsonalS und infolge dessen auch eine Erweiterung der vorhandenen Bureauräumlichkeiten notwendig werden würde. Mit der Freigabe der Einkommen zwischen 660 und 900 M. folge die städtische Ber- waltung außerdem nur dem Beispiele des Staates und einer Reihe von Städten, von denen wir hier Char- l o t i c n b u r g erwähnen möchte». Auch erweise« die zahl- reichen erfolglosen P s ä n d n» g c n, welche die Erhebung dieser Stcuersrufe»otwcndig macht, daß das erwähnte Einkommen „ein aus s o c i o I v o l i t i s ch e» Gründen freizuhalten- des E x i st c ii z n> i» i,» u m" sd. h. d a s z u in notdürftigsten L e b c n S u u t c r h o I t unbedingt erforderliche Mindest- ei n s o m ,n e n) darstellt.„In allen Kulturswaten werde das Existeiiziiiiniinuin von der Steuer freigelassen, in Ocstreich z. B. seien nach der neuesten Gesetzgebung die Einkommen bis zu 600 Gulden (etwa 1000 M.) von jeder Steuer befreit." Demgegenüber wurde von der liberalen Mehrheit ausgeführt. ,.daß es finanziell nicht zu rechtsertigeir sei. eine Steuerstufe außer Hebung zu setze», die trotz der hohen EinziehuiigSkosten i m m c r noch ei u cn Ueberfchuß von 290000 M. einbringe".„Auch sei kein Grund abzusehen, weshalb KominiS. Hausdiener und andere un- verheiratete Personen, die sehr wohl vierteljährlich 1 M. Steuer zahlen könnten, und v o n denen zum Teil weit höhere Beiträge zu den Streikkassen geleistet würden, von dieser Steuer befreit werden. sollten. Der Vergleich init dem Staat treffe nicht zu, weil die allgeincinc Wehrpflicht bestehe und der Staat indirekte Abgaben erhebe. Bei der Stadt nähinen dagegen die frei- zustellenden Personen zwar an allen städtischen Einrichtungen teil. trügen aber zu d e u Sl o st c ir» i ch t d a S g e r i i: g s: e b e i. Demgegenüber sei zunächst darauf hingewiesen, daß die letztenvähnte Behauptung. gelinde nuSgedrückt. den Thatsachcn nicht entspricht. Auch die Stadt erhebt„indirekte Abgaben", genau wie der Staat. Ilnd nach Erlaß der eigentlichen „Gemeindesteuer" würde der Mann mit Einkommen unter 900 M. genau so, wie bisher bei Benutzung der Straßenbahn zu der Ab- gäbe, welche die Straßenbahn- und ElektricitätS-Gcscllschaft an die Stadt zahlt, bei Gebrauch von Wasser zu den llebcrschüffen der Wasserwerke, bei der Mictezahluug zur Grundsteuer— die ja nur formell der Hausbesitzer trägt— beitragen usw.. und zwar werden die Bürger zu diesen Abgaben nicht etwa»ach ihrem Einkommen, sondern im wesentlichen nach ihrer Kopfzahl herangezogen. Weiter Ivurde irn Ausschuß von anderen Mitgliedern der„libc- raten" Mehrheit darauf hingewiesen, daß seiner Zeit schon bei einer frühereu Beratung in der Stadtverordneten-Versammlung mit Reibt der Grundsatz aufgestellt worden sei:„wer nicht m> t t h a t e l, soll auch nicht m i t r a t« n."„ES entspreche nicht der Gerechtig- keit und trage Beunruhigung in w c i t c K r e i s e der Bürgerschaft, daß die Mcrmartstufc erlassen, den zu dieser Stufe Veranlagten aber gleichwohl das Gemeinde-Wahlrecht erhalten bleiben solle. Bei der letzten Stadtverordncten-Wahl seien 320 000 Wähler der dritten Abteilung vorhanden gewesen, rechne man davon die 180 000 zur Viermarkstufe Veranlagten ab, so verblieben 140000 Wähler, die Steuerzahler seien, und die von den ersieu vollständig majorisiert würden, wenn denselben das Wahlrecht er- halten bleibe." Der Grundsatz t„wer nicht mitihatet, soll auch nicht mit raten!" wird auf Verständnis gerade bei der social- demokratischen Fraktion stoße». Rur bleibt iiiiverständlich, wie man in diesem Zusammenhange darauf hinweisen koimte. Denn im Aus- fchusse wurde ja doch gerade von liberaler Seite angeführt. daß ,.d i e Leute"— d. h. die Personen mit einem Einkommen von 660— 900 Mark—„bei Tage meist nicht zu Hause, sondern auf Arbeit seien." Danach „thaten" doch diese Leute ganz erheblich„mit", und der an- gezogene Spruch kann auf s i e keine Anwendung finden. Wenn eS den Herren Cassel und Gcnoffcn wirklich ernst ist mit der Forderung:„Wer nicht mitthatct. soll auch nicht mitratcn", dann mögen sie den Antrag stellen:„den Rentiers und den RichtS-als-Hausbesitzerir das kommunale Wahl- rocht zu entziehen." Denn zu dem Antrage muß man kommen, wenn man auf einem solchen Standpunkt stellt, nicht aber dazu, der erwa'bsthätigen Bevölkerung, welche trotz redlicher Arbeit nicht mehr als 900 M. im Jahre verdient, noch ihre spärlichen Rechte zu rauben. Auch die zarte Rücksicht auf die„Beunruhigung weiter Kreise der Bürgerschaft" scheint recht wenig am Platze.' Wer während der letztvcrgangenen Wachen Gelegenheit hatte, sich in den Kreisen der„Bürgerschaft" umzusehen.' der wird von einer solchen„Beunruhigung" nichts bemerkt haben. Und doch gehörte die„Steuerfreiheit der Einkommen bis zu 900 M." zu den Dingeu. die fast in jeder Versammlung und in de» meisten Wohlflngblättern Er- wähnung fanden. Gerade die„freisinnigen" Kandidaten, welche in den proletarischen Außen vierteln sich mn einen Sitz in der HI. Wählcrabtcilung beivarbcn, hoben fast regelmäßig in ihren Reden und Flugblättern hervor, daß sie für die Aufhebung der zweiten Gcmcindcstcucrstilfe eintreten. Die Wählerschaft aber zeigte keinerlei„Beunruhigung", sie äußerte keinerlei Furcht davor, daß die 140 000 Steuerzahler der Abteilung von den 180000 Nicht- Steuerzahlern„majorisiert" werde» könnte». Wohl aber herrschte allgemein eine mächtige Entrüstung darüber, daß 691 Wähler erster Klasse vermöge ihres Geldsacks ebensoviel zu sagen hätten, wie die 320 000 Wähler der dritten Klasse, und daß erste und zweite Klasse zu- fammen stets die dritte Klasse trotz deren kolos- faler Ucb erzähl„majorisicren" werden. Das trug in der That„Beunruhigung in weite Kreise der Bürgerschaft." .Amilkls" Eine dritte Gruppe innerhalb der„liberalen" Mehrheit regte sich endlich darüber lebhaft auf. daß man„eine große Anzahl von P e r s o n cn, die wohl(l) im sr a n d e seien, den geringen Steuersatz zu entrichten,»mr deshalb von der Steuer frei lassen ivolle, tveil die Einziehung gewisse Schwierigkeiten und Unbequemlichkeiten für die V c r w a l t» n g verursach e." Also die„social- politischen Gründe" des Magistrats existieren für diese Herren nicht! Die 80000 fruchtlosen Pfändungen, die— der Zahl nach im Kommissionsbericht nicht angegebenen, aber jedenfalls auch nicht zu spärlichen— erfolgreichen Ex'ekli t ionen, welche all- jährlich bei den 80000 Steuerzahlern dieser Stufe vorgenomiiicu werden und eine ungeheuere Summe von Not und Elend darstellen, s i e sind in den Äugen dieser„liberalen" Herren„nur"„gewisse Schwierigkeiten n u d U n b c q u e m l i ch l e i t c u für die Verwaltung!" Daß bei dieser Sinnesart der Mehrheit die Gründe der Minder- heit, zu der selbstverständlich auch unsere Vertreter gehörten,»ngehört verhallen mußten, liegt auf der Hand. Dem Verständnis der Mehrheit am nächsten kam vielleicht noch der Einwand, daß die Erhebnngs- losten der Steuer mehr als 100 Proz. des Reinertrages ansmachc». Das wird sicher auch jenen Herren bedauerlich erscheinen, sie trösten sich aber eben damit, daß die Stenerstufe„immer noch einen Uebcr- schuß von 29 000 M. einbringe". Bei 180 000 Steuerzahlern kommen also auf 4 M. veranlagte Steuer nur etwa 1,60 M. Einnahme für den Stadisäckcl heraus! Völlig unverständlich aber wird der Mehr- heit sicher die Auffassung geblieben sein, daß„nicht kommunal- fiskalische, sondern rein nicnschlichc Gesichtspunkte bei der Beurteilung de» Antrages maßgebend sein müßten". Bezog sich etwa hierauf die Erwiderung, daß„man sich bei der Beurteilung des Antrages nicht von parteipolitischen, sondern kommunalen Gesichtspunkten leiten lassen müsic? Gelten der Mehrheit„menschliche Gesichts- punkte" vielleicht für gleichbedeutend mit„parteipolitischen"? Schließlich wurde' der Magistratsantrag mit 8 gegen 5 Stimmen abgelehnt, die Weitcrerhcbniig der Steuer auch von Elnkommen unter 900 M also beschlossen. Daß die Stadtverordneten-Versammlniig diesem Vorschlage ihres Ausschusses zustimmen wird, halten wir für sicher. Jedenfalls aber wird es gut sein, wenn durch namentliche A b st i i» m» n g die Volksfrcunde kenntlich werden, welche der ärmsten und bedrücktesten Schicht der Bevölkerung diese kleine Er- leichtenmg ihrer Last verweigern. Dabei wird dann gleichzeitig wieder die ganze Erbärmlichkeit des bestehenden Dreiklasienwahl- Systems zu Tage treten; denn die Minderheit wird ans der großen Mehrheit derer bestehen, welche wirklich„das Boll", die dritte Wähler- klaffe vertreten, während die Mehrheit vorwiegend aus jenen Herren sich zujan'.mcnjctzcn wird, die Stadtverordneten von Mammons- gnaden,„Erwählte" nicht des Bolls, sondern einiger 10—40 Geld- säckc sind._ Sociale Vechkspflegr. Warnung vor Uebcrarbeit. Der Hausdiener F. war von dem Kaufmann Eeligniann, dem Inhaber eines größeren Geschäftes. plötzlich entlassen worden, weil er abends' nach 7 Uhr nicht mehr im Geschäft thätig fein wollte. Es handelte sich besonders »m das Ausfegen der Räume. F. klagte dann gegen Seligmann beim Berliner G e w c r b c g e r i ck> t und beanspruchte eine Eni- schädigung wegen unberechtigter Entlassung. Er machte geltend, daß seine Arbeitszeit um 7 Uhr beendet gewesen sei. Der Beklagte habe ihm erst wenige Wochen vor seiner Entlasiung gesagt, daß er von der Post auch noch nach 7 Uhr ins Geschäft zurückzukehren und cvcnt. auszufegen habe. Dagegen hätte er sofort protestiert. Im Laufe der Verhandlung gab indessen der Kläger zu. außer in der letzten Zeit öfter, an etwa 14 Tagen, thatsächlich nach 7 Uhr ans- gefegt zu haben. Die Kammer II unter dem Vorsitz des Herrn v. Schulz wies darauf seine Forderung mit folgender Begründung ab: Der Kläger habe stillschweigend eine längere Zeit derart länger gearbeitet, wie der Arbeitgeber eS ihm vorgeschriebe» habe. Darin sei ein E i n v e r st an dnis mit dem, was der Beklagte verlangt habe. zu sehen. Hiernach sei ober der Kläger verpflichtet gewesen. solange täglich im Geschalt zu bleiben, wie für ihn' Beschäftigung war. Seine schlicßlichc Weigerung, dies zu thun. stelle deshalb einen Kontraktbruch dar, der den Beklagten zu seiner sofortigen Entlassung berechtigte. Sonderbare Verträge schließt der Militäreffekten-Fabrikant R c b c n t i s ch mit seinen Arbeitsbnrschen ab. Gegen die Lohn- cntschädigungsklage des sechzehnjährigen Arbeitsburschcn S. machte er vor der Kammer II des G e w e rb cg e ri ch t s geltend, daß er den jungei» Mann laut Arbeitsvertrog sofort entlassen könne, während S. acht Tage vorher kündigen müsse. Gc- lvcrberichtcr von Schulz machte ihn darauf aufmerksam, daß eine solche Arbeitsbedingung gesetzwidrig sei. da nach K 122 der Rcichs-Gcwerbe-Ordnung die Vedingungen der Aufkündigung beim gewerblichen Arbeitsverhältnis für beide Parteien gleich sein müßten. Weiter verlas der Vorsitzende eine Bcstiiiiinung des Arbeitsvertrages, wonach es den Entlassenen„verboten" sein soll, bei Konkurrenten oder Abnehmern anzufangen. Eine solche Vorschrift berühre einen ganz sonderbar und wäre unzulässig. In der Sache selbst kam ein Vergleich zu stände._ Gevichks-Bcituttö» Polizeikampf gegen focialdemokratische Flugblatt- Ber- breitung. Der Partcigcnoffe H e i m a n n hatte nebst anderen Partei- aenosscit vor der letzten RcichStagswahl an einem Sonntag in den Dörfern bei Hameln Wahlflngblälter und Stimmzettel verteilt. Sie gingen von Haus zu Haüs und gaben an die Bewohner die Drucksachen ab. Die Verbreiter wurden daraufhin wegen Vergehens gegen die haimovcrischc Sabbat-Ordnung von 1822 angeklagt. Die Angeklagten sollten eine öffentlich bemerk- bare Arbeit' verrichtet und damit etwas gcthan haben. was einer würdigen Sonntagsfcicr zuwider sei. Das Landgericht, das sich zweimal mit der Angelegenheit zu befassen hatte, stellte fest, daß die Angellagten. bis auf ciiicil, die Drucksachen auf der Dorfftraße nicht offen, sondern unter den Röcken versteckt getragen haben. Welcher Angeklagte jener eine, der die Blätter öffentlich sichtbar tnig, gewesen war. vermachte der als Zeuge auf- tretende Gendantt nicht zu sagen. Im übrigen stand fest, daß die Blätter und Zettel nur innerhalb des Hauses verteilt worden waren.