Ztr. 397. Abomements-Kedingungen: Abonnements- Preis pränumerando! Eiertcljährl. 3,30 Mb, monalL 1,10 Sit., Ivöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus, Einzelne Nummer S Pfg. Sonntags- Nummer mit illuNricrier Sonntags- Beilage„Tie Neue Welt" 10 Pfg, Post- Abonnement: 3,30 Marl pro Quartal. Eingetragen in der Post- Zeitung»- Preisliste sur IVOS unter Dr. 7llSK>. ' Unter Kreuzband für Deutschland und Lcsterreich- Ungarn 2 Marl, für da» übrige Dusland 3 Marl pro Monat. Crscheinl täglich ausser Monlag«. Devlinev Volksblakt. 16. Jahrg. Die Jnstrtions-Grliühr teträgt für die fechigespallene Kolonel« zeile oder deren Raum so Psg., für poliltsche und gswerischastlichc Vereins- und VersammlungS- Anzeigen 20 Pfg. „Kfrine Zinicigen" jede» Wort S Pfg. (nur das erste Wort fett). Inserate sür die nächste Nummer müssen bis i Uhr nachmittags in derExpediUon abgegeben werden. Tie Expedition ist an Woch..:- tagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis 8 Uhr vormittags geöfsnet. Fernsprecher: Smt l, Dr. 150S. Telegramm-Adresse: „Sorialdempstrak Srrlin" Csntralorgan der socittldemokratischen Partei Deutschtands. Kedakkivn: SW. 19, Veuth-Skrafze 2. Mittwoch, den 36. Dezember 1899. Expedition: SW. 19. Veutlz-Strasze 3. Bezugs-Einladung. Mit Bern 1. Januar eröffne» wir ein neues Aboimement auf den „Vor»värks" niit seinem wöchentlich fünfmal erscheinenden Nnterhaltungsblatt und der Sonntags-Bcilage »»Die Deue LVelt�. Im Unterhaltungsblatt beginnen wir am 1. Januar mit dem Abdruck des neuen, in der Eifcl spielenden RomaiiS von Klara Biebig: DAS UVeiberdorf. Für Berlin nehmen sämtliche Zeitungsspcditeurc sowie unsere Expedition, Beuthstr. S, Bestellungen entgegen zum monatlichen Preise von 1 Mark 10 Pfennig frei ins Hans. Für außerhalb nehmen sämtliche P o st a n st a l t e n Bc- pellungen zum Preise von » Mark SO Pfennig für die Monate Januar, Februar, März entgegen.(Eingetragen ist der.Vorwärts" in der Post-ZcitungSliste unter Nr. 7S71.j Die Redaktion des„Vorwärts". Die Gewerbe-Aufsicht im Deutschen Reich. Später als je zuvor kommen diesmal die„Amtlichen Mitteilungen aus den Jahresberichten der Gewerbc-Aufsichts- beainten für 1898, zusammengestellt im Reichsamt des Innern". Sonst gelangten sie Mitte Oktober zur Ausgabe, diesmal Mitte Dezember. Möglich, daß technische Ursachen diese Ver- spätung verschuldeten— die Berichte erscheinen nicht mehr im Verlag von W. T. Brucr, Berlin, sondern in der Reichs- druckerci. Möglich aber auch, daß das Reichsamt des Innern Bedenken trug, vor der Verschammg der Zuchthaus Vorlage auch noch das gegen die Knebelung der Arbeiter Organisationen in den Aufsichtsberichten enthaltene Material zusammengestellt uns in die Hände zu liefern. Wie wir schon bei Besprechung der Berichte aus den Einzelstaatcn nachwiesen, haben Süddeutschlands Beamte in den Arbeiteror ganisationcn keine Terroristenverbände, sondern notwendige und nützliche Einrichtungen zur Durchführung und zum Ausbau der Arbeiterschutz- Gesetze erblickt, und selbst aus Preußen konnte bis auf winzige Ausnahmen nur vom Terror ismus der Unternehmer berichtet werden. Das späte Erscheinen der Mitteilungen ivird nun aber keineswegs durch gründlichere und ausführlichere Zusammen- stellung ausgeglichen. Im Gegenteil— sie beschränken sich in diesem Jahre auf 268 Druckseiten, während sie im vorigen Jahre 437 umfaßten, sie bilden also jetzt nur noch eine ge- drängte Inhaltsübersicht, bei der die BeiveiSführung durch Belegstellen aus den Originalberichten außerordentlich zu kurz kam. Jetzt ist es, ohne Einblick in die Original- berichte der Einzelstaaten, gar nicht mehr möglich, die Angaben der Mitteilungen auf ihre Richtigkeit oder Voll- ständigkeit zu prüfen— und daß dies notwendig ist, zeigt sich wie früher auch in diesem Jahre. Hängt es doch vollständig von dem socialpolitischen Standpunkt des Beurteilers ab, ob man eine Notiz für wesentlich oder unwesentlich hält! Nun kann man aber nicht von den Socialpolitikcrn, die sich mit den Berichten der Gewerbc-Aufsichtsbeamten beschäftigen, ver- langen, daß sie sich sämtliche Originalberichte anschaffen! Außerdem sind ein Teil derselben noch immer nicht in Separat- ausgaben erschienen, sondern nur als Beilagen von Amts- und Gewerbcblättern, die oft sehr schwer erhältlich sind. Staatssekretär von Bötticher hatte zwar 1896 versprochen, dafür zu sorgen, daß sämtliche Bundesstaaten Separat- ausgaben veranstalten— aber es geschieht bis heute noch nicht. Doch abgesehen davon: das Studium der Einzelberichte ist ein sehr zeitraubendes, weil dieselben nicht nur nach Materien, sondern nach den Auffichtsbezirken gegliedert sind. In der Zusammenstellung des Reichsamts des Innern sind sämtliche Berichte nach ihrem Inhalt geordnet— und das ist gut so, das ermöglicht eine vergleichende Nebcrsicht über die Zustände im ganzen Reiche. Dieser Nutzen wird aber illu- sorisch geniacht, wenn die Zusammenstellung eine so summarische ist wie in diesem Jahre. Der Reichsbericht müßte eine nach Materien geordnete Zusammenstellung des Inhalts sämtlicher Landesberichte sein. 1893 war nach dieser Richtung hin ein Anfang gemacht— die anitlichen Mitteilungen umfaßten damals aber auch 722 Druckseiten, also fast dreimal mehr als 1898. Wem das Studium eines so umfangreichen Bandes zu viel ist. der meint es überhaupt damit nicht ernst, denn um zu einem gründlichen Urteil zu gelangen, muß man, falls die Reichs-Zusanimcnstellung jetzt nur eine kurze summarische ist, unbedingt die Originalberichte lesen— und das ist noch zeit- raubender. Um die Uebcrsichtlichkeit eines ausführlichen Reichsbcrichts zu erleichtern, könnte ja jedem Abschnitt eine kurze Zusammenfassung vorausgehen, die dann auf die nach folgenden Belegstellen verweist. Jetzt wird viel zu wenig geboten— und das Wenige ist mit der rosenroten Brille betrachtet, welche im Reichsamt des Innern für die Bearbeiter der Berichte obligatorisch zu sein scheint, sobald sie die Unter nehmer zu betrachten haben, während sie bei den Arbeitern sich einer mehr grau färbenden Brille bedienen. Ein Mangel der Zusammenstellung ist auch,-daß sie nicht in übersichtlichen Ziffern die Zahl der in jedem Bundes staat thätigen Beamten und der von ihnen ausgeführten Revisionen angiebt. Jetzt kann dies erst durch nmständ liche Rechnungen gefunden werden— und die Zusammen stellung soll doch dazu da sein, um die Ucbersicht zu er- leichtern. Als Fortschritt anerkannt haben wir auch in de» beiden vorhergehenden Jahren, daß endlich dem ständigen von unfern Fraktionsrcdnern und in der Presse ausgesprochenen Ver langen nachgegeben und eine Tabelle beigefügt ist, Ivelche nicht nur die Zahl der ausgeführten Revisionen, sondern auch die der zu revidierenden Betriebe enthält. Aber auch in diesem Jahre wie in den vorhergehenden ist diese Tabelle nicht addiert und keine prozentuale Berechnung vorgenommen, angeblich weil Zahl und Art der zu revidierenden Betriebe in den verschiedenen Bundesstaaten noch zu ungleich- mäßig sei. Letzteres ist richtig, aber die Berechnung darf des- halb nicht unterbleiben, wenn man nicht auf jeden lleberblick verzichten soll. Vielleicht geniert sich aber das Reichamt des Innern, diesen Ueberblick zu schaffen, weil er die ganze Kläglichkeit der deutschen G e w e r b e- A u f s i ch t zeigt?! An Beamten waren nämlich 1898 im ganzen Deutschen Reiche nur 363 vorhanden, das sind 21 mehr als 1897. Die Zahl der im Jahre 1898 der Gewerbe-Anfsicht unterstehenden gewerblichen Anlagen betrug nach der von uns vorgeuom niencit Addition 278 807(iju Vorjahre 10804 weniger), die Zahl der in ihnen beschäftigten Arbeiter 4 081 966(im Vor jähre 247 966 weniger). Revidiert wurden 1898: 83877 An lagen mit 119 921 Revisionen und 3 332 428 Arbeitern, im Vorjahre 80507 Anlagen mit 110769 Revisionen und 3 144 289 Arbeitern. Daraus crgiebt sich: Die Zahl der revidierten Anlagen betrug 1898 nur 30,8 Proz. der revisions- Pflichtigen, also weniger als ein Drittel— oder erst alle 3'/» Jahre konnte von der vorhandenen Zahl der Aufsichtsbeamten jeder Betrieb besichtigt iverdcn! Die Steigerung der Revisionszahlcn ist nicht so bedeutend als sie nach den in der amtlichen Zusammenstellung an gegebenen absoluten Zahlen erscheint, denn 1897 wurden 30,03 Proz. der vorhandenen Anlagen revidiert, 1898: 30,8 Proz. Die Zahl der in den revidierten Anlagen beschäftigten Arbeiter ist von 1897 zu 1898 verhältnismäßig nicht gestiegen, sondern gefallen; sie betrug 1898: 81,6 Proz. der überhaupt in revisionspflichtigen Betrieben beschäftigten Arbeiter, 1897 82,1 Prozent. Da in den 30,8 Proz. revidicricn Betrieben 81,6 Proz. der insgesamt thätigen Arbeiter beschäftigt waren. so geht daraus hervor, daß es hauptsächlich die kleinen und mittleren Betriebe sind, welche nicht revidiert irnirden, während gerade diese nach den Angaben der Aufsichtsbeamten selbst am meisten den gesetzlich vorgeschriebenen Arbeiterschutz unterlassen. Berechnet man ferner, wie viel Revisionen von je e i n e ni Beamten jährlich ausgeführt wurden, so crgiebt sich für 1898 ein Durchschnitt von 393, für 1897 von 390— eine Belastung, die viel zu hoch ist, wenn die Revision eingehend ausgesührt werden soll, wie es im Interesse der Arbeiter liegt, zumal die Beamten außer den Revisionen noch eine sehr umfangreiche andere Thätigkeit auszuüben haben. Besonders mit Schreibereien sind sie, wie viele klagend hervorheben, arg bedacht. Auch müssen sie in steigendem Maße nicht nur bei Neuanlagcn und Umbauten den Unternehmern Rat erteilen, der ja schließlich, wenn die Anlagen dann besser eingerichtet werden, auch den Arbeitern zu gute kommt; nein, sie müssen auch direkt zum Nutzen der Unteruchiner gratis Auskunft eben über Klärung und Reinigung der Fabrikwässer, oder Gutachten erstatten über Beschwerden, die von den Anwohnern gewerblicher Anlagen über die ihnen durch den Betrieb er- wachsenen Belästigungen erhoben werden. Da bleibt für die Bctriebsrcvision viel zu wenig Zeit übrig! Dazu kommt noch die Belastung der Beamten mit der Dampfkessel-Revision! Dem schlechten sächsischen Beispiele folgend Sachsens Gewerbe-Aufsicht steht über- t auf"dem niedrigsten Niveau— hatte Preußen 1892 der Gcwerbe-Aufsicht die Dampfkessel-Revision aufgehalst. So wenig den preußischen Beamten eine freie Metnungs- äußemng gestattet ist, kamen doch energische Klagen über diese neue Ausgabe zum Vorschein. Auch von unseren Fraktious- rednern und unserer Presse wurden sie Jahr für Jahr vor- gebracht: endlich hat es geHolsen. Seit 1. April 1897 sind die Beamten von den 11000 Kesselprüfungen der in land- wirtschaftlichen Betrieben benutzten Dampfkessel und der S ch i f f S k e s s e l befreit und vom 1. April 1800 ab tritt eine weitergehende Entlastung ein; es wird den Dampfkessel- überwqchungs- Pereinen die Ausführung aller periodischen Untersuchungen und Abnahmeprüflingen der bisher staatlich revidierten gewerblichen Dampfkessel übertragen. Es handelt sich dabei um 27000 Dampfkessel,— tvie die amtliche „Berliner Korrespondenz" jetzt entdeckt: eine Belastung der Gewerbe- Aufsichtsbeamten,„die streng genommen nicht ein- mal zu ihrer Dienstaufgabe gehört". Früher bewies mau amtlich das Gegenteil! Es hat sich aber der Mangel au Geiverbe-Aufsichtsbeamten in gar zu krasser Weise gezeigt und infolgedesien mußte die Regierung endlich nachgeben und die Verschlechterung des preußischen Gewerbe- Aufsichtsdienstes beseitigen. Wie lange wird es aber noch dauern, ehe sie an eine ernstliche Verbesserung herangeht? Ist es doch gerade Preußen, das am allerlangsamsten vorwärts rückt. So auch mit der Anstellung weiblicher Aufsichtsbeamten. Süd- und Mitteldeutschland haben solche angestellt oder ihre An- stellung beschlossen; die Berichte der Vimdesstaaten lauten durchwegs günstig. In Preußen aber„erwägt" man noch immer! Wie lange noch? Preußen ist überhaupt auf dem Gebiete der Gewerbe- Aufsicht von Mittel- und Süddeutschland weit überholt und seine Beamten stehen an socialpolitischer Einsicht hinter denen jener Staaten oft sehr zurück. Bei Besprechung des Verhält- nisses der Beamten zu den Arbeitern»verdcn»vir darauf zurückkommen. Auf die Ursache können»vir aber schon jetzt kurz hinweisen: es ist der Mangel an energischen Vertretern des Arbeiterschntzes im Landtage. In Mittel- und Süd- dcutschland kämpfen unsere Genossen in den Landtagen in vortrefflicher Weise für den Ausbau der Ge>verbc-Aufsicht, die ja Landessache ist. In Preußen»vürde dein Freisinn im Abgcordiictcnhaiisc diese Aufgabe zufallen— und au den Früchten erkennt man,»vic»veuig er sich anstrengt, obwohl er stärker ist als alle unsere LandtagSfraktioncn in Mittel- und Süddeutschland es sind. Dem Dreiklasseinvahlrecht entspricht in Preußen auch die Gewerbe-Aufsicht und seitdem man in Sachsen die Arbeiter entrechtete, so daß sie ihren Einfluß auf den Landtag ein- büßten, ist auch dort die Gewerbc-Anfsicht noch schlechter ge- »vorden, als sie in: Musterstaat des Unternehmerschutzes schon vorher»var. Ter- deutsche Reichstag aber»vird mit immer kärglicheren Auszügen ans den Berichten abgespeist und außer unserer Partei lassen es sich alle Parteien gefallen. Ungenügende Socialrcform und noch ungenügendere Ueberlvachung— das ist das Ideal des Kapitalistenstaates! politische Mebevstchk» Berlin, den 19. Dezember. Sturmzeichen. Der EcntralaiiSschiiß der RcichSbant hat in einer Sitzung, an welcher der Staatssekretär des RcichSamteS des Innern Gras V. PasadowSky teilnahm, den Diskont auf 7 Proz., den ZinSfntz für Darlehen gegen Verpfändung von Effekten und Waren ans 8 Prozent erhöht. Die ReichSbanl kennt in ihrer ganzen Geschichte keine ähnliche Maßnahme. Ihre Vorgängerin, die Preußische Bank, unternahm allerdings einmal diesen VerzivciflimgSschritt, aber es war— im deutsch- französischen Krieg, als alle wirtschaftlichen Bezichnngen aus den Fugen zu gehen drohten. Und nicht nur diese eine Hiobspost trifft die Geschäftswelt in demselben Augenblick, in dein der JahreSlvcchsel die höchsten An- forderuiigen an Zahlungsfähigkeit imd Kredit stellt. An der Londoner Börse ist eine vollständige Panik anS- gebrochen. Nicht mir die Miiicnpapicre haben einen im» erhörten Kurssturz erfahren, der Hunderte von Millionen bereits gekostet hat. Ihnen sind unter dem niederschmetternden Ein- druck sdcr Nachrichten anS Südafrika fast alle Börsenpapiere gefolgt, bis zuletzt die englischen KonsolS— die Staatsanleihe» von sonst unerschütterlicher' Festigkeit— die anögebrochene Panik Ividcrspiegclten; an einem einzigen Börsentage sind sie um l�/s Proz. gesunken,»vas wohl ebenfalls beispiellos in den Ainialcn der Börse dasteht. Alle Geldmärkte und Börsen stehen heute in engster Verbindung. So ist ans die Panik in London das Tohuwabohu an der N e w V o r k e r und Pariser Börse gefolgt. Ueberall fürchtet man Kurs- rückgänge, und um sich zu rechter Zeit zu bergen, sticht man Effekten abzustoßen. So schwillt das Angebot lawinenartig; alle Gegen- schachziige vermögen das alte Vertrauen nicht wieder herzustellen. Auch von den deutschen Börsen, die noch am längsten stand- gehalten haben, lauten die letzten Nachrichten„recht ungünstig". Zu diesen trübseligen Aussichten nun noch ein Bankzinsfuß von Proz. Man konnte ihn eigentlich voraussehen, denn bereits am 3. Oktober erhöhte die Bank von England ihren DiS- kontsatz ans iVi Proz. am 5. Oktober ans 5 Proz. am 30. November ans 6 Proz. Aber die RcichSbnnk üchte zunächst beruhigend zu»virkcn. Sie hatte zlvar seit dem 3. Oktober den Diskont auf 6 Proz. festgehalten, aber man las von ihrer wachsenden Goldvefftärkung— von Anfang Oktober bis Mitte Dezember 30 Millionen Mark. Die krampfhaften Bemühungen Englands Um Heranziehung von Gold schienen vergeblich. Indes in den letzten Tag stieg der Wechselkurs ans London, bis er die Sendung von Gold nach London rentabel erscheinen ließ. Große Gcldinftitntc, wie die Sächsische Bank, gingen über den Reichsbank-DiSkout hinaus. Gestern früh veröffentlichte, zugleich mit der Ankündigung der bevorstehenden� Slnsschnßsitzimg, die.National- Zeitung" de» ivahrc» Stand der Rcichsbank: Ihr iniIedecktcr Notenumlauf war gegen das überaus ungünstige Vorjahr größer gewesen: am 15. November um 27 Millionen Mark, am 30.??ovembcr um L3 Millionen, am 7. Dezember um 72 Millionen, am 15. Dezember um K7 Millionen Mark. Ebenso beängstigend wie der ungedeckte Noten- umlauf war die Anlage(in Wechseln, diskontierten Schatzanweisnngen, Lombarddarlehen) in den gleichen Zwischenräumen gestiegen gegen das Vorjahr um 77, 137, 137, 212 Millionen Mark. Dieselbe Diskonterhöhung, die i>n letzten Jahre noch geholfen hatte, erwies sich mithin in diesem Jahre als vollständig unwirksam gegen den Ansturm auf die NicichSbank und ihre Reserven! ES scheint, daß die Börsenblätter zunächst um eine Panik zu verhüten, den Ernst der Lage zu vertuschen bemüht sein werden. Wir fürchten, daß an der Jahres- und Jahrhundertwende auch den Glückspilzen des letzten Wirtschaftsaufschwnnges eine Katastrophe be- schieden sein wird. Die Sturnizeichcn mehren sich von Tag zu Tag.