Anterhaltungsblatt des Vorwärts Nr. 58. 8) Proletarier. Sonnabend den 21. März. ( Rachorud verboten.) 1908 Hier wie überall mußte die lodere Eristenz sich vor der beugen, die auf dem eigenen Boden steht. Aber sie griff den Vagabunden an, diese Demütigung. Er wurde mürrisch und schweigsem, trüben Sinnes, und spülte seine Wut mit Branntwein hinunter. Der alte Trieb bemächtigte sich seiner. Wehrlos mußte er sich ihm überlassen. Es drückte ihn auch wohl, daß er nun wieder der Verlassenheit und Heimatlosigkeit preisgegeben Dunkelheit und Not. Die Zeit der Kälte, des Hungers und werden sollte. Der lange Winter näherte sich, die Zeit der des Durstes. Und die Zeit der endlosen Nächte. Wilder aus dem Leben der Bekken.) Von Christen Bundgaard. Autorisierte Uebersetzung von Ida Anders. Der Landstreicher verteidigte seine Auffassung. Und es Tieß sich nichts weiter tun, als daß irgendeiner, wenn gerade Beit war, hinjagen und das Kleinvieh austreiben mußte. Eines Tages traf es sich, daß der Bauer selbst mit den Fohlen tiefer darin. Das Gesicht wurde häßlich aufgedunsen, seir Er wurde düsterer und düsterer,- vergrub sich immer ins Feld zog. Er kam gerade an dem Landstreicher vorüber, Atem roch verfault, seine Kleider ließen sich zweimal um das der sich vor den Spannflock der letzten Ruh gelagert hatte. Skelett wickeln und die Beine zitterten unter ihm. Gieb mir Deinen Stock, während ich die Fohlen fest- Stelett tüdere", sagte Lars. Nee, den Stock brauche ich selbst", antwortete der LandStreicher. Und der Mann mußte sich darein finden, seine Holzschuh als Keule zu benußen. Die Erde war trocken und hart wie eine Dreschtenne, und er stieß mit den eisenbeschlagenen HolzSchuhen die Tüderpfähle ein, daß es dröhnte. Aber der LandStreicher lag und griente sehr unehrerbietig. Solche Sachen besserten das Verhältnis nicht gerade, aber die Rühe hütete er untadelig, und jetzt, wo man alle Hände voll zu tun hatte, war er ja nicht zu entbehren. Derartige Heine Zusammenstöße fanden häufig statt: B. B. wenn der Landstreicher sein Monatsgeld zur Spiritusbersorgung erhob. Oder wenn es eines Tages allzu föstliches Bagabunden. wetter war, dann fonnte er unvermutet mit den Händen in Ben Taschen nach Hause geschlendert kommen und erklären, nun wolle er in Dreiteufelsnamen nicht mehr. Aber als der Herbst herannahte und die Arbeit abflaute, da war Bauer Lars nicht der Mann, der sich von seinen Leuten auch nur einen Mucks gefallen ließ. Das mußte der Landstreicher eines Tages merfen, als er nach Hause fam und sich beschwerte, das bunte Stierkalb Tiefe herum und beschnüffelte die Mühe, daß die alten did bäuchigen Säugetiere verrückt würden und sich in der Koppel rittlings aufeinander setzten. Er es Der Stier solle angebunden werden, schimpfte er. fvolle die Kühe so haben, daß er sie regieren fönne, fehlte nicht viel, dann setzten sie sich auch ihm auf den Nacken. Bauer Lars ersuchte ihn, das Maul zu halten. Er sei gewiß verdreht und nicht die Stühe. Er möge selbst dafür forgen, daß der Stier angebunden werde, und wenn die Kühe ochfentoll seien, so wäre das auch seine Schuld weil er nicht Darauf geachtet hatte, sie zur rechten Zeit bedecken zu lassen. Der Landstreicher fragte, ob er etwa mit dem Halt's Maul" gemeint sei; dann solle der Bauer nur näher heranffommen, er würde ihm die Visage dermaßen in Sasson bringen, daß des Bauern eigene Ochsen ihn auslachen sollten. Uebrigens wolle er nicht grob werden, sondern nur sagen, wie Der Herr einft zu Abraham sagte: Ueber ein Jahr, so soll Maren einen Sohn haben." Bauer Lars begriff ihn nicht recht; aber er hatte das Gefühl, wenn