Nnterhaltungsblatt des Horwärts Nr. 2l7. Sonnabend den 7 November. 1903 ol Ich bin ein Jäger, im ganzen Kosakenlandc gwt's meinesgleichen nicht, jedes Tier, jeden Bogel finde ich Dir. und wo und wie— alles weiß ich; einen Hund have ich, zwei Flinten, Netze, eine Stute, einen Habicht, alles habe ich, Gott sei Tank. Bist Du ein echter Jäger und kein Prahler, so will ich Dir alles zeigen. Solch ein Mensch bin ich. Jede Spur finde ich. Ich kenne das Tier gleich und weiß, wo es lagert, wo es trinkt, wo es sich wälzt. Ein Auhebänkchen mache ich mir, sitze die ganze Nacht und wache, was soll ich auch zu Hause sitzen! Da sündigt man nur und säuft sich voll, dann kommen noch die Weiber, gibt es Geschwätz und Gewäsch, die jungen schreien, daß einem der Kopf brummt. Wie anders ist es, wenn man im Dämmerlicht hinausgeht und sich ein Plätzchen sucht, das Schilf niederdrückt, sich hinkauert und da fitzt und wartet. Man weiß alles, was im Walde vorgeht, man schaut zum Himmel einvor— da wandeln die Sterne, und man betrachtet sie. um zu sehen, wie lang es noch biS zum Morgen ist, man ichaut rings um sich her— der Wald rauscht, und man wartet und gartet, ob es nicht bald knistert, ob nicht bald ein Eber zum Stelldichein kommt, man hört, wie die junAen Ädler kreischen, ob im Dorfe die Hähne krähen odex die Gänse schnattern. Sind's die Gänse, so ift'S noch bor Mittern ckllü. Alles das weiß ich. Und wenn irgendwo in der Ferne eine Flinte kracht, kommen einem allerlei Gedanken: wer hat wohl geschossen, denkt man; ein Kosak, der wie ich auf ein Wild lauert? Hat er es getroffen oder nur anqeschossen, und läuft das arme Ding jetzt durch das Schilf und färbt es unnütz mit Blut? Das mag ich nicht, wozu ein Tier anschießen? Dumm- heit, Dummheit— oder denkt man sich— vielleicht hat ein Abreke einen armen, dummen Kosaken erschossen? Das geht einem alles im Kopf herum. Einmal saß ich am Wasser und sieh da. eine Wiege touimt angeschwommen. Sie ist ganz unversehrt, nur der Rand ist abgebrochen. Was kommen mir da für Gedanken I Wem kann die Wiege gehören? Eure Teufel von Soldaten, denke ich, müssen in den Aul gekommen sein. Tschetschenzen gefangen haben, und einer von den Teufeln hat ein Kind getötet; faßt's an den Beinen und schlägt's an eine Ecke. Machen sie'S nicht so? Ach. die Menschen haben kein Herz!... Solche Gedanken kamen mir und mir ward schwer ums Herz. Die Wiege, denke ich. haben sie ins Wasser geworfen, das Weib fortgejagt, das Haus in Brand gesteckt und der Dshigit hat die Flinte genommen und ist auf unsere Seite herübergekommen zu plündern. So sitzt»-.an da und denkt. Hört mau aber, wie durch das Dickicht eine Herde bricht. dann klopft's innen. Wartet. Kinder! sie wittern einen, denkt man. Man sitzt da und rührt sich nicht, das Herz geht poch, t-och, poch! Es springt förmlich niit einem in die Höhe. In diesem Frühling kam i'o eine schöne Herde heran.„Im Namen des Baters und»es Sol,,i«§.".... Ich wollte eben losdrücken, da schnaubt Ms Alte ihren FerMa zu: Hütet Euch, Ksttder, da lauert ein Men'ch! un? alle schlagen sich knisternd inZ Gebüsch. Als halle sie die Erde verschlungen! Aber wie hat denn die Sau den Ferkeln gesagt, daß ein Mensch da sitzt? fragte Olenin. Was denkst Tu denn, denkst Du, es ist so dumm, das Tier? O nein, et. ist klüger als ein Mensch, wenn es auch Sau heißt. Das Tier weiß alles; nimmt z. B., der Mensch geht Über eine Spur und merkt es nicht; wenn aber die San auf Deine Spur stößt, gleich wittert sie's und läuft davon; sie hat also Verstand. Du spürst Deinen Geruch nickt und sie empfindet ihn; und noch eins: Dm willst sie töten, sie aber will lebendig im Walde