Zlnterhaltungsblatt des Horwärts Nr. 2l3. Dienstag, den 10 November. l9l)S (JlcSbtutf Mcbctcn.) � Hndrcaa Vöft. Bauernroman von Ludwig Thoma. 12. Kapitel. Am 6. Dezember kam ein Schreiben des Bezirksamtes zu Händen des früheren Bürgermeisters Kloiber von Erlbach. Es wurde von ihm dem Ausschusse bekannt gegeben am Tage Mariä Empfängnis, am 8. Dezember. Der Schuller war anwesend und hörte zu, als Herr Stegmüller das Schreiben vorlas.«Der Wahl des Andreas Vöst wird die Bestätigung versagt." Stegmüller räusperte sich, als er den Sah gcleten hatte.«Und jetzt kommen die Gründe", sagte er...aber die brauch' ich nicht vorzulesen, die gehen blod den Schuller an, wenn er sich beschweren will." «Mi brauchen's net z'hören." meinte der Kloibcr...mir hams uns blob um dös z' kümmern, dab a neue Wahl ang'setzt wer'n muaß." ,,J will, dab's vorg'lesen werd," sagte der Schuller. Stegmüller sah zu ihm hinüber und schüttelte abniahnend dm Kops. «Wirklich. Herr Böst, das is net notwendig, und warum sollen wir's tun?" «Warum? Weil i koa Hoamlichkeit Hab'." Der Schuller trat vor; sein Gesicht war gerötet. „DöS kam so raus." sagte er,„als wenn i was zum fürchten hält'. I fürcht' dös Papier net, dös Sie in der Hand Hamm, Herr Lehrer." «Das glaub' ich wohl, aber warum soll's jetzt eine Aus- reguna geben? Warum soll ich das öffentlich vorlesen?" «Weil i net mit tua bei dem Bersterkeng'spiel. Was oaner über mi woaß, soll er sag'n, aber net verstohlens, wie's bei die Spitzbuab'n der Brauch is. I ersuach Eahna, leien'S de Schrift, Herr Lehrerl" ..Wenn Sie wollen." sagte Stegmüller und sah den Schuller noch einmal fragend an. «I will's." „Also dann kommen die Gründe. Die Bestätigung wird versagt, hat es geheißen: «Das Bezirksamt findet sich als Aufsichtsbehörde zu dieser Entscheidung auS mehrfachen Gründen veranlaßt. Gegen Andreas Böst sind von Seite des verstorbenen Pfarrers Held Anklagen erhoben worden, welche schwere Bedenken gegen ihn wachrufen. Es wird darin behauptet, daß Böst seinen gebrechlichen Vater in abscheuerregender Weise miß- handelt habe, und daß der Ankläger selbst die Spuren der Verletzungen sah. Wenn nun auch diese Beschuldigungen vor längerer Zeit erhoben und nicht bewiesen wurden, haben sie doch erst jüngst Wirkungen hervorgerufen, welche die Auf- sichtsbehörde zwingen, der Wahl die Bestätigung zu ver- sagen. Das Verhalten verschiedener Gemeindebürger zetgte. daß Andreas Vöst bei vielen der Achtung entbehrt, welche eine notwendige Vorbedingung jeder Vertrauensstellung ist. Zudem besteht die offene Gefahr, daß sich hieraus Streitig- leiten ergeben, welche die Ruhe und die Ordnung in der Gemeinde empfindlich stören müßten. Diese Befürchtung ist umso mehr geboten, als es bereits zu Beleidigungen und im Verlaufe derselben zu Raufereien gekommen ist, bei welchen Andreas Vöst unzweifelhaft der Angreifer war. Es ist an- zunehmen, daß die Bestätigung den Anlaß zu neuen Zwistig- leiten bieten würde, welche mit dem Ansehen eines Bürger- Meisters unverträglich sind und welche seine Autorität erschüttern müßten. Aus allen diesen Gründen war die Be- stätigung zu verweigern." Stegmllller legte das Papier vor sich hin. „San's jetzt ferti, und steht nix mehr drin?" fragte der Schuller. „Ich Hab' alles vorgelesen." «Nacha möcht' i no a paar Wort' sag'n über dös." „Ja. aber... «Du muaßt jetzt koa Aber net Hamm, Kloiber. I frag' enk alle, wia's da jeid's, iL oana dabei, der dös alaubt?" Keiner gab Antwort. «Wenn oana was Schlecht's g'fehg'n hat von mir. der soll'S jetzt sag'n. Vor meiner, daß i's selber hör'. Und daß i mi verteidig'n ko." „Ma hat nia was g'hört bis auf die letzt' Zeit, wo's den Streit geb'n hat." sagte der Zwcrger. Die anderen sck)wiegen und zeigten auffällig, daß sie die Sache nichts angehe. Sie schauten gleichmütig vor sich hin oder sahen zum Fenster hinaus. Der Schüller wurde heftiger. ..Also wenn koaner was g'hört lmt. wo is denn nacha der Abscheu, von dein du g'ichrieb'n steht? Da miiaßt's do bekeniia. daß dös Cchceib'n verlogen is." «Mir hanim net zun, bcslndeil über dös." «Sagst Du dös. Klviber?" „Ja. dös iag' i. unr san net berechtigt, daß mir da an Urteil obgcb'n, bal's amol vom Bezirksamt g'schriebcn is." «Sicha'st«l. daß's Bezirksamt ang'log'n wor'n is?" De? iell wooß i net." «Nacha fron, balsl nix woaßtt I hob' Nachbarn g'nua, de d' Ohren aufg'riiscn hatl'n, lvenn's bei m»r was geb'n halt'. Da stellt glei der Hoiiiberger l Hast Du g'rad oamat g'hört, datz r mein Vota g schiuipst Hab? Oder hast'n viel« leicht aar jaininern g hört?" Der Hambergcr drehte verlegen seinen Hut in de» Händen. ..I voss' überhaupt it aus. was bei Dir drcnt' g'redt werd." sagte er.