Nnterhaltungsvlatt des Horwärts Nr. 223. Freitag, den 15 Noveniber. 1907 (Slachdmck verbokcn.) u] Die Brüder Zemganno* Von i? d m o n d d e Goncourt. Man versuchte alles, was der Kranken eine Freude machen konnte. Man wusch ihr nahezu jeden zweiten oder dritten Tag die kleinen Vorhänge vor den Fenstern, damit sie dieselben stets recht weiß habe! man pflückte ihr Feld- und Waldblumen, welche sie gern in einem Glase zu Häupten ihres Lagers zu stehen hatte, und die Truppe schoß zusammen und kaufte ihr ein Deckbett von Eiderdaunen mit schönem Ueberzuge von roter Seide: die einzige Gelegenheit, bei der sie ein Zeichen von Dank verriet, durch einen Anflug eines gewissen wilden Glückes, der auf ihr marmorenes Ge- ficht stieg. Die Maringotte zog weiter und weiter durch das Land, mit der Kranken in ihrem Bett, die immer schwächer wurde, und der man jetzt den Kopf zu ihrem Fensterchen aufrichten und stützen mußte, wenn er nicht kraftlos wieder auf das Kissen niederglciten sollte. Eines Nachmittags war sie so leidend, daß der alte Bescap6 abschirren ließ und die Truppe beabsichtigte, dort im Felde zu lagern, als die Kranke, welche an dem Still- liegen ihres Körpers fühlte, daß man die Fahrt ausgesetzt, mit Heftigkeit ein Wort aus ihrem Heimatidiom dort in weiter Ferne äußerte, ein Wort aus der Zigeunersprache, das in einer kurzen, scharfen Silbe, zischend wie ein Peitschen- schlag, den Ruf ausdrückt:„Vorwärts!" Und sie wiederholte das Wort innner von neueni, jede Minute, bis man wieder angeschirrt hatte und sie fühlte, daß der Wagen weiterzog. Die ganzen Tage hindurch— eine gewisse Anzahl von Tagen noch— war der Blick der Zigeunerin gleichzeitig starr und doch auch weit umherschweifend," beharrlich durch das ge- öffnete Fenster auf die dort außen vorübergleitende Natur geheftet, wie sie in ihren Szenerien langsam hinter den Wagen zurückfloh, sich in der Ferne verlor, in Undeutlichkeit zerfloß, schlitternd verschwand unter dem Rütteln des Wagens auf den schlechten Wegen. Die Augen der Sterbenden, schon trübe, konnten nicht scheiden von den weiten Ebenen, den tiefen Wäldern, den sonnenbeglänztcn Hügeln, dem Grün der Bäume und dem flutenden Blau der Ströme: sie konnten nicht scheiden von dem klaren Licht des Tages, das der Himmel der Erde herab- sendet— dem Lichte des Tages, der außerhalb der Häuser leuchtet... sie war eine Frau, die, als sie einst vor Gericht vernommen wurde, beim Schwur sich von dem Christusbilde abgewendet und, in das helle Licht eines offenen Fensters des Gcrichtssaales tretend, gelobt hatte:„Bei dem, was zwischen Himmel und Erde ist, schwöre ich, daß ich mein Herz öffnen und die Wahrheit sagen werde." Und auch ihr Todes- kämpf noch wollte bis zum letzten Augenblick ihres Wailder- lebens das Licht über ihr haben, das zwischen Himmel und Erde ist. Eines Morgens hatte die Maringotte bei einer kleinen Kirche Halt gemacht, die man neu auszubauen im Begriff war. Das Gefährt hatte, beleuchtet von der emporsteigenden Sonne, wie ein Stück Bühnendckoration die Goldtapete des alten Chors vor sich, das stehen geblieben war, und unterhalb der frisch geröteten, mit Kalk befleckten Gesichter der Maurer und oberhalb der Trümmer von alten Särgen, umher- stolpernd auf dem verstreuten Rüstgerät, einen langen Pfarrer in rundem, mit Flor garniertem Hut, in�endlos langer, schwarzer Soutane, die an den Taschen schäbig grau geworden, mit den Stoppeln eines seit acht Tagen nicht rasierten Bartes im Gesicht, mit einer spitzen Nase und scharfen, durchdringenden Augen. An diesem Morgen, in dem Moment, als Maringotte sich wieder in Bewegung setzte, wandte sich der Blick Stepanidas plötzlich jäh von dem Fenster ab und heftete sich lange auf die Kindergestalt ihres Jüngstgeborenen, in banger, wilder Zärtlichkeit. Dann, ohne ein Wort, ohne eine Liebkosung, einen 5tuß, ergriff sie die kleine Hand Nellos, sie legte sie in die Hand seines älteren Bruders, und ihre schon erkaltenden Finger ver- einten mit einem Druck die Hände der beiden Brüder zu einem Bunde, den selbst der Tod nicht trennen sollte. » � Das Vertrauen, der Glaube, die Zuversicht, die man jüngere.Kinder zuweilen zu ihren älteren Schlvestern oder Brüdern hegen sieht, ihre Hingebung in überzcugungsvollster Bewunderung an ein Wesen ihrer Verwandtschaft, in dem sie ein Ideal sehen, nach welchem sie sich insgeheim zu bilden, ihm nachzustreben und nachzueifern bemüht sind: das tvareir die Gefühle Stellos gegen Gianni, nur mit noch mehr der Wärme, mehr des Enthusiastischen, inehr des beinahe Fanatischen, als man es sonst wohl bei jüngeren Geschwistern findet. Für ihn war nur das gut, was der ältere Bruder tat. Für ihn nur das wahr, was dieser sagte, und nian sah den Jüngeren, wenn der Aeltere sprach, ihm mit jenen beiden Wülsten der tiefsten Aufmerksamkeit und des Nach- sinnens junger Gesichter oberhalb seiner Augenbrauen zu» hören.