Anterhaltungsblatt des Horwärts Nr. 35. Mittwoch� den 19 Februar. 1903 lNachvrull vervolen.) vs) Sckilf uncl ScKlarnm. Noman von Vicente Blasco Jbanez. Sangonera protestierte unverändert. Nein, er war nicht betrunken, im Gegenteil, er hatte an diesem Tage sehr wenig getrunken. Der Beweis dafür war, daß er wach blieb, ob- Wohl sein Körpw nicht mehr gehorchen wollte. Der Abend brach herein, der Albuferasee hatte eine dunkel violette Färbung, der Himmel wurde auf den Bergen tiefrot. wie mit unzähligen Blutflecken besudelt, und im Hintergrunde sah Sangonera einen Mann, der über den Weg schritt und, sich vom Himmel abhebend, gerade auf ihn zuschritt. Der Vagabund zitterte noch bei dieser Erinnerung. Der Blick des Unbekannten war sanft und traurig. Sein Bart war geteilt und sein Haar sehr lang. Wie er gekleidet war? Er erinnerte sich nur an eine weiße Gestalt, die eine Tunika oder eine sehr weite Bluse trug. Auf der Schulter hatte er eine ungeheure Masse, die sehr schwer drücken mußte, die aber Sangonera nicht zu erklären vermochte. Das war gewiß ein Hinrichtungsinstrumcnt, mit dem die Menschen erlöst werden sollten.... Die Erscheinung neigte sich zu ihm. und das ganze Licht der Dämmerung schien in ihren Augen aufzu- leuchten. Sie streckte die Hand aus und streifte mit den Fingern die Stirn SangoneraS, der bei der eisigen Berührung vom Kopf bis zu den Sohlen erbebte. Sie murmelte leise harmonische, seltsame Worte, die der Vagabund nicht verstehen konnte und entfernte sich lächelnd, während er unter der Heftigkeit seiner Aufregung in einen schweren Schlummer verfiel, aus dem er erst im tiefen Dunkel der Nacht erwachte. Er hatte ihn nie vorher gesehen, doch war er sicher, das war er. Er kehrte in die Welt zurück, um sein von den Menschen geschändetes Werk zu retten: er suchte von neuem die Armen, die Einfältigen, die elenden Lagunenfischer auf. Sangonera selbst war einer der Erwählten. Nicht umsonst hatte er ihn mit seiner Hand berührt. Und der Vagabund versicherte mit dem Eifer des Glaubens, er werde seinen Ge- fährten verlassen müssen, sobald die holde Erscheinung von neuem auftauchen würde. Doch Tonet, der wütend war, daß man seinen Schlaf in dieser Weise unterbrach, drohte ihm mit grober Stimme. Er solle schweigen! Er hatte eS ihm oft genug gesagt, das alles wäre nur der Traum eines Trunkenboldes. Wäre er ver- »lünftig und nüchtern gewesen, wie er es sein sollte, als er ihm seinen Auftrag gab, so hätte er gesehen, daß der geheim- nisvolle Mann nichts weiter als ein italienischer Landstreicher war, der sich zwei Tage in Palmar aufgehalten, um Messer und Scheren zu schleifen und seinen Schleifstein auf der Schulter trug. Sangonera schwieg schließlich: er fürchtete, die Hand seines Beschützers könne auf ihn herabsinken, doch da sein Glaube angegriffen war, so protestierte er stillschweigend gegen die gewöhnlichen Erklärungen Tonets:„Er würde ihn ganz sicher wiedersehen; er hatte die Gewißheit, daß er noch einmal seine seltsame und sanfte Sprache hören würde: nur eins bedrückte ihn, das war die Möglichkeit, die Vision könne von neuem erscheinen, wenn er seinen Durst bereits mehr- malS gelöscht und seine Beine bereits wankten." So verbrachten die beiden Gefährten den Winter. Sangonera hegte die seltsamsten Hoffnungen, Tonet dachte an Neleta, die er nie mehr sah, denn bei seinen kurzen und spärlichen Besuchen in Palmar verließ der junge Mann nie den Kirchenplatz und wagte nicht mehr, sich Canamels Hause zu nähern. Da diese Abwesenheit sich Monate und Monate hinzog, so wurde die Erinnerung an die verflossene Glückseligkeit immer stärker und wuchs durch das trügerische Mißverhältnis, das zwischen Wirklichkeit und Phantasie bestand, immer mehr. Neletas Bild schwebte vor seinen Augen, er sah sie im Wald, wo sie sich als kleine Kinder verirrtejn, auf dem See, wo sie sich im süßen Geheimnis der Nacht geliebt hatten. Er konnte sich in diesem Kreise von Schlamm und Wasser, in welchem sein Leben verfloß, nicht bewegen, ohne daß jeden Augenblick etwas auftauchte, das ihn an sie erinnerte Durch dieses Vagabundenleben noch mehr gekräftigt, lag Tonet so manche Nacht in unruhigem Schlummer, und Sangonera hörte ihn so manchesmal mit heiserer Stimme Neleta rufen. Eines Tages ließ sich Tonet von der Leidenschaft, die ihn verzehrte, fortreißen, denn er fühlte, daß er sie wieder- sehen mußte. Eanamel, der immer kränker wurde, war nach der Stadt gefahren. Der Kubaner trat eines Mittags, als alle Gäste in ihre Häuser zurückgekehrt waren und er hoffen durfte, Neleta allein zu finden, in die Schenke. Als die Wirtin ihn an der Tür auftauchen sah, stieß sie einen Schrei aus, als sähe sie ein Gespenst. Ein Freuden- blitz schoß in ihren Augen auf: doch sofort verdüsterte sich ihr Gesicht, als hätte der Verstand in ihr wieder die Ober- Hand gewonnen, sie senkte das Haupt und machte eine ab- weisende