Mnterhaltungsblatt des Horwärts Nr. 250. Freitag den 25 Dezember. 1908 (Nachdrui! berbolen.) Gin Weihnachtsmärchen. Von Peter Nansen. Es war einmal ein ungeratenes Kind. Man kann wohl mit Bestimmtheit annehmen, daß die Erziehung cm wenig schuld daran hatte, denn die war, gelinde gesprochen, höchst mangelhaft gewesen: aber trotzdem,— ein zehnjähriges Kind ist nicht durch Erziehung allein so mißraten: es muß von Geburt an etwas Gottloses an ihm gewesen sein. Das ungeratene Kind ging am Tage vor dem heiligen Abend die Vimmelskaft(eine der Hauptstraßen Kopen- Hägens) hinab. Natürlich waren die Kleider des Kindes zer- rissen und zerlumpt,— es war unglaublich, was das Kind an Zeug verbrauchtet Hatte es doch erst zum letzten Weihnachten eine von des Oberlehrers abgelegten Hosen erhaltenl Und jetzt war, mit Erlaubnis zu sagen, nicht so viel mehr davon übrig, daß das Hinterteil bedeckt wurde! Man konnte sich wahrlich versucht fühlen, zu glauben, daß sich das Kind so wie der unartige kleine Tordenskold auf einen Schleifstein gesetzt habe. Es war nicht gerade sommerwarm an jenem Abend, aber doch mild und angenehm für gesunde und wohlgekleidete Leute. Wenn man aber den Jungen ansah, hätte man glauben können. Kopenhagen sei Sibirien. Er stellte sich an, als sei er auf dem besten Wege zu erfrieren: Er hielt die Hände vor den Mund und ließ die Tränen an seinen schmutzigen, auf- geschwollenen Wangen herunterlaufen. Daß da? Verstellung war, sah man am besten daran, daß er jeden Augenblick stillstand und die erleuchteten, aufgeputzten Ladenfenster anstarrte: hätte ihn wirklich gefroren, so würde ihm das schon Beine gemacht haben. Wer ihn beobachtete, wenn er vor einem weihnachtlich ge- schmückten Laden stand, der gewahrte einen gierigen, boshaften Ausdruck in seinen kleinen, schlauen Augen. Das war nicht wie bei andern Kindern, die auch auf den Einfall kommen können, alles Haben zu wollen, was sie sehen. Wie entzückend war es nicht, die kleinen appetitlichen Bälge die Hände aus- strecken zu sehen und sagen zu hören:„Das will ich zu Weih- nachten haben, Mama!" Sobald die Mutter sie nur küßte und sagte:„Ja, wenn Baby artig ist, soll Baby es haben," gleich waren sie zufrieden und lachten übers ganze Gesicht. Aber das ungeratene Kind sah so gierig aus, daß man ganz bange vor ihm werden konnte. Und einmal, als eine niedliche Kleine, der sein Anblick Ekel einflößte, zu ihrer Mutter sagte:„Pfui, was fiir ein Straßenjunge!"— da spuckte er nach ihr und sagte ein häßliches Wort. Glücklicher- weise besaß die Mutter die Geistesgegenwart, ihm. che er Reißaus nahm, einen tüchtigen Schlag mit ihrem Regenschirm an den Kopf zu geben. Es war sehr schön und anheimelnd in der Oestergade. So hell wie am lichten Tag, und aus den warmen Läden strömte der Duft von leckeren Sachen. Da konnten die Leute denn auch nicht umhin, fröhlich auszusehen: sie gingen so lächelnd und höflich zwischen einander umher, als seien sie alle die besten Freunde. Man sagte:„Ach entschuldigen Sie!" wenn man einander stieß, und sogar gegen ältere Damen war man galant. Der unartige Junge schlich mit seinem mürrischen, un- angenehmen Gesicht zwischen allen diesen liebenswürdigen Menschen hindurch. Vor einem Bäckerladen blieb er stehen und schnüffelte den fetten, süßen Geruch des Christstollens auf. Die Tür eine schöne Glastür mit blauen seidenen Gardinen— wurde alle Augenblicke geöffnet, und feine Damen mit roten und weißen Päckchen gingen aus und ein. Jedes- mal, tvcnn die Tür sich öffnete, strömte der anregende warme Duft heraus, und der Junge konnte seine Nase nicht davon halten. Er kam näher und näher, und einmal, als die Tür ein klein wenig offen geblieben war, schlüpfte er hinein und stellte sich neben zwei große Körbe mit frisck'aebnckenem Wienerbrot. Die Damen standen vor dem Ladentisch, und niemand beachtete ihn. Es war auch kein schöner Anblick, ihn mit den bösen, unruhigen Augen, vor Begierde zitternd, dastehen zu sehen. Da kam eine große, schöne Dame mit einem wunder- hübschen, goldlockigen kleinen Mädchen, so einem rechten Engelskinde, herein. Große fromme Augen in dem aller- weichsten kleinen Gesicht. Als die Kleine den