— Das Landgericht sprach die sämtlichen Angeklagten frei. Die Staatsanwaltschaft legte hiergegen Revision ein und machte geltend. die hannoversche Sabbatordmnig wäre zu Unrecht nicht angewendet worden. Der Strafsenat des K a m m e r g e r i ch t ö verwarf jedoch die Revision mit fol- gcndcr Begründnng: Wcim die Leute die Flugblätter n n r innerhalb der Häuser verteilt und sie auf der Straße unter den Röcken versteckt getragen hätten, dann liege weder eine öffentlich bemerkbare Arbeit, noch fönst ein Vergehen gegen die Sabbatordmnig von 1822 vor. Der eine Angeklagte, der die Blätter öffentlich sichtbar auf der Straße herumgetragen, habe allerdings eine öffentlich bemerk- bare Arbeit verrichtet und sich dadurch strafbar gemacht. Da aber seine Persönlichkeit nicht festzustellen sei, müsie er natürlich straffrei bleibe». Das Vereiusgesctz gegen Weihnachtsbeschernnge». Einer der vielen nordschleswigzchcn Vereine hatte für den 27. Dezember 1898 in Durstrup eine Weihnachtsbescherung veranstaltet. Die Vor- standsmitglieder Finnenmnn und Hansen wurden darauf des Vcr- gebcns gegen den§ 1 des Vereinsgesetzes beschuldigt, weil sie die Zusammcnlunft nicht vorher der Poltzei angemeldet hatten. Die Angeklagten wandten vergeblich ein. daß„öffentliche Aiigelegenheiten" I, SmnmtKiiit, 16. ZkWder 1899. im Sinne des§ 1 des VereinsgesetzeS bei Weihnachtsbcschcrnngen nicht erörtert zu werden pflegten. Das Schöffengericht und das Land- geeicht in Flensburg verurteilte» sie zu Geldstrafen; es handle sich um einen Verein, dessen Hauptzweck es sei, dänische Agitation zu treiben. In dem Verein hielten häufig bekannte dänische Agitatoren Vorträge, durch die bezweckt werde, das Däncntum im Gegensatz zu dem Deutschtum zu stärken. Der Verein wolle also ans öffentliche Altgelegenheiten einwirken. Ein solcher Verein müsse aber alle seine Versammlungen polizeilich anmelden, auch bei einer Weihiiachtsbcschernng dürfe er keine Ausnahiiie machen.— Das K a in m e r g e r i ch t als Revisionsiiistaiiz hob indessen die Borentscheidnng auf und verwies die Sache an das Landgericht zurück. Allerdings habe der Vorder- richtcr ohne Rcchtsirrtnm aiigciionnnen, daß es sich um einen eminent politischen Verein handele. Er irre aber insosern, als entgegen seiner Anffassung thatsächlich nicht jede Versammlung eines p o l i t i s ch c n V e r e i ii s der Polizei angemeldet werden brauche Nur solche Versammlungen politischer Vereine seien anzu- melden, die von vornherein zur Erörlcriing öffentlicher Angelegenheiten bcstiniml icien. Ob das bei der WeihnachtS- bcscbcrung vom 27. Dezember 1898 der Fall gewesen, müsse das Landgericht nachprüfen. Zum Elberfcldcr Militärbrsreiungs-Prozest. In dem bekannten Elberselder MililärbcfrciungS-Prozeß ist bis jetzt bekannt geworden, daß junge Leute sich dadurch dienstuntauglich gemacht haben, daß sie durch den Genuß von Pillen eine erweiterte Herz- thätig keit herbeiführten. Die weitaus größte Anzahl der Beteiligten hat indessen ein anderes Mittel zur Erzielnng der Dienstuntanglichkeit angewandt: sie hat durch Genuß von Pitrinsäurc Gelbsucht herbeigeführt und ist aus Grund dessen vom Militärdienst befreit worden. Verwunderung hat es vielfach erregt, daß die Gerichts- bchörde so viele, manchmal schon Jahre zurückliegende Fälle ermittelt hat. Die Eruiermig der Beteiligten war indes keineswegs mit so großen Schwierigkeiten verknüpft, lvie ohne Kenntnis der Dinge angenommen wird. Nachdem die lkntersuchungsbehörde erst Wind davon bekommen harte, ans welche Weise die Militärbefreiultg vor sich gegangen, war es ihr sogar ein leichtes, den Schuldigen auf die Spur zu kommen. Die Militärbehörde stellte nämlich fest, wer auf Grund von Gelbsucht vom Militärdienst befreit Ivordcn war. Der Untersuchungsrichter nahm die Betreffenden darauf in ein ein- gehendes Verhör u»b erzielte dadurch, niiterstntzt durch die Ergebnisse von Haussuchungcit. die lleberfiihruiig einer großen Anzahl von Personen. Die genaue Zahl derjenigen, die sich demnächst vor dem Strafrichter zu verantworten habe» werden, ist noch nicht bekannt. Außer den Personen, die sich durch Anwendung der erwähnten Mittel von der Dienstpflicht befreit haben, erstreckt sich das Verfahren noch auf zwei Aerzte aus Köln. Dr. Z. und Dr. B., die die Mittel verschrieben haben sollen, einen Kölner D r o g u ist e n. der die Mittel angefertigt haben soll und zwei Agenten, die die Mittel vcr- trieben hcibcii. Da die Agenten ihr Geheimnis nur für schweres Geld preisgaven— es sollen Fälle vorgekommen sein, in denen die Agenten bis zu S00 M. erhalten haben— rekrutieren die dienstuntauglich gemachten Leute fast ausschließlich aus den begüterten Kreisen. UebrigenS dauert die Untersuchung in der Affaire noch immer fort; ans Verlangen der oberen Justizbehörde ist indes gegen die bisher ermittelten Personen das Verfahren abgeschlossen worden, so daß die Verhandlung gegen sie demnächst stattfiiidcn dürfte. Bis auf drei sind die Angellagten gegen Kantionen von 10 000— 2ö 000 M. vor- läufig auf freien Fug gesetzt worden. Neuerdings ist in dieser Angelegenheit noch ein Bürger ans Gräfrath bei Solingen mir seilten beiden Söhnen verhaftet lvorden. Ein Prllgclpädagoge in geistlichem Gewände stand dieser Tage vor der Strafkammer des Landgerichts zu 2'! e tz wegen Miß- Handlung eines SchuUindcs. Am 4. August d. I. hatte der katholische Pfarrer Decker tu Moyeuvre während der Erteilung des Religionsunterrichts einem 12 j ä h r i g c n Mädchen mehrere Schläge mit der Hand ins Gesicht versetzt, weil das Kind eine Frage nicht richtig beantwortete. Dann ließ er es aus der Bank heraustreten und wiederholte die Lilißhandlung. Nach Aussage der Schulkinder erhielt die Kleine etwa 13 Schläge, infolge deren das Gesicht stark anschwoll, blau und schwarz wurde und»ach acht Tagen noch die Spuren der Mißhandlung trug. Der Angeklagte suchte sich mit der Behauptimg zu entlasten, das Mädchen sei eigensinnig und störrisch. Das Gericht verurteilte ihn wegen fahrlässiger Körperverletzung zu 20 M. Geldstrafe, cvcnt. 2 Tagen Gefängnis. VevsÄmntlitttgen. Die aufgelöste Versammlung des fünften WahldereinS war miSnahmöweiic gut besucht. Die rechtzeitige Eröffnung derfelben war dadurch verzögert, daß der angekündigte Referent D r. Karl Liebknecht das Versammlungslokal am' entgegengesetzten Ende der Linienstraße vermutete und dadurch sei» rechtzeitiges Eintreffen verzögert hatte. UebrigenS fehlten nach der Angovc dcS Vorsitzenden M ii g k noch volle fünf Minuten zur vollen Stunde nach der an- gemeldeten Zeit. Der überwachende Beamte blieb aber bei der Behauptung, daß nach seiner Uhr die Zeit zur Eröffnung verstrichen sei und förderte in sehr energischem Tone die Änwefenden zum j o f o r i i g e ii Verlassen aller Vetsammluiigsräume ans. Die in solcher Weise vereitelte Bcrsaimnluug sindet nninNehr am Sonnabend. 16. Dezember, in demselben Lokal, mit der- selben Tagesordimng stall. Wir verweisen die Leser auf das dies- bezügliche I n s e r a't. In einer Verbaudsversauimlung der Schneider und Schneiderinnen, welche am 12. Dezember in den Armiiihallcn, Kommandaiitenstr. 20. tagte, referierte das Mitglied Ritter über das Thema:„Wie stellen sich die Berliner Kollegen zur Einfühnlilg von Bctriebswerkstätteir?" Da die letzten Verhandlungen des Reichstags bezüglich der Beschränkung der Hausindustrie dargethau haben, daß von jener Seite nicht» zu erwarten sei, so muß zur Selbsthilfe ge- griffen werden und aufs neue das Verlange» nach Er- richtung von Bctricbswcrlstäitcn gestellt werden. Ausgehend von der Eiitstchnng dicker Forderung vom 13. Januar 1893, ist der Redner der Änficht. daß die hiesigen Kollege» bei der zu- künftigen Bewegung den Geschäftsinhabern diese Forderung zu unter- breiten haben. Die Verhandlung, welche die Ortsverwaltmig in Verbindung mit der Agitationskommission gepflogen habe, hatte das Resultat gezeitigt, daß diese Forderung in nächster Zeit an die Unter- nchiner gestellt werden müsse, damit dieselben gezwungen würden, öffentlich Farbe zu bekeniien. In der sehr anregenden Diskussion. an der sich auch Heimarbeiter beteiligten, erklärten sich sämtliche Redner mit der Anfstellung dieser Forderungen cilivcrstaudcn. Es fand hierauf eine Resolution Ainiahme. in der es heißt: Die Versammlung erklärt sich nach den Ansfiihnlngcn des Referenten mit dem Vorschlag der Ortsvcrlvaltung und der Agitatiönskommission einverstanden. Sie beauftragt diese beiden Instanzen, die Forderung:„Errichtung von Betriebsmerkstätten", an sämtliche Unternehmer der Kostüm- und der Maßbranche sowie auch a» dicienigeit. welche sogenannte Lagerarbeit naib Maß anfertigen lassen, in kürzester Zeit zu stellen, damit den Geschäftsinhabern in der ihnen gestellten Frist Gelegenheit gegeben wird, sich zu äußern, ob sie geneigt sind, diesem berechtigten Verlangen zu ent- sprechen. Eine Niöbtbcantwortimg gilt einer Ablehnniig der Forderimg gleich. Die Versammlung ermächtigt die hiermit Beauftragten, darauf das Weitere zu veranlassen. Unter Berschicdciiein machte der Kollege Ritter darauf anfinerki'am, daß Heimarbeiter, die weder ihr Handwerk selbständig betreiben, noch Gesellen und Lehrlinge halten, seitens der hiesigen Innung zur Bcitragspflicht aufgefordert werden; dies sei nach dem � 4 des Jmmngs-Statuts unzulässig und deshalb zurückzuweifea. Nachdem rrc£) zu reger fficieiliaimg cn den Delcgicrtculuahlcn zur Orts- Krenkeurasir. wclcW in der uodificn SBcdic ftntlfiiidnt, aufgefordert wurde, crfoigte«chlutz der gut besuchte» Versauunlui'g. Deutscher Holzarbeitcr-Nerbaud. In der Versammlung für Süden und S ü d o st c n rcsericrlc College G ü t h über:»Lohn und Accordarbcit". Im Referat sowohl als in der Diskussion ivurdc die Accordarbeit einer beruichtcudcn Äritik unterzöge». Die Ver- lammlung war so zahlreich besucht, wie wohl selten eine zuvor, und trotzdem fand sich lein einziger Kollege. der ei» gutes Wort für die Accordarbcit eingelegt hätte. Obwohl sich alle Redner der Schwierig- teilen voll brwutzt waren und ans die Opfer hinwiesen, die ei» Kampf um die Lohnarbeit fordern würde, so stimmten sie doch darin üdcrein, das; bei festem Zusauuncuhalten dieselbe Ivvhl zu erreichen fei. lim jedoch ein vollständig klares Bild über die Meinung der gesamten Kollcgcilschaft zu erhalten, lvcrdc die Orlsvcrwaltnng Fragebogen cirtuliercn lassen. um so geivisscrinatzen eine Ur- ubstiiummig in dieser Frage hcrbeiznsiihrcn. Sodann lvurde Becher als Bcitragssammler für die Zahlstelle bei Martin, Rannhnslr. 8V, deslimint. Die am 1l. Dezember� bei Slechcrt abgehaltene Vcrsaminliuig für Osten»nd Nordosten bcschästigte sich eingehend mit der Frage: Ist es möglich, die Lohnarbeit i» nnsercm Berns einzuführen? Nachdein S tusche seinen sehr beifällig anfgenonnucne» Vortrog über diese Frage beendet, sprachen sich zahlreiche Kollege» für die Ein- fiihrmlg der Lohnarbeit nud Erringung des Achtstundentages ans. Es wird sodann eine Resolution in diesem Sinne mit übergroßer Majorität aiigenonmicu. Nachdem noch Schmidt. Zoch, Viezens als Bcilragjsammlcr geivählt, erfolgte Schluß der Versamrulnng. Der Verband der Baiser hielt nnl 5. Dezember seine Mitgliederversammlung ab. Nach einem Referat KastingS über die ictzige» Lohnbewegungen unter den Bäckerciarbeitcr» Deutschlands und die Errimgrnschasten derselben in den letzten Fahren lau, mau zur Urabsiimunmg über die Erhebung von Extrabciträgci» zun, Streikfonds. Nach erregter Debatte wurde dieselbe iu geheimer Abstimmung gegen zivei Stimme» aiigcno«nne». Ruch der Antrag daß Berlin voii der II. Bciträgcii-KInsse in die l. Beiträgen-Klassc zum Streik steigen»töge, wurde ebenfalls mit großer Majorität angenommen. . Ccmcuticrer. Am n. Dezcutber fand bei Buskc. Grenadier- siraßc 33, eine öffentliche Vcrsammlniig der Ecincnticrcr und Berufs- genossen statt, in der Nachtwcide den Bericht von der Konferenz gab. Fliege sprach über das Thema: Warrun organisieren wir uns? Zu LcrtraucuSmüimcnl für die bevorstehende ArbeitSlosenslatistik wurden 12 Kollegen gctvählt. Dieselben wurden von der Bersauunliuig beaustragt. energisch zn kontrollicrcii, damit die Ausnahrne der Statiitik in der vom Eentral-Vorstand vorgeschriebeuen Weise be- trüben wird. I» Charlotlruburg tagte» am 7. d.M. die Maurer. Schulz berichtete über die Stellung des Arbcitgcbcrbniides gegen- über den Gescllcnvcrtretcrn. Alsdann gab Lii dtke seinen Bericht als Delegierter von der letzten Konferenz: B c r» f c e mid Graß gaben den Bericht von, Gcivcrbcgcricht. In der Wahl ivnrden beide wieder als Raiididatcn aufgestellt. Nachdem Graß den Bericht vom Gewerlschaftskadell erstattet, wurden Wilde und Lehmann als Delegierte ins Kartell gewählt. Zur UiiterstStzuiig der Agitation für die GewerbegerichtStvahle» lviirden 100 M. ans dem'vfientlillici! Fonds bewilligt. . der Tapete«-. Wachötnch- und Liuolcumbvanche beichaztigten Arbeiter veihaiidelten au, 0. d. M. über die Form- itrcher- Aussperrung. Sodmui wurden Mißstände in der Köpcnicker Lliioleumfabrik zur Sprache gebracht. Dort sei ein Arbeiter, der jahrclang dort beschäftigt war. von dem Direktor mit Hilfe einiger Arbeiter auf die Straße gesetzt worden, mir, weil er die bestehenden Mißstände gerügt n»d während der Pause eine Lohnerhöhung an- geregt habe. Eine Resolution. dahingehend. daß sich alte An- wcicnden der Organisation anschlu'ßcn mochten, fand ciiistiinmiqe Annahme. Tie Kisteilmachrr hiclieu am 9. d. M. ihre Mitglieder- bctiammlung ab.