„Gianni hat es gesagt!" war sein steter Refrain, und indem er ihn aussprach, war er der Meinung, daß das Wort seines älteren Bruders aller Welt so wie ihm selber ein Evangelium sein müsse. Nellos Glaube an Gianni war ein schrankenloser. Als er einst von einem kleinen Gym- nastiker-Eleven aus einer anderen Truppe, der größer und stärker war als er, geprügelt worden war, und es Gianni erzählend, von diesem die Antwort erhielt:„Morgen nimmst Du diese Bleikugel hier in die Hand, gehst gerade auf ihn los. gibst ihm, siehst Du so, einen Faustschlag mitten auf die Stirn, und er wird am Boden l'egen,"— da nahm Nello, wie Gianni ihn gezeigt, und warf seinen Feind zu Bodcn.- Hätte es ihm Gianni geheißen, Nello hätte den Faustschlag so gut dem Herkules Rabastens gegeben, wie dem ungezogenen Jungen. Und bis zur Torheit blieb er sich in dieser Hinsicht gleich. Als Gianni ein anderes Mal in einer bei ihm seltenen Anwandlung, zu scherzen, sich den Spaß machte, den jüngeren Bruder zu beschuldigen, daß er dem Pudel Lariflette die Hufeisen abgerissen, ging Nello, trotz seiner besten Ueber- zeugung, daß Hunde überhaupt nicht beschlagen werden, nach- dem er sich lange verteidigt hatte, hin und suchte an den Pfoten des Pudels nach den Spuren der Nägellöcher, indem er Denen, die ihn darüber verspotteten, hartnäckig weiter» suchend entgegnete:„Gianni hat's gesagt!" Man durfte seinem Gianni nicht zu nahe treten,. Als Nello eines Tages in Tränen zu Gianni kam und dieser ihn nach dem Grunde derselben fragte, erwiderte er schluchzend, er habe gehört, daß man schmähend über ihn, Gianni, ge» sprachen, und als der Bruder darauf bestand, daß er ihm wiederholen solle, was man gesagt, geriet der Knabe beim Aussprechen der Schimpfworte gegen den geliebten Bruder in solche Wut. daß ihn ein Krampfanfall befiel. Wenn Nello von außen heimkam, war seine erste Frage: „Ist Gianni da?" Der jüngere Bruder schien nicht ohne den älteren leben zu können. In der Arena sah man ihn unab- lässig um Giannis Bein her sich bei allen Produktionen des Bruders mit irgend einer Kleinigkeit zu schaffen machen und diesen jeden Augenblick nötigen, ihn vom Boden aufzuheben oder ihn sanft mit der Hand beifeite zu schieben, wenn er im Wege war. Während der übrigen Zeit, die er sich bei seinem Bruder befand, hing er beständig mit den Augen an ihm, mit jenen langen, wie gefesselten Blicken, in denen sich die bewundernde Sympathie bei Kindern zu zeigen pflegt. und in jener stummen tiefen Betrachtung, in welcher für den Augenblick alle Beweglichkeit des jungen Körpers erstirbt, Und wenn er in Giannis Abwesenheit von irgend etwas trübe oder freudig berührt wurde, so war seine erste Aeuße- rung zu der nächsten Person, an die er sich wenden konnte: „Das muß ich Gianni sagen!" Gianni füllte einen fo großen Teil von den Gedanken des jüngeren Bruders aus, daß dieser selbst in seinen Träumen sich nie ohne ihn sah, sich auch in diesen die Gestalt des älteren Bruders stets mit der seinigcn zu allem, was er tat, was geschah, verband. Stepanidas Tod hatte das Zwillingsleben der beiden Brüder in den Stnnden des Tages wie der Nacht noch enger aneinander geknüpft und eine der größten neuen Glücks- empfindungen für Nello war. jetzt, wo Gianni mit in der Maringotte schlief, morgens zu ihm ins Bett zu kommen on5 unter dem Frohsinn und den Zärtlichkeiten, mit denen er ihn ertveckie. sich an leiner Seite für einen Augenblick den Liebeständeleien schon älterer kleiner Knaben nnt ihren Müttern hinzugeben. Mittags und abends, in den Galtezeiten der Maringotte. lehrte Gianni den jüngeren Bruder in den Pantomimen- büchern ihres Vaters Lesen und unterwies ihn auf der Geige, welche Nello. Dank dein Zigeunerblut, das in seinen Adern rollte, jetzt als kleiner Virtuose der Heide und der Waldlich- tungen zu spielen begann. (Fortsetzung folgt.) (Nachdruck verboten.) Zrübc und neblige Hage. Von Dr. med. W i l h. Kühn, Leipzig. Je mehr sich das Jahr dem Wintcrsonncntvendfcst nähert, desto kürzer werden auch die Tage, d. h. es fängt schon frühe an dunkel zu werden, und sogar zur Mittagszeit kommt es vor, daß man an einem trüben, nebligen oder regnerischen