schmutzigen, schlechtgekleideten Jungen erblickte, füllten sich ihre schönen Äugen mit Tränen, und sie sagte zu ihrer Mutter:„Ach, wie arm der Junge aussieht! Darf ich ihm mein Fiinförestück geben, Mama?" Die Dame musterte den Jungen und schüttelte, waS ja sehr begreiflich ist, den Kopf über sein wenig anziehendes Aeußere. Zu ihrem Töchterchen aber sagte sie:„Mein liebes, süßes Knd, wenn es Dir Freude macht, so kannst Du dem Knaben gern Deinen Sparpfennig geben." Das kleine Mädchen suchte in seinem Muff und fand daÄ Fünförestück. Und während es sich mit der einen Hand vor- sichtig an der Mutter festhielt, reichte es dem Jungen das Geldstück und sagte:„Das sollst Du haben!" Der Knabe sah nur das Geldstück an und riß es so gierig an sich, daß daS kleine Mädchen sich ganz erschreckt an die Mutter anschmiegte. , Das ist gewiß ein unartiger Junge, Mamal Er hat gar nicht einmal„danke" gesagt!" „Mein Junge." sagte die Dame ernst und eindringlich zu ihm,—„denke daran, daß man immer„danke" sagen muß, wenn man etwas bekommt." Dann trat sie mit ihrem kleinen betrübten Tochterchen t.n den Ladentisch und schenkte ihm einen Kuchen, um es über seine kindliche Enttäuschung zu trösten, während sie selber ihre Weihnachtsbestellungcn machte. Aber das kleine Mädchen konnte den unartigen Knaben nicht vergessen und schielte unverwandt verstohlen zu ihm hinüber. Der Knabe blieb stehen: er konnte sich nicht losreißen von den beiden Körben mit Wienerb rot. Seine Hände tasteten an dem Rand des einen, während seine Augen unruhig umher- schweiften, und als er sich unbeachtet glaubte, griff seine Hand in den Korb hinein. Im selben Augenblick rief das kleine Mädchen entsetzt: „Ach, Mama! er stiehlt!" Und ehe der Junge zur Türe hinausschlüpfen konnte, hatte ihn ein resolutes Dienstmädchen gepackt. Er hatte die ganze Hand voll Wiencrbrot. Es entstand ein großes Entsetzen im Laden, und die auf« geschreckten Damen riefen durcheinander:„Ein Dieb! Wi» entsetzlich! Mitten in der Hauptstraße! Wo ist denn nur di« Polizei!"-- Das kleine Mädchen weinte, und als ein Schutzmann rn> den Laden trat, jammerte es laut:„Ach Mama.— Mama!"- Es bedurfte keiner langen Erklärung, denn der Jung« war auf frischer Tat ertappt. Die hübsche, rundliche Laden« mamsell mit der weißen Latzschürze lvar gutmütig genug, zu sagen, daß die paar Stücken Wienerbrot doch nicht wert seien, daß man solch Aufheben davon machte. Da aber trat die groß« Dame mit dem weinenden Kinde an der Hand vor und sagte: „Ich fühle mich verpflichtet, den Herrn Schutzmann darüber aufzuklären, daß dieser Knabe nicht aus Not ge, stöhlen hat. Meine kleine Emmy— hier brach das Kind in ein krampfhaftes Schluchzen aus— hat ihm noch vor einem Augenblick Geld gegeben." Währenddes hatte der Junge verstockt und, wie es schien. ganz gleichgültig dagestanden. Er versuchte sogar, heimlich ein Stück von dem Wienerbrot abzubeißen, das ihm weg» zunehmen niemand bedacht gewesen war: aber das hintertrie» denn doch das Dienstmädchen, das ihn festgehalten hatte, in» dem sie seinen Arm schüttelte, so daß das Brot zur Erde fiel, Der Schutzmann packte den Jungen dann bei der Schulte« und, die Damen grüßend, ging er mit ihm ab, indem er sagt«: „Ja, ja, dem kann ein kleiner Aufenthalt im Brummloch nicht schaden!" Das kleine Mädchen war untröstlich. Es weinte um den diebischen Knaben. „aJktflü, ich bin so banqe, dafj die Polizei ihm etwas tut!" „Mein Kind, oräme Tu Dich nicht um den bösen Jungen! Die Polizei verabfolgt ihm nur eine Tracht Prügel, und das ist zu seinem eigenen Besten, wenn er nicht schon ganz vom Laster verhärtet ist. Bitte Du den lieben Gott in Deinem Abendgebet, daß er dem ungeratenen Kinde verzeihen möge." (Nachdruck»erboten,) Meiknacdtsgäfte. Von HanS Aanrud ES war fast finster in der grostcn HäuSlerstnbe. Taö Feuer auf dein Herd war beinahe nirdergebrannt und warf einen schwach flackernden Schein über die Diele hin, ohne bis in die Ecken und Winkel der Stube vorzudringen. Mitten in der Stube stand ein großes, blasics Weib; sein Blick verweilte lange auf dem großen Bett, das in einer Ecke des Zimmers stand, dann glitt es langsam zur Tür und hinaus. Die Tür