Anttthaltungsblatt des vorwärts Nr. 131. Freitag, den 18. September.' 1903 LNaHdrull dcrSoten.) � IVlafia. Roman aus dem modernen Sizilien von Emil Rasmussen. „Nein, mein Junge, Calogero ist nicht von Sinnen. Aber kvas warst Du, als Du mir niein Weib nahmst und meine Tochter verführtest? Woran dachtest Du, als Tu sie Zerfleischen ließest." „Das war Pamfo!" „Ja, das war Pamfo? Tu bist immer der Unschuldige! Aber diesmal bin ich es, der ein Wörtlein d«reinspricht, ich, . ihr Vater, und da helfen keine Ausflüchte, mein Jnngel Nun will ich einmal meine Hände waschen in Deinem schmutzigen Blute und ineine Seele weiden, wenn ich Dich in den letzten Krampfzuckungen zappeln sehe!" „Calogero, ich will Dich bezahlen! Verlange alles, was Au willst!" >.Es gibt Dinge, die nicht mit Geld zu bezahlen sind!" „Um Biondas willen! Sie ist immer gut gegen Dich gc- {öesen!" „Das ist wahr? Darum räche ich sie!" „Um Cleofes» willen! Um Cleofes willen?'' -„Für sie wird Ettore sorgen.— Hast Tu mehr auf dem Herzen, so sag es nur heraus. Wir haben Zeit!" „Lieber alter Calogero! Laß mir das Leben!" Mit einer verzweifelten Kraftanstrengung wollte er sich losreißen und um sein Leben kämpfen. Aber der Alte dran? auf ihn ein, setzte ihm seine Wolsszcihne an die Kehle, daß das Blut floß, und warf ihn zu Boden. Ten linken Arm und sein Knie auf sein Zwerchfell gestemmt, hielt er sein wahnsinnig zappelndes und schreiendes Opfer nieder, während er mit der rechten Hand das Messer zog und die lange glänzende Klinge durch den Druck ans eine Feder emporspringen ließ. Einen Augenblick lagen ihre Augen ineinander. Das starre Entsetzen begegnete einer wollüstigen Begierde, die keine Schonung kannte, die der Mord, der sehnsüchtig erwartete Augenblick der blutigen Rache, nicht weniger befriedigte als ein erotischer Genutz. Mit einer sicheren, aber zögernden, fast zärtlichen Hand- bewegung führte er den fürchterlichen Schnitt quer über Ange- ilos Kehle von Ohr zu Ohr und ließ mit Wohlbehagen das gurgelnde Blut über seine Hände spülen. Calogero war gerächt. Seine Begierde war gestillt. Nun galt es sich zu retten. Er nahm Angelos Revolver an sich und stürzte durch die dunklen Gänge, bis er den Schacht erreichte. In rasender Eile wusch er seine Hände und wechselte die Kleidung, läutete seinen Freunden oben und ließ sich hinaufziehen. Angelos Büchse nahm er mit. Darauf verschwand er in her Nacht und kam nicht mehr zum Vorschein. Es hieß später, er habe sich den Briganten angeschlossen— und glaubhaft erschien es— aber etwas Verläßliches erfuhr niemaird. SM des nachts wurde Gianandrea mit seinen Plänen iund Messungen fertig. Da Calogero sich nicht einfand, nahmen sie den Weg durch die alle Galerie, um einen Ueberblick über die ganze Mine zu gewinnen. Lo Forte ging voran. Plötzlich sah er beim Lampenschein gerade vor seinen Dützen einen Körper liegen. Er bückte sich, um näher zuzu- sehen. >..„Was gibt es?" fragte Ettore. „Allmächtiger Himmel! Er ist ermordet!�'' .l-„Wer?"'-- „Dein Bruder!" Ettore warf sich über die Leiche. So stark war der Plötz- siche Eindruck, daß er in Tränen ausbrach. Er war ja trotz. allen? sein kleiner Bruder, niit dem er in früheren Zeiten so- viel Böses und Gutes geteilt hatte. Er beugte sich ganz zu ihn: dinab und küßte ein- ums anderemal das blutige Antlitz. „Jetzt verstehe ich Calogero!" sagte Lo Forte. Ettore nickte. „Wir müssen ihn mit uns nehmen," fuhr Gianandrea fort. Sie hoben ihn auf und trugen ihn zwischen sich weiter. Ms war wie ein Leichenzug in den Katakomben. Keim Miuenbrunnen lagen Calogeros abgeworfene blutige Kleider. Sie läuteten den Arbeitern, aber niemand antwortete, und der Elevator rührte sich nicht. „Wir müssen