Anterhaltungsblatt des Vorwärts Nr. 222. Sonnabend, den 14 November. 1908 (?lachdrllL»erbo!««.) 981 Hndrcaa Vöft. Gauernroman von Ludwig Thoma. Otteneder knüpfte den Rock zu. „Ich habe keine Zeit mehr, Vöft. guten Tag!' Da strich sich der Schuller die Haare aus der Stirne. ..De Sach' is erledigt. Net wahr?" Und er ging ohne Gruß mit dem Florian Weiß hinaus. Der Bezirksamtmann faltete die Hände auf dem Rücken und blieb nachdenklich mitten im Zimmer stehen. Dann ging er an den Schreibtisch und las mechanisch das Blatt, welches zu oberst in dem Akte lag. Folium zwei. Beschwerde des Pfarrers Jakob Bau- stätter gegen die Wahl des Bürgermeisters.„Ich versichere pflichtgemäß, daß Andreas Vöft ein gewalttätiger, roher Mensch ist, welcher durch seine Reden und Handlungen jede Autorität bedroht." „Hm," sagte Otteneder.„den Eindruck hat er eigentlich nicht auf mich gemacht. Aber der Pfarrer muß es besser wissen." „Hast it g'spannt, wia's an Bezirksamtmann«'rissen hat, wia'r i eahm dös g'sagt Hab' von mein' Büachl? Der kennt's und hat's scho g'lesen. Dös dersst g'wiß glaab'n." Weiß blieb auf der Treppe stehen und wollte dem Schuller klarmachen, wie fein die Fäden in dem heimlichen Gewebe gesponnen seien. Aber der Schuller war kein aufmerksamer Zuhörer. „Laß guat seil" sagte er.„I bin it zum Reden auf- g'legt." Beim Unterbräu trank er hastig eine Halbe Bier und rührte kein Essen an. Er drängte zur Heimfahrt. Und dann saß er schweigend auf dem Wagen und achtete nicht auf den Gaul und nicht auf den Florian Weiß. Es regnete heftig. Da wurde auch dem Bräundl trübselig zumute: er zottelte einen schlechten Trab dahin, und wenn ein Berg kam, schlich er langsam hinauf und nickte traurig mit dem Kopfe. Sie waren allein auf der Straße. Kein Fuhrwerk kam ihnen entgegen, und keines holte sie ein. Weit und breit war nichts Lebendiges. Oder nur Raben, die schwermütig auf den Bäumen am Wegrands saßen und die Federn sträubten. Zuweilen flog einer auf und schimpfte über die Störung. So mochte der Schuller eine Stunde gefahren sein. Immer beschäftigt mit seinen zornigen Gedanken. Und plötzlich sagte cr zu seinem Nachbar: „Du hascht so g'spaßi daher g'redt im Bezirksamt. Elaabst du wirkst, daß da Pfarrer Held dös g'schrieben Hamm kunnt?" „Warum it?" antwortete Weiß.„Bals eahm o'g'schafft tvorn is?" „Wer hätt eahm denn was o'schaffen soll'n? Selbig's- Mal hat do neamd was geg'n mi g'habt?" „Do kost scho läng' schwarz sei und woaßt nix davo. Es gibt so Büacha. wo a lcdcr nei g'schrieb'n werd, dem ina'r it itraut." „Dös san so G'schichten, Flori." „O mei, Schüller! Dir geht scho a no amal a Liacht auf! Was Hab i Dir denn g'sagt, wia ma einag'fahr'n san? Weil Du allawcil glaabt hascht. Du kost um Dei Recht streit'n. Dös Werst Du g'spannt Hamm, wia de alle mitanand z'samm'- spielen. Und da Held werd aa koan Ausnahm' g'macht Hamm. Weil er net derfen hat. Dös is amal g'wiß und wabr." 5Oer Sckiullcr gab keine Antwort. Und der Bräundl zog grimmig an: denn er hatte einen scharfen Hieb auf seinem breiten Rücken verspürt. 