Nnterhattungsblatt des Vorwärts Nr. 170. Donnerstag, den 3. September. 1903 47] IMafia. Nachdruck SecDolcn.), tffomon aus dein modernen Sizilien von Emil Rasmussen. Angelos eheliches Idyll sollte sich übrigens keines langen Daseins erfreuen. Es trat eine Situation ein, die unfehlbar das Heim in eine Hölle verwandelt hätte, wenn irgendeine andere als Bionda als Frau des Hauses gewaltet hätte. Unter Calogeros Mafiafreunden hatte seit langem Miß- »nut geherrscht, daß der verurteilte Kamerad so lange im Zuchthaus sitzen mußte. Sie fanden mit Recht, daß es ein Lweifelhafter Vorteil sei, Mafiusu zu sein und einer Cosca anzugehören, wenn eine zufällige Feindschaft mit der Gräfin oder ihrem Sohn ihnen die Straflosigkeit verscherzen konnte. Nach Brunos Wahl machten sie diesem so energische Vor- stellungen, daß er ernstlich in die Gräfin zu dringen genötigt war, ihre Zustimmung zu geben, daß der Justizminister Galogcro begnadige. Da die Freunde für Angelos Sicherheit einstanden und dieser überdies vom Prozesse her Anspruch auf Calogeros Dankbarkeit hatte, hatte sie keinen ernsten Ein- wand mehr zu erheben und gab nach. Als erstes Glied seiner Versöhnungsbestrebungen gegen- über Calogero beschloß Angela Rusidda und ihr Kind zu sich jns Haus zu nehmen. Bionda machte keine Einwendungen. Der Gedanke allein, das von allen Seiten vergötterte kleine Teufelchen im Hause zu haben, machte sie strahlen. Wie sie sich Croci- fissas angenommen, von der die Ereignisse sie später mehr und mehr entfernten, so hatte sie sich auch der jungen unglück- lichen Mutter angenommen, als sie in der Gräfin Hause bei- sammen waren, und Rusiddas Dankbarkeit kannte keine Grenzen: sie verehrte Bionda als ein Wesen höherer, vor- nehmerer Art. Diese gegenseitige Sympathie erlitt keinen Abbruch, als Angela herausfand, daß das Schicksal ihm offenbar zwei Gattinnen gönnte. Es kam jedoch dazu, daß er Rusidda gegenüber beinahe Gewalt anwenden mußte, und am nächsten Morgen kam sie weinend vor Verzweiflung zu Bionda und beichtete ihr alles. Es war nur, was diese erwartet hatte, und es machte keinen Eindruck auf sie. Sie bat Rusidda bloß, keine Skrupel zu haben, sondern ihrem Herzen zu folgen. So wurde denn Rusidda Angelos Gattin: Biondas Türe aber fand er von nun an versperrt. Dies Zusammenleben hatte einige Monate gedauert, als Calogero eines Tages in die Stube trat, frank und frei. DaS Gefängnis hatte ihn mager und bleich gemacht, so daß er noch größer erschien als früher. Eine gewisse philosophische Ruhe war über ihn gekommen. Er war still, bescheiden in seinem Wesen und machte einen durchaus friedlichen Ein- druck. Nur wenn man alte Dinge berührte, funkelte es mit einem gelblichen Glanz in der Tiefe seiner Augen. Vorläufig unternahm er nichts. Er wohnte daheim in seiner alten Hütte, gewöhnte sich aber mehr und mehr, in Angelos Huse aus- und einzugehen: es erging ihm wie allen anderen: die kleine Cleofe sammelte und versöhnte. Angelo behandelte den Alten mit einer gewissen über- legenen Verachtung, die Rusidda weit mehr zu quälen schien als Calogero. Aber Bionda beherrschte ja den täglichen Gang des Hauses, und ihre weiche Hand wußte alle Wunden zu heilen. Sie hatte Calogero nichts vorzuwerfen. In ihrem innersten Herzen achtete sie ihn um dessentwillen, was er getan hatte. 15. Crocifissas Ruf verbreitet sich mit reißender Schnelligkeit über die ganze Insel und von allen Seiten strömten Scharen von Kranken und Pilgrimen herbei, um die neue Heilige zu sehen und zu berühren. Don Gerlando fühlte sich wie ein richtiger kleiner Kirchenfürst, und seine Einnahmen stiegen jin einem schwindelnden Maße. Er hatte bisher aus Mangel an Einkünften für die Jesuskirchc in Rom ein kleines Kom- missionsgeschäst betrieben. Eine Messe wurde in dieser vor- nehmen Kirche mit fünf Frank bezahlt, und dennoch war die Nachfrage so groß, daß die Aufträge nicht ausgeführt werden konnten, da man täglich nur eine Messe pro Altar lesen durfte. Natürlich wies man die Aufträge nicht ab, sondern setzte sich mit den Geistlichen ringsum im Reiche— unter ihnen auch mit Don Gerlando— in Verbindung. Sie berechneten die Messe zu einem Franken oder ein wenig darunter. Das gab doch immerhin vier Frank Nettoverdienst für