Bewegung. „Geh, geh," murmelte sie,„willst Du mich zu Grunde richten?" Er sie zu Grunde richten!... Diese Vermutung tat ihm so weh, daß er nicht zu protestieren wagte. Unbewußt wich er zurück und war blitzesschnell, als bereue er seine Schwäche, bereits am anderen Ende des Platzes und fern von der Schenke. Einen neuen Versuch, sie wiederzusehen, machte er nicht. Wenn er dem Drängen seiner mühsam zurückgehaltenen Leidenschaft nachgeben wollte und wieder zu ihr zu gehen beabsichtigte, so brauchte er sich nur. an ihre Bewegung zu erinnern, um auf der Stelle einen heftigen Kummer zu empfinden. Es war alles endgültig zwischen ihnen aus. Eanamel, über den er sich früher lustig gemacht, war ein unüberstcigbares Hindernis geworden. Der Haß, den er gegen den Gastwirt hegte, veranlaßte ihn, seinen Großvater aufzusuchen, denn alles Geld, daS er ihm entlockte, war seiner Ansicht nach ein herber Verlust für Neletas Gatte. Geld! Er wollte Geld haben! Sie wurden reich bei der Secunota und ihn, den Herrn und Gebieter, vergaßen sie. Infolge dieser Forderungen kam es zwischen dem Großvater und seinem Enkel zu Streitigkeiten und Zänkereien, die merkwürdigerweise noch nicht zum Austausch von Schlägen am User des Kanals ausgeartet waren. Tie alten Fischer bewunderten die Geduld, die der Onkel Paloma bei den Streitigkeiten mit Tonet zeigte, und wie langmütig er zu Werke ging, um ihn zu überzeugen. Das Jahr war schlecht, die Sequiota lieferte nicht den Ertrag, auf den man gerechnet hatte. Eanamel war krank und deshalb unaus- stehlich. Der Onkel Paloma wünschte selbst, das Jahr möchte zu Ende gehen, damit ihn eine neue Ziehung von der Stellung befreite, die ihm so viele Unannehmlichkeiten bereitet hatte und die er jetzt zu allen Teufeln wünschte. Sein altes System war das richtige. Jeder für sich, nicht in Gemeinschaft, nicht einmal zusammen mit einem Weibe. War es Tonet gelungen, seinem Großvater einen Dura zu entreißen, so pfiff er fröhlich Sangonera, und von Schenke zu Schenke zogen sie bis Valencia, verbrachten dort ein paar Bummeltage in den elendesten Spelunken der Vorstadt, bis ihre leichte Börse sie zwang, wieder nach dem Albufera zurückzukehren. Bei seiner Unterhaltung mit dem Großvater hatte sich der Kubaner nach dem Gesundheitszustand Canamels er» kundigt. In Palmar sprach man von nichts anderem, denn der Gastwirt war noch immer die erste Persönlichkeit des Dorfes, und jedermann nahm Zuflucht zu seiner Börse, wenn er sich in Not befand. Canamels Klagen und Wimmern wurde immer heftiger, daS waren nicht mehr Befürchtungen, wie zu Anfang: seine Gesundheit war wirklich erschüttert. Die Leute, die ihn täglich dicker, angeschwollener, von Fett gleichsam überfließend, in der Schcnkstube sahen, erklärten mit größtem Ernst, er würde an einem Uebermaß von Kraft und gutem Leben sterben. Jeden Tag litt er mehr, ohne erklären zu können, worin sein Leiden eigentlich bestand. Der von der Sumpferde hervorgerufene Rheumatismus wandelte durch seinen dicken Körper, spielte gleichsam Versteckens mit ihm. und umsonst versuchte man. ihn mit Umschlägen und Wundermitteln zu kurieren, die ihn in seinem tollen Lauf nicht aufzuhalten ver- mochten. Der Gastwirt klagte morgens über Schmerzen im Kopf und abends im Leibs, oder er jammerte über die angeschwollenen Glieder. Die Nächte waren schrecklich, und oft sprang er aus dem Bett, öffnete mitten im Winter das Fenster und erklärte, man ersticke in diesem Hause, das für feine Lunge nicht genug Luft mehr hatte. Einen Augenblick indessen glaubte er sein Leiden erkannt z» haben. Ja, jetzt hatte er es. Er kannte den Namen dieser Krankheit! Wenn er viel ah, wurde ihm das Atmen schwerer, und er empfand ein heftiges Unbehagen. Seine Krankheit steckte im Magen. Nun fing er an, an sich her- umzudoktorn und erklärte, der Lnkel Paloma wäre ein weiser Mann. Er litt an nichts weiter, als an einem Ueberinah von gutem Leben, wie es der Fischer behauptet hatte. Er oh zu viel und trank noch viel mehr. Der Ueberfluh, das war der Feind. (Forifetzung folgt.) (Nrtchdnicf verboten.) Der Alarm emantel der Erde. Von Hermann Berdrow(Berlin). Wir leben in der Slera der Polarfahrtcn und Ballonaufsticgc. wissenschaftlicher sowohl wie sportmäßiger, und da hört man nicht selten hartgesottene Nützlichkeitsapostel die Frage stellen: Wozu nur diese ungeheure Verschwendung von Geld und Kräften zur Erreichung von Zielen, die uns doch absolut nichts Neues bieten können! Wir können uns doch ganz genau vorstellen, wie es auf den Polen aussehen wird, welche geographischen, physikalischen, inetcorologischen Verhältnisse dort herrschen müssen; und was die Höhenfahrten anlangt, so kann dabei ebenfalls nichts Unerwartetes herauskommen: je höher, desto dünner die Atmosphäre, desto eisiger die Temperatur, desto geringerer Wassergehalt und so weiter. Wenn man'L so hört, es könnte leidlich scheinen, und so lange