13. Kapitel. Aber während sich jetzt in Erlbach das Unrecht au8- breitete wie die Kleeseide auf dem Felde, ging man ander- wärts daran. Wucherblumen und Kletten und anderes Un- kraut zu entfernen, dainit das Recht ein freieres Wachstum haben sollte, Ueber Nacht war Nußbach ein Ort geworden, dem man Beachtung schenkte: ein Ort. in welchem Ereignisse vorfielen, so bemerkenswert, daß alle Zeitungen darüber schrieben« Die einen ausführlich, die anderen sehr kurz. Aber kein Blatt überging sie völlig. Denn sie standen im Zeichen der hohen Politik. Waren Symptome beginnender Aufklärung oder Symptome der umsichgreifenden Zuchtlosigkeit. Jä nachdem man sie betrachtete. Schüchel, Wimmer, Prantl. Wer kannte diese Namens Waren sie je in Gegenden gedrungen, wo keine Nußbacher Wegzeiger standen? Kannte sie jemand außer den wenigen Menschen, welche zu Nußbach Kaisermehl kauften oder sich neue Absätze an die Stiesel schlagen ließen? Und jetzt las man überall, daß sich eine politische Bewegung zeige unter der Leitung eines gewissen Wimmer und eines gewissen Prantl. Des Jacobus Prantl. welcher sich seines RuhmeS erfreute: der auch bei kühler Witterung lange Stunden auf dem Marktplatze stand und die Augenbrauen so finster zu- sammenzog, als wolle er hier, just auf dem Flecke zwischen dem Sternbräu und dem Melber-Wimmerhause die neue Weltordnung aufrichten. Viele betrachteten ihn scheu und mit einem gewissen Grauen. Denn etwas Unheimliches haftet allen Menschen an, welche an den Grundfesten des Staates rütteln. In die Scheu mischte sich Ehrerbietung vor dem Manne, besten Name in den Zeitungen stand und der solchergestalt über das bescheidene Maß eines Nußbacher Bürgers hinaus- ragte. Und die Gestalt des grimmigen Schusters erinnerte die Nußbacher an den Lärm, mit dem die Welt angefüllt war. Der nun auch in ihre stillen Behausungen drang. Der Vater trug ihn mit, wenn er vom Abendtrunke heimkam: die Frauen brachten ihn ans den Läden, und wöchentlich dreimal hallte das bürgerliche Zimmer wieder von Geschrei, wenn sich zwei Weltanschauungen im Wochen- blatte und im Anzeiger gegenübertraten. Und das war seit der Vorbesprechung, welche die neuen Bauernbündler am 16. Dezember abhielten. Oder, um es genauer zu bestimmen, seit der Woche, welche diesem Ereignisse voraufging. Denn eS wurde angekündigt und gepriesen, es wurde verlacht und verurteilt, schon vor es stattfand. Nie vorher hatte der Setzer des Herrn Adolf Schüchel so große Buchstaben in den Winkelhaken gesteckt als zu dieser Zeit. Es waren Buchstaben, welche der Bedeutung der Sache und den Worten des Jakob Prantl gerecht werden mußten. Buchstaben, welche sich fett und schwarz auf das Papier drängten und den Leser so ungestüm anschrien, daß ihm jeder Widerspruch in der Kehle hängen blieb. Sio waren von so gewaltigem Umfange, daß sie den Gegner er- drücken mußten, wenn er mit bescheidenen Lettern an, marschiert kam. Aber Hefele sah sich vor und führte den Kampf für das Christentum mit dicker Schwabacher Schrift. Und so konnte das Nußbacher Volk nicht mehr in beschaulicher Ruhe die Neuigkeiten der Woche überblicken. Es wurde gezwungen, seine Aufmerksamkeit von nichtigen Dingen abzuwenden, um zu erfahren, daß nun endlich die Morgenröte der Freiheit ihre bedenklichen Lichtstrahlen auf das dunkle Treiben des Zentrums werfe. Doch stand dies nicht mit Sicherheit fest, weil schon den andern Tag in den Nachrichten die Erwartung ausgesprochen wurde, daß jeder halbwegs gebildete Mensch sich durch die gemeinen Angriffe augeekelt fühle, welche nur schlecht per- borgencn fanatischen Haß gegen die Kirche zum Untergrund hätten. Auch dem Gefühle des Ekels durfte man sich nicht ungestört hingeben, denn die düstere Antwort des Wochen, blattes sagte, daß der Schreiber jener Zeilen, welcher offen- bar den Kreisen des Zentrums entsprunacn sei, im alten Rom sicherlich