umher- gehen. Du hast solck ein Gesetz, nnd sie hat solch ein Gesetz. Sie ist eine Sau, und doch ist sie nicht schlechter als Du; sie ist auch ein Geschöpf Gottes. Ach was! Dumm ist der Mensch, dumm. dumm ist der Menscki! wiederholte der Alte etliche Male und ließ den Kopf nackdentlich sinken. Auch Llenin wurde nachdenklich. Er stieg die Trepp« hinunter. legte"die Hand' au k den Rücken und ging schweigend auf dem Hofe auf und nieder. Jcroschka wurde wieder lebhaft, erhob den Kopf und betrachtete aufmerksam die Nachtfalter, die um die flatternde Flamme des Lichts herumschwirrten und sich die Flügel ver- brannten. Närrisches Ding, närrisches Ding, sagte er, wo fliegst Tu hin? närrisches Ding, närrisches Ding!— Er stand auf und begann mit seinen dicken Fingern die Schmetterlinge zu verscheuchen. T« verbrennst ja, närrisches Ding! Flieg' doch hier herum, hast ja so viel Platz, sagte er in zärtlichem Tone und gab sich Mühe, ihre Flüael mit seinen dicken Fingern zu fasten und sie hinauszulasten. — Du richtest Dich selbst zugrunde und tust mir leid. So saß er noch lange da und schwatzte und trank. Oernn ging auf dem Hofe hin und her. Plötzlich schlug ein Flüstern von draußen an sein Ohr. Olenin hielt den Atem an und hörte deutlich das Lachen einer Frau, die Stimme eines Mannes und den Sckall eines Kuffes. Absichtlich raschelte er mit den Füßen im Grase und ging auf die andere Seite des Hofes. Nach einiger Zeit knarrte der Zaun. Ein Kosak im dunklen Tscherkcffenrock un!� mit einer weißen Feder cm der Mütze— es war Lura— ging den Zaun entlang, und eine hochgewachsene Frauengestalt in einem weißen Gewände schritt an Olenin vorüber. Du gehst mich und ich gehe Dich nichts an. schien ihm der kräftige Gang MariankaL zu sagen. Er folgte ihr mit den Blicken bis zur Treppe der Wirts» stube und beobachtete sogar durchs Fenster, wie sie ihr Tuch ab- nahm und sich auf die Bank setzte. Und plötzlich ergriff die Seele des jungen Mannes das bange Gefühl der Einsamkeit, die Empfindung unbestimmter Wünsche und Hoffnungen und eines ziellosen Neides. Die letzten Flammen in den Häusern waren erloschen, die letzten Laute im Torfe waren verstummt. Di« Zäun«, das weiß- schimmernde Bieb in den Höfen, die Dächer der Häuser, die laut- losen Linden, alles schien in einem gesunden, friedlichen, wohlverdienten Schlafe zu liegen; nur das ununterbrochene Ouakerr der Frösche schlug gellend aus feuchter Ferne an daS Iau'ck>ende Ohr. Im Osten verschwanden allmählich die Sterne und schienen in der wachsenden Helligkeit zu verschwimmen, über dem Torfe aber standen sie dichter und glänzender. Der Alte hatte den Kopf auf den Arm gestützt und war eingeschlummert. Ein Hahn krähte auf dem Hofe gegenüber. Olenin ging, beständig mit seinen Ge- danken beschäftigt, auf und nieder. Die Klänge eines niehr- stimmigen Liedes schlugen an sein Ohr. Er trat an den Zaun und horchte auf. Junge Kosakenstimmen sangen ein lustiges Lied, und vor allen hörte man eine kräftige, junge Stimme heraus. Weißt Du. wer dort fingt? fragte der Alte, der wieder munter geworden war. Lukaschka, er ist ein Dihigit. Er hat einen Tschetschenzen erschossen, darum freut er sich. Warum freut er sich da? Der Narr, der Narr! Hast Du je einen Menschen getötet? fragte Olenin Ter Alte erhob sich plötzlich, auf beide Ellbogen gestützt, und brachfe sein Gesicht ganz nah an Olenins Gesicht heran. Teufel! schrie er ihn an, was fvagst Du! Davon spricht man nickt. Eine Seele zu vernichten,— ach, das drückt!