sein Hirte die Bibel zitiere, dann müsse irgendeine faule Geschichte dahinter stecken, und da der Landstreicher dies mit ihm oder den Seinen in Verbindung zu bringen schien, so wurde er zornig, bekam einen feuerroten Kopf und rückte dem Bagabunden dicht zu Leibe- er war ja auf seinem eigenen Hofe und Menschen waren genug in der Nähe. Es ist wohl das Beste, Du machst, daß Du ins Feld Hinauskommst! Hast Du gehört, was ich sage? Denn hier bin ich, hol's der Teufel, der Herr!" Bulegt vermochte er faum von einer Flasche zur anderen zu gehen. Bu der Flasche im Bett, der Flasche in der Scheune, der Flasche draußen am Graben und der Flasche im Heu Schober. Eines schönen Tages blieb er draußen im Heuschober liegen mit all seinen Flaschen. Bauer Lars mußte selbst hinausgehen und seine Kühe treiben. Es verhielt sich so, daß Bauer Lars sich's nicht recht getraute, ihn wegzujagen; aus Furcht davor, daß er sich auf die eine oder andere Weise rächen würde. Er drohte zuweilen damit, wenn man ihn nicht zufrieden ließe, dann holte er noch mehr von seiner Sorte, und dann würden sie den ganzen Ort plündern. Nun fonnte so eine Schar zitternder Individuen allerdings niemanden schreden; aber Menschen, die Böses im Sinn haben, können ja immer eine Gelegenheit zur Ausniemandem Schaden zufüge, meinte Bauer Lars, es sei das führung ihrer Pläne finden. Und damit der Landstreicher Bejte, ihn laufen zu lassen, bis er von selbst wegschlichz. denn er befam fein Futter und lag bald und verfaulte da Er würde der Sache auch schon noch überdrüssig werden, draußen in dem alten Heuschober. Am unheimlichsten war es, wenn es ihm einfiel, einmal ins Feld hinauszugehen, um zu sehen, wie die Dinge stünden. Dann fonnte er neben dem Mann hergehen, von Kuh zu Kuh stehen und zusehen, wie er die Tüderpfähle einschlug und ihm dann zu der nächsten folgen. Er sagte nichts stand mur und starrte und folgte wie ein Schatten. Bauer Lars war übel zumute bei der Begleitung. der Knabe draußen in der großen Scheune. Der Knabe sollte In der Abenddämmerung standen der Landstreicher und auf den Seuboden hinauf, um Roggenstroh zur Abendschütte für das Vieh zu holen. Der Landstreicher deutete zum Stroh hinauf. " Hast Du schon versucht, wie sich's nachts in so einer Scheune liegt?" Nein, das hatte der Bursche doch nicht. Hättest Du Angst davor?" Ja, das glaubte er wohl. Hä, ja. Es bewegt sich so vieles da im Dunkeln, frabbelt und kriecht und schleicht umher. Aber es fönnen ja auch Ratten sein. Man braucht sich doch auch nicht zu fürchten, wenn es einer von uns sein sollte. Ich habe so oft in den Nächten gehört, wie sich die Füchse draußen in der Heide balgten, wenn einer von ihnen ein Stüd Aas, einen verfaulten Kalbsknochen gefunden hat. Siehst Du. Die Großen, die tönnen so viele Mittel an menden; aber die Kleinen, die fönnen sich nur gegenseitig die Krallen ins Fleisch hacken. Aber wir, die Aller- aller ärmsten, wir brauchen keine Angst vor einander zu haben; denn wir haben nichts, um das wir uns balgen könnten. Nein, fönnten wir zu denen hinein, die liegen und fich Bauer Lars mußte sehr wütend werden, ehe er fluchte. in den Kissen wälzen zu ihren Weibern, ihrem Gelde, Marsch! Kehrt gemacht, Du verdammter La- La--- dann würdest Du die Menschen lauter schreien hören Landstreicher!" als die Füchse. Aber sie schließen ihre Türen ab und ver riegeln ihre Kammern. Ihre Weiber nehmen sie zu sich in die Betten, und das Geld tragen sie auf die Banken. Und nachts werden sie von Hunden bewacht, damit niemand ihren Besitz antastet. Der Knabe dachte, der Vagabund würde ihn mit einem Fauftschlag