die'Leitern hinaufsteigen/'' sagte des Ingenieur. „Ich zittere, daß ich mich kaum festhalten kann." „Es ist keine Gefahr, wenn Du Dich nur zusammen, nimmst. � Wir müssen oben fein, ehe die Arbeiter kommen—> wer weiß, welche Ränke hier geschmiedet sind?. Man ist im? stände, uns dieser Bluttat zu beschuldigen." „Nun denn: ich will alle Kraft zusammennehmen." Sie bedeckten die Leiche mit den Arbeitskleidern, die hiev hingen, und begannen den langen, gefährlichen Aufstieg gegen das Licht. Währenddessen hatte sich über Angelos Haus der Friede des Todes gesenkt. Kurz nachdem Angelo fortgefahren war, versank Bionda in eine tiefe Betäubung. Als der Arzt des Nachmittags nach ihr sah, war sie ohne Bewußtsein. Er sah sie an, fühlte ihren Puls und sagte zur Schwester.' „Das ist der Tod!" Die Schwester nickte mit ihrem linbeweglichen Lächeln in den Augen. Nach einer Stunde kam der alle Propst und zwei Chor, knaben niit dem Sakrament. Bionda schlug die Augen auf. Aber in ihren? Antlitz war ein so verwirrter Ausdruck, daß der Propst ihr das Sakra- ment nicht zu geben wagte. Sie waren alle derselben Ansicht, daß sie nichts von sich wisse. Erst nach Sonnenuntergang erwachte sie aus ihrer Be- täubimg. Sie war bei vollkommen klarer Besinnung. Ruhig, aber tief bewegt empfing sie das Sakrament und sagte dem Propst, sie sei bereit zum Tode. Als sie wieder mit der Schwester allein war, lag ein seltsam strahlender Glanz auf ihrem Antlitz, „Oeffne die Türen zum Balkon!" „Es wird kühl." „Das tut nichts!" Die Schwester gehorchte stumm. „Wie hell die Sterne heute abend sind!" Die Kerzen begannen zu flackern, und die Gardinen wogten leise in der langsamen Brise. Die Insekten schwärmten herein und kreisten hitzig um die Lichter. Aus der Campagna empor stieg ein Zittern spielender Heuschrecke.? und Heimchen und wie sie alle hießen, die musikalischen Bewohner der Felder und Gärten. Aber ganz dicht dabei, in dem Vogelhause uilten im Garten, gleich unterhalb der Fenster, saßen alle die blinden Nachtigallen Angelos und füllten die Lust mit ihrem süßen Schluchzen. Und die unzähligen Laute der Nacht glitten zu- sammen zu einem Akkord, oft zu einem einzelnen Tone, der wie ein vibrierender Orgelpunkt weiterklang, den Nachtigallen- gesang wie ein fernes und gedämpftes Accompagnement mit sich tragend. „Es wurde ja nach Gianandrea geschickt? Warum kommt er nicht?" fragte sie plötzlich mit Angst in der Stimme, „Er kommt, sobald er heimgekehrt ist." „Ja, er kommt. Stelle meine Harfe herein!" Die Schwester verschwand lautlos und kam mit der Harfe zurück, die sie rechts vor das Bett stellte. „Nein, was tust Du, Schwester? Links vom Bette muß sie stehen.— So! Nun kann ich liegen und sie sehen." Sie faltete die Hände und begann zu beten, während sig mit großen glänzenden Augen zu den Sternen aufsah. „Morgen, wenn ich tot bin, sollt Ihr alle Nachtigallen freilassen." „Die armen Döglein haben es wohl besser im Bauerl Höre nur, wie sie ihren Lobgesang singen!" Sie dachte ein wenig nach. „Ja, ja! Sie sind ja blind. Laßt sie denn im Baue? bleiben und ihren Lobgcsang singen!" Ihre Augen fielen zu. „O, wie müde ich bin!— Der Gesang klingt so fern! Kommt er nicht— Gianandrea?" „Sei nur geduldig! Er kommt!" „Ja— er— kommt." Mit diesem letzten Worte schlief sie ein. Die Schivestex ging hin unS fühlte ihren Puls. Er schlug ganz schwach. Ab und zu blieb er ganz aus. Sie atmete in kurzen Stößen, die schwächer und schwächer wurden. Nach Mitternacht erwachte sie plötzlich, sah wirr UM sich tztnd rief mit einem heiseren Zischen: �Angelol Angela I Er ermordet Dich!" �Fortsetzung folgt.) ~.. „Ten Kirschbaum, Mutter," sagte Faste, indem er eintrat,— „den plündern sie aber gründlich, gleichviel, ob ich mit dabei bin «der nicht. Er sieht schon ganz abgegessen aus." Faste war seit mehreren Tagen nicht zu Hause gewesen, er hatte sich ein Kontor eingerichtet und wohnte unten in der Stadt. „Ja,— Agnete und ihre Freundinnen—" entgegnete Frau Forland. Faste sah sich mit einem eigenartig forschenden Blick um. „Kirsten Torp und Hanna Brinkmann und Bera und Tina Wrcdcr?