Hr. 305. Abomttmeiits-D-dingungen: Abonnements- Prelt pränumerando: vierleljährl. ZL0 SRI, monatt. 1,10 SJlt., wöchentlich 28 PIg. frei tnä Hau«. Einzelne Nummer b Pfg. Sonntag«- Nummer mlt tllullrtcrler Sonntags- Vellage»Tie Neue Welt." lv Psg. Poft- Abonnement: 3,30 Mar! pro Quartal. Eingetragen in der Post- Zeitung«- PreiSllste für lUSS unter Sr. 7l!2t>. Unter Kreuzband für Teutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Mar!, für daS übrige Ausland g Marl pro Monat. Erscheint täglich außer WonUg«. Vevlinev Volksblakt. 16» Jahrg. Die Inftrtions-Gcdülir beträgt für die fechSgespaltene Kolonel- zeile oder deren Raum 40 Pfg., für politische und gewerlschastliche Bersins- und VersammlungS- Anzeigen 20 Pfg. „Kleine Anzeigen" jedes Wort S Pfg. (nur das erste Wort fett,. Inserate für die nächst« Nummer müssen bit 4 Uhr nachmittags in derExpedtlion abgegeben werden. Tie Expedition ist an Wochen- tagen bi« 7 Uhr abend«, an Sonn- und Festtagen biSSUhr vormlltag» geöffnet. Fernsprecher: Vmk I, Qr. lülZS. Telegramm-Adresse: „Sorialdeuiostrat Berlin» Centralorgan der focialdemokratischen Vartei Deutschlands. Redaktion: 19. Veuth-Straste 2. Sonntag, den 31.. Dezember 1830. Expedition: LTW. 19, Veutlz-Straste 3. Bezugs-Einladung. Mit dcm 1. Januar eröffnen wir ein ncueS Abonnement auf de» mit seinem lliüchentlich siinfmal erscheinenden Nnterhaltungsblatt und der SonntagS-Beilagc .»Dio Llouv Lvrlt". Im Untcrhaltnngöblatt beginnen wir am 1. Januar mit dem Abdruck des neuen, in der Eifel spielenden RoniauS von Klara Biebig: Das Moibvrt»orf'. Für Berlin nehmen sämtliche Zeitung Sspedit eure soivie unsere Expedition, Benthstr. 3, Bestellungen entgegen zum monatlichen Preise von K Mark 10 Pfennig frei ins Hans. Für außerhalb nehmen sämtliche P o st a u st a l t c n Vc- stclluugen zum Preise von » Mark SO Pfennig für die Monate Januar, Februar, März entgegen. sEingctragen ist der„Bottvärts" in der Post-ZeitungSliste unter Nr. 7971.) Die Redaktion des„Vorwärts". Die Kultur der Masse». Seit einer Reihe von Jahren hat sich die redeuSartliche Wendung vom im de sidcle, vom Ende des Jahrhunderts eingebürgert, in dcm Sinne, daß sie bei jedem barocken Zwischenfall, bei jedem dmmncu Streich und vor allein bei jedem neu hervorbrechenden Symptom uwraltschcr Fäulnis angeivaudl ivurde. Sie sollte sagen, wen» sie überhaupt cnvas sagen sollte, daß die oder daß wenigste»-; eine Welt mit dem Jahrhundert untergehe, waZ. je nachdem man die Sache anffastt, richtig oder unrichtig sein kann, aber doch unter alle» llmständc» eine triviale Behauptung bleibt. In dcm ewige» Flusie der mensch- licheii Dinge wechselt unaufhörlich Entstehen und Vergehen, so in oinändcr verflochten, das; nicinand sagen kann, Ivo das Entstehen aufhört und daS Vergehen beginnt oder umgekehrt. Selbst Geburt und Tod des Menschen, die scheinbar so sicher an die Stunde und �iimtc gebunden sind, entpuppen sich bei gründlicher Untersuchung als äußerst weitläufige Prozesse, und mm gar der Glockcnschlag. der die letzte Stunde eines scheidenden von der ersten Stunde eines beginnenden Jahrhunderts trennt, ist die eherne Zunge nicht, die den Untergang einer alten und den Anbruch einer neuen Welt verkünden könnte. In der That scheint es auch nicht, als ob die offiziellen Träger der bestehenden Welt ein besonderes Grauen vor der Jahrhundert- wende empfänden; im Gegenteil haben sie in ihrer Freude am Jubel lauter Feste den Zeiger der Zeit um ein Jahr vorgerückt, sie seiern das neue Jahrhundert noch che es da ist. Man könnte an den eigentümlichen Rechenfehler allerlei Witze im Stile des fin de siöcle knüpfen, und vielleicht die besten, die sich überhaupt in diescin Stile machen ließen, allein wenn es auch nicht seine bedenkliche Seite hätte, über den Irrtum zu scherzen, so verzichte» wir doch gern darauf. Selbst der geistreichste Spott würde schlecht zu dcm passen, was uns als das bedeutsamste Zeichen erscheinen will, worin sich der Uebcrgang ins neue Jahrhundert vollzieht. Niemals so lange es eine menschliche Gesellschaft und eine menschliche Geschichte giebt, hat die Kultur der Menschen einen so hohen. Stand erreicht, ivie gegenwärtig. DaS mag man die Geburt einer neuen Welt nennen, in deren Wehen sich die Menschheit windet oder auch den Tod einer alten Welt, besten Krämpfe sie erschüttern: Wjr verzichten auf die unfruchtbare Jagd der Gedanken- und Wortspiele, froh deS Sonnenaufgangs, in dessen wunderbar rosigem Schimmer das neue Jahrhundert aus der Zeiten Schöße herauf- steigt. Wir wissen wohl, daß jene Kultur heute und morgen keine Wunder schaffen kann, so wenig wie sie selbst ein Wunder von gestern oder heute ist. Die Erziehung des Menschengeschlechts zu dem, waö wir moderne Kultur nennen, zur Ausbildung und Entwicklung aller seiner geistigen und körperlichen Fähigkeiten, die ihm erst möglich ist, wenn es die gesellschaftlichen und natürlichen jÄüfte beherrschen gelernt hat, diese Erziehung ist eine harte und strenge Schule, und wer möchte heute bestimmt verneinen, daß nochmals eine Jahrhmidcrttvende wiederkehren muß. ehe sich der süße Kern völlig aus der rauhen Schale gelöst hat, ehe die Kultur der Masten zur vollendeten Thatsache geworden ist, von der dann erst eine Geschichte der Menschheit im hohen und wahren Sinne des Worts datieren kann. Aber was wir kemien und was wir täglich mit Händen greifen, daS ist der historische Prozeß, den die Kultur der Menschen schafft, mit der ganzen Unanfhaltsamkcit und llnwider- stehlichkeit einer weltgeschichtlichen Entwicklung. Von diesem historischen Sonnenaufgang gilt mehr als von jedem früheren, daß er sich nicht verhängen läßt durch Purpurmäntel oder dunkle Kutten. Mögen Kaiser und Papst am Ende dieses Jahrhunderts noch einmal die Zeiger der Weltenuhr verrücken, so geht diese Uhr doch ihren großen. stillen Gang, bis ihre Glocke mark- und beincrschütternd schlagen wird. ES ist der bleibende Ruh»! deS neunzehnten Jahrhunderts, die Kultur der Menschen auf feste Füße gestellt zu haben. Als frommer Wunsch lebt sie seit manchem Jahrhundert im Munde der Menschen; ja im Grunde schon seit manchen! Jahrtausend, seit- dem die antike Gesellschaft an der unverhsillte» Sllavenarbeit rettungslos zusaisinchnbrach. Aber welch' weiter Weg von ihrem ersten naiven Stam'mel», von der Gotteskindschaft aller Menschen bis zu den klaren und in ihrer Klarheit unabweisbaren Forderungen deS modernen Proletariats. Eine wirkliche Thatsache konnte die Kultur der Massen erst werden, seitdem die Massen selbst zu den entscheidenden Trägern der menschlichen Kultur geworden waren, und diese Zeit begann erst mit der großen Industrie. So vcr- schlciert in ihren Anfängen dieser Zusaimnenhang noch zu sein, so sehr sie den Arbeiter noch unter die Lebensweise des antiken Sklaven zu drücken schien, so war damit die Frage doch nur erst gestellt, aber noch nicht beantwortet. Diese Antwort erfolgte, als sich das großindustrielle Proletariat gegen seine gewaltsaine Entmenschnng empörte, und, immer wieder von neuem ankämpfend gegen einen sich immer wieder erneuernden Druck, mit gewaltigen Schritten ans den Tiefen der Barbarei zu den Höhen der Eivilisation emporklomm. Damit war die Kultur der Massen ans dem Reiche der mehr oder minder frommen Wünsche ins Reich der Thatsache» übergetreten, lvo ihr sofort der erste Platz zufiel. ES ist der einschucidendste Wechsel, den die Säkularbüchcr des mensch- lichen Geschlechts bisher zu verzeichnen gehabt haben, unendlich weit einschneidender, als alles König- und Papstspielen je geivesen ist. Eben dc-?halb, weil sie allen überlebten Mächten der Geschichte an die Wurzeln greift, ruft die Kultur der Massen immer neuen Widerstand gegen sich hervor. Sie muß diesen Widerstand über- winde», wenn sie nicht selbst ersticken soll, und sie kann ihn mir überivinden, indem sie frische Kräfte sammelt und ncne Schößlinge treibt, llnter ihre» vorwärts stürmenden Schritten ivcicht der Boden, wo sie eben noch stritt; kein anderes Rückwärts giebt eS für sie als in den Abgrund der Barbarei; sie steht im Banne einer Entwicklung, die zugleich ihr siegreiches Banner ist. Eine Gesellschaft stirbt, wenn ihre Kräfte versagen, aber eS ist unmöglich, daß eine Gc- sellschaft untergeht, die über eine bisher Unerhörte Fülle der Kraft gebietet und nur daran leidet, daß sich diese Kraft in unrechten Händen befindet. Man entreiße sie den unrechten Händen, und die unerhörte Fülle der Kraft wird eine unerhörte Fülle des GliickeS erzeugen. Welche Torheit, zu wünschen oder auch imr zu glauben, daß sich die Gesellschaft selbst umbringen werde, mir um die linrcchteu Hände am unrechten Platze zu lassen. Ebenso möglich wäre es, daß ein lraftsirotzcnder Jüngliiig, den noch sein Kinder- lleid beengt und an seiner freien Bewegung hindert, sich selbst mordete, ans reiner Ehrfurcht vor seiner chrivürdigen Garderobe. Man kann sich ruhig daraus verlassen: er wird sich, sobald er kann, die zerschlissenen Fetzen von den Gliedern reißen, imd sie achtlos dein Kehrichthaufen überantworten. So sicher schreitet die Kultur der Massen voran und so nn- bedingt ist die Gewißheit ihres Sieges. Sic ist kein Ideal mehr. daS in den Lüften schwirrt, aber weil sie rüstig vorwärts dringt, durch alle rauhe Wirklichkeit hindurch, so darf sie nach den Idealen einer Zukunft trachten. von der sie weiß. daß sie einmal sein muß und sein wird. Auch hier steigern sich Ursache und Wirkung gegenseitig, um die Kultur der Massen immer höher zu entwickeln. Die ärmste und gedrückteste Klasse der bürgerlichen Gesellschaft erhebt ihr Haupt am kühnsicn in der Aetherlnft der Idee, und ihr erst wird zur beglückenden Wahrheit, ivomit gläubiger Wahn sich selbst zu täuschen pfleg!: die Hosfnimg ans den Sieg, der den heißen Kamps krönen wird, worin sie jetzt noch steht. So kann sie nie verzagen, in allein Elend, das sie noch drückt, so lebt sie hellte schon ein reicheres und tieferes, ja ein glücklicheres Leben, als die feilen Sklaven des materiellen Genusses und des geistigen Selbst- betrngS, so wartet sie nicht unthätig, aber geduldig ihrer Weltgeschichte lichen Stunde. Für sie hat die Jahrhundertwende nur die Bcdentnng. daß sie. nicht klagend und nicht prahlend, nicht betend und nicht fluchend. nicht in abergläubischer Furcht und nicht in verzweifelte»! Trotze, aber in fröhlicher Zuversicht ihren BcfreilingSkampf im Dienste der Menschheit am ersten Tage deS neue» JahrhniidertS fortsetzen lvird, Ivie sie ihn am letzten Tage des alten Jahrhunderts beschlossen hat. Des Zaren Jahrhuudertsgrutz. Von unseren Petersburger Freunden wird uns nach- folgendes hochbedcutfame Aktenstück übermittelt. Dasselbe ist bestimmt, zum Neujahrstage nach russischem Kalender, d. h. zum 13. Januar unserer Rechnung, die Welt ähnlich zu überraschen, wie sie das Fricdcnsmanifest vom August 1898 überrascht hat. Das Aktenstück lautet in wortgetreuer Heber- sctzung also: .Da die Menschheit über die Schwelle eine» neuen Jahrhunderts schreitet, fühlt sich mein erhabener Herr Se. Majestät der Kaiser von der hochherzigen Ueberzcugung durchdrungen, daß in der RuZführniig des großen Werkes, ivelcheS seine Initiative begann, nicht Stillstand eintreten dürfe, daß vielmehr durch nichts das neue Jahrhundert würdiger eingeleitet werden könne, als durch weitere tiefernste Be- fasiung aller Fürsten und Staatsmänner mit dem Problem der all- genreinen Friedenssicherung und der möglichste» Bermindernng der verhängnisvoll auf allen civilisierten Völkern lastenden Kriegs- rüstnng. Die Beratungen in der Residenz Ihrer Majestät der Königin von Holland haben den Beweis der vollen Harmouie erbracht, in der die Souveräne aller Staaten der Friedensidee geneigt sind. Dank der frcundwilligen Unterstützung, welche der Kaiser bei den Fürsten des Auslandes fand. ist die Konferenz im Haag ein Ereignis von epochaler Bedeutung geworden. ES lvurdcn mamügfache Maß- nahmen beschlossen, durch welche nicht nur die Greuel des Krieges gemildert, sondern auch der Ausbruch kriegerischer Verwicklungen weiiigstenS erschwert werden kann. Der Kaiser, mein erhabener Herr, ist von tiefem Dank zu Gott und den Souveränen der europäischen und außereilropäischen Staaten erfüllt, daß also die Gnnldlägen des Friedensbanes gelegt werden konnten, dessen Vollendung sein von den Intentionen christlicher Weltanschauung er- füllteS Herz ersehnt. Der Kaiser verhehlt sich aber nicht, daß die geschaffenen Anfänge noch tvinzige sind und daß auch sie der Abbröcklung aiiheiinzufallen drohen, wenn nicht ohne Unterlaß und mit eifervoller Hingabe die Erhaltimg deS Geschaffenen und vor allem seine Fortführung be- trieben wird, Mit Betrübnis sah der Kaiser, daß es nicht möglich mar, Mittel und Wege zu finden, nm die schon früher iliternational llcrciiibartcn Mildernngcn der KricgSschrecknis in den See- kriegen zur Amvendnng z» bringen, daß es ferner geschehen lonute, daß in demselben Jahre der FncdcnSeinlcitung ein neuer Krieg ausbrach, dessen Ausbreitung über die ganze civilisiertc Menschheit nur durch die beharrliche Friedfertigkeit der nicht be- tciligtcn Staaten vorläufig verhindert morden ist. Doch bedrohlicher als alles dieses, wie ein dunkles Zeichen, unter dem das neue Jahr- hundert bei den geängstigten Völkern einzieht, erscheint die That- fache, daß die Wettrüstnilgeu der Nationen, die sich bisher hanpt- sächlich ans die Landarmeen beschränkten, nun auch hinsichtlich der Seestreitkräfte begonnen haben. Zum Schutze der Küsten, zur Sichenmg und Förderung des HandelLabsatzeS in fernen Haitdel-Splätzen und Kolonien wird die Marine in einem bisher imbekauntcn Maße und in immer beschleunigterem Tempo vermehrt. Zu den schweren Lasten, welche die Erhaltung der Landhcere den Völler» anfztvingt, kommen ungeheure, dein Bolksvermögen entzogene Summen für schwinmiende Festniigen, für Kreuzerschiffe und Torpedos, die infolge der rapid sich entlvickclndcn Schiffsbau- technik, kaum vollendet, bereits veraltet erscheinen; im Kriegsfälle versinken hunderte Millionen im Nn in den Wassern, an deren Ans- bringnng die Völker lange und mühevoll gearbeitet hatten. Handel und Warenabsatz aber werden nicht geschützt, da kein Staat sich frei- zuhalten vermag vom Fieber der Rüstungen, und jeder immer wieder voll neuem den andern zu übertreffen bestrebt ist. Die Bcrdcrblichlcit und Aussichtslosigkeit dieses Beginnens wird den Völkern immer mehr offenbar. Je nngcheurcr die kriegerische» Rüstungen anwachsen, um so mehr erstarkt der Widerwille gegen sie. Religiöse und politische Fanatiker benutzen diese Verhältnisse, um die Massen zu verwirren und gegen alle Ordnung der Gesellschaft auf- zniviegeln. Darum ist es ein Gebot der Selbsterhaltung, wie eS eine Forderung dc-Z christlichen Glaubens und ein berechtigter An- spruch der nach Frieden begehrenden Völker ist, daß diesem neuen Unheil der Marinerüstungen alsbald vorgebeugt werde, das alle Staaten gemeinsam bedroht und deshalb durch vereinte Bemühungen aller Staaten eingeschränkt und beseitigt werden muß. Darum ergeht des Kaisers Ruf im Anbeginn eines neuen Jahr- Hunderts hinaus in alle Lande, daß die internationalen Beratungen fortgeftihrt werden mögen zur Bewältigung dieser schwierigsten und inid ernstesten Frage. Se. Majestät der Kaiser kennt den fricd- fertigen Sinn der Souveräne, die sicherlich mit Sr. Majestät ver- bunden an der Fortbildung des großen Werkes des BolkerftiedeiiS wirken werden. Aber auch alle anderen geistigen Führer der Völker mögen unbekünunert um den ÄriegSläun, der hent noch tobt, nn- bekümmert um den Irrwahn einiger Verblendeter, die in den Brutalitäten deS Krieges eine himmlische Schickung zu sehen vermeinen, die Kraft sindcil, an der Herstellnng von Recht und Gerechtigkeit nnter den Völkern mitznhelfe». Vor allen mögen die Parlamente, die im Begriff stehen, neue Rariiicrüstnnge» zu beraten, sich von dem Gc- danken erleuchten lassen, daß eS einen besseren Weg giebt, das Vaterland z» schützen und zugleich der Menschheit ewige Dienste zu leisten. Das Ende deS 19. Jahrhunderts sah den Anbruch des Frieden?- IverleS, das beginuciidc 20. Jahrhundert soll den große» Gedanken des Weltfriedens trimiiphicren lasten über menschliche Schwache und Sündhaftigkeit." Dieses neue zarische Marine- A b r ü st u n g s- manifest wird demjenigen weniger überraschend koinmen, der sich erinnert, daß die russischen osfiziösen Blätter bereit« in den Tagen der Haager Konferenz erklärten, diese Konferenz solle nicht die einzige ihrer Art sei», sondern es sotten fort- laufend derartige Beratungen stattfilldeit, es solle sich eine ständige Praxis internationaler Friedenskonferenzen entwickeln. Schneller als zu erwarten war. geht der russische Alleinherrscher auf dem Wege, den er mit dein Manifest von 1898 betrat, fort. Zwar klingt es wie unverhüllte Ironie, was die jetzige Kund- gebniig über die Erfolge im Haag sagt, aber mem kann nicht leugnen, daß der Zar an der einmal vorgefaßten Idee mit Beharrlichkeit festhält, daß es ihn nicht verdrießt, die Ver- legenheitcn, in die sein vorjähriges Manifest die Monarchen und Staatsmänner Westeuropas verstrickt hat. z« erneuern und zu vermehren. Die Gründe der zarischcn Friedenspropaganda liegen ja längst zu Tage. Indem Nicolaus 11. eine Idee, die in den Tiefen des Volkes ihren Ursprung und ihre Wahrheit hat. ans den Thron erhebt, glaubt er sich eine Anweisung ans historische Unsterblichkeit zu sichern. Wie dem einen Fürsten die Jnavgurie- rung einer Aera der Weltpolitik die Vereinigung seines Namens bedeutet, so dem anderen die Propaganda der Friedensidce. Der russischen Diplomatie aber sind die Phantasmen des arm nicht unwillkommen. Wie gern würde sie die schwierige stwation, in der sich England befindet, in Central- und Ostasicn ausnutzen. Doch die innere Lage Rußlands ist schwierig, die StaatSfinanzcn sind zerrütteter denn je, der russische Expansionstrieb muß sich zurückhalten. Ilm so freudiger ist man dabei, wenn es möglich ist, England' Ver- legenhciten zu bereiten und die Mißstimmung der Völler gegen Albion zu schüren. Es ist höchst bemerkenswert, daß das Manifest sich nicht nur bedauernd, über den südafrikanischen Krieg ausläßt, sondern sogar andeutet, daß nur„vorläufig" eine Einmischung- anderer Staaten unterblieben sei. Doch auch das neue Friedensmanifest wird wirkungslos derhallcn. Die tiefen Gegensätze, welche die kapitalistischen Industrie- und Handelsvölker zerklüften und gegen einander hetzen, verurteilen dieses Manifest wie das frühere und alle noch folgenden zur Ohnmacht und Lächerlichkeit. Wohl aber darf man diese pomphafte Jahrhunderts-Einweihung Nicola».' als eine unbewußt Ivohlgclnngene Selb st Persiflage des heutigen Systems menschlicher Entartung und Unkultur durch seinen eigenen obersten Sach Walter in Anspruch nehmen. Mit Spannung harren wir der Aufnahme, die das Manifest bei den Fürsten und Regierungen, an die' es gerichtet ist, finden wird, insbesondere bei denjenigen Re gierungen, welche als vaterländische Jahrhundert Aufgabe die selbe Welt- und Seerüstungspolitik verkünden, die im Manifest des mächtigsten Herrschers der Welt der herbsten Verurteilung verfallen ist.—_ Nolikrfirsze Mebevflchk. Berlin, den 30. Dezember. Die portugiesische Erbschaft. Jetzt spricht sich der„Hamburg. Korrespondent" in einem unzweifelhaft offiziös beeinflußten Artikel über den deutsch englischen Geheimvertrag aus. Auch der„H. K." weist die Mitteilungen des„Lokal-Anzeigers" als unrichtig zurück, seine Ausführungen führen aber schließlich doch auf dieselbe Fährte, die jene Mitteilungen bezeichneten. Zunächst erklärt der„H. K." der Eventualantrag beziehe sich„ausschließlich auf die portugiesischen Besitzungen in Afrika und zwar nrsprüng lich nur auf die o st a f r i k a n i s ch e n." Deutschland würde darin das südlich von Deutsch- Ostafrika gelegene Stück von Mozambique bis zum Schirc und Zambesi zugewiesen. Wenn es auch zu einer Verständigung über Portugiesisch-Wcstafrika gekommen sein sollte. so läge die Vermutung nahe, „daß, analog der Abmachung im Osten, Deutsch land das Stück erhalten lvird, das nördlich an Deutsch- Süd Westafrika anstößt, also Massamede-s mit der F i f ch b a i und der Tiger i n f Eine seltsame Berichtigung! Gerade als ob an der Hauptsache, der Auslieferung Südafrikas an England dadurch etwas geändert lvürde, daß Deutschland als Entgelt für seine Zustimmung zum englisch- portugiesischen Handel nicht die asiatischen Besitzungen Portugals erhält, sondern nur ein eingekeiltes Stückchen Süd-Benguelas, während der weit ans größte Teil dieser Kolonie nebst Angola an England fällt. Vom Standpunkt der vielgerühmten gesunden Real und Jnteresjenpolitif wäre das Geschäft— die Richtigkeit der offiziösen Angaben vorausgesetzt— nur um so unVorteil hafter. Ganz weist aber auch der Artikel de-Z„Hainburgischen Korrespoudeuten" die Möglichkeit nicht zurück, daß Deutsch land die portugiesischen Besitzungen in Asien crivirbt, nu sucht er den Anschein zu erivecken, als sei hierüber noch kein Abkommen getroffen: „Daß Teutschlands koloniale Erwerbungen noch nicht abgc schlössen sind, hat Graf von Biiloiv ebenfalls in der Zleichstags sitzung vom 11. Dezember erklärt, als er sagte, daß wir ivie alle Staaten mit maritimen Interessen schon durch die Notwendigkeit der nohlenbcschaffnng— er verwies zum Beweise auf die Lehren des svanisch-aincrikainschcn Krieges, der in dieser wie in vielen anderen Fragen wirklich Fraktur geredet habe— auf die Erwerbung maritimer Stützpunkte angewiesen sind. Aber er verwahrte sich auch sofort dagegen, daß wir dieien Bestrebungen einen Umfang gäben, der mit dem Stande unserer MachNn'ittcl zur See nicht im Ein- klang stehe. Ob die vom„Lokal- Anzeiger" angeführten portugiesischen Besitznngen in Asien0 lvird niis ouS Paris geschrieben. jammern die„Berliner Neuesten Diachrichten". Vom„umstürzlerischen" Staildpnnkte der Jnternatiottalistenmg des Klassenkampfes ist tfi gewiß erfreulich. daß ein deutsches llntcriiehmcrorgmi so warm sich der Interessen des 'ronzösischeu Unternehmertums aimiilimt, und sei es auch mit dein dciitlicbcu Hintergedaicken, das kapitalistische Gewissen„ciueS äußerst zahlreichen Prozentsatzes bürgerlicher Partei-Elcmeiite" Deulschlands zu schärfen. Nur aber darf die Bestätigung der ilsternationalen lliitcrnehmersteuiidlichkeit nicht a u f Kö st e n d e r W a h r h c i t ge- scheheii. Der Verfasser des Jaumicr-Artikels versichert, die Petition von vierzig Großindustriellen des Ostens(eine Beschwerde über die neu- lichc Strcilbeweguiig. über die ungehinderte Thätigkeit der von den Streikenden herbeigerufenen socialistischen Abgeordneten und— im letzten Grinidc— über das Ausbleiben eines Arbeiter- g e m e tz e l s) hätte„auf das Gros der frmizvfische» Arbeitgeber, Ivie auch ans die Häupter der socialdemokratischen Umsturzver- chwörung wie ein Alarnstchnß gewirkt". Die Wahrheit ist, daß die Zclition ein politisches Manöver gegen das Ministerium Waldeck- Rousseau— Milleraiid war. AuS diesem Grunde hat denn auch IveS GuNot, der maiichesterlich- socialiftenfeindlilbe Direktor des Siecle", den der Jammer-Artikel zu einem„Gciwssciifreund" um- tonst, in scharfer Weise gegen die vierzig Großindustriellen Stellung genommen. Hatten doch die Vierzig in der Petition ihre Sehnsucht nach cincin andern Regime" als die Republik, nach einem Regime mit lllieiiigischränktem