knarrte in der harten Kälte, und nachdem sie gc- schlössen, waren vorsichtig knirschende Tritte zu hören, die die Mauer entlang umö HauS gingen. Sie niachten der Tür gegen- über unmittelbar hinter dem Fenster Halt, das bis zur Milte ein Borhang verdeckt«. Und dann� wurde eS ganz still; nur das Rucken der großen Uhr mit den Schnüren und Stcingewichten hackte lange die Stille und das Dunkel in genau gleich große Stück«, bis sie plötzlich mit großem Rumoren zu schnurren begann und sich vorbereitete, ihre sechs schweren Schläge zu tun. Das Z�euer starb stille hin. Dann hörte man, wie draußen ein Tor dumpf ins Schloß fiel, bald darauf schwere, knirscheird« Schritte und dam, das Ge- polter von Kübeln und Eimern, die jemand im Gange niedersetzte. Die Tür ging auf und herein kamen zwei alte HäuslersKutc, Rasmus, grau und zusammengefallen, etwas voran, hinter ihm feine Frau. Karen, dem Aussehen nach«twaS jünger, klein und zart. Rakmus ging an den Herd. Karen zögert« eine Weile an der Tür und sagte mit seltsam stiller und ängstlicher Stimme: Du. Rasmus, mir war doch ganz so, als hörte ichs knirschen, als ginge jemand die Mauer entlang. Er hob einen Armvoll trockncs Holz auf. das neben dem Herde lag, und warf eS ins Feuer. Ach, das ist nichts weiter als die Kälte, die in diesem alten Kasten rumort und kracht. ES ist bitter kalt heute abend. Rein, die Kälte war das nicht, ich werde doch wohl wissen, wie die knarrt. Aber Tu kannst Dir doch denken, daß heute am heiligen Abend niemand draußen ist. Was sollte es denn sonst sein? Freilich, ivas sollte eS sonst seinl Sie schwieg eine Weile und ging dann an den Herd. Ach, ich bin doch richtig erschrocken. Es war doch sektsam, Rasmus wandte sich und ging nach der Tür. Wo willst Tu hin? Ich will doch einmal nachsehn. Rein. Rasmus, geh nicht hinaus. Liclleicht hat sich die Ziege herauSgeschlicheu, während wir im Stalle waren. Rein, die Ziege war im Verschlag, ich habe nachgesehn. Rein, eS war nichts; wenn ich mir'S genau uberlege, so Hab ich gar nichts gehört. RasmuS kehrt« um und setzte sich neben dem Herd auf einen Stuhl. Das glaub ich auch. Karen ging hin und her und setzte einen Topf aufs Feuer. RasmuS hÄte die Pfeife auS der Tasche und sing an Tabak zu schneiden, versank aber in Sinnen und blieb mit gefalteten Händen sttzcn und starrte ins Feuer. Karen sah tnehrere Male zu ihm hinüber; endlich sagte fie: Woran denkst Tu, RasmuS? Hm. Er machte eine unwillige Bewegung. Ich denke an nichts. Ich glaubte wohl zu wissen, woran Du gedacht hast. Da fuhr er fast heftig auf: An nichts Hab ich gedacht, hörst Tu. Run ja, nun ja. Willst Du nicht die WeihnachtSlichter an- zünden. Rasarus? Wozu das? Wir können unS mit der Lampe begnügen wie sonst. Es ist aber doch Weihnachtsabend Ach. eS wird ja doch kein Weihnachten. Karen sah ihn lange an. schüttelte den Kopf und sagte: Wie D» Dich in dem letzten Jahre verändert hast? Eine lange Pause entstand. Karen setzte sich auch an den Herd. Ab und zu schürte sie das Feuer, während fie daraus wartete, daß das Waffer überkochen sollte, und währenddem heftete sie immer wieder den Blick auf RasmuS, der wieder dasaß und ins Feuer ftarrte. Er merkte es und wurde unter dem forschenden Blicke nervös. Schließlich stand er auf und ging im Zimmer auf und ab. Keines sprach sin Wort, und das Seinueigen fing an drückend zu werden. Um inr etwas zu sagen, sah RasmuS zum Fenster hinaus und bc» merkte' ist sternhell heute abend und bitter kalt Ja. es ist kalt. Wieder ward eS still. Der Topf kochte über. Karen gab Mehl zu und machte die Wcihimchtsgrütze fertig. RasmuS ging weiter auf und ab: Es fft so merkwürdig heute abend hier»n der Stube, gerade alS wäre hier jemand. Ach, wie Du sprichst, RaSmus! Ja. es ist, als hätte ich nirgends Ruhe. Es würde vielleicht besser, wenn Du— Nichts will ich. Karen fing an den Tisch herzurichten. Sie legte das Tischtuch auf und stellte zwei Messingleuchter mit den Weihnachtslichtern hin» zündete sie aber nicht an. Dann schaffte fie weiter. Rasmus blieb stehn und fragte mit etwas unsicherer Stimme: Weshalb deckst Tu für drei? Wir find doch nur zwei, soviel ich weiß. Ja. antwortete Karen, wir find