302 Abeimements• Krdingungen: «bonntmentS= sprel« pränumerando: «ierteljährl. 3,30 Mb, nionall. l.lO Ml,, »vöcheolltch LS Pfg, frei ins Haus. Eimelne Nummer 3 PIg. Sonntags, Nummer mit illultrlcrier Sonntags- Beilage„Tie Neue Welt" 10 Pfg. Post- Slbonnement: 3.30 Marl pro Quartal. Eingetragen in der Post-Zeitungs- Preisliste für ISSO unter Nr. Tum). Unter ltreuzband für Teutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Marl, für da» übrige Ausland 3 Mark pro Mouat. «rschrini lägltch«ufjer Zvonkig». Devlinev Volksblatt. 16. Jahrg. Die Insertions- Gebühr beträgt für die fechsgespaltsne Kolonel. »eile oder deren Raum 40 Pfg., für politische und gewerlfchastliche Vereins- und VerfammlungS-Anzeigen 20 Pfg. „Nleine Aufelgen" jedes Wort ö Pfg. (nur daS erste Wort feltj. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 4 Uhr nachmittags inderExpedilion abgegeben werden. Tie Expedition ist an Wochen- tagen bi» 7 Uhr abends, an Sonn- und Sestiagen bi» S Uhr vormittags geöffnet. Fernsprecher! vmb I, Nr. 1508, Telegramm-Adresse: «Sorialdemokral verlin" Centraiorgan der sorialdemokratiMen Uartei Deutschtands. Redaktion: SM. 19. Veuth-Straste 2. Donnerstag, den 28. Dezember t8j>6. � Expedition: 3�. 19. Veuth-Strasze 3. Bezugs-Einladnng. Mit dem 1. Januar eröffnen wir ein neues Abonnement auf den mit seinem wöchentlich fünfmal erscheinenden Uiiterhaltuugsblatt und der Sonntaqs-Beilage „Die Meuv MU-U". Jni Unterhaltnugsblatt beginnen wir am 1. Januar mit dem Abdruck des neuen, in der Sifel spielenden Romans von Klara Bicbig: Vns LVribrrdrorf. Für Berlin nehmen sämtliche Z e i tu n g s sp e d i t en r e sowie ttttfci'c Expedition, Bcuthstr. 3, Bestellungen entgegen zun« monarlichen Preise von I Mark IV Pfemiig frei ins Hans. Für ausserhalb nehmen sämtliche P o st a n st a lt e n Be- stellunge» zum Preise von 3 Mark 30 Pfennig für die Monate Jannar, Februar, März entgegen. sEingetragen ist der„Vorwärts" in der Post-Zeitungsliste unter Nr. 7371.) Die Redaktion des„Vorwärts". Eine Regierung für Verfassnngsbrüfhe. —st— Wien, 25. Dezember. (Braf C I a r y kann sich rühincn, mit seinem Scheiden aus dem Amte eine gewisse Verwunderung erregt zu haben. Ein östreichischer Beamter, der sein Wort hält, ein Graf, dem seine Ehre wertvoller ist als sein Porlcseuille: das war schon lange nicht da, das über- rascht. Das Ministerium Clary ist nicht gefalle», weil es mit den, Versuche, das Parlament mobil zu machen, gescheitert ist— das war oft da und das hat keiner Regierung noch den Hals gekostet. Der Kabincttsivcchsel war wirklich nur deshalb»otwcudig, weil Graf Clary und die paar anständigen Leute um ihn herum den neuen Verfassnngsbnich nicht mitmachen wollten, weil sie ihren Namen zu dem iicjicrlichcn Mißbrauch des§ 14 nicht hergeben wollten. Das ivnr ebenso anständig wie vernünftig, denn Graf Clarh würde, wenn er das Opfer seines Gewisiens' gebracht hatte, nicht mehr erreicht haben, als daß er vierzehn Tage länger Minister gc- blieben wäre— ei» Ziel, das zu gering ist. um noch jemanden ver- führen zu können. Tie öffentliche Meinung ist wohl nicht stark ge nug, tun die Verfassungsbrüche hindern zu können: genug stark aber, um sie bestrafen zu können. Man findet noch immer die nötige Anzahl von strebsamen Beamten, die sich zur Beugung des Gesetzes konimandieren ließen; daß sich aber die Leute, die mit dem Z 14 regiert haben, ini Parlament nicht blicken lassen dürfen: das weiß der Kaiser so gut wie der Chef des seit Sonnabend ernannten Verfassungsbruchs- Ministeriums. Herr v. Wiltcck wird also die nötige Anzahl Verfassungsbrüche beistellen. und dann wird er ans Nimmerwiedersehen verschwinden. Daß Graf Clary lieber auf seinen Statthalterpostc» zurückkehrt, als daß er sich für die nächste und für die längste Zukunft unniöglicki inachen würde: das ist eigentlich nicht verwunderlich. Ein anständiger Mensch wird sich jetzt eine andere Beschäftigung ansznsuchen wissen als die, östreichischer Minister zu werden; man muß bei diesem Ge- schäft zu viel an Ehre und Achtung preisgeben. Der Rücktritt der Regierung Clary hat aber auch eine gute politische Seite; er ist nämlich geeignet, eine Legende zu zerstören, g» die die einfältigen Ocstreicher drei Jahre lang- geglaubt haben Man hat sich näuilich steif und fest eingebildet, das Regieren ohne Parlament sei nur eine Folge davon, daß der Staat dreimal von unfähigen und gewissenlosen Minister» heimgesucht war. Würde ober, so war die allgemeine Empfindung, einmal eine Regierung kommen, die vorweg erklärt, den Vcrfassungsbruch-Para groph nicht anwenden zu wollen, so würde das Parlw ment seiner Verantwortlichkeit bewußt werden und die läppische Obstniktion würde fortan unmöglich werden. Und andererseits werde die Krone, wenn ihr endlicki einmal von einer Regienmg die Altelnative möglichst schroff gestellt würde, wenn ihr die Anwendung des§ 14 als Verfasstingsbruch bezeichnet wird, auf das Negieren ohne Parlament verzichten. Diese Rechnung war, wie der ohne Wirkung gebliebene Rücktritt der Regierung Clary und die just zu dem Zwecke des Verfassungsbruches erfolgte Berufung des Ministeriums Wittel zeigt, durchaus fehlerhaft. ES zeigt sich viel' niehr, daß der Verfassnngsbnich, das Regieren ohne Parlanient, d i e dem gegenwärtigen Zu st an de Oestreichs eigen t- lich adäquate Regier uugsform ist. Man kann sich drehen und winden wie man will, man sagt es auch nicht gern, weil man fühlt, daß es eine Schande für den Staat wie für die Bürger ist; aber es wäre auch dennoch unsäglich thöricht, wenn man es ver- hehlen wollte: Oe st reich kann heute nicht anders „regiert" werden als absolutistisch. Das Parlament ist zur Erledigung der dem Parlament obliegenden Aufgaben un- tauglich geworden, und da das drängende Leben weitergeht, weiter- gehen muß, wenn auch das Parlament verstopft ist, so setzt sich der Absolutismus an die Stelle der Verfassung. Es ist natürlich nicht der alte, vonnärzliche Absolutismus, nicht der unverhnlltc Despotismus des russischen Zarentums; es ist ein moderner, milder weil vertuschter Absolntismus. Ein altes Wort variierend könnte man sagen: In Oe st reich regiert der Absolutismus, gemildert durch denReichsrat! Es ist kein Absolutismus aus Ueber- mut, aus einer Uebermacht der Krone; es ist der Absolutisinns, den die Ohnmacht, die Unbrauchbarkeit des Parlaments erzeugt hat. Was natürlich nicht hindert, daß die wirkliche, die ivohl nicht paragraphierte, aber trotzdem durchaus reale Verfassung Oestreichs heute der ministerielle Absolutismus ist. Die Krankheit sind eben nicht die schlechten Regierungen, die Krankheit st e ck t im Parlament. Das ist eine Wahrheit, die zu bekennen es in Ocstreich an Mut gebricht. Denn es ist natür- lich viel angenehmer, einfach über die dumme oder über die ge- wissenlose Regierung zu schimpfen, anstatt zu gestchen, daß die lln- geschicklichkeit, ja auch die Nichtsnutzigkeit der Negierungen seit Badeui das Ergebnis der Unhaltbarkcit dieses vstreichischcn Parlamentarismus sind. Graf Thun und Herr Dr. Kaizl waren Lumpen genug, um den octroyicrten Ausgleich zu verbrechen. Graf Clary ist ein anständiger Mensch, der das Ucberweisungsgcsetz ohne Parlament nicht verordnen wollte. Aber was wäre erreicht worden, wen» Herr Kaizl ein anständiger Mensch geblieben wäre? Man hätte zum Zwecke des Versassiuigsbruches eine andere Regierung ernannt! Und was iväre gewesen, wenn Graf Clary niindcr gcivisscnhaft gelvesen wäre? Man hätte den Minister- Wechsel für vierzehn Tage erspart! Aber an den Dingen hätte sich nichts geändert, weil deren Entwicklung von den Personen eben unabhängig ist. Wenn iveder das schwächliche Schicksal der Regie- rnng Thun, noch die Weigerung Clarys de» neuen Verfassungsbruch verhindert: ist damit nicht bewiesen, daß der Verfassungsbruch unab- ivendbnr ist, iveil regiert werden niuß, mit den, Parlamente aber nicht mehr regiert werden kann? Und wenn diese Wahrheit noch eines Beweises bedurfte, die Aufnahme, die die Regie- rnng für Verfassungsbrüche gefunden hat, liefert ihn. Wohl achtet niemand die neuen Menschen, die sich zu dem schäbigen Geschäft hergegeben haben, wohl empfindet jedermann. daß sich die Vicrzchntags- Minister damit unmöglich machen—: aber auch das Gefühl ist allgemein,, daß die frevlerische That gethan werden muß, daß der Verfassungsbruch die logische Er- gänzmig des unlcbensfähigcn Parlaments ist. Durch die dreijährige Verstopfung des Parlaments ist eine Lücke entstanden, die ausgefüllt werden mußte und die nnszufüllc» das halbe Hundert Verfassungs- bräche geschaffen ist. Wo Todesstrafe herrscht, ist auch der Henker notwendig; wer nun will, daß der schmähliche Zustand beseitigt werde, daß ein Mensch den anderen„gesetzlich" mordet, der wird nicht den Henker beschimpfen, sondern die Todesstrafe abzuschaffen suchen. Was nicht hindert, daß man den Menschen, der zu solchem Handwerk sich gedrängt hat, wenig schätze» wird. Man wird also auch dieses Ministeriunl Wittel nicht mit besonderer Bedeutung be- handeln, aber die richtige Einschätzung der Menschen kann es nicht verdunkeln, daß diese neue Regierung, die keine andere Aufgabe hat. als Gesetze zu„verordnen", die vom Parlamente» i ch t bewilligt worden sind, daß diese Staatsslrcichrcgierung das unmittelbare Produkt eines Parlamentarismus ist, der nicht leben kann und nicht sterben will. Der östreichische Parlamentarismus besteht heute in nichts anderem als daß auf dem Franzensring ein großes Gebäude steht, in dem durch zwei Monate im Jahre eine bestimmte Anzahl von Menschen Rcichsrat spielen, die Volksvertretung markiere». Aber das Gebäude macht das Parlament nicht aus; es macht es auch nicht aus, daß die Abgeordneten reden und abstimmen, das man stenographische Protokolle herausgiebt und Anträge stellt. Das sind, wie Hamlet sagt, Gebärden, die man spielen kann; ein Parlament setzt noch anderes voraus und bedingt mehr. Ein Parlament ist nur möglich, wen» die unterschiedlichen Parteien irgend etwas Genieinsaines haben: der Staat eben, der ihrer aller Vaterland ist. Der östreichische Reichsrat, mit seinem viertelhnndert Parteien, denen allen das Parlanient ftenid und gleichgültig ist, der nur ist das genaue Spiegelbild dieses„Staates", den niemand will und den jede Nation als Fessel ihrer Entwicklung empfindet. Die Unmöglichkeit des Parlaments ist die Unmöglichkeit des Staates; sie ist die Wirkung einer Krankheit, die das gesamte Staatswesen ergriffen hat. Oestreich existiert nur durch das Beharrungsvennögen; ein Windstoß aber ivürde es sofort auseinanderblasen. Wohl wird der Auflösungsprozeß noch gchemnit durch die Kraft, die einst den Staat„begriinder": die Dynastie; aber ivie das Unterliegen der Krone in dem Feldznge gegen die jungczcchischc Obstruktion erreicht, schwächen sich auch die Wirksani leiten dieser einst allmächtig gewesene» Potenz ab. Wie ein Gleichnis von dem Zerfall dieses alten Staates stellt sich vor dem Ende des Jahres die Regierung Wittels dar; als Zeichen davon, daß in Oestreich das Regieren, ivenn es mehr sein soll als das Fortfressen von Tag zu Tag, überhauvt nicht mehr möglich ist. Man muß aber alle falsche Scham fallen lasse» und die traurige Wahrheit sagen: Oestreich kann mit dem Parlament nicht mehr regiert werden! I>olikis portugiesische Streitfrage der Delagoabahn. ! Sjüde, wie zu erwarten ist, das Schiedsgericht zu Gunsten Englands entscheiden, müßte Portugal fast 18 Millionen Mark Entschädigung zahlen, so sollte England statt dieser Zahlung durch Abtretung portugiesischen Kolonialbesitzes, insbesondere der handelspolitisch und strategisch so ungemein wichtigen Delagoa-Bucht— die den Zugang nach Trans- vaal öffnet—, entschädigt werden. Dieser Vertrag ist bisher sorgfältig geheim gehalten worden. Jetzt will der„Lok.-Anz." von näheren Einzelheiten des- selben sichere Kenntnis genommen haben. Die Mitteilungen des„L.-A." bringen neues hauptsächlich insofern, als danach der Vertrag nicht nur eine Aufteilung des afrikanischen, son- dern auch des asiatischen Kolonialbesitzes Portugals um- fassen soll. Das„Wolffsche Telegraphenbnreau" ist allerdings bereits mit dem üblichen öffiziösen Dementi auf dem Plan:„An zuständiger Stelle werden uns diese Mitteilungen als willkürliche und falsche Kombinationen bezeichnet." Doch nur zu oft erwies sich das offiziöse Dementi eher als eine Bestätigung angeblich unrichtiger Zeiwngs- Mitteilungen und die Mitteilungen des„L.-A." haben immerhin erhebliche Wahrscheinlichkeit für sich. So seltsam diese Mit- teilniigen an sich sind, so ist doch in diesen Zeiten der Welt- politischen Ueberstürzungen gerade das Unwahrscheinlichste am sichersten zu erwarten. Der Massenausverkauf der portugiesischen Kolonien soll in der Weise vor sich gehen, daß England dem kleinen Portugal die afrikanische Last und Deutschland die asiatische Last abnimmt. Fast der gesanfte Besitz Portugals in Asrika. der fast 2V« Mill. gkm umfaßt, soll an England abgetreten werden; nur der nördliche Teil von Portugiesisch-Ostafrika, die Provinz Mozambique soll an Deutschland fallen, welches dazu sämtliche asiatische Besitzungen Portugals erhalten soll. Der portugiesische Besitz in Asien umfaßt die Gebiete von Goa, Dcimao und Diu in Vorderindien, ferner M a c a o im südlichen China, endlich den Ostteil der Insel Timor im Sunda-Archipel, deren östlichen Teil die Holländer besitzen. Der Umfang dieser Besitzungen beträgt ins- gesamt fast 20 000 Quadratkilometer, die Bevölkerungszahl etwa i Million Menschen. Das wäre also die beginnende Nenanfteilung der Erde, welche des Grafen B ü l o w Weisheit prophezeite. E i n böser Anfang, wenigstens für Deutschland! Wäre dieser Kolonialbesitz irgendwie loertvoll, so hätte wohl der bisherige Besitzer des Segens teilhaftig werden können. Aber der gesamte Handelsverkehr aller jener asia- tischen Besitzungen Portugals betrug für das Jahr 1895/90 nur 2,1 Millionen Einfuhr und 0,0 Millionen Mark Ausfuhr. Die Einfuhr aus dem Mutterlande selbst aber bezifferte sich auf nur 0,06 Millionen Mark nnd die Ausfuhr nach dem Mutterlande war gleich Null. Portugal will sich von dieser hemmenden Kugel am Fuß befreien. Deutschland ist bereit, sie sich anzuschmieden. Unglückseliger könnte das verhängnisvolle Wort nicht wahr emacht werde», das Wort vom„Einsetzen an möglichst vielen unkten". Weite Meere trennen die einzelnen asiatischen Be- sitznngen Portugals, die ohne jeden Zusammenhalt in die ver- schiedensten Länderkomplexe, Klimate und Völkergebiete ein- gestreut sind, eine Spreu von Inseln und Küstenstrichen, deren jeder einzelne Teil an Wertlosigkeit und an An- sprüchcn gegenüber der Znschnßkasse des Reiches erfolgreich mit unseren bisherigen Kolonialbesitznngen konkurrieren würde. Daß auch die Erwerbung Ost- Afrikas nördlich vom Zambesi nur eine Erhöhung des Kolonial- Ansgabe-Etats bedeuten würde, ist zweifelsohne. Und der Preis, den Deutschland für dieses neue Stück Uebersee zahlen soll, beträgt nicht weniger als 25 Millionen Mark. So sollen, wenn diese Mitteilungen richtig sind, neue „Stützpunkte" in fernen Meeren gewonnen werden. Wo irgend ein Staat ein paar Inseln nicht mehr brauchen kann, da haben wir Ueberfluß an Millionen, um sie zu erwerben. Sicherlich läßt man alsdann auch nicht gelten, daß solche Er- Werbungen ohne eine neuere verdoppelte Kriegsflotte möglich waren, vielmehr wird der Schutz der neuen herrlichen Erwerbungen die erneuteUnzulänglichkeit des jetzt noch umstrittenen Flottenplanes und die Notwendigkeit weiterer Panzergeschwader erweisen. Vielleicht aber befreit uns die Voreiligkeit der Veröffeni- lichung von diesem portugiesisch-asiatischen Gespenst. Was soll denn die Weltpolitik, wenn die Zeitungen ihre Ueberraschungen vorausnehmen? Die Plötzlichkeits- Staatsmänner haben in Herrn Scherl ihren Meister gefunden.— DaS Ende der Haager Komödie. Vom Possenspiel, das unter der Aufschrift„Internationale Friedenskonferenz" im Sommer gespielt wurde, schenkt man der Welt auch nicht den letzten Punkt. Die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung" beschert eine FriedenS-Nachgabe zum WeihnachtSfcst: „Wie eine Reihe anderer Staaten, so hatte auch Deutschland seiner Zeit nur das Schlußprotokoll der Haager iuternatio- nalen Friedenskonferenz vom 26. Juli d. I., nicht aber die von der Konferenz ausgearbeiteten Konventionen und Deklara- t i o n e n unterzeichnet, sich vielmehr zunächst eine eingehendere Prüfung dieser Aktenstücke vorbehalten. Nachdem diese Prüfung seitens der beteiligten deutschen C e i: t r a l st e l l e n inzivischc» erfolgt ist, hat der kaiserliche Botschafter in Paris, Fürst Münster, der erste deutsche Delegierte auf der Konferenz, den Auftrag erhalten, sich nach dem Haag zu begeben, um daselbst noch vor Ende dcS Jahres die drei Konventionen und die drei Deklara- tioneu namens deS Reichs zu unterzeichnen. Dabei wird nur der Artikel 10 der Konvention über die Anwendung der Genfer Konvention auf den Seekrieg eine»! ähnlichen Vorbehalt unterworfen werden, wie ein solcher auch von feiten Englands in Aus» ficht gestellt ist. Fürst Münster wird am 28. d. M. im Haag ein- treffen und die Unterzeichnung der Aktenstücke vornehmen. Mit seinem Veitritt zu den Haagcr Beschlüssen, welchen Oestreich- Ungarn und Italien bereits beigetreten find, liefert Deutschland einen neuen und bedeutsamen Beweis seiner ruhigen und besonnenen P o l i t i l, welche mit den uns verbündeten Staaten fortgesetzt in enger Fühlung bleibt und zugleich zudem russischen N a ch b a r r e i ch freundliche und vertrauensvolle Beziehungen pflegt." Damit wird das negative Ergebnis des Haager Kongresses end- gültig besiegelt. Ja selbst die winzige Ausgestaltung des internationalen Rechts, die von den Delegierten der Machte beschlossen worden war, wird jetzt zurückgewiesen. Die Vermeidung nutzloser Härten in der Krieg- führung, die Linderung des Loses der Verwundeten, wie sie durch die Genfer Konvention 1864 für die Landheere angestrebt worden ist, soll— so erklären die allerchristlichstcn Staaten England und Deutsch- land ausdrücklich— auch fürderhin nicht im Seekrieg geübt werden. Der Schlustsatz der obigen offiziösen Note verrät über- deutlich, ans welchen Gründen die deutsche Regierung, die ja am Glaubenssatz der menschlichen Erbsünde hängt. im Haagcr Friedenschorus mitgeflötet hat. Man wollte den Zaren nicht verletzen, der sich mm einmal in die Rolle deS Friedensheldcn eingcwobcn hat wie andere Fürsten in weltpolitische oder andere Lieblingsvorstellnngen. Zuliebe der guten Beziehungen zum Herrscher aller' Reußen opfert daS offizielle Deutschland seinen Unglauben an die Idee des Völkerfriedens. Die Großmächte unterzeichnen ein Friedens- Protokoll,.während sie sich in wahnwitzigen Kriegsrüstungen, die nun von dem Festland auf die See überspringen, einander überbieten; England, das freie und humane England, feiert den Abschluß der Haagcr Konferenz durch das grausige Spiel der Lhdditgranaten in Südafrika, und Deutsch- land, daS sehr fromme und sehr humane und sehr friedfertige Deutschland, illustriert das Friedcnsprotokoll mit den Bildern einer gewaltig zu vermehrenden Kriegsmarine.