Tage in schlecht gelegenen Geschäftslokalcn Licht brennen mutz. Solche Tage haben aber auch andere Nachteile, denn sie wirken, wie jeder weitz. un- vorteilhaft auf die GemütSjtimmung und die Gesundheit der Menschen ein. Die Sonne ist die Lebensspcnderin aller Dinge, die Quelle des Lichtes und der Wärme. Sie ist es, der die Herfen entgegen- jauchzen und zu der die Naturvölker anbetend ihre Hände erheben. Sie ist es, die auch auf unser Leben den gewaltigsten Einflutz aus- übt, weshalb heutzutage die Menschen mehr als früher bestrebt sind, sich von ihr im Ildamskostüm bescheinen und die wohltätige Wirkung ihrer Strahlen auf sich einwirken zu lassen. Nicht um- sonst stehen die Licht- und Luftbäder in gutem Klang, und nicht umsonst nimmt ihre Anhängerschaft von Jahr zu Jahr zu. Schon Schiller hat den Wert des Lichtes in seinem Taucher kurz, aber treffend ausgedrückt, wenn er von dem Jüngling sagt: »Und atmete lang und atmete tief And bcgrütztc das himmlische Licht oder ihn später ausrufen lätzt: ..Es freue sich, Wer da atmet in rosigsten Licht. Da unten aber ist'S fürchterlich! Wir sagen nicht zuviel, wenn wir die Behauptung aufstellen, datz das Sonnenlicht im wesentlichen der Erreger vieler chemischer Prozesse und des Lebens ist, während andererseits die Dunkelheit seiner EntWickelung nachteilig wird, wie man schon daraus sehen kann, datz Froschlarven, die stets im Dunkeln gehalten werden, nicht zur Entwickclung kommen. Sonnige Tage wirken auf uns erheiternd ein, auch ein sonniger Herbst- oder Wintertag. Wir sind, an solchen viel besser zur Arbeit aufgelegt, und unser ganzes Befinden ist ein anderes. Ohne Zweifel hat Humboldt recht, wenn er behauptet, datz der Eindruck, den der Anblick der Natur in uns zurücklätzt, weniger durch die Eigentümlichkeit der Gegend, als durch die Beleuchtung bestimmt wird, unter der Berg und Tal bald in ätherischer Himmelsbläue, bald im Schatten tief schweben- den Gewölkes erscheint. Ganz besonders empfindlich ist die Beeinflussung des kind- lichcn Organismus durch das Licht, stellt man doch sogar die Bc- hauptung auf, datz Kinder bei ungenügendem Sonnenlicht im Wachstum zurückbleiben. Das können wir uns wohl denken, wenn wir auf den Höfen der Grohstädte, wohin kein Sonnenstrahl kommt, die traurigen, hohläugigen und blassen Kleinen sehen, wenngleich auch selbstverständlich Ernährungsverhältnisse, Mangel an Reinlichkeit usw. eine Rolle mitspielen. Wie die Kartoffeln, die im Dunkeln der Keller zu keimen anfangen, niemals grüne Schößlinge treiben, sondern nur farblose, weil zur Bildung des grünen Farbstoffes, des Chlorophhlls, die Kraft des Sonnenlichtes nötig ist, so geht es auch mit unseren Lieblingen. Wir dürfen wohl den Vergleich ziehen, datz als das, was bei der Pflanze das Chlorophhll ist, bei dem Menschen der Blutfarbstoff angesehen werden kann. Ist er nicht genügend entwickelt und enthalten die roten Blutkörperchen infolgedessen nicht die verschiedenen Bestand- teile, namentlich auch nicht das Eisen, die das Blut im wahrsten Sinne des Wortes zu unserem Lebenssaft machen, so sind wir nicht imstande, genügenden Sauerstoff aufzunehmen, wie ihn jedes höher organisierte Wesen braucht. Zur Entwickclung dieses Sauer- ftoffcs trägt in erster Linie die Sonne bei, zur regelrechten Bildung der roten Blutkörperchen brauchen wir aber ebenfalls wieder Licht, und somit findet ein steter Kreislauf unter der Herrschaft dieser gütigen Spenderin statt, aber alles zielt darauf hin, dem Menschen gesundheitliche Vorteile zu bringen. Um so mehr empfinden wir dann die trüben und nebligen Wintertage, und die Jahreszeit, die uns solche beschert, ist es ja auch, in der sich besonders gern Krankheiten entwickeln. Auch das werden wir leicht verstehen, denn es gibt eine ganze Anzahl von Krankheitserregern, auf die daS Licht schädlich einwirkt, so daß sich aus diesem Grunde als ein besonderer Zweig unserer medi- zinischeu Wissenschaft die Llchtheilkunde ausgebildet hat. Nicht ohne Grund haben die Italiener ein Sprüchwort:„Wo die Sonne nicht hineingeht, da geht der Arzt hinein'" Wir wüßten nicht. wodurch wir die angedeuteten Verhältnisse besser kennzeichnen könnten. Nach dem Gesagten dürfte es klar sein, datz unser Bestreben dahin gehen mutz, möglichst solche trüben und nebligen Tage zu verhindern. Bevor wir der Frage näher treten, ob wir das können, müssen wir zunächst untersuchen, welches in Wirklichkeit die U-r- fachen dafür sind. Datz bei Regenwetter durch die dunklen Wolken am Himmel das Sonnenlicht im