als Volksfeind behandelt und vom tarpejischen Felsen hinuntergeworfen worden wäre. Wer mag es den Nußbachern verargen, daß sie ängstlich auf den Sturmwind horchten, der um ihre Häuser pfiff und an ihren Fenstern rüttelte? Und dann kam der 16. Dezember. Ein winterlicher Sonntag von freundlichem Ansehen. Ein Sonntag wie so viele andere mit Messe, Hochamt und Predigt. Mit Früh- fchoppen im Gasthaus zur Post g�ottenen und abgebräuntcn Sßßtffen, u n5 Weiszlvein ictzu. Mit eine? gebratenen Gans zu Hause und einem Nachrnittagsschläfchen. Aber von da ab veränderte sich der feik�Kgliche Lauf der Ereignisse. Der Spaziergang mit Weib und Kind unter- blieb, der Tarok beim Unterbräu wurde nicht gespielt. Tie friedliche Erholung war verdrängt durch erbitterten Kampf. Den Nachmittag um vier Uhr war der große Saal im Sternbräu dicht besetzt. In langen Reihen waren Tische und Bänke aufgestellt: kein Platz war leer. Iiir die Honoratioren Nußbachs waren vor der Rednerbühne einige Tische reserviert; hier saßen der Bürgermeister Huber und der alte Rentamtmann Zinkel. Neben ihnen der Amtsrichter Kroiß, welcher als eifriger Anhänger der ultramontanen Partei bekannt war. Er unterhielt sich lebhaft mit dem Abgeord- neten, Dekan Metz, welcher heute nicht fehlen durfte. ZKan sah außer ihm noch manchen Herrn im geistlichen Habit; meist behäbige Männer, deren Gesichtszüge mehr Gutmütig- keit als Janatismus verrieten. (Fortsetzung folgt.)! (Nachdruck verboten.) 20] Die Kolakcn. Don Leo Tolstoi 2t. Plötzlich war es ihm, als wäre die Sonne in seiner Seele auf- gegangen. Er hörte die Laute seiner Muttersprache, hörte das reißende, gleichmäßige Murmeln des Terek, und wenige Schritte weiter tat sich vor ihm die braune, bewegliche Wasserfläche des Flusses auf, mit dem schwärzlichen, nassen Sande an den Ufern und Sandbänken, die weite Steppe, der Turm an der Grenzioacke, der sich über dem Wasser erhob, ein gesatteltes Pferd, das mit gefesselten Füßen im Buschwerk umherging, und die B�rge. Rot brach die Sonne auf einen Augenblick auS den Wolken hervor und warf ihre letzten Strahlen auf den Fluß, das Schilf, den Wach- türm und die Kosaken, die in einer Gruppe dastanden. In dieser Gruppe lenkte unwillkürlich Lukaschkas kühne Gestalt Olenins Auf- w.erksamkcit auf sich. Olenin fühlte sich wieder ohne eine faßbare Ursache vollkommen glücklich. Er schritt auf den Posten von Nishne-Protozk am Terek zu. der dem freundlichen Aul am jenseitigen Ufer gegenüberlag. Er begrüßte die Kosaken und trat, da er noch keine Gelegenheit fand, irgendjemandern etwas Gutes zu tun, in die Stube. Auch rn der Stube bot sich keine Gelegenheit. Die Kosaken empfingen ihn kühl. Er ging in den getünchten Flur und zündete eine Zigarette an. Die Kosaken schenkten Olenin wenig Aufmerksam- keit, erstens, weil er eine Zigarette rauchte, zweitens, weil sie für diesen Abend andere Zerstreuung hatten. AuS den Bergen waren mit einem Kundschafter feinoliche Tfchetschenzen gekommen, Ver- wandte deS getöteten Abrekcn, um den Leichnam auszulösen. Die kosaiische Behörde wurde aus dem Torfe erwartet. Der Bruder des Getötete», ein großer Mann mit schöner Gestalt, geschorenem Haare und gefärbtem roten Barte, stand trotz seines zerrissenen Tschcrkeffenrocks und der schlechten Mütze ruhig und selbstbewußt wie ein Fürst da. Er war dem getöteten Abrekcn außerordentlich äbnlich. Niemanden würdigte er eines BlickeS, nicht ein einziges Mal sah er den Toten an; er saß im