— Deutsches Weich.. GcsetzeSanSlegnngSkiinste. In den Künsten der Gcsetzesauslegnng hat man in Sachsen schon mancherlei geleistet: inan hat den Bohkött als eine Beschränkung der Gewerbefreihcit bezeichnet, man hat die Verteilung socialdcmö- kratischcr Flugblätter an Nichtsocialdemokratc» zum groben Unfug gestempelt, inan hat die Androhung des Ausschlusses aus einem Gcwcrkschaftsverbande gegenüber Streikbrechern als Vernifserklärung gekennzeichnet und noch vieles andere geleistet. Jetzt wartet wieder ein sächsisches Schöffengericht mit einer Glanzleistung dieser Art auf. Zwei streikende Former auS Leipzig hatten mit dem Gießerei- besitzer Anderegg in Frankenberg unterhandelt wegen der Herstellung von Strcikarbeit aus Leipzig. Sie sagten ibm, wein, er nock weiter Leipziger Strcikarbeit anfertige, würden sie seine Arbeiter auffordenr, die Arbeit einzustellen und über seine Fabrik die Sperre verhängen. Die Unterhandlung hatte weiter keinen Erfolg; nur ivenige Arbeiter des Anderegg, die die Verhandlung mit angehört hatten,' kündigten die Arbeit. In der„Chemnitzer Volksstimme" wurde darauf'die Verhängung der Sperre über die Fabrik veröffentlicht. DaS Schöffengericht Frankcnbcrg verurteilte darauf die beiden Leipziger Former zu je einem Monat Gefängnis ivegen Vergehen gegen 8 183 der Gewerbe- Ordmmg. Wie das Gericht zu dieser merk- würdigen Verurteilung gekommen ist, zeigen einige Citatc aus der bereits vorliegenden schriftlichen Urteilsbegründung.' die in der„Leipz. Bolksztg." gegeben werden. Da heißt cS: „Durch die angedrohte Sperre ist demnach versucht worden, die Andcreggschcn Arbeiter zn veranlassen, dem Leipziger Streik Folge zu leisten. Das Uebel, das den Arbeitern mit der Verhängung der Sperre über die Fabrik angedroht wird, ist, daß sie im Falle der Weiterleistung ihrer Arbeit älö Streikbrecher hingestellt und von den Ausständigen mißachtet, wenn nicht in noch höheren! Grade belästigt werden." Die Vorhängung der Sperre ist keine Drohung gegen die Ar- bciter, sondern gegen den Unternehmer; ob die Arbeiter ans dieser Maßregel die Veranlassung herleiten, die Arbeit bei diesem Unter- nehmer einzustellen oder bei ihm nicht in Arbeit zu treten, kommt dabei gar nicht in Frage. Ob die Arbeiter, falls sie die Verhängung der Sperre unberücksichtigt lassen, von den übrigen in strafbarer Weise bedroht werden würden, das muß abgewartet werden. Die Vermutung des Richters, daß es geschehen iverde, be- gründet doch noch keinen strafbaren Thatbestand.' Schließlich geht die Vermutung des Richters bestimmt nur auf Mißachtung der ver- muteten Streikbrecher: mißachten darf man aber nach Herzenslust. wen man will, ohne sich dadurch strafbar zu machen. Das Frankenverger Gericht scheint auch gefühlt zu haben, daß seine Vermutungen recht nebulöse Urtei'lsgründe seien und stützt deshalb das Urteil auch auf die Behauptung, daß sich die Drohung in noch höherem Maße wie gegen die Arbeiter gegen den Unternehmer richte. Damit ist cS mm erst recht daneben getreten. Der 8 153 der Gewerbe-Ordnnng gilt nur für Verrufserklänmgen zc. innerhalb des eigenen Lagers; von Arbeitern gegen Arbeiter und von Unternehmern gegen Unternehmer, was selbst einem sächsischen Gericht bekannt sein sollte.— Es wird abzuwarten sein, wie die Strafkammer entscheidet._ Die Krone deS Jahrhunderts ist, wenn man die Schweinburg- scheu„Berliner Politischen Nachrichten" hört,— Herr Miguel. Dies Organ bringt jetzt Jahrhundert- Uebcrsichten über die Entwicklung Preußens, in denen dargelegt wird, wie Preußen es so herrlich weit gebracht. Der erste Artikel war der Entwicklung der Selbstverwaltung von den Stein-Hardenbergschen Reformen bis zum Fall Kirschner gewidmet. Ein zweiter beschäftigt sich mit der preußischen Steuerpolitik. Und da vernehmen wir: „So besitzt denn Preußen durch daS Verdienst dcS Ministers v. Miquel an der Schwelle des 20. Jahrhunderts ein überaus einfaches, einheitliches Steuersystem, durch welches die Grundsätze steuerlicher Gerechtigkeit, die Bemessung der Sreuer nach der Leistungsfähigkeit und die gleichmäßige Veranlagung, verivirklicht und mit dem Verzicht auf die Ertragssteuern zu Gunsten der Gemeinden erst die Voraussetzung für eine gesunde Entivickelung der kommunalen Bestenerung geschaffen worden ist. DaS Stempelstcuergesetz von 18Sö zieht die Konsequenzen der Einheitlichkeit und Abstufung nach der Leistungsfähigkeit für den Preußen verbliebenen Teil der Stempel und bildet so, wie das Stempelsteuergesetz von 1322 der Abschluß der ersten Steuerreform war, den Abschluß und Rest der auf den Namen Miquel gehenden Neu-Ordnuna der preußischen StaatSsteuenr, durch welche Preußen die führende Stelle auf diesem Gebiete, die es in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts zeitweilig verloren hatte, voll wiedergewonnen und eine weit in daS nächste Jahrhundert hinein Dauer versprechende feste Grundlage für die Aufbringung des Staatsbedarfs erlangt hat." Die Miquelfche Steuerreform besitzt zivar, wenn man ganz be- scheiden ist, einige Verdienste— h i st o r i s ch betrachtet aber sind sie unbedeutende Flickarbeit, und es heißt, im voraus das neue Jahrhundert verleumden, ivenn man ihm auch nur eine dankbare Erinnerung an die kleinen Künste eines Miquel zutraut.-- „V-Bricfc" sollen als postalische Neuerung eingeführt werden. Die Neichspost-Vcrwaltung wollte— wie einzelne Blätter berichten— zu schnelleren Beförderungen farbige Briefumschläge ausgeben, die mit 5 Pf. das Stück verkauft werden, und der eingeschlossenen Sendung die Beförderung mit der ersten Bestellung nach Ankunft der Züge sichern. Bon anderer Seile wird diese Meldung als der Begründung entbehrend bezeichnet. Wir hoffen, daß dieses„Dementi" nicht dementiert werden wird, denn die Einführung dieser durch Zahlung von 6 Pf. bevorzugten Briefe würde auf Umwegen die Be- seitigung des Einheitsporto herbeiführen. Dafür, daß eingehende Briefe mit der ersten Bestellung nach Ankunft der Züge bestellt werden, ist doch keine besondere Gebühr zn erheben— dafür hat eine ihre Auf- gäbe begreifende Venvaltung ohne metallischen Anreiz zu sorgen. Wenn zur Begründung der Notwendigkeit von D-Briefen dargelegt wird, daß sich die Zahl der Briefe so vermehrt habe und die Fahr- zeit bei zahlreichen Zügen so verkürzt worden, daß auch der größte Fleiß der Postbeamten'nicht mehr im stände sei, die Sortierung ganz durchzuführen, so beweist das nur, daß nickt die hinlängliche Anzahl von Beamten eingestellt wird. Man vermehre also die Zahl der Beamten und ferner verstärke niair die Zahl der Post- wagen; selbst nach der offiziösen„Dt. V,-Z," muß jede Aendenmg des gegenwärtigen, völlig„unhaltbaren Znstandes" an den beschränkten Räumlichkeiten scheitern, die der eine Postwagcir bietet. In den Nacht schnellzügen, auf die die ungeheuren Briesinassen zum größten Teil entfallen, ist ein Postwagen durchaus unzureichend. 'Zu einer Porto-Erhöhuug unter der Maske prompterer Bestellung liegt also gar kein Grund vor. Hoffentlich wird die gemeldete post- fiskalische Pfennigfuchserei mit dem scheidenden Jahr begraben und taucht nicht etiva als„Osterei" wieder auf.— Agrarier und Flotte. Die Agrarier sind, wie feststeht, ihrer U e b e r z e u g u n g nach entschiedene Gegner der neuestdeutschen Wasscrpolitik. Die„Deutsche Agrarkorrcsp," spricht das offen aus: „Mögen die unbedingten Flottcnvermehrer erst die Thatcn- beweise erbringen, daß die deutsche Weltballpolitik sich künftig wirklich immer nur um die starke und wohlgeschmiertc Achse einer gesunden heimischen Bodenpolitik drehen soll: dann wollen wir gern mit in die Speichen greifen, um das große Rad v o r iv ä r t s drehen zu helfen. Bis dahin aber drehen wir rückwärts." Diese ehrlicheren Stimmsührer des Agrariertiims singen also immer noch die alte Bundeshymne: Kein Könitz, keine Kähne! Alle Agrarier denken so, wenn sie dennoch jetzt in Flotten- schwärmerei machen, so thun sie das ans Feigheit, weil sie es mit der Krone nicht ganz und endgiitlig verderben wollen.— Prinz Arenberg, der bestialische Mörder, soll am ersten Weihnachts-Feiertage in Hamburg eingetroffen sein. Er habe, so wird versichert, als„Gefangener auf' Ehrenwort" die Fahrt nach Hamburg angetreten. Wäre der Prinz, statt ein Mörder, ein social- demolratische'r Redactenr, so würde man ihn nicht durch ein Ehren- wort, sondern durch Handschellen gefesselt haben.— Der starke Mann in Sachsen arbeitet im Schweiße seines Angesichts. Am 22. Dezember, zwei Tage vor dem Feste der Liebe, sind in Dresden wieder eine Anzahl Eisenbahner. 18 bis 20 Mann, meistens Bremser, unter Zahlung des Lohnes für die KündigungS- zeit entlassen worden. Und ganz nach dem Rezepte des' Herrn v. Kröcher greift der starke Mann blind zu; unter den Entlassenen befinden sich auch Leute, die sich bisher»och gar nicht um die Eisenbahnerbeweguiig gekümmert haben. Sie werden sich wahr- schciulich jetzt darum kümmer» und die Zahl der Unzufriedenen ver- mehren.— M» Der dritte Band der Bismarck-Memoircn ist bekanntlich vorhanden, wird aber nicht veröffentlicht, iveil die Söhne Bismarcks die NichtVeröffentlichung der Darstellung über den Konflikt zwischen Kanzler nnd Kaiser als eine Bürgschaft für gute Beziehungen zum Hofe benutzen. Ein Wiener Blatt behauptet jetzt, es werde ivege» der Nichtvcröffentlichimg zn einem Prozeß zwischen dem Verleger der Memoiren nnd den' beiden Bismarcks kommen. Jedenfalls wäre dieser dritte Band interessanter als die belanglosen ersten beiden Bände.— lieber die Fest- Artikel der Presse pflegt die„Kreuz- Zeitung" eine Uebersicht zu geben. Am meisten erbost sie sich gewerbsmäßig über die WcihnachtSbetrachtungeii der socialdemo- lratiscbcn Blätter, und unsere Abfertigungen der frommen Sal- badereien der heuchlerischen Scharftnacher- Orgaue findet das be- troffene Blatt selbstverständlich besonders schamlos. Schade nur, daß die„5!reiiz- Zeitung" in ihren Citaten so sparsam ist. Sie hätte unsere Schamlosigleitcn getrost noch ein bißchen breiter ausmalen können und z. B. von unseren historischen Erinnerungen über das echte Christentum ihren der Belehrung sehr bedürftigen Lesern Mitteilung machen sollen.— Spitzcl-Pleite. An einen der Puttkamerschen Nicht-Gcntlemcn' an Karl Schröder-Brenulvali?, erinnert eine Konkursanzeige im„Züricher Tageblatt". Ueber feine Schreinerei ist der Konkurs cröfstiet worden, das Verfahren aber wegen Mangels an Aktiven eingestellt worden. Ueber diesen Schröder handelte folgender im Reichstag am 27. Januar 1838 verlesener Briefwechsel zwischen Singer-Bebel einerseits und dem Polizeihauptmann Fischer in Zürich anderer« 'cits: «Die crgebcnst Unterzeichneten richten an Sie die höfliche Bitte, ihnen bestätigen zu wollen, daß der in Ziirich-RieSbach wohnhafte, hier in Haft befindliche Sckreiner und Agent Karl Schröder, sowie der in Hast genommene Gießer Christoph Haupt aus Genf, folgende. Freunden von uns gemachte Geständnisse auch in der wider sie anhängigen bcbördlichen Untersuchung ausgesagt haben, rcsp. daß die in den Geständnissen zugegebenen Thatsachen auch anderweit durch Zeugenvernehmungen vor der UntersuchnngS- behörde festgestellt sind: 1. Daß Schröder schon seit Jahren im Dienste der Berliner Polizei steht, anfangs monatlich 200 M. Gehalt nnd in den letzten Jahren 230 M. pro Monat erhalten hat. 2. Daß er das Geld auf Anweftung des Polizei- rates Krüger in Berlin empfangen, seine Berichte an den Polizeirat Krüger gesandt habe. 3. Daß bei� Schröder bei der HanSdurchsuchnng eine Kiste Dynamit ans der Dynamitfabrik Opladen. Rcg.-Bez. Düsseldorf, flammend, gefunden wurde, die Schröder von den Anarchisten Ettcr und Wübbeler empfing. 4. Daß Sckrödcr mit den Anarchisten Stellmacher, Kam- merer, Kaufmann, Kennel und anderen genau bekannt war nnd in intimen Beziehungen stand und im Herbst 1383 einer in Zürich stattgehabten Konferenz schweizerischer Anarchisten beiwohnte, bei der auch die Genannten zugegen waren. 6. Daß seine Verbindung mit der Berliner Polizei der' Anarchist Kaufmann vermittelte und nach Schröders Aussage auch Kaufmann im Dienste der Berliner Polizei arbeitete. 6. Daß Schröder auch mit den Anarchisten Peukert und Neve in persönlichen Beziehungen, mit dem Anarchisten Justus Schwab in New Jork in brieflichem Verkehr stand. 7. Daß Schröder alle ncuerscheinende socialistische und anarchistische Litteratur für die Berliner Polizei anzuschaffen und dieser sofort zuzusenden batte; daß er die bezüglichen Versammlungen der er- lvähnten Richtungen zu überwachen nnd die darin anwesenden Personen zu denunzieren hatte. 8. Daß Schröder in Bersamm- Inngen und Wirtschaften die Arbeiter dnrch seine Reden erhitzt und aufgehetzt nnd sie ans den Weg der Gewalt, alö de» einzigen Weg der Rettung verwiesen und zur„Propaganda der That" aufgefordert habe." Die Antwort lautete: „Herren A. Bebel und Paul Singer, Mitglieder dcS deutschen Reichstages. Zürich, den 6. Januar 1883. Durch Brief vom heuligen' Datum ersuchen Sie mich um verschiedene Auskunst in der Untersuchungssache gegen Karl Schröder, Schreiner, und Christian Haupt, Gießer. Bei dem lebhasten Interesse, da? die Sache für die schweizerischen Behörden in Bezug aus das provokatorische Treiben der unter Anklage stehenden Personen hat, erkläre ich Ihnen, obschon keinerlei Verpflichtung für mich dazu vorliegt, daß einerseits dnrch Geständnisse der An- geschuldigteu, andererseits dnrch Zeugen die vollständige Richtigkeit sämtlicher in dem zurückfolgenden Schriftstiickc aufgestellten Behauptungen festgestellt ist. Einzig der in Frage 6 behauptete Verkehr Schröders mit Justus Schwab ist bis jetzt noch nicht amtlich erörtert. Hochachtungsvoll: Das Polizei- kommando. Fischer. Polizcihauptma»»." Der von der Berliner Polizei angestiftete und besoldete Umsturz scheiterte an der Vernunft der Arbeiterschaft. Eine Begnadigung k Der Referendar Esser ans Natingen bei Düsseldorf hatte sich im verflossenen Frühjahr im Natinger Busch Arbeiterinnen gegenüber in sittlicher Beziehung schwer ver- gangen. Die Sache wurde von der Düsseldorfer Strafkammer mit drei' Monaten Gefängnis geahndet. Nunmehr ist der Referendar infolge eines von ihm eingereichte» Gnadengesuches zu 300 M. Geldstrafe begnadigt worden.— Die Ermordung eines Civilistc» durch einen Soldaten. Es war dieser Tage gemeldet worden, daß ein Soldat der Garnison von Köln auf einen Civilisten einen Mordaufall verübt hatte. Bon der Kölner Kominandautur war daraufhin bis zur Entdeckung des Thäters jeglicher Wcihnachtsurlaub aufgehoben worden. Dazu nicldct der„Volts-Zlg." ein Privatlclcgramm aus Köln vom 26. d. M.: Der von Soldaten des 16. Infanterieregiments Ueberfallene uiid durch Seitengewehrstiche schwer verletzte Fabrikant Lämmert ist in der Ehristnacht. nachdem ihm ein Bein amputiert worden war, gestorben. Zur selben Stunde wurde auch der Mordgesclle entdeckt in der Person des Infanteristen R o k o st y, der sich einem anderen Infanteristen Keßler zu Füßen geivorscn und ihn flehentlich gebeten hatte, ihn nicht zu verraten. Diesen Vorgang batte ein dritter Infanterist beobachtet, der alsbald Anzeige machte. Die tlntersiichung ergab, daß Rokosty der Thäter war und Keßler dem llcberfall bei- gewohnt hatte. Beide wurden unter scharfer militärischer Bewachung in Arrest abgeführt. Das Urlaubsverbot, das sich auf Maniischaslcu wie Offiziere erstreckte, wurde alsbald aufgehoben.—.. Im Kampfe gegen die Arbeiterbewegung scheinen die reich-- ländischen Polizeibehörden Gerichtsentscheidungen, die ihnen nicht in den Kram passen, zu ignorieren. Durch Urteil des Landgerichts Metz war seiner Zeit entschieden worden, daß Gewerkschafts- orgauifationen nach Art des über ganz Deutschland ausgedehnten HolzarbeiterverbandeS als Arbeiterverein im Sinne des§ 152 der Gewerbe-Ordnnng zu betrachten seien, die, Iveil durch Reichsgcsetz gestattet, mittels Landesgesetzcs auch i» Elsaß-Lothringen nicht in ihrer Entfaltung gehindert werden dürfen. Trotz dieser jeden Zweifel ausschließenden Entscheidung versagte der Kreis- d i r e k t o r für Straßbnrg-Land einer in Schiltigheim gegründeten Zahlstelle des HolzarbeiterverbandeS die Genehmigung. Jetzt hat sich dieser Aufsehen erregenden Maßregel auf erhobene Be- schwerde auch der B c z irks p r ä s i d ent für das Unterelsaß angeschlossen dnrch Verfügung vom 14. Dezember dieses Jahres. Der Ausweg, den die Behörden dabei wählten, ist der, daß sie ohne auch nur einen Schein von Berechtigung„annehmen" die ge- werkschaftlichcn Bestrebungen des genannten Vereins seien nur vorgeschützt, um die Behörden über seinen wahren Charakter einer politischen Kampforganisation hinwegzutäuschen. Da anzunehmen ist, daß die Entscheidung der höheren Ver- waltnngSbehürde nicht ohne vorhergegangene Verständigung mit dem reichsländischen Milnsterinm ergangen ist, so dürfte durch sie der Kurs markiert sein, den das System Puttkamer in Zukunft bei der Bekämpfung der Arbeiterbewegung zu steuern gedenkt. Derselbe läßt sich dahin charakterisieren: Ausgesprochen politische Vereine (natürlich nur solche mit socialistische» Bestrebungen!) werden von vomherciii unterdrückt, gewerkschaftliche Bereinigungen aber werden kurzerhand als politische erklärt und dann ebenfalls verboten. Damit ist— so hofft man— ans dem Schauplatz des politischen und socialen Klassenkampfes die Ruhe des Friedhofes wieder her- gestellt, die bis vor wenigen Jahren die Signatur des öffentlichen Lebens im Lande der„wiedergewonnenen Brüder" bildete. Angesichts der vor kurzem erfolgten Aufhebung des Verbindungsverbotcs für politische Vereine im gciviß nicht liberalen Preußen erscheint die neueste Betätigung Puttkamerscher RegicrungsweiSheit im Reichs- lande als Ausfluß besonderer StaatSwcishcit.— Gin„Rcinfatt". Vor den Feiertagen erklärten wir, daß ein von der„Miinchener Allgemeinen Zeitung" aus einer amerikanischen Zeitung abgedruckter Artikel über die Weltlage, der für die Flotten- vorläge ausgenutzt werden sollte, nicht von Liebknecht ist, wie von der„Münchencr Allgcm. Ztg." behauptet war. Der Artikel wurde mit der gleichen Nutzanwendung und dem gleichen Irrtum bezüglich der Urheberschaft von der„Konservativen Korrespondenz" veröffent- licht, die indes damals noch nicht im Besitz unserer Richtigstellung sein konnte. Nim hat aber auch die..Norddeutsche Allgemeine Zeitung" heute, sechs Tage nach unserer Warnung, sich der gleichen Täuschung des Publikums mit gleicher Tendenz schuldig gemacht. DaS ist schon mehr und schlimmer als ein„Reinfall". DaS ist bewußte Verbreitung unwahrer Thatsachen zu geschäftspolitischen Zwecken. Unserer neulichcn Notiz können wir heute hinzufügen, daß Liebknecht über die dnrch den spanisch- amerikanischen Krieg ver- änderte Weltlage außer im„Vorwärts" keine Zeile in irgend einem Blatt veröffentlicht hat.