— wohl noch die alten—?" „Nein, Bera nicht,— die habe ich lange nicht gesehen,— Tu tvcißt ja. Faste--" „Daß sie eine. unbiegsame, eckige, steife Natur ist, ja?— Wenn sie sich mit mir entzweit, so gilt das unserer ganzen Familie,— dann heißt es nicht nur adieu Sölbi und adieu Agnete, sondern dann besucht sie selbst Dich nicht mehr, Mutter!— Ich rannte heute wieder auf der Straße gegen sie an, wie gegen einen Pfahl, den bei reichlichem Obstgenutz an anderen Nahrungsmitteln sparen, Und das Obst löscht auch in hohem Matze den Durst. Ein Obst-, esser hat kein Verlangen nach vielen Getränken, und so sparen wir, wenn wir dem Obst zusprechen, auch an Ausgaben für Bier, das doch weniger gesund ist. Wir haben bis jetzt das Obst als den Spender der Nährsalzö betrachtet, es hat aber noch andere gesundheitliche Eigenschaften. Unsere moderne Kost, die wir schon geschildert haben, ist sozusagen konzentriert, sehr gehaltreich an Nährstoffen, aber arm an Schlackend Unsere Verdauungsorgane sind aber von Natur aus dafür ein- gerichtet, daß sie auS� einer schlackenreicheren Kost die Nährstoffe ausziehen. Diese Schlacken, die holzigen, zelluloscartigcn Teile den pflanzlichen Nahrungsmittel üben einen notwendigen Reiz auf den Darm auL und fördern so seine Tätigkeit. Moderne Mcnschcnl die viel sitzen und die konzentrierte Nahrung zu sich nehmen, leiden« darum nur zu häufig an Verstopfung mit allen ihren üblen Folgen, wie Hämorrhoiden, Kopfschmerzen und dergleichen. Tie im Darm übermäßig lange liegen bleibenden Speisereste gehen in Gärung und Zersetzung über und erzeugen Gifte, die in das Blut gelangen und dieses verschlechtern. Das Obst wirkt aber auf die Verdauung regulierend, es führt ab und verhütet die schlimmen Folgen einer trägen Verdauung. Es hatten also unsere Altvorderen nicht un« recht, wenn sie dem Obst eine blutreinigende Wirkung zusprachen. Das Obst hat aber noch eine andere wichtige Beziehung zu unserem Blute. Infolge der Lebensprozesse bildet sich in unserem Körper Harnsäure, die unter normalen Verhältnissen ausgeschieden wird. Unter dem Einfluß verschiedener Schädlichkeiten häuft sie sich im Blute und den Körperorganen an und ruft schwere Stö, rungen hervor, die als Gicht wohl bekannt sind. Es wird angenommen, daß ein reichlicherer Genutz von Fleisch die Entstehung der Gicht befördert und daß eine mehr vegetabilische; Nahrung die Gicht zum Schwinden bringen kann. In dieser Hin- ficht wirkt das Obst besonders günstig, da die in ihm cnthaltcneu pflanzlichen Säuren die Ausscheidung der Harnsäure befördern. Obstkurcn werden darum in ähnlichen Fällen seit lange ver-- ordnet. Der Laie kann aber nicht entscheiden, in welchem Falle sie angebracht sind. Das zu bestimmen, ist Sache des Arztes. Es gibt ja recht viele Krankheitszustände, in denen der Genuß von Obst gemieden iverden mutz, da er direkt schädlich ist. Leider wird dies« Zurückhaltung im Volke oft nicht beachtet und so wurden schon viclel durch Obstkuren schwer geschädigt. Unsere Ratschläge gelten aber nicht für kranke, sondern für gesunde Menschen, die auch weiterhin gesund bleiben wollen. Ihnen! ist der Obstgenutz nur anzuraten. Freilich mutz das Obst, wenn cA bekomnien soll, reis und unverdorben sein. Eigentlich brauchte maitz es nicht zu erwähnen, aber die Erfahrung lehrt leider, daß es immer wieder Leute gibt, die gegen die selbstverständlichsten Gesundheit?