Unternehincr-Terrorismus,. deutlich verraten. Aus dem gleichen Grunde ist aber auch das politische Manöver elendiglich gescheitert. Im sranzösischen Parlament, wo häufig ganz unbedeuteiido Vorgänge zum Gegenstand mimsterstürzendcr Jnter- pellationen gemacht werden, hat ke i n'e i nz i g e r kapitalistischer Vertreter, nicht einmal ein Mitglied des Meliiicschen Klüngels, es versucht, die Petition zur Sprache zu bringen. Und was gar die Alarm"wir!ung der Petition auf die„Häupter der sociatdemo- kratisthen, llmsturzverschwörcr" betrifft, so war sie genau ebenso alarmiepcnd, wie der Jammer-Artikel der„Berliner Neuesten Nachr.". Genau ebenso! Man hat ja gesehen, der Artikelschreiber_ mußte einen DvcS Gnyot, den allgemein bekannten Verfasser socialistentöterischer Bücher. den Tireltor eines von einer kapitalistischen Aktiengesellschaft heraus- gegebenen Blattes, zu einem„Gciiossensrcuud" um— taufen, um den armen Lesern den„von alle» Seiten" laut werdenden Wiederhall des ÄlannschusseS" hörbar zu machen. Mit der„BedtängniZ" der französischen Unternehmer verhält es sich in Wahrheit so. daß der flotte Geschäftsgang, der insbesondere durch die Weltausstellung begünstigt wird, ihnen nicht nur steigende Gewinne einbringt, sondern auch Lohnerhöhungsfordcrimgcn' und damit selbstverständlich Streiks, da die vom Artilelschreibcr entdeckte nntcrnehmerliche Sorge für das Schicksal„braver, tüchtiger Arbeiter und Familienväter" sich nur auf die geduldigen Arbeitswilligen um jeden Preis, die keine Lohnerhöhung fordern, erstreckt. Daß jede günstige GeschaftskonjunkNir und insbesondere auch jede Pariser Weltausstellung eine ausgedehnte Streikbewegung hervorruft, wird vielleicht auch der VolkswirtschastS-Fachmann der„Berliner Nciiesten Nachrichten" wissen. Hat er das aber vorher nicht gelernt, so konnte er das aus dem von ihm angezogenen Artikel Dvcs GuyotS erfahren. Des weiteren besteht die„Bedrängnis" darin, daß die gegen- wältige Regierung sich im großen ganzen einer iientralcn Haltung bei Streiks' befleißigt, obwohl auch sie bei jedem größeren Streik das übliche Polizei- und Militäranfgebot entfallet. Die„bedrängten" Unternehmer beanspruchen sreilich eine terroristische Ein- Mischung von Polizei. und Militär zu ihren Gunsten. Immerhin aber ist der— nach der Versicherung des Artikelschreibcrs—„allen Ernstes erwogene Plan" der Unternehmer,„ihre Unternehmungen einfach im Stich zu lassen" genau ebenso ernst zu nehmen, wie der von ihm vernommene„Alarmschuß". Zum Schluß wetten wir, daß der Berliner internationale Socialistentötcr den soeben im Kohlenbecken der Loire ausgebrochenen Kohlcngräbcr-Streik direkt als die Folge des socialistischen EinigimgS- kongresseS bezw. der Einsetzung des socialistischen Gcneralkömitees hinstellen wirh. Das thut nämlich des„Journal des Debats" in der Nummer vom 26. Dezember. Wir teilen aber zugleich zur Information des Artikelschreibcrs mit, daß das„Journal des Debats" nicht das Organ deS socialistischen Generalkomitees ist. sondern ein Organ der kapitaliftisch-meliniftischen Scharfmacher und verlogener Denunzianten Frankreichs. Vielleicht nimmt er dann Anstand, etwa von einem wertvollen Eingeständnis des„genossen- freundlichen"„Journal des Debats" zu sprechen. Deutsches Weich. Herr Dr. Karl Peters, der jüngst von einer neuen„Entdeckungsreise" aus Afrika nach London zurückgekehrt ist und demnächst vielleicht seiner alten Heimat einen Jnkognito-Besuch abstatten wird, hat einem Londoner Bericht- crstatter erzählt, er habe südlich von Zambefi das alttestamentliche Gold land Ophir, aus dem Solomo das Gold für seinen Tempelbau bezog, entdeckt und„lokalisiert". Das war nicht neu. in der Londoner Finanzchromk hat Peters uns schon den ganzen Sommer über davon unterhalten, aber in der britischen Gelehrten- weit nichts iveiter erzielt. als ein bedenkliches Kopf- schütteln und ein mitleidiges Lächeln. Herr Dr. Peters hat indes sich daran noch nicht genügen lassen, sondern noch eine besondere Schrift veröffentlicht in dem Verlage von Oldenbourg(München- Leipzig) unter dem Titel„Das goldene Ophir Salomos. Eine Studie zur Geschichte der phönikischen Weltpolitik", lieber diese Studie urteilt einer der berufenste» Sachverständigen, der ehemalige Docent am hiesigen orientalischen Seminar, jetzige Direktor der khedivaleu Bibliothek in Kairo. Prof. B. Moritz, in den Mit- teilimgen der Gesellschaft für Erdkunde folgendermaßen: „Es giebt in der Bibel einige Probleme geographischer und geschichtlicher Natur, die ihre Anziehungskraft auf die Forscher bis in die neueste Zeit hin bewahrt haben, so die Frage nach der Lage des Paradieses, nach Ort und Zeit dcr Süiidfliit. des Untergangs vonPharao im Roten Meere, nach der Lage des Golölaiidcs Ophir usw. Die Lösung dieser viel bearbeiteten Probleme konnte in älterer Zeit deshalb nicht gelingen, weil man bor allein keine Kenntnis von dem geographischen Wissen der alten Orieutalen hatte. Mit dem Alis- kommen' der Acgyptologie und Assyriologie ist das nun anders ge? worden, iiud es ist begreiflich, daß gerade Vertreter dieser Wissen- chaften sich mit jenen Problemen in neuester Zeit beschäftigen. Haben sie des Rätsels Lösung zwar auch nicht ergründet, so ind doch uebeiibei eine Menge wertvoller Resultate über die Vorstellungen und Kemitnissc der alten Orientalen von der Erde bei diesen Arbeiten hcransgekonimen. Das vorliegende Schriftchcn hat mit, solchen Arbeiten nichts zu t h u n, schon darum nicht, weil dem Verfasser die für direkt zu Untersuchungen unerläßliche Kcimtnis'des wissenschaftliche» Materials abgeht. Charakteristisch ist, daß. obwohl er das Schrift- eu„eine Studie zur Geschichte der phönikischen Wcltpolitik" nennt, er kein einziges Werk über die Phönizier kennt. Was er über den Gegenstand jagt, stammt hauptsächlich aus Ritter(XIV. Band), der noch dazu mehrfach falsch ausgeschrieben ist. Was Ritter nicht weiß. d. h. zu seiner Zeit noch nicht wissen konnte, weiß auch Herr Peters nicht. Z. B. wenn er Seite 17 sagt, in Arabien habe es kein Geld gegeben, so ist dies eine äuS der Luft gegriffene Behauptung, die flugs zu einer„geologisch allscilig festgestellten Thatsache der Goldarmut Arabiens" erweitert wird. Es war freilich erst nach Ritter, als die alten Goldmineu von Midia» durch Kapitän Burton wieder entdeckt wurden.... Im großen und ganzen hat der Verfasser leeres Stroh gedroschen. Alle Fragen deS Ophir-Problems samt ihren mannichfacheu Lösungen sind längst von Berufenen aufgeworfen und beantwortet worden. Das einzig Neue in dem Schriftchcn ist die mit dem üblichen Pathos vorgetragene Behauptung, daß es dem Verfasser gelungen sei, die seit Jahrtaiisenden streitige Frage nach der Bedeutung des Namens„Afrika" zu lösen. Diese Bchäuptung ist nichts weiter, als ein Einfall, und zwar ein wenig glücklicher Einfall(was Professor B. Moritz ein- gehend darlegt). Auf die sonstigen Mängel de? SchriftchenS einzugehen, lohnt picht der Mühe. ES wimmelt von falschen Citaten, die paar hebräischen Wörter sind zur Hälfte falsch geschrieben, ernst wird das Schriftchcn wohl von niemand genommen werden..." Das genügt wohl! Wenn man nach dieser schriftstellerischen Leistung auch die Behauptung des Herrn Dr. Peters bewerten müßte, er habe ein Goldfeld entdeckt, welches künftig unter den Golddistrikten Afrikas die erste Stelle einnehmen werde, so wäre an seinen finanziellen Hintermaimexn die Reihe, betrübte Gesichter zu machen. Dagegen hat man den Eindruck, daß Dr. Peters in seiner Schilderung der Reise' von Maeombe nach Jnjanga(September 18Sg) wiederum den Boden der Wirklichkeit betritt. Er schreibt nämlich: .. i„Daß ich im stände gewesen sei, eine elende Träger- bände ans Tete(am Zambesi) durch das Gebiet des gefürchtctcn Maeombe und den ebenso gcfürchteten Löwcndistrikt im Süden davon hiiidurchzubringcn, darauf thuc ich mir ein, wenig zu gute. Ilnisomehr, als ich mir vorgenommen hatte, mit Prügelstrafen auf dieser Expedition nach Möglichkeit zu dispensicren, nicht etwa meinen lieben deutschen Anklägern, Richtern und Kritikern zu Liebe! O nein! Sondern weil ich betreffs meiner Träger unter Kontrakt imt Signor Martini m Tete stand und das Strasrccht in meinem'Köntrakt nicht ausdrücklich zugestanden erhalten hatte. bei Desertion von Leuten demnach vielleicht meine Ent- schädigmigsailsprüche verloren hätte.wcnnichdasselbeangewandt hätte. Nun ist es klar, daß die Organisation einer Expedition unendlich schwierig ist. wenn man nicht nachdrücklich strafen kann. An die Stelle der Strafe muß dann die Drohung treten; aber da die Seele des Schwarzen in der anschaulichen Gegenwart lebt, per? lieren solche Androhungen in die Ferne(„Signör Martini in Tete lvird Euch ins Gefängnis sperren und Euch Eure Hütten weg- nehmen ec.") sehr bald ihre Wirkung. Ein kräftiger Fußtritt zur rechten Zeit macht einen ganz andern Eindruck, als die An- , lüiidigung aller Qnaleu der Inquisition und des höllischen FeiicrS in der Zukunft..." Das ist wieder der wirtliche Häuge-Karl in seiner ganzen Helden- größe. Seine Fußtritte sind ebenso echt, wie seine wissenschaftliche. kolonisatorische und goldgräberische Thäiiglcit unecht ist. Wenn er von Prügeln spricht, redet er immer die Wahrheit, wenn er andere Verdienste in Anspruch nimmt, ist er der unverbesserlich flunkernde Nenommist. Mau sieht, Karl Peters hat sich seine sämtlichen afrikanischen Tugenden treu bewahrt, und er darf es beanspruchen, daß man ihn Über seinem neuen Nacheifercr, dem Prinzen von Arenberg. nicht vergißt, wcim auch andererseits die katholischen Blätter, die so wild auf den Karl Peters loSschugeu, über dem protestantischen Akrikanc: nicht den katholischen„Besticiibändiger" vcrgesien sollten. Phcrisacr. Tic.Arxsz-Z�ituiia'', die nniürlich die Pnrki de? flr.vlcn Mauiics in Sachsen iiimun, niqt zur Dummheit auch noch den PharisäismuS: Indem sie die Maßregelung der StaatSbahn- arbcilcr in Dresden rückhaltlos billigt und ihre„entschiedene An- erkeinning" dafür ausspricht, weint sie gleichzeitig eine Krokodilsthrnne um die Not der Entlassenen. „Denn hier", so schreibt sie.„wenn irgendwo, gilt daZ Wort des Dichters: Ihr laßt den Armen schuldig werden, dann überlaßt Ihr ihn der Pein. Für den brotlos Gewordenen ssoll heißen Gemachte»» geschieht nichts, aber man jagt ihn als Märtyrer durch die Blätter, dann ist der Unglückliche vergessen und man fängt an, sich nach einem neuen interessanten Fall umzusehen." Schuldig? wer ist schuldig? Nach den bestehenden Gesetzen haben auch die Eiscnbahnarbeitcr das unantastbare Stecht, sich zur Erlangung günstigerer Lohn- und Arbeitsbedingungen zu vereinige» und zu verabreden. Dieses gesetzliche Recht, das allein die rucksichts- los brotlos Gemachten ausüben ivollten, mißachtet die sächsische Staatsbahnverwaltung, indem sie die Leute zur Feier des christlichen FriedenSfesteS aus die Straße wirft. D a ist die Schuld. Eine noch größere Schuld aber trifft die konservativen Hctzgcsellcn, dic in lvahn- sinniger Herrschsucht jedco selbständige Regung der Arbeiter nieder- treten möchten und die Behörden scharf machen, unter Mißachtung alles gesetzlichen Rechts die Geschäfte jener zu besorgen.— Es giebt nichts Ekelhafteres, wie die Brutalität, die sich in den Mantel des Mitgefühls mit ihren Opfern hiillt.— Der Macher der Wcltpolitik, Herr Victor Schwcinburg. hat nun auch seine Thätigkeit an den Kruppschen„Berliner Reuesten Nachrichten" niederlegen müssen. Verlassen, verlassen— nun Ivird er schließlich seine Papicrchcn aus den Geheimnissen der Zeit venvendeu müssen. Das gäbe eine einträgliche Broschüre.— Miqncl-Thielcit auf der Jparjagd. Das vom Eisenbahn- Ministerium herausgegebene„Eisenbahn-Nachrichten-Blatt" brachte im vorigen Monat folgende Verfügung: Nr. 727. Betr. Mittel zu Iliitcrstiitzniigcn au ausgeschiedene Beamte usw. Berlin, den 17. November 1?vy. Die Königlichen Eiscnbahn-Direktioncn werden veranlaßt, der Geheimen Personalexpedition der Eisenbahn- Abteilungen des Ministeriums bis zum 15. Dezember d. I. mitzuteilen, o b und in welcher Höhe von den unter Titel 3 c und d des dortigen Etats für das laufende Rechmingsjahr zur Verfügung stehenden Mitteln ctiva Ersparnisse gemacht werden können. An die Königlichen Eiscnbahn-Dircktionen. IV. B. 11 276. Silin sollen also noch Ersparnisse an den gesetzlich bewilligten llnicrstützungsgeldern für die armen Pensionäre und Witwen heraus- gepreßt werden. � Es ist nicht zu begreifen, daß die Herren Miguel und Thielen bei diesem Sparsamkcits-FanatiSmns nicht da zuerst sparen, wo es am leichtesten möglich ist. Sie könnte» beide ganz gut auf ihr Mmistergehalt verzichten, das sie als Millionäre keines- weg» nötig haben.— Prinz Arcuberg. Eine Korrespondenz berichtet über den vom Prinzen Urenberg zu Tode gepeinigten Cain: »Der Ermordete stand bereits seit vielen Jahren im Dienste der deutsch- südwestafrikanische» Schutztruppe und bezog von der Truppe ein Gehalt von 56 M. monatlich, ein freies Dienstpfcrd und freie Bewaffnung. Daneben loar er Untcrhänptling des Stammes der Osthereros und stand bei Schwarzen und Weiße» in hohem Ansehen. Sein Vater stammte ans England und hatte sich nach seiner Einwandernng eine Schwarze sHäuptlingS- tochter) zur Frau genommen. Daher datiert anch sein Verhältnis- mäßiger Reichtum, denn er besaß au 35 600 Stück Vieh und eine große Anzahl Pferde, über 266 Stück. Sein Dienst bei der Schutztruppe führte ihn in alle Himmclsrickiwngcn, denn er lvar Spion nnd versah den Spionagedienst mit so viel Umsicht, List und Verwegenheit, daß sein Verlust der Schutz- truppe unersetzlich ist. Da Com keine Gefahren scheute, so kibertmeS man ihm stets die schwierigsten Missionen. Auch der Gouverneur schätzte sein Talent und seine Verdicnstc. nnd ließ ihm manche Ehrung zu teil werden. Als Prinz Arenbcrg nach Südivestasrika kam und die Station übernahm, wurde er auf den schwarzen Diener(der Truppe!» aufmerksam gemacht und gewann ihn mit der Zeit so lieb, daß er stets um ihn sein mußte und sogar zum Erstaunen der ganzen Station zur Tafel des Prinzen heran- gezogen wurde. Die Eiitzweiuug der beiden Freunde erfolgte, weil der Prinz als Schütze,� Reiter nnd sonstiger Sportsman die Uebcrlegenheit Eains in all' diesen Fächern nicht gut vertragen tonnte. Die oben angeführten Eigenschaften: Eifersucht, Neid, Eitelkeit und Egoismus sind anscheinend die Triebfeder zu der Tbat gewesen, denn der Ennordete zeigte bei den Wetten stets sein bestes Können und schlug den Prinzen fast jedesmal. Das ärgerte den Prinzen; das Wohlwolle» verwandelte sich in Haß und das Verhältnis fand schließlich ein so trauriges Ende..." Diese naive Motivierung, die übrigens dem von uns vcröffent- lichten Briefe entspricht, verstärkt noch den empörenden Eindruck der prmzlichcn Bestialitäten. . Der Prinz ist jetzt 25 Jahr, in Belgien geboren, und ist einem Geichlecht entsprossen, das den regierenden Fürstenhäusern ebenbürtig ist. DaS edle Blut I Ein Special-ChristuS. Die billigere Ausgabe der agrarischen »Deutsch. Tagesztg." fübrt in dem Wcihnachtsartikel ans, daß Christus aus dem— Mittelstand stamme: „Sein Vater war ein freier Handwerlcr nnd offenbar tüchtig in seinem Berufe, lleberfluß an Geld hatte er allerdings nicht; damit haperte es beim Mittelstande damals Ivie heute.. Christus ist für alle Menschen gekommen, aber zurrst gehört er uns, dem deutschen Mittelstände, der mit der bitteren Not des Lebens ringe» muß, wie seine Eltern." Fehlt nur noch. daß Christus eigentlich das Programm des Bundes der Landwirte vertreten habe, und die Diedcrich Hahn. Wangenhcim und Oertel seine berufenen Nachfolger seien. Die „Germania" ist mit dem„Berliner Tageblatt" einig darin, daß das aufdringlich christliche Blatt mit dem Namen Christi schmählichen Mißbrauch treibe. Die Entrüstung ist nicht am Platze. Der Vergleich des BlatteS ist von unsäglicher Albernheit, aber unchristlich ist er nicht. und jedenfalls keine schlimmere Blasphemie, als jene Aentzerung eines— C e n t r u m s abgeordneten. der den Ilnteroffizier einen Stellvertreter Gottes nannte. Die„Germania" sollte lieber ihre Entrüstung den, Prinzen Arenberg zntvenden.— Eine Bestellung der Boeren in Berlin. Daß es die Boercn verstanden habe», sich bei Zeiten für alle Eventimlitäten zu sichern und sich das nötige Kriegsmaterial zu verschaffen, ist ja bekannt. Diese ihre Tastik wird z. B. auch dadurch illustriert, daß in B e r l i n schon im Juni dieses Jahres Bestellungen auf Gewehre nnd Munition eingegangen sind. Die Deutsche Waffen- und Munitionsfabril in Berlin. Dorothecnstraße. bekam schon Anfang Juni 1899 von der Regierung der Südafrikanischen Republik einen Auftrag über 3666 M a u s e r g e w e h r e und drei Millionen Patronen zum Preffe von 666 666 Mark für die letzteren und 66666 Mark für die Gcivchre. Der Auftrag wurde effcktuiert und Ende September ging die Sendung mit dem Dampfer„Koffer"»ach Südafrika ob. Inzwischen brach jedoch der Krieg aus und da iNan eine Beschlagnähme vermeiden wollte, so zog man die Sendung nach Berlin zurück. Ivo die Gewehre gegenwärtig auf dein Packhof in Moabit liegen. Die Berliner Firma dürfte bei der Sache also kein glänzendes Geschäft gemacht haben.— Weimar, 29. Dezember. Mit dem 1. Januar ivird die neu- gcbiidclc HaudclSkanuncr für das Großhcrzogtmn Sachscn-Weimar, mit dem Sitze in Weimar, ihre Thätigkeit beginnen.— Chrouik der Majcstätöbeleidiguugs. Prozesse. Wegen Majcftätsbcleidigung verhaftet wurde der Arbeiter Paul K u h n l c in Königsberg, der ein alter Verbrecher ist und erst vor lurzei» wegen zahlreicher schwerer Einbruchsdiebstähle eine fünfjährige Zuchlhansstrafe verbüßt hat. Die Revision, die Herr Edmund Klapper» der Hcransgebcr der„Agrar- Korrespondenz", wegen seiner Vernrteilniig in einem Majcstätsbelcidigungs- Prozeß eingelegt hat, ist vom Reichsgericht verworfen worden.—_ Gegen den BolkSkrieg sprach sich bekanntlich die Haager „Friedenskonferenz" ans. Den einzigen Krieg, der den Weltfrieden sichern kann, den Krieg, welchen ein Volk mit allen Mitteln zur Vcr- teidigung seiner Unabhängigkeit und Freiheit führt, that die „Friedenskonferenz" in Acht und Bann. Der Schweizer Delegierte proteftiertc, wie wir seiner Zeit meldeten, gegen diesen Beschluß und reiste ab, nachdem er ein geharnischtes Schreiben an die Konferenz gerichtet hatte. Vor kurzem nun wurden die Beschlüsse der Konferenz von den verschiedenen Sicgicrniigcii formell ailgenoimnen. Wie wir heute er- fahren, ist der Schweizer Gesandte in Berlin, Dr. Roth, von dem Bundesrat in Bern beauftragt worden, bei der bevorstehenden Unterzeichnung der Haagcr Konvention die Erklärung abzugeben: Die Schweiz könne der Konvention betreffend die Siegelung des Land- kncges nicht beitreten, da die in der Konvention enthaltene Ein- schränkung des Volkskrieges m i t d e n s ch iv e i z e r i- s ch c n Auffassungen und Traditionen i m Wider- s p r u ch st e h c.—_ Socialdcniokratie nnd Flotteuliorlagc. Von der Redaktion der„Socialistischc» Monatshefte" geht unS folgende Erklärung mit der Bitte um Veröffentlichung zu: „In Bezug auf die„Socialistischen Monatshefte" hat der „Vorwärts" gestern in einer Notiz, überschrieben:„Soeialdcmokratie und Flottenvorlage" folgende Wendung gebraucht:...... die „Socialistischcn Monatshefte" lassen auch Slicht-Socialdcmokratcn, ja auch Gegner imscrcr Partei zu Worte kommen". Diese Annahine beruht aus einem Irrt» in. Die„Socialistischcn Monatshefte" sind ein freies DiskussionSorgan für alle Aiischaunngen ans dem geineinsaincn Boden des So cialismu s. Die Siedaktion kann sich allerdings nicht mit dein Inhalt aller Anschauungen einverstanden erklären, denen sie Siaum geivährt; aber sie gewährt nur soeialistischen Anschauungen Raum. Der Begriff„sozialistisch" ist nun freilich nirgends so genau definiert, daß nichr zuweilen anch eine Ansicht, die sich selbst als„socialistisch" giebt. von manchen Gc- nosscn als„nnsocialistisch" empfunden werden könnte. Die Redaklioii der.Socialistischcn Monatshefte" hat daher, um nicht den Vorivnrf auf sich zu laden, daß sie gewisse Meinungen nicht zu Wort kommen lasse, die Grenzen nicht allzu eng gezogen. Streng ans- g e s ch l o s s e n hat sie aber natürlich die Anschauungen von Leuten, die direkt anderen Parteien angehören, als der socialdcmokratischcn, z. B. von National-Socialcn oder dcrgl. Sluch der Autor des Artikels, gegen den jene„Vor>värt§"-Skotiz sachlich polemisiert, gehört keineswegs der national-socialc» Richtung an. Er bekennt sich vielmehr selbst als Socialdcmokrat, und die Redaktion der„S. M.", die ihn seit mehreren Jahren als Parteigenossen kennt, hat keine Veranläiiung an seiner bona ödes zu zweifeln. Der Standpunkt, den er in dem betreffenden Artikel„Zur Theorie der Flottenfrage" einninmit, ist in seinen praktischen Konsequenzen durchaus entgegengesetzt dem der Slasional- Socialen. Während diese gerade für die gegen- ivärtigc Flottcnpolitik eintreten, behandelt der Autor jcncö Ltrtikels nur rein theoretisch die Bedeutung einer Flotte an sich nnd für eine fernere Zukunft, ist aber selbst der Ansicht, daß man unserem gegenwärtigen Sicgicruiigssystcm eine Flotte nicht bewilligen dürfe, sonder» daß es jetzt„Kampf in allem und jedem" gelte. Im übrigen hatte es der„Vorwärts" durchaus nicht nötig, hervorzuheben, daß der Autor jenes Artikels keine„socialdcmokratische Autorität" repräsentiert. Jedem urteilsfähigen Leser dcS Artikels mußte cS von selbst klar werden, daß der Autor mit der spccicllcn Motivieriing der theoretischen Stotwendigkcit einer Flotte innerhalb der Partei ziemlich vereinzelt dastehe. Das hat er selbst ongedentet und auch ausdrücklich betont, daß gegenüber unserer Flottcnpolitik „der ablehnende Standpunkt in der Partei ein allgemeiner" sei. Wenn die Redaktion der„Social. Monatsh." die von ihm vertretene theoretische Anschauung hat zu Worte kommen lassen, so geschah es aus den oben angeführten Gründen. Sie hofft, daß nunmehr der Irrtum, der himichtlich der allgemeinen Haltung der „Socialistischen Monatshefte" durch jene Notiz leicht hätte entstehen können, endgültig beseitigt ist." So lvcit die Znschrist, zu der tvir nur kurz bemerken wollen, daß die Ausführnngen Rothcrs, mag er sich immer einen Social- dcmokraten nennen, nichts, gar mchis Socialdcinolratischcs an sich haben, sondern nur inkonscquentxr StationalsocialiSmuS sind. Wenn wir betonten, daß die„Socialistischcn Monatshefte" anch Gegner zum Worte komnic» lassen, so lag darin nicht der mindeste Vorwurf; auch die„Neue Zeit" zählt Ssicht-Socialdcinokratcn zu ihren Mit- arbcitern. Wo sich der Nicht-Socialdemokrat in einen Gegner der csocialdcmokratie verwandelt, die Grenze ist schwer zu bestimmen. Ans die Anschauungen kommt es an, nicht darauf, wofür sich ein dissidcnter„Socialist" selbst halten mag. Ausland. Frankreich. Paris, 86. Dezember. Der StaatSgerichtshof wird morgen nachmittag eine Sitzung abhalten und beraten, ob es nicht angebracht sei, eine Nachtsitzuiig abzuhalten, um die Sitzung am 1. Januar ausfallen zu lassen. Serbien. Uebcr die Zlmncsticrung der im Attentatsprozeß Verurteilten, die nach den» Empfang des Königs von Servieu in Wien in Aussicht stehen sott, äußert sich der„Pester Lloyd" fol- gcndermaßcn: „Daß mit dieser Maßregel zugleich den Wünschen und Rat- schlägen mächtiger Freunde und Gönner Serbiens Rechnung getragen ivird� verleiht ihr neben dein Charakter hochherziger Milde,' den ihr jedermann zuerkennt, nuäi den wohlerwogener Staatsklugheit. Ob freilich durch diesen Alt die Verftiinmung, welche in Petersburg gegen Serbien herrscht, beschworen werden wird, mag zweifelhaft erscheinen. Es scheint, daß die Ratschläge tnid Wünsche, von denen jüngst die„PetersbnrgSIlja Wjedomofti" sprach, sich anch noch ans eine andere Angelegenheit beziehen; indessen darf man wohl hoffen. daß die Petersburger Siegicrung sich nicht als schlechthin unversöhn- lich erweisen wird."