kein Gegenbeweis vorlag, lieh sich auf derartige Ausführungen eigentlich nicht viel erwidern. Und doch irrten sie, die guten Leute, die dem kühnen Wagemut und dem wissenschaftlichen Forschungs- dränge mit ihren ledernen Argumenten ein Bein zu stellen bc- absichtigten. Wäre die Forschung darüber gestolpert, wäre sie hinkend von der Verfolgung des Zieles abgestanden, so erfreuten »vir uns heute nicht einer Entdeckung, die zu den unerwartetsten und erfreulichsten in der scheinbar so öden Uncrmchlichkcit des Luftmeercs gehört: der Entdeckung des Wärmemantels der Erde oder, wie die Meteorologen es nennen, der großen Inversion. (Umkchrung). Allmonatlich einmal wird von zahlreichen meteorologischen und astronomischen Instituten Europas an einem bestimmten Tage eine Schar kleiner unbemannter Luftballons losgelassen, die im Gegensatz zu ihren riesigen Brüdern, den imponierenden modernen Luftschiffen, besonders zu Hochfahrten befähigt sind. Sie führen eine Anzahl sehr sorgfältig gearbeiteter Thermometer und Baro- mcter empor, die ihre Angaben selbst aufzeichnen und nach der Rückkehr gestatten, die Höhe des Aufstieges sowie die in der durch- mcsscncn Strecke herrschenden physikalischen Verhältnisse abzulesen bezw. zu berechnen. Eine deutsche Erfindung, die Anwendung von Kautschuk- vallonS als Träger der Registrierballons, gestattet, diese ballem- sondcs, wie man sie jetzt nennt, zu bislang unerreichten Höhen emporzutrciben. Ter Kautschukballon trägt einen zweiten Ballon der gewöhnlichen Art. der den Träger der kostbaren Registrier- apparate bildet. Je höher die beiden verbundenen Ballons steigen, desto mehr dehnt das in der Kautschukhülle enthaltene Gas, dcS «linosphärischcn Gegendruckes mehr und mehr entlastet, den Ballon aus. desto tragfähigcr wird er. desto höher steigt er— bis der Moment der Katastrophe eintritt: unfähig, sich weiter auszudehnen, platzt die Hülle, und nun sinkt der die Apparate tragende untere Ballon, der allein nie so hoch gekommen wäre, unter dem Gewicht der Instrumente und landet gewöhnlich glücklich am Boden, wo er meistens bald entdeckt und dem aussendenden Institut ein- geliefert wird. Die Fahrten mit bemannten VallonS, gewöhnlich bis zu Höhen von 4000— 5000 Metern cmporführend, haben mehrmals 7000 und 8000 Meter erreicht, und als etwas ganz Außerordentliches müssen die beiden Aufstiege BersonS gelten, die vlbb und (mit Süring zusammen) etwa 40 800 Meter erreichten. In dieser Höhe herrschte eine Kälte von ungefähr 40 Grad Celsius. Schwer- lich werden sich wegen der damit verbundenen Lebensgefahr größere Höhen im Luftschiff ersteigen lassen. Die bailon-sondcs dagegen sind imstande, sich zu Höhen emporzuschwingen, die die Höhe unserer größten Bergriesen, des Gaurisankar, des Dapsang u. a.. um das Dreifache übertreffen. Ein vom belgischen meteorologischen Dienst am 5. September 1907 aufgelassener Ballon erreichte fast 20 Kilometer Höhe; ein am 8. August 1905 in Straßburg aufgestiegener eine Höhe von 25 800 Metern. Derartige Hochfahrten sin� es gewesen, die unsere Kenntnis der atmosphärischen Verhältnisse in der oben erwähnten Hinsicht so überraschend bereichert haben. Im allgemeinen glaubte man bisher mit Recht annehmen zu dürfen, daß die Temperatur der Atmosphäre nach außen hin fort» gesetzt abnimmt. Tie bei Ballonaufstiegen häufig angetroffenen Schichten von einigen hundert Metern Dicke, die höhere Temperatur aufweisen, als die darunter liegenden, sind nur örtlich beschränkte Luststrichc, über denen in größerer Höhe die normale Temperatur» abnähme wieder zur Geltung kommt. Für die über 11 000 bis 1-1 000 Meter gelegenen Schichten ergaben dagegen die Aufzeich- nungcn der Registrierballons ein ganz abweichendes Bild. So oft nämlich der Ballon diese Höhen erreicht, beginnt die Temperatur zu stehen, ja alsbald sogar wieder zu steigen, und diese Temperat»r- zunähme hält an, so hoch die dalkm-sondes bisher emporgestiegen sind. Das ist der WärmemaiEel der Erde, das Gebiet der Teniperaturumkchr, die große Inversion. Der oben erwähnte Straßburger Ballon verzeichnete in der unteren Schicht eine reguläre Abnahme der Wärme und des Wassergehalts der Atmosphäre. Das Kälterwerden hielt bis 14 490 Meter, wo die Thermometer— 02 Grad Celsius zeigten. eine Temperatur, die auf der Erde selbst am Kältepol(WerchojauSk in Sibirien) nur ausnahmsweise erreicht wird. Darüber hinaus begann die Umkehr, es folgten immer wärmere Schichten, bei 15 000 Metern— 58 Grad, bei 19 000— 49 Grad, und am höchsten Punkte des Aufstieges herrschten nur noch 40 Grad Kälte. Die Temperatur stieg also innerhalb der Luftschicht von 11 500 bis 25 800 Metern um volle 23 Grad Celsius. Auch die�Luftfeuchtig- keit, die am Erdboden 88 Proz., in 4950 Metern Höhe nur noch 29 Proz. betragen hatte, stieg von hier ab und erreichte bei 7000 Meter 45 Proz., um nun bis zu den höchsten Höhen fast stationär zu