Schalten niedergekauert, rauchte sein Pfeifchen, spie von Zeit zu Zeit aus und gab nur selten befehlende Kchltöne von sich, auf die sein Begleiter mit Ehrerbietung horchte. Man sah es ihm an, daß er ein Dsbigit war, der schon oft den Russen unter ganz anderen Verhältnissen gegenübergestanden hatte, und daß ihn jetzt an ihnen nicht nur nichts in Erstaunen setzte, sondern daß er sie gar nicht beachtet«. Olenin war an den Toten herangetreten und betrachtete ihn. Der Bruder aber sah von unten herauf mit ruhigem, verächtlichem Mick Olenin an und sagte etwas kurz und ärgerlich. Ter Kund- schafter bedeckte schnell das Gesicht des Toten mit einem Tscher- kessenrock. Olenin war von der Würde und von dem Ernste der Züge in dem Gesichte des Dshigiten betroffen. Er sprach ihn an und fragte ihn. auS welchem Aul er sei, aber der Tschetschenze würdigte ihn kaum eines Blickes, spie verächtlich aus und wandte sich ab. Olenin war so erstaunt darüber, daß der Bergbewohner ihm so wenig Aufmerksamkeit schenkte, daß er sich seine Gleich- gültiakeit durch Dummheit oder Nnkenntnis der Sprach« erklärte. Er wandte sich an seinen Gefährten. Ter Gefährte, ein Kund- schafter und Dolmetsch, war ebenso schiecht gekleidet, aber dunkel- haarig und nicht rot; er hatte lebhaste Bewegungen, weiße Zähne und funkelnde schwarze Augen. Der Kundschafter nahm gern das Gespräch auf und bat um eine Zigarette. Fünf Brüder waren sie, erzählte der Kundschafter in ge- brochcnem Russisch. DaS ist schon der dritte Bruder, den die Russen getötet haben, nur zwei sind noch da. Dieser war«in Dshigtt, ein hervorragender Dsh-git, sagte der Kundschafter und zeigte auf den Tschetichenzcn. Als Achmei-Chan— so hieß der ge- tötcte Abreke— erschossen wurde, saß er am anderen Ufer im Schilf; er sah alles mit an, wie man ibn in das Bvot legte und an das Ufer schlevpte. Bis in die Nacht hinein sah er da, er wollte den Alten erschießen, aber die anderen ließen eS nicht zu. Lukaschka kam zu den Sprechenden heran und setzte sich nieder. Aus welchem Aul war er? fragte er. Tort aus jenen Bergen, antwortete der Kundschaster und« zeigte über den Terek hinüber in ein nebliges Tal.— Kennst 2« Ssujuk-ßu? Zehn Werst drüber hinaus etwa liegt es. Kennst Du in Ssujuk-ßu Girej-Chan? Er war offenbar stohl auf diese Bekanntschaft. Er ist mein Freund. Mein Nachbar, antwortete der Kundschafter. Ein ausgezeichneter Mann!— Und Lutaschka begann, offene bar sehr interessiert, ein tatarisches Gespräch mit dem Kund- schafter.> Bald daraus kam der Hauptmann und der Dorfrichter miL einem Gefolge von zwei Kosaken angeritten. Ter Hauptmann, einer von den neuen Kosakenoffizieren, begrüßte die Kosaken. Aber niemand rief ihm wie die Nrmeesoldaten erundernd zu: Wir grüßen Euer Wohlgeboren. Nur hie und da nickte jemand zur Antwort mit dem Kopfe. Einige unter ihnen, auch Lukaschka, erhoben sich und standen stramm. Der Unteroffizier machte die Mel- dung, daß aus dem Posten alles gut stehe. Olenin erschien das alles lächerlich, als spielten diese Kosaken Soldaten. Aber die Förmlich- keit ging bald in Gemütlichkeit über. Der Hauptmann, der ein ebenso fescher Kosak war wie die anderen, begann eine lebhafte Unterhaltung mit dem Dolmetsch in tatarischer Sprache. Man setzte ein Schriftstück auf, übergab es dem Kundschafter, nahm von ihm das Lösegeld und trat an den Leichnam heran. Gawrilow, Luka! Wer heißt so? fragte der Hauptmann. Lukaschka nahm die Mütze ab und trat vor. Ick habe dem Obersten über Dich Bericht erstattet. Was cb bestimmen wird weiß ich nicht; ich habe Dich zum Kreuz vor- geschlagen. Zum Unteroffizier ists noch zu früh. Kannst Tu lese» und schreiben? Zu Befehl, nein. Aber ein tapferer Junge bist Du, sagte der Hauptmann und spielte weiter oen Vorgesetzten.