—_ Miquel gegen die Flottenvorlage. Ter von unS gestern erwähnte Bericht des Finanzministers Dr. v. Miqncl über die Finanzverwalwng Preußens seit 1897 ist ein ivcrtvolles Aktenstück gegen die bevorstehende Vermehrung der Flotte. Allerdings bezeichnet der Bericht die gegenwärtige Finanzlage Preußens„im ganzen als eine Wohl zufriedenstellende". Wenn man aber genauer hinsieht und namentlich die zwischen den Zahlenangaben hier und da eingeflochtencn Bemerkungen beachtet, so wird man sich zu der Ansicht bekehren müssen, daß es um die preußischen Finanzen durchaus nicht so gut bestellt ist, daß man daraus allein die Möglichkeit einer Flottenvermehrung ohne erhebliche Belastung des Volkes herleiten kann. Nach dem Bericht war es trotz erheblicher Steigerung des gesamten Ausgabebedarfs bei den Betriebs- und bei den Zuschußverwaltungen dennoch möglich, ohne Aendening der Steuergesetzgebung und ohne Erhöhung der Steuersätze sowohl weitere Neberschüsse zu erzielen, als auch für 1899 und 1900 in Einnahme und Ausgabe, balancierende Etats aufzustellen, aber bei den Eisenbahnen, der Haupteinnahmcquelle des Staates, hat der M ehrausgab ebedarf der letzten Jahrein der N e b c r s ch u ß v e r m e h r n n g seine Deckung nicht m e h r finden können. Nach genauer Darlegung der einschlägigen Verhältnisse kommt daher Herr V. Miquel zu dem Schluß: .Wenn nicht i» den letzten Jahren infolge der andauernd gllnstiaen wirtschaftlichen Entwicklung die übrigen Betriebs- Verwaltungen— mii alleiniger Ausnahme der Domäiicnvcrwaltniig — steigende Ilpberschüsse und zugleich die direkten»nd indirekten Stenern vermehrte Erträge aufzuweisen gehabt hätten, wäre es ohne Zurückhaltung iv i ch t i g e r Sl n s g a l> c n i n den e i» z e I n c n S t a a t s v e r>v a l t n n g s- R e s s o r t S vor- a ns i chtli ch nicht ni ö g lich gewesen, balancierende Etats o ii fz ii st e l l e ii." Auch sonst führt der Bericht die günstigen Ergebnisse, namentlich bei den direkten und indirekteu Steuern, stets aus den Aufschwung in Handel und Verkehr und ans die günstige Gestaltung des gesamten geschäftlichen und wirtschaftlichen Lebens zurück. Im Landtage hat Dr. V. Miquel regelmäßig, wenn es sich um die Erfüllung kultureller Aufgaben knndelte, davor gewarnt, auf schwankende Einnahmen dauernde Auf- gaben zu begründen. Konsequcntcrwcise mußte er nun auch, da er ja selbst die höheren Einnahmen dem wirtschaftlichen Auf- fchwung zuschreibt, im preußischen Staatsnnnistcrstim seinen ganzen Einfluß geltend inachen, um das Miliistcrium zu der- anlassen, gegen einen Flottenplan zu stimmen, der ans lange Jahre hinaus dem Reiche dauernde Ausgaben auferlegt. Er mußte das um so mehr thun, als er ja selbst am besten den innigen Zusammenhang zwischen den Finanzen des Reiches und denen der Einzelstaaten kennt und auch in seinem Bericht darauf zu sprechen kommt. Es heißt da u. a.: „Von ivcsentlichcin Einfliisse für das günstige Verhältnis zwischen Einnohmen und Ansgoben des Staatshaushaltes war der Ilnistaiid, daß sich durch die in der Reichs- Finanzverwaliiuig in den letzten Jahren zur Geltung gebrachten VcrwaltiingSgnnid- fätze die Schwaiikniigeii in dem finanziellen Verhältnisse des Reichs zu den Einzelstaaten erfreulicherweise etwas vermindert haben, während freilich die fiiianziellc Abhängigkeit der Finanzen der E i u z e l st a a t e n von der F i n a ii z>v i rt s ch a f t des Reichs im P r i n c i p nach w i e vor fortbesteht. In wirtschaftlich rückläufiger Bewegung kann sich dicS für die preußischen Finanzen sehr unangenehm fühlbar machen, da nach der gegenwärtigen Rechtslage das Reich das niibeschräiikte Recht des Rückgriffs aus die Finanzen der Einzelsiaaten durch Erhöhung der Matriknlar- beitrüge hat, während die vom Reiche zu leistenden Neberweistiligen aus Zöllen und indirekten Stencrii durch die Erträge dieser Ab- gaben in ihrer Höhe beschränkt sind und durch die in den letzten Jahren stattgehabten jährlichen Schuldcntilgungs- Gesetze weiter beschränkt werden." Wir haben keine Veranlassung, diesen Ausführungen des preußischen Finanzministers zu widerspreche». Es geht daraus klar hervor, daß, wenn die Flotte»vor läge Gesetz werden sollte, im Falle eines wirtschaftlichen sRückschlagcs wichtige knltnrestc Slnfgabc» in den Einzelstaaten unter- bleiben müßte»._ Die DccknngSfrage. In der„Post' taucht jetzt ein neuer Vorschlag ans, der einen Ausweg aus der schwierigen Frage der Deckung für die beab- sichtigtcn Flottenbantcii weisen soll. Die„Post" hält es für „unbillig, der Gegenwart lediglich die anfänglich sehr gcringcn Zinsen der Anleihe für die'Herstellung der Flotte zur Last zu legen, alle Znkiiiift aber neben den Kosten der Ersatz- bauten mit den vollen Zinsen zu belasten". Die„Post" schlägt darum bor, daß zwar eine Anleihe aufgenomiiien, daß deren Tilgung aber auS stehenden R-ichScinnahmcn festgesetzt werden solle. Man dürfe annehmen, daß dies bei fortschreitend günstiger Entwicklung der Rcichseinnahmen durchführbar sein tverde. Sollte jedoch „vorübergehend ein Fehlbetrag zu decken sein, so empfehle eS sich, statt„mit undurchführbaren Plänen, wie die Reichs-Einkommen- stcuer," sich zu tragen, den gewiesenen Weg der vorüber- gehenden Erhöhung d e r M a t r i k u l a r n m l a g e zu be- schreiten und den Bundesstaaten die Aufbringung des Mehrbedarfes zu überlassen. Preußen und Bayern würden, nach dem im„Reichs- Anzeiger" abgedruckten Finanzbericht des Finanzministcr Dr. v. Miqncl und nach dem der bayrischen Kammer von dem Finanzniinister von Riedel vorgelegten Bcrilbt über die letzten zwei Jahre, bei Fort- daucr der jetzigen Fiiianzverhältnisse den Mehrbedarf ohne Schwierig- keitcn aus den Ilcberschüssen der laufenden Einnahmen zu decken in der Lage sein und würden dicS um so mehr thnn köinicii, als die Beiträge. welche ihnen so für dieTilgung der cigcncnLandcsschuIdcnvcr- loren gingen, Verwendung zu einer Verminderung der Reichsschnld finden, mithin, wenn man die Reichs- und Staatsfiiianzcii im ganzen betrachtet, eine Verschlechterung der staatlichen BermögenSbilanz nicht eintreten würde." Dieser, wie es scheint, offiziös befruchtete Vorschlag der„Post" hat den Schein eines Entgegenkommens an die Stimmiing der flottenfreundlichen Kreise, die das Odium der Volksbelastiing zu beseitigen wünschen. Aber auch nur den Schein. Erst im besonderen Notfalle, dessen Eintreten die„Post" selbst in weiter Ferne sieht, soll die Bezahlung der Marine- vermehnma durch die direkten Stenereinnahincn der Einzel- staaten geschehen. In der Regel soll Berziiisiing wie Tilgimg der abzunehmenden Anleihen aus den indirekten, die Armut belastenden Zölle und Stenern des Reiches geschöpft werden. DaS ist natürlich etwas ganz anderes als eine Erfüllung der Forderung. daß die Besitzenden, wenn sie eine Flotte haben wollen, dieselbe auch bezahlen sollen.—_ Seuchen in Kiantschon. lieber den Gesundheitszustand in K i a u t s ch o u be- richtet der„Ostas. Lloyd" aus Tsingtau Anfang November: Wir haben hier herrliches kaltes Wetter, und es steht zu hoffen, daß der Gesundheitszustand in der Kolonie jetzt besser werden wird. Nur wenige sind von den hier herrschenden Seuchen der- schont geblieben. Leider hat unser Friedhof eine lange Reihe Gräber anfznweisen. Wir wollen uns nicht verhehlen, daß infolge dieser tückischen Krankheit in den letzten Wochen und Monaten eine sehr gedrückte Stimmung in unserer„schönen" Kolonie herrschte. Alles Lob verdienen unsere pslichttrencn Aerzte, die un- crmüdlich gegen den schleichenden Feind kämpften. Möge uns b a l d'G e s u n d h e i t n n d Frohsinn beschert werden! Diese Mitteilungen lassen ans sehr schlechte GesinidhcitS- zustände in unserer„schönen" Kolonie schließen. Zu bedauern sind unsere armen Soldaten, die den asiatischen Seuchen preisgegeben sind.— Auch die„Nachrichten aus Kiantschon bestätigen die Meldungen von äußerst traurigen Gesundheitszuständen in China. Sie schreiben: Nun sind es zwei Jahre, seitdem die deutsche Flagge an dem Gestade der Ksautschoubucht weht. Es waren zwei besonders schwere Jahre. Sie haben zweifellos vielen Leuten E ii t- tänschnngen gebracht. Tie gewaltigen Erdarbeiten, die in der Stadt und deren llmgebnng, auf der sich später die neue Stadt er- heben soll, vorgciiomnicn worden sind, haben eine Menge schwerer Krankheiten erzeugt, denen leider eine große Anzahl namentlich jüngerer Leute z n in Opfer gefallen ist. Aber auch in wirtschaftlicher Bczichnng ist nicht alles so glänzend ausgefallen, wie mau vielleicht im Anfange gedacht lind gehofft hatte.— *• Deutsches Zieich. 3« klug und nicht stark genug ist der Graf PosaholvSky trotz seiner Znchthausvorlage den Konservativen. Die„Kons. Korrespond." bläst den Grafen wegen seiner Acnßcrnngcn über den starken Mann heftig an: „Mit Spott hat der Herr Graf v. Posadowsky die Aeußerung eines Blattes, uns fehle ein starker Mann, der die Aufgabe habe, die Socialdcmokratie an der Gurgel zu fassen und zu erwürge», „abgethan". Genau so hätte auch Herr Bebel argumentieren können, wie der Herr NcgicrnngSvcrtretcr. Es zeigte weder von Bewußtsein der Kraft, noch auch von gutem Willen der Negierimg, daß der Herr Staatssekretär meinte, ir zweifle, daß es diesem starken Maimc gc- lingcii könne,„bei der gcaciiwäriigen Stimmniig" des Reichstags Gesetze zu stände zn bringen, auf Grund deren er die Social- demokratie erwürgen könnte. Geradezu cntmiiligcnd aber ist cS, daß der Stellvertreter des Reichskanzlers warnte..Phantasie»" auszumalen, die in dicscr Form nie realisierbar seien", das heißt also der VernichthngSkainpf Vcr Socialdcniokratic, zu dem der Kaiser selbst ansgernfen hat, sei eine Phantasie WaS wäre dieses„An-die-Gnrgel-Springeu" der.» anders?— Eine Zcchenvrrwallnng auf der Niillagcbaiik. Essen, den 19. Dezember. Ein Prozeß, dessen Verhandlniigcn von höchster socialpolitischcr Bedeutung sind, steht für Mittwoch am Essener Landgericht au. Die Verhandlungen find sicher geeignet, die feierlichst verkündeten Rechts- garantien in sehr bedenklichem Lichie erscheinen zn lassen. Es handelt sich um stistcinatische Ncbcrtrctniigcu der rcichsgesetzlichcn Pc- sttmmunge» zniil Schutze jugendlicher Arbeiter. Ei:: besonderes Relief erhält der Prozeß durch eine Anzahl mit unter Anklage stehender Personen. Die llcbertrctnngcn wurden begangen ans einer der reichsten Zechen des RuhrrcvierS. Augeklagr sind: Die Gcwerke Heinrich und Angust Waldhausen, crsterer Inhaber des roten Adlerordens 4. K lasse, letzterer Oberlieutenant der Reserve, beide sehr reich. Ferner die Gcwerke P ö n S g e ii zu Düsseldorf, Licuteiiant der Reserve, dann der Berg- wcrkSdirektor Hohcndahl. die Betricbsführer Wagner und Schmidt, sowie Schichtmeister und Eontrolenre. Der Anklage liegt folgendes zu Grunde: In den Jahren 1397 und 1898 sind ans' Zeche„lins er Fritz" seitens jugendlicher Arbeiter mehrere Ncberschichten verfahren worden, aus direkte Au- iveisnng verantwortlicher Bcainten. Der Hauptbcschuldigtc ist der BetriebSsührer Hohcndahl, dein durch Verfügimg des Revierbcainteu am 18. Januar' dieses Jahres die Benmtc'iiqualisikation abcrkaimt wurde. Iliiglanblich ist die Gewissenlosigkeit, mit der die angedeuteten llebcrtrctimgc» systematisch begangen wurden. So ist z. B. schon festgestellt, daß jugendliche Arbeiter, die nur 8 Stunden arbeiten durften. 18 Stnndcu hiutercinandcr beschäftigt wurden. Nach einer solchen Arbeitszeit gönnte man ihnen dann aber auch nicht mal genügend Niihezeit, bereits nach Z0s Stundeit mußten sie wieder in? Kapitaljoch hinein. In 14 Monaten haben.?A jugendliche Slrbdtcr allein 687 Ueberschichteu Her- fahren. Die meisten der verfahrenen Ueberschichteu entfallen aber nur auf wenige Monate, sodaß in einem Monat bis zu 8>!) vcr- fahren wurden. I in M o na t A n g it st wurden z. B. von 5 jugendlichen Arbeitern 25 Ucbcrschichten gemacht! Auch die Bestiiniiinngeit über die Beschäftigung jugendlicher Arbeiter an Sonn- und Festtagen sind fortgesetzt übertreten worden, indem 16jähr!ge Jinigen in zahlreichen Fällen Sonntags �«-Schicht arbeiten mußten. Mit welcher schaniloscn Vcrachlimg die gesetzlichen Bestiinininigen, durch welche die schntzbediirftigcn jugendlichen Arbeiter vor schranken- loser AnSbentnng bewahrt werden sollten, übertreten wurden, erhellt ans folgendem: Am 17. August v. I. ist der Grubeiivorftaiid der Gewerkschaft„Unser Fritz" durch eine Verfügung des Revier- beamtcn auf die bereits eindeckten ttiircgeiinäßigkeitcn aus- merksani gemacht worden, mit dem gleichzeitigen Hinweis ans die Haftbarkeit der DcrgwcrkSbcsitzer. Trotzdem sind in de» folgende» Monaten nach wie vor Ucberschichtcn seitens jugendlicher Arbeiter verfahren worden. Damit ist die völlige Mißnchtimg der Gesetze noch deutlicher erwiesen. Im Januar d. I., nachdem sich die Vcrwannmg des Revier- beanitcn als erfolglos erwiesen hatte, ordnete die Bergbehörde eine genaue Revision der betr. Belege, Markenbücher. Schichtenzcttcl, Journale zc. an. Die hiermit beauftragten Beamte» fanden, daß die Belege durch Räsnrcu und Ncucintragungcn gefälscht waren. Der Zweck der Fälschung lvar. d i e K o n lt a t i e r u n g der durch jugendliche Arbeiter verfahrenen S ch i ch t e n ii n m o g l i ch zu mache n. Man war sich also der gemachten Gesetzesübertretungen, die durch neue verwischt werden sollten, vollauf b e w n ß t. Die genannten Vergehen angeordnet resp. durch aktive oder passive Beihilfe gefördert zu haben, sind 14 Personen angeklagt. Zum Verhandlungstermin sind 2l) Zeugen geladen, u. a. Gcheiiiicr' Bcrgrat und Ober-Bcrgrat Rcus-Domnund, Bcrgassessor Müller- � Gelscnkirchcn und Bergwcrksdircktor Scharpcg-Schalke. Was nun in strafrechtlicher Beziehimg bei den Verhandlungen herauskommt, ist für uns erst in zweiter Linie bedeutnngsvöll. Von außerordentlicher Bedeutimg ist aber der Prozeß in social- politischer Beziehung. Fest steht, daß die Verwaltung nach Bekanntwerden der Uebertrctungcn durch die Revierbeamten erst noch verwarnt wurde. Weiter ist durch feststehende Thatsachcn er- wiesen, wie schutzlos die Arbeiter trotz gesetzlicher Bestimmungen und trotz der heutigen Aufsicht dem Unternehmer gegenüberstehen.' Ferner beivcisen' die Thatsachen, wie hochnotwendig die von den Arbeitern geforderte Verbesserung der Gewerbe-Aiifsicht'uiid die Kontrolle durch die Arbeiterorganisation ist.—_ Ucbev die Aufhebung des JestliteugesetzeS soll nach einer Blättermeldung der Bundesrat d e m ii ä ch st Beschluß fassen. In unterrichteten Kreisen werde angenommen, daß min- bestens die Verordnung, welche den Orden der Lazaristen und den Orden vom sacrs ooo'ur als jesuitenverwandt erklärte, aufgehoben werden wird. Das preußische Staatsminisjerium habe sich schon vor längerer Zeit mit dieser Angelegenheit beichäftigt und habe der Kaiser in dieser Sache jüngst den Rat einiger Minister gehört. Dem Centrum soll die Zustimmung zu den Flottenplänen auf diese Art erleichtert werden. Für Jesniteii Paiizer>chiffc! „Das Wesen des Marxismus." In den Lebenserinnernngen Ludwig Bambergers findet sich eine Stelle über den So- cialismus, die der Herausgeber im Interesse feines Helden ruhig hätte streichen sollen; denn es ist für den Nachruhm dieses imnier- hin gescheiten und nntcrrichteten Mannes nicht gerade förderlich, sich mit der folgenden echten und rechten„P o st"- Weisheit in dem Schlußwerk seines Lebens zu komproinittieren: „Aus solchen Erfahrungen die wichtigste aber ist, den rich- tigen Maßstab für die überwiegende Bedeutung zu erfassen, welche dem sogenannten Unternehmer gegenüber dem Arbeiter zukommt. Hier ist der wahre Krenzungspnnkt für die Theorie deS Kampfes zwischen Arbeit und Kapital. Die Quintessenz der Karl Marxschcn Lehre und aller davon abgeleiteten Doktrin ruht in der II e b c r- s ch ä tz u ii g der Arme und der U n t c r s ch ä tz u n g der Köpfe; der socialistische Feldzug ist der Krieg der Arme gegen die Köpfe. Natürlich sind die Anne unentbehrlich, aber die Arbeit der Köpfe ist die unendlich viel schwerere nnd verantwortlichere." Daß Bainbcrger diese itiisiimigen Sätze niederschreiben konnte, ist schlimm für ihn; daß er sie aber für den Inbegriff des Marxismus auszugeben wagte, ist eine leichtfertige Verleumdung eines Denkers» die ein Schriftsteller, der ans seinen Ruf hält, niemals hätte aus- sprechen dürfen. Nicht eiiimal der eine berühmte Satz ans dem Kommunistischen Manifest ist Ludwig vanlöerger anscheinend jemals bekannt geworden:„Die Bourgeoisie hat alle bisher ehrwürdigen und mit'fromm« Scheu betrachteten Thätigkeiten ihres Heiligen- scheinS entkleidet. Sie hat den Arzt, den Juristen, den Pfaffen, den Poeten, den Mann der Wisscnschast in ihren bezahlten Lohnarbeiter verwandelt." Eine Dcmokratisicriiiig deö Flotlcurnmmels wird geplant. nachdem man durch Beseitigung Schweinbnrgs den grotzindnstriellen Ursprung verwischt zu haben' glaubt. Flottenverein und Flotten- Vereinigung sollen sich verschmelzen. Die wasserbegeisterten National- socialen sollen vorgeschickt werden, um den Arbeiterfang zu betreiben; denn auf die Arbeiter ist. es besonders abgesehen, denen vorgerechnet werden wird, wie viel sie an den unproduktiven Ausgaben für Panzerschiffe verdienen, die sie aus ihrer eigenen Tasche bezahlen. Die Herren haben eine sehr geringe Meinniig von der politischen Reife und Bildmig der Arbeiterschaft; sie geht nicht auf den Leun, weder ans den Schwcinburgs noch ans den>einer Epigonen.