«I Misch' mi überHaupts net rn ander' Leut'©och'." „Du traust Dir net lüog'n, gel? Und d' Wahrheit nmgst it sag'n." „Dös werft Du net behaupten kinna, daß i was g'redt Hab' über Di." „Ada koa Zeugnis gibst mir aa netl Und woaßt do recht guat. daß d' ma's geb'n muaßt, vo Rechts wegen.' „I last' im von Dir zu gar m; zwinga." «Wers Maul halt, wo er reden muaß, ts a Tropf. Und so schlecht wia der Ehrabschneider." „Tersst Du ini schlecht hoaßen?" „Di und die andern." „Schüller!" mahnte der Lehrer. „Nixl Jetzt red' i. I Hab' mir net denkt, daß öS glei Feuer und Flamm' sei müatzt's, wenn mir was g'schicdit. I woaß scho, datz st a jeder selm um sei' Sach' kümmern muaß. Aba dös is net mei Sach' alloa. Dös geht all'samt was o. Oes habt's mi g'wählt. Und jetzt steht's da. und kuana sagt a lausig's Wörtl, und jeder woaß, daß ma mi bloß mit der Lug weg'bracht hat." „Mir wissen gar nix," sagte der Kloiber,„und mir san net Richter über dös." „Schö hoamli halt, Kloiber. So oaner bist Du." „J bin so oana, der si net um dös kümmert, was'n net o'geht. Wenn all's verlog'n is, was in dem Schreib'« steht� hernach wcr'st Du scho wissen, wo'st higeh' muaßt. Und mir laßt mei Ruah, daß da's woaßt." Er nahm seinen Hut vom Nagel und verließ da» Zimmer. Der Hamberger folgte ihm mit vier anderen, die sich ohne Gruß und Rede hinausschlichen. Als sie draußen waren» verzog der Schuller den Mund zum Lachen: aber er bracht« es nicht fertig. „Da schau her!" faßte er,«es bleiben do no a Paar. Oes werd's Spektakel knag'n, lvenn's der Pfarrer derfragt." „Du woaßt scho, daß i auf dös net aufpass'," sagte der Zwerger. „Und hast aa nix g'redt." „Zu was hätt' i red'n sollen? Dös hätt' da gar koa» Wert it g'habt. Jetzt muaßt Di Du selm rühr'n." „J rühr' mi scho. Aba bal da Pfarra so wen'g Helfer g'funden hätt'. wia i. nacha waar dös Schreib'« net kemma." „I Hab' mi da a net beteiligt, und mir g'sallt'S von koan, der mit to hat." „Herr Vöst, wenn Sie eine Beschwerde aufsetzen wollen, die will ich Ihnen schon schreiben." sagte Stegmüller. „Mit'n Schreib'n is da nix g'macht. I fahr' selm in» Bezirksamt eini." fcSBie Sie meinen, aber ich hätt's gem getan." dank' schö, Herr Lehrer." „Balst ins Bezirksamt eini fahrst," sagte der Zwerger, «nacha nimm do den altm. Weiß Flori mit. Ter is guatding zwonz'g Hahr' Kirchenpfleger g'wen beim Herrn Held. Viel- leicht woaß er was und kunnt Tir was helfen." „H frag'n amal. Vielleicht mag er gar it." Warum denn net? Ta is do nix dabei. I gang glei mit Dir eini, aber da waar Tir nir g'holken. Weil i nix woaß von dera Sach' und überhaupt net g'schickt bin für so was." „H dank' Dir schön für'n guat'n Willen, Zwergerl Und jebt pfuat Good und schaug. daß der Pfarrer net inne werd, daß d' ma'r an Rat geb'n hast." ..(Fortsetzung folgt.» CKcchdruck derbolen.) ie] Die Kofahen. Bon Leo Tolstoi. ?lch, wir baben uns keine Sorge gemacht sagte der Alte. Als Onkel Jeroschka in Deinen Jahren war, plünderte er schon die Pferdeherden bei den Nogaiern und trieb sie über den Terek. Da bekam einer manchmal em prächtiges Pferd für ein Maß Brannt- wein oder einen Filzmantel. Warum hast Tu es aber so billig abgegeben? sagte Lukaschka. Du Narr, Du Narr. Marka, sagte der Alte verächtlich, so muß iS sein. Man stiehlt doäi, um nicht geizig zu sein. Ihr, glaube ich, habt wohl gar nie gesehen, wie man Pferde forttreibt? Warum schweigst Tu? Was soll ich sagen. Onkel? fragte Lukaschka, wird find eben Ändere Menschen. Tu Narr, Du Narr, Marka?... andere Menschen! ant- wartete der Alte, dem innaen Kosaken nachäffend, i ch war ein anderer Kosak in Deinen Jahren. Wie meinst Du das? sragie Lukaschka. Der Alte scküittelte verächtlich den Kopf. Onkel Jeroschka war schlicht, er teilte gern mit anderen. Darum war auch alle Welt in der Tschetscknja mit mir befreundet. Kommt ein Freund zu mir, so mache ich ihn mit Branntwein bc- trunken, rede ihm gut zu und lasse ihn bei mir schlafen. Fahre ich zu ibm, so nehme ich ein Geschenk, ein.Peschkcsch", mit. So müssen Menschen leben, aber nicht wie jetzt: nur mit den Mädchen spielen, die Kerne kauen und die Sckale ausspucken, schloß der Alte und machte die Bewegung des Kerne-Kauens und des Schalc-Aus- spciens. Ich weiß wohl, sagte Lukaschka, eS ist einmal so. Willst Du ein Held sein, so sei ein Dshigit, aber kein Bauer; auch der Bauer laust sich sein Pferd, gibt sein Geld her und nimmt sein Pferd. Sie schwiegen beide. Es