die Jesuiten. Diese billigen Messen sagte Don Gerlando nun ab. Wer über eine Heilige, wie Crocifissa ez war, verfügte, brauchte sich nicht zu scheuen, selbst fünf Frank für eine Messe zu nehmen: ja es waren sogar soviele Bestellungen der Pilgrime eingelaufen, daß er selbst viele hundert Messen mit dem, selben Vorteil abgeben konnte wie die römischen Jesuiten. Die kirchlichen Blätter hatten sich seit vielen Jahren darüber aufgehalten, daß die Priester nicht in klingender Münze zu bezahlen brauchten, sondern mit Bons, die auf eine Messe lauteten— und die die Redaktionen hierauf weiter» verkauften. Diese Bons gingen wie Banknoten von Mann zu Mann. Für eine gewöhnliche Bauernmesse konnte man eine halbe Wurst bekommen: für eine Jesuitenmesse ver- kauften Dirnen in Rom eine Liebesnacht. Auch dieses Prin» zip nahm Don Gerlando nun auf. Er bezahlte nur mit Messen, und durch seine stets wachsenden Verbindungen er» öffnete er dieser vielbegehrten Ware einen wirklich bedeuten» den Markt. Man verkaufte Tücher, die an Crocifissas Brust geruht hatten, und um zehnfachen Preis verkaufte man solche, die von dem aus ihrer Seite rinnenden Blut getränkt waren. Der Verkauf ihres Wassers wurde in ein System gebracht, und in Hinblick auf die starke Nachfrage und die beispiel- losen Wirkungen mußte es bald mit Gold ausgewogen werden. Allein Don Gerlando beging die Unvorsichtigkeit, mit seinen Einkünften zu prahlen. Als die Gräfin merkte, wie reich die Quelle floß, forderte sie ihren Anteil an der Beute, und er mußte eine fixe Abgabe an das Kloster leisten. Da plötzlich verfinsterte sich der Horizont durch einen Konkurrenten, der anfänglich allen Anzeichen nach unan». genehm zu werden versprach. Der eine der Apotheker auf dem Korso baute seinen Laden um und mußte bei dieser Gelegenheit ein Madonnen- bild, das seinen Platz in einer Mauernische hatte, versetzen. Aber was geschah! Am nächsten Morgen fand er die Ma- donna wieder auf ihrem Platz in der Nische. Sie war nachts allein umgezogen! Den ganzen Tag gab es ein atemloses Gerenne nach der. wundertätigen Madonna. Abends stand Pamfo unter all den Siechen und Be» tenden und sah dem Getriebe zu. Er war den ganzen Tag in Porto Empedocle gewesen. Und wie er so dastand, fiel ihm die lahme Hüfte seiner Freundin Carmela ein. Nachdem Don Gerlando ihr vergebens eine Flasche von Crocifissas Wasser geschickt hatte, die sie gewissenhast trank,«gab er die feierliche Erklärung ab, daß ihre Krankheit eine Art Be- hexung von einem bösen Geist sei, die nur durch Handauf- legung vertrieben werden könne— er selbst aber wagte nicht, die Hand aufzulegen. Hier, aber war gewiß die Möglichkeit einer Heilung vor» handen, und von diesem Gedanken erfüllt, rannte Pamfo spornstreichs zu Carmela hinauf. Aber wieviel er auch klopsts und ihren Namen rief— es wurde nicht aufgemacht. Da ging Pamfo ein Licht auf und er hob an, aus Leibes- kräkten„Calogero" zu schreien. Auch Calogero war auf der sozialen Leiter av.mzierk, Als er aus dem Zuchthause heimkam, hatte man ihn für jede einigermaßen nützliche Leistung untauglich befunden. Der einzige Posten, für den man ihn allenfalls verwenden kennte, war der eines Schullehrers. Rechnen hatte er immer können. Lesen und Schreiben hatte er im Zuchthause gelernt, wo er zu» gleich viel über die Probleme des Daseins philosophiert hatte, So gab ihm denn die Mafia eine Stelle als Kindererzieher. Er war gleichzeitig mit einem lange zurückgedämmt-n Drang nach weiblichem Verkehr heimgekehrt. Nun traf es sich so, daß Carmela infolge ihrer Hüfte keine Liebhaber hatte: und da er selbst ja keine Frau besaß, nachdem er die seine erschlagen hatte, so war nichts natürlicher, als daß die beiden sich in einer Art Ehe unter ziemlich elastischen Formen zu- sammentaten. M ärgerls den ernsthafken Schulmeister natürlich be- deutend, als Pamfo nun unten auf der Straße stand und seinen Namen schrie, daß man es durch die ganze Stadt hören konnte. In diesenl Grade war die Ehe ja nicht offiziell. Ueberdies war Pamfo ein Fratzenschneider, der ihn lächerlich machen konnte, und wenn er auch natürlich nicht riskierte, sein Erzieheramt zu verlieren, so war es nicht ausgeschlossen, daß dies Vorgehen erschlaffend auf die Disziplin