Ur. 300 Aboimtineitts-Kedingungen: KbonntmentS-Pr«t» Pränumerando: vierteliährl. 330 Sit., monall. l.lOSlt., wöchentlich 28 PIg. frei inj Hauz. Einzelne Nummer b$fg. Sonntags- Nummer mit Mukricrler Sonntags- Beilage„Die Neue Well* 10 Pfg Sott- Sldonnement: 3,30 Start pro Quanal. Singetragen in der Post-Zeitung», Preisliste für ivvv unier vr. Unter Kreuzdand für Teutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Start, für dal übrig» Ausland 3 Start pro Monat. Erscheint täglich«utzer Zvontsg». Devliner VolksblÄkk. 16» Jahrg. Die Infertions- Gebühr beiräzt für die sechSgespaltene Kolonel- zeit« oder deren Raum«0 Psg,, für poliiilche und gewerlschaftliche Vereins- und Versammlung»-Anzeigen 20 Psg. „Steine Anzeig-»" jede» Wart 5 Psg. (nur da» erste Wort feil). Inserate für die nächste Nummer müssen di» t Uhr nachmittag« in derSrredition abgegeben werden. Tie«rpcdilion ist an Wochen- lagen dl» 7 Uhr abend», an Sonn- und gesttagen bi» 8 Uhr vormittag» geöfsnet. Fernsprecher,»mt I, Er. X508. Telegramm-Adresse: ' ,.Svri»ld»mokrat verlin" Centralorgan der socioldemokratischen Partei Deutschlands. Nedaktivn: SW. 19, Venth Straste 2. Sonnabend, den ÄÄ. Dezember Expedition: SW. 19, Veutlz-Steasze 3. Genossen und Genossinnen! Wenn jemals eine Zeit war, wo die Genossinnen und Genossen ein Blatt gebrauchten, das Tag für Tag die Geschehnisse nah und fern ihnen vorführt, sie unterrichtet über das, was öffentlich und geheim von den Machthabern gegen das arbeitende Volk geplant wird, so ist es die gegenwärtige Zeit, die man mit Recht eine raschlebige Zeit genannt hat, weil sich in ihr immer ntehr und immer folgenschwerere Ereignisse Zusantmendrängen. Vor einem Jahrhundert war die Welt freilich auch in gewaltiger Bewegung— Staaten wurden ge formt und zertrümmert, als ob sie knetbarer, zerbrechlicher Thon wären und die Äriegsfurie raste durch die Länder. Allein mit Ausnahme des französischen Volkes, das nach vollendeter Revolution des„dritten Standes" vor den Siegeswagcn Napoleons gespannt worden war, verharrten die Völker des europäischen Festlandes noch in stumpfer Gleichgültigkeit. Sie dachten nicht daran, Herren ihres eigenen Schicksals zu sein, und wurden von den fürstlichen Landesherren wie Schafheerden zur Schlachtbank getrieben. Das ist heute anders. Auch heute rast noch die Kriegs furie; auch heute gelten die Völker den Großen der Erde als Kanonenfutter, und das Kanonenfutter ist sogar weit massiger beute vorhanden als damals. Waren die„großen Armeen" Napoleons doch Zwerghcere verglichen mit unseren Riesen arnieen, die in den Staaten unseres europäischen Festlandes zusammen Dutzende von Millionen stark sind. Ein wesentlicher Unterschied ist aber zwischen heute und damals: heute sind die Völker in Bewegung, der Geist der Gleichheit und Freiheit ist in ihnen erwacht, aus dem Klassenkampf, dessen Brandfackel der Kapitalismus, dieser „neue Herr", durch seine unersättliche Hab- und Herrschsucht in die Welt geschleudert hat, ist der Socialismus ins Leben gerufen worden, und er hat die Völker zum Bewußt sein gebracht. Heute sind es nicht mehr die Fürsten, die nach „Vergnügen" und Willkür die Geschicke der Menschheit lenken. beute spielen die Völker mit auf dem Schachbrett der Geschichte. In Wirklichkeit sind alle Kämpfe der Gegenwart Kämpfe zwischen Kapitalismus und Socialismus. Und in keinem Lande ist das so sichtbar wie in Deutschland, wo die kapitalistische Wirtschaft, infolge unserer ökonomischen und politischen Rückständigkeit sich schneller entwickelt, und durch das Eintreten des rohen Junkertums in den Dienst des „neuen Herrn", einen gewaltsameren, brutaleren Charakter angenommen hat, als in irgend einem anderen Lande der Erde. Die ganze Entwicklung, wie sie sich vor unseren Augen vollzieht, dreht sich um diesen Kampf zwischen Socialismus und Kapitalismus, dessen Pretorianergarde in unserem Vater> lande das Junkertum geworden ist. Die Liebesgaben und der Brot- und Fleischwucher— der Militarismus und das Socialistengesetz, Unisturzgesetz, Zuchthausgcsetz— die Flotten Vorlage und die Kolonial- und Weltpolitik— all' diese, dem oberflächlichen Betrachter nicht mit einander zusammenhängenden Erscheinungen sind organische Folgen desselben Systems, sind auf eine gemeinsante Wurzel zurückzuführen— ebenso wie der Boerenkrieg und die anderen Raubkriege der Gegenwart Und diese eine gemeinsame Wurzel ist der Kapitalismus, den zu bekämpfen und zu überwinden die weltgeschichtliche Mission des Socialismus ist. Das ist ein Kanipf, wie die Welt noch keinen gesehen hat, und jede Frau und jeder Mann, die von dem Gefühl der Menschenwürde durchdrungen sind, hat die Pflicht, in diesein Kampf mitzukämpfen. Genossinnen und Genossen! Euer bester Führer im Kampf. Euere beste Waffe im Kampf, Euer bester Agi- t a t o r im Kanipf ist Euer Organ. der„Vorwärts", der dank Euerer Unterstützung vielleicht die einflußreichste Zeitung Deutschlands geworden ist; und der mit Euerer Unterstützung noch einflußreicher, eine noch wuchtigere Waffe im Befreiungskampf werden muß. Sorgt für die weiteste Verbreitung des „Vorwärts". Neue Abonnenten sind neue Mitstreiter in dem heiligen Krieg der Arbeit und Kultur gegen Aus- beutertum und Barbarei. Jede und jeder von Euch hat eine Freundin, hat einen Freund, der noch nicht voll- kommen für unsere Sache gewonnen ist. Gewinnt sie für unsere Sache l Gewinnt sie für den„Vorwärts"! Aus dem Theater der internationalen und nationalen Politik bereiten sich Ereignisse von außerordentlicher Trag- weite vor— Ereignisse, welche die Staaten und das Ver- hältnis der Staaten zu einander von Grund aus verändern und die Stellung der Völker zu den Regierungen auf eine neue Grundlage stellen werden. Für unser Teutschland insbesondere ist die jetzige Reichstagssession die bedeutsamste, die wir je gehabt haben. Es gilt, der Flottcnvorlagc das Schicksal ihrer Zwillings- schwester, des Zuchthausgesetzes, zu bereiten.— es gilt die Quelle zu verstopfen, aus der die geniein- schädlichen Gesetze hervorkommen.— yitd es gilt, keinen Zweifel darüber zu lassen, daß der Wille des Volks ober st es Gesetz ist. Ter„Vorwärts" wird in diesen Kämpfen Führer sein und Vorkämpfer. Genossinnen und Genossen! „Vorwärts! Werbt für Euer Organ. Das ist Eure Schuldigkeit! Schart Euch um den„Vorwärts Mit dem 1. Januar eröffnen wir ein neues Abonnement auf den mit seinem wöchentlich fünfmal erscheinenden Nntcrhaltungsblatt und der Sonntags-Beilage „Die Meuv ZVelt". Im Unterhaltungöblatt beginnen lvir am 1. Januar mit dem Abdruck des neuen, in der Eiset spielenden Romans von Klara Birbig: Das UDeibeedoef. Für Berlin nehmen sämtliche Z e i tu n g s s p e d i t e u r e sowie uuscre Expedition, Bcnthstr. 3, Bestellungen entgegen zum monatlichen Preise von t Mark IV Pfennig frei ins Hans. Für anstcrhalb nehmen sämtliche Po st an st alten Be- stellungen zum Preise von » Mark»V Pfennig für die Monate Januar, Februar, März entgegen.(Eingetragen ist der„Vorwärts" in der Post-Zeitungsliste unter Nr. 7971) Die Nedoktion des„Vorwärts". Offiziöse Flottenverteidigung. ii. Man thut dem Geschwätz von der Vernichtung des deutschen Außenhandels zu viel Ehre an. wenn man es allzu ernst nimnit! in der Hauptsache ist es doch nur eine geschickte Spekulation auf die Gemütsstimmung großer politischer Kinder. Handelt es sich thatsächlich darum. wie vorgegeben wird, unserer Industrie und unserem Außenhandel neue Absatzgebiete zu eröffnen und sie vor störenden Eingriffen zu schützeu— das Ziel ließe sich auf anderem Wege viel leichter erreichen: durch Hebung des inneren Konsunis und eine veränderte Handelspolitik. Es ist in letzter Zeit immer wieder auf die stetige Ausdehnung des englischen Aus- fuhrhandcls in den letzten Jahrzehnten hingewiesen. Dabei unterlaufen die seltsanisten Behauptungen. Thatsächlich ist Großbritanniens und Irlands Ausfuhr in den Jahren 1870 bis 189l) nur relativ wenig gestiegen und seitdem macht sich 'ogar(wenn man von der gegenwärtigen Prospcritätsperiode absieht) ein Rückgang bemerkbar, wie folgende kurze Tabelle des Totalerports von Erzeugnissen des Ver einigten Königreichs zeigt: Deklarierter wirklicher Wert der Ausfuhr nach dem Ausland n a ch b r i t. Besitzung. 1870.;; 147 772 599 Pfd. Stcrl. 51 814 223 Pfd. Stcrl. 1880... 147 809 267„„ 75 254179„ 1890... 176 160 202„„ 87 370 383„ 1897... 153 544 645„„ 80 675 063„ Taraus crgiebt sich, daß die Produktionssteigerung, die gerade fürs letzte Jahrzehnt sich uachiveisen läßt, durch den inneren Markt konsunnert worden sein muß, und thatsächlich zeigen verschiedene Berechnungen des einheimischen englischen Verbrauchs dies aufs deutlichste. Zum Vergleich des englischen Konsums mit dem deutschen hier einige kurze statissische Angaben. Es wurde im Jahresdurchschnitt des Zeitraumes von 1891 bis 1892 pro Kopf der Bevölkerung konsumiert: Ju Großbritannien und Irland 176,8 Kilogr. 5.6. 18.0. 5.3„ 85,7. 131,8 Liter 121,7 Kilogr. I n Deutschland 100.3 Kilogr. 3.3.. 6,0, 1.6„ 10.7„ 109,7 Liter ? Etwa 60 Kilogr.*) welcher Ausdehnung noch ist. Allerdings muß zu An Eisen An Wolle An Baumwolle An Jute An Zucker An Bier An Fleisch Die kurze Aufstellung beweist, der deutsche innere Markt fähig gegeben werden, daß neben verschiedenen andern Ursachen auch Englands steigender Außenhandel in den Jahren 1860 bis 90 an der Zunahme des Konsums der großen Masse einen Anteil gehabt hat, insofern als die periodisch durch ihn hervorgerufene angespannte industrielle Thätigkeit den Arbeitern ermöglichte, während dieser Zeit der guten Kon- junktur sich höhere Löhne und damit eine höhere Lebens- Haltung zu erkämpfen. Aber man sollte dann auch nicht ver- gessen hinzuzufügen, daß den englischen Arbeitern die Vor- bedingungen zur Erkämpfung solcher Lebenshaltung durch Arbeiterschutz- Gesetze, freies Koalitions-, Vereins- und Ver- 'ammluugsrecht gegeben waren, während im neudeutschen Reich preußischer Nation jedes Aufftrcben der Arbeiter unter zolizeilicheu Chikanen steht, die Regierung zu Gunsten der *) Der Fleischkonsum läßt sich nur für einzelne deutsche Staaten und Großstädte nachweiscii. In Sachsen bclicf er sich im jährlichen Durchschnitt von 1891— 95 auf 74.4 Kilogramm pro Kops, für Berlin(nach Bökhs statistischem Jahrbuch) auf 72,97 Kilogramm. ür Stuttgart auf 61.5 Kilogramm, in Breslau(1890—95) auf 44 Kilogramm. Im Durchschnitt für das ganze Deutsche Reich wird er kaum 60 Kilogramm pro Kopf übersteigen. den Herrschaftsgelüste profitgieriger Großindustriellen duftende Gesetzesnovellen ä. Is Zuchthausvorlage einbringt, und der Reichstag mit Hohn den von der socialdemokratischen Fraktion eingebrachten Gesetzentwurf zum Schutz des Koalitionsrechts zurückweist. Ein weiteres Mittel, unseren Absatz zu heben, wäre eine andere Handelsvertragspolitik Deutschland hat wesentlich geringere Transportkosten nach Rußland, Oestreich- Ungarn, Dänemark, Schweden usw. als England. Dennoch betrug unser Export im vorigen Jahr nach Oesterreich-Ungarn nur 454 Millionen Mark, nach Rußland 441 Millionen Mark, nach Dänemark 120 Millionen Mark, während gleichzeitig England nach diesen Ländern eine große Menge Industrie- waren absetzte, die wir ebenso gut und vielleicht besser hätten liefern können. Aber es kann nun einmal ein Land nicht zugleich moderner Industriestaat und halbfeudaler Agrarstaat sein. Selbstverständlich ist, daß jedes Land, das von einem anderen die ihm fehlenden Erzeugnisse aufnimmt, dafür an dieses feinen eigenen Produktenüberschuß abzusetzen sucht, und dieser Ueberschuß besteht bei einem Land, das Industriewaren braucht, also selbst vorwiegend Landwirtschaft treibt, natürlich in landwirtschaftlichen Produkten. Hier aber setzt das Interesse unseres ostelbischen Junkertums ein, das sich mit allen Mitteln der fremden Konkurrenz zu erwehren und durch Zölle, Eisenbahn-Tarife, Grenzübergangs-Bestint- mungen usw. die Einfuhr zu hindern sucht, um sich für seine Er- zeugnisse möglichst hohe Preise zu sichern. Und so muß die deutsche Exportindustric in Afrikas und Melanesiens Fieberkolonien einen halb zwangsweisen Absatz suchen, den sie bequemer in der Nähe haben könnte, damit nur neben dem industriellen Westen des Deutschen Reiches der feudale Osten in seiner Rückständig- keit und junkerlichen Herrlichkeit erhalten bleibt. Wäre thatsächlich die Ausdehnung unserer Industrie das eigentliche Ziel der Flottenvorlage, es bliebe unerklärlich, daß das Junkertum für die Vorlage eintritt, nachdem es sich erst vor einiger Zeit der Absicht des Oberpräsidenten v. Goßler widersetzt hat, die Industrie nach dem idyllischen preußischen Osten zu verpflanzen, und nachdem erst kürzlich wieder in der Reichstags- Sitzung am 12. d. Mts. Graf Limburg- Stimm sich gegen„das Motto von der Entwicklung zum Jndustiestaat" wandte. Doch die angebliche Hebung der Industrie und der Schutz der Küsten sind höchsten- falls Nebenmotive zur äußeren Verschönerung, außer ihnen hat jede der flottenbegeisterten Kliquen noch so etliche Haupt- niotive, die sie zu ihrem rührenden Bewilligungseifer treiben. Für die Eiscnindustriellen, die an Schiffswerften beteiligten Aktionäre, die auf Plantagen-Konzessionen und Faktorei-An- lagen oder Dampfersubventionen spekulierenden Großkaufleute und Reeder bestehen diese Motive in der Verschaffung recht hoher Profite, für die Konservativen und ihr Anhängsel, die höhere Bureaukratie in der Stärkung des Militarismus. Ausdehnung der unter ihrem Einfluß stehenden Staats- Verwaltung, Beförderung und Gehaltserhöhung, Wieder- crlangung der an höchster Stelle verscherzten Gunst und schließlich— nicht zuletzt, denn in Bezug auf das Erwerben sind die Junker am allerwenigsten Idealisten— die Er- langung von allerlei„Kompensationen" auf dem Ge- biete der Handels- und Schutzzollpolitik. Und die ostclbische Blüte der Nation wird sich kaum in solchen Erwartungen ge- täuscht sehen, hat doch die Regierung durch ihren Posadowsky bereits der Landwirtschaft ihr„reiches Wohlwollen" bei der Aendemng des Zolltarifs zusichern lassen. Eine Glosse zur preußischen Weltpolitik, wie sie sich treffender nicht denken läßt: Die Erbauung einer Flotte, die angeblich der Industrie und dem Handel Schutz bieten und neue Absatzgebiete erschließen soll, wird durch Zoll maßnahmen eingeleitet, die notwendig beiden einen Teil ihrer bisherigen Absatz- gebiete entziehen müssen. Aber dieser Dualismus zwischen Industrie- und halb- mittelalterlichem Junkerstaat beherrscht nun einmal unser ganzes politisches Leben, so muß er auch in der neuesten Welt- und Kolonialpolitik zum Ausdruck kommen. Es ist ja recht brav, wenn professorale Flottenagitatoren heilig versichern, das Deutsche Reich wolle keine Raub- und Kolonialpolitik alten Stils,— leider nur handelt es sich in dieser Hinsicht nicht um das Wollen, sondern um das Können. Ein trotz aller industriellen Entwicklung doch letzten Eudes von halbfeudalen Traditionen beherrschter Militär- und Beamtenstaat kann eben keine liberale Wirtschaftspolitik in seinen Kolonien treiben, gerade wie auch Spanien infolge seiner feudalen Heimatsinstitutipnen in seinen Kolonien nicht anders zu wirtschaften vermochte, wie es gethan. Die bisherigen Erfahrungen mit unseren Kolonien haben es bewiesen, und weitere werden es bethätigen, mit der Besitz- ergreifung hält auch die militärisch-bureaukratische Verwaltung ihren Einzug, nur noch um einige Grad aggressiver und „patriarchalischer", wie in den ostpreußischen Landidyllen daheim. Das mögen die nationalsocialen und socialliberalen Ideologen bedenken, die in ihrer Naivetät von einem deutschen Weltreich nach verbessertem englischen Muster träumen. Zu einer englischen Kolonialpolitik gehören auch englisch-bürger- liche Institutionen. Wer die Flottenvermehrung will, der muß auch die zukünftigen Erfolge unserer Welt- und Kolonial- Politik mit ihren unvermeidlichen Rückschlägen auf unsere inneren Verhältnisse mit in Kauf nehmen. Das eine bedingt das andere. Palilififii? Mebvvfi�zk. Berlin, den 22. Dezember. Unheimliche Flottenfrcnnde. Der Flottenwcihn bringt alle alten Parteivcrhältnisse durchein- ander. Parteien, die sonst eifrigste Förderer der Militärmacht waren. stürzen sich nun bereitlvillig und aus Gründen der Parteitaktik in die Flottcnbegcisteruug. Andere Parteien. die früher dem Kartell der Militörbewilliger ferner standen und zwischen ja und nein bei Verstärkungen des Kriegsapparats unschlüssig schivanktcn, sie tanzen jetzt boran im Korybantenreigen der weltpolitischen Trunkenheit. Dieser Art sind insbesondere die einstigen Freunde Eugen Richters, von dem sie aber jetzt ein ganzes Weltmeer trennt, die Vertreter des Grobhandels in der Freisinnigen Vereinigung, Herr Rickert und Herr Barth. Das„Berliner Tageblatt" und die„Nation" haben endlich Gelegenheit gesunde», einmal ohne wenn und aber, ja mit stürmischer Inbrunst sich der Regierung zur Verfügung zu stellen. Sie haben im Wasser- Patriotismus hervorragende Fortschritte gemacht, daß selbst Pfarrer Naumanns Segen ihnen nicht fehlt und daß die Flottenprofcssorcn ihnen die Hand drücken. Diese neuen Flottenfreunde sind aber ganz und gar nicht nach dem Geschmack der erbeingescsseilen Vorkämpfer der'„Vaterlands- Verteidigung". Die„Post" bekundet arges Grauen vor diesem FlottenhilfscorpS: sie spricht. von„Ein schlepp» ng frei- händlerischer und socialistischer Kontrcbande": „Wahrnehmungen verschiedener Art deuten darauf hin, daß die drei Gruppen der freisinnigen Vereinigung, der socialisierenden Professoren und der National-Socialen Nanmannscher Richtung die gegenwärtige Fl o tt en ka mp a gn e zu benutzen trachten, um sich Iveitcr in den Vordergrund des politischen Lebens zu schieben, als ihrer geringen thatsächlichcn Bedeutung zukommt. Alle drei Gruppen stehen, seit Dr. Barth in der„Nation" Naumann und seinen National-Socialen die Verbrüderung angeboten hat, in engem Znfauunenhang. Sollten die hier angedeuteten Bestrebungen Erfolg haben, so würde davon aber nur die freisinnige Vereinigung Vorteil haben, weil die anderen beiden Grnppcil politische Nonvaleurs(Nichtwerte) im schlimmsten Sinne des Worte sind. Die freisinnige Vereinigung hat vor der freisinnigen Volkspartei allein Läs größere Verständnis für die nationale Bedeutung eures starken Heeres und einer starken Flotte voraus, im übrigen aber ist sie in wirtschaftlicher Hinsicht womöglich noch Manchester- licher, als jene, und insbesondere von geradezu fanatisch freihändleri scher Gesinnung. Auf socialem Gebiet aber hat sie, nach den Aeußerungen Dr. Barths zu schließen, den Sprung von dem äußersten Manchestcrtum zu der socialisierenden Richtung Naumanns bereits hinter sich. ijDie freisinnige Vereinigung steht daher in dem denkbar schroffsten Gegen- - s atz gegen alles, was anf dem Standpunkt der Politik gleichmäßigen Schutzes der nationalen Arbeit steht, und ebenso im vollsten Gegensatz zu allen Bestrebungen, welche auf eine wirksame Bekämpfung social- revolu- tiouärer Tendenzen abzielen. Für die Anhänger der Politik des Schutzes der nationalen Arbeit, wie für die An- Hänger einer energischen Abwehrpolitik gegen die revolutionäre Socialdeniokratie gilt es daher jetzt, die Augen aufzumachen und dafür zu sorgen, daß nicht unter der Flagge der Flottcnbewegung frcihändlerische und socialistische Kontrebande eingeschmuggelt Wird." Die Flottenciferer erzählen uns, Deutschlands Zukunft liege auf dem Wasser rmd unser Vaterland müßte elendiglich zu Grunde gehen, wenn nicht ein neues Doppelgeschwader von Linienschiffen und neue zahlreiche Panzerkreuzer gebaut würden. Wenn dem so wäre, so sollte man glanben, jeder neue BuudcSgeuosse, ganz besonders aber reuevolle Sünder, wie die um Rickert und Barth, müßten lauteste Freude in den Hallen des FlottcnkultS erwecken. Aber die„Post" ist voll Trauer über die Verringerung der Flottengcgner. Ihr fleißigster Mitarbeiter, Herr v. Zedlitz, verließ den Flottenverein, weil dieser auch einige Nicht- Hochschntzzöllner und gar einige socialpolitisch erkrankte Professoren aufnahm. Jetzt sagt sich dies Organ dcS Freiherrn v. Stumm von denen los, welche das Evangelium der Hamburger Kaiserrede mit dem nicisien Erfolg gehört haben. Lieber läßt die„Post" die Floitenpläne zu nichts werde», lieber läßt sie dc�s deutsche Volk infolge mangelnden Flottenschutzes verhungern und aushungern, als daß sie den Ruhm der Baterlandsrcttung mit Leuten teilen mag, welche nicht jedem Zollwucher und nicht jedem Unterdrückungsgesetz zujauchzen. Es muß um die Flottenvcrmehrung wohl nicht gar dringlich stehen, wenn man die neuen Flottcnfreunde so barsch von der Thür jagt.