—_ Chronik der MajcstätSbelcidkgnngS-Prozesse. Wegen Majestätsbeleidigung wurde der Hamburger Privatier Kröbcr' von der Kieler Strafkammer zu zwei Monaten Gefängnis verurteilt.—_ JnterprctationSklluste. Ans Kiel wird nnS geschrieben: � Für die Provinz SchleSwig-Holstein ist die Frage deS Kam» mnnalwahlrechts zu einer heiß unistrittcnen Streitfrage geworden. Den Lesern des„Vorwärts" ist die Entwicklung dieser Angelegenheit bekannt. Jetzt nun ist eine Wendung eingetreten, deren Ergebnis eine nochmalige Verhandlung vor dem Ober-VcrwaltungSgericht zur Folge haben wird. Der Schleswiger Bezirksausschuß hat sich nämlich dnrch einen Entscheid in direkten Widerspruch zu dem Erkenntnis des Ober-VeriualtnngSgerickts vom 26. Mai 18g!) gesetzt. nach welchem seit Inkrafttreten des Einkomincnstcner- Gesetzes auf Grund des Absatz 3 z 77 dieses Gesetzes eine Er- hvhung deS StenerbetrageS, an den die Erwerbung des Bürgerrechts geknüpft ist, nicht zulässig ist. Der Schlcswiger Be- zirkSnuSschuß hat nun am 25. November die auf Grund dieses Ent- scheides des höchsten Gcricktbofes von zahlreichen Aelvohncrn der Städte, wo trotzdem der WchleenjuS erhöht ist, eingereichten Anträge auf Aufnahme in die Bürgerrolle, ivelche Anträge von den in erster Instanz entscheidenden Stadtverordnelen- Kollegien zurückgewiesen waren, nun gleichfalls als nicht zulässig und die Erhöhung des WahlcensuS als gesetzlich bezeichnet. In diesen Tagen nun ist den Klägern die umfangreiche, 52 Seiten umfassende Begründung dieses ablehnenden Bescheides zugestellt, Ivelche zur Jnterpretationskunst deutscher Richter wieder einen wertvollen Beitrag liefert. Aus der i Entstehungsgeschichte des Einloinincnstiuer- Gesetzes wird in der weitschweifigsten Weise der Nachivcis zu erbringen ver» sucht, daß der vom Ober-VerwaltimgSgericht als für die ganze preußische Monarchie gültig erllärte Abiatz 3 des ß 77 nur für die Rheinprovinz gelte. Die Begründung dieses jetzigen Bescheides sagt, daß„wenn man für die Auslegung allein aus den Wortlaut des ß 77 angewiesen wäre", die Entscheidung deS Obcr-VcrwaltnngS» gerichts nach sprachlichen Grundsätzen den Vorzug verdienen iviirde.* »Allem eine �winqende Notwendigkeit, so zn intsrpretieren", liege aicht vor, die Worte gestatten auch eine andere Auslegung. Durch die Fassung des betreffende»§ 77 sei der Ä n s ch e i n erweckt, als ob der Absatz 3 ans alle Landesteile Bezug habe. Diese Fassung sei aber„lediglich ans ein redaktionelles, anicheinend bei der Drucklegung stattgesundencs Verschen" zurückzuführen. Weil der Gesetzgeber ans znfälligen Umstandeu dieses Versehen nicht korrigiert habe, so„falle damit die Berechtigung, den Absatz 3 ausschließlich iin Sinne einer allgemeinen, für alle Landcsteile geltenden Vorschrift zu deuten". Die„Möglichkeit" sei gegeben, daß der Abs. 3 des Z 77 trotz einer besonderen Stellung nur als die auf die LandcStcile des Abs. 2 Mheiuproviuzj bezügliche Vorschrift aufgefaßt werden könne. Die Auslegung m u ß sich hierzu entschließen,„wenn sie nicht zu einem Ergebnis kommen will, das sachlich großen Bedenken unter- liegt und mit dem Willen des Gesetzgebers, wie er sich aus der Ent- stehmigsgeschichte des Gesetzes ergicbt, unvereinbar ist." Anstatt sich also das Urteil deS Ober- Vcrwaltnngsgerichts als Richtschnur dienen zu lassen, hat der Bezirksausschuß das Urteil des höchsten Gerichts als falsch hingestellt. Daß unter diesen Umständen noch einmal das Obcr-Vcrwaltungs- gcrichts sich mit der konnnnnalen Wahlrcchtsfrage in Schleswig- Holstein zu befassen hat, ist selbstverständlich. Aber ganz abgesehen von dieser geivisscrniaßcn principiellen Entscheidung des Bezirksausschusses, hat er es auch fertig gebracht, mit der gleichen Jnterchrctationsknnst auch den Bürgern, welche schon untcr den bisherigen Verhältnissen kommunalivahlberechtigt waren, dieses Recht um ein Jahr zu kürzen, beziehungsweise diese Kürzung gutzuheißen. Nach der Städtc-Ordnuug für Schleswig- Holstein ist der Erwerb des Bürgerrechts außer anderem auch von der erreichten Volljährigkeit abhängig. Das Kieler Stadtverordneten- Kollegium hatte mm den Einspruch eines Klägers abgewiesen, der noch nicht 22 Jahre� alt gewesen war. Der' Bezirksausschuß sagt nun, daß dieses zulässig sei, weil die Erfordernisse zum Ertverb des Bürgerrechts ein Jahr lang sbestanden Ihabcn müssen.„Zu diesen Erfordernissen gehört nach Nr. 2 die Selbständigkeit, und als! selb- ständig wird derjenige nicht angesehen, der noch minderjährig ist. Daraus folgt, daß das Bürgerrecht erst mit dem Ablauf eines Jahres»ach erreichter Volljährigkeit, also erst mit dem 22. Lebens- jähre erworben werden kann." Sollte dies« GcsctzesauSlegung in der höheren Instanz aufrecht erhalten werden, so sind dadurch wieder in erster Linie die Arbeiter betroffen, die vielleicht schon vom 18. Lebensjahr an als Steuerzahler in Anspruch genommen werden, infolgedessen ein reges Interesse an der Kommunalverwaltung haben, im Gegensatz zu den Söhnen des Bürgertums, die meist erst mit dem 2ö. Jahre zu den 5losten der Kommune beitragen.— DaS erste Todesurteil in Kiautfchou. In deutscher Pachtung in China sollen allerlei Einbrecher die Bevölkerung beunruhigen. Und an einem solchen ist vor kurzem nach einem Bericht deS„Bcrl. Tagebl." die Todesstrafe vollzogen worden.„Der rührigen Polizei, so heißt es weiter in dem Bericht des„Tageblatt", die sich aus Angehörigen des dritten Secbataillons zusammensetzt, gelang es dieser Tage, einen der Hauptrüdelsführer festzunehmen. Vor Gc- richt gestellt, wurde denn auch der Schuldige der That übcrivicsen und kurzer Hand zum Tode verurteilt. Am 14. Stovember d. I. vormittags 11 Uhr, hatten sich mehrere Tausend Menschen. sowohl der größte Teil der hiesigen Europäer wie auch namentlich eine sehr große Anzahl Chinesen, am Strande bei Tapautau eingefunden, um der Ausführung der Todesstrafe bei- zuwohnen. Mannschaften der ganzen hiesigen Gar- nison waren bereits um �11 Uhr an Ort und Stelle angetreten. Der Richter des chinesischen Gericht« verlas kurz vor 11 Uhr das Todesurteil, während dessen das Gewehr präsentiert wurde. Als- dann gaben zehn Mann der ersten Compagnie des dritten Seebataillons unter dem Kommando des Ober- lientenants Jäger eine Salve ab. Sofort senkte der schwächlich aussehende Verbrecher, an einen Pfahl gebunden, das Haupt. Er war— aus Kopf und Oberkörper blutend— sichtlich von allen zehn Kugeln getroffen." Es ist bedauerlich, daß deutsche Soldaten solche Scharfrichter- dienste verrichten müssen. Schon einige Tage später soll wieder ein Chinese hingerichtet worden sein.— DaS Bagdadbahn-Abkommc» wurde laut offizieller Mit- teilung am Sonnabcndmittag unterzeichnet. Die deutsch-fran- zösische Finanzgruppe gelvähtt der Pforte sechs- hunderttausend Pfund Vorschuß.— Ausland. Oestreich« Ungarn. Wien, 27. Dezember. Am Freitag sollen die amtlichen Vcr- lautbarungen, betreffend das Inkrafttreten des Uebcrivcisungsgesetzcs, sowie die Bewilligung eines halbjährlichen Budgetprovisoriums auf Grund des§ 14 publiziert werden. Dem Vernehmen nach werden auf dem am 29. d. M. in Prag zusammentretenden böhmischen Landtage Versuche zur V e r st ä n- d i g u n g zwischen den Deutschen und den C z e ch e n unter- nommen und von der Regierung nachdrücklich unterstützt werden.— Die Stellung der böhmischen Großgrundbesitzer zur pol!- tischen und parlamentarischen Lage kennzeichnet ein Eommnnians über die Sitzung des Klubs der dem Rcichsrat aiigchörciide» böh- mischen Großgrundbesitzer. Der Klub hat uachstcheude Resolution angenommen: Der Rücktritt des Kabinetts Clary bedeutet nach Ansicht des Klnbs den Mißerfolg des von dem scheidenden Ministerium unter- nommenen Versuchs, gegen das Majoritätsprincip, das die Grundlage des Parlaments ist, und gegen das Princip der Gleichberechtigung der Völler zu regieren. Der Klub behält sich vor, feine Stellung zu der kommenden Regierung nach deren Maß- nahmen einzurichten, spricht jedoch den innigen Wunsch anS, daß dieses Kabinett diejenige Vorbedingung schaffen möge, die es er- möglicht, daß manche Streitpunkte der Böhmen' und Mähren beivohnenden Nationen durch ein Einvernehmen geschlichtet werden, und daß dadurch die Lösung der däs Reich seit Jahren schwer schädigenden StaalSkrise herbeigeführt werde. Der Klub verharrt in Sachen der sprachlichen Ver- Hältnisse Böhmens auf den in der Resolution vom 7. Oktober knnd- gegebene» Absichten und wird nach den darin ausgesprochenen Grundsätzen sein Verhalten in allen andern die gemischtsprackiigcn Königreiche und Länder betreffenden Fragen einrichten. Der Klub gedenkt das feste Bündnis niit den Parteien der Rechten un- crschiitterlich aufrecht zu erhalten, jener Rechten, welche trotz der schwierigen Verhältnisse der letzien Monate fortbesteht und welche sich abermals als einzig fester Punkt in dem parlamentarischen Gcfiige erwiesen hat.— Frankreich. PariS» 25. Dezember.(Eig. Ber.j In den Wahl männer- Wahlen zum Senat hat die vereinigte socialislische und radikale Liste des Pariser Gemeindcrntes durchweg gesiegt. Es wurden 39 Wahlmäimer(„Delegierte") mit einer Stimmeuzahl von 33 bis 39 Stimme» gelvählt. Die beiden Gruppen halten daS ihnen angebotene Zusammengehen mit den Bourgeois- Republikanern ab- gelehnt. Das s o c i a l i st i sch c G e n e r a l k o m i t e e hat in seiner letzten Sitzung, wie vorausgesehen, die Petcilignng an den Senats- Wahle» beschlossen bczw. empfohlen. Die Resolutioii, die von Jaurss beantragt irnd von Scmbat berichtigt wurde, lautet:.. Obwohl der Kongreß sich über die Frage nicht ausdrücklich ausgesprochen hat und unter der vollsten Beachtung der früheren Beschlüsse, Ivelche die socialislisch-rcvoknlivnärc Partei(Bstniquisten), die socialistisch- revolutionäre Arbeiterpartei(Allemanistc»), die kommunistische Alna»« nud die Föderation des Doubs-Departcmcnts binden,— beschließt daS Ecuttalkvinitee,' den Genosssn den cnlschtcdenen Rat zu geben, fortan sich au den Senatswahlen zu beteilige», um auch auf diesem Gebiete, wie auf jedem audem, den Kapitalismus und die Reaktion zu bekämpfen."— Vor dem Staatsgerichtshof in PariS begann am zweiten Weihnachtsfeiertag der Geuepalstaatsanlvalt sei» P l a i d o y e r. Er erklärte, daß er die Anklage gegen Chcvilly, Frechcucourt, Bounuout, BaillcrS, Brnnet und Caillh fallen lasse. Weiter führte er aus. daß die Angeklagten, trotz der Abweichungen in ihren Ansichten, einig gc- Wesen seien in ihrem HaßgegendieRepublik und in der Absicht, dieselbe zu stürzen. Buffer und Caillh widersprechen geräuschvoll. Der Stnatsgerichtshof beschließt ihre Ausschließung von den Sitzungen. Im weiteren Verlauf seiner Rede bespricht der General- staatsauwalt die verschiedenen Kundgebungen, au denen die An- geklagten beteiligt sind. Der wegen Beleidigung zu zwei Jahren Gefängnis verurteilte Däronlsde macht auch wieder von sich rede». Er hat seine» Ad« vokatcn benachrichtigt, daß er auf jede Verteidigung ver- z i ch t e. Paris, 27. Dezember. Die Nationalisten verbreiten des Gerücht, Präsident Loubct drohe mit der Nbdankling, da zwischen ihm und Waldcck-Ronssean Meinimgsvcrsckncdcnhci'ien beständen. In Regierungskreisen versichert man,'von alledem nichts zu ivissen. Ruch eine napolconische Kundgebung ist wieder einmal zu verzeichnen. Prinz Napoleon richtete an den Mnire von Ajaccio nnläßlich des bevorstehenden hundertjährigen Jubiläums des ersten Konsulats einen Brief. Der Prinz preist das Werk NapolconS, und sagt hierauf. die Verbannung. von der er betroffen worden. bc- rührend, diese Maßregel habe nicht dazu beigetragen, Frankreich die Ruhe wiederzugeben.', und gicbt schließlich dem Wunsche Ausdruck, daß für Frankreich die nationale Versöhnung kommen möge, au welcher er, der Prinz, arbeiten werde getreu den Ucbcrlieseruiigeu des ersten Konsuls. Die franzöfischen Thronprätenbeuteu müssen immer von Zeit zu Zeit etwas von sich hören lassen, damit sie nicht ganz in Vergessen- hcit geraten.— England. Tie russische Gefahr. Den„T i in c§" wird ans Odessa vom 23. Dezember ge- meldet: Obgleich die strenge Kälte in gckliz Siidrußland andauert, gehen doch noch fortwährend vom S ch>v a r z e n Meer ii a ch den asiatischen Besitzungen Rußlands i in f c r n e n O st c n V e r st ä r t n n g e n ab. Seit letzten Donnerstag gingen tausend Mann mit dem Kreuzer„Epatcnnoslaw" von hier ab, außerdem eine große Anzahl von Militärärzten, Krauten- Wärterinnen und anderem Personal zur Errichtung eines Feld- Hospitals.— Belgien. Die Dotation deS Grafen von Flandern hat wieder zu eiucni parlamentarischen Skandal Anlaß gegeben. Der Graf von Flandern ist der Bruder des Königs, wie dieser außerordernlich reich, und dennoch bezieht er aus der Tasche des Volk« eine jährliche Dotation von 200 000 Franks, ohne daß er dafür dem Staat irgend welche Dienste zu leisten hat. Unsere Genossen Demblon und Aranquart brachten bei der letzten Budgetdebatte die Sache zur Sprache und beantragten Streichimg des Postens. Man antivortcte ihiicn, der Graf gebe das Geld, welches er empfange, für wohllhätige Zwecke aus, worauf unsere Freunde erwiderten, ans der Tasche anderer Almosen geben, das sei kein besonderes Verdienst. Das gefiel der klerikalen und kapitalistischen Majorität nicht, die cS mit der, ihre Interessen so eifrig fördernden königlichen Familie nicht verderben will; und die Dotation wurde. bewilligt.— Italien. Eröffnung des„heiligen JahrcS". Rom. 20. Dezember. Am Sonntagvormittag um 11 Uhr nahm der Papst in feierlicher Weise die Eröffnung des„heiligen Jahres" in der sixtinischen Kapelle vor und wohnte der Ceremonie bis zum Schlüsse bei. Er sah sehr ermüdet aus und seine Stimme klang sehr schwach. Rnhlattd. Errichtung eines neuen russischen Minisicrinnls. Wie die „Centralstelle für Vorbereitung von Handelsverträgen" erfährt, steht in Rußland die Errichtung eines besonderen M i n i st e r i u m s für Handel und G c>v e r b e in Aussicht. Bisher wurden die Funktionen dieser Ccntralbehörde von dem sogenannten„Depar- lemcnt snr Handel und Mamifakturcn" erledigt, welches eine Abteilung des Finanz-Ministeriunis darstellte. Mit der neueren wirtschaftlichen Entmickluiig des Landes, spcciell der russischen Industrie, wächst hier aber der Geschäftsgang so an, daß sich diese Organisation trotz der außerordentlichen Ver- niehning deS BcaniteiipersonalS mehr und mehr als nnzülänglich erweist. Es ist deshalb in Aussicht genoinincn, neben diesem Departement, welches als solches bestehen bleiben würde, ein Sondcrniinisterium für Handel und Industrie zu schaffen, und zwar wird dieses voraussichtlich in vier Abteilungen zerfallen: Handel, Industrie, Schiffsabrt sowie kaufmännisches und technisches Bildungs- wcsen. Auch soll ihm die kanfninnnische und gewerbliche Bestcuermig zugewiesen werde».— Rumänien. Bukarest. 27. Dezember. Der Senat nahm gestern endgültig mit großer Mehrheit das bereits von der Deputiertenkammer genehmigte Gesetz an. durch welches die Beamten- und Soldatengehälter sowie die Pensionen mit einer fünf- prozentigen Steuer belegt werden. Die Steuer. deren Ertrag ans 4 Millionen jährlich geschätzt wird, soll am 1. Januar 1900 in Kraft treten.— Türkei. Zur Flucht des Schwagers vom Sultan wird gemeldet: Ter Sultan ließ den Botschafter C o u st aus um seine Ver- niittluug bei der französischen Regierimg liegen der Ans- liefern ng von Mahmud Pascha oder wenigstens von dessen Söhnen als'kaiserlichen Prinzen bitten. Constans antwortete, daß er zu seinem lebhaften Bedauern nichlS thun köimc, da dieser Fall im NuslicserniigSvertrag nicht vorgesehen sei. versprach aber, dafür zu sorge», daß'Mahmud über die Grenze gebracht werde. Asien. Wirtschaftlicher Anfschlnst China». Einer Meldung der „TimeS" ans Shanghai voni 24. d. M. zufolge beschloß ein Pekinger Syndikat die unverzügliche Erbauung einer Eisenbahn, welche die Minen in der Nähe des Kanals von Hwaiking mit Andela und Weihuc verbinden soll. Die Linie wird ungefähr 80 Meilen lang sein.—_ Nus dcv Fvttuenbeivrgttng. „Mtttterabcnde". daS sind Zusammenkünfte der Lehrerinnen niit den Miittcrii der Kinder, sollen in München auf Veraiilasiniig des Lehreriimenverciiis veranstaltet werden. Ihr Zweck soll sein. dura? Vorträge wie durcki gegenseitige Aussprache ein engeres Zn- sammenwlrkc'n zivisckien Schule und Hans in der Erziehung der Kinder herbeizuführen. Solche Veranstaltungen bestehen schon in einigen deutsche» Städten. Die gusamnienkünst« in München sollen Sonntags abgehalten werden. Für Steiermark ist ein Franen-AktionSkoinilee mit dem Sitze in Graz gebildet worden. Das Komitee wird in steter Verbindung mit der Gcwerkschaftskonnnission und der Partcivcrtretnng sein und deshalb durch Delegierte an den Sitzungen dieser Körperschaften teilnehmen. Die GewerkschaftSkommiiston stellt dem Komitee die erforderlichen Geldmittel znr Verfügung. Die, Frauen in Graz können schon ans Erfolge ihrer Agitationsthätigkeit zurückblicken. So erlangten die Arbeiterinnen einer Tuchfabrik infolge der Thätigkeit der Organisation deg Zehiistimdeittag und di? graphischen Arbeiterinnen den Neillislniidentlig. Bei de» Magistratöratö- Wahle» in München wurde, wie uns ein Privattelcgranmi meldet, der Parteigenosse Eduard Schmid zum Magistratsrat gelvählt._ Belgische Arbeiter- Kongresse. Im Brüsseler„Maison du Peupke" wurden am Sonntag drei verschiedene Arbcitcr-Koiigresse abgehalten: Der„Kongreß für öffentliche Gesundheitspflege", der„Agrar- Kongreß" und der„ G e w e r k s ch a f t s- K o» g r e ß Der Kongreß für öffentliche Gesulidheitspflege beschäftigte sich mit Errichtung und Eiiirichtuiig öffentlicher Krauteiihäuser und mit der Organisierung der ärztlichen Krankenpflege, beionders der ans dem Lande. Der Kongreß beschloß, zunächst Erfahrungen über die bezüglichen Zustände im Laude anzustellen. Der Rgrarkongreß wird geleitet von Vandervelde. Nach langer Debatte nimmt der Kongreß nachstehende Beschlüsse an: 1. ES soll eine Schrift herausgegeben werden, in lvelchcr das Verhältnis der Bauern und Laudarbetterzu den Juiileru(Seigucnrs). Grundbesitzern, der Kirche und den Staat geschichtlich dargestellt werden soll. 2. Vornahme von Studien bezüglich einer kollektivistischen Be- wu-tschaftting des Grund nnd Bodens und der für die Banerii daraus resultierenden Vorteile. 