wirken konnte. Pamfo brauchte darum nicht so lange zu rufen, bis Calo- gero es für das klügste fand, hinabzugehen und ihm zu öffnen: aber kaum hatte er ihn innerhalb der Türe, als er den lach- lustigen Kameraden mit einer Donnerrede niederschmetterte, die jenem vollständig die Luft benahm und den ernsten Er- zieher rasch zun, Herrn der Situation machte. Es war ja noch eine ungcschlichtete Angelegenheit zwischen den beiden, die Pamfos Heiterkeit stets innerhalb gewisser Grenzen hielt. Einstweilen saß Carmcla ohne falsche Scham in ihrem Bette und bekam endlich vpn Pamfo zu hören, was ihm am Herzen lag. Und sogleich war es, als begänne der böse Geist sich in Carmela zu regen. Sie lobte Paiufo und segnete ihn, stand auf und schlüpfte in die Kleider unter unablässigen Ausrufen. daß nun die Stunde des Wunders geschlagen habe. Und als sie merkte, wie felsenfest ihr Glaube war, weinte sie vor Freude. Pamfo schien es, als ob sie deliriere. Von ihren: alten Tröster Pamfo gestützt— Calogcro wollte sich nicht öffentlich in ihrep Gesellschaft zeigen— hinkte sie all die steilen Trcppengäßchen hinab und drang zur Apotheke vor, die von Menschen förmlich belagert war. Sie mußte viele Stunden warten, bis sie dank den energischen Anstrengungen Pamfos bis zur Madonna gelangte, aber dann betete sie auch zwei geschlagene Stunden, betete wie eine Dampfmaschine, drohte und bettelte zu dem Madonnabilde empor, schluchzte und heulte solange, bis ihre Stimme zuletzt in einem heiseren Zischen erstarb und das kupferrote Gesicht von all den über die bußfertigen Züge geschmierten salzigen Tränen glänzte. Das Wunder aber blieb aus. Mit hängenden Ohren mußte Pamfo die Untröstliche wieder zu dem harrenden Calogcro heimlotscn. (Lortsetzung folgt.j (Nachdruck derboien.) 9] Huf Irrwegen.. Von Jonas L i e. Fasle redie sich in die Höhe und bog ein paar Zweige herab— „Ich muß die Kirschen erreichen—— da lasse ich sie auf Dich heraoregncn,— nimm sie, nimm sie!— Sie sind rot, und Du bist bleich, Vera!— so wie ich! Nimm sie, nimm sie-- Wenn Du ahntest wie unangefochten und stolz ich da unten in der Straße un, hergehe. Mit meinem vertragenen Schlips und meiner schmierigen Jacke ist es mir ein förmlicher Genuß, es mit den englisch-modischen Gecken der Stadt aufzunehmen, mit denen ich einmal auf der Schulbank gesessen habe-- Geschäftsmann vom Scheitel bis zur Sohle, siehst Du." „Nein, ich verstehe es nicht, wie cS Dir ein solcher Genuß sein kann. Dich lächerlich zu machen, als wenn Du nicht schon ohnedem sonderlich und eigenartig genug wärest," rief Vera aus. „Und immer hast Du jemand, den Du mit Wonne unter die Füße treten möchtest." -„Ach nein, Du, ach nein, Du.-- Das, worunter ich gelitten habe und noch leide, ist vielmehr ein Bedürfnis, sie zu ver- stehen. Wie oft Hab' ich mich nicht darüber gewundert und bin neugierig gewesen und habe danach geforscht, was eigentlich hinter allen diesen zurückhaltenden, feierlichen Schafkopfgesichtern stecken könne, diesen schweigsam lenkenden Göttern der Stadt, die die Macht hatten, einen mit ihrem Lächeln zu töten, und vor denen mich noch ein Gefühl meiner Knabenangst überkommen kann,— Angst vor der erwachsenen Welt und all ihrer mystischen Unzu- Länglichkeit." „Es ist noch so viel von dem bei Dir znrückgeblieben. Faste. was man als Kind empfindet, und das ist ja nicht zu Deinem Nachteil." „Aber daS, was mich in diesen Tagen beschäftigt hat, Bera, ist wirklich nicht so sehr die Spekulationsangelegenheit wie die Freude darüber, daß ich nun endlich ein klein wenig in das Wer- trauen des Maklers eingedrungen bin und damit auch hinter die Kulissen der Stadt. Diese Tatsache bedeutet für mich ein ganzes inneres Erlebnis,— daß ich es nämlich jetzt alles mit dem knochentrockenen Blick des Maklers verfolgen kann. Weißt Du, es ist als sei die ganze Jllusionsgardine vor meinen Augen her- untergerissen." „Aber,— ich hätte beinahe gesagt,— was willst Du unter allen diesen—„Erwachsenen",— wie Du sie nennst!" rief sie aus. „Was,— was?