—_ Der geschickte Taktiker. Die„Kreuz-Zeiwng" beginnt mit einer Artikelreihe zur inneren Lage, in der die durch die Kanalvorlage und die Marinepläne veranlaßte politische Situation dargestellt Ivird. Eine Stelle aus dein ersten Artikel ist interessant. Nachdem sie erklärt, es sei durch die Beaintenmastregelung der offene Bruch des Ministeriums mit den Konservativen hervorgerufen tvordeu und man habe damit in unglaublicher Kurzsichtigkeit den heißen Wunsch des GesamtlideralismnS er- füllt, heißt es: „Nur an einem Punkte konnte man, bald auch immer klarer hervortretend, die Hand des einzig aeschicktcu Taktikers im Ministerium deutlich erkennen. Der Gedanke war wirklich deS Vaters würdig: wenn mit dem Mittclland-Kanal gleichzeitig allen Provinzen das gewährt wird, was sie an Ver- tehrswegen und Schutz ihrer Gefilde gegen das Wasser seit langen Jahren vergeblich erbeten haben, dann werden ihre Vertreter schwerlich diese Wünsche zugleich mit dem Kanal vereiteln. Und thnn sie es, nun dann konnten die in ihren wirtschaftlichen Er- Ivartungen getäuschten Wähler dem Abgeordnetenhause nach der Auflösung ein ganz verändertes Aussehen geben. Fast scheint eS, als ob hier und da diese Taktik bereits zu wirken beginne." Der einzige geschickte Taktiker ist natürlich Herr v. Miguel und seine Taktik besteht darin, durch eine Erweiterung des Kanalprojekts für alle Provinzen sich die Stimmen zu- sammenzukaufen. Die brave„Kreuz-Ztg." spielt hier mit Miguel unter einer Decke. Sie stellt sich, als ob sie ernstlich daran glaube. Miguel habe die w i r kjl i ch e Absicht, den Mittellandkanal durch die Einfügung der Kompensationen zur Annahme zu bringen. Die„Kreuz-Ztg." weiß aber ganz gut, daß Herr Miguel damit nichts anderes thut, als>vas die von Herrn v. Zedlitz geleitete Kompensations-Verschleppungs- kommission getyan hat: auch er will durch die Anhängung aller möglichen anderen Wasserprojekte für den Osten den Entwurf so ungeheuerlich aufblasen, daß er schließlich platzen muß. Herr v. Miguel beabsichtigt gar nicht, dem Kanal zu dienen, sondern ihn vielmehr, unter dem Vorwand äußerster Geschäftigkeit und Sorgfalt für sein Zustandekommen. ncl absurdum zu führen. Die Miguelsche Taktik entspricht also genau der im Sommer von den Konservativen befolgten Methode; nur daß er sich n a ch oben den Schein eifrigster Kanalfreundschaft zu geben weiß, und er wird in diesem Be- mühen durch die verständnisinnigen Konservativen hilfreich unterstützt, die ihrerseits sich stellen, als ob sie in der Taktik Miguels wirklich ein Mittel sähen, das Kanalprojekt durchzu- bringen und darum diese Taktik bekämpfen müßten. In Wahrheit bringt die Taktik Miguels den Junkern alles, was sie wünschen: Aufschub, Verschleppung. Schon hört man, daß die Vorarbeiten zu dem neuen erweiterten Projekt so viel Zeit erfordern, daß es erst im Februar oder März vorgelegt werden könnte. So geht die Zeit hin, der neue Entwurf wird wieder in endlosen Verhandlungen ver- schüttet, und scheitert schließlich an seiner finanziellen Un- Möglichkeit. Allmähtiä) rücken dann die Handelsvertrags- Verhandlungen näher und in diesem Stadium" wird der Kanal zu dem wirksamen Handclsobjekt agrarischer Begehrlichkeit.— Gegen höhere Gctreidezölle werden die Konservativen anstands- los den Kanal bewilligen. Man sieht, die Konservativen haben allen Anlaß, ihrem Mihuel dankbar zu sein und seine„geschickte Taktik" scheinbar zu bekämpfen, um sie, die lediglich ihren eigenen Zwecken dient, zu— fördern. Herr Miguel i st der geschickteste Taktiker der Regierung— für die Junker! Ceiitrmn und Fl o ttenv erm chrnn g. Ans Elsaß-Lothringen schreibt man uns: Was es mit dein Vorwurfe der„beweislosen Verdächtigung" auf sich hat, den die ,, K ö l n i s ch e V o l k s z e i t u n g" gegen iliiscrir Parteigenossen B e b e l erhoben hat wegen seiner Ans- führungen im Reichstag über die Stellung des Centrums zu den neuesten Fkottenplänen, das läßt sich erkennen aus den Eindrücken, welche die reichsländischen Parteifreunde Dr. Liebcrs, die Mitglieder der klerikalen Elsässer-Gruppe, von dessen „großer" Rcichstagsrede am 12. Dezember und den sich aus derselben ergebenden politisckien Konsequenzen gewonnen haben. Eines derjenigen klerikalen Blätter Elsaß-Lothringens, die dem Centrum besonders nahe stehen und den Anschluß der klerikalen Landcspartei an dasselbe zu befürworten Pflegen, der„Volks- böte" des Pfarrers Delsor. Vertreter des 7. reichs- ländischen Wahlkreises im Reicksstage, äußert sich über das Duell Lieber-Miqucl dahin: „Dr. Lieber fand eS recht zeitgemäß, kräftig auf den Busch zu klopfen, hinter welchem sich der preußische Finanzministcr seit Jahren verbirgt, und es gelang ihm, den im Reichstag schon lange nicht mehr gesehenen Mann hineinznlocke». ES war äußerst interessant, die beiden Fechimeister ihre Klingen kreuzen zu sehen. Blut ist indessen keines geflossen; nach wie bor steht Bchanpinng gegen Behauptung. Und für das Publikum steht nur das fest, daß hinter den Co ulisse» verhandelt wird." Mit ander» Worten also das„politische Handelsgeschäft", der vcritable„K u h h a n d e l", gegen den sich Führer und Prefse des Ceittrums mit so viel Aufwand von Worten ver- wahren zu müssen glauben! Auch darüber ist der Herr Pfarrer Delsor nicht im Zweifel, in welcher Form sich der Flottenschncher abspielen und wer dabei der Geprellte sein wird. Aus seiner Erfahrung heraus, die er sich im engen Zusammenarbeiten mit den Mannen Dr. Lieber's gesammelt, prophezeit er also: „Eine Abstimmung über die Flottenvorlage konnte nicht statt- finden, da diese Vorlage gar nicht vorliegt. Aber den Schluß kann man doch aus der Debatte ziehen, daß die Flottenschwärmer wohl siegen werde». Die Regierung wird sich einige kleine Abstrickie gefallen lassen, die Abstreicher worden sich in die venst werfe« und laut dem Volke verkünden, wie sie die Regierung an die Wand gedrückt hatten, und das Volk wird von der Hoffnung auf Stcueeveeniindermrg das Nachsehe» haben." Fürwahr, eine treffliche Charakterisierung der„Mann- haftigkeit", mit welcher das Ccntrilm bisher unter der Füh- rung Dr. Liebers vor den immer wieder gesteigerten Flotten- ansprüchen der Regierung Schritt für Schritt— zurückwich! Der journalistische, Amts- und Reichstags-Kollege des Herrn Delsor, Abbs Wetterle, ein scharfer Beobachter der Vorgänge vor und hinter den Coulissen des Reichs- Parlaments, läßt diesem Porträt des„grimmen" Centrums- führers noch einige Retouche angedeihcn, indem er in seinem„Journal de Colmar" von„kleinen A r r a n g e- inents" spricht,„geschickten Kombinationen", diesen„W undern der Diplomatie, denen z u- olge an die Stelle vergossenen Blutes Um- armnng«« trete n". Er meint dann. Dr. Lieber gegen die Angriffe Bebels in Schutz nehmend, des letzteren Kritik des Centrums habe dem oberflächlichen Beobachter begründet er- 'chcinen mögen, sei es aber weniger gewesen für denjenigen, der die gefahrvolle Situation einer Partei kenne, die, lange des Zusammengehens mit den Reichs- -einden beschuldigt und verantwortlich gemacht für alle der Regierung erwachsenden Schwierigkeiten, sich darauf beschränken mußte, die Forderungen eines wachsenden Mili- tarismns zu mäßigen, ohne sich länger auf eine Opposition bis zum äußersten versteifen zu können. Dieses von dem intransigentesten Flügel der Centrumspartei kommende offene Eingeständnis des K o m- p r o m i ß charakters der Licberschcn Parteiführung ist für die deutsche Wählerschaft gerade in dem Momente besonders inter- essant, wo es gilt, mit alleü verfügbaren Kräften auf die Ab- Wendung der ungeheuerlichsten Mehrbelastung hinzuarbeiten, die dem Volke seit der Gründung des Reiches aufgebürdet werden soll. • �• Aeutsches Weich. Preußische Knauseret. Wie wir kürzlich mitteilten, hat der Finanzminister Dr. v. Miguel die von dem Eisenbahnmintstcr in den nächsten Etat eingestellten 918 neuen Eiscnbahn-Sekretärstcllcn ans Sparsamkeitsrücksichtcn gestrichen. Daß ein solches Verfahren nicht gerade geeignet ist, Zu- friedenhcit unter den Beamten hervorznnifcn, liegt auf der Hand, zumal wenn man bedenkt, daß auch anderen Beamten, namentlich in der Eisenbahnverwaltung, gegenüber mit einer Härte verfahren wirb, die in den weitesten Kreisen der davon betroffenen Beamten die hächste Mißstimmung erzeugt. Zahllos sind die Fälle, in denen sich Beamte Hilfe suchend an unsere Abgeordneten oder an die Redaktionen unserer Parteiblätter wenden, weil sie, von allen Vertreten, der Bourgeoisie in ihren Hoffnungen getäuscht, endlich zu der Einsicht gelangt sind, daß allein die Socialdnnokratie diejenige Partei ist, die den ernsten Willen hat, allen Ansgebeuteten und Geknechteten zu Hilfe zu kommen, mögen sie m», im Dienste des Staates oder im Dienste des Privatkapitals frohnden. Jetzt, wo der Landtag wieder zusammentritt, halten wir«S für unsere Pflicht, die öffentliche Aufmerksamkeit auf die Lage der Eiscnbahn-Kanzlci-Diätare der preußischen Eisenbahn-Verwaltung zu lenken, eine Klasse von Beamten, die sich schon wiederholt mit Petitionen»n, erntsmähige Anstellung an das At�cordnstenhaus ge- wandt hat, aber stets abschlägig beschieden wurde. Die Anstcllnngs- berhältnisse der Eiscnbahn-Kanzlci-Diätare haben sich seit dem Jahre 1394 ciwa um das Doppelte ungünstiger gestaltet ja dem größten Teil der vorhandenen Anwärter ist die ctatsmäßige Anstellung sogar unmöglich gemacht worden. Auch wiederholte Verfügungen des Ministers haben an diesem Zustande nichts geändert. Während die Ncgicrnng vor dem Landtage das Versprechen abgab daß alle Diätare nach einer drei- bis vierjährigen Diütarienzeit an. gestellt werden sollen, können die Eiscnbahn-Kanzlei-Diätarc unter den heute obwaltenden Verhältnissen 30 Jahre oder noch länger aist eine feste Anstellnng warten, d. h. sie müssen sich Zeit ihres Lebens mit einer diätarischen Bcschäflignng bei einem Höchsteinkonnnc,. von ISA) M. bescheiden. Mit wenigen Ausnahmen sind diese Bc- amten im vorgerückten Lcbcnsallcr. die meisten sind verheiratet und hoben Familie, einige sind bereits über 2L Jahre im Staatscisenbahm Diensie lhätig und haben das 50. Lebensjahr lange überschritten Anspruch auf irgend tvclche VerjorgungSgelder haben su nicht, im Falle ihres Todes fallen die Hinterbliebenen der Gemeinde zur Last, oder sie sind auf das„Wohlwollen" de, Regierung angewiesen. Die meisten dieser Beamten sind, um sich und ihre Familie zu erhalten, unter Zuhilfenahme der Nachtstunden auf einen Nebenverdienst angciviejcn. ES klingt recht schön, wenn Herr v. Miguel öffentlich die Er- klnrung abgiebt, die Negieruilg sei den Beamten schuldig, die Möglichkeit einer standesgemäßen Lcbcushaltnng nach den gegebenen Zeitverhältnissen und einer standesgemäßen Erziehung ihrer Kinder zu geben; aber der Herr Minister sollte doch wenigstens konsequent sein und nicht nur den höheren Beamten, den Unterslaatsickretären, den Regierungsröten und den armkN Landräten zu Hilfe kommen, sondern vor allen Dingen einmal für die Unter- b c a m t e n mehr thnn, als bisher geschehen ist. Die Regierung ist nicht wenig stolz anf ihre nunmehr ab- geschlossene Bcsoldungsanfbessernng. Geht man aber der Sache auf den Grund, so findet man, daß sie wahrlich keine Ursache hat, sich ihrer Fürsorge für die Beamten zu rühmen. Je mehr den unteren Beamten die verfassungsmäßigen Rechte gc- schmälert werden, je mehr man ihnen das Koalitionsrccht und in der letzten Zeit sogar das Pctitionsrrcht streitig mackt. um so mehr sollte die Regierung wenigstens sich selbst an ihre Pflicht erinnern und in ihrem eigenen Interesse einen Beamtenstand schaffen, in den, nicht Not und Sorge jede Berufsfrrude unterdrückt. Da sie das nicht thut, so kamt sie sich nicht wundern, baß auch unter den Bc- amten der„Umsturz" immer mehr an Boden gewinnt und daß die unteren Beamten zu der Socialdcmckratie in höheres Vertrauen als zu ihren Vorgesetzten haben.— Beamten-Ncdactenre in oberster Instanz. Anf eingelegte Revision der Angeklagten, des früheren ver- anttvortlichen Redacteurs der„Sächsischen Arbeitcr-Zeitnng Max Beyer und des Steinmetz L i e n i ck e als Verleger eines Flug- blattcs, hatte jetzt in dem bekannten Prozeß wegen Beleidigung der Beamtcn-Redactcnre des„Dresdener Journal" der höchste sächsische Gerichtshof zu entscheiden, ob die Redactcure des Regierungsorgans in dieser Eigenschaft Beamte inr Sinne des Gesetzes sind. Der Ursprung des Prozesses lag in den Kritiken, die an einem Artikel des„Dresdener Journal" geübt wurden, der statt der angeblichen wi elf liehen D arste Nu n g jener geheim geführten Schtvurgerichts-Verhnndlung gegen die Löbtaucr Bau- arbeiter im wesentlichen nur die Anklageschrift wiedergab. Das Ministerium dcS Innern stellte Strafantrag. weil die Journal-Nedactcnre als Beamte in Ausübung ihres Berufs durch diese Kritiken beleidigt sein sollten. Es wurden auch vom Schöffengericht Beyer, Lienicke und der mittlerweile verstorbene Genosse Jacob cy' von,„Vorwärts" mit zwei, bez. einen, Monat Gefängnis bestraft. Es handelte sich in der Haupt- fache darum, festzustellen, ob jene Redactcure„Beamte" sind. Das Schöffengericht, und später als Berufungsinstanz das Land- geeicht bejahten diese Frage, sonst wäre wegen Fehlens eines formrichtigen Slrafantrages Bestrafung unmöglich ge- Wesen. Gegen die Verurteilung war nun Revision eingelegt und diese vom Rechtsanwalt Fr e» d e n t h a l- Berlin schriftlich be- gründet. Die Revision führte näher aus, daß der Begriff„Beamter" im Sinne des Gesetzes verkannt sei. Das„Dresdener Journal" babe keine öffentlichen staatlichen Funktionen. Es habe nur die Eigenschaft eines vom Staate geleiteten fiskalischen Erwerbs- geschäftes, in welchem die Redactcure als HilsSkräfte angenommen sind. Es komme dabei nicht auf die eidliche Verpflichtung, sondern auf die übertragenen Funktionen an. ES beständen auch für den Staat öffentliche Hoheitsrcchtc über das Blatt nicht, wie das sriiher gewesen sei. Es komme demnach keine souveräne Eigenschaft des Staates in Frage, sondern nur die fiskalische als Verleger des Blattcs. dam, lintcrstche das Blatt auch nicht einem einzelnen, sondern dem Gesamiministcrum. Die Revision wurde nach genau zwei Minuten langer Beratung verworfen. � Sehr kurz war auch die llrteilsbegründnng. Das Gericht sei an die Fcststellnngen der Voritistanz gebunden gewesen, demnach werde auch im nichtamtlichen Teil des„Journal" die„Förderung und Unterstützung des StaatslvohleS" erstrebt. Ob der Ilveck erreicht werde, sei nebensächlich, jedenfalls sei die Einrichtung da. Wäre der den Rcdacteurcn gemachte Vorwurf berechtigt gewesen, so hätten sie ihre Dienstpflicht verletzt und Diseiplinarstrafe zu gewärtige» gehabt. Das Ministerium des Innern habe seit den Jahren 1849, 1350 und 1851 auf Grund eines FinanzgesetzcS die Oberaufsicht über das Blatt. Letzteres ressorticre auch' im Departement des Ministeriums des Innern.— * Wir sind überzeugt, daß der sächsischen Regierung die zu Beamten gestempelten Redactcure der Ncgicnmgsorgane noch sehr erhebliche Ungclcgcnhcitci, bereiten werden. Früher konnten die Herren Minister in Dresden und die sächsischen BuNdcöratsbevoll- mächtigten ungeschickte Artikel der offiziellen Blätter bcqnent ab- schütteln mit der Etklärnng, die Regierung sei nicht für jede Acußcrung der Rcdacteure jener Blätter verantwortlich zu machen. Bon jetzt ab sind diese Entschuldigungen unmöglich gctvorden und man wird den Amtshandlungen der Redacteure sorgfältige Prüfung widmen.— Der Sprung inS Waffer. Die„Köln. Volksztg." setzt mit AnSdaner und Schärfe den Kampf gegen die„eNen Marinepläne fort. Das Organ des linken Centnims schreibt in einer Anslaffung über Wasser- Chauvinismus: „Was jetzt vorgeht, ist jedenfalls keine ruhige, besonnene En t- Wicklung mehr,' das sind Sprünge, wie wir sie ja auch anf anderen Gebiete» des Staatslebens wahrnehmen. Die Sach- verständigen spielen dabei eine nichts weniger als imponierende Rolle. Ihre Denkschriften folgen sich, aber sie gleichen sich nicht. Bor anderthalb Jahren war däs Flottcngcsetz, dessen Annahme so bedeutende parlamentarische Schwierigkeiten verursacht bat, ein Großes, jetzt ist es fast gar nichts mehr, da die Ver- doppclnng des im Jahre 1398 beschlossenen mit eiiirmmnl eine Nolwendigkeit sein soll. Vor wenigen Jahren noch waren es die Kreuzer, die uns vor alle», notwendig sein sollten, jetzt sind es dig Schlachtschiffe, lind der ganze bezahlte und freiwillige Chor, welcher vor wenigen Jahren Kreuzer schrie, schreit jetzt Schlacht- schiffe,»nd wenn morgen Torpedoboote die Losung seil, sollte, so würde er Torpedoboote schreien. „Wir meinen, der Reichstag sollte diese Sprünge nicht mit- machen, er sollte thnn. was er»ach gewissenhafter Erwägung für unabweislich hält, darüber hinaus aber nicht gehen. Den, Reiche Umr&c mit dcr ZuriickwcislMst diefcö ucucstc» Juipromtus sicher- lich ciu Ticust erwiesen, und an mancher Stelle würde man färnilich aufatmen, auch an solchen, wo man zur Zeit viel Beflissenheit für die Flottcnocrdoppelnnc, zeigt. Die Reichs- und Staats- Maschine muß doch einmal eine ruhigere Gangart annehmen; die fortwährenden Stöbe hält sie ans die Dauer nicht aus. Die sportsmäßige Behandlung von Fragen, welche so tief, namentlich in die finanziellen Verhältnisse eingreifen, muß sich früher oder später auf das schivcrste rächen. .Unseres Erachtcns hat das Ecutrum die besondere Ver- pslichtuug, diesen Erwägungen zur Geltung zu verhelfe». Wir wüßten auch nicht, was die Fraktion abhalten könnte, dies cntfchlosfcii zu thiiii. Die mit dem Flottengesetze von 1898 gemachte Erfahrung drängt förmlich dazu. Sagt dcr Reichstag ni diesem Jahre zu der Verdoppelung ja, so mutet man ihn, im nächsten Jahre die Verdreifachung zu, und schließlich ist dcr Konflikt doch unausbleiblich. Tue„Gründe", welche man jetzt für die Ver- doppeluug anführt, lassen sich ganz ebenso für die Verdreifachung anführen und so weiter in iukinitum.... TaS Deutsche Reich lanu aber nicht zugleich die weitaus stärkste Landmacht sein und zugleich eine den stärksten Seemächten gewachsene Flotte haben. Das hält auch dcr Kröchcrschc„stärkste Manu" nicht aus. Es ist aber auch gar nicht nötig." Diese� und ähnliche Auslassungen klingen nicht wie eine Er- gänzuiig, sondern wie ein Protest zu der' breitbeinig taumclndcu Etätsrcde Liebers. Wir ivisscn auch, daß das Verhalten des CcutrumsstihrerS schon 189�,»och mehr als jetzt, seine Partei- genossen verstimmt hat. Indessen, das Ccntrum ist als- parlamcn- lyrische Gcschäftspartei die Partei dcr absoluten llnzuvcrlüssigkcit. lind so wird man die Darlegungen des CentrnmSblattes nur als schätzbares VorbereitmigSinaterial für den zu erwartenden Umfall inS Wasser würdigen dürfen.