>» ivclchcr der Vorsitzende Jnckel über die feincrcn Aufgaben des Vereins referierte. Zur Diskussion sprachku Wolter. Splint er und Torsslccher. Fn die Lohnkoiniiiission wurden Weiß- doch. Gläser und Emil Hunger gewählt. Ferner wurde noch zum Besuch der Treptower Sternwarte ansgrsordcrt. da die Billcts nur »och bis 3t. Dezember Gültigkeit haben, dieselben sind bei alle» DolstandSniitglicdrru zu entnehmen. Centralverband der Zimmerer. In der Versammlung am 10. d. M. berichtete Sten, lowitz über die von der Kommission i amtlicher Bauarbeiter i» letzter Zeit ausgeführte Kontrolle betreffend die Mißstände und»'angclhaften oder gänzlich schlciidcii Ilnfall- Schntzvorrichtuiigcn auf Baute» und Arbeitsplätzen. Redner verwies besonders aus die i» nächster Zeit fertig werdnide Zusanimenstellung dieser Kontrolle nud foidcrt die Bauarbeiter ans, bei den ihncii begcgncndci, Fälle» sofort mit allen Mitteln ans Abhilfe zu dringen. Fm zivcitcn Punkt der Tagcsordiinng besprach Kuiipfer eingehend den Verein„Aibeilerschntz" und die Lügcnbcrichte der .Märkischen Bolkszcitimg" über den Verband der Zinnilcrer. Ein Herr van der Beckh. Klempner, inachtc in der DiSkiission den Eimvand, der Verein..Arbciterschutz" stände genau ivie der Verband auf rem oewedschastlichem Boden. Fh»i sei nichts von rcligiöscii Nebenzwecken bekannt. Daß der Verein lebensfähig sei, beweise, daß 100 000 Arbeiter in sciuein Siiine organisiert seien. Er ersucht dan»». 'eine Mitglieder auf den Arbeitsstellen wie jeden andcrcn organi- stertcii Kollegen anzusehen und zu behandeln. Knbe antwortete. daraus, daß in erster Linie die Herren vom„Arbeitcrschutz" bei ihren Mitgliedern darauf hinwirken möchten, andciS- denkende Redner in Ruhe und Anfmerksamkeit anzu- kören und sprechen zu lassen. Wenn sie cS ernstlich mit einer gewerkicheistlichen Organifativ» meinten, so binften sie schon nicht die Kräfte zersplitteri» und Sonderinterrffen vcrtrelcir. wo die erprobte und oltionssähige Organisation schoit vorhanden ist, sondern sich dieser anschließen. Wie wenig sie sich a»f gewerlschast- lichern Boden bewähre, zeige sich daran, daß sie den Unternehmer» Streikbrecher liefere, F» Verbnndsangclcgeiihciten wurde beschlost'«», den regelmäßigen Versan nnlnngstag auf den vierte» Sonntag im Monat zu verlegen. Die Bcrbandsinitgliedcr werden darauf aunnerlsam gemacht, daß sie auf cirki'.licrciidc Listen für ailderc Gcwcikschaftcii Beiträge nicht zu zeichnen haben, weil der Verband nach Maßgabe beftiiumtc Slniunen für diese Zivecke anweist. Der Borsttzende gab das Reinltat der Kartknabstenipeliing für die cinzeliicit Bezirke in prozentualer Bc- rechniiilg bekannt. Bis jetzt sllid 75 Proz. aller ausgegebenen Klebe- karten mit dem Schlußstempel versehen ivordcn, Ivas als günstiges Rcsullat z» bezeichnen ist. Sämtliche Vorksir.muiste ans den ArbcilS- ftellen, foiveit solche einen Konflikt herrerzurufen geeignet snid sind sofort im Bnrea» zn melden, Tie Zimmerer sÄertrantuöinäiiner-Centralifatio») hielten am Mittwoch eine öffentliche Lersammlimg ab. S ch ä f s c r er- stattete Bericht über die am 20. November abgehaltene Konferenz der Bertraueiismäiiuer-Eentralffation der Zimuicrer Tciitichlands. Aus dem Bericht ist folgendes hervorzuheben: Ans der stonfcrcnz toarcn 20 Orte durch 16 Delegierte vertreten. Die Organisation bat in diesem Jahre u», einige hundert Mitglieder zngcnomincn. in 5 Orlen ist ein AgitätionS- und UnterstiitzniigSfonds ins Leben gerufen. Zum Zweck der Agitation siiid 000 Flugblätter ncrbrcilct uud 190 Dt. ausgegeben Ivordcn. Die Agitation deichränite sich hauptsächlich auf' kleinere und ländliche Orte, die gcivcrkschaftlichcn Ideen fanden daselbst wohl Verständnis, jedoch gelang es nicht. Organisationen ins Leben zu rufen, tvcil die bc- lreffendc» Zimmerer Mahrcgclilugcn seitens der Unternehmer fürchten, Tic wichtigsten Bcschlüste der Konferenz sind folgende: Das bisherige System der Organisation ist beizubehalten unter dem Namen: VerlraucnSutänncr- Ecntralisation der Zimmerer Deutsch- lands. An allen Orten, wo Berufsgciiosicn Vorhände» sind, ist ein Agitations- und UnterstütznngsfondS zn gründen. Die Bei-i träge dazu sind freiivillige, die Höhe derselben bestimmt jeder Ort, Zur Verlva'ltnng der Sammlungen und zur Regelung aller Angelegenheiten der Zimmerer wird au jcdciii Ort ein Verlraueusmaml gewählt. Zur Leitung der Eauraliituir» wüd ein GcschäftSleitcr gewählt und ein Ausschuß von drei Personen, welchem die Kontrolle deS Geschästsleitcrs obliegt. Von jede», gc- zahlte» Beitrag sind an, Quartalsschluß 5 Pf. au die Geschäfts- leitiing abzuliefern. I» Orte», Ivo keine Fachvcreine gegründet ivcrdeii könnci», gilt jeder Zimnierinann, der sich an den freiwilligen Beiträgen regelmäßig beteiligt, als organisiert. Streiks und Distcreiizru mit den Uiiternehnicru sind der Geschäftsleitnng sofort initzuteilcn. Die Unterstützimg der Streikenden»mß i» der ersten Woche von jedem Ort selbst aufgebracht werden. Ist der Ansiland von längerer Dauer, so sind sämtliche Orgaiiisationen verpflichtet, deusclbcli zn unlerstntzen. Das Organ.Die Einigkeit" ist überall, Ivo fich die Bcrufsgenostc» der Bcrtraucnsinäiincr- Eeutralisation anschließen wollen, obligatorisch«»zuführen. Ferner hat sich die Konferenz dafür erklärt, daß das Verhältnis zur GeschästSkommissio» der durch Vertraiiensmänncr centralisierteu Getverkschaflcn Deutschlands ohne lvesentliche Acndenmg bestehen blcibü Als GefchästSleitcr ist Theodor Fischer, iu den AuSsclmß sind DahmS- Charlottenbnrg, Glagow- Wilmersdorf und Ezilniuski- Berlin von der Konferenz gewählt ivordcn. Schließlich hat die Koiiscrciiz noch eine Resolution gegen die reaktionären Bestrebungen der BaligewerkSmeister angcnonnneii. Die Vcrsmiimlnng erklärte sich mit den Bcichlüstcn der Konscrenz einverstanden. Auf Antrag Schäffcrs wurdcn dem Geschäflslcitcr zur Agitation mid Anschafstiug von Material 500 M. überwiese», Fn die ständige AgitatioiiSkommissio'.r wählte man Hoffmann, Paul Schulz.' Fesch,' Pusch. Schimmclpfennig. Ferner nahm die Bcrsammllmg einen Antrag der Platzdeputierten an, welcher besagt, daß am 23.' Dezember die Smiimlungc» zum Agitationssonds für das Jahr 1899 aushören und die Schlnßstempclimg der Sammelkarten am 10. Dezember beginnt. Wer nicht 51 Woche» bezablt bat oder»achweiscu kann, daß er ivährcnd der betreffende» Zeit nicht in Berlin oder de» Vororten gearbeitet hat, erhält keincii Schlußstempel. Nach rnicr kurze» Aiisft'ihnmg Fischers Über das GewcrkschaftS- lartcll ivnrde Hinz als Stellvertreter des Kartelldckcgiertcn geivählt. Den strcikclidci, Mcst'crarbcitern in Solingeii überwies die Bersamm- l»»g 200 M. Die Töpfer Berlins nud Uingcgcnd hiclien au, Donnerstag eine stark bcsnchlc öffentliche Versammlung bei Fiebig, Große Frank- fuitcistraßc, ab. Nach der Abrechiilmg. die Nickel erstattete, bc- trugen die Ausgaben der Lohnkoinuussioil für die Ictzle Lohn« bcwcgmig au U»tcrjtntzn»g nstv. insgcfamls 10 100.15 M. Die Ab- rechuimg wurde von de» Revisorcii als richtig bestätigt und dcni Kassirer ans deren Antrag einftiminig die Decharge erteilt. Bei der Ergänznngsivahl der Lohlikominission. die auf drei Mitglieder reduziert worden ist und auf sechs erhöht werden soll, entspmni sich eine längere Diskussion. Nach den Abmachungcu vor dem Geivcrbcgericht sollen in der Lohlikominission von centraler Richlnug 1 mid von lokaler Richtung 2 Mitglieder ver- treten sein. Fn der Dislniston Wierde darauf hiiigewicscn, daß dem Lokalvcrei» nur clw-a 150 Mitglieder nngehörcii, während die hiesige Filiale des Ecntralvcrbaiidcs ca. 1200 Mitglieder zahtt. imb daß ca. � 5 der Streiktosteu von der centralen und»nr bs von der lokalen Richlnug aufgebracht worden find. Schließlich ivnrde dicKoiiiinission durch die Wahl von H i l s ch c r. M a n t c und Ricke! ergänzt und die Wahl von H. Höffiiiaim. der von der lokale» Richtung vor- geschlagen und von dieser bereits gewählt war. abgelehnt, Nach längerer Debatte lvurde sodanii beschlosici». daß bis zum 23. Dezember noch 50 Pf. pro Woche au den öffentlichen Fonds ab- znsührcil sind, dann eine Panse eintritt und von, tcl. Jannar ab 23 Pf. pro Woche zur Tcc.'nng der örtlichen Bedürfnisse erhoben iverden solle». F» der Zeit vom 23. Dezember bis 13. Januar werden die San»»>elkartcn mit einem Echlußstenipel ver- schcn n»d sind dieselben der Lohlttoinunsstoii zn dicsciii Ziveck vor- zulegen. Tic Arbeitslosen sind von den Sanuiiluiigen bcircit, uinisc» sich aber im Bureau der Konunissioii zur Kontrolle melden. Eine strenge Kontrolle soll ans den Bauten Über die Ausrecht- crhaltmig des Tarifs, über die Zugehörigkeit zur Organisation und über die Beteiligung an de» Sc.iiiiiilmigcit ausgeübt iverden. Auch die Arbeitgeber habe» sich verpflichtet, für die JlmchaUnng des Tarifs cinzntrctc», und ist von diesen anerkannt worden, daß insolgc der getroffenen Abmachungen ei» besseres Zusammenarbeite». inSbcscmdcrc mit den organisiencil Arbeitern zu vcrzeichlicn ist. Nach kurzer TiSknsnon wurde beschlossen, der Haupt- lasse des CcntralvcrbandcS von dem Bestand des VcrtraiicnSmaintes 1000 M. zn übrrtveisen. Ter Familie eines vcrstorbciicii Kollege» umrdrn aus demselben Fonds 60 M. bewilligt. Dem Bericht über die stattgcfnndene Bauloittrollc war zn cninchnim. daß onf de» Bauteil sehr schlinrnre Mißstände herrsche». unter denen die Töpfer zn leide» haben, nud die ihr Leben und Gesundheit gefährden. Es lvurde unter anderem festgestellt, daß nur in wcnigcn Fällen die notwendigen Schutzvorrichtungen voihaiidcn find und daß es an einem verschließbaren Raum für die Töpfer, Ivo sie lvenigstens ihre Sachen aufbewahren könncii. fast iininer fehlt. ES soll dahin gc- strebt werden, daß auch i» dieser Beziehung Wandel geschaffen wird. Zum Schluß wurde bekannt gegeben, daß in nächster Zeit eine Bau- deputicdc»- Sitzung stattfindet, und zur regen Beteiligung dnf- gefordert. Rixvorf. Am Dienstag, den 12. Dezember, tagte eine öffcnt- liche. sehr gut besuchte Veriammlimg der Tischler, Möbclpoliercr, Maschinenarbeitcr»siv. Die Versamnilung beschäftigte sich mit dem Streik der Möbclpoliercr bei der Firma Laborcnz..Knesebccksir. 107 108, mid iiiit der schwarze» Liste, die die Freie Bercinigimg der Holz- industriell«! über die 20 Polierer herausgegeben hat. Weber referierte zunächst über die Entstchnng der Differenzen. An, 26. September d. I. träte» die Polierer an Herrn Laborenz wegen Lohnfordernngen heran. es wurde eine Einigung erzielt, und zwar ivilligie Herr Laborenz anf einige Lohnaiifbesicruiigen und Beseitigung der llcberstiindenarbeit eil!.' Im November ging die Entlaiimig der Mißliebigen los, und bald nachdem sollten die' Polierer llcbcistnndcii machen, kamen aber dieserhalb mit der Firma in Differenzen und legten die Arbeit nieder. Ter Vorstand dcS Verbandes der Möbclpoliercr trat mit der Freien Vereinigung der Holzindiistriellen in Verhandlung, doch ganz wider Envarlcii imd gegen die Abinachnnacii erließen die Holzindustriellen gegen die 20 Polierer eine schwarze Liste. In der Diskussion wurde das Acrhalrcii des Herrn Laborcnz nnd das Vorgehen der Freie» Bcreiinguiig der Holzindustriellen scharf verurteilt. Folgende Resolution wurde einstinmiig o»- geuonnucn: „Die heule hier tagende Vcrsammlniig erklärt daS Vorgehen der Möbclpoliercr bei der Firma Laborcnz als gerechtfertigt und beschließt. die Sperre über die Firma so lange aufrecht zu erhallen, bis Herr Laborenz fein am 20. September gegebenes Versprechen eingelöst und die Polierer wieder in Arbeit gciiomnicn hat." Da der Vorstand der Freien Vcrcinignng der Holziiidustrieklen eiilgcgcn de» Abmachung vom 16, September 1899 eine schtva:;: Liste aufgestellt hat, so hakten cS die Versammelte» für pralti'ch daß ein Teil der Streikenden sich auf den ArbeftZnachweiZ zu: Arbeit meldet, sollten nun infolge der schwarzen Liste dieftlben gcmaßrcgclt iverden, so sind sofort diese Wcrkstcllcii auch zu sperre« Rene Mühle bei Königstviistcrhguson. Am Sonntag den 10, d. M.. imchinittags 1 Uhr. sand in» Lokal von Beyer eine öffcnt- liche Vcrsaiimilimg von Mäimeni mid Franc» statt, in der Genosse Fritz Zubeil über das Alters« und Jnvalidcngesctz sprach. Die Ver- sammlung war außerordentlich gut besucht. Tische mußten au» dem Saal cntfcnit lverdc» und wohl weit über 100 Personell, darunter viele Frauen,»ahinc» theil. Aus der ganzen Umgegend, bis vo» Groß-Bcste» nnd Halbe, waren die Arbeiter herbeigeströmt. Ter Referent erläuterte in zweistündigem Vortrag de» Arbeiter» die Nachteile und Dorteile des»migeäudertcu Gesetzes nnd schloß unter lebhaftem Beifall der Versammlung. Nach einer dem Referat zu- stimmenden Tiskuifton tpurde die imposante Versammlung mit einem Hech auf die Sccialdcmokratic geschlosseii.-... Alt-Glienickc. Am vergangenen Sonntag smtd bei Linden-- Hayn in Grünau eine öffentliche Parteiversaiiimlmig statt, in wekchrr ftir Alt-Glienicke(wo eil, Bersainuilungsloial nicht erbältlut, ist) der Genosse Spicker als Vertraueiismanu gewählt wurde. Fit die Lokalkommissioit wurde» Wolfs. Brehm er mid Pries gewählt,. WaidinaunSlust. ÄIN Sonntag sprach hier in öffentlicher Ver- samiiilung Gciiosje Schubert über den Reichstag und die politi- scheu Parteien. Als Bertrailensinaim wurde sodami Blümel und in die Lolalloinniission G ä b c r i. Hoppe und T h ä n s gewählt. Kreircligiöse Geinciudc. Sonntag, den 17. Dezember, vorm. P/Y Uhr, im oberen Te.al des„Englischen Gartens", Alexanderstr-R 27<-: Versarnmlnng. Fretrcliqiö»! Vorlcwiig.