-- Du begreifst doch wohl, daß Du mich beleidigst, Bera. Du hältst mich ihnen doch in keiner Weise unter- legen?" „Nein, Faste, aber Du wirst niemals Deinen Posten dort be- haupten, während diese Leute es immer tun, selbst wenn sie schlafen! Du hast Deine eigene Gedanken- und Gefühlswelt, die Gott weiß wo liegt—; jedenfalls aber weit ab von der ihren. Ich glaube, Du hättest Gelehrter oder dergleichen werden sollen." „Nur nicht das, was ich bin!" brauste er auf.„Ja, nicht wahr, so einer von diesen gelehrten, zerstreuten Sonderlingen, die sie in einen Stall mit Büchern einsperren und halb geblendet durch das Tageslicht am Zügel wieder herausziehen. Ja, das wäre so etwas für mich, der nur nicht die Grenze für alles das finden kann, das zu erschaffen und das von all der Herrlichkeit dieser Welt allein zu genießen ihn verlangt. Ich bin eine weltliche Kraft, Bera,— weltlich von Natur wie von Prinzip! Ich bin über diesen Schwindel mit der„idealen Welt" hinaus. Sie ist vom nüchternen Stand- Punkt aus gesehen nichts wie eitel Dunst, durch den man um das Reelle betrogen wird. Und deswegen, Du, will ich mein Leben dafür einsetzen, etwas zu gründen, was der Menschheit nützt und mir,— dem Erfinder,— sowohl Reichtum als Macht und An- sehen und alles das verleiht, was sie für verkehrt erklären. Es heißt, es soll so gefährlich sein, Millionär zu sein. Und wenn man Millionär ist, soll es wieder so gefährlich sein, die Millionen dazu zu gchrauchen, daß man in einem vergoldeten Glaswagen mit vielen Pferden davor fährt oder die Erde mit seiner eigenen Lustjacht umsegelt--" „Wenn Du so nur eine kleine Weile mit dem Makler redest, so wirst Du schon sehen—" „Ja— o; aber so dumm ist Faste Forland auch nicht, Du!— Aber das muß ich sagen, Du verstehst es, mich aus meinen Ge- danken— ganz herauszureißen, Bera!— eine kühle Art und Weise—— Wir passen in gewisser Weise zu einander wie Feuer und Wasser." — Ich meine nur, eS wird Dir niemals gelingen. Dir ein Geldherz in die Brust hineinzusetzen, Faste! Und das gehört dazu, wenn man ein Geldmensch werden will. Dir bleiben Deine Ideen und Gedanken immer das erste,— so gewiß wie das für die anderen der Schilling ist!" „So! Nach Deiner Ansicht also sollte niemand, der Geist in seinem Schilde führt, sich mit der Wirklichkeit befassen! Während in Wirklichkeit jede tiefere Begabung bebend und zitternd danach verlangt zu revoltieren, zu organisieren-- Du bist so schwer von Begriffen geworden, Bera, und der Honig der Aufrichtigkeit fließt beständig von Deinen Lippen, seit—" „Wenn ich mich auf Deine Art und Weise ausdrücken wollte, Faste, so würde ich sagen, daß ein Kronenstück in der Phantasie des Maklers so groß erscheint wie der Vollmond, während die Idee gar nicht zu sehen ist. Bei Dir hingegen ist der Gedanke, die Idee, alles, und die Kroncnstückc,— ja die würdest Du sack- und tonnenweise ins Meer schütten!" „Ach, wie ich Dich jetzt wieder erkenne, Bera, ganz die alte,—■ wie soll ich sagen,— die großherzige, über alles Kleinliche er- habene Bera!— in dieser plötzlichen Beleuchtung-- Worüber lächelst Du,— ja, Du lachtest---" „Du hast ein Talent, von dem abzuschweifen, worüber wie reden, Faste. Weshalb hast Du Dich nun nicht mit dem Dispo» nenten Ek in Verbindung gesetzt, der ein so zuverlässiger Mann ist und so viel Interesse für das Wohl der Stadt hat, statt mit diesem hinterlistigen Makler?" „Weshalb--?" „Ja. weshalb!— Da ist irgend etwas, was Du Dir vielleicht selber nicht so klar machst—" „Etwas, was ich sehe, meinst Du.— Es wäre ja nichts be- sonderes an der Sache, wenn ich darin nicht etwas besseres sähe als andere. Der Stern, weißt Du-- „Nun aber dieser Makler ist doch auf alle Fälle kein Stern, wenigstens kein glänzender. Während Ek— Vater sagt, er sei so durchsichtig, als wenn man durch Glasfenster in ihn hinein« sehen könne." „Aber ich habe nun einmal etwas anderes nötig, als eine vier- eckige Verständigkeit, die mit ihrem Fuder mitten auf der Straße fährt und es, wenn Gefahr droht, nicht in eine Seitengasse hinein- retten kann." (Fortsetzung folgt.) (Nachdruck derkotcn.)