nur zwei— aber— es ist so seltsam heute abend— und dann lam mir eine alte Sitte in den Sinn, die noch in meiner Jugend Brauch war. Man deckte au» Weihnachtsabend immer für einen mehr, man wollte einen UN- fichtbaren Gast zu Tisch haben. Hm. Und dann dachte ich, es wäre bielleicht gut für uns zwei Alten — Einsamen—, wenn wir ansingen, etwas mehr an ihn zu denken. Tie Sprache versagte ihr, und sie begann zu weinen. SS ist lange her. daß wir am Weihnachtsabend allein waren. Rasmusl Rasmus Stimuu klang milder, als er antwortete: Ja. daS ist lange her— einundzwanzig Jahre. Tann kam es härter: Ach ja. Tu hast es ja doch einmal gemerkt, daß ich den ganzen Abend an nichts andres gedacht habe. Aber das ist nun einmal armer Leute Los. wieder allein zu sitzen, wenn fie alt werden. Karens Gesicht hellte sich auf: Aber meinst Du nicht, eS könuig besser werden, wenn wir ab und zu von den Kindern sprächen? Ich weiß nicht, was die Rede soll? Sie kümmern sich doch nicht mehr um uns. Von Olaf haben wir ja die letzten beiden Jahr« keinen Brief aus Amerika bekommen, und von Ragnhild haben wir nichts gehört, seitdem sie in die Stadt zu all der Herrlichkeit gekommen ist. Tu warst ja aber auch so zornig auf sie, sagtest. Tu wolltest nichts mehr von ihr wissen; ich habe ja nicht einmal ihren Namen nennen dürfen. Findest Du, sie hat es anders verdient? Ich habe sie ja geradezu gebettelt, zu Hause zu bleiben! Finden Du, es war gut so, wie es in der letzten Zeit war? Ihr gingt ja tagelang nebeneinander her, ohne euch einen Blick zu gönnen. Ich habe oft geweint, wenn ihr's nicht saht. Ja. das war. nachdem ihr diese Reisegedanken gekommen waren. Sie war ja wie umgewandelt, ging, als hätte fie Fieber im Leibe, war unruhig und schwermütig. Ich finde es nicht so seltsam, daß die Kinder hinaus wollen, wenn sie soweit erwachsen sind. Daran hast Tu doch gewiß auch gedacht in Deiner Jugend. Ich habe wenigstens dafür gesorgt, daß Pater im Alter nicht der Armenkasse zur Last siel. Ja, aber die Gefahr besteht ja nicht bei uns. Findest Du? Es ist, als ginge jetzt alles verkehrt. Nichts will mir mehr glücken, ich Hab auch die Lust zu allein verloren. Ja, ich Hab es gesehn. Aber das ist ja Deine eigne Schuld. O, Du kannst mir glauben, ich Hab oft daran gedacht, im letzten Jahre. Wäre es nicht ganz gleichgültig, wenn wir ins Armenhaus kämen! Wie Tu redest. RasmuSl Weißt Du. was ich mir gedacht habe? Wir armen Leute haben im Grunde keine andre Freude als die, Kinder heranzuziehn. Wenn sie aber dann groß sind, dann verlieren wir sie. Hast Du daran nickt gedacht, hast Du nicht gemerkt, wie ganz anders eS hier geworden ist, seitdem Ragichild fortgezogen ist? O ja, aber ich habe so viel andres zu denken und zu besorgen, die Kuh. das Schwein, daS Kalb, und so geht ein Tag um den andern. Aber mit mir ist eS anders. Ich bin nicht wieder zu erkennen seit vorigem Jahr, und drum soll die Dirne nie auch nur ein Wort hören— Aber Nasmus! Ach mit mir steht's schlimmer, als Du glaubst— ich habe förmlich angefangen, kindisch zu werden. Weißt Du, wenn wir uns atends gelegt haben und eS ist finster geworden, dann kann ich liegen und ins Dunkel hineinsehen, bis mir ist, als sähe ich meine Kindergesichter, und dann denke ich: wenn wir doch wieder jung wären, wenn wir doch noch ein Kind bekommen könnten— I Er schlug die Hände vorS Gesicht und schluchzte, und über den breiten Rücken gingen heftige Zuckungen. Einen Augenblick herrschte Srille. und dann klang mitten in der Stille ein schwacher Kinderschrei durch die Stube. Sie fuhren beide zusammen, standen da und sahen sich einen Augenblick in atemlosem Schweigen an. Dann wieder ein Schrei, etwas stärker. Karen entrang es sich in Angst: In Jesu Namen, was war das? Ja, was war das? Der Schrei ka,» Das ist KmdsgcschreU Es hört sich an, als käme es aus Hein Bettel Nein. Karen, hier liegt ein Kindl Was sagst Tu? In Jesu Namen l Nein, rühre es nicht au, RaLmuZl Du kannst doch sehn, es ist ein wirkliches Kind. Ein Kind. Das ist doch nicht möglich. RaSmus stand eine Weile da. dann sagie er besnmmt: Jemand Muß es dort hingelegt haben, während wir im Stalle waren. Ja— aber wer kann es senil