— Uni IlN'« Uftr vormittags ebendaselbst; Vortrag des Herrn Wiinclm Bölschc:..Das Geietz der An- panmig in Natur und Nienschciileben." Gaste. Dameii und Herren, icyr ivillkommc». Montag, den 18, er., abend» ßfa Uhr, cbendaielbg: Be- lchlievende Vcrfammluug....„..., Ztllgei». Krankel!- und Tterbekasse der Bketallarbeiter(Filiare Berlin 5). Mtglicdervcrsammliiiig am Sonnabend, den 16. d. M, abends 9 Uhr, bei Koplin, Lothringcrstr, 68,__.... SUlgem. Kranken- und Stcrbekaffe der Metallarbeiter(Filiale Berlin 3t, Mitgliederver'aniiiilniig Soamibend, den 16. Dezember, abends 8>/, Uhr, bei O,«ergcner, R-ichenbergerstr, 157. r Rllaem. Kranken- und Stcrbckaiic der Metallarbeiter lFibau! Bcrlii! i-. Zoimabcnd, den 16. Dezember, abends 8>,'z Uhr, Nntglieder- versamuiiliiig bei Friv Wille, Andrcasstr. 26. Tagcsordliniig: 1. Kaffen- bcricht 2. Verschiedenes...„, Dischlcrvcrcin. Heute, abends 8>, Uhr, Melchiorstr. Io: General- Versammlung... Gentralverdand der Elcktromonteurc und Beru,sgc»onc» Teutschlands. Scriion Berlin. Somitagmittag 3 Uhr: Lesseulliche Der so ni»Illing bei Filierstein,?llte Jalobstr. 75. Vrieskasten der KLdaktwn. Tic juristische Sprechstnude findet Montag, Dienstag und Freitag von 6—8 Uhr abends statt. M. B. Fa. Das Eorps Heffs-Raffovia in Marburg. M. B. Tabc Berechilinig kömiei! Sie sich nach de» Zablen selbst mackeil. Pohlmann. I. Lesen Sie das im Konversationslerikon unter„Re- rigion nach. 2. Joinand, der leine: vom Staat«nerkaunten Kirche oder Iciigiöseil Gemeinschaft angehört. 'I. L.»«. Eine Firma, die Eigarreuabschiult- laust, können wir Nicht »aniliast„lachen. Der Verein der Sammler von Cigarrcnabschnittcn, Vor- sitzende Frau Meineber, Rankcstr 3, nimmt Tatakreste umsonst entgegen mid ivendct siir de» Erlös armen Kindern Weilmachtsaescheiike. Tissci:, W. 1. Fa. 2. Nein.— P. E, Belgien. I. Fa. 2.!Fa, aber schwächer.— Häusler. Fragen Sic i»> Tierichutzvercul an.— s». US. Die:..c-tlhrzeit gilt nur für Fabrikeil. Daß ein Fabrikbewieb vorliege, lägt sich ans Fhrc» Aligabcu nicht ciltlichmcn. die Berchränkimg gilt daher nicht.- Fröse 34. 1 Ja. Teilen Sie Ihren Fall mit: es ist imiuSgiich. Ihnen in: Raum des Briefkastens nntzii teilen, welche«ende- rmige» das Bürgerliclie«zicietzbüch hervorrnst. 2. Die ersteren, sind liberaler. — Hanschke. Schriftlich« AnNvort erteile» wir nicht. Gegen den Bescheid der Bennsgenoisenichast müßte der Betreffende Bcrnfiing beim SchiedS- gericbt cinirgen.- E. S. 1. Gaisbcrg gehört zum'Amtsgericht Stull- gart.— Liebert. Antwort ist Ihnen im„Vorwärts" am 5. d. M. unter „Siebert" erteilt. S ch r i i l l i ch e Antwort erteilei: wir nicht.— R. P. SV. 1. Sämtliche hasten dem Wirt gegenüber, auch Sie. 2. Sie köniteu wieder- holt psändeii lasicii, aber: wo nichts ist, habe» auch Sic Ihr Recht verloren. 3. Neu», für diesen bleibt es bei der Notwendigkeit der Vollendung de« 24. Jahres.- W. KS.»9«. I imd 2. Ja.- M.». 1. Januar 1900. - Zl. BS. 2i, Köpenick. Ja.-«. I. Die zu Gefängnisstrafe Ver- nrteittcn könne in einer Giiaiigenemnistalt aus eine ihren Fahlgleiteit „nd Verbältilisie» nngemcsjcne Weise beichäfügt werden: aus ihr Verlangen sind sie in dieser Weise z» veschästlgci!. Eine Beschästigmig außerhalb vor Anstalt ist nur mit ihrer Zystiiimmiig zulässig. Die zur ZuchihaitSstrafr Bcnirtciltc» sind in der Strafanstalt zu den eingeführten Arbeiten auzn- halten. Sie limnon auch zu Arbeiten außerhalb der Aiistalt verwendet werden. Dies sind die ciiizigri, reichsgeietzlicheii Vorschriften über die?lrt der Voilstrccküiig einer Acfängine- bezw. Zuchthausstrafe.— Si. St. 199. 1. ES »mß die iili Vertrag vereinbarte Form beobachtet werden. 2. In 30 Jahren. 3. Ja.— O. Zt., Rixdors. Ja. übrigens bedarf die Tochter vom l. Januar 1900 ab nach zuiückgetegtem 21. Lebensjahr die elterliche Ein- wiiligliiig zur Eheschließung nicht mehr.— Zl. B. 1. I. Nein. 2. Ja. wen» sie»ach dem t. Januar 1899 geheiratet habe.— Pcsckikc 19. Nach zu- treffender Ansicht ist in Ihrem Falle zu kleben.— B. 409. Klagen Sie aus«nshebling des Mietsvertrags nnd beantragen gleichzeitig»ntcr Heber- ici'.dniig eines ärztlichen Attestes eine eiiisiweilige Verfügung, die Ihnen ge- stattet, vor Peeudigiing des Vertrag» Ihre Sachen aus der. Wohnung zu entferne».— Sckilippcr. Die Unfall., rcntc" ist i» jedem Fall verfchicden. Sic richtet sich nach dem Grade der Erwerbsunfähigkeit und nach dem Johrcsarbcitsvei dienst im Sinne dcs Uiiiallvclsichcrungs-Äesetzes, nicht nach den, wirklichen Jahrcsarbeitsverdieiist. Sprechen Sie evnitnell mit den Bc'cheidcn dcr Bcrnfsgcnoiscnschast in der Sprechstunde vor.— 100. Rein. Kiir dc» Jiihnlt der Juscrnte übernimmt die Nedaktio» dci» Piiblikmil gcgeuübci: keinerlei Aerinitivoriniij;. Dljenkrv. Sonnabend. 16. Dezember. Opernhnus. Fidclio. Auf. 7>/z Uhr. Schaiiwieihans. Julius Cäsar Anfang 7> z Uhr. Deutsches. Der Probekandidal Ansang 7>� Uhr. Lesjiug. Als" ich wiederkam. Anfang 7>/, Uhr. vcrliuer. Lergidull. Almansor Heine- Lieder.(Rosa Sucher.) Ansang 7>/z Uhr. Nachm.:j Uhr: Frau Holle. Schiller. Iphigenie auf Tauris. Anfang« Uhr. Neues. Ein unbeschriebenes Blait Anfang 7 Uhr: Jugend. Luise». Zlnrbad' Centrnm. Ansang 8 Uhr. tLcntral. Die Geisha. Ansalig 7-/, Uhr. Carl Weist. Aschenbrödel. Anfang 7l/z Uhr. Friedrich- WilhclmsiädtischcS. (!li> gesunder Jiuige. Ansang 8 Uhr. Nachm. 4 Uhr: Kindcr-Vorstelluiig Häusel und«Ärcicl. Ter Raiten länger von.Hameln. Vietoria. Die-Venus von der Markt Halle. Anfang 8 Uhr. Belle- Alliance. Gastspiel des Schliericcr Bachem• Thcatcro Ciicru vvul Schlicrscc. Anfang 8 Uhr. Metropol. Spccialitäten- Bor slellung. Rund nm Berlin. An sang 8 Uhr. Apollo. Soecialitäteu- Vorstellniig Anfang 7 Ubr. RcichshnÜc». Stettincr Sänger Anfang 8 Uhr Palast. Susanne im Bade. Spcciali lätcn-Borstellung. Ans. 8 Uhr. Passage- Pauoptlkiini. Speciali läten-Borslelliing. Urania. Jiivalidcnstr.!»7/t>Ä Täglich abends von ö—lO Uhr Stcrnwarle. Tanbeiistr. Im Theater Transvaal. Vorher: Der dmill ' Erdlcil. Anfang 8 Uhr. Hörsaal: Prof. Dr Müller:„Das Urteil über den Speisezettel". m n, (Wall nrr Theater). Sonnabend, a b c n d S 8 U h r: lplilxei>it> iliif T'sni'iü. Schauspiel in 5 Ansz. v, Wolfg. Goethe. 'S o» il t a g, nachmittags 3 Uhr: III. 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In beiden Vorstellungen hat jeder Erwachsene ei» Kind nnier 10 Jahren frei, weitere Kinder unicr 10 Jahren zahlen auf allen Plätzen mit Ans- mchme der Galerie halbe Preise. Nachm. 3 Uhr: Olnmpisthr Spiele. AbcndS 6 Uhr: Die tSomorru. Maehrs Theater ft" ** Oraniensti*. �4 Mit volien Segeln Lebensbild in 3 Allen von Hugo Schulz. Borher: Bpovlslltilton. Anfang 8 Uhr. Sonntags 6 Uhr. SV" Bons wochentags giiliig. UemlieM. Xlleik jetzt Karlftr. 25. 8— l0, 5—7. Brust-, Unterleibs-, Haut-, Frauen-, Ncrvenlrankheiteii, Rheuma. Poli- kliiiik, Licfenstr 17. 2-4. 267VL' vipkus Alb. Schumann. Heute, Sonnabend, den l6. Dezember� abends vräc. 7>/. Uhr: VI. lZi'siill 8l)ii'ee liigh Life. Gala-Programm. Ausireicii sämtl. neu engagiert Künstler. Vorführung der neuesten Original- Diessuren d. Dir. Alb. Schumann, der Schöpfer n. Erfind, all. neuen Dressuren. IAH' PorlestteS Anftreicn der A'iüiiiiil-Transvliill-Boti'eil. Zum Schluß zum 27. Male: Der erste Schlager der Saison.. Größtes R itterschan stück. Schwarz nnd Weis; �— mit sämilichen Einlagen— Sonntag: Zwei Vorstellungen, nach- mittags 4 Uhr und abends 7>/, Uhr I» beiden Porstellnugeu: Letztes Sonniags- Auftrete» der Lriginnl-Truiisvanl-Poereu. Nachinillags 4 Uhr: Ei» Kind frei. Trepisiij 1 Killüseilteilh Große i\ Verpfändet flciuefcuc EU h r e tt � . silberne Damen- und Herren Rcinoutoir- Nhre» mit feinste» Werte», unter ztveijähr. Garantie, goldene Ketten, Ringe. Trauringe, sämtliche Goldware», Prillautriiige, Lhrriiige. Broich.. alles moder», wie neu, verkauft spottbillig. ebe»so(76/17* Fahrräder. Concess. Leililiaus, ÜIciic Wuhguserstr. II1- Sonntaa bis abends 8 Uhr gcössiiet. Ikder Arbeiter Jeder Handwerker sollte zur Arbeit i die Lederhosc llt'!'Ie»Io»i tragen. AUein-Berlaus. Sehr starke Ware in praktischen grauen u. braimen Streifen. Hinten n. vorn am Bund ans einem Stück gearbeitet. Nietknöpfe u. Kapp- nähte/ Feste Ledcr-Pilot-Taschen, die Hose /bei kninahnie»o»4 /% Mk-ft [ 6 Stack 26 MI}■* dlll. 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Als Sach verständige sind Hos-Zauberkünstlcr Rösner, Prcstidigitatcur Herrmann und der Direktor der Stratsundcr Spiclkartcnfabril Häuser zur Stelle. Ilntcr den vorgeladenen zahlreichen Zeugen befinden sich mehrere Offiziere a.D., Juristen, Aerzte, Herren aus Dresden. Hannover. Karlsruhe?c. DcrAngellagtc Ei ch lc r, der in Sportkrciseu als cnragicrtcr Spieler gilt, soll nicht nur aus dem Glücksspiel ein Gewerbe gemacht, sondern auch mit gezinkten Karten gespielt, d. h. seine Mitspieler betrogen haben, v. Pmmwitz soll ihni beim Spiel Hilfe geleistet haben, namentlich wird behauptet, daß er seine Wohnräume zum Spielen hergegeben habe. Beide Angeklagte bestreiten ihre Schuld.(Sichler hat längere Zeit in Untersnchungs- hast gesessen, ist dann aber gegen Bürgschaft entlassen worden. Er bestreitet die Behauptung der Anklage, dast er eigentlich keine ordnungsmäßigen Einnahmcgncllc habe, behauptet vielmehr, daß er an einem Sportburcau in Hannover beteiligt sei. Er habe nicht nötig, ans dem Spiel sich Einnahmen zu verschaffen. Nichtig sei es, daß er viel auf den Rennplätzen verkehrte und vielfach mit anderen Herren bei Wittkop, im Hotel Bauer, in der Pannwitzschcn Wohnung ec. gespielt habe. Die Anklage behauptet, daß das Spiel zunieist„Meine Tante— Deine Tante", einmal auch Roulette- spiel getocsen sei. �(Sichler soll besonders lebhaft interessiert gewesen sein, solche Glücksspiele zu arrangieren und sowohl als Bankhalter. wie auch als Pointeur ganz auffallend im Gewinn gewesen sein Eine ganze Anzahl von Personen soll an ihn ganz erhebliche, in die Tauscndc gehende Vcrluftc gehabt haben. Die Anklage behauptet auch, daß Eichler bei � seinen Mitspielern in dem Verdachte stand. ein Falschspieler zu sein. Wie in dem Harmloscnprozeß. so tritt anch hier wieder die Behauptung auf, daß gewiegte Spieler, die sich darauf einübe», wohl im stände seien, bei Karten, die eine schraffierte Rückseite haben, die Kartcngattung an gewissen Merkmalen der Schraffierungen, die bei den einzelnen Kartcnarten gleichmäßig ans- zulaufen pflegen, zu erkennen.(Sichler bestreitet alle Beschuldigungen auf das entschiedenste; es sei ihm niemals eingefallen, falschzuspielen Er behauptet, ein Vermögen von 10000 M. zu besitzen und hat s. Z 4000 M. in Brillanten'mit in das Untersuchungsgefängnis niit- gebracht. Auf Befragen des Präsidenten erklärt er. daß er fünf Rennpferde besessen, vielfach Wetten ans Rennplätzen gemacht und auch Pscrdchandcl betrieben habe. Vor vier Jahren will er beim Rennen in Regensburg 00 000 M. gewonnen haben, ein Fall, der f. Z. in den Zeitungen Aufsehen erregt habe.— Der Angeklagte v. Pannwitz ist bis Anfang dieses JahrcS Rcserve-Osfizier gewesen. Er war früher ein sehr begüterter Mann, der in Schlesien mehrere Güter hatte und soll schon zu damaliger Zeit ein passionierter Spieler gewesen sein und in der Provinzial- Ressource in Breslau an den dortigen Spielabcndcn sich lebhaft be- teiligt haben. Seine günstige Lage veränderte sich, als seine E h c mit seiner außerordentlich wohlhabenden Gattin g c r i ch t- l i ch getrennt wurde. Er ist dann nach Berlin übergesiedelt und ist hier kaufmännisch, als Vermittler für G»ts-An- nnd Ver- kaufe zc. thätig. Nach seiner Angabc hat er kolossale Verlnstc an der Börse gehabt. JSr gicbt zu, auch jetzt noch gern zu spielen, bc- streitet aber nachdrücklichst, daß er mit Eichler irgendwie in engerer Beziehung gestanden oder gar demselben sogenannte„Schlepperdienste" geleistet zu haben. Er sei nun einmal von der Spicllcidenschaft be- fallen, habe leider zumeist viel Unglück beim Spiel, bestreite aber ganz entschieden, aus dem Spiel ein Gewerbe gemacht zu haben. Die Zeugenaussagen bieten nichts von großer Bedeutung. Bc- stimmte Anhaltspunkte, daß Eichler wirklich falsch gespielt habe, weiß keiner anzugeben; und die Anklage ist auf Indizien angewiesen. ie Zeiigcnvernehinung dehnte sich bis zum späte» Abend aus. Der crichtShos verurteilte den Angeklagten E i ch l e r wegen gewerbs- Die Geril mäßigen Glückspiels zu zwei' M ö n a t e n G efän g n i s" wovon ein Monat durch die erlittene Untersuchungshaft für verbüßt er- achtetet wurde, ferner zu einer Geldstrafe von 900 M. Der An geklagte v. Pannwitz wurde freigesprochen. Wtonttnunales. AuS der MagistratSsitzuiig am Freitag. Dem zwischen den Vertretern der Stadlgcmeinde Berlin und der Bcrlin-Char- lotte» burger Straßenbahn- Gesellschaft ver- einbarten Vertrag wegen Umwandlung des Betriebes dieser Straßenbahn und der Gesellschaft zu genehmigenden weiteren Linien hat das MagistratSkollegium seine Zustimmung erteilt. Die ZustimmungS- frist ist für alle diese Linien bis zum Jahre 1919 festgesetzt worden.— Nach dem Berichte des Kuratoriums de» städtischen Vieh- und Schlachthofes sind auf dein städtischen Schlachthofe im Monat November 66 513 Schiveine— gegen 55 301 im November 1898— auf Trichinen untersucht worden. Davon sind 6 Stück wegen Trichinen und 36 wegen Finnen als zur menschlichen Nahrüng ungeeignet zurückgewiesen worden.