! ScKwecUlcbe Büidrlicke. Der VolkLpark. Sollte es einmal nötig sein, das Proletariat an einem Sonn- tag zu einer Aktion zusammen zu rufen, dann werden sie's in den südlichen und mittleren Städten Schwedens bequem haben: Dort ist die Arbeiterschaft an jedem Sonntag im kollcet» park(Volks- park) versammelt. Jede größere schwedische Stadt hat ihr kolkets Kus(VolkShaus), wo die örtlichen Parteiinstanzen, die Fachvereine und die sozialdemokratischen Redaktionen in friedlichem Neben- eincmdsr ifjrc gemeinsame Residenz haben. In vielen Orten haben die Arbeiter außer dem gemeinsamen Haus auch noch einen ge- ineinsamen Garten. Der größte schwedische Volkspark besteht in Malmö. Der sozialdemokratische Verein ist dort ausgesprochener- maßen— Großgrundbesitzer. Am Rande der Stadt, mit der Straßenbahn in einer guten Viertelstunde zu erreichen, besitzt der sozialdemokratische Verein ein ganz respektables, altes Rittergut, auf welchem gut ein halbes Hundert Villen Platz fänden, und es blieben noch etliche weite Wiesen, ein kleiner Teich und Waldbestand übrig. Ein Genoffe, der unleugbar Talent zum Grohspekulantcn hatte, hat im Jahre 1831 vorgeschlagen, dieses Grundstück anzu- kaufen und es zur Erholungsstätte der Arbeiterschaft zu bestimmen. Das Experiment gelang, der Volkspark mußte nach wenigen Jahren erweitert werden, und das Beispiel wirkte auf die anderen Städte. Heute haben die meisten schwedischen Städte ihren Volkspar!. Stockholm nicht. Der Grund ist dort zu teuer, auch ist die Um- gebung Stockholms auf allen Seiten zu schön, zu verlockend, als daß Aussicht tKre, die Arbeiterschaft auf eine Stelle zu konzcn- trieren. In Malmö ist das Experiment, einen eigenen Prater für die Arbeiter zu schaffen, glänzend gelungen. Vom I. Mai an bis spät in den Herbst sind 13 333, auch 15 333 Menschen an jedem schönen Sonntag im Volkspark zu finden. Aber auch an Wcrktagsabcndcn, besonders Sonnabend und Montag, sind hier Tausende Arbeiter mit Kind und Kegel zu finden. Kein Wunder, das Proletariat muß hier wie überall in überfüllten, freudlosen Mietskasernen hausen. Kein Baum grünt hier in den kahlen Straßen des Prole- tariats, kein Gärtchen mildert die schale Nüchternheit dieser schnür- geraden Dutzcndhäuser und Dutzendgassen. Im lolüets park stehen Bäume, schöne alte Buchen, hier sind Wiesen, hier kann man den Himmel sehen und atmen. Die Arbeiterfamilie, die hier ihre Sommerabende verbringen will, zahlt für die ganze Saison sieben �skandinavische) Kronen, der einzelne Arbeiter 4 Kronen 53 Oere als Eintrittsgeld. Das ist, wie man zugeben wird, kein Luft- Wucher. Namentlich den Arbeiterfamilien kommt eine solche Abonnementskarte sehr zustatten. Da ist eine lange Allee, die zur Rechten und Linken in eine Unzahl kleiner, sorgfältig umbuschter Nischen aufgeteilt ist. In jeder dieser Gartenlogen steht ein runder Tisch, um ihn eine runde Bank. Hier hat an jedem schönen Sommcrabend eine Familie ihr Zelt aufgeschlagen. Die Mutter hat das Abendbrot für alle mitgebracht. Hier kann es in der frischen Luft, mitten unter den anderen, und dock gut abgeschlossen von den anderen, verzehrt werden. In einer Nische sind Vater, Mutter und sechs Bengcls um den Tisch, das siebente schreit auS dem Kinderwagen. In einer anderen Loge sitzen zwei Freunde, jeder die Liebste an der Seite, und ein oder der andere freie Junggeselle sieht ihnen neidisch oder mitleidig zu. Regnet's, dann heißt es freilich aus den Nischen flüchten. Aber im Volkspark gibt es etliche große, gedeckte Hallen, dorthin ist gut flüchten. Drei dieser Hallen gehören zu Wirtshäusern, die gleichfalls Eigentum des Vereins sind und von diesem selbst lohne Pächter) betrieben werden. Hier ist Bier und Wein— kein Schnaps!— zu billigen Preisen zu haben. Jederlei Wirtswucher ist verpönt, die Arbeiter haben — die sichtbarste Form einer Konsumgenossenschaft— weder mißratene Speise noch verfälschten Trank zu fürchten. Jede Re- stauration steht unter der Leitung eines Beamten des Vereins. Das oberste Küchcnregiment führt eine Frau. Alle Einkäufe be- sorgt der erste Vorstand des Vereins, ein ehemaliger Zigarren- arbeiter. Auch VcrgnügungSwucher gibt es hier keinen. Mitten im Park ist ein Variete, wo Schlangenkünstler, Tiroler Sänger, dressierte Affen, Radfahrkünstler mit dem..Todessprung", Coupletsänger und andere Wundertiere auftreten. Wer will, sieht sich's an,— ohne besonderes Entree.