Nnterhaltungsblatt des Dorwärts Nr. 1. Freitag den 1 Januar. 1909 lNaSdrnik derbsten� Oer Tleiknacktsbaum. Bon Peter Nansen. Sie stehen im Kreise und warten, bis die Mutter die letzten Lichter ausgeblasen hat und sagt:„Jetzt dürft ihr plündern!" Und die Kinder fahren drauflos, ein jedes nach Verstand und Gaben. Es sind dumme Kinder darunter: die greifen nach der- goldeten Aepfeln und Knittergold, das in Büscheln dahängt. Es sind dicke und bequeme Kinder da: die stellen sich ganz ruhig hin und leeren Düten und Netze, und wenn sie Pfeffernüsse darin finden, mogeln sie sie listig in andere Behälter hinüber und behalten selber nur die leckersten Sachen. Es sind schwache Kinder da: die werden beiseite gepufft und stehen verzagt, das Weinen in der Kehle, hinter den andern, bis einer der Erwachsenen sie entdeckt und ein paar Handvoll für sie sammelt. Und da sintr ehrgeizige Kinder, die auf Stühle klettern und so lange auf den Zehen stehen, bis sie den Stern an der Spitze heruntergezerrt haben. Daneben hängen auch ge- wohnlich Marzipanfiguren und saftige Apfelsinen, die mit in den Kauf geben. So plündern die Kinder den Tannenbaum, ein jedes nach Verstand und Gaben. Das Kind schläft ein, die Augen voll von Kerzenglanz, den Magen voll von Sühigkeiten und Leckereien. Es erwacht früh und besinnt sich, daß Weihnachten ist. Die Geschenke liegen im Wohnzimmer unter dem Tannen- bäum. Wie sie wohl bei Tage aussehen?— Vater und Mutter schlafen noch. Leise steigt es aus dem Bett; aus bloßen Füßen und im Nachtkleidchen huscht eS hinaus auf den kalten Korridor und durch das Eßzimmer. Dort ist eS fast dunkel. Die Gardinen sind vorgezogen. Die Wohnstuben- tür steht angelehnt— wie schwarz es da drinnen aussieht! Das Kind bleibt aus der Tiirschwelle stehen, ein un- heimliches Gefühl erfaßt es. Der Baum steht wie ein drohen- der Schatten da, kalt und kahl streckt er die langen Arme aus. Es ist so grabesstill hier drinnen in dem dunklen Zimmer, daß man es hören kann, wenn die Nadeln von den Zweigen herabfallen. Und dann begegnet der starre Blick dem Bilde einer kleinen weißgekleideten Gestalt im Spiegel, der schräg über dem Sofa hängt. Das Kind eilt atemlos zurück, es stößt die kleinen Füße an den Tisch- und Stuhlbeinen, hat keine Zeit, die Türen zu schließen, und verkriecht sich zitternd in die Kissen, die noch warm sind. Da drückt es sich hinein, wagt nicht auf- zusehen, vor Angst, etwas Schreckliches zu erblicken, ist nahe daran zu weinen, und schläft schließlich wieder ein. Wenn dann die Mutter aufsteht, schaut sie zu dem Kinde hinüber, das ganz in den Kissen begraben daliegt. Sie beugt sich hinab, küßt die brennende Stirn und lächelt. Der Tannenbaum wird in das Schrankzimmer gestellt. Dort steht er und wirft seine Nadeln von Weihnachten bis Neujahr ab. An den Zweigen kleben lange rote und gelbe Stearinflecke— das ist sein ganzer bunter Schmuck. Die Kinder gucken zu ihm hinein, anfangs ein wenig scheu und feierlich, bald aber verliert sich ihre Befangenheit. Sie kehren jeden einzelnen Zweig um, legen sich wieder und wieder auf den Bauch und durchwühlen den Sand deS Kübels, um zu sehen, ob sich nicht doch irgend etwas Gute? verkrümelt haben sollte. Und dann haben sie in Erfahrung gebracht, daß der Baum am Silvesterabend wieder aufgeputzt werden soll. Das war also das Ganze! Ein Weihnachtsbaum ist nichts weiter als ein aufgeputzter Tannenbaum— gar nicht etwas apart Feierliches, das das Weihnachtsfest gebracht hatte, sondern etwas, das man haben konnte, so oft man wollte, wenn man nur die Mutter zu bewegen vermochte, ein wenig Naschwerk und Schmuck herauszurücken! Sie stehen vor der Wohnstubentür und warten. Durch die Ritzen können sie sehen, wie eS Heller und Heller wird� Das ist der Vater, der da drinnen anzündet. Sie sind fast ein wenig verlegen: sie können mit dem! besten Willen nicht so gespannt und erwartungsvoll sein, wie die Mutter es von ihnen voraussetzt. Und dann geht die Türe auf. Nicht die Kinder deS Hauses, sondern nur die kleine Tochter der Waschfrau sagt: „Ahl" Die andern schleichen stille herum, finden den Baum ärmlich, finden, daß viel weniger Lichter da sind als