Ar. 303, Adoimemtnts-KMngungen: ööonnemt nt8- Preis pränumerando: Pierteljährl. 3,30 Mi,, monall. t,10Mr., wöchenilich 28 PIg. frei ins Haus. Einzelne Nummer S PIg. Sonntags- Nummer mit iliiilUiciiet Sonntags- Beilage„Die Neue Welt" 10 Pfg. Post- oibonnement: 3.30 Mari pro Quarlal. iiingelragen in der Post-ZeilungS- Preisliste für lvv9 unter Lr. 7i!2l>. linier Kreuzband für Teutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland 3 Marl pro Monat. Prscheiut Liglich«utzer Wonlag«. Devlinev Volksblalt. 1«. Jahrg. Die Anftrtimis-Veliühr belrägt für die sechSgespallsne Kolonel- zeile oder deren Raum 4.0 Pfg., für politische und geiverl schastli ch e Bereins- und BersammlungS- Anzeigen 20 Pfg. „Kleine Zlnfeigen" jedes Wort S Pfg. (nur das erste Wort feit). Inserate für die nächste Nummer müssen b!S 4 Uhr nachmittags in dcrExpcdltion abgegeben werden. Tie Expedition ist an Wochen- tagen btS 7 Uhr abend«, an Sonn- und Festtagen bis 8Uhr vormittags geöffnet. Fernsprecher:»mi l, Lr. 1508, Telegramm-Adresse: „Sorialdemokrnt Berlin" Centralorgan der sorialdemokratischen Partei Deutschlands. Ledaktion: SW. 19, Veuth-Strahe 2. Expedition: LW. 19, Venth-Strafze 3. Bezngs-Anladung. Mit dem 1. Jomiar eröffnen wir cht neues Abonnement auf den „Vaetvärks" mit seinem wöchentlicki fünfmal erschemenden Ilttterhaltttttgsblatt und der SonntagS-Beilage «»Vis Lteuv Lvelt". Im Untcrhaltungöblatt beginnen wir ant 1. Januar mit dem Abdruck des neuen, in der Eifcl spielenden Romans von Klara Vicbig: UVeibee'doef. Für Berlin nehmen sämtliche Z e i t un g S sp e-d i te n r e sowie unsere Expedition, Beuthstr. 3, Bestellniigen entgegen 511111 monatlichen Preise von I Mark Pfennig frei ins Hans. Für außerhalb nehmen sämtliche Postanstalten Bc- stellungeu zum Preise von 3 Mark 30 Pfennig für die Monate Jannar, Fcbrnar, März entgegen.< Eingetragen ist der„Vorwärts" in der Post-Zeitniig-ZIiste unter Nr. 7971.) Die Redaktion des Vorwärts". Die Reform der französische» Rrbeiterschntz-Gesetzgebnug. Paris, Sä. Dezember. Knapp vor dem Schluh der Herbstsession hat die Deputierten- rammer die im langsamen Tempo geführte Budgetdebatte unter- brocheu, um der Reform der Arbeiterschnfj-Geseyc ein paar Tage hastiger Beratiingen zu widmen. ES scheint daS ewige Schicksal dieser wie jeder anderen socialpolitischen Reform nur durch eine gelegentliche Ueberanstrcngung an-Z der jahrelangen kommissarischen Versenkung hervorgeholt zu werden. Dann fehlt„natürlich" die Zeit für eine durchgreifende Arbeit, und es kommt im besten Falle zu einer teilwciscn, mehr oder minder wirksamen Verbesseriing, im schliininsten Falle aber zu bloszen Anläufen. Die Refonn des Kinder- und Frauenschutz-GcsetzcS vom 2. No- vember 1892 war bereits sofort nach dem Inkrafttreten dieses Gesetzes zu einer Notwendigkeit geworden. Das ist in erster Linie die Schuld des S e n a t s. der das Gesetz so arg verklausuliert hat, daß die Unternehmer die freieste Möglichkeit bekamen, das Gesetz zu umgehen. Zum Ucberflutz sorgten dann noch die kapitaliflüchen Handelsministcr dafür. auf dem Wege von Dekreten zahllose„Aus- nahmen" und Hinterthüren zu schaffen, die das Gesetz eigentlich zer- störten. Dast schliefjlich die Fabrikinspeltion sich nach dem Willen der unternehinerfreundlichen Minister richtete und keine An- strengungen machte, die gonverneinental ermöglichten oder erleichterten Kniffe der Unternehmer zn vereiteln, versteht sich am Rande. Sehen wir uns zunächst die grundlegenden Bestimmungen dcS Gesetzes von 1892 an. Kinder von 12 bis IS Jahren dürfen„effektiv" nur 10 Gtiinden beschäftigt werden, Minderjährige von 16 bis 18 Jahren nur 60 Stunden in der Woche, mit einem inaxiinalen Arbeitstag von 11 Stunden, Mädchen über 18 Jahren und Frauen nur 11 Stunden täglich, während die Männer schon seit 1848 den 12-Stnndciitag haben. Diese Spaltung des Arbeitspcrsonals in vier Kategorien bildete den hauptsächlichen Gegenstand der unter- nehmerlichen Beschwerden. Man tucife, dag in England der Zehn- stnndentag für Kinder und Frauen auch den Männern zu gute gekonmieii ist. Aber in Frankreich gelang es nicht, das gleiche Resultat, die Einförmigkeit der Arbeitszeit auf Grinidlagc des kürzeren Arbeitstages, zu erkämpfen. Die Untcriichmer gelangten nun mit den angedeuteten Mitteln in den meisten Fällen zur Durch» setzung der Einförmigkeit der Arbeitszeit auf Grundlage de« längsten Arbciistnges oder auch noch darüber hinaus, d. h. zimi Nachteil der gesetzlich geschützten Kinder und Frauen. Der erste parlamentarische Versuch zur Beseitigung dieses im- erträglichen Zustandes wurde im Juni 1896 gemacht. Aber die bezügliche Kammerberatung wurde nach etwa zehntägigen Verhand- liingen einfach unterbrochen, ohne in der verfloffeneit Legislatur wieder aufgenommen worden zu sein. Die Reform wurde erst jetzt, nach Zl/s Jahren, wieder in Angriff geiiomnien. und zwar auf Grund- läge eines vom Senat votierten Entwurfes, der die Einförmigkeit der Arbeitszeit vermittelst des Elfstundentages für alle be- schützten Kategorien einführt. Der senatorische Entwurf trug damit den Wünschen der Unter- nehmer im vollen Matze Rechnung, mnsomehr als die Kautschuck- Paragraphen des Gesetzes von 1892 iiiiangetastet blieben, welche u. a. den willkürlichsten, jede Kontrolle unmöglich machenden Schichtenwcchscl gestatten. Die Depiitiertenlammer, die von Anfang an den Z e h n st n n d e n t a g für alle beschützten Kategorien votiert hatte, konnte natürlich den senatorischcn Entwurf nicht unverändert anneh«en. Die ArbeitSkommission der Kammer nahm eine gründ- lichc Aeiidernng des Gesetzes von 1892 vor. ES kam jedoch vor- derhand nicht' zur Beratung deS ganzen KommijsioiiscntwurfS. Um die Reform in aller Eile unter Dach bringen zn können, wurden im Einverständnis mit dem HandelSniinister Millerand zunächst die wichtigsten Bestiininnngen' des KommissionSeiitwurfes herausgegriffen und' gesondert erledigt. Hier die von der Kammer votierten Kommissionsvorschläge bezw. Ziisatzauträge. Der maximale Elf stnndentag gilt nicht nur für die Minderjährigen und die Frauen, sonder» auch für die erwachsenen Männer, die in Betrieben arbeiten, wo Kinder und Frauen beschäftigt werden. Nach Ablauf von zwei Jahren seit verlmidigimg dcS gegenwärtigen Gesetzes wird die Arbeits» zeit für alle Kategorien, auch für die Männer, auf 1 0>/s Stunden verkürzt; nach Ablauf_ von weiteren zwei Jahren auf zehn Stunden gleichfalls für alle Kategorien.") In allen Betrieben, mit Ausnahme der kontinnicr- lichen, haben die Ruhepausen, deren jede nicht unter c i n c r Stimde dauern darf, für alle durch dieses Gesetz beschützten Kategorien zur gleichen Zeit stattzufinden. Jede s ch i ch t w e i s e O r- ganisatiou der Arbeit i st verboten. Diese Bestimmung ichiebt dem betrügerischen Schichtwechsel einen Riegel vor. Für die Kohlengruben und Bergwerke wurde nutzer- dem sofort der Achtstundentag für die Minderjährigen und die Frauen festgesetzt, was übrigens nur die gesetzliche Sanktionierung der thatsächlirb bestehenden Arbeitszeit bedeutet. Und zwar gilt das für die über Tage arbeitenden Minderjährigen lind Frauen, denn unter Tage arbeiten diese Kategorien überhaupt nicht mehr. Dieser Antrag wurde gcmeinschaftlicki gestellt vom Gruben- besitzer Baron des Rotours und den beiden Kohlengräber-Vertretepn, den Abgg. BaSly und Lamcndi'n. Zur besseren Würdigung der Tragweite der Reform ist noch zu lagen, datz sie. wie Millerand mitteilte, einer Gesamtzahl von 2 148 157 Arbeitern zu gute käme, darunter 43? 637 Kindern, 6031Fö Frauen und 1 111 335 Mäniierit. d. h. ungefähr 82 Proz. der gesamteu französischen Arbeiierschafl. Wird also die von der Kammer votierte Reform auch vom Senat angenonmieii, dann ist in vier Jahren der Z c h n- st 11 11 d e 11 t a g für 82 Proz. der französischen Arbeiter Gesetz und — bei entsprechender Kontrolle— Thalsache geworden, was aber die Verallgemeinerung deS Zchnstnudentages nach sich ziehen iniitzte. Der Senat! Das ist eben der Haken! Ist eS nicht viel wahrscheinlicher, datz der Senat einzig die Gleichförmigkeit de? Elf- stimdeiitageS votiert und alle anderen Bestimmnngen des Kamnier- entwurfs ablehnt? Wird nicht in diesem Falle eine leere Hoff- ining aus den Zehiistuiidcntag um den Preis der Verlängerung des Kindcr-ArbcitSiagcs von zehn auf elf Stunden erkauft, um den Preis eines in der Geschichte der Arbcitcrschutz-Gesetzgebnng beispick- losen Rückschritts?... Dies im wesentlichen die Gründe, welche die s 0 c i a l i st i s ch e K a 111 111 e r f r a k 1 i 0 11 veranlasst hatten, einen Beschlutz zu fassen, die Reform„mit allen Mitteln zum Scheitern z 11 bringe n". Der Wortführer der Fraktion während der Debatte. Gcnoffe V a i l l a 11 t. übernahm fast allein die ganze Last der Durchführung jenes FraklionsbeschlicsseS. Er beschuldigte das Ministerium, einschlietzlich dcS Ministers Millerand, die Reform bezw. die schlciinigc gesonderte Bchaiidlniig der angeführten Pmilte des KommisstonScntwurfeS aus Rücksicht auf daS Uutemehinernim empfohlen zn haben. Er bezeichnete die Verlängerung des Kinder- Arbeitstages auf 11 Stunden als„menschenmördernch" und als ein „sociales Verbrechen", indem er ja an die Amiahme de§ Zehn- stimdeiitageS im Senat nicht glaubt. lind auf die Entgegiiinige» der ÄommisstonSredner und MillerandS, datz der im alten Gesetze eingeschriebene Zehnstinidcntag für Kinder ja doch so ivie so auf dem Papier bleibe, antwortete er mir der Betoumig der Pflicht der Siegie- rinig, das Gesetz durchzuführen, wobei er sich auf das Urteil von Fabrikinlpektoren und der uiiteriiehnierfreundlichcn„Höheren Arbeitskommission" idcr Koiitrolliiistanz der Inspektion) berief. wonach der Widerstand der Untenichmer gegen daS Gesetz von 1892 geschwunden wäre und dieses durchaus als durchführbar erscheine. Andererseits hob Vaillam bcrvor, datz die Annahme der Reform in der Kammer die von Millerand für Neujahr 1900 versprochene und dekrctmätzig bereits festgesetzte strikte Durchsühriing des alten Gesetzes wieder vereitle. Er bezeichnet: daher die schleunige Erledigung der Reform auch als ein Mittel, de» HandclSminister von seiiicin Versprechen zu befreien... Millerand wehrte Vnillants scharfe Vorwürfe ebenfalls in ziemlich scharfen Wendungen ab. Er rechnet natürlich auf die baldige Diirchietzirng der Reform im Senat, andernfalls aber sei er entschloffc», das alte Gesetz streng diirchzitfiihren, ohne sich dabei allerdings z» verhehlen, datz die Mängel des Gesetzes so grotz seien, datz er befürchten müsse, in manchem Punkt„auf Widerstände und Betrügereien'lfnuiäes) zn stotzen, die durch die Fassiing des Gesetzes von 1892 selbst be- günstigt werden". Vnillants Protest gegen die beispiellose Bcr- längcriing der Kinder- Arbeitszeit ans 11 Stunden bezeichnete Millerand als eine„grobe Zweideutigkeit", indem einerseits durch daS zeitweilige Opfer der Zehiistiindeistag gewonnen werde und andererseits diese Bcrlniigeriiiig nur eine Aendernng von Worten im Gesctzcstcxt bedeute, denn in Wirklichkeit arbciictc» die Kinder 11 Stunden und noch mehr...„Dieser Politik der Formeln und der Worte setze ich die Politik der Dinge und der Wirklichkeiten entgegen..." Vaillant hatte unter anderem gesagt:„DaS Untcriiehincrtiini wird sicherlich szu der Reform) mit Begeisterung Beifall klatschen, aber die Arbeiterklasse wird protestieren. Meine Freunde und ich werden überall die Agitation organisieren und unsere heftigen und berechtigten Proteste vernehmen lassen gegen einen derartigen Beschluß, der verbrecherisch, menscheninördenjch, für die Kinder tödlich wäre." Hierauf bezieht sich folgende Entgegnung Millerands, mit welcher der Minister seine einzige größere Rede schloß:„Es mag sein, datz man in gewissen Kreisen die Zweideutigkeit zn beiiiitzcn sucht, um gewisse Massen aufzuregen. Was mich betriffr, so habe ich Vertrauen zum gesunden Verstand derjenigen selbst, die zimäclist an der Abänderung des Gesetzes von 1892 interessiert sind. Thun wir unsere Pflicht, meine Herren, daS übrige hat keine Bedentnng!" (Eitiert nach dem amtlichen Gtenogranim des„Journal officicl"). Nach dem Votum der Reform hat Millerand in einem Rund- schreiben die strikte Anwendiing des Gesetzes von 1892 vom 1. auf den 31. Januar 1900 hinausgeschoben, dadurch also seine Absicht kundgebend, die Reform noch im Laufe des nächsten Januar im Senat zur Erledigmig zn bringen. Vaillant hatte einen Gegenentwiirf eingebracht, worin u. a. der Vier stnndentag für die Minderjährigen von 16—18 Jahren und der Achtstundentag für die Erwachsenen gefordert wurde. Die *) Die Kommission hatte eine Uebergangsfrist von je drei Jahren beantragt. Die Kammer votierte aber den von Millerand iiiilerstützten Antrag des socialistischcn Abgeordneten Eolliard, der die UebergaugSzeit vom Zehnftimdeiitag insgesamt auf vier Jahre festsetzt. beiden Bestiinmnngen wurden mit 389 gegen III Stimmen abgelehnt. lieber die wichtigeren Abstimmiingen der socialistischen Fraktion ist folgendes mitzuteilen. In der Abstinininiig über die Dringlichkeit des NefornientwiirfeS, wodurch eine zweite Lesimg vermieden ijjjrd, votierten 33 Fraktionsmitglieder gemätz dem crivähnten Fraktion«« beschlutz gegen die Dringlichkeit, 2(die gnesdistischeii Abgeordneten Eolliard uiid Jonrde) dafür und 2 sGueSdist Pastre und llu- abhängiger llionaiiet) enthielte» sich. Für de» llebergang zur Eiiizclbcratiiug des Entwurfes votierten wieder Jonrde und Eolliard. dagegen 27 Socialisten und 8 ciithielteii sich. Für die von der Kommission und von Millerand verlangte gesonderte Erledigung der Hauptpunkte der Reform votierten 8 Socialisten, meist GneSdistcn. dagegen die übrigen 29 FraktionSiiiitgUeder. Endlich in der S ch 1 11 tz a b st i ni in 11 n g über die ganze Reform votierten 20 Socialisten dagegen. 17 dafür. Bon der Kammer wurde das ganze Gesetz mit 444 gegen 47 Stimmen angenommen. Die Minderheit besteht, außer den 26) Socia- listen und ein paar LinkSradikalen, ans nationalistisch- antisemitischen Abgeordneten, welch' letztere selbstverständlich einzig anS Haß gegen das Ministcriuin die Reform verwarfen. Genosse Walter, Vaillants Freund, hatte in der Debatte ausdrücklich und scharf die aufdringliche ualionalistischc BiiiidcSgeiioffenschaft abgeschüttelt. Jetzt loiiiint also alles auf den Senat an. Die erdrückende Mehrheit der Kammer, die das Gesetz votiert hat, ist an sich noch keine Bürgschaft für das SciiatSvotiiin. llnisatzt doch die Mehrheit eine erhebliche Zahl hartgesattencr kapitalistischer Elemente mit M e l i 11 c an der Spitze, die, wie bei jeder socialpolitischen Reform. mit„Ja" stiiiiinen— in der Hoffnung ans da? ablehnende Votimi de? Senats. Und diese Hoffnimg wurde bisher mir in AiiSiiahincfnllcn getäuscht. Es mag jedocki fein, datz der Senat. augesichls der besonderen politischen Lage der Gegenwart, wo er als Siaatsgcrichtshof im Komplotiprozetz den ganzen Haß der klerikal-militärischen Reaktion auf sich geladen hat, davor znrückschencii wird, durch die Ablehniiiig oder Verschleppung der Reform auch den Haß der klaffeiibeiviitzten Arbeiterschaft wieder einmal zu eiitfachen. Vielleicht sieht der Senat ein. daß daS Votum des ZehiistitiideiitagcS cinc migleich wirksamere Schntzwchr der Rc- publik wäre als die Verurteiluiig der Tsronlöde und Konsorten. poUtischo Mebevficht. Berlin, den 28. Dezember. Ter Enropakoller. Es war vorauszusehen, daß die Afrikaner die Verbrechen des Prinzen A r e n b e r g lvieder mit der medizinisch uil- bekannten Krankheit des Tropenkollers entschuldigen würden. Das ist denn auch geschehen. Aber die Tropen sind ganz unschuldig an diesen Ausbrüchen einer verbrecherischen Bestialität. Die Peters, Leist, Arenberg waren genau die- selben, bevor sie Afrika mit ihren lebensgefährlichen Eivili- sationSversnchen beglückten. Alle Kolonialpolitik, die ja nur die ziemlich brutalste Form der kapitalistischen Ausbeutung ist, hat die europäische Unkiiltiir unter die Wilden ver- schleppt, sie haben körperliche und moralische Verseuchung den Eingeborenen gebracht. Als die ersten Reisenden, als Männer der reinen Wissenschast. in die von der euro- päischen Eivilisation noch freien Länder kamen, entwarfen sie belvundcrndc tschilderungen von den ihnen bisweilen geradezu in paradisischem Glanz erscheinenden Zilständen. Mit jedem Jahrzehnt, je mehr die Europäer eindringen, iverden die Schilderungen tingünstiger, bis man schließlich, ans dem Höhepunkt der' europäischen Knlturwirknng nur noch schwarze Bestien sieht. DaS sind die Folgen des E u r 0 p a k 0 l l e r s. für den die Hehler der Kolonialverbrechen daS tropische Klima verantwortlich zn machen suchen, der in Wahrheit aber nichts anderes ist als die allbekannte europäische Entartungs- erscheinung der S ch n e i d i g k e i t. ES ist auch ganz erklärlich, daß die von dem Europa- koller angefaulten Herrchen gerade Afrika als Schauplatz ihrer Thätigkeir bevorzugen. In Europa hemmen die Peinlichen Strafgesctzbuch-Paragraphen ein schrankenloses Ausleben der schneidigen Individualität, während in Afrika dergleichen Vergnügungen aus den« Recht des Kulturträgers abgeleitet und verteidigt, wenn nicht verherrlicht werden. Im Falle Arenberg kann es sogar strikte bewiesen werden, daß der Mann mit dem Enropakollcr nach Afrika gekommen ist. Wie die„Tägliche Rundschan" erfährt, hat der Prinz Arenberg seiner Zeit seinen Abschied vom 4. ivcstfälischcn Kürassier- Reginlcnt wegen Soldaten miß Handlungen nehmen müssen. Aus die Kolonien wurde er nichts desto weniger losgelassen. ' Die milde Beurteilung der Kolonialverbrechen reizt die Helden der Schneidigkeit ja geradezu an, ihre verderbte In- stinkte an den Eingeborenen auszulassen. Man strafe Ver- brechen, die in den Kolonien von Deutschen an„Wilden" begangen worden sind mit derselben Schärfe, die in Deutschland selbst angclvandt wird, und die Afrikaner werden sich künftig es ein wenig überlegen, ob sie— unter den Einwirkungen des tropischen Klimas„g e i st e s k r a n k" iverden dürfen. Allerdings ist ja die sonst so drakonische Militär-Strasjustiz, die auch für die k 0 l 0 n i a l e S ch n tz- truppe gilt, selbst bei uns von einer ivunderbaren Milde, lvenn es sich um Konflikte zwischen Militärs und Eivilisten handelt; auch ein Brüsewitz bekam nur ein paar Jahre Festung und wurde vor dem Ablauf seiner Haftzeit begnadigt. So kann man kaum noch darin etwas Erstaunliches sehen, daß ein Schivarzer nur als„Eivili st" betrachtet wird, dessen Leben minder kostbar ist. Man hat eben eine humane Neigung, in solchen Fällen vor lauter mildernden Umständen nicht mehr das Verbrechet» zu sehen. Schon hört man,, daß der bestialische Prinz für cm Verbrechen. ans dein nach geltendem Zlecht die Tode s st r a f e sieht, mit— drei Jahren Festung bestraft worden ist. Ta kann� freilich keine Rede mehr davon sein, daß die Strafe abschrecken soll: in Hinsicht der Kolonien scheint man der kriminellen B e g ü n st i g nn g s theorie zu huldigen. Eine amtliche Darstellung des Falles steht immer noch aus. Uebrigcns zeigt es sich, daß der Europäcrkoller fon- sessionell durchaus paritätisch wirkt. Diesmal haben wir es mit einem Katholiken zu thun, überdies mit einem leiblichen Neffen des Führers des Ecntrnms in Kolonial- und Weltpolitik. Das Centrnm treibt bekanntlich nur aus dem Grunde Kolonialpolitik, um den armen Heiden das Ghristcntum beizubringen. Es ist heute den Katholiken nicht mehr angenehm, wenn man ihnen vorhält, daß diese Verbreitung des Christentums»och innner bisweilen in m i t t e l a l t e r l i ch e r Weise geschieht, wie es das Beispiel des Prinzen Urenberg beweist, der offenbar anch nur den schwarzen„Nächsten" pröglichsr schnell der Freuden der ewigen Seligkeit teilhaftig werden lassen wollte.