Winter in ganz außer- ordentlicher Weise gedämpft und abgehalten wird, dürfte ja ohne weiteres klar sein und ist eine Erscheinung, wie wir sie unter Umständen auch im Sommer finden können. Gegen den immer früher stattfindenden Sonnenuntergang, wie er in der Umdrehung der Erde seine Begründung hat, sind wir Menschen machtlos. Aus diesem Grunde haben wir uns darauf von vornherein eingerichtet und zu den künstlichen Lichtquellen gegriffen, unter denen heute in gesundheitlicher Beziehung das elektrische Licht in Verbindung mit der Nernst- und Osmiumlampe, sowie das Gas- glühlicht die erste Stelle einnehmen. Wir können es uns nicht mehr denken, wie sich unsere Urahnen bchelfcn mutzten, und charakteristisch dafür ist heute noch die Darstellung, wie Prometheus seinen geliebten Menschen das Feuer vom Himmel holt und zu diesem Zwecke eine Kicnfackcl verwendet. Natürlich ist es voll- ständig ausgeschlossen, datz uns das künstliche Licht einen vollen Ersatz für das natürliche gebe» kann. Im Gegenteil liegen viele Fälle vor, in denen der Mensch dadurch nachteilig beeinflußt ivird, sei es in bezug auf die Augen, sei es durch die Wärmeentwickclung oder schließlich durch die voni künstlichen Licht gebildeten Stoff» wechsclprodukte, die wir einatmen müssen. Etwas anders steht die Sache, wenn es sich um die Nebel- b i l d u n g handelt und dadurch die trüben Tage entstehen. An und für sich bezeichnet man bekanntlich unter diesem Worte kleine Wassertröpfchcn, die in der Lust schweben, diese trüben und ihre Durchsichtigkeit beeinträchtigen. Wir kennen dafür verschiedene Entstehungswcisen, unter denen besonders die bekannt sind, wenn im Sommer nach Gewitterregen oder im Spätsommer und Herbst des Morgens oder Abends die Wasserdämpse über Flutztälern, Seen, Teichen und Mooren oder feuchten Wiesen lagern, sobald die Temperatur der Luft unter die des Wassers oder die des feuchten Erdbodens sinkt. Wenn wir diesen Nebel vielleicht als„reinen� bezeichnen dürfen, so lätzt sich daö von dem in der Großstadt nicht sagen. Gewiß kann es auch hier vorkommen, daß von außen her die Wasserdämpse in die Stratzen eindringen, aber die Dunstwolke, die über jeder Großstadt schwebt und oft so stark ist, datz man kaum wahrnehmen kann, welcher Art die Himmelsbedeckung ist. besteht noch aus etlvas anderem, nämlich aus den Bestandteilen des Rauches, aus dem Ruß und aus dem Staub. Die Stadtsonne, namentlich in industriellen Gegenden der Stadt, ist nicht mehr die Sonne, die dem Großstädter in der freien Natur scheint, und daher ist auch seine Sehnsucht begreiflich, des Sonntags hinaus ins Freie zu eilen. In der Großstadt haben wir eine Sonnen- armut festzustellen.— Wie stark die Abnahme des Lichtes bei einem solchen Nebel sein kann, das hat Prof. R u b n e r in Berlin am 21. Dezember 1903 festgestellt. An diesem Tage zog eine unge- hcure Nebelwolke über Berlin hinweg, die an Londoner Zustände erinnerte. London ist ein Beweis dafür, welche großen Uebel- stände eine Verbindung von Wasserdämpfen mit dem Kohlen- und Staubdunst der Großstadt im Gefolge haben kann. In Berlin entstand eine so große Finsternis, datz die Geschäfte. Straßenbahn- wagen und Omnibusse zu künstlicher Beleuchtung greifen mutzten, und auf der Stadtbahn am Tage der Nachtdienst in Tätigkeit trat. Die Helligkeit betrug nur ein Dreitausendstel bis ein Viertausendstel der sonst zu erwartenden Lichtstärke. Trotzdem der folgende Tag ebenfalls ein trüber war, blieb die Helligkeit des Nebcltagcs hinter ihm noch um ein Fünfhundertste! zurück. Wir fragen uns, ob sich gegen die Rutzbildung in der Stadt nichts tun lätzt. Unserer Ansicht nach entsteht für die Stadtvcr- waltungcn und jeden verständigen Einwohner die Pflicht, nach Kräften zur Reinhaltung der Luft beizutragen. Das Bestreben. eine rauchlose Feuerung einzuführen, ist daher Wohl am Platze, und wir können die Bildung einer Antirauchliga in England be- greifen, deren Mitglieder unnachsichtlich die Fälle zur Anzeige bringen, in denen eine zu starke Rauchcntwickelung der Schorn- steine stattfindet.