neu- lich, mustern, was angehängt ist, und sehnen sich nur danach, daß die Lichter ausbrennen sollen. Nun sehen sie, wie das Ganze gemacht ist. Sie beachten alle Lichthalter, jedes einzelne Band: sie sehen, daß viele von den Düten und Körbchen zerrissen und zerknittert sind. Und dann geht ein steifröckiges, sechsjähriges Ding hin und sagt in gönnerhaftem Ton zu der kleinen Tochter der Wäscherin: „Findet Stine nicht, daß der Weihnachtsbaum wunder» schön ist?" («achdruck verbomui Die Zeit der fehweren Not/) Von H. LönS. Der Wind pfiff halb von Nord, halb von Oft. Allem, was am Berge lebte, mißfiel er. alle, MauS und Eichhorn, Has und Neh, Fuchs und Dachs, blies er in ihre Versteck«, und Bussard und Krähe, Meise und Häher pustet« er über den Kamm des BergeS an den Alesthang. Es fror, daß es knackte. Die Weizensaat unter dem Walde winterte aus, die Rinde der Eiche sprang, still stand der Graben und der Bach verschwand. Sieben Tage schnob der bitterböse Wind im Lande umher, dann verlor er den Atem. Ueber den Berg stieg eine Wolkenwand, schwarzblau und schwer, schob sich über den hellen, hohen Himmel und legte sich tief auf das Land, bis sie sich an den scharfen Klippen des Berges den Bauch aufschlitzte. Da quoll es heraus, weiß und weich, einen Tag und eine Nacht, und noch einen Tag und noch eine Nacht, und so noch einmal, bis alles zugedeckt war im Lande und auf dem Berge, und so sauber aussah und so reinlich, daß die Sonne vor Freude lachte. Ihr Lachen brachte Leben an den Ost- hang des Berges. Mit einem Male waren die Rehe wieder da und die Hasen, Fuchs und Dachs fuhren aus ihren Gebäuden, das Eich- hcrn verließ den Kobel und die MauS das Loch, Busiard, Krähe und Hoher tauchten auf und überall wimmelte es von buntem, lustigem Kleinvogewolke. Das Lachen der Sonne war falscher Art, es kündete Blut und Tod. Der tauende Schnee ballte sich und brach Ast und Bäume; er knickte die Fichten und krümmte die Jungbuchen, und auf dem Boden überzog der Schnee sich mit einer Kruste, hart wie Eis und scharf wie GlaS. Der Ostwind hatte ausgeschlafen und blies aufs neue gegen den Berg. Da kam die Zeit der schweren Not. Die Raus hatte ihren Gang unter dem Schnee, das Eichhorn behalf sich mit Blattknospen und Rinde, der Hase rückte in die Kohlgärten, der Dachs verschlief die hungrigen Nächte, der Fuchs suchte die Dungstätten ab. Uebel daran aber war das Reh. Die Saat war begraben in steinhartem Schnee. Die Obermast im Holze mar verschwunden. Verschneit waren die Himbeeren, verweht die Brombeeren, unsichtbar die Heide. Buchenknospcn und dürre Halnie, trockene Blätter und harte Stengel, das war alles, was der Berg an Aesung bot. Der Hunger ging durch den Wald. Wo sein« Augen ein Reh trafen, da fiel es ab. Der Hals wurde lang, die Dünnungen tief. rauh die Decke und immer größer die Lichter. Langsam und vorsichtig zogen die Rehe am Hange entlang, aber alle Behutsamkeit half ihnen nichts; eins nach dem anderen trat durch die Eiskruste des Schnees und zerschäbte sich die Läufe. In jedem Wechsel zeichneten sich blaßrote Flecke ab. Und wieder baute sich eine schwarzblauc Wand hinter dem Berge auf, schob sich über den hellen Himmel, legte sich über das Land, riß sich an den Klippen den Pansen auf und schüttete Schnee auf das Gefilde, einen ganzen Tag und eine volle Nach.. Und wieder lächelte die Sonne ihr hinterlistiges Lächeln und machte Eis ans dem Schnee. Noch langsamer, noch vorsichtiger zogen die Rehe dayin, mit Hälsen, so dünn wie Heister, schwarze Löcber in den Dünnungen. Und wo sie zogen, da wurde der Schnee rot. Der Tod ging durch den Wald. Da war kein Reh am ganzen Diese Tierstudie ist dem im Verlage von Adolf Sponholtz in Hannot er erschienenen Tierbuchc„Mümmelmann" von H. LönS (geh. S b» Mk„ geb. 3,50 Mk.) entnommen. Vttge, das nicht an den Läufen klagte. Das eine blieb stehen, tvo eS stand, und zitterte, bis es fiel. Ein anderes tat sich nieder und stand nicht wieder auf. Ein drittes stürzte halbverdurstrt in die Ouellschlucht und erstarrt« im eisigen Wasser. Noch niemalZ ging es dem Fuchs so gm.