3. Die Genossen anf dem Lande werden verpflichtet, in die landwirtschaftlichen, bäuerlichen Vereine einzutreten, um dort Einfluß zn gewinnen. 4. Die Partei wird einen socialistischen Kalender für die Land- bcvölkernng herausgeben. 3. Wo der Großgrundbesitz vorherrscht, werden Landarbeiter- Organisationen gebildet. 3. Der Kongreß bringt den Wunsch zum Ausdruck, daß die socialdemokratischen Gcmeinderäte den Ankauf von laudwirtschaft- lichen Maschinen, die dann von der Gemeinde den Bauern znr Bcr- fügmig gestellt werden, nnterstütze» niögen. 7. Alle» Socialistcn, welche an dem letzten Gemeinderats-Wahl- kämpfe mit beteiligt waren, wird empfohlen, Koiisiungeiiosseiischasten zu begründen. & Der Kongreß erklärt die Idee, in besonders hierfür geeignete» Bangemeindcn Kooperativgenossciiichaften znr Produktion von Geflügel nnd Eiern zu begründen, für realisierbar. Zum Schluß hielt Vandervelde einen sehr interessanten Vortrag Über den Agrarsocialismns. Der Gcwcrrschnftökangrcß tagt im großen Saale des „Volrshanses" unter dem Vorsitz A n s e e l e s. lieber 300 Gruppen der Partei, über hundert Gewerkschafte» und neutrale Gruppen sind vertreten. Als erster Punkt steht zur Verhandlung die „ A r b e i t e r- B e r s i ch e r n n g Von D e l p o r t e, Redactcnr des„Penple", der sich im Princip für die staatliche Versicherung ausspricht, liegt ein Antrag vor, der den Arbeitern, ivelche Mntnaliften(auf Gegenseitigkeit Versicherte) sind. ans Gründen der Taktik empfiehlt, sich den staatlichen VersichernngS- lassen anzuschließen. In Belgien zahlt nämlich der Staat für jeden Franken, den ein Selbsiversicherter in eine Pciisioiiskaff'e zahlt. 30 Cts. zu, außerdem leisten auch eine Anzahl Provinzen und Kommunen ciiien weiteren Beitrag von je 50 Cts. Dieses Gesetz machen sich die großen Unternehmer(Tramway ic.), die sich meist in den Händen klerikaler Kapitalisten befinden, zu nutze. Der Staat unterstützt heute also in Wirklichkeit diese Gesellschaften. Das will Delporte vermieden wissen. Durch Massenbeitritt der Arbeiter soll erreicht werden, daß der Staat immer größere Summe» als Subvention zu zahlen habe, so daß die Summe von 8—9 Millionen bald erreicht ist. welche nach dein Projekt Denis für die Einführung staatlicher PensionSkasfe» nötig ist. Anf diese Weise soll der Staat znr Ucber- nähme der Brbeiter-Versichcrnng gczlvuugeu werden. Diese Vorschläge wurden von dem Kongreß mit großer Majorität verworfen. Es wurde geltend gemacht, daß diese Taktik die Aermsteu der Armen, welche nicht in der Lage sind, sich, selbst zn versichern. noch für lange Zeit vo» jeder Versicherung gegen Invalidität anS- schließen würde.(Die Verhandlungen werden vertagt.) GewevkMolftliiszes. Verl!» lind Umgegend. Achtung» Bäckerei- Arbeiter! In der Brotfabrik H. B o b e l j r. sind ernste Differenzen ausgebrochen. Wie erinnerlich. waren seinerzeit durch Bericht unter„Gewerkschaftliches" sowie durch Annonce der Firma selbst(„Vorwärts" 15. Oktober) die damaligen Differenzen beigelegt, indem den Arbeitern versichert wurde, daß der Firma jede Maßregelung der Arbeiter wegen deren politischer Ge- siminiig ferngelegen habe, auch keinerlei Lohn-Reduktionen, sondern nur' Lohn- A e n d e r n ng e n beabsichtigt gewesen seien. Die Finna versprach damals durch Ehrenwort, bei allen Aenderimgcii im Betriebe vorher mit den Vertretern der Arbeiter zn verhandeln. Dies« Vercinbarniigen waren schon bisher durch allerhand Manipulationen seitens der Firma durchbrochen worden. Ihr gc» gebencs Ehrenwort aber hat die Firma so gehalten, daß sie den beiden Vertreter» der Arbeiter zum Weihnachtsgeschenk folgende Rohrpostkarte sandte: „Kündigen Ihnen hiermit zum Freitag, den 29. Dezbr. 1899. Sie haben von heute au nichts mehr in der Bäckerei zn thun. Ihr Lohn bis inkl. Freitag nebst Ihrer Karte und Krankenkassen« buch und Ihre ArbcitS-Eache» werden Ihnen Freitagabend um 3—7 Uhr zugehen. Johannes Thic in. H. B o b e l j r." Da es voraussichtlich zn einer allgemeinen Arbeitsniederlegung im Betriebe kommen wird, so ist Zuzug bis ans ivcitcrcs scrnzn- halten. Die L o h n k o m m i s s i o n. Für die geniaffregelten mid arbeitslosen Lederarbeiter in Wilster gingen bei dem Uiiterzeiameteil folgende Betröge eln: Boin Gewcrkschoftsknrtcll Nixdorf durch Nierich: am 29. Dezember 15,—, am 22. Dezember 29,—. Bon den Steinmetzen Wimnicl>i. Co.� durch Burghardt 19,—. Schuh mach criv erlsta t t Mohr n. Speyer durch Ruft 6,—. Möbelfabrik Pfaff, Warschanerstrahe, durch Kalb- 25,95. Piaiiosabrit Linle n. Co., Eliiabeth-Uscr, d. Hammel 12,39. Bon Julius Müller, Maurer- polier, Lychenerstr. 9, in Erinneruug seiner Jugendjahre in Wilster, 3,— M. O. K l e»n m, Kassierer, durch H. Schulz. Ausland. Der Kongreß der liolländischcu Bildhauer, der während der Weihnachtsfciertage in Amslcrdani tagte, war von dein Internationalen Komitee der Bildhauer angeregt, vo» diesem auch beschickt. Der ?iveck deS Kongresses sollte sein, eine bessere Organisiening der olländischen Bildhauer und deren Anschluß au die internationale» Konferenzen. Beschlossen wurde, die gegenseitige Unterstützung der anf Reisen befindlubeii Mitglieder einzuführen. In der Debatte zeigte es sick, daß die Holländer vielfach entweder»och in den blir'gerlicheii Ideen sich bewegten oder aber anarchistischen An- schaiiiiiigen huldigten. Der Kongreß dürfte aber, so Ivird uns gc- schrieben, nach dieser Richtung hin Wandel schaffen. Der Grnbcnarbeiter-AnSstand in S t. E t i e n n e ist»unmchr zum Ausbruch gekoinntc». In einer Versammlung, die von 2500 Bergarbeitern besucht war, wurde eine Tagesordnung angenommen. in der eine Erhöhung der Löhne, venninderung der Arbeitszeit nnd Anerkennung der Organisation gefordert wird. Die DcrmittliiiigS-Bor- schlägc. die den Unternehmern vorher unterbreitet worden waren, habe» diese strikte abgelehnt. Zu den demonstrierenden Grubenarbeiter» gesellten sich auch die Bergleute von Firming, die ebenfalls die Arbeit niedergelegt haben, so daß es zn großen Kundgebungen in den Straßen und der Arbcitcrbörse von St. E t i e N N e kam. Außerdem sind die Weber von E t i e» n e in eine Lohn- bewegnng eingetreten. ?n Habr« haben zu Weihnachten die Straßenbahn- e n st- t e n die Arbeit eingestellt: e» konnten am 25. Dezember nur 18 Wagen tn Betrieb gesetzt werden. Deutsches Reich. Schutz den Avbcitöwislijzcn. Vom Schöffeniiericht in Leipzig luuvbc ein Former, der sich mißnmtiq über einen Hilfsarbeiter nngckte, der während des Formerstreiks Formerarbeit geleistet hatte, gu einer Woche Gefängnis verurteilt. Als Schöffen fungierten ein Ingenieur, der Mitglied, des Metalliiidnstricllcn- Verbandes ist, und der Obermeister der Malerinuuiig.— Ein Schneider erhielt 14 Tage Gefängnis, weil er einen Arbeitswilligen„Streikbrecher" ge- nauut'hatte, Koilsmll; der Miliirer WschlmihZ (Vertrancusuiiinner-Ccutralisationj. Am 2. und 3. Feiertag tagte die Konferenz in Buskes Saal. Anwesend waren 30 Delegierte ans 22 Orten, außerdem der erste Vcrrrauensmann und zwei Nedisoren. Kater, der de» Geschäftsbericht des Vertrauensmannes erstattete, bemerkte unter anderm: Die Organisation habe feit der letzten am 7, April in Braunschweig abgehaltenen Konferenz bedeutende Fortschritte gemacht. Fast in allen Orten, Ivo die Vertrauensmänner- Ceutralisation festen Fuß gefaßt hat, hätten Streiks stattgefunden, die einen günstigen Verlauf hatten. Die Abrechnung für die Zeit vom 7, April bis 23, Dezember weist eine Einnahme auf von 6126, ll9 Bt,, eine Ausgabe von 3074,87 M., einen Bestand von 30ö2,12 M.— Dem ersten Vertrauensmann wurde Dccharge erteilt und beschlossen, daß er in Zukunft über alle eingegangenen Gelder und ausgegebeneu Marken in der„Einigkeit" quittieren soll. Hierauf gaben die Delegierte» Situationsberichte über die ört- lichen Verhältuisso ihrer Organisation und den Stand der gewerk- schaftlichcn Bewegung am Ort. Am 3. Feiertag stand der Punkt: Agitation und Organisation auf der Tagesordnung. Ter Referent Kater führte unter anderm aus: Wenn uns von den Ceiitral-Verbändcn nichts weiter trennen würde, als der Ilmstand, daß uns, die wir in den Gewerkschaften Politik treiben wollen, der K 8 des preußischen Vereinsgesetzes hindert, die einzelnen Verein« miteinander in Ver- bindung treten zu lassen, dann stünde uns jetzt nichts mehr im Wege, zu den Verbänden überzugchen. Seitens der Verbände ist aber bis jetzt noch keine Stimme laut geworden, die dafiir eingetreten wäre, daß die Gewerkschaften jetzt, nachdem das Vcrbindungsverbot gc- fallen ist und den Verbänden nichts mehr entgegensteht, um sich politisch zu bethätigen, Politik treiben sollen. Die Verbände wollen unpolitisch sein. Redner citicrt verschiedene Aussprüche Legiens, unr darzulegen,� daß dieser hervorragende Verbandssührer betont habe, die Gewerkschaftsbewegung müsse eine unpolitische seilst In einer Versammlung, die kürzlich in Krefeld stattfand, habe Legicn die Arbeiter vor der von Kater vertretenen Organisationsform gewarnt, indem er die letztere als socialdemokratisch bezeichnet, und den Ver- band(der Textilarbeiter) damit empfahl, daß er den nicht social- demokratischen, unpolitischen Charakter desselben betonte. Redner führt weiter aus: Die Vertrauensmänner-Ccntralisation stehe auf dem Standpunkt, daß die Gewerkschaftsbewegung, wenn sie den Interessen der Arbeiterklasse wirklich dienen' wolle, eine ausgesprochen socialdemokratische sein müsse, und das unterscheide diese Organisation nach wie vor von den Verbänden. Die Ziele der Socialdemokratie müssen auch in der Gewerkschaft den Arbeitern als Ideal, welches sie zum Kampf und Opfermut begeistert, vorschweben Unpolitische Gewerkschaften, denen die gewerkschaftliche Bewegung Selbstzweck ist, würden eine Gefahr für die socialdemokratische Partei werden, während dagegen die socialdemokratischen Gewerk- schaften die Bewegung der Partei fordern. Diese Gegensätze trennen die Vertrauensmänner- Ceutralisation auch ferner von den Verbänden.— Weiter sprach der Redner darüber, wie die Agitation am zweckmäßigsten zu betreiben sei. Auch die Diskussion drehte sich zumeist um diesen Punkt. Lindenhahn-Halle bemerkte, wenn die Verbände erklären, daß sie Politik im Sinne der klaffen- beivnßten Arbeiter treiben wollen, dann sei das Trennende zwischen beiden Organisationsformen geschwunden und der Zwiespalt in der gewerkschaftlichen Bewegung müsse demzufolge beseitigt werden. Metzke-Berlin bezweifelte, daß dies der Standpunkt der Halle- scheu Maurer sei. Nicht nur die Politik sei das Trennende, sondern, wie schon Kater sagte, daß die Menschen und die Verhältnisse in den verschiedenen Orten sehr verschiedene seien, und deshalb nicht von einer Ccntralstelle aus nach einer Schablone behandelt werden können. Sollte die Ansicht Linden- Hahns von seinen Halleschen Kollegen geteilt werden und diese sich im Verband molliger fühlen, dann sei eine reinliche Scheidung wünschenswert. L i n d e n h a h n- H a I l e brachte hierauf folgende Resolution ein: Die Konferenz erklärt: So lange die Verbände ein- festig in ihrem Interesse wirken, sind unsere Wege getrennt. Sollte aber der Verband zu der Einsicht kommen und nach Aufhebung des Verbindungsverbots die Taktik einschlagen, klassenbewußte Känipfer für die Arbeiterpartei zu schaffen, halten wir es anjjder Zeit, uns zusanmien- zuschließen.— Martin- Halle erklärte, der Standpunkt Linden- Hahns werde nur von der Leitung des dortigen Vereins, aber nicht von der Mehrheit der Kollegen geteilt. Lindenhahn verwahrte sich dagegen, daß er mit fliegenden Fahnen in das Lager der Ver- Händler übergehen wolle; er finde es aber eigentümlich, daß er deshalb angegriffen werde. weil er die Vereinigung mit dem Ver- band unter der Voraussetzung befürworte. daß der letztere das Trennende zuvor beseitige. Kater ersuchte um Ablehnung der Resolution Lindenhahn, weil ans derselben alles herausgelesen werden könne, was den Kollegen au diesem oder jenem Orte paßt. Die Resolution Lindenhahn wurde mit allen gegen die Stimme des Antragstellers abgelehnt. Angenommen wurden folgende Resolutionen: l. 1. Die Aufhebung des Verbindungsverbotes für Vereine, die bezwecken, politische Gegenstände in Versammlungen zu er- vrtern, giebt keinen Grund, an unserer Organisation etwas Wesentliches zu ändern. Wir halten nach wie vor es für notwendig, für die Ausbildung und Erziehung der Kollegen zu zielbewußten Socialdemokraten und opferfreudigen, die Pflichten der Solidarität richtig begreifenden und übenden Mitgliedern der Gewerischastsorganisation, daß überall, wo es irgend angeht, möglichst starke Fachvereinc ge- gründet werden, die sich inil öffentlichen Angelegenheiten und Politik beschäftigen. Wir wissen aus Erfahrung, daß zu solcher Erziehung das Zusammenwirke» und sich Zusamniengcwöhnen in geschlossenen Vereinen notwendig ist, und durch gelentliche öffent- liehe Versammlungen in genügendem Maße nicht erreicht werden kann 2. Für die praktische Lohnbewegung ist es aber noiwendig, auch solche Kollegen zur Leistung und Mitarbeit heranzuziehen, die aus irgend einem Grunde keinem Verein oder einer anderen Organi- sation angehören. Es bleibt also nach wie vor erforderlich, neben de ns Fachvereinen Lohnkommissionen, Vertrauens- leute und einen Streik- und Agitationsfonds einzurichten, zu dem alle am Orte befindlichen Maurer Beiträge leisten könne». Die Einrichtung und Verwaltung dieses Fonds ist der örtlichen Eist« schließung überlassen. Als organisiert gelter, im allgemeinen nur solche Kollegen, die dem Fachverein angehören und auch ihre Pflicht dem Streik- und Agilationsfouds gegenüber erfüllt haben. 3. Wo aus irgend welchen Gründen es unmöglich ist, einen Fachvercin zu gründen, genügt es, wenn nur eine Lohnkommission oder ein Vertrauensmann gewählt. auch die Sammlung zum Streik- und Agitationsfonds eingerichtet wird. In diesem Falle gelten' die Maurer, die den Nachweis führen, daß"e zum Streik- und Agitationsfonds regelmäßig gesteuert haben, c i organisiert. Solche Organisationen haben dafür Einrichtungen zu treffen, daß die durch Kongreß- und Konferenzbeschlüsse festgesetzten Leistungen für den ersten Vertrauensmann der Maurer Deutsch- lands und dem Organ unserer Centralisation, der„Einigkeit" Genüge geleistet wird. 4. Dagegen fallen wegen Aufhebung des VerbindungsverboteS die Beschränkungen weg. daß Vorstand des Fachvereins und die Mitglieder der Lohnkomnnssioncn verschiedene Personen sein müssen. Es können, wo es zweckmäßig erscheint, beide Körperschaften ganz oder teilweise dieselben Personen enthalten. II. Alle selbständigen Organisationen unseres Berufs sind verpflichtet, Agitationskommissionen zu bilden. Dieselben haben die Agitation innerhalb und außerhalb ihres Ortes zu betreiben und dem Vertrauensmann vierteljährlich Bericht über ihre Thätigkeit zu erstatten. Die Kosten der Agitationskommissionen werden, soweit der Kreis ihrer Thätigkeit nicht 1ö Kilometer umfaßt, von den betreffenden Organisationen selbst aufgebracht. Wird die Agitation über diesen Kreis ausgedehnt, dann hat der erste Ver- traucnsmann die Kosten zu decken. Derselbe hat für sämtliches Agitationsmntcrial zu sorgen und im gegebenen Falle die Agitation zu unterstützen. Zum folgenden Punkt der Tagesordnung: Regelung von Streiks, Sperren und deren U n t e r st ü tz u n g, wurde nach einem Referat Katers und längerer Diskussion folgendes be- schlössen: Es ist Aufgabe der örtlichen Organisation oder des Ver- trauensmannes, danach zu streben, daß gemeinsam mit den Ver- tretern anderer etwa am Orte bestehenden Organisationen und de» un- organisierten Kollegen eine Regelung der Streiks und Sperren und deren Unterstützung erreicht ivird. Dabei ist folgender Grundsatz zu beachten: Der erste Vertrauensmann der Maurer Deutschlands ist sofort, wenn ein Ausstand ausgebrochen ist oder auszubrechen droht, zu bcnach- richtigen, damit er mit den Kollegen am Ort alle weiteren Maß- nahmen treffen kann. lieber die Presse referierte Franz Schulz- Berlin. Er sagte uvter anderm: Die Abonnentenzahl der„Einigkeit" sei nach der obligatorischen Einführung derselben erheblich gestiegen. Das Blatt habe unter den Maurern 4780 Abonnenten(davon in Berlin' 2148), es werde vom 1. Januar ab um einen halben Bogen ver- größert werden. Der letzte Punkt der Tagesordnung war: die Stellung der Organisationen zur G e I ch ä f t s- K o m m i s s i o n der durch Vertrauensmänner centralisierten Gewerkschaften Deutschlands. Der Referent Gehl- Berlin stellte hierzu folgenden An- trag, welcher nach kurzer Debatte angenommen wurde: Das bisherige Verhältnis der Organisationen unseres Berufs zur Geschäftskonunission bleibt, soweit' es sich um die Verbindung mit derselben handelt, dasselbe. Tie Beiträge, welche die einzelneu Organisationen(pro Mitglied und Quartal 5 Pf.) an die Geschäfts- kommission zu entrichten hatten, werden nicht mehr von diesen, so»- der» vom ersten Vertrauensmann der Maurer Deutschlands aus dem Agitationsfonds vom 1. Januar 1L00 ab bezahlt. Zum ersten Vertrauens m a n n wurde Kater- Berlin wiedergewählt und Metzke mit Stellvertretung desselben betraut. Zu Revisoren ivurden S ch u l z- Lichterfelde und Gehl- Berlin bestimmt. Folgender Antrag fand einstimmige Nunahme: Die Delegierten verpflichten sich, dafür zu sorgen, daß der 1. Mai durch allgemeine Arbeitsruhe gefeiert wird. Kater schloß die Kquserenz mit dem Wunsche, daß den Dele- gierten der principielle Unterschied zwischen den Verbänden und den Vertrauensmänner- Centralisationcn in den über diesen Punkt ge- pflogeuen Debatten klar geworden sein möge, und sie auch ferner im Sinne dieser Organisation wirren werden. Socinlrs« Ter Vorstand der hanseatischen Versichcrnugsanstalt für Alter und Invalidität macht dem Ansschnsse dieser Anstalt neue Vor- schlage für eine weitere Ausdehnung ihrer Thätigkeit auch in der Fürsorge sür die Versicherten. In dem Aktenstücke heißt es: Nach Z 45 des mit dem Beginne des Jahres 1900 in Kraft tretenden Jnvalidenversicheruugs-Gesetzes vom 13. Juli 1899 kann durch übereinstimnrenden Beschluß des Vorstandes nnd des Ausschusses einer Versichernugsansralt bestimmt werden, daß die über den zur Deckung ihrer Verpflichtungen dauernd erforderlichen Bc- darf hinausgehenden Ueberschiisse von deren Sondervermögen zu anderen als den im Gesetze vorgesehenen Leistungen(d. s. Renten- zahkungen, Beitragserstatmngen, Ausgaben sür das Heilverfahren, bei Versicherten) im wirtschaftlichen Interesse der der Vcrficherungs- austalt angehörenden Rentenempfänger, Versicherten, sonne ihrer Angehörigen verwendet werden. Wie unser Streben bisher darauf