— Ein Flottcntclcgramm deS Kaisers. Der Kaiser richtete an den Erbgroßherzog von. Oldenburg folgendes Telegramm: „Indem ich Dir für die Meldung von der siiianziellen Basicrung des Deutschen S ch n l s ch i f f v« r e i n s danke, freue ich mich mit Dir.- daß die Konstituirnng des patriotischen Unternehmens nuninehr in sicherer Aussicht steht und begleite seine Wcitcrcntwicklnng mit den aiitcilvollstcn Wünschen."— Evangelische Panzerschiffe. Der Pastor Hülle, der eben erst dos Zuchthaus dem Volke„mundgerecht"- zu machen suchte, macht jetzt— er hält immer die letzten Novitäten auf Lager— in Flotten- artikcl». In dein Hülleichen Zcitschristcnverlag.isl, wie die.Gern,/' berichtet, ein farbiger L i ch l b i l d c r- CykluS„Die deutsche FIvtlc" erschienen, der nach der cigeiicn Bchanptimg„zu den intcr- essantesten und glänzendsten Darbietung«» des Lichtbilder- Verlages des Evangelischen Vereins gehört". Dem. erklärenden Text sind auch„passende patriotische Gesänge" /eingelegt. Der Euangelisäie Verein HülleS bietet diesen Lichtbilder- CykluS zum Verleihen für Vereine und Schulen an. In dem Cirkular heißt es:„Seine Majestät, unser all ergnädigster Kaiser haben von unserem Lichtbilder-Eyklns„Die. deutsche Flotte" mit Be- fricdignng Keiintuis zu nehmen geruht und. sich dahin ausgesprochen. daß die Vorführungen der Bilder ihren guten Zweck erfüllen mögen." Auch Staatssekretär Tirpitz hat den Bildern sein regeS Interesse entgegengebracht, das Iliiteriiehmcn des Evangelischen Vereins gelobt und schließlich dem Wunsche Ausdruck gegeben,„daß die Be- strebunge» deS Vereins, auch das Bimienland mit den Ein- richtnugeu nuserer Schiffe bekannt zu machen, von Erfolg gekrönt sein mögen." Schade, daß die Kinder, die mit diesen Lichtbildherrlichkeiten de- glückt werden, noch nicht für den Reichstag wähle« dürfen. T i e Flottenbegeisternng.— Interessenten am Schiffbau im Flottenverein. Merkwürdiger« weise, sagt die„Freis. Ztg.". ist noch nicht darauf aufmerksam gc- macht wörden, daß zu dem aus wenigen Personen bestehenden Vorstand des Fl o t t c n v e r e i n s neben Freiherr» v. Zedlitz ii n d N c n k i r ch auch Gchcimrat B u s l e y gehört, der bekannte Agent für die T ch i ch a n werft, welche bei � dem Bau von Kriegsschiffen konkiirriert. Einträgliche Flottenbegeisternng!— Flottenbegeistcrung.„ES war ein Jjimnicr", so schreibt die „Tägl. Niindschaii",„daß der letzte so außerordentlich geistreiche und hochbedeiitendc' Vortrag des Professor Schäfer ans Heidelberg„Uebcr die Flotte" nur etwa'409 Zuhörer fand, da Eintrittsgeld gezahlt werden mußte, während die nnentgeltlichen Flottenvörträge(des FlottenvercinS) meistens geschadet haben." Nach all dem Flotlcnspektakel finden sich also kaum einige Hundert Zuhörer für das Flottencvangelinin des eigens aus Heidcl- bcrg bcrichriebcnen Professors. Nicht einmal ein paar Groschen Eintrittsgeld haben die Herren Bcsitzciidcii übrig, die Milliarden auS den Taschen deS Volkes bewilligt sehen wollen, lind dabei war mindestens ein guter Teil der Zuhörer durch F r e i b i l l e t S au- gelockt worden; Professor Schmoller allein batte auch bei diesem Vortrage 109 Freikarten an die Besucher seines EollegS ausgeteilt.— Ter Krieg um Lippe. Gegenüber dem Dresdener SchiedZ- gcricht hat jetzt das Dctmoldcr Landgericht festgestellt, daß der jetzige Regent von Lippe-Detmold, Graf Ernst zur Lippc-Biesterfcld, ans einer„nncbciil'ürtigcir Ehe" entsprossen sei. Da wird der Schanmburger wohl doch noch den Kindern des BiesterfelderS den„Besitz" des Läiidcheüs streitig machen. Aus der badischen Zweiten Kammer wird uns geschrieben!: Die ganze vergangene Woche hindurch stand die Kammer im Banne der ministerlosen schrecklichen Zeit. Der Streik der Herren vom Regierungstische war mit logischer Konsequenz durch- geführt worden. Auf Soiinabeiid verkündete der Präsident die Vor- läge eines Gesetzes nebst Begründniig durch den Ressortminister. Die Excellenz erschien nicht, sondern reichte aus dem ungeivöhnkichen Wege"an die Bndgctkoiinnisston ohne Sang und Klang sein Werk ein. Am Sonnabend hoffte man, die ob der Z u ch t h a n s- Vorlage entfachte Fehde zu Ende zu führen; eS geschah nicht. Abg. Fieser erkannte als Redner der iiationallkberaleii Partei die sachliche Berechtigung der sorialdemokratischeu Interpellation an. Sem Vortrag ließ indessen erkennen, daß ein Zwiespalt im national- liberalen Lager herrscht, welcher verhinderte, daß Fieser aus seiner Stellung ziim berechtigten Tadel gegen die Regierung auch die Konsequenz ziehen durste, die Anträge, welche gegen jede weitere Begüiistigimg der Koalitionseinschränkniig durch die badisch« Regierung sich richteten, zn nnterstützeit. Die nationalliberale Fraktion wirft sich wieder zur Ziettimss des Ministeriilms Eisenlohr auf. Unser' Parteigenosse F e n d r i ch,'welcher hierauf seine Jungfernrede hielt, gdgelie die ncitionallibcrale Inkonsequenz und das unlogische Ver- hallen der badische» Regierung im Bundesrate; die süddeutschen Staaten hätten gegen die preußische Vergewaltigung ein- mutig zusammenhalten müssen. Bei der Gegenüberstellung der im Reichstag gewährten Redefreiheit mit' der Censur, die der Präsident der Zweiten Kammer gegen den Abg. Drecsbach an- wandte, entlockt der Abg. Fendrich eine Verwahrung des Kammerpräsidenten Gönncs. Im Namen der socialdemokratischen Fraktion gab Fendrich eine Erklärung zu Protokoll, welche das Fernbleiben der Regierung von den Verhandlungen über die Znchthausvorlage als eine Mißachtung der Volksvertretung charakterisiert. Nachdem von konservativer, demokratischer und ultramontaner Seite in die Debatte eingegriffen war. trat der Abg. Geck den AnS- führimgen des nätioualliberalen Abg. Wittum entgegen, der die Rolle des SocialistentötcrS in jedem Landtage spielt. In der Abendsitzuug des Montags wurde der Antrag der Demo- traten mit der vom Centrum gemilderten Entschiedenheit in der Form in namentlicher Abstimmung mit 3t gegen 2t Stimmen tletztere von den Nationalliberalen und dem Baucrnbündler) an- genommen, nachdem der von der socialdemokratischen Fraktion lviedcr aufgenommene Antrag Muser in der ursprünglichen Form abgelehnt war. Der Konservative und der Antisemit entkernten sich bei der Abstimmung. Am Dienstag ist die letzte Sitzung vor Weihnachten.— Karlsruhe, 19. Dezember.(Privatdcpesche.) Der Finanz- mmister hat der badischcn zweiten Kammer den Entivurs einer neuen Steuergesetzgebung vorgelegt. Es handelt sich dabei um eine Kombinatson von Vermögens- und Einkommensteuer. Die Grenze der Steuerzahlverpflichtung wird von 500 auf 900 M. hinausgesetzt. Landwirtschaftliche Betriebskapitalien gcmetzen Freiheit von der Vermögenssteuer.' � TaS Wahlbicr. Zn Steinfcld in der Pfalz wurde der bisherige Bürgermeister wiedergewählt. Dagegen gelang es dem bisherigen Adjunkten nicht, die zum Gcmeindcrat nötige Stinnncn- zahl zu erobern. Warum? DaS erklärt der«Landauer Anzeiger": ..Ans den Wahlzetteln, die_ hcktographicrt waren und die auch den Namen dcS Adjunkten aufwiesen, stand's geschrieben: ,,D u r ch- gestrichen, weil er kein Wahlbier bezahlt!"— Socialpolitik in Bayer». Das bayrische Ministerium des Inn er n hat die bayrischen H a n d e l s-» n d G c lv e r b e- tammern aufgeforderl, sich baldthunlichst darüber zu ängern, ob die vom Reichstage beschlossenen Bestimmungen über den Laden- schlnst ohne schwere Schädigung insbesondere des Kleinhandels und ohne namhafte B e l ä st i'g u n g d e s P u b I i k u m s sich durchführen lassen. Chronik der MajcstätöbelcidignngS-Prozrsse. Ucber einen interessanten MajestätSbeleidigmigS-Prozeß wird uns auS� Straff bürg i. E. geschrieben: Mit einer Majcstäts- dcleidlgnngssache, die nun bereits zum vierten male die Gerichte beschäftigt, hatte sich� dieser Tage die Strafkammer dcS mengen Landgerichts 511 befassen. Der ehemalige Pförtner der Laildes-Hauptkasse, Josef Blechner, war durch Urteil der Strafkammer vom 3. Oktober 1895 wegen Majestätsbeleidigimg in mehreren Fällen zu einer Gefängnisstrafe von eine m a h r verurteilt wordeit. Tie Strast'haten sollen begangen worden Km in einer Reihe von anouhmcn Briefen, die Blechner angeblich an den mit ihm befreimdcten Zuschneider Stall und an dessen Braut schrieb, um die jungen Leute zu cntzlvcien und Stall an BlcchncrS eigene Nichte zn verkuppeln. Das ver- urteilende Erkenntnis stützte sich auf das Gutachten zweier S chreib- Sachverstand igen. Dr. Horn und UuiversitätS- profcffor Dr. Fürstncr, die es als außer allein Ziveifel stehend bc- zeichneten, daß Blechner der Absender der iiikrimiilicrten Schnftstnckc )£!. Blechner selbst stellt dies anfs entschiedenste in Abrede. da er nicht schriftgcivandt geling sei. um eine solche Masse von Briefen in seiner freien Zeit abfassen zn köniicn. Er legte gegen das Urteil der Strafkammer Revision ein, zog dieselbe jedoch wieder zurück nnd trat . dann die ihm auferlegte Gefängnisstrafe an. Jnzivischen betrieb sein Verteidiger, Rechtsanwalt Dr. Jägle, der von BlcchncrS Unschuld fest überzeugt ist. die Wiederaufnahme d e S Verfahrens, die er auch, nachdem sein Klient bereits mehrere Monate von seiner Strafe verbüßt hatte, durchsetzte. Im Oktober 1898 hatte sich die Strafkammer infolgedessen zum zivcitcmiiale mit der Sackie zu bcichäftigcn. Obwohl jetzt einer der geladenen vier Schrcibsach- verständigen sich gegen die Annahme der Thäterschaft Blechners ans- lprach, gelangte das Gericht wiederum zu einem verurteilenden Er- kcilutuis und bestätigte das in der ersten Verhandlung aus- gcsprockicne Strafmaß. Mit der gegen dieses Urteil eingelegten Revision hatte der Verteidiger abermals Erfolg: das Reichsgericht hob das Urteil der Strafkammer ans und verwies die Sache zur erneuten Verhalidlmig an die erste Instanz zurück.. Dieser dritte Termin fand dieser Tage. unter tciliveiscm Ausschluß der Ocffcnllich- feit statt. Wiederum zweifelte einer der Sachverständigen die Thäterschaft Blechners an, und selbst der Vertreter der Anklage- bchörde stellte sich apf den Standpunkt, er könne, auf das Gutachten ber Sachverständigen allein das Schuldig nicht beantragen, überlasse die Beuvtcilnng des Falles vielmehr dem Gerichte. Trotzdem bc- st ä t i g t e die Strafkammer zum zweitenmale die ursprünglich erkannte Strafe von cmcm Jahr Gefängnis. Gegen dieses Urteil hat nun Blechner abermals die Revision angemeldet, so daß cS nicht ausgeschlossen erscheint, daß die Straskannncr sich zum viertenmale mit der Sache zu beschäftigen haben wird. Ein durch � hochgradige Trunksucht stark herab- gekomniener Mensch, der 42 jährige Schuhmachcrgejellc Mathias U n s o e l t. wurde, ebenfalls von der Straßbnrger Strafkanimer, wegen Majcstätsbelcidigmig zn vier Monaten Gefängnis verurteilt._ Er hatte, während er Ende Oktober bei einem Schuh- machcrmeister in Arbeit stand, bei verschiedenen Gelegenheiten un- flätige Aeußerimgen gcthan. Der Verurteilte behauptet, bei jenen Anlässen stark betrunken gewesen zu sein nnd sich der ihm zur Last gelegten Ausdrücke auch nicht im entferntesten erinnern zn können.— Der Kampf um den Groben Nnsng. Wir berichteten schon mehrfach über einen Unfugsprozeß, der seit etwa Jahresfrist zwischen dcii Gerichten des OberlandeSgerichts- Bczirks Naumburg hin und her pendelt und jetzt endlich damit beendet worden'ist, daß da? Oberlandesgericht Naumburg seinen Willen durchgesetzt und die Bestrafmig der Zuzugs warnuug als Unfug erreicht hat. Wegen der Anfforderimg. Zuzug fernzuhalten, war der damalige verantivortlichc Rcdactcnr der«Halberstädter Arbeiterzeitung", Genosse Emil Meyer, vom Schöffengericht in Halbcrstadt, das in der Notiz groben Unfug erblickte,, zn 150 M. Geldstrafe verurteilt, vom Land- gericht Halberstadt aber freigesprochen worden. Das Landgericht hatte' den verständigen, dem Wortlaute, dem Geiste nnd der EntstchmigSgeschichtc der GcsctzcSbcstimnmngcii allein entsprechenden Standpunkt eingenommc», daß durch die Presse über- Haupt kein grober Unfug verübt werden könne. DaS von der StaalSamvaltschaft angerufene Ober-Landcsgericht Naumburg hob daS freisprechende Erkenntnis auf und verwieS die Sache zur nochmaligen Lerhandlmtg an das Landgericht zu Halberstadt zurück und dieses e r k a n n t e a b e r in a l s a u f F r e i- f p r e ch u n g. Es sagte in den Gründen seines erneuten frei- sprechenden Erkenntnisses, daß es allerdings nunmehr an die vom Oberlandesgericht ausgesprochene Rechtsauffassung. durch die Presse könne grober Unfug verübt werden, gebunden sei, daß sich aber im iibrigcn die Ausführungen dcS Oberlandcsgcrichts über die Bc- deul'ung des. streitige» Änfrriss auf dem Boden der thatsächlichcn Feststellungen bewegten, die nicht Sache deS Re v i si o n S- g c r i ch t s sind und dast es bei seiner Würdigung der Thai- fachen stehen bleibe. Das Oberlandesgericht hob auch dieses Urteil auf. verwies aber jetzt die Sache, da sich das Landgericht Halberstadt bewußt mit ihm in Widerspruch gesetzt habe,«im Interesse der Rechtspflege" an das Landgericht Magdeburg. Widerwillig zwar fügte sich dieses, aber es fügte sich und machte dem Spiel ein Ende. Es sprach die Verurteilung Meyers wegen Uebertretnng des Unfug-Paragraphen aus. setzte aber die Strafe von 150 M. auf tv M. herab. Die Rechtslage ist min in diesem Gerichtsbezirke so: Das Ober- Landesgericht hatte in seinem ersten Erkenntnis gesagt, grober Unfug könne durch die Presse verübt werden, psyckjische Beunruhigung genüge zur Feststellung dieses Thatbestandes. ein Aufruf wie der streitige enthalte nach«allgemein bekannten Gesichtspunkte» und Er- wägungen" eine psychische Beunruhigung und nur im einzelnen Falle könne bei der Zuzugswarnung die Anwendung des Unfugs- Paragraphen durch besondere Umstände ausgeschlossen sein. Dies habe daS Landgericht zu untersuche». Und das Landgericht Magdeburg erklärt, es sei an die Ansführungen des Ober- landesgerichts gebunden, und da besondere Umstände, welche die Ännahme einer bennrnhigcnde» Wirkung des vorliegenden Tlnsrufs ausschliestcn, nicht hervorgetreten seien, so sei es„genötigt", zu verurteilen. Mit anderen Worten: Die Znzligswariiung ist generell gröber Unfug—„nach allgemein bekannten Gesichtspunkten und Erwägungen" — das Gericht braucht nicht mehr die Bemirnhigimg des Publikums nachzuweisen, um bestrafen zn können, sondern das Nicht- Vorhandensein der Beunruhigung muß nachgewiesen werden,«in die Besträsmig auszuschließen. Anstatt auf Grund konkreter Untersuchungen den S ch u l d b e lv e i s zu schaffen, wird die Strafbarkeit im voraus angeiiomineil und es muß der ll n s ch n l d s b e w e i s geführt werden. Attsland. bestreich-Ungar». fit Oesircich. dem Lande der Krise», soll wieder einmal egierungskrise gelöst werden. Am Diciistagiiachmittag fand in der Hosburg unter dem Vorsitze deS Kaisers ein Minister- rat statt, an welchem alle Mitglieder des Kabinetts teilnahmen. Tic Blätter crlvartetc» von diesem Kronrate die Entscheidung betreffend die Lösung der obwaltenden Schwierigkeiten. Ihre Vcr- mntungen und Kombinationen über die Art der Lösung laufen hauptsächlich hinaus auf die Bildung eines Uebergnngs- Ministeriums mit det Hauptaufgabe, oder vielleicht der einzige» Aufgabe, die StantSnotwendigkcitcn ans Grund des§ 14 sicher- zustellen, wobei sie darauf hinweisen, daß da? Minssterinm Clnry an der seiner Zeit abgegebenen Erklärung festhalte, daß es den § 14 nicht zur Anwendung bringen werde. Tie Vertagung des ReichrateS sehen die Blätter als nahe bevorstehend an. Wie die„Nene Freie Presse" meldet, wird Mittwoch die De- Mission dcS Kabinetts Clary erwartet. Der faktische Rücktritt dürfte sich am Donnerstag oder Freitag nach der Vertagung des Reichs- rotes vollziehen. Als Vorsitzender des UebergangsministcriuniS wird in parlamentarischen Kreisen vielfach der' Eisenbahmninistcr v. Wittel bezeichnet. Schweiz. Zürich, 13. Dezember./s Jahren am Wasserwerke beschäftigten Kameraden E i ch o S z e Iv s k i gewählt, einen ruhigen, fleißigen, nüchternen Mann. Eickoszewski ist nun Mitte voriger Woche„wegen Arbeits mangel" entlassen worden. Man kennt das ja! Arbeiter, die erst vor'wenigen Wochen eingestellt worden sind, behielt man; de» alten Arbeiter warf man jetzt vor Weihnachten auf die Straße. Zu gleicher Zeit hat C. ein Schreiben der Polizeibehörde erhalten, in dem er aufgefordert wird, die Mitgliederliste der Zahlstelle eiiizu reichen. Aus dem Zusammentreffen ist ersichtlich, daß die Entlassung E.'s erfolgt ist wegen seiner Thätigkeit für den Verband. Durch seine Entlassung soll der Verband lahmgelegt, die übrigen Mitglieder ein- geschüchtert werden. Die Stadtverivaltnng wird das Gegenteil erreichen. Ein sonderbares Resultat haben in C h e m n i tz die Wahlen der Vertreter zur gemeinsamen Ortskrankenkasse ge� habt. Während bei der Wahl der Arbeitgeber- Vertreter die GewerkschaftSliste mit 54 gegen 13 Stimmen siegte, sind die rbeitnehmer- Wahlen zu Ungunsten der klassenbewußten Arbeiterschaft ausgefallen. I« M.