niederstrecken. Aber das ließ er. Er wurde im Gegenteil bleich, die Knie schlotterten ihm, und er schlich sich Davon. Die Korrafche" war ihm ausgetrieben, wie Bauer Lars Später triumphierend erzählte, Hör mal, haft Du nicht irgendeinen Rappen, den ich um meinen einen Fuß binden kann, meine Zehen sind so erfroren 230 Saß ich nicht schlafen kann. Und gib mir heute abend die Lokomotive ausströmt. Borzügliche Verftändigung foll mit diesem Hälfte von Deinem Vesper ab, ich habe so verfluchten Hunger!" System bis auf 100 Kilometer Entfernung erzielt worden sein. Er wollte gehen, drehte sich aber pilich um und ergriff den Knaben beim Arm. " Wenn Ihr mich nun einmal oben im Stroh fändet oder die Lumpen von mir oder mich selbst, wenn die Augen in den Höhlen eingesunken sind? Haha! Wer wird sich dann zuerst getrauen, mich anzurühren? Gib acht, daß ich Euch nicht alle miteinander zu Tode erschrecke!" ( Fortsetzung folgt.) Aber nicht nur die Ortsfernsprechnete haben eine so große Aus dehnung erhalten, auch der sogenannte interurbane Verkehr oder der Berfehr zwischen Städten gewinnt immer mehr an Bedeutung. Die längste Telephonlinie, die dem ordentlichen Verkehr in Europa zur Verfügung steht, ist die Linie Berlin- Paris mit einer Entfernung von 1193 Kilometer. Auf dieser Linie wurden im Jahre 1906 durchschnittlich 54 Gespräche täglich geführt. welcher Bedeutung aber dieser interurbane Verkehr ist, zeigt die Verbindung zweier Handels und Börsenmittelpunkte fote Berlin- Frankfurt a. M. Für den Telephonverkehr zwischen diefen beiden Städten standen im Jahre 1906 fünf Doppel leitungen zur Verfügung, über die täglich durchschnittlich 613 Gespräche geführt werden. Noch längere Telephonlinien gibt es in Technische Rundschau. Amerika, z. B. die Verbindung New York- Chicago mit 1520 Kilo meter oder gar Boston- Chicago mit 1850 Kilometer. Dem Sprechs ( Statistisches und Technisches vom Telephon.) berkehr auf weite Entfernungen ist leider eine Grenze dadurch gesetzt, Bei dem großen Interesse, das jetzt die Regierung den Ein- daß durch lange Leitungen die elektrischen Ströme, die zur Erzeugung nahmen aus dem Telephon entgegenbringt, dürfte wohl die An- schwächt werden, daß eine Verständigung nicht mehr möglich der Schallschwingungen erforderlich find, fo ge führung einiger Zahlen, die die Bedeutung dieses verhältnismäßig iſt. Man kann die Entfernungen nun dadurch vergrößern, noch so jungen Verkehrsmittels illustrieren, nicht unangebracht sein. Eines unserer jüngsten Verkehrsmittel darf man den Fernsprecher daß man an der Sendestation, wo gesprochen wird, solche Apparate wohl mit Recht nennen. Wenn auch der Deutsche Reis schon im schicken, so daß an der Empfangsstation der Fernsprecher noch richtig verwendet, die möglichst starke elektrische Ströme in die Leitungen Jahre 1861 das Prinzip des Telephons angab, so haben das Prinzip des Telephons angab, so haben in Tätigkeit gesezt wird. Solche starken Geber sind z. B. von doch den ersten praktisch verwendbaren Apparat zwei Ameri- majorana und Angelini konstruiert. Es wurden auch mit faner, Graham Bell und Elisha Gray, im Jahre 1877 diesen Apparaten erfolgreiche Sprechversuche zwischen Rom und Hergestellt. Deutschland führte die Erfindung sofort ein, im Jahre London, also über 2000 Kilometer gemacht. Ein zweiter Weg ist 1881 gab es schon sieben Stadt- Fernsprecheinrichtungen mit 1504 Sprechstellen und über einer halben Million ausgeführter Verbindungen im Jahr. Fünfundzwanzig Jahre später, also 1906, waren aber in Deutschland 38 971 Orte an das allgemeine Fernsprechnetz angeschlossen. Die Zahl der Sprechstellen