— Setze, die Mütze auf. Von welchen Gawrilows ist er?... Von Gawrilow dem Breiten? wie? Ein Neffe, antwortete der Unterossizier. Weiß schon, weiß schon. Nun greift an, helft ihnen, wandte er sich an die Kosaken. Lukaschkas Geficht sirahlte nur so vor Freude und erschiert noch schöner als gewöhnlich. Er trat von dem Unteroffizier zurück, bedeckte seinen Kops und setzte sich wieder zu Olenin. Als der Leichnam in das Boot gebracht war, schritt der Bruder des Getöteten auf das Ufer zu. Die Kosaken traten unwillkürlich zur Seite, um ihm Platz zu machen. Mit starkem Schwünge sprang er vom Ufer in das Boot. Dort warf er zum ersten Male, wie Olenin beobachtete, einen raschen Blick über alle Kosaken und rich- tete wieder an seinen Kameraden in ckbgebrochenen Worten eine Frage. Ter Begleiter antwortete etwas und zeigte auf Lukaschka hin. Der Tschetschenze warf ihm einen Blick zu und wandte sich langsam ab. Dann sah er hinüber nach dem anderen Ufer. Nicht Haß, kühle Verachtung sprach aus diesem Blick. Er sagte noch :twas. Was hat er gesagt? fragte Olenin den rührigen Dolmetsch. Die Deinigen töten die Unserigen, die Unseligen werden die Euren abschlachten. Immer und ewig derselbe Jammer, sagte der Kundschafter. Er log offenbar, lachte, zeigte dabei seine weiße» Zähne uno sprang ins Boot. Der Bruder des Getöteten saß ohne sich zu rühren im Boote und schaute unverivandt nach dem anderen Ufer hinüber. Er war so von Haß und Verachtung erfüllt, daß ihn hier gar nichts anzog. Der Kundschafter stand im Hinterteil des BooteS, führte das Ruder bald rechts,� bald links, steuerte mit großem Geschick und hörte nicht auf z» sprechen. Das Boot teilte schräg die Strömung, wurde immer kleiner und kleiner, die Stimmen schlugen kaum noch vernehmbar an da» Ohr, und endlich landeten sie drüben am Ufer. wo ihre Pferde standen, so daß die Kosaken sie sehen konnten. Dort trugen sie den Leichnam ans Land; obgleich das Pferd sich sträubte, legten sie ihn auf den Sattel, zaßen auf und ritten inr Schritt den Weg zum Aul entlang. Eine Menge Volks kam herbei» um ihn zu sehen. Die Kosaken auf dieser Seite waren höchst zu- frieden und lustig, von allen Seiten horte man Lachen und Scherzen; der Hauptmann und der Dorsrickter gingen in das Häuschen hinein und taten sich gütlich. Lukaschka saß mit einem beiteren Gcstcht, dem er ein würdiges Ansehen zu geben vergeblich sich bemuhte, neben Olenin, die Ellbogen auf die Knie gestützt und schnitt- eine Rute. Was rauchen Sie da? fragte er, als wäre er neugieriz, Schmeckts? Er sagte das wohl nur. weil er bemerkt hatte, daß sich Olcnirt nicht behaglich fühlte, daß er sich einsam vorkam mitten unter de» Kosaken. Gewohnheit, antwortete Olenin, warum? Sm— wenn unsereiner rauchen wollte, würde es ihm schlecht ergehen? Die Berge sind doch nicht weit,— sagte Lukaschka und zeigte nach dem Tale hin,— und Du kommst doch nicht bin.— Wie wollen Sie allein nach Hause kommen. In dieser Dunkelheirl Ich will Sie begleiten, wenn Sie wollen, sagte Lukaschka. Bitten Sie den Unteroffizier. Ein tüchtiger Bursch, dachte Olenin, als er das heitere Gesicht des Kosaken ansah. Er gedachte Mariankas und des Kusses, den