gerichtet gewesen ist, daß von den durch das Jnvaliditäts- und Alters- versichernngsgesetz gebotenen Möglichkeiten, mit den Mitteln der Hanseatischen Versicherungsanstalt den bei ihr versicherten Personen zu nützen nnd zu helfen, so weit als irgend möglich Gebrauch gemacht werde, so beabsichtigen wir auch die durch den an- geführten S 45 gebotene neue Gelegenheit hierzu in möglichst ausgedehntem Unifange zu Gunsten der Versicherten nnsznimtzen. Ueber alle seine Pläne kann sich der Vorstand noch nicht äußern, weil dazu erst umfassende Erhebungen über die finanziellen Möglich- keiten nötig seien, doch bringt er schon jetzt in Vorschlag, daß die Versicherungsanstalt: 1. zur Handhabung des Heilverfahrens bei Angehörigen von Versicherten und Rentenempfängern Aufwendungen macht und 2, durch Aufwendungen für Familieimntcrstiitziingen, die über das aus den§§ 18 und' 47 des Invaliden- Versichernngsgesctzes sich ergebende Maß hinausgehen, das Heilbersahren und die Re- konvnlcszentenpflege bei Versicherten und Renten- Empfängern fördert. Für die Uehernahme des Heilverfahrens für Angehörige soll in erster Linie Lungentuberkulose in Betracht komme», andere Er- krankungen jedoch nicht aiisgeschloffen sei». Es werden vorläufig 125 000 M. jährlich als erforderlich bezeichnet. Die in Verbindung mit dem Ausschüsse zu fassenden Beschlüsse bedürfen der Genchmignng des Bundesrats, Das Vorgehen dieser Versichcruiigsanstalt ist sehr anerkennenswert. Sie ist die erste, die den Versickerten die Vorteile des neuen Gesetzes nutzbar zu machen sucht. Sorittlv Vvchkspyrgr. die Engländer nach ihren Niederlagen nicht zu neuen Angriffen übergehen, sondern erst die Anordnungen der nenernannten Ober- befehlshaber abwarten werden, während sich die Boeren scheinbar überhaupt ans die Verteidigung beschränken. Mittlerweile haben sich der neue Oberbefehlshaber nnd der neue Generalstabschef bereits vereinigt. Wie aus Gibraltar gemeldet wird, ist dort am Mittwoch der Dampfer„Dnnottar Castle" niit Feldmarschall Roberts an Bord eingetroffen, Lord K i t che n e r begab sich an Bord der„Dnnottar Castle", welche darauf nach Süd- afrika abging. Einige englische Blätter wollen ans angeblich guter Quelle wissen, daß, falls die Boeren nicht die Offensive ergreifen, bis nach der Ankunft von Lord Roberts in Südafrika keine wichtige militärische Bewegung dort stattsinden werde. Lioberts werde den ursprüngliche»! Fcldzngöpla» wieder aufuehmen, die Divisionen Gatacre, Warren und French mit ein- ander verschmelzen und direkt nach Bloemfoutein marschieren, wodurch, wie gehofft wird, viele Boerentrnppen von Ladhsmith und der Wcstgrenze des Kaplaudes abgelenkt werden lviirden. Inzwischen werden"M a f e k i n g und Kimberley ihren: Schicksal überlassen undjnötigensalls geopfert werden. Alle Verstärkungen, die unterwegs sind oder noch einzuschiffen sind, würden nach der Süd- und der Wcstgrenze des Oranjefreistaats gesandt werden. Englische Meldungen. Ueber kleinere Vorfälle auf dem Kriegsschauplatz wird aiiS London berichtet. Danach hat General B u l l e r einen»enen Vorstoß auf C o l e n s o unternommen, über welchen aus dem britischen Lager von Chievcley vom 19. d. M. gemeldet wird: Heute wurden die. Berschnnzunge» und Erdwerke der Boeren bei Colenso von unserer Artillerie zwei Stunden lang mit Lyddit- Granaten beschossen. Die Fahrstraßenbrücke wurde dabei zerstört, so daß es jenen Boeren, die niit Wagen und Geschützen ans dieser Seite des Flusses stehen, schwer fallen wird, wieder hinüber zu ge- langen. Die englischen Schiffsgeschütze beschossen die Chaussee- brücke von Colenso und zerstörten dieselbe völlig. Nach einem Telegramm des„Neuterschen Bureaus" aus Chivclch sind auch am 20. ds. Mls. die Stellungen der Boeren in Colenso und am jenseitigen Tugela-Ufer einige Stunden lang mit Lyddit-Gnanaten beschossen worden. Die Boeren aist- worsteteii nicht.— London, 27. Dezember. Dein„Neuterschen Bureau" wird auö Modder River vom 21. d. M. gemeldet: Ein hin und ivieder unter- brocheneS Geschützfeucr dauert heute auf beiden Seiten an. Die Geschosse der Boeren gingen zu kurz.— Eine amtliche Meldung aus Kapstadt vom 26. dieses Monats besagt, die Lage sei unverändert. General Methncn melde, daß die ihm gegenüberstehende feindliche Streitmacht sich vergrößert habe und damit beschäftigt sei, sich 3Vs Meilen von den englischen Vorposten entfernt zu verschanzen.— General Gatacre sei bemüht, die Verbindung mit den Kohlengruben von Jndwe wiederherzilstcllen. Vom Segen der Socialgesctzgcbnng. Der Zicglcr Schulz half in der Ziegckeischmicde beim Beschlagen eines Pferdes. Das Tier schlug aus und traf Schulz in der Leisteugegend. Sckulz verrichtete dann nock einige leichtere Arbeiten, erklärte am andern Morgen aber, er müsse zniu Arzt gehen, denn er»verde wohl einen Bruch haben, Ter Arzt Dr. Lazarelvitsch stellte einen doppelseiligen Leistenbruch fest und sprach sich in einem Gutachten dahin aus, daß der Bruch plötzlich entstanden nnd durch den Huffchlag veranlaßt sei. Die Z i e g e l e i- B e r u f s g e n o» s e n s ch a f t lehnte es trotzdem ab, Schistz eine Nnfallrente zu gelvähren. Das Schiedsgericht ver- urteilte sie aber demnächst, indem es sich auf das Gutachten des Dr. Lazarelvitsch berief. Hiergegen legte die Bernfsgenossenschaft Rekurs ein und machte geltend, daß es bei plötzlicher Entstehung eines Bruches dem Verletzten unmöglich sei, noch weiter zu arbeilen. Das Reichs-Versicherungsamt wies denn auch den Kläger unter Aufhebung des schiedsgerichtlichen Urteils mit seinem Ansprüche endgültig ab. Zur Begründung wurde aus- geführt: Dr. Lazarewitsch sage in seinem Gutachten, daß eine Eni- zündung oder andere Reizerscheinungen bei der Untersuchung des Verletzten nickt vorhanden gewesen seien. Wenn er trotzdem eine plötzliche Entstehung des Bruches annehme, dann stelle er sich damit ausdrücklich in Gegensatz zu den meisten Aerztcn und den Autoritäten auf dem Gebiete der Bruchleiden. Fenier spreche gegen die Plötz- liche Entstehung, daß der Kläger nach den: Unfälle noch stundenlang »veiter gearbeitet habe, was erfahrnngsgemäß nicht möglich sei. wenn der Bruch plötzlich entstehe. Leistenbrüche entständen meist allmählich, ihre plötzliche Entstehung als Folge eines Betriebsunfalles müsse deshalb genau nachgewiesen werden. Dieser Nachweis könne hier nicht für geführt erachtet»verden. Vom Kriege. Während der Weihnachtsfeiertage scheint sich auch ans dem Kriegs- schanplatz in Sadafrika die Lage nicht besonders verändert zu haben. Und voraussichtlich wird es auch für einige Zeit ruhig bleiben, weil Nach in Wien eingelaufenen, vom„Bureau Herold" verbreiteten Privatdepeschcn aus einer Boerenqnelle soll Ladysmith au: 22. d. M. kapituliert haben. 9000 Engländer, 52 Kanonen, der ganze Eiscnbahnpark, sowie große Munitiousvorräte sollen den Boeren in die Hände gefallen sein. Die Nachricht bedarf jedenfalls noch sehr der Bestätigung. Zlusstand der Kap-Bocrc». Sicher ist jedenfalls, daß den Engländern in ihrer eigenen Kap- kolonie große Schwierigkeiten bereitet werden. Die englischen Blätter und Telegranuuesprechen jetzt selber offen davon. Das englische Reutersche Bureau meldet aus Kapstadt von: 20. d. Mts., täglich mehren »ich die Beweise von einer weitverbreiteten aufrührerischen B e w e g u n g in der K a p k o l o n i e. In dieselbe sind drei Mit- g l i e d e r des K a p- P a r l a m e n t s verwickelt. Der eine derselben überreichte vor 200 Personen eine Fahne des Ornnjefreistaats feierlich einem Boerenkominandanten und sprach dabei die Hoffnung ans, der Konimandant möge sie zu Ruhm und Sieg tragen. Von dem anderen Kap-Parlanientsnütglied ist es bekannt, daß er sich offen für den Feind ausgesprochen hat. Der Sohn und die Tochter des dritten sind gesehen worden,»vi« sie die Farben des Oraujefreisiaats trugen. Aohnlichcs, liegt gegen eine Anzahl ivohlhabender Farmer in der Kapkolonie vor. Die„Titnes" melden aus Sterkstrom vom 19. Dezember: Nicht loyale Gesinnung, sondern Furcht hält vor einein allgemeinen Anfstnnde zurück. Die in den cinzeliieii Orten befindlichen Anhänger des Afrikandcr- bond sind„illoyal". Ebenso wird berichtet, daß mit wenig AuSnahnlen fast alle Ortschaften in dem nördlichen Kaplande illoyal seien. Die Frcistaatkoiiimandos seien zwar enttäuscht über die kleine Zahl von Freiwilligen, welche sich zum Kriegsdienst gestellt haben. Sollten aber Zweifel darüber entstehen, daß England seine Sache bis zum äußersten durchführen könne, dann lviirden alle Kolonialboercn zu den Waffen greifen. Weiter inelden die„Times" aus Modder River vom 19. Dezeniber: Die Loyalität der Holländer im Westen der Kapkolonie ist noch im Schwanken. Die Gefamthaltung der Holländer der Kolonie ist unverändert geblieben, allein die Mißstiiiimnng ist gclvnchsen durch die Niederlage"von Methuens Entsntztruppen. Es ist viel not- wendiger, der Kiolonie schnellstens Erleichterung zu verschaffen, als in das Gebiet der Boercnrepubliken einzudringen. »» * Eiu Brief Krügers an die Zllnerikaner. Das New Uorker„Journal" veröffentlicht einen Brief des Präsidenten Krüger an die amerikanische Nation. Der Präsident be- grüßt darin' den Präsidenten und das Volk der Vereinigten Staaten von Amerika und erklärt, daß er stets bereit gewesen wäre, sich einem Schiedssprüche zu unterwerfen; England aber habe dies immer verweigert. Krüger schließt: Demnach ft»b_ wir zum Kriege gezwungen gewesen, denn England sandte Tauscnde von Soldaten nach Südasrika und vis an unsere Grenzen mit dem stillen Eingeständnis, uns zu zwingen, alles das zu thnn, was England uns antznerlegen belieben würde. Die große amerilanische Nation, ivelche vor mehr als hundert Jahren gegen dieselbe englische Nation känipsen mußte, um ihre Freiheit aufrecht zu erhalten, ivcrde der kleinen Schlvcster-Nepnblik in der Ferne gewiß ihre Sympathien zuwenden bei ihrem Kampfe gegen ein mächtiges Reich, um ihr Eigentum und ihre Unabhängigkeit zu schützen. Uvhke und Depesrszvn. Wien, 27. Dezember.(W. T. B.) Der bisherige Minister- Präsident Graf Clary ist zum Statthalter von Steiermark ernannt worden. Budapest, 27. Dezember. lW. T. B.) Auf der Lokalbahn Kronstadt— Haromszek wurde eine Draisine, in der Arbeiter saßen, von einem Maschinenzug überfahren. Drei Arbeiter wurden getötet, zwei schwer, einer leicht verletzt. Die Schuld trifft die Arbeiter. Paris, 27. Dezember.(W. T. B. Stantsgerichtshof. In der heutigen Sitzung setzte der Geiicralslaatsamvalt seine Rede fort. Gegen Giierin verlangt der Gcncralstaatsnnwalt die volle Strenge des Gesetzes, gegen Lursaluces Verurteilung in conburniiciam. Nachdem der Geiieralsinatsanwalt am Schluß seiner Rede noch betont haitc, daß die Repuvliknner hinsichtlich der Liebe zum Vaterlande keinerlei Vergleich mit anderen Parteien zu scheuen brauchten, beantragt er Freisprechung und sofortige Freilassung der sechs An- geklagten, gegen welche er die Anklage fallen gelassen babe. Nach einer Pause verliest der Präsident Fallisrcs das. Urteil, durch welches Ebevilly, Fröchencourt, Bourmont, Brunct, Baillers und Cailly freigesprochen werden und ihre Frei» lassung verfügt wird. Als Cailly sich entfernt, ruft er:„Es lebe die Republik! Nieder mit den Juden!" Brunct ruft:„Es lebe big Freiheit!"— Daraus wird die Sitzung aufgehoben. Verailtwortlicher Redacteur: Paul John in Berlin. Für den Inseratenteil verantivortlich: Tb. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin. Hierzu 1 Beilage und N»tcrhalt»»gsblatt. !K. M. 16. � Dmttlilag, 28. Deflilidir 1899. Seiiieraii ttt HchsMlr dli �roiiins Stmikrtiitj Der©nutnfl dc-Z Gaues VI des Deutschen Holzarbeiter-Verbandes trat gestern, Mittwoch, in den„Fcrtnna-Snlen" zusannuen. Für die Lerhandiungcn sind zwei Tage in Aussicht gcuonunen. Anwesend sind 52 Tcicgicne von 43 Zahlstellen und der Gauvorstand.?lls Borsitzende wurden S t n s ch e und M a a st und als Schriftführer A essen und Geserich gewählt. Nach Festsetzung der Geschäftsordnung»nd der Tagesordnung erstattete der Kassierer den Kassenbericht. Danach betrugen die Einnahmen der Gankasse inkl. des alten Bestandes von 309.76 M. insgesamt 3029,31 M., die Ausgaben für die Agitation 3016,44 M.. so daß ein Kassenbestand von 12,87 M. verbleibt. In der Diskussion wurde von einigen Delegierten beinnngelt, dast der Berliner Wcrlstatt-Kontrollkommission aus der Enrilassc Mittel zur Agitation zur Verfügung gestellt worden sind. Demgegenüber wurde darauf hingewiesen, dast die Zahlstelle Berlin wie alle übrigen Zahlstellen den bcstiniinten Prozentsatz fiir den Gau abführt und mithin auch Ansprüche an die Gaukasse machen kann, was auch den Abmachungen mir dem Hauptvorstand entspricht. Dem Bericht des Gauvorstandes. den S tusche erstattete, war zu entnehmen, dast im Laufe des Jahres 125 Agitationsversamm Imigeii in der Provinz stattgefunden haben. Die Versammlungen. etiva 300, die in Berlin abgehalten worden sind, sind hierbei natür lich nicht mit einbegriffen. In verschiedenen Orten konnten keine Versammlungen statlfinden, da kein geeignetes Lokal zur Ver fiigung stand. Der Ganvorstand hat auch auf andere Weise eine rege Agitation entfaltet, eine ausgedehnte Korrespondenz ge führt und zur Erledigung der Geschäfte 15 Sitzungen abgehalten. Differenzen sind in einer grosten Anzahl Orte im Laufe des Jahres ausgebrochen. Teilweise sind dieselben darauf zurüif zuführen, dast die Unternchnrer Lohnreduzierungen oder eine Ver längerung der Arbeitszeit vorgenommen oder gar den Aus tritt aus der Organisation verlangt haben. In den meisten Fällen sind die Differenzen zu Gunsten der Arbeiter beendigt und ist es gelungen, vielfach durch die Vermittlung des Gau Vorstandes eine Lohnerhöhung bezw. eine Verkürzung der Arbeits zeit zu erzielen. Mehrere Streiks sind verloren gegangen, lediglich infolge des unsolidarischen Vcrbaltens der in Betracht kommenden Arbeiter; zum Teil auch, weil dieselben nicht genügend vorbereitet und die bestehenden Bestimmungen nicht beachtet worden sind Wiederholt ist. dem Gau- und Hauptvorstand vor Eintritt die Lohnbewegung keinerlei Mitteilung zugegangen, sondern erst nach Ausbruch des Streiks sind Gelder zur Unterstützung verlangt worden. In einigen Orten wurde schon nach ganz kurze» Bestehens der Zahlstelle in einen Streik eingetreten, der dann zumeist, iveil die Organisation am Orte zu jung und zu schlvach und weil nicht alle Umstände genügend berücksichtigt worden sind, zu Un gunsten für die Arbeiter verlaufen ist. Den, Bericht folgte eine längere Diskussion, in der die Ursachen und der Verlauf der verschiedenen örtlichen Lohnbewegungen geschildert wurden. Hierbei wurde festgestellt, dast in einer ganzenAnzahl der zum Gau gehörigen Orte die Löhne austerordeutlich niedrig sind. die Arbeitszeit sehr lang ist und die Unternehmer die Organisation der Arbeiter mit allen Mitteln zu bekänipfcn suchen. Des weiteren wurde angeführt, dast Arbeiten, die bisher von Männern ausgcfiihrt worden sind, von Frauen gemacht iverdcn, und dast neuerdings gelernte Arbeiter bei einem grötzeren Ausstand durch ungc- lernte zum Teil ersetzt wurden, ein Umstand, mit dem'in Zukunft mehr gerechnet werden must. Mit der Thätigkeit des Gau- Vorstandes erklärten sich fast alle Redner einverstanden und wurde nur von einigen Delegierten gewünscht, dast einzelne Zahlstellen in der Niederlausttz bei der Agitation durch Stellung von Referenten besser unterstützt werde». Die Diskussion über den Geschäftsbericht ist noch nicht beendet und wird heule fortgesetzt werden. UokAles. Zur Lokalltste. In Reinickendorf stehen die Lokale von Wilh Stechert, Spandauer Weg, Gust. Gerbsch, Restauration und Saal„Zur Eisenbahn- Haltestelle Schönholz" der Arbeiterschaft zur Verfügung. In Waidmnnnslust ist das Lokal„Schweizerhäuschen" freu Die Lokalkommission. I. A.: Karl Scholz. Wrangel- stratze 110._ Die Stadtverordneten-Versammlung wird, da die Wahlen de? Rentiers Runge und des Gewerkschaftssckrctärs Millarq für ungültig erklärt sind, zunächst aus 142 Mitgliedern bestehen und in socialer Beziehung folgende Zusammensetzung zeigen: 30 Kauf- leute, 25 Reutiers, 20 Fabrikanten, 5 Bankdirektoren und Bankiers 6 Aerzte, 1 Privatdocent. 1 Direktor der Eharite, 1 Direktor des Aquariums, 1 Brauereidirektor, 3 Schulmänner, 3 Apotheker t Schriftsteller und Redacteure. 8 Rechtsanwälte. 2 Buchhändler. 7 Baubeflissene. 3 Ingenieure. 1 Zahnkünstler. 2 Bildhauer. 3 Destil- lateure. 6 Schankwirte. 1 Drechsler. 2 Tischler, 2 Bildhauer. 1 Glaser. 1 Uhrmacher, 1 Kassenbeamter. Berliner Grundstücks- und WohnnngS-Statistik. Ende 1898 waren in Berlin. wie der neueste Bericht der städtischen Steuer- dcputation angiebt, 24 970 benutzte Grundstücke vorhanden, davon waren 24 345 bebaut und 625 unbebaut. Austerdcm wurden 1513 grundbuchlich eingetragene unbenutzte Grundstücke(Baustellen) ge- zählt. Von im ganzen 503 240 Wohnungen oder Dienst-, Geschäfts- usw. Räumen standen 13 495 leer, das sind 2.7 Proz. Der Prozent- satz der leerstehenden Wohnungen ist seit Ende 1894, wo er mit 6,8 Proz. den höchsten Stand des laufenden Jahrzehnts erreicht hatte, ununterbrochen zurückgegangen. Mit 2,7 Proz. ist er fast wieder bis auf den niedrigsten Stand des vorhergehenden Jahrzehnts(Ende 1886 2,1 Proz.) gesunken. Göttliche Wcltorduuug. Ein Jahreseinkommen von mehr als einer Million Mark besitzen in Berlin 14 Personen, die zusammen 813 400 M. an Einkommensteuer zu entrichten haben. Der Krösus unter diesen Jahresmillionäre» hat jährlich ein Ein- kommen von 2 200 000 M. und Steuern 87 809 M. zu zahlen. Zwei andere Berliner, die ebenfalls über 2 Millionen einnehmen, bilden mit ihm das Triumphirat der reichsten Leute Berlins. Geht man „abwärts", so finden sich immer noch 27 Personen mit einem Ein- kommen von einer halben bis zu einer Million, und 88, die fich mit 250 000—500 000 M. begnügen müssen. Die Zahl derer, die 100 000 bis 250 000 M. Einkommen Häven, wächst bereits auf 435, während 970 ein Einkommen von 50 000 bis 100 000 M. versteuern. 