_ Pavft i-Narhrirtzten. Unser Offeubachcr Partei-Organ, das„Offenbachcr Abend- blatt", feierte kürzlich das Fest seines Löjährigcn Bestehens.�) Vor Weihnachten im Jahre 1874 erschien die erste Nummer der„Neuen Offenbachcr Tageszeitung", wie das Blatt damals genannt wurde. ES war ein sehr kleines Blatt und dazu anfangs nur ein Kopfblatt. das unter der Redaktion des Genossen Wilhelm Bios gleichzeitig unter veränderten Titeln auch für Frankfurt sowie für Mainz erschien und in Frankfurt gedruckt wurde. Im August 1875 übernahm Genosse Karl Ulrich die Redaktion und gleichzeitig wurde eine Gcnossenschafts- druckcrei in Offenbach gegründet, die den Druck des Blattes besorgte. Vom 1. Oktober 1876 ab führte doS Blatt den Titel„Nene Offen- bacher Zeitung" bis zum 28. Oktober 1878, wo man in Rücksicht auf das Socialistengesetz die Druckerei an jGcnossen Ulrich verpachtete, ') Die betreffende Nummer des Offenbachcr Blattes ist uns leider nicht zu Gesicht gekommen, so daß wir erst heut nach anderen Partei- blättern darüber berichte» können. der da? Blatt dann unter dem Titel„Offenb. Tageblatt" herausgab. Am 36. Juni 1886'ivnrde das Blatt ans Grund des Socialistengesetzcs verboten. Ans die Beschwerde bei der Rcichskommission wurde aber das Verbot wieder aufgehoben. Mehr als 2 Jahre haben die verschiedenen verantwortlichen Sk'cdactcure insgesamt verbüßen müsse»; Geldstrafen in hohen Beträgen hageltcn nur so nieder. Aber die Kämpfe wärest nicht vcrgebcns'nnd der beste Beweis, daß sie es nicht waren, ist die Thatsachc. daß am 23. Dezember der Antmg nnsercr Genossen im Stadtparlamente. die bürgermeisterlichen Bekanntmachungen im „Offenbacher Abendblatt" z» veröffentlichen, einstimmig angenommen wurde. lieber die Wirkung unserer Kalenderagitatiou wird der ist Hannover erscheinenden„Deutschen Volkszeitnng" stvelfisch) aus Slord- Hannover geschrieben: Ein recht reges Slgitationswerk betreiben seit längerer Zeit die Sociatdemokratcn im 18. und 19. hannoverschen RcichstagS-Wahl- kreise; namentlich des Sonntags von morgens früh bis abends spät sind Llgstatoren ans Bremen, aus den Hafciistädtcil der Unterlvescr und aus Hamburg. Harburg und auch ans Stade unterwegs mch verteilen die socialdeinokrattschcn Kalender für i960 nicht nur Haus bei HanS, sondern auch in allen Mietsivohiiungen gratis. Neben dem Kalender werden auch Flugblätter, Zeitungen nnd Broschüren unentgeltlich verteilt. Durch diese Massenverbreitung hoffen die Socialdcniokratcn ihre Partei im 18. nnd 19. Wahl- kreise ans die doppelte Stärke zu bringen. Die unentgeltliche Verteilung der Kalender hat natürlich zur Folge, daß die Buch- Händler bedeutend weniger Kalender verkaufen, als in den Vorjahren. Uns sind Buchhändler bekannt. die sonst 266 bis 306 Kalender absetzten, jetzt aber noch nicht 56 Exemplare verkauft haben. Am meisten Schade» haben die sogenannten HauShalstingskalendcr nnd der„Hannoversche Volkskalender", die sonst in Nord-Hannovcr sehr gute Abnahme fanden, jetzt aber keinen großen Absatz finden, tvcil die Landlcute einen Kalender wenn auch bedeutend minderwertig, geschenkt erhalten. So sehr minderwertig scheint der Kalender doch nicht zu sein, sonst würden die Landleutc schließlich doch einen der wertvollen HauShaltungskalcndcr kaufen. Im übrigen liefert auch diese Rotiz aufs neue den Beweis, daß die Partei mit der erst seit einigen Jahren geübten Kalcndcragitation einen guten Griff gemacht hat, Toteiilistc der Partei. In Stuttgart starb am Freitag nach langem, schwerem Krankenlager der Parteigenosic Wilhelm Taute im Alter von 63 Jahren. Ter Verstorbene hat mit an der Wiege der Partei gestanden. Als Sohn cmner Eltern in Taucha bei Leipzig am 36. Dezember 1836 geboren, lernte er die Buchbinderei und schloß sich nach seiner Stückkchr von der Wanderschaft dem SlrbciterbildnngSverein in Leipzig an. Dort kam er anch in die Lage, an allen den Beschlüssen mitziuvirken, die im Jahre 1863 dazu sührtcn, eine Deputation zu Lasialle zu schicken, � um seine Meinung über die Arbeiterbewegung zu hören, wclcvc Ansicht dann Laffalle in seinem„Offenen Antwortschreiben" niederlegte. Taute wurde dann, als Lasialle nach Leipzig kam. mit diesem persönlich befreundet und zählte wohl zu dessen glühendsten Verehrern. in Deutschland, ein Umstand, der ihn in späterer Zeit auch in vielfache Berührung mit der Gräfin Hatzfeld brachte. Er war eingefleischter Lassalleaner. Als solcher trat er in einer großen Versammlung nnsenn Genossen Bebel gegenüber, der sich damals noch ans fortschrittlicher Seite befand. Kurz, Tante war ei» regsamer, im Vordergrund stehender Genosse, der in dieser wichtigen Periode den ArbcitcrtypuS den vielen führenden Genossen anS den gebildete» Kreisen gegenüber vertrat. Er stand von Anfang an mit an der Spitze der Leipziger Parteiorganisation und hat auch ausgehaltcn. als die schweren Zeiten des Socialistcngcsetzcs hereinbrachen. 1882 wurde er auS Leipzig ausgewiesen, worauf er sich nach Würzen wandte._ Da dort seines Bleibens nicht sein konnte, zog er noch im gleichen Jahre nach Stuttgart. Den Hanpttcil seiner Kraft widmete er in späteren Jahren seiner gewerkschaftlichen Organisation. dem Buchbinder- verband, dessen Organ zahlreiche ivcrtvolle Arbeiten von ihn» vcr- öffentllchte nnd desjen Centralvorständ er mehrere Jahre angehörte. Tautcs Leben war Müh' und schwere Arbeit, so daß früher als sonst der körperliche Verfall begann. 1897 mußte er vom Geschäft zilrücktrctcii und bald darauf trat eine Äehirnkrankhcit ein, die ihn feiner geistigen Kräfte beraubte, so daß er für die Außenwelt ver- lorcn war.,... Tante war ein einfacher Jünger, der die schwierige Kleinarbeit mit versah, ohne tvelche die großen Erfolge unserer Partei nicht möglich gewesen wären. Er gehörte zu den vielen Tausenden, die ruhig, ohne äußeren Dank zu einten, für unsere Sache gestritten und gelitten haben, denen Dank und ein gutes Andenken zu betvahren die höd)ste Pflicht der überlebenden Gesimiungsgenossen ist. Einen bösen Reinfall erlebte, i die guten Bürger mit der Stadtverordiictenwahl in Stsraußbcrg(Oberbariiim). Am 26. November war die erste Wahl. Infolge von Zersplitterung fiel uns damals ein Mandat von vier zu besetzenden zu. Unser Genosse Pöckclmann wurde mit 87 Stimmeii gewählt, während die Gegner 151 erhielte». Dieser erste Socialdemokrat im Stadtparlament altcrierte die guten Bürger so, daß sie ganz blind wurde». Sie bc- nutzten die von ihnen selbst geübten Wahlbecinslnsiungen dazu, die Kassierung der Wahl in der dritten Abteilung durchzusetzen, nnd am 28. Dezember wurde aufs neue gewählt. Das Ergebnis war, daß diesmal drei Socialdemokraten gewählt wurden und nur noch ei» guter Bürger, und der»och dazu mit socialdeinokratlsche» Stimmen. Unsere Vertreter erhielten 185, 187 und 190 Stimmen. Ter vierte blieb nur mit 9 Stimmen hinter dem gewählten Gegner zurück. Dieser ist»ur dadurch Stadtverordneter geworden, daß ihm ein Teil unserer Wähler ihre Stimmen nicht verweigern zu können glaubten, weil sie bei ihm bcschästigt sind.-- Diese Wahl wird den Herren ivohl lange im SNagen liegen. Die östreichische Partciprcffe ist durch die Aufhebung dcS Zcitnngsstciiipcls von ciiiem Alp befreit worden, der ihrer Eni- wicklmig bisher sehr hinderlich war. Die„Wiener Arbeiterzeitung" teilt bereits mit. daß sie insolgedcffen vom 1. Januar nicht mir daS Blatt ivesentlich ausgestalten, sonder» auch den NbonneinentSpreiS herabsetzen wird. Wir wünschen ihr zu den Neuerungen besten Erfolg.____ 5. MMtag dtg LerbaM der vertimgten ZMtlker lilld verwandter Bernsspop Deutschlands. M a g d e b n rg. den 29. Dezember 1899. (Bornlittags-Sitzting.) Die Debatte über die Erhöhung der Beiträge nahm noch den ganzen heutigen Vormittag in Anspruch. Im allgemeinen ivurdcn dieselben Ansichten, wie gestern, vertreten. Hervorzuheben sind nur die Slussührungen des Genossen Lcgicn, der an der Hand der von der Generalkommission ansgenommcneii Gcwcrk- schafts- Statistil nachweist, daß der Dachdecker- Verband in Bezug ans die Höhe der Beiträge.und ans die?lrt der Centralleitmig ivcit hinter de» meisten anderen Ver- bänden zurücksteht. Der Dachdecker-Vcrband müsse unbedingt sich eine materielle Grundlage schaffen. Dies könne nur in der Weile geschehen, daß Geldmittel in der Hand der Centrale angesammelt werden. Hierzu sei die Abfiihnilig eines festen Satzes der Ein- nahmen an die Centralkaiie notwendig. In einer erolte» Geschäfts- fiihrnng sei die Anstellimg eines besoldeten Beamten unerläßlich. Hierzu' reichen schon die jetzigen Beiträge. Eine Erhöhung derselbe» sei jedoch wünschenswert, damit für die Lohiikäinpfe gröxere Mittel zur Verfügung stehen. Die Äbstimmuiig ist eine namentliche. Beschlossen wird, daß der bisherige Beitrag von 26 Pf. sechs Wochen länger, also 42 Wache» lang entrichtet ivcrdcn soll. Von diesen Eiimahincii bleiben 40 Proz. der Filiale, 66 Pro,;, werde» a» die Centrale abgeführt. Die Streikunterstiitzniig wird für 9 Zahlmonate auf 26 Pf. pro Monat erhöht. Der Agitationsbeitrag von 10 Pf. pro Vierteljahr bleibt bestehen. Die An ftellung eines besoldeten Beamten wird ebenfalls eingehend besprochen. Einige Redner schencir die große Ans- gäbe und wünschen, daß mit der Anstellung noch einige Jahre gc- wartet werde. Die große Mehrheit der Delegierte» stimmt ied'och für die Anstellung. (NachmittagS-Sitzung.) Die mit der Nachprüfung der Bücher' betraute Konnnission er- stattec Bericht: alles sei in bester Ordnung, der Cent ralleitnng sei dahcrDecharge zu erteilen. Letzteres wird einstimmig angenommen. Dann werden die näheren Bestimmuiigen für die Anstellung deS besoldeten Beamten beraten. Das Gehalt wird ans 1900 M. pro Jahr festgesetzt. Außerdem erhält der Beamte, wenn er außerhalb ist, 2, öl) M. Diäten pro Tag; muß er auch außerhalb Übernachten, so betragen die Diäten S M. pro Tag. Die Agitations- kommission wird aufgehoben und die ihr seiner Zeit zugeivicscncn Aufgaben dem besoldeten Beamten auferlegt. Zn dem nächsten Punkt der Tagesordnung„Bauarbeiter- schütz" liegen folgende Resolutionen vor: I. Der VerbandStag protestiert gegen den unerhörten Zustand, baß das Leben und die Gesundhcil der Bauarbeiter noch immer durch ungenügende Schutzvorrichtungen gefährdet wird. Er verurteilt die ablehnende Haltung der Regierung und der bürgerlichen Ab- geordneten zu den Forderungen der Bauarbeiter um bessere Schutz- cinrichtuugcn, wie sie auf dem Bauarbciterschntz-Kongreß zu Berlin formuliert worden sind. Er schließt sicb diesen Forderungen und der auf dem Bauarbciterschutz» Kongreß gegebenen Begründung vollständig an. Als erste Maßnahme, als die unerläßliche Voraus setzung für den ersten Schritt zu besseren Schutzvorrichtungen de trachtet der Verbandstag die reichsgcsctzliche Durchführung einer schärferen Kontrolle der Bauten unter Mstw! rknng anch solcher Beamten, die von den Arbeitern aus der Reihe der Bauarbeiter selbst geivählt werden. II, Der Verbandstag bedauert, daß in den Reihen unserer orga- itisierten Kollegen ein so minimales Interesse den Banarbeiicr- schutz-Kommissioncn entgegengebracht wird. Er macht es jedcnr Kollegen zur Pflicht, der an dem betreffenden Orte befindlichen Schutzkommission sich anzuschließen, oder die Gründung einer solchen selbst in die Hand zu nehmen und dort aufs eifrigste mit- zuarbeiten. In der Debatte wird ein arges Bild entrollt von den schweren Mißständen, die bezüglich des Bauarbeiterschutzcs in de» verschiedeiren Orten bestehen. Auch über das oft ungenügende Entgegenkommen derjenigen Behörden wurde geklagt, die verpflichtet wären, für bessere Schutzeinrichtungen zu sorgen. So hätten die städtischen Vcr- waltungen, die Polizei und die Bcrufsgenosfenschaft in vielen Fällen vollständig versagt. Hierauf werben beide Resolutionen einstimmig angenomnien. Ueber„unsere Stellungnahme z u den ch r i st- »ichen Arbeitervereinen" referiert L e g i e n. Er kouunt in seinen Ausführungen zu dein Schluß, daß wir uns bei jeder ge- werkschaftlichen Aktion bemühen sollten, mit den katholischen Arbeiter- vereinen Hand in Hand zu gehen.„Dadurch erreichen wir ein Doppeltes: einmal ein geschlossenes Vorgehen aller Kollegen und dann geben wir den betreffenden Arbeitern die beste Gelegenheit, sich davon zu überzeugen, wo ihre Interessen am besten vertreten Werden." Mus hvx Fvaueubru?eguull. Arbeiterinnen Berlins wahret Eure Rechte k Die Bestimmungen der Gewcrbc-Ordmmg, die zum Schutze der Arbeiterinnen und jugendlichen Arbeiter erlassen sind, werden viel- fach seitens der Unternehmer nicht beachtet und die Rechte der Arbeiterinnen gekürzt. Das Gesetz bestimmt: Die Arbeitszeit dauert für Arbciterimien über 16 Jahre II Stunden täglich, mit einstündiger Mittagspause; an Vorabenden von Sonn- und Festtagen nur 10 Stunden und mutz die Arbeits- statte bis spätestens 5V3 Uhr verlassen sein. Jugendliche Arbeiter von 11—16 Jahre dürfen nur täglich 10 Stunden mit einstündiger Mittagspause, sowie je �/ostündiger Frühstücks- und Vesperpause beschäftigt lverdcn. Kündigungen«nd Entlassungen. Gründe für sofortiges Vcr lasten der Arbeir sind z. B.: Unsittliche Augriffe der Unternehmer oder ihrer Vertreter, sowie Thätlichkeiten, grobe Beleidigungen, un- regelmäßige Lohnzahlung, bei Accordarbei't nicht ausreichende Bc schäftigung usw. Die Kündigungsftist ist eine lltägige; sie kann durch gegen seitige Vereinbarung ausgeschlossen werdep. Wenn Kündigmigs fristen bestehen, müssen sie für beide Teile gleich sei». Ausstellung von Zeugnissen. Die Arbeiterin hat das Recht, ein Zeugnis über Art und Dauer ihrer Beschäftigung zu verlangen; besondere Merkmale, welche die Schädigung der Arbeiterin zur Folge haben können, sind ungesetzlich und zurückzuweisen. Strafgelder. Bestimmungen über Lohnabzüge in Form von Strafgeldern müssen in der Fabrikordnung, die sichtbar aushängen mutz, bekannt gegeben sein. Die Verhängung jeder Strafe muß der Arbeiterin ohne Verzug mitgeteilt werden. Hygienische und Schutziuaßregclu. Arbeitsräume, Betriebs- Vorrichtungen, Maschinen und Gerätschaften sind so einzurichten und zu unterhalten, daß die Arbeiterinnen gegen Gefahren für Leben und Gesundheit geschützt sind. Es ist für genügend Licht, reine gute Luft. Beseitigung von Staub und Abfällen zu sorgen: ebenso sind Schutzvorrichtungen an Maschinen anzubringen. In Anlagen, deren Betrieb eS mit sich bringt, daß die Arbeiterinnen sich umkleiden und nach der Arbeit reinigen, müssen ansreichendc, für beide Geschlechter getrennte Ankleide- und Waschräume vorhanden sein. Bedürfnis- anstaltcn müssen in genügender Zahl vorhanden und so eingerichtet sein, daß Sitte und Anstand nicht verletzt iverden. Arbeiterinnen, achtet darauf, daß diese zu Eurem Schutze er- lasseneu gesetzlichen Bestimmungen durchgeführt und innegehalten werden. Um eS den Arbeiterinnen zu ermöglichen, ohne Nachteile für ihre Existenz auf Beseitigung der Mißstände in den Arbeitsstätten hinzu- wirken, sind uochstcheude Personen bereit, wahrheitsgetreue Beschwerden entgegenzunehmen und für schleunigste Abhilfe Sorge zu tragen. DieNanren der Beschwerdeführer werden streng geheim gehalten! Frl. Baader, Stransbergerstr. 28, v. IV. Frau B a u s ch k e, Rostockerstr. 17, Scitenfl. II. Frl. H a a s e, Alexanderstr. 16, v. IV. Frau I u n g, Gräfestr. 6, 2. Hof I. Frau Lutz, Wilhclmstr. 28. Frau M e s'ch, Lychenerstr. 3, linker Anfg. IV. Frau Tietz, BInmenstr. 63, I rechts. Frau Schneider, Höchstestr. 29 I. Frau Sprung. Marianuen-Ufer 7, Hof III rechts. Jeden Mitt- lvochabcnd 7—9 Uhr. Gustav Busse, Gewerkschaftsbureau, Annenstr. 16 I. Alle Wochentage von ö— 1 und 6—8 Uhr. GeivevkMzAftliches. Berlin und Umgegend. Achtung, Gewerkschaften. Alle für daS Bureau der Berliner Gewerkschaflskommiffion bestimmten Sendungen(Briefe, Geld und Drucksachen) sind von nun an nicht mehr an 3t. Millarg, sondern a n ri uferen Obmann Gustav Busse, Bureau der Berliner Getverkschaftskommission. Annenstr. 16, I, zu senden. Der Ausschuß der Berliner Gewerkschafts« Kommission. Sämtliche Bärkcreiarbciter der Bobelschen Brotfabrik haben bis auf zwei Mann, nachdem ihre Kündigungsfrist abgelaufen, uunmehr die Arbeit eingestellt. Die Sperre bleibt über die Fabrik verhängt. Einige Filialen der Fabrik haben ihre Brotentnahme eingestellt. Die L o h n k o m m i f f i o n. Achtung, Ttuccatenre 1 Wie bekannt, ist die Firma Schulz, Charlottenburg, vonseiten der Rabitzputzer gesperrt. Die Firma hat nun versucht, die Stellen der' ausständigen Putzer durch S t» c c a t c n r e zu ersetzen. Da dieselben sich weigerten, der Finna Streikbrecherdienste zu leisten, so wurden dieselben entlasten. Grund dessen ist die Firma Schulz für Stuccatcurc auf Rabitzputz gesperrt. Die Kollegen werden ersucht, dies zn beachten. Der V e r t r a n e ii s m a n ii. Folgende Beiträge gingen bei der Berlin er GewerkschastS- K o in Mission ein: Für die F o ri» b e ch e r: Setzer- und Druckei-versonal durch A. Glur 19,—. R. S. 2,—. GiciSarbeiter Stralaus Ü0,—. Mitglieder der Berliner GcnosleilschaftSbäckcrci 59,— Vergoldet Berlins durch Steidl 09,—. Werkabteilung Bading 6,—. lÄaslwirwgetzilscn Berlins durch ZeiSle 39,—. Braucrei-Hilssarbeiier Berlins 3,—. Tabakarbciter durch S. Rosen- tyal 29,-. Für die Dänen: Liste 591, RautenhauS 11,29. Liste 41, Fechner Il.Zä. Liste 2S4 durch Starke 12,30. Für die Lederarbeiter in W i l st e r: Organisierte Lackierer 19,—. GastwiriSgehilsc» Berlins 29,—. Weitere Beiträge für die AnSzeiperrten nimmt entgegen das Bureau der Berliner Gewerksthasts-Kouiniissioii, Annenstr. 19, I. Der Ausschuh. TentschcS Reich. Konferenz der GewcrbrgcrichtS-Bcisitzcr. Auf mcl?rsack!en Wunsch Hai die Koliimissioii, die mit den Vorarbeiten bctraur ist. beschlossen, die am Sonntag, den 21., und Montag, den 22. Januar 1900 in Leipzig im Saale des Römischen HoseS, Mittelstraße, stattfindende Konferenz der Arbeitnchnicr-Bcisitzcr der Gewerbegerichte des Königreichs und der Provinz Sachsen sowie der thüringischen Staaten auf ganz Deutschland auszudehnen. Hierzu iverden die Arbeitnehiiier-Beifitzer ersucht, Delegierte zu entsenden. Die Tagesordnung ist vorläufig folgende: 1. Das Dienst- Verhältnis im Bürgerlichen Gesetzbuch und der gewerbliche Arbeits- vertrag. Referent: Dr. Jnstrow. 2. Der§70 des GewcrbegeriÄtS- Gesetzes. Referent: Genosse LipinSki. 3. Organisation der Gewerbe- gerichtS-Beisitzer. 4. Rechtsprechung der verschiedenen Gewerbegerichtc. ö. Anträge und Verschiedenes. Anträge find bis zum 10. Januar 1900 an den Unterzeichneten einziisendeii. Alle GelverkschaftSvorftände und Kartelle werden besonders darauf anfmorksain gemacht und ersucht, die Beisitzer pnkuniär zn unterstützen, damit auch die kleineren Orte Delegierte entsenden können. Die Teilnehmer werden ersucht, ihre Adressen behufs Mit» teilungSa sobald als möglich einzusenden an Franz Malisfek, Obinnnii der Arbeitnehmer-Beisitzer Leipzigs, sttanstädter Stein- weg 12. Socialdcmokratischc Pläne. Unter dieser Spitzmarke jammert da? Kruppsche Kanoiienblatt über die Konferenz der Arbeimebmer- Getverbegerichtsbeisitzer, die am 21. und 22. Januar nächsten JahreS in Leipzig stattfinden wird.„Die jetzt geplante Verfamiiilung der in den Gelvcrbcgerichtcn wirkenden Arbeiter s ch eint den Zweck zu verfolgen, die focialdeinokratifche Bcciufluffung der Gewerbegerichtc einheitlich zu organisieren und so dieses wichtige Glied der staatlichen Ordnung in den Dienst der auf den Umsturz abzielenden Bestrebungen zu stellen. Man hat eS hier also mit einem neuen Fortschritt auf der Bahn derjenigen Bc- strebimgen zn thini, welche darauf gerichtet sind, die Grundlagen unseres Staatswesens von innen heraus zn unterhöhlen, damit sie in dem Moment, wo sie im Interesse der Soeialisiennig der Gesellschaft und dcö Staates zerschlagen werden sollen, dem socialistischen Anstürme keinen Widerstand mehr zn leisten vermögen. ES wird genügen, auf diese neueste social- demokratische Aktion hinzuweisen, um erkennen zn lassen, wie notwendig es ist, daß Staat und Gesellschaft im Interesse ihrer Selbstcrhaltuilg sich zu wirksamerer Ablvchr dieser Bestrebungen als bisher rüsten. Warum„scheint" der Zivcck der Versammlung und hat das würdige Blatt nicht auch die in derselben Notiz enlhaltcne Tages- ordnung gelesen? Jetzt erscheint daS Gcwcrbcgcricht auf einmal als ein„wichtiges" Glied der staatlichen Ordnung. Sonst können die OrdmingSblätter nicht schimpfen genug gegen diese Institution. Sic wolllen von deii Gelverbegerichlen nichts wissen, weil hier der Arbeiter eine billige und meist wohl auch eine wohlwollende Rechtspflege findet. Dieses Institut als ei»'Propagandamittel anzusehen, ist der Social- dcmokratie niemals eingefallen'. Dagegen haben wir kürzlich durch einen Ausspruch eines Unternehmers erfahren, daß diese meinen, die Unteriiehmer-Beisitzer müßten unter allen Umständen im Interesse der Unternehmer wirken. Tic Konferenz der württcuibergischcn Eiscnbahniverk- stättcn-Bmuic, die am 26. Dezember in£ a im st a t t tagte, war von etwa 40 Delegierten, die zusammen 1700 Mitglieder vertraten, besucht. Daß außer einigen LandlagS-Abgeordneten anch ein Ver- treter der Eeneräldirektion der württembergischen Staatseisenbahiicii anwesend war, ist von uns bereits als sehr bemerkenswerter und er- frculicher Umstand erwähnt worden. Dieser nahm auch am Schlnffe der Verhandlungen das Wort. Er müsse anerkeimeii, daß die Verhaiidlnng'cii sachlich geführt tvorden seien. Er Ivürde objektiv darüber berichien, und glaubt versichern zu dürfen, daß inmi den Arbeiteni gern entgegen koniincn werde. Sind dies vorläufig auch nur Versprechungen, so sticht ein solches Vorgehen doch recht wohlthueud ab gegen die Maßregeluiigssilcht der sächsischen Eiscnbahnbehördcii.— Bezüglich der L o h n f r a g e er- klärte sich die Konferenz für Lohnarbeit und nahm eine Resolution an, welche durchgreifende Aenderungen der Lohnvcrhältnisse wünscht. Zur Regelung des Verkehrs mit den Vorgesetzten soll überall auf die Wahl von ArbeitcrauSscbüffcn hingewirkt werden. Im übrigen brachten die Delegierten ungeniert ihre Beschwerden zur Sprache. für deren Abstellung der anwesende Beamte hoffentlich sorge» wird. RnSlnud. Tie ArbeitSeiiistelluiigcn und AuSsperrnnge« in bestreich im Jahre IbiSbl. DaS östreichische arbcitsstatistisckie Amt hat soeben eiuan stattlichen Band, der die Streikstatistik für 1898 enthält, heraus- gegeben. Der Band enthält auch zum erstenmal eine Darstellung der Lohnkämpfe im Bergbau, und zwar sind die Daten der Periode von 1894—97 nachgetragen. Im Jahre 1898 fanden 266 Streiks statt, die 855 Betriebe mit 66 261 Arbeiter» betrafen, Diese Kämpfe endeten für 3316<— 4,60 Proz.) Arbeiter mit vollem Erfolg, für 26 356(--- 62,80 Proz.) mit t e i I w e i s e m Erfolg und für 9987(— 32,60 Proz.) mit gänzlichem Mißerfolg. Ter vierte östreichische Trxtilarbeiter-Kongrcst, der zu Weihnachten in Brün n tagte, hat den Antrag aus Bildung einer Union der Texiilarbciter angenommen. Der Sitz der Union wird Wien sein. Ferner wurde' eine Resolution zu Gunsten des Zehn- stundentages gefaßt, der durch das Vorgehen des Verbandes errungen werden soll. Eine Tarisbewcguug der uugarläudischcn Buchdrucker- gchilfcn ist im Gange. In der Provinz wurde 1891 zum größten Teil die n e n n st ü ii d i g e Arbeitszeit und das 10 fl.