betrug über 1/2 Million und die Zahl der Gespräche 3 Millionen, im Tag also sechsmal so viel als vor 25 Jahren im Jahre. Der„ Wafferkopf des Reiches" Berlin steht natürlich auch hier mit seinen 85 228 Sprechstellen, 295 000 Kilometer Leitung und den 718 080 täglichen Gesprächen an der Spize. Am nächsten kommen im Reiche die Handelsstädte Hamburg mit 36 217 Sprechstellen und Frankfurt a. M. mit 16 084 Teilnehmern. Ueber den Umfang der Fernsprechneze geben folgende Bahlen Aufschluß Die Länge der oberirdischen und unterirdischen Linien betrug zirka 86 000 Stilometer, also mehr als zweimal soviel als die Länge des Aequators beträgt. Die Gesamtdrahtlänge der Leitungen betrug aber 2 Millionen Kilometer, also zirka fiebenmal soviel als die Entfernung des Mondes von der Erde. D der, die schwächenden Wirkungen der langen Leitungen selbst aufzu heben, was Professor Pupin durch den Einbau fleiner Drahtspulen Spulen ist es nicht nur möglich, weitere Entfernungen zu überin die Leitung einwandsfrei gelungen ist. Durch diese Pupinichen brücken, man fann sogar bei fürzeren Leitungen auch mit bedeutend fleineren Querschnitten auskommen. Prinzipiell steht auch jetzt nach diesem System einer Telephonie durch das Weltmeer nach Amerita nichts entgegen, wenn man betriebssichere Unterseekabel mit solchen eingebauten" Drosselspulen" bauen tönnte. Aber auch in dieser Beiebung sind bereits viel versprechende Anfänge vorhanden. Im Jahre 1906 wurde von der Firma Siemens u. Halste zwischen den Orten Friedrichs mit solchen Bupinichen Spulen, auf eine Länge von 12 Kilometern hafen und Romanshorn am Bodensee ein, Telephontabel, ausgerüstet in den Bodensee verlegt und zwar in einer Tiefe von 250 Metern. Durch diese Verlegung wurde der Beweis erbracht, daß die Verwendung dieser Spulen in Fernsprech- Seekabeln möglich ist. Von der Konstatierung dieser Möglichkeit aber bis zur Herstellung des ersten Fernsprechkabels zwischen Amerita- Europa ist noch ein weiter Weg. " Natürlich ist in den anderen Ländern die Entwickelung des Telephons auch weit fortgeschritten. Amerika, das Land der unbe grenzten Möglichkeiten, schießt auch hier den Vogel ab. In New- York find schon seit längerer Zeit bekannt und in Verwendung. Be Fernsprechkabel, die zu Lande im Erdboden verlegt werden, allein gibt es ca. 400 000 Sprechstellen bei 182 Bermittelungs- fonders in größeren Städten werden die Fernſprechleitungen mit ämtern. Weit geringer ist die Bahl der Sprechstellen in London, Rücksicht auf die Betriebssicherheit, auf das unschöne Aussehen der too es" nur" 130 000 Sprechstellen gibt. Im übrigen England be Dberleitung ini Straßenbild und mit Rücksicht auf den über den im trägt die Zahl der Sprechstellen 280 000. Charakteristisch für englische Berhältnisse ist die Tatsache, ist Dächern zur Verfügung stehenden Raum fast durchwegs als Kabeldaß bon diesen 280 000 Sprechstellen bloß 30 000 vom Staat betrieben werden, Starkstromleitungen zivingt den Telephondraht, sich in die Erde leitungen in Zementfanälen verlegt. Auch das leberhandnehmen der während die übrigen einer Privatgesellschaft, der National Co. gehören. Allerdings sollen die Fernsprechnete der National Co. im ben Telephondraht ungemütlich, verursacht Störungen im Betriebe zu verfriechen. Denn der große Bruder wird gar oft für Jahre 1911 an den Staat übergehen. Auch die aufstrebenden Völker und kann bei Drahtbrüchen zu den gefährlichsten Zufällen Verans des fernen Dftens bedienen sich heute des Telephons. Japan 8. B. laffung geben. Die elektrischen Starfstromleitungen find auch haupt z. hatte im Jahre 1905 35 500 Anschlüsse, wovon