— Für die jugendlichste Jugend gibt es zwei große Tanzboden. Wir alle wissen, daß es auch einen Tanzwuchcr gibt. In Wien müssen die Tänzer im Prater für jeden Tanz eine Karte lösen, die sogenannten„Fünfkreuzertänze" sind gerade so unverschämt teuer wie die„Fünfkreuzcrromane". Dem Tanz im Volkspark habe ich mit besonderer Freude zugesehen. Einmal des- halb, weil die Schweden überhaupt gute Tänzer sind, der Fabrik- arbeiter hat noch manche bäuerische Tradition in Erinnerung, und der schwedische Bauerntanz gehört zu den schönsten. Sein ur- sprünglichster Sinn, die Liebcswerbung, ist in diesen heiter-naiven Bewegungen, so rein erhalten. Bald steht der Bursch in der Mitte und die Mädchen tanzen spöttisch im Reigen an ihm vorbei, bald sitzt ihm, eine Sekunde lang, eine Schöne auf dem Knie und ist schon wieder fortgesprungen. Und wie viel liebenswürdige Freude am eigenen Leibe drückt sich darin aus, daß bald ein Bein, bald ein Arm kokett gehoben und locken?�>orgestrcckt wird. Wer haschen wollte, kommt zu spät. Der Tanz ist der zum Spiel gemilderte Kampf der Geschlechter. Kinder können hier Scheiben schießen, hutschen und mit dem enormen Schlegel ihre Kraft messen. Am Abend blitzen elektrische Lichter durch das Gartendunkel. Und eine Militärkapelle spielt. Ja, eine Militärkapelle in einem sozialdemokratischen Park! Die Streitkraft der schwedischen Armee leidet darunter nicht.... Den Ordnerdicnst versehen. 33 Genossen. Auch einige Wachleute sind da. Auf meine Frage» ob die Polizei störe, antwortet mir der leitende Genosse in seinem schweren Deutsch:„O, gar nicht!... Polizisten hier... ganz brave Leute... Nicht so unangenehm wie in Deutschland!... O nein! Polizisten haben hier auch ihren Fachverein, gar nicht schlechten Fachverein über ganz Schweden." Der Deutsche, der hierher kommt, wird vielleicht das sozia- lisiische Element im Volkspark suchen. Nicht einmal die Figuren in den Schießstätten, auf die geschossen wird, haben agitatorischen Charakter. Und auf der Bühne treten gut bürgerliche Affen- dresseure und Tiroler Sänger aus Dänemark auf. Ein schwedischer Genosse, dem ich meine deutschen Bedenken sagte, erwiderte:„Hier sollen sich die Leute erholen! Wir dürfen die Arbeiter nicht fort« während erziehen wollen! Das hält niemand aus..." Stefan Groß mann. (Nachdruck vervoten.) ßriickenbau und ßrikhcnelnftiirzc» Plauderei von Ernst K a s ch. Brücken gibt es wohl schon so lange, wie es eine Menschheit gibt. Allerdings mögen sich die Urmenschen beim Uebcrschreiten von Flüssen und Strömen anfangs wohl nur auf ihre Schwimm- kraft verlassen haben, aber bald werden ihnen natürliche Brücken. wie überhängende Aeste und gestürzte Bäume, einen Weg gezeigt haben, auf dem man den Uebergang bequemer und gefahrloser bewerkstelligen konnte. Selbstverständlich waren die ersten Brücken überaus primitiver und kunstloser Art. Gefällte Stämme wurden über Bäche und kleinere Flüsse gelegt und auf diese, für nicht ganz schwindelfreie Menschen nicht ganz ungefährlichen Brücken mögen ihre Verfertiger wohl nicht weniger stolz gewesen sein als ein heutiger Ingenieur auf eine mit allem Raffinement moderner Technik ausgestattete Hängebrücke. Noch in unseren Tagen sino diese ursprünglichen Brücken bei den Naturvölkern gang und gäbe. So kann man in den Fclsengebirgen des malaiischen Archipels über schwindelerregenden Abgründen oft dünne Bambusstangen er- blicken, auf denen die Eingeborenen, nicht selten mit schweren Lasten beladen, vergnügt dahinschreiten. Der Europäer, wenn er nicht gerade zufällig Seiltänzer ist, kann solche Naturbrücke natürlich nicht passieren. Solche und ähnliche Brücken dürften in vorgeschicht- lichcr Zeit die einzig vorhandenen gewesen sein. Es versteht sich von selbst, daß sie nur bei schmalen Wasserläufen in Frage kommen konnten; breite Ströme mußten entweder schwimmend oder mit Hilfe von Böten durchquert werden. Die ältesten größeren Brücken sind im fernen Osten erbaut worden, wahrscheinlich in Indien. Weiß doch eine der-ältesten indischen Sagen von dem Affenkönig Hanuman zu erzählen, der durch seine vierhändigcn Untertanen eine Brücke von Ceylon nach dem indischen Festlands schlagen ließ. Im klassischen Altertum hatte man es im Brückenbau schon ziemlich weit gebracht, wenn auch in den meisten Fällen, wo es größere Flüsse zu überbrücken galt, wohl die Schiffbrücke zur Anwendung kam. Das heißt es wurde eine Anzahl Kähne, die miteinander