— Zur DcinokratisiernngderFlottcnbcwcgnng werden wir darauf austncrksain gemacht, daß neben dem Flottenvercin und der Flotten- Vereinigung auch noch„Die historische Vereinigung zu Berlin" für die Flotte agitiert, und zwar in öffentlichen Versainntlniigen bei freiem Entrce.'Professor firniS Delbrück habe bereits am 23. November eine derartige Wlarineversammlung veranstaltet, und es habe sogar e i n Goldarbciter sich daselbst für die Wasscrpolitik ausgesprochen. Wir gratulieren zu dem einen Arbeiter. Ein vcrhcißungS- voller Anfang l Die übrigen Millionen werden ja nun wohl dem Beispiel folgen.— Der starke Mann t» Sachsen. Dcr letzte Droh-Erlaß gegen den Besuch der EiseiibahliersVcriammlnng, die sich mit de» Land- lags-Verhandlungen und dein Koalitimisverlwtc beschäftigen sollte. hat nichts genützt; die Bersammlung war zahlreich besucht und der Eiuberufcr, dcr gemaßregelte Bremser Drägcr, wurde mit lebhnitem Händeklatschen empfangen. Nun schreitet die Bettvaltnng zur That. Die„Sächsische Arbeiter-Zeituna" kann folgendes melden: Am Mittwoch wurden vier Eisenbahner, die Bremser Robert Wirth. 8 Jahre bei dcr Bühn beschäftigt. Max Steiner, 8 Jahre beschäftigt, Fritz Gössel, ebenfalls 8 Jähre beschäftigt, und der Desinsizier-Vormanu Eduard Weiidlcr, 21 Jahre beschäftigt, unter Auszahlung des Lohnes bis zum 3. Januar 1999 sofort entlassen. Den Bremsern Gössel, nid Wirth hat man keinen Grund angegeben, dem Bremser Steiner wurde vom Inspektor gesagt: „Den Grund kann ich Ihnen nicht angeben, es geschieht ans An- Weisung dcr Generalsirettiolr". Dem alten Weiidlcr, einem im Dienste ergrauten Manne, wurde direkt gesagt:„Er sei wegen seiner agitatorischen Thätlgkeit nicht' tvürdig,»och länger an dcr Bahn zu sein!— Wendler und Wirth waren Vorstandsmitglieder und Steiner Arbettervertreter in der Arbeiter-PensionS- sind auch in der Krankenkasse und haben dort jederzeit die Jnter- essen der Arbeiter mntvoll vertreten. Gössel soll in der letzten Vcrsammluitg der Elienbahncr in Uniform gewesen sein. Man sieht, die starken Männer, nach denen Herr v. Kröcher ruft. sind in Sachseil rudelweise vorhanden. Daß aber starke Thaten noch lange ketne klugen Thaten sind, hat ja der Herr v. Kröcher selbst an- erkannt und die sächsische Nxgimmg wird es hier erfahren, wie sie es schon manchmal erfahre» hat.— Wie die Ncgicrnng Miststiuimuiig beseitigen kann, gicbt die„Post" an. Es müsse in Sachen dcr gcmaßrcgelten Lnndräic etwas geschehen. Man berufe also die Märtyrer schleimigst ins Ministerium, lasse den Kanal auf sich beruhen und die Konserbativcn weiden ihre Frenndschast der Regierung wieder znwciidcn. Sie sind mtMcr fest überzeugt, daß die Regierung und der Staat ohne sie nicht lebe» kann. Europakoller in Afrika. Die Schandthaten bcS Prinzen von Arenberg werden in einem der„Braunschw. LandeSztg." zur Verfügung gestellten Brief wie folgt geschildert: „Meine Lieben I Soeben komme ich von Tisch, will Euch aber sofort etwaS über eine grauenvolle Geschichte be- richten, die sich vor einigen Tagen in der Kolonie abgespielt hat. . Der Prinz Prosper von Arenberg, der seit kurzer Zeit der hiesigen Schutztruppe angehört und ein Neffe des gleichnamigen klerikale» RrtchStngS-Abgeordneten ist, hat eine fast unglaubliche Blutthat begangen, deren Opfer der Bastard Willy Cnin oder Keen, der Sohn eines Engländers und einer Bastardfreigewordenen ist. Was zwischen beiden vorgefallen und zu der That Veranlassung gab. weiß man nicht näher. Dcr Prinz hat dem Keen Bräunt- wein gegeben, um ihn bctrnntcn zu machen, hat ihn dann in seinem Zimmer in Fesseln gelegt, ihn an die Decke gc- wunden nnd allerhand Gransamkeiten mit dem Wehrlosen begangen. Als Keen flehentlich bat, ihn»ach seinem Pontok gehen zu lassen, gab Arenberg ihn zwar frei, befahl aber sofort dem Posten, hinter ihm drein zu feuern, da Keen über die Grenze ans englisches' Gebiet fliehen ivollte. Dcr Schuß traf den Unglücklichen ins Bein, ivorauf der Prinz noch weitere drei Geschosse hinter ihm hersandte. darauf den Zicsammengrsunkeuen mit dem Seiten- gcwchr durchstach und mit dem stählerne» Ladestock in das schon von einer 5lugcl durchbohrte Genick stich. Keen jammerte kläglich, man möge ihn doch leben lassen, ivehrte aber seinen herbeieilenden Leuten, welche den Prinzen niederschießen wollten. Sie sollte» nur nach Windhock gehen nnd getreuen Bericht über die Vorgänge erstatten. Dorthin brachte der Bursche von Major Müller die erste Nachricht, der in drei Tagen die große Strecke zu Pferde zurücklegte, was eine schöne Leistung ist. Ganz Windhoel stand auf dem Kopf. Major Lentweiu warnte den Burschen vor dcr Wcitcrvcrbrcitnng dcr Schilde- rung, er wisse doch, welche hohe Strafe ans jeder Abweichung von der thatsächliche» Wahrheit stehe. Aber Schröder(so heißt der Bursche) erwiderte, daß alles sich so verhalte, wie er erzählte. In der That haben AZ Zeugen unter Eid die Schilderung Schröders bestätigt. Als Leutwci» einen Einblick in die Größe dcr That gewann, brach er in Thränen ans. Das wird eine nette Geschichte werden nnd dem Herrn Prinzen übel bekommen. Für Dentsch-Südwest ist es freilich auch nicht angenehm, wie wird man in England über uns herziehen!" Und diesen Unhold läßt man frei umherlaufen, schickt ihn sogar ans Heimaturlaub nacki Deutschland l bleicht die Stärke dieses starken ManneS für die Ansprüche unserer Konservativen ans?—_ Daö Komplott dcr Uiitcrnchlncr im Baugewerbe tpird »ach«itt'em Telegramm aus Breslau vom Maurermeister Simon. dem zweiten Vorsitzenden des Arbeitgeber-BimdeS, abgeleugnet. Es wird vielleicht noch von anderen abgeleugnet werden. Unsere Mitteilungen sind aber auS absolut sicherer Quelle.—. Junkerliches. Die Landwirtfchaftskammcr für die Provinz Pommern hat sich einmal wieder mit dcr„Leutenot" beschäftigt und zu ihrer Milderung u. a. folgende Abänderung des FrciziigigkcttSgcsches vorgeschlagen: „Es ist eine Abänderung'des Reichsgefetzes über die Frei- zügigkcit vom 1. Noveniber 1867 dahin anzustreben, daß die Sliederlassung nnd dcr dauernde Aufenthalt in einer Gemeinde abhängig gemacht wird: a) von dem stets zu erfordernden Nach weife der Genehmigung des gesetzlichen Vertreters bezw. des Ehemannes, gemäß Artikel 37 des Einfühnittgsgesetzes zum Bürgerlichen Gesetzbuch, sowie auch, falls der Znzögling minderjährig ist, von dcr Genehmigung des Gemeinde- bezlv. Guts- Vorstandes des bisherigen HeimatsorteS, b) von dem eben- falls stets zu crfordcnidcn Nachweise einer den sittlichen und gesundheitliche» Anforderung«» entsprechenden Wohnung und genügender Arbeitsgelegenheit. Derartige reaktionäre Wünsche sind nicht neu, verdienen aber stets aufmerksam verzeichnet zu werden.— Dcr mecklenburgische Landtag hat eine Regierungs- Vorlage angenommen, durch welche die Verordnung betreffend B e- st r ä s n n g von D i e n st v e r g c h e n. die bisher mir für Hof« Tagelöhner, Hofgänger und Depu'tatistcn Gültigkeit hatte, auch aus die S a ch s e n g ä ng e r, ans die Schnitter und Schnitterinnen ausgedehnt wird. Diese Verordnung stellt ei» regelrechtes Aus- nahincgesrtz für die Arbeiter vor, indem sie kontraktbrüchige Arbeiter mit Strafen bedroht. Die Teilung deS Regierungsbezirks Potödam und die Schaffung eines Regierungsbezirks Eharlvttcnbnrg soll, der„Volks- Zeitung" zufolge, schon für die nächste Session des preußischen Land- tagcS spruchreif sei».— Bon einem höchst absonderliche»« Ka,»pf gegen Waren- hällfer wird aus München berichtet. Die beschlossenen Maßregel» kommen einer Vernichtung des seit fünf Jahren bestehende» Waren- Hauses von Tietz gleich. Am Montag hat der Magistrat be- schlössen, sofort die in der Mitte des Parterres ausgestellte» Bcrkaussstände zu entfernen und die Polizeidirektion zu ver- anlassen,„sofort an den Eingängen des EtabliflclncNtS in der Zeit von 11 llhr bis 71.a Uhr Schutzleute aufznftcllen. die bei über- sülltcm Lokal Kaiiskustige inir im Verhältnis zu den das Hau? Verlassenden einlassen sollen". Begründet würde dieser Beschluß durch die Fencrgefährlichkeit. Tietz richtete sofort gegen diese Änordmmgcn einen Protest gegen den Magistrat. Der Münchener Bamenat aber beschloß am Dienstag, ait den, Beschftlß dcö Magistrats irstziihalteii. Tietz eine Frist von zweimal 24 Stunden zu setzen und, im Falle die Anordnung des Magistrats bis dahin nicht ausgeführt, das Geschäft zu schließen. Der Bausenat ordnete an: Es sind sofort an sämtliche» Thür«» Schutzleute und im Inner» des Lokals ein technischer Offiziant aufzustellen, der i» das Warciihanö, d n S mehr als hundert Angestellte beschäftigt, nicht mehr als 69 bis 79 Personen einlassen' darf und dann die Schließung der sämtlichen Thlirc» anzuordnen hat, Sobald Tietz die VcrkausSständc in der Mitte des Parterres entfernt haben. wird, können einige Personen»Nehr eingelassen werden. Um dieser Anordnimg»aibzukominen, wurde im Waren- hans die ganze Nacht zum Mittwoch gearbeitet behufs Räumung des Miltelgangs. Die Arbeit, zu der auch die toellere Unter- VriugUNa der Waren gehörte, konnte jedoch nicht vollständig in dcr kurzen Zeit bewältigt werden. Darauf wurden am Mittwoch zwei von den Gnngcil des BazarS polizeilich gesperrt und nur einer offen gehalten. Ans diesem werde» nur sechzig Käufer gleichzeitig in dir Verkmifsränme zugelasscu, also eine geringere Zahl von Käufern, als die Zahl deS GeichäftspcrionalS beträgt. Soll mit derartigen Chikanc» der„Mittelstand" gerettet werden?— RnSbentnngö-BiindniS. Herr Bueck, dcr bekannte Central- Verbaiidö-Agitatvr, hat in D a n z j g gewarnt, darüber zrt streiten, ob Deutschland mehr Industrie- oder Agrarstaat sei; Industrie und Landwirtschaft sollten sich die Hände reichen,„um die wirtschaftlichen Mißstände durch gemeiusanies Vorgehe» zu bekämpfen." In die von Bneck dargebotene Hand schlug alsbald der Führer des BnndcS der Landwirte, Frrihrrr v. Wangenheim, freudig ein. Er erklärte ans der Provinzialversaiiunlung, des Bundes in Tanzig wenige Tage Nach der Rede Bnccks: Die Landwirtschaft würde die Jntcrcsicngemcinschaft zwischen den beiden großen Zweige» der deutschen Produktion stets in den Vordergrund dcr EriväguUgcN stelle», Die„Nordd, Allg, Ztg." bringt diese Erklärungen ait hervor- ragender Stelle. Die Regierung freut sich des Bundes dcr agrarischen und der industriellen Schntzzöllner, die dem Worte folge»: Eine Hand wäscht die andere.— Hamburg, 22. Dezember.(Privat-Depeschc.) DaS hanseatische OberlandcSgericht erklärte den Arbeiter- Nadfahrerverein als politischen Verein, dessen sämtliche BcrsammlungeN polizeilich angemeldet und überwacht werden müssen. Bremen, 21, Dezember. KrriStagöwahlen. Beamten- gchältcr in dcr Bürgerschaft. Ten Erfolgen innerer Partei bei de» Bürgerschaftswahlen entsprachen die Resultate der Kreistags- Wahlen, die soeben im Landgcbiete vollzogen wurden. Dcr Kreis- tag setzt sich ans 23 Vertretern zusammen, die ans 6 Jahre gewählt sind. Unsere Partei ivar bisher durch 2 Genossen im Kreistage ver- treten. Jetzt sind bei ErücNermig von 7 Mandaten von fünf ans- gcslelltcn KandiSateil Unserer Partei vier gewählt worden, nnd zwar mit große» Majoritäten. ES sitzen also jetzt 6 Soemldemokraten im Kreistage, Die Bürgerschaft führte gestern die N c n r c g N l i e r» n g d e r Beamte n gehälter.zu Ende, Seih, 2 Jahren beschäftigt diese Materie unsere Volksvertretung. Unsere Partei hat sich unstreitig das Verdienst erworben, durch regcS Eingreifen die Regulierung zu einer alle Kategorien der Beamte» umfassenden zn gestalten. Die Liberalen gaben dem Drängen Mir widerwillig nach. Da die Koni- Mission auch jetzt wieder ein« ganze Anzahl von kleinen und mittleren Beamten ans Fiiianzgrüiidcn ganz»nnenügeNd und teilweise gar nicht berücksichtigte und andererseits plötzlich eine Iveitere Aufbesserung dcr erst vor anderthalb Jahren erhöhten Gehälter der akademisch ge- bildeten Lehrer vorschlug, griffe» die socinldcmvkratischcn Vertreter in die gestrige Verhandlung abermals energisch ein, Sie wiesen die letztere Gehaltserhöhung ab nnd forderten eine beschleunigte nochmalige Revision der sttefmütterlich behandelten Gehälter, ES gelang ihnen, die Speeialdislussiou durchzusetzen, aber die Liberalen lehnte» alle spcciellen Vcrbcsserungsanträge nnserer Vertreter rundweg ab. In bnlvstündigtr Parforcetour wurde die ganze Vorlage ohne Ver« ändernng angenommen. Bei den kleinen Beamten haben die Liberalen sich durch die Gchälterresorm ganz gewiß keinen Stein im Brett er- werben. Nach oben freigebig, nach unten knauserig, das war ihre Parole. Von der Lahn, 21. Dezember. sEig, Ber.) Die alte Ge- schichte: Ein Landbeiefträgcr wurde wegen Unterschlagung zu einem Jahre Gcfniignis verurteilt. Diesmal vom Wetzlarer Schwur- geeicht ein Liniburger Postsklave— das ist der einzige Unterschied von all den früheren nnd den noch kommenden Fällen. Dcr Ent- schuldig'.mgsgruud war wieder der bekannte: dcr arme Mensch I o n n't e Frau und drei Kinder nicht ernähren bei einem täglichen „Gehalt" von 2.29 M.!— AuS Hessen, 21. Dezember,(Eig, Ber.) Die socialdcmo- kratische Fraktiott in der Z w e i t e n K a m m e r hat sofort bei Eröffnung des 31. Landtags einen nmfangretchcn Wunschzettel ans den Tisch deS Hauses niedergelegt. ES stehen 21 Antrüge darauf, die allerdings zum Teil nur wieder aufgenommene Forde- rnngen aus früheren Landtagen sind, Zn den letzteren gehörte der Aiit'rag ans Einführung von Arbeiter kam m C r n, die in dircite Fühlinig mit einer im Ministerium zn errichtende» C c u t r a l- stelle für Arbeitcrangelegen heitcn zn bringen sind. Ferner der Antrag ans U e b e r n a h m e sämtlicher Volks» s ch n I l a st c n auf den Staat, In Verbindung damit verlangen wir die Organisation einer Einheitsschule mit voller Un- entgeltlichkeit" dcr UnIerrichtL- und Lehrmittel. Auch die Forderung auf Reform der E i s c n b a h n t a r i f e legen wir dcr hessischen Vertretung in der preußssch-hesstschen Gemein- schaftsverwnltung wieder ans Herz. In Stcnersachen beantragen wir die konsequente Wetterführung dcr im vorigen Land- tag beschlossenen Stcncrrcfonn, das heißt Erhöhnng dcr Progression dcr E i n k o ni ni e n«, B e r»N ö g e n s- und E r b s ch a f t s- st euer in dem Maße, daß die Stempclabgabcn nnd Gebühren in Wegfall kommen könne». Von den neu eingebrachten Anträgen ist in erster Linie die Forderung ans Einführung der all- gemeinen, direkten und g e h e i m e» L a n d t a g S>v a h l mit P r o p o r t i o u a l s y st c m zn nenne». Dabei verlangen wir unter anderem Aiifnahme folgender Bestimmungen: Wahlberechtigt ist jeder rechtSmündige in Hessen ansässige Rcichöbürgcr; die Wahlen haben Sonntags stattzufinden; die Wählerlisten sind ständig auf dem Laufenden zu halte» und bei An- kündigung des Wahltermins durch den Druck zn vcröffent- lichen; zur Wahrung des Wahlgeheimnisses sind Stimmzettel» converts und Fsoltrrrämnc einzuführen. Auch das Ecntrnm beantragt die Einführnng des Proportional-Wahlsystems mit direkter Wahl. Da in der Thronrede eine Wahlrcform-Vorlage angekündigt worden ist, so konnnt die Frage mm jedenfalls auch in Hessen in Fluß, Für die Beseitigung dcr indirekten Wahl ist eine große Mehrheit in der Kammer vorhanden. Hoffen wir das beste.— Weitere Anträge verlangen den Wegfall der»vgiernngSscitigcn Bestätigung der Bürger- meister- und Beigeordnetcinvahlcn; die Revision der öffentlich- rechtlichen Dienstverhältnisse dcr StaatSaiigesteNten; Regelung der Austcllmigs« und BesoldnngSvcrhältnisie des nicht festangestellten Hilfs- Personals in staatlichen Betrieben und Bnreaus: Anstellung dcr Kreis- Tierärzte mit voller Besoldung und Wegfall aller aus veterinärpvlizei- lichen Anforderungen entstehende» Gebühren und Speien: Einrichtung einer obligatorischen staatlichen Bich- und Schlachtvieh-Versichermig: Er- Achtung einer staatlichen Mobiltar-Vcrstcherungsaiistalt: lieber» ahme aller RrtNcnlasten auf den Staat; gesetzlich geregelte Entschädigung »iischiildig Verhafteter bei Untcrsnchnngs- wie bei Strafhaft. Ferner wird beantragt die gesetzmäßige Regelung der Arbeiter- Verhältnisse in den Staatsbetrieben, tvobci wir folgende Punkte berücksichtigt sehen»vollen: ,1. Durchführung eines achtstündigen Normalarbeitstages, 2. Festsetzung eines jeweils mit de» Arbeitern zu vereinbarenden M i» i m a l- l o h n e s, 3. Zusicherung fixierter Alters- und Pension S» zulagen, 4. Garantirrmtg der freien Ausübung des politischen und lvirtschafilichc» K o a I i t i o n s r e ch t s. Ziir Hebung und Neorgainsation der BolkSgesiNidhettspflege haben ivir beantragt: Einteilung der Kreise i» tleitiere SnnitätS- bezirke und Anstellung staatlich vollbesoldeter Bezirksärzte, denen die derzeitigen Funktionen der Kreisärzte zn übertragen sind. Als Iveitere Aufgaben sind denselben regelmäßige Unter- s ll ch U n g c n des G c s ii n d h e i t S z n st a n d e s der Schul- k t N d e r, der sanitärischen Verhältnisse der S ch n l h ä u s e r sowib dcr Fabriken und aller sonstigen zn gewerblichen Zwecken be« nutzten Räume zuzitweiscit. Schließlich wird die U e b e r f tt h r u n g der Apotheken in Staatsbetrieb verlangt; neue resp, hcimfallcnde Konzcffionen sind nicht mehr an Private zn begeben nnd die bestehenden Apotheken sind ans dem Wege allmählichen Au» kanfS an den Staat zn bringen.— TreSdc», 21. Dezember.