bleiben. Der im September 1907 aufgelassene belgische Ballon verzeichnete die größte Kälte, nämlich— 62 Grad, in der Höhe von 12 900 Metern, während in der größten erreichten Höhe, bei einem Barometerdruck von etwa 17 Millimetern, nur noch 47 Grad Kälte herrschte. Auch alle anderen Registrierballons, die ähnliche Höhen erreicht haben, bringen in ihren Aufzeichnungen eine Bestätigung dieser merkwürdigen Tatsache, so daß an dem Vorhandensein der großen Inversion nicht mehr zu zweifeln ist. Es fragt sich nur, bis zu welcher Höhe diese Wärmcschicht emporreicht, wann wieder eine Kältezunahme eintritt, die nach der bisherigen Annahme die Erd- atmosphärentempcratur allmählich in die absolute Temperatur des eisigen Weltraumes überführen müßte. Hier wäre cS Wissenschaft- lich von der größten Wichtigkeit, Registrierballons herzustellen, die noch erheblich höher steigen können, um zu ergründen, ob und wo die Tempcraturumkehr in jenen großen Höhen aufhört und wie sich die Verhältnisse im Jahrcslauf dort überhaupt gestalten. Woher aber, fragt man sich, stammt denn nun die gewaltige Tcmperaturzunahme bis zu den äußersten Höhen, wo der Baro- meterstand noch unter 20 Millimeter herabsinkt? Hierauf hat erst ein Meteorolog, der Jesuit I. Fenyi, eine Antwort zu geben ver- sucht. Er weist zunächst, was nicht gerade schwierig ist, nach, daß wir nicht an eine warme Strömung denken dürfen, die die in den heißen Gegenden aufsteigende Luft beständig nach jenen äußersten Höhen abführe. Die unteren Wärmeguellen erweisen sich vielmehr sämtlich als unzureichend für die Erklärung der großen Wärme- schicht. Wir müssen die Wärmequelle im Weltraum suchen. Hier bietet sich eine solche in den von der Sonne ausgehenden dunklen Strahlungen, die als solche nicht zu uns herabgelangen, sondern schon von den höchsten Schichten der Atmosphäre sehr stark oder völlig aufgesogen werden. Diese Strahlung, so geringfügig sie auch im Verhältnis zur Gcsamtausstrahlung der Sonne sein mag, genügt, wenn sie von den obersten Luftschichten absorbiert wird, zu deren Erwärmung. Die Physiker wissen längst, daß die Strahlen des ultravioletten Spektrums, die für unser Auge un- sichtbar sind, fast völlig, in ihren äußersten Gebieten sogar voll- ständig von der Luft absorbiert werden. Die Sonne, die gemäß der Höhe ihrer Temperatur alle möglichen Strahlen erzeugt und aus- sendet, wird auch solche entsenden, und es ist nur die Frage, ob diese Strahlen bis an unsere Atmosphäre gelangen oder nicht schon in der äußeren Atmosphäre der Sonne selbst absorbiert werden. Die Eistenz der großen Inversion gestattet nach Fenhis Berechnung den Schluß, daß die Sonne in der Tat dunkle Strahlen von bedeu- tcnder Menge und Energie aussendet, Strahlen, die unsere Meß- instrumcnte tatsächlich niemals erreichen. Besonders zur Zeit eines Sonncnfleckcnmaximums scheinen in Anbetracht dcS Auf- ruhrs, der zu jener Zeit auf der Sonne beobachtet wird, gewisse Strahlen neu ausgesendet oder verstärkt zu werden. Gewaltige Eruptionen schleudern Massen von ungeheurem Umfange weit über die Wasserstoffatmosphäre der Sonne in den Himmclsraum hinaus, und diese Massen wenigstens wären dann in der Lage, Strahlen auszusenden, die bei normaler«onnentätigkeit die Wasserstoffhüllc nie durchdringen, also auch die Erde nicht erreichen können. Auch hier wären wieder die Gummiballons berufen, der Forschung weiterzuhelfen und dunkle Gebiete so erhellen. Sei jedoch die Erklärung so oder so: das Erfreuliche bei alledem ist und bleibt die Tatsache, daß unsere alte Mutter Erde einen warmen Mantel besitzt, der sie vor den Unbilden der kalten Welt- raumstcmperatur schützt und geeignet erscheint, dem organischen Leben und der Krone der Schöpfung, dem Menschengeschlecht, die Ausficht auf ein erheblich längeres Dasein zu eröffnen, als es bei ungehinderter Temperaturausstrahlung der Erdoberfläche in den Weltraum möglich wäre. Wer weiß, wie es schon um uns bestellt wäre, wenn nicht seit Jahrtausenden oder Jahrmillionen dieser Wärmcmantc! unsere Wohn- und Werkstatt schirmend umhüllte! Peter Spanmngers Siebes- Abenteuer. Bon Ludwig Thoma. (Fortsetzung.) Als Peter das achtzehnte Lebensjahr erreichte, schickte er ihn nach Weihenstephan. Darin lag ein Zugeständnis an die Forderungen des Zeitgeistes. Der Besuch der Brauerschule gewährt den allgemeinen Vorteil jeder akademischen Bildung; dazu den besonderen der scheinbaren Um» Wertung einer gewerblichen Tätigkeit in eine Wissenschaft. So verbrachte also der junge Sternbräu zlvei Jahre unter den Jünglingen, die in Freising ungeschlachte Fröhlichkeit zeigen. Sie bildeten einen Verein„Ganibrinia" und fanden ihre Freude in der Nachahmung studentischer Manieren. Tie BerusSehre bedingte, daß sie noch trinkfester waren als die Jünger der Hochschulen. Peter tat rechtschaffen mit und glaubte an das Verdienstliche und an das Bedeutende dieses Treibens. Er