— Ter dciitsch-cnglische Geheimvertrag, ivie ihn der„Lokal- Anzeigcr" initgctcilt hm, wird auch im„RcichS-Anzeiger" dementiert. Trotzdem wird der Inhalt der Veröffentlichung vielfach ernst gc- uomiucn. Sicheres über die Nichtigkeit oder Unrichtigkeit der Mt- tcilimgc» weiß niemand nnzugeben: anch die englischen Blätter ergehen sich mir in Venuninngen. Charakteristisch ist, daß die Art der im Vertrage enthaltenen Auftcilimg des portugiesischen Kolonial- besitzes den konservativen Blättern wenig gefällt. Die „Deutsche Tageszeitung" meint, wenn der Vertrag so Tante, wie der„Lokal-Anzeiger" mitteile, so„ sind lv i r w i e d e r einmal tüchtig ü b c r s O h r g e h a n c»." Der„Reichs- böte" glaubt an eine Mystifikation n»d sagt: „Denn daß Dentschlaiid sich auf einen solchen Vertrag ein- lassen sollte, ist einfach undenkbar. England möchte' wohl solche Verträge schließen, aber Deutschland würde es als eine Beleidigung einpfiiidcu, wen» ihm Goa und Damao, zwei vortiigiesischc Enklaven im englischen Ostindien, das erstcre ans der Westküste in der Provinz Boinbah, das andere auf dcrOstlüstc in der Provinz Gudscheiat, anbieten wollte. Daß die Sache ein schlechter Scherz ist, darauf deutet>vohl vor allen, hin, daß anch Makao, dos chinesische Monaco— es ist eine Halbinsel 60 Kilometer südwestlich von Hongkong, mit mehreren Spielhöllen — Deutschland zugefallen sein soll." Die konservativen Zeitungen sollen sich nur nicht de» Mund vcr- hrcnnen. Sonst wird es ihnen später, wenn der Scherz Ernst geworden. schwer werden, in die vorschriftsmäßige Begeisterung nmzn- schweiikeu. Denn wenn auch der Vertrag etwas anders lautet als jetzt vennnlct wird, wertvoller für das deutsche Volk wird er sich sicherlich nicht erweise».— Deutsches Weich. Tie Wicdercinsiihrnng der dreijährigen Dienstzeit soll von der Regierimg ins Auge gefaßt sein, so erzählt ein konservativer Landtags-Abgcordneter in der„Kreuz-Zeitmig". Wenn die Regierung so„weit angelegte Pläne" verfolge, so solle sie doch jenen«leidigen Zankapfel", den Rhcin-Elbc-Kanal, nicht nochmals auswerfen. Es scheint als wolle der kanalvcrdrossene Ariikclschreibcr die Regierung durch AuSsprengung»»finniger Absichten einige neue Verlegenheiten bereite».— Zarte Nippeustöste versetzen die Agrarier ihrem lieben Miguel. Die„Deutsche Tageszeitung" erinnert den Minister an einen Trink- spruch ans dem Jahre 1894, in dem er ausführte: „In den letzten 30 Jahren seien alle Gesetze wesentlich zu Gunsten und unt Rücksicht auf Handel und Industrie gegeben: er lasse dahingestellt ob dies mit Recht geschehen sei; jedenfalls wisse er von dem Kaiser und zweifle nicht, daß die hohen Bundes- fürstc» ihm darin beistimmten, daß cS der a l I e r h ö ch st e Wille sei, von welchem anch die Regierung getragen werde, daß»nnrnehr e i n e u c u c Periode von 30 Jahre» ciiizutreten habe, in. der die Jnleresscn und die Ve- d ü r f n i s s e der Landwirtschaft für die Rechtscutwickliing, Gesetzgebung und Regierimg maßgebend sein müßte»." Seitdem ist. so fügt die„D. T." hinzu, ein halbes Jahrzehnt vergange», und doch habe die Landwirtschaft nichts von dem Miguel- scheu Programm bemerkt. „ES liegen, wenn man die damaligen Worte des Ministers v. Miguel ernst nehmen will, nur zwei Möglichkeiten vor. Em- weder ist es bisher nicht gelniigcii, nnt diesen Anschauinigen in der preußischen Regierung und im Bundesrate diirchzudringen. Das würde sehr ausfällig sein, da Miguel nicht nur von seinen Mcmungeii, sondern vom„ n t l e r h ö ch st e n W i l l e u", da er nicht nur in seinem Rainen, sondern im Namen der preußi- scheu Regierung gesprochen hat. Oder niaii ist der Meinimg, daß die„ k l e i ir e n M i t t e l", die bisher durchgeführt oder bc- goimcii wurden(Cüciitvnl- Geiiossciischastskasic, Landwirtschafts- kammerii, Braiiiüwcinsteuer-Gcsetz. Zucterstener-Gesetz n. a.s schon genügen»iid als B e>v e i s dafür gelten köiiiicn. daß die Jiltcressen der Landwirtschaft für die Negierung maßgebend ge- n orden sind. Sollte das letztere der Fall sein, so würde es einigermaßen kühn vom Herrn Dr. Lieber geivesen sei», Herrn v. Miguel als„Agrarier" zu bezeichnen." Also mag sich Herr Miguel ans seine agrarischen Pflichten endlich besinnen. Er hat so viel für feine Frcimdc gethan, daß ihm zil thun noch immer vieles.übrig bleibt: denn die Juliker sind Virtuose» des Hungers M'.d der llnziisriedenheit.— Ter herrliche Krieg. In ihrer Weihiiachtöinimmer verherrlicht dos„AdclSblatt" zwar nicht den Frieden auf Erden, wohl aber im Stile des alten Heinrich Leo den Krieg: „Der Krieg ist ein Gottesgericht, das wird gewiß»ic- ma»d bestreiten, der die großen Kriege unseres Jahrhiiilderts auf ibrc Ursachen prüft, iiiid weim anch, wie im amerikanische» Sccessions- krieg, der nntcrlicgclide Teil nicht der sittlich tiefer stehende ist, so er- bell:, doch der Verlans eines Krieges in seinen Einzelheiten mit grellem Lichte die Sünden, Schwächen lind llnlaiiterkeitcn der Beteiligten. Schon ans diese»« Grunde bedarf die Welt von Zeit zu Zeit eiueS die Lust reinigende» Krieges, der mit Feuer nud Schwert in die Berge von aufgehäuften Lüge», Schein- dingen und Tänschimgen hineinfährt, die in langen FricdenSzcitcil wie eine dicke Kruste, wie ein Rost sich ans die Seele der Mensche» lege», und den Sinn für Wahrheit, die Kraft der Herzen zu ersticken drohen." Danach ist die Folge der Erbsünde im Grunde eine wunder- schöne Einrichtiliia, Welche— man denke etwa an den dreißigjährigen Krieg— den Sinn für Wahihsir und die Kraft der Herzen stärkt. Die Engel des„Adelsblaties" werden künftig die Wcihiiachtsloftmg wohl in ein erhebeiidendes„Schlachten auf Erden" umwandeln.— Patriotisnillö aus Befehl. Durch Ministerialerlaß sind die Behörden angcivicscn worden,„in geeigneter Weise bei gemein- nntzige» Vereinen mid auch anderweit ans die Abhaktmig von Ver- saniinlmigeu und Vorträgen hinzmvirkcn, bei denen des z n r N e i g e gehenden I ah r h u n d er t s nnd der Segmmgen. die es unserer Ration gebracht hat, gedacht»nd namentlich auch ans die g l o r- r e i ch e L e i t u n g li n's ererGeschickedurchdiepreußische K r o n e hiiigclviesen ivird." Es gehen den» auch schon zahlreiche Meldiiügen ein, daß die Loudrtitf lind Bürgermeister sich mit eiltsprechenden Allffordernngen an die Vcrcinsvorstäude lvenden.— Es ist ja schließlich auch gänz in der Ordnung, wenn das preußische Staatsministerium in der gesebilderten Weise i» Patriotismns macht. Alle ordentlichen KommiS niüffen auch die Ware ihres Ehess loben.— Die Flottcnprofeffore» fährt die„Deutsche Tageszeitung" barsch an: „Wenn, was Ivir nicht wünschen, die Flottenborlage scheitern sollte, so trügen die Professoren von der Art des Herrn Brentano e i u e n großen Teil der Schuld. Kann man denn die Herren nicht irgendwie veranlassen, ihr uiiniitzes Gerede zu unterlassen?" Daß die„Tcutsche Tagcszcitiing" das Scheitern der Flotten- Vorlage nicht wünscht, ist eine verhältnismäßig junge EmpfiNduug. Ende Oktober dieses Jahres war dem Organ des Bundes der Land- Wirte die Plötztichkeu des Flotteuplanes»och„unheimlich". Es inciiitc zutreffend, daß uns der Flottenplan für die nächste Zeit keinen Pfifferling helfe,; sogar der Wahiisinn des sich gegenseitig steigernden Wettrüstens war ihr aufgegangen. Jetzt hat Herr Ocrtel mit nnheimlichcr» aber wohl erklärlicher Plötzlichkeit sein Wasserherz entdeckt.— Der erste volkstümliche Flottenvortrag, dazu bestimmt, die Marüieschtuärmerci ins Volk zu tragen, fand am Mittivochabend in der Brauerei Friedrichshai» statt. Gut besucht ivar die Veranstaltuiig ivohl, aber d i e Kreise des Volkes, ans welche die Veranstalter der Flottenagitation gerechnet haben, als sie ihre Anffühning zu dem herabgesetzten Eintrittspreise von 20 Pf. im„Vorwärts" annoncicrteli, ivarcii nicht vertreten. Ein Drittel Unterofsizicre der hiesigen Garde- regimentcr und jene»iiiformierteu Jüngciis, die sich die ebenso stolze wie mizutreffende Bezeichnniig„Jiigendwehr" beilegen: reichlich ein Drittel Damen uild Kinder: kaum ein Drittel Mäillier aus bürgerlichen Kreisen, anscheinend zumeist Krieger- vercinler. das ivar das Publikum, ivelchcs den trostlos öden Vortrag dcS chinesischen T o rp e d o d i r e k t o r s a. D. Kretzschmar über sich ergehen ließ. Nicht minder langweilig wie der Vortrag war die Vorführung von Lichtbildern unserer Kriegsschiffe. �Ein großer Teil der Anwesenden verließ bereits nach der ersten Serie der Bilder den Saal und unr die unciltlvcgtesten Marine- Enthnsiasten nahmen auch nach den ztveilen Teil gähnend entgegen. Wer von den Zuhörern noch nicht zu den Flottenschwärmern unter alle» Umstände» gehört haben sollte, ist durch diese Borfühning sicher nicht belehrt worden.— Aus dem Postrcichc. Den Leichtsinn des heiligen Gregor, welcher versehentlich den diesjährigen Weihnachtsabend ans einen Sonntag fallen ließ, hat der kaiserl. Ober- Postdircktor Klihm in Minden dadurch gut zu machen gewußt, daß er an seine Bureau- bcamten nnd Unterbeamtcn folgende Berftiginig erließ: Kaiserl. Obrr-Postdircktion, Minde», 21. Dezember 1899. Am Sonntag, den 24., ist bei der Ober- Postdircktion einschl. Ober- Postkasse der Dienst am Vormittage wie an den Werktagen, am Nachmittage ivie Mittwochnachmittags abzuhalten, nur wird am Vormittage der Dienstbeginn auf 9 Uhr verlegt. Am 25. nnd 26. ist SoniltagSdienst abzuhalten. 1. Stelle 19 z. Beachtung. 2. Zum Uuilanf bei den übrigen Dienststellen. 3. Zu den Akten. gez. Klihm. Wie wenig ein Bedürfnis zu dieser Maßnahme vorlag, erhellt am besten daraus, daß— soviel wir wissen— bei keiner andern Ober- Postdircktion eine ähnliche Aiiordnung getroffen worden ist.— Militarismus und Bürgertum. An- Halle a. S. wird uns geschrieben: Seitdem sich das im Oktober hcrverlcgte neue 75. Artillcric-Negiment, zu dessen Empfang den Steuetzahlern 1000 M. abgeknöpft wiirden, hier befindet, ivird mit erhöhtem Nachdruck gegen die Soeialdemokratie vorgegangen oder doch vorzugehen versucht. Besonders der Gencrallientenant Eccil von Rcnthe Fink thnt sich in einer Weise hervor, die auch den Spießbürgern die Augen öffnet. Auf seine Aiiordnung ist über eine ganze Anzahl größerer Säle der Milirär-Boykott verhängt worden, und es sind davon Wirte betroffen worden, die mit der Social- demokratie soviel ivie nichts zn thnii haben. Auch da- Stadt- vberhanpt. das bei der verbotenen BiSmarck-Ehrnng stark in Miß- kredit geraten ist, hat bei der Saalsperre die Hand im Sviclc. Die bürgerlichen Parteien schiuipfcn allerdings über die Maß- nahmen, durch welche die Saalinhabcr schwer geschädigt werden. lassen es aber bei cinigen Eingesandts gegen die Militärbehörde in der bürgerlichen Presse belvciidcn. Die Soeialdemokratie ivird in nächster Zeit Stelluilg dazu nehmen.— Die kaiserlichen Armeebefehle sind, wie die„Volks-Zcitung" feststellt, im Jahre 1899, abgesehen von Berlin lind Potsdam ans iolgenden Orten datiert: Bremen, Kiel. Hnbcrtusftock, Friedrichsruh, Weimar. Karlsruhe, Wartburg, Straßburg, llrville. Wiesbaden, Knnnersdorf, Pröckclivitz, Hannover, Helgoland. Eckcruförde, Travc- münde, Or-kog, Moide. Droiitheim, Merok. Aalcsund, Bergen, Oldcn, Wilhelmshavcii. Wilhelmshöhb. Arolsen, Metz, Neuhof, Eversioalde, Swiiiemünde. Danzig, Romiiiten. Maricnbnrg. Hamburg, Lctzliiigen, Kaiser Wilhclin-Äanal, Port Victoria, Vlissingeii, Jagdschloß Göhrde. Blankciibnrg.—__ Chronik der MajestätSbcleidigungs-Prozrssc. Leipzig, 27. Dezember. Das Landgericht B e u t h e n sO.-Schl.) hatte am 17. November den Grubenarbeiter Hermann G r z p b c k lvcgcil M a j e st ä t s b e I e i d i g ii ii g. Widerstandes, Körper- Verletzung und Ucbcrtretuiig zu sechs Jahren GesäuguiS und acht Wochen Haft verurteilt, außerdem auch auf Publikation des Urtcilstenors erkannt. Am Abend de- 17. Oktober kam der An- geklagte in die Wohnung seines Schwiegervaters und fing Streit mit ihm an, sodnß derselbe de» Anitssergenuteil R. zu Hilfe holen mußte. Diesem gegenüber hat dann Grzhbek, als er verhaftet werden sollte, den Widerstand und die Körperverletzuiig bc- gangen. Die übrigen Strafthate» wurden in der Verhandlung vor dem Reichsgerichte nicht erwähnt.— Dieses verwarf die R e v i s i o n des Angeklagten in der Hauptsache und änderte nur das Urteil insowött ab, als es die angeordnete Publilation als mibegründet in Wegfall brachte.--- Ncber die Zukunft von Togo mitsamt dem im kürzlichcn deutsch- englischen Vertrag erworbenen Hiiitcrlandsgcbicte gicbt G. A. Krause, der selbst längere Zeit in Togo gcweicii ist, folgendes Urteil in der„Voss. Ztg.": Der Handel und die An-fuhr Togos werden durch das iieiic Grenzabkommcn daher keine Er- Weiterung erfahren. Diese Ausfuhr ist überhaupt in er« schreckender Weise gesunken. Sie ist gegenwärtig, trotz des 1897 erfolgten neuen Zuwachses des Mono- Dreiecks, von dein gewisse Leute goldene Berge für Togo prophezeiten, viel niedriger, als zur Zeit, da die Deutschen Togo in Besitz nahmen. Eine Er- kläriing für dieses Sinken liegt nicht aus der Hand, denn die Nachbargebiete im Osten und Westen haben einen großen allgemeinen Anfschwimg genommen, der unabhängig ist von einer guten oder schlechten Ernte dtr Oclpalnie, von einem trockenen oder nasien Jahre. Als einige Jahre hindurch diese Ernte gu: ausgefallen war, suchte man die Ausfuhr Togos dadurch als recht hoch hinzustellen, daß man nicht nur den Wert der Togo-Erzciigiiiffc, sondern auch die Frachtgebiihrcii für dieselbe von Afrika nach Europa, die VersicheriingSgebührcn iiiid den Gewinn, den die europäischen Kanfleiite iii Europa an diesen AuSsuhrerzcngiiiffen erzielten, als Ausfuhrwerte in die Statistik aufnahm und daraufhin einen„erfreulichen'Aufschwung" feststellte.— Nur eines wäre für Togo von Wert gewesen, der Besitz des linken Volta-Ufcrs am Meere. Hätte man dafür den ganzen Norden Togos hingegeben, so wäre ein doppelter großer Gewinn zu verzeichnen gewesen, eine Vcr- mehrung der Einnahmen im Süden und eine Vcrniiiidcrung der Ausgaben im Norden. Diese Möglichkeit ist nun für immer vor- über, und T o g o k a n n es nie zu etwa- Rechtem bringen. Vorüber sind auch für immer die Träume, in denen Ganou mit Nupe als dentscker Besitz erschien, trotz unanfechtbarer Rechtstitcl. Wie gewonnen, so zerronnen.— Ausland. Weiterbau des Panama-KanalS. New Jork, 28. Dezember. In New Jersey wurde eine Ge« scllschaft unter dem Namen„Panama Canal Company of America" mit einem Kapital von 30 Millionen Dollars eingetragen. Sie ist eine durchaus amerikanische Gesellschaft, die die französischen Intel- essen erworben hat. Die Gesellschaft hat die Befugnis, ihr Kapital ans die vierfache Höhe zu bringen und den teilweise gebauten Panama-Kanal zu erweitern, zu vollenden und zu betreiben, feiner anch die Eisenbahn über die Landenge, sowie Dainpferlinien, Wersten und Lagerhäuser in ihren Geschäftsbetrieb aufzunehmen nnd in Bezug ans die Fertigstellung und den Betrieb des Kanals mit jeder Regie- rung Vereinbarmigeii zu treffen.— bestreich-Ungar». Interpellation wegen � der Ausweisungen auS dem Deutschen Reich. In der Sitzung der östreichischen Delegation in Wien interpellierten die Delegierten Paeak und Genoffen den Mini st er dcsAeuße r n Grasen G o l u ch o w s k i wegen der Ausweisnng östreichischer landwirtschaftlicher und industrieller Arbeiter ans Teutschland und weisen auf die seinerzeitige Er- llärung des Ministerpräsidenten Grasen Thun im Abgeordnctciihause hin. Sie heben hervor, daß in der letzten Zeit die Ausweisungen ans Deuischland z u g e n o m m c u haben, und andererseits die agitatorische Thätigkcit' preußischer Unterthanen in Nordböhmen ge- wachsen sei. Tie Interpellanten fordern, daß der Minister de§ Aenßcrn auf Einstellung der Verfolgungen östreichischer Arbeiter durch preußische Behörden hinwirke. Die Jnterpellanteil verweisen ans die Rücksicht, welche e i» A l l i i e r t e r d e.m an deren schulde und fragen, ob der Minister des Aenßmi geneigt sei, dem Berliner Kabinett vorzustellen, daß ein derartiges Vorgehen ungeeignet sei, die Sympathie n Oestrcichs sjir ein Bündnis' mit Deutsch- laud zu vermehren.— Frankreich. Paris, 28. Dezember. Heute beginnen vor dem Schwurgericht die Verhandlungen gegen 11 Anarchisten, welche sich wegen der im letzten August in der Kirche St. Joseph verübten Plünderungen zu verantworten haben. Es sind zahlreiche Zeugen vorgeladen worden, so daß die Verhandlungen voraussichtlich uiehrere Tage danern werden.— Paris, 28. Dezember. General Andre, der Kommandeur der 10. (Pariser) Infanterie- Division, hat verboten� daß in der Kaserne nationalistische und antisemitische Bin t t er gelesen werden, weil in diesen die Regierung heftig angegriffen wird.— Untersuchung gegen Klosterbrüder. Der Untersuchungsrichter Fahre begab sich am Mittwoch wieder in das Afiomption- Kloster. wo er verschiedene Brüder, welche in den gegen diesen Orden chwebendc» Prozeß verwickelt sind, einem längeren Verhör unterzog. Holland. Einen Kriegsmiuistcr, der etwas lernt, auch wenn es gegen den militaristischen Strich geht, haben wir jetzt— zwar nicht in Deutschland, aber doch in dem stamnivcrwandten Holland. Dort ist man damit beschäftigt, eine neue Mititärorganisation ein- zuführen, und sehr hat. nach längeren Vorarbeiten, der Kriegsmiuistcr- einen E n t w u r f vorgelegt, nach welchem die Dienstzeit für d i e I n s a n t c r i e vier b i s a cki t Monate, für die übrigen Waffen ein Jahr betragen soll. Hochinteressant ist seine Begründung vor den Generalstaate!»(der Kammer). Er wies darauf hin. daß der Gencralstab gegen die kürzere Dienstzeit gewesen sei.„Im vorigen Jahre waren sechs Korps- komniandaiiten gegen und drei für die neue Regelung, jetzt find sechs dafür und drei dagegen. Der Transvaal- krieg hat bewiesen, daß D i S c i p l i n nicht ans« schließlich eine K a s e r n c n s r u ch t ist." Der Minister ist dafür, eine Kommission nach der Schweiz zu schicken, um das schweizerische System näher zu studieren. Er hat im vorigen Jahre Manöver machen lassen durch Truppen, welche erst vier Monate dienten. Was diese leisteten, erregte die Bcwimdcrimg der auswärtigen Offiziere. Das schweizerische S y st e m sei mir möglich nach militärischer In gendcrziehung. die in Holland fehlt, saust wäre er das ü r. Nun— dann kann man die militärische Jugenderziehung ja in Holland einführen. Interessant ist ein Vergleich des holländischen KriegsimiiyterS mit unser e n Fachmilitaristen. Nachdem diese eine Zeitlang den Erfolgen der Boeren ihre Bewimderuiig gezollt hatten, fiel ihnen plötzlich ein, daß die praktische Nutzanwendung ihnen gefährlich sei. Und seitdem quälen sie sich damit ab. zu beweisen, daß die Boeren nur deshalb gesiegt hätten, weil die Engländer nicht— militärisch genug feie»'! Also wo möglich noch m e hr K a s ern e n d rill! Kroiizeiige für den deutschen Militarismus ist bei dieser Gelegenheit wieder einmal der schweizerische Oberst Wille geworden— ein reaktionärer Gamaschenlnopf. der das demokratische Milizsystem seines Vaterlandes haßt und ob seiiie- nnrepnblikanischcii Gebahrcns schön einmal eine offizielle Bcrwarnniig feitest# des eidgenössischen Bundesrats erhalten hat.