-Winüiiuni durchgejetzt; seit dieser Zeit sind acht Jahre verfloffen, ohne daß die Buchdrucker in tariflicher Beziehung weitergekommen wären. Jetzt fordern sie min, je nach der Größe der Städte, ein Minimum von 10. 11 und 12 Gulden. Nur einlgeringer Teil der Prinzipale haben bewilligt, an einigen Plätzen ist es schon zum Kampfe gekommen. Ter Ausstand der Weber des L o ire- D e p a rt em ents gewinnt immer mehr an Ausdehnung. Es streiken jetzt 60 000 Weber. Ein Verstäiidignngsversnch, welcher von den Arbeitgebern gemacht wurde, ist. ivie der Telegraph berichtet, ge- scheitert, da die Arbeiter einstimmig die von den Arbeitgebern vor« geschlagenen Lohnsätze ablehnten. Ueber den G r u b e n a u S st a n d in demselben Departement wird berichtet, daß die Eisenbahn- Gesellschaften von Paris und Lyon eine Herabsetzung von 20 Proz. für die Tarife der Kohlen- tranSporte zugebilligt haben, damit die Jndustricgesellschafteu ihre Kohlen aus England beziehen können, Vom Kriege, der nun mit in das neue Jzhrhimderk hhieingenommen wird. liegen Nachrichten von Belang nicht vor. Aus dem Chievcley- Lager wird dem„Daily Telcgr." vom 28. Dezember gedrahtet, die Boeren hällen sich vom' Südufer deS Tugcla nach dem Norduscr zurückgezogen ans Furcht, der höchangeschwollene Fluß könnte ihnen den Rückzug abschneiden. Bullcr verlegte das Hauptquartier nach Frere. Aus Ladysmith wird dein„Daily Chronicle" gemeldet. Bullers Mißerfolg in dem Entsatz von Ladysmith verursacht große Enttäuschung. Das Bombarde- ment richte jetzt erheblichen Schaden an. Ter Turm des Stadthauses sei zerstört und viele Gebäude beschädigt. Durch eine einzige 96pfündige Granate seien am Montag 6 Soldaten gc- tötet und drei verwundet, sowie mehrere Pferde gelötet worden. Die „Times" melden anS dem Chicvelcy-Lagcr. White machte am 28. Tezbr. einen Ausfall und nahm einen Hügel ein. Empfindlicher Wasserinangel herrsche im Lager; das Wasser müsse aus großer Eittfcrnung geholt werden. Tie Boere» behelligten die Wasserträger. Es verlautet, Bullcr bereite ciiicn neuen Schlag vor. *« Nach einer aus Mafeking in Pretoria eingegangenen amk- lichen Depesche hat die Garnison von Mafeking am 26. Dezember einen Ausfall gemacht, bei dem der Verlust der Engländer an Toten und Verwunderen 109 betrug, während von den Boeren 2 fielen und 7 verwundet wurden. General Snyman meldet anS Molopo vom 24. Dezember: Die in Mafeking stehenden britischen Truppen griffen in ihrer Ge- samtstärke mit einem Feldgeschütz, mit Marimgeschützcn und einem gepanzerten Zug das Boerenfort an. Sie drangen bis zu den Mauern des Forts vor. aber die Beeren hielten das Fort. Auf britischer Seite solle» die Verluste öö Mann betragen. Die Boeren machten drei Gefangene. Sehr ungünstige Meldungen. Nach in Paris eiiigelayseiicii Informationen soll die Lage für die Engländer äußerst ungünstig sei». Wie der„Tenips" ans London meldet, erhielt das Kriegsamt geheimgehaltene Informationen. welche die Situation des Kriegsschauplatzes von vorgestern rejumicrcn sollen: In Capetown befinden sich ö0 000 A f r i k a u d c r in o ff c n c in Ä u f r u h r. In de Aar sind die Generäle Frcuch und Gatacre arg bedrängt von den Oranje« boeren. Ihre Verbindungen sind durch die aufständischen Holländer des Kaps abgeschnitten. Am Mcddcrrivcr soll ein iicucr blutiger Kainps Lord Mcthucn gezwungen habe». südlich z u r ü ck z u- weiche u. Zluch er fei isoliert. Auf der Route Durban— Ladhsmtth sei Buller bis Pietermnritzbmg zurückgetrieben._ Die Lage in Ladysinith sei verzweifelt. Zudem herrsche daselbst eine drückende Hitze, 104 Grad Fahrcicheit im Schatten. Telagoa-Bai. Dem„Echo de Paris" zufolge hat der Koiiunandant der fran- zösischcn Flottcndivision der indischen Gewäffer den Auftiog erhalten, leine Schiffe in cinciii Hafen Madagaskars zu vcrsaiiimcli!. Offiziell sei der Befehl mit der Notwendigkeit begründet worden, die Einschnniggelnng von Waffen zu verhindern, welche arabische Kutter nach Madagaskar bringen. Das Blatt glaubt jedoch, daß die Maß- nähme in Wirklichkeit durch die Besorgnis vor einer Bc- sctzung der Telagonbai durch die Engländer veranlaßt worden sei. Beschlagnahme cincs deutsche» Schiffe?. Bei der Direktion der deutschen Ostafrika- Linie ist am Sonn- abend die Nachricht cingelauseii, daß der RcichSpostdampfer „Bundesrat" vor der Delagoa-Bai beschlagnahmt und von einem englischen Kriegsschiff in Turban eingebracht worden sei und daß der dortige Koiiiniaiidaut eine Auskruift über die Ursache der Beschlagnahine verweigerte. Es wird versichert, daß der Dampfer leine Kriegskonterbande an Bord hatte. Die von der Reichsregierimg erbetene Vermittlung bei der englischen Regierung ist vom Auswärtigen Amt sofort zugesagt worden. Letzte Mcldnngcn. Amsterdam, 30. Dezember. Ein Vertreter deS„AlgemeeN HandelSblad" batte eine Ilitterrednng mit Dr. LeydS, ivelchcr er- klärte, die Gerüchte von der Einführung von Waffen und Munition über die Delagoa-Bai seien durchaus unbegründet und nur ein Vonvand für die Besetzung der Bai durch England. LeydS fügte hinzu, er glaube nicht, daß England in völkerrcchtstvidriger Weiss die Bai besetzen werde. llebrigenS habe Transvaal genügenden Vorrat an Waffen und Munition, und es fabriziere selbst die ihm nötige Miniition. Vorräte und Lebensmittel feien für zwei Jahre genügend vorhanden. LeydS bezeichnete alle Nachrichten über eine Intervention als völlig erfunden. Bezüglich der Behauptung der „Daily Mail", daß er am Lt. Dezember eine gusammenkimft mit Dclcaise gehabt habe, sagte Leydö:„An jenem Tage hütete ich in- folge cincs JnfliienzaanfcllcS das Bett, das sagt alles." London, 30. Dezember. Wie das„Rcutersche Bureau" erfährt, soll der deutsche Dampfer.Bundesrat" drei deutsche Offiziere und zlvanzig Mann an Bord haben, welche beabsichtigen, in der Armee der Boeren Kriegsdienste zu thun. Der Dampfer soll bis zur Entscheidung des Durbaner Prisengerichts unter Beschlagnahme bleiben. Pretoria, 29. Dezember.(Telegramm des„Renterschcn BureauS" über Lourenco MargnrS.) Die in dem Gefecht bei Malopo ge» fangen genommenen drei englischen Soldaten sagen ans, daß ein Stabsoffizier Baden Powells in dem Kampfe gctötcc und Lord Edward Cecil. ein Sohn des Marquis Salisbury, und Lord Charles Cavendifhe Bciitinck venvundet seien. Die Eng- länder hätten den Ausfall gemacht, ihn die große Kanone der Boeren zu erbeuten. Die Verluste der Engländer seien sehr schwer. Kapstadt, 29. Dezember.(Telegramm des„Reiiterschen BnreanS".) Gestern abend lviirde das britische Lager bei Victoria West südlich von De Aar alariniert, eS kam zu einem heftigen Kampfe mit einer Abteilung Boeren. welche, wie man glaubt, die Bahnlinie zu zerstören beabsichtigten._ Uetzke Mschvichten und Depeschen. Pari?, 30. Dezember.(W. T. B.) Da» Sa wurgericht ver- urteilte in der Angelegenheit der Plünderung der Kirche von St. Josrpki den jüdischen Studenten Ben Hnjirn, einen Algerier, zu fünf Jahren Zuchthaus. Sech» andere Angeklagte wurde» z» Gefänaiiisstrafcn von einem bis zu zwei Jahren verurteilt. Vier Angeklagte wurden freigesprochen. Ben Hajim beteuerte laut seine Uiischnld, ein anderer suchte sich de» Säbels eines Wachmanne» zu bemächtigen, um sich selbst zu töten. London, 30. Dezember.(W.T.B.) Eine bei Lloyd» eingegangene Depesche aus Dnngeneß von heute Rachmittog 4 Ilhr besagt, daß sich die Mannschaft noch an Bord des„PclotaS" befindet. Der Sturm läßt nach. Die Rettimgöbovte stehen bei dem Schiff. Letztere» be- findet sich in schlechter Lage auf emer Saudbaul dreihundert Jard» vom Ufer. Rom» 30. Dezember.(B. H.) Der Ministerrat, beabsichtigt, dein König einen Aiuiicfttevorschlag zu unterbreiten, der sich auch auf die schwebende Wahlurncu-Affaire erstrecke» soll. Moskau, 30. Dezember.(23. T. B.) Der Zustand deS Grafen Leo Tolstoi hat sich so weit verschlmnnert, daß er wieder da» Bett hüten mutz. Athen, 30. Dezember.(W. T. B.) Bon Italien und Griechen- land wurde heute ein mockus viveucki unterzeichnet, nach welchem der statu« quo in Sachen der Schiffahrt aufrecht erhalten wird. Die Frage des Fischfanges bleibt weiteren Verhandlungen vorbehalten. Bezüglich der Zölle wird der statu? nno aufrecht erhalten, mit Ausnahme de? Zolles auf griechischen Wein, für welchen von Italien 12 Lire stati 6,77 Lire Zoll für den Hektoliter erhoben wird. Verantwortlicher Redacteur: Paul John in Berlin. Für den Inseratenteil verantivortlich: Th. Glocke üi Berlin. Druck und Verlag von Max Baving in Berlin. Hierzu 3 Beilagen und llntrrhaltimgsblatt. Nr. 805. 16. Zahrgavg. 1. Keilm des„Wmiick" Knlim AIKsblÄ Sontttag. 3l. De�tülber t899. �es Neujahrsfestes wegen erscheint die niichfte Nummer unseres Blattes am Mittwochnlorgeu. An unsere Leser. Der heutigen Nummer liegt der Prospekt bei zum Abonnement auf den eben beginnenden neuen Jahrgong der Illustrierten Roman- Bibliothek „J» Freie» Stunden" in 26 Seiten starken Wocheuheftcn zu 10 P f. Wir machen unsere Leser auf diese billige und gute Romanbibliothek nachdrücklich aufmerksam; sie übertrifft an Wert weitaus die gewöhnlichen Kolportage-Roman-Hefte sowohl was die Güte der ausgewählten Romane anbelangt, als auch die Ausstattung und Illustrationen i die Dambcrgerschen Zeichnungen im letzten Halbjahrsband z. B. für dcu Telmanschen Roman„Unter den Dolomiten" müssen geradezu künstlerisch genannt werden. Der mit Heft 1 beginnende Roman: Das Erbe des Nabvb zählt zu den besten Werken des ungarischen Dichters I o k a i. Ter billige Preis sollte jeden Gcnoffen. der für seine Frau und Kinder eine gute UntcrhaltuugSschrift haben will, zum Abonnement veranlassen. Jeder Spediteur:c. nimmt Bestellungen darauf an. wie das im Prospekt näher ausgeführt ist. Deutschland an der Jahreswende. Beim Eintritt in das Jahr 1900 ist die deutsche Social- steniokratic imcdcrum in der glücklichen Lage, eine gute Bilanz ziehen zu könncu. Tas scheidende Jahr hat uns viel Kämpfe und viel Siege gebracht und unsere Sache hat große Fortschritte zu verzeichnen in Deutschland»vic in allen übrigen Kultur- ländcrn. In der Entwicklung des Kapitalismus liegt es, daß die socialen und wirtschaftlichen Gegensätze sich immer mehr zu- spitzen. Die Verschärfung der Gegensätze hat zur doppelten Folge: einerseits, daß der Widerstand gegen den Kapitalismus wächst, andernteils, daß der Kapitalismus zu imnicr brutaleren Mitteln greift, um den Widerstand zu überwinden. So bedingen die Fortschritte der socialistischcn Bewegung cnt- sprechende Fortschritte der Reaktion; und dies wird so lauge dauern, bis der Socialiönms stark genug ist. die Nester der Reaktion auszuheben und die Bastillen des Kapitalismus zu schleifen. Tas scheidende Jahr stand in, Zeichen deS Zucht- Hausgesetzes. Ter industrielle Großkapitalismus, mit dem junkerlichen geeint zu gemeinsamem Kreuzzug gegen den Geldbeutel und die Freiheit des Volkes, wollte den Arbeitern daS K o a l i t i o ii s r e ch t rauben, um sie, an Händen und Füßen gebunden, in seine Gewalt zu bekommen. Tas Zuchthausgesetz ließ lauge auf sich warten; als es endlich erschicu, �uporte die öffentliche Meinung sich dermaßen gegen diese ungeheuerliche Ausgeburt kapitalistischer Hab- und Herrschsucht, daß niit Ausnahme der Schlot- und Krautjunker alle Parteien des Reichstags sich entschieden gegen das Zuchthausgcsctz erklärten, ihm die Ehre einer Kommissions- beratung verweigerte», und nach der fünfmonatigen Vertagung des Reichstags am 20. Ikovembcr d. I. mit erdrückender Mehr- hcit den Wechselbalg endgültig abhalfterten und den Kadaver verscharrten. Es war eine zerschmetternde Niederlage der kapitalistischen und politischen Reaktion, des herrschenden Systems, welches die Systemlosigkeit ist. Seit Bisniarcks Fall, dem allerdings ein langes Zer- bröckeln vorausging, haben wir in Deutschland keine Regie- rung mehr im strengen Sinne des Worts. Dir haben Regierungen, aber keine Regierung. Der Kaiser ist nicht die Regienma. denn wir sind ein Lcrfassungsstaat. Ter Kanzler ist nicht Regierung, denn er hat zwar das Recht, aber keine Macht. Die Staatssekretäre, wie man die Minister mit unfreiwilligem nach Humor englischem Muster getauft hat. haben weder daS Recht noch die Macht. Wirkliche Macht, jedoch Macht ohne Recht, hat nur„die kleine aber mächtige Partei", die in Preußen wieder obenauf ist, seit ber nationale Aufschwung von 1L18, 14 und 15 durch die eisenstirnigen Äapitulations-Helden von Jena so schmählich verpfuscht und zu einer Demagogenhatz benutzt worden ist. ..Tie kleine ober mächtige Partei", die schon in den zwanziger Jahren das Programm hatte: Der König absolut, Wenn er st n s er n Willen t h u t!— „Klein" immer,„mächtig" nur unter schwachen Regierungen und„mächtig" genau im umgekehrten Verhältnis der Regie, ungSstärke— sie ist heute wieder so mächtig, wie weiland unter dem unglücklichen Friedrich Wilhelm IV., der, ohne Verständnis für die Gegenwart, in das Mittelalter zurück- strebte, bis er schließlich der Geistesnacht verfiel. Sie hat den Kanzler Caprivi gestürzt, der bei den Handelsverträgen mit Rußland und Ocstreich nicht ihre unsaubere Arbeit des Grotzkornwuchers verrichten wollte. Sie trieb die echt türkische Hintertreppenpolitik, vor der Herr v. Marschall sich„in die Oeffentlichkeit flüchtete", und deren schmutzige Schleich- Wege in dem Tausch- Lockert-Prozeß aufgedeckt wurden. Sie ist jetzt damit beschäftigt, auch den zweiten Reichskanzler nach Bismarck, den Fürst Hohenlohe, aus dem Amte zu drängen, weil er das schon verteuerte Fleisch und Brot nicht den Junkern zu lieb zu Hungcrpreisen verteuern will. Auch er mußte soeben in die Oeffentlichkcit flüchten, und das ist der Anfang vom Ende. Nicht bloß für Herrn von Hohenlohe, auch für den kapitalistischen Staat. Während dieser den sinn- losen Kampf gegen die lebendigen VolkSkräftc führt, fällt er den „Elementen des Umsturzes von oben" anheim. welche die Grundlagen des Staats: das allgemeine Wahlrecht und das Koalitionsrecht. untergraben und den Staatsorganismus auf- lösen, so daß die deutsche RcichSregierung heute das Schauspiel des vollendetsten politischen Chaos darbietet. . Der Kapitalismus hat aufgehört, normal regierungsfähig zu sein— er kann nur noch mit Hilfe der Diktatur und des TerrorismuS feine Herrschaft behaupten. Mit dem ZuchthauSgcsctz im engsten Zusammenhang steht der neue F l o t t e n p l a n. der dem deutschen Volke ohne jegliche Aussicht auf den geringsten Vorteil— außer für ein paar Tausend Individuen— eine Ausgabenlast von Milliarden aufbürdet. Alle kapitalistische Politik ist Gcschäftspolitik und die herrschenden Klassen betrachten überhaupt die Politik als ein Geschäft. Das zeigt sich aufs augenfälligste bei dem neuen Flottenplan, der den Schlot junkern der Eisenindustrie einige hundert Millionen an Profit für Schiffspanzer, Kanonen usw. in Aussicht stellt und den Kraut junkern des Großgrundbesitzes viele Dutzende von Millionen jährlich durch Erhöhung der K o r n z ö l l c. Zuchthausgesetz, neuer Flottenplan und Erhöhung der Kornzölle— das ist eine untrennbare Dreieinigkeit. Der neue Flottenplan ist ein Auswuchs der Kolonial- und Weltpolitik, dieser letzten Chimäre des nieder- gehenden Kapitalismus. Hatte bereits im Jahre zuvor der tragische Zusammenbruch des einstmaligen Welt- und Kolonial- reichs Spanien den Pseudo-Staatsmännern, die Deutsch- land in die Abenteuer einer uferlosen Kolonial- und Welt- Politik werfen wollen, eine warnende Lehre gegeben, so hat das jetzt ablausende Jahr diese Lektion noch verstärkt. Damals der Zusammenbruch des ersten großen Koloinal- und Weltreichs— jetzt das Scheitern des zweiten noch ge- wattigeren an zwei kleinen Staaten, die zusanunen�nicht den zehnten Teil so viel Einwohner haben wie die Hauptstadt Englands. Nicht, daß wir aus dem bisherigen Verlauf des Transvaalkriegs— dieser blutigen Satire auf die dynastische Friedensposse im Haag, den bevor- stehenden Untergang des britischen Reichs schließen. Wir sind überzeugt, England mit seiner fleißigen, intelligenten, „hartarbeitendcn" Bevölkerung wird sich emporraffcn zu neuem Leben, auf neuer Grundlage. Die alte Kolonial- und Weltpolitik aber, die auf Ausbeutung und Knechtung der Völker beruht, ist auf ewige Zeiten gerichtet und ein Volk, daS sich nicht selbst das TodeLurteil schreiben will, muß mit dieser Politik brechen, die das Interesse der Massen der Goldgier weniger opfert und eine Schmach ist für unsere moderne Kultur. Der Transvaalkrieg hat für uns Deutsche noch den besonderen Nutzen, daß er die Nutz« losigkeit der stehenden Heere schlagend bewiesen hat. Nach den Erfahrungen dieses Kriegs kann nur noch der für das stehende Heer eintreten, der es gegen das eigene Volk verwenden öder verwandt haben will. Ter Schluß deS JahreS hat unS Deutschen noch in einem grauenhaften Beispiel gezeigt, welch unlautere Kräfte in der Kolonialpolitik ihr Spiel treiben. Die Unthat eines„Edelsten der Nation", sogar eines Fürsten: des Prinzen von A r e n b c r g, der einen schuldlosen Neger, weil er den Prinz- lichen Gelüsten nicht entgegenkam, in mehr als viehischer Weise cnnordete. schließt sich würdig den llnthaten der Leist. Wehlan, PeterS an, und vollendet das Bild unserer Kolonial- Politik, die eine fortlaufende Kette von Ver- brechen und Thorheiten ist. Und d a S ist die Politik, zu deren Durchführung und weitcrem Ausbau man uns Milliarden abverlangt für eine Flotte, die, auch»venu sie so groß würde, wie die FlotteugeschäftS-Politiker es wünschcü, hinter den Flotten der Engländer und Franzosen nicht minder zurückstänoe als gegenwärtig. Die Ä>cialdemokratie paktiert nicht mit der Welt- und KoloUialpolitik— so wenig wie mit der Politik dcrÄonizöllc, des ZuchthausgesetzcS, der LebcuSmittelverteuerung, des Mili- tariSmus und MarinismuS. Im Kampf gegen diese Politik haben wir Socialdemo- kraten die Ehre der Führung, weil das liberale Bürgertum nicht den Willen und auch nicht die Kraft hat, eine Um- gestaltung der Berhältniffe von Grund auf zu erzwingen. Für die parlamentarische Geschichte Deutschlands ist das scheidende Jahr insofern denkwürdig, als zum erstenmalc die kindische Sitte durchbrochen ward, die Person des Kaisers nicht in die Debatte zu ziehen. In einem Lande deS persönlichen Regiments nicht von der regierenden Person reden zu dürfen, daS war ein unhaltbarer Zustand. Jetzt giebt es in Teutschland wenigstens eine Stätte, wo die Wahrheit über die Rcgierungs-Änarchic gesagt werden kann. Die deutsche Socialdemokratic hat ihre Organisation im Laufe des Jahres weiter ausgebildet. DaS Zuchthausgcsetz und die ZuchthauSjustiz hat uns trefflichen Agitationsstoff geliefert, und der letzte Parteitag hat in erhebender Weise be- kündet, daß die scharfe Selbstkritik, welche die Partei übt, der taktischen Einheit keinerlei Abbruch thut, daß sie im Gegenteil die beste Bürgschaft wie der Reinheit des PrincipS so der Wehrhaftigkeit und Kampfstärke der Partei ist. So schauen wir befriedigt zurück aus das Jahr 1899 und treten hoffnungsvoll und kampffroh in das Jahr 1900. Nieder mit dem Kapitalismus und feinen menschenunwürdigen Werken! Hochdieinternationale, völkcrbefreien de Socialdcmokratie! Das ist unser Neujahrsgruß. Bemerkenswerte Begnadigungen aus dem Jahre 1899. (Die Datenanaabe» im folgenden bezichen sich, wo nichts anderes angegeben, auf die Nummern des„vorwärts", in welchen über die betreffende Begnadigung berichtet worden.) Bebel teilt in der Reichstagssitzung vom S. März u. a. den Fall eines höheren Offiziers mit, der wegen Sittlich- teitS-BerdrechenS mit mehrjährigem Gesängnis bestraft worden, worauf die Strafe zunächst in Festung umgewandelt, und der Betreffende, nachdem er 9 Monate Festung verbüßt, ganz begnadigt wurde.(tO. März.) Dr. Max Ester, wegen Herausforderung zum Zweikampfe zu 3 Monaten Festungsstrafe verurteilt, wird zu einem Tage Stubenarrest begnadigt. E. hatte den Dr. Wagner zum Zweikampfe gefordert,>veil ihm dieser, außer verschiedenen Plagiaten, auch nachgewiesen hatte, daß seine angeblichen kolonialen Verdienste, wegen deien er vom Kaiser mit dem Kronenorden zweiter Klasse ausgezeichnet worden, eitel Flunkereien waren, und daß er die von ihm beschriebene Reise nach dem Kunene niemals gemacht hatte. Später erhalt Esicr durch ehrengerichtliches Verfahren unter Belassung seiner Offiziersqualität den schlichten Abschied aus dem MiUtärdicnstverhältniS, in dem er als Oberlicutcnant der Landwehr gestanden hatte.(23. April. 7., 14. Oktober.) Laut Meldung der„Münch. Neuesten Nachr." wird dem Bild- Hauer Eduard Beyrer die wegen der bekannten Affaire in Cafe Keck über ihn verhängte Gefängnisstrafe im Gnadenwege durch den Prinz- rezenten in Festungshaft umgewandelt. B.. ein wütender Antisemit, Halle sich die Strafe durch eine ganz nnqnalifizierbare Roheit zugezogen. Einen Tag vor jener Notiz hatte dasselbe Blatt mitgeteilt, daß Beyrer dnn Verband der Prinz-Negent-Lnitpold-Kanonicre das von ihm angefertigte Porträt- reiicf des Prinzregentcn zum Geschenk gemacht habe.(7. April.) Hiittcndirektor F a b e r in Kneutlingcn, der vor einigen Monaten von der Metzer Strafkammer wegen eines KamineinsturzeS, b e i dein zwei Arbeiter den Tod fanden, zu drei Mo- n a t e n Gefängnis verurteilt worden, wird vom Kaiser gelegentlich seiner Anwesenheit in Lothringen zu einer Geld- büße begnadigt(20. Mai). Eine reiche englische Diebin Miß H.. welche einer P e irs ions-Genossi« z iv e i wertvolle S ch in n ck s a ch e n entwendet hatte und dafür von der Potsdamer Straftammcr zu drei Monaten Gefängnis verurteilt wurde— wovon sechs Wochen durch die erlittene Uiitersuchiingshaft für verbüßt erachtet wurden— wird ans durch den Verteidiger erlangte Fürsprache des englischen Botschafters und des Ministers des auswärtigen Amtes vom Kaiser begnadigt. Die gezahlte Kaution von 20 000 M. ivird ihr wieder ausgezahlt(2S. Mai). Der wegen W e i n v c r f ä l s ch» n g und Betrug zu 6 Wochen Gefängnis' und 1000 M. Geldstrafe verurteilte Woinhändler Dr. Georg Hommel aus Rappoltsivciler wird zu einer Gesamt- Geldstrafe von 10000 M. begnadigt.(„Berk. Abendpost". 18. Juli.) Der wegen Vergehens im Amte zu 1 Jahr Gefängnis verurteilte Gerichtsvollzieher Ratzel in Potsdam wird nach Ver- biißnng von 7 Monaten begnadigt. Auch dem mit ihm verurteilten Kansmann lverden von seinen 6 Monaten 4 im Gnadenwege erlassen. („Berk. Abendpost". 19. Juli.) Der wegen Urkuiidenvernichtnng und Unterschlagung i m Amte zu 9 Monaten Gefängnis verurteilte Schutzmann Schote wird nach Verbüßnng einiger Monate begnadigt. Sch. soll die Strafthaten aus großer Not verübt haben.(20. Juli.) Superintendent Merbach in Rochlitz, der am 12. Oktober 1898 loegen Unterschlagung von Vi ü n d c l g e l d e r n— er hatte auch ca. 36 000 M. Schiilden gemacht— zu 1 Jahr 9 Monaten Gefängnis verurteilt worden, wird laut Meldung eines Chemnitzer Blattes begnadigt, nachdem er noch nicht 10 Monate seiner Strafe verbüßt.(4. August.) Oberlicutenant Schlickmau», der den Mühlenpächterssobn Tille- nient Anfang Januar im Duell erschoß, ivird bei der An- Wesenheit des Kaisers in Metz nach sechsmonatlicher Festniigshaft bc- gnadigi und wieder in sein früheres Regiment in Metz eingereiht, auch bald darauf zm» Hauptmann befördert.