war von der besonderen Ehre der drei Farben rot. gold und blau überzeugt, schwur ihnen Treu und vermaß sich im Gesänge, für rot. gold und blau in Kampf und Tod zu gehen. Es war eigentlich nicht die Art der Spanninger, so große Dinge zu versprechen; noch weniger sie zu erfüllen. Aber da sich Peter nicht viel dabei dachte, störte der fremde Zug den Grundton seines Weseits nicht allzusehr. Die Flammen seiner Begeisterung schlugen nicht hoch. Und wenn er sie mit dunkeln und hellen Bieren löschte, geriet er wieder in Dürnbucher Fahrwasser. Nach zwei Jahren kehrte er in das Elternhaus zurück und paßte sich ohne Mühe dem bürgerlichen Leben an. Die äußerlichen Spuren der Weihen- stephaner Zeit verwischten sich freilich nicht. Peter war dick ge- worden, und die Augen traten noch mehr aus dem stark geröteten Gesichte hervor. Das in der Mitte gescheitelte Haar kämmte er in die Stirne. Die Schultern zog er hoch, um sie noch breiter erscheinen zu lasten. Er schloß gerne den untersten Knopf seiner Jacke, damit sich die Brust bauschig wölbe. Beim Gehen ballte er die Hände zu Fäusten und hielt sie mit dem Daumen an den Hosentaschen fest. Die Dürnbuscher bemerkten das studentische Gebaren sehr, wohl und waren geneigt, darin die Kennzeichen eines reizvollen Lebens- Wandels zu erblicken. Denn weil sie keine Erfahrung in akade- mischen Dingen besahen, statteten sie ihre Meinung darüber mit den abenteuerlichen Vorstellungen ihrer geheimen Sehnsucht aus. Sie wollten es nicht anders gelten lasten, als daß der Sohn ihres reichsten Mitbürgers zwei Jahre mit seltsamen Liebeshändeln hinter sich gebracht habe. Wer in solchem Rufe steht, ist gut daran, wenn ihn das bürgerliche Gewissen im Besitze der nötigen Mittel schätzt. Und darum zog Peter ohne sein Zutun Nutzen aus dem, was eigentlich ein Vorwurf war. Nun lebte damals in der Kreuz- gaste ein Mann, der vielen unheimlich war, weil die Art seines Erwerbes nicht klar zutage lag. Er hieß Korbinian Fröschl und trieb weder Handel noch Hand- werk. Er hatte aber nicht etwa die Mittel, welche ihm das Leben eines Privatmannes möglich machten, sondern er stand in offen- kundiger Dürftigkeit. Seinen Unterhalt verdiente er durch leichte Geschicklichkeiten, die auf geheimes Wistcn begründet waren und schon darum den Verdacht der seßhaften Bürger erregten. So war er ein Quellcnfinder. Wenn er mit einem Gabclzweige in der Hand über die Hügel schritt, konnte er mit untrüglicher Sicherheit bestimmen, wo man nach Wasser graben könne, lieber- dies besaß er gute Mittel gegen landcZbräuchliche Krankheiten, so daß er den Bauern als schätzbarer Heilkünstler galt. Weil er aber viele Kenntniste nur mit Heimlichkeit verwerten dürfte, hatte er ein schweigsames Wesen angenommen, welches das Vertrauen verscheuchte. Ueberdics war er nach seinem Aeußeren eine düstere Erscheinung, und manche seltsame Nachrede hing sich an seinen Namen. Dieser Korbinian Fröschl besah eine zwanzigjährige Tochter mit Namen Anna; sie war eine schön gewachsene Person, von angenehmen Zügen, jedoch ohne rechte weibliche Tugend. Ihr« Kindheit war nicht behütet worden. Die Mutter war früh dem Tode verfallen, und der Vater, den seine Geschäfte oft vom Hause fernhielten, kümmerte sich wenig um die Erziehung. So gewöhnte sich Anna nicht an Pflichterfüllung und entbehrte der tröstlichen Grundsätze, daß Arbeit das Leben versüßt und Armut nicht schändet. Vielmehr hing sie ihr Herz an vergängliche Dinge und hegte den Wunsch, ihre Schönheit, die ihr wohl bekannt war, mit nichtigem Putze zu heben. Dieses Fraucnzimnicr lernte der junge Spanninger durch einen gewöhnlichen Zufall kennen. Es war zu Ende April, und die Dürnbucher Welt hatte ein frühlinghaftcS Aussehen. Die Stare pfiffen in allen Gärten, und die Schlchdornhecken waren mit weißen Blüten bedeckt, und Gabriel Riedlechner und I. B. Jrzcn- bcrgcr hatten ihre Neuheiten in Frühlingsstoffcn ausgelegt. Da ging Anna Fröschl über den Stadtplatz und blieb vor den Ladenfenstern stehen. Sie betrachtete Pcrs und Zephir, blau ge- musterte Baumwollstoffe, Musselin und Mull. Sie fertigte sich in Gedanken von jedem Zeuge eine Bluse an und suchte sich bunte Gürtel aus, die dazu paffen konnten, und drehte sich vor den Spiegelscheiben, als hätte sie nun die ganze Pracht zu probieren. Peter, der vor seinem Hause stand, sah die gefällige Person von weitem und ging wie von ungefähr über den Platz. Er spazierte einige Male mit hochgezogenen Schultern au dem Laden vorüber und bemerkte untcrwcilen die Vorzüge des Frauenzimmers. Auch dieses übersah seine Aufmerksamkeit nicht, und als«O sich zum Gehen schickte, warf es ihm einen brennenden Blick zu. Peter überlegte, ob er darin eine Aufmunterung erblicken dürfe, aber da trat Kaufmann Jrzenberger aus dem Laden und begann ein Gespräch mit ihm. Peter fragte gleichgültig und neben- her. wer die Person geivesen sei, die so lange die