— Italien. Noch ein Abgeordneter als Mitglied der Maffia? Man schreibt uns aus Rom: In dem locialistischen Blatte„Avant," machte dieser Tage der sicilimiische Socialistensührer Tasca. Fürst von Ev.io. eine sensationclle Mitteilung. Er bchanptclc, daß, außer dem jüngst verhafteten Abgeordnete» Palizzolo,; noch ciii anderer siciliamscher Abgeordneter Mitglied der Maffia gewesen sei; dieser Mann, der noch heute Deputierter und einer der höchstcu Justiz- bcamten des Landes sei. habe den nach Ataffiagrimdsätzeii gegründeten Gcheimbuiid„La Fratellanza" in Girgenti- ins Lebe» gerufen. Tasca erklärt, daß er nicht fürchte, Lügen gestrast zn werden; in den Händen des Senators SeusalcS, des ehemaligen Präsekten von Girgenti. befänden sich Briefe, die die Richtigkeit jeiner Bchanptiiiigen beweisen würden. Eine so bestimmt forinnlicrte Anzeige mußte in politischen Kreisen natürlich die größte Erregung hervorrufen. Dcr Jiistizmiiiister hat sofort die Einleitung einer Untersuchung an- geordnet.— Ein Opfer der italienischen StandrechtS-Wirt- schast ist vor einigen Tagen im Alter von 21 Jahren zu Tonlon gestorben: Antonio Illiano. ein simger itatieinicher Lehrer, der nach der letzten Himgerrevolution flüchten mußte und voriges Früh- jähr, als er nach der teilweise» Amnestie im Vertrauen ans diese zurückkehrte, ohne jeglichen Grund, obgleich er zweifellos unter die Äumesti erte» gehörte, mehrere Monate im Gefängnis gehalten nnd ans» Scheußlichste behandelt wurde. Seine schwache Gesundheit hat sich von diesem Schlage nicht wieder erholt.— Nuszland. Leibeigenschaft auf Umwegen. Bis jetzt soll, russischen Blättern zufolge, noch kein russischer Gnlsbeiitzer. trotzdem die Klage derselben über Mangel an Land groß ist. die Lust verspürt hoben. nach Sibirien aiiSziiwandern. Als Grnnd hierfür gab die dem Großgrundbesitz dienende russische Preise den Umstand an. daß die Gutsbesitzer in Sibirien ans Berbältniiie stoßen könnten, die ihnen die Bewirtschaftung ihrer Ländercien unmöglich machen würden. In Sibirien sind nämlich keine Knechte und Tagelöhner zu fiabcn. weil alle angesiedelten Bauern bei dem llcberflnß an Boden über so viel Grund verfügen, daß sie Lohnarbeit weder nötig haben, noch die Zeit dazu fänden. Nim sieht sich � die Negierung. dem Zuge"ihrer Neigung folgend, veranlaßt, diesem ..Uebelstandc" dadurch abzuhelfen. daß sie die Verteilung von Ländereien an Bauern einstellen und in Zukmift nur große Parzellen ausschließlich denjeiiigeii E d e l l e n t e n. die„Land brauchen", zuteilen will. Die Edcllente sollen dann auf ihren Bc- sitzilngcn Bauern ansiedeln und diese sollen statt einer Pachtzahlimg ihren Gutsherren mehrere Tage in der Wockie— Froh n dien st e l e i st o n! Rur auf diese Weise wird, wie ein der Regierung nahe» lichcndcs Organ äußert, den..Gutsbesitzern in Sibirien eine Arbeiter- bevölleruiic, gesichert werden". Das heißt aber nichts anderes. als daß die russische Ncgicrnng schlankweg die Leibeigenschaft wieder ein- führen will.— Australien. Aus Britisch- Neuguinea. Die„Kölnische Zeitung" meldet ans Brisbane uum 20. b. Mls.: Aus Britisch-Neuguinca kommen trübe Nachrichten. Trotz aller Bemühungen des neuen Gouverneurs Ic Hunte, den Frieden zu erhalten, ist zwischen einigen großen Papuastäminen eine heftige Fehde ausgebrochen, die bereits den bedeutendsten Teil der Kolonie in Mitleidenschaft zieht. Es wird berichtet, daß im Süden schon sieben Dörfer in F I a in in e u aufgegangen seien und die Missionare ernstlich bedroht würden. Die Polizei ist den Eingeborenen gegenüber viel zu schwach. Der Entwurf einer Seemanns- Ordnung, eines Gesetzes über die V erp f li chtun g' d eu ts ch e r Kauf- sartheischiffe zur Mitnahme h e i m z u s ch a f f e n d e r Seeleute, eines Gesetzes über die Stellenvermittlung für S ch i f f S I e u t c,- folvie.der Entivurf eines Gesetzes über die Abänderung s e e r e ch t I i ch e r Vorschriften des Handelsgesetzbuches'.Verden im„Reichs- Anzeiger" ver- offentlicht. Die Begründung dieser Gesetzentwürfe beruft sich aus- drücklich auf die von der focmldcmokratischcn Rcichstagsfraktion gegebenen Anregungen zur Abänderung der bestehenden Gesetz- gcbuiig. Was sie bringen oder nicht bringen, geht bezüglich der S e c in a n n s- O r d n n n g aus folgender Stelle der Begründung hervor: Von den im vorliegenden Entwurf einer Seemanns-Ordnung enthaltenen bedeutenderen Acndernngen sind die folgenden hervor- zuheben: 1. Die thunlichste Festlegung der tvichtigercn Vorschriften durch das Gesetz unter Ausschluß der nur zu häufig zum Nachteile des Schiffsmanns ausfallenden freien Vereinbarung zwischen ihm und dein Schiffer(Reeder): 2. die Heraushebung der Schiff'sofnziere aus der„SchisfSmann- schaft" unter Zuweisung einer ihren Ausgaben und socialen Verhältnissen entsprechenden Sonderstellung: 3. die Aufstellung von Grundsätzen über das Verhältnis der Mannschaft zu den Vorgesetzten; t. die weitergehende Berücksichtigung der Musterung auf Zeit, neben der in den bisherigen Vorschriften fast ausschließlich berücksichtigten Musterung für die Reife; 5. die Regelung der Arbeitszeit im Hafen und des Lohnes für Ueberstunden; die Sicherstelluug von Ruhezeiten im Hafen wie auf der Fahrt; die Regelung der Verpflichtung zur Sonn- und Festtagsarbcit; 6. die thunlichste Sicherung des Schiffsmanns vor Entziehung seines Arbeitsverdienstes durch Dritte und vor Uebcrvortcilung bei der Lohnzahlung: 7. die Anpassung der Ansprüche in Erkrankungsfällen und bei vorzeitiger Entlassung sowie der Rückbefördcrungsansprüche an die heutige» Verhältnisse; 8. die Festlegung der Fälle, in welchen jeder Teil zur als- baldigen Auslosung des Dicustverhältnisscs bcrcckitigt ist; 9. Aeuderungen der Vorschriften über die DiSciplinargewalt und der damit im Zusammenhange stehenden Straf- Vorschriften. Als nicht wohl ausführbar erwies es sich, zivci weiteren Forderungen der Schiffsleute oder doch eines großen Teils derselben zu entsprechen. Es sind dies 1. die Einführung von sogenannten Sccschöffeugerichicn unter Beteiligung der Schiffsleute an der. zur Zeit de» Seemanns- ämtern zustehenden, vorläufigen Entscheidung über Dienst- vergehen; 2 die Gewährleistung der Koalitionsfreiheit. Hinsichtlich der Verweigerung des Äoalitionsrcchtes wird gesagt, daß es an Bord des Schiffes aus Gründen_bcr DiSciplin nicht gewährt werden könne und am Lande den Schiffsleute» nutzlos sei. Es wird darauf noch näher einzugehen sein. Der Gesetzentwurf über die Stellenvermittlung, der ganz neu ist und der Ausbeutung der Seeleute durch die Heucrbase entgegen- treten soll, bestimmt: 8 l. Auf die gewerbsmäßige Stellenvermittlung für Schiffs- lcute finden die Vorschriften der Gewcrbe-Ordiiung insoweit An- Wendung, als nicht nachstehend besondere Bcstinnnungen getroffen sind. 8 2. Wer die Stellenvermittlung für Schiffsleute gewerbsmäßig betreiben will, bedarf dazu der Erlaubnis der höheren Verwaltungs- bchörde. Die Erlaubnis ist zu versagen: 1. wen» Thatsachen vorliegen, welche die Nilzuverlässigkeit des Nachsuchenden in Bezug auf den beabsichtigten Gewerbebetrieb darthun; 2. wenn der Nachsuchende cüies der im§ 3 Abs. 1 bezeichneten Gewerbe betreibt; die Landes-Centralbehörden sind befugt, Ausnahmen von dieser Vorschrift zuzulassen. § 3. Wer die Stellenverinittlung für Schiffsleute getverbsrnäßig betreibt, darf gewerbsmäßige Vermietung von Wohn- und Schlaf- stellen, Gastwirtschaft, Schaukwirtschaft, Kleinhandel mit geistigen Getränken. Handel mit Ausriistungs-Gcgenständcn für Schiffsleute und das Geschäft eines Geldwechslers oder Psandleihers weder selbst, noch durch Angehörige(8 52 Abs. 2 des Strafgesetzbuchs), noch durch Hausgenossen betreiben. Die Landcsccutralbchörden sind befugt, Ausnahmen von dieser Vorschrift zuzulassen. Der Stcllenvermittler darf scrner mit Gclverbctreibcnden der vorbezeichneten Art nicht dergestalt in Geschäftsverbindung treten, daß er sich für die Ausübung seiner Vermittlerthätigkcit von ihnen Vergütungen irgend welcher Art gewähren oder versprechen läßt. 8 4. Die den Stellenvcrmittlern für Schiffsleute zukommenden Gebühren werde» durch Taxen bestimmt, welche von den Landes- rcgierungen oder den von diesen bezeichneten Behörden nach An- Hörimg von Vertretern dcS Gewerbebetriebes festgesetzt werden. Die Gebühr ist von dein Reeder und dem Schiffsmaime zur Hälfte zu zahlen; eine entgegenstehende Vereinbarung ist nichtig. Der Anspruch des Stellenvermittlers auf die vom Reeder zu zahlende Hälfte erlischt, wenn der Schiffsmaun seinen Dienst nicht zur fest- gesetzten Zeit autritt. 8 5. Die Landcsregienmgen erlassen Vorschriften darüber, in welcher Weise die Stellenvermittler für Schiffsleute ihre Bücher zu führen und welcher polizeilichen Kontrolle über den Umfang und die Art ihres Geschäftsbetriebs sie sich zu nntertverfen haben. 8 6..Die Erlaubnis zum Gewerbebetriebe kann zurückgenommen werden: 1. wenn aus Handlungen oder Unterlassungen des Inhabers die Unznvcrlässigkeitcn desselben in Bezug auf den Gewerbebetrieb klar erhellt: 2. wenn dem Inhaber die bürgerlichen Ehrenrechte aberkannt sind, für die Dauer des Ehrverlustes. Die Unzuvcrlässigkcit in Bezug auf den Gewerbebetrieb ist stets anzunehmen, wenn der Stellenvermittler wiederholt die festgesetzte Gebührcntaxe überschritten oder sich außer den taxmäßigen Gebühren Vergütungen irgend welcher Art von deni Schiffsmaime hat gewähren oder versprechen lassen. oder wenn er den Betrieb eines nach 8 3 Abs. 1 ihm verbotenen Gewerbes unternimmt. Stellenvermittlern für Schiffsleute, welche vor dem Inkrafttreten dieses Gesetzes den Gelverbebetrieb begonnen haben, kann derselbe untersagt werden, wenn Thatsachen vorliegen, welche die Uiizu- verlässigleit des Gewerbetreibenden in Bezug auf den Gewerbe- betrieb darthun. Die lvcitcrcn Bcstimnumgen betreffen die Bestrafung der Zu- Widerhandlungen. Die Gesetze sollen am 1. April 190t in Kraft treten. Eine Würdigung derselben behalten wir uns vor. Zitattkei Bon der Agitation. Der mecklenburgische Volkskalender ist Mittwoch, den 27. d. M., in ganz Mecklenburg in einer Auflage von 90000 verteilt worden. Die Aenderung des mecklenburgischen SonntagSgesetzcs, die vornehmlich auf diesen Kalender gemünzt ivar, hat also die Verbreitung nicht hindern können. Vielleicht entschließt sich infolgedessen der mecklenburgische Landtag, den dritten Weih- nachtsfeiertag zum offiziellen Festtage zn erklären. Gcmcindctvahlcn. Bei den Ttadtvcrordueteuwahlcn in Pausa in Sachsen tvurden vier socialdcmokratische Kandidaten gctvählt. Zwei dieser Mandate waren bisher schon in unseren Händen. Totenliste der Partei. In Leipzig starb nach längerem Leiden der Schriftsetzer Gustav M e i n e l im Alter von 41 Jahren. Seine Thätigkcit sichert ihm ein treues Andenken bei den Parteigenossen. Das Exekutivkomitee des vor kurzem ins Leben gerufenen „Westeuropäischen Verbandes �lettischer Socialdcmokraten" entfaltet, trotz der großen pekuniären Schwierigkeiten, mit denen die junge Organisation zu kämpfen hat, eine recht rege Wirksamkeit. In steter Fühlung mit der baltischen Arbeiterbewegung verfolgt das Komitee das Ziel, durch Herstellung und Verbreitung von Broschüren, Pro- klamationen ec., sowie durch anderweitige geeignete Matzuabmen die socialistische Propaganda in den russischen Ostsceproviuzcn zu fördern. Neuerdings ist es dem rührigen Komitee gelungen, zur Gründung eines eigenen Organs zn schreiten.„Latweeschu Strahdnecks"(Der lettische Arbeiter), Monalsschrift für Politik, Wissenschaft und Littcratur, so betitelt sich das neue Organ, dessen erste, 40 Seiten starken, Nummer soeben ausgegeben worden ist und uns vorliegt. In einem instruktiven, populär geschriebenen Leitanfsatz erläutert die Redaktion an der Hand eines historischen Uebcrblicks, den gcne- tischen Zusammenhang zwischen der kapitalistischen Produktionsweise und dem modern- proletarischen Klassenkampf. An dem Beispiel Englands und Deutschlands wird gezeigt, wie der Charakter dieses Klassenkampfes bestimmt wird durch die von Ort und Zeit ab- hängigen Kampfbedingungen, deren jedesmalige gründliche Erforschung und' richtige Beurteilung daher unerläßlich seien für jedes ziel- bewußte und zweckentsprechende Handeln. Im Anschluß hieran entwickelt die Redaktion ihr Programm, das sich im allge- meinen mit den Gruudauschauuugen des wissenschaftlichen SocialiSmus deckt und im speciellcn, den baltisch- russischen Verhältnissen entsprechend, folgende praktische Aufgaben ins Auge faßt: Leichtfaßlichc Einführung in die wissenschaftlich- socialislische Gedankenwelt, und zwar durch positive Darstellung der socialdcniokratischcn, sowie durch kritische Analyse anderer Lehren; ferner: fortlaufende Berichte über den Stand der socialistische» Be- wegnug aller Länder, mit besonderer Berücksichtigung der jeweiligen Kampfmcthodcu und Errungenschaften der übrigen Partei-Organi- iationcn Rußlands, also der russischen, polnischen, jüdischen, litauischen usw.;" dann eine Chronik der Gewaltmaßregeln seitens der zarischcn Regierung; und endlich, um auch das Gefühl nicht leer ausgehen zu lassen, belletristische Beiträge von aufrüttelndem und erzieherischem Werte. Außer dem soeben skizzierten Artikel enthält das Heft noch: eine Abhandlung über„Gewerkschaften und Arbeiterbewegung in England", eine llebersicht über die Streikbewegung in Rußland in den letzten paar Jahren und das brutale Verhalten der Regierung einer jeden selbständigen Regung der Arbeiterklasse gegenüber: einen Bericht über den lettischen„Socialistcuprozcß". Von neuen Opfern polizeilicher Verfolgungswut erzählen Korrespondenzen aus Riga, Mitau:c. Endlich enthält diese Nummer noch zwei herrliche Gedichte. Wir wünschen dem jungen llntcrnchmcn besten Erfolg. Möge es dem„Latw. Str." gelingen, zu einer Quelle der Aufklärung und Anregung für die lettische Arbeiterschaft zu werden und ihr Kampfes- mut und Siegeszuversicht einzuflößen! Belgische Ätrbeiter- Kongresse. Der G e iv c r k s ch a f t s k o n g r e ß hatte an seinem zweiten Vcrhandlungstage das Princip zur Entscheidung zu bringen, nach welchem eine gesetzliche Regelung der Arbciter-Versicherungsgesctze vorzunehmen ist. Der Kongreß lehnte es ab, sich auf eine der ver- schiedenen von Kougrcßdclegicrtcn eingebrachten Formulierungen festzulegen. Dagegen fand folgende Tagesordunug. tvelche die all- gemein zu beobachtenden Gesichtspunkte zusammenfaßt, einstimmige Annahme: 1. Ter Kongreß spricht sich zu Gunsten der obligatorischen Ver- sicherung aus mit Heranziehung zur Bcitragslcistung der Arbeiter, Unternehmer und des Staates. 2. Die Pension muß den Invaliden der Arbeit und denjenigen Arbeitern zukommen, welche ein gewisses, vom Gesetz näher zu bestimmendes Alter erreicht haben. 3. Der Kongreß verlangt, daß nmgehend Maßnahmen zu Gunsten der gegenwärtige» Invaliden und der ölten Arbeiier ergriffen werden. 4. Sobald der Regierungsentwurf veröffentlicht sein wird, wird ein neuer Kongreß stattsindcn. Hierauf folgt die Verkürzung der Arbeitszeit: Der Kongreß verlangt die Einführung des achtstündigen Arbeits- t a g e s. Als Uebergangsbcstimnnmge» ist der Achtstundentag zu- nächst für alle die Arbeiter zu verlangen, tvelche auf Rechnung und im Dienste öffentlicher Vcrivaltungcu arbeiten: für alle übrigen Jndustrie-Arbeiter ist als vorübergehende Maßnahme der zehn- stündige Maximalarbeitstag zu fordern. Der Kongreß verlangt sofortige Maßnahmen zu Gunsten der Herabsetzung der Arbeitszeit in besonders gefährlichen und gesund- hcitsschädlichen Betrieben. Die Stückarbeit tvurde für verwerflich erklärt; die Arbeiter haben sich nach Berufen zn organisieren, sodann in Federationcn zusammen zu schließen, national und international, um einen energischen Kampf gegen die Accordarbeit führen zu können. Bezüglich der Organisation verpflichtet der Kongreß die Gruppen,' sich zu Nnter'ftützungs- und Äampfesvereincn zu organi- siereu und dafür zu sorgen, daß durch genügend hohe Beiträge solide Widerstands- und Nnterftützungskassc» begriindet werden, die in einer Organisation zu vereinigen sind. Die Höhe der Beiträge soll 1 Frank pro Woche, im Jahre 1900 zunächst 50 Cts. betrage». Schließlich empfiehlt der Kongreß den Zusammenschluß sänft- licher Organisationen desselben Berufs, die Ernennung von Sekre- tären für die einzelnen Jndustriegruppcn, Gründung von Bibliotheken, um die technischen Kenntnisse und das socialistische Verständnis zu erweitern. Arbeitersekretariate sollen überall, wo es möglich ist, nach deutschem Vorbilde gegründet werden. Dieselben haben auch in Rechtssachen Rat zu erteilen. Der Resolution des Kongresses für Gesundheitspflege zu A n t- werpen, tvelche die Errichtung eines Sanatoriums durch die Arbeiterpartei vorsieht, stimmte der Kongreß ohne Diskussion zu. Die Stellung zu den Kooperativ-Genossenschaften wird durch folgende Punkte festgelegt: Der Kongreß erkennt den Wunsch als berechtigt an. daß alle Genossenschaften ihr Personal dem Generalrat vorzustellen haben. xnter, daß sie sich bei Vermehrung uud Ergänzung ihrer Personale an die Gewerkschaften zn wenden haben. Die Lage der Angestellten der Kooperativ-Genossenschaften ist so zu gestalten, wie es dem Programm der Partei entspricht. Ein ivarmer Appell Anseeles an die Delegierten, den Beschlüssen zur Durchführung zu verhelfen, beschloß den Kongreß. Koltserenj her Holzarbeiter der Provinz Brandenburg. In der iveiteren Diskussion über den Geschäftsbericht des Gau- Vorstandes, die am zweiten Tage fortgesetzt wurde, konnte gleichfalls konstatiert werden. daß mit einigen Ausnahmen die Zahlstellen Fortschritte gemacht haben, daß'damit auch bessere Lohn- und Arbeitsbedingungen errungen worden sind, daß aber noch ein großes Feld zur ferneren agitatorischen und organisatorischen Thätigkcit im Gan vorhanden ist. Als nächster Punkt stand die A r b c i t§ l o s c u- U n t e r« st ü tz u n g auf der Tagesordnung. Für die Einführung der Arbeitslosen- llnterstützung referierte K l i n g n e r- Berlin. Der Redner gicbt der Meinung Ausdruck, daß durch die Einführung dieser Unterstützung stabilere Verhältnisse in der Organisation geschaffen tverdcn, daß die fortwährende, ganz erheb- lich'e Fluktuation der Mitglieder, wenn auch nicht völlig aushört, so doch ivescntlich beschränkt wird und die Mitglieder dauernd an die Organisation gefesselt werden. Durch den weiteren Ausbau des lln'terstützungswefenS würde es leichter sein, die noch fernstehenden Berufsgenoffen heranzuziehen und sie zu klassenbewußten Mitgliedern auszubilden. Wenn die Arbeitslosen unterstützt würden, so Iväre es dadurch eher möglich, die in der guten Konfunktur erzielten Lohn- und Arbeitsverhältnisse auch in der schlechten Konjunktur festzuhalten, uud die Abwehrstreiks, die fast, immer nach größeren Lohnbewegungen durch das Vorgehen der Unternehmer hervorgerufen tverden, find dann zum großen Teil überfiiissig, ebenso wie eine ganze Anzahl Wcrijtättenftreiks vermieden werden können. Der Referent verweift darauf, daß diejenigen Gewerkschaften, welche daS Uttterstiitzungswesen gut ausgebaut haben, prozentual die meisten Berufsgenoffen vereinigen und die' besten Kassenverhältnisse aufweisen und daß die Einführung der Arbeitslosen-Unterstützung im Holzarbeitcrverband sehr gut und mit Nutzen für die Organisation durchführbar sei. Der Korreferent Böske-Bcrlin wendet sich gegen die Ein- führung der Arbeitslosen-Unterstütznug und beKcichuet dieselbe als Pallintivniittelchcn, um die Arbeiter nicht auf das niedrigste Niveau herabzüdrückcn und nur dazu angcthan, die vorhandenen Gegen- sätze zn verkleistern. Es würden durch diese Unterstützung vielleicht ein Teil mehr Mitglieder aber keine Kampfgenossen gewonnen werden. Gerade diejenigen Gewerkschaften, die das Unterstützungs- Wesen nach jeder Richtung ausgebaut haben, sind verhältnismäßig ain wenigsten in den politischen Vereinen und der politischen Bs- wegnug überhaupt beteiligt, uud diese Organisationen haben teilweise schön den Charakter des Klassenkampfes eingebüßt. Der Redner führt im weiteren unter anderem aus, daß die Erhöhung deS