Jemand, der seinem Kind zu Weihnachten hat Obdach schassen wcllen. Du Haft vielleicht doch etwas gehört. Nimm das Kind und dring es zur Ruhe. Ich will hinaus und«achschn. Gott weiß, woran sie in diesem Augenblick denkt! Mit zitternden Händen griff Karen ins Bett und hob daS Kleine empor. ES ist ein grosteS. schönes Kind, RasmuZl RasmuS nahm seine Mütze und ging nach der Tür. Aber versprich mir. Rasmus, bleib nicht zu lange weg. Mir ist ganz angst. In demselben Augenblick waren draugen im Gangs vorsichtige Schritte zu vernehmen, die Klinke wurde behutsam niedergedrückt, und ein großes, blasses Weib trat ins Zimmer: Guten Abend! Sie blieb an der Tür im Dunkel stehen, sie konnten sie nicht gleich sehn und antworteten beide unsicher: Guten Abend! Sie trat einen Schritt vor: Mutter I In Jesu Namen, Du bist's, Ragnhild? Eine lange Pause— alle drei standen da und sahn sich an. Rasmu-3 sah auf das Kind und zeigte. Ragnhild beugte den Kops zu einem Nicken. Darf icki hereinkommen, Vater? Das kam so hilflos und leise. Er ballte die Fäuste und trat einen Schritt vor. Im selben Augenblick schrie daS Kind. Er ließ die Hände sinken und, fuhr sich über dje Stirn. Dann ging ein verlegnes Lächeli! über sein Gesicht: Nein, aber was ist das mix Dir, Karen! Da betommen wir Gäste, und Du hast ganz vergessen, die Weih- nachtslichie anzuzünden. Beeile Dich nun; ich will daS Kleine solange halten, yüY unsere JugencL. Kldti-fnh mit der Geige.*) Es war einmal ein Häusler, der hatte einen einzigen Sohn; der Junge aber war zart und lränklich, so daß er nicht auf Arbeit ausgehen konnte.. Er hieß Jrik, und da er überdies auch sehr klein von Gestalt war, nannts man ihn Klein-Frrk. Daheim gab es wenig zu nagen und zu beiße«: deshalb ging sein Vater mit ihm ins Dorf, um ihn als Hirten» oder Laufbuben zu ver» dingen. Aber niernand wollte seinen Jungen nehmen, bis er endlich zum Dorfrichter kam, der wollte ihn nehmen, denn er hatte eben seinen Laufbuben fortgejagt, und niemand wollte sich bei ihm verdingen, deiln es hieß, er sei ein schlechter Mensch. „Etwas ist besser als gar nichts." dachte der Häusler: der Junge habe dann wenigstens das tägliche Brot, denn bei dem Torfrichter sollte er um seinen Unterhalt dienen, von Lohn und Kleidern war gar nicht die Rede. Nachdem nun der Junge drei Jahre bei dem Dorfrichter gewesen war, wollte er weiter, und da gab ihm der Dorfrichter seinen ganzen Lohn auf einmal. Einen Heller fürs Jahr bekam er. Weniger könne er nicht geben, sagte der Torfrichter« und so bekam der Junge drei Heller auf einmal. Klein-Frik aber meinte, das sei viel Geld � er hatte ja noch nie so viel zu eigen gehabt—; aber er fragte doch, ob er nicht auch sonst noch etwas bekomme. „Du hast schon mehr bekommen, als ausgemacht war," sagte der Dorsrichter. „Bekomme ich denn nicht auch einen Anzug?" fragte Klein-�rik.„Was ich hatte, als ich l>erkam, ist verbraucht, und ich habe seither nichts Neues bekommen." Jetzt sei er so zer- lumpt, daß die Fetzen nur so au ihm heruuterhingen, sagte er. „Wenn Tu das bekommen hast, was ausgemacht worden ist, und drei Heller obendrein, dann habe ich nichts mehr mit Dir zu tun." sagte der Dorfrichter. Aber er dürfe doch jtoch in die Küche gehen und sich dort etwas zu essen in sein Ranzel tun lassen, fügte er hinzu. Das tat Klein-Frik, und dann ging er der Stadt zu, um sich Kleider zu kaufen. Er war lustig und vergnügt, denn er hatte ja früher nie einen Heller gesehen. und alle Augenblicke suhlte er, ob er auch seine drei noch *) Aus den in deutscher Uebersetzung bei A. Langen in München erschienenen„Nordischen Volks» und H a u s m ä r ch e n". habe. Nachdem er eine gute Strecke gegangen war, kan er in ein enges, rings von großen Felsen umschlossenes Tal, das aussah, als habe es gar keinen Ausgang. Klein-Fcik fragte sich, was wohl auf der anderen Seite dieser Felsen sein, und wie er wohl hinübergelangen könnte. Aber auswärts mußte er. und so stieg er denn hiucmfZ er konnte jedoch nicht viel aushatten und mußte deshalb häufig verschnaufen, und dann rechnete er jedesmal nach, wie viel Geld er hatte. Als er ganz oben angekommen war, sah er nichts weiter als moosbewachsenen Felsengrund: da setzte er sich nieder, um zu sehen, ob er seine Heller noch habe, und ehe er sich's versah, stand ein Vettelmann vor ihm, der war so groß und lang, daß Klcin-Frik laut aufschrie, als er sah, wie unerhört groß und lang dieser Bettelmann war. „Fürchte Dich nicht," sagte der Bettelmann.