verbunden waren, über die ganze Breite des Flusses verankert, und über die Fahrzeuge Bretter gelegt. Bekanntlich sind diese Pontonbrücken in wesent- licher Vervollkommnung noch jetzt gebräuchlich und spielen besonders im Heerwesen eine Rolle. Daneben gab es aber auch schon recht kunstvoll konstruierte feste Brücken, und Cäsars Rheinbrückc, deren Bau er in seinem„Gallischen Krieg" beschrieben hat, ist ein Meisterstück römischer Jngenieurkunst, ebenso freilich ein Schrecken aller Tertianer der deutschen Gymnasien. Lange Zeit hindurch baute man nur hölzerne Brücken. Erst dem 19. Jahrhundert war es vorbehalten, jene luftigen Gebilde aus Eisen und Stahl herzu- stellen, die nicht nur Flüsse überbrücken, sondern sogar die Ufer von Meeresarmcn miteinander verbinden. Eine der vollendetsten dieser Art ist die Newyork mit Brooklyn verbindende Brücke. Die eisernen Brücken kamen erst recht in Aufnahme, als eS galt, nicht nur Uebergänge für Passanten und Fuhrwerk, sondern für das neuzeitliche Verkehrsmittel, die Eisenbahn, herzustellen. Hier reichte die Tragkraft der hölzernen Brücken nicht aus, Stein (der allerdings auch schon früher verwendet war), Eisen und Stahl wurden herangezogen. Triumphe über Triumphe feierte der menschliche Geist. Mit unerhörter Kühnheit wurden unüberwindlich scheinende Hindernisse überwunden. Man beschränkte sich nicht mehr darauf, fest fundierte Brücken zu bauen; man schuf Hänge- brücken, die anscheinend frei über dem Wasser schweben und über die Expreß- und Güterzüge in bunter Reihenfolge ununterbrochen dahinsausen. Wen schwindelte eS nicht, wenn er z. B. die gewaltige Eisenbahnbrücke bei Müngsten im Wuppertal betrachtet? Wo viel Licht ist, ist naturgemäß auch viel Schatte». Die Geschichte des modernen Brückenbaues hat gar viele erschütternde Katastrophen zu verzeichnen, bei denen nicht selten Hunderte von Menschen ums Leben kamen. Die meisten dieser Katastrophen ereigneten sich in Amerika, wo man bei der Konstruktion mit viel größerer Sorglosigkeit zu Werke geht, und wo Menschenleben nicht eben sonderlich hoch im Preise stehen. Aber auch in Europa sind Brückeneinstürze gerade keine Seltenheit, und jene fürchterliche Katastrophe in Schottland, wo eine kauin vollendete Eisenbahn- brücke mit einem eben darüberfahrenden Expretzzuge einige hundert Meter in die Tiefe stürzte, lebt wohl noch'm Gedächtnis der älteren Generation. Unsere deutschen Ingenieure arbeiten zlvar mit aller gebotenen Vorsicht; daß aber auch bei uns derartige Unglücksfälle vorkommen können, beweist der ganz kürzlich erfolgte Einsturz der im Bau begriffenen Rhcinbrücke in Köln. Die Schuld on diesem traurigen Ereignis, dem mehrere Menschenleben zum Opfer fielen, ist in der Hauptsache allerdings wohl äußeren, be- sonders Wittcrungseinfliissen zuzuschreiben; ob sich aber, bei Pein- lichster Anwendung aller Vorsichtsmaßregeln, das Unglück nicht doch hätte vermeiden lassen? In jedem Falle aber ist das schreckliche Vorkommnis eine ernste Mahnung, derartige Bauten mit doppelter Vorsicht zu überwachen. Nun zum Schluß noch eine Uebcrsicht über allerlei phantastische Krückenbauprojekte. Da ist zunächst die famose Idee, den atlantischen Ozean zu überbrücken, so daß man trockenen Fußes von Hamburg nach New Dork spazieren könnte. Vielleicht treten die Ingenieure des 5. Jahrtausends nach Christi Geburt diesem fccstcchenden Gedanken einmal etwas näher. Bekannt ist es, daß man den Aermel-Kanal zwischen Dover und Calais gern über- brücken möchte. Diesem Plan stellt sich aber außer allerlei elemen- taren Hindernissen noch die Furcht der Engländer vor einer fran- zösischen Invasion entgegen; jetzt freilich, in der Zeit der be- rühmten entente cordiale, ließe sich letztere vielleicht überwinden; dann wäre aber wohl eine Untertunnelung des Kanals praktischer. Schließlich sei noch das Projekt einer Brücke über die Behring- straße, jenen Mceresarm zwischen den unwirtlichen Teilen Amerikas und Asiens, erwähnt. Die Hindernisse sind auch hier sehr groß; aber so phantastisch die Sache aussieht, sie kann am Ende doch in absehbarer Zeit verwirklicht werden. Die Technik ist noch immer im andauernden Siegeslauf begriffen und kann, ja wird sicher in kommenden Jahrhunderten Werke