Bei- trageS von 20 auf 30 Pf. pro Woche von vielen Mitgliedern, ins- besondere in den kleineren Orten nicht geleistet werde» kann, und daß in nicht allzulanger Zeit eine weitere Erhöhung der Beiträge eintreten müßte, weil die in Aussicht genonnneue Arbeitsloseu-Unter- stützung von ti Dt. pro Woche speciell für die großstädtischen Arbeiter zu niedrig ist. Den' beiden Referaten folgte eine sehr lebhafte Debatte für und gegen die Einführung der ArbestSIosen-Unterstützung. Der Delegierte aus Schwicbns teilte mit, daß die dortige Zahlstelle die Arbeitslosen- Unterstützung fakultativ eingeführt hat niid daß damit recht gute Er- folge erzieh' worden sind. In der hierauf folgenden Abstiunnung erklärten sich 24 Delegierte, darunter die ans Berlin(außer Böske), Brandenburg. Charlottenburg, Kottbns, Eberswalde, Frcienwalde. Guben. Lindow, Potsdam, Schöneberg. Schwiebns, Spandau, Veiitnii und Kiistrin für Einführung der Arbeitsloicn-Unterstiitznng und 26 Delegierte dagegen. Falls der nächste VerbandStag die ArbsitSlofen-Unterstiitzuiig beschließt, so soll vor Einführung derselben eine Urabstimmung vorgenommen tverden, um die Meinung der gesamten Mitglieder festzustellen. Zum Punkt Agitation liegen verschiedene Anträge vor, die bezwecken sollen, die Agitation für. den Verband einheitlicher unb intensiver zn gestalten und die Geschäftssührinig in den Zahlstellen möglichst zu erleichtern. Von K r au s e- Berlin wurde der Wunsch geäußert, daß unter den Korbmacher», die infolge der in dieser Branche vorherrschenden Hausindustrie sehr schwer für die Organisa« tion zu gewinnen sind, auch von den verwandten Berufs- kollegen eine recht rege Agitation entfaltet wird. N c n m a n n- Kottvus regte an. mehr Gelvicht auf die Hausagitation zu legen. Alle Redner gaben in ihre» Ansführimgen ebenfalls der Meinung Ausdruck, daß nicht dem Gauvorstaild alles aufgebürdet werden darf, sondern daß die Verwaltungen in den einzelilen Orte» den Verhält- nisfen entsprechend in dieser oder jener Weise erfolgreich agitieren nmsseii. Nach eingehender DiSklission wurden die Anträge, daß der Ganvorstand jährlich zwei Agitativlistonren durch den Gau zu arrangieren hat und daß der Gauvorstand verpflichtet ist. möglichst jährlickl mindestens eine Revision sämtlicher Zahlstellen vorzunehmen niid Bücher und Kasse genau zu prüfen, dem Gauvorstand zur Be- rücksichtigniig übcrtviescu. Ferner wurde» dem Ganvorstand n. a. noch folgende Anträge übenvicseu: Alle Beschlüjsc, welche Streiks oder Aussperrungen be- treffen, hat der Gauvorstand den in Mitleidenschaft gezogeueu Zahlstellen sofort durch Schreiben bekannt zu geben,— Bei einer Lohn- bcwegimg. wenil kein paffender Redner am Ort ist, hat der Gan- vorstand auf Verlangen der. in Betracht.kommenden Zahlstelle mit dem Uilternchincr in Verhandlung zu treten. Außerdem wurde beschlösset, daß die Kollegen denjenigen Zahl- stellen angehören sollen, wo sie ihren Wohnsitz' haben nnd nicht Ivo sie arbeiten, damit eine bessere Kontrolle ermöglicht wird. Schließlich gelangte folgender von den Delegierte» ans Brandenburg, Charlottenburg uud Schüneberg gestellter Antrag mit allen gegen 4 Stimmen zur Annahme:„Der ziveite Gantag dcS 6. Gaues hält es für angebracht, um eine erfolgreiche Agitaiion in dem ganzen Gan entfalten zu köliiicn, daß der Ganvorsteher besoldet wird nnd empfiehlt daher den« nächsten VorbaudStag. er»löge beschließen. daß, wo es die Notwendigkeit erheischt, die Ganvorsteher zu besolden sind. Des weiteren beschließt der Gautag. es der Berliner Zahlstelle zu überlassen, event. jetzt schon. ciiien Kollegen provisorisch bis zum nächsten Vcrbandstag anzu- stellen." Nach Erledignng einiger geschäftlicher Punkte nnd nachdem noch beschlossen worden war, daß der nächste Gantag zu Weihnachten 1900 einberufen werden soll, crsolglc der Schluß der Konferenz mit einem begeisterten Hoch auf das weitere Gedfthen de? Holzarbeiter-Ber- bandes. z. Btckttldstag iltö Btrdüildtö der liereitliizten AOtlker und verwandttn BernssgenoM Dcutslhlands. Magdeburg, den 27. Dezember 1899. (Vormittags- Sitzung.) Der Verbandstag ist hier' heilte vormittag im„Lmienpark" zusammengckreteu. Anwesend 19 Delegierte, außerdem der Central- Vorsitzende Georg D i e h I, der Centralkassierer Jakob Diel, beide ans Frankfurt a'. M., der Vorsitzende dcß Ausschusses Hermann- Bremen, der Vorsitzende der Agiiationslommission B u r k h a r d t- München und der Rcdactcnr des Fachblattcs Hoch-Hanau. Der erste Punkt der Tagesordnung„Bericht der Central- l e i t u n g" muß zurückgestelll ivcrden, ivcil das das Material enthaltende Paket, das bereits Freitag in Frankfurt ans der Post auf- gegeben wurde, hier noch immer nicht cingetröffen ist. lieber den 2. Punkt der Tagesordnung:„Unsere Lohnkämpfe" referiert Aukinann-Frailkfurt a. M. Danach standen in den letzten beiden Jahren 39 Filialen in einer Lohnbelvegniig. Zu einer Arbeits- einstellnilg kam es in 18 Filialen, tvahrciid 21 Filialen sich mit den Meistern in friedlicher Verhandlung verständigten. Völlig gescheitert sind nur zivci Lohnbeweguiigeii in ganz kleinen Filialen. Iii allen andcrcit Fällen ist eine Erhöhung der Löhne niid Verkürzung der ArbeitSzclt erzielt worde». Der Referent ist in» allgememe» mit dem Verlauf der Lohn- belvegung zufrieden. Jedoch fei oft genug die Leitung der Bewegung niangelhaft gewesen, auch habe mitlmter die»otweiidige materielle Unterstützung gefehlt. Deshalb müsse der Vcrbandstag diejenigen Maßregeln treffen, die zur Beseitigung dieser Mißstände geeignet seien. Es folgt mm eine längere Debatte, in der ans den Er- fahruilgett der einzelnen Filialen die zu Tage getretenen Mißstände geschildert nnd diesbezügliche Beschwerden vorgebracht werden. Schließlich ivird die von dem Referenten vorgeschlagene, seinem Referate entsprechende Resolution angenommen und eine Konnnission gewählt, die alle auf die Lohubctveguug sich beziehenden Anträge vorberaten und einen Entwurf zur Abänderung des StreikreglemcutS dem Berbaudstage am DoimerStag vorlegen soll, Machmittags-Sitzung.) Erschienen ist noch der Vorsitzende der Generalkonnnission der Gelverkschaften Dentschlonds, Genosse L e g i e n. Die Vcrhondlnng wendet sich nun dem U» t e r st ü tz u n q S lv e s e n zu. Der Referent Bnrkhardt- München setzt den großen Wert deS Unterstützmi�s Wesens auseinander. Deshalb müsse auch immer von neuem die bessernde Hand an die bestehenden Unterstützungseinrichtungeu unseres Verbandes gelebt werden. An Vorschlägen fehlt eS auch nicht. Sie erstrecke sich aus alle Zweige des Untcrstütznngswesens. So sei eine Ärankenzuschngkasse angeregt worden. Eine solche Maßnahme er- scheine jedoch bedenklich, weil sie zu Kollisionen mit den Kranken- kassen führen und die Simulation fordern könnte. Die Reise-Ilnter- stütznng sei zwar auf dem vorigen Verbandstage ccntralisiert, jedoch m unvollkommener Weise. Der Centraivorsitzende Tiehl erstattete Bericht über die Ver- Handlungen, die er dem Beschlüsse des vorigen Verbandstages zu- folge über den Anschluß der Neise-Unterstützung an den des Maurer- Verbandes mit dessen Vorsitzenden geführt habe. Der Anschluß sei umnoglich, ivcil die Maurer ihre Reile-Unterstütznng nach einem ganz anderen System geregelt haben. Jedoch hätte sich der Vorsitzende des Maurerverbandes erboten, in �einigen geeigneten Orten, an denen wir noch keine Filiale haben, unsere Neise-Unterstützung durch Mitglieder des Maurerverbandes auf unsere Kosten auszahlen zu lasten. In der Debatte wird zwar von einigen Rednern der Wert des UnterstütznngswesenS in Zweifel gezogen, die bei weitem über- wicgcilde Mehrheit der Redner erklärt jedoch, daß die Unterstützung eine für die Arbeiter durchaus nützliche und deshalb in dem Ver bände unentbehrliche Einrichtung sei. Bezüglich der Krankenzuschußkasse Ivird der Antrag angenommen: Der Centralvorstand wird beauftragt, eine Statistik aufzunehmen in Bcziig auf Krankheitsfällen in de» Filialen. Ziveck dieser Aufnahme ist: Dem nächsten Verbände Material bezüglich Unterstützung bei Krankheitsfällen durch den Verband zu verichasien. wird ein Antrag angenommen, durch den die Reiso Unterstützung esheblich verbessert wird. Früher wurde nämlich das Kilometergeld von 2 Pf. nur bis zum Höchstbctrage von einer Mark für eine Reise ausgezahlt. Jetzt ist der Hochstbelrag auf drei Mark erhöht worden. Mit Bezug auf die Arbeitslosen-Unterstützung wird die Aufnahme einer genauen Arbeitsloseiistatistik beschlossen und der Centralvorstand beauftragt, mit den Vorständen der anderen Banarbeiter-Verbände sich darüber zu verständigen, ob nicht die Einrichtung einer gemein- fame» Arbeilsloscn-Versichernng in Angriff genominen werden kann? Der Rechtsschutz wird centralisicrt, um eine zu starke Be tastung einzelner Filialeir zu verhindern. Inzwischen ist endlich das sehnsüchtig erwartete Paket mit dem Material für de» Vorstandsbericht eingetroffen, so daß morgen früh mit der Debatte über den zurückgestellten ersten Punkt der Tages ordnung begonnen werden kann.— Klägerin wiederholt des Nachts in betrunkenem Zu st anbei Vom westliche» Kriegsschauplätze nach Hause gekommen sei und auch sonst einen höchst un- �11 ,vir nach einem Privatteleqramm der„Voss. Ztq Iittlichen Lebenswandel führe, mit einem verheiratete»'•. Manne ein Liebesverhältnis unterhalte und dergleichen mehr. Die GemVvKMAftliriivs. ®te Bauanschlägcr haben den Unternchniern ihres Gewerbes bereits vor geraumer Zeit einen neuen Lohntarif unterbreitet, über den gestern abend in einer Versammlung weitere Beratungen gepflogen wurden. Der Einladung, welche anch an ra. 200 Arbeitgeber ergangen war, hatte nur eine Firnia ent fprochen. Der Vorstand der Schlosser-Jnnung teilte in einem Schreiben mit, daß derselbe gleich nach Neujahr in einer gemischten Kommission mit den Vertretern der Arbeircr über den Tarif beraten wolle. Gegen eine starke Minderheit erklärte die Ver- sammlung, das Resultat dieser Beratungen nicht erst abwarten zu wollen, sondern am L.Jaiinar früh die Arbeit überall da niederzulegen, wo bis dahin der neue Tarif nicht bewilligt ist. Siebzehn Schlossermeister bezw. Eisenwarcnhändler haben den Tarif bereits bcivilligt. Es haben anch diejenigen an genanntem Tage die Arbeit einzii stellen, welche etwa noch Arbeiten in Ausführung haben. Das Streikbureau befindet sich Grenadierstr. 33 bei Buske. Daselbst findet auch am 3. Januar vormittags lOVe Uhr eine Versammlung der Streikenden statt. Zwischen den Bertrauenöinäunern der Bäcker und Herrn Babel haben Verhandlungen statlaefunden, die aber zu einer Einigung nicht geführt haben. Sämtliche dort beschäftigten Arbeiter haben, bis auf zwei Unorganisierte, die Kündigung eingereicht. Die Lohnkommission hat beschlossen, heute nochmals den Versuch einer Verständigung zu machen._ und Beklagte, der Rechtsanlvalt Dr. Davidsohn als Verteidiger zur Seite stand, bestritt nicht, daß sie die beanstandeten Aeußernngen gethan habe, behauptete aber, daß diese sich nicht auf die Klägerin, sondern auf eine andere Schwester bezogen hätten. Demgegenüber traten drei Schwestern auf, welche früher in dem von der Beklagten gc- leiteten Heim beschäftigt gewesen, aber von dort in das„Annahei'm der Klägerin übergetreten' waren. Sie bekundeten übereinstimmend, daß die Aeußerrnigen der Beklagten klar und deutlich auf die Klägerin gemünzt geivesen seien. Der Vertreter der Klägerin, Rechtsanlvalt Theodor Friedmann, wies auf das völlig Haltlose der so schwer beleidigenden Aeußerungen hin, für die nicht einmal der Be- weis der Wahrheit versucht worden sei. Er bat um eine strenge Be strafnng. Der Gerichtshof berücksichtigte nur zu Gunsten der Be klagten, daß es notorisch sei, daß in den Schwesternheims viel geklatscht werde. Andererseits könne das ganze Institut des AiniaheimS gefährdet werden, wenn der Ruf der Leiterin desselben in solcher Weise herabgesetzt werde, wie es seitens der Beklagten geschehen sei. Als Strafe sei eigentlich nur eine Gefängnisstrafe am Platze, aber mit Rücksicht auf die bisherige Unbescholtenheit der Be- klagten sei nur auf eine Geldstrafe von 300 Mark erkannt worden. Die Biersteuer-Orduung für Soltau vom 12. November 1898, wonach in Soltau von auswärts eingeführtes Bier zu versteuern ist, bestimmt in ihrem Z 9, daß alle Gastwirte und Bier- Verkäufer der Stadt über den Bezug des von ihnen feilgehaltenen Bieres ein L a g e r b u ch zu führen haben. Der Gastwirt Riebe, der n u r Soltauer Bier verzapft, bestritt wegen dieser Thatsache, daß er zur Führung eines solchen Lagerbuches verpflichtet sei, und ließ es auf ein Strafverfahren ankommen, indem er jener Vorschrift zuwider handelte. Riebe wurde in erster und zweiter Instanz zu einer Geldstrafe verurteilt. Die Strafkammer ging davon aus, daß nach dem Wortlaute der Steuerordnung anch R. ein Lagerbuch führen müsse, wenngleich er nur Soltauer Bier ver- schenke. Der Angeklagte legte Revision ein. Das Kammer- gericht hob darauf das landgerichtliche Urteil auf und verwies die Sache an das Landgericht zurück. Zur Begründung wurde ausgeführt: Der§ 9 der Steuerordnung gehe in der That zu'iveit. Er sei i n s o w e i t ungültig, als er alle Personen, welche Bier verschänken, zur Führung des Lagerbuches ver- pflichte. Die Lagerbücher sollten eine Konwolle über das versteuer- bare, das heißt über das von auswärts eingeführte Bier ermöglichen. Deshalb brauche auch nur ein Lagerbuch zu führen, wer' ver- st eu erbares Bier zum Verkauf halte. Der Angeklagte Riebe wäre demnach nicht strafbar, wenn er thatsächlich nur oltauer Bier verzapft habe. Das Landgericht müsse nunmehr fest- stellen, ob dies wirklich der Fall gewesen' sei. Zwei Jahre Zuchthaus für einen Huudebraten. Ans Sagau wird im Reportcrstil berichtet: Einen sehr teuren Hnnde- braten hat der Tuchschuhmacher Klos von hier verzehrt. K. bot nämlich im September einem guten Freunde Hundefleisch zum Kauf an, da er nicht alles verzehren könne. Auf die Frage der Er- Werbung des Hundes machte K. verschiedene Angaben. Zu dieser Zeit war dem Probst, Herrn Engler. ein Fox-Terrier ge stöhlen worden. Das Fell des verzehrten Hundes hatte mit dem des verschwundenen große Aehnlichkeit. Vor der hiesigen Straskanuuer bestätigten gestern die vernommenen Zeugen den Verdacht der An- klage. Klos wurde zu zwei Jahren Zuchthaus, S Jahren Ehrverlust und Stellung unter Polizei-Aufsicht verurteilt. Die entsetzliche Strafe mag dadurch erklärlich sein. daß Klos ain Ende vorbestraft war. Aber immerhin enthüllt die nackte Thal fache, daß ein Mann, um sich satt essen zu können, einen fremden Hund schlachten mußte und dafür auf zwei Jahre ins Zuchthaus gesteckt wurde, soviel des Jammers unter der göttlichen Weltordnung� daß jede Bemerkung zu dieser Tragödie überflüssig ist. Vevsamurlunsen. Socinles. Zweifelhafter Banarbeiterschutz. Für die Stadt Qucdliu- bürg ist eine Polizeivcrordnung erlassen worden über den Schutz der Bauarbeiter. Es wird die Herstellung von Banbuden und Aborten angeordnet und Vorschriften über deren Beschaffenheit gegeben. Allerdings sollen sie nur anivcndbar sein für Bauten, bei denen' mehr als zehn Personen dauernd beschäftigt sind, wozu aber Zimmerleute, Staker und dergleichen nicht gerechnet werden. Dann wird für Stnccatenre und Töpfer in der Zeit vom 15. November bis 15. März der Fensterverschluß angeordnet und im allgenicinen das Arbeiten bei offenen Coaksfeuem verboten. Für Zuwiderhandlungen werden Geldstrafen bis z« neu» Mark angedroht. Die Verordnung tritt am 1. April n. I. m Kraft. Viel wert ist diese Verordnung nicht. Geviägts �Ieitung. Die Verfrommungsverordnung für die Provinz Branden- bürg verbietet es unbedingt, an Sonn- und Feiertagen Treib- und Hetzjagden abzuhalten. Wegen Vergehens gegen diese Bestimmung waren der Kunstmaler Waldow und neun andere Jagdliebhaber angeklagt worden. Waldow hatte in einem Teile des von ihm gepachteten Jagdterrains Lappen aufhängen lassen und die Jäger waren in geschlossener Linie gegen den eingelappten Teil ohne Benutzung von Treibern vorgegangen, um sich so das vor den Lappen scheuende Wild entgegen zu treiben. Sämtliche zehn Angeklagte wurden in ziveiter Instanz vom Land- gericht U zu Geldstrafen verurteilt. Das Gericht nahm an. daß man cS hier mit einer Treibjagd im jagdtechnischen Sinne zu thun habe. Der Strafsenat des K a m m e r g e r i ch t s gab jedoch der Revision der Angeklagten statt und sprach sie mit folgender Be- gründling frei: ES könne dahin gestellt hleiben, ob eine Treibjagd tm jagdtechnischen Sinne vorliege. Jedenfalls handele es sich nicht um eine Treibjagd im Sinne der Polizeiverordnung vom 4. Juli 1893. Denn diese Verordnung wolle, indem sie gerade Hetz- und Treibjagden für die Sonn- und Feiertage verbiete, nur die Jagdarten für diese Tage nicht zulaffen, welche mit einem be- sonders störenden Geräusch' verbunden seien. Unter Treibjagden im Sinne aller der Polizeiverordnungen, welche, wie die hier angezogene, im Interesse der äußeren H e i l i g h a l t u n g der Sonn- und Feiertage erlassen seien, wären nur solche Treibjagden zu verstehen, bei denen durch das Treiben des WildeS f e l b ft ein erhebliches Geräusch verursacht»verde. Im vorliegenden Falle habe aber das Landgericht festgestellt, daß die Jagd still por sich gegangen sei. Sittenzustände in einem christlichen Schwcsterheim. Als «ine betrübende Erscheinung bezeichnete der Vorsitzende der 146. Ab- teilung des Scköffengerichts, Amtsrichter v. Krosigk, den Prozeß, der gestern unter seiner Leitung zur Verhandlung gelangte. Die Oberinnen zweier Schivesterheime standen sich in Ordens- t r a ch t als Klägerin und Beklagte gegenüber. Die Vorsitzende des „Annaheims" Frl. Rogall. hatic gegen die Oberin eines anderen Schwesterheiins. Frl. Lnise Philipp. den Weg der Privatklage be- schritten,»veil die letztere sich zu wiederholten Malen in einer Weise über sie geäußert haben sollte, wodurch die»veibliche Ehre der Klägerin anfs empfindlichste herabgesetzt werden mußte. Die Beklagte sollte zu mehreren Schivestem geäußert haben, daß die Die Isolierer und Rohrumhiillcr»varen am Mittwoch nachmittag versannnelt, mn über den Verlans der Lohnbcivcgnng zu verhandeln. Zunächst»vnrde Westphal als Vertranensmann und zugleich als Delegierter zum Gewerkschaftskartell, Bö hin als Stell- Vertreter geivählt. lieber den Beitrag zum Agitationsfonds ivird nach längerer Besprechung beschlossen, daß jeder arbeitende Isolierer»nd Robnimhüller 15 Pf. pro Woche durch Entnahme von besonderen Marken für de»» Agitationsfonds zu zahlen Hab P r a n k e l erstaltete hierauf die Abrechnung voin Streik. Durch Sammlungen»varen 571,27 M,, mit llnterftützungen von anderen Gelverkschaften insgesamt 2026,52 M. als Einnahine, bei einer Ans- gäbe von zusammen 2012.90 M. zu verzeichnen, so daß ein Bestand von 13,62 M. verblieb. Da H ö se r erklärt, daß eine genaue oder vollständige Abrechnung noch nicht gegeben werden könne, erklärt sich die Versammlung dainit einverstanden. Die Inhaber der noch ans- stehenden Listen werden aufgefordert, dieselben unverzüglich abzu- liefern, andernfalls»verde»» die Namen dieser Personen öffent- lich bekannt gegeben. Als Revisoren wurden Böhm und Kröger ernannt. Nachdem Westphal zu reger Beteiligung für den Agitationsfonds als Kampfmittel für eine künftige Lohnveivegung aufgefordert hatte, hielt Paul Jahn einen mit lebhaftem Beifall aufg'enommeiien Vortrag über die Arbeiterbewegung im 19. Jahrhunden. Unter„Verschiedenem" entspann sich eine längere Besprechung über das Verhalten einiger Unternehmer, welche die Lohn- bedingungen nicht halten wollen eiiierscits.»vährend andererseits Ar- heiter sich frciivillig billiger angeboten haben. Diese Handlungs- »vcise»vnrde aufS schärfste getadelt, mit der Aufforderung an alle Kollegen, die vereinbarten Lohnbedingmigen innezuhalten', nachdem der Ausstand als ein allgemein günstiger für die Arbeiter bezeichnet werden konnte. Die angeregte Besprechung über Extravergütuiigen in den Berliner Vororten soll in einer späteren Vcrsanimlniig fort- gesetzt»verde»». Ferner wurde beschlossen, dem Vertranensmann und Delegierten beim Gewerkschaftskartell die notivendigen Geldauslagcii zu vergüten._ Vom Kriegsschauplatz liegen heute Meldungen von kleineren Gefechten, vor:. AuS dem Lager von Chieveley auf dem westlichen Kriegsschauplatz Ivird vom 22. Dezember geineldet: Kundschafter berichteten, daß eine große Anzahl Boerei» sich südlich vom Tugela befinden. Eine englische Abteilung unter dem Befehl von Lord Dnndonald rückte sofort aus und griff dieselben an. Die Boerei» zogen sich jedoch. als sie die englischen Truppen sahen, mif die andere Seite des Flusses zurück. 