(24. Sept.) Student Kops aus Frankfurt a. M.. ivcgen Mißhandlung zu 8 Monaten 2 Wochen Gefängnis verurteilt, wird begnadigt. Als Vorgeschichte der Begnadigung ivird berichtet, daß der von ihm ver- letzte Nietzsche selbst das LcgnadigimgSgesuch unterstützt hatte, nach- dcni der Vater des K_ i h m nur f ii r den F a ll der Begnadigung s e i il c S S o h» e s e i n e angemessene Entschädigungssumme versprochen hatte.<28. Okt.) Schutzmann Hanschild in Hannover, vor einigen Monaten lvegen M i ß h a u d l n n g einer HmidclSsrau zu einer längeren Gc- fängmSstrafe verurteilt, wird begnadigt amd zu der neu eingerichteten löniglichen Polizei nach Rixdorf bei Berlin versetzt. (9. Nov.) Margarethe Billcrt, Schreibcrin der anonymen Schmäh- b r i e f e, durch welche im vorigen Jahre in Potsdam verschiedene Militärpersoncn und Damen beimnihigt wurden, wegen U r k u n d e n- sälschung zu einem Monat Gefängnis verurteilt, wird zu 60 M. Geldstrafe oder eine Woche Gefängnis begnadigt.(16. Nov.) Zwei Opfer de? Löbtauer Krawallprozesses, die zu vier Jahren Gefängnis verurteilten Zimmcrleute Geißlcr»nd Hecht werden»ach Einreichung von Gnadengesuchen durch G.s Frau und H.s Eltern begnadigt.'(13. Dez.)_ KonnnunÄlvs. Der Magistrat— I. V. Stadtrat Haack— hat die Stadt- oerordnetcn-Bcrsammlung benachrichtigt, daß nach einem Erlaß des Obcrpräsidentcn von Berlin vom 26. d. M., der Kaiser mittels Ordre vom 23. d. M. die Wahl des Bürgermeisters K i r s ch n c r zum Ersten Bürgermeister von Berlin unter Verleihung des Titels Oberbürgenncistcr auf die gesetzliche Amtsdaner von 12 Jahren be- stätigt habe. Die 28 ncngctvählteu Ttadtvcrordnctcu werden in der ersten Sitzung der Stadtverordneten-Vcrsamnilung durch de» Oberbürgermeister Kirschner in die Versamnilüng eingeführt werden. Der Magistrat hat die Stadtverordneteii-Versammliuig ersucht, sie möge sich einverstanden erklären, daß die zur planmäßigen Frciiegung der Roßstraßc erforderlichen Teile der Grund- stücke 11,12a und 12 im Wege der Enteigmiiig erworben werden. Die architektonische Ausgestaltung der Sprcebriicke im Zuge der Straße„Siegisinundhof", beabsichtigt der Magistrat in der Weye zur Ausführung bringen zu lassen, daß über den beiden Landpfciler» in der Achse der Hauptträgcr gleichsam als Endigung derselben, je zwei Pfeilerbauten errichtet werden, die zur Ausnahiiie von Bild- werken, die vier Elemente darsiellend. bestimmt sind. Auch sonst soll der Brücke ein einheitlicher Schmuck gegeben werden. Die Kosten für die vorerwähnte» Arbeite» beziffern sich auf 83 000 M. Der bereits früher der Stadtverordneten- Versammlung vorgelegte und mit 300 000 M. abschließende Anschlag erhöht sich somit auf 388 000 M. Der Magistrat ersucht die Sladtvcrordncten-Versantwlmig. dem Entwurf seine Zustimmung zu geben. TolialikS. Der historische Wandkalender für das Jahr 1900 ist der heutigen Rnnimer unseres Blattes bei- gefügt. Seine Bedeutung wird dem arbeitenden Volke alljährlich von der reaktionären Presse attestiert. Noch mimer bei seinem Er- scheinen erhob sich ein Flennen und Denunzieren ob der Gemein- gesährlichkcit deS Kalenders und des Blattes. das ihn herausgebe. Der Kalender beweise deutlich. daß die Socialdemokratie den Mord und die blutige Revolution verherrliche, denn waS hätte eS sonst für einen Zweck, daß sie alle politischen Attentate nnd alle revolutionären Gedenktage gewissenhast im Kalender anfzähle? Wir lachten ob dieser selbstverständlich nicht ans ehrlichem Empfinden, sondern in hündisch-gemeiner Absicht erhobenen Nnkenmfe. Mit lachendein Spott wiesen wir darauf hin, daß der gemein- gefährliche Kalender ja nicht minder gewissenhaft als die RevolutionS- baten auch die antisocialistischen Reden Wilhelms 13. bis zur ZnchthauSrede erwähnt enthalte und daß gleichfalls die staatS- rettenden Altionen StnmmS und der Stümmlinge nicht ber- gessen seien. Selbstverständlich ist der Kalender auch für daS neue Jahr ganz im alten Geiste redigiert worden. Sein knappgcdrängtcr Inhalt wird, wie früher, den Partei- genossen eins Quelle der Belehrung und Anregung, den Arbeiter« feinden ein Gegenstand niedrigen HasieS fein. Freie Volksbühne. Heute nachmittag V/« Uhr beginnt für die 1. Abteilung die 6. VorstelluiigSscrie mit SchiiitzlerS„Ver- m ä ch t n i S" im Ostend-Thcatcr, woselbst morgen dieselbe Vor- stellung der 2. Abteilung stattfindet. Gleichzeitig finden die Vor- stellungen im Leiima-Thcatcr„Minna v. Barnhelm" heute nach« Wiiraj# 23'4 l?hr für die 4. RdieiliMff und luoraen nnchmilts�S für die 5. 9iLiicih«ig statt. Die N!i!glicd«! lrcvdcii dringend aufgefordert, p ünktlich zu erscheinen. Der Aorfland. I. A.: G. Winklcr. AiS NriliahrSgeschrill ist den Arbeiter» des AcriaudspeicherS an: Anhalter Bahn- Hof zu Berlin folgende Verfügung vorgelegt worden: Berlin, den 28. Dezember 1S9g. Verfügung. Vom 2. Januar IM!) werde» auf den: Bcrsandfpcicher folgende Aendcrnngen in der Dicnstciuteilung eingeführt: 1. DaS Personal an den Abuahinclnkcn erhält eine 2'-stündige VlittagSpans« von 1—3''! Uhr und bleibt dafür in Dienst bis zur Äecndigung d c S Annahm cgefchäftS. 2. Tic Ladelolonnen treten erst i Uhr mittags in Dienst, lösen bis S' z llhr die Aunahniclolonnc» ab und laden dann mit ein- stund iger lluterbrechnng bis 12 Uhr nachlS. 8. Tie abends G Uhr in Dienst treienden Kolonnen haben anS- schließlich Ladedienst; der erst dann beendet ist. w c n n s ä m t- liche am Tage ein gelieferte ir Stückgüter ver- laden sind. 4. Die Ladekoloniien werde» fortan nur aus 1 Vorarbeiter»nd 8 Kann bestehen. Der Packer im Wagen fällt fort; für gnte Verladung i st der Vorarbeiter v c r a n t>v o r t l i ch. Eüterbodenannahine. Vorsteher Erobecker. Bisher war folgende Arbeitsordnung in Geltung: Das Personal an den Annahmelnken arbeitete von 7 Uhr morgens bis 1 Uhr mittags ohne Unterbrechung, erhielt 2 Stunden Mittag, arbeitete wieder von 3—7 Uhr abends und wurde dann abgelöst: mithin war ciu.e 18 stiindige Arbeitszeit vorhanden. Nach der neuen Versiignng würde sich die Arbeitszeit je nach ben: Verkehr auf 11— 13 Stunden ausdehnen. Die abends um 3 Uhr in Dienst tretenden Kolonnen hatten nur Ladedirnst bis morgens 5 Uhr bei cinstiuidigcr Pause; macht zehn Snmbfii ArbcitSzcil. Nach der Versiignng richtet sich die Arbeitszeit nach dem Verkehr,»nd zwar sind 12 bis 1ö Stunden und niitcr Umstanden»och mehr Arbeitsstunden zu erwarten. Tie Äadcloloimen, welche sonst an» einem Vorarbeiter«nd vier Mann bestanden, sollen «m einen Mann verkürzt werden, loa» bei der Schwere der Arbeit cine U e b c r l a st n n g der Arbeiter bedeutet, den» diese sollen ja für den fehlenden Mann mitarbeiten. Durch die neue Versiignng wird den Arbeitern auch nocki das letzte b'.szcheu freie Zeil, welche sie im Kreise ihrer Familie hätten zubringen können, im Interesse der fiskalischen Uederschngwirtschast entzöge». Soll der Eiscubahnarbcitcr im christlichen Staat der Voeialrefonn nichts als Arbeitsvieh sein? Während überall soir die Unternehmer, wenn auch sehr wider Willen, mit mehr oder weniger belangreicher Verlurzimg der Arbeitszeit und sonstiger Besserung der Lage de» Arbeiters rechnen ninssen, werden im Reiche de» Herrn Thielen die Arbeitsbedingungen zusehends ver- s ch l c ch t e r t. Fimi Glück bringt diese Wirtichast auch den blödesten Eisenbahn- arbeitet zum Nachdenken. Immer weiter greift— zur Ehre der Anlgebenteten sei eS gesagt—• der Gedanke platz, daß der Anschluß an eine die Interessen der Arbeiter vertretende Organisation allen bchördlichcnVcrbotcn zum Trotz geradezu G c w i s s c n S p f l i ch t fein muß. Längst hat die Mehrzahl der Eisenbahnarbeiter eingesehen. da» Vertrauen auf da» Wohlioollcn von oben für sie nur cine lange Reihe von Täuschungen bedeutet und daß an Besserung nicht eher zu denken ist. als bis sie der Macht de» Staates, der sie ausnutzt, die Macht einer kraftvollen Organisation entgegengesetzt hau DeS ErgebliiS der Tlenercinziehnug bat sich in Berlin seit einigen Jahren wieder etwas gebessert. Die Besserung ist im Stencrjahre 1898, vll nicht mehr lehr erheblich gcioeseii, hat aber zunächst noch fortgedauert. Die Schwicriglcir. das Stcucrsoll annähernd vollständig brreinzubckommcn. pflegt bei de» Ei nlo mmen steuern am größten zu sein. Ausfälle werden bior auch am unangeuehmstcu' von der Stencrlasse enipfnndcn, da diese Stenern die bcdenicndstcii sind. In: Jahre 1898-09 sbezw. im Vorjahre 1S97/9Z> mußten bei der G e m e i n d c- E i n k o m m e n- fteiicr von der elatSmäßigen Solleinnahme, die sich init den von frühere» Jahren noch ausstehenden Reslen ans 27 883 088(25 771 418) Mark belief, wegen Nichtverpflichtung 2.80(2,68) Proz.. wegen Uubeitreiblichkcil 1,35(1,57) Proz., zusamnicn 4.15(4.25) Proz, niedergeschlagen weide,,. Da ferner noch 1,07 sl.SOl Proz. in Rest bliebe», so belief sich die Jsleimiahme ans 94.78 l94.S5) Proz. Durch Rückzahluugc» in Höhe von 1.49(1,67) Proz. wurde die Einnahme auf 98,29(92.88) Proz. de» Solls, 2598876«(28958566) M, verringert. Bei der S t a a t s- E i n k o m m e» st euer ivnrde« von der ewtSiiiäßigei, Solleinnahine— 27 188 194(25 085 571) M,— wegen Nichlveipfliehtung 2.99(2,91) Proz., wegen llndcitrciblich- keit 1,06<1,24) Proz,. zusaiiimen 4,05(4.15) Proz, nieder- geschlagen. Nach Abzug von 1,26(1,20) Proz. Reste, ergab sich eine Jstciimnhme von 94,69(94,65) Proz.. nach Abzug von 0,99(1,35) Proz. Rückzahlungen eine Reineinnahme von 93,70(93,30) Proz. de? Solls. 25 440187(28 422 752) M, Für die Stants-Eiiikonniiciisteiier teilt der Bericht der Steuer« depnintic» das EinziekuiigSergebni» daneben noch für die Ein- kommen unter beztv. über 3000 SV, gesondert mit. Bei den größere» E i» k o», m c>,(über 3000 M.) beliefen sich 1898/00 lbczw. 1807/98) die Niederschlagungen wegen Nichtvcrpflichtniig auf 223<2,06) Proz,. wegen Unbeitreiblichkeit ans 0,21(0.23) Proz,, während 0,97(0,84) Proz, in Rest blieben. Bei den kleineren E i n i o m m e„(biS 3000 M.) mußten wegen Nichtverpflichtnng 6.90(6.90) Proz,, wegen Unbeitreiblichkeit 5.35<5,92> Proz, nieder- geschlagen werden, und eS blieben 2,75(2,84) Proz. in Rest, Um daS EinziehimgScrgcbniS i» noch Weiler gehender Speciakisterimg auch für' die einzelnen Steuer ft u s c» gesondert zu betrachten. fehlt cS in dem Bericht'an dem en'ordcrlichcn Zahkeuinatcrial, Es würde sich dabei zweifellos ergeben, daß, je geringer das E i n k o m», c n ist. die Schwierigkeit der S t e u e r a u f b r i» g n» g desto größer wird, Bezüglich der Einkommen von 660- 960 Mark, von denen seit einer Reihe von Fahre» zwar keine StaatSstcncr, aber leider noch cine Gemeindesteuer erhoben wird, ist ja bekannt, daß hier daS EinzithungSergebiiiS ganz außerordentlich gering ist— fo gering, daß eS sogar die Kosten der Einziehung mir unerheblich überschreitet. Ob die Absicht deö Magistrats, an» diesem Grunde auf die Erhebinig der Steuer bei diesc», Einkonimen künslig wieder zu verzichten, die Billigung der Stadlverordnetcii-Vcrsnlinulnng finden wird? Wie iiian Ivohlthiit. Vor nnS liegt ein Katalog der LandS- hnler Leinen- und Gcbildlvcbcrci H. V. Griinfcld, großh. lind fiirstl. Hoflieferant. Darin werden den verehrten Herrschaften empfohlen: „Besonders billige AiistandSröcke Nr. 7706, nnch geeignet als Geschenk für D i e n st b o t e n und WohlthätigkeitSzwecke. Preis daS Stück 1 M. 50 Pf. alle zwölf Minute», bis 5�(bezw. G8) alle 80 Minnten; Dem- miiicr Straße— Kreuzberg bis 4�(bezw. 5sö) alle 15 Minnten, Tie Linie Britz— Schönhauser Allee hat bis 3 llhr 8 Minnten, vi» 5"- (vezw. ö15) 15-Min«ten-Verkchr. die Linie Kreuzberg— Behrcnstraßc bis 538(bezw. 64) 12 Mimtten-Berkehr. Nach Fricdrichsfelde endlich geht der letzte Wagen ab Dvnhoff-Platz S4. nach Tcmpelhof vom Blncher-Platz nach Wcißensce ab Spittelinarlt 28. nach Hunde- kehle ab Nollcnborf-Platz 2°. nach Steglitz ab Linkstraße 1, l8", 2, 2� und 3°(ab Zoologischer Garten über Nollcndors-Platz 1, l�.jy. Kein Militär-Silvcstcrnrlaub. Durch Befehl de» Gouverne- inents ist angeordnet worden, daß' am Sonntagabend sämtliche Unteroffiziere und Mannschaften der Garniso» um zehn Uhr in der Kaserne anwesend sein müsse». Für die nach Berlin beiirlanbteti Mannschaften der Linie gilt der Befehl ebenfalls; sie dürfen sich nach zehn Uhr abend» nicht mehr auf der Straße zeigen. Wenn der Arbeiter alt wird. Mit Cyankali bcrgiflct hat vorgestern der 48 Jahre alte Schieferdecker Rodert George ans der Nannynstr. 10. George hatte in den letzten beiden Jahren wenig, seit 8 Monaten gar keine Arbeit mehr. Die Frau mußte 'iir die Familie durch Mänteliiäheit sorgen. AI» vorgestern abend fra» George mit den beiden jüiigslen Kindern in der Küche Kaffee trank, blieb der Mann i» der Stube tmd aß dort ein Butterbrot. Plötzlich hörte die Frau, daß er sich erbrach, nnd eilte ihm zu Hilfe. ES war aber schon zu spät. Ein Arzt, der sofort erschien, fand in dem Munde.de» Mannes ein Stückchen Cyankali und nahm es heraus. Einen größeren Teil aber hatte George mit dem Butter- brote bereits verschluckt. Stach wenigen Minuten war er tot. Die Influenza mit ihren vielfach so schlimmen Folgen grassiert zur Zeit in Berlin wieder ungewöhnlich heftig und fordert ihre Opfer. Der Straffcnpevkehr auf dem Spittelniarkt ist für Fuß- gänger im wahren Sinne des Wortes lebensgefährlich. Wir selbst, obgleich an groß- nnd grötztstädtischen Berkehr gewöhnt, haben oft Schivierigkcitcn gehabt, über den Markt zu kommen; nnd wir find wiederholt Zeuge arger Bedrängnis von Fußgängern durch Fuhr- werke gewesen. Der berittene Schutzmann, der leider in der Zeit des lebhaftesten Weihnachtsverkehrs mehrere Tage fehlte und über- Haupt nicht regelmäßig stationiert zu fein fcheiiit, that sidjerlich sein Möglichstes, allein gründliche Besserung kann erst eintreten, wenn für einen sicheren Platz auf dem Markt— eine sogenannte„Insel"— gesorgt wird, der den von ollen Seiten kommenden Fuhrwerken eine bestimmte Richtung gicbt und den Fußgängern Schutz gewährt. , Einen tödlichen Zlnsgang haben in den letzten Tagen wieder mehrere Unfälle genommen. Der frühere Melalldrehcr Louis Zimmermann, ein 76jähriger Witwer aus der Bellealliance- straße 75, besuchte vor einigen Tagen einen ihm befreundeten Gc- schäftSinann, geriet an der Ecke der Bellealliance- und Tcltoiver- straße unter einen Wage» und wurde am Kopf und an den Beinen Ichwcr verletzt in da» Kranleuhaus Bethanien gebracht. Hier ist er seinen Verletzungen erlegen.— Im Elisabeth-Krankeuhanfe starb der 28 Jahre alte Elektricitalsarbciter Werders aus der Koburgstr. 13 zu Schviteberg, der in der Werkstatt mit der Bluse von der Maschine gefaßt wurde, mit dem Arm in das Getriebe geriet und auch am Gesicht schivcr verletzt wurde.— Auch die Frau H 0 f f m a u N ouS der Fruchtftr. 72. die sich auf dem Schlesischen Bahnhofe von einem Zug überfahren ließ, ist im Kraitlenhattse gestorben. Wegen eines schwereu Verbrechens ist vorgestern ein Arbeiter ans der Usedomstr. 14 verhafier worden. Ein verheirateter Mann und Vater von vier Kindern kam abend» angetrunken nach Hanse, lockte seine dreizehnjährige Cousine in den Keller und ver- geivaltigte sie. Hansbewohner, die zufällig in den Keller kamen, nahmeii ihn fest und übergaben ihn der Polizei. Bon feinem eigenen Fuhrwerk überfahren wurde vorgestern der Kutscher Jakob Lange auf dem Jinmanuel-Kirchplatze. Als sein Pferd scheute, fiel er so unglücklich vom Wogen, daß dieser ihm über beide Beide hinivegging und sie schiver quetschte. Der Verunglückte wurde nach der Charitv gebracht. Eine» Lcichciifund macktcn gestern nachntittag gegen 5 llhr mehrere Kinder, die ans dem Exerzierplatz des Ulanen-RegimcntS in der Seydlitzitraße spielten. Sie fanden dort ei» zugeschnürtes Paket, und in der Meniimg. daß es vielleicht eine Gans enthalte, nahmen sie e-Z auf einen Schlitten iittl nach Hanse. Aus dem Flur de» Hanse» Lchrterstr. 7 öffneten sie dann da» Paket und fanden darin— ein nengeboreneS Kind, Sie ließen die kleine Leiche ruhig liegen, bis die durch HauSbcivohuer herbeigeholte Polizei gegen 8 Uhr die Leiche nach dem Leichcnschauh an se bringen ließ. Feuer iu einem Stadtbahnbogen. Ein Brand, der einen Schade» von etwa 15 000 M, verursachte, suchte gestern vormittag die Glas-, Porzellan- und Steingut-EngroS-Firma Heim u, Herzberg heim, die in der Lnnebnrgcrftraßc die Stadtbahnbögen 373 bis 384 zu Lagerräumen eingerichtet hat. Das jedenfalls durch Unvorsichtig- keil entstandene Feuer kam im Bogen 884 au» nnd fand an Holz- wolle. Papier nnd Stroh iunner neue Rahmng. Die Lüscharbeit nahm über 3 Stunden in Anspruch. Während de» Feuer» passierten die Bahnzüge die Brandstelle in langsamem Tempo, auch fanden sofort eingehende llnterjuchnngeu der Vogen statt, die jedoch ergaben, daß die Tragfähigkeit der Gewölbe durch den Brand nicht be- eimrächtigt wurde. Auf der Brandstätte der Hoppcsche» Fabrik wurden die Löscharbciten gestern nachntittag zu Ende geführt. Die Wache, die seit 8 Uhr morgens unter Brandmeister Hammer gearbeitet hatte, wurde»m IVsIlhr vom 11. Zuge an» der Wilmsstraße unter Brand- meisler v. Schellcnbnrg abgelöst. Dieser Zug konnte, nachdem er noch ziemlich viel Wasser gegeben nnd einige Mauerreste abgerissen hatte, um 4 Uhr abrücken und ließ eine Brandwache von sechs Mann zurück. Die Hauplarbcit der Wehr bestand gestern vormittag darin, die Gefahren, die an» etwaigen Nachstürzen drohen, zu beseitigen. Von dem Manertverk waren die ganze Nacht hindurch größere oder kleinere Teile abgebröckelt. Die Teile, die durch starke Pfeiler noch gehalten wurden, sich aber doch schon zu neigen begannen, wurden von der Feuerwehr mit Stangen so weit als möglich niedergelegt. Die Arbeiter erschienen vormittag» wiederum an der Stätte ihrer zum Teil langjährigen Wirksamkeit, um sich nunmehr ablöhnen zu lasic». Der schlag trifft sie um so schwerer, als sie mit dem Unter- nehmen der Fabrik zum großen Teil verwachsen sind. Am Portal der Fabrik war folgende Bekanntmachung angeschlagen worden: Für die thatkraftige und anfopferndc Hilfe bei dem Brande der Wcrlsiäiteii sage» wir hiermit allen unseren aufrichtigsten herzlichsten Dank, Da» etwa bei dem Brande zerstörte Privateigentum wird den Geschädigten in entsprechender Weise ersetzt werden. Inwieweit die Wicderattfitahme de» Betriebes möglich ist, läßt sich erst in einigen Tagen feststellen. Berlin, den 29. Dezember 1399. xpa. C. Hoppe. P. Hoppe. F. H. Hoppe. lieber die Brandkatastrophe gehen uns von der Firma folgende Angaben zu. lieber die Ursache des Brande» wird sich wohl etwa» Sichere» nie feststellen lasien, da das Feuer mit beispielloser Geschwindigkeit um sich griff. Jedoch ist böswillige Brandstiftnng ausgeschlossen. Die verfchonien Räfimlichleiten sind so umfangreich, daß in diesen sofort mit der Aufstellung von Werkzeugmaschinen begonnen wird, und die Fabtiiation keine nennenswerte Unterbrechung erleide» wird. Die allen Arbeiter werden sämtlich wieder beschäftigt werden. auch wurde ein gestern einlaufender Auftrag im Werte von 80 000 M. angenommen. Die Gebäude sind bei der städtischen Feuers oeictät mit 636 900 M. versichert; der Inhalt der Baulich- leiten an Werkzeugen, Werkzeugmaschinen, Utensilien nnd Modelle» beläuft sich nach einer im Jahre 1897 von den Bersicheruugsgesell- schaften anerkannte Taxe auf 1620000 M. und der Schaden ist nach diesem Satze zu bemessen. Von allen Seilen sind bereits Beweise der Teilnahme bei Herrn Hoppe eingelaufen, besonders danleuSivert war das Erscheine» der Herren Gebrüder Borsig, die ihre Hilfe bereitwilligst angeboten haben. Im wissenschaftlichen Theater der Urania finde» am Sonntag und Dienstaz Wiederholungen des neucn Vortrags„Berlin vor hundert Jahren" statt(am Sonntag beginnt der Vortrag bereit» uut 6 Uhr nachmittag»). Am Montag wird noch einmal„Transvaal" und vorher„Der dunkle Erb- teil" und am Mittwoch„Der Sieg de» Menschen über die Natur" gegeben. Am Donnersiag spricht Herr Dr. Georg Wegener zum erfienmale über „Eeqloi» und Indien", während am Freitag der 7, Centenor-Vortrag statt- findet nnd zwar ixricht Herr Professor Raiusey aus London über die Er- forschuug der Atmosphäre im neunzchnten Jahrhundert; am Sonnabend wird Herr Professor Nanisay sciiicn Vortrag noch einmal wiederholen. Am Dienstag findet eine Raclimittngsvorsiellung zu ermähigte» Preisen„Der Sieg de» Metischen über die Statur" statt. Auf der„Treptow-Sternwarte spricht am Sonntag, den 31. De« zcmbcr, und am NeujahrStage Direttor Archen hold nachmiitags 5 llhr iider„Schein nnd Wirklichkeit in der Astronomie" und abends 7 llhr über „Rückblick auf die Astronomi« des 19. Jahrhundert»". DaS Thema für den 5 Ildr-Bortrag am DicuStag, den 2. Januar lautet:„Die Bemohnbarkeit der Welten". Im Jahre 1899 haben 19 869 Personen die ProjcktionS- Vorträge besucht, Mit dem Riescnrefraktor Ivird von 2—3 Uhr nachmittag» die Sonne, 3-6 Deued, 6-7'/, Mizar und 7«/,-10 Uhr abendS der Otton- nebel beobachtet, Orgelkonzert. Der Orgelvortrag de» Musikdircklor» Otto Dienel in der Marienlirche am Mittwoch, den 3. Januar, mittags 12 Ubr, wird niiterstützt von Fräulein Hedwig Reuter, Fräulein Tom Böttcher, terrn Dr. Fr. Grimm, Herr» Zlouzettmeister Leop, Hartmann und Herrn ans Gentzcl. ES kommen zur Aufführung: Wethnachtslieder van Albert Becker, ein Duett von MendelSsokm, serner Orgel-, GesangS- und Violw- Komvositionen 00» Bach, Händel, Granu, Schubert, Thiele, Wiemawstt und Dienel. Ter Eintritt ist frei. Im Cii kus Busch finden sowohl heute all morgen zwei Vorstellungen statt. Abends wird die„Camorra" gegeben. Cirkus Schumann. Heut am Silvestersonutag, und morgen, am Neusahrstag, finden zwei Borstellunaen statt, um 3»/, und 7,/, Uhr. Die Nachotiltags-Borstellungen bringen dte reizende Wethnachllpamomtme„Im Weihnachtsbazar". A»S den Nachbarorte». Pankow. Dcn Mitglicdenl des ArbciterdercixS Aur Nachricht, da« der Lescabend am Dienstag, den 2. Januar ausfällt. Dafür findet am selben Abend bei Blauroch Wcllankstr. 113 eine öffentliche Versammlung statt. Stadtv. Fritz Wille wird über„die christliche Nächstenliebe und die AuZweisimg unseres Kreisvertraucns- niannS Anton Kopp" referieren. Genosse Kopp wird selbst anwesend sein. Fenrer finden die Delegierteirlvahlen znr KrciSlonfcrenz und die Wnbl einer Kommission zur bevorstehenden GcincinderatSwahl statt. Ilm zahlreiches Erscheinen wird ersucht. Stralau. Heute nachmittag 2 Uhr findet im Saale des Herrn Gursch eine P ar t e i v e r s amm In n g mit folgender TageS- ordnung statt: Abhaltnng einer Rreislonscrenz auS Anlafi der Ausweisung des Genossen Kopp. Abänderung des Niederbarnimer KreiSorganisationSstntntS. Wahl von Delegierten zur ÄreiSkonfercnz. Um zahlreiches Erscheinen ersucht Der Bertrauensmaun. FricdrichSfclde. Den Genoffen zur Nachricht, daß am Moiitag, den 1. Januar, im oberen Saal von F. Bube eine öffentliche Partei- Versammlung stattfindet. 1. Vortrag des Genossen Kotzke. 