„Ich tue Dir nichts zu Leid, sondern möchte Dich nur im Namen Gottes um ein Almosen bitten." „Daß Gott erbarm!" sagte der Junge.„Ich habe selbst nur drei Heller, und damit wollte ich eben in die Stadt, um mir Kleider zu kaufen," sagte er.! „Da bin ich schlimmer dran als Du." sagte der Bettler, „Ich habe nicht einen einzigen Heller und bin sogar noch viel zerlumpter als Tu."> „Ja. dann muß ich Dir eben einen geben," sagte der Junge. Nachdem der Junge wieder eine Weile gegangen tvar, fühlte er sich so müde, daß er wieder ausruhen mußte. AlS er aufschaute, stand wieder ein Bettelmann vor ihm: aber der war noch größer und häßlicher als der erste, und als der Junge sah. wie unerhört groß und häßlich und lang er war, fing er laut zu sckzreien an. „Fürchte Dich nicht vor mir, ich tue Dir nichts zu Leid, sondern möchte Dich nur im Namen Gottes um ein Almosen bitten," sagte der Bettelmann. „Daß Gott erbarm!" rief der Jrmge.„Ich habe ja nur nolli zwei Heller, und damit muß ich in die Stadt und mir! Kleider kaufen. Wärst Du mir früher begegnet, dann.. „Ich bin schlimmer dran als Du." sagte der Bettelmau», „denn ich habe keinen Heller, dagegen aber einen größeren Körper und schlechtere Kleider." „Ja, dann muß ich Dir eben einen Heller geben," sagie der Bursche. Wieder wanderte er eine Weile, bis er müde war und' ausruhen mußte. Kaum hatte er sichS bequem gemacht, als wieder ein Bettelmann vor ihm stand: der ober war so groß und so häßlich und so lang, daß der Junge an ihm hinauf- sehen nmßte, weiter und immer weiter, bis er kerzengerade zum Himmel hinaufschaute, und als er sah, wie groß und häßlich und zerlumpt der Mann tvar, brach er in lautes Ge- schrei aus. „Fürchte Dich nicht, mein Junge." sagte der Bettelmann. „Ich tue Dir nichts zu Leid, sondern bin nur ein Bettelmann, der im Namen Gottes um ein Almosen bittet." „Gott erbarme sich!" sagte der Junge.„Jetzt habe ich nur noch einen einzigen Heller, und mit diesem will ich miv in der Stadt Kleider kaufen. Wärst Du mir früher begegnet, dann..." „Ich aber habe gar keinoil Heller und einen größeren! Körper und schlechtere Kleider, deshalb bin ich schlimmer dran als Tu," sagte der Bettelmann. Ja, dann müsse er ihm eben seinen letzten Heller geben, sagte Klein-Frik, das helfe alles nichtS: jetzt habe jeder einen, nur er habe keinen. �> „Nun, da Du so ein gutes Herz hast, daß Du alles, woäl Dein eigen war, hergegeben hast." jagte der Bettelmann, „will ich Dir für jeden Heller einen Wunsch erfüllen." Die drei Heller hatte nämlich ein und derselbe Bettelmann be» kommen: er hatte nur jedesmal ein anderes Aussehen an» genommen, so daß ihn der Jmige nicht wieder erkenne» konnte. „Ich habe von jeher eine so große Freude am Geigen« spiel gehabt, und besonders, wenn sich die Leute so daran erfreuten, daß sie jubelten und tanzten," sagte der Jungs« „Wenn ich mir also wünschen darf, was ich will, so wünsch« ich mir eine Geige, nach der alles, was Leben in sich hat, tanzen muß." meinte er. Die Geige solle er bekommen, sagte der Bettler. Med daS sei ein törichter Wunsch gewesen.„Für die beiden andere» Heller mußt Tu Dir etwas Bess-res wünschen," sagte de» Bettler. „Ich habe von jeher so eine große Freude am Jagen Und Schießen gehabt." sagte Klein-Frik.„Und wenn ich mir ettvas wünschen darf, wünsche ich mir eine Flinte, die alles trifft,»vorauf ich ziele, und»venu es noch so weit weg sein sollte." Tie Flinte solle er bekommen, meinte der Bettelmann. Uber das sei ein törichter Wunsch.„Du nmßt Dir für den letzten Heller etwas Besseres wünschen." sagte er. „Ich habe mir immer gewünicht, mit freundlichen, gutherzigen Leuten zusammenzukommen," sagte Klein-Frik.