— In den städtischen Krankenhäusern werden vom 1. Januar 1900 an— gleich wie in der Charitä— die Vcrpflegungskostcn für Erwachsene von 2 M. auf 2.50 M. und für Kinder von 1,50 M. auf 2 M. nach Beschluß des Magistratskollegiums erhöht werden.— Das Magistratskollegium genehmigte iii feiner gestrigen Sitzung die vom Slndtbaurat Hoffmann cntworfcuen Pläne zu den G e in e i n d e s ch u I e n in der Waldenser-, Rigaer- und Waldemar- straße, soioie das Schulbauprojekt des StadlbaninspellorS Weber. La-Ksles. Kann diffidentischcr Milchbrei einem Säugling gefährlich werden? Diese Frage ist die zweite Abteilung dcs Polizeipräsidiums zu lösen anr Werke. Nach einer Polizeiverordnung bedürfen Leute, die frcnide Kinder unter 4 Jahren gegen Entgelt halten wollen, einer polizeilichen Erlaubnis. Diese Verordnung ist entstanden, um dem schmählichen Treiben sogenannter Engelmachcrei vorzubeugen. Soweit ist sie erklärlich, wenngleich sofort die Frage entsteht, auf Grund welcher gesetzlichen Bestimmungen eine Fürsorge der Polizeibehörd e an Stelle einer solchen deS VormnudschaftsgcrichtS. der Gemeindc-Woisen- rätc, Vonnünder und Eltern zu treten berechtigt sei. Die Erlaubnis kann natürlich nur versagt werden, wenn Thatsachcn vorliegen, welche die Annahme rechtfertigen, daß der Pflegevater oder die Pflegemutter das Wohl des Kindes zu gefährden' geeignet sind. Die Fürsorge der Polizei darf sich naturgemäß nur aus die körperliche Fürsorge erstrecken. So ist es auch unseres Wissens bislang in Berlin gc- handhabt worden. Es wurde daS Halten von Pflegekindern unter- sagt, wenn z. B. der Verdacht einer Engclmacherci. der Vornahme eines Sittlichkcitsvcrbrcchens. der Verelendung des Kindes durch die „Pflege" vorlag. Diese Praxis des Polizeipräsidiums scheint neuerdings eine Wandlung erfahren zu haben. Die Polizei scheint die Pflegemütter und Pflegeväter jetzt auch bis in daS Innerste ihrer Herzen und ihrer Gesinnung prüfen zu wollen. Der polizeiliche Maßstab erstreckt sich neuerdings sogar bis in die Falten der religiösen Gesinnung der Pflege-Eltern. Eine Frau, die sich eines unehelichen Kindes an- genommen, dasselbe seit längerer Zeit mit polizeilicher Er- laubniS gegen ein MonatSentgelt von 20 M. hielt und nach Ansicht der Mutter und des Vormundes vorzüglich pflegte, zog kürzlich um. Ihr wurde mitgeteilt, daß sie nun abermals um die Erlaubnis zum Halten deS Kindes cinkommcn müsse, weil die Polizei die neuen Wohnräume auf ihre Beschaffen- hcit hin' zu prüfen haben. Die Frau reichte darauf, lvozu sie an sich nicht verpflichtet war, ein Gesuch um Halten ihrcS Zöglings ein. Die Polizei ging nun an ihr Prüfniigslvcrk. DaS Ergebnis war: Wohnräume?' gut. Verpflegung dcs Kindes? vorzüglich. Ruf der Pflegeeltern: trefflich, beides sind arbeitsame, redliche, brave Leute, aber, aber— sie sind Dissidenten! Dissidenten!— DaS neniunonatliche Kind wird also von den Seg- nungen, Tröstungen und Belehrungen dcs alten und neue» Testaments ferngehalten, die staatlich approbierte Religion wird dem jungen Lebewesen vorenthalten. cS wird weder über Moses nnd die Propheten. noch über Jesus und die Apostel, weder über die Psalter Davids, noch über die Bergpredigt instruiert, ivcdcr Gcsangbuchbersc noch Kirchenlieder, nur Milch, Suppen und Brot finden in dem Magen dcs Zöglings Eingang. Das darf nicht sein. Das.Kind muß aus dieser Pflege heraus.' Darauf ergeht an die Pflegemutter folgende Eröffnung: „Auf die Eingabe vom 8. d. Mts. eröffnet Ihnen das Polizei- Präsidium. d a ß' I h n e n die Erlaubnis z n m H a l t e n von Kindern gegen Entgelt mit Rücksicht d a r a n f, daß. wie c r st je tz t bekannt wird, S i e und ihr Ehe- mann Dissidenten sind, versagt wird. Sic tverden angewiesen, das Kind, welches Sic jetzt in Pflege haben, binnen 3 Tagen der Mutter desselben zurückzugeben oder anderweitig in Pflege unterzubringen. Sollten Sic nach Ablauf dieser Frist noch ein fremdes Kind unter 4 Jahren bei sich haben be- zichnngSwcise aufnehmen, so wird Ihre Bestrafung veranlaßt werden. Berlin, den 25. November 1899. Polizeipräsidium, Abteilung II.' Selbstverständlich ist gegen diese unberechtigte Versngnng der Beschwerdeweg eingeschlagen. ES gicbt nirgends ein Gesetz das Recht, Dissidenten die Vcnvirklichung deS VcrsassungsgrundsatzeS zu verweigern: alle Preuße» find vor dem Gesetze gleick. WcShalb übrigens kann ein über 4 Jahre altes Kind von Dissidenten gc- halten werden und weshalb kann gerade einem Kinde nute r 4 Jahren die Pflcgcmuttcrschaft einer Dissidentin gefährlich werden? Ans dem Berliner Reich der Jngeudbildung. „Städtische Schuldeputaiion. J.-Rr. 5647 Sch. I. 99. Berlin, de» 19. Novenibcr 1899. Auf Ihre Beschwerde von, 7. d. M. gereicht Ihnen zum Be- scheide, daß wir daS Verhalten de» Lehrers nicht billigen und Vorsorge getroffen haben, daß Achnlichcs nicht wieder vorkommt. Zu einer Umschulung JhreS SohncS liegt kein Grund vor. Bertram." So lautet die von der Schuldeputation erteilte Antwort auf eine Beschwerde dcs Schuhmachers Lcnzing über die Behandlung seines SohncS und auf seinen Antrag den Sohn umschulen zn lassen. Welcher Thatbestand lag der Beschwerde zn Grunde? In der Obcr-I.-Klasse der 155.' Genicindeschule untcrachtet in Gesang, Geschichte»nd Geographie ein Lehrer C z u d n o ch o w s k i. Gegen dessen Lehrmethode richtete Herr L. eine Reihe von Bc- schwcrdcn, deren Richtigleit nach dem Inhalt de» eingangs abgedruckten Bescheides nicht in Frage steht. Die Thatsachcn, die An- laß zur Beschwerde gaben, sind so ungeheuerliche, daß es unbegreiflich erscheint, wie diesem gegenüber die Bitte de» Vaters ab- geschlagen werden konnte, seinen Sohn umzuschulen. Einige Proben ans dem danach von dem Lehrer Ezudnochowski eingeschlagenen Verhalten mögen zur Jllustricrung genügen. 1. Eines Tags untersagt der Lehrer den Kindern die Benutzung des— Taschentuchs während des Unterrichts. Dieses gegen die Reinigung des Gcsichtsvorsprungs gerichtete Maßregel begründete er wie folgt: ,. w e n n I h r S o l d a t c n seid, m ü ß t I h r bei der Parade den Schnodder runter schlucken und dürft Euch nicht ausschnaube n." 2. Ein Schüler wird vom Lehrer beschuldigt, den Tisch um- geworfen zu haben. Der Schüler bestreitet die Beschuldigung. Darauf belehrt ihn der Lehrer„wenn Du es nicht warst und ich age. Du warst eS. dann bist c s auch gelvese n." ' 3. Bei einer Besprechung der Aiertrinkcrci der alten Germanen ällt der Ausdruck:„Ihr wißt, wenn man viel Bier trinkt, dann k.... man." 4. Der geographische Unterricht wird eines TagcS durch die Redeblüte„das ist so klar wie Sch---- dreck" verschönt. 5. Dem Bildungsdrang und dem Widerwillen gegen Roheit kommt der Bildner der Jugend durch die Wendung ,. n u n stört einen das R.. schon wieder" entgegen. Als hierauf ei» Kind lacht, wird eS gekniffen und geohrfeigt. Die über eine derartige Erziehungsmethode empörte Mutter sucht der Rektor durch den Hinweis zu beruhigen: der Lehrer stamme aus O st- p r c n ß e n. man müsse mit ihm Geduld haben, er(verde sich die Ausdrücke schon mit der Zeit abgelvöhnen. 6. Bei einer andern Gelegenheit ruft der aus Ostpreußen tammende Jugcndlchrcr den ihm zur Ausbildung anvertrauten Kindern zu:'„Von Euch ist ja nicht inchr zu verlangen. Denn hier im Osten>v o h n t ja nur lauter Arbeiter- gefindel. Ihr seid von Jugend aufSoeialdemo- k r a t e n; im Westen kommt so etwas nicht vor." 7. Einige Tage nach der zu 5 erwähnten Beschwerde erhält der Sohn der'Beschwerdeführerin vom Lehrer Ohrfeigen. Der Lehrer ragt ihn dann:„Du bist doch der Junge, dessen Vater sich über mich be?chwertc?" Als der Sohn diese Frage bejaht hatte, schlug der Musterlehrer den Knabe» mit einem Stock. 8. Am folgenden Tage setzt der Lehrer den Sohn der Bc- chwerdeführerin, der bis dahin Zweiter in d e r K I a s s« war, ans den letzten Platz. 9. Bei einer anderen Gelegenheit begleitet der städtische Lehrer die Austeilung einiger Ohrfeigen mit der liebevollen Wendung: „Wenn Du Hund unter meine Hände kommst, mußt Du krepiere u." Daß auch nur eine dieser Beschwerden unrichtig sei, behauptet die Schuldeputation nicht und trotzdem lehnt sie dicBittc'mn Ilmschnlimg des Kindes ab! Der Vater hat sich nunmehr an daS Provinzial- Sckmlkollcginnl mit dem Antrag gewendet, die Umschnlnng seines Sohnes herbeizuführen und die disciplinare Bestrafung dcs Muster- lehrcrs zu veranlassen. DaS Benehmen deS Lehrers ist inzwischen ein noch auffallenderes geworden. Als er von der Absicht deS VaterS ich bei der Schuldeputa'tion zu beschwere» Kenntnis erhielt, besuchte :r den Vater, gab zu, daß die Beschwerden berechtigt ' e i c n, bat aber von einer Wcitervcrfolgnng der Sackie Abstand zu nehmen. Der Vater war anfänglich geneigt, dem Wunsch nach- zukommen, lehnte ihn aber schließlich mit Recht ab. um in Zukunft eine und andere Kinder vor solcher Art des Unter- richtö zn bewahren. Nach dieser Ablehnung beauftragte der Lehrer Ezudnochowski einen Schüler Ivährend des Unterrichts. r s o l l c seinen Eltern bestellen, Ezudnochowski würde sich nicht wieder so weit erniedrigen. Leute, die im Keller wohnen, z u besuchen und . e i n e S ch« l d e in z u g e st e h e n: er nehme alles zurück, was er zu seiner Entschuldigung gesagt habe. Bon nun an zog der kleine Lanzing fast täglich eine'(vcnig erfreuliche Aufmerksamkeit seines Lehrers" auf sich. Der Vater des geplagten Jungen hat seinen Sohn nun- mehr geboten, einem derartigen Unterricht fernzubleiben. Es kann keinem Zweifel unterliegen, daß ein Verfahren, das den Erfolg haben kann, die Achtung des Schülers vor seinen Eltern und vor ich selbst herabzusetzen, kein Schulnnterrichl ist. DaS Provinzial-Schulkollegium dürste zweifellos der Beschwerde deS schwer gekränkten VaterS stattgeben. Ungeheuerlich ist es, daß die Schul- depntation bei solcher Sachlage dem Vater zilinutet, sein Kind von dem Lehrer Czudnochoivski unterrichten zu lassen. Die ganz überwiegende Anzahl der Berliner Lehrer wird zweifcl o S ei» solches Vorgehen energisch verurteil c ii. TaS Perhalten der Stadtverordneten Mehrheit in de» Enbmisflonsfrage(vird anch von linkslibcralen Blättern schars verurteilt. Die„33 c r l. Z i g." schreibt: Die Berliner Stadtbcrordneten- bersannnlnng hat gestern eine günstige Gelegenheit gehabt, ihr Interesse für den socialen Fortschritt, für Förderung des socialen Friedens zu bekunden und zn bethätigen, und sie hat diese Gelegen- heit beschämender Weise wieder einmal ungenutzt vorüber gehen lassen; ja. sie hat sich durch Ablehnung durchaus matzuollcr Forderungen, die im In-»nd Auslände längst als berechtigt an- erkannt sind, daS traurige Zeugnis ausgestellt, daß sie an social- politischer Einsicht nicht den Genieindeweseii des Reiches als Muster und Beispiel voranleuchlct, wie es sein sollte, sondern daß sie, un- berührt von aller modernen Zeitströmung. mit K r ä h w in k e l und Schöppenstedt an rückständiger Beschränktheit wetteifert. Aehnlich schreibt die„ V o l ks- Z c it u n g": Es ist in hohem Maße beschämend für den im Rote» Hause zur Zeit leider noch tonangebenden FraksionSIiberalismuS, gegen den die Neue Linke niid die jocialdemokratischc Fraktion vergeben» ankämpfen. daß er auf alle diese Dinge nnd deren Ilnhalibnrkcit erst von socialdcmokratischer Seite aufmerksam gemacht werden muß, wie es gestern wieder i» der Stadtverordneten- Versammlung geschehen ist. Wer die Geschichte dcs Niederganges des Kommniial-Libcraliönzriö studiert, wird solchen Momenten den gebührenden Wert beizulegen haben. Ei» Loblied(vird dem volksfeindlichen Kommunal-LiberalismuS selbstverständlich in der ,. B o s s i s ch c n Z c i t n n g" gesungen. Für dies Blatt steht es. so(vcit SubmissionS-Ilngclcgcnheiten m Betracht kommen,»in die Frage der Wohlaiistäiidigkeit des Verhaltens der Inhaber kommunaler Ehrenämter folgendermaßen: ,.3Lo daS Interesse daran,(vle eine Sache entschieden wrrd. ganz und gar erlischt, erlischt sehr häufig auch das Sach- ver st ä n d n i s. Man käme folgerichtig dazu, als Stadt- verordnete nur solche Personen zuzulassen, die ganz nnd gar kein Erwcrbsintcresic haben, sondern von der Rente ihres Vermögens leben. Und selbst bei diesen müßte noch nachgefragt werden, welche Arten von Slkticn sie etwa besitzen." Das ist zwingende Logik, mit der man auch sonst noch wunder- hübsch argumentieren kann.' Nach ihr gewinnt z. B. der Handels- redactenr einer Zcittmg„folgerichtig" mir dann Jnleresse an der richtigen nnd gelvissenhaften Beurteilung irgend einer Aktien- gesellschaft. wenn er vorher durch möglichst günstigen Ankauf von Äktien sein Wissen über das in Betracht lommendc Unternehmen »ach Gebühr gefestigt hat. Der Winter in Berlin. Die Kälte ist am Freitag noch strenger geworden. Das Thermometer zeigte morgens um Soimenaufgang 17 Grad Celsius unter Null niid fiel im Laufe des Tages nur unbedeutend. Das Elend ivächst infolge der grimmigen Kälte mit Macht und kommt in den Unglückliche», die. die Wärnichallen bc- Völker», nur zum allergeringsten Teil ans Licht. Völlig erstarrt aufgefunden wurde Donnerstagabend nur 9-/» Uhr ei» Schneider F ranz B c t h g c in den Parkanlagen an der Mcmelerstraßc, die im Volkömnndc den Namen Wcberwiesen führen. Der Mann leidet an Krampfanfällcn, blieb bei einem solchen Anfalle hilflos liegen und(ourde erst nach geraumer Zeit auf- gefunden. Die Kälte hatte ihn so stark mitgenommen, daß die Aerzte anderthalb Stunden brauchten, um ihn ins Leben zurück- zurnfcn.