2244 Personen haben ein Einkommen von 25 000— 50 000 M. und 7421 von 10 000—25 000 M. 10 517 verzeichnen in ihrem Etat eine Jahreseinnahme von 6000—10 000 M. und 22 344 haben 3000 bis 6000 M. Einkommen. Insgesamt sind 45 017 Personen mit mehr als 3000 M. Einkommen veranlagt; fie bringe» 18 214 348 M. Steuern auf. 297 097 Berliner verdienen 900—3000 M. und zahlen im ganzen 4154 717 M. Steuern. Weil höhere Summen finden sich in den Stencrtabellcn bei den Einkünften der nicht physischen Personen. Das Maximum beträgt hier in zwei Fällen 10 685 000 M. und 11 415 000 M. Noch stattlicher ist die Jahreseiunahme von drei juristischen Personen in Berlin, die es auf 12270000 M., 14ö85000M. und 14 950 000 M. bringen. MictSsteigcrnugeu sind jetzt an der Tagesordnung. Die Hauswirte treten zur Zeit vielfach mit einem Uebermut auf, wie er seit dem Anfang der siebziger Jahre nicht mehr erhört war. Sie töimeil es sich ja auch leisten, denn in einzelnen Stadtteilen lästt sich, wenigstens soweit mittlere und kleinere Wohnungen in Betracht kommen, geradezu von einer Wohnungsnot.reden. Die Gcmcindevcnvaltilng müßte je früher je besser dieser Kalamität durch energische Mastnahmen steuern, wenn sie von socialem Pflichtbewusttsein beseelt wäre. Aber freilich, wo soll dieses in einer kapitalistisch gesiebten Körperschaft wie der Stadtver- ordneten- Versammlung herkomnicn, die„von Rechts wegen" schon zur Hälfte aus Hausbesitzern bestehen must! Einer besonders gemütvollen Hanswirtin erfreuen sich die Bewohner der Häuser Ramlcrstraste 23 und 24. Sänitliche Mieter dieser beiden Häuser, im ganze» 37 kleine Leute, erhielten gerade am heiligen Abend von der Wirtin, einer Rentiere A. Troll, ihre Kündigung zugesandt. Die Dame niotivierte ihre Maßregel damit, dast sie mehr Miete aus ihrem Besitztum herausschlagen wolle; und in der That sind die Mietspreise für die Wohnungen bis zu 100 M. gesteigert worden. Tie WeihnachtStage sind dahingegangen, ohne dast ihr Friede durch besondere Ereignisse unterbrochen worden wäre. Mildes Winter- wctter lockte namentlich am zweiten Festtage die Jngcnd ins Freie auf die Eisbahn, während der erste Tag mit seinem unwirschen Schneegestöber die Menschen ans Hans und an die häusliche Ruhe bannte. Und diese war nach den sauren Wochen wahrlich wohl ver- dient. Hatte doch selbst der Sonntag, der goldene, kaum eine Spur von„Heiligung" an sich, sondern im Gegenteil die Last zweier und dreier Arbeitstage gebracht. Erst zu später Abendstunde, als in dem Etagenfenstcr längst die Lichter des Tannenbaums erloschen waren, winkte auch den Sklaven und Sklavinnen des Ladentisches die lang- entbehrte Ruhe. Wohl denen, die das Wort„Saure Wochen, frohe Feste" auch bei bescheidensten Ansprüchen auf sich anlvenden konnten. Viele Taufende führt uns die Großstadt vor Augen, die nicht haben, lvo sie ihr Haupt hinlegen können, und denen auch der Glanz des Weihnachtsbaumes, den die öffentliche Wohlthätigkeit ihnen anzündet, die Trübsal des Daseins nicht zu erhellen vermag. Die Weihnachtsfeier in den städtischen Wärmehallen fand am Sonntagnachmittag 4 Uhr statt. Schon am Mittag vermochten trotz der gelinden Witterung die geräumigen Stadtbahnbögen die Menge der Besucher nicht mehr zu fassen.' Unter den großen, ge- schmückten Tanneiibäumen hielt der Oberinspektor der Wärinehallcn. Herr Tarlowski, den Anwesenden, deren Zahl etiva tausend betrug, eine Ansprache. Dann folgte der Gesang eines Männerchores; die „Festrede" hielt Pastor Schaarschinidt. Jeder der Besucher erhielt einen Teller mit Aepfel», Pfefferkuchen und Nüssen sowie einen Stollen, auch ivnrde» den Besuchern unentgeltlich Speisemarkcn für die Weihnachtsfeiertage verabreicht. Dem unbeteiligten Beobachter dieser Weihnachtsbescherung fiel es angenehm auf, dast man die Gäste der Wärmehalle nicht fühlen liest: Ihr seid arme Leute, denen wir Aohlthate» erivcisen, ivofür ihr unterthänigst zu danken habt. In dieser Hinsicht unterscheidet sich die Weihnachtsfeier in der Wärmehalle sehr vorteilhaft von den Be- scherunge» armer Leute, wie sie zum Zwecke der Selbst- bcspicgelung„edler Wohlthäter" zur Weihnachtszeit sportmäßig be- trieben werden. Das Elend der Obdachlosen hat sich die„Große Berliner" zu nutzen gemacht. Da es ihr nicht möglich ivar, für den Hunde- lohn, den sie für Schneeschippen zahlt, solche Arbeiter zu bckonnnen, denen das Messer noch nicht an der Kehle sitzt, suchte sie sich niit Erfolg in den Wärmehallen billige Arbeitskräfte. Den in dem st ä d t i s ch e n Obdach an der Danzigcrstraße be- sindlichen ivohnungSlosen Familien wurde am heiligen Abend gegen 4 Uhr seitens der Stadt Berlin eine Weihnachtsbescherung bereitet. Die Zahl der unglücklichen Obdachlosen betrug 357. Eine christliche Weihnachtäparadc. Im Osten der Stadt, in der Andreasgenieinde, besteht ein O b e r I i n- V e r e i n, der in der Koppenstraste eine Kleiukindcrschulc unterhält. Die Schule wird von drei- bis sechsjähigcn Kindern solcher Eltern besucht, deren Arbeitsverhältnisse es nicht gestatten, daß sie sick am Tage mit ihren Kleinen beschäftigen. Diese armen Kinder werden nun gegen ein monatliches Schulgeld von 75 Pf. von den Oberlin- Schwestern für das Christentum dressiert. Eine solche Anstalt nmst natürlich auch zur höheren Ehre der frommen Leiter des Vereins ihre Weihnachtsfeier haben. Wir hatten Gelegenheit, dieser Weihnachtsparade— eine Feier können wir es beim besten Willen nicht nennen— beizuwohnen. In der Aula eines Realgymnasiums in der Längestraste saßen unter zwei riesigen Weihnachtsbäumen ans besonderen Plätzen die Herren und Damen vom Oberlin- Verein, rings an den Wänden das Publikum, meist Arbeiterfrauen und größere Mädchen. In der Mitte des Saales standen die Bänkchen für die Kleinen. Diese selbst wurden von de» Schulschwestent unter Absingung eines Weihnachtsliedes im Gänsemarsch herein- und einigemal im Saale herumgeführt, dann in die Bankreihe» hincindmgicrt und zum Niedersetzen koni- maudiert. Nun folgte eine längere Examinierung der Kinder. Die ganze Wcihnachtsgcschichte. wie sie die Bibel erzählt, wurde den Kleinen abgefragt, und dazwischen mußten die Kinder, teils einzeln, teils im Chor, entsprechende Lieder aufsagen und singen. Diese Vorführung klappte so präcis, daß wir von tiefem Bedauern für die armen Kleinen erfüllt wurden, die sich gewist wochenlang plagen mußten, um alle die Verse und Lieder, deren Sinn ihnen ganz un- verständlich ist, ihrem Gedächtnis einzuprägen, und die sich nun. an- gesichts der strahlenden Weihnachtsbäume und der bunten Gabentische eines dreivierlclstündigc» Exantcns unterziehen mußten. Für Kinder in diesem Alter eine Geduldsprobe, die mehr Anerlcnuulig verdient, als die Dressurleistung der frommen Schnlschivestcrn. Aber damit war der Angriff auf die Nerven der zarten Kinder noch nicht beendet, sie mußten noch so lange stille sitzen, bis Prediger Bitthorn auch den anwesenden Erwachsenen etwas von der christliche» Wcihnachts botschaft verkündet und den wohlthätigen Sinn der Vorstandsdamen in üblicher Weise gerühmt hatte. Nachdem der Geistliche mit den Worten: Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen I geschlossen hatte, bekamen die kleinen Mädchen Puppen, die Jungen aber Helme, Säbel und Schiestgewehre. Das nennt sich Christentum! Im Wcihnachts-Päckcrciverkchr wurden sheuer bei dem Kaiserlichen Paketpostamt insgesamt 626 054 Pakete zur Bestellung in Berlin eingeliefert. Es sind dies etwa 31 000 Pakete mehr als im Vorjahr, ivo 595 087 Pakete während der Zeit vom 12. bis zum 25. Dezember eingegangen waren. Die Zufuhr vvu Weihnachtsbäume» ist. wie sich nunmehr deutlich zeigt, in diesem Jahre viel zu groß gewesen. Während die Händler in einigen Stadtgegenden bis zum Schluß des Marktes die Preise hoch hielten, fuhren sie in anderen mir Wagenladungen durch die Straßen und boten ihre Bäume ohne Unterschied am Heilig- abend für 10 Pf. das Stück an. Auf vielen Verkaufsstellen sieht man heute noch zahlreiche Bäume unverkauft stehen, auf den Bahn- Höfen aber stehen noch viele Wagenladungen, die gar nicht aus- gepackt wurden. Traurige Weihnächte». Am Weihnachtsbaum verstorben ist die in der Schönhauser Allee wohnende, seit längerer Zeit kranke Rentiere Auguste Friede. In der Festesfreude achteten die im Zimmer anwesenden Personen nicht darauf, dast die Patientin, die in einem Rollstnhl an dem Weihnachtsbaum saß, plötzlich in die Kissen zurückfiel. Erst als eins der Kinder an die Frau herantrat, um für die von ihr gespendeten Gaben zu danken, wurde man inne, dast sie plötzlich am Herzschlag gestorben war. Wie übt mau Rücksicht ans die VerkehrSderhältuiffe? Das Polizeipräsidium läßt den Zeitungen folgende wunderliche Mit- teilung zugehen:„Mit Rücklicht auf die besonderen Ver- kehrsverhält nisse werden in der kontmendeit Silvesternacht von 10 Uhr abends ab der Lustgarten und die Schlostfreiheit nach Bedarf für jegliche» Verkehr polizeilich gesperrt werden." Als Pendant wäre etwa zu empfehlen, mit Rücksicht auf die bekannten Bekeuchtungsvcrhältyisje der. Silvesternacht vo» Zeit zu Zeit samt- Ische Straßenlaternen auszudrehen.' Gegen de» Buchhändler Brand ans Neu-Rahiisdorf, von dessen Attentat auf den Neichstags-Abgeordueteu Dr.� Lieber wir kürzlich berichteten, hat die Staatsanwallschaft wegen Körperverletzung mittels eines gefährlichen Werkzeuges und wegen thätlichcr Be- leidigung das Strafverfahren eingeleitet. In der Vernehmung vor dem Untersuchungsrichter am letzten Freitag wurde festgestellt, dast das Attentat eine ivohliiberlegte Handlung war, die den Zweck ver- folgt, ein Strafverfahren gegen Brand zu erzwingen. Herr Brand hofft in diesem Verfahren die Entmündiglingsangelegenheiten des Dr. Sternberg und des Dr. Brozcit— diese � sollen nach Brands Ueberzeugmig zu Unrecht entmündigt worden sein— zur Erörterung bringen zu können. Für die Ausgabe der Postkarten fiir 1900, die heute, Donnerskag, beginnt, hat das Reichs- Postamt angeordnet, dost an die einzelnen Käufer die neue Karte niit der Germania- Marke nur in kleineren Mengen bis zu 10 Stück abgegeben werden soll. Mit dieser Maßregel soll jedem Handel und jeder Preistreiberei mit den Karten vorgebeugt werden. Die Ober-Posidirektion Berbn hat ferner bestimmt, daß bei sämtlichen Vcrlehrsansralten ihres Bezirks eine möglichst große Zahl von Verkaufsstellen für die Karte» eingerichtet wird. Auch die Schalter für die Abfertigung der Pakete, die jetzt nach Bewältigung des Weihnachtsverlehrs weniger in Anspruch ge- nommcn werden, sollen sich mit dem Verlauf der Postkarten für 1900 befassen. Fiir den Vorortverkehr in der Silvesternacht sind auf der Waimseebahii und der Anhalter Bahn besondere Borkehrungeii getroffen. Auf der Wailusecbahn werden zwischen Berlin und Zehken- dorf Sonderzüqe von Berlin lim 12.-� und l.45 fahren und um- gekehrt von Zehlcndorf um 1.� und 2.a0 nachts nach Berlin und auf allen Zwischenstationcn halten. Vom Anhalter Bahnhof gehen Sonderzüge um 1 Uhr und 1.� nach Grotz-Lichterfclde(Ost) und umgekehrt von Grost-Lichterfelde nach Berlin INN 1 Uhr 30 Mm- und um 2 Uhr 15 Min. Leider scheint die Stadt- n»d Ringbahn sich auch diesmal dem Beispiel der andern Bahnen nicht anschließen zu wollen. Zur Warnung vor Silvesterskandalcn veröffentlicht das Polizeipräsidium folgende Mitteilung: Um dem Unfug ui der Silvesternacht zu steuern, werden seit Jahren die dabel vor- gekontmeuen Uebertretunaen nicht durch polizeiliche Straffcsffetznilg erledigt, sondern der königlichen Staatsanwaltschaft zur gerichtlichen Verfolgiliig übermittelt. In der letzten Silvesternacht ivicrden m Berlin' im' ganzen 193 Personen festgeiioinmcn. teils wegen Trunken- hcit, Schlägerei, Bcttcliis usw. teils tvegen Verübung groben Un- fngs oder ruhestörenden Lärmens. Von den wegen Unfugs und Lärmens dem Gerichte überwiesenen 82 Personen wurde nur eine freigesprochen, die 81 anderen wurden aber bestraft, und zwar 17 mit Freiheitsstrafen von vier Wochen bis zu zwei Tagen, 60 mit Geldstrafen vo» 60 Mark bis 2 Mark, vier»nt Ver- weisen. In der Hauptmasse ivaren die Bestraften Arbeiter oder Handwerker, 13 waren Kanflente, Schüler, Lehrlinge oder Lauf- durschcn. IS VVV Mark sind bei einem Einbruch in der Nacht zum Sonntag der Firma Psingst u. Comp.. Königstraste 33, gestohlen lvorden.' Diese Warenhaus- Firma hat in diese»? Hause den Keller. die Partcrregeschosse und die erste Etage inne. Die oberen Räume sind ausschließlich Verkaufsstellen. während sich im Keller die VorratSlägcr und das Comptoir befinden. Der Haupteingang liegt an' der stumpfen Ecke der König- und Neuen Friedrich- straste, der ziveite Eingang für das Personal ist vom Hofe aus z» erreichen. Er befindet sich in dem nach der Neuen Friedrichstraste zu belegenen Flügel. Die Thür ist mit starkem Eisenblech beschlagen und mit einem Kunstschlost versehen. Der Zugang von der Königstraste»vird stets verschlossen gehalten; infolge'dessen ist der hintere Eingang zu dem Warenhause nur von der Neuen Friedrichstraste ans zu erreichen. Einen Geldschrank besitzt die Firma nicht. Ihre Bücher befinden sich in einem in die Wand eingelassenen Holzschrank, in dem auch das Geld aufbewahrt wird. Dieses lag in einer Kassette von 42 Ccntimeter Höhe, 50 Centimeter Breite und 40 Centimeter Tiefe. Die etiva 3 Centner schwere glatte Kassette ivar in dem Schrank festgeschraubt. In der Kassette wurde stets die Tageslosung aufbetvahrt. die am Son»abend ca. 12 000 M., bestehend aus Papier, Gold und Silber, betrug. Am Sonnabendabend wurde das Geschäft gegen IG/s Uhr geschlossen. Als am Sonntaginitrag um 12 Uhr-in Buchhalter den Schrank öffnen»vollte, bemerkte er zu seinem Schrecken, daß dieser erbrochen war und die Kassette fehlte. Die Schrauben, die den Gcldbchältcr hielten, waren abgedreht und lagen lose im Schrank. Sonstige Spuren von Geiva'lt ivaren nicht sichtbar, die Thüren zum Ge- schäftslokal wie zum Comptoir müssen mittels Nachschlüssels geöffnet worden sein und die ganze Art, wie der Diebstahl ausgeführt worden ist, deutet darauf hin, daß die Thäter — um mehrere Personen muh es sich handeln, da einer umnöglich die schwere Kassette allein tragen konnte— genau orientiert waren. Am Sonntag früh»m 3/48 Uhr hielt vor dem Portal in der Neue» Friedrichstraste eine Droschke ziveiter Klasse. Da festgestellt ist, dast Hausbewohner diesen Wagen nicht benutzt hatten, so ist nur anzu- nehmen, dast die Diebe die Droschke zur Fortschaffung der Kassette gebrauchten. Merkwürdigerweise ist die Kassette bisher noch mcht gefunden, die Diebe haben demnach kaum Gelegenheit, sich derselben zu entledigen. Die geschädigte Firma hat auf die Ergreifullg der Diebe und die Herbeifchaffung des Geldes eine Belohnung von 1000 M. ausgesetzt. In Erstickungsgefahr gerieten in der Nacht vom Sonntag zuni Montag die Bewohner des Hauses Simeonstraste 2. Ans bisher nicht crunttelter Ursache strömte das Gas in so beträchtlichen Mengen aus. dast die Bewohner in der Frühe unter Krankheitserscheinungen erwachten. Durch sofortiges Oeffnen aller Fenster wurde die Gefahr beseitigt. Andauernde Schädigungen der Gesundheit der Haus- bewoh'ner sind glücklicherweise nicht eingetreten. Einen furchtbaren Tod hat die Frau des am Schauspiclhause beschäftigten Hosschauspielers Hartmann in ihrer Wohnung. Kurfürstendamin 29 I, erlitten. Sie stürzte infolge eines Versehens in eine Badewaiine. die mit siedendem Wasser gefüllt war und ver- brühte sich so unglücklich, daß sie Sonntagmittag unter furchtbaren Qualen starb. Mit Drillingen(Kttaben) am Weihnachts-Hciligabend beschcnki hat eine Formermeisterfrau W. aus der Reinickendorferstraste ihrer Ehemann. Mutter und Kinder befinden sich wohl und munter. He« W. lebt zum Glück in sehr auskömmlichen Verhältilissen. Zu dem Selbstmord des Dienstmädchens Bertha Binder. worüber wir am Sonntag berichteten, teilt uns der Onkel des Mädchens. Herr Schütze, Zimmerstr. 85, niit, dast die Nachricht. wonach Bertha Binder mit einem verheirateten Manne Umgang gehabt habe, unrichtig ist. Wenig WcihuachtSruhe war diesmal unserer Feuerwehr be- schieden, denn gegen 30 Alarntieruitgen hatte sie am Heiligabend und am ersten Festtage zu verzeichnen G r e i f s w a l d e r st r. 38 kam Sonntag früh 7 Uhr in der im Quergcbäude befindlichen Engros- Wäschefabrik von Richard Ackermann aus nicht ermittelter Ursache ein Schadenfeuer aus, das sehr spät bemerkt wurde, so daß es bei Ankunft der Wehr bereits großen Unifang angenommen und die Decke vom zweiten zum dritten Stock schon durchschlagen hatte. Es konnte zwar bald zum Stehen gebracht werden, doch erleidet die Firma erhebliche Verluste, da über 100 Dutzend Hemden lind andere Wäschestücke vernichtet wurden. Da sich in demselben Gebäude eine Pappfabrik und eine Drechslerei befinden, hätte die Gefahr leicht große Dimensionen anuehmeir können. Vorher war Hagels- berg erst ratze 15 im Lagerkeller des Kolo.�algeschäfis von Karl Liebe ein Brand zu besestigen, der das Haus bis zu den obersten tSfagc« total verqualmte und neben Kisten einen beträchtlichen Posten Kolonialwaren zerstörte. Bodenbrände fanden Strömst r. 43, B l ü ch e r st r. 12 und A n d r e a s st r. 84 statt. Wasserrohrbriiche veranlaßten ein Eingreifen der Wehr K a st a n i e n- A l l e e 101 und L ang estr. 12. Zimmerbrände waren zu verzeichnen L i e b e n- w a l d c r st r a tz e 53, S t r a l a u e r Allee 35, Z i in in e r st r. 84, Barutherstr. 11 und Linkstr. 31. Zwei derselben waren durch bcennciide Weihnachtsbäume verursacht. Zwischcugebälk hatte S t r a tz b u r g e r st r. 41. Grüner Weg 27, K v p n i ck e r st r. 32, Holz in a r k t st r. 54 und K u r f ü r st e u st r. 1 Feuer gefangen. Die übrigen Alannierunge» waren auf unbcdciltendc Anlässe zurück- zuführen. � Am zweiten Festtage wurde die Wehr nach der G i t s ch i n e r st r a tz e gerufen, Ivo ein elektrischer Wagen der Siingbahnlinie durch 5kiirzschlutz in Brand geraten war, so'dah er nutzer Betrieb gesetzt werden mutzte. Die Fahrgäste kamen mit dein blotzeu Schrecken davon. Friesenstr. 7 war früh 7 Uhr in einem Cigarrenladcn ein Brand entstanden, der mit einein Rohre abgelöscht lvcrden mutzte. Eine Stunde später brannte König- st r a h e 32 das Zwischengebälk. Ein„einsamer Mann" hat am Heiligabend die Gelegenheit benutzt, sich unter dem Weihnachtsbaum zu erschietzen. Der in der Frankfurter Allee ivohnende 61jährige Modelltischler Ernst Müller hatte vor drei Jahren seine Frau durch den Tod verloren und Anfang vorigen Monat? war die einzige Tochter der Mutter in das Grab gefolgt. Der tiefgebeugte Vater vermochte diese Schicksalsschläge nicht zu überwinden; der sonst rüstige Mann verfiel in letzter Zeit mehr und mehr und er sonderte sich gänzlich von seinen Verwandten ab. Am Sountagnnchmittag begab sich M. nach dem Parochial-Kirchhofe am Boxhagener Weg, um die Gräber seiner Lieben zu schmücken; gegen 5 Uhr kehrte er nach seiner Behausung zurück und putzte mit Hilfe einer Nachbarin ein kleines Wcihnachts' bäumchen aus. Dann bat er die Frau, ihn zu verlassen, da er ein ivenig schlummern wolle, gegen 7 Uhr aber möge sie ihn lvcckeu. Als die Frau um diese Zeit in das auf demselben Korridor belegene Zimmer des Modelltischlers trat, fand sie ihn in einer Blutlache auf dem Fuhboden liegen. Der Lebensmüde hatte sich eine Kugel in die rechte Schläfe geschossen. Auf dem Tische lag ein Zettel mit den Worten:„Mir konnte nur der Tod eine echte, rechte WeihuachtSfrcude bereiten." Mit einem Hochstapler hat man es anscheinend in der Person eines Mannes zu thun, der in der Nacht zum zweiten Feiertag auf eigene Art der Kriminalpolizei in die Hände geraten ist. In einer Restauration in der Karlstratze geriet ein feingekleidcter, gewandt austretender junger Mann mit änderen Gästen' in Streit und vcr- setzte einem seiner Gegner einen Messerstich. Die übrigen Gäste nahmen ihn fest, prügelten ihn durch und brachten ihn dann auf die Revicrwachc. Hier iiaunte er sich Maschinist Solomon Jaurös. Zu. seinem Unglück fand die Polizei bald heraus, datz die Papiere, die er auf diesen Namen bei sich führte, gefälscht sind. Nun durch' suchte man sorgfältig seine Kleider und fand, datz der Fest- genommene autzcr der Rolle des belgischen Maschinisten Salomon Jaurös noch eine Reihe anderer spielt: er führte noch falsche Papiere auf die Namen eines italienischen Kochs, eines französischen Offiziers und eines spanischen Kaufmanns. Die Kriininalpolizei ist eifrig bemüht, das Dunkel, das den Mann noch uingiebt, aufzuklären. Schwer bcrungliickt ist gestern der zwölfjährige Sohn dc> Werkmeisters Uhlemann aus der Posenerstr. 