2. Telegierteuwahlcn zur bevorstehenden Krciskonfcrcnz. Der Vertrauensmann. . Man schreibt«nS auS Schöneberg: Sehr lebhaft besprochen wird die vom„Berliner Tageblatt" gebrachte Mitteilung, daß der Erste Bürgermeister von Schvncbcrg, Wilde, dazu ansersche» sei, zweiter Bürgermeister Berlins zu werde». Wenn das Blatt sagt. dafi bei seiner Bcrcilwilliglcit die Wahl aufier Zweifel stehe, da er im Berliner Mogistratskollegium als erstklassige Kraft gilt, so ist das ganz schön und für Herrn Wilde äufierst schmeichelhaft. Wir meinen jedoch, daß ein Man», der an die Spitze einer Gemeinde tritt, die erst seit ganz kurzer Zeit ein städtisches Gclvaud an gelegt, der mit ancrkcimenswencm Schaffensdrang Pläne von weit rragcnder Bedeutung für die weitere Enitvicklnug der Stadt Schöne derg entworfen und ausgeführt, ein Mann, der in liberalster Weise den Ansprüchen und Forderungen der Bcvöllcrung und besonders der städtischen Beamten entspricht, sollte eines Titels oder gar des schnöden Mannnons wegen die von der Bürgerschaft auf ihn gesetzten Hoffnungen nicht tauschen Und im Jritcrcsje der Stadt Schöneberg eine ihm eventuell angebotene Wahl ablehnen. In Schöncberg erwächst für einen befähigte» und für die wirkliche Selbstverwaltung eintretenden Mann ein qroffes und lohnendes Feld. Der Regierungspräsident von Potsdam. Graf Hne de Grais, hat. einer ZertungSmeldung zufolge, sein Abschiedsgesuch ein- gereicht. Das brennende Kohlenlager in Obcrschöueweidc. Bis heute ist es noch nicht gelungen, den seit zwölf Tagen her« fchcndcn Brniid dcS großen Kohlenlagers der Eleltricitätswcrle in Ober- fchöneiveide vollkommen zu löschen. Ein großer Teil dcS gewaltigen Lagers ist durch die fortgesetzten Anstreligungen der mit de», U»,- schaufeln der Kohlen beschäftigien 40 Mann auf das zwischen dem Betriebswerk und dem Kabelwerk der Allgemeinen EIcktricitäts-Gc- fellschaft gelegenen m, bebauten Terrain geichafft, während aus dem noch stehenden Teil fortgesetzt Flammen schlagen. Die nächsten Am wohner sind infolge der' starken Rauchentwicklung nicht in der Lage ihre Fenster zu öffne». Einige Anwohner beabsichtigen daher, eine Eingabe an die zuständige Behörde zurichten' und darin um schleunigste Abhilfe zn bitten. RuS Pcrlcberg wird berichtet: Ein Attentat wurde Freitag- abend auf einen Geldbriefträgcr zwischen Klctzke und Vielecke uuicnwmmcu. Der Beamte wurde durch drei Schliffs vom Rad geschossen.� Der Thäter. ein Uhrmacher ans Kletzke, wurde erkannt und verhaftet. Die Verwundungen sind anscheinend nicht lebens- gefährlich._ Gevichks-Ävrkung» Die Kreditschwindcleien des sogenannten„Bankiers" Josef Scholl werden am 3. Januar die 8. Straslammer dcS Landgerichts I beschäftigen. Außer Scholl, der bei dem früher von ihm betriebenen Losehandel schon mit dem Strafgesetzbuch in Konflikt gc- kommen war, sind auch seine Ehefrau und sein Compagnon. der Kanfinau» Paul, angeklagt. Mit letzterem hatte Scholl unter der hochtönenden Firma„Deutsche Hypotheken- und Wcchsclban! Paul u. Co." ein Geschäft in Friedenau begründet, welches»ach Ansicht der Anklagcbchörde von Anfang an ans unreeller Grundlage ausgebaut gewesen sein soll. Scholl soll naineirtlich verichieden« ZeitnngSvcrlcger dadurch geschädigt haben, daß er große Aimonce» z»m Abdruck aufgab und später nicht bezahlte. Paul nnd Frau Scholl werden außerdem noch des Betruges bcziv. der Urkunden- fälschung beschuldigt, weil sie unter falschen Vorjpiegcliingcn einer dritten Person die Summe von 1000 M. abgelockt und dazu vcr- wandt haben sollen, für Scholl eine Geldstrafe in dieser Höhe zu zahlen nnd ihn aus diese Weise vor der Verbüßimg der sub- stitnicrtcn Gefängnisstrafe zu bewahren. Die Verteidigung der Air- geklagten haben die Rechtsanwälte Dr. Werthauer uud Dr. H e i n e m a n n überiiominen. Ein dreister„Leichenfledderer", der sich den Alexandcrplatz, also die nächste Nachbarschaft des Polizeipräsidiums, zum Schauplatz seiner Thalcn ansersche» hatte, stand gesleni in der Person des Ardeiters Adolf S t ö h r vor der»ennleu Strafkammer des Land- gerichtS 1. Er hatte in einer Rovcmbernacht einem Kansmann, der von einer Festlichkeit heiinkehrrnd, ans einer Lank am Alexandcrplatz emgeschlmnmert war, ein Porteniomiaie mit 60 M. Inhalt ans der Taiche gestohlen. Als er versuchte, die Uhrketie zu durchsckmciden, erwachte der Schläfer, machte Lärm und cS einwickelte sich eine wilde Jagd hinter dein Cntfliehendc». der schließlich auf das Grund- stück des neuen AmtSgerichtSgebäudcS ciilfloh und dort scstgcnommen wurde. Es stellte sich bald heraus, daß er an derselben Stelle im Mai ein gleiches Verbrechen begangen und damals einem schlafenden Kellner mit einem scharfen Mciscr eine Hosentasche äußerst geschickt aiiSgeschintteii und sich des Inhalts derselben bemächtigt hatte. Der Staatsanwalt beantragte zwei Jahr« Zuchthaus, das Gericht ging aber über diesen Antrag hinaus und erkannte auf d r e i I a'h r e Zuchthaus und Ehrverlust. Tolle Streiche hat der 26jährige Stallinami Eduard W a l l n e r begaiigc«, welcher gestern vor der 3. Strasknmnier des Land- gerichtS l stand. Der trotz seiner Jugend bereits vielfach, zuletzt mit zivei und einem halben Jahr Zuchthaus imd«»Sstoßnng aus dem Militärstande vorbestrafte Angeklagte hatte sich wiederum zahl- reiche Berbrechen zu schulden kommen lassen. Sein Onkel ist Ober- Stallinann beim Berliner Spediteurvcrein. Diese verivandtschaft- lichen Bezichiiiigen hat der Angeklagte in der schnödesten Weise für sich ailSaebcntet. Er ging zu verschiedenen Personen und redete ihnen vor. daß er im Auftrage seines Onkels koimne, der sich in Geldverlegenheit befinde nnd um ein Dar- lehcn bitten lasse. Nachdem der Angeklagte sich auf diese Weise mehrere hundert Mark erschwindelt, ließ er sich bei seinen Verwandten blicken, trat nobel ans und erzählte, daß sein in WieS« baden wohnender Vater— der Angeklagte ist ein uneheliches Kind— ihn ermittelt und ihn aufgefordert habe, nach dort zu iomineu, er wolle ihn mit einer Sunnnc von 5200 M. abfinden. Da der Auge« klagte leine Cousine aufforderte, ihn zu begleiten, so schenkte man ihm Glauben, sein Onkel gab ihm auf seine Bitte ein Darleh» von 100 Mark und vertraute ihm auch seine goldene Uhr in, Werte von 450 Morl an, ein Geschenk vom Berliner Spediteur-Verein für 2v jährige treue Dienste. An einem Moi-Abcnde sollte die Reise angetreten werden. AIS die beiden jmigen Leute sich aus dem Bahnhof Alcxanderplatz befanden, erklärte Wa'llncr plötzlicki, daß er ein wichtige« AutweiSpapier zn Hause habe liegen lassrii. Er wolle es schnell holen und vor Abgang deS ZnaeS wieder zurück fein. Der Angeklagte kehrte nicht zurück. Er reiste»ach Hamburg, verpraßte sein Geld und verdang sich als Heizer auf einem Dampfer, mit den, er nach Amerika führ. AIS er znrückkehrle, soll,« er verhaftet werden, es gelang ihm aber zu entfliehen. Er kam unter anderen auch nach Noriorf in. Holstein. Hier gab er sich als den Pferdehändler Briese ans Berlin ans und bot ciiieu, Knecht, den er kcnnci, lernte, an, daß er ihm eine Stelle als Stallmann verschaffen wolle, wenn der Knecht ihn an, folgenden Morgen nach Berlin begleiten wolle. Der Knecht war hierzu bereit. Während der Nacht teilten sie ein Zinnner. Nachdem der Knecht eingeschlafen war, stand Wallner leise auf. kleidete sich an, stahl dem Schlafenden seine ganze 32 Mark betragende Barschaft, die Uhr, sowie dessen Ausweispapiere und ergriff die Flucht. Er ist erst in, Oktober verhaftet worden. Die Uhr seines Onkels soll ihn, nach seiner Behauptung gestohlen worden sei». Das Urteil lautete ans vier Jahre Zuchthaus. 750 Mark Geld st rase, event. noch 50 Tage Zuchthaus,»nd Ehrverlust. Tie bürgerliche Justiz gegen rhreuhaste Arbeiter. Ans Hailea. S. wird n»s berichtet: Die drei Tapezierer Alwin Adler. Ernst' W o r b l i„ S k h und Valentin B a k a z y n a traten am Abend des 24. Oktober»ach 6 Uhr in ihrer Werlstätte an de» noch sehr jugendlichen Arbcitsluilligen Heinzc mit de», Ersuchen heran, keine Uebcrarbeit mehr zn leisten, da doch die neunstündige Arbeitszeit bewilligt sei. Als Zeuge von der Ueberarbeit nicht ab- lassen ivollte, soll Adler die Aeußcrung: Wem, Sie jetzt nicht sofort die Arbeit niederlegen, dann hauen' wir Sie znr Bnoe hinaus,— gcthan habe», worauf Heinze nach Hanse ging. Wegen widerrecht- licher Nötigung angeklagt, wnrde Adler von der Strafkammer des- halb zu einemMonat und Worbliusly zu 3 Wochen Gefängnis ver- urteilt. Bakazhna wurde als nicht überführt freigesprochen. Das Gericht erblickte in der Abhaltuirg von der Ueberarbeit eine„Bc- schränknng der Freiheit". Der Staatsanwalt hatte gegen Adler allein die Kleinigkeit von drei Monaten beantragt. Der Amtsrichter Himptmau» ans Nalingen bei D ü s s e l- darf hatte den gesamten Wirtcstand dadurch beleidigt, daß er öffentlich betonte, das Zeugnis eines Wirtes sei ein minder gutes, da ei» Wirt durch eine Flasche Wein sich»»istiinmen lasse. Ein Düsicldorfcr Wirr verweigerte wegen dieser Acnßernng vor Gericht die Abgabe eineS Zengnisses so lange, bis seitens der Justiz den, Wirtesiand eine entsprechende Sühne zu teil geworden sei. Die Justiz that aber nichls anderes, als daß sie den Amtsrichter nach Opladen strafversetzte. doch ist diese Strafversetzung in Wirklichkeit kau», eine Strafe, denn, ivie die„Mark. Volks-Ztg." hört, ist dem nach Opladen versetzten Amtsrichter gestattet worden, in Köln am dortige» Ring eine prächtige Wohnmig zu beziehen. Sociales. Hygientschcr Unterricht für Kinder. Der Berliner Zweig- verein der Jntcniationalen Föderation veranstaltet von Mitre Januar bis Mitte Februar IS00 in einem Klaffcnraum des Falk- Rcalgymnasinms, Lützoivstr. K4a, ilncntgeltlich ciiien HygiciicknrsuS von je 5 Stunden, für Knaben jeden ToiincrStagabcnd von 7—3 Uhr, für Mädchen jeden Montagabend von 7—8 Uhr. Die Stuudcii für Mädchen hat Fräulein vr. med. Hacker, die für Knaben Herr Dr. med. Umber gütigst überiiommen. Ellern und Erzieher werden darauf ausmcrksam gemacht, daß Kinder» im Alter von 12—16 Jahren die Teilnahme an diesen Kursen gestaltet ist. Acrzte und Pädagogen haben es längst als eine Notivendigkeit, so- wohl vom hygicinschcn wie vom sittlichen Standpunkt ans anerkannt, der heramvachseiidcii Jugend die elcnicntaren Begriffe der gesamten GeffmdheitSlehre beizubringen: darum soll, im Verlaufe dcS Unter- richts, auch sexuelle Hygiene und die dazu notwendige Aiifklärnng in taktvoller Weise berührt werden. Die erste Stmide für Knaben findet am Donnerstag, den 11. Fannar. die für Mädchen am Montag, den 15. Jannar. abends 7 Uhr, Falk-Rcalgymnasinm, Liitzowstr. 84c, statt. Arbcitcrschntz in der Küche. Der„Internat. Verband der Köche zn Franksnrt a. M." wird ans der Reihe seiner Mitglieder angeregt, an die Regierungen eine Eingabe einzureichen, um ans die Schaffung gesetzlicher Bestimmuiigeii über die Beschaffenheit der Restanrarions- und Hotellnchcn hinzuwirken. Die schlechten Venti latioiisverhältnisse in den Küchen. Ivo sich naturgemäß allerhand Ausdüiistmigen ausainmeln, seien Ursachen inannichfachcr Leiden nnd Erkrankiiiigeii des Küchcnpersonals. Zumal für Ncnanlagcii sollten Rormativbestimmiiiige» eingeführt iverden. Doch auch bei den bereits bestehenden Küchen lassen sich Uebelstände oft ohne große Schwierig- leite» beseitigen. Russische Blätter bringen fortgesetzte Klagen über das Ein- dringen chinesischer Arbeiter»ach dem asiatischen n»d zum teil auch bereits nach dem europäischen Rußland. Mit jedem Jabr erfährt die Eintvandening dieser Knlis besonders in das Transbaikalgebiet eine Zniiahme. Auch snr Rußland bedeutet die Arbeit des»longo- Irschen Sklavciivolkcs eine ernste Konkurrenzgefahr. Die chinesischen Arbeiter begnügen sich cinenr russischen Blatte zufolge mit der not- dürftigsten Kleidung, entbehren jeder Wäsche. schlafen in Erdhütten und brauchen znr Nahrung misichlicßlich Fisch nnd Reis. Wie das- selbe Blatt hervorhebt, liegen bereits Anzeichen dafür vor, daß die Chinesen auch bald der Leütenot ini Westen des Reiches und in Polen abzuhelfen gehalten sein werden. Vielleicht lassen sich dami unsere oftelvischen Junker gelegentlich ein paar Wagenladungen über die Grenze schicken.—_ VevsÄttttnl«ngen. Holzarbeiter- Perband. In einer sehr stark besilchten Braiichenveriainmlllita der Parkettbode»leger, die i» den „Spreehallen" am 27. Dezember tagte, wurde über die Frage„Lohn- nnd Accordarbeit" gesprochen. In der regen Diskussion sprachen sich ämtliche Redner dahin ans, daß die Frage der Lohnarbeit noch verfrüht wäre. Eine in diesem Sinne gehaltene Resolution fand Amiahuic. Tie Möbelpolicrcr tagte» am 27. Dezember bei Keller, Koppenstraße. H. Schulz berichtete über den ÄnSsrand bei Laborenz in Rixdorf und beleuchtete das Treiben der Freien Vereiiiignng der Holzindustriellen. Ein diesbezüglicher Antrag wurde einstimmig an- genommen. Wenn nicht baldige Klärnng in dieser Sache stattfindet, so soll das Rixdorfer Gewerbegericht als Schiedsgericht angerufen iverden. Hierauf referierte Weber über den Anschluß an das neue GcwcrlschaftSkartell Berlins und wurde Reuter als Delegierter in dasselbe gewählt. Der Vertrauens», ann Niese gab den Bericht über das verflossene Jahr. Die Anfhebuug des§ 8 des VereinSgejetzc." veranlaßte die Vcrsaniinlung, von der Wahl eines Vertrauensmannes abzusehen. Adlci'öhof. In der Versa,, milniig von, 26. November er., in welcher Genosse Adolf H o f f ni a n n über die Notwendigkeit des Austritts ans der Landeskirche referierte nnd in welcher auch der Prediger des Ortes anwesend war, wurde nach einer regen DiSlussio» zwischen dem Prediger»nid Hoffmann eine Kommission gewählt. welche eine lebhafte Agitation unter der Bevölkernng für den Austritt betreiben soll. Die Kommission besteht ans Wadepuhl, Genossenschaft- straßc 20; Paul Gnndcl, Bismarckstr. 50; Paul Meyer, Stadickestr. V; Wilhelm Arndt, Bismarckstr. 36, nnd Ferdinand Büttner, Hackenberg- straße 17. Anstritts-Erklärniigen sind bei den Kommissionsmitgliedcr» zu haben. Erkner. Am Sonntag fand hier eine gut besuchte Versamm- lnng statt, in der Genosse Karl Müller eincli mit Beifall auf- genommenen Vortrag über die„Ziele der Socialdemokratie" hielt. Räch kurzer Debatte fand die Veriammlung leider ei» unliebsnnicS Ende dadurch, daß Herr Tischler Werner gegen einen Genossen im- gerechtfertigt schwere Anklagen erhob, ohne auch nur den Schatten eines Beweises zu erbringen. Der Herr stand jedoch zuletzt ganz allein nnd zog es vor, zu' verschwinden. Weistensee. Heute nachmittag B/z Ubr findet im„Prälaten" eint öffentliche GewertschastSversammlullg statt, gieferent: Maff'atsch-Berlin. VecmiMzkes- Der deutsche Postdampfcr„Pelotas" von der Hamburg» Südamerikanischen Dampfschiffahrls- Gesellschaft, der am 7. d. M. von Sautos nach Hamburg in See gegangen ist, scheiterte, wie ans Folkestone gemeldet wird. am Freitag bei Dliiigeneß. Wegen des starken Sturmis konnten keine Rettungsboote auslanfon, doch ivird gemeldet, daß die zahlreichen Passagiere in Sicherheit gebracht sind. Die aus Kaffee bestehende Ladung soll jedoch verloren sein. Abermals ein Grubcnnnglükk in Oberschlesien. Auf dem Augnstaschacht der Eäcilieii-Zinkcrzgrnbe i» Schorlen imirdeu durch Zubrnchegehen eines Pfeilers drei Bergleute verichüttet. Einer von ihnen wurde getötet, die beiden anderen erlitten Verletziingeit und wurden ins Venthcncr Knappschasts-Lazarett gebracht. TaS Neberciukommcn des Deutschen Reiches niit Ostreich- Ilngarii zum Schutze der Urheberrechte an Werken der L i t t e r a t u r, der Kunst und Photographie ist gestern abend im Auswärtige» Amte von dem Staatssekretär, Staatsininistcr Grafen v. Bülow und den, königl.»nd kaiscrl. Oestrcich-Ungarischen Botschafter von Szögheny- Manch niiterzcichnct worden. AuS Stettin wird berichtet: Auf de», Bahnplan, unweit dem Personciibahilhos, ivurden heute zunächst zwei Beine, dam, hundert Schritte weiter der Run, vi einer Frauenleiche mit zerschmetterten, Schädel gesunden. BmmiWch ist die Person von der Plattform ztvischcn'zwei Wagen abgestürzt, Ivobei ihr erst die Beine abgefahren wurden, woraus der Rumpf eine Strecke weit mitgcschlcift wurde. Die Persönlichkeit der Toten ist noch nicht ermittelt. Tie Prst. In Numea trete» täglich neue Pestfälle auf. 'Auch in Honolulu sind in, chinisischeu Viertel drei pcftverdächtige Fälle vorgekommen. Ei» Opfer deS Intellekts. In Kassel hat anläßlich der Ausführung des Befehls des preußischen Kultusministers über Ab- Haltung einer Jahrhundertfeier der Direktor einer höheren Schule dies Opfer des Intellekts nicht gebracht, ohne Protest gegen eine solche niatheniatischo Vergewaltigung einzulegen. Er erklärte in seiner Siede, es gehe ihm. ivie dem Haupt», ann von Kapernaum, der da gesagt habe:„Ich bin auch mir ein Mensch, dazu der Obrig- kcit nnterthan, und hade KriegSkiiechte unter mir. Wenn ich zun, Eiiie» sage:„Gehe hin, so geht er,— Komme her. so kommt er. lind zu incincm Knechte: Thue das. so thut ers." Er. der Direktor. sei der Ansicht, daß das neue Jahrhundert erst mit dem 1. Jannar 1001 beginne, aber der Minister habe befohlen. und so gehorche er. Briefkasten der KedaKkwn. Tie juriftische Tprcchstiiiibe findet Montag. DicnStag und Freitag vo»i Uhr abends flatt. H. T. i» B. Die Frage läßt sich wissenschaftlich nicht ent- scheiden. Es laumit auf die Art der Zählung an; man kann für den einen Termin gute Gründe angeben, aber auck für den andere». Amtlich ist die Frage bei uns ja zu Gunsten deS 1. Jannar 1000 als des Anfangs deS no. Jahrhundert« entschleden. H. K. 1. Das Vorheize» in den Depot?, sowie unterwegs nach der Brandstelle erfolgt zur schnelleren Entwicklung der Daiiipftraft mit Stein- kohle. Sobald erst genügender Druck vorhanden ist, wird aus der Brandstelle nur mit Cooks geheizt. G. K.« MnSkauevstr. 24. Sie külinen saus Herausgabe deS Brieses klagen.— 1.2. H. L. In beide» Fällen imihieu Sie sich au das Patent- auit wende»:— H. S. 33. 1. Der Vertrag entscheidet. 3. Ja. 3. Bis zur nächsten Lohnzahlung, weil sonst Einverständnis angenmimien werden kömite. 4. Vorichriste» über bestimmte Pausen für Nichtjugeuoliche enthält da» Gclctz nicht. Der Lohnherr mub aber trotzdem angemessene Pansen eintreten lassen, ö. Die Innung.— E. L. 1S0V. Stach dem neuen.— Enterbt. Der von Ihnen erwähnte Vertrag ist nach Ihrer Darstellung vor dem Tode des Verkäufers angenommen, bedurfte also zu seiner Gültigkclt keines- wegs der Zustimmung drr späteren Erben des Verkäufers.— A. T>. 88, Ja.- Rantstr. 64. 1. Ja. Erst nach gerichtlicher TodeserNärmig. Ständiges Repertoire: Resideuz-Ttjeater. Busch und Reichenbach. Vorher: Die Richtige. Xhalia-Sheater. Im Hiwmelhof. Metropol> Theater. Die verlehrte Welt. Eentral-Tbeater. Die Geisha. Bictoria> Theater. Die Venus von der Markthalle. Carl Weih> Theater. Kinder der Hälle. Bellc-Alliance-Theater. Der Amerikaseppl. Friedrich WilhelmstädttscheS Theater. Im weißen Röhl lParodte). Nachmittags-Borstellmigen am Sonntag, 31. Dezember und Montag, 1. Jannar. Deutsches Theater: Montag: Versunkene Glocke Berliner Theater: Sonntag und Montag: Frau Solle. Residenz-Theater: Sonntag: Jugend, Montag: Schlafwagen-Cvntroleur. Neue» Theater: Sonntag und Montag: Kiwito. Theater des Westen», Sonntag: Schneeweibchen und Rosenrot. Montag: Lustigen Weiber. Schiller- Theater: Sonntag: Maria Smart. Montag: Junasrau von Orle-nS. Eentral-Tbeater: Sonntag: Fledermaus. Montag: Boccaccio. Bictoria- Theater: Sonntag: Watse von Lowood. Montag: Räuber. Luise»- Theater: Sonntag: Waise von Lowood. Montag: Erbförstcr. Friedrich» Wilhelmstädtisches Theater: Sonntag: Dornr öschen. Montag: Pfarrer von Kirchseld. Carl Weiff-Theater: Sonntag und Montag: BermächUuS. (Freie Volksbühne.) , H. HU. 29. Das Marwekabwett Befmbct sich Sofiftt. 25; Ches des JcIBeii ist Freiherr D. Senden-Bibran, Konter-Admiral und Zldmiral 8. la suite. K. T. TaS(ÄewerbegerichtZ-Gesetz datiert vom 29. J»Ii 1899.— Ä)l. R.. Altehauscii und K. A. 2V. Sprechen Tie tu der juristischen Sprcchstuiibe vor.— Ä BZciteiide iur Zlrbeitsvorein Basel. Nein.— SP. Zlltw. Sic uisisseil' bcit LohmiachweiS für alle von Ihnen Beschäftigten fuhren unb barlegeit. wer allein Ihrer Ansicht nach vsrsicherungSpllichtig ist. — ZI. TS. N. 27. Sie hätten nach dem 15. November der Union mit- teile» sollen, dag Sic verzichten. So werden Sie beiden zu zahlen haben, können aber mit Aussicht ans Ersolg gegen den Anspruch der Union aus- treten, w c n n Sie beweisen, dah als Bedingung der Bersicheruna ver- einbart ist, daß Sie die Police bis zum 15. erhalten.— 84. Eine solche Borschrist enthält das Jnvalidenvcrnchcrungs-Gcsctz nicht.— F. ti. C. C. I. Ja, weil Sie der Erbschaft nicht entsagt haben. 2. Nein.— I. K. Ja. SvltlernnzKiibersicht tmm 30. Dezember 1899. morgens«Uhr. Swineiude Hamburg Berlin Wiesbaden viiiiiche» Wien 747 SSO 743 5 743.e; 30 749, ZW 755i30 ölvollig 4bcdcclt 2 bedeckt 3 bedeckt lliwolkig IhNcbel Haparanda Petersburg Cork Aberdeen Paris TSlZ 737NW 2 bedeckt _ 5hlb.bed -10 lUletler. Prognose für Sounatg. den 31. Dezember 1899. Mild und zeitweise heiter, vielfach wollig mit etwas Regen und frischen südwestlichen Winden. Berliner Wette rburea». Ein glückliches Neujahr wünscht allen Freunden und Bekannten Die Familie Liebknecht. Charlottcnburg, den 30. Dezember 1899. Marktpreise von Berlin am 29. Dezember 1809 nach Ermitllniigcn des kgl. Polizeipräsidiums. »)Weize» D.-Clr. »Moggen Fiitter-Gcrstt Hafer gut , mittel ,. gering Richtsirvh Heu -tiErbs-n -fsSpeisebohiien PjEinse» Kartofseln,»ene Rliidilrtsch, Keule 1 bg do. Bauch *) E> mittelt pro wiktschaftssielle— Notierungsstelle— nnd uuigerechiiet vom Polizeipräsidiilm für den Doppelcentner. si) Äleinhaudelspreise. Produkten markt vom 30. Dezember. Auch heute trat am Getreide- markt die GeschästSstille in scharf ausgeprägter Form in die Erscheinung. Neben der Feicrtagönähe, ivelche die Interessen mehr oder minder vom Geschäfte ablenkte, übten nordamerikanischc Osicrten einen starken Druck aus, welcher mehr durch fehlende Kauflust, als durch weichende Preise. zum Ausdruck kam. Weizen und Roggen waren zu gestrigen Preisen angeboten, fanden aber kaum Abnahme. Eine Teilladung schwimmenden Kansc.sweizcns wurde nach hier verschllsscit. Hafer fand wenig Beachtung; Rübäl lag nominell fest. ?lm Sviritus markt überwog daS Angebot für Locoware und der Preis für 70er stellte sich 0,20 M. billiger, aus 47,60 M. Städtischer Schlachtvieh markt. Berlin, 30. Dezember 1899. Amtlicher Bericht der Direktion. Zum Verkauf standen: 4656 Rinder, 2626 Kälber, 7628 Schafe, 12t41 Schiveine. Bezahlt wurden für 100 Pfund oder 50 Kilogramm Schlachtgewicht in Mark ibeziehungsmeiie für 1 Pfimd in Pf.): Für 2k in der: Ochsen: a) vostsleischige, ousgemastete, höchsten Schlachtwertes, höchsten» 7 Jahre o.t 63—66, d) junge fleischige, nicht ausgemästete und ältere ausgemästete 58—62; c) mähig g-nabrte junge nnd gut genährte ältere 54—57; d) gering genährte jeden Akters 51—53.— Bullen: a) vollfleischiAe höchsten Schlachtwertes 59—63; d) mäßig genährte jüngere nnd gut genahrre altere 54—58; c) gering genährte 49—53.— Färsen und Kühe: a) vollfleischige, ausgemästete Färsen bpchsten Schlachtwerts 00—00; b) vollfleischige, ausgeinästete Kühe höchsten Schlachtwertes bis zu 7 Jahren 54—55; e) ältere ausgemästete Kühe und wenig gut entwickelte jüngere Kühe und Färsen 52—53; d) mähig genährte Kühe und Färsen 50—52; e) gering genährte Kühe und Färsen 45—48.— Kälber: a) seinste Mastkälber(Vollinilchinast) nnd beste Saugkälber 76—78, d) uiitllere Mastkälber und gute Saugkälber 66— 70, c) geringe Sangkälber 55— 60, d) ältere, gering genährte Frefler 43—52.— Schake: a) Mafttämmer und jüngere Mast- Hammel 59—62, d) ältere Mafthammel 52—57, o) mähig genährte Hammel und Schafe(Merzschafe) 46— 50. d) Holsteiner NiederungL- schase(Lebendgewicht) 00—00.