500 Stück Vieh wurden von den Engländern erbeutet.. Vom 25. wird cbenfalls aus Chieveley geineldet: Gestern ver- ließen die Rittmeister Kickwood und Greenfell von der füdaftikanischen leichten Kavallerie dos Lager, um die Posten zu inspizieren. Die beiden Offiziere sind bisher nicht zurückgekehrt. Man sah sie zuletzt, als sie an der Hügelkette in östlicher Richtung von dem britischen Lager entlang. ritten. Ihre Pferde kainen in der Nacht ohne Reiter zurück. auS Kapstadt unter dem 27. b. M. gemeldet: telegraphiert: Vergangene Nacht eröffneten die Südseite von Magersfontein ein sehr heftiges Feuer. Heule vormittag feuetten die englischen Schiffsgeschütze auf den Feind»vestlich von Magersfontein. Die Kavalleriebrigade machte in nordöstlicher Richtung einen RekognoS- ciernngSritt. Westlich und nördlich von Enselin ist alles ruhig. Die Farmer»varen erfteut, uiisere Rekogiioscierungs-Abteilungen zu sehen. Da»vir Mangel an Lebensmitteln hatten, habe ich hier einen Markt eingerichtet. eiiie Reuter- ineldinig ans Kimberleh vom 20. Dezeinber wieder. Eine Abteilung der berittenen Streitmacht unter Oberst Peakman mit drei Maximgcschützen und drei Siebenpfündern»nachte heute einen Rekognösciernngsritt durch Kenilivorth und gelangte nach Webster» Farn», das die Boeren zerstört hatten. Die Truppen stießen gegen Tollpan im Freistaatgcbiete vor. Die Boerenvorposten feuerten auf die britischen Plänkler, als diese sich der Farn» näherten. Die britischen Maxiingeschütze eröffneten darauf ihr Feuer. Man sah eine Anzahl Boeren über die benachbarte»» Bergrücken verschivinden. Die britischen Geschütze beschossen darauf Tolipanfarn» in einer Schußlveite von 1600 Metern. Das Feuer »vnrde von einem Boerengeschütz auf den» Klippiespanhügel, in der Nähe der Boshofer Hauptstraße crividert. Vier Boereiigranalen fielen ii» der Nähe der Engläl»der nieder, platzten jedoch auf sandigem Boden, Ivodurch die Wirkung der Explosion gehemint und kein Schaden angerichtet»vnrde. Da der Feind(die Boeren) eine sehr stark verschanzte Stellung inne hatte, die sich auf eine halbe Meile ausdehnte und mit den Kopjes östlich von Kimberley parallel lief, wurde die Rückkehr nach dem Lager angeordnet. Der Feind hält jetzt Spytfontcin besetzt und hat Zugang zu drei Quellen Wasser. *** Der Anfstand der Kap-Boercu lvächst iitzlvischen. Eine Äapstadter„Times"-Drahtnng besagt, die Haltung der Kap-Holländer bereite ernste Besorgnisse, selbst 50 Meilen von Kapstadt sei die aufrührerische Be- w e g u n g in eifriger Vorbercitmig. Man fürchte Versuche zur Zerstörung der Eisenbahnen im Rücken der Arinee. Voraussichtlich »verde in der ganzen Kolonie das Staudrecht proklamiert werden müssen. Die„Evening Nelvs" erfahren ans Kapstadt von» 21. Dezember: Die Behörden entdeckten ein Komplott, das bezlveckte, lvährend der Feiertage einen Koup zu Gunsten der Boeren in Kapstadt auszuführen. Ermutigt»vnrde»» die Verschwörer angeblich hierzu durch die Thatsache, daß Kapstadt um diese Zeit leer,»rnd daß momentan eine starke militärische Bclvachung fehlt. Es handelte sich nicht darum, sich der Stadt zu bemächtigen, sondern die Magazine zu zerstören und sich hochmögender Periönlichkeiten zu ben»ächtigen. Die englischen Rüstungen »Verden immer noch sehr rege betrieben. Die Bildung der Freiwilligencorps i>n Mutterlande»vie in den Kolonien nimmt solche Proportionen an. daß»nan sich thatsächlich nicht mehr über das.»vas»virklich geschieht, und»vas bloß guter Wille ist, Rechen- schaft geben kann und die definitiven Resultate abivarten muß. Jedenfalls ist man auf den vernünftigen Gedanken gekommen, die einheimischen Elemente des Kaps, die mit den Landesverhältnissen mehr vertraut sind, zum Auftlärnngsdienst heranzuziehen. Die Australier schicken ein Bnschmannkomniando. Die indischen Blätter drängen die Regierung, sie solle Eingeborenen-Kavalleric auS Indien kommen lassen.' Englische Kriegsbcstclluugcu in Delttschland. Köl»», 28. Dezember.(„Voss. Ztg.") Außer den Kruppschen Werken sind nunniehr auch den Accumulatoren-Werken Gottfried Hagen-Kalk englischerseits Äriegsbestelllmgen zugegangen, und z>var40 Tonnen Bleikugeln, zu deren schleunigsten Her- stellimg das Werk angestrengteste T h ä t i g k e i t entwickelt. »» * London, 28. Dezember. Die„Times" berichten ans Loureneo Marqnez, deutsche Schiffe ständen in dem Verdacht, Kriegs- kontcrbande einznsännnggeln. Der Korrespondei»t dieses Blattes fordert dalier die englischen Behörden auf, nicht nur die Güterlisten einer Revision zu unterziehen, sondern auch sämtliche Gepäckstücke dieser Dampfer öffnen zu lassen, um sich zu überzeugen, daß keine Waffen oder sonstige KriegSkontcrbande darin enthalten»st. Letzte Mekdlmgc». Londo»», 28. Dezember. Die„TimeS" veröffentlickien in ihrer zlveiten Ausgabe folgendes Telegramm auS Ladysinith vom 19. De- zemvcr: Die Lage»st hier keinesivegs verziveifclt. Nahrungsmittel sind ausreißend' für zivci Monate' vorhanden. Die einzige Be- nnrnhigung könnte der Mangel an Futter verursachen, aber da reichlicher Regen gefallen ist, so beginnt innerhalb deS Lagerbereiches das Gras zu wachsen. Die Verluste durch daS Gcschützfeuer des Feindes sind in den letzten Tagen schlverer gelvcsen, da der Feind die Entfernungen mit größerer Sicherheit abschätzt. Durban, 28. Dezeinber. jMeldnng des Renterschcn Bureaus.) Ein deutscher Farmer Namens Stucke und Rcvd. Hartes, der Direktor der hannoverschen Misstonsstationen in Natal,»vurden untei: der Aiiichuldigung verhaftet, mit dem Feinde, als dieser in Moo» River stand. Verkehr gepflogen zu haben. Beide nahmen den Schutz des deutschen Konsuls' für sich in Anspruch; sie wurden verhört und in das Gefängnis von Estcourt gebracht. Aintlich wird General Methucn Boeren an der Uetzte MsitzviMen und Vrpeschen. Frankfurt a. M., 28. Dezeniber. sB. H.) Der„Frankfurter Zeitung"»vird ans Konstantinopel berichtet: Zehn junle Türken, darunter der Sohn des Staatsrats Jsinael Kemal Bey, welcher Urheber der Shmpatte-Adresse an die Engländer war, beabsichtigten sich nach Südafrika einzuschiffen, nm an der Seite der Engländer zu kämpfen. Dieselben wurden aber verhaftet. Gießen, 28. Dezember. jB. H.) Amtliche Mitteilung. Mittwoch« abend 8 Uhr erfolgte auf freier Bahn zivischei» den Haltestellen Großenbuseck und Reiskirchen der Strecke Gießen— Fulda ein Zllsannnenstoß ziveier leer fahrender Lokomotiven, Ivodurch beide erheblich beschädigt»vurden. Von de»» Beamten»vurden zivei schwer, drei leicht verletzt. Die alsbald in Angriff genommerren Anf- ränniungsarbeiten»vurden Donnerstag 11 Uhr vormittags beendet. so daß die Züge wieder»mbehindert verkehren können. Wien, 23. Dezember.(W. T. B.) Oestreichische Delegation. Nack» längerer Debatte, in der vielfach das Verlangen nach einer Beilegung der nationalen Gegensätze geäußert»vnrde, nahm die Delegation eine viernionattges Budgetprovisorium in allen Lesungen, solvie den Bericht des Budgetausschuffes betreffend die Feststellung der Uebereinstimmimg der' beiderseitigen Beschlüsse der östreichiscbei, und der ungarischen Delegation a». Die nächste Plciiarfitznng findet am 9. Januar statt. Bukarest, 28. Dezeinber. sW. T. B.) In der gestrigen Abend- sitzmiq der Kammer legte der Fiiiaiizminister einen Gesetzentlvurf betreffend die Erhebung einer Petroleuinabgabe vor, welche un- gcfähr 2 Millionen ergeben dürste. Weiter brachte der Minister den Staatsvoranschlag pro 1900/01 ein,»velcher sich in Einnahmen und Ausgabe» mit 242 599 000 Lei das Gleichgewicht hält und eine Ve>:mehr»ing der Ausgaben und Einnahinen uin 13Va Millionen gegenüber den» letzten Gebahrtnigsjahr aufiveist. Die Kammer nahm mit 80 gegen 4 Stimmen den Gesetzentwurf an. »velcher die Regierung ermächtigt, die Streitfrage mit dem Erbauer des Hafens von Konstanza einein Schiedsgericht zu unterbreiten. Pari», 28. Dezeinber.(W. T. B.) StaatsgerichtShof. In der heutigen Sitzung wurde mit den Verteidigungsreden be» gönne»». Falatenf, der Verteidiger Döroulödes jwelcher der Sitzung nicht beilvohnt), erklärt, daß er auf Wunsch seines Klienten aus daS Wort verzichtet. Der Angeklagte Büffet verteidigt sich selbst und versichert, daß nicinals ein Koinplott bestanden habe. Gusrin entlvickelt dann Anträge, in»velchen er verlangt, daß seine Akten seinein Verteidiger ausgehändigt werde». Der Staats« anivalt bekämpft diese Anträge,»vorauf sich der Gerichtshof zu einer geheimen Beratilng über die Anträge zurückzieht, iiacbdem vorher die öffentliche Sitzung geschloffei»»vorden»var.— Der StaatsgerichtShof hat in seiner gehciincn Sitzung die Anträge Guorins abgelehnt. Saint Etienue, 28. Dezember.(W. T. B.) Heute nachmittag veranstalteten ungefähr 3000 Bergleute und Weber eine Klindgebung, indcin sie singend durch die Straßen der Stadt zogen. Irgend ein Zivischenfall ist nicht vorgekommen., Verantivortlicher Redoetcur: Pank John in Berlin. Für den Inseratenteil verantwortlich:»h. Glocke m Berlin. Druck und Verlag von Max Bading in Berlin. Hierzu 1 Beilage und Unterhnltnngsblatt. *■* i« Z'w»|fi(B(|t i>ks„UonDärts" Krim Wldsdllilt. Freitag, 39. üepber 1899. Der Einignttgsvertrag im Berliner Baugewerbe. Die Begrüildung des Schiedsspruchs, den das EiniguiiISamt am 18. Dezember aus Anlaß der Sperre des Karchowschen Banes gefällt hat, ist von ivesentlichem Interesse nicht nur hinsichtlich der Be urteilung dieses Einzelfalles, sondern namentlich betreffs der Trag weite des Einiguugsvcrtrages vom 2t. Juni ISYS. und der Ans legung einiger Punkte desselben, über welche die Parteien ver- schiedener Meinung waren. Wir geben deshalb den Wortlaut der Begründung unter Weglassung iveniger unwesentlicher Sätze wieder: 1. Die streitenden Teile sind darüber uneinig, ob der vor dem Einigungsamt geschlossene Vertrag vom 24. Juni 18gg nur zwischen dem Arbeitgeberbuude für das Maurer- und Zimmcrergcwerbe und den einzelnen in den Vergleichsverhandlungeu vertretenen, außerhalb des Bundes stehenden Arbeitgebern geschlossen ist, oder ob er auch alle außerhalb des Bundes stehenden Arbeitgeber umfaßt... Das Einigungsamt ist der Ansicht, daß der Vergleich vom 24. Juni 1899 die Arbeitsbedingungen für das gesamte Maurer- gewerbe in Berlin und den Vororten, gleichviel oli dieselben dem Arbeitgeberbunde angehören oder nicht, regelt. , Es muß zugegeben werden, daß in der Einiguugsvcrhandlung eine geordnete Vertretung der außerhalb des Bundes' stehenden Ar- bcitgeber nicht vorhanden war. Es ist aber zu berücksichtigen, daß die Legitimation der Beteiligten in Ausstandsfällen, von welchen nicht einzelne Arbeitsstätten, sondern ein gesamtes Gewerbe betroffen wird,— sogenannte Generalstreiks— niemals in der Weise geführt und ge- prüft werden kann, wie in sonstigen Rechtsstrcitigkeiten. Der Kreis der Interessenten ist in der Regel nicht genau festzustellen. Ebensowenig ist ein geordnetes Verfahren vorhanden, um den Willen der Interessenten festzustellen, geschweige denn eine Bindung der Mino- rität durch die Beschlüsse der Majorität anzunehmen. Selbst wenn die Vertreter der Interessenten in öffentlichen Versammlungen gewählt werden, fehlt eZ au jeder Grundlage für eine Prüfung ihrer Legitimation. Das EinigungSamt ist deshalb gezwungen, bei Generalstreiks diejenigen Personen als Vertreter der Interessenten zuzulassen, welche erkennbar und ohne Widerspruch von irgend einer Seite als solche auftreten und die Verhandlung führen. Den Interessenten muß eS überlassen werden, die Abmachung ihrer Vertreter zu genehmigen oder abzulehnen. Im vorliegenden Falle bestand ein Ausstand des gesamten Manrergewerbes, von welchem, von vereinzelten Ausnahmen abge- sehen, nur diejenigen Arbeitgeber nicht betroffen waren, welche sich der Forderung der Arbeitnehmer, welche durch den Ausstand er- zwungen werden sollte, gefügt, also schon vorher ihren Frieden mit den Arbeitnehmern gemacht hatten. Stach dem Vergleichsschlusse ist die Arbeit sofort nicht nur auf den Bauten des Arbeitgcberbundes, sondern auch auf allen anderen Bauten zu den VcrgleichSbedingungen wieder aufgenommen ivordcn. Aus diesem Verhalten der außerhalb des Bundes flehenden Arbeit- geber muß gefolgert werden, daß dieselben die von den in den Vergleichsverhandlungen aufgetretenen Vertretern genehmigten Ab machunge» gebilligt haben. Ist dies richtig, so ist die Achtzehner-Kommission, soweit sie aus Arbeitgebern besteht, auf Grund dieses generellen Vergleichs ein- gesetzt. Sie ist, wenn auf der Arbeitgeberseite auch nur Mitglieder des Arbeitgeberbundes ihr angehören, doch nicht ein Organ' dieses Bundes, sondern der Gesamtheit der am Vergleich beteiligten Arbeit- geber. Die von der Achtzehncr- Kommission auf Grund Nr. 4 des Einigungsvertrages festgeietztcn Ansführungsbestiinmungen sind deS- halb auch nicht eine besondere Abmachung deS Arbeitgeberbundes mit den Arbeitnehmern, sondern ein Teil des für das gesamte Maurergewerbe geschlossenen Vergleichs und sowohl für Mitglieder des Bundes, als auch für außerhalb desselben stehende Arbeitgeber des Gewerbes verbindlich. Daß die Arbeitnehmer dieser Auslegung deS Vergleichs vom 24. Juni 1899 zugestimmt haben, crgicbt sich schon daraus, daß sie nach Abschluß des Vergleichs auf allen Arbeitsstätten die Arbeit wieder aufgenominen, auch... die Verglcichsbedingungen und AuS� führungsbestimmungen unterschiedslos auf allen Arbeitsstätten aus gehängt und einen Druck auf die außerhalb des Bundes stehenden Unternehmer ausgeübt haben— und zwar auf Anregung der Bundesmitglieder— um die VerqleichSbcdingungcn einschließlich der Ansführungsbestimmiingcn einheitlich zur Durchführung zn bringen. '2. Bei dieser Auslegung der Tragweite des Vergleichs ergiebt sich. daß die Organisationen der Arbeitnehmer nicht befugt waren, über den Bau des Baumeisters Karchow am 7. November 1399 die Sperre zu verhängen, ohne vorher das im Vergleich vorgesehene Verfahren vor der Achtzehner-Kommission und eventuell vor dem Einigungsamt ein- geleitet zu haben. Man wird aber den Arbeitnehmern aus ihrem Vorgehe» keinen Vorwurf eines absichtlichen Verstoßes gegen den Vergleich oder eines wissentlichen Vertragsbruchs inachen' können. Ueber den Kreis der Interessenten auf der Arbeitgeberscite haben Zweifel bestanden, welche erst durch die jetzige' Auslegung des Einigungsamtes beseitigt wurden. Selbst ein Teil der Arbcitgeber-Mit- lieber der Achtzehner- Konnnission hat sich zn der von den Arbeit- nehmern vertretenen Ansicht bekannt. daß der Vergleich sich auf den Baumeister Karchow, so lange er nicht Mitglied des Bundes war, nicht erstreckte... Von eincin Vertragsbruch kann um so weniger die Rede sein, als die Achtzehner-Kommission. nachdem der Fall in ihrer Geschäftssielle gemeldet war, zum sofortigen Einschreiten keine Veranlassung gefunden hat. Uebrigcns ist daS Einigungsamt der Ansicht, daß auch die Achtzchner-Konnnission die Entlassung der sechs Maurer, welche zu dem Ausstande Veranlassung gegeben hat, nicht hätte billigen können, da nach dem Zugeständnis dc's Herrn Karchow für die Entlassung gerade die Arbeiter ausgeivählt wurden, welche sich um die Ausführung der VcrgleichSbedingungen bemüht, also in, Sinne des Vergleichs thätig gewesen waren. 3. Daß die Arbeitgeber den Standpunkt' der Arbeitnehmer in dieser Frage geteilt haben, ergiebt sich auch daraus, daß dieselbe» nicht über die von den Arbeitnehmer» vor Eintritt des Baumeisters Karchow in den Arbeitgeberbund über den Bau verhängte Sperre Beschwerde führen, sondern über die Ausrechterhaltung der Sperre »ach erfolgtem Eintritt. Diese Beschivcrde müßte aber als un- begründet erachtet werden, wenn man sich auf den Standpunkt stellt, daß Karchow, weil am Vergleichsabschluß nicht beteiligt, ein Recht auf den Genuß der Vcrgleichsbedingungen nicht hatte. Der Grundsatz,... daß Verträge so auszulegen find, wie Treu »nd Glanben mit Rücksicht auf die' BerkehrSsitte'eS erfordern,... ist bereits heute in allgemeiner Geltung. Er ist auch auf Verträge des socialen Lebens anivendbar. Nach der Verkehrssitte ist es aber ivedcr üblich, noch lvird es grundsätzlich als zulässig angesehen, in Arbeitgeber-Organisationen. welche ivesentlich dein Zwecke der friedlichen Feststellung der Arbeitsbedingungen mit den Arbeit- nehmer-Organisationen dienen und mit den letzteren in einem VcrtragSverhällnis stehen, Mitglieder aufzunehmen, welche sich zur Zeit der Aufnahme bereits mir der Arbcitnchmer-Organisation in einem nicht beigelcgtensStreit befinden. Durch ein solches Vorgehen ivürde die Lage der einen Vertragspartei, welche bereits Maßnahmen getroffen hat. ohne Grund geschädigt werden, während dem auf- genommenen Mitglicde Vorteile geivührt würden, auf welche es keinerlei Anspruch hat. Die Aufnahme des Baumeisters Karchow in den Arbeitgcberbund hätte mithin während des bestehende» AuS- standes nicht erfolgen sollen. Jedenfalls hätte der Arbeitgeberbund sich ivährend des bestehenden AuSstandcs jeder Intervention zu Gimften dieses neuen Mitgliedes euthalteii müssen. 4. Was den von den Arbeitgebern den Arbeitnehmern gemachten Vorwurf anbelangt, daß die ÄrbcitSleistnng seit Abschluß des Ver- gleichs zurückgegangen sei und diese Minderleistung auf einer Ver- einbarung seitens der Arbeitgeber— mit oder ohne Bewilligung der Führer ihrer Organisation— beruhe, so ist dieser Vorwurf durch Beweismittel der Arbeitnehmer nicht erhärtet worden. Das EinigungSamt steht aber nicht an, zu erklären, daß eS eine solche Vereinbarung der Arbeitnehmer, wenn sie erwiesen werden sollte als einen Verstoß gegen die Vertragsbedingungen auschen müßte. 5. Des weiteren ivird über die Arbeitnehmer-Organisatiou Be schwcrde geführt, daß sie gestatte, daß Arbeiter höheren Lohn als den in den Vergleichsbedingungen vorgesehenen au- nehmen, und hiergegen ein Einschreiten abgelehnt habe. Bei den dein Bergleichsabschluß vorangegangenen Verhandlungen vor dem Einigungsamt hat sich allseitig Uebercinftiinmung darüber er geben, daß der in dem Vergleich festgestellte Lohn das Entgelt für normale Arbeitsleistung sei. Eine höhere Bezahlung einer über daS Normale hinausgehenden Arbeitsleistung kann somit' ivcder cinei» Arbeitgeber verwehrt werden,»och die Annahme einer solchen durch die Arbeitnehmer beanstandet werden. Die Eulscheidung darüber. ob eine Arbeitsleistung über das Normale hinausgeht, muß fiiglich der Vereinbarung des einzelnen Arbeitgebers init seinem Arbeitnehmer überlassen bleiben.... Wenn etwa höhere Löhne durch Ausstand oder Sperre erzwungen werden sollten, so würde das gegen den Vergleich vom 24. Juni 1899 verstoßen. 