(Eig. Ber.) Ii, der Ersten Kanlmdr des Landtags erfuhr in der gestrigen Sitzimg der allgemeine Etat eine inierwartet scharfe Kritik. Einleitend gab Prinz Georg als Vorsitzender dcr Finanz-Dcpntation nnd in deren Auftrage eine principicllc Erklärung ab. Es heißt darin, die Deputation sei zu der Ucbcrzcngnng gekonimcn, daß das Aiuvachsen dcr geforderte» Ausgaben m cinem n ll g ü n st i g e n Verhältnis steht zum Wachsen der S t a a t s e i n N a h üi e n. und daß, da dieses ungnustige Verhältnis bereits einige Etatspcriodcil andauert, äußerste Vorsicht geböten sei. ES müsiv deshalb danach gestrebt Iverdc». die Bednrfniffe der EtäatS- verivaltung nicht in steigendem Maße ans die Anleihe zu ver- weisen, sondern so weit eine Deckung bei s p a r s a nt e r u» d vor- sichtiger Fiiianzvcrwaltniig durch die gegenwärtig zur Verfügung stehenden Mittel nicht nivglich ist, durch entsprechende Steuer- erhöh»>i g d ii äusstigleicheiu— Drei Redner dcr ersten Kaininex sprachen sich im Sinne dieser Erklärung ans, besonders dcr Dresdner Ober'- bürgermeistcr B e u t l e r hielt eine große finanzpolitische Rede, welche die Richtigkeit und Notwendigkeit des BefolgcnS der iii der Erklärung angedeutete» Kinaiizpoliiik nachzuweisen suchte. Gleichzeitig rechnete dieser Redner einen a»i a» ß e r v r d est t li ch c n Etat möglichen Abstrich von insgesamt acht Millionen Mark heraus. Mau konnte nach diesen Vorgängen ans die Aiisführuiigen des F i n a ii z m i n i st e r ö b o n Watzdorf ciitlgerinaßeii gespaintt sein. Umsomchr. als dieser in dcr Zweiten Kammer ähnliche, aber viel höflichere uiid zahmere Kritiken seiner Finanzpolitik für nicht zutreffend erklärt hatte. Merkwürdigeriveise erklärte mtlt d«r Herr Minister, daß die StantSregieruiig im wesentlichen mit den AuS« führinigen der Erklärung einverstanden sei: Vor allem darin, daß aus die bisherige Weise nicht fortgewurstelt werden könne. Die Regierung würde aber schon dieSnial ctwst sechs Millionen ntchr zur Vcrfiigimg gehabt haben, wenn man im bongen Landtage die BermögcnSftencr nnd Steuer- reform, wie sie die Regierung vorgeschlagen hatte, nicht ab- gel eh ni hätte. Ztustichst habe die Regierung die in dcr Zweiten Kämm« in Aussicht gestellten S t c n e r r e f o r m- V v r s ch läge abzilivartest. Laste sich da eine Einigung nicht erzielen, so müsse sür dcu nächsten Etat uübcsiiigt ei» a l l g e iii e i n e r Zuschlag zur Ein- kommeustrner, der aber nicht gering sei» dürfte, erhoben worden.■— Diese Eiitschuldigung. nicht Verteidigung dcr sächsischen Finanzpolitik eröffnet dein gesamten, also aiich dem arbeitenden sächsischen Volke, soweit eS. Steuern zahlt, die schöne Perspektive auf Ver-� in c h r u n g der Steuern, wenn eine Stenerreforin auch dies- mal scheitert. Die Köiiservatibe» haben eine derartige Reform. die die Reichen, ivcini auch kautii merklich, belasten sollte, im vorigen Landtag zn Fall gebracht. An ihre Adresse ist der Vorwurf des Fiiiailziiniiisters gerichtet. Die K o N f e r v a t i v e n habe» die sächsifchr Regierung gewisicriliaßeN auf den von diestt eingeschlagenen Weg dcr Finanzpolitik gedrängt. Die Regierung ist aber auch selbst schuld all dieser heiklen Sitttation. indem sie Schritt für Schritt den konservativen Schreiern nachgegeben hat. Nmi kommt das dicke Ende. Rene Parteiorganisationen. Die„Franks. Ztg." macht für die Angehörigen ihrer Partei Vorschläge über Verbesserinigen der Parteiorganisation a»f Grund der Aiifhcbmig des Berbiiidungs- Verbots sür politische Vcreinigimgeii. Chronik der MajcstiitSbeleidignngS-Prozrffe. Die Strafkammer zu K ö l n verurteilte den Steuerbcamtcn May, der jüngst als Schiffsbediensteter die Nordlandsfahrt des Kaisers mitgemacht hatte und später in der Unterhaltung hierüber scharfe Worte über den Prinzen Heinrich äußerte, zu cinem Monat Fcstinigshaft. Die Verhandlung fand unter Ausschluß der Oessentlichkeit statt. Ausland. MaximalarbcitStag in Frankreich. Der französischen Depiiticrtenkammer ist der Entwurf zu einem lienen Fabrikqcsetze zngegaiigc». der. wie die„Berliner Korrestwndenz" behauptet, vom Senat bereits angenommen worden ist. Die wichtigsten BcstiniMlMgen lauten: „Art. 1. Die Artikel 3, 4, 11 und 20§ 1 des Gesetzes vom 2. November 1802 über die Arbeit der minder, minderjährigen Mädchen und der Frauen in Fabriken werden folgendermaßen abgeändert: Art. 3. Die jugendlichen Arbeiter und Arbeiterinnen bis zum Alter von 18 Jahren, sowie die Frauen dürfen nicht länger alö Stunde» täglich effektiv beschäftigt tverde», und zwar niii einer oder mehreren Untcrbrcchnngen. deren Gesamtdaner nicht unter einer Stunde betragen soll und während welcher das Arbeiten verboten wird. Nach Ablauf von drei Jahren mit Verkündigung gegen- »värtigcn Gesetzes wird die Arbeitszeit auf Stnudcn iiub nach Ablauf vou drei weitere» Jahren nur aus zehn Stunde» begrenzt. I» jeder Fabrik, außer solchen mit kontinuierlichem Betriebe sä ken continu), den Gruben, Bergwerken, Steinbrüchen! den in öffentlicher Berwaltung stehenden Industrien sollen gleichzeitige Ruhepausen für sämtliche durch gegenwärtiges Gesetz geschützte Personen Platz greifen. Art. 4. Ninder unter 18 Jahren, wie minderjährige Mädchen sowie die Frauen dürfen in den vorerwähnten Betrieben zu keii.erlei liachtarbcit verwendet werden. Alle Arbeit zivischen S Uhr abends und 5 Uhr morgen? gilt als Nachtarbeit. Doch soll Arbeit von 4 Uhr morgens bis 10 Uhr abends erlaubt sein, wenn sie zivischen zivei Schichten von Arbeitern dergestalt verteilt wird, daß leine Schicht mehr als g Stunden einschließlich einer mindestens halbstündigen Ruhepause thätig ist. Die Arbeit jeder Schicht muß. abgesehen von der Ruhepause, ununterbrochen sein. Gewissen, in öffentlicher Verwaltung stehenden Industrien wird dauernde Befreiung von den Bestimmungen in§§ 1 und 2 dieses Artikels zugebilligt, doch darf in keinem Falle die Arbeit 7 Stunden auf 24 Stunden übersteigen. Art. 2. Dem Art. 1 des Delretgcsctzes vom 9./14. September 1848 wird folgende Bestimmung angehängt:s �„Doch darf in derartigen Etablissements, welche erwachse»? Männer und die durch das Gesetz vom 2. November 1892 ge- troffencn Personci» beschäftigen, die Arbeitszeit 11 Stunden effektiver Arbeitsleistung nicht überschreiten. Nach Ablauf vou lt Jahre» mit Verkündigung gegen- wärtigeu Gesetzes wird der Arbeitstag auf 1r g" tvar. Alles dies beweise die Charakterlosigkeit Gchtjens aus politischem Gebiete. Sein sonstiger Begriff von der Ehre iverd« durch eine ganze Reihe von Thatiachen gekennzeichnet. Von demselben Manne, den er früher in der„Laterne" in der empörendsten Weise angegriffen hatte, nahm er ein Geldgeschenk von 20 M. an. Von einem anderen Manne, der ihn in einem Flugblatt einen. Erpresser"»aimtc und dafür z» 150 M. verurteilt wurde, »ahm Gehlse» Geld an. wofür er dann den Strasantrag wegen Beleidigung zurückzog. Jeder anständige Mann hüte sich wohl, das Juurofjc seiner Ehre mit dem der Sache zu verquicken, eine Po leidig nng lasse man sich nicht abkaufen. Geradezu vernichtend für den Ebarattcr GehlsenS spreche der Fall mit dein Architekten Reimann. Dieser hatte ihn. gereizt durch fortgesetzte An- griffe gegen ihn und seinen betagten Vater, ans offener Straffe über- fallen und beschimpft. Ltetinmm wurde zu 11 Tagen Gefängnis ver- urteilt»nd wollte eS mit einem Gnadengesuch versuchen.„Geld oder Hiebe!" hatte Reimann sich überlegt, al» er sich vo» den Angriffen befreien wollte. Er entschied sich für„Hiebe" und machte damit schlechte Erfahrungen. Bei dem Gnadengesuch ivollle er Gehlsons Unterschrift haben, und mm wandte er mit Erfolg das andere Mittel:„Geld" an. Der Staalsnnwalt geht dann ans die einzelne» zur Anklage slehenden Handlungen ein und beantragt schliefflich gcaczi K r a u s e s c ch S M o» atc G e f ä» g» i s »»d ein Jahr Ehrverlust. Was Gehlfen betrifft, so mag man über die Rechts- und Schnldfrage denken, wie man Ivollc, das eine stehe fest: unter anständigen Menschen könne lein Zweifel mehr darüber bestehe», d a ff er nicht mehr z n dieser Kategorie gehöre»nd das; er auch nicht mehr ernst zunehmen sei: er tuerde fortab schreiben können, was er walle, niemand werde sich mehr durch ihn bennrtihigen lassen. Bei der auffcrvrdcnttichcu Gemein- gesährlichkeil des Treibens des Angeklagte», der anfferordentliche» Vemiruhiglnig zahlreicher Personen, der Bedrohimg von Existenzen, der stzst»,»atilcheu Ehrabschneiderei, der Käuflichkeit und Fciiheit der Gcsimumg beantrage er gegen Gehlfen süus Jahre Ge- s ä n g ii i S und fünf Jahre Ehrverlust.„Greif niemals in ein Wespennest, dock) wenn D» greifst, dann halte fest!" Rechtsanwalt Pohle hält den bom Staatsanwalt herangezogenen Ansspmch Paul Lindaus nicht für glücklich, den» wenn das'„Erpressen" keine grvffcren materiell- Erfolge einbringe, als sie der feiner Zeit arm und mittellos ins Exil gegangene und ganz arm und mittellos nach Teutschland zurückgekehrte«iigeklggie Gchlscn erzielt hat. so iviirde wirklich niemand zum Erpressen verleitet werden. Ter tzliigctlggte habe aber auch nicht erprobt, dazu gehöre weit mehr, als die BeweiScmsiiahme ergeben habe. Der Staats- anwalt habe sich kräftigst bemüht, nach andere Fälle gegen de» Augeilgglc» zu ermitteln, es sei ihm dies trotz aller A»ftrc>ign»g nicht gelimgen und so müsse man sagen, daff gegen Gehlfen überhaupt nichts weiter vorliege, als die hier ver- handelten vier Fälle. Rachdem der Verteidiger die Schuldlosigkeit Gehlseno an den cinzeliien Fällen darznthn» gesucht hat, schliefft er: Es stehe vor dem Gerichtshof ein bejahrter Mann, der Not und Elend 1» überreichem Maffe durchgekostet habe, in gebrochenem, ocdcniütigtem Zustande, der, wenn er verurteilt werden sollte, auf die Milde der»lichter zn rechne» habe. Der zweite Verteidiger Rothtoantvalt Dr. Löwcusteiu betonte, daß ein Anruf an die Milde der Richter nicht angebracht sei. der Augellggte habe nur. sein Recht zu beanspruchen und das müsse seine Freilprechnng sein. Der Verteidiger führte dann aus. daff durch die Beweisaufnahme der schlimme Verdacht, in dem der Angeklagte gestanden habe, keineswegs bestätigt worden sei. Weit schlimmer als alle Angriffe Gehltens sei daö gegen ihn ge- richtet« Flugblatt. Wenn der Angeklagte mit ähnlichen Waffen kämpfte, so könne man es ihm wahrlich nicht verdenken. Aus die einzelnen Fälle eingehend, sucht der Verteidiger ktgrziilege». daß man in keiner Weise dem Angeklagten den Varwurs der Erpressmig machen könne. Wer wolle es einem armen Teufel. der mit seiner zahlreichen Familie in der bittersten Not lebe, ver- denken, wenn er eine woblthätige Hand, die ihm ei» reiche? Geld« gescheut biete, nicht zurückstoße? So liege cs im Falle mit dem Professor Meyer. Der Verteidiger hoffte ans völlige Freisprechung des Angellagteii. der in seinen Augen trotz der entgegengesetzten An- sicht des Staatsanwalts ein anständiger Mensch bleibe. Der dritte Verteidiger, Rechtsanwalt Dr. Werlhancr erging sich zmiächsi in juristischen Anösührimge» dahingehend, daß Eehlsen in denjenigen Fällen, in denen er Ansprüche er- hob, auch von der Berechtigung dazu durchdriiiige» war. Seine Angriffe gegen den Eharlottenbnrger Krcditvmln seien keineswegs ohne Pegründnug geschehe», denn et war gefährlich, dab über den Schornstein hinaus belastete Theater des Westens, welches Rechtsanwalt Dr. Hartzfeld im Snbhastatlvnswegc für 2>« Millionen Mark erstehen wollte, so hoch zu beleihen, wie der Kreditvcrein eS gethan. Auch dieser Verteidiger kam am Schlnsse seiner Anssührnngen zu dem Ergebnis, daß eine Verurteilung des Angeklagten nicht würde erfolgen können.v7. Tie Unfallstatistik für 1897 zeigt in methodischer Hinsicht gegen früher einen beträchtlichen Fortschritt. Bisher wurde der Berechnung der VerhältniSzahlen stets die Zahl der durchschnittlich versicherten Per- soncn zn Grunde gelegt. ES blieb dabei die BeschästigniigSdnuer vollständig außer Berücksichtigung. Die amtliche Statistik strebt jetzt dahin, die Arbeitsdauer so genau als möglich zn berücksichtigen, das heißt die Zahl der Arbeits st u n d e n, die von allen Arbeiter» geleistet werden, der Berech- nung der Ulisallhäufigkeit nstv. zn Grunde zn legen. ES ist klar,' daß dieS ein viel genaueres Urteil über die Gefährlichkeit der verschiedenen Berufe zuläffen Ivürdc, als wie doS bisherige Ehstem. Dieses Ziel ist allerdings bisher noch nicht erreicht worden, da die Unternehmer dazu erst allmählich angehalten werden kömicii. Dagegen ist wenigstens nach Möglichkeit die Zahl der von allen Ar- beilern geleisteten Arbeits schichten festgestellt und daraus unter Zugrniidclegnng von 300 Arbcitsschichtcn pro Jahr die Anzahl der versicherten sogenannten„Vollarbeiter" gewonnen ivorden. Auf dieser Grundlage ergeben sich überraschende Resultate hin- sichtlich der Unfallhänfiakeit. In der Zusanmienfassmig nach Gruppen der gewerblichen BcrufLgcnosseiischasten und AuSsühnmgSbehordcn steht' danach die Gruppe Spedition und Lagerei, Fuhrwesen johnc Bahnbetriebe) obenan. Es kommen in ihr ans 1000 Voll- arbciter zu je 300 Arbeitstage» 14,13 Unfälle; ihr folgt Bergbau mit 12,09, Steinbrüche mit 11,94, Holzbearbeitmig 11,77, Bauwesen sPrivatbctriebc) 11,59, Bimienschifffahrt 11,35, Staatsbetriebe für Schiffahrt, Baggere!. Flößerei sc. 11,28, Müllerei. Zucker. Brennerei. Brancrei und Mälzerei 10,51, Seeschiffahrt 8,95, Eisen nnd Stahl 8.92. Die übrigen Gruppen stehen unter dem 8,08 betragenden ReichSdnrchschnttt. Was die tödlichen lliisäljc betrifft, so steht, in Prozente» der Gesamtzahl der Unfälle, die Seeschiffahrt mit 30,98 an erster Stelle, ivoraus die Binnenschiffahrt folgt mit 26,38, während die Holzbearbeitung die viertgünstigste Zabl mit 4,60 aufweist. Das Bauwesen nähert sich mit 10,96 dem ReichSdnrchschmtte, der 10,60 beträgt. Nach den VersicheningSträgern geschieden nehmen allerdings die VersichcrmigSansialten der BangcwcrkS-BcrAfSgciiosscnschastcn die erste Stelle ein. Sie zeigen ans 1000 Vollarbcilcr zu 300 Arbeits- tagen ÜA.SG Unfälle und unter ihnen steht wieder an erster Stelle die bayrische VersichernngSanstalt mit Die BaugewcrkS- BenifSgenoffenschaften zeigen zusammen 11.04, die bayrische allein 17,24. Tie Fiihrwerks-Bernfsgenossenschasten zeigen 16,97, Müllerei- Bernssgenossenschasten 13,51. Die niedrigsten Zahlen weisen ans Tabat-, Seiden-, Belleidmigsindusirie-, Töpferei- mid Buchdrnckcr- gcnoffcnscbastcn mit 0,42 bis 2,66. In der Nähe des Durchschnitts bewegen sick, staatliche Bauverwaltimg, Ziegelei-, NahrmigSmittel- BenitSgenasseiischasien. Eisenbahnverwaltnng. Fleischerei-, Breunerci- LcrnfSnenossenschaslen.Bernfögeiiosscnschafte» der chemischen Industrie, Zucker-, Eisen- und Stahl- und ScebcrufSgenosscnschastcn mit 6.59 bis 8,95 Unfällen. Die Thüringische Bersichcruiigöanstalt hat beschlosicn. das Rittergut Edelhof in Etzelbach bei Rudolstadt für 75 000 M. zu erwerben, um die Wohngebände zu einem Jnvalideiiheim um- zngestaltcn. In diesem sollen Invaliden- und AltcrSrenteiiempfänger an Stelle des RentenbezngeS freies Unterkommen finden. Auch geht die Anstalt mit der Absicht um, dort ei» Genesungsheim sür Frauen und Mädchen zn errichte». Hierfür sind weitere 60 000 M. bewilligt. Nach dem Rechnmigsschluß sür 1898 hat die Anstalt am 1. Januar 1899 ein Vermögen von 17 064 692 M. Ebenso beschloß der Ausschuß der Versicherungsanstalt Posen die Errichtung einer Lniigenhcilstätte für die Provinz und bewilligte für 100 Betten einen Betrag bis zu 400 000 Marl. Mit dem Provinzialverein zur Bekämpfung der Tuberkulose wird die Versichernngsanstalt zn diesem Zwecke sich in Vcrbnidmig setzen. TaS neue Gaswerk in Kolbing in Dänemark hat den A ch t si u n d e n- A r b e i t S t a g eingeführt, nachdem der Direktor desselben von einer Anslandsreise zum Studium dcx Verhältnisse der Gaswerke heinigckehrt ist. Die Mehrkosten für die Gemeinde be- tragen ßOO'-lOOO' Kr., aber der Direktor meint, daß die Leistungsfähigkeit der An st alt erhöht werden wird. Auch der Bürgermeister empfahl den Vorschlag und die Gemcindcverirctimg nahm ihn an. Urber die Sage der Fischer in den westsibirischen Flüssen be- richten russische Blatter, daß sie fast gar keine Ruhezeit von den großen Fischcrei-Uiiteriiehmern belviinuen, vielmehr fast ununter« brechen arbeiten müssen. Da sie die Kost beim Ilntcrnchiner haben. so werden sie mit den schlechtesten Nahrungsmitteln abgefüttert, die die Unternehmer billig aufkaufen. An Geldlohn bekommen die Arbeiter 10—15 Rubel inonatlich, soweit cs nicht sür Fusel ausgeht, de» ihnen der Umcniehmcr den Monat hindurch auf Kredit gicbt. Wem, die Fischsqng-Pcriode vorüber ist, gehen die Arbeiter mit leeren Händen heim. Fabrikinspektion in Bombay. Dem Jahresberichte dcS Fabrik- inspektor« i» Bombay ztisolge»iiiterstandcn seiner Aussicht im Jahre 1898 365 Fabrile» gegen 343 im Jahre 1897: die Zabl der in denselben beschäftigten Arbeiter bclies sich aus 95 038 gegen 88 575 im Vorjahre, lieber eine Vcrbesimmg der sanitären Verhältnisse in den Fabriken der Präsidentschaft ivciß der Inspektor nur wenig zu berichten: schlecht scheint cS namentlich um die Ventilation der ArbcitSräume bestellt zu sein. Der Inspektor bedauert die» um so mehr, als vielfach in den Bamnwollspinncreien mit der Einsührpng elektrischer Velen chitung die Arbeitszeit verlängert worden ist: in vielen Fabriken arbeiten die Arbeiter gcgemvnrttg 13, 14 und selbst 14>/, Stunden täglich— 15 Stunden ist die ge- sctzlichc Maxinialarbcitszeit in Britsich-Jiidicn!— und erhalten als Entschädigung sür die Verlängerung der Arbeitszeit nicht mehr als zwei Rupien nivnattjch. Die Zahl ver Betriebsunfälle ist seit 1892 in stetigem Anschwellen begriffen nnd hat auch im Berichtsjahre wieder erheblich zugenommen: anfänglich wurde die Steigcrinig in der Zahl der Unsälle einer genaueren Registrierung und besierer Erfüllung der Anzeigcpflicht zugeschrieben, doch trägt auch ans« gedehntere Beschnstigiiiig ungelernter Arbeiter in den Fabriken seit dem Beginn der Pestepideon« schuld a» der wachsenden Häufigkeit der llnsällo. Zlrbciterschiit? in Bicioria. In der Kolonie Victoria ist kürz- lich ein verändertes Fabritgcsctz in Kraft getreten, das die be- stehenden Arbciterschntz-Bcstmiinnngen einheitlich zusammenfaßt und nach mancher Richtung hin ausdehnt. So wurden auch die Fleischer den Vorschriften, die gesetzlich fixierte Lohnsatz« festsetzen, unterstellt. Weiter wurden dem Goyernor in Couneil ansgedchnte Vollmachten eingeräumt, betreffend die Einsctzmig besonderer«emier zur Festsetzung der Löhne in einzelnen Gewerbszweigen. Auch der Schutz der Haiidclsaiigcstcllicn wurde erweitert, indem die Bestinunmig getroffen wurde, daß jeder Laden in städtischen Distrikten einen Nachmittag in der Woche geschlossen bleiben muß. Vevlmmulungim. Ter Berel» der Lithographen» Steiudrmker und Berufs- genoffc», Zahlstelle III(Lithographen) hielt seine Mitgliederversanim- 11111;; am 12. d. M. ab. Der Vortrag des Herrn Dr. Wcyl:„Die Lebensweise bei sitzender Beschäftigung", fand durch seine lehrreichen Ausführungen großen Beifall. Einzeichiuingen und Beiträge zur Arbeitsloseiiunterslützinig. welche mit 1. Januar 1900 in Funktion tritt, nimmt Bader jeden Sonnabend im Vereinslokal und in den Versammlungen entgegen. Dübelt kritisierte sehr scharf, daß ein Kollege bei Böhme eine Arbeit übernahm, deretivegen ein anderer, Sonliilbtlld, 23. üepbtr 1899. gekündigt wurde, weil dieser dieselbe nicht zn dem ihm gestellten Preis machen ioimie., Tic Maschintusorincr hielten am Sonntag, den 17 Dezember, in den Barussin-Sälen eine Öffentliche Bcriammlung ab. welche sich mit der Organisationsfrage beschäftigte. Nach einer ikurzen. durch einen Kollegen gegebenen Eintcitmig entspann sich eine rege Tis- knssion, an welcher sich Redner a»s sämtlichen Gießereien beteiligten. Gegen vereinzelte Stimmen»ahm die gutbeiiichte Bersanunliing eine Resolution an. welche die Maschincnformer verpflichtei. Mann für Mann dem„Deutschen Metallarbeiter-Verband" beizutreten, um bei genügender Stärke olsdami eine eigene Sektion innerhalb deS Ver- vand'cs zu bilden. Der lkeberschuß der Tellersannnlung wurde den streikenden Formstechern überwiesen. Ter Bcrcin der Jiminerer Berlins und der limgcgend hielt am 17. Dezember feine regelmäßige Versammlung bei Cohn, Benthstraße 20, ab. Den Formsicchern Deutschlands wurden 50 M. bewilligt. Der Vorstand nnterbrcitcte der Versammlung einen An» trag dahingehend, daß es den Zimmerer» in der Umgegend freigestellt werden soll, ob sie dem Verein späterhin noch angehören wollen oder nicht. Fischer mid Reppschläger sprachen sich dahin- gehend aus. daß die Kameraden in der Umgegend sich nnbedingt den Beschlüssen der letzten Konferenz zu fügen hätten, während Schäffer für den Antrag sprach. PäSter beantragte, diesen Antrag bis zur nächsten Generalversannnlmig zu vertagen, was auch von der Versammlung beschlossen wird.