— Eine Mitleid erregende Scene spielte sich in der Kommandaiitenstraße gestern Mittag ab. Ein kleines Mädchen, ivelches dort billigen Christbauinputz seilhielt, sing plötzlich an heftig zn weinen und rieb sich unter dem Ausdruck des größten Schmerzes die linke Hand, in der das Kind ein Päckchen hielt. Hinzutretende Passanten erkannten, daß die Hand der Kleinen erfror cn und be- reitS schwarz aufgelaufen war. Während ei» Herr das Mädchen zu einem benachbarten Arzt brachte, bcransialtete ein anderer eine Sammlung unter den anivesende» Augenzengen. Mit dem recht er- hcblichen Betrag derselben winde das Kind, nachdem der Arzt es verbunden,»ach Hause geschickt. Das Publikum soll, so meldet die „Staatsbürger-Zeitting". sein lebhaftes Mißfallen über die Rücksicht»- losigkeit der Eltern geäußert haben, welche die Kleine bei dieser Kälte ans' die Straße hinäusgeschickt hätten. AlS ob die arme», Leute ihre Kinder zn», Vergnügen ans die Straße hinauSschicken! Als durchaus n n z n r e i ch c n d wird das Heizmaterial bezeichnet, ivelches die Garnisonvcrwaltnng den Wachen täglich zn- weist. Bei kleineren Wachen, wie 3. B. den Kasernenwachen, legen die Wachm, annschaften,(vollen sie dauernd eine ivarmc Wachtstnbc haben, bisweilen Geld zusammen zum Ankauf einer Quantität Kohlen und Holz. Einen sonderbaren Anblick gewähren aber Wachtniannschaften der Neuen Wache ain Kastaniemväldchcn,(venu sie deS Abends oder des Morgens mit dem Kohlenkasten nach der Schloßtvache wandern,»in, dort Kohlen zu er- bitten. Da der Schloßtvache von der Schloßverwaltnng un- beschränkter Kohlcnvcrbranch zugestände» wird, so gicbt sie gern den frierenden Kameraden der Neuen Wache ab. ES dürfte sich empfehlen, daß bei der jetzigen Kälte mit der Ausgabe von Kohlen an die Wachtmannschaftcn nicht zu sehr gc— spart wird. Fiihrherren und.Kutscher klagen darüber, daß cS diesmal mit der Beseitigung d e S Schnees selbst in den verkehrsreichsten Straßcnzügen mir langsam vorwärts gehe. Die Pferde haben darunter mehr denn je zu leiden. Diesen Klagen gegenüber muß es anffallen. daß man Slrbeiter der städtischen Straßenreinigung an Stelle» beschäftigt sieht, wo eS gar nicht so dringend nötig wäre. So war gestern vormittag eine Kolonne dabei, den Mittelweg der „Linden", der nur Spaziergängern dient und bei dieser Witterung kaum benutzt ivird, von der hartgefrorenen Schneedecke sorgfältig zu säubern. Die„Große Berliner" treibt weiter mit Entsetzen Scherz. Sie sucht aus den Mißhelligkeite», denen daS Publiikum infolge ihrer Unsähigkeit ausgesetzt ist, für sich Profit zn ergattern. In einer Zuschrift an bürgerliche Blätter weift die Direktion darauf hin, daß sie überall die billigere Oberleitung bewilligt haben miiffe, wenn der Betrieb besser fmiktioniereii solle.?llS ob es an den Accnmulatoren läge, die bei anderen Gesellschaften nnd vor ollem in anderen Städten sich gerade bei Schnee nnd Kälte vorzüglich bewähren! Die Freunde der Prügelstrafe und ähnlicher Grausamkeiten müssen jetzt am Slnblick der Straßcnbahngäste ihre helle Freude haben. Bei der gcgcmvärtigcn sibirischen Kälte haben sich die u n- geheizten W'a gen zn einem Folterinstrinnent entwickelt, das auf Füße nnd Zehe» ähnlich wirkt, wie die Dainnschrauben des Mittelalters aus Finger nnd Hände. Mail muß die Fahrgäste, naincntlich die Frauen beobachten, wie sie sich unter dem grimmige» Schmerz winden nnd kriiimnen, de» die von unten auf- steigende Kälte ihnen bereitet. Als empfindliche Strafberschärfimg würde es gelten, wenn unsere Gerichte besonders hartgesottene Sünder jetzt zu einer oder einigen Stunden Straßenbahnfahrt verurteilen dürften. Wie viele todbringende Erkrankungen mag die Große Berliner ivohl infolge ihrer Profitwut ans dein Gewissen haben? Rem, die G e s n n'd h c i t S p 0 1 i z e i sich ihrer elementarsten Aufgabe» beimißt ist. so zloingr sie die Gesellschaft, die Wagen jetzt wenigstens mit einer geinigend starken Stroh- ' ch i ch t zu belegen, wie es bor einem M c n s ch c« a l t e r. als »och nicht an die jetzt vielfach eingeführte Herzung der Wagen gedacht werden konnte, ii, anderen deutschen Städten üblich war. Die viclc» Zehntausende, die in Berlin die Straßenbahn täglich bc- nutzen müssen, leben ja gewisz nicht in dem vermessenen Äcihn. büß die Gesellschaft, deren Ansveulunc; sie überanlworlet sind, das haupl- sachliche Verkehrsmittel der Ncichshanpisiadt ans das Niveau deutscher Rlcinstödle erheben soll Aber ans menschliche Behandlung haben sie, wie auch die Schassncr und Wagenfiihrcc. im Grunde schon nach den Polizcigejegcn Anspruch Auch die Spree rjl g e s r u c t». Das Treibeis, das sie noch Dcmierstms bedeckte, ist bei dem starken Frost der letzten Nacht zum Stehen gekommen. Der Fluß ist sasl durchweg von der Eis- decke überzogen, mir an den Brücken, unterhalb der Wehre und dort, wo' Schleppdampfer als Eisbrecher Ihritig waren, finde» sich osfene stark dampfende Stellen Aus dem Eise tummeln fich Schalen wilder Enten, die den Passanten am User vielen Spatz ingchei, und nfng gefüttert werden. Besonders zahlreich sindeu sich die gefiederten Wintergaste an der Werdcrschen Brücke, an der Börse an der Weidendammer Brücke und am Schlotz Bellevue. 3»m Beste» der BusichtS Postkarte. Die Annahme, datz durch anderwcite Fassung der postalischen Borschristen der AnsichtS- Postkarte freie Bahn zur weiteren Nnsgcstaltung ivcrden bereitet werden, hat sich bereits erfüllt. Vom 20. Dezember ab sind, wie die„Dtsch. Berk-Ztg." berichtet, im iinicren deutscheil Verkehr bei Postkarlen Vilderschninck nnb Aufliebnngen auf der Rückscile injoiveil zulässig, als dadurch die Ergenschast deS BerscnduligSgcgciistandeS als oftene Pvfikarte nicht beeiiurächtigt ivird und die ausgeklebt««, Zestcl w. der ganzen Fläche nach besesisgl sind. Wenn der Bilder- schmuck durch Prägung hergestellt ist. darf diese an de» süe Adresse und Bestimmungsort sowie für das Aufklebe» der Marke bestimmten Stellen der Vorderseite nicht sichtbar sein. Warenprobeii rmd ähn- liche Gegenstände den Postkarten beizufügen oder an ihnen zu be- festigen, ist nicht gestattet. Bei der angcliindigte» Ausgabe der Jahrhundert- Post- tartcu durch die Rrichspost handelt es sich, wie die.Berk-Ztg." schreibt, nicht um eine neue Art bon Postkarten: die Jahrhundert- Postkarten werden vielmehr mit demselben Stempel wie die neue» Postkarten hergestellt, und in der Wahl der Schriftgattmig für den Vordruck und in der Beschafsenheit deS Kartons soll nichts gepudert werden. Von den gewöhnlichen neuen Postkarten ivcrden die Jahrhundert- Postkarten sich nur dadurch nnterscheiden. datz, wie schon berichler wurde, das Markenbild von emem Lorberkraiiz umrahmt ist und auf der linken Seite der Postkarte eine Darstellnng der aufgehenden Sonne mit der Jahreszahl„1300-' aufweist. Die Jahrhunderl- Posikarlen sind demnach nicht den sogenannten Erinnernngs- oder Gclcgenheits- Postwertzeichen gleichziistellen. bei denen das wesentliche ist.' datz sie ein von dem gelvöhnliche» Typus abweichendes Markenbild führen. und die antzerdem zu einem besonderen, das AuSgnbelmid allein berührende» Zweck' hergestellt sind und nur vorübergehende Gültig- teit haben t die Jahrhiindert-Postkarten markieren»nr einen bedent- samcn Abschnitt in der Zeftrcchnniig, ein der ganzen Welt gemein- samcs Ereignis, und stehen hinsichtlich der Giiltigkeitsdaucr den ge- Ivöhiilichcn Posikarlen völlig gleich. Die Ausgäbe der Karlen wird zu Ende des alicn und zn Anfaiig des neuen'Jahres erfolge». Der einseitige Strastcnbahn-Bctricb durch die Scharen- straste um das Köllnische Rathaus herum ist gestern anfgehoben worden, nachdem die durch den Ahbrnch der' einen Seite des Köllnischcn Rathauses verbreiterte Gerlraudtcnslratze für den ztvei- geleisigen Verkehr freigegeben worden ist. Zur glatten Abwickelung deS Postschaltcrvcrkchrs während der Weihnachtszeit kann das Publikum selbst wesentlich bei- tragen dadurch, datz eS die WeihnachtSpäckereien, namentlich Familien- sciidlNigen, thunlichst an den Vormittagen aufliefert, und zwar «nöglichst mit Marken frankiert. ES empfiehlt sich mich, um Ver- zögeruligen Iii der Vestellimg zu verhüten, für jedes Packet eine bc- sondere Bcgleitadresse auszufertigen. Für die am Pöstjchalter zu leistenden Zahlniigen sollte der Auflieferer daS Geld abgezählt bereit halten. Die Vesolginig dieser Ratschläge würde der Post und dem Publikum gleichmäßig zum Nutzen gereichen. Wegci« des Weihnachtöbcrkchrs ivcrden nur 2i. Dezember (Sonntag) die Annahurcschalter für gewöhnliche Pakete bis fünf Uhr nachmittags nnd die PakctauSgabeschaltcr vom 24. bis 26. Dezember ivie an Wochentagen offen gehalten iverden. Ferner wird am 24. vormittags eine zweite Briefbestellung. stattfinden. Der Wcihnachtönrlanb ist für die Soldaten der Garnison Berlin iir diesem Jahre bei einigen Truppenteilen nnf zwölf, bei anderen auf vierzehn Tage festgesetzt worden nnd beginnt cnt- sprcchend später oder früher, da alle Maiiiischaftcn am 4. Januar, abends, wieder hier sein müssen. Die Nckriilen belommen inir fünf bis sieben Tage. Die Straffcubahulinie Pankom-Mittclftraffe(Sicineus nnd 5?alSke) ivird heute Sounabcnd voll eröffnet, da die Reststrecke Georgenstratzc— Mittelstratze heute abgenommen ivird. Die Wägen verkehren iir Zwischenräninen vvn 5 Minuten. Bei Bedarf werde» zu dcil Hmiptvei-kehrSsiimdcn noch Einsatzwagen eingelegt. Der Fahrpreis für die ganze ca. 9 Kilometer lange Strecke beträgt 10 Pf.; der Preis der Monatskarten 5 M. und der Schiilerkarteil 3 M. Die Ausgabe der Monatskarteii nnd Schülerkarten erfolgt onf dem Bureau Hollmannstratze 34 nnd auf dem Betriebsbahnhof in Pankoiv, Damerowstratze. Die Fährzeit für die ganze Strecke bc- trägt 41 Minuten, für Gcslindbrrumeii— Friedrichstratzc 2ä Minuten, Stcltiner Bahnhof— Friedrichstratzc 12 Minuten. ReujahrSiltlizug. Der am 2. Janiiar k. I. beginnendc II m- z n g mutz bei kleinen, änS höchstens ztvei Ziinmcrn mit Zubehör bestehenden Wohnungeli an demselben Tage, bei niittleren, aus drei oder vier Zimnrern nebst Zubehör bcslchciiden Wohiiungen am 8. Januar, mittags- 12 Uhr. bei grotzen, mehr alS vier Wohn- zinliiicr umfnsicndcil Wvhiiuiigcn am 4. Januar, miitagS 12 Uhr, kcendct fei». Das Mcy«. Edlichschc Geschäftshaus Friedrichsir. 173, Ecke Taubeustratze, ist, Ivie der„Koilfektionär" erfährt, für den Preis von 1 750 000 M. verkauft Ivorden. DaS Grundstück soll zu einem Warenhaus für Damenmoden bestimmt sein, ivclches cine Parifcr Firina im Laufe des nächsten Jahres errichten will. Eine«reue Brrbindnng wird zwischen der Frankstiricr Allee und der Rigäerstratze im Osten der Stadt, in der Nähe des städti- sckieit Vieh- nnd SäflacksthofcS, hergestellt.. Der neurn Stratze fallen die Grundstücke Araiiksnrier?lllec 33 bis 42 zum Opfer. Sic bc- deutet eine weientlichc Abkürziiiig, nameiltlich für den Verkehr zwischen dem Viehhof einer-»nd Borhagen und FricdrichSbcrg aitdcrerscits, da sie den Umweg durch die ProSkaucrstratze befestigt. Der Anarchist Buchbinder Hugo Jacoby, welcher 1836 vom Reichsgericht wegen Verleilnug zum Hochverrat(Vergehens gegen das Sprciigstoffgesctz) zu dreieinhalb Jahren ZiichthauS verurteilt ivurdc, vcrläfft am ersten WcihnachtStage die Slrafanstatt zu Halle. Seine Parteigenossen haben Sammlungen für ihn cingclcstct. Der Antisemit Sedlaczek, dessen Auswanderung nach Trans- vaal und Teilnahme am Kriege ein Berichtersialicr meldete, befindet sich, lvic ein anderer Berichterstatter mitteilt,„unverwnndet" in Berlin. Ein Nitglücksfall auf der Stadtbahn. Gestern abend er- eignere sich auf dem Bahnhofe Savignyplatz ein schtvcrer Unglücks- fall. Beim Aussteigen aus dem Znge glitt ein unbekannter Mann so nnglücklich ans. datz er unter die Räder kam lind erhebliche Verletzungen erlitt. In bctvntzilosem Zustande wurde der Mann nach der Ünfallstation XX. gebracht. Nach Leiftnng der ersten Hilfe erfolgte sein Transport in das Spital in Charloltenburg. Tic laudcspolizcilichc Abnahme der Leitungsanlage sür de» elektrischen Betrieb der Stratzenbahlilinie Lützoivplatz— Zoologischer Garten— Berlincrstratzc— Bahnhos Westend(Berlin- Charlottciibiirger Stratzenbah») hat gestern vormittag stattgefuiiden. Der elektrische Betrieb ans dieser Linie wird am Montag eröffnet werden. Die .Linie erhält„gemischten" Betrieb. Am Schauktisch vom Tode ereilt wurde Tunners taaabend gegen ll Uhr die 28 Jahre alte Hedwig Malabar, die be! dem Gastwirt Schmidt in der Bcrnaucrstr. l6 als„Büffeumamsell" beschäftigt' war. Erwischte Scha>tkasteudirbe. Gestern gegen Mitternacht be- merkic der Nachrivächtcr Melhe ztvei Männer, welche sich an dem Schaukasten des Optikers E. Roscnthal, Auguststr. 