— Leb' wohl, mein Freund! Nun habe ich mich satt gegessen und getrunken. sagte er und erhob sich. Soll ich Dich morgen zur Jagd abholen? Ja. Schön; stehe früh aus. uud verschläfst Du's. so zahlst Du Strafe. Ich werde wohl früher als Du aufstehen, antwortete Olenin. Der Alte ging. Das Lied war verstummt. Man hörte Schritte und munteres Geplauder. Kurz darauf ertönte wieder das Lied, aber aus größerer Entfernung, und JeroschkaS mächtige Stimme hatte sich mit den Stimmen von vorhin vereinigt. Was für Menschen, was für ein Leben? dachte Olenin, seufzte auf und ging allein in sein Zimmer zurück. 16. Onkel Jeroichka ivar Kosak in der Reserve und stand allein in der Welt. Seine Frau war zum orthodoxen Glauben über- getreten, sie war ihm davongegangen und hatte einen russischen Feldwebel geheiratet. Kinder hatte er nicht. Es war keine Prahlerei, wenn er von sich erzählte, er iei in alten Zeiten Ver erste Kosak im Dorfe gewesen. Im ganzen Kosakenlande war er durch seine Tapferkeit bekannt. Er hatte mebr''"en TichetscheNie-, getötet, und such Russen hatte er auf seinem Gewissen. Er war in den Bergen herumgestreift, er hatte auch bei den Russen ge- stahlen, er hatte auch zweimal im Gefängnis gesessen. Den größten Seil feines Lebens hatte er auf der Jagd und im Walde verbracht, wo er sich oft nur von einem Stückchen Brot nährte uns nichts als Wasser trank. War er aber im Dorfe, so zechte er von morgens bis abends. Als er von Olenin nach Hause kam, schlief er etwa zwei Stunden. Vor Tagesanbruch noch erwachte er. Er blieb aber in seinem Bette liegen und dachte über den Menschen nach, den er gestern kennen gelernt hatte. Olenins Schlichtheit hatte ihm sehr gut gefallen.(Schlichtheit in dem Sinne, daß er ihn reichlich mit Wein bewirtet hatte.) Auch Olenin selbst hatte ihm gefallen. Er wunderte sich darüber, daß die Russen alle schlicht und reich find, nnd wie?s kommt, daß sie alle nichts wissen und dock gelehrt find. Alle diese Fragen überdachte er, auch die, was er sich wohl ' von Olenin erbitten könnte. Onkel Jeroschkas Hütte war ziemlich gross und nicht alt. aber man sab ihr an, dass die Frau darin fehlte. Im Gegensatz zu der üblichen Reinlichkeit der Kosaken war das ganze Zimnier unsauber und in grösster Unordnung. Auf dem Tische lagen herumgeworfen ein blutiger Kittel, ein halber Fladen und neben ihm eine gerupfte nnd in Stücke zerrissene Dohle zur Fütterung des Habichts; auf den Bänken lagen umher- gestreut: Schuhzeug, eine Flinte, ein Dolch, ein Beutel, feuchte Kleider und Lappen. Im Winkel in dem Zuber mit schinutzigem, stinkendem Wasser lagen andere Futzlappcn zum Weichen, daneben stand eine WindbüciUe und ein Locker. Auf dem Fussboden lag ein Netz, mehrere geschossene Fasanen, und um den Tisch herum spazierte ein Hühnchen, das an einem Bein festgebunden war, und pickte die Brosamen von der schmutzigen Diele auf. In dem ungeheizten Ofen stand eme Schale, mit einer milckähnlichcn Flüssig- keit, auf dem Ofen piepste ein Steisssuss, der sich Mübe gab. sich von seinem Schnürchen loszureissen, und ein Habicht in der Mauser � sass am Rande, schielte nach dem Hühnchen und drehte von Zeit zu Zeit seinen Kopf von reckts nach links. Onkel Jeroschka selbst lag auf dem Rücken auf einem kurzen Bette, das zwischen Wand und Ofen stand. Er war nur mit einem Hemd bekleidet, hatte die kräftigen Beine über den Ofen gestreckt und rieb mit seinem Daumen die«chrammen an seiner Hand, die ihm der Habicht. den er ohne Handschuhe zu tragen pflegte, gekratzt batte. Im ganze» Zimmer, besonders in der Nähe des Alten selbst, war die Luft von einem parken, aber nickt unangenehmen Geruch ge- schwängert, weichet den Alten überall hin begleitete. llide-ma, Onkel?