— Alsdann hält Genosse Dr. Wehl seinen mit Beifall aufgenonimcncn Vortrag über Alkoholismus und moderne Arbeiterbewegung. Von einer Diskussion wurde Abstand genommen. An der Gciicralverfammlmig der Brauer am 17. Dezember gab der Vorsitzende den Jahresbericht. AuS demselben geht hervor, daß die Mitgliederzahk auf über 300 gestiegen ist. An Kämpfen ist nur der Abivehrstreik in der PichelSdorser Brauerei zn verzeichnen gewesen, der. wie bekannt, nach vierwöchentlicher Daner dank des energischen Eingreifens der Spandaner und Berliner Arbeiterschaft zu Gunsten der Arbeiter beendet wurde. Der gesammte Vorstand wurde wiedergewählt; sodann erfolgte die Neuwahl der Vertraiiciislente für sämtliche vertretenen Brauereien. Es erfolgt sodann eine lebhafte Aussprache über die Spandaner Berg-Brauerei. Diese bekämpfe im Gegensatz zu den andern Brauereien noch immer dak Koalitionsrecht der Arbeiter mit den schäbigsten Mitteln der Spionage und Denmiziation. Hierbei spiele der Kellermeister die Hauptrolle. Bei den letzten Stadtverordnelcnwahlen in Spandau wollten einige Brauer wählen gehen, was ihnen schließlich auch bewilligt wurde, aber mit einer nicht inißziiverstcheiiden Drohung: einer ist denn auch bald darauf entlassen worden. Sine öffentliche Musiker-Bcrsammlmig tagte am 15. Dezember bei BnSke. Kollege Hoch verlas seinen Bericht, selbiger wurde auch angciioinmcn. Zum GciverkschnftSvcrtrcter wurden JuSko und Loppe gewählt. Behiifcld berichtet über die Thätigkeit der AgitationS- lommission, indem er das Verhalten einiger Saalbcsitzer scharf kritisierte. Die AgitationSlommission besteht ans Behnfcld, Koni und Raabe. Charlottcnbnrg. Am Freitag hielt der hiesige Wahlverein eine außerordentliche Gciieralvcrsammlmig ab. Ehe in die Tagesordnung eingetreten wurde, ehrte die Versammlung das Andenken des Ge- nosscn Bruno I ä h n e r t durch Erheben von den Plätzen. Hierauf sprach Dr. Borchardt über die vergangenen Stadtverordneten- Wahlen. Es folgte dann der Bericht des Vorstandes und des Kassierers. Die Einnahmen betrugen für das III. Luartal 1036.25 M.. die Ausgaben 458,95 M. Die VvrstandSwnhlen ergaben folgendes Resultat: A. Stiefenhofer 1. Vorsitzender. F. Bunge 2. Vorsitzender, A. Will Schriftführer. H. Hcnschke und E. Kresse Kassierer, Sodann gelangte eine Resolution Görke zur einstimmigen Annahme, welche, miler Hinweis auf die Ungiiltigkeitserklärung der Wahl eines unserer Parteigenossen vor fünf Jahren, die Ablehnung unseres Protestes im ersten Bezirk aufs schärfste tadelt. Ein Antrag, die Versammlimgen um l/,g Uhr anfange» zu lasse», wurde angenommen. Eharlottcnburg. Am 17. Dezember fand im Lokale von Wille. Bismarckstraße 35, eine öffentliche Buchdrucker» versa« m lnng statt, zu welcher speciell die Nichtorganisierten eingeladen, jedoch wieder nicht erschienen waren. Nachdem Arnold über die Wichiigteit mid den Zweck de» Gewerbeaerichts gesprochen, wurde Klein als Beisitzer gewählt. Unter Berschieoenem winden die Mißstände in de» Druckereien Münch, Gertz nnd Krebs noch einer eingehenden Besprechung niitcrworfcii. Schöneberg. In der Bcrsaimulmig des Socialdem okra- tischen Vereins am Montag, den 18. Dezember, hielt Zubeil unter dem größten Interesse der Anwesenden über das neue In» valtditätS« und AllerSversichcrnngSgeictz. In der Diskussion wurde von einigen Mitgliedern mitgeteilt, daß auch der hiesige Magistrat Dclcgiertenwahlen zur Jnvaliditätsvcrsichming vorgenommen habe. — Die nächste Vcrsanmilmig, in der ein Vortrag über das Miels- recht nach dem iieuen Bürgerlichen Gesetzbuch stattfindet, wird am Montag, den 8. Januar 1900, abgehalten.— Schmargendorf. Am 19. d. M. hielt der Arheiter-Bildungs» verein seine letzte diesjährige Versammlung bei Beier ab. Einem früheren Beschlüsse eine Besprechung und Erläuteruiig deS Partei- Programms absckmittweise vorzuiichmcii. entsprach der Genosie PeterS dahin, daß er über Punkt I desselben referierte. Eine leb« hafie Diskussion nach dem Bortrage zeigte, mit welch reger Auf- mcrkiainkeit demselben seitens der Gciiosscn gefolgt worden war. ES wurden sodann noch einige interne Angelegenheiten erledigt, aus welchen besonders hervorzuheben ist, daß die nächste General- versamnilnng erst am 16. Januar 1900 stattfinden wird. Weissensee. Hier tagte am 14� d. M. eine öffentliche Volks» Versammlung, in welcher Genosse Stadthage n über i Mehr Dckiiffc, weniger Bedürfnisse? referierte. Redner kommt in seinem beifällig«msgeiiommenen Vortrage, in welchem er die neuesten Flottenpläne einer scharfen Kritik miterzog, zu dem Schluß, daß die Vermehrung der Flotie für das Volt bedeuten würde eine Ein- schränknng seiner Bedürfnisse. Die socialdcinokratische Partei werde gegen die Vorlage sein. Werde der Reichstag etwa aufaclöst, so böte mis die Wahlagitation eine willkominciic Gelegenheit, weiter sür unsere Jdccn zn arbeiten. Eine Diökusfion fand nicht statt.— Vorher war im Anschktiß an die Ausführungen GerstcnbcrgerS zur bevorstehcndeii Gcmeindevcrtreter» Wahl eine Wahlkommission vo» neun Personen gewählt worden. Rixdorf. Am Dienstag, den 12. Dezember, tagte im Lokal von Peters, Knescbeckstraße 113, dje regelinäßige Mitglieder-Versammlung des socialdemokratische» Vereins„Vorwärts". Rechts- aiiwalt Fränkl» Berlin sprach über:.Mietsverträge und Mets- rechte nach dem nencn Bürgerlichen Gesetzbuch". Diskussion, sowie alle übrigen Punkte der Tagesordnung tinirde» der niederen Temperatur wegen abgesetzt mid die Versammlung geschlossen. Im BolköbildungSverein für Britz»nd Umgegend sprach am 15. Dezember Herr Rechtsanwalt Viktor Fränkl in eingehender Reise über„Das Mietsrecht»ach dem nenen Bürgerliche» Gesetzbuch". Den interessante» Ausführungen folgte reicher Beifall. Humanistische Gemeinde. Molireustrahe 47, im oberen Saale des Brandenburger Hauses. Am ersten Weihnacbtsietcrtaa, vormittags 101/« Uhr, Herr Dr. Rudols Penzig über:„Dtc Seligkeit des RebenS." Freireligiöse Gemeinde. Soinitag, den 24. Dezember, vorm. 10>/z Uhr, im oberen Saal des„Englischen GartenS", Alesanderstnche 27c: Versammlung. Bortrag des Herrn E. Vogtherr:„Die indische Welt- anschauung". Montag, den 25, Dezember, vonnitlagS lO'/i Uhr ebendaselbst. Herr Dr Bruno Wille:„Festvortrag". DieaStng, den 26. Dez., vormittags 16'/« Uhr, ebendaselbst Festvortrag des Fräuletn Ida Altmann: F rieden". Gäste, Damen und Herren sehr willkommen K>>r dcn Inhalt dcr /Ansrraic ubcriliuiu»! dir Ncd.Uiio» drm Plil'likiii»«rgriiiilicr triiirrlci T Izontor. S o n ii a b t n d, 23. D c j e ni b e r QPer»ha»S. Fra Diavvlo. Aulaim "''■Ji Uhr. Tchnuspielhnnv. Die Brimtfcihrt ober Kunz i'dh bev Nosrn Jlii. fang 71/2 Uhr. TeutschcS. Der Probekaiivjdat An � saug 71/2 Uhr. Lcsjiug. ZÜS ich wirderkam... Sliismig 71/2 Uhr. Bcrlliicr. Flöttc«- Mauövcr iln fiiug 71/2 Uhr. Zinchin. 3 Uhr 1 grau Halle. Tchillrr. In BchairSIuiig Anjaiiii 8 Uhr NcnrS. Ein»nbeichrirbeiicS Blari Sliifaug 7>/z Uhr qi 'kszssze-ksViitleW.' In» l'Keuttil'üjlia! o»«ten«ti'ei Fcicrtaircn ie2 in» 3 inid 6 Uhr Anatoniisclies Musenni an ilen Feiertagen nur für llcrrcn geöffnet Liuimcrma»» Wrsle». Zar und Anfang'i'/2 lllir Nachm 3 Uhr; Schiircwcihchrn iniß Nosenral. Thalin. Im Himmrlhof� Aulaug 7>/z Uhr. Nesidrnz. Busch nnb Rcicheubach Larhcr:®ic Jilrtjtigc, Slnfann 7'/.. Uhr. Surfen. Jliinc Rcichr. Ansang 6 Uhr. <5ciiiral. Die Gcisha Ansang 71/. Uhr. Carl Weift. Kinbcr der Hüllc. An sang 8 Uhr Nachm. 3 Uhr.- Kinoervorsiellnng Schneewittchen Friedrich- WilhelinsiadlischeS. Geschlasien Bietvria. Die Skimö von der Marli- Halle Ansang 8 tlchr Belle- Zlllianee. föasispicl bcö Schlicrsccr Bauern- NieatcrS Sifctl von Schliersee Ansang 8 Uhr. Nletrvpol. Specialitatcn. Vor slellung. Rnnb iim Berlin An fang 8 Uhr. Zlftollo. Specialiiaicn Doisiellnng Im Reiche beb Jnbra Ansang 7i;o Uhr Nesehohallen. Sicttincr Sauger Anfang 8 Uhr Palasi. Smte uon heute Speciall liileiuBorstelliiug Ans 8 Uhr Passage- Paiioplikui». Speeiali- laien-VarsleUnng »rnnin. Fnvalidenstr. r»7/. Im Thealer: Der Sieg beb Menschen über die Nainr. Ansang 8 Uhr Lchilltt'-Thi'littl iWallner-Thraier). Sonnabend, a b e n d s 8 U h r: Zum 1 Male: In litiliandliingp. sKoinöbie in 3j?(ftcn von Mar Dreycr Sonntag fHeriiger Abend): Geschlossen. Mo»ta g(1. Feicriag). nachm. 3 Uhr: Vtil' It»Ql,rt>i- van ZLiilrnnea A b e n d ä 8 Uhr: Nora. D. icn c? i a g(2 Feiertags nachm. 3 Uhr. I>as Kiitbclicn von Iloitl»«an. Abcnds 8 Uhr:<»l>o««>5>ra«ItIuft. Thalia-Theater. Tel.AmtIVa G440. Dresdcnerstr. 72/73. Mit gilnzlich neuer Aiiösiaitnng: Kavltät! Znm 1. Male: Novität! Im iimmrljjof. öiV.Änöftattni'.göpufjc m.Gcscnign.Tang in 3 Allen von Jean Kren tinb Alfred EchöNseld. Musik von Mar Schmidi. Sonntag: Geschlossen.!— Montag n»b soigendc Tage: Im Himinelhof. Am l. geiertag, nachmittags 3 Uhr: A'ora. Von Henrik Ibsen.— Am 2. Feiertag: Kcan,(Sfeaii: Engen Schady.)' CarlWeiss-Tlieater Gr. Franksnrlersirafte I!!L. Nachm. 3 Uhr: Kinder-Borstelluiig. BvIlno«Hv!ttoll«n. Preise der Plöyc zu dieser Kinder- Borsiellniig: Galerie lK Ps, 2 Parkett, 2. Rang 20 Pf., 1. Parkett u. b. 17. Reihe und 1. Rang 30 Pf., 1. Parkett 50 Pf., Sage CO Ps.— Abends 8 Uhr: Ii i n«I«> ir<1 c i- Hölle. (£vttU'a( Ijcntcv Direliion: Jose Ferenczy. Abends i/«8 Uhr: Dir G e ü s l) 5». Operette in 3 Slkteu v. Sidney JoneS. Morgen n. solgende Tage: Dieselbe Vorstellung. Sonntag, 24. Dezbr.(Heiliger Abend) — nachmittags 3 Uhr:— HIc Gcittha. Abends findet keine Vorstellung stolt. Montag, 25. Dezemberie IVeihnachts ilescherung Die heilige Familie. Konzert einer Oamonkapelle. Der V/underliund„Schimmel". Die It o c■'«t n. IBB ietropol-ffiealßr. Behrenstr 55/57. Dir.; Rieh. Schult Liane de Vries und das brillante Dezbr. Specialitat. Pi-o-pi-niniii. Um>/.,0 Uhr: diiutb um Berliu. Wl 0 11 t a g. den 25. Dezember: Zum erstenmal: Die verkehrte Welt. AiiSstattiings- Operette in 0 Bildern von Roger Ferrier und Freund Mnsil u I Serpelle>1 I EinödShofer 'Ansang 8 Uhr Montag, den 25 Dezbr. nachm 3Uhr-. 1. Eiistiitblt-Cestspiel iitg Thtüters üts WtstcilS: veu kAudier va» 8evilla. Dienstag, den 25. Dozbr, nachm. 3 Uhr: l ßnstmble-AWtl beö TheattrS Dcö WtficilS: „Der Troubadour." Circus Busch. Heilte Sonnabend den 23 Dezember. abends 7>/z Uhr: Higli Life Evening. Zum II. Male: IZK« L'NINIII't'Zi. Bon der gesamten Presse als das grähtc und impolaiiieste SensationS- Zchanstüffd Falnbinidcrtö aiicrlannl Ausierdcm Die 3 Tiger-Grazien ans dem Fiinern v Nentral-Asrika. Anslreten Reiteriniieii Ltsok t Millou Matadore ans 3 sochem Reck der besten Reiter und sowie sämtlicher Clowns inlt neiikii Wivcn und Spähen. Morgen Sonittog. 24 Dezbr(Heil Abend): ZiveigrofteBorstclliiiigc». nachmittags lt Uhr 11. abends v Uhr. In beiden Vorstellniigeu hat jeder Crivachsene ein Kind uiiicr 10 Fahren frei, wettere Kinder unter 10 Jahren zahlen halbe Preise ans allen Plätzen mit Ansiiahme der Galerie.— Nach- mittags: Olhinpiiche Spiele'Abends: Die Camorra. An beiden Weihiiachts- seiertagen: Ztvei gr. Vorstellungen. Nachm-t Uhr und abends 7'/-, Uhr Nachmittags bat icder Ermachiciie ein Kind linier l0 Jahren frei, wettere Kinder unter l0 Jahren zahlen halbe Preise ans allen Plätzen mit Aus- nähme der Galerie Abends jedoch volle Preise— Nachmittags 4 Uhr: Olympische Spiele and abcnds 7>/., Uhr: Die Camorra. Cirkus Alh. Schuniani). Heute Sonnabend, den 23. Dezember, abends prfic 7>/z Uhr: II. Grand Soiree Hiirli Life. Gala Programm Nuslrelcu der neu engagiertcu Kuustkräste. Vorführiiiig der ii e u est e n unerreicht dastehenden Original Schul- n. FreiycitSdrrssnrcii des Dir..�ll». �oliuin-»»». der Schöpser lind Ersindrr aller»euen Dressitren Ziim Schluh: Gr. Ritter- schanstiick Mchwurx und Weiss». Sonntag, den 24 Dezember: Nur ine Vorstrlliiiig. Ansang 5 Uhr, Ende Uhr. Riesen- Programm. Revue samll Künstler, vom tleiiisten bis zum gröhien und Gröhies Rtttrrschauftück Schwarz»ud Weift. Freie» Cin- tritt aus allen Planen hat zu dieser Vorslellmig ein jedes Kilid. welches in Begleiliiiig ciiics mit Villel versehenen Erwachsenen ist. An de» 3 Wrihuachts- seiertagcn: Je Ä grobe Vorstellungen, nachmittags S'fa inid abends 7>/z Uhr. Nachm. 3>/z Uhr: llzlra einstudiert: Im VVeihnaclitsbazae. lZr. WeiHnacHls- Pantomime, dargestellt von 80 Kindern inid tOOErivachseneii Abends 7>/zUhr: chwarz»iid Weift. ttaaiäopaih. tittaik ietzl Karlsir. Kk. 8-!0. Brust-, Uulerleivs-, Hain, Frauen. Nriverilrailkhetteii, Ryeuslia. Peii. tlinif, Sicjeupr. 17. 2-4. 297öS* Apollo-Theater. Zum G. Malet Im Reich« des Indra. Auäiiattuneä• Opeiev.e ir. 1 Akt Kit drei Bilder:: und Apotheose vor. Leop. E!y und Bolten-Baecken Musik vor. Paul I.lncke. Ferne; lSpeclalitüten. Anfang U/j Uhr. Vorverkauf lägllch im Theater von 17— i Uhr, sowie irr, invalidendank Unter den Linden 24. und Künstler dank, Unter den. Linder. 03 Siiftisisoiaei Kottbuscrstr, 4 a. Sonnabend u Sonntag gcichloiicu. 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Billets werden an der Kontrolle nicht verabfolgt."Wä Zngicich machen wir die Mitglieder daraus aufmerksam, die resticreudeii Beiträge bis ziiiu 1 Januar zu regeln, da am Dienstag, 15 Januar, unsere Geiivoal-Vevssminluiig stattftiidct. 232/7 De»- Voestaiid. Verband der Möbelpolierer. Die Kollegen, welche noch für dieses Jahr mit den Beiträge» restiereii, ioerden hiermit ersucht, dieselben heute abend 8—40 Uhr in den Zahlstellen zu begleichen.- Urania-Bille zum 25. d M., nachmittags 4 Uhr sind noch bei H. Schulz, Memelerstr. 50a, zu habeil. 148 3 Wegen der Feiertage wird der K.rniikciizuschiist am 23. und 30. d. M, abends 7-8 Uhr, bei Herrn Schcere, Biumenstr. 38. ausgezahlt .ZM- Kollegen! Erscheint alle in der am 27. Dezember, vormittags 10 Uhr. bei Keller,.«ohpeiiftr. L». tagenden VSPSSILLINKLIILK. Tagesordiiuiig: l. Bericht über den Ausstand der Kollegen bei 2 a b o r e» z nnd die Abmachung mit der„Freien Nereiliigung der Holz- iiidiistriellen 2 Wie stellen wir»ns zu dem nenen Gewerkschafiskorlell. Referent Kollege Weber. Korreferent Kollege Nierich. 3. Zlbrechmmg und Wahl des Lettranensmanns 4 Vtrsdiicdenes. Der Vorstand. I�estS k'i'siss! OsoNr Arnold Hut-Engrosgeschäft. Dresdeiierstr. 116, Einzelverkauf fehkrfreierWaare in grosser Auswahl: am Oranienplatz. (Kein Laden.) Herrenliua*« wekh von Mk. 1.25—4.— do. steif von Mk. 2.00— 4.— do. ff Haarfilz von Mk. 5.00—7.— Cylinderliüte von Mk. 4.00—11— fuapeanx claqnfs von Mk, 8.00—12.— Kinderhüte von Mk. 1.00—2.— Confirmandcnliüte von Mk. 1,25—3.— I a Velonrliüte(Seldenplüsch) Mk. 7.60 Herren-Mützen von Mk. 0 35—2.50 Kinder Mützen von Mk. 0 30— 3.50 Pelz-Mützen von Mk. 1 50—3.— Pelz-Xaffei) von Mk. 1.50—30.— Pelz-Barettes von Mk. 1 25— 10— Pelz-Kragen u. Colliers v. Mk 1.50-10.- g�S* Sein vorth eiUiafte Bezugsquelle für W i ederverh ä ufer! 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Nicht die Handlung an sich ist zn untersuchen, sondern die möglichen Folgen derselben Bei konsequenter Verfolgung dieser Auffassung würde der Bundesrat mit Leichtigkeit sämtliche Ausländer ans der Schweiz ausweisen können, selbst das Neugeborene einer ausländischen Mutter. Mit derselben Leichtigkeit könnten aber auch alle anderen Regicrungeii die im Auslande lebenden ca. 300 000 Schweizer wieder in ihre Heinint zurückschicken. Ter französische Komnnssionsrcfcrcnt D e h a y e s erklärte, die Socialisten Italiens verdienten alle Sympathien, denn sie kämpfen gegen die vom antiken Rom vererbte herrschende Anschauung in Italien, daß die Arbeit eine verächtliche Sklaverei sei Dr. Decnrtius führte ans, daß die„Belastimgsmomente" gegen die Ausgeivieseucn auf lächerlich einfältigen Rapporten offen- bar unfähiger Polizeibeainten beruhen. Die Monarchisten dürfen bei uns fröhlich ihr Bekenntnis in a n i- fe stiere n, für Republikaner ist es gefährlich! B i s m a r ck h a t ü b e r d i e A n S Iv e i s u n g d e r H o t t i n g e r Socialdeinokratcn im Jahre 1883 sich selbst g e- äußert, die Schweizer hätten sich zu viel„ge forchten". Heute haben ivir's mit Italien zu thun. Die italienische Socialistenpartci wird einst ein schönes Blatt iu der Geschichte finden. Die Ansicht, daß die Fremden wohl Asyl bei uns haben, aber sich ruhig verhalten, nicht reden und schreiben sollen, ist nicht historische Ausfassung. Er beantragte sa dann folgendes Postulat:„Der Bundesrat wird ein- geladen, den politischen Flüchtlingen, welche für die Verbreitung ihrer politischen und socialen Anschauungen mit gesetz lich erlaubte» Mitteln wirken, den schweizerischen Traditionen ent- sprechend Asyl gewähren zu wollen." Genosse Wullschleger verteidigte das Recht der Bundesversammlung, in Ausweisungsfragen mitzusprechen, da die Verfassung dem„Bunde" und nicht dem Bundes rate allein die AuSweisungsbefuguis giebt �Bundesrat Brenner, der später zum Worte kam,' ließ diese' Auffassung gelten). Er ver- teidigte dann ferner das Beschwerderecht der Ausländer und wies die Unbegründetheit der Ausweisung der drei Genossen nach, sowie die Unfähigkeit mancher, von der politischen Polizei angestellten Beamten. E r b e a u t r n g t die Aufhebung der Ausweisungen Wenn solche Gründe, wie sie für dieselben geltend gemacht wurden, als genügend erachtet würden, so stände das Asylrecht auf schwachen Füßen. Im gleichen Sinne sprachen noch sehr gut der Tessiner M a n z e r i n, der B e r n e r Rcgierungsrat Gobat, Scherrer- F ü l l e m a n n(St. Gallen), Vogelfänger, Professor Dr. Z ü r ch c r, der nun dem Naiionalrat angehört, der Tessiner Motto und Curti Der köniffl. Wasserbaufiskus beabsichtigt gegenüber dem National- denkmal am Schinkelplatz eine neue Ufermauer zu bauen und bei dieser Gelegenheit eine Grundlegung deS Ufers herbeizuführen. Dabei werden an einer Stelle kleinere Straßenflächen in Anspruch genommen, während an anderer Stelle Wasserflächen im Austaufch hergegeben werden. Der Magistrat hat dem Projekt unter der Bc- dinqung zugestimmt, daß die Einfahrt von der Schloßbrücke zu dem Schinkelplatz etwas verbreitert wird, was durch eine Einschränkung fccä Vorgartens dcS Igt Kommandantur» Gebäudes zu erreichen \\t: JubcrnfaflS will der Mägistrat als Eigentümer des auf der Nsermaucr befindlichen Gitters bei Gelegenheit des Neubaues der -Nciucs ein neues, besseres und standsicheres Gitter nufsteSen lassen, Zur Feier dcS bevorstehenden Jahrhundertwechsels Jo i". uach Beschluß des MagistratSkollegiums am Silvester nachts r». Uhr von der Galerie des tliathanscs Choräle geblasen iverdcn.