— Schweine: a) vollfleischige der feineren Raffen und deren Kreuziiiigen im Alter bis zu 1'/« Jahren 46, d) Käs» 00—00, o) fleischige 43—45. d) gering entwickelte 40— 42, s) Sauen 40— 41. Verlaus und Tendenz. Das Rinderaeschäft wickelte sich lang- sam ab; es bleibt etwas lleberstand. Der Kalberhandel gestaltete sich schleppend; es wird kaum ausverkauft. Bei den Schafen war der Geschäfts- gang langsam; es bleibt Uebersland. Der schweiuemarkt verlief langsam, ivird aber voraussichtlich geräumt. Tischler-Umm. Den Mitgliedern zur Nachricht, dah das Mitglied Herr .IuHuz Lehniann am 29. d. M. verftorbeil ist. Die Bccrdiguiig findet a,» 1. Januar 1900, nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des Tom- Kirchhofes, Müllerstr. 72/73, aus statt. ■ U»t rege Beteiligung eriucht 199/43 Ter Vorstund. CeilträtMnkell- lt. sterbe- We ber Tischler it. Orttverwaltung Beriin Ii Den Mitgliedern zur Nachricht, dah unser Mitglied, der Tischler HwiUel llasciihcln am 28. Dezember im Siechcnhausc verstorben ist. Tie Beerdigung ffndel 1. Januar 1900, nachniittagS 3sll Uhr, auf dem Andreas- und Märktls- Kirchhof bei WilhelmSbcrg statt. Sammelpunkt im Lokal Hirschlep. Um rege Beteiligung ersticht 180,45 Die OrtSvcrwallung. Danksagultg. ?1ven Freunden und Belannten für die herzliche Teilnahme bei der Bc- erdigmig nieiner lieben Frau Alwine Halecher, geb. G r o t b e, sage hiermit meinen herzlichen Dank. 1575b_ Albrecht Halecker. Erkläre Herrn O. Gericke, Ziirdors, für ehrciihast. R. Trage.__! l594b Orts- Krnttkeukasfc für das ColilscIiiiiieilG• Cewertie zu Berliu. Ausserordentliche General-ilerslimmluttg sämtlicher Delegierte,» UN<» t>>' l n, vreeckenerstr. 46, am 7. Januar 1990, vormittags priicise 19 Uhr. TageS- Ordnung; 1. Der Fall Zander. 2. Wahl eines Zlrbeitgebers pro 1900-1901. 13096 Det wichtigen Tagesordnung wegen ist Ihr Erscheinen dringend notwendig Die Blnlackungsliarte legltlnilert zum Bin tritt! Der Vorstand. E Davidhäus er, Borsitzender. E� R a b c, Schristsührcr. IIÜ. Sonntag, den 31. Dezember 1899. abends 9 Uhr, in Feuersteins Fcstsälc». Alte Jakobstraste Nr. 7S(oberer Saal): Große Silvester-Leier 241,8 Anfang 9 Uhr. Eintritt inklusive Garderobe 20 Pf. Da» Komitee. Arbeilermtttter-Verck. Donnerstag, den 4. Januar 1999, abends 8>/z Uhr. bei Baske, Grenadicrstraste Nr. 33: DM" ¥er>sam3nlung."HW Tages-Ordnung: 1. Bericht über die vollzogene Wahl der Ausschuhmitgltcder und deren Ersatziiläniicr zur Laiidcs-Lersicherungsanstalt Berlin. 2. Nominicrung der Boisiandsniitglicder sowie deren Eriatzuiänncr zur Landes- Lcrsicherungö- nnstalt Berlin. 3. Bericht über den Besuch der Heilanstalt Malchow 4. Ber- schiedenes.[53/16) Ter Borsiand. Aldt»»»: Eiseuvahner. Ast«»« Sonntag, de» 31. Dezember, mittags Vsl Uhr: Große öffentliche Uersämmlnng sämtlicher im kiMbahitditiist besW. Arbeiter Berlins u. Teuipelhofs in Stcchevts grostcm Saal. Andreasstraste LI. Tagesordnung; 1. Ter»»ucsic Erlast des Eiseiibahnminiftcrs Thielen, die wirtschaftliche Lage der Eiscnbahnarbriter und wie verbesicru wir dieselbe Y Referent: C. Link. 2. Diskussion. 15406 Kollege», Freunde und Arbeiter! Erscheint alle zu diekcr Versammlung. Es gilt unsere Stellung zu wahren. Keiner darf fehlen, ob Fahrpcrsonal, Werlslätten- oder Streckenarbeiter, alle müht Ihr ericheinen. Mit kollegialem Gruh: Ter Einbcrufer. Achtung, BauanschlSgcr! Dienstag, den 2. Januar 1999, vormittags 9 Uhr. bei Baske, Grenadierstrastc Nr. 33: Crche össciitlillie Bersmiuiilling säintlicher Kollegen. Tages-Orditnng: Beschluhsassung über die Regelung unseres Streits. 19.� Tie Lohnkommission. Kroutenkasse für die Beamte» und Lln- acstellte» der Krankenkassen, BerufSgenossenschaste», so- wie der Invalidität�- nnd AlterSversicher.-Anftalte» zn Berlin<(£. H. 108). Mittwoch, de» 19. Jan 1999, abends 8 Uhr. finder Ziralauer- straße 57 bei Alexel die ordentliche General-NerstmmlWg statt. rages-Orcknung: I JahreS- und Kassenbericht pro 15W, sowie Bericht der Revisoren. 2. Ergänzungswahl des Vorstandes für 1900 und 1901. 1558b 3. Wahl der Revisoren für l900 4. Festsestung des Publikations- OrganS 5. BerKhiedeneS. Ider Vorstand. I.?I.: K. Koblenzer. zmiellbriollZ->-...91°, Fraiikfiirterstmhe 58. Empfehle memen Saal init Theater- Bühne für 250 Personen zu allen Fesilichleiten und Versammlungen, sowie grobe und kleine Vereinszimmer. Aueb sind noch Sonnabende zu vergeben. Jeden Mittwoch nnd Sonn- tag Tanziinterrichl, nachdem Ge- sellschastSstnndc. 2755L' Moabiter Tortthollen Kirch-Straste 27. 29Ü4L7 Empsehle meinen Saal zu Ver- sammlmigen und Festlichkeiten. Jeden Sonntag Ball. Entree frei. . B» Habe. Grosses Vereinszimnicr mit Vinua, M) Personen, DienStagS und Donnerstag» trei. Srsnz NSIiIke, früh. Prester. Oranirnstrahe 109(Ecke Alle Halebftrahe)._ 1180b BilbliiiOttck„Mehr W!" MMN, Rnniaz fZltninWt,),«bknds I'/ ll|t: WW" Vrrknntinlung IM. in HolTuiunns Festfälen, Atexanderftr. 27 e. 140,2 Vortrag dos Genossen Paul Jahn über: An der Tchwelle des Jahrhunderts. Nachher: Tanz. Gäste willkommen. Beim �«mrtalswechsel empsehleu sich folgende Partei-Speditione«: Berlin vierter 4VabIkreis<».: Robert Wepgels, Frucht- Nrahe 30, Hoi II.— SB.: Fritz Thiel, Skaliyerstr. 35 v. pari.— Seebster �Vaklkrels IBoablt): Karl Anders, Salzwedeler- sirahe 8, pari, im Laden.— �Veddla;x und Oranlenbarger Vorstadt: Emil Stolz enburg, Wickciistrahe 14.— Besnnd- brannen: Wilhelm Gaßina nn, Grüntbalerslr. 65.— Itosen- tbaler Vorstadt uiib Mchönhnnser Vorstadt: Karl Mars, Kastanien- lllllee 95/96.- Q'barlottenbar-:: Gustav S charnberg, Schillerstr. 94, v. 1 Treppe.— Beatseb-Wllmer». dort: Frau K ii hier. Siginaringenftr. 5, und Frau H« i»« m a n n, Sig- Apvsiel Pauliisstr. 13, Qnergeb. Hvchp.- �obannlstbal-Mkleder- and Qber-SelivneVelde: Otto John, Ober- Schllneweide, Sietnenssirahe 7, Ciaorrengeschäst. Annahmefiellcii: Nieder-Schöneiveide: Karl Weber, Cigarrengcschäft.' Johannisthal: Seiistleben, Restanratenr.-.Adlersbor: Max Worbs. Metzerstrahe 4.- COpeniek: Franz Weber, Eigarren-Handlung, Grünauerftr. l.- Vi-ieelenau-Stexlit?.: H. Beruse«,«irchstrahe 1, in Friedenau. Bestellungen nehmen entgegen in Steglits: H. M o h r. Düppclstrahe 8. und Fr. Schcllbase, Ahornstr. Iba.- Baamsebalenwex: Gockel, Bauinschulstrabe 32, v. III.—«ross- Ldehtertelde: AbonueuientS nehmen entgegen: K r e m p, Cbausieeftr. 45; Voigt, Dürer- und Moltkestrahen-Ecke; Kutzner, Dürerstrahe 41; Paget, Chausieestr. 104; Schlüter, Verl. Wilhclmstr. 33; Richter, Lorenz- strahe 34; Frömming, Lanktvitzstr. 10; Seng er, Kurfürstenstr. 35; Lnck, Ehausicestrabe 109; Wenzel, Lankwitzerstrahe 6.- Veu- Weissensee: Spediteur Heinrich Bach mann, Lchderstrabe 1, pari. UnlS.— Pankow: Kümmert, Florastrahe 48. Anherdem ist sämtliche Parteilitleratttr sowie alle wisienschastlichen Werke dort zu habe» Auch werden Inserate für den„Vorwärts" entgegengenommen. Um grnttue Angabe der Adresse wird drin- geud gebeten. 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Leilißt des„WmSrls" Kerl« KMIÄ. Rückblicke at»fs 19. Jahrhundert. in. Der Norddeutsche Bund, der 1860 durch die preußischen Siege auf den böhmischen Schlachtfelder-» erkämpft worden war, wurde durch ein Äompromiß zwischen der deutschen Bourgeoisie und dem preußiichen Junkertum ausgebaut, so zwar, daß die Junker das burcaukratische und militärische Heft in der Hand behielten, aber der Bourgeoisie der Weg geebnet wurde für ihre ökonomische Eutwicklung. Die Ansprüche der Arbeiterklasse glaubten beide Teile in ihrer Sieges- lrunkcnheit mit vollkoinuiencr Gleichgültigkeit übersehen zu dürfen, und in der That wurde die Kraft der jungen Arbeiterbewegung durch "nicre Streitigkeiten gelähmt, Die hauptsächlichste Wurzel dieser Streitigkeiten bestand in Meinungsverschiedenheiten über die Stellung, die das Proletariat zu dem neuen, durch„Blut und Eiieil" gcschafscucn Deutschland einzunehineii habe, womit denn auch schon gesagt ist, daß sie an Schärfe und Tiefe abnehmen mutzte», je klarer sich herausstellte, daß der Gang, den die deutscheu Tinge genommen hatten, unividerr-uflich ivar. Konnte da-Z Proletariat noch nicht und wollte die Bourgeoisie überhaupt nicht auf revolu- twnärcui Wege ein einiges Deutschland schaffen, so blieb eben nichts übrig als die deutsche Einheit unter preußischer Spitze, wenn eiumnl die ökonomischen Triebkräfte der Nation gebieterisch erheischten, mit ihrer partiknlaristischei, Zerrissenheit aufzuräuine». (i» war von vornherein gewiß, daß damit auch eine bewaffnete AuSciuandersctzuug mjt dem zweiten Kaiserreiche notwendig wurde; de»: Bonaparte an der Seine kountc nicht ruhig mit ansehen. daß sich ciu zweiterBonaparte an der Spree etablierte. Bei dem mehrjährigen Jntriguenspicle zwischen den beide» Rivalen erwies sich Bismarck als der Gewitztere; in die Fallen, die er dem Gegner stellte, tappte dieser plump hinein, so in die von Bismarck öffentlich abgeleugnete, aber heunlich hetriebene Kandidatur eines Hohcuzolleruscheu Prinzen für den spanischen Thron; als dann der deutsch-srauzösische Krieg un- obivendbar war, wußte sich Bisinarck obendrein durch die Fälschung der Emser Depesche und ähnliche Kuustgrifse vor ganz Europa den Schein eines unvermutet vom Wolfe Überfallenen Lammes zu gebe», Gleichwohl hieße es jeder geschichtstoissenschaftlichcn Auffasiung eut» lagcii und historische Ereignisse auf das Nivcou anckdotischcr Jntriguenspiele� herabziehen, wenn man verkennen wollte, daß der Krieg von 1870 und 1871 vom deutschen Volk in seiner großen Masie als eine Notwendigkeit empfunden und demgemäß geführt wurde, un» Deutschland endlich einmal unabhängig von dem Willen dies Auslandes zu mache». Hieran hatte auch die deutsche Arbeiterklasse eil» lebhaftes Jntcrcsic; ,nit ihrem Blut und »hrcn Knochen hat sie sich an den dcntschcir Siegen des große» KnegSiahrcS einei» größeren Anteil erworben. als alles wirkliche oder sogenannte„Genie' der Diplomaten und Generale daran besitzt, nur daß sie nicht den ausländischen Bonaparte zu stürzen gedachte, um in die Hände dcS einheimischen Bonaparte ab- zudaiikcn. Vielmehr erhoben ihre bereits zum Klasseubewußtsciu erwachten Elcnicnte ausdrücklichen und lebhaften Protest gegen die uniinuigc Annexion Ssaß- Lothringen», durch welchen„Geniestreich" �ismarcl die Beziehungen DeutschländS und Frankreichs unheilbar vcr- gitletc, das heißt, die Bezichungcn der beiden großen koutüicntaleii �lmmrvolter, deren friedliches Handinhandgehen die sicherste Bürg- schaft der europäischen Kultur nud Civilisation hätte werden können. Ter Protest der Socialdcmokratic verhallte wirkungslos: schien sie selbst doch durch die mächtige KricgSwelle vom Erdboden weg- gefegt zu sein. Die ersten Wahlen zum deutschen Reichstage zeigten sie im Jahre 1871 auf einem ziffermnaßig sehr niedrigen Stande, und auch die Internationale Arbeitcrassocia'tion wurde jetzt, nachdem sie einige Jahre hindurch mit großem Erfolge an der Auf- tsttruna des europäischen Proleiarchis gearbeitet hatte, durch inneren Znust zerrüttet, der ihr baldiges Ende vorausscheu ließ und auch ivirflich herbeiführte, AI» eine leibhaftige Berkörpernug des roten Gespenstes, um die Spießbürger und die„och unklaren Arbeiter- »nassen, zu schrecken, diente die Pariser Kommune, die den deutsch- französischen Krieg beschlossen hatte. Im strengen Sinne deS Wortes war sie nicht einmal ein proletarischer Ausstand, geschweige denn, daß sie die socialistische Gesellschaft zu gründe» beabsichtigte: in ihrer histori- scheu Wirklichkeit stellte sie eine Erhebung dcrPariscr Bevölkerung dar. die da-Z ftcucrloS auf den Wellen schwmrlnide SlaatSschiff vor der Rotte der Ruraux, der rückstaudlgsteli Junker und Pfaffen retten wollte, Allerdings standen dabei, wie immer, die Arbeiter im Vordertreffen, und iiisofcru niag man die Pariser Kouunuue eiueu Arbcitcrausstaud iieiiue», Tie Heimtücke der geängstigteu Reaktion schilderte diesen Aufstand als eine wahr» Tcufclsfrntze, doch find alle ihre infame» Lügen heute zerstört. Die Pariser Kommune hat mitten in den ungeheuren Schivierigkeiten. in die sie urplötzlich gestellt war. oiancheii Fehler begangen, und einzelne ihrer Mitglieder auch manche Verbrechen, die immerhin vor de»- gehäuften Greueltbaten ihrer Feinde vollkoinmen verschwinden, aber in ihrem achtinigswertcn llr- sprung und in ihrem heldenhaften Iliitcrgang ivurde sie ein Mene- tckel der bürgerlichen Civilisation. daS die klafsciibeiunßtcn Arbeiter rucinalS verleugnet haben �und auch nicht zu verleugnen brauchen. Di- Hoffming. daß die Jahre 1870 und 71. lvic einst die Jahre 184» und 49, den SiegeSmarsch der Arbeiterklasse aufhalten oder mmdcsteiiS auf absehbare Zeil verzögern würden, hielt nicht lange vor. Und wie sollte sie auch! Mit der deutschen Einiaung war die brennendste Machtfrage dcS europäischen Staatenshstcms gelost, und auf dem Wellnnnkte begann die wilde Konkurrciiz, dcr großen Nationen, in denen die kapitalistische Produktionsweise un- widerruflich gesiegt hat. Sie cntivickellen ihre Produktivkräfte auf riesenhafter Stufenleiter und in gleichem Matze ihre Mordwcrkzeuge zu Lande ivie zu Waffer: damit waren die günstigsten Bor- dedinguugcir gegeben für den prolcianscben Klassenkampf, der die ausgebeuteten nud unterdrückten Massei, samnielt»ud schult, um sie von aller Ausbeutung und Unterdrückung zu befreie», um sie zu Herren dcS Reichtums zu machen, den sie thatsächlich schaffen. In dem kapitalistischen Reigen marschierte nun Deutschland mit an erster Stelle. Die Kolbenstöße der dcntschen Heere hatten dcr deutschcn Bourgeoisie den nöligen Raum verschafft, worauf sie die fünf Milliarden der französische» Kriegsemschädignug trefflich zu frnklifizieren verstand. Im Jahre 1874 stand der deutsche Geianit- Handel auf dem Weltmärkte nur noch den, englischen»nch: er bclicf sich tAnSfnhr nud Einfuhr addiert) in Millionen Mark: Groß- britanuien 13 380, Deutschland 9300, Frankreich 6800, Vereinigte Staate» 4980, Die ersten Jahre deS»eiien Deutsche» Reiches waren von einem kapitalistischen Taumel erfüllt, der niibarmherzifl alles patriotische Singen und Sogen von des wiedererstaiidenen Reiches romantischer Herrlichkeit zerstörte; in groteske Erfüllung ging das geflügelte Wort jenes Leipziger Festredners: Run soll»ns iwch mal einer da-Z Volt der Denker»nd Dichter schimpfe»! Die deutsche Litteratnr sank ans eine» Tiefstand, den sie selbst nicht einmal in de» zwanziger Jahren erreicht hatte, die deutsche Knnst bcqueinte sich jeder seilen Laune des Mords- Patriotismus, im deutschen Theater lärmte ein geschmackloser Pöbel in Seidenhüten. und waS sonst eliva noch die pfiffige Profitjagd dem bieder» Bürgers», an» an„Gedanken" übrig ließ, das verpuffte er keichlsertig in dem sogenannte»„Kulturkämpfe", der polizeilichen Pfaffenhetze, die der geniale Bismarck orgaiiisict-te, in der schnurrige» EinbUdnng, daß er dadurch die partilnlaristische Opposition gegen die Reichsgründung bändigen könne. Da mit Ausnahme des Proletariats alle Gesellschaftsklassen dem„Säkiilarmenschen" zu Füße» lagen, so halte er es leicht, die Nation für seine beliebigen Thorheiten büßen zu lassen. Ihren, blinden Glauben an den„Kulturkämpfcr" Bismarck hat sie die angenehme Thatsache zu danke», daß die deutsche Bollsvcrtretung beim Anbruch des 20. Jahrhnnderts von der schwarze» Brigade des Papste« beherrscht wird. " lieber alles das hätten sich die patentierten Patrioten vielleicht bald getröstet, wenn die Konkurrenzfähigkeit Deutschlands auf dem Weltmarkte neben der Lichtseite des Aufschwunges nicht auch die Schattenseite des Krachs gehabt hätte. Er brach mit verhcrender Wucht herein, kann, daß sich die deutsche Bourgeoisie ein paar kurze Jahre ihrer Gottähnlichkeit gefreut hatts Und nun drängte Sorge auf Sorge. Die preußischen Junker, die als Klasse durch die industrielle Entwicklung in der verschiedensten Weise ökonomffch an die Wand gedrückt worden wäre», sträubten sich mit Händen und Füße» gegen ihren droheiideu Bankrott, während die Arbeiterklasse sich täglich dichter un» das socialdemokratische Banner scharte, durch die That zeigend, daß sie im Krieg-Zfieber nur augenblicklich entlräftet gewesen Ivar. um sich nun an dem Rausch wie an dem Katzenjammer der Bourgeoisie desto gründlicher zu orientieren. In dem weiteren Blick, den sie iinnmehr geivonnen hatten, begrübe» die streitenden Fraktioncii derArbciterpartci daSKriegs- beiluud schloffen sich zu einer Pbalanxznsainnien, die noch stärker erschien, als sie war, gegenüber dem Tohuwabohu iin Lager ihrer Gegner. In diesem beginnenden Wirrsal de« neuen Reichs griff Bismarck zu seinen bonapartiftischen Rezepten und begann die Beute- und Kncbelpolitik. die mit den, Schlüsse des Jahrhunderts ungefähr ihr füiifundzwaiizigjähriges Jubiläum feiern niag. Für die An- erkemning seines Despotisinus schüttete er der verkrächten Bourgeoisie und de», noch verkrachtcrcn Junkertum reichlich in der Staatslrippe ans, während er die Socialdcmokratie gewaltsam unterdrückte, als die klügste und kräftigste Borkämpferin der Massen. die für diese neue Zeche der oberen Zehntausend ebenso auftomine» sollten, wie sie für deren alte Zecken stet-Z aufkommen mußten! Ei» Zufall hals ihm, die Hindeniisse seiner menschenfreundlichen Politik verhältnismäßig schnell ans de», Wege zu rämiie». Es fügte sich nämlich, daß ein verwahrlostes Jndividunn» aus dem Lumpen- Proletariat ein unbrauchbares Schießgewehr ans den alten Kaiser abdrückte. Dies Altentat gehörte, wenn es wirklich ein Attentat ge- wesen sein sollte, was bisher noch nicht bewiesen ivordeu ist. jeden- falls zu den harinloscsten Atte» taten des Jahrhunderts; gleichwohl wurde eS von Bismarck n»d seinem Mob in der unanständigste» Weise gegen die Soeialdemokratie ausgebeutet. Dabei erhob sich solch Spektakel über den Idioten von Attentäter, daß die ansteckende Kraft dieser Reklame cii, anderes verwahrlostes Jndividnnni. diesnial aus den besitzenden Klaffen, zu einem nenen und sehr ernstlichen Attentat auf den Kaiser anreizte. Nun hatte Bismarck das ersehnte Obertvasiex für ftine Beute- und Knebelpolitik: er verhängte über die Arbeiterklasse ein System dcS weißen Schreckens, unter dessen Eindruck ztvar die socialdemokratische Phalanx nucrschüttcrt blieb, aber die betäubte Philistcrwclt einen willigen Reichstag wählte. Nach einigem Zieren wurde das Socialisteiigeietz bewilligt und dann die Schntzpolitik eingeleitet, die ocu schlaff gewordenen Geldbeuteln des Junkertums ivie der Bourgeoisie wieder zn hübscher Rundung verhalf, versteht sich ans Kosten desselben Proletariats, dem die Haiid gefesselt wurde, sich dagegen zn wehren, nnd selbst die Zmige, darüber zn klnaen. ** » Die zwölf Jahre dcS deutschen SocialistcngeietzeS gehören zn den bedeutmigsvollstcn dcS JahrhirndertS, insoscrn als sie zum erstenmal den thatsächlickien Bctveis für die Uiibcsicgbarkeit der modernen Arbeiterklasse erbracht haben, vorausgesetzt, daß sie nur mit entschlosseiier Hand»nd grundsätzlicher Entichiedenhcit ihre Interessen zu verfechten versteht. Was dem englischen ChartiSmns lind der Pariser Komniime noch mißlang, so reich immer diese Be- wegungen dcS Proletariats an menschlichem Heldenmut gewesen sind, das gelang der deutschen c-ocialdemokratic zu», erstenmal: in einem zivölsjährigcn, klug nnd konsequent geführten Kampfe verstand sie einen modernen Großsiaat lahm zn legen, der sie mit den a»S- gcsnchtesten Foltern und Martern zu ersticken bestrebt war. Diese 'historische Thatsache ist von der größicn Bedentung nicht nur für das deutsche, sondem für das interualionale Proletariat überhaupt. Sie ist ilin so bedeutungsvoller, je schwieriger die Ilm» stände waren, nnter denen die deutschei, Arbeiter diesen Kampf zu führen hatten. Kein vcmünftigcr Mensch behauptet heute noch, daß die socialdemokratische Agitation auch nur das Ge- ringste mit de» beiden Attentaten auf Kaiser Wilhelm zu thun gehabt habe, sei es nun mit dem sogenannten, oder mit dem ivirk- lichen: trotzdem lastete in der Masse der bürgerlichen Bevölkerung die Vcrauttvonuilg für diese Thatcu ans ihr und hielt sie in einem moralischen Banne, der iveit schwerer zu brechen war, als die rohe Gcwallpolitik Bismarcks. Dabei war die Partei noch nicht den, vierten Teil so stark wie heute nud gebot nicht über den zehnten Teil der Hilfsquellen, die heute zu ihrer Verfügung stehen: sie »mtzte nichr bloS von vorn anfange», sondern erst die schwersten Hemmnisse überwinden, che sie überhaupt versuchen konnte, von vor» anzufangen. AllcS das hat sie überttMiide». dank dcr Koiiseqncnz. womit sie sich selbst treu zn bleiben wußte, gleich fest und sicher in der Abivehr bnitaler Angriffe, wie in der Vereitelung heimtückischer Anschläge, immer ans den, Posten, unennüdlich i» ihrer Wachsamkeit, mierschiitterlich in ihrer Tapscrkeit, minbcrwiildlich im Glaube» an ihre große Sache, Sic hat willig die schwerste» Opfer gebracht, nnd Opfer nicht nur an Gut, sondern auch an Blut; Tausende von braven Arbeiten, sind elend in den Gciäiigniffcn nnd in der Verbannnirg umgekommen, Märtyrer, wie sie'redlicher und treuer niemals iin Kampfe der Humanität mit der Baibarei gcsaNei, sind, Den großen Opfern entsprachen aber auch die großen Gclvinnc, In diesen Jahren hat die Socialdcmokratie die moderne Form des Despotismus, die in Deutschland leider viel tiefere Wurzeln ge- schlagen hatte, als in Frankreich, mit kräftiger Faust zerbrochen ivie einen morschen Ast: ihre kühne zugleich und bcsomienc Politik Hai den„Säklilarmenschen" gestürzt, dessen Gewaltherrschaft in den achtziger Zahm, wie ein intellektnell verheerender und moralisch vcrtvnstender Alp anf Teutschland lag. Von ihr ging der frische Hauch ans, der in der Mitte dieses Jahrzehnts eine Spätblüte der bürgerlichen Knnst erweckte»nd anck belebend über die dürr gewordenen Felder der bürgerliche« Gelehrsamkeit strich, Ungleich bedeutsamer aber, als die mittelbaren Rückwirkungen dc§ proletarische» HcldenzeitalterS auf die bürgerliche Welt, die ihrer Natur»ack nur vorübergehende Erscheinungen»nd nicht mehr als charakteristische Symptome sein konnte».