(b. h. bist Du zu Hause, Onkel?) liess sich «die kräftige Stimme durchs Fenster vernehmen. Er erkannte sofort die Stimme seines Nachbars Luiaschka. Uide, uide, uide!.... bin zu Hause, komm herein? schrie der Alte. Nachbar Marka, Luka Marka, warum kommst Du zum Onkel? oder gehst Du auf Posten? Der Habicht fuhr bei dem Schrei seines Herrn zusammen, schlug mit den Flügeln und zerrte an seinen Fesseln. Ter Alte liebte Lukaschka. Ihn allein nahm er aus von seiner Verachtung des ganzen jungen Geschlechts der Kosaken. Ausser- dem gaben Lukaschka und seine Mutter als Nachbarn dem Alten oft Wein, Rahm und mancherlei andere Wirtschaftsvorräte, die Jeroschka fehlten. Onkel Jeroschka, der sein ganzes Leben hin- durch von Stimmungen beherrscht war. erläuterte doch jetzt seine Beweggründe in pratttscher Weise. Warum nicht? sie sind wohl- habende Leute, sagte er zu sich selbst, ich bringe ihnen frisches Wild, ein Hühnchen, und sie vergessen den Onkel nicht, bald ein Pastetchen, bald einen Psannkuckjen. Guten Tag. Marka, ich freue mich, dass Du kommst, rief der Alte heiter und zog mit rascher Bewegung die nackten Füsse vom Bett, sprang auf. machte zwei, drei Sehritte über die knarrenden Dielen, und betrachtete seine auswärts gerichteten Beine, sie kamen ihm plötzlich ganz komisch vor. Er lächelte, stampfte ein und das anderemal mit der nackten Ferse auf und machte einen .Ausfall".— Geschickt, was? fragte er und blinzelte mit seinen kleinen Augen. Lukaschka lächelte kaum merklich.— Wie geht's auf dem Posten? fragte der Alte. Ten Wein bringe ich Dir. Onkel, den ich Dir auf der Wache versprochen habe. Der Heiland schütze Dich, sagte der Alte, hob seine Kleider und sein Besckmet auf, die auf der Diele umherlagen, kleidete sich an. zog den Gürtel zu, gotz Wasser aus dem Scherben auf seine Hand, wischte sie an den alten Hosen ab, ordnete mit einem Stückchen Kamm seinen Bart und trat vor Lukaschka hin.— Fertig, sagte er. Lukaschka nahm den Becher, wischte ihn aus. goss Wein hinein, setzte sich aus die Bank und reickte ihn dem Onkel zu. Auf Dein Wohl! Im Namen des Vaters und des SohneS, sagte er und nahm fröhlich den Wein entgegen. Werde Dir, was Du wünschest. Werde ein Held und verdiene Dir ein Kreuz. Auch Lukaschka tvank vom Wein mit einem Wunsche und stellte ihn wieder auf den Tisch. Der Alte erhob sich brachte einen getrockneten Fisch legte ihn auf den Boden, zerschlug ihn und klopfte ihn mit einem Stock, damit er weicher werde, dann legte er ihn mit seinen schwieligen Händen auf seinen einzigen grünen Teller und stellte ihn auf den Tisch. Ich habe alles, auch einen Imbiß, Gott sei Dank, sagte er stolz.— Run, wie steht's mit Mossew? Lukaschka erzählte, wie der Unteroffizier ihm die Flinte weg« genommen habe; er wollte offenbar die Ansicht des Alten darüber hören. Um die Flinte dränge ihn nicht, sagte der Alte, gibst Du ihm die Flinte nicht, m bekow.nst Du auch keine Belohnung. Ach, was? Welche Belohnung könnte ein Rekrut bekommen? Und die Flinte ist wertvoll, eine Krimflinte, 80 Münzen kostet sie. Laß das. Ich habe auch einmal mit einem Hauptmann einen Streit gehabt, er wollte ein Pferd von mir haben. Gib mir das Pferd, sagt er, und ich schlage Dich zum Fähnrich vor. Ich gebe es nickt und bekomme auch nickts. Aber Onkel, ich mnss mir ein Pferd kaufen, und jenseits deS Flusses, sagen die Leute, bekommt man kcins unter SO Münzen, und die Mutter hat ihren Wein noch nicht verkauft �Fortsetzung folgt.) (NachdruS bccboten.t Wasserglas. Das Wasserglas, eine chemische glasähnliche Masse, spielt in der Industrie eme bedeutende 3!olle. Wir wollen uns hier jedoch nur mit der Bedeutung des Wasserglases nir die Stein- und Kunststeinrndustrie sowie mit der Verwendung des Produktes im Bauwesen desajäfngcn. Das Wasserglas wird durch Schmelzung von Kieselerde mit Kali, Natron oder mit Kali und Natron gewonnen und ergibt eine m Wasser lösliche Verbindung. ES wird, je nach den Bestand- teilen, als Kaliwasserglas. NatronwasserglctZ oder Kaiinairon- wasscrglas bezeichnet. Man kennt dre: verschiedene Darstellung-?