allerdings 15 000 allein auf Tokio entfallen. Die Gebühr für einen Anschluß beträgt Fernsprechleitungen zum Doppelleitungsbetriebe" immer sächlich die Ursache dafür, daß man jezt bei den oberirdisch verlegten in Tofio 260 M., in den anderen Städten 210 M. pro Jahr. Aller- mehr übergeht. Bei diesen Doppelleitungen besteht Hin- und Rück dings find auch die gezahlten Gehälter und Löhne sehr klein. Be leitung aus einem metallischen Draht, während früher die Erde als kommen doch die Betriebsbeamtinnen nur dreißig bis vierzig Mart Rückleitung benutzt wurde. Schon früher waren die Nachteile dieses monatlich. Als Kuriosum mag erwähnt der Dalai Lama in Tibet sich zu feinem Privatgebrauch ein Systems groß, da z. B. sehr leicht der eine Teilnehmer unwillkürlich Telephon einrichten ließ und daß in Französisch- Westafrita am aber erst die zahlreichen Starkstromleitungen haben die Verwaltung zu hören bekam, was auf dem anderen Drahte gesprochen wurde: oberen Senegal und mittlerem Niger 3 Fernsprechstellen errichtet wurden. Die Gebühr für ein 5 Minutengespräch beträgt 50 bis dazu gezwungen, den Doppelleitungsbetrieb fast durchwegs einzu 75 Cent. Ob die Regierung da auf ihre Kosten kommt, wird bei Die große Zahl von Teilnehmern in den einzelnen Städten der Dichte" der Bevölkerung wohl mehr als zweifelhaft sein. Es ist aber feineswegs zu leugnen, daß gerade in solchen Gegenden, wo die den Berkehr der einzelnen Sprechstellen vermitteln sollen. Das zwang dazu, sogenannte Vermittelungsämter zu schaffen, tagelange Entfernungen zwischen einzelnen Wohnstätten liegen, Neueste auf diesem Gebiete find die Vermittelungsstellen nach dem Telephonanlagen von großer Bedeutung sein können. So bes absichtigt die Regierung der Bereinigten Staaten von Amerita 8entralbatteriesystem, wo die Zeichen im Bermittelungs in den Staatswaldungen von Idaho und anderen Staaten aus gedehnte Fernsprechanlagen von borläufig 4800 Kilometer Länge zu errichten. Diese sollen dazu dienen, bei den ungeheuren Ente fernungen die Forstwirtschaft zu erleichtern und bei Waldbränden Auch auf diesem Gebiete macht sich das Bestreben geltend, die rasch Hülfe herbeirufen zu tönnen. Die Anlage ist noch deswegen Menschenarbeit auszuschalten und die Verbindung zwischen den interefiant, weil teine besonderen Telephonstangen verwendet werden, einzelnen Teilnehmern eines Netzes automatisch herzustellen. Von sondern die Jfolatoren direkt in lebenden Bäumen befestigt diesen felbfttätigen Telephonsystemen ist das bekannteste und befte das nach Stronger. In Amerika gibt es eine Reihe von Städten Daß das Telephon nicht nur im Verkehrsleben der Städte, mit einer Teilnehmerzahl, die bis zu 19 000 mit Telephonen nach sondern auch im Eisenbahnbetriebe eine große Rolle spielt, ist be- diefem Syftem ausgerüstet ist. Jeder Teilnehmer tann sich mit fannt. In letzter Zeit werden auch zahlreiche Versuche gemacht, den einem anderen selbst durch Drehen einer Scheibe, die geistreich erFernsprechverkehr mit fahrenden Zügen zu ermöglichen. In Amerila dachte Mechanismen und Schaltungen betätigt, verbinden. wird z. B. längs der Gleise eine Doppeltelephonleitung geführt. Das Kostspieligste an den Telephonanlagen ist der Draht, Die Berbindung zwischen dieser Leitung und dem Telephonapparat und es ist nur natürlich, daß man nach den Erfolgen auf dem Zuge geschieht durch einen mit chemischen Mitteln leitend der drahtlosen Telegraphie auch eine drahtlose Telephonie au gemachten Dampf, der von einer armartigen Vorrichtung auf der schaffen versucht. Erfolgreiche Versuche sind fast in allen werden. führen. Läftige Kurbeln