5. zu schaffen machten. In kurzer Entfernulig davon sah der Nachtwächter zwei andere Männer, welche„Schmiere" stände». Er verständigte von seiner Beobachtung einen'Schutzmann, dem es im Verein mit dem Nachtwächter gelang, zwei der Gesellen festznnehmen. Auf dem Polizeirevier, wohin die Einbrecher gebracht wurden, fand man bei dem eine», der sich als Gärtner anSgob. schwere Einbruchstverkzeuge und ein ivohl assorlicrlcs Lager von Dielrichen. Ä» der Tollwut gcstorbc» ist der Stcllcnbesttzer aus Neustadl in Obcrschlcsien. von dem wir mitteilten, datz er von seinem iviltlranken Hiiiidc gebissen wurde und die rechtzeitige Jnanspruch- nähme der Schutzstalion versäumte, obwohl die Krankheit bei dem Hunde alsbald scstgcstcllt worden war. Feucrbericht. Eine ungewöhnlich hohe Zahl von Alarmicrungen ist seit Donnerstag zu verzeichnen. Früh 7 Uhr kam Koch- st ratze 70 7l im Keller der Firma Mittler u. Sohn durch die Dampsheiznngsanlage ein Brand ans, dem infolge starker Ranch- entwickclnng mir schwer beizutommeli war. Hauptsächlich wlirdeii nur Papierabfälle zerstört, so datz der Schaden unwesentlich ist. Ein weiterer Kellcrbrand mutzte kurz darauf Lützowst ratze 7 beseitigt werden. A l t- M o a b i t 35 wurde verschiedenes Gerumpel auf den Boden eingeäschert. Zug 17 hatte später Linden- stratze 29 eincil kleiiicn Dachstiihlbränd zu dämpfen. Mittags erfolgte Alarm nach der Markthalle in der R e i n i ck c n d o r s e r- stiatze 26, in deren Keller Feuer aufgekommen ivar. Die� Gefahr konnte jedoch»och mit Leichtigkeit beseitigt werden. Scharnhorst- stratze 7» war ein Küchenbrand abzulöschen. Kleider, Wäsche und Küchengerät gingen Lu is enstr. 33 in Flammen auf. Nachmittags erfolgte ein Ausrücken nach Münzstr. 14/15, wo Boden- verschläge Feuer gefangen halten. Durch Sclbsteiitzündung von Pretzkohlen enlständ Lausitzerstr. 15 ein kleiner Brand. Wegen irrtümlicher Fenerbefürchinng erfolgten abends Alarme nach Lychener st ratze 9 und K o t t b u s e r(Damm 88. Gegen 7 Uhr enlsland G c o r g e n k i r ch st r. 17 ein kleines Schadenfeuer. Zur selbe» Zeit wurden M a r i e n st r a tz e 12 Möbel, Futzboden und Balkenlage eingeäschert. Eine halbe Siimde später erfolgte» Z o r k st r o tz'c 62 und Ufer stratze 14 Kellerbrände. Gegen 10 Uhr brannle K o l o ni e st r a tz e 18/13 ein freistcheiider Schuppen. Gleichzeitig tvar Neue Friedrichstratzc 43 in einer Cigarettcnfabrik ein Schadeiifeuer abzulöschen. daS leicht größere Dimensionen hätte annehmen könile». Ciiiem Alarm nach C h a ii s s c e st r a tz e 3 lag ein Brand zu Grunde. der einen erheblichen Teil der Dachkoiistrnktion einäscherte. Wasserrohr- brüche verursachteii ein Eingreifen der Wehr in der S ch m i d- st r a tz o 12 und Bclle-Allianccstr. 8. Rothe norv er- st r a tz c 6 ivar ein Schaufcnsterbrand zu beseitigen. Freirag früh 10 Uhr wurde M i t t c l st r. 46' der Fußboden vor cine!» Ofen ein- geäschert. Kurz darauf stand Bendlerstr. 23 der Dachstuhl in Flammen, die einen grotzen Teil desselben zerstörten. Die Wehr konnte erst nach 2'/e Slunden wieder abrücken. Beim Tchlittschuhlnufc» vernnglückt ist der 2l Jahre alte Kanstriann Robert Lcvin aus der Eisenbahnstrahe 37. Der junge Mann kam auf der Eisbahn zn Falle, brach sich den rechten Unter- schenkcl und mußte nach der Charitö gebracht«Verden. Wegen Untcrschlnguilg verhaftet worden ist der 25 Jahre alte Kaufmann Rcinhold P.. der seit zehn Wochen in der Wcbcrschen Weitzbicr-Braucrci in der Alten Jakobstratzc 3 als Bnchhallcr an- gestellt ivar. P. zog am Sonnabend bei Kunden 65 M. ein nnd berichtete dem Geschäftsinhaber, datz er sie verloren habe. ES wurde aber bckaniit, datz er nach dem Vorfalle erheblich mehr Geld ausgab als vorher. Man nimmt daher an, datz er daS angeblich verlorene Geld für sich verbraucht hat und»ahm ihn in Haft. Eine nahezu totale Mondfinsternis ivird in der Nacht vom Sonnabend, den 16., zum Soimtag. den 17. d. M., staitfinden. Die Grötze der Verfinsterung beträgt 99.8 Proz. des Mondurchmcffcrs, cS ivird also nur noch cine äußerst schmale, an ihrer breitesten Stelle cltva 3.3 Bogeuseklmden messende Lichtsichel bon der Mondscheibe sichtbar bleiben. Ter Eintritt dcS Mondes in den Schattenkegcl der Erde erfolgt am linksseitigen Mondrand oberhalb der Mitte, der Austritt ans demselben am rechtsseitige» Mondrand oberhalb der Mitte. Die FilisterniS beginnt um12Uhr 44 Minuteii. ist am grötzten um 2 Uhr 26 Mimiicn»nd endet um 4 Uhr 8 Minuten. Diese Angabe» sind in niittclcuropäischer Zeit gegeben, weil sie für alle Gegendeii, ivelchc sich der mittclcnropäischen Zeit bedienen, gültig sind. Es sind dieS die Länder Tclitsckiland, Holland. Schweiz. Italien. Ungarn sowie viele Städte Oestreichs. Erhöhtes Interesse gewinnt diese Mondfinsternis durch den Unistand. daß gegen den Schlutz der Vcr- finsterung der Mondscheibe der Planet Neptun vom Monde verdeckt wird. Die Beobachtling dieses Phänomens, die sonst wegen der ge- ringen Helligkeit des Neptun(in der Opposition, also im günstigsten Fall ist letztere gleich der eines Sternö der Gröheiiklasse 7.T) für mittlere Fernrohre fast unmöglich ist. kann also diesmal, wenigstens teilweise, unter verhältnismätzig günstigen llniständeii stattfinden.— Die Uraiiia-Sternwarte in der Jnvaiiddiistratze ivird für Besuchcr vou UVa Uhr ab niiiinterbrochen geöffnet sein) inu 13 Uhr begiimt ein etwa halbstüiidiger Vortrag des Herrn G. Witt über Wesen und Verlauf von Sonnen- und Mondfinsternissen. Treptotv-Zternwarte. In der Nacht vom Sonnabend zu Sonntag bleibt der Mondfiiistemis wegen dle Treptow-Stern iv a r t e für das Publikum geöffnet. Sonnabendabend 9 Uhr spricht Direktor Archenhold über i„Die bevonichcnde Mondfinsternis." Sonntag, den 17. Dezember, lautet das Thema des Tortrages nachmittags um 5 Uhr:„Ein Auöflug in die Stcriienwelten" und um 7 Uhr:„Sternhaufen und Nebelflecke Zu allen Vorträgen habe» die eniiäöigten Vereinsbillets Gültigkeit. Von Montag, den 18. Dezember, bis einlchlietzlich Montag, den 25. Dezember, bleibt daS Institut wie alljährlich geschlossin. Im Schiller- Theater findet die dritte Vorstettimz im Schiller- EiikliiS„Don Carlos� Sonntagnachmittag statt. Vorbereitet wird jetzt das Lustspiel„In Behandlung" von Max Drener, das noch vor de» Weibnachts- fciertagcn herauskommen ivird.— Im Carl Weih-Theater gelangt heute abend 7Vz Ubr als letzte Kindervorstellung das Zauberniärckien „Aschenbrödel" zur Aufführung.— Morgen,. Sountagabeiid, bleibt dcr „Weltuntergang" auf dem Spielplan.„Schneewittchen und die 7 Zwerge gelangt am Soiinabeudnachuilttag, den 23. d. M, 31,; Uhr, zur erstmaligen Aussühinng. Ans de» Nnchbnrorte». Sluöweisung des Gciioffcn Anton Kopp aus dem prenffischen Staatsgebiet. Dcr Amtsvorstehcr zu L i ch t e n b e r g-Fried richs- b c r g hat dem Vertrauensmann des Riederbmnimer Kreises folgende Berfügnng zngehcir lassen: Der AmtSvorsteher. A. V. 19 220. Lichtenberg.. 12. Dezember 1899. bei Berlin O. Sie haben sich als Ansländer lästig gemacht und werden da- her hierdurch aufgefordert, den hiesigen Ort sowie das preußische Sraatsgebicr binnen 14 Tagen von Behändigung dieser Vcr- süguiig ab gerechnet mit Ihrer Familie unbedingt zn verlassen. Sollten Sie dieser Ansfordcrung nachzukommen sich Iveiger» und nach Abkanf der erbaltenen Frist noch hier betroffen iverden oder hierher zurückkehren, so wird gegen Sie auf Grund des H 132 Nr. 2 des Gesetzes über die allgemeine Landcsverivaliuiig vorn 30. Juli 1883 eine Geldstrafe von 30 M. oder im Unvermögens- Falle eine Haftstrafe von drei Tagen festgesetzt nnd vollstreckt iverden, auch haben Sie aus Grund des§ 132 Nr.3 des vor- gcdachtcn Gesetzes ZwangstranSport zu geivärtigen. Sollten Sie ohne Erlaubnis ii, das Gebiet des preußischen Staates Znriickkchren, so haben Sic auf Grund des§361 Nr. 2 des Strafgesetzbuchs für das Deutsche Reich eine Haftstrafe bis zn sechs Wochen zu gewärtigen..>..., . Ziethen. An den Weber und Zeitungsspedilcur Herrn Antoii Kopp. Friedrich Karlslrotze 4...... Wodurch sich Genosse Kopp..lästig gemacht" habe, stt in der Versüguug nicht verraten. Kopp ist am 1 Noveniber 1343 in Neu- kirchcn m' O e st r c i ch geboren, hat fich seit dem Jahre�Itz»:; in FricdrichSbcrg iiiedcrgeiaffc» und wohnt also seit 16Jahrcn in Pre ntzen. Er ist niemals bestrast und hat die aus ihn ent- fallenden Steuern stets pünktlich berichtigt. Er genießt auch außer- halb der socialdcmokratischcn Partei, ssil' die er seit dem Jahre 1832 als K r e i s v c i t r a n e ii s in a n n wirkt, hohe Achlung in allen Bürgcrkreisen. Wodurch soll er sich„lästig gemacht" haben k Vom Reichstag wird die Kleinigkeit van einer Milliarde begehrt, nnr wohlhabende Deutsche außerhalb Deutschlands noch wohlhabender zu machen nnd um schutzbercile Kanonen auch antzerhalb Deutsch- landS doimern zu lassen, salls ein Nichldcntschcr es ablehnen sollle. sich zum Deutschen„kolonisieren" zu lassen oder falls ein Nichtdentschcr mit eineni anderen Nichtdeutschen eine» Streit hoben sollte. Und ans Preußen iveist das„mächtige, kraftvolle" Preußen. dessen Politik susi jetzt am eijrigsten durch den Galizier Schweinbnrg vertreten wird, einen harmlosen Ocstreicher ails und vernichtet sein kleines G e sZch ä s t. seine iii ehrlichem Ringen mühiam ertvorbene wirtschaftliche Existenz Freilich. Kopp ist lein Groß- industrieller. Die AuswcisNngSvcrsügnng wirkt vcsondcrS hart durch die kürze Spanne Zeit. die dem ans dem Krrlturstaat Prcutzcn AnSgeiviesencn gelassen ist. Ohne Rücksicht ans die laufenden vertrag- lichen Vcrbiiidlichkcitcn des Genossen Kopp Iverden knappe 14 Tage ihm zur Akcgclnng seiner wirlschastlichei, Angelegenheiten belasten. Kopp hat den Beschwerdeweg gegen die Airsweffungsuersügimg und gegen die Kürze der ihm gestellten Frist betreten. Auf dem- selben Ivird er wohl auch erfahren, iveshalb er plötzlich dein preußischen Staat..lästig" gefallen sein soll Den Riederbärnimer Genossen aber und de» Genossen DeutickilandS iveit über die Grenzen dcS Kreises Niederbarnim hinaus ivird diese Ausiveisimg eines, ruhigen. stclS opferbereiten, rastlos im Interesse der All- gemeinheii' ihätigcii Genossen ein erneuter Ansporn sei», die Millionen iiocki abseits der Socialdcmokratie Stehenden über dieNatnr des heutigen Klassciistaats anfziiklärcn. Wie klein und schwächlich stefit doch ein Reich da. daS Weltmachispolitik treiben ivtll und eine AnsivcisimgS- Politik befolgt, die lediglich für eine.«ulturstufe gegen cmoiidcr streng abgeschlossener Völker eine Art Berechtigung gehabt haben mag.' Sollte das Flottengesetz zu stände kommen, so wäre als Artikel ll des Flottciigcsctzcs eine ausdrückliche Aufhebung der von den eiiizelstaatlichen Rcgicrnngen behaupteten Answeistmgsbcfngilis gegenüber„Ansländcrn" am Platz. Ans jeden Fall ivird ivohl dieic auffallende Äusivcisuiig auch im Sieichstag zur Besprechung gelangen. Spandan. Parteigenossen! Nachdem die Kommnnälivahlcn, welche bisher iinserc Kräfte in erhöhtem Matze in Anspruch nahmen. vorüber sind, mutz es»nsere nächste Ausgabe sein, mit aller Macht für de» Ausbau unserer politischen Organisation am Orte, des „Socialdemokratischen Arbeitervereins", soivic für die größtmöglichste Verbreitung der Parteipresse zu sorgen. Wir haben erst ivicder bei den letzten Wahlen wahrnehmen können, welche wichtigen Dienste uns unsere Presse in dem Wahllampse leistete: leider wird dieselbe noch viel zu wenig gelesen. Parteigenossen, das mutz anders werden I Der bevorstehende Winter lätzt uns hinreichend Zeit, gründlich an diese Kleinarbeit zu gehe». Jeder einzelne Arbeiter. der sich zu nnscrer Partei zahlt,»nutz es als seine Pflicht betrachten, sowohl der politischen Organisation b c i z n t r e t e n inid die Arbeiter- Tagespreise zu halten, als auch vor allem seine Kollegen. Freunde nnd Bekannten mit dem Gedanken des SocialiSinuS vertraut zu niachcn und in«hiien neue Mi t kä m p f e r sür unsere Ideen zn werbet'. Die Organisation nnd die Presse sind die w n ch- t i g st c n rmd zuverlässigsten Waffen im Freiheitskampfe der Arbeiter. Darum Parteigenosse»; Auf z n r neuen Agitation 8» arbeit! Beitrittserklärungen zur Organisation nehmen die Ge- nossen Schröer, BiSniarckstratzc 6. Rieger, Moltkcstratze 3, D u ck ch. Jagotvsiratze 2,»nd alle nndorcn bekannten Partöi- genossen entgegen. Bcjtclllnigen auf die Parteiprcsse sind an unscre P a r l e i s p c d i t i o n, B i s in a r ck st r a tz e 6(schröer) zn richten. Durch Kohlcnoxydgaö vergiftet. Ein schwerer Unglücksfall. bei dem zwei Arbeiter ihren Tod gesunden, hat sich in der Nacht zn gestern in S ch ö n e b c r g ercignet. Der 2Sjährige Polier Bernhard Helirrhold nnd der 20jährige Schlaffergesekle Willy Zellmer� mutzten die zugesrorene Wasserlcitnng eines Klosetts im vierte» Stockwerke des HauieS 71 in der Goltzstratze aufthanen. Bei dieser Arbeit be- mitzteii sie einen kleincir transportablen Holzkohlen- Ofen. In der Nacht fniid man die beiden Arbeiter in einer an das Klosett an- stotzendcn Kammer