ist auch langweilig. Onkel, im Dorfe oder auf der Grenz. wache liegen und sich gar nicht ordentlich austoben können. Alles feiges Volk! So zum Beispiel der Nasar. Jüngst waren wir im Aul. Tä forderte uns Girej-Ehan aus. Pferde aus dem Nogaier- land zu holen— keiner wollte mitgehen; wie soll man allein gehen? Wozu ist denn- der Onkel da? Denkst Du. ich bin eingetrocknet ... nein, ich bin nicht eingetrocknet. Gib mir ein Pferd, ich reite sofort inö Noga.erland. Wozu leeres Stroh dreschen? sagte Lukaschka, sag' mir lieber, wie ich's mit Girej-Chan halten soll? Führe da» Pferd nur bis zum Terek. sagte er. Tort will ich mit einer ganzen Herde schon den Weg finden.... Er ist doch auch ein Glattkopf, dem man nicht gut trauen kann. Girei-Ehan kann man trauen, sein ganzes Geschlecht sind brave Leute, sein Vater war mir ein teurer Freund. Folge nur dem Onkel. Ich werde Tir nichts Schlechtes raten. Laß ihn einen Schwur leisten, dann kannst Du sicher sein; und ziehst Tu mit ihm aus. halte Deine Pistole bereit, besonders wenn er die Pferde teilt. Mich hätte ein Tfchetschenze beinah« einmal erschlagen, ich forderte von ihm ll) Münze» für ein Pierd. Trauen kannst Tu schon, aber lege Dich nicht ohne Flinte schlafen. Lukaschka hörte dem Alten aufmerksam zu. Sieh. Onkel, die Leute erzäblen. Tu befitzest ein Zaubergras. begann er nach einer kurzen Pause. Ich habe das Gras nicht, aber ich will Dich lehren, was Du zu machen hast. Du bist ein guter Junge und wirst des Alten nicht »ergessen.... Soll ich'» Dich lehren, wie? Hehr' m ich's, Onkel. Weißt Du, was eine Schildkröte ist? Ein Teufel ist sie. die Schildkröte nämlich. Wie sollte ich daS nicht wissen? Such�' ihr Nest auf, mache ein Geflecht ringZ herum, damit sie nicht heraus kann. Daun kommt sie, geht in der Runde herum und bald wieder zurück— dann sucht sie daS Zaubergras, bringt es heran und zerstört dabei daS Geflecht. Am anderen Morgen gehst Du recht früh hin und siehst nach: wo das Gefleckt zerstört ist, da liegt das Zaubergras. Das nimmst Du und trägst eS, wohin Du willst, dann gibt's für Dich kein Schloß und keinen Riegel mehr. Hast Tu's erprobt. Onkel, wie? Erprobt Hab' ich's nicht, aber gute Leute haben'S mir erzählt. Ich hatte nur meinen Spruch. Immer, wenn ich aufs Pferd stieg» sagte ich mein Ave her und niemand hat mir ans Leben gekonnt. Was für ein Ave, Onkel? Das kennst Du nicht? Ack, dieses Volk! Das wird Dir der Onkel sagen, hör' zu und sprich mir nach: Ave, der Du in Zion thronst, Du bist mein König I Ich steige zu Roß. Sophonius rufet, Zacharias betet. Bater Mandrit. Du Menschen-enschen-frenndl Tu Menscken— enfchcn— freund— wiederholte der Alte. Kannst Tu es? Sag'ö her. Lukasckka lächelte. Wie, Onkel, darum hat Dir keiner ans Leben können, wirklich? Ihr seid klug! Lern' Du's nur und sag's her, das kann Tic niffjl schaden. Hast Du„Mandbit" gesagt, dann ist's schon gut— und der Alte mußte selbst lachen.— Aber ins Nogaierlaud, Luka, geh nicht, hörst Du? Warum nicht? Es ist nickt die Zeit dazu. Ihr seid auch andere Menscken. Dreckkosakcn seid Ihr geworden, lind wieviel Russen hat man Euch auf den Hals gehetzt! Die würden Tick vor Gericht stellen. Laß es, sag' ich Dir; waö wollt Ihr damit! Wenn ich mit Girtschi!— Und der Alte wollte seine endlosen Geschichten beginnen. Lu-> kaschka aber sah durchs Fenster. Es ist ganz hell, Onkel, unterbrach er ihn, eS ist spät, besuch' mich einmal. Der Heiland schütze Dich. Ich gehe zu dem Offizier. Ich habe versprochen, ihn auf die Jagd zu begleiten. Er scheint ein guter Mensch zu sorn. Von Jeroschka begab sich Lukaschka nach Hause. Ein feuchter Nebel stieg vom Boden auf und hüllte das Dorf ein. Das Vieh bc- gann sich von allen Seiten in Bewegung zu setzen, aber man sah es nickt. Immer häufiger und lauter krähten die Häbne. Die Luft wurde durchsichtig, und der Alte begann auszustehen. Lukaschka näherte sich dem nebelfeuchten Zaun seines Hofes und betrachtete die Treppe der Hütte und die offene Pforte. Aus dem Hose hörte man durch den Nebel den Klang der Axt beim Holzspalten. Lu- kaschka trat in die Hütte ein. Seine Mutter war schon auf- gestanden. Sie stand am Ofen und warf Holzscheite hinein. Im Bette lag seine kleine Schwester und schlief noch. Nun, Lukaschka, genug gezecht? sagte die Mutter leise; wo warst Tu zur Nacht? Im Dorfe war ich, antwortete der Sohn unwillig, nahm die Büchse aus dem Futteral und betrachtete sie. Tie Mutter schüttelte den Kopf. Lukaschka schüttete Pulver aus die Pfanne, zog den Beutel hervor, nahm einige leere Hülsen heraus, füllte die Ladung hinein und schloß sie sorgfältig mit den Pfropfen, die er in einen Lappen gehüllt trug. Tann biß er mit den Zähnen die Propfen ab, be- trachtete sie und legte den Beutel fort. Mutter, ich babe Dich gebeten, meine beiden Beutel aus» zubeffern, hast Du's gemacht? Gewiß, die Stumme hat sie gestern abend zurechtgemacht. Mußt Tu schon wieder auf Posten? Ich habe Dich kaum gesehen. Ich macke mich nur fertig, dann muß ich gehen. Und er band den Pulverbcutcl zu.— Wo ist die Stumme? Ist sie ausgegangen? Sie haut gewiß Holz. Immer und immer härmt sie sich um Dich. Ich sehe ihn gar nicht mehr, sagt sie, dabei zeigt sie mit der Hand ins die Äuge», schnalzt mit der Zunge, drückt die Hand auf die Brust— bange, soll das heißen. Soll ich sie rufen, wie? DaS mit dem Abreken hat sie ganz gut verstanden. Ruf sie, sagte Lukaschka.... Ich hatte auch noch Fett dort, bringe es mit. ich muß meinen Säbel einreiben. Die Alte ging, und nach wenigen Minuten kam Lukaschkas stumme Schwester in die Hütte. Man börte ihre Tritte aus den knarrenden Stufen. Sie war sechs Jahre älter als ibr Bruder und wäre ihm sehr ähnlich gewesen, wenn sie nicht die allen Taub- stummen eigenen stumpfen und häßlich veränderten Züge gehabt hätte. Ihre Kleidung bildete ein grobes, geflicktes Hemd, ihre Füße waren bloß und schmutzig, um den Kopf trug sie ein altes blaues Tuch, ihr Hals, ihre Hand und ihr Gesicht waren muskulös, wie dir eines Bauern. Man sah es sowohl ihrer Kleidung wie ihrer ganzen Erscheinung an. daß sie ununterbrochen schwere, männliche Arbeit verrichtete. Sie trug ein Bündel Holz und warf es vor dem Ofen nieder. Tann trat sie zu dem Bruder heran, berührte ihn mit einem freudigen Lächeln, das ihr ganzes Gesicht in Falten zoz. an der Scknkter m-.d mackite mit den Hand«?, dem Gesicht und dem ganzen Körper lebhafte Gebärben. Schön, schön. Du bist ein braves Mädchen, Stepka, antwortete der Bruder und nickte mit dem Kopse, hast alles gut besorgt und gut ausgebessert. Da hast Dul Und er nahm aus der Tasche zwei Pscfterkuchen und reichte sie ihr hin. Das Gesicht der Stummen errötete, und sie heulte wild auf vor Freude. Sie griff nach den Pfefferkuchen, machte immer noch lebhafte Gebärden, zeigte wiederholt nach der einen Seite und fuhr sich mit dem Daumen über Augenbrauen und Gesicht. Lukaschka verstand sie und nickte mit leichtem Lächeln. Sie meinte, der Bruder sollte den Mädchen Naschwerk geben, meinte, die Mädchen liebten ihn, und ein Mädchen. Marianka, das besser sei als alle anderen, liebe ihn auch. Marianka bezeichnete sie, in- dem sie lebhaft nach der Richtung ihres Hoses, dann auf ihre Augenbrauen und ihr Gesicht zeigte, mit den Lippen schnalzte und den Kopf hin- und herwiegle. .Sie liebt," deutete sie an, indem sie die Hand an die Brust drückte, ihre eigenen Hände küßte und die Gebärde der Umarmung machte. Die Mutter kam wieder herein, und als sie sah, wovon die Stumme sprach, lächelte sie und schüttelte den Kopf. Die Stumme zeigte ihr die Pfefferkuchen und heulte wieder vor Freude auf. Ich habe Ulitka neulich gesagt, daß ich werben komme, sagte die Mutter, sie hat meine Worte gut aufgenommen. Lnkaschka sah die Mutter schweigend an. Was meinst Du. Mütterchen, wir müssen den Wein verkaufen — ich brauche ein Pferd. Ich verkaufe den Wein, wenn die Zeit kommt; ich mache die Fässer zurecht. Sie schien nicht zu wünschen, daß der Sohn sich in WirtschaftSangclegenheiten mische.— Wenn Tu fortgehst, sagte die Alte zu ihrem Sohne, so nimm im Flur das Säckchen mit,' ich habe cö von den Nachbarn geborgt und Dir für den Posten zurccht- gemacht; oder soll ichs Dir in die Satteltasche legen? Wie Du willst, antwortete Lukaschka.— Und wenn Girej-Chan den Fluß herüberkommt, schicke ihn auf die Grenzwache. Jetzt werde ich lange keinen Urlaub haben. Ich habe mit ihm etwas zu verhandeln. Er machte sich bereit zu gehen. Ich schicke ihn hin, Lukaschka, ich schicke ihn hin. Sag, bei der Jamka habt Ihr wohl die ganze Zeit gezecht, sagte die Alte. Als ich in der Rächt aufstand und nach dem Vieh sah, war mirS, als hörte ich Dich ein Lied fingen. Lukaschka antwortete nicht, er ging in den Flur hinaus, warf die Säcke über die Schulter, zog den Mantel glatt, nahm sein« Flinte und blieb an der Schwelle stehen. Leb wohl, Mütterchen/ sagte er und schloß die Tür hinter sich. — Schicke mir durch Rasarka ein Fäßcken, ich Habs den Kameraden versprochen. Er wird es holen kommen. Ter Heiland schütze Dich, Gott mir Dir, Ich schicke es Dir, von dem neuen Faß schicke ich Dir, antwortete die Alte und schritt auf den Zaun zu. Aber hör'— fügte sie noch hinzu und beugte sich über den Zaun. Der Kosak blieb stehen. Tu hast hier gezechl. nun. in Gottes Namen? Warum sollte ein junger Mensch nicht fröhlich sein? Und Gott hat Dir Glück gegeben. Das ist alles schön und gut, aber jetzt sieh zu, mein Söhnchcn, daß Du nicht... und vor allem sei Höftich gegen Deine Vorgesetzten.— Nickt anders! Ich will auch den Wein verkaufen und das Geld bereithalten, damit Du Dir Dein Pferd kaufst, und will um das Mädchen werbe». Gut, gut. antwortete der Sohn mürrisch. Tie Stumme schrie, um die Aufmerksamkeit des Bruders auf sich zu lenken. Sie zeigte auf den Korb, aus die Hände, und das bedeutete einen rasierte» Kopf, einen Tschetschenzen, dann zog sie die Augenbrauen zusammen und machte eine Gebärde, als ob sie mit einer Flinte zielte, sckrie auf, gab einen singenden Ton von sich und wiegte dabei den Kopf. Sie meinte Lukaschka solle noch einen Tschetschenzen töten. Lukaschka verstand sie, lächelte, ging mit schnellen, leichten Schritten weiter, drückte die Flinte auf seinem Rücken unter dem Filzmantel fest an sich und verschwand in dem dickten Nebel. Die Alte blieb eine Weile schweigend im Tore stehen, dann ging sie in die Stube zurück und machte sich sogleich an die Arbeit. (Forlseymig folgt.) '(Nachdruck dertetew) Oer fixfrernbirnmcK Von Felix Linke. Dem Laien erscheint es stets seltsam, daß dasselbe Fernrohr wohl die Planeten, die doch dem Auge meist ebenso erscheinen wie bie Fixsterne, aber nicht die letzteren vergrößert. DaS ist zumeist seine erste große Enttäuschung, wenn er mit Ehrfurcht an das in seinem Geiste mit einem wunderbaren Nimbus umgebene große Fernrohr tritt. Ebenso wie die Planetenschcibchen im Fernrohr um einige Hunderte von Malen vergrößer! werden können, muß es natürlich auch mit den Fixsternen sein; sie müssen um ebenso viel vergrößert werden. Da man d:es aber im Fernrohr nie de» merkt, so erkennt man. daß die Fixsterne entweder an sich so kleine Körver sein müssen, oder daß sie infolge ihrer schier unendlichen Entfernung unS so klein erscheinen müssen, daß sie bei uns nie einen anderen als einen punktförmigen Eindruck hervorrufen können. Denn wenn wir mft dem Mikroskop einen hellen Körper von oer größten Ausdehnung eines Zehntausendstel Millimeters durch eine ninshundertfach. Vergrößerung betrachten, erscheint uns derelbe bei seiner scheinbaren Ausdehnung von einem Zwan- gigstel Millimeter immer noch als Punk! Die Unvollkommenhei! unserer Sehorgane umgibt den kleinen Körper nach wie vor mit einem dickten Strahlenbündcl und verleiht ihm allerdings einen gewipeii Durchmesser, an welchem aber auch die starke Bergröße- rung nichts zu ändern vermag, weil sie dazu eben nicht mehr aus- reicht. Von den beiden Möplichkeiten. ob die ungeheure Entfernung, oder die wirkliche Kleinheit der Fixsterne die Ursache dafür ist, daß sie stets durckmesserlos erscheinen, hoben die feinsten Messungen. den ersten Fall als den zutreffenden'rwiefcn Es ist ausgemessen worden, saß ein normaler Stern erster Größe vierzigtausend Millionen Mal sclitväcker leuchtet als die Sonne. Da nun gewine Gründe wahrscheinlich machen, daß ein solcher Ster» in Wirklich- keit eiwa dieselbe strahlende Kraft besitzt wie um er Tagesgestirn, so würde seine Entfernung von uns matbematikch der Quadrat- Wurzel aus der genannten Zahl entsvrecben. weil ivir sa wissen. daß die Helligkeit einer Lickterscheinung in demselben Maße wie die Quadratwurzel aus der Maßzabl der Entfernung dieser Lichtquelle von uiiS abnimmt. Als Einheit kommt hier die Entfernung der Erde von der Sonne i» Betracht; der bmesfens«©lern ist also um die Quadratwurzel aus-lOOflttOOLbM Sonnenweiten, d. h. um 200 klag Sonnenweiten von uns entrerni. Wird eino Sonnenweite oder, wie man sagt, ein? astronomisch? Einbeit zu rund loOMOllOV Kilometer angesetzt, so ergibt sich eine Entfernung von 30 Billionen Kilometer. Da nun das Lickt sich in einer Se» künde um 300 000 Kilometer fortpflanzt, folgt, paß das Lickt diests Sternes kW) Millionen Sekunden oder etwaö mehr als 3 Jabre unterwegs ist, bevor es zu uns gelangt, daß uns dieser Stern also nur erscheinen kann, wie er vor etwa drei Jahren in Wirklichkeit ausgesehen. So unermeßlich weit wären also unter den gemachten Voraus» setzungen schon die hellsten und wahrscheinlich auch nächsten Fixsterne von uns. Taraus erhellt ohne weiteres, daß diese Sterne keinen irgendwie für uns meßbaren Durchmesser haben können. Besitzt 0er betrachtete Fixstern die Größe der Sonne, würde e» also. aus einer Sonnenweite betrachtet, in einem scheinbaren Durch- messer von 32 Bogcnminuten oder 1920 Sekunden sick darstellen, so würde er aus der festgestellten Entfernung von 200000 Sonnenweiten doch nur einen Durchmesser von einer Hunderistel Sekunde baden. Unsere besten Fernrohre sind aber nickt imstande, bei der stärksten praktisch anwendbaren Vergrößerung eine geringere Aus- dehiumg als ein Zelmtteil einer Bogensekunde wahrnebmliar zu machen— eine Ausdebnung, die immerhin noch mehr als hundert Mal kleiner� ist als die Breite cines Haares, welches man in deuilicher Seblveite vom Auge dält. Die Entferniing zweier Sterne von Sekunde muß allerdings unter den günstigsten Umitäuden gcsebcu werden können, d. h. dieselbe muß durch zwei leuchtende Punkte bearenzt sein, zwischen denen ein dunkles Fäd- chen liegt. Ein Scheibchen von'/>? Sekunde jedoch würde absoluk nickt meßbar sein, ja sogar ein solches von einer ganzen Sekunde würos sckon die größten Sckwiengteiten bieten. Wollte man also eine dentlick? Spur seines DurchmellerS feststellen, so müßte der uns allernächste Fixstern hundert Mal größer sein als unsere Sonne. Vor der Erfindung deS Fernrohrs bemaß man die Durch» messer der Sterne nach Bogenminuten. Aber bereits Galilei fand mit seinem ersten nach dem Himmel gerichteten sehr unvoll- kommenen Instrument, daß man ihnen höchstens einen Durch- messer von 5 Sekunsen geben dürfe. Heute kann mau mft Sicher- beit behaupten, daß kein Fixstern in dieser Dimension sh Sekunde mißt. DaS Auge allerdings wird im Fernrohr von den Fixsternen stets den Eindruck verschiedener Größe gewinnen, während cö doch allein sie Helliakeitsabstusungen sind, welche diei'e nur scheinbar verschiedene Größe bedingen. Diese Folge eines phvsiologischen Fehlers unseres Auges tritt bei verschärfter Sehkraft immer mehr zurück. Man macht die ciaentiimliche Wabrnebmung. daß die Hellen Sterne in den besseren Fernrohren sich deutlich verkleinern, wäb- rend die schwächeren ungleich stärket Hervortreten, iö daß dadurch im Fernrohr die großen S'erne in die Ferne gerückt, die kleineren uns genähert erscheinen. Alle Sterne aber erscheinen im Fernrohr um so beller, je größer die CbieltiböEnung deS Instrumentes ist. Dies kommt daher, weil das Fernrohr in beznq ans die Lickt- ansammlnng wie ein Trickter wirkt, welcher die Strahlen in seiner großen Obseriivlili.se auffängt und zu einem intensiven Bilde kon- zentriert. Die auf unsere Netzbc..' � fallende Licktmenae ist um so viel orößer, wie die lichtsammeladc Obiektivflächc größer ist als die Oe'fnnng unserer Angelpnville. Wollen wir daher immer mehr lichischwacke Obiekte unserem Auoe sichtbar machen, so kommt es daraus an. die Größe der Obiektivöffnnilg zu erweitern. Denn auk die Vergrößerung, nach welcher der Laie aus nabeliegenden Gründen zuerst zu fragen Pftegt, kommt es Hier gar nicht an, Tie Fernrohrs bergrSßern die Helligkeit der Sterne«m mehrere Tausend Mal. Aus diesem Grunde ist eS begreiflich, dag im Fernrohr eine sehr große Anzahl von Sternen erscheint, welche ldem bloßen Auge stets verborgen geblieben wären, daß also di� Helliakeirsstufen um mehrere Grade vermehrt werden. Die Helligl-üt ist ein Element, das eine physische Grundlage hat; sie ist entweder eine Folge der wirklichen Leuchlkraft oder der Entfernung von uns; die Kenntnis des einen ermöglicht die Be° stimmung oeS anderen. Man hat diese Helligkeiten bekanntlich in Klassen zusammengefaßt, und die Bestimmung der Grötzenklasie ist ein wichtiger Teil der astronomischen Beobachtungskunst. Aber erst seit relativ kurzer Zeit ist diese wichtige Aufgabe ernsthaft xn Angriff genommen worden, seitdem man- einigermaßen brauchbare Instrumente zur Mesiung von Lichtstärken sPhotometer) zur Ver. fügung hat. Früher war man auf bloße Schätzungen angewiesen, worin übrigens einige Astronomen, wie z. B. Argelander, eine ganz rätselhafte Sicherheit erlangt hatten. Tie Sterne erster bis sechster Größe sind diejenigen, welche noch mit bloßem Auge sichtbar sind, so oaß die Sterne sechster Größe unter besonders günstigen Umständen gerade noch zu leben sind. Die ausschließlich teleskovischen Sterne nehmen die Größen- Kassen von sieben an ein. Doch werden die Zahlenangaben über die sechste Größe hinaus fortschreitend unsicher. Eine letzte Grenze in 'der Größentlasse der teleskovischen Sterne kann natürlich nicht ge- zogen werden, weil jedes größere Fernrohr die Sehprenzc verschiebt. AlsBeispicl mag der zwölszölligeRefraktor der Berliner Urania an- geführt werden, da er dem Publikum zugänglich ist. In ihm können Sterne bis zur dreizehnten Größe und unter besonders günstigen Luftzuständen bis zur vierzehnten Größenklasse beobachtet werden. Die Größenklasse, bis zu welcher ein Fernrohr vorzudringen ver- mag, hängt nach dem schon Gesagten nur von der Größe des Objektivs ab. Tic Klasseneinteilung geschieht nicht nach gleichen abgeteilten Intervallen der Lichtstärke. In der ersten Klasse schwanken die Lichtstärken zwischen den Zahlen 4. 3 und OL. in ver zweiten zwischen 0.34 bis 0,08. Als Rormalstcrn wählte man in bezug auf die Helligkeit den hellsten Stern am nördlichen Firma- mente, ven Stern„Alvba Lyrae" oder„Wega", Oer nur von drei Sternen der Südbemisphäre deS Himmelsgewölbes an Glanz über- troffen wird. Unter diesen ist„Sirius" oder„Alpha CaniS ma>oris" der hellste; ihm kommt dann die Zahl 4L8 zu; oie beiden anderen,„CanopuS" mit der Helligkeit 2,12 und„Alpha Kentauri' mit IL», sind für unsere Breiten nicht mehr sichtbar.„Rigel", der hellste Stern in der Oriongruvpe. rechts unten stehend, ist an Helligkeit der„Wega" gleich. Sterne der ersten Größe zählt man etwa 20 am ganzen Himmel, während die Zahl derjenigen zweiter Größe schon 02 ausmacht. Von nun an steigert sich die Zahl gleich ganz gewaltig: dritter Größe zählt man 200, vierter OlB. fünfter 1213 und sechster Größe 3640 Sterne, so daß es etwa 0700 Sterne sind, die am ganzen Himmel mit bloßem Auge überhaupt ficht- bar sind. Man erkennt also, daß die tatsächlich unzählige Male an. gewandte poetische Unzählbarkeit des Sternenmeercs silwn längst abgetan sein müsste. um so mehr, als ein mittelautes Auge unter mittleren atmosphärischen Verhältnissen sicher kaum mehr als 2000 Sterne übersehen kann, und ein großer Teil der kchnmcheren in den Dünsten des Horizontes ausgelöscht werden. �!m Hochgebirge. wo das ans dem unermeßlichen Räume zu uns hereinstrahleade Stcrnenlicht einen geringeren Weg durch unsere Oort auch viel dünnere und reinere Atmolvbäre zurnckuilegen bat. tnerden etwa woch einmal so viel Sterne mit freiem Aug? sichtbar, als bei uns auf dem Boden des leider so trüben Lustmeeres, weil die Sterne selbst im Zenit dort meßbar Heller erscheinen als in der Tiefebene. Nach neueren Untcrsuchunaen wiro das Licht der Sterne im Scheitelpunkt? um etwa 20 Proz burch die Lust und ihre Unreiniq. feiten vermindert Hiervon werden namentlich die Lichtstrahlen mit kurzer Welltwlang?, das sind die violetten und blauen, be. trokken Sic werden onrtf» die in der Lust schwebenden Staub» trilchen und durch die Lustmoleküle selbst besonders stark zerstreut, so daß uns die Farbe des Himmels, von der Erde aus gesehen. immer bla» erscheinen muß. Das nach der sechsten Größe eintretend? Anwachsen der Sternenbäusigkeit ist aanz gewaltig. Tie Zahl der noch Arge- sander auf der nördliclien Himmelsbälfte befindlichen Sterne be- trügt in der Größenklasse von!> bis 0.0' 1001 Sterne, in der von st bis 0.0' 4386, von 7 bis 7,0; 13 823, und von der 8. bis zur KLten Größenklasse 08 000 Sterne Die von ihm überhaupt in einen.Katalog zusammengestellten Sterne, welche bis zur OL. Größenklasse reichen, erlangen nahezu die Zahl von einer Drittel Million Tiefe Sterne lind in Fernrohren mit etwa 100 Millimeter Oeffnung(Durchmesser der Obiektivlinfel noch gut be» obachlbar. In dem vsrher erwähnten Refraktor der Berliner Urania, der eine Oeffnung von 12 Zoll oder 310 Millimeter bat. wären demnach viel« Millionen von Firsternen am Himmelszelt rniSzäblbar In den größten jetzt eristierenden astronomischen Fernrobren werden wahrscheinlich mehrere Hunderte Millionen Vtzg Sternen gesehen werden können. kleines Feuilleton. Tie Geschwindigkeit der Wölkt». Die Geschwindigkeit, mit der «die Wolken ihren Ort verändern, ist eine» der besten Mittel zur s Feststellung des Vorhandenseins der Rtchtuna und der Geschwindig- reit der Strömungen in den oberen Lufrschichten. Zu ihrer Be- stimmung kommen übrigens auch SonberballonS und Drachen in Betracht, mit deren erster Anwendung der Stame deS amerikanischen Gelehrten Rotch in engstem Zusammenhang steht. Häufig ist die Wolkengeschwindigkeit von sehr erheblicher Bedeutung, und die Vorrichtungen zu ihrer Bestimmung erfahren daher stets neue Verbesserungen. Die„Nature" beschreibt ein neu«?, von Richard in Paris konstruiertes Instrument, das einen hohen Grad von Ge- nauigkcit bei solchen Messungen gestattet. S-ine wesentlicheren Bestandteile sind zwei im Innern eines Kastens unter einem Winkel von 40 Grad angeordnete Spiegel, die das durch ein be» sonderes Linsensystem einfallende Bild d«S beobachteten Gegen» standeS empfangen und sein Vorüberziehen an einer Gradeeintei» lung zu oerfolgen gestatten. Voraussetzung ist natürlich die genaue Kenntnis der Höhe, in der die beobachtete Wolke dahinzieht. Zwei derartige Instrumente, die in bekanntem Abstand voneinander die» selbe Wolke avisieren, gestatten deren Höhenlage zu bestimmen und aeben gleichzeitig zwei Gcschwindigteitsmeflungen. Die ganze Vorrichtung gleicht einer etwa? schrägangelegten phokographischen Kammer, die außer der nach vorn gerichteten Lbjektivmündung noch eine zweite senkrecht nach oben trägt. TaS Ganze ist auf eine auf drei Stellschrauben ruhende kreisförmige Platte drehbar aus- montiert, die gleichfalls in Grade geteilt ist. Neben dieser Betvcg- lichtest um eine senkrechte Achse ist da? ganze Instrument auch noch um eine horizontale drehbar, so daß eine Einstellung nach jeder beliebigen Richtung durch Schraubendrehung mühelos erzielt werden kann. Zur Geschichte des Kognaks. In der Eharente. wo heute der Kognalhandel die wichtigste Erwerbsquelle d«S Landes bildet, war vor 300 Jahren noch die Gewinnung von Wein die Hauptbeschäfti- gung, und der Wein der Eharente mit seinem feinen prickelndem Geschmack, den man heute nur noch als Kuriosität in den Kellern der Liebhaber findet, war in England. Schottland und in den nordischen Reichen hochberühmt und sehr begehrt. Damals wurden die Ackerbauer und Landwirte den Traditionen der Väter untreu, auch sie begannen mit dem Anbau von Reben, und zu Beginn des 16. Jahrhunderts war in der Eharente bereits eine derartige Ueberprodultion von Wein eingetreten, daß die Vorräte die Nach- frage um das Vierfache übertrafen. Die Preise sanken, der Wein ward so billig, daß cS nicht lohnte, die teueren Fässer dafür auf- zuwenden, namenloses Elend. Not und Armut ließen nicht lange auf sich warren und bald stand das ganze Land vor dem Ruin. Es war im Jahre 1630, als ein einheimischer Chemiker den Vor- schlag machte, die Unmengen wertlosen Weines doch nach einem chemischen Destillationsversahren in Branntwein umzuwandeln, und mit diesem Gedanken beginnt die Geschichte des Kognaks. In kurzer Zeit ward der von den holländischen Zwischenhändlern „Brandwijn" getaufte Kognak weitberühmt, und besonder? in England und dem Norden eroberte er im raschen Siege?, ufe alle Keller. Aus England kamen auch, dreiviertel Jahrhundert später. die Männer, deren Namen noch heute in den Firmen der größten und berühmtesten Kognalhauser weiterleben: John Martell und Richard tzennessy. AuS der Pflanzenwelt. Dre, neuentdeckte Pflanzen. Der französisck)e Ge» lehrt, M. Geay hat auf Näadagaskar dre« neue Pslanzenarten, von denen zwei ganz neue Familien der Dikotyledonen darstellen, während die dritte eine neue Malvenart bedeutet. Ueber die Eigen- schuften der nrn-n Pflanzen hat sich der Entdecker in den SitzungS- berichten der Pariser Akademie der Wissenschaften ausgesprochen. Di? eine, Katsks crassisepalurn benannte Pflanze, ist ein Strauch mit stark verasteltem Stamm, die von den Eingeborenen in ihrer „Fanasody" gemannten Heilkunde vielfach angewendet wird. Namentlich die Rinde enthält einen aromatischen Bitterstoff, der als F»eb?rmittel dient und in Form eines Ausgusses verabreicht wird. Auch andere Leiden werden mit diesem oder mit Rauche- rungen von Äotasaholz behandelt. Tie Pflanze gedeiht im Süden und Südosten der Insel auf tonigem Boden, in Mulden, die durch Entkalkung der Felsen der dortigen Kalkptateaus entstanden sind. Die zweite, Geaxa purpurca genannte Pflanze macht den Eindruck eines SchmarotzergcwächseS. Sie erreicht eine Höhe von bis 1 Meier. Der Stamm ähnelt abgestorbenem Holz und enthält eine ungeheuere Menge von Mark. Die Blüten, deren sich 20 bis 100 auf einer Pflanze finden, sind 2— 8 Zentimeter lang und von satter Purpurfarbe. Die Pflanze wurde im Norden des Kap St. Marie und des Faux-Kap gefunden. Die dritte, malvcnartige Pflanze, blacroealxx tornentosa, ist ein Baum, dessen außcrordcnt- lich hartes Holz den Eingeborenen gewöhnlich zu gewerblichen Zwecken dient. Man fertigt insbesondere Nägel daraus, um aus weichem Holz hergestellte Bretter zusammenzuhalten. Die Farbe des Holzes ist gelb, während der Stamm innerlich ein rosafarbenes Ansehen besitzt. Tße großen weißen Blüten sind kelchförmig ge- staltet Die Frucht ist eine fünsfjachrige Kapsel. Der Baum findet sich in der Provinz Tulear. verantworli. Redakteur: Hans Weber, Berlin.— Druck u. Verlag: Vorwärl» Buchdruckere, u.Verl«g«anstallPaul Singer LcCo..Berlin3>V.