für die Teilnehmer wegfällt. Nach diesem System amt nur durch Aufleuchten von Glühlämpchen geschehen und das find feit letzter Zeit fämtliche Berliner Aemter ausgeführt. Kulturländern und nach allen Systemen gemacht. Vor- läufig sind die erzielten Sprechweiten noch nicht sehr grosj. aber von Berlin nach Nauen und von Berlin nach Jüterbog wurde bereits „drahtlos" gesprochen. Und so haben die prophetisch-poetischen Worte eines bedeutenden Gelehrten— Professors Ayrton— schon zum Teil ihre Erfüllung gefunden:„Einst wird komme» der Tag. wenn wir alle vergessen sind, wenn Kupferdrähte. Guttapercha- hüllen und Eisenband nur noch im Museum ruhen. Dann wird das Menschenkind, daS mit dem Freunde zu sprechen wünscht und nicht weiß, wo er sich befindet, mit elektrischer Stimme rufen, welche allein nur jener hört, der das gleichgestinimle elektrische Ohr besitzt. Er wird rufen: Wo bist Du? und die Ant- wort wird klingen in sein Ohr: Ich bin in der Tiefe des Berg- Werkes, auf dem Gipfel der Anden oder auf dem weiten Ozean oder vielleicht wird keine Stiinme antworten und er weiß dann, sein Freund ist tot/ " lNachdruck verboten.) Hute mit n Hft» Von Hans Hhan „Es soll hier ein Herr August Meyer verkehren, jemand, der »». der... er is etwas verwachsen..." Der Oberkellner sah den jungen Mann, einen kleinen schwäch- lichen Menschen mit scheuem Wesen an und meinte: „Ja, ja... dis is schon ganz schön, ada Leute, die'n kleinen Verdruß ham"— er machte eine leicht heraufziehende Bewegung mit dem rechten Arm—„die komm' öfter zu uns.. Der kleine, blaßblonde Mansch mit dem ängstlichen Gesicht sah sich ratlos um in dem Menschengewühl, das jetzt, dicht vor Anfang der Theater, die obere Etage des Cafe Bauer füllte. Dann sagte er mit einem nervösen Zucken des Mundes: sagen wollte, nicht heraus und wiederholte nur,„er ist klein und sagen wollte, nicht heraus und wiederholte nur,"er ist klein und pucklig, und er soll sehr stark sein..." „Ach, der meent„Ante mit'n Ast!" rief ein langer, dürrer Mensch im sogenannten Gummimantel dazwischen, der mit'n paar anderen dicht daneben saß,„Sie ham woll n Ufftrach für den?... was..." Der junge Mensch, der nach seinem wenig eleganten Aeußeren etwa den Eindruck eines Bureaugehülfen machte, sah furchtsam zu dem in'n Gummimantel hinüber und wurde sehr rot im Gesicht. „Jott, mir is' doch janz pipe!" lachte der Lange,„wenn Se zu Nute mit'n Ast woll'n, der sitzt da drüben in de Ecke ncben's dicke Klärchen." Der kleine Blonde schlängelte sich in der bezeichneten Richtung zwischen den Tischen durch, wobei er es ängstlich vermied, irgendwo anzustoßen. Dann stand er zögernd vor dem Buckligen, der mit einer ebenso auffallenden wie korpulenten Dame sprach und, trotz- dem er auf dem roten Plüschdiwan saß, doch nur wenig mit den Schultern über den Marmortisch hinausragte. Er hatte ein Ge- ficht in der Form eines Rechtecks, schielte auf einem Auge und seine große Nase war nicht ganz richtig angebracht. Er wäre viel- leicht trotzdem noch ein ganz passabler Mensch gewesen, hätte nicht die in der Tat brandrote Farbe seines Haares den Gesamteindruck so sehr beeinträchtigt. Dabei trug er sich mit der zweifelhaften Eleganz des Berliner Cafehausmenschen. Seine Unterhaltung mit dem„dicken Klärchen" bewegte sich an- scheinend in erotischen Bahnen, wenigstens hörte der schüchterne kleine Mensch ihn in diesem Augenblick sagen: „For mir is de'Liebe eben nischt weiter, wie ne Medizin, bloß de'k se mir alleene vaschreibe und dazu keen Doktor brauche... trmt da sonst noch is, der janze Gefiehlsklumpatsch un so. der exi- stiert nicht for mir... Ick