Auslage betrachtet habe. Jrzenberger gab genaue Auskunft, und so erfuhr der junge Spanninger, daß die Tochter des anrüchigen Fröschl seine Bc- achtung gefunden hatte. Tos kühlte ihn ab. Die natürliche Scheu, welche gut situierte Leute von Zweifel- haften Elementen ferne hält, war in ihm stark entwickelt. Nicht weniger das dunkle Gefühl, daß arme Leute immer bestrebt sindi die Wohlhäbigkeit auszunützen. So war er abgeneigt, sich in ein unrühmliches Abenteuer ein» zulasten, und schon wenige Tage später bestärkte ihm eine zufällige Begegnung diesen Vorsatz. Er ging um die Mittagszeit das Alzufer entlang und sah nahe der Brücke einen Menschen, der mit nackten Beinen im Fluffe stand und ein Netz aus dem Wasser hob. Zwei kleine Fische zappelten darin. Der Mann faßte sie mit der Hand und warf sie in eine rostige Gießkanne. Es war Korbinian Fröschl. Peter er- kannte ihn und sah auch, daß er ein schmutziges Hemd auf dem Leibe trug und eine Hose, die an vielen Stellen nicht geflickt war. Da fühlte Peter mit Macht, wie gut er getan hatte, solche Leute selbst auf verbotenen Wegen zu meiden. Allein Anna hatte die Blicke des jungen Spanninger nicht der- gessen. Im Gegenteil dachte sie häufig daran und brachte sie in> Zusammenhang mit ihren heimlichen Wünichen nach hellen Blusen und gelben Ledcrgürteln. Sie ging jetzt häufig auf den Stadtplatz« und immer so, daß sie an der Brauerei zum Stern vorüberkam. Doch traf es sich nie mehr, daß sie dem Peter in die Hände laufen tonnte. Ein oder das andere Mal stand er im Kreise der Honoratioren, welche sich allabendlich auf dem Bürgersteige vor Sonnenuntergang zusammenfanden. Aber er war durch die dicken Bäuche und breiten Rücken so versteckt, daß sie ihm keine Blicke zuwerfen konnte. Da nahm sie einen raschen Entschluß und schrieb«inen Brief an den Jüngling, der sein Glück nicht verstand. Sie wählte ein überaus zierliches Papier, das mit Spitzen umrändert und auf der ersten Seite mit einem schnäbelnden Taubenpaare geschmückt war. Da» runter setzte sie den Vers: Kein Feuer, keine Kohle kann brennen so heiß Wie heimliche Liebe, von der niemand nichts weiß. Und weil sie die Anrede nicht zu kalt und nicht zu warm wählen mochte, half sie sich, indem sie ein Fragezeichen und zwei Ausrufe». zeichen über den Text schrieb. Tann sagte sie, es sei vielleicht ein gewisser jemand, dem man kürzlich begegnete, erstaunt über diese Kühnheit, und vielleicht denke er sich gar etwas Schlechtes. Sic habe lange gezweifelt, ob es sich schicke, einem fremden und doch nicht fremden jungen Herrn zu schreiben, und sie wisse, es schicke sich eigentlich nicht. Denn besonders in Dürnbuch seien die Leute gleich bereit, ein Mädchen schlecht zu machen, aber sie hoffe, daß ein ge- wisser jemand nicht so sei. Und wenn sie das nicht dächte, und wenn sie glauben müßte, er könne etwas Schlechtes meinen, dann würde sie überhaupt nicht schreiben. Aber sie müsse doch schreiben, weil sie ihm sagen wolle, daß sie gerne den gewissen Jemand wieder-. sehen möchte, und wenn er deswegen richts Schlechtes denke, dann solle er cm Mittwochabend in die Krcuzgasse kommen, weil ihn Vater nicht daheim sei. Jedoch, wenn er etwas Schlechtes denke. dann solle er um Gottes willen nur ja nicht kommen. Und er soll« nicht vor der Dunkelheit kommen, weil neidische Augen wachten. Darunter schrieb sie:„Ungenannt und doch bekannt A. F." Und sie setzte wiederum ein Fragezeichen und zwei Ausrufezeichen hinter die Buchstaben. (Schluß folgt.) kleines Feuilleton. Drei rote Nelken. Von Franz Held f. Eine rote Nelke hinter dem Ohr, So trat er mit der Moni zum Schuhplatteln vor, Der Nazl, ein Mordskerl und Bauernsohn— Nacha hockten die beiden im Mohn. Am Eichknorr'n flirrt' ein jähriges Blatt. Die Trommel schollcrte von der Stadt: Der fiebziger Krieg I Im Wirtshaus noch Lachte der Bursch:„Ober gcheurat't wird doch!' Da lag er denn nun auf blutiger Erd', Statt im Hochzeitsbett, nach der Schlacht bei Wörth, Eine rote Nelke hinter dem Ohr, Vor den Augen graulichen Todesflor. Er meinte, das wSr' der Nebel vom Seo � Er schaute sein Dorf, o ganz in der Näh'l Den Birnengarten— l Den bläffenden Hund Hetzen die Buben durch halmigcn Grund— — 140— Ganz anders bläfft die Infanterie l Ganz anders schuhplattelt die Artillerie! Wie Möwen schnellen die Kugeln ins Loch Lm Sandweg und zischeln: .Ober g'heurat't wird doch!' Zwei Musiker sind zurück aus der Schlacht; Die haben's im Dorfe rund gebracht. (DieselVn, die zum Tanz einst die Fiedel geschrammt—) Die Monika glaubt's nicht, geht selber auss Amt. .Wie tat' unser König mir so waS an? l Der Kuckuck ruft ja auch„lang noch" im Tann.' — Man zählt den Verlust auf der Amtsschreiberel. »Herr Schreiber, gell? Er is net dabei?" Die Moni wirft in die List' einen Blick-- Und wankt durch den Tann aus der Kreisstadt zurück. Da zählt die künftige Kinderschar Der Kuckuck— „Sei staad I Jatz