„Wenn ich also das bekommen soll, was ich mir wünsche, möchte ich. daß niemand mir das erste, worum ich ihn bitte, verweigern kann." „Dieser Wunsch ist nicht so töricht." sagte der Bettler, imd dann verschwand er zwischen den Hügeln, und der Junge sah ihn nicht mehr. Hierauf legte sich der Junge schlafen, und am nächste»» Tag kam er mit seiner Geige und seiner Flinte vo»; den Bergen herunter. Zuerst ging er z»im Kaufmann und bat um Kleider. t!>»d auf einem Bauernhof bat er um ein Pferd, auf einem anderen um einen Schlitten, und wieder»vo anders um einen Pelz: aber niemand konnte ihm etwas abschlagen. Wenn die Leute noch so große Geizliälse»vareit,— sie mußten ihm geben, worum er sie bat. Schließlich fuhr er wie ein vor- wehmer Herr mit Schlitten und Pferd durchs Dorf. Nachdem er nun eine Weile gefahren war, begegirete er dem Dorf- irichtcr, bei dem er gedimt hatte. „Guten Tag. Dienstherr!" sagte Klein-Frik mit der Geige,»nährend er anhielt und ihn grüßte. „Guten Tag." jagte der Dorfrichter.„Bin ich Dein Dienstherr gelvesen?" fragte er. „Jawohl, erinnerst Du Dich denn nicht mehr, daß ich Dir drei Jahre lang um drei Heller gedient habe?" sagte Klein-Frik. „Potz tausend alle Welt, Du bast es aber schnell zu etivas gebracht! Wie ist denn das ztigegangen, daß Du so ein vor- nehmer Herr geworden bist?" „O, das hat sich so gemacht!" sagte Klein-Frik. '„Bist Du so lebenslustig geworden, daß Du auch noch mit eii»er Geige umherziehst?" fragte der Dorfrichter. „Ja. ich hätte die Leute immer gerne tanzen lassen," sagte der Bursche.„Aber das beste,»vas ich habe, ist diese Flinte hier," fuhr er fort.„Denn sie trifft alles, worauf ich §iol?, und wenn es noch so weit n?sg wäre. Siehst Du die junge Krähe auf dem Zweig dort drüben?" fragte Klein-Frik. -„Was»vettest Du. daß ich sie von hier aus treffe?" Nein, das könne er nicht, behauptete der Dorfrichter, lind darauf würde er, wenn es sein müßte, gleich Pferd»ind Hof und hilndert Taler Ivetten: aber er»volle jetzt doch alles Geld, das er bei sich habe, setzen, und den Vogel wolle er auch bolen, sobald er vom Bauine falle, denn er glaube nun und nimmer, daß man mit einer Flinte so»vcit schießen könne. Doch sobald der Schuß knallte, fiel die Krähe herunter und in einen großen Dornbusch. Der Dorfrichter lief in das Ge- l'llsch, hob sie auf und zeigte sie dem Burschen. In demselben Augenblick aber begann dieser seine Fiedel zu streichen, und der Dorfrichtcr fing an zu tanzen, daß die Dornen ihn elendiglich zerfetzten. Ter Bursche spielte, und der Dorfrichter tanzte»md»vcinte und flehte, bis schließlich die Fetzen flogen und er fast keinen Faden mehr auf dem Leibe hatte. „So, nun bist Du wohl ebenso zerlumpt, wie ich war, als ich aus Deinem Dienst austrat," sagte der Junge,„nun mag es genug sein." Aber vorher»mißte ihm der Dorfrichter noch das geben, was er gewettet hatte,»renn er den Vogel treffen sollte. Als der Junge in die Stadt kam, ging er in ein Wirts- Laus: er spielte auf. und alle Gäste tanzten: der Bursche»var lustig und fidel und hatte keinerlei Sorgen, denn niemand konnte ihm etivas abschlagen, wenn er darum bat. Aber als sie mitten im besten Spielen waren, kamen die Schergen und»vollten den Burschen aufs RathauS schleppen: denn der Dorfrichter hatte ihn verklagt und gesagt, der Junge habe ibn überfallen und ausgeplündert und ihn beinahe um- gebracht: dafür sollte er jetzt ohne Gnade gchänqt werden. Aber Klein-Frik hatte eine Hilfe in aller Not, nämlich seine Geige: er nahm sie zur Hand und spielte: da mußten die Schergen tanzen, bis sie am Boden lagen und nach Lust schnappten. Nun schickte man Soldaten und Wachen aus; aber ihnen «ging cL nicht besser. Sobald Klein-Frik die Geige zur Hand Bmmttfortl. Redakteur: Hans Weber, Berlin.