erstickt vor. Der Skauni war von giftigen Kahlen- gasen vollständig erfüllt. Alle Wiederbelehnngsversuche blieben erfolglos. Hclinhold hinterläßt Frau und Kind. Tie grgei« die Tchiftscbcrgcr Stadtverordneten- Wahlen in drei Bezirken der III. und II. Äbiciluiig von den unterlegenen Kairdidatinr erhobelien Proteste sind von dem Wahlausschiiß der Stadtverordneten-Versaininliing insgesamt für uirbcgründet. die bc- treffenden drei Wahlen: Klempner M a s u ch>Soc.). Kaufuiann Bcrgcma nn und Kaufmann Ä n v i g nebst Manrerincister Schulz, also für gültig erklärt ivorden. Tic Einführung der nengewählten acht Stadträte und dcl 28 neiie» Siadtverordnelen in der Stadiverordiieleii- VersainlnlnNg von Charlotten bürg ist auf den 10. Januar festgesetzt worden. Zur Berhaftnng des Feldwebels Grahl vom Garde- Grciiadier-Regiinent Nr. 5 in Spandau wird berichtet, datz G. sich der lliiterschlaguiig i» sehr vielen Fällen schuldig gemacht hat. Er verliiitrente sowohl Spargeldcr der Unteroffiziere im Betrage von 500 M., als auch eingegangene Postgeldcr der Mamischaftcn; auch »nterlictz er häufig Zahlungen, für die er das Geld erhalten hatte. Er hat solche Strafthatcn feit längerer Zeit begangen. Seine Ber- Häftling erfolgte antzerhalb, im Hanfe ieinor Schwiegereltern: er war- im Begriff, in den Eivilstaud überzutreten und hatte Urlaub, inn sich nach cineiii neuen Beruf uinzns.cheii. Vom Tbcrpräsidcntc» der Provinz Braiidcnburg erhielten cine Anzahl Wieseiibesitzer in F ü r st en iv a l d c nnd Umgegend, die anläßlich der ividcrholten H o ch w äss e r s ch ä d e n an d c r Spree und am Odcr-Svrec-Kanal die Regierung um baldige Ab- Hilfe angegangen hatten, unter dent 7. Dezember den Bescheid auf ihre Eingabe. Daraus geht hervor, datz. nachdem die bisher ans- gearbeiteten verfchiedencii Verbeffernngspläne wegen des erheblichen Kostenanfivaildcs nicht zur AuSführnng. gelangten, jetzt„ene Pläne ausgearbeitet find, die eine Vcrbcffcrimg der Borflut im Auge haben «itiö zur Zeit der Bcrhandlung bei den Ecntralbchördeit unterliegen. Ob ivcscnlliches dabei herauskommen wird!? Auf der Westlichen Vorortbahn ist jetzt endlich auch in Steglitz die Oberleitung hergestellt nnd damit auf allen Linien der reine Oberleitungsbeirieb eingeführt worden. Ei» Teil der Gebr. Neichsteilischcu Fabrik in Branden- bürg a. H. ist durch Feiler zerstört worden. Der ist der Nahe der Lackicrcrei entstandene Brand fand besonders in den Lagerrältznen, >vo sich Tauseiide von zum Teil schon zum Versand fertiggestellten Kinderwagen befanden, reichliche Nahrnng. Trotz großer Anfireligwig der Feilerwehr sind sieben Säle zum größteil Teil onsgcbrannr und zerstört. Auch KlcidniigSstncke der Arbeiter sind vielfach ein Raub' der Flammen geworden'. Der angerichtete Schaden Ivird auf 175 000 M geschätzt._ Gevichks-Zeikuttg. Die Polizei im Herner Streik. Aus Bochum wird uns berichtet: Vor der Strafkammer des hiesigen tgl. Landgerichts fand am Freitag wiederum ein Nachspiel zu dem Ende Junl d. I. vorge- kommcnen H e r n c r Bergarbeiter�AuZst and statt. Aus der Anklagebank erscheinen: 1. der Redacicur dcS„Volksblatts für den Wahlkreis Bochum'" Paul Wols, 2. der Rcdacteur der „Rheinisch-Westfälischen Arbeiter-Zeilung". Rudolf Leb ins lDort- mund). In Nr. 228 des„Bochumcr Volksblatts" boni 30. Juni l8Zb erschien ein Artikel mit der Ileberschrift:„Der Streik in Herne." Ter Artikel schildert das Eingleisen der Polizei während des Bergarbeiter- AuSstandcs. Tie Angcllaglcu erhielten deshalb eine Anklage und halten sich nun wegen Verbreitung nicht er- weislich wahrer Thatsachcn, die geeignet sind, die bei dem Hcrnec Ausstand dienstlich thätig gewesenen Polizeibeamten und Gendarmen in der ostcnllichcn Meinung herabzuwürdigen, zu verantworten. Das Gericht ocrurlcilte den Angeklagten Wols zu 200 M. und LebiuS zu IVO M. Geldstrafe. Aus drv FrAnrnbrmegnng. Ter Verein für Frauen und Mädchen der Arbeiterklasse Seranstaltct am zweileu Wcihnachtsfcicrlag in den Arminhallen Kommandantenstr. 20, eine Weihnachlsscier. Vom Prograinm sei hervorgehoben: Kinderbescherrzirg, Deklamation, Gesangsvorträge und Tanz. Billcts a 30 Ps. sind zu haben bei: Frau Mcsch Lychencrstr. 3. Frau Pansram. Pappcl-Allee 128, v. l. Frau »lotsch. Koppenstr. 8l. H.-l V Frau Thiede. Gr. Frankfnrtcrstr. 63. Frau Müller, Wicsenstr. 30, II. lim recht zahlreichen Besuch unserer Mitglieder und Gäste bittet Der Vorstand Die Anstellung von Schulärztinnen wird in Petitionen des Vereins Fraueustndium und des hiesigen Zwcigvereins der internationalen Föderation air Magistrat und Stadtverordnete der Stadt Berlin verlangt. DaS Verlangen basiert auf dem im Ausschusse des Stadtverordneten-Kollegiums beschlossenen Plane, vom 1. April 1000 au eine Anzahl Schulärzte probeweise jiir zwei Jahre anzustellen und fordert die weiblichen Llcrztc für die Schul m ä d ch c n Wir halten das Verlangen, für ganz berechtigt. VermisÄzkes. Vom Winter. Auch heute liegen wieder aus allen Teilen Teutschlands Nachrichten über entsetzliche Kälte bor. Ans vcr- schiede, icn Gegenden werden Todesfälle durch Erfrieren gemeldet. Die Flüsse sind durch deu Frost überall stark gefallen und zum übcrwicgeildeir Teil zugefroren. Zahlreiche Flnstschiffe sind ein- gefroren. An der Elbe- und Wesermündung kann der Verkehr nur noch mittels Eisbrechers ausrecht erhalten werden. Die Kälte in Deutschland schwankt zwischen— 6 und—25 Grad.— Das M o s e l e i§ hat� sich zwischen Stcrck und Remisch gestellt. Der starke Schneefall verursacht in Belgien allgemeine Vcr- kehrsstörlmge». Auf den Lütticher und Lurcmburgcr Linien hatten sämtliche Züge Versvätmig. Der Postdainpfer von Dover»ach Dstendc konnte nicht abfahren. Aus verschiedenen Teilen deS Landes werden Todesfälle durch Erfrieren gemeldet.— Seit vorgestern herrschen in ganz Italien bis Neapel bei strenger Kälte heftige Schneestürme, die überall großen Schaden angerichtet haben. Zahl- reiche Eisenbahn- und Telegrapheuverbindungen sind unterbrochen. Gestern ist Regenwetter eingetreten, so daß lleberschwcmmungen zu befürchten sind. Aus der Grube Grauschüt; ereignete sich wie aus Weißen- fels berichtet ivird. ein enijeyt,chcr U n g l ü ct s s a l!. Der achtzig- jährige st) Aufseher Scharf wollte den Fahrstuhl kontrollieren, als dic'er plötzlich niederstürzte und den Greis buchstäblich zermalmte. Ter gräßlich zugerichtete Verwundete starb sosori. Er war Kriegs- invalide und hatte. zwei Feldzüge mitgemacht. Auf dem belgischen Postdampser Leopold II. siel, wie man aus L st e ii d e berichlet. der erste Maschinist über Bord und sand mit dem zweiten Maschinisten, der ihn retten wollte den Tod. Eine Todesiahrt in die Donau. I» der Gemeinde JIol sSlavonien). feierte der Grundbesitzerssöhn Siefaii Mauylovic seine Hochzeil mit Marie Stanovic. Die Hochzcitsgcselljchaft fuhr da»» aus acht Schlitten nach dem Wohiiungsort dcS Bräutigams. Der Weg führte über cincii hohen Abhang nebe» der Donau. Die be- rauschten Kutscher hieben aus die Pferde ein. so daß diese förmlich dahinrasten. Plötzlich stürzte der erste Schliitc» die 40 Meter hohe Böschung hinab in die Donau, die drei anderen Schlüte» nach. 16 Menschen, darunter auch das Brautpaar. fanden ihren Tod in den Wellen. Bisher komiten die Leichen nicht geborgen werden. Ein heftiger Scirocco führte am Donnerstag, wie aus Fiumc berichtet wird. in der Adria einen jähen Wettersturz herbei. Seil Mittag regnet es in Strömen. Ei» schrecklicher Gattcnmord wird ans Lodz berichtet: Der Arbeiter Kuba erschlug seine Frau, während diese mit ihrem jüngsten Kinde im Bette ruhig schlief. Nachdem er ihr mit dem Beile die Kinnlade gespalten, schlug er der Wehrlosen mit einem zweiten Hieb den Kopf völlig vorn Rumpfe ab. Darauf ging er ruhig zu seinen Schwiegereltern und erzählte die Tbat mit äußerster Kaltblütigkeit. Dann stellte er sich der Bebörde und. erklärte, daß ihn die maßlose Eifersucht seiner Frau zur lluthat veranlaßt habe. Was der Rennsport einbringt. Die Gesamtgewinne der hervaewgendstcn Fahrer Enropas sollen sich nach den, Pariser „Joumvl des Sports" in Francs wie folgt stellen: Walters 40 000, Huret 60000, Taylor 25000, Tommafelli 18 000, Jacqnclin 13 000, Bonhours 12000, Mchcrs Ii 500, Anton Hnber ll 035, Momo 8900, Franz Verhcyen 8300, Bourrillon 8200, Grogna 8000, Broca 7000, Louvet 7000, Scidl 6931, Singrossi 6825, Willy Arend 6787.; ♦) Gnnitlcli pro lEiimtt von der CciilralslcNe der Prcuh Landivirl- schastSlaimireni— NolieruiigLsldle— und«»igerechliet vom Polizeipräsidiiiui j ür deiu Doppel-Ceiiliicr f) Älcinhaiidelspreiie P r o d u k t e n m a> k t vom 1». Dezember Am bcullgen Getreide- marli zeigte sich bei slilleiu Verkehr teste Tendenz aus der Fortdauer der scharscu winlerltchc» Kälte und höheren Notierungen a» den Nordamerika- Nischen Börse» Kur Roggen mochte sich einiges Deckuiigsbcdiirinls per Dezember geltend � Auch Esiektlvware dieses Artikels, der aus Riijjlond wieder reichlich osieriert war und daraufhin späler leicht nachgab, wurde per Fedruar-Märzabladung gehandelt Welzen wurde xea.Dezemder nicht um- gesetzt, lpatcre Sichle» setzte» clwas höher ei», gaben ledoch d»rch neuere. glänzeiiderc Erntebcrichte aus Argeutiiiieil gleichsalls»och. Beide Brot- nrtilel schlosien ungefähr wie gestern. Bezahlt wurde siir Weizen pro Mol IM. Juli IbäV« M. sin Roggen pro Dezember l47, Mai 113, Inlt 111 M. batcr lag still und lchwöchcr Rstböl 0,29 M anziehend, da Abgiber sstr Saal fehlen Am>Sp i r i l u s m a r l I winde loev 79cr mit 41.69 unverändert gehandelt Termine waren behanp" Ka rto 1 l el s a b r i ka t e Kartösselftärke disponibel und Ii prima Qualitäten Ställe und le Kartossclstärle 10,30 M. la reine lebruar 19,25-19,50 M Ablnllcnde 7,50-18,50 M. per 100 Kilogramm. SKUterun tSndepsich» vom II». Tezsinbcr>«!»». morgeuS«»ftp Slalioncii' Z« 3g Swinauide Hamburg Berlin Wiesbaden. München Wien Sg I? W-Iier CÄ I s I« öS :: §» (lifo 157 W-W I Nebel '57. SQ '57.NW 757 NNW 752 NW 751!W llbedeekt 2 bedcclt 1 hlb.bed 1 ärchncc 2!Schncc loneii /ap.Hauda tzeterWchg Lorl,, Abcrdec Paris S6 S£ ie « 3 s* r> -- 3 K« 768£0 759 NNW 756 IW 7Z9NNO Wener 2bcdeckt 2 Nebel 1 bedeckt 2iooltenl -4» -10 �9 0 —9 S5.'c>lcr-Pr»gnpse für Sonnabend, den 10. Dezember 1899. Etwas gelinder, ziemlich trübe mit Schncesällen und ichwachcn nard' westliche» Winden. B» r l i 11 e r W c! I c r b» r e a 11. Artung!"WW Achtung! Sotiaidemokrlltischer Mahlverem für den 3. Berliner Belchstags- Mahlkreis. An Stelle der am 14. Dezember aiisgelösten Versanimluiig findet am Sonnabend, den 10. Dezember, abends 8»/, Uhr. im Alte» Schützen- Hause, Linienstraße 5, eine neue Versammlung stall Tages-Ordnillig: 1. Dortrag: Flottenvorlagc und Kapitnlppofit. Referent: Genosse Rechtsanwalt vu. Ii.«ul l.it>l»lia«!rlit. 2 Diskussion 3 Vereins- angelegeiiheiten. 21q/l9 Gäste haben Zutriit. Fahlreicheii Bestich erwarlet Der Borstand. VezirkrsverlÄitttnlung kia» z, K> t am Sonntag, den 17. Dezember er.. Pormittags Uhr. Stromstraste Nr. HS. T a g e 8- O r d ii u u g: 1. Lohn- oder Accordarbelt. Referent: Kollege ltlni»«. 2. Diskussion. 3. Wahl der WerkstatbKoniroUkommissioii 4. Ver- bonds- und Wcrlftattangelegenheiieu. 279/6 Pflicht aller Kollegen ist es, zu erschemcn. Achtung, Vertrauensmänner! Heute, Sonnabend, werden auf den Zahlstellen die Fragebogen ve- jüglich Accord- oder Lohnarbeit ausgegeben. Wir eriuchen die Vertrauens- männcr jeder Werkstatt, sich eiiieii solchen Fragebogen zu besorgen und denselben nach baldmöglichster Ailssüllung, und zwar bis Sonnabend, den 23. Dezember, auf den Zahlstellen oder im Arbeitsnachweis, Aimenstr. 39, abzugeben. Sounabend, den 30. Dezember, bleiben die Zahlstellen geschlossen. Berkttd der in Bnchbindereien, der Papier- und Leder- Galailteriewaren-Jndustrie beschnft. Arbeiter und Arbeiteriuneil Deutschlands. Zahlstelle Vcrli».' Unsere für Dienstag, den 19. Dezember, geschäsleordnungSiiingig festgesetzte Mitglicdcr-Versammlnug filli?» Tie nächste Versammlung findet am ln Feuersteins Saal, Alte Jalöbstrabe 75, statt. Sonntag, den 31. Dezember 1899, tu Steetisns Festsälen, Andreasstrasse 21: Große Silvester Feier Vokal- und Instrumental-Konzert, ausgef. von der Hauslapellc unter Mitwirl. des Bnchbinder-Mäiincrchors. Nach dem Konzert: CrVOSSei* Hall. Herren, die daran teilnehmen, zahlen 50 Pf.»ach. S>l>VMtvi*-!8cI,«M'ie,<>kt»-zbsnck, wozu Freimd» »nd Bekannte ergebenst einladet �_____ 23982'- ii. II. Pssfcr. FrOhstilcka.Suiipen GemUse- und Kraftsuppen Bouillon. Kapseln Suppen. WQrze «tets vorrätig bei Franz Kleiner, N„ Stralsunderstr. 38. Kignen sieh als praktische Weihnachtsgegchoflke ganz besonders! 3276L*] Christbaumschmuck Crtöfile Auswahl in Glas- u. Lainet«« Fa�ons, Engel, Lametta- Engelahaar, Konfekthaltcr ze. Gr. Sortiment in Watte, Ehrist» banmbrhang. Billigste Bezugsquelle für Händler». Wiederverlänier. 8.iK.5»ölZi>Iin,°..m°.--.fl«jstMllhkl»St.lh,I","f IIoFi««»!» Howe«£ Co. Berlin\0.. Gr. Franksnrterstr. 39[3284L,a empfiehlt sein reichhaltiges Lager aller Jnflrnsticnle." 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