iS's Henraten gar," Die Musiker spielten zur Hochzeit nicht auf: Sie starben an Lungensucht bald darauf. Sie bliesen gar scharf zur Attack' im Gefecht, D'rum wolll's ihnen hier auf der Brust nimmer recht. Beim Wasier steht ein Marterl am Pfad. Der Fuhrmann sagt:.Um die Moni iS's schad'.' Eine rote Nelke blüht an der Statt. Am Eichknorr'n flirrt ein jähriges Blatt. Magneten bewirkt, der Magnet aber mehrt oder mindert sein« Kraft, je nachdem die ihm zugeleitete Elektrizität mehr oder minder auf ihn einwirkt. Damit kommen wir auf die rätselhaste Erscheinung der elektrischen und magnetischen Anziehung. Wie kommt es, daß ein Magnet oder eine geriebene Siegel« lackstange oder ein Hartgummikamm, mit dem wir uns die Haar» gekämmt haben, andere Körper an sich zu ziehen vermag? Hier diese Stahlfeder springt an den Magneten hinauf und bleibt an ihm haften, oder wir halten ein« mit einem seidenen Lappen ge» rieben« Siegellackstange über das Haupt eines langhaarigen Knaben und sieh« da. die Haare fahren empor zur Stange! Oder der Kamm, mit dem wir uns die Haare ordnen, zieht Papierschnitz�l an. Wie geht das vor sich? Wir sehen doch nichts von einer Ursackiel Wie machen wir uns einen VerS dazu, der dieser Sache wenigstens das Fremde, Unfaßbare benimmt? Stellen wir uns vor, daß in den Magneten oder in die Siegel» lackstange oder in den elektrischen Kamm eine uns unsichtbare Strömung eines der Wage spottenden feinen Stoffes münde und daß diese unsichtbare Strömung die Körperchen mit sich reiße, die, von uns aus gesehen, der Magnet oder der elektrische Körper an sich zu ziehen scheint: dann haben wir schon einen Schritt zum Vcr« ständnis der Sache vorwärts getan. Nehmen wir an, ein Mensch sei nie aus einem gegen jede Zug- lust geschützten Raum herausgekommen und wisse nicht, was Lust und Wind sei. Nun beobachtete er aus seinem Kerker einen Baum, dessen Wipfel sich bald gegen eine Mauer hinneigen, bald wieder davon zurückwenden. Der Gefangene würde sich das nicht erklären können, wie ohne eine ihm bekannte Ursache— denn den Win» soll er ja nicht kennen— der Baum sich der Mauer zuneigt. Der Mann würde vielleicht auf die Idee verfallen und sagen, die Mauer ziehe den Baum an sich. Käme er aber ins Freie und empfände er dort den Luftzug, so würde er bald sich sagen, daß nicht die - Elektrische Gleichnisse. Das Recht des Kindes ist es zu fragen Mauer den Baum anzieht, sondern die Lustströmung den Baum tmd die Pflicht der Eltern, eine möglichst klare, verständliche Ant- i umbiegt. Mit der Strömung eines feinen Stoffes, des AetherS, wort zu geben. Nun ist es aber ein barbarischer Zustand, daß wir � müssen wir auch bei der magnetischen und elektrischen Anziehung und unsere Kinder täglich mit den Zauberschöpfungen der Technik in rechnen, mit Strömungen oder Strudeln, die bestimmte Körper mit Werührung kommen, daß wir Telephon und elektrische Straßenbahn sich reißen. benutzen und trotzdem uns im großen und ganzen wenig um das z Wie kommt es nun, daß die elektrische Erregung sich so unge» Wesentliche dieser technischen Geheimnisse bekümmern.� Auf Schritt Heuer, unvorstellbar schnell durch die weitesten Entfernungen hin .,».>> er,.;«.■»rrt™ m.f fcnfc fortpflanzt? Hier muß man das Kind darauf aufmerksam machen. und Tritt lockt und winkt der Alltag mit seinen Schätzen, aus daß wir uns ein wenig über den Alltag erheben und uns jene geistigen, höchsten Freuden bereiten, die au? der Beschäftigung mit den Wissenschaften entspringen. Alles ruft und raunt— aber wie wenig Menschen vernehmen das Flüstern deS Zaubers. Und wie wenige, ach so gar wenige Väter sind imstande, auf ihres Kindes neugierige, wißbegierige Fragen fördernde Antworten zu geben I daß schon beim bloßen Rufen über einige hundert Meter weit. eigentlich eine große Merkwürdigkeit vorliegt, daß nämlich der Ruf z. B. bei 330 Meter Weg gerade nur eine Sekunde braucht, um am anderen Ende gehört zu werden; das ist sehr schnell im Vergleich zu der Zeit, die ein Schnelläufer nötig hätte, diesen Weg zurück- zulegen, fabelhaft langsam ober im Vergleich zu der ungeheuer viel Di- folgenden Zeilen wollen l>ehülflich sein, diese väterliche schnelleren Elektrizität. Auf sehr�weite Entfernungen hin vcr- Hülflosigkeit gegenüber kindlichen Fragen über die Elektrizität, die' nimmt man schon die menschliche Stimme überhaupt nicht mehr; sich zumal beim Telephon aufdrängen, zu überwinden; nicht da- die Bewegung, die sie der Lust erteilte, hat sich verloren und ver» durch, daß der Mechanismus beschrieben wird, sondern durch einige laufen. Legen wir unS aber mit dem Ohr an die Erde, so hören Gleichnisse, die das Wesen der Elektrizität uns näher rücken und wir noch das Getrappel von Pferden auf Entfernungen, die die eine Brücke bauen über den Abgrund der Unbegreiflichkeit und kein menschlicher Ruf mehr durchmißt. Offenbar pflanze njich nun beengenden Fremdheit, der