behaupte nich etwa, det et sowat nich je'm sollte, nee bewahre!... Aber wenn eener, wie ick. schon mit'n Affenkasten uff de Welt jekomm'n is, denn derf er sich nich allzu- ville inbilden uff seine Scheenheit... Sie wollen wohl noch wat ler'n, junger Mann?" wandte er sich plötzlich an den noch immer unschlüssig vor dem Tisch stehenden kleinen Menschen, der darauf zusammenzuckte und leise sagte: „Ach nein, verzeihen Sie, aber ich habe jcschäftlich mit Jhn'n zu reden." „So... det'S was anders... adjeh Klerchen.». biste nachher noch da?" „Nee, Ante,'k wer' woll nach Emberg jehn..." „Na ja, denn danz da' ma'n bisken den Schmeer runter... uff Wiederseh'n... Adje!" Sie nickten sich lachend zu, dann meinte Aute mit'n Ast: „Komm' Se man dahinten in de Ecke, da sin wa janz unjc- stcert." Er ging vor dem jungen Menschen her und dieser sah jetzt erst den ganz abnormen Oberkörper des Mannes. Brustbein.md Wirbelsäule waren, wie durch einen gewaltigen Druck nach aus- wärts gebogen und bildeten ein paar Höcker von seltener Größe. Mit seinem kolofial gepackten Körper und den bis unter'L Knie reichenden Armen hatte der Mann eine verzweifelte Aehnlichkcit mit einem jener großen Menschenaffen, von deren Riesenstärke soviel erzählt wird. Als sie saßen, fragte der Bucklige: „Wem betrifft et denn?" Der kleine Blonde schluckte fortwährend, er kämpfte mit den Tränen, „Rcr, sagen müssen Se't ma doch!.». sonst kann<«k da' mch..." Aute mit'n Ast machte solch' eigentümliche Schulterbewegung. „Ja," der Kleine würgt sein Leid herunter,„ja, das will iH auch, denn der verdient keine Schonung!" „So... na, wer is es denn?" Der Kleine wird immer aufgeregter. „Ah.... er hat'n Verhältnis mit meine Schwester jehabt..» un wie wir's erfahren ha'm, da war's schon zu spät... Hete hat unfern Vata alles einjeftan'n... un trotzdem, sie hätte doch'n an- sten'jen Mann jekricht, wenn der da nich... der verfluchte Kerl! ... Setzt sich hin und schreibt an Hete's Bräutijam und schickt alle Briefe an ihn, die er noch von unserer armen Hete hatte... so'n Lump!... er könnte nich' leisen, daß'n ansten'jer Mensch 'ne Verbindung mit solchem Geschöpf einjinge... Hete hat den Brief selbst jclesen, ihr Bräut'jam hat ihr den Ring zurückjeschickt, un' da lag der Brief bei." Der Bucklige schüttelte'n paarmal den Kopf. Dann sagte er: „... Na ja, ja...'s kost' aber zwanzich Em... iebrijens, wer hat Ihn' denn jesagt, det ick..." Er machte wieder diese merkwürdige Schulterbewegung, die aussah, als hebe er etwas und lasse es dann schwer herunerfallen. „Einer aus unscrm Bureau hat's mir jesagt— ich bin Adressen-. schreiber— un wo der's her hat, das weiß ich auch nich." „So... na, dis' ja ooch ejal..." Ante mit'n Ast stützte den Ellbogen auf die Mavmorplatte deS runden Tisches und hielt die lange, knöchrige Hand mit der Zigarre fest an Kinn und Mund gepreßt, wodurch sein braunroter Kopf fast wagerecht nach hinten gebogen wurde. Endlich schien er mit sich einig. „Sie sind Adrefienschreiber... hm... det is woll'n schwerct Brot... aber wissen Se, so jern ick mechte, billjer wir vor ßwanßig Emmchen kann'k's nich machen, kost' ma alleene soviel... un denn, sehn Se ma det Risiko, wenn ick mal dabe» vaschütt jehe!" „Aber bitte!" Der Kleine wehrte mit beiden Händen ab,„ich habe ja das Jeld!" er sprach hastig,„ich wollt' ma eigentlich'n Anzug für kaufen, aber nu wart' ich noch'n bißchen... wer'n Sie denn aber auch mit den fertich wer'n? Er iL mindestens zwei Köpfe größer wie ich, un so breit!..." Aute mit'n Ast kniff das linke Auge zu, dann schob«r den einen Arm unter die Marmorplattc und im nächsten