— Die beste Abhülfe ist der allmähliche Uebergang zu anderen Heizungsarten, z. B. mit Gas, oder es sind gesetzliche Bestimmungen zu einer Einführung der rauchlosen Feuerung am Platze, zu deren Erlernung schon Hcizerschulcn bestehen. Alte unterfcheidct Heb das Zicv von der pflanze? Jeder Mensch kennt Tiere und Pflanzen, und jeder Mensch ist imstande, einzelne Tiere von einzelnen Pflanzen zu unterscheiden; niemand wird eine Rose für ein Tier halten, oder einen Hund für eine Pflanze Slßer«venu gefragt wird, welches ist das allgemeine Unterscheidungszeichen für Tiere und Pflanzen, oder durch ivelches Kennzeichen unterscheiden sich alle Tiere von allen Pflanzen, so wird eS nicht so leicht sein, eine befriedigende Antwort zu geben. Wahrscheinlich wird man zunächst die Aus- kunft bekommen: Das Tier ist imstande, seine» Aufenthaltsort, sei es durch Gehen oder Kriechen, sei es durch Schwimmen oder durch Fliegen, aber jedenfalls nach Belieben zu berändeni, die Pflanze dagegen must an dem Ort. an dem sie ein- mal festgewurzelt ist. verbleiben, oder sie kann nur durch fremde Gewalt von ihm cntfemt werden. Aber eS gibt auch Tiere, die sich unveränderlich an einem Ort aufhalten; dazn gehören die Schwämme und die Korallen. Dagegen kenne« wir Pflanzen. die ihren Standort fortwährend wechseln, zum Beispiel viele Algenarten. Nun wird wohl als Unterschied der Umstand an- gegeben werden, dah die Tiere Sauerstoff einatmen und Kohlen- säure ausatmen; aber die bunten Pflanzcnbliitcn atmen in der Dunkelheit ebenfalls Sauerstoff ein und Kohlensäure aus. Während Pflanzen sonst an der Stelle, an der fie leben, für Tiere, also auch für uns Menschen die Luft vcrbeffern, verderben Blüten im Schlaf- zimmer die Lust, weil sie in der Hervorbringung der uns sehr schädlichen Kohlensäure mit uns selbst konkurrieren. Demnach ist auch dies kein wirtlich durchgreifendes Kennzeichen. Wer mit den Lebensvorgängen von Pflanze und Tier vertrauter ist, wird danil jagen, die Pflanzen nähren flch von unorganischen Stoffen, die Tiere dagegen von organischen, nämlich von Pflanzen und Tieren selbst. Da muff man nun daraus hin- weisen, daff auch die höchsten Tiere mindestens einen unorganischen Stoff zu sich nehmen, nämlich das Kochsalz. Uebrigens gibt es Naturvölker, die regelmäßig Erde effen. Außerdem gibt es Pflanzen. die von anderen Pflanzen leben, ja' sogar solche, die sich von Tieren ernähren. Die ersteren sind die Schmarotzerpflanzen, die ihre Wurzeln nicht in das Erdreich senke», sondert« in das Gewebe anderer Pflanzen und die ihre Wirtspflanzen nicht selten so aus- nutzen, daß diese wegen der dadurch enlstandcnen Erschöpfung und Kräfteverluste zugrunde gehen. Eine solche Schmarotzer- pflanze ist die Mistel, die wohl in Folge ihrer eigenartigen Eriiährnngsart und Lebensweise bei den Menschen früherer Zeiten in den Ruf kam. daß sie mit besonderen Zauber- und Heilskrästen ausgestattet und den Göttern heilig sei. Bon Tieren leben diejenigen Pflanzen, die man die fleischfressenden nennt; wenn in die Blüte einer solchen Pflanze ein Insekt oder ein Wurm a«ät. so schließt sich die Blüte, und»« dieser Umzingelung muß da�ze- fangene Tier sterben, zugleich tritt aus dem Pflanzcngewebe ein Saft auö, der das Tierchei« untgibt und gerade so verdaut, ivie die von unS genoffene Nahrung in unjcrein Magen und Darm verdaut wird, so daß jenes also wirklich der Pflanze zur Nahrung dient. Man wird dann vielleicht den Unterschied darin finden wollen, daß die Tiere mit Empfindung ausgestattet sind, während dies den Pflanzen fehlt. Die niederen Tiere befitzen jedoch noch keine Empfindungsorgane, also auch keine Empfindung, und gewissen Pflanzen kommt fie schon zu, wie der bekanntei« Mimose, die bei der leisesten Berührung, ja bei jeder Er- schütterung die Blätter zusammenlegt. Daß den Pflanzen das Be« wußlsein der Empfindung fehlt, kann erst recht nicht entscheidend sein, denn in manchem normalen Zustand, z. B. in« Schlaf, feblt sogar den Menschen dies Bewußtsein. Man muß schon ein umfaffendes phnsiologisches Wissen besitzen, um zu betonen, daß in den Muskeln und Nerven der Tiere dauernd elektrische Ströme kreisen, deren Stärke sich bei jeden, Nervenreiz, bei jeder Muskelzuckung ändert, und daß bei den Pflanzen solche Ströme nicht vorkommen. Das ist auch nicht richtig, denn bei der bekannten, zu den fleisch- freffenden Pflanzen gehörenden Dionao rnuscipulao oder Fliegenfalle. ist schon vor längerer Zeit die Existenz der elektrischen Dauerströme im Gewebe nachgewiesen, worden. Es bleibt sonach nichts übrig. als zu höheren geistigen Fähigkeiten überzugehen, wenn man einen wirklichen Unterschied zwischen Pflanzen und Tieren statineren will. Das Unvermögen der Pflanzen, sich durch irgend welche willkürlich hervorgebrachteii Töne bemerklich zu machen, wird man schon von Haus auö nicht hervorheben, denn sogar die Fische, also relativ organisierte und hoch entwickelte Tiere, entbehren ebenfalls die Fähigkeit, Töne zu erzeugen. Als