- merhoden für Wasserglas.„1. Jene, bei welcher die Mischung der Rohmaterialien, der Glassatz geschmolzen und die ertaltcte Schmelze in lochendem Wasser gelöst wird. Man bezeichnet sie als Schmelzmethode(Fuchs, Buchner. Schürr). 2. Diejenige, bei welcher Kieselerde in Puloersorm unter einem Druck von 7 bis 8 Atmosphären in starker Kali- oder Natronlauge gelöst wird; nasse Methode(Kuhlmann, Liebig, Sauerweins. 3. Diejenrge. bei welcher Chloralkalien(Chlornatrium. Chlortalium) verslüchtet und mit überhitztem Wafferdamps vermischt durch glühende Kiesel- erde in kieselsaure Alkalien und Chlorwasserstoff zersetzt worden.— Diese Methode nennt man Berdampsungsmethode(Gossagc. Ungerer). Das Produkt läßt sich mit cmcr beliebigen Menge Wasser mischen und soll vollkommen klare Lösungen ergeben" (Ande.) Im Handel unterscheidet man 33- und Wprozentiges Wasser» glas, d. h. es befinden sich 33 bezw. 88 Proz. festen Wassergmseö tn 100 Teilen Lösung. Ein Hauptvorzug des Wasserglases besteht darin, daß es die Gegenstände, aus welche eS in flüssigem Zu- stand« aufgestrichen wird, gegen die Einflüsse der Witterung schützt, doch kommen nur solche Körper in Betracht, die das Wasserglas auszusaugen vermögen, also Steine, Putzmörtel, Holzwerk usw. An der Oberfläche bildet sich eine glänzende, glasartige, dünne Schicht, die aber naturgemäß vollkommen klar und durchsichtig sein muß, damit der Gegenstand nicht entstellt werde, wie dieses namentlich bei Kunststeinen, Anstrichen von Architekturteilcn usiv. ins Ge- wicht fällt. Verdünnt man jedoch das Wasserglas mit gewöhn- lichem Wasser, so wirken die Kalk- und die Magnesiasalz« desselben zersetzend aus die Masse und trüben die Lösung; und deshalb empfiehlt es sich, nur abgekochtes Wasser zur Lösung des Wasser- glascs zu verwenden. Die glänzende Deckschicht ist nicht beständig, sie wird von der Kohlensäure der Luft zersetzt und blättert ab. Dennoch bleiben die mit Wasserglas getränkten Körper sehr lange Zeit hindurch wetterbeständig, denn den Schutz bildet namentlich die in die Poren eingedrungene Masse. Eine andere wichtige Eigenschaft deS Wasserglases besteht darin, daß namentlich poröse und lockere Gesteinsmasscn. wie Sandstein, Kunststein, Ziegel, Töpferwaren usw., die das Wasser- glas begierig aufsaugen, eine größere Dichtigkeit und Härte er- halten." Aus diesem Grunde wird die Masse in giemlich um- fassender Weise für die Fabrikation von Äunststeinmassen verwendet. DaS Wasserglas besitzt noch eine ganze Reihe interessanter chemischer Eigenschaften, die das Produkt für die eine oder andere Technik geeignet machen. Werden zum Beispiel alkalische Erden mit einer Wasscrgiaslösung gemischt, so wird etwas Alkali frei, und die Erden vereinigen sich mit der Kieselerde und dem übrigen Kali zu einer im Wasser unlöslichen Verbindung. Auch Tonerde ergibt mit Wasserglas ein unlösliches Produkt. Dagegen würde Wasserglas für GipS einen sehr ungeeigneten Zusatz bilden; es zeigt sich nämlich, daß Gips mit WasserglaSzusatz sofort ins Stocken gerät, und beim Trocknen der Masse bilden sich an der Oberfläche AuZblühungen von schwefelsaurem Kali und schwesel- saurem Natron. Tie Mischung zersetzt sich, ohne zu erhärten. Das Natronwasserglas findet in umfassender Weise zu feuer- festen Anstrichen Verwendung. Tie aus Wasserglas und einem Farbkörper bestehenden Wagerglasfarben trocknen im Gegensatz zur Oelsarbe matt aus und werden für Holz, Stein, Mauerwerk und Eisen verwendet. Diese Wasscrglassarben-Anstriehe haben uiannigfache Vorzüge, aber die Auswitterungen euistellea die K lache r.icht selten, und das ist ein Hauptgrund, weshalb man fast überall, wo es auf ästhetische Wirkungen ankommt, doch der Oel- färbe den Vorzug gibt. Hauptvorzuge des Wasserglasanstriches bestehen aber darin, das; er weit billiger als Oelfarbe ist, daß er nicht nachdunkel' wie Oel- oder Firnissarbenanstrich, daß er das Holzwerk gegen Schwamm und Fäulnis wie gegen den Angriff des Feuers schützt. Aber ein großer tlnlerschied besteht darin, daß man in der Auswahl der Farben twch sehr beschränkt ist, daß viele Erd- und Metallfarben in der Mischung mit Wasserglas ihre Nuancen verändern oder sofort unlösliche Verbindungen mit der Kieselsäure in der Masse eingehen. Im übrigen wissen wir bereits, daß die atmosphärische Luft die äußere Schicht Zersetzt, so daß dieselbe abblättert. Auch wird sie nicht nur durch die atmo- sphärische Luft, sondern auch durch schwache Säuren angegriffen. Noch eine andere Schwierigkeit besteht darin, daß die Farbe schon kurz nach der Arbeit zu erstarren beginnt, weil sofort die zer- setzende Wirkung des Wasserglases aus den Farbkörpcr eintritt. Dennoch sind die Wasscrglassarben für mannigfache Zwecke sehr beliebt. Auch lassen sich mit solchen farbigen Metalloxyden, die das Wasserglas nicht zersetzen, sowie aus Farben, die mit der Kiesel- säure des Wasserglases eine im Wasser unlösliche Verbindung eingehen, mannigfache Kitte erzeugen, die unter anderem auch als St«»llitt Verwendung finden. Die umfassende Verwendung des Wasserglases in der Kunst- sicin-Jndustrie beruht auf der Bildung gallertartiger Kieselsäure »n den Poren der Kunststeinmassc. Wenn man nämlich eine hin- reichend poröse Masse so lange mit einer Wasscrglaslöjung bestreicht,«Is diese von den Poren aufgesaugt ist, so bildet sich nach längerem Lagern des Steines an der Luft gallertartige Kiesel- säure, an der Oberfläche aber wittert kohlensaures Natron auS. Dieses kann übrigens durch Behandlung deS SteineS mit Wasser beseitigt werden. Dieses Verfahren beruht darauf, daß das Wasserglas bei ge- wöhnlichcr Temperatur durch die Kohlensäure der Luft zersetzt wird, so daß die Kieselsäure ausscheidet. Durch unmittelbaren Zusatz einer Säure, z. B. Essig-, Salzsäure oder dergleichen, er- starrt die WafferglaSlösung sofort zu einer gallertartigen Masse. Man kann nach Lchncr auch in der Weise vorgehen,„daß man den trockenen Stein mit einer Lösung von Chlorkalzium tränkt und dann unter Anwendung von künstlicher Wärme scharf auS- trocknet. Wenn man ihn dann mit einer Lösung von Wasserglas tränkt, so findet in den Poren der Steine die Umsetzung zwischen Chlorkalzium und kicsclsanrcm Natron statt; cS wird kieselsaurer Kalt als unlöslicher Körper ausgeschieden und es wittert das lös- liche Chlornatriuin aus, oder dieses wird durch Waschen des SteineS mit Wasser beseitigt." kleines feuilleton. Der NahrnngSbcdarf deS Ackerbodens. Für die Bestimmung der Menge und Art künstlicher Dungstoffe, deren eine bestimmte Lodenart bedarf, sind zahlreiche Methoden in Vorschlag gebracht worden. Es hat sich herausgestellt, daß die chemische Analyse in manchen Fällen kein ausreichender Behelf ist. Eine der nächst- liegenden Methoden ist die Behandlung deS Problems durch den Versuch. Bestimmte Bodenflächcn werden mit den verschicdeneih Dungstoffen behandelt, während ein entsprechendes Stück Land zur Kontrolle in ungedüngtem Zustande belassen wird. Was die Aus- führung derartiger Bestimmungen am meisten erschwert, ist der Umstand, daß ebenso die klimatischen Verbältnisse wie Pflanzen- krankheiten und Insektenfraß die Ergebnisse sehr beeinträchtigen, so daß es oft jahrelanger Versuche bedarf, che man zu bestimmten Schlüssen zu gelangen vermag. DaS..Bureau of Soils" deS amerikanischen Landwirtschaftsdepartements hat nun, wie die Wochenschrift„Science" mitteilt, auS New Uork im Jahre 1804 ein Verfahren als brauchbar angenommen, das als Drahrkorbver- fahren bezeichnet wird. Es besteht darin, daß Proben der mit den verschiedenen Düngemitteln behandelten Bodenflächen, die mit ge- schmolzencm Paraffin abgedichtet sind, mit Weizen bepflanzt werden. DaS Gewicht der frischen Pflanzen gibt dann einen Maß- ftab für den„Hunger" der betreffenden Bodcnsorte nach gewissen Düngemitteln." Der Vorteil dieses Verfahrens besteht in erster Linie in der Raschhcit der Durchführbarkeit, da seine Ergebnisse fich nach zwei bis drei Wochen übersehen lassen. Solche Versuche sind in letzter Zeit von Dillingham auf den Versuchsfeldern des Boydton-JnstitutS in den Vereinigten Staaten durchgeführt worden. Die Drahlkörbchen, die zur Verwendung kamen, maßen L Zentimeter im Geviert und nahmen etwa ein halbes Kilogramm der zu prüfenden Bodensorten aus. Sie wurden nach der Füllung Vitt der Erde durch Eintauchen in geschmolzene? Paraffin rasch mit der nötigen Schutzschicht umkleidet. Völkerkunde. Di« Höhlenbewohner in der Sahara behandelt F. de Zeltner in den„Bull. d. l. Coc. d'Anthropologie de Paris" in einer längeren Abhandlung, nach wclcker der„Globus" den folgenden AuSzug bringt: Schon früher hatte R. Arnaud solche im «-Twiitv"-»' a.'-bakteur:«ans Weber, Berlin.— Druck u. Verlan: alten Mauretanien, in Dogant und im Hodh nachgewiesen, Primi« tive Nomaden, wie er sagte. Nach Berichten, die er von verschiedenen gut unterrichteten Mauren erhielt, macht uns jetzt de Zeltner mit den Höhlenbewohnern im Norden von Tischit bekannt, die im Ge« birge Uld Bede wohnen und Rouaissat heißen. Ihr Häuptling, der absolute Gewalt besitzt, heißt Lobaß, was vielleicht nur die Würde bezeichnet. Als besonderes Vorrecht hat er den Anspruch auf das Mark aller getöteten Jagdtiere. Die Rouaissat sind große Jäger» die in der trockenen Jahreszeit mit großen Meuten wilder Hunde jagen, sogar den Löwen. Das Fleisch der Jagdtiere wird gedörrt und dient in dev Regenzeit, wenn die Rouaissat sich in ihre Höhlen zurückziehen, als Nahrung. Feuerwaffen besitzen sie nicht, nur Messer und Beile, auch bedienen sie sich der Wurfsteine. Da sie als „unrein" bei den Mauren gelten, heiraten sie nicht unter diesen, und nur wenige der letzteren verstehen ihre Sprache. Mohamme- dancr sind sie nicht. Bestätigen sich diese auf Erkundigungen bc- ruhenden Angaben de Zcltners, so wären tveiterc Nachforschungen über dieses höhlcnbcwohnende Jägervolk sehr cvwünscht, schon allein, um ihre Sprache kennen zu lernen. Verkehrswesen. Elektrisch betriebene Vollbahnen. Während die preußische Regierung wegen des elektrischen Betriebes auf der Städtbahn und anderen Vollbahnstrecken„Erwägungen" anstellt, sind andere Länder, wie z. B. Italien, bereits viel weiter. Allerdings liegt die Frage der Elektrisierung von Voll- bahnen für Italien insofern günstiger, als in Italien einerseits eine große Menge günstig gelegener Wasserkräfte vorhanden ist, andererseits aber" die Kohlen vom Ausland bezogen werden müssen. Auch technische Einzelheiten, wie z. B. die vorhandenen starken Steigungen und die zahlreicben langen Tunnels, ließen den elcktri- scheu Betrieb für die italienischen Vollbahnen besonders wünschen?- wert erscheinen. Der Anfang wurde mit dem elektrischen Be- trieb auf der Ivb Kilometer langen Valtelinabahn und auf der 73 Kilometer langen Strecke M a i l a n d— L a re s c— P or t o Ceresio gemacht. Heute sind bereits 800 Kilometer weiterer Strecke zum Teil im Bau, zum Teil für die Elektrisierung in Aus- ficht genommen, so daß der elektrische Betrieb aus diesen Linien, unter denen sich auch bedeutende Hauptlinien befinden, bis zum Jahre 1811 spätestens eingeführt sein soll. Durch die Elektrisie- rung soll auch, was für einzelne Linien dringend not tut, die Leistungsfähigkeit der Bahnen bedeutend gesteigert werden. Dies ist z. B. für die sogenannte G i o v i l i n> e. welche von Genua über den Avcnnin i» die Pocbene führt und dementsprcckend be- deutende Höhenunterschiede überwinden muß. der Fall. Für diese Linie, die einen besonders starken Güterverkehr aufweist, ist vor- läufig eine Zugfolge von nur 1b Minuten in Aussicht genommen. die später sogar auf 10 Minuten verringert werden kann. Da die einzelnen Züge, deren jeder von zwei elektrischen Lokomotiven gezogen wird, aus 21 Doppelwagen bestehen sollen, können bei einer Betriebsdauer von 20 Stunden täglich zirka 1200 Wagen in jeder Richtung befördert werden. Für die Stromlieferung für diese Bahn sind, da die Elektrisierung zur Erhöhung der Leistung?- fähigkcit unbedingt schnell durchgeführt werden mußte, nicht ein- mal Wasserkräfte ausgenutzt. Es wird vielmehr eine große Zen- trale im Hafen von Genua gebaut, in der die Stromerzeuger durch Dampfturbinen angetrieben werden. Zum Antrieb der Lokomo- tiven von normal 1000 Pferdestärken Leistung dienen Drehstrom- motorcn, denen— ähnlich wie bei der Hamburger Vorortbahn �— direkt hochgespannter Strom zugeführt wird. Die Apparate sind jedoch, wie Giovannoni in der„E.-T. Ztg." berichtet, so angeordnet, daß der Lokomotivführer keine Hochspannung führende Teile zu bedienen hat, wodurch große Betriebssicherheit erzielt werden soll. Die konstante Fahrgeschwindigkeit der Lokomotiven soll mit Rück- sicht auf den Charakter der Bahn als Gütcrbahn nicht mehr«IS 45 Kilometer in der Stunde betragen. Auf den preußischen Bahnen sind für verschiedene Nebenlinien elektrisch betriebene Akkumulatorentriebwagen ein- geführt, die besonders für den sogenannten Nahverkehr oder auch als Ersatz für Dampfzüge in verkehrsarmen Gegenden sowie als Zubringer für Stationen, an denen die Hauptschncllzüge halten, dienen sollen. Diese Triebwagen sind sogenannte Doppelwagen und befielen aus zwei kurzgekuppelten zweiachsigen Einzclwagen. Jeder dieser Einzelwagen enthält in einem Vorbau eine Akkumula- torenbatterie, die gegenüber den anderen Räumen des WagcnS vollkommen abgeschlossen ist, sodaß keine Belästigung durch Säure- dämpfe zu befürchten ist. Diese Batterie liefert den Strom für die zur Fortbewegung des Wagens dienenden Motoren und ist so groß, daß der Wagen 100 Kilometer zurücklegen kann, bevor ein Aufladen der Batterie erforderlich wird. Die Wagen, die 100 Sitz- und Stehplätze enthalten, führen nur 3. und 4. Klasse und sollen m,t einer Höchstgeschwindigkeit von 50 Kilometer in der Stunde laufen. Der Vorteil dieser Wagen ist der, daß sie überall, wo eine Gleich- stromzentrale zum Wiederaufladen der Batterie in der Nähe zur Verfügung steht, ohne daß besondere Zuleitungen usw. erforderlich wären, verwendet tverden können. Ihr Nachteil besteht darin, daß die Betriebskosten besonder? mit Rücksicht auf die Abnützung der Batterien und das große Betriebsgewickt ziemlich hoch sein werden, sodaß diese Wagen doch nur als Ucbergangsstadium zu einem richtigen elektrischen Betrieb betrachtet tverden dürfen.— Sth. Vorwärts Buckdruckerei u.Verl«a»anstaIt Paul Sinne r&6o,.Berlin SW.