9. Schließlich mag einer in den Verhandlungen hervorgetretenen abweichende» Anschauung gegenüber darauf hingewiesen werden, daß nach Ansicht des Einigungsamts ein Verstoß eines Teils gegen den Vergleich vom 24. Juni 1399 den anderen Teil nicht ohne weiteres zum Rücktritt von diesem Vergleich berechtigt. Ein solches Rücktritts- recht würde nur dann gegeben sein, wenn' der verstoßende Teil nach Untersuchung der Angelegenheit in der Achtzehner-Kommission sich der anzurnfenden Entscheidung des EinigmigSamtes nicht fügt, indem er nicht alles in seiner Macht stehende veranlaßt, um den dieser Entscheidung entsprechenden Zustand herbeizuführen. Herr v. Schulz, der den Schiedsspruch in der„Soc. Praxis behandelt, schließt seine Betrachtungen, ivie folgt: „Der Fall K. ist, wie»vir gesehen haben, ungeeignet, um den Maurern„Kontraktbruch" nachzuweisen. Wenn das Vertragsvcrhältnis der Parteien bei dem Schiedsspruch streng juristisch konstruiert worden wäre, würden die Arbeitgeber sogar noch viel u n g ü n st i g e r als es jetzt geschehen, abgeschnitten haben. Arbeitgeber und Arbeitnehmer werden hoffentlich durch Be folgung der in dem Schiedsspruch niedergelegten Grundsätze es für die Zukunft sich angelegen sein lassen, Differenzen möglichst zu ver meiden. Dies gelänge ihnen sicher, wenn sie sich fernerhin verbinden würden zum g c m e i n s a me n Handeln gegen die abseits stehenden Gciverbetreibcndcn ihrer Branche, um diese zur Annahme der Bcv glcichsbe dingungen zu zwingen. Leider ist es versäumt worden, eine dahin gehende ausdrückliche Bestimmung in den Vergleich vom 24. Juni er. aufzunehmen. Bei einer Sperre bedürfte eS dann stets der Zustimmung der Arbeitgeber resp. der Achlzehncr- Koin Mission. Die Arbeitnehmer können dann kaum in die Gefahr kommen, einseitig vorzugchen und sich des Kontraktbruchs schuldig zu machen."_ Nommunerlvs. Die Stadtverordneten-Versammlung wird?sich in ihrer ersten Sitzung im neuen Jahrhundert mit vier vom Magistrat ihr zur Genehmigung unterbreiteten Entwürfen von Schulbauten und einem EntWurfe zur Herstellung einer U» t e r k u n f t S h a l l e im Friedrichshain zu beschäftigen haben. Dieselben betreffen den Neubau einer Gemeinde-Doppelschule in der Rigaerstraße, den Neu- bau einer Gemeinde-Doppclschule in der Waldeuserstraße, einer Gemeindc-Doppelschnle und eines Straßcureinignngs-Dcpots au dem Gelände der ehemaligen Wasserwerke an der Stralauer Allee und den Neubau einer einfachen Gemeindeschule in der Waldemar traße. Alle vier Entwürfe zusammen sind niit einem Kostenaufwand von 2 588 200 M. veranschlagt. Der Kostenanschlag der llnterkunfts- halle im Fricdrichshain ist niit 32 000 M. angesetzt. Ter Anöschnst der Stadtverordneten- Versammlung zur Vorberatung des Antrages deS Stadtverordneten Ullstein und Gc nossen lvegen Herabsetzung deS Preise? für das Leuchtgas hat gestern abend unter Vorsitz des Stadtverordneten Hcilmaiin und in An- Wesenheit des Stadtrats NamSlau unter Ablehnung aller anderen Anträge mit 9 gegen 4 Stimmen beschlossen, der Stadtverordneten Versammlung zu empfehlen, den Magistrat zu ersuchen, einen E i n- heitspreiS für das zu Koch- und gewerblichen Zwecken sowie ür Lcnchtzwecke verlvendete Gas auf 12 Pfennige festzusetzen. TokAles. Berlins ciukommcustcncrpflichtigc Bevölkerung 4898 Sit. Durch die Personenstands-Aufnahme für daS Jahr 1898/99v i e d e r' H e r r n Krupp u n d s e i n e n E r w c r b s g e n o s s e n an viele Millionen heran- reichende Profite zuführen soll."— Dieser eine Satz stößt ja allerdings das lange Geseire im vorhergehenden Artikel ganz allein um.' aber warum ließ Herr Hans Land dann nicht lieber diese acht Seiten leer? ES ist gewiß: Charakter tvird heutzutage schlecht bezahlt! Auch bei Zeitschristen! So schlecht wird es doch aber auch um daS„Nene Jahrhundert" nicht stehen, daß sein Herausgeber es nötig hat. ivcgen des Honorars für die Ausnahme eines Artikels oder die Jnsertions- gebühr einer flottenfreundlichcn Wochenschrift Gedanken Eingang in lein Blatt zu gewähren, die garnicht in den Rahmen desselben passen. Soviel'haben auch die Männer der„Hilfe" nicht übrig, u>n die moralische Einbuße zu bezahlen, die das„Neue Jahrhundert" aus einem solchen Vorgehen davonirägt: wer weiß, ob nicht sogar auch der materielle Mißerfolg dieser Art Journalistik»och größer ist als der, den die Charallersestigkeit so oft davon zu tragen pflegt. Denn niit Scherl kann HerrHansLnnd doch nicht konkurrieren, wenn er auch sein Blatt in eine„Kleine Woche" nnUvandelt, und schließlich ziehen seine Mitarbeiter es vielleicht auch vor, wen» sie de»» schon für ei» Blatt ohne Charakter schreiben sollen, dies gegen Honorar für„berühmte" Zeitschriften zn th»n. Das Preustcutum in der Theatorceusur. Oökar B l n in c n- t h a l veröffciitlicht einiges von den Erfahrmigen, die er alS Thcater- dircktor mit der P o l i z e i c e n s u r machen»inßte. Interessant für daS Wesen dieser siaatsstiitzenden Justitntio» ist die Art, wie der frühere Polizeipräsident v, Richthofen im Jahre 1890 das Verbot von„Sodoms Ende" verfügte. Blumenthal teilt u. a. die ungemein charakteristische Unter- rcdung mit, die er init dem damaligen Polizeipräsidenten v. Nicht- Hofen' hatte. „Ich höre soeben, Herr Präsident," begann ich,„daß mir drei Tage vor der ersten Aufführung Hermann Sudermamis Drama „Sodoms Ende" verboten lverden soll?" „Das stimmt!" „Und daß Sic persönlich das Verbot verfügt haben?" „Stimmt auch!" „Ja, aber bedenken Sic die Situation eines Bühnenleiters, Herr Präsident. Vierzehn Tage angestrengter Bühnenprobcn... ein Gastspiel mit Joses Kainz für diese Novität abgeschlossen... der ganze Spielplan der nächsten Wochen darauf aufgebaut... selbstverständlich kein Ersatzstück vorbereitet... die Erfolge des früheren Repertoires ausgeschöpft... das Haus für die ersten drei Vorstellungen schon vollständig ausverkauft... und nun diese Ratlosigkeit auf der Saison, in der besten Zeit deS Theater- jahrcs.. „Alles sehr traurig! Aber die Behörde kann auf Privatiutereffen keine Rücksicht nehmen." „Aber warum das Verbot? Warum?" „Weil es uns so paßt!" „Ich verstehe vollkommen, Herr Präsident,.. Sie wollen mir durch diesen Lakonismus in daS Gedächtnis rufen, daß nach der polizeilichen Vcrordnmig vom 10, Juli 1851 die Behörde nicht ver- pflichtet ist. für das Verbot eines Stückes Gründe anzugeben,..." „Na, da wissen Sic ja also Vescbeid „Ich meine aber nur. Herr Präsident, daß doch immerhin die Möglichkeit vorliegt, durch behutsame Acnderuuge» die Bedenken, die zu diesem Verbot geführt haben, aus der Welt zu schaffen. Vielleicht sind es nur einige gewagte Stelle», um die es sich handelt?" „O nein!" „Oder einzelne Sceuen?" „Auch nicht!" „Ja, aber ivas sonst?" „Die j a u z e Richtung paßt u n S nicht!" Der hochseligc Richthofen ist zu entschuldigen. Er. der an sich zum Klinstrichter paßte, ivie der Esel zum Lanteschlagen. büffelte einfach herunter, was andere Leute ihm eingetrichtert hatten. Auf Verwendung beim Minister Herrfurth, der die Blamage schließ- lich ciiisehcii mochte, wurde das Stück dann freigegeben. Blumenthal teilt»och folgendes Nachspiel dieses Censiir- Dramas mit: Hermami SuvermanuS Drama hatte sich längst im Spielplan des„Lcssiug-ThcaterS eingebürgert, als ich eines TagcS in früher Stunde aus der Geheimkanzlci des Ministeriums des Juiiern ein Schreiben erhielt, durch daS ich zum Minister berufen wurde. Hier lviiröc mir eröffnet, daß der Kaiser beim jüngsten Vortrage des Ministers das Verbot voir„Sodoms Ende" zur Sprache gebracht hätte. Der Minister führte die Gründe an, die ihn zur Aushebung des Verbots veranlaßt hätten, und fügte hinzu: „Ich selbst habe das Werk mit vorsichtiger Sorgfalt gelesen: ich habe mich bei jeder Secne gefragt, ob ich dieses Drama in Bc- gkeitiiiig meiner Frau würde anhören können? Und erst, als ich alle diese Fragen bejahen mußte, habe ich im AnfsichtSwcge eingegriffen." „Sie hätten sich fragen sollen", entgegnete der Kaiser,„ob Sie auch in Beglcituii'g Ihrer Tochter jede Scene anhöre» könnten?" Der Minister führte in ehrsurchisvoller Replik auS, daß vor dieser Frage auch Werke der klassischen Litteratur. welche den köstlichen Repertoirebesitz der königlichen Bühne bilde», nicht standhalten würden. Aber daS Ergebnis dieses Zwischenfalles war doch die Frage des Ministers an mich, ob ich nicht Hermann Suder- inaimS Werk jetzt allmählich im Spielplan„v e r s i ck e r n" lasten könnte?..." Blumenthal teilt nicht niit, ob er„SodomS Ende" hat„ver- Ickern" lassen. Kaiser Wilhelm II. Ans Berlin wird der„N. Fr. Pr." gemeldet, daß die dortige technische Hochschule z» einer solennen Jahr- hmidcrtfcicr rüstet, ivelche nach den Weihnachtsferien, also loahr- (chcinlich am 7, Januar, ftattfinden wird. Man giebt sich der Hoffnung hin, daß Kaiser Wilhelm der Feier beiwohnen wird, und bei dieser Gelegenheit soll seine Erneimung �um ersten Ehren- oktor der Technik erfolgen. Kaiser'Wilhelm lvird überhaupt der erste sein, der den technischen Doktorhut erhält. Der Weihuachtöverkehr der Post soll sich, wie eine stark nach Podbielski-Reklame duftende Zeiiungsmckduug besagte, in diesem Jahre über die Maßen glatt und zuverlässig' abgewickelt haben. Diese Lobhudeleien der Husarengeinalität trägt leider den Thatsachcn wenig Rechnung. Der Postverk'ehr hat in der Weilmachtsivoche. wie dies ja kaum anders möglich, recht bedenkliche Verzögerungen er- litten. Postsendungen, die am 19, d, M, in Berlin aufgegeben lvorden sino, hatten am heiligen Abend noch nicht den in der Provinz Brandenburg lvohnendeu Empfänger erreicht. Wir geben zn, daß der Postvcrivaltimg aus solchen Mißhelligkeitcn kaum ein Vorwurf zumachen ist. Es ist durchweg gewiß geschehen, was geschehen konnte, mn dem üblichen Anstunn einigerniaßcn stand zu halten, und lvenn es bei alledem nicht so klappen ivollte, wie zu ivüiischen wäre, lag das eben in den Umständen begründet. So lvcnig in dieser Hinsicht nun eine grieSgräinliche Nörgelei angebracht sein mag, so lvcnig ist auch Ursache zu Lobcshynmeu gegeben. Es gnig eben, Ivie es früher auch gegangen hat. uichr besser und nicht schlechter. Das Tedcum auf Herrn Podbielski ist ordinäre Mache und erinnert bedenklich au die Mühlendämmerei, mit der zur Zeit das Volk zu Gunsten des Flotteiirummcls zum besten gehalten werde» soll. Die Jahrhundert-Postkarten sollen, wie wir gestern mit- teilten, besonders vorsichtig an den Postansialten ausgegeben werden, ck-amit von Anfkänfem ja kein Mißbrauch damit getrieben werden fonitc. Wer gestern in dcr ncnwjcn Morgenstunde an irgend einem delicdigen Postschattcr die Rarität verlangte, erhielt die Nntlvort, daß bereits alles ausverkauft sei. Draußen auf der Straße aber standen die Händler und boten die Ftinfpfcnuig-Karten für 25 Pfennige und noch teurer aus. Im Laufe des Nachmittags ging der Preis für die Jahrhundcrtkarte immer mehr in die Höhe.' In der Fricdrichstraße wurden von Händlern nicht weniger als 1,5!) M. lür das Stück gefordert, und es scheint, daß sich'wirtlich Dumme �.ir Genüge gefunden haben, die einen solchen unverschämten Preis bezahlten. Bon de» neue» Postwertzeichen werden nach amtlicher Per- fügung von Neujahr yu zur Ausgabe gelangen: Freimarken zu 1». iO, 25, 30, 40, 50 und 80 Pf.. Postkarten zu 5, Weltpostkartcn zu 10 und zu 10.10, Formulare zu Karteithricfen und Postanweisungen sowie für die Rohrpost in Berlin. Erst sollen aber überall die alten Borräte aufgebraucht werden.— Wegen des Neujahrs-Brie ff- Verkehrs werden am Sonntag(Silvester) die Postschaltcr, ans- schließlich derjenigen der Zweigpostämter, für den Brief- und Geld- verkehr von 8 Uhr morgens bis mittags 1 Uhr geöffnet fein. Postwertzeichen find außerdem von 8 Uhr morgens bis 10 Uhr abends au diesen Schaltern zu haben. Auch die Zwcig-Postanstalten vcr- kaufen Wertzeichen am nächsten Sonntag wie an Wochentagen. Am NeujahrStag sind die Schalter für die Annahme lvic au den Sonntagen, also von 12 bis 1 Uhr, die der Zweig-Postanstalten gar nicht geöfsuet. Postwertzeichen werden von den Postämtern von 8 Uhr morgens bis 1 Uhr mittags am NeujahrStag vertanft. Kiir die Tildestcr, lacht wird die gesamte Berliner Polizei m Dienst gestellt werden. Die Reviere in der Fricdrichstadt werden dreifach bcjept sein. und außerdem in der Friedrichsträße und Unter den Linden stiegendc Wachen, errichtet werden. Auch die Straßen- sperre wird mehr ansgcdchnt werden als in den letzten Jahren gc- schehen ist. Die Südscitö Unter den Linden und der Promcnadcinveg werden von der Fricdrichstraße bis zum Denkmal Friedrichs des Großen für Wagen- und Fußgängerverkehr gesperrt. Nur für die zur NeujahrSconr nach dem Schloß fahrenden Wagen bleibt der Fahr- dämm frei. Der Platz vor dcur Lustgarten und die Schloßfrciheit werden für den Wagcnverkchr ganz, für den Fußgängerverkehr, wie ichou gemeldet,„nach Bedarf" gesperrt sein. Die Cafes und größeren Restaurants in der Friedrichsträße zwischen W-idendammcrbrücke und Taubenstraße werden zumeist, mn 11 oder 12 Uhr. nachts geschlossen werden. Die Fricdrichstraße zwischen der Linden- und Behreustraße wird zeitweise ebenfalls nach Bedarf abgesperrt sein. In den äußeren Stadtbezirken Berlins wird eine größere Zahl von Doppcl- Patrouillen unterhalten werden als in den' gcivöhnlichen Nächten. Soldaten als Briefsorticrcr. Ans Anlaß des starken Brio Verkehrs gelegentlich der Jahreswende wird eine größere Anzahl llnterossizierc und Mannschaften der Berliner Garnison zum Brie sortierdienst kommandiert werden. Die Leute crhalrcn eine Eni- schädignng von 2,50—3 M. für den Tag. Es hieß doch, daß stellungslose Handlungsgehilfen und andere Steuerzahler diesmal mehr als bisher berücksichtigt werden sollten? Eine gute Ernte während der Weihnachtszeit hatte» die -raichendiebc, lvic ans den ungemein zahlreichen Verlustanzeigen hervorgeht. Als verloren gegangen oder mutmaßlich gestohlen werden viele Gegenstände gemeldet, die niemals wieder zum Bor- schein kommen. Ans den Bahnhöfen ist nach wie vor das Haupt- orbcitsgebiet dieser Helden von der sauberen Znnft. Emern der Gauner wurde gestern»achinittag der Raub wieder abgejagt. Au' dem Schlefischcn Bahnhof war ein. angeiischcinlich mit großstädtischen Verhältnissen unbekmmtcr Mann eingetroffen. Einein Herr», der ihn ansprach, vertraute sich der Alte an. Er habe gehofft, seine» Sohn, der hier als Soldat diene, auch am Bahnhofe zu treffen und sehe sich darin gctätzschr. Der freundliche Herr erbot sich, den Fremden zur Kaserne zir bringen und vcranlaßtc diese», zwei Fahrkarten zum Bahnhof Fricdrichstraße zu lösen. Als der leiwiglanbige Mann sich am Brlletschalter befand, versuchte der andere'sich mit dem Gepäck davon zu machen. Als der Dieb bemerkte, daß er beobachtet wurde, ivarf er in dem nach der Madaistraße führenden Gang das Gepäck von sich und entkam. Ter Fremde war hoch- erfreut, daß er für diesmal so gut davon gekommen war, als man ihm sein Gepäck wieder aushändigte. Taute«oft tind die deutsche Sprache. Aus dem Leitartikel des gestrigen MorgenblatteS:„ES ist unsere Pflicht, in jedem einzelnen Falle, i» welchem gegen diese Grundanschauung verstoßen ist, in w e l ch e m Personen, welche Klassen angehören, ans denen sich i» Europa die Verbrecher nicht zu rekrutieren pflegen, in Afrika sich zu Blnlihaten hinreißen lassen, an die Grundlagen aller Sittlichkeit zu erinnern." In daö Moabiter UukevsuchungSgcfänguis eingeliefert wurde gestern der Kanfmann Zerkowski. Z. war vor längerer Zeit von Berlin aus nach Unterschlagung von 30 000 M. geflüchtet, wurde aber später ans Grund � eines von der hiesigen Staatsmilvaltschaft hinter ihn, erlassenen Steckbriefes in Marokko ermittelt und sofort verhaftet. Der Dampfer„Bremen" brachte den Dcfrandanten nach Hamburg, woselbst er von der Hafenpolizcibchörve i» Empfang ge- riommen nnd dann unter sicherer Begleitung nach Berlin weiter- transportiert wurde. Wich ein Anlaft znm Schuiauscu. Die„Voss. Ztg." meldet: Aus Anlaß der L e st ä t i g n n g des Oberbürgermeisters Kirsch» e r werden sich morgen, Freitag uachuiittag die Mitglieder des Magistrats nach Schluß der Sitzung z» einem g e m e i n fa in e n M a h l im Saal des Ratskellers versammeln,— Man mag der Bestätigung gedenken wie man will, aber wer die Geschichte der Oberbürgernieister- frage kennt, sollte meinen, daß ob solcher Bchandlmig des Falles der liberale Magistrat weit eher zur Trauer als zur Freude Ursache hätte. Arbeitervisiko. In der Tischlerei von Horn in der Dresdener- straße geriet gestern nachmittag der Tischlergesclle Johann Szerkat mit der Hand in eine im Betriebe befindliche Hobelmaschine und trug sehr schwere Verletzungen davon, Auf der Treppe zum Bahnhofe wurde gestern nachmittag der 31 Jahre alte Arbeiter Otto Krüger ans der Wöhlertstraßc 11 vom?ooc ereilt. Krüger. litt an der Schwiildsiicht, lvcigcrte sich aber, ein Krankenhaus anfzu'stllheii. Da er zu Hanse sterben Ivolltc, fa kam sein Vater, ein Handelsmann in Coswig, nach Berlin, um ihn in die Heimat abzuholen. Um 4 Uhr 13 Minuten sollte die Reise Vorgesten» nachmittag angetreten werden. Der alte Krüger hatte gerade Fahrkarten gelöst und stieg mit seniein Sohne zum Bahllstcia hiunnf, als der Kranke auf der Treppe tot zusammen- brach. Die Bnhnhofspolizei barg die Leiche, bis sie nach den» Schau- Haus abgeholt wurde. In der Rächt zn gestern stürzte sich der geisteskranke Schlosser Paul R, aus den» Fenster sciiier im zweiten Stock eines HanseS der Bülowstraßc gelegenen Wghnung ans den Hof hinab und zog sich schwere innere Verletzungen zu. Er wurde noch lebend nach der Charit« gebracht, Eitlen wichtige» Fang hat dieser Tage die hiesige Kriminal- Polizei mit der Festnahme des Mechanikers Hermann Schnaibcl und eines Komplicen desselben gemacht. In Verbindung mit der Ver- tiaftimg dieser veideii steht die Festnahme des Arbeiters Eduard Hoffmann, des Kellners Jqkob Stclzmann und des Arbeiters Max Schulz in Hannöver, sodaß' nnnmchr eine ganz gefährliche Ein- drechcrbande hinter Schloß und Riegel sitzt. Die Gauner unler- nahmen Reisen durch die größeren Städte und verübten vornehmlich Bodcndicbstähle»nd Einbrüche in nnbelvackiten Wohnungen, wobei sie wie die Vandalen hausten. Bei einer solchen Visiie erleichterten sie den Zuschneider Heere in Hannover um Wertpapiere in Höhe von etwa 15 000 Mark. Nebenbei versuchten sie sich auch in Palelot- diebstählen... Metropol-Theatev. Ein schlechter Kerl, der nicht vertragen kan». daß man sich ein bißchen über ihn lustig macht. So hätten wir denn auch in der neneu AnSstaitungsoperette„Die ver- lehrte Welt" vergnüglich den seit Aristöphanes dem Großen ja nicht ganz unbekannten Wciberstoat hingenommen. Wir hätten ihn hingenommen und an» meisten über die Bcbcline gelacht, die als Ehefredaetemiii des„Vorwärts" ihrem jungfräulichen-Neffen gute Morallehrcn giebt, nicht wenig stolz ist ans die rote Kokarde, die die Partei ihrer lauteren Tugend gestiftet, aber doch in schwachen Stunden weder einen kleinen Schwips, noch ein Techtelmechtel ver- schmäht. Wie sollte uns der Kobold nicht amüsieren, zumal er auch nach anderer Seite hin aussckilagen darf und die jugendliche Herrscherin des Weiberstaates am Meeresgrund darstellt, wie sie, mn Ungestört lieben zn können, ein kleines Stadtviertel ihrer Residenz absperren läßt»nd im zärtlichen Geflüster ganz vergißt, daß die Stunde herangekommen, tvo sie eine Denkmal's-Enthüllung in der Markgrästiinen-Ällee insccnieren soll. Das alles wäre uns schon lvillkon'nncn gewesen, wenn die von Julius Freund be- arbeitete Idee nach einigen wagehalsigen Ansätzen nicht trostlos vcr- kümmert wäre nnd sich im letzten Bilde in eine der ortsüblichen Frauen- sleisch-Paraden ganz gewöhnlichen Kalibers aufgelöst hätte. Schade darum. Der Hausdichtrr des hübsche» Baristo- Theaters in der Behreustraße ist ein witziger Kopf und iviirde gewiß seine lauuiacn Einfälle noch weiter ansgcspomirn haben. wenn er nicht in Rücksicht an den verblödeten Geschmack des Publikums den» Theater- ineifter und dein Kostümschneidcr hätte Platz machen müsien. So ist denn die witzige Variation eines übermütigen Gedankens geistlos zur AilSstattungsfeerie vergröbert worden. Eine gefällige, wenn auch nicht gerade originelle Musik war von Gafion Serpett und Julius Einöds hofer zu'.der Posse geschrieben worden.. Herr Steiner gab den passiven Helden des Stückes, der auf der Flucht vor der Geliebten daS Meer aufsucht und dort auf seinem Schiff den Tranin des Weiberstnates erlebt. Leider ivar der Künstler schivach bei Stimme. Sehr derb und drollig spielte Marie Grimm-Einödshofer die Chefrcdactenrin. Weiter ivären die Herren Grünfcld. Hummel und Kaiser, sowie die Dame» Georgette m»d Fried mit aller Achtung zu nennen. Theater. Im Schiller-Theater begnnit die Vorstellung am Silvesterabend anstatt um 8 Uhr bereits um Vi-, Uhr. Zur Slufkiihrnng toimnt an dieiein Abend Drcncrö„In Behandlung". Das Ende der Vor- stellung»vird lü/z Uhr iciu. Soimtagnaibiinttag geht als vierte Vorstellung im Schillcr-CyilüS„Maria Stuart" in Scenc.