letztes Auskunftsmittel wird die Tatsache übrig bleiben, daß nur die Tiere der Grausamkeit fähig find, zwecklos und ohne daß sie selbst den geringsten Nutzen davon haben, andere Tiere zu töten. Auch diese Unterscheidung versagt jedoch, denn eS gibt wirklich Pflanzen, bei denen man das Gleiche beobachten kann. Manche Pflanzen, besonders solche aus der Familie der Asilepiadecn, machen sich der gleichen Grausamkeit schuldig; kleine Tiere, die in fie hineinkriechen, werden ähnlich, wie eS bei den fleischfressenden Pflanzen gc- schieht, durch Zusammenklappen der Blüten erstickt, aber nicht, ,m, diesen Pflanzen zur Nahrung zu dienen, sondern völlig zwecklos. Wenn das Tier tot ist, öffnet sich die Blüte wieder und der Tierleichnam wird vom Winde fortgeweht. Also nicht einmal nach der schlechten Seite hin haben die Tiere vor den Pflanzen etwas voraus, und man wird fich dabei bescheiden müssen, daß zurzeit kein Kennzeichen angegeben werden kann, das als wahr- Haft vollständiges Unlcrscheidungsmittcl zwischen allen Tieren und allen Pflanzen zu benutzen wäre. kleines Feuilleton. Theater. Neues Theater:»Das Ungeheuer', Satire«n drei Akten von Jon Sehn« an». An diesem Ungeheuer ist so ziemlich alles ungeheuerlich. Ungeheuerlich zunächst die Zensur, die es zuerst mit Haut und Haaren verbot, und dann mit fich reden ließ und dem Berfasje» die Bedingungen diktierte, nach denen er sich zu richten hatte, wenn er die Bretter erreichen wollte. Ungeheuerlich, daß wir «ins vorschreiben laffen müssen, mit welchem Maß von Satire bei uns zulande die russische Korruption gegeißelt werden darf, und daß die Lächerlichkeit diese erhabene Einrichtung absolutistischen Auge» denkcnS so wenig tötet, wie etwa den preußischen Landtag. Aber als erste und zwetsellose Blocktrophäe ist der Sieg, den Herr JonlaS) Lehmann, in seinem Privatleben Herallsgeber der freisinnige«» „Breslauer Zeitung", durch seine lobliche' Unterwerfung errang. immerhin beachtenswert. Was er geändert, entzieht sich der allge- meinen Kenntnis. Aber man darf nun«vohl annehme,«, daß alles, was an Korruption noch im Stücke belassen ist, nlinmehr sozusagen von der kgl. preußischen Zensur approbiert und anerkannt«vird. Die Folgen dieser notgedrungenen Folgerung mag die schlaite Behörde selber tragen. Denn was uns da vorgeführt wird, ist wahrhaft«in- geheuerlich. Und daS Charakteristische dabei ist, daß bei der Ur» atifführung, die von einem gut bürgerlichen, auch mit Offizieren und Mondänen durchsetzte«« Publikum besucht war. niemand etwn Anstoß nahm an dem Stoff und die gegeißelten Z»lstände für un- glaubhast und erfitnden erklärte. Für den Bankerott, den das russische Regiment im etlropäischen Kredit erlitten hat, ist die mit starken, Beifall aufgenommene Aufführung dieser groben Posse ein de«itlicher Gradmesser. Ihre Bedeutung liegt, wie hiermit von vorn- herein zu erklären ist, rein in, Gesellschaftlichen und Politischen. Als Kunstwerk rangiert fie weit unter den besseren Ueberbrettlstücken, die fie an Witz bei lveiten« überragen; von Cbarakteristik und Psycho- logie ist keine Rede. ES wird mit Mittelchen operiert, deren fich kauin»och Ferdinand Bonn bedient. Die Kenntnis der ritsfischen Verhälwisse beschränkt sich aus drei bis vier russische Worte. Und der einzige russische Witz steht auf de»n Theaterzettel: der größte Gauner im Stück heißt Katznokradow, zn deutsch: de» Staatskassendieb. Jon Lehmann hat also zum Ueberfluß wieder einmal bewiesen, daß er keine Komödie zu schreiben vermag. Dieser Fall wird aber dadurch verschlimmert, daß er eine unver« gleichliche Gelegenheit aufs schmählichste versärnnt hat. Aber die Satire, die in den Dingen selbst liegt, ist so stark, daß sie trotz der Ungeheuerlichkeiten Lehmannscher Mache hervorbricht und als un» fichlbarer Chorus mitspielt, wo der Autor versagt. Die Nassische Komödie russischer Korruption hat Gogol in dem•on der russischen Dramatik nie mehr erreichten„Revisor" geschaffen. Man scheut sich dies im ernstesten Sinne realistische««nd «m höchste«« Maße satirische Meisterlverk in Verbindung mit den» „Ungeheuer" zu bringen. Aber der Fall ist nicht zu vermeiden. Gogols Empörung geitaltete fich zu einem objektiven Kunstlverke. Lehmanns Späße blieben in der Hampelmanntechnik des Bier- ulkS.... Die russische WirNichkeit hat unS an so starke Dinge gewöhnt, daß auch in einer Satire darüber Unwahrscheinlichkeiten kaum eine Roll« spielen. Warum sollen in Rußland nicht die fieben für den Ba«» eines neuen technisch vollendeten Panzerschiffes