schaffen, die wir jetzigen Menschen mit einem überlegenen Lächeln abtun, wie seinerzeit Friedrich der Große den„blauen Dunst", die heute iiberall dominierende Dampfkraft. kleines feuitteton. Fall eine? Eisenmcteoriien. Der Meteorit, welcher am 3l. März öieses Jahres in allernächster Nähe des Dorfes Avce in der Graf- schaft Görz in Südösterreich niedergefallen ist und der Meteoriten- sammlung deS Wiener Hofmuseums überwiesen wurde, wird jetzt im »Wiener Akademischen Anzeiger" näher beschrieben. Ueber die Erscheinung am Himmel, die mit dem Fall des Meteoriten verbunden war, konnte der Zeuge des Niederfalles, der Landniann Kolenz, nichts aussagen. Er hörte etwa um Uhr des Morgens den Knall einer Explosion in der Luft, dem sogleich ein Pfeifen und Sausen gefolgt sein soll, dessen Dauer er auf mehr als zwei Minuten angibt. Dann sah er einen fünf Zentimeter dicken Ast eines Apfelbaumes abbrechen und sah unter dem Baume die Erde in Staubwolken aufwirbeln. Voller Furcht floh er, und er wagte sich erst nacknnittags mit einem Begleiter wieder an die un- heimliche Stelle. Sie fanden die Erde aufgewühlt, und als sie nach- gruben, fanden sie in einer Tiefe von etwa 30 Zentimeter eine Masse, die sie für eine Kanonenkugel hielten und an die Gendarmerie übergaben, durch deren Vermittehmg dieser seltene und interessante Fund nach Wien gelangte. Die Zeitangaben, die der Landmann n, achte, sind völlig wertlos; sie sind ja erst nach einer ungenauen Erinnerung gemacht, da der Schrecken, der ihn im Moment der Erscheinung ergriff, jede Absicht und jede Möglichkeit einer genauen Schätzung ausschloß. Die Masse erwies sich bei der näheren Untersuchung in Wien als ein nicht ganz faustgroßes Eisenstück init einem Gewicht von 1230 Gramm, das bis auf eine Seite von glatt abgeschmolzenim Flächen begrenzt ist, von denen die größte ziemlich eben, die anderen stark konvex gekrümmt sind. Aus der Form scheint hervorzugehen, daß es sich um ein oktaedrisches Eisen handelt, das sich von einem größeren Eisenstück nach Oltaederflächen losgerissen hat. Die Oberfläche ist mit einer sehr dünnen Brandrinde, eine Folge der starken Erhitzung in der Atmosphäre, bedeckt, ans der an einzelnen Stellen das silberweiße Eisen hervorglänzt. Die Abschmelzung vollzog sich am heftigsten aus der Schneide der Kanten, von wo die dünne Schmelze zur Mitte der Flächen abfloß, auf denen sie sich ausbreitete. Der Fall von Meteorsteinen ist keine so große Seltenheit, als man früher annahm. In der von Klein im Jahre 1869 gegebenen Zusammenstellung aller Meteorite von gena» bekannter Fallzeit find aus dem 15. Jahrhundert nur drei angegeben, aus dem 16. Jahrhundert 15, aus dem 17. bereits 23, dann folgt das 18. mit 40 und das damals kaum zu zwei Drittel abgelaufene 19. Jahrhundert mit 216 Steinfällen. Daraus ist aber keineswegs zu schließen, daß die Meteorsteinfälle im Laufe der Jahr- hunderte häufiger geworden sind, man hat ihnen vielmehr größere Aufmerksamkeit zugewandt und sie deshalb häufiger beobachtet, wozu noch konimt, daß der bewohnte und bekannte Teil der Erde ungemein größer geworden ist. Aber auch jetzt noch kann nur der allergeringste Teil der Meteorsteinfälle bemerkt werden, bei weitem die meisten Meteoriten fallen ins Meer, das ja beinahe drei Viertel der Erdoberfläche bedeckt, und ein sehr großer Teil fällt in un-< bewohnten Gegenden nieder, ohne daß sie jemals von einem Menschen wahrgenommen werden. Die Zahl der Meteorsteine, die im Durchschnitt jährlich zur Erde fallen, wird auf 4500 geschätzt, also auf mehr als 12 an jedem Tage. Unter diesen Meteoriten sind aber die wenigsten solche auS Eisen, wie der bei Arce gefallene, bei weitem die meisten sind Steinmeteorite, im Durchschnitt kommt auf 100 Steinmeteorite nur 1 Eisenmetcorit, die daher auch in den Metcoritensammlungen viel weniger zahlreich vertreten find. Meistens ist das Meteoreisen stark nickethaltig; inwieweit das auch bei dem beschriebenen Meteorit der Fall ist, ist aus dem Bericht nicht zu ersehen. Eine chemische Analyse scheint noch nicht stattgefunden zu haben. b. Kulturgeschichtliches. Eine neu entdeckte Ger manengöttin. Der ansehn» liche Kreis von altheidnischen Göttern und mit göttlichen Eigen» schaften ausgestatteten Helden