-Gladbach haben die Weber der Fabrik von Herr- mann u. Deußen wegen Lohnstreitigkeiten gelündigt. Auch in einigen anderen Gladbncker Webereien sind Zwistig'eiten ausgebrochen. Neben Lohnerhöhungen und dem zehnstündigen Arbeits- tag wird zum Teil auch die Freigabe der katholischen, nichtgesetzlichen Feiertage gefordert. Der Planiererstrcik bei Wortmann n. Elb ers in Düsseldorf dauert unverändert fort und steht recht günstig für die Arbeiter. Die Firma ist in arger Sorge, da es ihr bis jetzt nicht gelungen ist, auch nur einen arbeitswilligen Planierer zu finden. Mau'macht nunmehr den Versuch. Leute anzulernen, was aber nur in wenigen Fällen gelingt. Trotzdem scheint die Firma nicht nach- geben zu wollen. AnSlaud. lieber die Art der Beendigung deS Zwickauer Streiks erhält die Wiener„Arbeiter-Zeitung" vom 18. d. M. folgendes Tele- gramm: Heute früh fanden in Zwickau und in der Umgebung mehrere Versammlungen der Ausgesperrte» statt, in denen die Vereinbarungen mit den Untemehmeru nochmals verlesen und ge- nehmigt wurden. Nach Schluß der Versammlungen marschierten die Arbeiter in geschlossenen Zügen zu den Fabriken. Vor den Fabriken nahmen die Arbeiter Aufstellung, entblößten die Häupter und brachten ein Hoch auf die Socialdemokratie aus. Daun begaben sie sich zur Arbeit. Der Prager Bäckerei-Arbeiter-Streik ist beendet, nachdem auch die Klcinmeister die Forderungen der Gehilfen bewilligt haben. und deren Schiedsgericht lehnten den Anspruch auf Gewährung einer Unfallrente ab, weil ein Unfall überhaupt nicht vorliege. Das R e i ch s- V e r s i ch e r u n g s a in t als Rekursinstanz vernahm noch Zeugen, welche bestätigten, baß der Kläger zum erstenmal bei der Arbeit über Schmerzen gellagt und diese ans die Arbeit zurückgeführt habe. Ferner holte das Rekursgericht ein Obergutachten des Professors Dr. Mendel ein. Dr. Mendel führte im wesentlichen folgendes ans: Es sei ausgeschlossen, daß zwischen dem Leiden des Klägers und der Arbeit ein ursächlicher Zusammenhang bestehe. Seine Untersuchung und Beobachtung habe ergeben, daß B. an einer er- heblichen Verengerung des Herzens leide. Wenn auch B. mit dem Daumen auf eine tiefer liegende Kachel gestoßen habe, so könne doch durch den Stoß die Lähmung nicht hervorgebracht sein. Die plötzlich entstandene Lähmung lasse sich hier nur mit der Er- k r a n k u n g des Herzens in Verbindung bringen. Bei solchen Erkrankungen komme es häufig vor, daß Blutgerinnsel losgerissen würden uiid in die Schlagader des Gehirns gerieten. Kleine Ge- säße würden verstopft und es treten infolgedessen Lähmungen von Gliederteilen ein, deren Funktionierung mit der betreffenden Hirnpartie im Zusammenhange stände. Auch die Lähmung der Hand des Klägers könne nur so entstanden sein.— Der Kläger war im Termin zur münd- lichcn Verhandlung selbst anwesend. Er gab an, daß er bei der Arbeit ansgenitscht sei und sich den Arm gestoßen habe. Das Reichs- Versichenlii'gsamt verwarf jedoch seinen Rekurs, indem cS sich auf das Gutachten des Professors Mendel berief. Danach handele es sich nicht um die Folgen eines Betriebsunfalles. Vom siidafrikanischett Kriege. Soricile Vrchkspflege. Krankheit oder Betriebsunfall? Der Ofensetzer Bläsing empfand eines Tages plötzlich bei der Arbeit in seiner linken Hand Schmerzen und eS stellte sich dann eine lähmungLartige Schwäche der Hand ein. Die nordöstliche Baugewerks-Benifsgenosienschaft In London liefen am Dienstag Gerüchte um. daß Genera! Buller nach neuen hartnäckigen Kämpfen den Tugela überschritten habe. Es ist dies eben ein Gerücht, und zwar ein ebenso un- bewiesenes, wie unwahrscheinliches. Denn eS ist durchaus unwahrscheinlich, daß der General, der soeben erst seine ganze Artillerie verloren hatte und seine vollständige Niederlage melden mußte, noch irgendwie altionsfähig gegen die Boeren sein sollte. Dagegen wird eine Neue Niederlage der Engländer vom südlichen Kriegsschauplatz gemeldet. Eine Drahtung aus Naauwpoort meldet, die Boeren beschossen am 15. Dezember mit schweren Geschützen Vaalkop. Nach heftigem Artilleriezweikampfe beschloß General French, Vaalkop zu räumen, weil das Feuer der britischen Kanonen sich unwirksam erwies. Der Rück- zug der Artillerie und Kavallerie nach Arundel vollzog sich unter heftigem Granatenfeuer der Boerengeschütze. Vaalkop liegt an der Eisenbahn von Port Elizabet nachBloem- fontein zwischen Raauwport und ColeSberg. Der letztgenannte Ort befindet sich in den Händen der Boeren, die hier eine starke Streit- macht zusaiiimengezogen haben, mit der sie das Vordringen des Generals Freiich nach dem Freistaat aufhalten lvollen. Bisher wußte man, daß French sein Hauptquartier in Arundel hatte; daß er es nach Vaalkop verlegt hatte, war nicht gemeldet. Vom westlichen KricgSschnuplati bringen die„Times" folgende vom 17. d. M. datierte Meldung vom Modder River Gegenwärtig ist ein vollständiger Stillstand eingetreten. Die Boeren vermehren ihre Streitkräfte und dehnen ihre Verschanzungen an beiden Flügeln aus, sie sind jedoch nicht im stände, die englische Stellung anzugreifen; die Engländer wiederum sind nicht iii der Lage, die Flanken des Feindes zu umgehen: mit der linken Flanke stützt der Feind sich auf den Fluß und auch mit der rechten iinficrt er sich schnell dem Fluß. Die Boeren haben eine ununter» brockene Linie von Verschaiizuiigcii und sind so in der Lage, eine schnelle Verbindimg zwischen vielen Pmikten herzustellen; ihr einziger Nachteil ist die schwierige Hcrbcischaffung von Wasser und Lebens- Mitteln. Friedcus-Schalmcien. Aus Brüssel koinnii, wie wir bereits gemeldet, die Nachricht, daß Präsident Krüger dem Friedensschluß nichi abgeneigt sei. In den Kreisen der Brüsseler Trausvaalgesnndtschast verlautet, Präsident Krüger sei auch jetzt noch bereit, auf Grund des vor dem Kriegs» ausbruch vorgeschlagenen Uebereiiikommens Frieden zu schließen. Sollte England jedoch den Kampf bis anfs Messer proklamieren, so würden die Präsidenten Krüger und S t e j n ihrerseits eine Proklamation au die Kaplandcv richten und die Unabhängigkeit des Kaplandco ausrnfeii. Das ganze Gebiet zwischen QueenSlown und dem Ornnjestaat befindet sich im vollsten Aufstand. Und aus Washington wird gemeldet, daß die Ver- einigten Staaten sich den übrigen europäischen Großmächten anzuschließen beabsichtigen, um ihre Berinitteluiig zur Beilegung des Krieges England anzubieten. Englische Riistnugen. Vorläufig herrscht jedoch in England noch sehr kriegerische Sliniinuiig und eine durch das Volk gehende Bewegung ist unver- kennbar, die um jeden Preis die erlittenen Schlappen wieder gut machen ivill. AuS dem Lande gehen der Regierung viele Meldungen zum Freiwilligeiidienst zu. lieber die verschiedenen Ersatztrilppen, die ans dein Mutterland und den Kolonien nach Südafrika abgehen sollen, liegen heute die folgenden Mel- düngen vor: Melbourne. Das neue australische Kontingent. tausend Mann berittene Truppen und eine Batterie Artillerie, geht vor dem 10. Januar kommenden Jahres nach Südafrika ab. Ottawa. Tie englische Regierung hat das Anerbieten, eine zweite Hilfslruppe in Kanada aufzustellen, angenommen und daS kanadische Ministerium hat das Kriegsdepartement angewiesen, dieses Kontingent sofort zu mobilisieren. Auck ans Indien werden Hilfskräfte herangezogen werden. Daily NewS" meldet, der Oberbefehlshaber in Indien, General Lockhart, habe ans Anfrage des Kriegsamtes geantwortet, vier Regimenter aecliniatisierter Truppen und eine Artilleriebrigade ständen zur sofortigen Abfahrt nach dem Kap bereit. X-* * lieber die Gärung in der klapkolouie laufen im Londoner Kriegsamt fortwährend bedenkliche Nachrichten ein. Die Meldung von der Niederlage Bullers hat sich mit unglaublicher Schnelligkeit in der ganzen Kapkolonie verbreitet, und die' Holländer macheu kein Hehl ans ihren Sympathien für die Boeren. Der Ausbruch der Revolution kann jeden Augenblick erwartet werden. Uetzko Machvichten«nd Depeschen. Detmold, 19. Dezember.(W. T. B.) Staatsmiiiister Miesitscheck von Wischkau hat seine Entlassung gegeben. Sein Nachfolger ist der Erste Staatsanwalt am hiesigen Landgericht, Gevekot. Frankfurt a. M., 19. Dezember. sB. H.) Ueber ein Erdbeben am Mittelrhein wird der„Frkf. Ztg." aus Mainz gemeldet: Heute vormittag gegen 3Ai9 Uhr wurde hier" ein ziemlich starkes Erd» beben verspürt. Die Häuser erzitterten, die Thüren wankten in ihren Fugen. In fast allen rheinaufwärtS gelegenen Ortschaften. wie Reichenau. Laubenheim, Bodenheim, Massenheim, Groß-Gerau, Nierstein und Rüdesheim, wurde daS Erdbeben verspürt. In Groß-Gerau, Bischofsheim, Nüffelheirn und allen benachbarten Ortschaften machte sich daS Erdbeben derart bemerkbar, daß die Leute vielfach den Einsturz der Häuser befürchteten und ins Freie rannten. Bern, 19. Dezember.(W. T. B.) Der Nationalrat beschloß mit 102 gegen 24 Stimmen, auf die Beschwerden einiger vom Bundesrat in diesem Jahr aus politischen Gründen ausgewiesenen Italiener nicht einzugehen. Damit billigte der Nationalrat die Aus- Weisungspraxis des Bundesrats. London, 19. Dezember.(B. H.) Nachdem die forinclleii Schwierigkeiten beigelegt sind, wird die Unterzeichnung der Kon- ventionen und Protokolle der Haager Friedenskonferenz seitens Englands in den nächsten Tagen erfolgen. Verantwortlicher Redactenr: Paul John in Berlin. Für den Inseratenteil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin. Hierzu S Beilagen und Unterhaltiiiigoblatt. Nr. 297. i6. mnm. i KeiliP des„lormirtö" KMer lolbblutt. mm, SV. DtjMtt 189!,. Der Prozeß Gehlse». Nach Eröffnung der Litzung betont der Angeklagte Fischer noch- maks, daß er mit dem Stadtsekretär Äuhloiv zusammen nie ein Bermittclungsgeschäft abgeschlossen oder auch nur eine Annäherung zu diesem Zwecke an ihn versucht habe. Der Vorsitzende, Landgerichtsdirektor M e r s ch e i m, vcrkiindete sodann das Urteil dahin, daß Fischer der üblen Nachrede nicht schuldig und deshalb freizusprechen, Gehlscn der üblen Nachrede und der Beleidigung nicht schuldig und deshalb eben- falls freizusprechen sei. Tie Kosten seien der Staatskasse aufzulegen.� In der Begründung heißt es: Es kann kein Zweifel darüber bestehen, daß die Acußcrung Fischers sowie die bcanstandcteit Artikel obscktiv beleidigend sind. ES ist aber durch die Beweis- aufnähme festgestellt worden, daß der Stadtsckrctär Knhlow unter den Augen und teilweise mit Wissen seiner vorgesetzten Behörde GruiidslückZ-Vcrmittlungsgcschästc betrieb. Er hat sich dafür von beiden Teilen Entschädigung geben lassen, waS gegen d i c gute Sitte verstößt. Fischer kannte diese Verhältnisse. ES muß angenommen werden, daß er dem Stadt- sckretär Brieseineistcr durch Anbieten des Zlvanzigmarkstücks nur cur Trinkgeld geben und durch die Acußerung betr. Knhlotv diesen nicht hat beleidigen wolle». WaS Gchlscu betrifft, so enthält der erste Artikel nur wahre Thatsachen, die Form ist nicht bc- Icidigend. Der Inhalt der beiden anderen Artikel ist nur als eine allgemeine Kritik anzusehen. Die Bcivcisaufuahme hat ergebe», daß thais ächlich solche Verhältnisse beider Charlottenburger Stadtvcrlvaltung bc standen haben, die so gekennzeichnet werden konnten. wie es in den Artikeln geschehen i st. Gchlsen hat Jahre hindurch iir seiner„Stadtlatcrnc" diese Zustände gegeißelt. es hätte der Vtagistrat jeden einzelnen Fall prüfen und unter seine Lupe nehmen müssen. Die beiden zur An- klage stehenden Artikel enthalten eigentlich nur eine Schlllßkritik. ES mußte dem Angeklagten Gehlscn zugebilligt werden, daß er in Wahrung berechtigter Interessen gehandelt habe. denn eine m Redakteur steht das Recht zu, staatliche und städtische Einrichtungen in der zulässigen Form zu kritisieren. Aus diesen Griinden muß die Freisprechung erfolgen. Ein Erprcssungöfall. Es wird darauf zur Verhandlung des zweiten Teils der Anklage übergegangen, in welchen! neben Gchlsen auch der bisher unbescholtene Kaufmann Samuel Krause in einem Falle der Erpressung beschuldigt ist. Beide Angeklagte bestreiten ihre Schuld. ,_ Am 13. August v. I. erschien im„Charlottenburger Wochenblatt" ein Artikel betitelt:„Die Theaterkatastrophc im Westen und der Charlottenburger K r e d i t v e r e i n." Es wurde darin die Geschäftsverbindung, welche zwischen dem Kreditvcrcin und dem Theater des Westen bestand, in einer Weise bclcuchter, daß die Mitglieder sich dadurch in hohem Grade beunruhigt fühlen mußten. Die Folgen zeigten sich auch dadurch, daß bereits in den nächsten Tagen etwa 600 000 M. abgehoben wurden. Gehlse» soll nach der Anklage seine Angriffe gegen den Verein so lange fortgesetzt haben, bis ihm der Direktor Henze einen T a n s c n d m a r k s ch e i n zukommen ließ. Der Angeklagte Gchlsen macht über die Entstehung des ersten Artikels folgende Angaben: Im Sommer 1898 habe er vielfach im Restaurant des Theaters des Westen verkehrt. Die damals be- reits höchst bedenklichen Finanzverhältnisse des Theaters und die Zweifel an der Möglichkeit des Fortbestehens dieses Instituts seien täglicher Gesprächsstoff gewesen. Eines Abends habe man ihm erzählt, daß Baumeister Schring sich von seinem Maurerpolier ein Accept über OOOOO M. habe geben lassen, um sich aus drückender Geldverlegenheit zn befreien. Er, der Angeklagte, habe dies nicht glauben wollen, als ihm aber nach einigen Tagen ein Brief von einem Rechtsanwalt aus Köln vorgelegt wurde, worin die Verhältnisse des Theaters so geschildert wurden, daß der Char- lottenburger Kredilvercin, der an dem Theater mit einer nicht im» erheblichen Hypothek beteiligt war. Gefahr lief, Verlust zu erleiden, habe der Angeklagte es für angezeigt gehalten, der Sache näher zu treten und die Verhältnisse in einem Artikel zu beleuchten. Am Tage vor dem Erscheinen des Artikels sei der Stadtrat Stege- mann, ein Mitglied dcS AufsichtSratcs des KrcditvereinS, bei ihm erschienen und habe gesagt, daß er von dem bevorstehenden Er- scheinen dcS Artikels gehört habe und bitten wolle, denselben zu unterdrücken. Der Angeklagte habe sich geweigert, der Artikel sei am folgenden Tage erschienen. Mit aller Entschiedenheit bc- streitet der Angeklagte, daß er sich von einem gehässigen Gefühl gegen die Bank habe leiten lassen, weil diese ihni keine Inserate zugewendet habe. Nach dem Erscheinen des Artikels fei der Buchhändler Michow im Auftrage der Bank bei ihm erschienen und habe erklärt, daß der Inhalt des Artikels nicht in allen Punkten den wahren Thatsachen entspreche, der Angeklagte möge sich durch die Bücher des Vereins, die man ihm zur Verfügung stellen wolle, davon überzeugen, daß die Interessen der Mitglieder gewissenhaft gewahrt würden. Gehlscn habe ihm erwidert, daß er selbst von der kaufmännischen Buchführung z» wenig verstände, er wolle aber einen kaufmännisch gebildeten Mann in der Person des Herrn Krause nach der Bank schicken, um die Bücher zu prüfen. Dies sei geschehen. Bald darauf sei Michow wieder bei dem Angeklagten erschienen, habe ein Jiyerat aufgegeben und dafür 100 M. bezahlt. Die Behauptung der Änttagc, daß das Inserat über Gebühr bezahlt worden sei, treffe nicht zu. Michow habe auch die Bemühung dcS Krause bezahlen wollen, der Angeklagte habe dies aber abgelehnt mit dem Bemerken, daß Krause semc Rechnung schon schicke» werde. Es gelangt ein Brief des Angeklagten an einen Geschäftsfreund zur Verlesung, worin Gchlsen ihm von den Versuchungen schreibt, denen er ausgesetzt sei. er wolle aber für Geld kein Schw....... werden. Das Krausesche Gutachten habe den Angeklagten Gchlsen nicht überzeugen können, daß die im eritcn Artikel enthaltenen Mitteilungen der Wahrheit nicht entsprechen, er habe deshalb noch einen weiteren Artikel erscheinen lassen, der aus drei verschiedenen Einsendungen entstanden lvar. Dann sei der Syndikus des Vereins, Rechtsanwalt Hertwig. bei ihm erschienen und habe ihn zu überreden gewußt, eine lange Erklärung aufzu- nehmen, durch welche der Inhalt der bisher erschienenen Artikel widerlegt werden sollte. Für diesen Artikel habe er nichts bekommen. obwohl er sich die JnsertionSkostc» hätte berechnen können. Er be- streitet auch ganz emschieden die Behauptung der Anklage, daß er direkt oder indirekt vor Erscheinen der betr. Artikel dem Ärcditverein Bürstenabzüge zugestellt habe. Tie tausend Mark. Auf die Erklärung des KrcditvereinS folgte im Chart. Wchbl." ein Artikel, der den Inhalt der Erklärung in jedem Punkte wider- legte, von einem„Charlottenburger Panama" sprach und ausführte, daß der Kreditverein stark überschuldet sei. Der Angeklagte Gchlsen macht darauf aufmerksam, daß alle wohlwollenden und beruhigenden Bemerkungen in diesen Artikeln von ihni herrühren; dies beweise schon, daß er nur das Interesse des Krcditvereins im Auge hatte. Auf Wunsch des Herrn Felke habe er in dem letzten Artikel noch einen schroffen Satz weggelassen. Felke und Ahlmeycr hätten die Korrckturabzüge samtlicher Artikel vor deren Erscheinen gelesen. Der Angeklagte bestreitet entschieden, 1000 M. für die Beendigung des Streites erhalten zu haben. Als er an dem erwähnten Tage Herrn Felke zuliebe den Artikel ab- geändert hatte, sei in seiner Abwesenheit Herr Felke erschienen und habe seiner Frau ein Sparkassenbuch zurückgegeben, auf das er ihm (dem Angeklagten) einmal 50 M. geliehen hatte. Felke und Ahl- meyer und andere Herren hätten seiner Zeit de» Plan gefaßt, nach Eingehen dcS Knorrsche» Blattes ein neues Blatt erscheinen zu lassen, zu dessen Leitung er sich bereit erklärt habe, aber unter der Bedingung, daß die 1100 M.. die nach angestellter Berechnung fiir die Aufrcchtcrbaltung des Blattes bis Oktober notwendig seien, von den