mit dem Name«» „Das Ungeheuer" ausgeworfenen Millionen von der Gnlppe der höchsten Staatswürdenträger, die einen undtirchdringliche» Ring un, den Schwächling von Zar bilden, unterschlagen werden? War««»« soll nicht, als der Zar, arglvöhnisch geivorden, die Einweihung befiehlt, die Komödie eines Potemkinschen Schlachtschiffes inszeniert werden können, das mit Pappe und Oel aus einem alten Seelenverkäufer hervorgezaubert wird? Und loarun« soll nicht, als der Schwindel heratiSkommt, der Zar durch alle»«öglichen Untersuchungen betrogen und schließlich, als ihm ein Licht ausgeht, die Staatsräson— die Rücksicht auf den Vertreter Englands— ihn zum Mitbetriiger machen 1 Das alles liegt in, Bereich salinscher Möglichkeit. Nur fragt mich nicht, ivie eS hier gemacht wird. Die StaatSioürdenträger find Serenissimus- figuren, die durch ihre schivankmäßige Anlage und Aufführung der Satire die Spitze abbrechen. Die Intrige«vird geleitet durch Motive des Hintertreppenromans. Und fürs deulscbe Gemüt«nid das deutsche Mädchen ist gesorgt durch euren Ausbund deutscher„Tugend", Tölpelhaftigkeit und Verliebtheit, den Ingenieur, der daS„Ungeheuer" bauen sollte und weil er«vohl den Gehalt, aber nicht die Arbei« bekommt, dem Zaren — in einer Szene aus Rinaldini— alles offenbart. Zu guterletzt nimmt der Brave alles zurück und geht mit der Tochter des obersten Gauners, des„Chefs der Exekulivkommisfion", durch. Der Zar aber wird von diesen« getröstet mit der Sentenz:„in Rußland sind die Beamte«, entweder treu, aber nicht ehrlich, oder ehrlich, aber nicht tre««." Trotzdem«vill der— ivie alle Fürsten— das Beste Erstrebende. den in jedem für sie gefährlichen Moment die Kamarilla durch Attentatsfurcht bändigt, unentwegt mit den beivährten Staatsdiebe«» weiter arbeiten an der Läuterung der Korruptton. Die Aufführung Ivar in Ausstattung und Kostüm russisch ui«d vortrefflich, in der Darstellung— notgedrungen— poffenmäßig nach Noten. Besonders zu nennen sind die Herr«» Christians(der schwächliche. hysterische Zar), Schmidt» Häßler(der schlaue Höfling, Chef der Exekutive und der Diebes, Baroiv, Schroth(der deutsch? Ingenieur aus dem wohl» assortierten Loger.deutscher" Typen der Firma Blnmenthal. Kadelburg u. Gen.). Offenbar auf Anraten der Zensur war der sonst so nüchterne Zettel beredsam und verkündete, dah das Stück im vorigen Jahrhundert spiele und dafc absichtlich nicht verraten werde, welcher Zar Alexander gen, eint sei. Man lachte dar- über wie über das übrige und dachte sich.»vaI für eine witzige Zensur haben wir doch, und sonst noch manches.— r. Technisches. D i e eleltrische Stahlgcwinnung. Als der bc- dühintc und für die Verwertungen von Wissenschaft und Technik diel zu früh verstorbene Morffan die ersten Ergebniffe des von ihm erfundenen elektrischen Ofens mitteilte, haben wohl alle Sach- verständigen eine Ahnung davon verspürt, daß dieser neue Apparat einen gewaltigen Fortschritt in der Elektrotechnik bedeuten werde. So schnell, wie die Laien sich die Wirkung einer derartigen Ent- deckung gewöhnlich oenkcn. geht cZ nun allerdings nicht, aber der elektrische Ofen hat doch schon eine ganze Reihe wichtiger An- Wendungen gefunden und wird wahrscheinlich in einer nahen Zu- kunft eine umwälzende Wirkung in verschiedenen Industriezweigen ausüben. Unter diesen wäre die Metallurgie als eine der ersten zu nennen, und innerhalb ihres Gebiets wieder die Stahlgcwinnung. Jetzt bringt der„Elektrotechnische Anzeiger" eine ausführliche Be- schrcibung eines von Gin hergestellten elektrischen Ofenö. der zur Stahlbcreitung dienen soll. Tie früheren Versuche, die in dieser Richtung gemacht worden sind, hatten zur Erkenntnis der Schwierigkeit geführt, eine gleichförmige Verteilung der Hcizwirkung und der dadurch bedingten chemischen Vorgänge sicher zu stellen. Da dieser Mißstand an der geringen Wärmcleitungsfähigkcit der geschmolzenen Stoffe lag, so kam man auf den Gedanken, diese Stoffe selbst in dauernden Umlauf zu setzen, so eine gründliche Mischung zu erzielen und die einzelnen Teile immer wieder mit der Wärmequelle in nahe Berührung zu bringen. Dieser Grundsatz ist auch in dem verbesserten Ofen von Gin zum Ausdruck gekommen fcesscn Schmelztiegel eine Art von Kanalsystem darstellt, wodurch eine ununterbrochene Umlaussbewegung der geschmolzenen Massen erzielt wird. Die Beschreibung dieses elektrischen Ofens in seinen einzelnen Teilen, wie sie von dem Fachblatt gegeben wird, würde gu weit führen, dagegen hat die Hervorhebung seiner Leistungen ein