— hauend wären„Harre meine Seele" und„Aus tiefer Not schrei ich zu dir". Uolrates. Vor Weihnächte» geraten die meisten Menschen in eine Stimimmg, die eigentlich gar nicht in unsere nur auf das Verdienen und Zusammenscharren gc- richtete Zeit hineinpaßt. Da ivird mit einem Male das Geld mit vollen Händen ausgegeben, als sei es wertloser Tand. Jeder will den anderen beschenken, und jeder freut sich, wenn er es kann. Selbst mancher Geizkragen hat in dieser Zeit leicht seine schwache Stunde, m der er sich für kurze Zeit zu der Ansicht bekehren läßt, daß Geben seliger denn Nehmen. Diese gebefreudige Stimmung, die das Verhältnis des Einzelnen zum Eiuzelucn in der Weihnachtszeit um so viel herzlicher gestaltet. geht auch an dem Verhältnis der Bevolke r u u g S- klaffen zu einander nicht ganz spurlos vorüber. Dem Wohl- habenden wird das Leben am leichtesten gemacht, für ihn ist es eine wirklich ungetrübte Freude, tlnd zu Weihnachten kostet er sie gründ- lich aus, diese Freude— da überhäuft er die Seinen an einem einzigen Tage mit Gaben, deren Wert manchmal mehr als ausreichend ist, um für eine Arbeiterfamilie den Lebensunterhalt eines ganzen Jahres zu decken. Aber auch als Klasse denken die Wohl- habenden vor Weihnachten wieder einmal daran, daß Geben seliger denn Nehmen ist. Sie bauen mancher armen Familie, an die der „Weihnachtsmann" sonst achtlos vorüberginge, ihren bescheidenen Weihnachtstisch auf. Eine schöne Sitte, nicht wahr? ES scheint so. Aber im Vertrauen gesagt, die besitzende Klasse miniert uns, wenn sie so den„Weihnachtsmann" der Armen spielt, manchmal ein bißchen an den oben erivähntcn Geizkragen, der seine schwache Stunde hat. Das Bourgeois herz, das um die Weihnachtszeit so überaus weich Ivird, erweist sich bei anderen G e- l e g e n h e i t e n h a r t w i e Stein. Die meisten dieser Leute, die vor Weihnachten in ihren Aufforderungen zur Spcndung milder Gaben so beweglich für die Armen zu bitten ver- stehen. machen nicht mit. wenn von ihnen verlangt wird, daß sie sich einmal an durchgreifenden Maßregeln zur Linderung der Not beteiligen. Wenn es eine' wirk- lichc Hebung der wirtschaftlichen Lage der b e- sitzlosen Klasse gilt, dann sind sie selbstverständlich erst recht nicht zu haben. Wer ihnen mit solchen Forderungen komnit, dem leugnet mancher dieser um Weihnachten so iveichherzigcn Wohlthäter sogar keck ins Gesicht hinein, daß es überhaupt so etwas wie einen Notstand der besitzlosen Klasse gicbt. Geizkragen sind eben wirklich nur bei besonderen Gelegenheiten und für kurze Zeit zu bekehren. Wenn ihre schwache Stunde vorüber ist. dann besiuiicn sie sich sehr geschwind wieder auf ihren Beruf, nach dem Grundsatze zu handeln:„Nehmen ist seliger denn Gebe n." Die Aermsten der Armen. > So traurig auch. daS Los der Proletarier ist, die jetzt durch Straße»Handel mit Weihnachtsartikcln ihre Existenz zu fristen gezwungen sind, es gicbt leider— so will es die göttliche Welt- ordnung— noch viele, die in größerem Elend leben, die nicht einmal eine Stätte haben, die ihnen Unterkunft und Schutz gegen die Unbilden des strengen Winters bietet. Wir meinen jene Armen, für die die Arbeitslosigkeit meist schon nach kurzer Zeit den gänzlichen Mangel an Existenz- miitclu zur Folge hat, und denen es in solchen Zeiten nicht nur an Brot, sondern auch an Obdach� fehlt. So lange die Witterung einigermaßen mild ist. sieht man die Summe des Elends nicht. welches sich auch in Zeiten verhältnismäßig guten Geschäftsganges ! in der Großstadt birgt. Dann streifen die Brot- und Obdachlosen tagsüber durch die Straßen, nach Arbeitsgelegenheit anö- schauend. und suchen für die Nacht Unterschlupf nn Asyl. oder, falls sie noch über einige Groschen verfügen, in irgend einer Penne. Wenn aber der Winter mit solcher Strenge einsetzt, wie es jetzt wieder der Fall ist, dann wird ein längerer Aufenthalt im Freien, besonders wenn man nichts Warmes in und auf de! Leibe hat, unerträglich. Die steigende Kälte vemiindert auch in vielen Berufs, zweigen die Aussicht auf Arbeit. daS Umschauen nach Beschäftigung wird erfolglos, und die Aermsten der Armen, die sich sonst auf den Straßen herumdrückten, suchen in der Wärme h a l l e zeitweilig Schutz vor der schneidenden Kälte._ Die Wärmehalle ist denn auch jetzt fortwährend stark besetzt. Schon vor 7 Uhr morgens warten viele ans die Er- vffnuug der Halle und gegen 8—9 Uhr sind die weiten Räume, die mehr als 1009 Personen fassen, b i s auf den letzte» Platz b e s e tz t. Gestern war der Andrang seit der diesjährige» Eröffnnng der Wärmehalle am stärksten. Auf langen Holzbänken, eng an- cinandcrgeriickt, damit der Raum gründlich ausgenutzt werde, sitze» die vom Geivaltherrscher KapitalismnS zu Hunger und Obdachlosig- tcit Verurteilten, um weingfteus für einige Stundeil die von den großen Oefen ausgeströmte Wärme auf sich einwirken zu lassen. Glücklich, wer noch einige Pfennige besitzt, um sich an einem Napf Suppe, einem Topf Kaffee, auch von innen heraus zu erwärmen und ein wenig zu stärken. Unter diesen Amien giebt es so manchen, der sich solche frugalen Genüsse nicht einmal leisten kann und der nun mit verlangenden Blicken seinem glücklicheren Nachbar die kargen Bissen i» den Mund zählt. Welche Summe des Elends an diesem eine» Ort, wo Tag für Tag tauscndc der ärnisten Proletarier die warme Luft als ein Geschenk aus ivohlthätigcr Hand cntgcgenuehmeil l Das christlichste aller Feste, das Wcihnachtsfest, fällt manchem unserer Unternehmer recht«»gelegen! kommen doch drei Feiertage hintereinander, au denen die Arbeiter nicht in die Tret- inühle gebannt iverdcn könne». Doch halt! Wir haben ja eine G e w e r b e- O r d nn n g und diese hat einen weiten Spielraum. In weitherzigster Weise hat die Gescßgebiing dafür gesorgt, daß die Jagd nach dem Profit nicht drei lange Tagestmtcrbröchen'zu werden braucht. Der„heilige Abend" trifft diesmal auf einen Somitag, den „goldciicu Sonntag". Die Handlungsgehilfen werden, da die Geschäfte annähernd den ganzen Tag geöfstiet sein dürfen, an diesem Tage intensiver als sonst noch zu arbeiten haben. Auch dafür ist gesorgt, daß den Z e i t u n g s v e r I e g e r u die Bcthätigung ihrer christlichen Fcststimmuiig nicht allzu schwer fällt. So macht der Per- lincr Polizeipräsident bekannt: Auf Gnmd des§ 105 e der Reichs- Gewerbe- Ordnung wird mft Bezug auf Z 8 der Verordnung über die Sonntagsruhe im Gewerbebetriebe— mit Ausnahme des Handelsgewerbcö vom LI. März 1895 für den Stadtkreis Berlin verordnet was folgt: In Zeitungsdruckcreien dürfen am Dienstag, den 88. Dezember dieses'Jahres Arbeiter mit solchen Arbeiten, dje zur Herstellung der Morgenausgabe estier Zeitung für den 27. d. M. erforderlich sind, jedoch frühestens von 8 Uhr abends ab beschäftigt werden, Zweifellos werden eine ganze Reihe Zeitungsvexjeger sich diese Bestimmung zu Nutze machen, deren Rcdacteure in der Weihnacht� uummer über und unter dem Strich die wehleidigsten Töne an- schlagen müssen über das„Fest der Liebe", das„innige christliche Familiculeben". das bei Leibe nicht sie. sondern die bösen Social- de m okrale» zerstören. Noch viel weiter aber sind einige ZeituiigZnntcruehmer vi Frankfurt a, M. gegangen. Diese— unter ihnen findet sich auch die demokratische„Frankfurter Zeitung"— haben sich von der Behörde die Erlaubnis erwirkt, am Sonntagabend ein Blatt erscheinen zu lassen. ES geschieht daS namentlich, um den aus den Inseraten zu erwartenden Gewinn zu retten. Da am Mittwoch- morgen natürlich auch wieder ein Blatt erscheint, das in der Dienstagnacht gesetzt werden muß, so verbleibt den Redacteuren, Setzern nnd den, sonstigen Personal überhaupt von den drei Feier- tagen mir ein voller Tag. Das hindert natürlich nicht, daß jene Organe sich auch in Zu- kunft wieder als arbeitcrfrcmidliche ausspielen werden. Tic Einsiihrung bedingungsloser Gcbührcnfrciheit für Desinfektion bei ansterkenden Krankheiten ist in Berlin immer noch ein frommer Wunsch. Wenn man in dem Neuesten Jahresbericht über die allgemeine Verwaltung des Magistrats das Kapitel vom Desinfektionslvesen liest, dann möchte man fast an- nehmen, daß sie auch der Wunsch des M a g i st r a t s sei. Oder wie soll man die zum so und so viclten Male vargcdrachte Klage, daß,„während die gutgesinnten Klassen der Einwohner häufig ans eigenem Antriebe des- infizieren lassen, dies bei den ärmeren Volks- k l a s I e n zumeist e r st auf Grund polizeilicher An- ordnung geschieht", ander? verstehen? Leider ist diese immer ivicdcrholte Klage nach wie vor durchaus berechtigt. Das kommt auch i» den Zahlen, die der Bericht Über den Betrieb der ersten DesinfektionS- anstalt mitteilt, wieder recht überzeugend zum Ausdruck. Van 6727 Jntcrcffcntcn, die im Jahre 1897/93 8356 Wohnungen mit 210 630 darin befindlichen Gegenständen desinfizieren ließen beziehnngs- weise 140050 zu desinfizierende Gegenstände an die Anstalt lieferten, wohnten 6585 in Berlin, nnd zwar 4175<=- 63,4 Proz.) in Vorderhäusern und nur 2410(— 86,9 Proz.) in Hinterhäusern. Man sollte das umgekehrte Verhältnis erwarten, da ja die Krankheiten, bei denen eine Desinfektion bezw, der Gebrauchsgegenstände wünschenswert oder polizeilich vorgeschrieben ist, in den H int erhäuser n bekannter- maßen viel häufiger auftreten als in den Vorder- Häusern. Der Bericht bemerkt dazn:„Dies Ergebnis dürfte hauptsächlich darauf zurückzuführen fein, daß die in den Vorderhäusern wohnenden wohlhabenden Leute, denen es ans die Kosten weniger ankommt, häufig auch bei nicht ansteckenden Krankheitsfällen die DeSiiifektionsanstalt in Anspruch nehmen." Das wird zutreffe», aber nicht weniger zutreffend dürfte die Annahme sein, daß die in den Hinterhäusern wohnenden ärmeren Leute häufig selbst in den dringendsten Fällen auf Aenntziiiig der Desiiifckiioiis- anstalt verzichten, weil es ihnen begreiflicherweise sehr auf die K osst e n ankommt, und weil sie ein Gesuch um Erlaß der Gebühren als peinlich empfinden. Zu diesen dringendsten Fällen gehören nicht nur die, wo die Desinfektion polizeilich vor- geschrieben ist, also Erkranknngen an Cholera, Pocken, Typhus, Diphtherie, bösartigem Scharlachsieber, bösartigen Masern usw., sonder» vor allen Dingen auch die Fälle von S cki iv i n d s u cki t. Aber Während die Anstalt z. B. wegen Diphtherie 3590 mal in Anspruch genommen wurde, geschah daS wegen Schwindsucht nur 559 mal, und auch von dieser geringen Zahl kam der kleinere Teil(121 Fälle) auf Wohnungsdesinfektionen, der größere<389 Fälle) auf Desinfektion nur von Gebrauchsgegenständen(außerdem 49 Fälle auf Desinfektion von Krankenwageii), In dem Bericht wird das„wegen der Gefährlichkeit dieser Krankheit" beklagt, aber durch bloßes Beklagen wird eben nichts geändert und gebessert. Dem St'a dtsä ckel würde durch Einführung allgemeiner Ilneiitgeltlich- keit der Desinfektion nur sehr w e li i g a n Einnahmen entzogen. Der Sollbetrag der Gebühren stellte sich 1897/93 auf rund 78 682 M. Davon wurden 50 519 M. niedergeschlagen und 5275 M. als Reste auf das nächste Jahr übernommen. Thatsächlich kamen an Gebühren(einschließlich anderen Einnahmen) mir 26 576 M. ein. Ilm dieser Summe willen, die für eine Stadt wie Berlin eine lächerliche Lappalie bedeutet, wird an den Gebühren festgehalten! Die Ausgaben betrugen 146 650 M., der notwendige Zuschuß 120074 M, Bei allgemeiner Gebührenfreiheit würde natürlich die Bcnntzung der Anstalt,' also auch die Ausgabe bald bedeutend steigen, aber'daS Interesse der öffentlichen Gesundheitspflege muß einer einsichtsvollen Stadt- Verwaltung höher stehen als eine Ersparnis von einigen hunderttausend Mark. Die Klagen und Anklage» gegen die Große Berliner »traßcnbahu- Gesellschaft durch die Presse scheinen zwar an der Direktion so ziemlich wirkungslos vorüberzugehen. dennoch dürfen wir nicht müde werden, auch vom t e ch n i> ch e n Standpunkte diese Profitwirtschaft immer von neuem zu beleuchten. Daß wir durch Eiiiführimg des elektrischen Betriebes statt einer Verkehrserleichterung bis jetzt nur Verkehrshindernisse ein- getauscht haben, ist bereits anerkannt. Was aber die gute Direktion alles anwendet, um den Unmut des Publikums zu steigern, muß wirklich einmal zusammengestellt werden, 1. Die Aimoiicen an den großen Scheiben der langen Wagen müssen wir uns bis zum Ablauf der angeblichen Verträge ge- fallen lassen, obgleich es allgemein bekannt ist, mit welcher Leichtigkeit es der Direktion gelungen wäre, dieses unaus- stehliche Verkehrshindernis zu beseitigen. 2. Die hohen, für Frauen so schwer nnd unbequem zu ersteigenden Stufen bleiben trotz der häufigen öffentlichen Klagen auch bei den neu hiiizukommeiidcii Wagen bestehen. Die Direktion kümmert sich eben um die bcrcchtiglen Forderungen des Publikums gar nicht. 3. Die Stnfcnlücke, die auf dem Perron einsieht, wenn das linksseitige Gitter geschlosse» wird, läßt die Direktion durch ein Brettstück zudecken, das der Schaffner jedesmal bei den Umschaltungen für eine neue Fahrt nach der anderen Seite legen muß. Natürlich geht solch schmutzig gc- tretenes Brettstück oft verloren und dann steht der Fahrgast uiibc- quem u»d unsicher aus dem Perron. 4. Bei Einrichtung neuer elektrischer Linien sind die Pferde Hals über Kopf verkauft worden, so daß beim letzten Schneefall sogar Hilfspferde fehlten und die Fahrzeiten ganz einfach eilige- schränkt wurden, da auch die Pferde erschöpft den Dienst versagten. 5. Mit dem Winterfahrplan hatte die Gesellschaft die kühne Be- Häuptling der VcrkehrSdepntation gegenüber aufgestellt, es sollten die Wagen beim Verkehrsaiidrang nach Bedarf vermehrt werden. Bis jetzt ist immer nur das Gegenteil die Wahrheit. Selbst an schneefreien Tagen sind die Wagen voll, das Publikum gartet, wie man täglich und stündlich, besonders nachmittags, sehen kann, vergeblich auf Vermehrung der Fahrgelegenheit. Will die Verkchrsdepntation alle diese Zustände mit'freundlicher Gleichgültigkeit hiunehnie»? 6. Die Brcmscinrichtungcn haben sich für die Fälle der Gefahr teils als untauglich, teils als höchst unzuverlässig heransgesicllt, und die Gesellschaft kann von Glück sagen, daß es unter den Betricbs- abnahme-Beamten des Polizeipräsidiums an Sachverständigen fehlt, welche die mannigfachen Mängel der Wagen hinreichend zu beurreileii vermögen. Nur diesem lledelstande ist es wohl zuzuschreiben, wem, eine so große Betriebsgesellschaft sich bisher ohne einen vielseitig erfahoenen, elektrotechnisch höher gebildeten Bctriebsbeamtcn be- bolfen hat und dank unserer mangelhaften Gesetzgebung einer Direktion die Leitung überlassen durfte, deren Verantwortlichkeit{ich in erster Linie auf die Erhöhung der Dividende erstreckt.— Erwägt man, wie dauernd rücksichtlos' das Publikum behandelt wird, wie verwerflich die Arbeitskräfte ausgenutzt werden, wiesogar die Reparatur- schlosscrin den Depotwerkstätte» wöchentlich nur kleine Teil- z a h l u n g e n ibres verdienten Wochenlohnes und erst am 23. jeden Monats ihren Lohnrest empfangen, l'o befestigt sich doch bei jeder- mann die Ucberzcugung. daß diese Große Straßeiibahii-Gcscllschaft von einer Direktion' geleitet wird, welche weder technisch noch mensch- lich die Fähigkeiten'besitzt, um de» Anforderunqen einer Großstadt zu genüg eu.' und dost dje Behörden Nicht dje geringste Vergulpsiung haben, einer solchen, fortgesetzt den Unwillen dcx Oeffeiftlichkett herausfordernden Direitio» irgei'divje enlgegenzukymnlcn!-- Braueroiprofite. Die Berliner Bierbrauereien veröffentlichen jetzt ihre Geschäftsberichte. Durchweg blicken S; auf ein profitables Jahr zurück. An der Spitze marschiert die ergschloß-Branerei mit 18 Proz. Dividende, ihr folgt die Schult- Heiß'-Brauerei, die 14 Proz. statt 1ö Proz. im Vorjahre an ihre Aktionäre verteilt. Die Pfefferberg-Brauerei schüttet 13 Prog. aus, Patzenhofcr und Vereins-Brauerci Rixdorf je 12 Proz., Bock- Brauerei und Schloß-Braucrei Schviicberg 10 Proz. Dam, folgen Spandauer Berg mit 8 Proz., Moabiter mit 5'- Pröz., Friedrichs- Hain, Victoria und Norddeutsche mit 5 Proz. Dividendenlos ist das Miinchener BrnnbauS. Von den W e i ß b i e r- B r a n e r ei c.ii reüssieren am besten Landrs mit 9 Proz. und Gebhard mit 8 Proz. Dividende. Den größten Bicrabsatz hatte die Schulthciß-Brauerei, nämlich 753 587 Hcttolstcr gegen 709 2l0 Hektoliter im Vorjahre. Ihr folgt im weiten Abstände Patzenhofer mit 241 302 Hektolitcr gegen 235 790 Hektoliter im Vorjahre. Merkwürdige Llnsichtc» über Jugeudlittcratur scheint die städtische Schulbehörde zu haben. Als vorgestern in der 50. G e- m e i n d e s ch u l e Schitlschluß und Jahrhnndcriwende feierlich be- gangen wurden, erhielten hervorragend tüchtige Kinder gewissermaßen als Erbe de? scheidenden JahrhunderiS vom Lehrer oder Rektor ein Buch geschenkt. Sein Titel lontcte:„Offizieller Führer durch Kairo, Berliner G e w e r b c- A II s st c l l II II g 1896. Verlag des„Kleinen Journal"." Besondere Sorgfalt ver- wendet der„Führer" ans die Beschreibung der jetzt zum Glück vom Erdboden verschwundene» Knciplokale der verflossenen Aus- stellnng. Die Jubelmarke» im Ncichc des Jubels. Die neuen Reichspostmarleii sind bereits in den Werten von 10 Pfennig bis eine Mark fertiggestellt und an die verschiedenen Berliner Postämter verteilt worden. In einigen Postanstalten wurden die neuen Marken sofort verkauft und vom Publikum zur Franst ernng von Briefen benutzt. Die Obcrposldircktion hat nun gestern an die sämtlichen Berliner und Vorortspostämter eine Verfiigung erlassen, wonach vor dem 1. Januar neue Marken nicht mehr verkauft werden sollen. Ucbcr die Jahrhunderipostkartei, war mitgeteilt worden, daß sie in unbeschränkter Zahl hergestellt und im ganzen Jahre 1900 zum Ver- kauf kommen würden. Dies ist jedoch unziitreffend. Es werden nach der Zahl der Einwohner des Deutschen Reiches im ganzen 54 000 000 Jahrhundertpostkarten hergestellt. Wenn diese Auflage vergriffen ist, wird ohne Rücksicht auf die Zeitbcstimimmg die gc- wöhnliche neue Postkarte zum Verkauf gelangen, waS voraussichtlich im Juni nächsten Jahres der Fall sein wird. Ladcnschildcr. Äi» 1. Januar tritt die neue Verordnung in Kraft, daß sämtliche Gewerbetreibende, die einen offenen' Laden haben, ihren Familiennamei, mit mindestens einem ausgeschriebenen Vornamen an der Außenseite oder an, Eingänge des Ladens anbringen müssen. Infolge dieser Verordnung ist die Anfrage ergangen, ob die im Schaufenster angebrachlen. von außen gut zu sehenden Firmenschilder genügen. Darauf ist, wie der„Kons." mit- tejlr. amtlicherscits die Antwort erteilt worden, daß solche Schilder nicht genügen. Der Name des Inhabers muß mit einem voll aus- geschriebenen Vornamen außen am Hause oder am Eingange des Ladens sichtbar angebracht sein. Tie dcntschcn Kantschuksabriren haben bcschloffcn, von Neu- jähr ab den Preis ihrer Waren bis zu i50/o zu erhöhen. Wo man sieht und hört, treten Preiserhöhungen ein. Nur dem Arbeiter wird es mit allen möglichen Mitteln erschwert, sich einen Lohn zu erringen, der bei bescheidensten Ansprüchen zum Leben genügt. Rückgang deS WcihuachtSmarktcS. Auf dem vorjährigen Weihnachtsmarkte waren im ganzen 919 Buden und Schrägen ans- geschlagen worden. In diesem Jahre beträgt ihre Zahl nur noch 734. In der Gneisenaustraße zählte nian im vergangenen Jahre 422, in diesen, Jahre befinden sich dort nur noch 233. Auf dem Arkonaplatz stanvei, 195 gegen 174 in diesem Jahre. In diesen Zahle» spricht sich der Rückgang des Berliner Weihnachtsmarktes deutlich aus. Vermehrt haben sich dagegen die Verkaufsstellen für Weihnachts- bäume, 2177 in diesem Jahre gegen 1974 im vorigen Jahre, und die Verkaufsstellen für Aepfcl' und Nüsse, 203 gegen 166 Weih- nachten 1898. Christbaumschmuck thüringischer Parteigenossen. Wie im vorigen Jahre, so haben auch jetzt einige Berliner Genossen von den armen Arbeitern in Hohenlanscha, Thüringen, cinci, Posten C h r i st b a n in s ch m u ck übernommen, der im Konsuinvereii, Nord, Binetaplatz 1, sowie bei Fritz Z u b e i l, Rcichenbergerstt. 