-vie da. Sein Tisch war gedeckt, war reicher beschickt, als zur tviaienzeit, wenn alle Mause Hecken un-d das Feld oon Junghajen wimmelt. Auch der Marder konnte zufrieden fcin und Bussard und Krähe nicht minder; sogar für die bunten Meisen blieb noch Frasi genug übrig, und die Waldmäuse nagten die letzten Kehnenfetzcn von den Knochen. Kein Ende der Not kam; jeden Tag ging der Tod seinen Belauf im Berge ab. Selbst die Hasen schonte er nicht; mancher von ihnen, der sich am gefrorenen Kohl verdarb, füllte den Pansen des Fuchses» der von Tag zu Tag mehr in die Breite ging. Eines Morgens aber fuhr er mit ledigem Leibe zu Baue. Vor der Dickung lag ein gefallenes Lieh, an dem er sich schon eine Nacht gütlich getan hatte. Dock) als er die zweite Nacht heranschnürte, da schlug ihm eine seltsame Witterung entgegen, ein Geruch, den er nur einmal gewittert hatte. Rund um den Fleck, wo das gefallene Stück lag, schnürte er, und eine geschlagene Stunde dauerte es, ehe er sich ein Herz sagte und heranschlich. Und da stand er und windete und äugte lange Zeit, und schließlich schnürte er mit hängender Lunte und angelegten Gehören mißmutig ab, denn sein Reh war fort, war bis auf die Schalen und einige Deckensctzen ver- schwanden, und weiter war nichts da, als die niederträchtige und dabei doch verlockende Witterung. Aber der Tod ging noch immer durch den Wald und er schlug Stück um Stück mit harter Hand. Der Fuchs verlor den Mut nicht. Behende trabte er von Wechsel zu Wechsel, bis er einen fand, in dem eine kranke Fährte stand, und der hing er nach. So ganz leicht war es nicht, sie zu halten. Es schneite und schneite und der Wind pfiff böse; er schob den Schnee von den Blößen vor die Dickungen, fegte ihn hier zusammen, kehrte ihn dort fort, verdeckte auf weite Strecken die Notfährte und verwischte sie endlich völlig. Das ganze helle Holz suchte der Fuchs ab; er nahm die Fährte wieder auf, wo er sie zuerst gesunde» hatte, und er hing ihr nach bis zu der Stelle, wo sie in der großen Schneewächt« unterging. Da saß er eine ganze Weile auf den Keulen und dann schnürte er weiter, hungrig, müde und verdrießlich. Er suchte alle Rehdickungen ab; sie waren leer. Er schlich durch den Stangenort; da war eS tot. Er trabte den Bach entlang bis zum Vorholze; es war dort unten so, wie oben. Da schnürte er zu Felde, um an der Dieme auf Mäuse zu passen. Als er dort angelangt war, vergaß er alle Mäuse, denn er fand die krank« Fährte wieder. Eilig, aber behutsam, nahm er st« auf und hielt sie bis zu dem Fichtenmantel unter dem Altholze. Immer länger wurde er, denn immer wärmer wurde die Fährte. und schon war er in den Fichten, da fuhr er wie besessen heraus und stob in daS Feld zurück. Denn in den Fichten war es nicht geheuer. Es hatte da gebrochen, so laut und so grob, als wenn ein Mensch da gegangen wäre, und es hatte dort geschnauft und ge» schnarcht, wie kein Tier deS Waldes zu schnaufen und zu schnarchen vermag. In guter Sicherheit stand der Fuchs im Schatten der krausen Feldeiche und überlegte. Tann holte er sich Wind. In weitem Bogen trabte er am Vorberge entlang, verschwand bei der Quell. schlucht im Altholze, schnürte hoch über dem Fichtenmantel durch die Räumdnngen und schlich vorsichtig näher. Gerade, als der Mond die Wollen fortschob, kam der FuckiS bei den Fichten an. Wind nehmend. Rchwilterung zog ihm entgegen. Langsam schlich er näher, verhoffte, schlich wieder näher, der guten Witterung ent- gegen; da fuhr er zurück. Denn da war eine zweite Witterung, die fremde Witterung von vorhin, dieselbe, die er bei dem gefallenen Stück wahrgenommne hatte, das ihm verloren gegangen war, eine unbekannte, verdächtige, absonderliche, geheimnisvolle, nieder« trächtige Witterung, zwar keine von Mensch oder Hund, aber immerhin nicht ungefährlich und auf keinen Fall vertrauensivert. Und jetzt der Ton! Ein Blasen, Schnaufen, Schnarchen, wie es nachts oft aus den Ställen bei den Gehöften kommt. Der Fuchs drehte um und stahl sich davon. Er traute dem Frieden nicht. Eine gelbgesäumte Wolke brachte den Mond wieder zu Bett. DaS Schneetreiben setzte abermals ein. Da blies es lauter in den Fichten, da krachte es im Schnee, brach es in dem Fallholz, und schwarz und groß schob es