Herren, die sich dafür erwärmten, aufgebracht würden. Die Sache haperte aber nach den Wahlen, er habe das Blatt mit Vorschüssen weiter führen müssen und Ahlmeycr habe mehrfach aus- helfen müssen. Als Felke von seiner Sommerreise zurückgekehrt war und die Artikel über den Kreditverein erschienen, habe es nicht lange gedauert, als Felke Besorgnisse aussprach, daß sein Geschäft unter diesen Artikeln leide, da feine Kunden Mitglieder des Krcditvereins seien. Herr Felke habe dann eine Schuld der Zeitung an die Druckerei berichtigt und ihm selbst einige hundert Mark bar gegeben, so daß schließlich seine Gesamtanfwendnngen für die Interessen der Zeitung 1000 Mark betragen haben. Bemerkt müsse werden, daß' er Herrn Felke' zugesichert hatte, daß ihm seine Vorschüsse bei etwaigem Prosperieren der Zeitung zurückgegeben werde» sollten. Er habe darauf Herrn Felke eine Gcsamtquittnng über 1000 M. unterschrieben, da er aber sah, daß auf dieser Quittung auch die Verpflichtung stand, daß er sich jeder Angriffe gegen den K r e d i t v e r e i n enthalten müsse, so habe er darauf bestanden, daß eine ander«! Quittung über die Gesamtsumme von 1000 M. ausgestellt wurde. Er sei dann plötzlich durch allerlei unbekannte Wohlthäter bedacht worden; eines Tages sei ihm ein Schneider inS Haus geschickt worden. der ihm einen Anzug anfertigte. ein andermal sei seiner Frau ein ziemlich wertvoller Vorhang für die Geschäfts- räume zugestellt worden. Er habe sich verpflichtet gehabt, Herrn Felke alle Korrekturbogen der in der Zeitung zu veröffentlichenden Artikel zuzusenden und Felke sei der eigentliche Dirigent der Geltung geworden, die er dann vorzugsweise für seine W c i n g e s ch ä f t s- I n t e r e s s c n benutzte, indem er deispiels- weise eine Serie von Artikeln gegen den„Berliner Wcinschwindel" veröffentlichte. So sei dann die Generalversammlung des Kredit- Vereins herangekommen. Er sei von Felke aufgefordert worden, der Versaimnlung beizuwohnen, er habe es aber abgelehnt mit dem Bemerken, daß er nichts mehr mit der Sache zu thun haben wollte. Einige Tage nach der Versammlung sei ein Mitglied des Vereins, der Böttchernieistcr B cn c ck e, bei ihm erschienen und habe ihm einen in wohlwollendem Tone verfaßten Bericht über die General- Versammlung gebracht. Nachdem der Angeklagte sich über- zeugt habe, daß der Bericht wahrheitsgetreu' war, habe er ihn abgedruckt und gleichzeitig eine Briefkastennotiz, worin er einigen Anfragenden anzeigt, daß er keinen Anstand ge- nominell habe, den Ber-cht aufzunehmen. An demselben Tage habe Benecke sich wieder bei ihm eingestellt und ihm eine Oiiittnng über 203 M. vorgelegt zugleich mit cincin Hundertmarkschein. Diese hundert Mark sollten als Honorar für den Abdruck dcS Berichts gelten, 03 M. für den an den Angeklagten gelieferien Anzug, der ihm null plötzlich angerechnet und 10 M. fiir ein früher von Benecke gegebenes Darlchn. sodaß der Gesamtbetrag von 203 M. herauskam. Gchlsen erklärt, daß die Briefkasten- Noliz »lit der Zuwendung gar nichts zu thim habe. Er betont auch, daß er seiner Verpflichtung, Herrn Felke die Korrekturbogen zu unter- breite», streng nachgekoinnie» sei; auch als der Bruch mit Felke statt- gcfilndcii habe, sei e r mit iicue» Angriffen gegen den Kreditverein nicht vorgegangen, sondern habe erst einen neueil Artikel zur Abwehr gegen ihn gerichteter Angriffe erscheiiicil lassen. Staatsanwalt Schäsfcr stellt fest, daß in den iieilestcn Rurmnern dcS„Eharl. Wochenbl." zahlreiche Artikel init der llcberschrift„Gehlscn contra Kreditverein" und außerdem mit Rücksicht auf diesen Prozeß ein Ausruf erschienen sei, der Zeugen verdächtige und als eine grobe Beciilslusslnig von Zeugen sich darstelle. Gehlscn erklärt, daß er sich seines Besitzes an der Zeitung notariell entäußert habe und keinerlei Einfluß auf dieselbe besitze. wenn auch seine Frau»och verantlv ortlich zeichne. Gin anderes Geschäft. Es gelangt alsdann der Fall der gemeinsainen Erpressung zur Erörterimg. der den Angeklagten Gchlsen und Krause zur Last gc- legt wird. Krause hatte für Prüfung der Bücher dcö KrcditvcrcinS 200 Mark gefordert. Als man sich ablehnend verhielt, ilaglc Krause, >vic Gehlse» behauptet, trotzdem er ihm dringend davon abgeraten habe. Es ist dann eine Einigimg dahin zu stände gekommen, daß Krause für seine Arbeit 150 Mark erhielt. Uni der Forderung des Krause Nachdruck zu geben, soll Gchlsen neue angreifende Artikel gegen den Kreditverein veröffentlicht haben. Der Angeschuldigte Gchlsen erklärt, daß diese Annahme vollständig ausgeschlossen sei. �Dcr Angeschuldigte Krause gicbt an. daß er von vornherein den Standpunkt vertreten habe, daß seine Arbeit, die im Interesse des KreditvcreinS vorgenommen wurde, auch von diesem honoiiert werden nnißte. Er habe mit Gehlscn, dem Kreditverein und der„Stadtlatcrnc" ja sonst gar nichts zu thull und habe gar keine Verpflichtung, dem Kreditverein seine Zeit nncntgeltlich zu opfern. Er sei Miterbe der Braudtscheil Millionenervschaft» und da auch Gehlscn diese Angelegenheit bearbeite, so sei er mit diesem bekannt geworden, im übrigen habe er mit den Pliblikationcn des letzteren nichts zu thim. Am 30. August sei er infolge brieflicher Einladung auf dem Kredit- verein gewesen und da habe man ihn aushorchen'wollen, wie man Gehlscn unschädlich«lachen könne, und ob er gegen diesen benutzt werden könne. Er habe aber die Herren direkt an Gchlsen vcr- iviesen. Als Herr Hertwig im Eivilprozeß den Vergleich vorschlug, habe iliemaild ihm angemerkt, daß er erpreßt worden sei. Es folgt in der Erörterung der Fall der Jmmobilien-VerkehrSbank. In der„Laterne" waren in den Jahren 1890/08 heftige Angriffe gegen diese Bank nnd den Direktor Bchnscn erschienen. Gehlsen soll min im Auftrage des letzteren durch Professor Moritz Meyer 1000 M. erhalten nnd in dieser Weise sein Stillschlvcigcn vcr- kauft haben. Gchlsen gicbt ans Befragen des Vorsitzenden zu, daß er 1000 Mark erhalten habe und daß seitdem keine Angriffe weiter gegen die Bank erschienen seien, bestreitet aber, daß er Unrechtes begangen habe. Profefior Meyer habe ihm gesagt, er solle doch diese Thätigkeit aufgeben nnd lieber mit ihm ziisamMcn arbeiten, da könne er viel mehr Geld verdiencli. Er babe diese Offerte auch angenommen und bis Mai mit Professor Meyer zusammen gearbeitet. indem er fiir die Jmniobilicilbank einen Ausgleich in einem Streite niit einem Angestellten und in einem streitigen Griindstiicks- gcschäst vermittelte.— Präs.: Wenn Sie bis dahin die Jmniobilicn» bank init Angriffen verfolgten und dann plötzlich nach Einpfang der 1000 M. die Angriffe cinftellten, so nennt inail dies doch auf gut Deutsch E r p r e f s u n g. denn die Bank dürfte eingesehen haben, daß sie Sie auf andere Weise nicht los wird.— Angekl. Gehlse» bestreitet, daß dies zutrifft. Er wiederholt, daß er ganz im Rechte gewesen sei. der An» reaung eines Kollegen zn folgen»iid eine mifruchtbare Arbeit ein- zustelleil und gewissermaßen in den Dienst der Bank zu treten. Es sei dasselbe, als wenn ein Journalist, der g e g e n die Regierung ge- schrieben, viel Geld erhalte nnd daim f ii r die Regierung schreibe: lind er habe nicht einmal die Verpflichtung übernommen, für die Bank z» schreibe».— Präs.: Als Sic die 1000 M. erhielten, hatten Sie doch noch nichts geleistet?— Angekl.: Nein.— Präs.: ES soll ja gar nicht bestritten werden, daß in den betreffendei« Artikeln viel wahres cuthalten sei, lvic stimmt es aber mit Ihrer Devise „Kampf für Wahrheit und Recht" iibcrci», wenn Sic unter solchen Umständen 1000 M. annehmen?— Angekl.: In meiner da» maligen Lage habe ich mich gefragt, ob ich durch Annahm« der Summe irgendwie gegen die Gesetze oder die Moral verstoße, ,'md habe dies verneint. Ich habe nicht einsehen können. warum ich mit Rücksicht auf meine Familic llilv um aus dem ewige» Bettel herauszukommen, die Hand, die mir ein Kollege entgegenstreckte, nicht ergreifen sollte. Mir sind in meinem Leben schon oft auch v o'n der Regierung Geldsummen geboten worden, ich habe sie aber nie angenömnien, weil ich dann gegen meine Ueberzeugmig hätte schreiben müssen; hier in diesem Falle ist aber davon gar keine Rede gewesen. Der dann folgende Punkt der Anklage hängt mit der Brandtschcn Millioucnerbschast zusammen. Gehlscn halle diese Erbschaftssache in Bcarbciiuilg genoniincli und lvar dadurch mit dem Maurcrincistcr Brandt bekannt geworden. Dieser hatte eine— bestrittene— Forderung in Höhe von 10 170 M., die schon ans dein Jahre 1893 herstammen sollte. Er cedierte diese Forderung an Gchlsen zum Zivccke der Einziehung unter dem 31. Januar 1897; Gehlscn bezahlte dafür nichts, sondern nahm sie gclvisscrmaßen als Deckung für seine in der Brandtschcn ErbschaslSsache aufzuwelidendeli Mühen an. Gehlsen soll durch SchrobSdorff direkt erfahren haben, daß die Forderung absolut nicbt bestehe; er hielt sich dann ein Jahr lang schweigsam und i cedierte dann die Forderung an Krause. Nach der Behauptung der Anklage sollen gerade zu jener Zeit heftige Angriffe gegen Schrobsdorff in der„Laterne" erschienen sein und die Anklage folgert hieranö, daß durch die Artikel ein Druck auf Schrobsdorff ausgeübt werden sollte. Gehlseii bestreitet auch dies ganz eiitschiodeii. ES gelangt der letzte Puilkt der Anklage— versuchter Betrug zur Erörterung. Der' Berichterstatter Rcuschel halte im Jahre 1890 ciiic Beleidigungsklage gegen den damaligen Redactenr der„Rheinisch- Westfäli'icheii Zeitung", Dicdrich Bädcckcr, angestrengt. Dem letzteren bot Gchlsen an, daß er ihm gegen Ent- gelt von 2000 M. Belastimgsniatcrial gegen Rcuschel verschaffen ivollc. Bädecker ging darauf ein. Er gab an Gchlsen cincii Gutschein über 2000 M., der fällig sein sollte, wenn Bädcckcr den Prozeß gc- ivoiiiicn hatte. Bädcckcr verlor den Prozeß und muhte an Rcuschel eine hohe Strafe zahlen. Der Gutschein wurde dadurch wertlos. Gehlsen versuchte trotzdem, den Schein bei seinem Buchdrucker nilterzubriiigen, und als dies nicht gelang, soll er den Versuch bei scinem damaligen Frc>i»de Fclto wiederholt haben. Gchlsen will auch in diesem Falle zu Unrecht bezichtigt sein, lieber den Wert des Gutscheins iei er anderer Ansicht wie Bädcckcr. Dieser habe es versäumt, das ihm von dem An- geklagten übermittelte Material zu benutzen und sei mit seinem Gegner voreiliger Weise einen Vergleich eingegangen. Der Aiigcklaate sucht' in längeren Ansführimgeii darzuthun. daß er sich in, giltcn Glauben befunden habe. Er sei ans schändlickiste gemißbraiicht worden. Völlig nntvahr sei die in der Anklage ausgestellte Behauptung, daß er sein Prozcßmatcrial vorher dem Prozeßgcancr BädeckerS gegen Entgelt angeboten habe. Darauf wird die Verhandlung bis Mittwochvormittag O'/s Uhr vertagt._ Briefkasten der Redaktion. Die juristisckic Gprcchstulide findet Montag, Dienstag und Freitag von k— 8 Uhr abcndS statt. i»d den VermägenSverhältilissen 6—20,{iit jeden Bestich 1—3 M. für oligemessell erachtet.— 5l»»a F. Sie haben, falls eine Vertretung in einem Termin nicht stattgefundeil hat und falls Sie nicht schriftlich Abweichendes vereinbart haben, noch ciwa ö M. zu zahlen. Ihr Mann haftet stir Ihre Schuld nicht— 5l. B. 00. Erben sind der Ehemann und die Verwandlcn(Eltern»nd Geschwister) der Bcr- storbrncn. Der Ehemann kann erklären; ich will nicht erben, dann fällt der Nachlaß den Vcrwniidlc» allein zu. Erklärt er, erden zu wollen, so wird ans dem Bermögey, welches dem Mann am Todestage gehörte, lind aus dem Vermögen der Ehefrau eine geiileiilsame Masse gebildet. Die Hälfte derselben fällt dein Mann, die andere den Verwandten zu. HochzcitS- gcschcilke gelten in der Regel alS beiden Eheleuten geschenlt.— Z. Nein. Soeben gelangte zur Ausgabe: „Das Wchunclett" Preis: 40 Pf. im Einzelverkauf. Partiepreis 5 Pf. Format und Ausstattung>vie die Maizcitung: Ein prächtiges Titelbild fChronoS ebnet der gefesselten Freiheit den Weg zum Ziele) und ein Doppelbild(Trinmph des Friedens Uber den Militarismus) bilden den künstlerischen Schmuck. Der Inhalt soll den Agitationszwcckcn diene» und gicbt ein Bild der Entwicklung von der Bastille bis zum ZuchthanSgesetz. über die politische Beivegung, die Arbeiterbewegung, die Franenbewegmig im 19. Jahrhundert, und ein schwungvolles Leitgedicht von Lavant eröffnet den hoffninigsreichen Ausblick auf die Zukunft. LlMreicheu Bejttllwis«» steht entgegea vuchhandlimg Vorwärts. Hüt bfti Inhalt der Inserate iibernimnit die Redatlio» dein Vndtiknm«eAennber keinerlei Berautlnortnug. T lzcntov. Mittwoch, 20. 3) c j« m 6 e r. cperiihauh. Bosa�zi. Cavalleria mutu-ana. Ansang 7V3 Uhr. EchnuspiclhaiiS. Dcr.�err im Hause. Slufaug 7>/, Utn. �rntsches. Der Prvbrkandidat. Anfang VL Uhr Scffing, AIS ich wiederkam... Anfang?>/, Uhr. Berliner,.�cizn. Anfang 7>/, Uhr. Nachm. 3 Uhr: rrrau Holle. Schiller. Csprlkline. Anfang 8 Ubr. Neues. Ein nnbcichriebenes Blatt. An saug 7'', Uhr. Weste». Der Zigeunerbaron. Anfang ?>/, Ubr. Nachm. S Uhr: Echneeweitzchen und Rosenrot. Thalia. Der Platzmajor. Ansang 7t/, Uhr. Krsidcuj. Busch und Reickienbach. Borber: Di« Richtige. Anfang 7'/, Ubr kuise». Geschlossen. «entral. Die Geisha. Ansang 7>/z Ubr. Carl Weih. Geschlossen. Friedrich- Wilhelnistä!>tischcit. Ein gesunder Junge. Anfang 8 Uhr. Victoria. Die BenuS van der Markt Halle. Ansang 5 Ubr. Vekle> Zllliancc. Gastsviel des Schlierseer Bauern � Thcatcrö. Jägerblut. Anfang 8 Uhr. Metropal. Tvecialitäten-- Bor fiellnng Rulid nm Berlin. An fang 8 Uhr. Apoll«, enecialltnlen- Barstelliiiig. Im Reiche dcS Jndra. Ansang ?'/. Ubr. N« chsballcn. Slctliiicr Sänger Anfang 8 Ubr. Vlast. Leute von heute. Sveciali täten-Borftellu»a. Ruf. 8 Uhr. Oassage< Poiioplit»»,. Special! läii'U-Borstclliiiig. »rania. Juvalideusir.',7 CÄ Zäglich abrndö von ö— Z0 Uhr Sierumarle. Soufienffr. 48/J!). Im Theater Der Greg des Menschen über die Naur. Ausnng 8 Uhr. Unania Danlionat»'»»»« 4S/-tO. Im Theater abends 8 Uhr: Der 8ice Ue« Tlenachcn über die Kotnr. Invaliilcnatr. 57/02: Tägl. Stcrmvartc. KachmUtags S— 10 Uhr fPassap-Panopticum.' Im Thcateritanl an den drei Feiertagen je 2 Vorstelliiip nm 3 nnd 6'j, Uhr. Anatomisches Museum an den feiertagen nur für Herren geöffnet. EWr-Thtckr Theater» Mittwoch, abends 8 Uhr: ODprienne. Luslfpiel m 3 Ausz. v. V. Sardou und E de Slajac, bearb. v. OSk. Blumenthal Donnerstag, abends 8 Uhr: Da» KUthchcn von Hclibronn. Fretta g. abends 8 Uhr: Viel Irinnen am nicht». CarlWelss-Theater «r. itzronks, ir»er,«rahe 1:12. Mittwoch. Donnerstag n. Freitag w.'gcn Borberritung zur Novität geschlosfo». Sonnabend zum crftenmalc: Killdkr der Wlle. (LrnU'nl ClirnU'F Direktion: Jo«4 Faroncry. Abends Vj8 Uhr: Die O e i s b n. Operette in 3 Alten v. Sidncn JoncS Morgen u. solgende Tage: Die'elbe Bot-stelluvg. Sonntag, 24. Dezbr.(Heiltgcr Abend) — nachmittags 3 Uhr:— Di« Cielalia. Abends findet keine Borstcllung statt Montag. 2S. Dezember(t. Feiertag), nachm. 3 Uhr, zu halben Preisen: Dt« Fledermaus. AbendS Mj8 Unr: Die WeiSha. Ms!ia-?tie3tki'. bot. Xmtiv»(54 4 0. Orndenentr. 73/73. Vorlctxte Aufruhruns! Znm 100. Male: Der Platz major. Thema*, Thlelacher, lieimerdlng, Junkermann. Anfang 7 Vi Uhr. Morgen, zum letztenmal: Ter Plaqmasor. Freitag wegen der Generalprobe für hie Novität geschlossen. Sonnabend, den 23. Dez., ab. 7>/, Uhr: Novttilt! Zum 1. Male: NovIUt! Int Dimmelhof. Grobe kluSstatiungSpofse mit Gesang nnd Tanz in 3 Akten von Jean Ären N. Alfred Schbnseld Mnsil v. staxell- mcistcr Max Schmidt. am'' CASTANS■" PANOPTICÜM Gr. Weilmaclits- Ausstellimg mit Berliner Weilinachtsraarkt (Schlaiaplatz, im 18. Jahrhundert, Im Theater-Saal: ZiiHlarelta. Die WeihnathU-BeacIierung Die hellige Familie. Konzert einer Damenkapelle. Der Wunderhund„Schimmel". im Die Boercn. MM W. Noaolis Theater, Lrli» Neustra he ,0. BiS zum 25. Dezember 1809: Geschlossen. Ani). WeihuachtSseiertäg: Muitersegen. Am 2.: Friede auf F., den. Am 3.: Die beiden Sleicheuinüller. NctchSheilc». S t c t t i n c r Läntser. <üre»i«e» ZVeihuachtö- Programm. llntres 50 Flg. Auf. präc. 8 Uhr. Apollo-Theater. Zum 8. Male: Im Reiche AovHftt: des Karltttt: Indra. AuwtaUunes■ Operette in 1 Akt mit drei Badern und Apotheose Ton Leop. Ely und BeUen-Beeeker». Musik von Paul I.lneke. Ferner: Die vorsüslichcn Specialitäien. Anfanr 7'/, Uhr. Vorrerkauf taglieh Im Theater von JO— 1 Uhr, sowie im Invalidendank, Unter den Linden 24, und KUnstler- danb, Unter den Linden VV. Behrenstr. 58 57. Dir.: Rieh. Schult». Liane de Vries und des brillante Dezbr. SiieGialilät.- Prosramm. Um V,9 Uhr: Ülitiib um Berlin. Montag, de» Sä. Dezember: Zum erstenmal: Vis raWste Welt. AnSstatt'.lngS- Operette in n Bildern von Roger Kerrier und Freund. Musil p. J.Scrpctte u.J. EinödShoscr. Ansang 8 Uhr. Montag, den 25. Dezbr.. nachm. 3 Uhr: 1. lhstmblc-Wniitl des Witts des VtsieilS: ver öAi'diervon Sevilla. Dienstag, den 28. Dezhr, nachm. 3 Uhr: 2. Echmble-AslslNtl des Theaters des WeßeilS: ..ver Vrolldaäour." �meiiesn-I'liestv!'. Dresdenersir. SS. Dir.: Euiil Schuabl. „Berlin ulkt!" und 10 erstklassige Debüts. Morgen, Donnerstag: JudtliiumS- Fest-. ZZorftelluug auS Anlaß des 25 jahrigen Künstler' Jubiläums deS Herrn Dir. Scdnedl. Den Ichlns der Jubiläums- Bor- stell unz prUcIuc iO-/« ffkr biloet die Aufführung des vedr. Kenn- feldschen Lebensbildes Die lelzte Ehre unter gütiger Mitwirkung u Leitung des Herrn Dir. Donai Herrnfeld. Ansang 8 Uhr. Kanenerännung 7 Uhr. Maehrs Theater Oranicnvtr. 