allgemeines Interesse. Die Herstellung von Stahl in diesem elektrischen Ofen hat sich als mindestens ebenso gut erwiesen als im Martinofen, aber die Bedienung deS elektrischen Ofens ist be- deutend bequemer. Tie Hcizwirkung wird nie unterbrochen, und man kann jederzeit beliebige Mengen des Metalls abzapfen und muß nur Sorge dafür tragen, daß rechtzeitig genug nachgefüllt wird, damit die gleiche Menge von Metall im Ofen enthalten bleibt. Alsdann kann auch keine Schlacke in die Röhren eindringen und so eine Störung des Betriebs herbeiführen. Außer durch tue ge- wohnlichen Mittel kann aber im elektrischen Ofen auch durtf einfaches Schmelzen Stahl unmittelbar gewonnen werden, indem eine Mischung von besonders ausgewählten Erzen benutzt wird, die einer Reinigung kaum bedürfen. Für diesen Zweck ist der von Gin erbaute Ofen am besten von allen bisher bekannt gewordenen Apparaten geeignet, eben wegen seiner außerordentlich bequemen Beschickung. Auch die Hinzufügung von Kohlenstoff oder anderen Mischungen, wie sie jetzt häufig in der Gestalt von Nickel, Vanadium oder dergleichen zu bestimmten Zwecken beliebt werden, kann aus einfachste Weise geschehen, was der Qualität des Erzeugnisses selbstverständlich in hohem Maße zugute kommt. Für die Ge- winnung einer Tonne Stahl durch bloßes Schmelzen sind je nach der Leistung des OfenS und der Arbeitsverhältnisse zwischen KlJO lind 800 Kilowattstunden notwendig. Außerdem eignet sich dieser elektrische Ofen ausgezeichnet zur Veredelung von Stahl, der auf anderem Wege erzeugt worden ist, und darin dürfte bei den noch immer großen Betriebskosten der elektrischen Ocfen vielleicht sein Hauptwcrt zu erblicken sein, da zu diesem Zwecke erheblich geringere Aufwendungen an Elektrizität erfordert werden. Der Energie- verbrauch für eine Tonne Metall würde unter günstigen Umständen nur 4 bis L M. Kosten ausmachen, was ein im Verhältnis zur Güte des erzielten Stahls unwesentlicher Betrag ist. Eine der- artige Veredelung des Stahls ist schon von zahlreichen Technikern vorgeschlagen und durch die Angabe verschiedener Verfahren der Praxis nahegelegt worden, aber der elektrische Ofen wird hier einen erheblichen Fortschritt bewirken, da er in einem einzigen Exemplar dasselbe leistet wie bei einem anderen Verfahren acht Ocfen in der doppelten bis dreifachen Zeit. Humoristisches. — Ein neu eingetretener Feuerwehrmann, der nur einen Durch- fchnittsmut besaß, tat bei seinem ersten Feuer Dienst, und der Kom- »nandcur kam auf ihn zu gerannt und rief:„Schieben Sie die Leiter hoch bis zum achten Stockwerk, kriechen Sie auf dem Gesimse ent- lang bis zum vierten Fenster, lassen Sie sich drei Stockivcrke binab und fasscu Sie das Holzschild, das Sie da rauchen sehen, schlagen Sie die Scheibe ein und retten Sie die drei alten Damen— na, »vorauf zum Henker warten Sie denn noch 5"—„Auf Tinte und Feder," versetzte der Neuling.„Ich möchte mein Abschiedsgesuch ein- reichen."'(„TheArgonaut".) -»Em Schotte stand vor dem Richter unter der Anklage der Trunkenheit.„Was haben Sie zu Ihrer Verteidigung zu sagen?" fragte der Richter.„Sie sehen wie ein anständiger Mensch aus und sollten sich schämen, hier zu stehen".—„Es tut mir sehr leid, Herr Richter, aber ich geriet auf der Reise von Glasgow in schlechte Ge- sellschaft," entgegnete der Angeklagte demütig.—„Was siir eine Art Gesellschaft?"—„Eine Menge Abstinenten!" war die überraschende Antwort.—„Wollen Sie etwa bebaupten, daß Abstinenten schlechte Gesellschaft sind?" donnerte der Richter.„Ich glaube, das ist die beste Gesellschaft für Leute Ihres Schlages,"—„Entschuldigen Sie, Herr Richter," versetzte der Angeklagte,„aber Sie sind im Irrtum; denn ich hatte eine Flasche Whisky mit und mußte sie nun ganz allein austrinken." f.P i ck m e u p.") Notizen. -- Eiche ndorff und den Romantikern ist der It. städtische Kunstabeiid der Stadt Cbarlottenburg am Sonntag, den 17. Nov,, abends}lß Uhr im Kaiser-Friedrich-Festsaal am Savignyplatz ge- widmet. — Eine Kapitalanlage Beethovens, Seit einiger feit erscheinen auffallend viele Originalmanuskripte Beethovenscker ompositione» auf dem Markte, die alle von dem Leipziger Antiquar Karl W. Hicrsemann angeboten werden. Sie entstammen alle .bekanntem Wiener Privatbesitz". Vor einem Jahre stand das Originalmanuskript der berühmten Waldsteiiisonate. die Beethoven seinem Gönner, dem Grafen Waldftein gewidmet hatte, zum Verlauf. Sie kostete 44000 Mark! Bald darauf wurde die Oriainalhaudslbrift der ebenfalls berühmt gewordenen Sonate Opus VV,