— nahm, mußten sie tanzen, solang er den Fiedelbogen über die Saiten streichen lassen konnte: aber die anderen konnten schon lange vorher nicht mehr. Schließlich lauerten sie ihm auf und ergriffen ihn bei Nacht, während er schlief, und sobald man illn gefangen hatte, wurde er verurteilt und sollte gleich ge- hängt»verden, und dann ging eS auch flugs hinaus zum Galgen. Eine große Menge Volk strömte zusammen, um diesen ivunderbaren Menschen zu sehen. Der Dorsrichter war auch darunter, und er»var seeleilvergnllgt. weil er»um für sein Geld und seine Haut Genugtuung erhalten sollte und sehen könnte, wie Klein-Frik gehängt würde. Aber das ging nicht so rasch, denn Klein-Frik war gar elend und stellte sich noch elender als er war. Seine Geige und die Flinte schleppte er überdies auch mit sich, und niemand wagte es, sie ihm zu nehmen. Als er an dem Galgen angekommen»var und die Leiter hinaufsteigen sollte, ruhte er auf jeder Sprosse aus, und auf der obersten setzte er sich nieder und fragte, ob man ihm den letzten Wunsch verweigern könne, ob er nicht noch eines tun dürfe: er habe ein unwiderstehliches Verlangen, seine Geige noch emmal zu hören und auf ihr zu spielen, ehe er gehängt »viirde. Nein, es wäre eine Sünde und eine Schande, wenn man ihm das verweigern würde, sagten die Umstehenden: denn man konnte il?m ja nichts abschlagen, wenn er darum bat. ?lber der Dorsrichter bat ums Himmels willen, sie sollten il>n doch ja nicht eine einzige Saite berühren lassen, sonst seien sie alle verloren: aber wenn der Bursche spielen dürfe, müsse man ihn selbst an der Birke dort drüben festbinden. Klein-Frik säumte nicht lange, seine Geige ertönte, u»t!> »ver immer da war, sowohl Zweisüßler als Vierfüßler, Propst und Pfarrer, Schreiber und Vogt, Richter und Henker, Hunde und Schiveine, alle tanzten und lachten und schrien durchcin- ander: die einen tanzten, bis sie wie tot dalagen, andere, bis sie in Ohnmacht fielen: allen ging es schlecht, am schlechtesten aber ging es den» Dorfrichter, denn er»var an die Birke air- gebunden, und an dieser scheuerte er sich große Fetzen vom Rücken ab. Niemand dachte daran, Klein-Frik etwas zu tun: er durfte mit seiner Flinte und Geige gehen, wohin er wollte. und er lebte immer glücklich und in Freuden, denn niemand konnte ihm das erste, worl'im er bat, abschlagen. kleines feuilleton. Nußknacker und Stehaufmännchen. Daß diese? Kinderspiekzeug in alten mytbologiMien Auichauuiigen seinen Ursprung hat, dürfte wohl nicht vielen bekannt sein. Dow von den Heinzel- oder Wichtel» inäiinckien. den Kobolden, hat wohl schon jeder gehört. Kobold hängt zusammen mit Koben— Haus chgl. Schweinekoben>, ist demnach ein Wesen, das dein Haus hold ist. ein Hausgeist. Man dachte sie sich — der Glaube ist auf dem Lande übrigens durchaus noch nicht ausgestorben— als kleine Männlcin, die entweder elementare Schntzgeistcr, Beseelungen des HauieS oder nach einer anderen späteren Anschauung die Geister verstorbener Ahnen waren. Zwar necke» sie gern die Menschen, poltern bei Gelegenheit im Hanse um- her und machen allerhand Strekwe. Wenn sie zum Zorn gereizt werden, rächen sie sich, indem sie Menschen und Tiere schrecken(sie sind auch die Butzenmänner, mit denen man die Kinder ein« schüchtert). Aber im allgemeinen sind es gutmütige Gesellen, deren Wohlwollen man sich zu erhalten trachtet, wofür sie sich durch aller» Hand Gcfälligkeilcn nützlich machen. Ihr Anzug wird als grüner Rock, rote Hosen und roter Hui beschrieben. So sehen wir sie schon früh dargestellt in allen Kirchen, aus dem Giebel alter Häuser, Gartenlauben usw. Besonder» im Kinderspiel erhalten sich der- artige mythologische Anklänge mit besonderer Hartnäckigkeit. DaS Männlein mit dem grünen Wams ist uns in der Kinderstube kein Fremder; da haben wir den grün und rot angemalten nützlichen „König Nutzknacker" und die kurzen, dicken, unten kugelrunden Figuren, die immer wieder aus ihre Fütze kommen, wie man sie auch werfen mag(eine Eigenschaft, die man auch den Wichtelmännern zuschrieb), und auch die aus Holundermark oder Kork geschnitzten Hampelmäniicken gehören dazu. Das geht hervor— und zeigt auch die weite Verbreitung des Glaubens— aus dem Namen, den die aus Hollundermark mit einem angefügten Stückchen Blei gefertigten Männchen bei den Slowenen tragen: sie heißen dort Pikuljik, das heitzl Unterirdische, und„Unterirdische" sagt man auch in Branden« bürg von den Zioergcn. Nicht allein die Hausgeister, auch Wald- und Felddämonen sind uns im Kinderspielzeng erhalten; z. B. haben wir in den„Harz- männlein" mit ihrem Baumrindenrock und ihrem Flechtenbart und -haar das charakteristische Bild eines BaumgetsteS. eg. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u.BerlagsanstaltPaul Singer örEo..BerlinS)V.