21. 91» allen 3 Feiertagen: Grosse Fest• Vorstellung. In Vorbereitung: Nord nnd Snd. Operette von Linderer. Xeue» Frofframm! Ansang 8 Uhr. Sonntags e Uhr. Bous wocheulag» gültig. SiK'kos Vasvk. Heute, Mittwoch. 20. Dezember 1899, abend« 7V, Uhr; Grosser Elite-Abend Zum 41. Male: Die Fumorrn von der gesamten Presse als das grohte und imposauteste Seusations «chnnstnd des Jahrhunderts auer kauut. Auherdem: Die STitrer- Grasion voui Staniui der Mang baltu ans dem Innern von Central Afrika. Stack u. blllton, Matadore ans Sfachem Reck. Miß tala Lee Schule. Ziethen ans dem Bnüb, große SchnlonadriUe, geritten mit 12 Schulpserde». Dircllor Busch mit seine» Original-Meister-Drepurrn. Morgen, Donnerstag. 21. Dez. 99, abends 7> Uhr, Gala Sports Abend. — Am Söilnwg, 24. Dez.. Heiliger Abend, zwei große Borstelllmgen Nachmittags Z Uhr und abends 6 Uhr, Ende praeife dl Uhr.— Au deu beiden Aeihnachtsseiertageu zwei gr. Vorsiellmigen. Nachmittags 4 Uhr und abends 7t/z Uhr! nachmittags: Olympische Spiele und abends: Die Camorra. ÖIT'KUS Aid. Schumann. Heule, Mittwoch, den 20. Dezember abends präc. 7>/, Uhr: ezirs-VorsteiHiiM. Zum Schluß zum 32. Male: Der erste Schlager der Saison. lisrößtcs Siittcrschaiinück. Schwarz nnd Weif; — mit smimichr» Cinlagcu— Sonntag, den 24. d. M. nur o i II o VorstoliiiuA. ßlnfang ä llhe, Ende 8 Uhr. In dieser Vor� stellung: Kolofiales Programni wie sonst in zwei Äorftelluugcn. Rctiur sämtlicher Artisten und größtes Ritterichanstlick biobivar« und HVoi»,». Trotzdem in dieser Bor- stellimz: ein stiiid frei ans allen Plästcn.— Montag, den 25.. Diens- tag. de» 28.. Mittwoch, den 27. d. M: Je 2 große Lorstelluiigen,»achuiittagS S'i'f und abends 71', Uhr. Nachm. S) Uhr. extra uen einstudicrt: Im VVeil-nachtsbazar. Gr. Weionachts- AnSstattinigs-Pantomime dargestellt von SO Kindern im Alter von 3 bis 5 Jahren und 100 Personen. Abends 7>.z Uhr: Großes Rittcrfchaustiick: Snnvarz nnd Weiß. liottbusorstr. 4a. Hcnte, Mitttvoch, geschlossen. Morgen. Donnerstag: Laiiluvtljl'MüilüsVtiliNdite!! Nach der Soiree: Dun». Freitag und Souiiabend gelchloisen Rieserbarilimer Äreisksilsereaz. Sonntag, den 7. Januar litvt). abends pünktlich 8 Uhr: Kreis•Konferenz"91 des Niederbarnimer Kreises in Wcigcis liokai, Rnmmelsbnrg. Dhürrfchmidtstrastc 45. T a g e s- O r d n u» g: l Wahl eines Kreis- Bertrancnsmanncs. 2. Aendcruug der Lrgnnisatio». 223/14 Die einzelnen Orte toollen baldigst die erforderliche» Delegierten- wählen voriiehmen Arthur Studtliuzxeu. An« Oezenilker findet in Stralau im Lokal btr Wittwc Schonert(„Nen-Seeland") drei Minuten vom Bahnhof Rnmmclsbnrg um 4 Uhr mlttax» ein ' isiM »« aus Anlaß der Ausweisung des Genosse« Koup auS dein prensiifchen Staat statt.— Die Genossen werden»in rege» Besuch dieser Versammlung gebeten. 223/15 I. A.: Arthur Stndthacen. Am««»! Zimmerer! Ml«!!«! Central Kranken- nitd Sterbckafse der Zimmerer Ocrtiiche Berwaltnng Berlin. Miklwoch, den Zv. Dezember, abends 8> � NHr. im Aicloria-Ialon. Moabit. Pcrlcbergcrstr. 14: MttgZiiseSei'�SV'SsmmIung. TagsS-Ordnung: Wahl eüics Kasstrers für den vierten Bezirk. Orts- Krankeukasfe l Tchneider, Sßseiderme« null vtrivandter Cewerbe zu Berlin. Tie Kassenmitglieder werden hier- durch zu de» am 28. Dezember er., abends 8 Uhr, in den Armin- hallen, Smnuumdantcuftr. 20, statt-' findenden Bertretemühleli uro 13ßÖ ergebenst eingeladen.. Tagesordnung: Wahl von 2öZ Vertretern auS den Reihen der Aassenmitzlieder,§ 49 des Statuts(Nachtrag). Das Qnittungsbuch dient als Legitimation, ohne dasselbe keinen Zutritt. 143lb Berlin, 20. Dezeulber 1899. B. M'eseuer, Borsitzinder, Ruppinerstr. 10._ Konsolidiertes Braunkohlenbergwerk„Marie" bei At?endorf. Auf die Tagesordnung der am 28. b. M. in Berlin, Wilhclmslr. 92/03, Architektenhaus, stattfindendcnGeneral- Versammlung wird noch gesetzt als weiterer Puntt 4: .Beschlnßsasiuug über ein neue« Gesellschastsstaiut". 3Z2SL Berlin, den 18. Dezember 1899. Der Aiifsichtsrat: August Sternbcrg, Lorsitzender. Mitglither-ZiiMmeiikllnft des 11438b »alui'lieiivspeins Lrunllmanii Mitgiiedsbnch legitimiert. 259 12 Der Borstand. bei Donnerstag SV, Uhr. Wilke. Andreässtr. 26. Dentscher Holzarbeiter-Verband. Mittwoch, den 27. Tezcmber (Zalilsiclie Berlin.) 181)9(3. Weihuachtsfeiertag), Koppenstr. 29; in Kellers Festsäle», Special litäi: jeppicbej streng; reell nnd iiiisserst billig;! 1 Jalongräßc a 5, 8, 10—300 Mk Stets Gelege uheitSkänfe in) Teppichen. Gardinen. Bor- tirrcn. Möbelstosse». Disch derken Zteppdechen! »» eigener Fabrikation.-» Schlaf-. Reise- u. Arbeiterbelken ?uustr. Zpeml-Aataloli l (ca. 450 Jllustr.) gratis u. postfrei. � TtDilh-sVtcialhaüs Emil Lefevre, Btrli», Sroiiifnjtr. 158. 1 ß r. S i in m 6|iS!r?�hinD« 2 Treppen rechts Specialarzt s.Haut-n. Harnleiden. 10—2.5—7. SoillltagS 10—12.2—4.- w SilTriciOtitS'--k'siSF bestehend i» läinder- Bcseiierung;. Konzert deS Aeuon Berliner Konzert■ Orchesters, Auftreten der Theater- Gcscllschcft Strzciewicz und Tanz. 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Der Vortrag findet unter Vorführung zahlreicher, grosser Warlne-Iiichtbildor statt, angefertigt im Institut des Herrn Dr. Stridtnerin Berlin nach den neuesten künstlerischen Aufnahmen. Eintrittsgeld i einschl. Programm nebst Flottenliste) 20 Pf. Auch die Familien werden mn ein zahlreiches Erscheinen ersucht. G. Lindenhayns Bali-Salon Grönau, Friedrichstr. I— 2. Am»weiten Weihnachts-Feiertag, nachmittag» 4 Ehr Grosses Yokai- und Instruniental- Konzert arrangiert vom Geunngvcrein.,Gcorginla'' unter Mitwirkung des Gesangverein«..Eintracht'4(Kieder-Schöneweide), sowie des Duettistcn- Paares Frl. u. Herrn Schulz, der Italienischen ilandoIlneu-Truppc„Cesarlo della Rosa" u. der H nuBknpelle. Hierzu ladet freundlichst ein(3324L1_ Das Komitee. Cbarlottenbiirg, Bismarck-Strasse 34: Jeden Sonntag: Angenehmer Familien-Ausenthalt, besonders am 4. und 2. Weihnacht»- Feiertag ist für UllIvl*I?Kapseln Suppen-WUrze_ stets vouätisr bei Franz Rehdorff, Inh. AUred Schiffer, N., Elisabethliircnstrasse 15. 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Britzerstr. 7, haben sämtstche Drechsler wegen Diffc- renzeu die Arbeit niedergelegt. Zuzug feruhalteu. Die OrtSvernialtung. tLercmIwoUiich» Redactuu; vanl Slop»« atttoL* Fiy. jteu""•«"luiartlich-»h. aimtp in Berlin Dnuf imh Rertag itnn Mar Babing in Berlin, r öt. 297. 16 mi-h. 2. KMzt dkü„Kmiick" Knlim WsUR»»» 2V. Deikmbrr 18S9. Uokstles« Die Lokalkommissio» bringt der Arbeiterschaft Berlins folgen- des zur Kenntnis: Der S ch n l t h e i tz- A u s s ch a n k, Reue Jakob- strasze 24/2S, sowie die O ra n i e nh a ll e n. Oranienstraße 51, stehen den Genossen unter den bekannten Bedingungen zur, Ver- fngung.— Der Hirsch-Dnnckersche Gewerkverein, Filiale 7, ver- anstallet am Weihnachtsabend eine Festlichkeit und zwar im Lokal von Sachon, Müller- und Secstrasten-Ecke. Wie bekannt, steht dieses Lokal uns zu Versammlungen nicht zur Verfügung.— Folgende Mitteilungen wolle man besonders beachten: Wie bekannt sein wird, stehen uns die Säle von Buggenhagen am Moritzplatz zu Ver- sammlungen nicht zur Verfügung. Die Genossen werden ersucht, dort weder Festlichkeiten abzuschließen, noch solche zu besuchen, ins- besondere aber wahrend der bevorstehenden Festtage das Lokal streng zu meiden. Die Parteigenosse» der Roscnthaler Vorstadt und des Gesundbrunnens veranstalten am zweiten Weihnachtstage lDienstag), mittags 12 Uhr. zwei Matineen. In Bretts chneide'rs Festsälen, Badstr. 16. wirken mit die Theatcrgescllschaft Strzelcwitz und der„Gesangverein der Oranienburger Vorstadt"; in N o a ck s Theater, Brunnenstr. 16, das Berliner Ulk-Trio und die Gesang- vereine„Bruderbund".„Neue Zeit".„Rote Nelke". Der Eintritts- preis beträgt nur 20 Psg. Wir sind überzeugt, daß die beiden Ver- anstaltungen zahlreich besucht ivcrdcn. Die„verschämten" Arme» werden, soweit sich die Stadt- gemeinde ihrer annimmt, nicht von der Armendirektion, sondern von der S t i f t u n g s d e p u t a t i o n unterstützt. Die von der Stiftnngs- dcputation ausgeübte Wohlthätigkcitspflcgc steht genau genommen der P r i v a t w o h l t h ä t i g k e i t näher als der ösientlichen Annen- pflege. Die Stiftimgsdeputation ist eigentlich mehr die Beauftragte privater Wohlthnter, die ihren Spenden eine angemefsene Verwendung sichern wollen. Die von der Stiftnngsdeputatiön unterstützten Annen genießen den Vorzug, nicht gleich einen Teil ihrer bürgerlichen Rechte einzubüßen, wie das bei Unter- stützungen ans Mitteln der öffentlichen Armenpflege der Fall ist. Ucberdies kann die Stiftnngsdeputatiön auch U n t e r st n tz» n g c n in beliebiger Höhe zahle», gelegentlich sogar mehrere hundert Mark, während die Annenkonunissioneu in der Hauptsache das sogenannte„Existenzminimum" festhalten müssen, das i» der für Berlin festgesetzten Höhe zwar zum Sterben zu viel, aber zum Leben zu wenig ist. Mau bezeichnet die von der Stiftnngsdeputatiön ans- geübte Wohlthätigkeitspflegc auch als., h n ni a n e A r m c n- pflege"— ein Ausdruck, der im Vergleich zur öffentlichen Annen- pflege durchaus zutreffend ist. der aber zugleich eine Verurteilung der Grundsätze in sich schließt, nach denen die öffentliche Armenpflege ausgeübt wird. Der Andrang von Bittstellern ist, zum Teil ans den oben genannten Gründen, bei der Stiftnngs- d e p u t a t i o n sehr bedeutend. Im Jahre 1896/99 sind über 25 000 Gesuche eingegangen. Der Bericht der Deputation pro 1898/99 hebt hervor, daß der weitaus größte Teil der Armen, und zwar aus allen Ständen, erfahrungsgemäß erst dann seine Zuflucht zur Armcnkonnnissioii nimmt, iveiin alle anderen Vc- in»Hungen erfolglos geblieben sind. Die Berührung mit d e r A r ni e n k o m m i s s i o n wird allgemein als e t lv a s Unangenehmes. Peinliches, Demütigendes empfunden. Der Stiftnngsdeputatiön fließen nun zwar fort- gesetzt reiche Mittel zu. namentlich ans testamentarischen Zu- Wendungen, aber sie klagt trotzdem unaufhörlich über Geldmangel In ihrem Bericht pro 1898/99 hebt sie wiedcrnni hervor, daß es ihr nur möglich ist,„dem kleinercnTeil der in großer Zahl an sie herantretenden Gesuche zu entsprechen." und daß sie. v i e l c d a u e r n d h i l f s- bedürftige Personen, deren Würdigkeit und Be- dürft igkeit außer allem Zweifel ist." an die öffentliche Armenpflege verweisen muß. Wie die öffentliche Armenpflege„hilft", das haben wir schon obenan- gedeutet. Die Klagen der Stiftnngsdeputatiön zeigen ivicdcr einmal recht deutlich, wie wenig Werl der Behauptung beizumessen ist, daß d i e bestehenden Einrichtungen z n r Linderung von Armut und Elend ausreichen. Sie wird durch die Thatsachen widerlegt. Die Annen tvcrden von einem zum andere», vom anderen zum dritten und weiter geschickt, von Private» zu den Vereine», von den Vereinen zur Stiftnngsdeputatiön, von der StiftungSdcpntation zur Armendircktion, und schließlich müssen alle gestehen, daß sie n i ch t h e l f e n könne n. Die Große Berliner antwortet auf die blamierende Rüge, die sie vom Polizeipräsidinni erhalten, in einigen Zeitungen mit einer weitschweifigen Erklärung, die tviederum auf den Herzens- Wunsch der Accumulatoren-Beseitigung hinausläuft. Die Direktion hätte diese lahme Rechtfertigung tvohl nicht abgesandt, wenn sie gewußt hätte, daß wir in unserer gestrigen' Nummer von ihren Praktiken den Schleier hinwcgrcißen würden. Interessant ist, daß die Gesellschaft ihre Unfähigkeit in den Frosttagen auch damit zu entschuldigen sucht, daß sie nicht genügend Hilfsarbeiter erhalten konnte. Dies ist kein Wunder, wenn man erfährt, daß die Gesell- schast die Dreistigkeit besessen hatte, den Hilfskräslcn einen Stunden- lohn von 25 Pf. zu bieten. Welcher anständige Slrbeiter wird und kann dafür von früh bis spät in Eis und Schnee schuften? Die Proletarier des Ladentisches. Der Verein der Deutschen Kauflcute hat durch seinen Gcneralrat an den Bundesrat eine Eingabe gerichtet, in der um Zustimmung zu den Beschlüssen des Reichstags betreffend den einheitlichen Neunuhr- Ladenschluß gebeten wird. Der Verein betont dabei, daß diese Beschlüsse nur teilweise den Forderungen entsprechen, die von ihm wiederholt geltend gemacht wurden, daß er jedoch für möglichst um- fassende Anwendung der in Z 139e gegebenen Bcstimmmigen wirken werde. Besonders weist er auf die Zustände in der C i g a r r e n- brauche hin, wo die Verwalter von Filialen nicht im stände seien, während der gauzen Dauer der Geschäftszeit den Laden zu versehen, llnd da sie für jeden durch die Stellvertreter verursachten Schaden hasten müßten, so entständen daraus fortgesetzt Prozesse. In der Lebensmittelbranche bestehe neben der langen Arbeitszeit die Unsitte, daß im Laden nicht geheizt werde, ja, daß noch gar bis zum äußersten die L a d e n r h ü r e n offen gehalten würden. Dies könne natürlich, ohne Schädigung der Gesundheit, niemand während 16 Stunden anShaltcn, und die Prinzipale selbst in dieser Branche seien froh, wenn sie ebenfalls nicht zu der Zeil mehr im Laden zu stehen brauchten, in der stir die Angestellten dies nicht mehr erlaubt fei. Ebenso sei das überlange Offen- halten der Läden in den Warenhäusern nicht durch den Verkauf bedingt, sondern es würden, um Personal zu sparen, Arbeiten am Abend und bis in die Nacht hinein vorgenommen, die in geordneten Geschäften am Tage erledigt würden. Endlich erhofft der Verein die Zustimmung des Bundesrats zu der R e s o l u t i o n dcS Reichstages, in welcher Erhebungen über die Verhältnisse der inComptoiren undLagern von En gros- und Fabrilgeschäften beschäftigten Handlungsgehilfen gefordert werden. Feierliche Wahrung deS von den Vätern überkommenen Erbe««. Der Kultusminister erläßt bezüglich dcS diesjährigen Schul- schluffeS folgende Verfügung: In allen Lehr- und Erziehungs- anstalten ist am letzten Schultage vor den bevorstehenden Wcihnachls- ferien Schülern und Schülerinnen in eknein festlichen Akte unter Hinweis auf die Bedeutsamkeit der nächsten Jahreswende ein Rück- blick auf die großen Ereignisse des zu Ende gehenden Jahrhunderts zu geben und ihnen zum Bewußtsein zu bringen, wie es Pflicht des heranwachsenden Geschlechts fei, mit Dank gegen Gott das von den Vätern überkommene Erbe in .Treue zu bewahre» und fördern zu helfen. Wo nach dem bestehenden Herkommen der Unterricht vor den Weihnachts- ferien mit einer Schulfeier geschlossen zu tvcrden pflegt, wird es zweckmäßig sein, mit dieser den festlichen Akt zn verbinden. Die den besonderen örtlichen Verhältnissen angemessene AiiSgestaltnng der Feierlichkeit im einzelnen bleibt den Schulleitern überlassen. In den Berliner Schulen findet der seierliche Schnlschluß heute statt. Soweit die Gemeindeschulen in Betracht kommen, wird die Ursache zum Dank und die Wendung von dem„Erbe" den Kindern sehr unverständlich sein. Sie mögen zum Teil wissen, daß das nächste Jahrhundert ihnen die Aufgabe stellt, sich in der socialistischen Gesellschaft ein der Wahrimg wertes Gut zu erkämpfen. Aber ihnen, die des Lebens drückendstes' Elend tagtäglich cmpsindcn oder vor Augen sehen, von einem väterlichen»Erbe" im staatserhalteiidcu Sinne zu erzählen, ist recht deplaciert. Erweiternug des Fernsprechverkehrs. Der Fernsprechverkehr mit Grätz(Bezirk Posen), Grebenstein, Hohenlimburg, Johann- georgenstadt, Ocderan, Polzin, Rosenberg(Oberschlesien). Stadt- oldcndors. Strelitz(Mecklenburg) ist eröffnet worden. Die Gebühr für ein gewöhnliches Gespräch bis zur Daner von drei Minuteu beträgt je eine Mark. Für das Herbeiholen der zuni Gespräch verlangten Person zu der öffentlichen Sprcchstelle wird außerdem ein Betrag von 25 Pf. erhoben. Der Weihnachtsmann im Zuchthause. Bei den 44 Auf- scher» der Strafanstalt Moabit hat der Weihnachtsmann bereits Visite gemacht. H4 von ihnen hat er indes nichts gebracht, bei den übrigen 10 Auffehcrii ließ er Geldgratifikationcn in Höhe von je 30 M. zurück. Außerdem bedachte er die beiden Ober-Ansicher Lembke. und Jäger mit größercii Geldgeschenken, die er bei den Oberbenmtcn der Anstalt um ein beträchtliches vervielfältigte. Der Weihnachtsmann ist eben zn launenhast; die es am nötigsten gc- brauchen, bekommen immer am wenigsten. Die Markthallen sind am nächsten Sonntag, dem Weihnachts- Heiligabend, vormittags bis 10 Uhr und nachmittags von 12 bis 7 Uhr, am Sylvester vormittags cbcnsalls bis 10 Uhr, nachmittags aber nur von 12 bis 2 Uhr geöffnet. Die Vernurcinigung des LeitnugswasscrS aus dem Müggelsee. Die chemischen und bakteriologischen Untersuchungen haben ergeben, daß dnS Rohwasier deS Müggelsees in den letzten Tagen einen weit höheren Prozentsatz an Ammoniak und an Keimen enthielt als früher. Wenn nun auch durch die Filtration der weit- aus größte Teil der Keime ans dem Wasser ausgeschieden wurde, so wies das letztere nach der Filtration doch noch das Doppelte von der sonst vorhandenen Keimzahl ans. Immerhin schließt diese Zu- nähme der Keime noch keinerlei Gefahr für die menschliche Gesund- heit in sich, zumal Krankheitserreger bisher nicht vorgefunden wurden. DnS Gutachten der Sachverständigen geht min dahin, daß die Vcrnnrriiiigung deS Müggelsees durch Abwässer von getvcrb- lichen Anlagen, Fabriken usw. an der Obcrsprec erfolgte, und eS sind sofort Schritte eingeleitet worden zur Abstellmig dcS Ucbcl- ftandeö. Hoffentlich wird der Kalamität die gebührende Ansmcrksam- lest zugewendet. Die Juvaliditiits- und RlterS-BersichernngSaustalt Verls» läßt in den Tagen vom 22. bis 28. Dezember durch die Palctfahrt an sämtliche HanShaltiingcn im Stadtbezirk Berlin eine Bekannt- ni a ch u n g verteilen, in welcher die A e n d c r u» g e u, tvclchc das am 1. Januar in Kraft tretende JnvalidcnvcrsichcrungS- Gesetz enthält, kurz und verständlich erläutert werden. Warnnug vor einem Kurpfuscher. Das Polizeipräsidium teilt mit: Neuerdings erbietet sich der hier Schützeustr. 