132, Hof rechts 1 Treppe zum Verkauf gebracht Ivird. Wir richten die Bitte au unsere Leser und Leserinnen, beim Einkauf diese Verkanfsstellcu zu berücksichtigen und io den armen Parteigenossen(in Thüringen eine WcihnachtSfreude zu bereiten. Die Einstclluug von Mannschaften der Berliner Garnison zur Bewältigung des Wcihnachtspäckerei-Verkchrs der P o st hatten verschiedene Körperschaften im Interesse der stcllungs- losen Knuflcute in diesem Jahre zu beschränken gebeten. Die Ober- Postdircktion ist diesem Wunsche nur insofern nachgetoiilinen, als trotz des sehr gesteigerten Verkehrs die Zahl der zur Post konimandiertc» Unteroffiziere und Maiinschastei, ungefähr dieselbe geblieben ist wie im Vorjahre, etwas über 290. Man glaubt die Soldaten im Jntcrcffe eines geordneten Weihnachtsvcrkehrs nicht cntbebren zu föimeii. warum aber stellungslose Kaufleutc z. B. nicht oassclbe leisten köniieir wie die Soldaten, ist nickn recht einzusehen. Geaen- wärtig werden Eivilpersonen als Anshelfer nur im innere» Dteifft verwendet. Ihre Zahl beträgt beim Palctpostamt in den Verkehrs- reichsten Tagen etwa 700. In der Charite ist gestern nachmittag den kranken Kindern der Weihnachtsbaum angezündet worden. Soweit es angängig war, erhielten sie Pfefferkuchen, Spielzeug und Kleider zugeteilt. Das Polizcipräsidimn teilt mit: Die Firma Albert S ah l« m o n beabsichtigt, auf dem Grundstück Alte I a k o b st r a ß e 10 eine B e r z i n u'u„ g s a n l a g e zu errichten. Personen, welche Ein- wendunaeii gegen das Unternehmen machen wollen, haben dieses dem Polizeipräsidium, schriftlich in zwei Exemplaren bis Anfang Januar zu Protokoll zu geben. Später eingehende Einwendungen können nach s 17 der R.-G.-O. in dem Verfahren nicht mehr angebracht werden. Die Hausbesitzer im Fett. Das Steigen der Miets« preise in der lctzie» Zeit wird auch in dem Bericht des Vereins der Berliner Grundstücks- und Hypothckemnakler für 1899 hervor- gehoben. Der Jahresbericht schreibt darüber wie folgt: Große hochelegante Wohnungen wurden namentlich in modernen Häusern, in den neuen an der Kaiser Wilhelm-Gedächtnis-Kirche belegenen Strnhenzügeii hergestellt und zu Preisen vermietet, von denen aller- dings unsere Altvoroern keine Ahnnng hatten. Aber auch mittel- herrschaftliche Ouartiebe fanden in diesen und in anderen bevorzugten Wohngegeiiden Beachtung und wurden gutvermietet, so dag diese Häuser gleichfalls vielfach entsprechenden U c b c r s ch u ß abwarfen und leicht verkäuflich waren. Diese leichte Berkänflichkeit übertrug sich aber ans andere, nahe der Stadt- und den Ringbabiihösei, be» legcne neue Häuser und wurde hierbei namentlich das Charlotten- biirger, WilmcrSdorfcr und Schonebcrgcr Gebiet bevorzugt. Hier sind die Mieten auch ssiir kleinere Wohnungen stark in die Höhe gegangen und Bcrkaufsobjckte boten daher neben moderner Ausstattung noch entsprechenden U e b e r s ch u ß. Die Mieter, vor allen Dingen die proletarischen, find bekannt» Ifch weniger erbaut davon, daß sie den vierten oder dritten Teil ihres Verdienstes dem Hanswirt opfern niüffeu. Wie könnte eine Kommunalverwaltung durch WohmingSbaiiten segensreich den AuS- bentungsgelüsten der Hauswirte entgegen wirken, wenn endlich bei hr so etwas wie sociales Pflichtbewußtsein aufdämmerte l Auch das Krankenhaus der jüdischen Gemeinde will die Verpfteguugstosten von Neujahr ab für hiesige Patienten ans 2,50 Pt. und für auswärtige auf 3 M. pro Tag erhöhen. Entsetzlich zugerichtet wurde gestern, Freitag, früh um 3 Uhr puf dem Moabiter Rangierbahilhof an der Sickingcn- und Bensselstratze bei einem Unfall der 34 Jahre alte Güterbodenarbeiter Heinrich Klippeck quS der WilSnackerslraße. Klippeck hatte im Nachtdienst dem Führer eines abgehenden Güterzuges Papiere an den Zug gebracht und woltt« über die Geleise hinweg naÄ dem Gitterdoden zurückkehren. Bei der Glätte, die infolge des starken Frostes herrschte, kam er aus den Schienen zu Falle, und im nächsten Augenblick ginzi eine Nangiev Maschine mit dem Wagen ihm über die Beine hinweg. Erst' das Geschrei des Verunglückten machte die andern Leute aufmerksam, daß ein Unglück geschehen war. Dem Aerinstcn, der mit einem Wagen der Unfallstalion in der Hnttenslraße in das Moabiter Krankenhaus gebracht würde» waren beide Beine zerschmettert, so daß sie gestern abgenommen wcrocii mußten. Ter Verunglückte ist verheiratet und Vflier von vier Kindern, Ungliicköfällc. Im Dienste ist gestern morgen uin 8 Uhr der 54 Jahre alte Gepäckträger Adolf Walkolvski aus der Garten straße 33 gestorben, der seit 24 Jahren ans dem Steitincr Bahnhof beschäftigt war. Walkowski litt etwas an Atem not, trat aber gestern morgen gesund um 7 Uhr seinen Dienst an. Eine Stunde später brach er in der Vorhalle de, Bahnhofes zusammen und starb i>n Bureau der Gepnckmisgabe «Ntcr den Händen des Bahnarztes.— Im Dienste schwer vcr unalücki ist gestern morgen um 1 Uhr der 37 Jahre alte Knopfloch, macher Heinrich B a r d s ch c>v s k y, der auf dem Postamt ain Schlesischen Bahnhofe zur Aushilfe beschäftigt ivar. Bardschewsky der in der Proskancrstraße wohnt, stand zivischen zivci mit Paketen beladcncn Handpostivagcn, als eine Rangiermaschine auf eine» der Wagen auffuhr und ihn gegen den andern preßte. Der Unglückliche erlitt mehrere Nippe» bräche und mußte mit einem Lückschen NcttungS wagen in das Krankenhaus ain Friedrichshain gebracht werden.— In der Rächt zu gestern geriet der Bahnarbciter K l e p p e ck air dem Moabitcr Güterbahnhof unter die Räder eines Güterzuges und erlitt schwere Verletzungen an beiden Beinen. Zufolge der Glätte verunglückte g e st e r n, Frcitaguachmittag� das 19 Jahre alte Dienstmädchen Elise Tutz, das bei dem Kaufmann Herrmann in der Schntzcnslraße Nr. 6g in Stellung ist. Das Mädchen fiel auf der Straße hin, brach sich ein Beiii und mußte nach der Charito gebracht werden. Die fortgesetzten Verurteilungen von Flcischermcistern wegen Zusatzes von Preservesalzen zu Hack- und Schabefleisch vcr anlaßt die„Allgemeine Fleisckler-Zcitnng", Berlin S'VV. 19, einen Preis von 3000 M. für ein Mittel auszusetzen, das die gleichen konservierenden nnd farbehaltcnden Eigenschaften wie schwefligsaures Salz ohne dessen angeblich die Gesundheit schädigende Eigenschaften besitzt. Das PreiSrichtcrkolleginur wird aus hervorragenden Special ärzien, Chemikern nnd Fleischermeistern zusannuengesetzi sein Nähere Auskunft erteilt die genannte Fachzeituug. Schadeufrner bct Gcrso». Von einem verheerenden Brande wurde gestern nacht das Kaufhaus Gerson am Werderschen Markt heinigesucht. Der ganze nach der Werderschen Straße zu belegen zweite Stock mit einer Front von sechs großen Schaufenstern, soivie der nach dem Werderschen Markt belegene Teil mit drei Schau fcnstcrn ist total ausgebrannt, und cS dürften die vernichteten Waren einen sehr hohen Wert repräsentieren. Der Straßcndamm wurde dabei nnt Glasscherben dicht übersäet. da die großen, zoll dicken Schaufensterscheiben durch die gewaltige Hitze au die Straße geschleudert wurden. Eine große Abteilung von Schutzleuten war Unter Führung des Polizei-Obersten Krause zur Stelle, um die Ordnung aufrecht zu erhalten. Kurz uach 2 Uhr schlugen die ersten Flammen aus dem Fenster des Lagerraumes, der an das Nachbargobände Nr. 5 der Werderschen Straße anstößt. Von hier aus griff das Feuer mit unheimlicher Schnelligkeit um sich, so daß die ersten Löschzüge bei ihrer Ankunft bereits die ganze Front in Flammen fanden. Sofort wurden weitere Verstärkungen herangezogen, und etwa ein Dutzend Löschzüge machte sich an die Bekämpfung des Elementes. Von beiden Straßen fronten aus wurden über Treppen, soivie über zwei mechanische Leitern hinweg vorgegangen, wobei cS hauptsächlich galt, dem Feuer den Weg zu verlegen, um tveuigstenS de» bis dahin verschont ge- bliebcnen Teil.Ani� Werderschen Markt" zu retten. Es gelang das auch innerhalb l'/a Stunden, trotzdem die Löschmannschaften beständig unter starker Raiichetrtwicklung zu leiden hatten. Bald nach 4 Uhr konnte Branddirektor Gicrsbcrg, der die Lvscharbciten leitete, den größten Teil der Züge wieder entlassen. Die vollständige Ablüschung nahm dan» immerhin noch geraume Zeit in Anspruch, lieber die Eni- stehnngsursache ist Sicheres nicht festgestellt. Hätte nicht glücklicher- weise völlige Windstille geherrscht, so wäre die Gefahr nicht nur für das Gcrsousche Grundstück, sondern auch für die Nachbargebäude sehr groß gewesen. Fcucrbcricht. Die Nacht zum Freitag brachte zahlreiche Marinierungen. Krausen straße 33 brannten Betten und ein Svind, Bitlowstraße 93 Möbel und Gardinen. Ein Alarm nach Ad miral straße 6 betraf ein kleines Schadcnfciicr in einem Messmgtvarcngeschäft. W i l h e l m s h a v e n e r st r a ß e 18 wurden Tische in einem Eigarrengcschäft eingeäschert. In der Zeit von VhI bis VjS Uhr wurden nicht weniger als sechsmal Feuermelder böswillig gezogen, ohne daß es gelaug, die Thäter zu ermitteln. Die Buben hatte» es auf die 1. Compagnio abgesehen, denn in deren Bereich lagen sämtliche mutwillig gezogene Melder. Es waren dies diejenigen in der C h r i st i a n» a sr r'a ß e, B e h m st r a ß e, Pre n zlan er straße 5, Schön hau serAl l ee 181, Wörther- Platz und F r a n s e ck i st r a ß e 31. Freitag erfolgten Alarmienmgen »ach Ritte rstraße 63, soivie nach der Annen- und Grün- straße, doch lagen bei denselben geringfügige Anlässe vor. Eine ständige Feuerwache ist jetzt auch für die Aufführungen im Wintergarten, Apollo- nnd Mctropol-Thcater eingerichtet, während bisher nur die großen Theater von der Feuerwehr mit Wachtposten dedacht wurden. DaS«ene Rmcrican- Theater» desscu Berlin sich seit einigen Wochen erfreut, war am Doimcrstag bereits bei einem Jubiläum, und zwar sogar bei ciiicui LSjährige», angelangt. Sein Direktor �crr Emil S chnab l, beging nämlich durcki eine Festvorstclluiig den i; 'ag. au welchem er vor 2S Jahren die Künstlerlaufbnhn betreten halte. In deni Repertoire- Stück„Berlin ulkt" brachten die Mitglieder der Bühne dem Jubilar ihre Huldigung dar? und nachdem die Spccialitätcn gezeigt hatten, ivaS sie konnten, stellte das Original- Schnabl- Trio(Herr und Frau Schnabl und Herr Wälder) sicb in der Gestalt vor, die ihm vor 12 Jahren eigen war. Am Schluß aber erwiesen die Budapester Komiker Gebrüder Hcrrnfcld ihrem Landsmann und Kollegen da- durch eine Freude, daß sie auf seiner Bühne ein anmutiges Charakter- dild„Die letzte Ehre" zum bestell gaben. Tie seltsame Erscheiinnig, daß die ösircichische VortragZkunst sich beim Berliner Publikum mehr und mehr in Gunst setzt, fiel an diesem Abend ganz besonders ans. Bei den Herrnfelds mag in Betracht komme», daß das pikante Mauscheln der ihnen cigeiicn Art ausgezeichneter Charakterdarstcllung einen Reiz verleiht, der den Berliner außerordentlich prickelt. Diese Holdc-Gabe cutbchrt aber Herr Schnabl, und trotzdem sprechen seine stark wienerischen Vorträge in unserem rauhen Norden mehr und mehr an. Die Millionenstadt bietet gewiß Raum für viele, aber dennoch mutz es auffallen, daß zwei östreichische Komikergescvschaften eine Anziehungskraft ausüben, die stark genug ist, um jeder von ihnen hier ein ständiges Heim zu sichern. Vielleicht übt der grausige Verfall der Berliner Posse diese Wirkung. Seit den Tagt», wo der minmehr entschlafene Helmerding sich vliin öffeutlichei! Wirken zurückgezogen hat, ist ja mit ihr auch das Berliner Eouplet recht heruntergekommen. Die Wenigen, die wie Reutter, Talente haben, sind durch einseitiges Birtuosentnm, wie auch durch die Enge der Polizeizcusur an der freien Entwicklung gehindert. So mag es denn kommen, daß Berlin an fremden Blüte» Gefallen findet. Tie Urania versendet gegenwärtig das Prograuim der im komniciideii Cviutcil stiUtsiiideichl.» Vorträge. Die Lchrkurse umsassev: 16 Vorträge über„Elelirotechiiit"(Dr. P. Spjcs), 16 Vorträge über„Technologie des täglichen Lebens"(Dr. G. Ratz), � Vorträge über ausgewählte Kapitel aus dem Gebiete der Erdkunde(Dr. P. Schwahu) und 6 Vorträge über„die Naturgeschichle im Alltäglichen"(Professor Dr. C. Müller). Anssührliche Berichte pild pn der Swic cilMsich oder werde» aus Müsch lpsiyilos»u Theater und Vergnügungen. Im S ch ill er- Th e at er ist die Besetzung der Hauptrollen in der heutigen ersten Aufführung der dreiaktigen Komödie„In Behandlung" von Max Dreher folgende! Berthold Wiescner: Albert Patry; Lisbeth Weigel: Alwine Wieckc; Christian Ohlerich: Julius Eichen i Frau Stcuerrat: Agnes Werner! Marie: Else Scitz; Edith Schwan: Marie Voigt! Frau Bolzcndahl'. Marie Gundrä; Ferdinand Säubert: Ferdinand Gregor,; Iwitzen; Alfred Schmasow; Frau Iantzen Margarete Harting.— Im Carl Wciß-Theater geht heute nach- niiilag bei ileine» Preisen„Schneewittchen" als Kinder- Vorstellung in Scene. Am Abend findet die erste Auisührung von der Ausfiatnmgspossc „Mnder der Hölle" statt Im Thalia-Theater wird die Ausstatnings posse„Im Himmelhof" heute zuerst gegeben. Eine M ä r ch e n- M a t i n e e für die Groben und Kleinen veranstaltet Max Laurence am Domierslag, de» 28. Dezember, mittags 12 Uhr, im groben Saale des Architektciihauics.— Freien Eintritt in de» C i r k u Schumann hat am Heiligabend, Sonntag, den 24. d. M., jedes Kind in Begleitung eines Erwachsenen. Diese Wethnachtsvorstellung beginnt»in ö Uhr und endet, mit Rücksicht auf die Bescherung, vor 8 Uhr.— Im Cirkn s Busch finden Sonntagnachmittag zwei Vorftellunge statt; die erste bereits um 3 Uhr beginnend und um'/,ö Uhr endend, die zweite um 6 Uhr beginnend. Zn beiden Borstellungen haben Kinder nur halbe P r e i s e zu zahlen und jeder Erwachsene darj aus sein Billet e i n Kind frei mit einführen. Ans de» Aachbarorte». AbschiedSsest. Am 26. d. M., dem zweiten Weihnachtsfeiertag. mittags 1 Uhr, findet in Stralau(im Lokale der Witwe Schoners Ncu-Seeland) das Abschiedsfest zu Ehren des aus Preußen aus gewiesenen VcrtraucuSmanus dcS Niedetbarnimer Kreises, Anton Kopp, statt. Die Freie Turuerschaft Johannisthal veranstaltet am ersten Feiertag, abends 6 Uhr, in Senftlebcns Lokal in Johannisthal eine Weihnachtsfeier, verbimden mit allgemeiner Kinderbeschennig Jedes Kind erhält ei» Geschenk. Freunde und Gönner sind will kommen. Der Vertrauensmann. Zwei Opfer der Kälte. Der strengen Winterkälte ist am Spandan er Berg in der Nähe der.Waldschenke" ein Menschen leben zum Opfer gefallen. Gestern morgen um 9 Uhr fanden da selbst vorübergehende Arbeiter am Boden liegend ciueii vollstäudi steif gefrorenen, etwa 30 Jahre alten Mann vor, der nach den bei ihm vorgefundenen Legitimationspapicren mit einem Schriftsetzer H ans Chärlottenburg identisch ist. Wiederbelebungsversuche hatten keinen Erfolg. Vermutlich ist H. in der Trunkenheit zn Falle ge kommen und hat sich nicht wieder aufzuraffen vermocht.— Auch in der Wilmcrsdorfer straße zu Charlottenburg, gegen über dein Sportpark Klirfnrstendamm, Ivurde die Leiche eines er- frorenen Mannes aufgefunden, deren Identität mangels jeglicher Ausweispapiere nicht festgestellt werden konnte. Der Tote ist etwa SS Jahre alt und hat blonde Haare, sowie blonden Schnurr- und Backenbart. Bekleidet war er mit braunem Sommer-llcbcrzichcr braunem Jackett, schwarzem Rock, sowie Pfeffer- und snlzfarbiger Hose, brauner Plüschmütze, schwarzen Pulswärmern und Zug stiefeln. Der Unglückliche ist anscheinciid im Freien eingeschlafen und erfroren. Zu», Artikel der Grundstücks- Spekillation liefert einen äußerst charakteristischen Beitrag ein Geschäft dieser Art, das in den letzten Wochen in S ch ö n e b e r g gemacht worden ist. Dort ist das an der Ecke der Hmipt- und Tempelhoferstraße liegende ausgedehnte Hof- und Gartengrundstück, auf welchem sich die bekannte Gasthaus Wirtschaft„Zum' Hirsch" befindet, die sich seit langen Jahren im Besitz der Familie Arloff befunden und immer in dieser vom Vater auf den Sohn vererbt hat, vor etiva drei Wochen von dem Unternehmer Kurt Behrend angekauft worden und zwar für den Preis von 400 000 M. Trotzdem nun aber die Auflassung bczw. Abtretung des Grundstücks an Behrend erst ain 31. März näckisten Jahres erfolgt, hat der neue Besitzer doch schon tviedcr einen Teil des Grundstücks von 40 Meter Front an der Hauptstraße und 40 Meter an der Tempelhoferstraße zu dem horrenden Preise von— 3500 M. pro Ouadratrute weiterverkauft, während für den übrigen Teil des Grundstückes an der Tempel- hoferstraße der neue Eigentümer 1200 M. pro Ouadratrute fordert. Dieser Preis ist der höchste, der bisher in Alt- Schöuebcrg bei Tcrratuspekulntioncn erzielt worden ist. Pankow. Ein Jahr lang will die Gemeindevertretung die Frage der Errichtung einer Fortbildungsschule ruhen lassen. Solche Kulturaufaabeu eilen ja auch uicht.— Am 1. April tritt das Ortsstatut, betreffend die Versorgung der Witwen nnd Waisen der G e m c i n d e b e a ni t e n in Kraft. Ein Antrag auf— Erhöhung der Gehälter dieser Beamten wurde abgelehnt.— Die Haltestelle der Nordbahn soll nach der Wollaukstraße verlegt werde».