sich aus der Dickung, verhosfte, nahm laut schnaubend Wind, trat dichter an das gefallene Stück, daß der harte Schnee krachend zerbrach, prüfte noch einmal blasend den Wind und nahm dann den Fraß an. Der Waldkauz, der allabendlich an dem Tannenmantel entlang strich, um eine Maus zu schlagen oder einen Vogel aus dem Ver- stecke zu klatschen, rüttelte einen Augenblick neugierig über der kleinen Lichtung, von der«in lautes, gieriges Schmatzen und Schlabbern erscholl, untermischt mit dem Knirschen der Schneekruste und dem Krachen von Knochen. Dann strich die Eule ab; wo es so laut war, gab es für sie nichts zu fangen. Als der Fuchs am Spätnachmittage des anderen Tages den Tannenmantel absuchte, fand er dort, wo das Schmalreh gelegen hatte, nur noch die Schalen, einige zertrümmerte Knochen und etliche Fetzen der Decke in dem zerwühlten, niedergetretenen, besudelten Schnee. Alles andere hatte der von weither zugewcchselte, ver« sprengte Schwarzkittel verschlungen. Der Tod ging immer noch durch den Wald, aber dem Fuchs bescherte er nichts. Jedes Stück, das Hunger und Hartschnee umwarfen, verschwand im Gebräche der Sau, so daß auch Reineke empfand, daß sie gekommen war, die Zeit der schweren Not Die Clrfachen der Erdbeben. Wenn das Innere der Erde mit nicht größeren Schwierigkeiten für den Menschen zu sondieren wäre, wie das Luftmeer, so würde die Erscheinung der Erdbeben nicht mehr von so tiefen Geheimnissen umgeben sein. Fragt man irgendeinen Gelehrten, der auf diesem Gebiete als Sachverständiger, wenn auch nicht gerade als Spezialist geschätzt werden kann, noch den Ursachen der Erdbeben, so wird er fast in allen Fällen gewisse Formeln von vulkanischen und tektonischen Erdbeben, ihren Beziehungen und Unterschieden wiederholen, vielleicht auch noch einige mehr nebensächliche Kräfte erwähnen. Damit ist aber nicht viel gesagt, und es steht auch durchaus noch nicht fest, ab diese Unterscheidung in der gegenwärtig üblichen Forni das Richtige trifft. Die Spezialisten auf dem Ge- biete der Erdbebenkunde sind entweder sehr vorsichtig, oder sie sind geneigt, eigene Theorien zu entwickeln, die sich dann oft recht phan- tastisch ausnehmen. Davon wird nachher ein merkwürdiges Bei- spiel aus den jüngsten Tagen geliefert werden. Was zunächst den Unterschied zwischen vulkanischen und tektonischen Erdbeben be- trifft, so ist in der Unklarheit dieser Scheidung der Mangel an Einsicht in das eigentliche Wesen dieser Erscheinungen ausgedrückt, und es ist vielleicht ein gutes Zeichen für den Fortschritt der als Wissenschaft noch jugendlichen Erdbebenforschung, daß an An- schauungen jetzt mehr Kritik als je zuvor geübt wird. Die alt- gemeinen Beobachtungen lehren, daß die Erdgediete, die mit Vulkanen reichlich besetzt sind, auch a m h ä u f i g st e n von schweren Erdbeben heimgesucht werden. Dazu gehören in erster Linie Japan, als das Land, wo eine gründ- licfte Erforschung der Erdbeben zuerst eingeleitet worden ist, ferner das Mtttelmeergebiet. und in der Neuen Welt das westliche Süd- amerika und ganz Mittelamerika. Nun gibt es aber auch Aus- nahmen, die jedem bekannt sind. Um nur einige herauszugreifen: in den Alpen und in den Vereinigten Staaten bestehen seit langem keine tätigen Vulkane mehr, noch weniger in Jnnerasien, und doch sind diese Gegenden der Qrt häufiger und oft auch recht schwerer Erderschütterungen. Auf der einen Seite ist also die Vermutung eines Zusammenhangs zwischen vulkanischen Vorgängen und Erd- beben geradezu durch die Tatsachen gegeben, auf der anderen Seite läßt sich«ine solche Beziehung schwer herstellen. Trotzdem sind namhaft« Forscher geneigt, den Begriff des tektonischen Erdbebens, das also ohne Mitwirkung vulkanischer Kräfte aus Verschiebungen im Gerüst der Erdkruste entstehen soll, ganz zu leugnen und eben eine vulkanische Betätigung in allen Fällen als die Grundursache der Erderschütterungen anzunehmen. Vor dem Eintritt der letzten furchtbaren Katastrophe in Süd- italien hat ein bekannter englischer Geolog. Professor Stanley, eine Schrift über Vulkane und Erdbeben veröffentlicht, worin er eine ganz neuartige Theorie über die Ursache der Erdbeben ausstellt. Er geht zunächst von einer Darlegung aus. die auf alle Fälle für das Verständnis dieser Dinge sehr wesentlich ist, nämlich von einer Klarstellung des Verhältnisses der Erdkruste zum Erd- innern. So viel auch darüber geforscht und geschrieben worden ist, Hot man doch außerhalb der Fachkreis« im allgemeinen selten eine richtige Vorstellung von der äußerst geringen Dicke der festen Erd- kruste. Gemessen hat sie freilich überhaupt noch niemand, aber die Bergwerke und Bohrlöcher, die der Mensch in die Erde ge- trieben hat, haben doch tüelegenheit gegeben, die Zunahme der Tem- peratur von der Oderfläckie nach dem Innern der Erde hin an zahlreichen Stellen zu bestimmen. Dabei haben sich große Ver- sckiedenheiten ergeben, und die verallgemeinerten Ergebnisse«nt- behren daher einer besonderen Genauigkeit. Immerhin wird man vorläufig die Lehre annehmen müssen, daß in einer Tiefe von ungefähr<0 Kilometern unter der Erdoberfläche eine Temperatur herrscht, bei der sämtliche auf der Erde bekannten Gesteine nur noch in geschmolzenem Zustand vorhanden sein können. Im Ver- hältnis zum Durchmesser der Erde ist dieser Betrag ein so geringer, daß eine Eischale im Verhältnis zum Bolumen des Eies noch viel zu dick sein würde. Auch die Dicke des innerhalb der Schale sitzenden Hänichens Würde noch nicht den richtigen Maßstab geben. Man könnte auch so sagen: wenn man ans eine Wandtafel, so groß es anginge, ein« Kreis zeichnen würde, der die Erde darstellen sollte, so würde auch der feinste Sirich vergleichsweise noch dicker sein als die feste Erdrinde im Verhältnis zum übrigen Erdinnern. Professor Stanley vergleicht dieses dünne Häutchen der Erdkruste mit dem Uebcrzug, den ein Metall bei längerem Liegen an der Luft erhält. Dieser Vergleich ist loohldurchdacht. denn ebenso, wie diessr Uebcrzug im Vergleich zum reinen Metall, besteht auch die Erdkruste aus Verbindungen der Elemente mit Sauerstoff, während diese im Erdinnern vermutlich rein vorkommen. Die Erdkruste scheint danach also eben nur auf dem gewaltigen Erdinnern zu schwimmen. Diese Vorstellung wird freilich dadurch hinfällig, daß der Erdkern wegen der ungeheuren Drucksteigerung wohl nicht als flüssig, sondern als äußerst starr gedacht werden muß, wobei aber oüne Zweifel Uebsrgange vom starren in den flüssigen und gaZ- förmigen Zustand von innen nach außen eintreten. Diese Vor- pellung muß man zugrunde legen, wenn man sich in die Fragen hineindenken will, die mit Bezug auf die Entstehung der Vulkane und Erdbeben aufgeworfen werden. Bleiben wir zunächst bei der Trennung zwischen vulkanischen und tektonischen Erdbeben, so werden die vulkanischen gewöhnlich ebenso erklärt wie eben die Vulkanausbrüche selbst. Von der Erdoberfläche aus sickert dauernd Wasser ins Erdinnere hinein. An manchen Stellen mag es in er- heblicher Menge zu großen Tiefen gelangen und sich dann infolge der dort herrschenden hohen Wärme in Dampf verwandeln. Die Spannung des Dampfes führt dann zu Explosionen, die im Fall des Vorhandenseins einer Oeffnung, also eines vulkanischen Schlotes, unter Umständen sich ohne erhebliche Erschütterung der Erdkruste vollziehen oder im umgekehrten Fall sich vielleicht gar nicht bis an die Oberfläche hindurcharbeiten, dafür aber die Erd- kruste gewaltsam erschüttern. Diese Erklärung hält Professor Stanley für falsch, weil Wasser durch poröse Gesteine nicht in dieser Weise in die Tiefe gezogen wird und weil auch die Tatsache, daß alle tiefen Bergwerke und Bohrlöcher trocken sind, dagegen spricht. Ebenso wendet sich Stanley gegen die Ansicht, daß das Schrumpfen des Erdkerns bei der Abkühlung eine wesentliche Ursache von Erd- beben sein könnte. Diese Ansicht stützte sich unter anderem auf eine Berechnung des berühmten Zkiathematikers Stokes, wonach die Erde in jedem Jahre so viel Wärme verlöre, als zum Schmelzen von LOOO Kubikkilomctern Eis verbraucht werden würde. In dieser Rechnung hat nun Stanley einen Fehler entdeckt und schätzt danach den jährlichen Wärmevcrlust der Erde auf einen Betrag, der noch nicht vier Kubikkilometer Eis zu schmelzen imstande wäre. Nach- dem er diese beiden hauptsächlichen Theorien zu erschüttern versucht hat, erörtert er seine eigene, die wohl auf wissenschaftlichen Ueber- legungen fußt, aber doch wohl kaum von vielen Fachgcnosscn an- genommen werden wird. Er weist nämlich darauf hin, daß an den Polen, und ganz bejonders am Nordpol, durch die Aufhäufung der Eismasien eine starke Beeinflussung des Erdinnern stattfinden mutz. Da ein Gleiten des Eises, wie es am Rande des südpolaren Festlandes beobachtet wird, nur bei einer Neigung des Unter- grundes von wenigstens vier Grad stattfinden kann, müßte die Höhe der Eismasten am Südpol gegen 150 Kilometer über vcm Meeres- spiegel betragen. Eismasten von so ungeheurer Dicke müßten sich merklich in das Erdinnere hineindrücken, so daß dort von untenher ein dauerndes Abschmelzen erfolgte. Die dadurch entstandenen Wasserströme würden sich vom Südpolargebtet ber in innerirdischcn Kanälen nach verschiedenen Erdgegcnden fortpflanzen und dort cnt- weder zum Ausbruch gelangen oder durch die Wirkungen des hoch- gespannten Dampfes zu Erderschüttcrungen Veranlassung geben. Einen solchen Kanal nimmt Stanley z. B. über das Kap Horn nach der Westküste von Südamerika hin an. Gegen diese an sich sonderbare Hypothese spricht wohl hauptsächlich der Umstand, daß gerade die südliche Erdhälste verhältnismäßig wenige Vulkane aufweist, und daß die Gebiete mit größter vulkanischer Tätigkeit mit Ausnahme von Südamerika und Neuseeland vielmehr in er- hcblichen Entfernungen vom Südpol gelegen sind. lNachdeu-l VerVoten.) Im klairifchcn Grdbcbcnlandc. Eine sizilianisch-kalabrische Reiseskizze. Von einer gütigen Natur überreich mit einer Fülle landschaft- licher Reize und den Produkten seines subtropischen Klimaö ge- segnet, ist Sizilien, die lichtumflostcne, in überschwenglicher Frucht- barkeit prangende Insel, soweit die Geschichte zurückreicht, stets ein Land der tiefen Widersprüche und der hart aneinander gerückten Gegensätze gewesen. Seit Jahrtausenden ein Zankapfel der ver- schiedenen, um ihren Besitz kämpfenden Rasten, der Phöniker und dorischen Griechen, der Karthager und Römer, der Ostgoten, Sara- zenen, und Normannen, der Deutschen und Franzosen, unter deren Tritten die letzten Neste der vor wenig mehr als drei Jahrtausenden die Insel beherrschenden fikelischen Urbevölkerung zerrieben wurden, hat das Land, in dem die griechische Schiffersagc Zyklopen und Giganten, Lotoph-.rgen und das Menschen fressende Riesenvolk der Lästrygonen Hausen ließ, nach kurzen Perioden ruhevollen Glücks immer wieder die zermalmende Wucht schwerer SckzicksalSschläge an seinem Leibe erfahren. Denn zu der kulturvenüchtenden Wut fremder Eroberer gesellten sich lange Zeiten empörender Miß- regierung. Uuid als ob es damit noch nicht genug sei, hat sich auch die Natur hier mehr als anderswo in schneidenden Kontrasten ge- fallen.- Am Ostrande der Insel, dort wo die Steilküste in kühnen, wilden Felsbildungen in das dunkle Blau des jonischen Meeres hiuabtaucht, steht Siziliens Beherrscher, der Aetna, klar und rein, sich mit seinem gewaltigen Massiv vom Aethcr abhebend, und nur durch kleine, schwache Rauchwölkchcn verratend, daß das glühende Leben in seinem Innern mit furchtbarer Willkür über dem Wohl und Wehe der Bewohner waltet. Und lvenui die feurigen Lava- ströme, die schon so oft die blühenden Ortschaften an seinen Hängen verwüstet haben, endlich, wie die Sizilier glauben, durch ihr in» brünstiges Flehen zur Gottesmutter und zur heiligen Agatha zum Stillstand gekommen, bleibt noch der letzt« und schrecklichste Feind, das Erdbeben, das soeben loieder einmal eine Katastrophe herbeigeführt hat, die an und Schtvere alle früheren Mit zu übertreffen sche'Tl. Der Dampfer des österreichischen Lloyds, auf dem ich vor nicht langer Zeit an der fizilischen Ostküste heraufreiste, hat das wild zerklüftete Promontorium Pachynum, heute Capo Pastero, um- segelt, dessen Namen sprachkundige deutsche Thebaner voll unfrei- willigen Humors mit„Spatzeukap" übersetzen. Syrakus kommt im Norden in Sicht und über der Penisola della Maddalena, die den Faro dcl Gigant«(Riescnleuchtturm) trägt, zeigt sich zum ersten Male, umflirrt von den glänzenden Bündeln zitternder Morgen- sonncnstrahleu, im blendenden Schnecgewande der Aetna, an dessen Fuße Kaiser Heinrich VI. starb. Di« Gestalten der Grabbeschen Tragödie werden vor dem inneren Auge lebendig. Man vermeint den Sarazenenkricger Achmet zu hören, der dem Kaiser erklärt: Hoch aus dem Aether blickt er auf die Insel,' Umwallt von seiner vw'gen Wolke Rauchs. woraus dieser e«vidcrl: Wie klein find wir, nichts größeres doch als die Natur I Auf jenem Berge mutz ich stehen, Daß er mich trage an des Himmels Höhen? Uns flüchtigen Zugvögeln aus dem Norden, die den Wunsch im Herzen teilen, bleibt diesmal die Erfüllung versagt, die übrigens weit zweckmäßiger als von der Meerseite des Berges von dem hoch au der Ferrovia Circumetnea(Aetnarundbahu) gelegenen Städtchen Randazzo ins Werk gesetzt wird. Denn nun beginnt die Fahrt dicht an jenem Teil der Küste, wo das Erdbeben vom 28. De-- zcmber 1903 fast jedem Orte die schwersten Schäden zugefügt hat. Bis Augusta, wo der Monte Tauro die einzige, nennenswerte Er» Hebung ist, und noch weit darüber hinaus bis dicht vor Catania ist die Gegend noch flach und reizlos und in jenes seltsame, matte Silbcrgrau gehüllt, das von den Blättern von Millionen von Oel- bäumen herrührt. Hinter Catania aber verändert sich das Bild, mit Steilwänden tritt das bildsame Gestein, oft zu den seltsamsten Gestalten ausgezackt, an die Küste, um einen ersten Glanzpunkt landschaftlicher Schönheit hinter Ac» Reale, im Bereich der Lava- ströme des Aetna und bei den Zyklopeninseln zu bilden, wo Theokrit und Ovid den Mythos von der schönen Nymphe Galatea und ihrem Geliebten Acis spielen lassen, der von dem abgewies«ncn Freier Polyphem erschlagen, von Galatea aber als befruchtender Bach zu neuem Leben erweckt wird. Dicht dahinter aber, bei Stazzo, Giarre, Riposto und Fiumefreddo, die heute zum größten Teil in Trümmern liegen, flacht der Strand wieder erheblich ab, um sich erst bei Taormina wieder zu einem hohen Licde landschastlicher Schönheit zu steigern. Hier, wo sich von der Höhe des berühmten, antiken Theaters eines der entzückendsten Panoramen des Erdballs bietet, wo nament» lich am Morgen, wenn die Sonne über Kalabrien oder aus den Fluten des ionischen Meeres emporsteigt und den Aetna mit zartem Rosa umhaucht, unerhörte, wechselnde Lichtefsekle das Auge be« Zaubern, war es, wo einst Plat«n sang: Zarte, vergängliche Wölkchen umfliegen Ken schneeigen Aetna, Während des Meeres Abgrund klar wie ein Spiegel erscheint, Steil auf türmt sich die Stadt, hoch über den Gärten der Klöstct, Ueber den blühenden Wein ragen Zypressen empor. Fern in der Sonne erglühn die gesegneten Küsten Italiens, Schöner und üppiger noch als die situlischen Aun! Bor mir seh' ich die kleine, die felsenumschattete Seebucht, Welche zum Bade vormals seliger Nymphe gedient, Die sich der ewigen Jugend erfreut in der tiefen Kristallflut Oder der Brandungen, auch rauschende Welle behorcht Auf der Weiterfahrt von Taormina bis Messina fesselt dt« Szenerie des Ufers unausgesetzt das Auge. Zwar wird es an den buschbewachsenen Steilrändern des Gebirges einsam und die Fischerdörfer, die zwischen Meer und Felswand angeklebt erscheinen wie die Nester von Secschloalbcn, machen den Eindruck der Ber» lassenhcit. Sie bieten auch in ihrem Innern nichts, was den Wanderer zum Verweilen einladen tonnte, die Staffage der Land- schuft bleibt aber doch interessant. Wir nähern uns dem St. Strctto (Meerenge) di Messina und während von Osten her die Abhänge und Ausläufer des hohen kalabrischen Aspromonte, in dessen Wäldern am 29. August 1862 der verwundete Freiheitskämpfer Garibaldi gefangen genommen wurde, sichtlich näherrückcn, bietet das Ufer zur Linken zivischen steile» Felswänden und chaotischen Resten ehemaliger Bergstürze anmutige Einblicks in die oleander- bewachsenen Bachrrrnsen tiefer Fiumarcn, die sich tief ins Land hineinzichen, hier und da Zitronen- und Orangeukulturen tragen und oft so reich mit einer wilden Vegetation geschmückt sind, daß sich die grünen Laubdächer über dem Wanderer wie zu einem Tunnel zusammenschließen. Zwischen Galati, das im Jahre 1S06 durch eine Sturmflut fast gänzlich zerstört wurde, und Reggio di Calabria, das nach dem Erdbeben von 1783 mit breiteren Straßen neu aufgebaut, heute wiederum in einen Haufen wüster Trümmer verwandelt ist. schrumpft die Breite der Meerenge auf sechs Kilometer zusammen. Messina ist in Sicht und bald, nachdem die den Hafen im Süden umschließende, sichelförmige Halbinsel umfahren ist, rasseln die Anker Zwischen der Citadcllc und dem Palazzo Municipalc in den Grund.. �, Die Stadt, die vor ihrer Zerstörung durch das Erdbeben ein«. schltchlich der Vororte INZM» Einwohner zählte, ist zwar im großen Ganzen regelmäßig gebaut und weis! einige glänzende, gut gepflegte Straßenzüge aus, kann aber in ihrer Bauart nicht als schön bezeichnet werden. Mit den älteren Gebäuden von archi- tektonischem Wert haben schon frühere Erdbeben so gründlich auf- geräumt, daß jetzt kaum mehr etwas kostbares in dieser Hinsicht zu vernichten blieb. In den niedrigen, schlecht gebauten Stadt- vierteln herrschen der übliche Schmutz und Lärm süditalienischer Hafenstädte, über die sich die übel riechende Dunstwolke eines Ge- imschcö von Fischgcstank und vom Dust überreifer Südfrüchte legt. Die höher gelegenen Stadtteile weisen steile, vielfach wegen ihrer Trcppenanlagen unfahrbare Straßen auf. Um so herrlicbcr ist dafür die Umgebung, die es. wenn auch anders geartet, an Schön- heit mit Palermo mit seinem Monte Pellegrino und der viclge- rühmten Conca d'oro aufnehmen kann. Man kann Mcssina füglich Mit eincth mäßigen Bilde in einem prunkvollen Rahmen vergleichen und hat fürs erste, wenn man vom Wasser aus auf die hellen Häuserreihen am Corso Vittorio Emanuele und am Viale Principe Ämcdeo mit den grünen Anlagen des Giardino a Marc schaut, den lachenden Anblick einer in regsamem Leben pulsierenden südlichen Seestadt. Bei näherer Betrachtung blaßt freilich manches ab. In den alten Teilen, die schon vor der Sladterweiterung unter Karl V. standen, ist nur La Matrice, der schon zur Normannenzeit im Jahre 1098 begonnene und unter Roger II. vollendete Dom bc- merkenswert. Vielfach durch Brände und Erdbeben beschädigt, ist auch er in seinen meisten Teilen ein Werk späterer Restaurierungen. Der 1628 hergestellte Hochaltar ist, obwohl er nicht weniger als 8825 000 Lire gekostet hat, geschmacklos und enthält in einem auf der Rückseite befindlichen Schranke einen übrigens der Besichtigung nicht freigegebenen Brief, den die Jungfrau Maria im. Jahre 42 der Stadt durch den Apostel Paulus gesandt haben soll. Ein leerer Sarg daneben an der Wand des Chores ist dem Andenken»es Hohenstaufenkaisers Konrad lV. gewidmet, dessen Gebeine verbrannt sind. Auch sonst findet der Kunstfreund wenig erfreuliches und, so groß und wcchsclvoll auch die Vergangenheit der Stadt ist, die von Chalkidicrn und kumäischcn Seeräubern um 730 v. Chr. als Zankle(Sichel) an der Stelle eines zerstörten, noch älteren stkulischen Gemeinwesens gegründet wurde, � so unergiebig ist der Rest von baulichen Denkwürdigleitcn aus alterer Zeit. Ueberreichen Ersatz dafür findet der Reisende aber in den Ausflügen in die Umgebung. Swon von dem Fort Castcllaccio, das man zu Fuß vom Dom aus in vierzig Minuten erreicht, bietet sich eine umfassende Aussicht, ebenso auch vom Fort Gonzaga, vom Campo Santo(Fricdlwf). zu dem eine Dampftramway hinaus- führt und vom Kapuzincrberg im Norden der Stadt. Ueber alle Maßen prächtig aber ist der Blick, der sich bietet, wenn man von der neun Kilometer entfernten Paßhöhc dcS Colle San Rizzo auf der großen Militärstraße zum Gratkorn der pcrolitanischen oder neplunischen Berge emporsteigt. Hier öffnen sich imponierende Aussichten auf da? tyrrhcnische Meer mit seinen vulkanischen Inseln, auf die Meerenge, nach dem jetzt eingestürzten Faro (Leuchtturm), der die Einfahrt zur Meerenge bewacht, auf die Strudel und Wirbel der CharybdiS, in denen die Meeresströmung von sechs zu sechs Stunden mit Ebbe und Flut in nördlicher und südlicher Richtung wechselt, auf den einsamen Felsen der Scilla und nach den anstoßenden kalabrischen Bcrggcländen, deren weiß- schimmernde Ortschaften bis gegen die Basilicata hin jetzt von dem gleichen, gräßlichen Geschick ereilt sind, wie die Küste der alten Trinacria. ru