12.' Der Knabe sollte für seinen Vater auö einer Gasnvirtschaft ein Glas Wcitzbicr holen und kam mit dem Glase zu Falle. Unglücklicherweise fiel er mit dem G.esätz in die Scherben. Diese brachten ihm mehrere Schnittwunden bei und verletzten autzerdem ein Auge so schwer, datz es auslief. Die Rettungswache I in der Frankfurter Allee brachte dem Verunglückten die erste Hilfe. Das Opfer einer Blutvergiftung ist der 62 Jahre alte Goldschmied Paul Mangelsdorf ans der Wanzlickstr. 34 zu Rixdorf geworden. Der Mann verletzte sich am 6. November den Mittelfinger der linken Hand mit einer Feile mid beachtete die anscheinend harmlose. Wunde wohl nicht genug. Der Arm schivoll jedoch an und Mangelsdorf mutzte sich in ärztliche Behandlung begeben. Am Weihnachts-Heiligabend wurde sein Zustand so bedenklich, datz seine Fran sich cntschlietzen mutzte, ihn mit einer Droschke nach der könig- lichen Klinik zu bringen. Als man hier ankam, war der Manu bereits toti Urania. Der bereits angekündigte Vortrag des Herrn Dr. Gustav Albrecht,„Berlin vor hundert Jahren", findet heute, abeudS 8 Uhr, im Theatersaal der Urania statt.. Das Carl Weist- Theater hat sich stattiingsposse zugewandt. Nachdem der Schuldigkeit gethan, kam zu Weihnacht „Kinder d e r H ö l l c" auf den Plan. und nicht gerade neue Geschichte von zivei die die Menschen heimsuchen, um unter ihnen kennen zu lernen, ivas Liebe ist. Zu dicscni Zwecke werden die Kinder der Hölle in ihrer Unerfahrenheit zunächst Telephonistinnen und treiben dann weiter allerhand Spuk. Die Thcaterleitimg zeigt bei dieser Gelegenheit, was sie sich an Dekorationen, Kostiimen und bunter Beleuchtung leisten kann; und das Stück klingt aus in eine effektvolle Huldigung an das iicuc Jahrhundert. Es ivurde gespielt, wie eS dem Werte der Posse zukam. Das Publikum war. bescheiden, wie es ist, von der ihm gebotenen Neuheit vollauf befriedigt. l nach P o t s d a m zu. sind zu Weihnachten eröffnet ivorden. nachdem sie seit nahezu zehn Jahren wegen der milden Winter nicht mehr in voller Ausdehnung benutzt werden kounteu. In der Zwischenzeit ist wohl vielfach die Erinnerung geschwunden an die Gefahren, die den Schlittschuhläufern auf der Havel drohen. Auf der Ober- Havel ist die allcrgrötzte Vorsicht zu beobachten in der Nähe der Insel Valentinswerder bei Stccharts Loch, wo sich eine Stelle be- findet, die nur oberflächlich zufriert, hier haben schon zahlreiche Personen ihren Tod gefunden. Ein alifregender Vorfall ereignete sich am zweiten Festtage nachniittags ans dem Tegeler See, in der Nähe der Insel Scharfen- berg bei Tegclort. Ein Brautpaar aus HerinSdorf lief dort im tollen Lauf über eine Stelle, wo erst einige Tage zuvor geeist war und die zur Warnung aufgestellten Strohwische und Reiser, ivelche das gefährliche Terrain kennzeichneten, von Bubenhänden entfernt worden sind. Beide brachen ein und ohne Hilfe wäre» sie verloren gewesen. Der Herr stemmte seine Arme aus die Eiskaute, während die Dame seineu HalS umklammerte und niarkdurchdriugeude Hilfe- rufe ausstietz. Nur mit vieler Mühe gelang es hiiizugceiltcu Per- sollen, die schon zum Tode ermatteten beiden Personen endlich dem nassen Element zu entreitzen. Auch auf der Oberhavel bei Heiligensee beziehungsweise Nicder-Neueudorf geriet am ersten Feiertag ein Schlittschuhläufer in eine frisch geschlagene Luhme, wurde aber von hinzugecilteu Fischer» ebenfalls glücklich gerettet. Gevi�ks �Seikung» Tie Wilmersdovfcr„Grenzspcrre" beschäftigt unausgesetzt die Gerichte. Unter dieser„Grenzsperre" wird eine vom Amts Vorsteher erlassene und von der Regierung zu Potsdam unter dem 17. März 1898 genehmigte Verordnung verstanden, welche das Passieren der Wilmersdorfer Straßen mit Wagen verbietet, ivelche mit„Müll, Fleisch- und Äucheiiabgangen" beladen sind und aus Berlin und aus Charlotienburg kommen. Das Verbot gilt bei Tage wie bei Nacht, aber nur für die Grenzen von Berlin und Charlottcuburg Die iveiteren Grenzen Wilmersdorfs sind für de» Trausport solcher Abgänge frei. DaS königliche Kammergericht hat bereits zweimal sowohl im einzelnen Scuar wie im Plenum entschieden, datz diese Verordiiuiig nicht zu Recht besteht. Eine Verordnung von solcher Allgemeinheit zu erlassen sei der Aintsvorstcher nicht berechtigt,_ könne höchstens derartige Transporte verbieten, soweit dadurch eine Belästigung des Publikums herbeigeführt wird. Trotzdem beordert der Amtsvorsteher nach wie vor die Gendarmen und AmtSdicner, auf solche Trausporte zu achten und die Wagenführer zur Anzeige zu bringen. Den Gerichten erwächst dadurch frucht lose Arbeit, wie'dies auch heute vor der vierten Strafiammcr niu Landgericht II der Fall ivar. Ein Molkereibesitzer, der seine Milch nach Berlin bringt und von seinen Kim den Kartoffclschalcn und ähnliche Kücheuabgäuge für sein Vieh mit in Kauf nimmt, hatte auf deräoeiinsahrt auf seinem Wagen eine Toiine mit sich geführt, die deMrtigc Küchenabgänge enthielt. Ob wohl die Tonne verdeckt war, cutdecktc ein Polizcibcamter vie Kontre bände und erstattete Strafanzeige. Der Milchhäudler wurde daran mit 20 M. Geldstrafe bestraft. Er legte Berufung ein und in der gestrigen Verhandlung in der zweiten Instanz machte der Syndikus des Vereins Berliner Milchhändler. R.-A. Dr. Flarau. in principiellcr Richtung die vom Kammergericht mehrfach cntscüicdcne Rechts Ungültigkeit der Verordnung geltend, in sachlicher Beziehung aber, datz Küchenabgälige, welche als Viehfntter dienen, nicht unter die Verordnung fallen, da diese, wie sich schon ans der Verbindung mit „Müll" ergebe, nur wertlose Abgänge, die der Veriiichtung preis gegeben sind, im Auge habe. Die Strafkammer hielt es nicht für nötig, den sachlichen Einwand zu prüfen, auf die Eiitschcidnngcn des KammergerichtS gestützt wurde das erste Urteil ohne weiteres aufgehoben'und aus Freisprechnng erkannt. Wegen Sittlichkeitöperbrechcnö hatte sich heute der Lehrer Erich F e y c r ans Wilmersdorf vor der zweiten Strafkammer am Landgericht II zu verantworten. Derselbe war Lehrer an der Mittelschule eines Vorortes und soll mit seinen 12— 14jährigen Schülern unzüchtige Handlnngen vorgenommen haben. Es lvaren cinc erhebliche Anzahl bon Knabeii als Entlastniigszcngen geladen worden. indessen wurde die Bernchmung derselben überflüssig, weil der An- geklagte in nichtöffentlicher Sitzung ein offenes und reumütiges Geständnis ablegte. Auf Grund desselben billigte ihm der Gerichtsho' mildernde Umstände zu und erkannte nur auf nenn Monat Gefängnis. jetzt gänzlich der AnS- „Weltuntergang" seine das Ausstattungsstück Es ist eine harmlose niedlichen Teuselinnen, Devmischkes. AliS den Nachbarorten. Zwei Bäckergeselle!» erstickt. Ein entsetzlicher Unfall hat sich gestern nachmittag um SVs Uhr in der Ecke Kriii»mestratze und Bismarckstraße zu Charlotten bürg befindlichen Bäckerei ereignet. Zwei Gesellen hatten den Backofen gereinigt und die noch nicht vcr- kohlten Holzreste in ein Becken gethan. Unvorsichtigerweise vergaßen sie, das Becken gehörig zu schließen. Die beiden Bäcker müssen sich nunmehr im Arbeitsranm schlafen gelegt haben, denn als nach einiger Zeit das Dienstmädchen des Meisters Idie Backstube betrat, um die Gesellen zu rufen, fand sie beide tot am Boden liegen. Sie waren durch den Kohlendunst erstickt worden. Die Polizei beschlagnahmte die Leichen und leitete eine Unterslichung ein. Weisteusee. Zum 1. Januar wird die Einwohnerschaft unseres OrteS größeren polizeilichen Schutzes teilhaftig. Ein Kriminal- kommissar, ein Wachtmeister und vier 57r i in i n a l- S ch u tzlente sind zu diesem Zwecke hierher kommandiert worden. Die Not- wendigkeit dieser Maßnahme wird nur von Ivenigen anerkannt werden. — Zur Aufbringung der Kosten für den Erweiterungsbau der evan- gelischen Kirche in Weißensee soll nach berühmten Mustern eine Lotterie veranstaltet werden. Der Opfermut unserer kirchlich gc- sinnten Kreise scheint demnach nicht besonders groß zu sein, sonst wurde diese Spekulation auf die— Gutgläubigkeit gewisser Leute unnötig werden. Z»tr Berhütmig von Unglücksfällen auf Bauten hat der Negicrungsprästdent in Potsdam unter Zustimmung des Bezirks- auSschussc's für den ganzen Umfang des Regierungsbezirks folgende sofort in Kraft getretene Polizeiverordnung erlassen: Z 1. Vom 15. November bis 15. März dürfen Stuccateur-, Putzer- und Töpfer- arbeiten in Neubauten nur dann ausgeführt werden, ivelin die Räume, in denen gearbeitet wird, durch Thüren und Fenster ver- schlössen sind. Die nur vorläufige Anbringung derartiger Verschlüsse ist genügend.§ 2. In Räumen, in denen offene Coaksfener ohne Ableitung der entstehenden Gase brennen, darf nicht gearbeitet werden. Solche Räume sind gegen andere, in denen gearbeitet wird, dicht abznschlietzen. Sie dürfen nur vorübergehend von den .die Coakskörbe beanffichtigenden Personen betreten werden. Z 3. Uebertretlingcn dieser Verordnung werden an dem Bauunternehmer, Iva ein solcher nicht vorhanden ist, an dem Bauherrn mit Geldstrafe Pis zu 60 M. geahndet. / Die grosteu Eisbahnen der Havel, oberhalb von Spandau fliis Tegel und H e i l i g e n s e e und unterhalb Spandaus Roheit överbrechen. Ein Duell mit. tödlichem Ausgang fand. wie maii dem„Verl. Tabl." ans Zürich meldet, an der schweizer Grenze zwischen zwei oentschen Offizieren statt. Die Offiziere Schladitz und Kitzlig des in Mülhausen garnisonierendcn 112. badischen Infanterieregiments waren vorher intime Freunde, bis sie vor kurzer Zeit in einem Theater Streit bekamen, der in Thätlichkeiten ausartete. Lieutenant Schladitz forderte seine Kameraden Licnteiiant Kitzlig imd Ernst auf Pistolen. Im Falle der Kampf- Unfähigkeit Kitzligs hätte Ernst eintreten müssen. Die Bedingungen waren: Distanz 60 Schritte mit zivei Schritten Borgehen nach jedem Schutz; und Fortsetzung des Duells bis zur vollsländigen Kampf- Unfähigkeit. Schladitz hatte den ersten Schutz. Er verivuiidete Kitzlig leicht am Fuße; dieicr, ein ausgezeichneter Schütze, schoß Schladitz darauf durch die Brust, so datz Schladitz nach wenigen Minuten eine Leiche war. Schladitz ivar der Sohil eines HauptmamiS in München; Kitzlig soll der Sohn eines Berliner Apothekers sein. DaS Christentum des Centrums grasen. Aus Coesfeld meldet der„MLnsterische Anzeiger": Die hiesige Stadtverordneten Versammlung beschäftigte unter andern» auch ein Antrag auf Be ivillignng einer Unterstützung der Hinterbliebeneir des beim Brande des Schlosses Darfeld(15. Oktober er.) verunglückten Schlossermeisters Anton Reuter. Außer diesem kam auch bei dem Brande der immerpolier KaSpar Limbke um. Der Besitzer des Schlosses, der lraf Erbdroste, hatte die hiesige Feuerwehr, die keiner Unfall Versicherung angehört, requiriert, die Leute empfangen, ihnen Platz angewiesen und sie aufgefordert, unter allen Umständen sein Archiv, ans dessen Gewölbe sich schon eine Schicht Feuer jaw gesammelt hatte, zu retten, lvas ihnen auch gelungen ist. Als Lohn für diese heroische, sich selbst opfernde Thätigkeit hat der Graf den Hinterbliebenen der Familie Limbke 50 M. gegen Quittniig ge� schenkt und sich erboten, das jüngste Kind im Waisenhanse erziehen zu lassen, was abgelehnt wurde; den Hinterbliebenen des Reuter, die hochbctagten Eltern(der Vater steht im 84. Lebensjahre) und eine schivächliche Frau mit vier kleincii Kindern, von denen das älteste Ostern schulpflichtig geworden ist, hat er auf unbestimmte Zeit jährlich 600 M. zur Verfügung gestellt, die aber zum Unter- halt der Familie durchaus'nicht ausreichen. Auf die schrist- lichc Bitte des Ober-Bnrgcrmeisters, die Rente auf 1000 M. zu erhöhen, hat der Graf geantwortet, er glaube allen Anfordernnge» entsprochen zu haben, die man billigerweise an ihn stellen könne. Die Versammlung konnte nicht umhin, ihrer Entrüstung über das Verhalten des Herrn den Hinterbliebenen der beiden verunglückten Familienväter gegenüber Ausdruck zu geben und in das Si'tzungs- Protokoll aufnehmen zu lassen. Da auf gesetzlichem Wege weiter nichts zu erreichen ist, so wurde der einstimmige Beschluß gefaßt, der Familie bis auf weiteres eine Rente von jährlich 600 M., vierteljährlich pränumerando zahlbar, und der Familie Limbke für den 7jährigeii Knaben bis zu seinem vollendeten 17. Lebensjahre eine monatliche Beihilfe von 10 M. aus der Stadtkasse zu be- willigen. Wie weiter anS Münster mitgeteilt wird, handelt es sich um den Grafen Clemens Droste zu Vischering-Erbdroste, päpstlichen Geh. Kämmerer. Kreisdeputierten und Fideikommitzbesitzer auf Schloß Darfeld, den früheren Reichstags-Abgeordnetcn des Centrums für Fulda, den jetzigen Vorsitzenden des Centraikomitees „zur Vorbereitung der Generalversammlungen der Katholiken Deutschlands.' DaS Einkommen des Herrn Grafen wird auf tausend Marl täglich geschätzt. Zahlreiche Eiscnbnh»- Unfälle haben sich in den Festtagen ereignet. Es wird gemeldet: Alt- RöhrSdorf, 25. Dezember. Zug 580 ist am 23. Dezember in Kiloin. 29 zwischen Alt-RöhrSdorf und Thomasdorf der Strecke Striegan— Mcrzdorf im Schnee stecken geblieben. Passagiere sind ausgestiegen und zu Fuß nach Alt- Röhrsdorf bezw. Endstation Bolkenhain gegangen. Strecke Alt- Pohrsdorf— Thomasdorf voraussichtlich noch bis 27. Dezember gesperrt, da heftiger Sturm und Schnectreibeii anhält. Ver- fehr wird auf der Strecke Alt- Röhrsdorf— Striegau anfreckit- erhalten und Durchgangsverkehr über Merzdorf— KönigSzelt— Striegau geleitet.— G r a'z, 24. Dezember. In den ersten Morgenstunden fuhr der Tricsier Nacht-Eilzng bei Kalsdorf in der Nähe von Graz in eiiicn Lastzug. Zivei Eisenbahnbeamte find schwer verletzt und viele Passagiere erlitten leichtere Verletzungen. Die Verlvnndeten wurden nach Graz gebracht.— Budapest, 24. Dezember. Bei der Station Bia Torbägy fuhr gestern abend der von hier nach Bruck abgegangene Personenzug in den eine Stunde früher von hier ab- gegangenen Grazer Personenzug. Ein Beamter dieses Zuges wurde getötet, vier Soldaten wurden schwer und mehrere andere Personen leicht verletzt. Drei Wage» wurden zertrümmert.— K e y in e r(Snssex), 24. Dezember. Ii» der Nähe der Haywardshcide stieß ein nach Ncivhaven bestimmter Zug mit einem von Brighton kommenden Expretzzug z u s a m m e n. Verschiedene Passagiere Ivurden verletzt und zwei B a h n b e d i e n st e t e und ein Passagier getötet. Der Vahnverkehr ist unierbrochen.— Auch bei' S l o li g h fand ein Eisenbahii-Zusammenstotz statt, bei dem jedoch niemand umgekommen ist.— M o th e r w e l l(Schottland), 24. Dezember. Eni Zug der Glatzford-Calcdonian-Bahn entgleiste gestern abend um 5 Uhr und stürzte vom Bahndamm. Wie gemeldet tvird, sind mehrere Personen tot und viele verletzt.— lieber einen iveiteren Eisenbahnunfall liegt aus Wien folgende Meldung vor: Bei der Station Startsch-Trcbitsch(Nordivestbahn) stieß in der ver- gangenen Nackt ein Postzug infolge Nichtbeachtens des Haltesignals mit einem Güterzuge zusammen. Der Führer des Postzngcs_ und drei Bahnbeamte sind leicht verletzt, beide Maschinen und einige Wagen haben Beschädigungen erlitten. flt-ls Harburg wird uns berichtet: In der letzten Nacht sind hier die Eheleute Panlinann. Brenierstr. 47, mit samt ihrem zwölf- jährigen Sohn freiwillig in den Tod gegangen. Der Ehemaiui, von Beruf Gerber, arbeitete längere Zeit in einer hiesigen Leder- fabrik, wo er vor einigen Monaten wegen gcringfügiger Differenzen seine Arbeit aufgab. Hierauf bewarb sich P. um eine Meister- stelle nach Düsseldorf. Wahrscheinlich ist es ihm aber nicht gelniigen. den Posten zu bekommen und so begab er sich iiach Berlin, von wo aus er feine Familie zu Weih- nachten besuchte. Die Eimvohner des Hauses haben an der Familie während der Feiertage nichts Auffälliges bemerkt. Erst am Mittivochmorgen wurde die Sache verdächtig, als um 10 Uhr die Thüren noch alle verschlossen waren, schöpfte man � Perdacht. Man öffnete die Thüren und fand mm, datz alle drei Personen ans- gehängt waren. Die That ist um so auffälliger, als man noch Geld 'lind Silbersachcn in der Wohnung vorgesunden hat. Welche Motive eigentlich zu der traurigen That Veranlassung gegeben haben, ist nicht bekannt. Schneestürme in Rnffland. Telegraphischen Meldungen aus N o w o r o s s i s k(Rntzland) zufolge dauert das entsetzliche UiNvettcr dort noch fort. Infolge von Schneetvehen ist die Stadt von einer U e b e r s ch w e m»i u ii g bedroht. Der Gonverneur forderte die Stadtverwaltung ans, zur Abtvendung von Unglücksfällen außer- ordentliche Dkatznahmen zu ergreifen. Die Häuser am Quai sind mit einer Eisschickt von einem Faden Stärle bedeckt. Durch das nilnnterbrochene Heizen der Wohnräume entstehen zahlreiche Brände. Eine Person ist erfroren. Brand einer Kirche i» Sa» Nemo. Die englische Kirche „Johannes der Täufer" in San Nemo, in welcher eine Totenfeier für die im Kriege in Südafrika gefallenen Soldaten stattfinden sollte, ist letzte Nacht durch eine heftige F e u e r S b run st zerstört worden. Viele heilige Geräte, Bilder sowie die Orgel find verbrannt. Tie Pest in Portugal. Ans Lissabon. 26. Dezember. wird telegraphiert: Ein Soldat, der hier von Oporto eingc- troffen ist, ist in der Kaserne an der Beuleiipest erkrankt. Der Kranke und die ganze Koinpagiiie. zu welcher er gehört, wurde» in das Lazareth gebracht. Strandung eines TampfcrS. Ans New Aork, 26. Dezember. wird gemeldet:'Der Dampfer„Ariosto" auf derReise von Galveston nach Hamburg ist gestern morgen am Ocracokestrande an der Küste NordkaroliiiaS ans Grund gestoßen. Der Kapitän und acht Personen der Besatzung ivlirdeu gerettet, 21 sind ertrunken. Das Schiff ist leck.' Nachdem iluiimchr das Meer ruhiger geworden ist. sind ztvci Schleppdampfer von Norfolk zur Hilfeleistung abgegangen. Verschollener Dampfer. Der am 25. Oktober von Quebec nach England abgefahrene Stahldampfer„M e r i m a c"> ist ver- schollen.' Der Dampfer besitzt einen Raumgehalt von 4200 Tons und hat 50 Mann Besatzimg. Infolge schlagender Wetter ist die Calmin Braznell Mine (in Pennsylvaiiien) in Brand geraten. 6 Mann sind tot und 45. ivurden verschüttet. Es ist nur geringe Hoffnung vorbanden, datz die Verschütteten gerettet werden. Ein kleines Comp agnicgcsch äst mit dem Spielteufel wird von den Priestern der alleinsetigmachcnden Kirche unter Umständen gar nicht verschmäht. Eine bunte Reklamckarte, � die kürzlich in katholischen Kreisen massenhaft verteilt worden ist, zeigt auf der einen Seite ein Bild der Mntt ergo tteS, Wieste der Schlange ldem TeufeyZden Kopf zertritt. Die andere Seite enthält den Plan einer Lotterie, die zu Gimsten der katholischen Marienkirche Landaus veranstaltet wurde. Daneben befindet sich eine A n« preisung der Lose, in der es heißt:„Im Namen der hehren Muttergottes, der unsere Kirche geweiht ist, bitte ich um Abnahme von Losen. Allen Wohlthätcrn ein herzliches„Ver- gelt's Gott!" Behm, kath. Stadtpfarrer, Landau." Briefkasten der Redaktion. Die juristische Sprechstiiude findet Montag. Dienstag und Freitag von ß— 8 Ithr abends statt. H.. Blankenfeldestr. Wenn Sie dafür besonderes Interesse haben, so wenden Sie sich uiuiiittelSar an die Reichstagsfraktion; es kami nicht unsere Sache sein, eine Namensliste der betreffenden Genossen zusammen- zustelleii. Der„Vorwärts" hat davon nicht Notiz genommen, da die Am gelcgenheit keinerlei öffentliche Bedeutung hat. Marktpreise po» Berti» am 23. Dezember 1899 nach Ermittillugeii des tgl. Polizeipräsidinms. 15,— 14— Schiveinefleisch 14,70 13,80 Kalbfleisch 14,— 13,— Hammelfleisch 15,20 14,40 Butter 14,30 13,«0 Eier 13 50 12.80 Karpfen 4,60 4,16 Aale 7,50 4,80 Zander 40.- 25,- Hechte 45,— 25,— Barsch« 70,— 30,— Schlei« 7,— 5,— Bleie 1,60 1,20 Krebse 1.20 1.- , Tonne von der Ceiitralssesse der Preub. Landwirt- fchastskamuieru— NoliennioSflelle— und«piigerechnet vom Polizeipräsidiuiii für de» Doppel-Cciitiicr. tz) Kleinhandelspreise. Produkten markt vom 27. Dezember. Die Stimmung auf dem Aetreidemarkt« war heute fest, wie es»ach der mehrtägigen Pause nur YWeizen D.-Ctr. Moggen Fiitter-Gerste Haser gut „ mittel, gering. Nichlflrvh„ Heu ) Erb feil ')Speiscboh»iN. Musen. Kartoffeln, iiene Rilidfleisch, Keule lüg do. Bauch, ) Eniiittclt pro 1kg 60 Stück 1kg per Schock 1,60 1,70 1,60 2,80 6,- 2,20 2,80 2,50 2- 1,60 2,80 1,00 12,- 1,10 1- 1,- l:z 1,20 1,40 1,20 1,— 0,80 1,20 0,80 3,- natiirlich mar. infolge der fortdauernd uitgeiiftgcnbcu Zufuhren und des veruichrtcn Konfiluibegehrs Hoden sich die Preise fiir Weizen und Roggen um je 0,50 S)l. Da sich die Stbgcbcr sehr reserviert verhielten, blieb das Geschäsr recht belanglos. Die ichwacheu Meldungen aus Nordamerika, wo die bcdemcndc Zunahme der sichtbaren Wcizcnbcstände verstimmend tvirltc, blieben hier ohne Einflug. Hafer lag uvmmcll behauptet, aber sehr still. RübSl>var in der Tendenz fest und ruhig. Am Spiritusmarkt wurde loev 70er mit 47,70 M.(-f 0,10 M.) gehandelt. Termine waren umsatzlos. BsfttewProgiiuse für Donnerstag, den 28. Dezember 1809. Ein wenig wärmer, zeitweise heiter, vorherrschend wottig uut leichten �chuccsällen und inäßigen südöstlichen Winden. Berliner W e t t c r b» r e a n. STttiernngSiibcrsicht vom 27. Dezember 189». morgens«»Hr. Stationen \sa Swiiicmdc. Hamburg Berlin Wiesbaden iviiincheii Wien - S s.® ! Welter »SS « 758 SSO 753 OSO 757 SO 753.SSO 756 O 5'h-deckt Zheitcr ."wollig Ibedcclt 2Nebel —6 -0 -1 -4 Stationen S i Ii c2 ©- ä M» JO. B= g«• Haparanda Petersburg Cork Abcrdee» PariS 77t- - SO 750- 74� NO 750. NW Wetter 4bedeckt Zhciter Ätvolkig LSchnee es« -t» g» -10 -1 -1 1 Egtdh'Bereiiiigung. Freitag, den 20. Dezember, s Uhr abends, Te> denkseter für M. v. Egibi) in Kühnes Festsaal, Ntederwallstr. 20. Herr Burghard hält die Gedenkrede. Gäste willkommen. Eingegnngcne Druckschriften. Dan der„Nene» Zeit" lTlntigart, Dich' Verlag) ist soeben das 13. Hcst deS IS. Jahrganges erschienen. AuS dem Inhalt heben wir hervor: Die Wende deS Iahrhnnderls.— Sluöuahmcrcchte gegen die ländlichen Ar- bcitcr in Deutschland. Don Arthur Stadihagen.— Zur Theorie des Arbeitswerts. Don Ed. Bernstein. iSchlnfe.)- Zur Schularztsrage. Don Dr. E. Frendenberg.— Litterarische Nundschau.— Feuilleton: Durch Asiens Wüsten. Don Heinrich Cunow._' Fiir den Inlialt der Inserate übernimmt die Itedaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Acraiiimorlung. Thrntov. Donnerstag, 23. Dezember. Opcruhauö. BajozZi. Oavaltsna rusticana. Anfang 7Vä Uhr. Schauspie! Hans. Otto Langmaun Wwe. Anfang 7�2 Uhr. Deutsches. Der Probekandidat. An- fang 7»/- Uhr. Lessing. Als ich wiederkam. Anfang 7V- Uhr. Berliner. Flotten- Manöver. An- fang?>/, Ubr. Schiller. Cyprienne. Ansang 8 Uhr. Nachm. 3 Uhr: Don Carlos. NeucS. Ein iinbeschriebencS Blatt. Ansang 71/, Uhr. Weste». La Traviata. Anfang 7V, Uhr. Thalia. Im Himmelhof. Anfang 71/1 Uhr. Residenz. Busch und Reichenbach. Vorher: Die Nichtige. Ansang 7-/- Uhr. Luise». Arme Reiche. Ans. 8 Uhr. Central. Die Geisha. Auf. 7-/. Uhr. Carl Weist. Kinder der Hölle. An- fang S Uhr. Bictoria. Die Venus von der Markt- halle. Anfang 8 Uhr. Friedrich> WilhclmstadtischeS. Ein gesunder Junge. Ans. 8 Uhr. Belle- Alliance. Gastsviel deS Schlierscer Bauern- Theaters. Liscrl von Schliersee. Anfang 8 Uhr. Metropol. Specialitäteuvorstellung. Die verkehrte Welt. Anfang 8 Uhr. Apollo. Specialttäten- Vorstellung. Im Reiche des Jndra. Anfang T/2 Uhr. Reichshalle». Stettiner Sänger. Anfang 8 Uhr. Palast. Leute von heute. Specialt- täten-Vorstelluna. Ans. 8 Uhr. Pastag«- Pauopittum, Specialt- iäleli-VvrstcNiiiig. Urania. Invnlidenstr. i»7/ e n t>, abends 8 Uhr: Da» Ktitlichen von lleilbronn. Urania Taiilicii.stratüsc 48/49. Im Theater abends 8 Uhr: Berlin vor IOO Jahren. Invalideaiftr. 57,«2: Stern warte. Kachmiltags 5—10 Uhr. Thalia-Theater. Tel. AmtIVa 6440. Dresdenerstr. 72/73. Noch nie dagewesener Erfolg! Im Ummelhof. Große AusstottunaSposse mit Gesang und Tanz in 3 Akte» von Kren und Schönfeld. Mustl von Max Schmidt. Hauptrollen: Emil Thomas, Guido Thielscher, Friß Helmerdina, Hans Junlerman», Herbert Paulmüller, Marg. Arasep Im L.Akt: Das lebende«nsichts- Pottkarten-Fiuolc. Anfang 7� Uhr.— Morgen und folgende Tage: Im Himmelhof. Älen k �ktloisMIZll. kllllLLW. visnstaz» Iii»' Hainen. ktesye- Tliealer Beginn des Konzerts 6 Uhr, derVorst. 7 Uhr. 15 erstklass. Dab. CASTANS PAN0PTICÜ1 Gr. Weihuaclits- Aiisstelluug mit Berliner Welhnachtsniarkt (Schlossplatz) Im 13. Jahrhundert. Im Theator-Saal: Ziitdareiia. Die Welhnachls-ESeschcrunj). Die heilige Familie. Konzert einer Damonkapello. Der Wunderhund„Schimmel". Sm Die Beeren. KBS CarlWelss-Thfiater Gr. Frank,»rterstraste l iS. Großer Jubel! Großer Erfolg! Kinder der Hölle. Phautastischo Ausstattniigspoffe mit Gesaug in 3 Akten<5 Bildern) von Richard Heising und Paul Free. Musik von A. Wicher. In Scenc gcictzi von I. Till. Nene Dekorationen. Neue Kostüm«. Anfang 8 Uhr. Vor-ugSbilletS habe» Gültigkeit. Im Tunnel von 7 Uhr an Frei Konzert. Morgen: Deutsche Volksbühne. Nur einmalige Aufführung. Elfricde, Drama von Hevie. Sonn abend, nachmittags 4 Uhr: Vorletzte Kinder- Vorstellung: Schiiccwitichcu. Kleine Preise. Abends: Kinder der Hölle. Crntrnl Dhrnter Direktion: Joes Ferenezx. D i v G r i s h a. Anfang?>/, Uhr. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Sonntag, nachm. 3 Uhr, zu halben Preisen: IHe I'leilcrinaus von Johann Strauß.- Montag, nachm. 3 Uhr, z. halb. Preisen: Boeeneelo von Franz v. Suppe._ CiHcus Alb. Schumann. Heute Donnerstag, den 28. Dezember, abends präcise?>/, Uhr: EIIte-.A.hend. Gala-Programm. Neue Debüt«, 11. a.: Phänomenal! Sensationell! gV The 3 Haydas VU Arabe»-, Springer. Vorführung der neuesten Original- Schul- und Freihcitsdressuren des Direktors Albert Schumann, der Schöpfer und Erfinder aller neuen Dressuren. Zum Schluß zum 40. Male: Der erste Schlager der Saison. Allabendlich stüniiischcr Beifall! Größtes und interessantestes RitterschauetUck Schwarz und Weitz mit säuiliichen Einlagen Apollo-Tiieater. Novität! Zum 10. Male; Novität! Im Reiche des Indra. Auastattungs- Operette in 1 Akt mit vier Bildern und Apotheose von Leop. Ely und Boltcn-Baeckers. Musik von l'uul I.inckc. Ferner; öle vorziigllchcn 8 p c c I a 1 i t ii t c 11. Anfang 7 r/z Uhr. Vorverkauf täglich Im Theater von 10—1 Uhr, sowie im Invalldendank, Unter den Linden 24, und KUnstler- dank, Unter den Linden<59. Behrenstr. 55/57. Dir.: Bich. Schultz. Das graste Tezember- 8pecaUttUen-I'»'oz:l'an»in. Um 8 Uhr 45 Panl«fulicli. Um 9 Uhr Liane de Vries. Um 9 Uhr 15 Die verkelirte Welt Burleske Ausstattungs- Operette in 2 Akten(6 Bildern). Ansang Vz8 Uhr. NanssoRflel Kottbnserstr. 4 a. Holfmanns Norddeutsche Sänger. Jeden Tag wechselndes groftartig. Programm. Anfang 8 Uhr. Sonntag, 31. Dezember: Grosse Silvester feler. Borstellung und Ball. .Aiiieriean-Theater. DrcSdenerstr. 96. Dir.: Emil Gchnabl. Das gr. Wcthnachts-Programm. Die verkannten Genies. Vovlin ulkt! In Vorbercitung: Berliner Boulotte. Anfang 8 Uhr. Kasteneröfsnuiig 7 Uhr. GBl EH ä&l aBt�pj— BiaBaHBaawaBmBsa SM i i Socialöemokratisolier Wahlverein für den dritten Berliner Reichstags-Wahlkreis. Sonnabend, den 13. Januar 1900: Stiftungs-Fesi in Cohns Fcstsiilcn(Gosamt-Eäumo), Beutlistrasse 20. Vokal- iiiid Instroiiiental-Iioiizert unter Mitwirkung des Moppel-ftnartctts„flarmonie", des SIcinlioWschcn Zitherklnbs etc. Festrede, gehalten vom Reichstags- Abgeordneten Wolfgang Heine. BAL L»(Nachzahlung für den Ball SO Pfennig). Anfang prücise 8 Chr. Blllets a 85 Pf. auf allen Zahlstellen zu haben. "'■/7 241/7 I>cr Vorstund. EES i i 9 i I 1 Achtung» Maurer! Donnerstag, den Ä8. Dezember 481)8, abends 8 Uhr, im Lokal Stroinstrafte 28: Mitglieder-Bersam mlnug des Ceiitl'al-Terblludcs deiitslhee Mürer für Msabit. Um rege Beteiligung wird ersucht. Jßj?" Des weiteren machen wir die Kollegen darauf ansuierkiam, daß am Sonnwg, den 7. Januar 1899, abends<5>/» Uhr, seitens �er hiesigen Verivaltnng ein Beodachtuugv< Abend arrangiert ist.< P r 0 g r a m m: l. Führung durch das Aftronoinifche Museum und Erklärung deS Niesen-FernrohreS. 2. Projeltionsoortrag vom Direktor itrohenhoid über: „Die Bewohnbarkeit der Welten". 3. Beobachtung mit dem Riesenrefraktor. BilletS sind im Verbandsbureau, sowie bei den Obleuten sämtlicher Viertel zu haben.__ Bio VcrbnndBlcltnng. Treptow-Sternwarte 144/1 Alw«! Bauanschliiger. AM«! Dounerstng, de» 28. Dezember, abends G'/z Uhr, im Lokal des Herrn Spiegclbcrg, Scbastianstrassc 3S: Gr. öffentliche Versamnllnng. TageS-Ordnung: l Unsere Fordeningen und Diskussion hierüber mit den Arbeitgebern. S. Beschlußfassung über eventuellc Arbestseinstellniig. Es iit Pflicht eines jeden Kollegen, pünkilich zu erscheinen. Dir Herren Arbeitgeber sind hierzu besonders eingeladen. 19/7 Dl« C-obakoannlsslon. Neujahrs-Karten. .Hinnoristische Postkarte», a 100 Stck. 40. 00 u. 90 Pf. 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Kassenvffnnug 5 Uhr, Entrce 50 Pf. Billct-Vorverkauf von 11—1 Uhr. NcichShalleu. S t c tt tnc r Säuger. Anfang: Wochentags 6 Uhr. Sonntags 7 Uhr. Entrec 50 Pfennig. Vorverkauf 40 Pf. W. Noacks Theater. Brnnnenfiraß« 16. JrifUe ans Erden. Lebensbild mit Gelang in 3 Akten von Schulz, iviustk von Kerstin. Jeden Sonntag. Dienstag und Donnerstag nach der Vorstellung: Tanzkränzchen. Ncujabrsspisteii billigst l1462b Tnlla, Demmmerpr. 3. Cirkus Busch. Heute Donnerstag, den 28. Dezember, abends 7>/, Uhr: UG Elite-Abend."WW Zum 49. Male: I>le Cfimorra. Bon der gesamte» Presse als daS größte und imoofameste Seufatious- Schanstückd.JchrhuuderiS auerkaiiiit. Außerdem: Madame Maria Dore alS Schulreitsri». Die 3 Tiger-Grauen vom Stamme der Mangbalm aus dem Innern von Eeulral, Afrika. ifitnob A Bllta», Matadore auf dem 3 fachen Reck. LSif Noch nie dagewesen. Mr. Charles Clnrke als Jacken. Dir. Busch m. seinen Original- Meister-Dresjure». Morgen Frei- tag, 29. Dezember, abends?>/, Uhr: Große humorisiisch« Vorstellung.— Sonntag, 31. Dezember: Zwei große Vorstellungen. Nachm.: Olympisdie Spiele. AbendS: Die Camorra. Iksedrs?deklier Qrnnlonstr. 24. Nord und Süd. Operette von Linderer. Zseuos 4'rojxrnmi»! Anfang 8 Uhr.«onniags 6 Uhr. WWk» Bons wochentags gültig. leilaahlaaz, uionotlich 10 M. liefert elegante Herrengarderoba 11. Mao, Tomporowikl, Schneidermstr., Neanderstr. 16, II, an der Aunenstr. (Auch bar Knfla billigste Preise.)* Kuabenanziige u. PaletotS. SNädcheukleider u.-Mäntel preiSw. 291SL'i 0. Hoffmanii, Veteranenstr. 14 Milsken-lSilrderobe»- «erleib - Institut Fr. C. Frommbolz, Elsasaerstr. 78. Ecke Ackerstraße. Reiz. Saison-Neuh., AtlaS-Kostüme von 1 M. ad/ Gesell- schaften u. Bereine 2b Proz. Preiserui. V�iZOKU'aihI»!a. Freitag, SO. Dez.. abends 10 Uhr Zlnsierorvetttliche Geueml-l Allseiliges Eiicheineii erwartet 66/18 Her Vorstnnil. Von 9 Ubr ab: Uedmigsftunde. Icliiinittüifidjuiio der Qrts-Kraükeitkasfe für den Gr- Nirrbobetrieb der Kanjicute, HandelSlcnte und Rpotheker betreffend die Delegiertenwahl. Mit dem gl. Dezember 1899 laufen die Mandate sämtlicher Vertreter der Kastenmitglieder innd der Ardeitgeder jür die Gencrawersammlnng ab, und haben demgemäß auf Grund der §§' 49 11. st. deS Statuts die Neu- wählen derselben stattzufinden. Zu wiiblen sind 281 Vertreter der Kassen- Mitglieder siir die nächste dreijährige Wahlperiode vom l. Januar 1900 bis 31. Dezember 1902. Da die zum 8. Dezember einberufen aewcscue» Wahlvcrsauiinlmige» der Kasicninit- glieder refiiltatlos verliefen, finde» nunmehr die Wahlen der Kasien- Mitglieder gm... TicnStgcz, den s. Januar ISlw statt. Gewählt wird in zwei Ad- teilungeii. Abteilung I umfaßt alle Kaisenmitglieder, die in Betrieben beschäftigt sind, welche rechts der Spree liegen, sowie alte freiwilligen Mitglieder, die rechts der Spree wohnen(also die Post- bezirke O., NO., IS'., sowie ein Teil von 0. und NW. Das Wahllokal bcnndct sich im Olraud Hotel Nlexaiiderplast tEiugniig inirani Alerauderplalff. Abteilimg II umfaßt aste Kasienmitglieder, die in Betrieben beschäftigt sind, welche links der Spree liege». sowie alle freiwilligm Mitglieder, die links der Spree wohnen(nllo die Post- bezirke 80„ S., SW., W., sowie ein Teil von 0. und NW.). Das Wahllokal befindet sich im «aale von Cohn(Industrie- gedände), Brnthstr. SO LL. 'Die Wahlversaniniliingrii wer- den«m 11 Uhr vormittags er- öffnet und die Wählerlisten ilui 11 Uhr abends geschloffen. Um Zweifeln vorzubeugen, machen wir daraus anfuierkiain, daß die Äe- samtzabl der Delegierten in beiden Wahilolalen zu wählen ist. Wahlberechtigt sind alle großjährigen Kaisenmitglieder, welche im Besitze der bürgerlichen Ehrenred)tc sind. Zur Legiiimation dient das Mit- glicdsbnch oder bei denjeuigen Kassen- Mitgliedern, welche nach»Mit im Bc- sitze eines solchen sind, eine Bejcheini- gung des Arbeitgebers, daß sie in ver- sichcniiigsvflichtig.Beschäftignng stehen. (Datum, Unterschrift der Firma bezw. Stempel.) Freiwillige Mitglieder, welche ihre Wohnung anzugeben haben, legitimiert das Milgliedsbuch. Wir bitte» die Kasscnmitglieder dringend, die Tagesstunden zur Abgabe ihrer Stiinmeii zu bc- nutze ii, um dadurch einem zn grostcn Andrang am Abend v»r- zubeugen. lölOb Der Vorstand. Aug. Werner, Vorsitzender. Wust. Knebel. Schristsührcr. Neuer Abendkursus der „EleZrtra" | Montag, den 8. Januar 1900. 8 Uhr abends. j Dauer sechs Monate in Theorie und Prnxis. Kein« Vorkeimtiitffe. 1 Zeugnis— Stclliingsnachweis. | Anmeld, schleunigst Prinzenatr.55, 1. Man verlange Prospekt«. 51 Pfd. Brot Sil Pf«. 2 H. A Ihre cht'» 1 Btteknrel• Wrangclstr 9. Krantstr 19, Aalckcnsteiustr. S8. Lanfitzcrstr. S. Fnif? I intp Zinimerstr. 38, II lU LIIIaC, Ecke Morkgrnfeiistraße. Gr. Frühstücks-, Mittaas- u. Abend- tisch. Fraiizbiiache» Billard. Jeden DienStag: Frische Blnt-, Leber- und Grützwurst. 25611-* Alien Bekannten die traurige Nad>- richt, daß mein lieber Gatte, unser Vater l°Bb Nolnh al,l Ilcnnix am 35. Dezember ISSN, nachmittags 4 Uhr gestorben ist. Fran.Hnmig ir. Söhne. Die Beerdigung stndet am 29. De> zemver, nachmittags 1 Uhr. van der Leichenhalle des Krankenhauses Be- chanien statt._ Torte«- Anzielf-e. Am 26. Dezember, früh 8 Uhr, ver- schied nach langen, schweren Leiden meine geliebte Frau, Mutter, Schwester, Schwägerin und Tante Anna Seifert geb. Lchmaitn im 48. Lebensjahre. Mit der Bitte um stille Teilnahme zeigt dicS schmrrzerfiiilt an im Namen der tranerndeii HtiiterSltebencn Anjrnst Seifert und Sohn. Die Beerdigung findet vom Trauer- banse, Fricdeiistraße 47, anö nach dem Georgen-KirchbofeS statt._ 15276 Verein Berliner Buchdruck-Haechinenr.ielster. Ten Mitgliedern zur Nachricht, daß der Kollege Hermann Harschner am 24. d. M. nach kurzein Kranken- Inger im Alter von 59 Jahren ver- storben ist. 385/4 Die Beerdigung stndet Doniicrörag, den 28. d. M., nachm. 3 Uhr, von der Leichenhalle deS St. Thomas-Kirch- hokeS bei Britz ans statt. Um Beteiligung bittet Her Vorstitnrt. Allen Freunden u. Bekannten die traurige Stackiricht, daß mein lieber Mann, der Gürtler Oskar Laaae am 23. Dezbr. nach schwerem Leiden entichlasen ist. Dtcö zeigt licsbeirübt an Amiilie Laue nebst Kinder». Die Beerdigung findet Donnerotag, den 28. Dezbr., nackmiitags 2'/, Ubr, van der Leichenhalle des Nazaretb- Kirchhofes. Nciuickendorf, Berliner- ilraße, aus statt. Xlichrnf. 60/10 Hiermit erfüllen wir die traurige Pflicht anzuzeigen, daß unser Sanges- v ruber An/rnst Vrahoivshl am 24. Dezember 1890 verstorben ist. Ehre seinem Andenken. Harthaus- Ii nmnierseher Tliinnerehor. llnnksneniiK'. Für die zahlreiche Bctciligiing an dem Begräbnis tinsercS geliebten SohncS und Bruders Panl Kerfte» sagen wir hiermit unseren besten Dank. 1512» Familie Wilhelm Kcrsten. Danksagung. Für die zahlreichen Beweise herz- licher Teilnahme bei der Beerdigung iiicuies lieben iiiivergeßlichen Mannes Wilhelm Wolter sage ich dem Personal der Hos-Bnch- drnckerei von Mittler& Sohn sowie auch den Sängern hiermit ineineii herzlichsten Dank. Fran veriv. Wilh. Wolter. Danksagung. Für die Teilnahme bei der Be- erdigimg nicines lieben Manne«, des Kutschers Rudolf Feilhaner. sage ich den Genosicn des 6. Berliner ReichStagS-Wahitreiies, den Arbeitern n Mitgliedern der Berliner Gciiaffen- schasts-Bäckerei, sowie dem Gesang- verein.Piurgengraiien" meinen tief- aefühlten Dank. Die trauernde IVItwe nebet Bindern. 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