sich zwischen den elektrischen Apparat und"das Kind einschiebt. Wenn wir dem fragenden Kinde den ersten Aufschluß über den Zauber des Fernsprechers zu geben suchen, werden wir in der Regel zunächst sagen, die Elektrizität sei eS, die bewirke, daß eine Stimme, die in stundenweiter Entfernung in einen Apparat hin- einspricht, aus unserem Apparat zum Vorschein komme. Genauer— aber das werden wir erst später hinzufügen— werden die Erschütterungen eines tönenden Körpers genau in dem Rhythmus der menschlichen Laute einer läng? einem Draht fortgeleiteten elektrt. scheu Erregung mitgeteilt und in unserem Fernsprecher wieder in Erschütterungen eines tönenden Körpers umgesetzl, diese Erschütte- rungen kommen uns als Worte zu Gehör. Daß ein tönender Körper eben infolge seiner Schwingungen tönt, das veranschaulicht höchst eindrücklich ein spanisches Rohrstöckchen, mit dem es sonst etwas unangenehmere Bekanntschast zu setzen pflegt. Vorläufig will die Frage für das Kind aber beantwortet sein: Wtts ist die Elektrizität? Im Falle des Fernsprechers ersetzt sie unS, das lehrt der Augenschein, einen Laufboten, der mit der Kraft seiner Beine und seines Gedächtnisses unS die Worte überbringen müßte, die uns durch den Draht und seine Elektrizität zugehen. Bei der elektrisck?en Straßenbahn ersetzt die Elektrizität die Kraft bon Rossen, die den Wagen zu ziehen hätten. Wir erklären also die Elektrizität für eine Kraft, wie die Kraft des Rosses, RmdcS, Hundes, Laufboten, die wir in unsere Dienste stellen können. Wir tonnen sogar geschichtlich vorgehen und schildern, wie der Mensch ehedem nur Tiere vor seinen Wagen spannen konnte— Tiere, die er zähmen mußte, und wie er jetzt auch gelernt hat, die wilde elektrische Kraft, die als Blitz oft schlimm ist wie ein reißendes Tier, in ein Geschirr von mctallncn Drähten und Stangen zu spannen, so daß sie uns dienen muß. WaS ist aber eine Kraft? Was eiste Bewegung verursacht, was die Zurücklcgung cineS ft68 T" käh« Bewegung— herbeiführt. Ja. bei der Elektrischen sehen wir es deutlich, daß die Elektrizität eint Bewegung bewirkt, cn Clm'Jttnftr*chfr— wo steckt da die Bewegung? �cun, die Erschütterungen des tönenden Körpers, die unser Ohr durch d,e gleichzeitig erschütterte Lust als Worte treffen. werden durch die stärkere oder schwächere Anziehung seitens eines in der feinen Materie, die der-Träger der elektrischen Erregung ist. diese Erregungen noch ungeheuer viel schneller und wirksamer fort als die Schwingungen töirender Körper sich durch die Luft oder Erde fortpflanzen." Fragt nun noch ein Kind, wie die drahtlose Telcgraphie zu« stand« käme, so wird man auch da nicht in die technischen Einzel« heiten einzugehen haben— wer sollte da überall Bescheid wissen. wenn nicht der Techniker selbst?— aber das Rätsel, wie sich Zeichen durch den Raum bewegen können, ohne daß man sie sieht, hört. fühlt, verliert schon einen Teil seiner Unheimlichkeit, wenn man mit seinem Kinde am Ufer eines Binnensees entlang geht und acht hat auf die plötzlich stärker anbrandenden Wellen, die durch ein vorbcicilendes Dampf» oder Motorboot aufgewühlt worden sind. Der Kiel des BooteS verursacht im glatten Seespiegel eine Störung und dies« ebbende und flutende Bewegung pflanzt sich zum Ufer hin. Bei der drahtlosen Tclegraphie wird im Aethcrmecre eine solche Störung durch die Funlenentladung veranlaßt, und den elektromagnetischen Wellen, die sich durch den Baum ausbreiten. kann man längere oder kürzere Pausen folgen lassen, so daß sich aus diesen Verschiedenheiten Buchstaben und Wort« folgern lassen. Ueber das eigentliche Wesen der Elektrizität ist man noch in, Dunkeln. Seit einigen Jahren macht sich die Elektronentheorie breit, aber sie wird gerade von den schärferen Köpfen verspottet und ist voll von Widersprüchen. In den Schulen werden meistens nur Versuche vorgeführt, aber wie man sich den eigentlichen Vor» gang zu denken habe, davon schweigen die meisten Lehrer, weil sie selber eben nur die Tatsachen sich eingeprägt, um die tiefere Er« gründung sich aber nicht gekümmert haben. Wenigstens war:s zu meiner Zeit so. obwohl es"seit 100 Jahren hätte darum besser bestellt sein können. Vielleicht ist es heute besser, jedenfalls aber tun Väter gut. ihre Kinder mehr auf die Erscheinungen des täglichen Lebens achten zu lehren, die Luft, die einen Baum gegen eine Mauer hinneigt, der Windwirbel, der hinter einem elektrischen Wogen her die Blätter aufjagt und zwingt, dem Wagen nachzu» laufen, die Wellen, die sich vom SchisfSkiel zum Seeufer hin fort« pflanzen, der Schall, der sich durch die Luft und feste Körper hindurchbewegt, sie all« können dem Verständnis elektrischen Wesen? dienen. Auf die richtigen Gleichnisse kommt es an, dann wir» man weitere Wißbegier und das bessere Nachdenken wecken.— Terantw. Redakteur: Georg Tavidsohn, Berlin.— Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW.