Hlnterhaltuttgsblatt des Vorwärts Nr. 216. Freitag den 6� November. l908 (SlaKdruck verbsien.) t7) Hndms Vöft. Baucrnroman von Ludwig Thoma. Slber warum beim Anblicke dieser unreifen Pagen das Kolk in Wut geriet, warum ehrwürdige Greise ihr£ Hausschlüssel aus den Taschen holten und so greulich darauf pfiffen, das kann man nicht so einfach erklären. Die Guten haben vorher und nachher den Anblick von schlimmeren Kürstenknechten ertragen. Damals aber schien es mir recht und billig. Ich schrie brav mein poroat mit und drängte mich heran. Ein Graf Hirschberg von den Alemannen zog seinen Dolch, als man ihm zu nahe auf den Pelz rückte. Er wollte einmal spanisch kommen. Da erhob sich ein Geschrei unter den Manichäern, ohrenzerreißcndl Sie führten Reden, in denen keine Liebe zum Hause Wittelsbach atmete. Die Hispanier rissen aus. und wir Zogen weiter in den Hofgarten. Mit einem Male erscheint mitten unter den briillenden Hafnermeistern der Gegenstand der Volkswut. Lola Montez selber, in eigener Person. Schneid hatte das Frauenzimmer und eine Verachtung gegen diese sittsamen Spießbürger, die mir später imponierte. Ich stand keine zehn Schritte von ihr entfernt und sah die blitzenden Augen. Links und rechts von mir bückte sich die bürgerliche Ehr- barkeit bis auf den Boden. Diesmal nicht aus Ehrfurcht, sondern um Steine und Kot aufzuraffen. Neben mir steht ein behäbiger Herr und nimmt sich eine Handvoll. Er zieht kräftig aus, damit sein Wurf ausgiebig sei. aber er warf nicht. Jemand schlug ihm den Kot aus der Hand mit den Worten: „Pfui Teufell Gegen ein Frauenzimmer! Ihr schämt Euch nicht?" Meine Hafnermeister das hören und auf den Jemand losfahren, war eins. „Auch so ein Lolanerl Nieder mit dem Kerl!" Aber sie merkten schnell, daß ein Tölzer Bauernbub' sich besser wehren kann, wie ein Frauenzimmer. Es ist ihm nichts geschehen, dem Maurus Held, und die Geschichte hat keine Steigerung gegen den Schluß. Aber sie zeigt, daß Ihr Freund seine brave Meinung gegen die vielen behauptet hat. Und diese Eigenschaft ist ihm geblieben." „Sind Sie später oft mit ihm zusammengekommen?" fragte Sylvester. „Oft? Nein. Ich war einige Zeit in betrübsamer Lage und hätte Freunde kompromittiert. Den Maurus hätte es wohl nicht angefochten, aber ich wollte nicht. Es»vor genug. daß ihm mein Bruder Hans zu schaffen machte. Der da, ober Ihnen, mit der roten Mütze. Ihm zulieb' hat Held seine Zw fünft aufs Spiel gesetzt, und es fehlte nicht viel zum Verl lieren. Der Hans war einige Jahre älter als ich und saß in Lindau als junger Arzt, wie der große Wind wehte. Von Lindau ist's nicht weit nach Konstanz, und als dort Hecker im April den Aufstand proklamierte, fuhr mein Hans ein bißchen hinüber. War auch dabei im Gefecht von Kandern und half den General Gagern totschießen und floh mit den anderen in die Schweiz. Ein Jahr später krakeelte er in der Pfalz drüben, bis die Preußen auf Bestellung Ruhe schafften. Mein Bruder wurde in contum�eiam zum Tode verurteilt. Erschrecken Sie nicht, er starb erst vor zwei Jahren als wohlhabender Mann in Genf. Aber damals hätten ihn die Preußen er schössen: sie waren dazu engagiert. Er ließ sich nicht erwischen und lebte einige Jahre in Straßburg. Auf einmal packt ihn die Sehnsucht, heim- zukommen. Eine fürchterliche Dummheit! Was einen da- mals nach Bayern treiben konnte, ist mir rätselhaft. Die Polizei des Herrn von der Pfordten spürte meinen Hans in München auf: ich wurde noch rechtzeitig gewarnt und lief mit ihm den Abend und die Nacht bis Sachsenkannn. Im Kloster Reutberg saß unser gemeinschaftlicher Freund Held als Kooperator sind Beichtvater der Franziskanerinnen. Jeder andere hätte sich besonnen: der Maurus überlegte keinen Augenblick. Er gab dem Verfolgten Quartier und schickte ibn nach ein paar Tagen über die Grenze. Damit aber die Tiroler den Hans ohiw Bedenken durch ihr glaubenstreues Land pilgern ließen, hing er ihm sein geist- liches Gewand um. Und der Hans ist auch richtig mit schuldiger Ehrfurcht behandelt nach Rorschach gekommen. Für seinen Retter kamen unangenehme Tage. Die Polizei erfuhr die Sache, und Held mußte Rede stehen. Er log nicht lange: sagte es frei heraus, und das war eine Sache damals. Wenn Sie sich schon einmal gewundert haben, warum dieser feinsinnige und gelehrte Priester bis zu seinem Ende in Erlbach blieb, so wissen Sie jetzt den Grund. Die Herren oben vergessen nichts. Und wir wollen ihn auch nicht ver- gessen, den Maurus Held. Er war ein aufrechter Mann. Und damit guteNadjt, Herr Sylvester!" Die beiden wurden Freunde. Schratt war in seiner Vereinsamung nicht grämlich ge« worden und hatte nichts von der Weisheit, welche vergangene Tage lobt und die Gegenwart mißachtet. Es machte ihm Freude, ein junges Herz unmerklich, ohne lehrhafte Schwerfälligkeit zu bilden. Und hier war die Aufgabe nicht schwer. Sylvester besaß klaren Verstand: seine Anlagen setzten der umformenden Hand nicht spröden Widerstand entgegen. Er war ein junger Baum, der mit starker Pfahlwurzel im aufgelockerten Boden saß. Vollsäftig und entwickelungs» fähig: reiche Verästung hatte er freilich nicht angesetzt. Schratt lächelte oft im stillen, wenn er die Ergebnisse der klerikalen Schule vor Augen hatte.- Alles Befreiende war dieser Bildung genommen. Ohne Fühlung mit der Gegenwart, schöpfte sie aus der Vergangen» heit keine lebendigen Kräfte. Mit ängstlichem Bemühen waren die Schranken aufrecht gehalten, in denen von jeher der Geist verkümmerte. Das zeigte sich am deutlichsten in der Art, wie Geschichte gelehrt worden war. Hier war alles geschehen, um einer späteren Erkenntnis vorzubeugen. Die anerzogenen Vorurteile griffen so ineinander, daß jedes einzelne nur mit der Zerstörung des ganzen Gebäudes gchobcn werden konnte. Und sie wurzelten so tief, daß Sylvester seinem alten Freunde eine ungewohnte Hartnäckigkeit entgegensetzte, wenn er die Freisinger Weltgeschichte angriff. Freilich beurteilte er als gutherziger Jüngling die Acußerungei? Schratts mit Nachsicht. Er wußte ja, daß ihm Unrecht widerfahren war, und schrieb seine Heftigkeit einem verbitterten Gemüte zu. Diese Milde war nicht ganz frei von Hochmut. Mang hatte doch etwas von den Leuten angenommen, welche ihr Leben lang eine gefestigte Meinung herumtragen und lächelnd abweisen, was sie hinzulernen sollten. Schratt sah bald, wie selbstbewußt sich der junge Theologe hinter Vorurteilen verschanzte, die nicht seine eigenen waren. Er wunderte sich nicht darüber. Neun Jahre unter den Händen von Lehrern, die alles in eine Form gießen: wie sollte sich ein junger Mensch ganz frei halten von ihrem Einflusie? Es war viel, wenn das Wachstum nicht völlig er« stickt war. Deshalb wurde er nicht unmutig und lockte nur den klugen Sylvester häufig auS seiner Burg heraus-auf das Blachfeld, wo er ihm standhalten mußte. Er zeigte ihm meist in scherzhaftem Tone, daß unser Wisien nicht genau da aufhört, wo man es in Freising ab» schneidet. Er nahm ihm ganz allmählich die Selbstzufrieden» heit und lehrte ihn das Verlangen, die Wahrheit kennen zu wollen. Und Sylvester kam täglich mehr von dem Glauben ab, daß er sein junges Wisien mit Milde gegen den Alten auf» führen müsse. Ja, fein Mitleid verwandelte sich in begeisterte Wer» chrung, mit einer Schnelligkeit, welche Jünglingen erlaubt ist. Er lernte einsehen, daß die heitere Ueberlegenheit Schratts, seine Menschenkenntnis auf tiefgründiger..Liebe ruhte: das gab ihm ein Recht, über falsche Größen zu lächeln» sein Urteil gegen alle zu stellen. Aber auch die Möglichkeit, im Kleinsten das Anregende, Bedeutsame zu finden, Er stand auf eü-er sicheren Höhe und durste darum auch Torheiten behaglich betrachten. Sein freier Geist konnte nicht ohne Einslutz auf Sylvester bleiben. Ter streifte unmerklich die Härten ab, welche einseitige Bildung zeitigt. Ms ersten Jahre auf der Universität verflogen ihm kasch.„. Er tat feine Pflicht und besuchte sleitzig die Kollegien. fZortsetzung folgt.) 14j Die Kofaken. Von Leo Tolstoi. Lukaschka pretzie bis Fäuste und die Zähne zusammen. � Warum sollen wir immer warten und wagten! Lieb' ich Dich nicht. Herzchen? WoS machst Tu aus mir? sagte er plötzlich. Seine Äugen verfinsterten sick. und ergriff zornig ihre beiden Hände. Mariana» Züge und ihre Stimme behielten ihren ruhigen Ausdruck. Tobe nicht, Lutasckka, sondern höre mich an. aniworkete sie. Sie befreite ihre Hände nicht von ihm, stieg ihn aber ein wenig zurück.— Ich bin freilich nur ein Mädcbsn. aber. höre mich an. Ich habe keinen Willen, wenn Tu mich aber liebst, höre, was ich Dir sagen will... last die Hand kos, ich will eS Dir so sagen._.. heiraten will ich Dich, Dummheiten darfst Tu aber von mir nicht erwarten, sagte Mariana, ohne ihr Gesicht abzuwenden. Heiraten willst Tu? Heiraten— liegt nicht in unserer Macht. liebe mich nur. Marianuschka, sagte Lukascbka lächelnd und ihr tief in die Augen schauend. Seine düstsrn Züge hatten sich erhellt. und er war wieder milde, untertvürfig und zärtlich geworden. Mariana schmiegte sich an ihn und kützte ihn herzhaft auf den Mund. Mein Freund, flüsterte sie und drückte ihn leidenschaftlich an ihre Brust, dann ritz sie sich plötzlich los» lief davon und bog, ohne sich umzusehen, in das Tor ihre» Haufes ein. Der Kosak bat sie. noch einen Augenblick zu warten und zu hären, was er ihr noch sagen wollte, aber Mariana ging unauf- haltsam weiter. Geh', die Leute werden uns sehen, sagte sie. Sieh mal. da geht auch, glaub' ich» unsere Einquartierung, der Teufel, im Hofe umher. Tie Fähnrichstochter.— dachte Lukaschka bei sich.— will heiraten... Heiraten ist eine andere Sache, lieben sollst Tu mich." Er traf Nasarka bei der Famka und zechte mit ihm. dann ging er zu Tuniaschka und blieb bei ihr trotz ihrer Untreu« über Nacht. 14, Wirtlich giag Clentn in dem Augenblicke, wo Marian» durch da» Tor eintrat, im Hofe auf und nieder und hörte, wie sie sagte: Die Einqartierung. der Teufel, geht da im Hofe umher. Den ganzen Abend hatte er mit Onkel Ieroschka auf dem Treppenflur seiner neuen Wohnung verbracht. Er hatte sich einen Tisch, einen Ssamowar. Wein, ein brennende» Licht bringen lassen und bei einem Glafe Tee und einer Zigarre den Erzählungen de» Alten gelauscht, der sich auf die Stufe zu seinen Fützen gesetzt hatte. Obgleich kein Windchen wehte, tropfte da» Licht und flackerte die Flamme nach allen Seilen und beleuchtete bald eine Seit? de? Treppendaches. bald Tisch und Geschirr, bald das geschorene Meitze Haupt de» Alten. Nachtfalter flatterten umher, stiegen sich an Tisch und Gläsern und lietzen ihren Alugelstaub zurück; bald kreisten sie um die Flamme, bald flogen sie aus dem hellen Lickt- kreis in die dunkle Nachtluft. Olenin und Jerofchka hatten fünf Flaschen Wein getrunken, �mwer, wenn Jcroschka die Gläseu gefüllt hatte, reicht? er eines Olenin, stietz mit ihm auf feine Ge- sundheik an und sprach unermüdlich weiter. Er erzählte von dem Leben der Kosaken in alter Zeit, von feinem Vater mit den Riesenschultern, der allein einen Eber von zehn Pud Gewicht auf seinem Kücken heimtrug und in einer Eitzimg zwei Eimer Wein trank. Er erzählte von der guten alten Zeit, in der er gelebt hatte, von seinem Freunde Gmsckik, mit dem er zur Zeit der Pest Filzmäntel vom Terek herübergebracht hatte; er erzählte von einer Jagd, auf der er an einem Morgen zwei Hir>'che erlegt hatte; er erzählte von seinem Schätzchen, die ihm zur Nacht auf die Grenz- wache nachgelaufen kam; und er erzählte illes dies so beredt und lnalerisch, botz Olenin unmerklich die Zeit verging. Siehst Du. mein Freund, sagte cr. Tu hast mich nicht gekannt iri meiner Blütezeit, was hätte ich Tit da alles gezeigt? Jetzt hat Onkel Jeroichka..den Krug geleckt". Damals hatte der Name Jeroschka Klang im ganze» Koiakenkande. Wer hotte das beste Pferd? Wer einen Gurda- Säbel?*) Mit wem zecht? man am •) Guido war ein beliedicr Meister; seine Säbel und Tolche wurden im Kaukasus außerordentlich geschätzt. liebsten? Wen schickie man in die Tergc. den Achmek-Than zn töten? Jerofchka und immer Jeroschkc». Wen lieben die Mädchen? Immer wieder Jeroschka. Denn ich war ein echter Tshigit, ein Trinker, ein Dieb, die Pserdeherden in den Bergen fiel ich cm. ein Sänger,— cm Tausendsassa. Jetzt gibt es solch? Kosaken nicht mehr. Ich sage es mit Verdruß. Kaum höher vorn Boden als so sJerolchka zeigte etwa eine Elle hoch) ziehen sie lächerliche Stiefel an. alles glotzt sie an. und das macht ihnen Freude, oder sie saufen sich voll— ja, sausen sich voll, nicht wie Menschen, sondern, weih Gott, wie? Aber was war ich?— Ich war Droschka, der Dieb; nicht bloß in den Kosakendörfern, im ganzen Gebirge kannte man mich, Fürsten suchten mich zum Freunde, ich war mit allen Freund, Tatar oder Armenier, Soldat oder Offizier, mir war» gleich, wenn«r nur trinken konnte. Tu sollst dich rein halten, sagen sie. vom weltlichen Verkehr: mit einem Soldaten trinke nicht, mit einem Tataren iß nicht. Wer sagt das? fragte Olenin. Unsere Lehrer.... und höre erst, was der Mulah und der tatariscke Kadi sagen: Ihr ungläubigen Giauren, sagt er, warum esset Ihr vom Schwein? So hält also jeder sein Gesetz; nach meiner Meinung aber ist alle» einerlei: Alles hat Gott den Menschen zur Freude geschaffen. In nichts ist Sünde. Nimm z. B. ein Tier. Es lebt im katarischen Schilf und in unserm. Wo es hiniommt, da ist es zu Hause. WaS Gott gibt, das frißt eS. Die unfern aber sagen: Wir werden dafür»Pfannen lecken". Ich meine, das ist alles ein und derselbe Betrug, fügt? cr nach einer kurzen Pause hinzu. Was ist Betrug? fragt? Olenin. Was die Lehrer sagen! Bei uns. Freund, in Tscherwleuajcv lebte einmal ein Offizier. Er war mein Freund. Ein braver Kerl, so wie ich. In der Tschetschnja wurde er getötet. Ter sagte. daß die Lehrer das alles aus ihrem eigenen Kopfe herausholen. Du krepierst, sagte er. auf Deinem Eriche wächst das Gras, und das ist alles.(Der Alte lachte.) Er war ein toller Kerl. Und wie alt bist Du? fragte Olenin. Das weiß Gott! Siebenzig Jahre werden'S sein. Als ihr ein? Zarin hattet, da war ich schon ein großer Bub. Zähl' also nach, wieviel es sein können. Siebenzig Jahre werden'S sein. Ja. so ist s. aber Tu bist noch«in tüchtiger Kerl. Ja. Gott sei Dank, ich bin gesund, ganz gesund; nur hie Hexe von einem Weib hak mich verdarben. " Wie? Ja. sie hak mich verdorben.... Also wenn Tu stirbst, wächst Gras auf Deinem Grabe? wieder- holte Olenin. Jeroschka hatte offenbar keine Lust, seine Gedanken klar aus, zudrücken; er schwieg eine Weile. Und was hast Du geglaubt? Trinkt tief er und erben lachend fein Glas. kZortsetzuug folgt.) (lkcte-)Zusstellung. Bei S ch u l t e ist eine Kollektion von Gemälden des Münchener Meisters Fritz v.Uhde zu sehen. Uhde, der im Mai dieses Jahres seinen sechzigsten Geburtstag feierte, gehörte in der Zeit. da der Naturalismus und Impressionismus seinen Einzug in die deutsche Kunst hielt, zu den energischsten und begabtesten Bar, kämpfern der modernen Richtung. Er war in seiner Jugend» sächsischer Kovallerieossizier gewesen und hatte al» Rittmeister seinen Abschied genommen, um sich der Kunst zu widmen. In denr ungarischen Maler Muntaezy in Pari» fand er den ersten ver-- ständmsvollen Lehrer und arbeitete sich rasch in die Manier dieses Meisters ein, degcn Ralweif? zlmschen dem französischen Im- presfionismus und dem deutschen Realismus der t8?Yer Jahr? die Mitte hielt. Tann suchte der bereits dreißigjährige Kunst- jünger in den Werken der alten niederländischen Maler neue» fruchtbarere Anregungen. Franz Hals vor allem wirkte auf ihn ein. Es war dieselbe Entwickelung, die Uhdes Kampfgenosse Mag Liebermann durchgemacht hat, der ebenfalls au» Munkaczhs Schul? zu den Holländer» kam und hier teils unter dem Einfluß der allen Meister." teils unter dem des modernen FreikrchtmalerS Joseph Israels zum Verständnis des neuen künstlerischen Zeitgeistes und der eigenen Individualität heranreifte. Aus diesen Jahren deS hilflosen llmhcrtastens und der allmählich zielsicher werdenden Borbereitung und fortschreitenden Erftarkung enthält die Aus- siellung mehrere Arbeiten. Die arg dilettantischen Versuche �Jm Klostcrgartcn".„Irrlicht",„Bacchantin" slbllö und!8llS) zeigen eine deutliche Anlehnung an den damals hochgeschätzten Wiener Koloristen Makart, aus drei Rciterbildern spricht der Geist der Münchcner Pilochschule und in dem breit hingestrichenen Gemälde „Altes Weib mit Biertrug" erkennt man den Einfluß des Franz Hals. Erst das 1883 entstandene Bild„Der Leierkastenmann kommt" kann als freie und selbständige Schöpfung Uhdes gelten. ES ist. ebenso wie das„Lesende Mädchen", in hellen, bunten, etwas unruhig wirkenden Tönen mit allzu starker Hervorhebung � der Lokalfarben spitzpinselig gemalt. Tie altmeisterliche Auffassuno cn5 Tong Der Herr erschreckt:„Ich wollte sagen: Sie brauchten mir einetl Polizisten mitzuschicken." Ter Sekretär außer sich:«Ja, natürlich! Ich werde meine Leute zu ISrcr Vcvsügung stellen Z Die Polizei ist nur fiir Sie dal Um den Herrn zu begleiten I Um jür den Herrn auf den Beinen zu sein!" Der Herr, ganz eingeschüchtert:„Wenn Sie es vorziehen, sich selbst zu überzeugen.. Der»ehixtär aufspringend:„Ich? Ick? Sie wollen, dost ich mich stiren W** Warum nicht gleich der Herr Kommissar, oder NrrHw&.üst!r. sagen Sic?" � i! iVv Hetr zienkt klugerweise vom Tbema ab:„Uebrigens babe ich-noch Papiere bei niir: hier meinen Trauschein, meinen Mililärpah,. ' Der Sekretär Iveist alles mit eutriisteier Ungeduld zurück:„Wa? meinen Sie, was die mich kümmern?" „Aber da-Z sind docti bebördlicke Urkunden!° „Nnn. und? Kann man die nicht gefunden oder gestohlen haben?' Der Herr autzer sich:„GeslotUen? Was sagen Sie? Gestohlen l Sie behandeln mich hier als Dieb?" Der Sekretär:„Das nickt. Aber kenne ich Sie denn, weiß ich denn, wer Sic sind! Ick habe Sie noch nie gesehen." Der Herr:„Aber wenn ick mich doch hier ausweise l' Der Sekretär schreiend:„Tamil beweisen Sie mir gar nichts I" Der Herr mir ptöhlicker Erleuchtung zieht seine gestempelte Photographie au-Z der Taicke:„Ach. hier habe ich noch etwas, hier ist mein Eiseiibalulaboniienienr." Der Sekretär unerschütterlich:„??* Der Herr bestürzt:„Genügt das auch nicht?" Der Sekretär:„Steht im Gesex etwas von Eisenbahnabonncment, ja oder nein?" Der Herr furchtsam:„Damals gab eS doch noch gar keine Eisenbahnen!" Der Sekretär feierlich:„Also sehen Sie, im Gesetz steht: Die Gegemvart zweier Zeugen beweist die Identität. Also holen Sic sich zwei Zeugen." Der Herr kopslos:„Aber jetzt gleich... Der Mensch, der eben da war, den die beiden Polizisten brachten, dem haben Sie ge- glaubt, als er Ihnen seinen Namen'agre, und mir. einem achtbaren Manne.. Der Sekretär drückt sich um die Antwort:„Wollen Sie sich zwei Zeugen suchen oder nicht?" Der Herr verzweifelt:„Wo soll ich denn jetzt zwei Zeugen her- nehmen? Dann kann ich ja den ganzen Tag hermnlausen I" Der Sekretär zuckt mitleidig die Achseln:„Das ist sehr schwer. Da gehen Sie drüben zu dein Weinhändler gegenüber und zu dem Dienstmann an der Ecke und Sie brauchen den beiden nur ein Glas- Wein zu spendieren, so beschwören sie Ihre Identität.. Der Herr entrüstet:„Aber.. aber.. die kennen mich ja gar nicht!" Der Sekretär mit erhabener Miene:„Run, waS tut da?? Die find schon für mehr als lausend Personen Zeugen geivesen und haben die auch nicht mehr gekannt als Sie." kleines feuilleton. I,.panische Sprichwörter. In der Halbmonatsschrift„NuS fremden Zungen" teilt W. M. Jbler eine Reihe japanischer Sprich- Wörter und Sinnsprüche mit, von denen die folgenden hier wieder- gegeben seien: Ein Frosch im Brunnen weiß nichts vom großen Weltmeere. m Auch der Fuß des Leuchtturmes ist finster. lieber ihre eigene Person sind auch Wahrsager unwissend. n Weidcnzweigc bricht kein Schnee. sSie sind nachgiebig.) » Auch in der Hauptstadt gibt es Bauern. Aus Kaulquappen können nur Frösche werden.(„Der Apfel fällt Vicht weit vom Stamm.") m Der Löwe schickt sein Junges ins Tal; lasse da? Kmd reisen, »veicheS du liebst.(Fern vom Hause gewinnt man Lebenserfahrung.) M Smaragd und Kristall glänzen nur, wenn sie geschissen sind. Auch da? Besteigen des höchsten Berges beginnt vom Tale aus. » Selbst ein Bauer, der ein Packpferd führt, sieht in guten Kleiden: anständig auS. verachte die Geringen nicht; auch ein Zoll langes Insekt hat einen halben Zoll verstand. » Mancher kommt zwar in Lumpen, aber sein Herz ist bdn Brokat. Archäologisches. Die Altert um er von Tunis. Die Behörden von Tunis baben jetzt mit aller Energie das große Werk begonnen, daS in der Frcilegung und in der Wiederherstellung der zahlreiche» alten Bauwerke aus punischer, römischer und byzantinischer Zeit gipfeln soll; wenngleich die zur Verfügung stehenden Mittel nur eine schrittweise Berti--Eichung des Planes ermöglichen, schreiten die Arbeiten doch bereit?«c'"q vorwärts. Reben den Ausgrabungen und den Nckonstruktionsarbc..ten an den Ruinen Karthagos, Bulla RegiaS, El-TjcmS KasserineS, Haidras. Thynas und der zahl- reichen weiteren Stätten alter Kultur konzentriert sich die Haupt- tätigkeit zurzeit auf die Freilegung der durchweg außerordentlich gut erhaltenen Baudenkmäler D o u g g a S. In landschaftlich herrlicher Umgebung, am Hange einer Hügelkette, sind hier noch die ansehnlichen Reste einer ganzen alten Stadt erhalten. Inmitten eines OlivenwäldchenS erheben sich noch die alten Denkmäler, eine fast völlig unversehrte Fassade emeS Tempels, der Jupiter, Juno und der Minerva geweiht war, und daneben ein vollkommen er- haltcncS antikes Theater; weiterhin ein vrachtvolles altes Tor. ein punisches Mausoleum, und im Verlaufe per Arbeiten hat man jetzt noch weitere außerordentlich interessante Baudenkmäler auf- gefunden. Wie„A TraverS Le Monde" mitzuteilen weiß, ist das Theater jetzt völlig freigelegt, der Jupitcrtcmpek durch sorgsame Rc- konstruktionen gegen Vernichtung geschützt und ein EaclestiS-Tcmpel unter Schutt und Sandmassen neu aufgefunden worden. Auch an der Stätte des alten Thysdrus, des heutigen El-Djcm, das dem- nächst Station einer im Bau befindlichen Eisenbahn werden wird, arbeitet man daran, das gewaltige alte Kolosseum, das nächst dem römischen zu den größten der Welt zählen soll, vom Sande zu be- freien und die beschädigten Bauteile zu restaurieren. In Sbeitla, wo man hinter einer rechteckigen großen Nmwallung, die die Byzantiner gegen die Ueberfälle der Berber errichteten, drei zu- fammenhängende größere Tcmpelbauten aufgefunden bat, ist ein Flügclbau eines Tempel? bereits wieder völlig hergestellt, und wo vor kurzem noch eine öde Sandwüste sich dehnte, ragt jetzt auch ein wiedererrichtetes altes monumentales Tor empor. Die Erforschung jener Teile des Ruinenfeldes von Karthago, daS jetzt durch den Plan des AnfbaueS eines- neuen Stadtviertels bedroht erscheint. soll beschleunigt werden, und zu gleicher Zeit arbeitet man an der Freilegung der kürzlich aufgefundenen Trümmer alter Seestädte am Golf von Gabeg. Da o«e Staatsmittel von Tunis beschränkt sind, plant man, die Hilfe Frankreichs in Anspruch zu nehmen. Aus dem Gebiete der Chemie. Chemische Wirkungen elektromagnetischer Wellen. Dem unermüdlichen Forschergeist der neueren Zeit haben schon so manche wissenschaftliche Wahrheiten, die man fest- stehend geglaubt hat, weichen müssen. Seit den Tagen von Faraday hat man angenommen, daß der Elektromagnet keinerlei Einwirkung auf lebende Körper ausübe; mehrfach haben sich die Forscher i» das Innere von kräftigen Solenoiden gestellt und, da sie nicht unterscheiden konnten, ob der Strom eingeschaltet tvar oder nicht, die obige Annahme für bestätigt angesehen. Auf diese einsacken Versuche gestützt, hat man. obgleich von Zeit zu Zeit immer wieder die Rede auf den tierischen Magnetismus kam, von weiteren Forschungen bis in die neueste Zeit hinein abgesehen. Vor kurzem bat aber Dr. Rosenthal der Königl. Preußischen Akademie der Wissenschaften Mitteilungen unterbreitet, welche geeignet sind, die bisherigen Annahmen bezüglich der Wirkungslosigkeit des Magnc- tiSmus auf Organismen umzustoßen. Roscnthal beweist, so lesen wir im„Prometheus", daß elektromagnetische Wellen auf gewisse organische Verbindungen eine Einwirkung ausüben, eine Bebaup- tung, die im Hinblick auf die chemischen Wirkungen der Sonnen- strahlen» welche ja auch nichts anderes als elektromagnetische Wellen sind, an sich ziemlich nahegelegen haben muß. Roscnthal, der zu- nächst viel Zeit mit Wellen von hoher Frequenz verloren liat, ist eS gelungen, Lösungen von Zucker, Stärke, Glukose, Protein usw. in Wasser, die innerhalb eines mit intermittierenden Gleichströmen oder Wechselströmen von S bis 10 Ampäre beschickten Solenoids auf- gestellt wurden, zu zersetzen. Zunächst findet allerdings eine ge- wisse Erwärmung der Lösungen statt, allein wenn die richtige Frequenz, die je nach der Art der bcbandelten Stoffe verschieden ist, gewählt wird, so bleibt die Erwärmung nur innerhalb mäßiger Grenzen, während die chemische Zersetzung bald eintritt. Die beste Frequenz für Stärke liegt z. B. zwischen 440 und 480 Schwingungen in der Sekunde, für Proteine zwischen 320 und 300 Schwingungen, während Glukoside und Disaccbarose höhere Frequenzen erfordern. Der Vorgang bei der Zersetzung spielt sich stufenweise ab. Bei der Stärke wurde die Lösung im Verlaufe von zwei Stunden immer flüssiger, Proteine gaben Eiwcißstosfe und Peptone ab, wobei die Reaktionen denjenigen ähnlich waren, welche durch Enzyme, un- organische Gärstoffe, bewirkt tverden. Ein gewisser Zusammenhang zwischen diesen beiden Arten von chemischer Zersetzung ist überhaupt erkennbar, aber leider bedarf auch die Zersetzung durch Enzyme noch immer der wissenschaftlichen Klärung. Was die vorläufig nocki lange nicht abgeschlossenen Beobachtungen von Rosenthal aber schon jetzt ergeben haben, ist die Tatsache, daß auch der Elektro- iuagnetismus Wirkungen auf organische Körper ausüben'kann, Wirkungen, welche allerdings im allgemeinen zu schwach sind, um bemerkt zu werden, die aber immerhin geeignet sein tonnten. manche Aufklärung für gewisse Erscheinungen in der Elektrotherapie. vielleicht sogar in der menschlichen Psychologie, z. B. der Hypnose, zu liefern. Berantwortl. Redakteur: Hans Weber, Berlin.— Druck u. Verlag: Vorwärt» Buchdruckerei u.verlagtanjtaltPaul Singer&®0..83etlin SW.