— Im Deutschen Theater geht am Silvesterabend der neue Schwank„Der Viel- geprüfte" von Wilbclui Meyer-Fürner mit folgender Besetzung zum erstenmal in Scenc: Stadtrat Rookeiuann: Fritz Engels; Henriette, seine Frau: Luise von Pöllnitz; Lilly, Kiithchcn, beider Titchtcr: Gisela Jurberg, Paula Eberin; Alexander Rauch, Referendar: Eduard von Winterslcin; Robert Niquet, Referendar: Friedrich Keyhlcr: der Bürgermeister: Mar Reinhardt: Möbes, Bruns, Rnmpf, Sladträie: Richard Vallcnti», Paul Martin, Paul Schwager; Blobel, Reporter: Haus Fischer; Frau Blobel: Gisela Schneider; Bertha, Amme bei Rauchs: Else Lehiimim; ein Asseswr: Bruno Ziencr.— Das Mctropol-Thcater veranstaltet am Zl. De- zemver eine S i l v e st e r f e i c r. Fcncrbericht. In der Rächt zum Donnerstag hatte sich L a n s i tz e r st r. 12 ein Posten Sägespäne entzündet.' doch konnte größere Gefahr noch rechtzeitig beseitigt ivcrden. Ein Wohnnngs- brapd veranlasste ein AnSrücken der Wehr nach G i t s ch i n c r- st r a ß e 52. Gegen Morgen brannte G r ü n e r Weg 07 Müll auf dem Hofe und Bärwaldstr. 2 ein Bretterzaun. Mittivochabend ging Badstr. 23 der Inhalt eines Schaufensters in Flammen au Thaerstr. 10 luar in einein Linnpenkeller ein Brand zn beseitigen. Ein Alarm nach Unter den Linden 45 betraf einen Brand des Zwischcngcbälks. Ebenso hatten M irn ch c b e r g e r str. 13 die Schaldccke nnd Balkenlage Feuer gefangen. Außerdem waren H o ch st r. 33 nnd Ä ö n i g s b e r g c r st r. 18 noch kleinere Tischlerei- brande abzulöschen._' Ans de» Viachbavortc». Nixdorf. In der gestrigen Sitzung der Stadtverordneten-Ber- saminlnng teilte zunächst der Vorsteher mit, daß die angefochtene Wahl von sechs als Hausbesitzer gewählten soeialdemokratifchen Stadtverordneten vom Bezirksausschuß für gültig, dagegen die Wahl des Stadtv. Ost ermann(Soe.) für ungültig erklärt worden fei. Die Versammlung beschloß, gegen das Urteil, soweit e s O st e r m a n i» betriff t, dieBcrusnng beimOber-BerwaltungS- gericht einzulegen.— Durch eine Acnderniig' der Gebühren- ordmmg für den Gcmcindelirchhof wurden die Gebühren für Wahl- stellen und Erbbegräbnisse erhöht.— Daraus erledigte man vcr- schicdcne Straßen- und Vertvalumgssachen.— Der Magistrat beabsichtigt. die Kosten für einen Erweiterungsbau, der jetzigen städtischen Krankenanstalt und für die Unterhaltung desselben in de» nächsten Etat einzustellen. Ferner>vird beabsichtigt, Vorsorge für den Fall zu treffen, daß mährend des jetzigen Winters eine Ucberjüllimg der Krankenanstalt eintreten mid die Beschaffung sowie Einrichtung von weiteren Krankciiränmcn sich nötig machen sollten. Zn dem Zwecke eine Verständigung herbeizuführen und insbesondere hie zweckmäßigste Art des Erweiternilgsbaucs festzustellen, wurde eine neungliedrige gemischte Kommission niedergesetzt, der auch die Stadtverordneten Dr. Silbersteiu(Soe.) und Preßlcr lSoc. angehören.-- Der Magistrat beantragt, zu beschließen, daß die Kur- und V e r p f l e g n n g S k o st e n in der Krankenanstalt vom 1. Januar 1000'ab nicht mehr 2 M., sonder n 2,50 M. betragen sollen. In seiner Begründung beruft sich der Magistrat ans das Steigen der Lebensmittelpreise, und besonders führt er ans, daß gerade Rixdors mit Rücksicht auf die jetzige Höhe der Annenlasten auge'.viesen sei, kein ihm zn Gebote stehendes Mittel zur Anfbesserung der Finanzen unberücksichtigt zu lassen. Man erhoffe 2300 M. jährlich zn sparen,— St'adlv. Dr. S i l b e r st e i n(Soe.) wendet sich energisch gegen den Antrag. und zwar ans prineipicllen nnd praktischen Gründen. Durch die Erhöhung würde vor allem die ärmere Bevölkerung ge- troffen werden. Tie Erhöhung der Lebensmittelpreise gc- uüge absolut nicht zu ihrer Begründung, lind dam» das Spare»! Warmn solle gerade hier gespart werden, während man bei Einrichtungen für die bester siiniertc Bevölkerung, z, B. die höheren Schulen, nicht danach frage, ov mehr ausgegeben »verde, wie einkomnie. Spccicll für die Verpflegung im R i x d o r f e r Krankcnhanse wäre eine Erhöhung der Gebühr unailgebracht, den» die Einrichtungen seien hier geradezu vorsi'mdfUltlich. Die Behandlung der Kranken besm-gten zwei Aerzte im Nebenamt, nicht einmal ein Assistent sei stets zugegen. Operationen könnten in der Anstalt überhaupt nicht vorgenommen werden.' DaS möge ja finanzielle Ursachen haben, spreche doch aber gegen den Antrag.— Die Debatte gestaltete sich sehr lebhaft. Zeitweise tan, es zu erregten Seeneu, zum Beispiel als Stadtv. R etzer a»(Soe.) von einer Blntsteiier sprach, die den Armen auferlegt werde. Ans die Schlußrnfc der Gegner erklärte Oietzerau,»ver die Wahrheit nicht hören»volle, der solle hinausgehen. Uebrigens wären gerade Christen, die doch die Vertreter des Bürgertums sein wollten, zur Ablehnung des Antrages verpflichtet, Die Stadtverordneten Abraham und B e l ß. Stadtrat G r a n i e r »md Bürgermeister Voigt besürivorteten den Antrag, ivährend Conrad(Soe.) und Jäger(Soc.)iin Sinne Silbersicins mld Retzeraus che»». Conrad warf den bürgerlichen Vertretern vor, daß sie von ihren, Klassenstandpunkt leite», ließen. Dagegen»vandten sich u. a. Abraham nnd Sander»nit den bekannten Argunienten. Die Armeiilosten, die Schulbau- und Unterhaltmigskosten»c.»viirden als Zeichen socialer Bethälignng ins Feld geführt. Ein Schluß- antrag wurde gegen die Stimmen der Socialdemokratei» an- genommen und darauf der Vorschlag des Magistrats von der bürgerlichen Mehrheit gebilligt. In Friedrichshagen findet am Sonnabend, den 30. Dezember, abends 0 Uhr, in» Saale der Frau Bertha Schulze eine Partei- v e r s a»n m l u i» g statt mit folgender Tagesordnnng: 1. Abhaltung einer Kreiskonferenz ans Anlaß der Ausweisung des Genossen Kopp. 2. Abänderung des Niederbarnimcr Kreis-'Organisationsstätnts. 3. Wahl von Delegierten zur Äreiskonferenz. Ilm zahlreiches Erscheinen ersucht Der VertranenSmaun. Die„Große Berliner". Aus Pankow teilt»»an uns mit: In» bejammernswürdigen Zustande befindet sich die Pferdebahn-Linie. die Pankow- Nieder-Schönhausen mit der Stadt nnd mit Rixdors verbindet. Die Linie ist cingeleisig,»md langes Warten an den Weichen ist daher an der Tagesordnung. Auf der Strecke Schpn- haliseit-Verbiudungsbahi! stock» häufig der Verkehr auf längere Zeit. Skandalös bei der jetzigen Witterung ist es aber, tvcnn, wie am Heiligen Abend, Wagen eingestellt werden, die weder Sitzkissen noch Fensterdccke» aufweise», des Mangels an Fnßdeckcn ganz zn ge- schweigen. An eine elektrische Verbindung ans her.Strecke ist vor- läusig nicht zu dcnkcu, da die Frage, wie die Ehaiisiee nach' Pankow hergerichtet werde» soll, noch die in Beträcht kommenden Gemeinden beschäftigt. Erst in» Frühjahr soll mit den» Bau der Kraftstation und des Bahnhofes begonnen werden. Bis dahin»vird noch mancher kräftige Fluch auf die„Große Berliner" hcriiiedcrregnen. Zur Berbefferimg des Bororitierkehrs wird berichtet: Eisenbahndirektioiis-Präsidcnt Kranold hat die Vertreter des Berliner Vorortvcreins für Anfang Januar zu einer Konferenz eingeladen, um mit ihnen den neuen Sommcrfahrplan und die Wünsche und Beschwerden auf den einzelnen Vorortstrecken, die ihn» in einer Denk- schrist unterbreitet worden sind, zu besprechen. Auf dieser Konferenz wird die Wannseebahi» durch zwei Delegierte aus Friedenau utttz Zehlcudorf, die Ringbahn durch drei aus Schöncberg, Rixdors»md Grunewald, die Ostbahn durch zwei aus Strausberg und Busch- mühte, die Schlcsischc Bahn durch zivei aus Köpenick, Neu-Rahnsdorf und Birkeuwerder, die Veltener Bahn durch zwei ans Velten und Kremmen, die Lehrter Bahn durch zwei Delegierte aus Spandau, die Görlitzer und Wetzlarer Bahn durch je cinci» Delegierten aus Adlershof und Drewitz vertreten sein. GevichlLs�eikung» Tie Verweigerung der Leistung von Ucbcrstundcn ist kein rechtmäßiger Grund zur Entlassung eines Handlmigsgehilfc!»»md stellt kein„unziemliches Verhallen" dar. So hat die 12. Civilkammcr des Landgerichts I in cincr EntschädigimgSklage entschieden, die eine Handln n gSg eh ilfin gegen ihren Ehes angestrengt hotte. Die Klägerin sollte an einem Tage, an welchem sie nach getroffener Vereinbarung schon um 8 Uhr abends das Geschäft verlassen durfte, eine Stunde länger bleiben, sie weigerte sich dcsjen. da es still im Geschäft war und wurde von dem Chef entlassen. Das Amtsgericht hatte in dem Verhalten der Klägerin einen gesetzlichen Grund zur Eiltläfsiing erblickt, die Bcrnfungskaimner dagegen die hiergegen ein- gelegte Berufung für begründet erachtet. Aus den in den„Blättern für Rechtspflege" veröffeiitlichteii Erkeimtiiisgründeil sind die folgenden besonders' bemerkenswert. Es heißt da u. a.:„Unter den ob- lvaltendeii Verhältnissen kann von cincr DienstversänmniS der Klägerin keine Rede sein. Eben so wenig fällt ihr Ungehorsam zur Last.' Denn die Pflicht zum Gehorsam bezieht sich nur auf die vom Gehilfen zn leistenden Dienste..Ihre Weigerung war be- rechtigt, weil sie zn der geforderten Dienstlristiing nicht verpflichtet war. Auch die Frage, ob die Klägerin durch ein Nu- zicmlickics Verhalten ihren Chef derart getränkt chat, daß er hieraus einen Entlassuiigsgrnnd herleiten konnte, ist z» verneinen, dem, der Beklagte hat sich durch sein unberechtigtes Verlangen einer Vcr- Ictzun'g des Rechtes der Klägerin schuldig gemacht. Der Wider- st a n d gegen das Unrecht i st aber Pflicht. Pflicht dcS Berechtigten gegen sich selber, dem» es ist ein Gebot der moralischen Sclbstcrhaltnng. Daß die Klägerin in diesem Kampf um ihr gutes Recht die Grenzen des Erlaubten irgendwie überschritten hätte, ist in keiner Weise dargcthan. Daß ein Zeuge ihr Benehmen den, Prinzipal gegenüber als unverschämt bezeichnet hat, beweist nur, daß er das g e s und e Oi e cht s g e f ü h l der K lä gerin nicht richtig z n beurteilen vermocht h at. Sie empfand den Schmerz der Rechtskräükmig und besaß den Mut und die E n t s ch l o s s c n h c» t. s i c' z»i r ü ck z u>u e i f e>». Bei ihrem nachhaltigen Widerstande hat sie nach der Beweisaufnahme nichts Unpassendes in Ton nnd Geberde an den Tag gelegt. Der Beklagte ist daher verpflichtet, ihrdiegefordcrteEntschädigungzn zahlen." Derartige verständige Urteile werden von nnscrcii Gerichten leider blutwenig gefällt. Die Anschauung, daß der Unternehmer, soweit die Arbeitsleistimg in Betracht kommt, ein fast unbedingtes Recht auf seine AuSgcbeutetci» hat, ist, wie überhaupt in bürgerlichen Kreisen, so auch in der bürgerlichen Klassen- jnsliz gang und gäbe, und. wird un Interesse der Kultur nur' von der Arbeiterschaft energisch bekämpft. ES wäre dringend zn wünschen, daß die bürgerlichen Gerichte sich endlich mehr und mehr zn der' in proletarischen Kreisen Herr- schcndcn Auffassung bekehrten nnd.so■ das intensive M i ß- trauen zn beseitigen suchten, daS sich gegen die landesübliche Rechtsprechiing tief ins Herz des arbeitenden Volkes einnisten mußte. Bis jetzt sind die Anzeichen zu einer Aendcruttg allerdings noch sehr selten. Ein deutsches Knltnr- und Sittenbild. Einer Anklage wegen Kuppelei, die gestern vor der zweiten«traskainmer des Landgerichts l gegen den Agenten Julius Börner uud dessen Ehefrau Auguste Börner zur Verhandlung gelaugte, bot einen eigeuartigei» Sach- verhalt. Die Angeklagten hatten gcständlich eine Anzahl Mädchen nacli Güstrow in Mecklenburg geschickt, wo eine Frau Schulz ein polizeilich konzessioniertes Freudenhaus hält. Die Mlidckiei, hatten gewußt, in welches Haus sie kamen. nnd für die Vermittlung auS freien Stücken eins beliebige Geldsumme an die Angeklagten gezahlt. Die letzteren eutscknildigten sich damit, daß sie nicht gewußt hätten, daß das, was in Güstrow erlaubt sei, hier in Berlin als eine Strafthat angesehen werde. Der Staatsanwalt wollte diesen Einwänd als stichhaltig nicht anerkennen, er beantragte gegen die Angeklagten eine Ge- 'ängniSstrafe von je sechs Wochen. Der Verteidiger, Rechtsanwalt Dr.' Schwindt, ploidierte für Freisprechung, der Gcrichtshof erkannio aber auf eine Gefängnisstrafe von je 14 Tagen/ diö durch die er- littcns llnterfuchungshaft für verbüßt erachtet wurde. Der christliche Staat Mecklenburg, der zur gewerbsmäßigen II i» z u ch t in dem hier angedcntcten Verhältnis steht, ist bekanntlich derselbe, der die Ar b e» t'e r b e w c g u.ii g in skrnpclloscr Weise zu drangsalieren suchte, derselbe, der die Socialdemokratie in einer Weise behandelt, daß er kürzlich vom Reichstag eine gar nicht mißznvcrstehende Nektifizicrung hinnehmen mußte. Vevnnsisztes. Osfiziersduelle und fein Ende. Ucber ein von preußischen Offizieren begangenes Roheitsverbrechen ivird auch aus Allen- st e i ii in Ostpreußen berichtet. Zur höheren Ehre des Christen- tnms fand das Duell am ersten Weih nachtstage statt. Die beiden Dnellnnteu ivaren nach der„Königsb. Hart. Ztg." Obcrlicutenaiit Sticlow und Lieutenant Ran vom Infanterie- Regiment Nr. 150. Der verheiratete Oberlientenaiit ist, schwer am Ilnterlcibe verwundet, in das Garnisonlazarett gebracht worden, wo er an» Abend g e st o r b e n ist. Irgend welches Mitleid mit den Opfern solcher mörderischen Roheit wäre natürlich unter gesitteten Leuten übel angebracht. Im Gegenteil kann man es im Grunde mit gewisser Genugthuung be« grüßen, daß Individuen, die ihr und ihrer Mitmenschen Leben derart gering achten, noch so viel Einsehen haben, daß sie Wechsel- seitig die Welt von der Gegentv'art ihrer gemeingefährlichen Persön- lichkcit zu befreien trachten. Man mag den Mangel an Gesittung und Erziehung gewisser Schichten der Gesellschaft beklagen, aber individuell betrachtet, sind Duellwüteriche sebensoiveiiig zu bedauern, wie Zuhälter, die einander abstechen. Ucber schreckliche Folgen der Schneestürme in den Wolga- Üeppe» berichtet man ans Moskau: In den Wolgaftcppen haben die letzte» Schneestürme furchtbar gewütet. Fast alle Viehherden lvnrdcn vom Unwetter überrascht. Viele tansende Tiere kamen»m. Vermißt wird auch die Mehrzahl der Hirten, die, wohl durch Schnee verschüttet, mnlainen. Der Notstand unter der Steppcubevölkcrung ist groß. ProletaUctjammcr am Feste der Siebe. Eine Wechnachts- Tenc-lldic hat sich in Liegnitz in der Nacht vom cestcu zum zweiten Feiertag zugetragen. Tort wurde die Frau eines Maurer?, der orbeits- und o v bachlos war. auf den Flcischcrwagen des Flcischcrmeistcrs Beer in der Ritterstrahe am Morgen des zweiten Festtages in schwerkrankem Znstande aufgesnudcn. Sie hatte in der Nacht auf jenem im Hofe stehenden Wagen einem Kinde das Leben gegeben. Bei der herrschenden Temperatur war es kein Wunder, dah das Kind alsbald nach der Geburt starb. Die Frau wurde nach dem-städtischen Krankenhaufe ubcrgcsiihrt. � Grostfcncr bei Krupp. Am ersten WeihnachtSfcicrtag entstand ein Grohfeucr in der Kruppschen Guhstahlfqbrik in Esten. Ter Brand zerstörte die Modellschrciucrci, Klcmpiicrei und Austrcicherci, die an der Kolonie Westend lagen. Tie anstoßenden Arbeiter- und Bcamtenwohnung sowie das Vanbnrca» konnten dank der Krupp- scheu Feuerwehr gerettet werden. Ter Schaden bclänst sich immer- bin aus Mehrere hmidcrttäüfcnd Mark. Ter größte Teil der Maschinen und Modelle ist vernichtet. Einem Feuerwehrmann wurde durch eine ciusiurzeudc Gichclmaucr ein Bciu zerschmettert. Abermals ein Grubcuuugluck. In K ö n i g s b ü t t e sind schon ivicdcr z'.vci Bergarbeiter Opfer ihres gefahrvollen Berufes geworden.' Es wird darüber gemeldet: Auf der Gräfin Laura-Gruhe ivurdcu durch herabfallende Kohlen zwei Bergleute getötet und einer fchivcr verletzt. Mord. In 5lapsdorf bei Kauth wurde in Abwesenheit der Eltern der läjnhrige Sohn Ernst des Amtsvorstehers Anders er- mordet. Tie Leiche wies inchrcre schreckliche Kopfwunden auf; es scheint ein verzweifelter Kamps Zwischen dem Mörder und seinen: Opfer stattgefunden zu haben. Am andern Tage wurde in Kanth ein des Mordes verdächtiger Mensch verhaftet, an dessen Kleidern sich viele Mutspuren befanden. Ncbcr Heinrich Heine in der Wcltlittcratur schreibt ein amerikanisches Blatt: Es unterliegt kaum einem Zweifel, daß im Auslände kein deutscher Dichter— nicht einmal Goethe— so viel gelesen und gesungen wird, lUie Heinrich Heine..In französischer Sprache sind über fünfzig mehr oder minder gelungene llebersetznngen der Poesien und prosaischen Schriften Heines erschienen. Wir nennen mir: Gerard de Nerval. Schure, Marclle, Tillandicr, Nanccb, llrbain Didier, Specht und Tuputz. Von den zahlreichen englischen Ucbcr- sctzungcn erwähnen wir nur die von Edgar Alfred Bowring, Egan, Wallis, Strathcir, Martin. Johnson', EvanS, Shodgras, John Stores Smith, Kate Freiligrath- Krockcr und Colbcck. In Amerika ist Heine von Charles Lcland', Häven, Mary Booth, Longfellow, Frauces Hellmann und mehreren anderen übertragen worden. Bekannt ist die meisterhafte Ucbertragnng des „Buches der Lieder" ins Italienische von Beruardiuo Zeudrini. Von den übrigen italienischen Ilebersetzcrn seien nur Chiariui, Menasci, Salvagnini' und Massaräsni genannt. Von den llebersetznngen ins Spanische erwähnen wir die von Fernandez y Gonzales, Franeisco Sellen und Llorcnte. Außerdem nennen wir die holländische. Ucbertragnng von Van der Hoop, die schwedischen Bau Krühs und Ring, die dänischen von Winter und Aarestrup, die norwegische von Crawford, die ungarischen von.«aroly, Endre, Miklos und Gyulai Päl, die czechische von Spindlcr und die russischen von Michailow, Kostomarow, Meißner und Weinberg. In die hebräische Sprache sind viele Gedichte von Lurie, Lctteris, Kaplan und Mandelkern übersetzt worden. Außerdem sind mehrere Gedichte Heines in die lateinische, neugriechische, türkische, lettische, polnische und japanische Sprache übersetzt worden. Es dürfte nur wenigen bekannt sein, daß im Jahre 188S bereits über 3000 Kompositionen Heineschcr Gedichte gezählt wurden.- Goethe ist nur 1700 mal komponiert worden. Die Kompositionen von„Du bist wie eine Bünne" beziffern sich auf 170;„Ich Hab' im Traum geweinct" und„Leise zieht durch mein Gemüt" auf je 83;„Ein Fichtcnbaum" 76;„Ich iveiß nicht, ivas soll es bedeuten" 73. Von den biclen Komponisten Heineschcr Gedichte seien hier nur die folgen- den genannt: R. Schumann. Mendelssohn. Franz, Nnbiiistei», Schubert, Seifert. Ritter, WielborSki. Eigher, Hertz, Klughardt, Urspruch, Geislcr, Van der Stucken, Brayms, Costa, Dawidow, Moszkoivski und Eckert. Außerdem existiere» Gesaiigssceneu aus „Alinansc-r" von Reineck-,„Ratcliff" von Fuchs und die Opern„Rai- eliff" von Qu: und Mascagni. Ebenso ist a» dieser Stelle Richard Wagner zu nennen, der in seinem„Fliegenden Holländer" einen Heine- schen Stoff verwendet hat.