— In einer Konferenz im Berliner Polizeipräsidium, au Ivclchcr die Amts- Vorsteher der Ävrorto teilnähme», wurde die Stationierung von K r i in i n a l b e a in t e n in den Vororten bon neuem erörtert. Pankow erklärte abermals, daß es keinen Bedarf für diese Seginnig verspüre. Trotzdem wird in kurzer Zeit die Berliner Kriminalpolizei den Ring um die Vororte schließen und auch Pankow wird der Berliner Kriminalpolizei teilhaftig iverden. Tic Eiödcike des Müggelsees ist wieder vollständig sicher. Ans der Oberhavel, in der Gegend von Heiligensee und Nieder-Neneiidorf. hat das Eis eine solche Stärke erreicht, daß die Bauern mit Pferd und Wagen hinüberfahren. Die uralte Titte des Wcihnallitö-A«tutc«s in den Fischer- dörfern T i e f w e r d e r und Pichelsdorf bei Spandau ist mit dem Ende dieses Jahrhunderts beseitigt worden. Der noch aus der Wendcuzeit überkommene, später der christlichen Religion angepaßte Brauch bestand darin, daß alljährlich neun Tage vor Weihiinchten die älteren Schulknaben jeden Abend in der Dämmerstunde von HauS zu Haus wanderten, wobei sie vor jedem Gehöfte Hornrufe aus eigenartig geformten Blechinstrumente» ertönen tießcn. Zu Weihnachten wurden sie dann von den Fischern beschenkt, a»ch fand ein festlicher Umzug unter seltsamen Förmlichkeiten statt. Nachdem beide Dörfer durch starken Zuzug aus der Stadt ihren alten Charakter verloren, schwand auch allmählich der Sinn für jene alte Sitte; schließlich sahen die neuen Bewohner, deucn nach den Bc- griffen des modern-christlichen Patriotismus Nehmen seliger denn Geben dünkt, das„Tuten" als eine lästige Störung(I) an. Nachdem das„Weihnachts-Antutcn" in Pichelsdorf schon im vorigen Jahre uickit mehr stattgefunden, hat man zu diesem Weihiiachtsfest auch in Ticfwcrder auf jene von de» Vätern überlieferte Sitte bor- zichtet. Eisenbahn- Militariöni«S. Ein deutscher Panzer- Ei se ii b a h n z n g verkehrt jetzt ans der Militär-EIsenbahn Schöne- berg— Kunersdorf.' Die Waggons sind aus Grusonscheii leichten Panzerplatten hergestellt. Mannschaften der Eisenbahiivrigadc dioneil als Besatzmig. Der Zug ist mit einem Maschinengewehr ausgerüstet. Der Wagen, in dein sich die mit Gewehren bewaffnete Mannschaft befindet, steht wie eine Festiingsmaucr mit Schieß- 'chartcn aus. Nach oben ist der Wagen offen. In einem besonderen Panzerwagen vor der Lokomotive befindet sich das drehbare leichte Geschütz. Dasselbe kann nach drei Richtungen feuern. Soeittlv Vrrkzkspflvge. Körprrvcrletznna yder VetriebönnfaU? Der Sckilächter Jordan war auf dem städtischen Viehhofe jg Bcrlsn vom Schlächter Rudow anläßlich eines Streites zu Boden geworfen ivorden und hatte eine erhebliche Beinverletznug davon getragen. Seinen An- sprgch auf eine Uusallrentc wies die F I e i s ch c r c i- B e r u f s? euossenschgft ab, weil ein Unfall„beim Betriebe" uicht vor- liege. Jordan legte Berufung ein und machte geltend, daß er während seiner D i e n st z« i t und aus der Arbeits- ' ätte verletzt ivorden sei, also ein Zusammenhang mit dem Betriebe vorhanden ivärc. Rudow Hab« ihii ohne besonderen Anlaß angerempelt und ihn, sowie eine grau Appell, ivelche Hundefutter holte, durch häßliche Aeußerungen beleidigt. Er habe sich daS verbeten und sei dann wieder von Rudow angepackt und zu Boden ge- worfen worden, worauf er' einen heftigen Schmerz am Fuß verspürt habe nnd die UiifaNstation habe aufsuchen müsicii. Das Schiedsgericht verwarf jedoch die Bcriifmig und das RcichsversichcrungSamt als Rekiirsinstanz crkainitc ebenfalls zu Ungunsten des Klägers, indem es von folgenden Erwäginigen ausging: Wenn auch ein ä u g e r e r Zusammenhang nnt dem Betriebe insofern gegeben sei,� als der ganze Vorgang sich auf der Betriebsstätte abgespielt habe, so sei doch eiitjchcidciid, daß der Unfall durch persönliche Aeziehnngen und nicht d n r ch den Betrieb selbst veranlaßt worden sei. Im allgemeinen sei davon ausziigchcii, daß KörperverletziiNaeu, welche einem Arbeiter von ciiiem Mitarbeiter oder von einer dritten Person vorsätzlich beigebracht werden, sich nicht schon deshalb als Betriebs- nnfälle darstellen, weil sie zur Zeit und am Orte des Betriebes sich ereigneten. Ein Betriebsunfall sei liaincNtlich da nicht aiiznnchnicn, Ivo der Anlaß der Körperverletzung oder dcS Streites, gelegentlich dessen die Verletzung erfolgte, nicht mit dem Betriebe in Verbindung steht, sondern rein persönlichen Verhältnissen zwischen den Beteiligten entspringe._ Geriltzks-SeMms. Daö Vcreinögcsctz gegen Arbcitcrversantiiilmigc». Von der Anklage der Zuwiderhandlung gegen das anhaltische Boreiiis- gesetz sind am 12. Juli von der' Strafkammer zu Bern bürg Misere Partcigeuosseil Luise Z i c tz geb. Körner und 3 Mitangeklagte freigesprochen worden. Es handelte sich»in die unterlassene Aiiiiieldimg zweier öffentlicher Versanimlinigeii,� in welchen nach Ansicht der Anklage öffentliche Angelegenheiten erörtert ivorden sind und in welchen'die Angeklagte Zictz als Rednenu aufgetreten ist. Auf die Revision der Staatsanwaltschaft hob das Reichsgericht daS Urteil in dem cincii Falle auf und verwies die Sache insoweit an die Strafkammer zurück. Der Vnnd der Landwirte nnd die Landtagswahl in Flensburg. Das Landgericht Flensburg hat am 5. November den Hofbesitzer Gottlieü Z i e s e, den Gutsbesitzer Oskar Alexander M i l b e r g und den Nedacteur der„Deutschen Tageszeitung" in Berlin, K. G. S t r c h l k e. zu 500 M. bczw. 130 M. und 50 M. verurteilt, weil als erwiesen angenommen wurde, daß sie den Landrat des Kreises Fleushura, Dr. Nasch, durch Veröffeutlichinigeii. Ziese auch durch eine Rede, beleidigt haben. Der Vorwurf, den siesgcgen den Landrat erhoben haben, gipfelte darin, daß er durch willkürliches Vorgehen die Interessen des Bundes der Landwirte geschädigt und dadurch die Wahl des iiationallibcralcii Kandidaten Jepsen herbeigeführt habe, ferner daß er seinem Amte uicht gewachsen sei. Gegen das Urteil hatten sowohl die Angeklagten als auch der Staatsanwalt und der als Nebenkläger auftretende Landrat Rebision ein- gelegt.— Gemäß dem Antrage des RcichsanwaltS verwarf das Reichsgericht die Revisionen des Staatsanwalts nnd des Nebenklägers als unbegründet, dagegen h o b es auf die Revision der drei Angeklagten das Urteil a n f und verwies die Sache au das Land- goricht Kiel. Zur Aufhebinig führte die Beschwerde, welche Vcr- ieiimiiig des K 193(Wahriiehinmig berechtigter Interessen) rügte. Das Reichsgericht erachtete iveder die Form noch die Umstände, welch« für die Absicht der Beleidigung sprechen sollen, für ausreichend fest- gestellt. Entsetzliche Strafe. Wegen Gewaltthätigkeit bei einem Aufruhr gegen einen Vorgesetzten, wegen Achiiiiigsbcrletziing und Ge- horsamsverweigeruiia, sowie wegen unerlaubter Eutferiumg ist dxr Obermatrose Jürgen Küster boni Kriegsschiff„Sachsen". der der dritten Compagnie der ersten Matrosen-Division angehörte, durch kriegsgerichtliches' Urteil zu sechs Jahren ZuchlhanS und Entfernung aus der Marine verurteilt worden. Das grenzt ja fast an die im L ö b t a u e r Prozeß an Arbeitern geübte Vcr- nrteilung I___ Vevmipitzkvs. NnS Zliitiverpen wird vom Freitag berichtet: Der englische Dampfer„Maggie Mac N a i r" gilt als verloren? die Mann- schaft hat das Schiff, welches nahezu voll Wasser ist, verlassen. Der Wert der aus Getreide nnv Wolle beftehciidcu Ladung des Dampscrö wird auf 3 Millionen geschätzt. Der deutsch» D a m p f e r. L u c i a n a" ist mit einer leichten Beschädigung am Bug heute nachmittag im hiesigen H a f c n' e i ii g e t r o f f e n.— Der deutsche Dampfer„ E l b i n g" ist ohne Beistand wieder flott geworden und ankert bei Llissingen Der Nebel dauert an. Flüchtiger Kaffenrcndinit. Wie der„Ostsee-Ztg." gemeldet wird, ist der Rendant der Kreis-Komiminnlkasse in Swiiiemünde. der KrciSauSschnß-Sckrctär Fratzke, seit Sonntag vcrschivundcn! wie vermutet tvird, ist er flüchtig geworden. In der von ihm verwalteten Kasse sind Unregelmäßigkeiten entdeckt. Der Winter. In O b e r n h n u s e n ivurde vorgestern an� einem Düngerhaufen an der Ellenvogeiistraße die Leiche eines älteren Mnnizes gefunden. Er war erfroren. Der Manu hatte a»s Mangel eines Nachtlagers den Düngerhaufen als Ruhestätte auf- gesucht. Bei Seghe(Wclschtirol) ist ferner der 37 jährige Bauer Carli, bei Jiiuervillgrateu(Pusterthal) die 82 jährige Tagclöhncrin Eggcr erfroren. In Paris ist, wie bei der anhaltenden Kälte vorauszusehen war, die Seine zugefroren. Nur wenige Stellen sind noch offen, mid große Besorgnis herrscht wegen des nun zu erwartenden Eis- gniigS, durch de» die W e I t a n s st e l l n u g s- B a n t e» am Flnise. die auf Pfählen ruhen, bedroht sind. In erster Linie ist „Alt-Paris" gefährdet, da es an einem Knie der Seine liegt und daher die ganze Kraft des Eisstoßes auszuhaltcii hat. Infolge stürmischen Bornwetters ist jeder Verkehr im Tri est er Hafen»»möglich: die Schiffsausladung und-Verladung ist ge- tört, weshalb die Llohd-Gesellschaft sich entschlossen hat. zwei große Dampfer behufs Verladung der für Indien, China und Japan be- tinunten Güter zu»lietcu. Ferner wird aus Riposto gemeldet. daß auch dort der Sturm Vcrhceruiigc» angerichtet hat. Meistere Häuser wurden beschädigt; eine Person ivurde getötet, mehrere Personen wurde» bcrletzt. Der Materialschaden wird auf ungefähr eine halbe Million geschätzt. Infolge von Schneefällen und heftigen Schneeverwehunge» ist der Verkehr auf fämtlichcn Bahnen S Ü d r u ß l a n d S unterbrochen. Die Kälte ist bis auf 15 Grad gesunken.— Aus N o w� r o s s i j s k am Schwarzen Meer meldet der Telegraph: Seit 3 Tagen wütet ei» h e f t i g c r O r k a n. der die Dächer der Häuser abreißt, Zäune umwirft. Telegraphen- und Telephoiileitungeii zerstört und kleinere Holzgebäude längs der Eisenbahnlinie beschädigt. Die Verluste sind ehr groß. Mehrere Segelschiffe wurden an die Küste geworfen, ein englischer und ein griechischer Dampfer sind in der Bucht vom Eise eingeschlossen, ein anderer Dampfer ist verschölle». FeucrSbrünste verursachten in mehreren Magazinen Schaden. I» Vrüsscl ist der Musiker D u p o n t am Donnerstagabend gestorben. Dynamit beim Diebeöhandwevk. Aus Paris wird der Voss. Zeitung" gemeldet: Gestern nacht brachen Diebe bei der S ch l a s w a g e n- G e s e l l s ch a f t eui. stenunten ei» Loch in das Stabespind, führten eine D y u a in i t p q t r o» e«in. svi engten den Schrank auf und raubten eiiieu Geldbetrag, den das„Petit Imune" auf 140 000 Frank angiebt. In den Zeitungsberichten ist besremd- lich. daß der Inhalt des Spindes durch das Dtzmmiit nicht be- chädigt wurde, mid baß die Umhiillimg des Spindes mit Decke», die vorgeftmden wurden, den Knall hsS zur Unhöcbarkeit gedämpft haben soll. Au? Pozcn tvird berichtet: Der Magistrat ordnete Nach- önchungen nach dem Studenten Otto Wackwitz ans Dresden an. welcher bei Hochtouren im Gebirge verschwunden ist; derselbe ist wahrscheinlich veriliiglücft. Die Ätsrblichteit in der Tjadt Bombay ist wieder bedenk- lich im Steigen, Dienstag sind 2�6 Personen gestorben, zumeist an Pest. Briefkasten der Redaktion. Die jueiftische SOrccOstiiiide findet Montag, Dienstag und Freitag von 6—8 llhr abends statt. Nnklamer 3S. t®cünnt 55 000, Scrlin 50000. 2. Jurist, lebt tu Cautberg, Regierungsbezirk Wiesbaden. P. Groll. Uns tst ein solcher Artikel nicht bekannt. Mehrere Leser. Sie entrüsten sich, dafj die Namen und Bilder be- kanulcr Parteigenosien zu Reklauicztveckcn,„iogar sitr Schnäpse", beinitzt werden. Ja. daS ist recht widerlich und den so niibbranchten Genossen sicherlich iwch unangenehmer als Ihnen, aber warum schreilcu S i e nicht gegen de» Unsug ein, indem Sie Verwahrung einlegen und die Käufer aus den Reklaine-Skandal ausmcrtsam machen? Sie werden docb den uiifs- brauchten Genossen nicht zumuten, dag sie die Hilse der Polizei oder die Gerichte anrufen? Es ist schon schliinm genug, als Locloogcl aus einer Schnnpöflasche zu ptangen, namentlich wenn man kein Altoholisi ist. D. R. B. ,.Jch bin des Lebens tiberdtüsstg'nnd habe den Mut nicht. Selbstmord zu begehen. Was soll ich lhnn?" Seltsame Frage! Lassen Sie fiep doch für K i a u t 1 ch o u anwerben. Schreiben Sie an Vice-.Adiniral Tirpiy. der ein sehr freundlicher Mann ist und alle Briese bcanlworlel. Er wird Ihnen den nötigen Bescheid geben. R. G. in Sch. R. hat von uns keine Zeitungen unter Kreuzband bezogen, vielleicht hat er bei der Post abonniert. H. 5t. Lediglich die Bestimmungen Ihres Mietsverlrages sind cnt- scheidend Sie haben also pränumerando zu zahlen. Die Vorschrift des Bürgerlichen Gesetzbuches, nach der postnumerando zu zahlen ist. ist nicht neu, sie entspricht dem geltenden Gesetz. Sie kommt aber nur dann zur Anwendung. wenn keine andeie Vereinbarung mlindlich oder schriftlich genossen ist.- W. 17. Der Betrag ist richtig.- G. L. 16. n Wochen zum Onartalscrsten— fll. S. Eharl. Die Portierssrau ist nicht kraulen- versichcriinftspsiichiig. wohl aber lnvalidenversichcrungöpslschtig—!>kv. B. Leider ist der Bescheid zulresjend.—.*. 50. Komiiicn Sie zur Sprechstunde. — Gr. Magdeburg. Die gabiil ist. im Recht. Nach tz 54 dcS Invaliden- Verlichmiiigs. Gesetzes ist nicht der Ihaisachliche Jiidividuallohn, sondern ein Durchschiiiltsbclrag mahgebeiid. Es loiuie» voui I Januar ab die Arbeiter in einer höheren Klasse kleben, müssen den uberschiebendcn Betrag ober dann selbst zahlen. F. 1357. I Ja 2. DaS Lilbcsche Recht gilt weiter. 3. l/,. 4, Ja. 6 Ja— St V. Das wurde als Unlerstützung a»S ösientlichen Mitteln für de» Mann gellen und baö Wahlrechl beseitigen.-«. 106. Lassen Sie die Wohnung von der Polizei unierslichen und klagen Sie, falls die Uulersuchuug die von Ihnen behauptelen Mängel ergicbt, auf Aushebung des Mietsvertrages.- H. N. 35. 1. Gehen Sie nach dem l. Februar mit Ihrem Bräutigam zu einem Notar und überreichen dort ei» Verzeichnis Ihres Veriiivgeus lein schließlich Ihrer Foideniug). Daun versprechen Sie beide einander die Ehe. Ihr Bräutigam verzichtet ans das ehemänuliche Vcnvaltuugs- und Nießbrauchs recht und ancrkeiint, dah das von Ihnen an- gegebene Vermögen Ihnen gebärt. 2. Sie leben außer Gütergemeinschaft. — R. P. Der Anspruch besteht.— L. 88. Die Einwilligmist der Mutter gelingt.— W. L. 1. 1 und 2. Der VcrlobuNgsriiig gilt bis zum 1. Januar 1000 als Geschenk und kann nur innerhalb 6 Monaten zurück- gefordert werden.— X, Klagen Sie den nicht gezahlten Teil Ihres Lohnes ein. — H. Wolters. Wenn aligeiiommen ist, der Drucker des Flugblattes sei mit dem Inhalt beknuut und babc die Verbreitmig gewollt, kann er neben dem Verfasser nach§ 20 des PreßgesexeS als Milthäter bestrast werden. Begründet der Inhalt einer Druckschrift den Thatbestand eiiicr strafbaren Handlung, so sind, abgesehen von dem Fall deS§ 20, nach§ 21 des Preh- gefctzeS der verantwortliche Redacteur, der Verleger, der Drucker sowie der Verbreiicr, soweit sie nicht als Tbäter oder alS Mitthäter bestraft sind, wegen Fahrlässigkeit zu bestrafen Von dieser Beflrasung bleiben sie aber befreit, wenn sie den Bersasier oder eine der vor ihnen eben beliaiintcn Personen(veraiitwortlichcr Redacteur, Verleger usw.) vor Vcrkündung des Urteils erster Instanz nachweisen.— 777. Die Durchführung eines An- spruchs gegen die Nnsallversichcrung verursacht leine Koste». In Ihrem Fall icheiiu aber wenig Aussicht auf Erfolg zu fei». Dem Betrcficnden st cht aber ein Anspruch ans Jnvalidenrenie z». wenn mindestens 200 Marlen für ihn geklebt sind.— A. 48. Eine Klage hätte leine Aussicht auf Erfolg. SvitternngSübersicht voi» SS. Dezember 1866, iiiorgeuS 8 I!hr. > ä E LS Stationen. Z« � -—i I c" § i 1 1 Welte»| i 1« ö Swiiiciudc. Hamburg Berlin Wiesbaden! München Wien 781 OSO 777 SO 770 O 773 ONO >72. NO 770 Still 2wolkc»l-11 Zwolkcnl—8 4wulfcill|-12 2wolkenl.— 5 4>voklkiil-15 —'bedeckt-13 Slaiionen Haparaiida Petersburg Eark Aberdeen Paris s k!Z Weller vif d» Sa 781 Still 763 SO 770OSO -.bedeckt 8bedeckt 3 bedeckt Wc.ttcr-Prognose für Souiiabend, de» ÄZ. Dezember 186!). Trocken und vorwiegend heiter, bei ziemlich strengem Frost und mäßigen östlichen Winden. Berliner W e t t e r b u r c» u. Murktsu'cise von Berlin am 21. Dezember 186!) nach Ennittlungen des tgl. Polizeipräsidiums. «.Weizen D.-Cir. 15,—| 14— «)Ronneii„ 14,70, 13.80 Fullcr-Gersle„ 14,—. 13,— Haser gut. 15,20j 14,40 , Niiilel„ 14,30; 13,50 gering„ 13,40 12.00 Richistroh, 4,50 4.— Heu, 7,20| 4,60 s)Erbie»„ 40,— 25,— s-)Spcifebohnc»„ 50,— 25,— siLiiile». 70,— 30,— Lariossel», neue 7,— 5,— Rindlicisch. Jlcule Ikg 1,60 1,20 do. Bauch„ 1,20 1— *) Ermiiielt pro Tonne von der Schweincileisch Kalbsieisck Hammelsteisch Butter Eier Karpsen Aale Zander Hechle Barsche �»hlcie Bleie Krebse lieg 60 Stück lüg per Schock 1,60 1,70 1,60 2,80 6,- 2 20 2,80 2,50 2,- 1,60; 2,80! 1,20 12,-: 1,10 1- 1,- 2— 3'- 1,20 1,40 1,20 1,- 0,80 1,40 0,80 Z,— CeulralsteNe der Preuß, Liiiidivirt- schaslSkamuieni— SioliermigsNeNc— und uingerechiirt vom Polizeipräsidium für den Doppel-Ccuincr. 1) Klciuhaudelsprelse. Produktenmarkt vom 22. Dezember. Das Geschäft am Getreide- markt war heute sehr still infolge der Nähe der Feierlage. Amerikanischer Weizen war ungewöhnlich billig angeboten. Aus Argentiliien und ganz besonders aus Rußland lagen wieder sehr günstige Ernteberichte vor. In letztgenanntem Lande soll die diesjährige Ernte diejemge des Vorjahres um 20 Proz. übersteigen. Trotz aller dieser preisdrückcudcn Momente blieb die Tendenz am hiesigen Platze fest, da die fortdauernde Kälte regere Konsum- frage veranlaßt und Nordamerika, wo man das Fallen der Koitiols in London mit der Politik in Berbmdniig bringt, höhere Schluhpreise meldet. Weizen und Roggen lagen gut behauptet, eher etwas fester. Haser weichend und sehr still. Riiböl etwa 0,10 M. besser gefragt.— Am Spiritus- markt wurde 70cr loco mit 47,40 M.(—0,10 M.) gehandelt.— Kartoffclfabrikate. Feuchte Kartoffelstärke 10,40 M. Is. reine Kartosselstärle disponibel und Jannar-Februar 13.75 M. Absallende prium Qualitäten Stärke und Mehl 17,50 bis 18,50 M. per 100 Kilogramm. Todes- Zlnzeilze. Verein lle,' Nsseiunislen, Heizer und Sarufsyenossen Berlins 11. lJmge£'enil. Am Donnerstag, den 21 d, Mtö., ist uniet Kollege Aiberi Faber im Alter von 61 Jahren verstorben. Die Beerdigung sindcl Sonniag, de» 24. 0. Mls., nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des Elifaöeth- Kirchhoscs, Prinzen. Allee, aus statt. 133/3) I. A: Hermann Holz. Heiligabend und Silvester: HPT' riseliverlrnul"9� Ätugenerstr. 22, Hos. Empfehle auch meine Geschäfte: Ccntralhalle Stand 5 it. 23», Landsbcrgcrstraßc 6 im Laden, daselbst verbünde» iNU frisch. Wild 11. Geflügel. A. Radectze. 1467b für Vereine und Gewerkschaften sind noch einige Sonnabende im Februar frei. Ii ii l> 11 er. Ehanssecsir. 113, Schönstes Geschenk. Sprechende Pap.igeien. hoch- fciilc Kanarienvögel, Waldvögel, Bogclb, iiier, Aquarienfische billigst 140/10 Dresdruerstr. 23 Tasters ticscIlsoliafts-Säle Insclstr. IO, 1. Den geehrten Vereinen und Gewerl- schasien bringe meine Sälen Vereins ziminer in gütige Erinnerung. Jeden Sonntag».Mittwoch: Tanz u. Gesellschafts-Abend, wozu Freunde und Bekannte ergebenst einladet 2338L« G. H. Paster. § Natur- Htiwrfllhttu. Haut.Harn» Blasenleiden. D G Fraueii-Kruntheit., heilt sicher Q Sohlte BcrussstS'riiiig[31681!*" R. Wagner, 3-2,5-3, St 9-2 j Wo? 13000*< Haus Ii«yser| Goriitier Bahnhof. 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