- regeln verstoßen. Viele meiden den Obstgenutz, weil er die Zähiiö angreifen soll. Es läßt sich allerdings nicht leugnen, daß dio Säuren, die im Obst enthalten sind, die Zähne angreifen können. Einx Schädigung kann jedoch nur bei andauernder Berührung d«! Säure mit dem Zahn erfolgen. Wenn matt gleich nach dem Obst «in Stück trockenes Brot verzehrt oder den Mund gut reinigt, so kann ein Verderben der Zähne nicht stattfinden; im Gegenteil das Obst wird die Zähne kräftigen, denn es führt dem Blute die minc- ralischen Stoffe zu, die zum Aufbau der Zähne nötig sind. Darum ist Kindern, deren Zähne wachsen, der Denutz von Obst zu empfehlen, Kleines femlleton. Die Automobilnot. Man hat von manchen Seiten die Klagen über die gesundheitlichen, insbesondere die nervösen Schädigungen. die durch den Aufschwung des Kraftfahrzeugvcrkchrs herauf- beschworen worden sind, als übertrieben bezeichnet und gemeint. es werde damit ähnlich ergehen wie mit den trüben Prophezeiungen. die zu Beginn der Eiscnbahnära allenthalben laut geworden sind. Allein die Tatsachen haben diese optimistische Auffassung bisher nicht gerechtfertigt. Die Klagen nehmen vielmehr in solchem Matze zu, datz die Gesetzgebung verschiedener Staaten— unter ihnen in erster Linie England— sich ernsthaft mit der hygienischen Seite der neuen Verkchrsform beschäftigt. Zunächst kommen unter den schädlichen Fartoren die Rauchgase in Betracht, auf deren Gefährlichkeit die Londoner Wochenschrift„Lancct" nachdrücklich hinweist. Aeben der Gesundheitsschädigung richtet aber der Qualm und Staub, den die Automobile erzeugen, auch erheblichen Sach- schaden an Gebäuden, Gärten usw. an, und überdies ist nicht nur eine direkte Schädigung zu befürchten, sondern auch noch eine solche durch die krankheiterrcgendcn Bakterien, die aufgewirbelt und weit umhcrgeschleudert werden. Häufig genug sind im An- schlutz an den Auwmobilverkehr epidemische Erkrankungen der Atmungsorgane beobachtet worden. Die Anwohner der Landjtratze werden in gleicher Weise bedroht toie die Industriearbeiter in qualm- und stauberfüllten Räumen, denen ja' schliesslich auch Schutz vom Staate gewährt werden mutzte. In erster Linie haben aber jene für die nötigen sanitären Mahnahmen aufzukommen, die eben auf öffentlichen Wegen Kraftfahrzeugverkehr unterhalten, denn gerade diese Oeffcntlichkcit bringt es mit sich, datz Staub und Qualm nicht in erheblichem Matze erzeugt werden dürfen. In England ist vor einiger Zeit der Vorschlag aufgetaucht, die Automobile mit einer Art Sperrvorrichtung zu versehen, die das Ueberschreiten einer gewissen Höchstgeschwindigkeit überhaupt un- möglich macht, ein Vorschlag, der übrigens bereits vor acht Jahren in bündiger Form geäussert worden war. Tie Versuchung, mit hohen Geschwindigkeiten zu fahren, ist für den Automobilisten eben gar zu gross. Gleichwohl unterliegt es keinem Ztoeifel, datz sport- liche Gesichtspunkte gegenüber der Wohlfahrt des Publikums zurückzutreten haben. Verkehrswesen. Die Eisenbahn von Kairo bis zum Kap. Während die marokkanischen Wirren die Aufmerksamkeit Europas auf den Nordwestwinkel des schwarzen Erdteils lenken, sind die Engländer in aller Stille tatkräftig am Werke, den Plan von Eecil Rhodes, die Bahn von Kapstadt nach Kairo Etappe um Etappe der Ver- wirklichung näher zu bringen. Nur kurze Zeit noch, und die Bahn- strecke zwischen Assuan und Wadi-Halfa, der einzige Teil der Strecke Kairo-Chartum, der jetzt noch zu Schiff zurückgelegt werden mutz, wird vollendet sein. Jetzt beginnt man bereits mit einem neuen grossen Werke, das eine der wichtigsten Etappen der Kap- Kairo-Bahn bedeutet: mit dem Bau der grossen Nilbrücke bei E h a r t u m. Die Bahnlinie endet jetzt in Halfijch am rechten Nilufer; um nach Ehartum zu gelangen, mutzte man bis- lang per Dampfboot den hier 518 Meter breiten Flutz durchqueren. Dieser Wasserstreifen, der die ägyptische Bahn von der künftigen Ugauda-Bahn, die Chartum mit Kondoroko verbinden wird, trennt, wird jetzt durch eine gewaltige Brücke überwunden. Sie wird «ine Länge von 660 Meter haben mit insgesamt sieben monumcn- talen Brückenjochcn. Wie„Le Tour du Monde" berichtet, wiegt jedes Joch gegen 600 Tonnen, so datz, die Metallpfeiler eingerechnet, annähernd 6000 Tonnen Material in das Herz des südlichen Aegyptens transportiert werden müssen, um das Werk, das bereits begonnen ist und in zwei Jahren vollendet sein soll, zu vollenden. Di» Brücke übertrifft an Ausdehnung selbst die berühmte Zambesi- Uebcrbrückung, die vor etwa 2VH Jahren vollendet wurde und bisher den geätzten Brückenbau des afrikanischen Kontinents dar- stellte. Diese Nilbrücke bedeutet jedoch nicht allein einen energischen Schritt zur Weiterführung des grotzen trans- afrikanischen Bahnprojektes, sondern sie ermöglicht zugleich den Beginn einer neuen gewaltigen Arbeit: die Anlage des geplanten großen Kanals, der die weiten Gebiete der Provinz El Djesirah während der wasserarmen Zeit des Nils, in den Monaten Oktober bis März, mit Wasser versorgen soll. Das Projekt wird erst dann ausführbar, wenn die Nilsperre durchgeführt ist und diese wiederum, die einen Kostenaufwand von mehr als sechzig Millionen bereitet, wird erst dann ftuchtbar, wenn El Djesirah mit den bestehenden Eisenbahnlinien verbunden ist. Der Bau dieser Anschlutzlinien aber wird unmittelbar nach Vollendung der grotzen Nilbrücke möglich und dann sofort in Angriff genommen. Technisches. Telephon in Aufzügen. DaS lautsprechende Telephon, das auch im Reichstage benutzt wird, hat eine interessante An- Wendung in einem der gewaltigen Wolkenkratzer New Jorks, dem Gebäude der Singer Co. gesunde». In diesem Riesenhaus, das 200 Meter hoch und in 47 Stockwerks eingeteilt ist. gibt cS sechszehn Aufzüge, die zum Teil nur in den verschiedenen Stockwerken halten. In jedem Ailfzug befinden sich lautsprechende Telephone, die mit dem Maschinenraum in Verbindung stehen. Der Fahr- stuhlwärter kann so, ohne seinen Platz in der Kabine verlassen zu müssen, laute und deutliche Anweisungen vom Maschinenraum erhalten. Andererseits kann er init gewöhnlichen Telephonen jederzeit mit dem Personal im Maschinenraum verkehren. In diesem Maschinenraum ist auch eine Lampen-Signalvorrichtmig untergebracht. die es jederzeit erkennen lätzt, an welchem Punkt jeder der 16 Aus- züge sich befindet oder ob einer von ihnen zufällig ausser Betrieb ist. Auch für Kommandozwecke im SchistS- und Artilleriedienst wird da? lautsprechende Telephon verwendet. In Verbindung mit diesen Lautsprechern steht dann eine Zentralstation, die es ermöglicht, mit einem Sprechapparat mehrere Seilenstationen zu betätigen. so datz ein an einer Stelle in den Apparat gesprochenes Kommando in einer ganzen Reihe von Stalionen laut gehört wird. Das Lautspreche» wird durch eine besondere Konstruktion. in erster Linie des Sprechapparates, des MikrophoncS erzielt. So ist z. B. bei dem sogenannten Sie ntor Mikrophon an Stelle der Kohlenmembrane eine Aluminiummembraue getreten, auf der wieder eine kleine Kohlenmembrane aufgenietet ist. Ferner sind alle Dimensionen des Mikrophones gegenüber denen der nor- malen Apparate vergrötzert, loodurch auch eine viel grössere Strombelastung zulässig ist. Solche Mikrophone werden nicht nur für Lautsprechanlagcn, sondern auch für sogenannte Lauschaulagen zur Ueberwagung sehr leiser