— Amtliches Teutsch. DaS Technische Obcrprüfungsamt. gez. Schneider'Oberbau- und Ministerialdirektor im Ministerium der öffentlichen Arbeite»), erläßt eine Bekanntmachung, in der die Rc- gierungs-Baumeistcr, welche im Jahre 1804 ihre Prüfung bestanden habe».' aufgefordert werden, die Rückgabe der damals eingereichten Zeichnungen zu„beantragen". Tie Bekamitmachüug schließt mit den Worten:„Auch kann die Rücksendung-durch die Post»nfraiikiert beantragt werden." Wir möchten denn doch keinem Baumeister raten, seinen Antrag unfrankiert einzureichen, denn dann würde er sicher belehrt iverden. daß die Worte bedeuten sollen, sie könnten die un- frankierte Rücksendung durch die Post beantragen. Weshalb aber sagt das Technische Öbcrptiifungsaint nicht, lvaS es sagen will? Uneutgcltlichev Rat ill Unsalb. Jiwaliditäts- und Altersvcrsicberungs- Angelcgenheitc» wird von den unten verzeichneten Mitglieder:: des Arbeiter- vcrirctcr-Dcrcitis erteilt. Svre»zei>; An den Wochentagen abends vyst 7—9 Uhr mit Ausnahme derjenige::,' bei denen eine besondere Sprechzeit angegeben ist. Im Norden Berlins: Für Unfall InvaliditätS- und Alters- Versicherung; A. D a c h n c, Pflug st r. 17 I. St. G u l h e i t. Wiesenstr. 27, von 8—9 Uhr abends. F. P i c s ch e l, Gartenstr. bö, vorn II. E. S iura- nowski, Hochstr. 46. vorn HI, von 7>/.— 8>/„ Nhr abends. 91. Aoigd, Wiesenstr. 41/42. E. W a r:: sl, Kolbcrgerstr.-7, von 6—7 Uhr abends. P. Reiura::::, Belleruianustr. 83.— Nur für JuvaliditätS- und Altersversicherung: F. Blume, Strclitzcrstr. 58. F. Trapp, Schwcdcustr. 14, von 7—8 Uhr abends I m N o r d- O st c n: Für Unfall-, Jiwaliditäts- mW Altersversicherung: G. Günther. Greifswaldcrsir. 8, II links.— N u r für Unsalwersicheruug: E. Löfflcr, Wadzcckstr. 15, vorn part., abends« Uhr. Im Osten:..Für Unfall-, Jnvaliditäts- und Altersversicherung: A. Schütz. Holzmarktstx. 60 l.— Nur für JuvaliditätS- und Alters- verstcherimg: E. Bader. Gr. Frankfurterstr. 34. vorn IV. I m S ü d- O st e n: Für Unsall-, Jiwaliditäts- und Llltersversichernng: F. S ch a l t h o f s, Michaelkirchstr. 18.— Nur für Jnvaliditäts- und Alters- vcisichenmg: W. Kühne, Psnclstr. 1. W. Mvhs, Am Oberbau:» 2. Im S i: de n: Für Unfall-. Jiwaliditäts- �md AlterSversicheruiig: F. S t ü g c l m a i c r, Grimmstr. 39. Im Süd-Westen: Für Unfall-, Jnvaliditäts- und Altersversicherung: H. Strehler. Willibald Alexisstr. 31, 2. Eingang.'- Nur für Unfall: G. Häncl, Solmsstr. 44. Im Westen: Nur für Jnvaliditäts- und Altersversicherung: H. Wolde rsky. Kurfürst enstr. 84, Hof, Settensl, III. I m Ztord-Wcstcn: Für Unfall-, Jnvaliditais- und 9llterS- Versicherung: I. Krause, Waldstt. 42, l. Quergeb. IV. M. Stephan, Euxbafenerstr. 2.— N u r für Jnvaliditäts- und Altersversicherung: C. G n s c. Nostockcrslr. 43 I. R. N e h b c i n, Rostockcrstr. 43. Im Ccntrum: Für Unfall-, Jnvaliditäts- und Altersversicherung: A. Sattler, Kl. Hamdurgrrftr. 2. Ferner in den regelmäßigen MouatSversammlungen des Berliner Arbeiteivertreler-Vereinö jeden Donnerstag nach dem ersten im Monat, abends 8>/z Ubr, bei B u s i e, Grcnadicrstr. 33. Der Vorstand des Berliner Llrbeitervertrctcr-Vercins. I. A.: E. S i m a n o w s k i, Vorsitzender. Neue Hochstr. 46 III. BSUternngSnbersicht vom 38. Dezember 1890, morgcuS 8 Uhr. Weiter 2-Schnee 3Nebel 2Sch>iee lhedeckt,. bhlb.bed.!— 4 -gedeckt-2 Siaiioncii zs » s« ..= 5 si Weiier e« 1=! Haparaiwa Petersburg Cork. Aberdccu Paris Ä. 76, W 771' 5 734OSO 752/WSW 752, SO Ii-» = 5»' üU '3 tö WB. i 4, bedeckt 2walkezil 8Megen 2.heiter 2, bedeckt -? -12 8 -4 4. wv c 1 1 e r- w r o g i: o> c tili greilag, ocn»i».«czrnioer Ziemlich trübe und nebelig mit geringen Niederfchlägen und mäßigen südlichen. Winden. Temperatur wenig verändert.- Miulipreiie von Berlin am 37. Tczcinber I89S nach Ermittlungen des kgl. Polizei präfidiNinS D.-Ctr. �Weiztti ')Roggcii Fiiitcr-Gcrfle„ Hafer gilt „ mittel„ .. gering Ziichtstrvh„ Hcn f)Erbseii h)Speltcdohncn -sZLiNscn Kariosfeln, neue iliindsieisch. Keule l kg du. Bauch„ *) Ermittelt pro 35,10 14 70 14,- 10,20 14,30 13,50 4,50 6,80 40,- 45,— 70,- 7- 1,80 1,20 Tonne Schweinesieifch Kalbfleisch Hammelfleifch Biitter Eier Karpfen Aale Zander Hechte Barich e Schleie Bleie Krebse 1 kg so Stück 1 kg per Schock 14,. 13,80 13- 14,40 13,60 12.80 4,32 5,20 25,- 25,- 30,- 5.- 1.20 1,- iwn der Centralstckle der Preuß. Landwirt- schaststamincrli— NolieliiNgsslette— und umgerechnet voni Pvlizeipräsidim» für den D'oppel-Cciltncr. h) KleinhandelSvi-eifc. Broduktcnmarkt vom 28. Dezember. Der Getrcideverkehr cnt- lehrte heute jeglichen Lebens, da sich zu der Nachwirkung der jiingst verfloffenc» Festtage bereits der Einfluß der bcvorstehciideil gesellte. Infolge der gänzlich sthlelidc» Uutciiiehmlingcii blieben auch die festeren Pleismeldiingen aus Paris und Nordamerila ivirkiingsloS,' ziinial da das iiiLipische» eingctrciene Thauwettcr und niedrigere Noticruligen Oestreichs- Ungarns die spelu- lativen Käufer äbschrecktcn. Eiii Posten russischen Roggens geringer Qualität wurde für Februar-Märzabladiing ntzch hier verfchlossci!. Im Preise waren Weizen und Roggen gegen gcsteru wenig verändert, eher eine Kteinigleit billiger. Hafer lag ganz iiubcachtet, Rüböf fest. A»! S p i r i t NL m>' r k t war das Geschäft sehr ruhig. Da jedoch kein bedeutendes Angebot vorlag, so behäuptele 70er loco seinen Preis mit 47,70 M. Kartoffclfabrilate. Feuchte Karloflclstnric 10,40 M. lo reine Kai-toffelstärke dic-ponibel iilid Januar-Februar 19.75 M. per 100 Kilogramm. Ei er-Bericht vom 28. Dezember. Normal« Eier je nach Qualität von 4,00-4,25 M. per Schock, dlnssotticrte kleine Ware je nach Oualitä» von 2.95— 3,05 M. per Schock. Kallcicr je nach Qualität von 3,65—3,70 M per Schock. Tendenz: sehr riltsiip_ Briefkasten der Redaklion. Tie juristische Tprechstmide findet Montag. Dicnstas un» Freitag von<>—8 Uhr abcndS statt., �. Naget 100. Sie finden im neuen Adreßbiich die HauSbesitzer-Bereina im zweite» Teil aus Seite 159 und 160 verzcichiici. Arbeit adelt. 1 Schwindelhaicr. 2. Ja Zwei Adolfe. Napolean der Dritt« lind Kleine stand pnch einer Legende zu Ansang des deutsch-französifchc» Krieges bei der Kanone, die feiii Söhnlein Lulu ans Saarbrücken losfenerte. Ob die Kugel in die Stadt gekomincn ist, weiß man nicht, aber daß Lulus Bater nicht hinein- aekouiiiieil ist. daS weiß man, Der arme. Lulu wurde einige Jahre später, weil er Weltpalitil treiben wollte, in Südafrika, das jetzt auch den Engländern so verderblich ist, totzestochc». Kür de» Inhalt der Juscratr .............. die Rebaktion dem Vnblikiim gegenüber keiuerlri _ Veranlwortinig. Mlzenteu. Freitag, 29. D e z e m b c r. Opernhaus. Die Zanberfiötc. An- fang T'/j Uhr. Schnnfpielhans. Die Jungfroil von Orleans. Ansang?:/, Uhr. Deutsches. Der Probckandidat. Ap- sang 7-/, Uhr. Lesssng. Der Tugendhof. Anfailg 7'/- Uhr. Berliner. Flotten-Manöver. Au- saug 7-/, Uhr. Schiller. In Behandlung. Ansang 8 Uhr. Rcnes. Ein unbeschriebenes Blatt. Ailfaiig 7,/j Uhr. LA« sie». Cavalleria rusticane. Die schöne Galathee. 9l»fa>ig 7>/z Ubr. Thalia. Im Hiiumelhof. Anfang 7-/j Uhr. Residenz. Bnsch und Reichcnbach. Vorher: Die, Richtige. Ailfaiig .7>/z Uhr. Luise». Arme Reiche. Ans. 8 Uhr. Senlral. Die Geisha. Ans. Uhr. Carl Weist. Elfride.. Ans. 8 Uhr. Victoria. Die Venus von der Markt- Halle.?l»fang 8 Uhr. Friedrich- WtltirlmstädttscheS. Ein aesiinder Junge. Ans. 8 Uhr. Belle- Alliancc. Gastspiel des Schliersecr Bauern- Theaters. Liserl von Schliersee. Ansang 8 Uhr. Mctropol. Specialltäteiivorstellung. Die verkehrte Welt. Ailfaiig 8 Uhr. lllpollo. Specialitätc»- Vorstellung. Im Reiche des Judra. Ansäng 7V� Uhr. vlcichshalle». SIettiner Sänger. Anfang 8 Uhr. Palast. Leute von heute. Spcciali- täten-Vorstclllnig. Ans. 8 Uhr. Passage< Panoptttnni. Specials- tälcii-LorfleNiiiig. Itrania. Jnvalidenstr. S7/0S. Täglich abends von 5— 10 Uhr: Slfvituuifle. Daubciiftr. 48/49.„Transvaal". Vorher:„Der dunkle Erdteil". Hörsaal: Dr. Schwahn:„Werden und Vergehen im Wcltcnraum". Aufaiig s Uhr._ ErntOQ l Ijrsitcv Direktion: Joie Ferenczy. Div G v i s h 5t. Anfang T/t Uhr. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Sonntag, nachm. 3 Uhr, zu halben Preisen: Die äfllederiuitB« von Johann Straub.— Montag, nachm. d Uhr, z. halb. Preisen: lkoctiaevio von Franz v. Suppe.-_ Carl W elss-Tlieater «r. Fraiiksnrtcrstraste t.tL. Deutsche Volksbühne. Elfriede. Drama in 5 Akten von Paul Hevle, Ansang 8 Uhr. Tchillkr-Thenttt' lWallncr- Theater:. Freitag, abends 8 Uhr: In Ikolinnckilinzr. Komödie in 3 Alten von Max Dreher. S o i>» a b e» d. a b e n d s 8 U h r: va» von lloilki-ona. So niita g,»achmittagS 3 Uhr: IV. Voi-stellnng im Schiller-ChllnS: Itlnvin Stnart. Abends 7i/2 Ubr(Silvesterabend): In lleliancllaiig Thalia-Tlieater. Tel. AratIVa 6440. Dresdenerstr. 72/73, Noch nie dagewesener Erfolg 1 w»44«, Vß. Große AnSsiattlingsposse mir Gesang »nd Tanz in 3 Akten von Kren und Schönseld. Musik von Max Schmidt. Hauptrollen: Emil Thomas, Guido Thiclscher, Fritz Helmerding, Hans Juiikermanii, Herbert Paulmüller. Marz. Arascv. Im 2. Akt: Das lebende Rnsichts- Postkarten-Finalc. Ailfaiig 7>/z Uhr.— Aiorgcn und solgende Tage: Im Himmelhos. UWßal-slikStös. llebrensli'. 66/37. Mr.: Mob. Sobulte. DaS grostc Dezember- 8 p c c n U t iU v n- 1' vo s v an» m. Um 8 Uhr 45 Paul Jülich. Um 9 Uhr Liane de Vries. Um 9 Uhr 15 Die ferkeiirte Welt. BurlcSke AliSstattiings- Operette in 2 Akten(6 Bildern). Anfang i/.ß Uhr. Am 31. Dezember 1899: Crosse Alles Nähere die Assilhell. Apollo-Theater. Novität! Zum 11. Male: Novität! Im Reiche des Indra. Ansstattungs• Operette in 1 Akt uiit vier Bildoru uud Apotheose von Leop. Ely und Bolten-Baeckers. Musik von Paul Läncke. Fernei-; Die vorzüglichen Speclallt Ute ii. Anfang 71/, Uhr. Vorverkauf täglich Im Thealer von 10— 1 Ühr, sowie im Invalidendank, Unter den Uinden 24. und KUnatler- dank, Unter den Linden 69. Metropo!' Theater. Behrensiraste 55. Direktion Rieh. Schnitz. Eomltllg, den 31. DezMer 1833: LeosZö 8i!?e5lei'�»böl-feiei'!!! Abschied des Iahrh»mderts. liiane de VrieZ. hiitke Carlseu. Pauline it'Argent. Paul Jülich. Fried-Fried. �eorg üaiser. Früzi Georoette. sie�m. Steiner. Ferner daS Ricscn-Spccialiinten-Piogramm. Um 10 Uhr: l!©er Sehlager der Saison!! Die verkehrte Welt! Ilm 12 Uhr s Epilog! Große Httldigmtgs- Apotheose <200 Mltwirkcude). Hieraus: CoAftM-Schlacht! Tanz! Großes fmmil Die Lanze Nacht hindurch 3 kilusfik.KsßISBlSna Anfang 8 Uhr. Ende lauge«ach'Anfang des neue» Jahrhunderts. Miitllg, den 1. zannar Illlll):„Die verkehrte Welt". Das Tollsländig neue Speclalitäleu- Programm. Cirkus Alb. Schumann. Heute Freitag, den 29. Dezember, abends vräcise 7»/� Uhr: «Zala-Vorate'llant; mit ganz exquisitem Programm. II. a. Neu! The 3 llaydan. Araber. Springer. Dir. Alvert Dchuman» mit scinen Schul- mid Freihcits- Dressuren. Zum Schluß zum 41. Male: Der erste Schlager der Saison. Größtes uud iiiteressailtesteS Nitterachanstüok Schwarz und Weitz mit sämtlichen Einlagen Soiiiltag, 31. Dezember: 3 große Vorstellungen. Nachm. 3'/- Uhr und abends Vht, Uhr. In der Nächiiiittags- Vorstellung auf allgciilcincs Verlangen die reizende Ausstattiingspanioininie Im Weihnachtsbazar, dargestellt von 80 Kindeni im Slltrr von 3 diS 5 Jahren und 100 Personen. Nachmittags 1 Kind bis zu 10 Jahren frei, jedes weitere Kind bis zu 10 Jahren halbe Preise(außer Galerie), ebenso Kinder im Alter von 10—14 Jahren. Cipkus seh □ Heute Freitag, den 29. Dezember, abends 7>/z Uhr: Dr. Gala-Clown-Äbend und AchznbiläWS-MstellW aus Anlas; der ,50. Aufführung der vsmonns, des gräßten und imposantesten Ten- satiöiis-SchaiistiickS d.JahrhiindertS. Außerdem: Charivari v. 100 Clowns, iiiännlicheil und weiblichen. Clown Daniels als Champion- Boxer. Original-Aiigilst Checvers mit seinem singeildcii Eick. Miß Lala Lee, Schul- rcitcrin. Direktor Busch mit seilien Lriginal-Meister-Dressnren. Morgen Sonnabend, 30. Dezember, abends 7r/j, Uhr: Gr. Gala-Bor- stellnug. Sonntag, Ll. Dezember: Zwei große Aorstclliiiigen. Nachm.: Olympische Spicke. AbendS: Die Camorra. 'ranlienotranne 4SI-%U. Im Theater abends 8 Uhr: Transvaal. Vorher: Ver danlcle Erdteil. Hörsaal: Dr. Schwahn:„Werden und Vergehen im Weltenraum". luralkdcnslr. 57/0%: Täol. Sternwarte. Nachmittags 5—10 ühr. ■Pa¥äf8-Paipticum." Ken: Anatomisch. Müseum. Dienstags , für Damen. Passage- Theater Beginn des Konzerts 6 Uhr. riorVorst. 7 Uhr. 15 erstklass. Dob. CASTANS iPANOPTICUM Gr. Weilinaclits- Aiisstellnng mit Berliner Weihnachtsmarkt [(Schlocsplatz) Im 18. Jahrhundert. Im Theater-Saal: Zlndarella. Die Wellinachts-Itescherung. Die hellige Familie. Konzert einer Damenkapelle. Der Wunderhund„Schimmel". Die Bocren.■DB Maehrs Theater Oranlcnstr. 24. Nord und Süd. Operelte von Linderer. Xenen Programm! Anfan 8 Uhr.«sonntags 6 Uhr. Bons wochentags gültig. Staiissouvi KoUbiincrstr. 4 a. Heute gcschlossc». Sonntag, 31. Dezeulber: «rosse S II vcsterfelcr. Borstelinng»nd Bali. Ansang der Vorst. 6//, Uhr. Um 10 Uhr: Silvester- Ball. Um 12 Uhr zur Begrüßung des neiicii Jahrhunderts «rosser Festakt._ GratnIationSconr.Pnnschpariiec. Palast-Theater früher Feen-Palast, Vurgstr. 22. Das riesellgrotze neue VeMaaedtL-?rogramm. E Folleitas, Alrobaien, 5 Pers. ra-Trio. Klmsttadsahrer aus dem 60 7zllß hohen Turniseil, sowie, das gesamte neu engagierte Sneclalltttten-Personal. UM 8� Uhr: Winkler und Fröberitt dem Berliner Lebensbild: 4,ente s-on Heute! Anfang; Konzert 6 Uhr, Dorstg. 7 1164 Äasseilöffniing 5 Uhr. Mitree 50 Pf. Billet-Voroerkauf vowll— 1 Uhr. �intiriean-Meater. Dresdenerstr. 96. Dir.: Emil Schiiabt. Das gr. BSethnachts-Programm. Die verkannte»» Genies. Nrvlin nlkl! Ansang 8 Uhr. Kasiciieröffnung 7 Uhr. Morgen: Novität! Berliner Borslottc.'__ W. Icacks Theater, ., BvniJUCiiflMEC 16. Muttersegen. Schauspiel mit- Gesang in 5 Akten von Friedrich. Jeden Sonntag. Dienstag und Donnerstag nach der Vorstelliing: Tonzkrättzchen. ReichShallcn. Stet tiner Sauger. Anfang: HLochentags 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. Entree 50 Pseiinig. Vorvertans 40 Pf. Karpfen-Berkattf Rügenei str. ,12. Hos. Sonnabend. nachiiüv.2—?Uhr, Tonnragb.lONM'. . Zugleich cinpfelilc Eentv-Markthalle Stand 5 II. 29 a, Liindsvcrgrriir. v. im Laden. ,4. Bneteeke. � iMimMw \ spottbillig. Ueoro Wagner, Skm'ItKerstr. iÄ«[* —(nah« dem Kotibuser Thor}.— Danksagrnne. Für die zahlreiche Betnligmtg bei ter Beerdigung meiner lieben, unver gehlichen Frau sage ich allen Genossen, Freunden und Bekannten sowie meinen Kollegen herzlichen Tank. 1531b Oskar Loesch. _ Swindeinünderstrahe 120, Danksagung. Allen Verwandten, Freunden und Bekannten, sowie dem Gesangverein W e d d i n g e r Harmonie für die zahlreichen Kranzipenden und die herz- liche Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes, des Cigarren- Fabrikanten Zlax Weidner, sage liiemit meinen innigsten Dank, via trausrnäs Witwe nebst Kindern, Femer niache ich bekannt, daß ich das Cigarren- und Tabakgeschäft, Hochstr. 46, weiter führe, s33gSL Danksagung:. Allen lieben Verwandten, Freunden und Bekannten, die meinem lieben, nnvergejzlichen Manne das letzte Geleite ge- geben haben,'meinen besten Dank. Insbesondere aber den Herreu Meistern und Mit- arbeiten! der Anhaltischcn Ma- schinenfabrik danke ich auch hier- mit für alles, sonne für die schönen Kranzspenden. löZ4b Witwe Auguste Lehmann. AAung! MAURER. Achtung! Sonntnj, Hin 31. Iczmbn, Mraiftip 10 W, in Rnilolph, Mrft. 6-?: Uersammlung-Mg itä StrtinS M Sujtmj in Zlltmism in««lirn BiM iilld lllllgti. Will Diskussion. 3. Ersatzwahl eines Revisors. 4. Vereins 130/7 1. Vortrag deS Herrn Dr. Dmnn angelegenheiten. " Die Vereinskollegen von der Fabrik„Stahlwerke Reinickendorf" werden aufgefordert, in dieser Ver- sammlung zu erscheinen.— Das Kassieren fällt des Maskenballs wegen anr Sonnabend, den 6. Januar, aus. ___ Der Vorstand. I. 21.: G. Herforth III. Wahlkreis. Sonntag, den 31. Dezember 1809, abends 7 Uhr, in FeuerftrinS Aeftfüle». Alte Jakobftrafie Nr. 73(oberer Saal): Große Silvester-Feier Eintritt inklusive Garderobe 20 Pf. 241/8 Rum nicht von Essenz, sondern nur wohl- bekömmlicher reiner Jamaica-Verschn. vr. Vi Fl. CU Liter) von 90 Pf.. V. Fl. von 50 Pf. inkl. an. Vorzügl. Pllllsch-, Crog-, kliihtveitt- Extrakt pr. V< Fl.(Vi Liter) von" 1,10 M.. Vj Fl. von 60 Pf. inkl. an. empfiehlt die Weinhandlung und Spirituosen-Fabrik von s32k8L' Jgnatz Sello, — 110. Brnnnenstraße 110.— (neben dem Pferdebahn- Depot). Filiale: Kastanien-Allee 87. Max Schulz, Detailverkauf: Friedenstr. 98 NO. 3370L* ierusalemerstr. 46 SW. Chausseestr. 49/50 N. 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Beim �»artalswechsel empfehlen sich folgende Partei-Tpeditioneu: leng�els, Frucht- Rei'Ila vierter Wahlkreis O.: Robert strahe 30, Hof II.— 80.: Fritz Thiel, Skalitzerstr. 35 p. part.— 8echster Wahlkreis(lffnahlt): Karl AnderS, Salzlvcdeler- firahe 8, pari, im Laben.— Wedding mib Oranienburger Vorstadt: Emil S i v l z e ii b ii r g, Wle'enstrahe 14.— Gesnnd- hrnnnen: Wilhelm G ahm an u, Grünihalersir.Oö.— Rosen- thalcr Vorstadt und Gchiinhanser Vorstadt: Karl Mars, Kastanien- Allee 95/96.— Charlotteabnrg: Gustav Schar n berg, Schillerslr. 94, v. 1 Treppe.— Beatsch-Wiliners- dort: Frau Küble r, Sigmaringenstr. 5, und Frau H e i n e in a n n. Sig- maringenstrahe 35.— Prledrlchsherg-Prledrlchskelde: Carl Welk, Berlin O., Friedrich-Karlstr.4.— Grünau: Engel, DaHmestr. 6.— Itlxdorr: Oster mann, Erlstr.b.— 8chvneherg: WilH. B ä ii m l er, Zlpostel Paulusstr. 13, Ouergeb. Hochp.— dohannlsthsl-Zkieder. und Ober-Schüneweide: Otto I o h n, Ober- Schöneweibe, Siemensstrahe 7, Cigarrengeschäft. Aunahuiestellen: Nieber-Schönewetde: Karl Weber, Cigarrengeschäft. Johannisthal: Senf t leben, Restaurateur.— Adlershof: Max WorbS, Metzerstrahe 4.— Ottpenlck: Franz Weber, Cigarren-Handlung, Grünauerstr. 1.— 4'rledenan.8teglltz: H. Berns ee, Kirchstrahe 1, in Friedenau. Bestelluiigeli nehmeu entgegen in Steglitz: H.Mohr, Düppelstrahe 8, und Fr. Schelthase, Ahornstr. 15a.— Bannischnlenweg: Gockel, Baumschulstrohe 32, v. III.— Gross- Idchterfelde: Abonnements nehmen entgegen: K r e m p, Chausseestr. 45; Voigt, Dürer- und Moitkestraben-Ecke; Kuyner, Dürerstrabe 41; Pagel, Chausseestr. 104; Schlüter, Verl. Wilhelmstr. 33; Richter, Lorenz- strahe 34; Frömmiug Lanlwiystr. 10; S e n g e r, Kursürstenstr. 35; Lück, Chausseestrahe 109; Wenzel, Lanlwitzerstrahe 6.— Nen- Weisscnscc: Speditenr Heinrich S ad) mann, Lehderstrahe 1, pari, links.— Pankow: Kümmert, Florastrahe 48. Auherdeu» ist sämtliche Parteilitteratur sowie alle wissenschaftlichen Werke dort zu haben. Ullch WCrdCN JnftratC fM den„Vorwärts" entgegengenommen. Um grnttuv Angabe der Adresse wird dringend gebeten� Ritte ausschneiden!-MS ä Kleine Wf Wort fett, Worte mit mehr als Ztm m Ä Al A WM• fmr in tie W t6 Buchstaben zählen doppelt. Mi M W b Anzeigen in den Annahmestellen für Berlin bis 2 Uhr, für die Vororte bis 1 Uhr, in der Hauptexpedition BeutAstr.2 bis 4- Uhr angenommen. teie A rden A lin Mä M Verkäufe. GarbinenHaus Große Frankfurterstraße S, parterre. 1106b Möbel aus Teilzahlung Teich- mann, Prinzenftrahe 62.[1167b* Möbel, bar und Teilzahlung, billigst. Frankfurter Allee 110, I, Ecke Köiilgsbergerftraße. 287K* Zurückgesetzte Herrenhosen aus feinsten Stoffen 9—12 Mark. Verkauf nur Sonnabend und Sonntag. Versandhaus Germania, Unter den Linde» 21 II. 750b Möbelspeicher. Möbelverkauf Oranieustrahe 2a. 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