6«. wohn- haste Reisende Eduard D a m p, der sich auch fälschlich als Schiffs- offizicr a. D. bezeichnet, wiederum in Amionceii und in einer von ihm verfaßten Broschüre: Wie ich von meinen langjährigen Lungen- und Kchlkopflciden geheilt bin" zur Vornahme von Kuren. Dliinp, welcher nicht die geringste Vorbildung sür die ärztliche Kunst genossen hat. verabfolgt seinen Patienten Leinsamenthre und Spartiumthcc. Die llntersnchungcn haben ergeben, daß der Spartinmthce ein heftig wirkendes Hcrzgift enthält, daß die zum Preise von 12,80 M. abgegebenen Mittel einen Wert von höchstens 1,50 M. besitzen, und daß die Broschüre völlig wertlos ist. Das Polizeipräsidium warnt dringend davor, sich in Krankheitsfällen an den Damp zu wenden. Einen Preisaufschlag ans alle ihre Erzeugnisse haben die Tischlcrinnnngcn von Berlin. Charlottenburg. Suxdorf und Steglitz veschlosscn. Sie machen daS durch ihre Obermeister bekannt und begründen den Aufschlag von 15 Proz. mit den höheren Preisen der Rohstoffe und den gesteigerten Löhnen. WcihnachtS-Rückfahrtkarteu. Mit dem heutigen Tage beginnt die angclündigte Verlängerung der Nückfahrtkarton. Alle von heute an gelösten Rückfahrtkarten nach Stationen der preußischen und hessischen Staats-Eiscnbahncn behalten, wie schon mitgeteilt worden. ihre Gültigkeit bis zum 8. Januar nächsten Jahres. Die Rückfahrt muß bis um 12 Uhr nachts an jenem Tage angetreten ivcrdcn und darf nach Ablauf dieser Frist nicht mehr imterbrochcn werden. ZlnS dem Moabiter Zuchthanse entlasse» wurde gestern der „Anarchist" Püschel. der im Sonnncr 1894 wegen Falschmünzerei zu 5 Jahren Zuchthaus verurteilt worden war. Hier wurde P. bis vor etwa einem Jahr mit der Herstellung von Tischlerarbeiten beschäftigt, bis er in die Jrrenstation der Anstalt übergeführt werden mußte, da sich bei ihm Spuren beginnender Geistessiörung zeigten. Durch die ärztliche Behandlung besserte sich aber sein Zustand. Wege» Kindcömordcs ist gestern da-Z Dicnstmädchcii Götze. das früher schon einmal verhaftet war, anfS neue verhaftet und in UntersilchungShaft nach Moabit gebracht worden. DaS Mädchen dient bei einer Herrschaft am Kurftirstendamm und ivnrdc anfangs Oktober unter dem Verdachte, ein.neugeborenes Kind getötet zu haben, fcstgeiiomine» und zunächst als Polizeigcfangene der Charitv überwiesen. Entgegen den Bekundungen einer Hebamme, die ihren Verdacht der Polizei mitgeteilt hatte, stellte die Beschuldigte fort- gesetzt in Abrede, geboren zn haben. Da auch die Leiche des Kindes iiicht gefunden wurde, so blieb nichts anderes übrig. als die Ver- dächtige auS der Haft zn entlassen. Durch einen Fund kam aber nachträglich das Verbrechen doch an den Tag. Ein Gendarm fand am Bahndamm zwischen Strausberg und Müncheberg, nicht weit von einem Bahnübergänge entfernt, ein Paket, das die Leiche eines kleinen KindcS enthielt. Diesem war der Hals abgeschnitten worden. Als die Mutter des Kindes wurde die G. ermittelt. Falsche Zwciniarkstiilkc kurfiercn gegenwärtig. Das Ziveimark- stück ist anscheinend ans Blei hergestellt, trägt daS Münzzeichen A, das Bild des ersten Kaisers und die Jahreszahl 1833. Durch die Explosion einer GaSätherlauipe ist vorgestern abend der 14 Jahre alte Maurerlchrling Willy Dahme ans der Elsasser- straße 12 verunglückt. Als die Arbeiter Feierabend machten, wollte der Lehrling eine Aetherlanipe auslöschen: diese explodierte, die Flamme schlug ihm ins Gesicht und verbrannte ihn schwer. Der Verunglückte wurde zunächst zu seiner Mutter in die Wohnung gc- bracht, mußte jedoch bald mit einem Koppschcn RettnngSivagcn nach der Charitö überführt ivcrdcn. Dahme war auf rineni Neubau in der Brunnenstraße beschäftigt. Im Tiergarten sich zu erschießen, versuchte gestern nachmittag der 19 Jahre alte Schlosser Hermann Äliem, der bei seiner Mutter in der Wilhelmstr. 134 wohnt. Er wurde schwer verletzt in ein Krankenhaus gebracht. Fcucruachrichteu. Ein größerer Fabrikbrand kam gestern früh 0 Uhr Gitschincrstraße 15 auf dem Grundstücke, auf dein sich die Aküllschmelze befindet, zum Ausbruch. Unmittelbar nebe» der Müllschmclze steht ein langer einstöckiger Schuppen, in welchem die Baimiaterialienhandliiiig von I. H. Schäffcr große Posten von Putzrohr und Dachpappe lagert. Hier war aus nicht ermittelter Ursache der Brand ausgekommen und hatte sich schnell über einen großen Teil deS Schuppens verbreitet. Die Feuerwehr konnte dem Feuer mir schwer von oben beikommen, da das Holz- ceniciitdach die Flanmien nicht durchließ, so daß die Löschmannschaft inmitten erstickenden Qualmes erst das Dach durchschlagen mußte. Im Nene» kg l. O p er nh a nse(Kroll) entstand Montagabend kurz vor 12 Uhr Kurzschluß in der elektrischen Leitung, doch konnte der Schaden ohne jeden Unfall beseitigt werden, ohne daß das Publikum in Aiifregung versetzt wäre. Um dieselbe Zeit war R e i ch e n b er g e r st ra ß e 13 ein Gardincnbrnnd zu beseitigen. Kurz vorher erfolgte Wien er straße 30 eine Lainpeiiexplosion,. ohne indes wesentlichen Schaden zu verursachen. B e l f o r t e r- straße 6 brannte die Schaidccke und die Balkenlage. Durch eiue Lchlägcrei schwer zu Schaden gekommen ist vorgestern abend der 25 Jahre alte Droschkeiilntscher Fritz Reff aus Schöne- berg, Fritz Reuterstraße 20. Reff kehrte um 5 Uhr angetrunken bei dem Schaukwirt Scheider in der Gnbcnerstr. 1 ein. Zwei andere Kutscher, die hier saßen, hänselten ihn, und nIS der Wirt ihnen das untersagte, zogen sie ihn am Mantel auf die Straße heraus. Hier gab es nini eiiie Schlägerei, bei der Reff lnnficl und sich das rechte Bein brack. Die Rettungswache 1 liefe den Verunglückten mit einem Lückschcn Wagen in daS Elisabeth-KraiikenhauS bringen, während auf der Revicrwache die Ranien seiner Gegner festgestellt wurden. Die Urania wird die Wende des Jalirlnmderts durch einen Vortrag „Berlin vor 100 Jahren" seien,, welcher Herr» Dr. Gustav Sllbrecht zmu Verfasser hat. Das Märkische Provinzialinuseum hat ans seinen»ilder- schätzen die lchiinsten und seltenste» Blätter hergegeben, nach welche» die zahlreiche» Lichtbilder, welche den Vortrag begleiten werden, aiigciertigt sind. Der Vortrag wird am L8. Dezember von dein Vcrjasser selbst geheilte» werden. Tie volkstümlicheu Hochschulkurse weisen für nächstes Quartal folgendes Prograimn auf: Prof. Liebreich spricht Montags im Friedrich Werdcrschen Gymnasiilm über die Wirkung der neuen Heil- mittel, Pros. Dr. Schreiner Montags in der Urania, Tauben- straße. über den Dan deS Weltalls, Prof. Dr. Grawitz Dienstags im Friedrich Werdcrschen Gymnasiinn über die kraiikmacheiidcn Schädlichkeiten des täglichen Lebens und ihre Verhiiliing. Professor Dr. Gr acs Dienstags im Ännstgewerbe-Muscum über griechische Bild- haiicrlunst, Prof. Dr. Karl Günther Mittwochs im Htigienischen Institut. Klostcrstr. 36. über Bakterien, KrankhcitSerrcgnng und Krankheits- bckälnpfung, Privatdoecnt Dr. W. M a r k w a l d Mittivochs im chemischen Institut, Bunscnstr. 1. über unsere Atmosphäre besonders in chemischer Beziehung, Prof. Dr. M. La ehr Donnerstags in der Landwirtschaftlichen Hochschule. Jnvaiidenstr. 42. über Entstehung und Verhütung von Ncrvenkrankheitei!. Pros. Dr. Otto Ja ekel Freitags im Französischen Gyinnasinm, Reichstags-Ufcr 6. Über den Bau llnd die Geschichte der Erde. Privatdoecnt Dr. stsichard M. M c y c r Freitags über Goethes Leben und Schristcn. DaS Eintrittsgeld beträgt sür jeden Kursus eine Mark, für Arbeit er-Ber- 'c i n i g u n g e n ee. ist ein ermäßigter Preis von 60 Pf. festgesetzt. Solche BereinSkarteii werden den Voiftäuden in der Centralstclle für Arbeiter- WohlsahrtScinrichtnngeii, Köthcncrstr. 23, II, verabfolgt. Die Vorträge beginnen Ende Januar. Eintrittskarten zum Preise von 1 M. für den Kursus sind vom 8. Januar 1900 an folgenden Verkanfsstellen zu haben: Georg Pelling, Eigarren- haiidlnng, W.. Lcipzigerstr. 136. A. Schütz, Rendaut, l)., Holz- niarktstraße 60. II(10— 1 und 4—6 Uhr). Chr. Tischcndörfcr, C., Sophicilstr. 20, pari.(8—7). Trantwcinsche Anchhandlnng. W., Lcipzigerstr. 8. Ccntralstcllc für Arbeiter- Wohlfahrtscinrichliingen, W., Köthcnerstr. 23, II(8—3 Uhr). Zipollothcatcr. Ans dieser Bühne hat sich für den Inhalt neuer AnsstaituiigSstücke eine stcheiide Norm herausgebildet. Immer ist eS der forsche Berliner, der sich auf den Mond, in den Harem oder auf sonst eine jener phantastischen Gegenden stürzt, die darauf haircii, daß sie nächstens von nnsere» Flottenchiliästcn zur Ehre des größere» Deutschland occupiert werden. DieSinal rumort der Ver- tretcr reichshailptstädtischeii UiiteriichiniingsgciftcS, der natürlich ilntcr einer anderen Person als der des Herrn S t e i d l un- denkbar ist, irgendtvo im Lande per Lotoslilumen herum. Im Reiche des Jndra herrscht ein König Mciieltk, dessen Freuden und Leiden stark an Offenbachs. MeiielauS den Guten erinnern. Auch dieser Majestät ist eine bessere Hälfte zu eigen, die im Traum arg über die Stränge schlägt und der vom hochherzigen Gatte» verziehen ivird, eben weil es dock nur ein Traum war. Wcitce ist für dies heikle Idyll noch beim lieben Boccacio eine Anleihe gemacht worden, lieber den Mangel an Originalität der Handlung ließe sich»nn getrost ein Auge zudrücken, wenn die beiden Herren Verfasser. Leopold El» und Volten-Bäckers, nur verstanden hätten, mit dem von Geistes- Millionären eiitlchntcii Gut geschickt zn Ivirt- schasten. Aber daran hapert eS leider. Das bißchen Handlung schleppt sich sanft dahin und keine AnsstattnngSpracht vermag über die Dürftigkeit des Dialogs hintvegzntänschcn. Aber vielleicht haben ivir unsere Ansprüche ein ivenig hoch gestellt. Im Apolloiheater will der»leiste Mcinn ja mir für das Auge ctlvas haben, und wenn ihm für die LachiniiSkcln hin nnd tvicder eine Pille hingeschoben ivird: er niiiniit sie, kann aber auch ohne sie auSkoinUien. Was da an prächtigen Dekorationen. Kostliincn und Wadcnpaarcii in schier er- drückender Mannigfaltigkeit auf der Bühne erscheint, ist von einem gewöhnlichen Sterblichen überhaupt nicht zu beschreiben und würde ivohl selbst eine» Snbslriptionsball- Berichterstatter in Verlegenheit setzen. Ans der Fülle der Gesichte envähiien wir nur eine Wandcl- dckoration mit lebenden Bildern, verschiedene Thron- nnd Prachtsäle mit lebendem Zubehör und uanientlich das schillernde Bild der Schlußapotheose. Zn all dicsciii Glanz hat Herr Pank L i n ck e eine Musik gc- schrieben, von der sich sagen läßt, daß sie in wenigen Wochen.von der Berliner Jugend mit ebensolcher Begier kapiert sei» ivird, Ivie die früheren Melodien dieses populären Komponisten. Wir sind nberzengt, daß selbst der höhere Anflug, zu dem die Roten sich i»i Wagemut zuweilen erheben, ihrer Volkstümlichkeit keinen Schade» znsügcn lvird. In dem iicucii Stück treten natürlich die altbekannten Künstler des Apollo-TheaterS ans. Die Herren Ben der, Kettner und L i e b a i» sind außer dem schon genannten Herrn Stcidl ivacker auf dem Posten und soiinen sich in dein Glänze, den die Sniigerin Carola um sich verbreitet. Dheater. Das Metropol-Theater bin igt zu WeiKnachlcn sctne bereits angekiliidigte große Novität„Die verkehrte Welt".— Ii»„Deut- scheu Theater" wird heute, Mittwoch,„Der Prvbcbnldidat" zum 25. male aiifgestihrt. Für den Sylvesterabcnd bereitet das Deutlche Theater eine heitere Novität vor, den Schwank„Der Vielgeprüfte" von Wilheli» Meyer- Förster, der am 81. Dezember zun» erstenmal in Sccne gehe» soll.— Jiu Schiller- Theater ist der, Spielplan für die Feiertage solgcnderinaizcii festgesetzt: Montag, den 25. Dezember, nachmittags 3 Ithr:„Der Richter von Zalaniea", abends 8 Nhr:„Nora"; Dienstag, den 26. Dezember, iiachnitttagS:„Das KSthchen von Heilbronn", abends;„Die Grobstadllust"; Mittwoch, den 27. Dczeniber, nachmittags: „Die Jnngsra» von Orleans"(fleine Preise), abends:„In Behandlung": Donnerstag, den 28. Dezember, nachniiltagS:„Don CarloS",(erste Klassiker- Vorstellung für Schüler i»id Schülerinnen), abends:„Eyprienne".— Soniiabeno wird i»i EarlWeib-Thcatcr die Novität„Tieginder der Hölle" gegeben.— Ii» Thalia-Thcatcr wird hellte der„Platz- major" zun, tOO. male gegeben. Die Novität„Dir Himiuelhvj" kommt Somiabend zur Anfftihrmig._______ AuS Seit Aachbarorte». Die Gültigkeit der Stadtverordiirten-Malidatc unserer Partei in Rixdorf hatte gestern der Bezirksausschuß in Potsdam zu prüfen. Diese Instanz beschloß insoweit dem Anträge der bürgcr» lichen Kläger Balz und Gen. stattzugeben, als das Mandat unseres Parteigenossen Ost ermann für ungilltig zu crllärcu ist, dagegen bleiben die übrigen sechs angefochtenen Mandate recht bestehen. Die Kläger haben%) der Kosten, die beklagte Stadt, deren Wer- tretnng die Wahlen für gültig erklärt hatte, i/io zu tragen. Die ErgänznugStvahlc» zur Köpcnicker Stadtverordneten- Versammlung<3. Abteilung), die im November 1898 stattfanden, waren auf die Klage mehrerer Parteigenossen vom Bezirksausschuß für ungültig erklärt worden. Mit der gegen dieses Urteil ein- gelegten Berufung der Stadtverordneten- Versammlung hatte sich gestern das O b c r- V er w altnn g s g cri ch t zu beschäftigen. Es wurde beschlossen, einen anderen Termin anzuberaumen und in diesem Beweis darüber zu erheben, wie viel Wähler zurückgewiesen worden seien. Es sollen der Goldarbeiter Hermann F a b e r, der Arbeiter N i ch t e r und Stadtrat I c n n e als Zeugen vernoinmc» werden. Der Tcltower Kreistag hat die K a n a I v o r l a g e einer auZ 14 Mitgliedern bestehenden Kommission überwiesen. Kriminalpolizeiliche Eiurichtungc» in de» Vororten. In einer größeren Anzahl Berliner Vororte werden vom 1. Januar 1900 ob Berliner Kriminalbeamte zur Wahrnehmung der Interessen der Kriminal- und Sittenpolizei untergebracht sein, die ihre Funktionen inl Einbernehmen mit den Gemeindebehörden ausüben werden. Diese seitens des Polizeipräsidenten jetzt getroffene Erweiterung des MachtgcbietS der Kriminalpolizei beruht aus einer Verfügung, welche ihr daS Gesetz vom 20. Juni 1892 betreffs Ausübung der Polizei- gewalt in den Vororten an die Hand giebt. Diesem Gesetz zufolge waren für Reinickendorf. Weißcnsce, Rummelsburg, Stralau, Lichtenberg und Fricdrichsberg die ortspolizeilicheii Befugnisse in krimineller und sittcnpolizcilicher Beziehung auf den Polizei- Präsidenten von Berlin übergegangen. In die Reihe dieser Gemeinden rücken nun von: 1. Januar k. I. Treptow, Tcmpelhof, Tegel und Pankow, Von principieller Bedeutung ist dabei, daß alle diese aufgeführten Ortschaften von Berlin aus eigene Bureaus er- halten sollen, und es werden die Beamten, die bisher im hiesigen Polizeipräsidium die zuständigen Sachen bearbeiteten, in dem be- treffenden Vorort auch wohnen. Die Kriminalschutzleute iverden dort in gewisser Beziehung den AmtSvorstehcrn unterstellt sein. Das für den Dienst in den genannten Nachbargcmeinden bestimmte Beamten- personal wird, teils um die vorhandenen Kräfte zu verstärken, teils um neue Posten einzurichten, durch sieben Wachtmeister und 18 Schutz- lcute der Kriminalpolizei vernichrt werden. Weistensee. Die Geineindc-Vcrtrctuiig beschäftigte sich in ihrer letzten Sitzung wiederum mit der Aufbringung der K o st e n für den Pfarrhausban. Durch früheren Beschluß war ein Beitrag von Zweifünftel der Bausumme von der Mehrheit der Vertretung bewilligt worden. Eine neuerliche Verfügung des Landrats für deii Kreis Mederbaruim vom 23. Oktober 1899 fördert von der Gcniciiide Neu-Weißensce einen Beitrag von 81 Proz. der Bausumme, die übrig- bleibenden 19 Proz. sollen zu gleichen Teilen die Gemeinden Alt-Weißcn see, Hohenschönhausen und Hcinerstorf aufbringen. Die Verfügung stützt sich auf einen Beschluß der Kirchcnbchörde' vom 4. Januar 1893, Nach sehr eingehender Debatte wurde einstimmig beschlossen, dem Verlangen des Landrats keine Folge zu geben und diesen Streitfall, wenn nötig, durch alle Instanzen zur Entscheidung bringen zu lassen.— Die beim LaudcSdircktorium beantragte Ilebcrnahmc der Bcrlin-Pasewalker(Prenzlauer) Chaussee hat die Zustimmung des Direktoriums gefunden mit der Maßgabe, daß für die Vcr- waltung dieser Straße an die Geincindc eine Abfindungssumme von 12 183 M. gezahlt werden solle. Die Vertretung erklärte sich, wie schon früher, im Princip für die Ilcbcriiahmc. Wegen Erhöhung der zu zahlende» Abfindung soll nochmals in Unterhandlungen eingetreten lverden.— Für das Jahr 1900 wurde die Einführung eines neiicu, etwas „verbesserten" Brennkaie uders beschlossen. Die bei dieser Gelegenheit von unseren Genossen beantragte Abschaffung der an Krähwinkel erinnernden Zustände auf diesem Gebiete wurde— abgelehnt.