Augenblick hob sich der schwere Tisch und drehte sich in der Faust des Buckligen, erst langsam und dann immer schneller— ein Kunststück, mit dem er seines Beifalls stets sicher war. Der kleine Blonde staunte dies mißgestaltete Wesen an, dessen Arme stählernen Hebeln ähnlich schienen, und dann zog er mit leuchtenden Augen das Zwanzigmarkstück aus der Westentasche, an dem so manch saurer Schweißtropfen klebte. Aber indem er es dem Buckligen schon hinreichen wollte, ließ eine plötzliche Idee seinen Arm zurückzucken. Der mit dem Buckel verstand ihn. „Sie mcenen, ob ick't denn ooch wirklich naher dhue?!... aba da kenn' Se janz ruhig sint, dadrufs beruht ja mein janzet Re» nomeh un denn.. Mieder diese eigenartige Schulterbewegung, „'t macht ma ooch Spaß, so eenen'n bißken zu vamebeln!... aber, wenn Se woll'n, kenn Se ma ja ooch zehne vor- und zehne nachher je'm l..." Der Kleine war jetzt beruhigt. Er gab dem anderen das Goltz» stück und nachdem er ihm noch eine genaue Personalbeschreibung geliefert hatte, erhob er sich. „Aba, heute noch, ja?" „Wenn ich'n treffe, sicher!" »» In der American-Bar saßen mehrere Elegants und schäkerten mit den Bar-Maids. Einer von ihnen stand«ben auf, knöpfte seinen Gehrock zu und strich sorgsam über seinen Haby-Schnurrbart, dann reckte er den langen, tadellos gewachsenen Körper und gähnte. „Wollen Sie schon gehen, Marquardt?" fragte sein Nachbar, sich Wasser auf das Eis in seinen: Absinthflakon gießend. „Ja,'s is langweilig hier... ich öde mich nicht gern an..." „Recht schmeichelhaft für uns!" meinte die Bardame, die hinter dem Büffet gerade vor den beiden stand— eine hübsche Blondine, „der Herr Baron hat wahrscheinlich was Besseres in petto l" T.Laß doch den„Baron"— ich bin keiner!" „Mögst aber gerne einer sein, was?" meinte der Absinthtrinker. ein schmaler, ungesund aussehender„Lebemann" von höchstens zwanzig Jahren. Marquardt zuckte nur die Achseln, setzte den Zylinder auf, nahm den Mantel um und verließ die Bar. Er ging die Friedrichstraße hinauf, über die Weidendammev Brücke. Am Schiffbauerdamm blieb er stehen... Sollte er sich noch irgend was suchen? Ach, lieber mal früher schlafen gehen, er kam so wie so keine Nacht vor zwei ins Bett. Bog in den dunklen Schiffbauerdanun ein und ging langsam das etwas abschüssige Trottoir hinunter. Wie er so ging, fiel ihm die Geschichte mit der Hete Meißner wieder ein... Der hatte er den Spaß aber gründlich verdorben! Was denkt sich denn so'n Frauenzimmer! Wenn er auch läiigst mit ihr fertig war, deswegen hatte sie doch zv kommen, wenn er sie wieder mal sehen wollte..« Sie war ungehorsam geweesn, schön, dafür hatte sie jetzt ihre Strafe. Er ließ sich nicht von den Weibern auf der Nase'rumtanzen! ,»». »Nanul Seh' u[ich'n bißchen vor, Siel" Es hatte ihn jemand«Naeranni,'n kleiner buckliger Kerl, soviel er in der Dunkelheit sehen konnte, der's war zum Lachen!— jetzt 01. ihn heran kam.. „Wat wisste?" ..Affel" sagte der„Herr Baron". Aute mit'n Ast kam noch näher. „So wie ick?" Marquardt nahm vorsichtshalber seinen schweren eichenen Stock fester, übrigens belustigte ihn die Sache. „Gehn Se weg!" sagte er nachlässig, mit dem Stock wippend. Aber in demselben Augenblick umklammerten die furchtbaren Griffwcrkzeugc des Buckligen seinen Leib und der enorme Brust- Höcker des Buckligen preßte sich ihm in den Magen. Er konnte nicht einmal mehr den Schlag führen, so schnell war er in die Luft ge- hoben und wie von einem Rambock auf die Erde geschleudert. Jetzt schrie Marquardt, aber die auf sein Gesicht niederprasseln- den Faustschläge erstickten jeden Ton. Und Aute mit'n Ast hielt