Töne benutzt. Bei diesen Lauschanlagen überträgt ein Mikrophon alle in einem Raum auch nur schwach hörbaren Töne und kann daher unter Umständen als gefährlicher Spion benutzt werden. Neues von der Funkentelegraphis. Unter welchen Umständen die drahtlose Telegraphie oft berufen ist. neue Verkehrs- Möglichkeiten zu schaffen, zeigt die unlängst erfolgte telegraphische Verbindung von Lima, der Hauptstadt Perus, mit einer ebenfalls tn Peru gelegenen Stadt namens JquitoS. Die beiden Städte sollten ursprünglich durch eine Drahtleitnng verbunden werden. Die letzten 1000 Kilometer aber von der Stadt Bermndez bis Jqnitos konnte die Linie, die durch den Urwald gehen mutzte, nicht geführt werden, da dem Unternehmen unübertvindliche Schwierig- leiten im Wege standen. Da wurde von einer deutschen Gesellschaft eine drahtlose Verbindung hergestellt, die zwar nicht billig ist— die Anlage soll eine runde Million Mar! kosten— die aber tadellos funltioniercn soll.— Von neueren, interessanten funken- telegraphischen Stationen wäre noch eine Anlage in den Gärten des Vatikans zu erwähnen, die eine Reichweite von 700 Kilometer haben soll. Datz die Funkentelegraphie an und für sich eine verhältnisinätzig grosse Verbreitung hat, zeigt eine Statistik des Reichsposta mtcs in der„Deutschen Verkehrszeitung". Nach dieser Zusammenstellung gibt es bereits 174 Funkentclegraphenstationen für den öffentlichen Ver- kehr, von denen> sich die Mehrzahl(92) in Amerika, 67 in Europa und der Rest in den anderen Wellteilen befindet. In Deutschland selbst gibt es 13 Stationen. Von den Stationen arbeiten die meisten nach dem System Marconi und dem deutschen Telefnnken- system. In Amerika ist auch das System de Forest und daZ System Shoemaker auf einigen wenigen Stationen in Verwendung. Der Rame Funkentelegraphie ist übrigens für manche Systeme der drahtlosen Telegraphie nicht mehr am Platze. Es geht nämlich das Bestreben dahin, in der modernen drahtlosen Telegraphie die zum Telegraphieren erforderlichen elektrischen Wellen ohne Funken- entladung zu erzeugen. Am Iveitesten ist in dieser Beziehung Poulsen gekommen, der die Funkenstrecke durch einen elektrischen Lichtbogen, der in bestimmter Weise geschattet ist, ersetzt. Zur Erzielung einer richtigen Wirkung iverden als Elektroden für diesen Lichtbogen, der in einer Wasserstoffatmosphäre brennt, Kupfer» stäbe benutzt. Auch von deutschen Technikern find schon früher ähnliche Vorrichtungen angegeben tvorden. Die von einem solchen Lichtbogen ausgehenden Wellen oder Schwingungen haben noch den Vorzug ungedämpft, d. h. von gleicher Stärke zu sein. Diese Art der Wellenerzeugung ist auch für die drahtlose Telephonie und be> sonders für die abgestimmte Telegraphie von Bedeutung. Die Ab- stimmung hat den Zweck, datz die von einer Station ausgehenden Wellen nur von den auf sie abgestimmten Empfangsapparaten in einer anderen Station aufgenonuncn werden können. Es wird auch vorgeschlagen, an Stelle des Lichtbogens besonders konstruierte Maschinen zur Erzeugung der elektrischen Wellen zu ver- wenden, doch befinden sich diese Apparate noch im Versuchsstadium. Ausser der Abstimmung ist auch das Problem der gerichteten draht- losen Telegraphie von Bedeutung. ES handelt sich darum, die Ausbreitung der elektrischen Wellen auf die Richtung vom Sender zun: Empfänger zu beschränken. In dieser Hinficht haben in der letzten Zeit Marconi und Braun durch Anordnung der Sendedrähte in öe- stimmtet Weise und A r t o m durch besondere AnordiulNg von Funken- strecken Erfolge erzielt. löerantlv. Redakteur: Georg Tcipidsohn. Berlin.— Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerci u.BrrlagsanstaltZaul Singer LiCo., Berlin 3 rV.