— Vom Schillvorstand war zuni 1, April die An- stellung von 3 neuen Lehrkräften sowie die Beschaffung von zwölf Klassenzimmern beantragt. Die bei dicscrGclegcnhcit zuTage tretenden „Anschauungen" bürgerlicher Vertreter legten beredtes Zeugnis ab von dem„WohlivoIlen" und„Verständnis", lvclchcS diesen BilduiigSanstaltcn vou jener Seite entgegengebracht luird. Der Gemeindcverordnete B ö t t ch e r glaubte den Grund für den Lehrermangel in dem „öfteren Kranksein" der Lehrer suchen zu sollen. Den entrüsteten Zunis eines Vertreters, daß die Lehrer ja doch auch Menschen seien, schien der Herr nicht sonderlich begreifen zu können. Der Gemeinde- verordnete Catenhnsen schob die Schuld an den unzureichenden Klassenzinimern und an der notwendigen Teilung einzelner Klassen auf die nach seiner Ansicht allzu oft vorgenommene Versetzung der Schulkinder,„Die Kinder einer Landgemeinde könnten länger die einzelnen Klassen besuchen," Die voni Schulvorstaud beantragte Anzahl der Lehrkräfte wurde denn auch gegen die Stimmen unserer Genossen abgelehnt, statt dessen sollen nur zivci Lchrcrstcllcn auS- geschrieben werden. Die Beschaffung von Schulräumen wurde der bestehenden Schulkommission überwiesen.— Die Ausführung der vorzunehmenden H a u S a n s ch l ü s s e soll künftig in eigener Regie erfolgen. Eine mit der Preissteigerung der Rohmaterialien begründete Nachfordernng des Gemeinde- verordneten Büttner, Ivclchcr bis jetzt diese Arbeiten für die Gemeine ausgeführt hat, wurde zurückgewiesen.— Als Schiedsmann wurde an Stelle des Herrn Kansmanns Hiller Herr Hoffmann, König-Chaussee 47a, geivählt; als dessen Stellvertreter Herr Re- stauratcur Otto W c g'c u c r, Lothringenstr, 39. Gevikszks Die bekannte Schöucbcrgcr Schüler MiffhandlungSaffairc, über welche wir wiederholt ausführlich berichtet, kommt am 3. und 0, Januar 1900 vor der zweiten Strafkammer des Landgerichts l zu Berlin zur abermaligen Verhandlung, Die Klage selbst, die bei ihrer Verhandlung vor der ersten Strafkammer des Landgerichts ll zu Berlin berechtigtes Aufsehen erregte, lautete gegen die Rcdacteiire Hugo Brüning und Alwin Vormeng auf Beleidigung des Lehrer- kollegiumS der Volksschulen zu Schönebcrg und des Rektors Picpke an der Knabenschule in der Colonncnstraßc. Der Lehrer Richard war als Nebenkläger zugelassen. Kainmergcricht kontra Kammergcricht. Die Polizeiverwaltuug in Burg verlangte von dein Metallarbeiter Ä o s sa ck als dem Vor- sitzenden der Filiale Burg des Deutschen Metallarbeiter« Verbandes die Mitgliederliste des Vereins, von dem sie annahm, daß er auf öffentliche Angelegenheiten einzuwirken bezwecke, Kossack hielt sich dazn nicht verpflichtet und kam dem polizeilichen Verlangen nicht nach. Er erhielt daraus eine Anklage ivcacn Vergehens gegen den$ 2 des VereinSgcsctzeS.DaSSchöffengerich: verurteilte ihn zu cincrGcldjtrafc. K. legte Berufung ein und machte folgendes geltend: Der Filiäkvcrci» in Burg bestehe bereits seit dem Jahre 1893, während er, der Angeklagte, erst 1899 Vorsitzender des Vereins geworden sei.?tach der Rechtsprechung des K a mm erg c ri ch ts seien aber nur die Vorsitzenden von Vcr- «inen im Sinne des tz 2 zur Einreichung der Mitgliederliste vcr- pflichtet, welche den betreffenden Vereinen schon in den erste» drei Tagen nach ihrer Stiftung als Vor- sitzende verstanden. Dem entspreche auch der Wortlaut des§ 2, indem er lediglich von einer solchen Verpflichtung binnen drei Tagen nach Stiftung des Vereins spreche. Die Straf- tainmer verwarf jedoch die Verusimg und führte begründend ans; Das K a in m e r g e r i ch t fei allerdings der vom Angeklagten vertretenen Ansicht, diese Auslegung des'§ 2 erscheine indessen dem Landgericht zu eng, cS könne sich ihr deshalb nicht anschließen. Man müsse hier vielmehr auch die Bestimmung des§ 2 des Vereinsgesetzes beachten, wonach die Vor- sicher von den dort geiianiiteu Vereinen verpflichtet seien, der Ortspolizeibehörde„auch auf Erfordern jede darauf bezügliche Auskunft zu erteilen". Dieses Recht der Polizei auf Aus- kunfterteilung begreife nun nach der Meinung deZ Landgerichts in sich das Recht, jederzeit das Mit- g l i e d e r v e r z e i ch n i s verlangen zu dürfen. K. sei so- mit wegen seiner Verweigerung des Verzeichnisses strafbar.— Für den Angeklagten legte Rechtsanwalt L a n d s b e r g die Revision ein. Er rügte Verletzung der§Z 2 und 3 des Vereinsgesetzes und berie- sich zu Gunsten des Angeklagten ans die bisherige Rechtsprechung des Kammergerichts.— Der Oberstaatsanwalt beim Kammergericht gab zu, daß der Strafsenat bisher anders entschieden habe wie das Landgericht; er trat aber für die Auffassung des Landgerichts ein, die er fiir die richtigere erklärte. Der Straf- s e n a t Iv i e s gemäß dem Antrage d e s O b e r st a a t s- a n w a l t s die Revision zurück. Zur Begründung tvurde ausgeführt, daß das Urteil der Strafkammer zutreffend sei. Der Strafsenat nehme jetzt im Gegensatz zu seiner früheren Praxis an, daß zu dem Verlangen um Auskunft im Sinne des K 2 auch die Aufforderung, das Mitgliedcrverzcichnis cinznreickien, gehöre. Es habe also auf Erfordern der Polizei jeder Vorsitzende eines Vereins, der ans öffentliche Angelegenheiten einzuwirken bezweckt, ein Verzeichnis der Mitglieder einzureichen. Dagegen müsse der zeitlich e r st e Vorsitzende eines derartigen Vereins die Einreichimg des Verzeichnisses binnen d r e i T a g e n n a ch S t i f tu n g des Vereins auch ohne Auf- forderung dazu besorgen._ VeLsittnmlungen. Deutscher Holzarbeiter-Verband. Die E iits e tz er nahmen am 10. d. M. den Bericht der Kommission entgegen, welche mit den Unternehmern in der Tariffragc verhandelt hatte. Da eine Einigung mit den Meistern nicht zn erzielen war. hat die Kommission schließlich die Verhandlungen abgebrochen. Es müsse nunmehr voll und ganz für die ursprünglichen Forderungen der Einsetzer eingetreten werden Die Versammlung erklärte sich mit der Haltimg der Kommission einverstanden und auch der Vertreter des Lokalvcreins der Einsetzer erklärte, daß die Mitglieder des Vereins ebenfalls für die Hoch Haltung des Tarifs eintreten würden. Die Freie Vereinigung der Bauarbeiter beschloß in ihrer Versammlung vom 17. d. M., das Saimnclwescn lvie im Vorjahr zu regeln. Bei etwaigen Streiks oder Aussperrungen sollen 13 M, Unterstützimg. für jedes Kind 1 M. mehr gezahlt werden. Die Streik karten sind bis zum 23. d. M. in den Zahlstellen oder bei Moll, Klosterstr. 101, abzugeben. Der Verband der an HolzbcarbeitnngSmaschincn be- schäftigtcn Arbeiter Berlins und Umgegend tagte am 11. d.M.. in,„Englischen Garte»" Alexaiiderstr. 27a. Vor Eintritt in die Tagesordnung ehrte die Versammlung das Andenken des vcr- storbenen Kollegen Gustav Kühne in üblicher Weise. In die Werkstatt Kontrollkommission winden die Kollegen Recke. Hoffryann. Küntzcl, Neckar mid Hinz gewählt. Einer ganz scharfen Kritik wurden die Fabriken von Meyer, Küstrinerplatz, Kurtzke, Reichcnbergerstraße und Rcbieger., Friedensiraße nnterzogeil. So hätte z. B, Herr Meyer sein gegebenes Versprechen gegenüber seinen Arbeitern nicht gehalten, und versuche der Herr Geschäftsführer die Arbeiter auf alle mögliche Art zu benachteiligen. Der Kassierer Koch gab sodann»och bekaimt, daß»»ehrere Mitglieder mit dem Kleben der 30 Pf.-Markc im Rückstände find, und forderte auf, das Versäumte möglichst schnell iiachznholc». Zum Schluß machte der Vorsitzende bekannt, daß die nächste Mitgliederversammlung eine Gelieralversammlimg sei und am 15. Januar 1900 im Englischen Garten, Alcxanderstraße 27o, stattfindet. Der Fachvercin der Holz- und Brcttcrträgcr hielt am 13. d. M. eine öffentliche Versamiillmig im Märkischen Hof. Adniiral siraße 18o, ab, in welcher Genosse Gehl cincii sehr lehrreichen Vortrag über die Arbeiterorganisation hielt. Derselbe spricht dafür, der Verein möge sich der Geschäftökommission der Vertrauensmänner- Centralisation Deutschlands anschließen. Dies wurde aber von der Versammlung bis zur uächstcu Versammlung vertagt. Hierauf wurden Fahresohu, Feist und Grünack als Revisoren der Lohn- kommissioil gewählt. Ms Vertreter im Gcwerkschafrskartcll wurde I. Kunze gewählt. Die Banauschlägcr RixdorfS hielten am 12. d, M. ihre Versammlung ab, Ter Einsetzer K u r k o w s,k i trat für die Lohn- bclvegung ei»»iid erklärte, daß im Falle eines Streiks die Bau anschlägcr von den Einsetzern unterstützt iverden lvürdcii. Znni Schluß erstattete der Vorsitzende Bericht über die Verbaudlimge», die er mit dem Obermeister des Schlosscr-Juiluiig gepflogen hatte, Die Konsumgenossenschaft zu Friedrichshagcn hielt am 14. Dezember ihre Geucralversammlung ab. ZlnS dem Geschäftsbericht, den der Geschäftsführer K. Paatz gab. ging hervor, daß die Mit- glicdcrznhl des Vereins im ersten Geschäftsjahr 156 betrug. Ter ilmsntz an Waren betrug 16 396 M., die Gehälter und Unkosten lvaren 2 223,84 M.. dem Rcservesondö wurden 72.28 M. des Ncingelvinns zugeführt und gelangen 3 Proz. Dividende zur Vcr- tcilnng._ Vvvmtfitzkes. Zwei schreckliche Grubeminfälle werden gemeldet, denen drei Arbeiter zum Opfer gefallen sind, während fünf Verletzte traurigen Weihnachrcn entgegensehen, lieber den ersten Fall meldet man ans K a t t o w i tze Ein Grubeimnglück ereignete fich ans dem Richter- chacht bei Laurahütte. Als vier Arbeiter unter Tage mit dem Abdämmen ciiicS Schachtes durch Vermauern beschäftigt waren, explodierten plötzlich Gase, iind daö Mauerwerk wurde zerrissen. Zwei Arbeiter wurden sofort ge- tötet. Die beiden anderen Ivurdcn ebenfalls betäubt, komitcn jedoch gerettet werden. Weiter wird ans Langendreer, 18. Dezember, berichtete Ein jchivercS llnglück hat sich gestern in der Frühschicht auf Zeche ,. S i e b e n p l a n c t e n" zugetragen, in- dem v i e r B c r g l e n t e in den B r c m s s ch a ch r stürzte». rci der Unglücklichen blieben in einer Höhe von 13 Meter hängen, während der vierte, ein verheirateter Mann, den etwa 60 Meter tiefen Schacht himmterstürzte und schrecklich verstümmelt zu Tage gefördert wurde. Erst nach eiuigen Stunden wurde der Aermste von seinen Qualen durch den T o d erlöst. Die übrigen haben eben- falls schwere Verletzungen erhalteik, dürften jedoch mit dem Leben davon kommen. In Eberbach tvurde die Familie des Maurers Sack, Vater, Mutter und zwei Kinder, tot im Bette aufgefunden; das älteste Kind, ein achtjähriger Knabe, hatte noch schivache Lebenszeichen von sich gegeben. Das Unglück wurde durch Eindringen von L c u ch t- gas in die Wohnung iiifolge Rohrbruchs herbeigeführt. Erfroren. Aus P r i m k e n a u wird berichtet: Ein Opfer der Kälte ist der obdachlose Brauergehilfe R i e g e r geworden. Er wurde von Hüttenarbeitern ans den, Wege nach der Friedrich- Christi an-Hütte in erstarrtem, bewußtlosem Znstande aufgefunden. Obgleich seine Ucbcrsühruvg in das Stockhaiis bald erfolgte, starb der Vlann schon nach wenigen Stunden, ohne das Bewußtsein wieder- erlangt zu haben. In Lötvenberg hat sich ei» weiblicher Rechtsanwalt uicdcrgclasieu. Es' ist dies Fräulein Dr. zur. Johanna Dittrich. Aus einer Empsehluugsauzeige im„Bürger- und Hausfreund" geht hervor, daß das Fräulein Doktor sogar einen weiblichen Bureau- Vorsteher hat. Berliner Schauspieler in Odessa. In Odessa gastiert augenblicklich ein deutsches Theaterensemble vom Berliner Nesidcuz- Theatcr(?) unter der Leitung des Schauspielers Waldemar, lvclches so schlechte Geschäfte macht, daß in der deutscheu„Odefsacr Zeitimg" ein geharnischter Appell an die.,dortige deutsche Kolonie erschien, welcher niit folgeudeii Sätzen schloß:„Es wäre bedauerlich und wenig schmeichelhaft, wenn das deutsche Mutterland erführe, daß die Deutschen Odessas, welche doch sonst bei jeder Gelegenheit ihren Patriotismus zur Schau führen, ihn ja auch so oft durch Worte be- kräftigen, eine deutsche Thcatergesellschaft. die über den Orient»ach Odessa kam, gänzlich im Stich ließ. Nein, das darf nicht geschehen, geschieht cS aber, dann, deutsche Kolonie, verhülle dein Haupt!"— Marktpreise von Berlin am 18. Dezember 189S nach Ermittlungen des kgl. Polizeipräfidimus. HWeizen D.-Ctr. »Moggeii„ Futter-Gerflö, Hafer gut. niittcl „ gering, Richtstroh» Heu sOErbscii„ k)Spei,'ebohne»„ f)Cmfeu„ Kartossel», neue Rindfleisch, Keule lüg do. Bauch„ ) Ermittelt pro 14,90 14,70 14, 15,20 14,30 13,50 4,50 7,30 !?■- 4o,— 70.- 7- 1,60 1,20 Tonne Schweinefleisch Kalbfleisch Hammelfleisch Butter Eier Karpfen Aal- Zander Hechte Barsche Schleie Bleie Krebfe U'S 60 Stillt 1kg per Schock 1,60 1,80 1,60 2,80 6,- 2,20 2,80 2,50 2, 1,60 2,80 1,20 12,- 1,10 1,- 1,- 2,— 3;- I 20 1,40 1,20 1,- 0,80 1,40 0,80 3,- 14,— 13,80 13,- 14,40 13,60 12,80 4,32 4,80 25,- 25,- 30,- 5- 1,20 1,- von der Cenlralflclle der Prenb. Landwirt- fchaftSkaniineni- NoticrnngssieNe- und miigerechnct vom Pvlijeipräsidinm für den Toppel-Ccnttier, ff) Kleinhandelspreise, Produlten markt vom 19. Dezember. Am heutigen Markte per- kehtte Getreide in bester Haltung. In New York hat das Fallissement zweier bedeutender Firmen eine Panik auf dem Foudsmarlte peranlaht, ivclche, wie es meist an den transatlantische» Börsen der Fall ist. ein An- zicbeu der Getreidepreise zur Folge hatte. Hier folgte»lau dieser Bewegung, und lo gestaltete sich bei uns der Gegensatz zwischen Getreidep erkehr und FondSmarkt ebenso wie in Auierika. Weizen war 1 M,, Roggen 0,50 M. höher gehalten. Die bevorstehenden Feiertage lasten die Spcknlation fast ganz aushören, während andererseits der beginnende Winter die Kons, im- Versorgung eiuigermahen anregt. Haser lag lustlos, eher schwach, Rnböi ruhig, aber fest. � Am Spiritusmarkt wurde 70er loco mit 47,50 M.(- 0,10) ge# handelt._ «Kttlerunze-übersich« vom 19. Dezember 1899. morgens«»hr. Stationen 762 SSW 765 NNO —6 Swinemde, Hamburg Berlin Wiesbade»! München Wie» s Wellcr-Prognose für Mittwoch, de» 2V. Dezember 1899. Ein wenig kälter, zeitweise ausllarend, vorwiegend ttübe mit leichten Schnccsällen und ziemlich frischen östlichen Winden. Berliner W e t t e r b» r e a ii. D" 782® öS -2 Soelaltleinokraliselicr Walilvcrein f. den 6. Berliner Rciclistags- Walil kreis. Den Genossen zur Nachricht, daß unicr Mitglied, der Tischler Karl Häusler am 18. d. M. gestorben ist. Die Beerdigung findet am DonncrS- tag, nachm. 3 Uhr, von der Soldiner- ftratze 38 aus nach dem Begräbnis- platz der Freireligiösen Gemeinde, Pappel-Aflee, statt. 248/l3 Zahlreiche Beteiligung erwünscht. Ter Vorstand. Kollegen,- Bekannten teile mit, da» meine Frau Ulk,« U-oele-rsei» Sonntag srüh au, Hcrzlchlag gestorben ist. Die Beerdigung findet statt von der Leichenhalle Rndowerstrafie, Britz, am Miltwochnachinittag 3 Uhr. M. Pedergen� Llägerstr. 6, Rixdorf. ödfll&eiHßfc.iiiltaiiiifu' tlt.-Bcesk.-Wrlgtttilwg De» Mitgliedern hiermit die traurige Nachricht, dag daS Mitglied, der Tischler Ludwig Linde nach langem, schwerem Leide» ani Sonntag gestorben ist. Die Beerdigung findet heute Mitt- woch von der Leichcichalle des neue» Luifcnkirchhofs aus statt. 250/13 Der Vorstand. Charlottenbnrg. Statt besonderer Meldung. Hiennit die tranrige Nachricht, dah ansSonntag mein lieber Man», unser guter Vater, Sohn, Bruder und Schwager, der Tischler Ludwig Liude nach langem Leiden verstorben ist, I Die Beerdigung findet am Mitttvoch- achinittag 4 Uhr von der Leichenhalle des»euen Luisenlirchhoss am Fürstcubrnnncnvcg aus statt. 143Zb Dia trauernde Witwe nebst Kindern. zum Tanz geeignet, Sonntag und Feiertage frei. Neue Hochsir. 49. Künstliche Zähne, 3 M. an, vorzüglich, setzt schmerzt, ein. Plombieren, lchmerzl. Zahnziehen, Zahnschm. bes. Rcp. sof. Goldftein, Oranienstr. 123. Lm-KttiiMdsie IMitL Am 16. d. M. verstarb das Mitglied L.ouis Lehmann lbeschästigt bei Kemmerich u. Ko.) im Atter von 52 Jahren am Herzschlag. Die Beerdigung findet am Mittuwch, den 20, M., nachm. B/, Uhr, von der Waldeuiarstr. 66 ans nach dem St. MichaeliS-Kirdihof, Hermannsiratze in Riad ott, statt. 1430b I. Vi.; R. Olttberncr. Danksagmig. Bei dem Heimgänge und der Be- crdigung meiner lieben, unvergetzlichen Gattin Rvne»tlne Spact find mir von allen Seiten so viele innige Beweise von Teilnahme und Ehrungen zu teil geworden, daß ich mir auf dieiem Wege im stände bin, meinen Dank auszusprechen, ins- besondere dem Eeiaugvcrein„Myrten- blättcr",„Verein Bnlderlichleit", den Tapezieren! der Firma Forck u. Kreisch- iiier, den Schlaffem den Firma Scherbel, den Büchdrucker» der Firma Hutz, der Familie Wagner nebst Bekannten, sowie der verehrten Nachbarschaji, alle» meinen ticfgesühltcii Dank. Im Nauieil der Hiiitcrbliedc.wii: Der troucttid« Gatte linvl selbjtspiclend, neuestes».reichhaltiges Programni, sllrFaiuilicn sehr amüsant, werden bei mir geringer Deilznhluug vergeben. Für Fcstlichkeiicn leihweise. J. KoP'/.bcrir. Landsbergerstr. 13. Wurst-Offerte! Empfehle vorzügliche hiesige la Schlockwurstu. Salami Psd. 90 Pf la Mettwurst. Polnische„ 55„ Braunschw. Mettwurst„ 70 ,, Zwiebel- uDhüring.Rotw., 50„ bei S Pfd. Äbnnhinc 3 Pf. billiger l Fr. KUIlner. Köpnlckeratr. 21. Kualiciianziige u. Paletots. Mäbchenkleidern.-Mäntel prciSw. 2916L«) 0. Hoffmann, Vcterancustr. 1 Verantwottlicher Rcdacteur: Poul John in Berlin. Für den Inseratenteil veraulwottlich: Dd. Glocke iu Berlin. Dnick und Verlag von Max Bading in Berlin.