>var die innige, die unlösliche Verschmelzung der social- demokratischen Agitation mit dem ganzen Denken. Fühlen, Handeln der auLgcbentctcii und nnterdrücktcu Massen; bei ibiie» bedurfte hin- fort ein Führer, der sich im härtesten Sturm nnd Drange so be- währt hatte, keiner Legitimation mehr, und gegenüber allen Vcr- suchen, sie bei den Volksmassen zu verdächtigen, durste die Social- dcinokratie mit größerem Recht als einst der erste Napoleon sagen: Wer mich schniüht, beißt anf Granit, Mag auch noch mancher Sturm mn die Wipfel dcö Stammes brausen, seine Wurzeln kann leine Gewalt nnd keine List mcbr dem dcntschen Boden entreißen. De», bonapartistisch-biSmärckischcn DespotiSnmS hat die deutsche Arbeiterklasse ein Ziel gesetzt, und zwar so gründlich, daß die Sehn- sucht nach ihm selbst in reaktionären Kreisen nur noch in der Form des.starken MaimeS" lebt, der übrigens ein großer Esel sein darf, Was aber die Soeialdemokratie mir ihrer glänzenden und vcr- nichtcnden Abtvehr des Socialisteugesctzcs noch nicht erreicht hat, weil sie es überhaupt nur mit ihrem endgültigen Siege er- reichen kann, das ist die Aufhebung des Klassengegensatzes selbst, Der Kampf zwischen den drei großen Klaffen der modenien bürger- lichen Gesellichoft, der dem ganzen Jahrhundert seine eigentümlichste Signatur gegeben hat. dauerte auch in seinem letzten Jahrzehnt fort und hat für dies« Zeit sogar i» Dentschland seine llasfische Gestalt erhalten: deshalb nämlich,»veil in Dentschland die Aristokratie noch ein großes Wort mitsprechen darf. während sie in den tuest- europäischen Kulturländern als Klasse schon mehr oder ivcnigev ab- gedankt und sich mit der Bourgeoisie verschmolzen hat, von der sie höchstens noch eine besondere Spielart bildet, so weit es aus die große Auseinandersetzung zwischen den besitzeiiden und den arbeiten- den Klassen ankommt., 1 Hieraus erklärt sich, daß in Dentschland der ZickzackknrS anf den bonapartistisch- bismärclischen Absaluti-Zinus gefolgt ist und folgen mußte, nachdem die Soeialdemokratie ihren Fuß auf Bismarcks Nacken gesetzt und damit bclvicscn hatte, daß die Zeiten für immer vorbei seien, Ivo sich die dentschen Arbeiter ein für ein II machen ließen. Der Zickzackkurs ist seinem historischen Wesen nach nichts andere«, als ein Hin- nnd Herschtvanken der politischen Getvalt ztvischen den drei großen GesellschaftSklassci», anf deren keine er sich stützen kann. ohne daß die beiden anderen mit nnerträglichcr Wucht über ihn hereinbrechen. Der ökonomische Bankrott des Jnnkertmns schreitet von Jahr zu Jahr vor, aber um so krampftiaftcr hält es seine alt ererbten politischen Waffen fest: die Bourgeoisie wird von Tag zu Tage fetter, aber auch von Tag z» Tage feiger; das Proletariat steht in fest geschlossener Schlachtordmnig nnd macht kein Hehl daraus, daß es auf jeden Scheunen andcrthalbe zu setzen entschlossen ist. Die Lust, den„starken Mann" zu spielen, wäre schon da. dafür zeugt die Umsturz- und die Zuchthausvorlage. dafür zeugt da« Schlagwort der„Sammlung", aber da« Spiel ist viel zu gefährlich und ziveifelhaft geworden, als daß sich die� politische Gewalt nicht doch lieber mit der ungleich bescheideneren, aber immerhin noch leidlich sichcrcil Rolle des Zickzackkurses bcgnngle, so lange es denn gehen mag. ' Wie lange'es aber noch ins 20, Jahrhundert hinein gehen tvird. das ist eine nicht zu beantivortende Frage, weil die richtige Antwort auf sie an eine nicht zu berechnende Voraussetzung geknüpft ist. Den geringsten Grund, über den Zickzaccknrs zn klagen, hat diejenige Gesellschaftsklasse, die am meisten über ihn jammert, nämlich die Bourgeoisie, denn sie verschuldet ihn in erster Skeihe. Sie könnte genieinsani mit dem Proletariat, dessen Buildesgeuosienschaft. wie sie sehr tvohl tveiß, ihr für diesen Fall sicher ist. mit dem Junkertum gründlich aufräumen nnd die politische Gewalt auf die Höhe der bürgerlichen Kultur erheben, worauf in den lvestcuropäischen Kultur- Völkern regiert tvird. Die Kräfte oder richtiger die nötigen Macht- mittel dazu fehlen ihr nicht, aber der Mut, der Mut! Der Mut sowohl, den junkerlicheii Stier an den Hörnern zu packen, als auch— nud noch viel mehr— der Mut. ein Bündnis mit dem Proletariat einzughen, fehlt vollständig. Dieser traurige Mangel an Courage, der die deutsche Bourgeoisie in so kläglicher Weise vor ihrem europäischen, doch auch nicht allzu trutziglichen Ge- schwister an-Zzeichnet, verschuldet in erster Reihe die quälenden Agonien dcS Zickzackkurses. und eS ist eine seltsame Verkennung der Sachlage. für ein Zeichen moralisch- politischer Gesundung zu halten, waS ge- radc die schlimmste Form moralisch-politischer Erkrankung ist. Haben sich die großen Vorkämpfer de-Z deutschen Proletariats den historischen Entwicklungsprozeß in Deutschland inigleich kürzer vorgestellt, als er sich thatsächlich vollzieht, so wurzelte ihr Irrtum doch nicht darin, daß sie Moral nnd Politik der deutschet, Bürgerklasse unter». sondern vielmehr darin, daß sie diese Onakitäten, mindestens in dem historisch entscheidendsten Pnilkte, ü vcr schätzt haben, Das deutsche Proletariat aber tvird mit den, Zickzackkurs fertig werden, ivie es mit dem bonapartiftischen Despotismus fertig ge- worden ist. Das letzte Jahrzehnt des ablaufenden Jahrhunderts hat ihm nicht so schwere Opfer und nicht so blendende Siege gebracht. ivie das vorletzte:»ach heißen KricgSjahrcn mit ihrem jähen Wechiel der Schicksalsschläge nimmt sich die Fricdensarbeit immer etwa« farblos nnd nüchtern aus. Aber daran ist nichts verloren, wenn nur die Fricdensarbeit so tüchtig vollbracht wird, wie die KriegSarbcit. Ilnd wäre der Friede auch nicht nur ein bewaffneter Friede gewesen.- so wäre er doch nicht zum Äapua der dentschen Soeialdemokratie gcivordcn, wie voreilige Gegner hoffen oder doch zn hoffeil vor- geben, Bon dem höheren Standpunkte der Jahrhundertwende er» scheint die Utopie der Versöhnung, die das deutsche Proletariat angeblich mit dem Kapitalismus schließen tvill. in ihrer ganzen Lacher- lichkeit. Als ob es auch nur in der Macht der Socialdemokratie läge— selbst wenn sie ivollte, wie sie natürlich nicht will'—, ihren großen Wcrdcprozeß rückgängig zu machen, ein Meer von Blut nnd Schweiß und Thränen aus der Geschichte des Jahrhunderts zu tvischen. die ragenden Denkmäler ihrer Leiden und Thatcn mit frevelnder Hand' niederzureißen! Wie kann ein Fluß, der mit un- widerstchlicher Gewalt in die See strömt, sich wieder in seine Quelle verkriechen! Die Ziele der deutschen Socialdemokratie sind die alten geblieben und ebenso ihre Wege sie kn»n nie darauf verzichten, die bürger- liche in die soeialisti'sche Gesellschaft ,nmzuivälzcii. nnd sie kann nie die in hnndert Schlackten siegreich erprobte Stellung einer selbst- ständigen nnd unabhängigen Partei preisgeben: nur wie sie, um ihr« Ziele auf ihren Wegen am schnellsten zn erreichen, in die inneren und sehr vcrivickcltcn Kämpfe ihrer Gegner einzugreifen hat. mag in ihren Reihen ein Gegenstand dcS Streits sein, der eben deshalb aber im letzten Grunde' mir ein nencs Zeichen ihrer überlegenen Kraft ist, ** Und wie in Deutschland, so leuchten an der Wende des Jahr- Hunderts überall in der moderne» Welt den» proletarischen Klassen- kämpfe glückliche Sterne, ES ist ivahr: gewaltiger nnd mächtiger als je scheint sich der Koloß des Kapitalismus z» erheben: erobernd dringt er in die letzten Flächet, des Erdballs vor, die ihm Visher noch vcrschloisen.tvarcii, der erste Wcltherrscher, der diesen Namen in tvelthistorischem Sinne verdient. Aber wer sich dadurch blenden läßt, der übersieht die eben so einfache wie einlcnchtcnde Thatsache. daß die fieberhafte Entwicklung des Kapitalismus nur die Eni- Wicklung seiner innere» Widersprüche ist, an denen er um so schtveree dahin siechen muß, je iveiter er sein Szepter über die be- wohnte Erde streckt. Eben jetzt treten einige dieser Widersprüche in blutiger Ironie auf den Begriff der bürgerlichen Kultnr hervor, und wer'sie nicht hört nnd sieht, der hat keine Ohren zu hören nnd keine Auge» zn sehe», DaS Ideal des ewigen Friedens, das die Vorkämpfer der bürger- lichen Kultur vor hmidert Jahren auf den Schild erhoben, hat sich verwirklicht in einer waffcnstacrcndcn und täglich mit neuen Waffen sich rüstenden Welt, die nur deshalb nicht in einein ewigen Kriege liegt, iveil sie selbst nicht mehr die Wirkungen ihrer Mord- Werkzeuge zu übersehen vermag, tveil das privilegierte Christentuin der Nächstenliebe sich den privilegierten Massenmord des Konkurrenz- neide« hat über den Kopf wachsen lassen. Noch vor dreißig Jahren feierte ein edler bürgerlicher Denker, feierte Johann Jacoby das„freie Amerika", das in, Gegensatz zu der Blut- und Eiscnpolitik Europas das Ideal dcS Friedens verwirkliche, und am Ende des Jahrhunderts beginnt das„freie Amerika" einen kapitalistischen Raubzug, dessen sich kein europäischer Militärstaat hätte zu schänicu brauchen, tvährend diesem Kriege ivicder anf den, Fuße folgt ein noch ärgerer kapitalistischer Raubkrieg desjenigen bürgerlichen Staates, der noch am ehesten ein bürgerlicher Kultur- staat genannt werden durfte. Und ivie das bürgerliche Ideal de« Friedens, so hat sich das andere bürgerliche Ideal der Arbeit zu eine», eklen Zerrbild entwickelt: zu», Schufte» des Sklaven, dcr »icht schwer genug mit Ketten belastet lv erden kann, Arbeit und Friede aber im bürgerlichen Sinne feiern ihre gemeinsame Orgie in der Wiedergeburt dcS SceraubcS auf höchster Stufen- leitcr, Einst ein wirksamster Hebel der kapitalistischen Accn- »mlation soll er heute unter dem wohltönendcn Namen der Kolonial- und Welipolitik das kapitalistische Werk krönen, ein verivünsibt gescheiter Gedanke, der nur gar so herzlich dumm ist, und nirgends dümmer als in Deutschland, Diese Rückkehr i» seine KindhcitS- träume, über die er in seinem kräftige» MaimeSaltcr so iveit hinaus war, ist vielleicht das schlogcndstc Symptom dafür, daß der Kapitalisiims in sei» Greiscnalier getreten ist... Auch dieser Koloß hat thviierne Füße,»ind der Stein ist längst in, Rollen, der sie zertrümmern wird. Sein immer stärker heranschloellendeS Echo leitet das 20, Jahrhundert sinnfälliger»nd wahrhaftiaer ein. als der offizielle Glocken- nnd Posanneiiklang. der i» dieser Silvester- nacht von den Kirchen- und Schloßtiirmen erschallen soll. F. M, Staatliche Musterwerkstätteu. Alljährlich bei den Etatsbcratungen im Reichstage werden immer wieder die Klagen der vom Staat beschäftigten Arbeiter über ihre Lohn- und Arbeitsverhältnisse laut; besonders sind es die Be schiverden der in den preußischen M i l i t ä r>v e r k st ä t t e n be schäftigten Arbeiter, welche bei jeder Etfltsbcratung von unseren Parteigenossen im Reichstage zur Sprache gebracht werden. Bei den Etatsberatungcn im Frühjahr 1898 trugen unsere Abgeordneten K u n e r t und Bebel die Klagen der S p a n d a u e r Werkstätten-Arbeiter vor; der Herr Kriegsministcr antwortete auf das reichhaltige und wuchtige Anklagematerial ganz kurz und bündig:„Die II n z u s r i e d e n h e i t d e r Arbeiter und deren Klagen seien nur auf Verhetzung durch socialde in akratische Agitatoren zurückzuführe it." Gebessert aber wurde nichts, denn erst kürzlich veröffentlichten wir einen längeren Bericht über die Lohnverhältnisse der Arbeiter in der Spandaucr Pulverfabrik und im Artillericdepot, soivie über die Verhältnisse in der Artillerie- Werkstatt in Spandau. Heute nun erhalten wir eine Zuschrift über die Entlohnung der Arbeiterin der Gelvehrfabrik in Spandau, mit welcher sich kürzlich sogar die bürgerliche Presse lurz befaßte und welche wir hiermit zum Abdruck bringen: „Bekanntlich sind die'Arbeitsperioden in den staatlichen Gewehr- fabriken recht unregelmäßige und ungleiche; sobald ein neues Armee- gewehr in Auftrag gegeben wird, ziehen die Gcwchrfabriken tausende Arbeitskräfte an sich, um in fieberhafter Eile und mit äußerster An- spannung aller Kräfte das Gewehr fertig zu stellen und um dann sofort wieder die erst vor wenigen Monaten angenommenen Arbeiter zu entlassen: nur eine ganz geringe Anzahl Arbeiter verbleibt in diesen Fabriken als„ S t a m m". Gegenwärtig sind niui in der S p a n d a u e r Gewehr- f a b r i k etwa 900 Arbeiter, voraussichtlich bis zum April 1900 beschäftigt: diese sind zumeist aus dem Arbciterbestande der übrigen Spandaucr Institute kürzlich ausgewählt worden, wo sie einen immerhin besser befriedigenden Verdienst hatten, um jetzt in der Gewehrfabrik bei einem erheblichen Minderverdicnst verwandt zu werden. Fast durchweg sind diese Leute gelernte Schlosser, die schon früher in der Gcwehrfabrik gearbeitet und sich als tüchtig erwiesen hatten und die jetzt durchschnittlich nicht mehr als 4' ja selbst 3 M. 50 Pf. und in einzelnen Fällen sogar unter 3 M. täglich verdienen, während sie in ihrer früheren Beschäftigung in dem Feuerwerks-Laboratorium, Artilleric-Werkstatt:c., ausweichen sie durch denWillender Direktion der Gewehrfabrik und meist gegen ihren eigenen Wunsch gerissen worden sind, bei weniger anstrengendcrArbeit bis 6 M. pro Tag und darüber verdienen konnten. Wie sehr die außer- ordentliche Unzufriedenheit der Gewehrarbeiter berechtigt ist, ergiebt sich daraus, daß die von der Fabrikdirektion festgesetzten Stücklöhne — die Arbeiter selbst haben bei der Festsetzung wenig oder nichts dreinzureden— dermaßen niedrig bemessen sind, daß die Direktion sich gezwungen sieht, zahlreichen Arbeitern, welche es bei diesen Stücklöhnen oft nicht einmal auf 3M. pro Tag bringen konnten, bei der ersten und zweiten Lohnzahlung nach ihrer Neu- einstellung Beträge bis zu 10 M. als /.Vergütung für un- verschuldeten Mindervcrdien st" zu ihrem Accordverdienst zuzusteuern. Natürlich machen sich die Arbeiter über diese„Ver- giitung", die nichts anderes bedeutet als eine„ U n t e r st ll tz u n g" und welche nur die krasse Ausbentnng der Arbeiter bemänteln soll, ihre eigenen Gedanken. Nach der Art des„preußischen Bureaukratis- mus" sind auch die Bestimmungen über die Stücklöhne' und die Be- rcchnung des Verdienstes des einzelnen Arbeiters derart komplizierte, daß viele Gewehrarbeiter oft darüber völlig im Unklaren sind, wieviel sie wohl bei der nächsten Zahlung ausgezahlt er- halten würden. Auch scheint es znweilen ganz in der Hand eines einzelnen Vorgesetzten zu liegen, die Accordlöhne beliebig herabzusetzen. So verminderte der Inspektor Klose vor einiger Zeit ohne weiteres den Stücklohn für eine bestimmte Arbeit von 45 Pf. auf 29 P f., also um 16 Pf., als er wahrnahm, daß die Arbeiter bei 45 Pf. Stücklohn nahezu fünf Mark pro Tag verdienten. Ueberhanpt ermäßigt die Betriebsdirektion regel- m ä ß i g die Stücklöhne entsprechend, falls die betreffenden Arbeiter bei denselben auf einen höheren Verdienst als 4 M. pro Tag kommen. Die Beschwerden der Arbeiter über zu niedrigen Verdienst er- folgen deshalb auch sehr häufig, doch soll der Empfang der einzelnen Arbeiter, der ihnen von feiten des Inspektors oder des Direktors zu teil wird, nicht gerade besonders rücksichtsvoll sein. Im Oktober d. I. sahen sich einige 60 Gewehrarbeitcr gezwungen, nachdem alle Be- schiverden nichts gefruchtet hatten, ihre Klagen in einer ausführlichen Bittschrift s!j durch zwei Beauftragte bei dem Direktor, Major Lodtmann, anzubringen, in ivelcher sie auch darauf hinwiesen, daß es bereits manche Arbeiter, die über ein Jahrzehnt in Militär- Werkstätten Spandaus beschäftigt waren, vor- gezogen hätten, die Beschäftigung in der Gewehrfabrik deshalb auf- zugeben und Privatarbeit zu suchen. Das Resultat dieser„Bittschrift" war ebenso d r a st i s ch als bezeichnend; der Herr Major fuhr die beiden lleberbcinger des Schreibens also an:„Sie haben hier eben erst reingeroche'n, und wollen schon die Arbeiter aufhetzen!" Dabei veranlaßte der Herr Direktor die beiden Arbeiter, schleimigst sein Zimmer zu verlassen, indem er ihnen höchst eigenhändig die Thüre öffnete! Die beiden wurden um die ihnen an- gethane Ehre von ihren Kollegen später nicht wenig beneidet. Die beiden„Beauftragten" wurden dann noch„wegen Nichteinhaltung des vorgeschriebenen Instanzenweges mit je zwei Mark be'- straft! Bezeichnend ist auch noch, daß der Herr Direktor bei früheren Anlässen die beschwerdeführenden Arbeiter recht kategorisch mit den Worten abfertigte:„S ch e r c n S i e sich hinaus, in Lohn- angelegen heiten unterhandle ich mit den Ar- b e i t c r n nicht!" Die Arbeiter wandten sich hierauf in einer längeren Petition, Ivclchc einige 70 Unterschriften trug, an die„Feldzeugmeistcrei für Handfeucrlvaffen", diese ordnete eine eingehende Erhebung und die protokollarische Bcniehmung einer größeren Anzahl Gewehrarbeitcr an, welche die Richtigkeit der vorgebrachten Beschwerden vollauf/ bestätigte. Und das Resultat? Die Feldzeugmeisterei wies die! Direktion an, durch' VerMittelung des„Arheiteräusschusses" auf die, Arbeiter aufklärend und beruhigend(!) einzuwirken und den letzteren zu erläutern, daß es doch eigentlich eine„Wohlfahrts-j e i n r i ch t n n g" sei, wenn Arbeiter von anderen Instituten nach der Gcwehrfabrik überwiesen würden. da diese sonst dort wegen Arbcitsmangels entlassen worden wären, und daß übrigens ein neuer L o h n t a r i f demnächst in Kraft treten würde. Nun wurden die Arbeiter aber nicht aus Gründen der„Wohlfahrt"' nach der Gewehrfabrik überwiesen lwo sie 1 bis 2 Mark pro Tag weniger verdienen!), sondern sie wurden von der Direktion der Gewehrfabrik nötig gebraucht, weil sie schon früher dort gearbeitet hatten. Man eröffnete ihnen auch ganz deutlich: Sie haben sich in der Gcwehrfabrik zu melden, da Sie von dort ver- langt werden, lind der neue L o h n t a r i f? Er hat alls Er-' Wartungen übertroffen. Fein säuberlich sind in demselben die Arbeiter der Gcwehrfabrik nach Schlossern erster und zweiter Klasse, Drehern erster und zweiter Klasse, Handlangern ec. klassifiziert und' rubriziert, aber Klarheit will den Arbeitern darüber nicht werden, welcher Klasse sie nun eigentlich angehören; und von„Lohnaufbesserungen" lvagt wohl niemand zu reden, der diesen neuen Lohntarif gelesen hat, denn nicht nur keine Besserung, sondern für einzelne Kategorien sogar eine Verschlechterung sollte nach demselben eintreten, so daß schließlich der Arbeiterausschuß gezwungen war, der Direktion mit- zuteilen, daß der„neue Lohntarif" erst'recht die Unzufrieden- heit der Arbeiter hervorgerufen habe. Nicht ganz ohne Grund sind die Arbeiter der Meinung, daß die Militärverwaltung jetzt durch die kargen Arbeiterlöhne heraus zuWirtschaften versucht, was in den 80er Jähren fönnlich vergeudet worden ist, wo einzelne Meister bei dem damaligen System sich große Vermögen„erworben" haben. Von den Mitunterzeichncrn der Petition sind übrigens zwei bereits aus der Arbeit entlassen worden, der eine„weil er nicht im stände sei, den festgesetzten Lohn zu verdienen", der andere seiner der vcnncintlichen„Rädelsführer" I). weil er nicht mit der ohne Angabe eines Grundes erfolgten Reduciernng seines Stücklohnes', lvelche für ihn einen Minderverdien st von 1 M. pro Tag bedeutet hätte, einverstanden war, und nicht dem von dem Arbeitgeber„Staat" den Arbeitern vorgeschriebenen Grundsatze „Friß Vogel oder st i r b", huldigen wollte. ES ist endlich an der Zeit, daß sich die Arbeiter der Militär werk st ätten Spandaus und besonders die- jenigen der G e w e h r f a b r i k zu dem Entsäilusse aufraffen, Mann für Mann ihrer gewerkschaftlichen Organisation bei- zutreten, um so macht- und energievoll gegen derartige Zustände, wie die hier geschilderten, anzukämpfen. Nur durch entschlossenes, einmütiges Vorgehen der Arbeiter selbst, und unter Benutzung der öffentlichen Meinung und der Reichs- tagstribüne Ivird es möglich sein, dem Staat diejenigen Zu- geständnisse für seine Arbeiter abzuringen, zu denen sich die Mehr- zahl der Privat Unternehmer schon längst bequemen mußte! D'* Jr Vi' '\0 Ar Berlin, Nevja/tr IOOO. An unsere Kunden! ßeim Jahreswechsel nehmen wir gern Veranlassung, für das uns bisher erwiesene Wohl- iv ollen beslens su danken und um die fernere Erhaltung desselben ergebensf zu bitten. Hochachtungsvoll JBaer Sohn Chausseestr. 24a u, 25. Brückenstr, 11. Gr. Erankfiirtersfr. 20. Allen lieben Freunden. Bekannten und Bereinen ein frohes gesundes Neujahr und ein vergnügtes Wiedersehen wünscht «iei' Alte Freund ___ aus der In»el Plcliel»werder. Carola-Kaffee. 1 Theolöftel genügt vollständig, um sieh 2 Tassen vorrügliehen, gesundheitlich zuträglichen Kaftees herzustellen. 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Uhr: Die versunkene Glocke. DienStag: Ter Prubekandidat. Lrssing. Der Tugendhos. Ansang 'Vi Uhr. Montag; AlS itfi wiederkam.., Dienstag � Der Tugendhof. Berliner. Flotten- Manöver. Anfang.7'/, Uhr.., Nachm. 2'/2 Uhr: Frau Hölle. Montag: Flottenmanöver. Nachm. SU/j Uör: Frau Holle. DienStag-.'Faust. Schiller. In Behandlung., Anfang 7i,'= Uhr. Nachm. 21/., Uhr: Maria Stuart Montag: Zwei glückliche Tage. Nachm. ll Uhr: Die Jungfrau von Orleans..,, DienStag: In Behandlung. Neues. Ein unbefchriebeneL Blall. Anfang 7 Uhr. Nachm. 3'?, Uhr: Kiwito. Montag: Ein unbeschriebenes Blatt. Nachm. 3 Uhr: Kiwito. DienStag: Ein unbeschriebenes Blatt. Westen. Der Zigeunerbaron. An- fang? Uhr. Nachm. 3 Uhr: Schneewittchen und Nofenrvt. Montag: Der Zigcuuerbaron. Nachm. 3 Uhr: Die lustigen Weiber von Windfor. DienStag: Die Regimentstocher. Die schöne Galathce. Thalia. Im Hiniinelhos. Ansang UZ Uhr. Montag: iffclßc Vorstellung. Dienstag: Dieselbe Vorstellung. Residenz. Busch und Reichenbach. Borher: Die Richtige. Ansang 7V, Uhr. Nachm. 3 Uhr: Jugend Montag: Busch und Reichenbach. Vorher: Die Richtige. Nachm. 3 Uhr: Der Schlafwagen- Eontrolrur. Dienstag: Busch und Reichenbach. Vorher: Die Richtige. Luise». Arme Reiche. Ans. 8 Uhr. Nachm. 3 Uhr: Die Waise von Lowood. Montag: Arme Reicht Nachm. 3 Uhr: Der Erbförster. Dienstag: Arme Reiche. Central. Die Geisha. Ans.?:/, Uhr. Nachm. 3 Uhr; Die Fledermaus. Montrag: Die Geisha. Nach«,. 3 Ubr: Boccaccio. DienStag: Die Geisha. Carl Werst. Kinder der Hölle. An- fang 7V-. llhr. Montag: Dieselbe Borrstellung. Dienstag: Dicfclbc Vorstellung. Bictoria. Die Veuuö von der Markt- Halle. Anfang 71/2 Uhr. Nachm. 31/3 Uhr: Tie Waise von Lowood. Montag: Die VenuS von der Markthalle. Nachm. 3 Uhr: Die Räuber. DienStag: Die VenuS von der Markthalle. Friedrich- Wllhelmstädtisches. Ilm weihen Räß'l oder: AlS ich wiederkam... Anfang 8 Uhr. Nachm. 4 Uhr: Dornröschen. Montag: Im weihen Röhl oder: Als ich wiederkam... Nachm. 4 Uhr: Der Pfarrer von Kirchfeld DienStag: Im weihen Röh'l oder: AlS ich wiederkam.., Beste- Alliauce. Gastspiel des Schlierseer Bauern- Theaters. Ter Amcrikajeppl.. Ans. 7>/, Uhr. Montag: Dieselbe Vorstellung. Dienstag: Dieselbe Vorstellung. Metropol. Specialitätenvorstellung. Die verkehrte Welt. Ansang 8 Uhr. Montag: Dieselbe Vorstellung. DienStag: Dieselbe Vorstellung. Apollo. Specialltäten- Vorstellung. Jrn Reiche des.Jndra. Ansang 7-/3 Uhr. Mmiiag: Dieselbe Vorstellung. Dienstag: Dieselbe Vorstellung. ReichShalie». Stettiner Sänger. Anfang 7 Uhr. Palast. Leute von heute. SpeciaN- täteu-Borstelluug. Ans. 8 Uhr. Passage- Panoptikum. Spectali- täten-Borstellmia. Urania. Jiivalideustr. 57/62. Täglich abends von 5— 10 Uhr: Lünne arte. Tanbeustr. 48/�9. Berlin vor> hundert Jahren. Anfang 8 Uhr. Montag:..Transvaal". Vorher: „Der dunkle Erdteil". Ncnjahrespitien billigst l-U62b Tulla, Temmincrstr. 3. SchillerThtliter (WaNncr-Theater). S 0 n n t a g. nachmittags 3 Uhr: IV. Vorstellung im Schiller-Eyklus: TIaria Stuart. Traucrivicl in 5 Aitfz. von Schiller. Abends 7>/z Uhr(Silvesterabend): In ItvUan«Il«»K. Komödie in 3 Akten von Mar Dreycr. Ende%'e Uhr. Montag(Neujahr), nachm. 3 Uhr: Die.JiinNfra,, von Orleans. Abends 8 Uhr: Zwei glückliche Tage. DienStag. abends 8 Uhr: _ In Bctiandlnng. CCvntvn l- C heator Direktion: Jose Ferenczy. Nachm. 3 Uhr, zu halben Preisen: Die K:'Iedern,a»s von Slrauh. _ Abends 7>Z Ubr: M?" Nur noch kurze Zeit!"KM Vio Gvislis». Morgen(Reujahr), nachmittags 3 Uhr, zu halben Prsisen: Doeeaeeio von Franz v.«uppö Abends 7V, Uhr: Die Oeisha. Thalia-Theater. Tel. AnitlYa 6440, Dresdenerstr. 72/73, Ine Hiultttelhof. Hauptrollen: Emil Thomas, Guido Thielscher. Fritz Helmerding, Hans Junkermann, Herbert Paulmüller, Marz. Arasep, Ada Mitaiii. eiss-Iliestei' Gr. Fruukfnrierftrasth IZ». Sonntag u Montag, nachm. 2V« Uhr: Frele Volksbühne, I. u. II. Abteilung: Dns Bcruiächtnis von Schnitzler. Abends 7:/, Uhr: Novität! Grober Erfolg! Kinder der Hölle. AnsstattuugSposie mit Gciaug in fünf Bilder» von Rjch. Heising und Paul Free. Mustl vou A. Wicher. Die neue» Dekorationen von Falk. Kostümc von Etzel Beck. BeleuduuugSeffekte von Grnndt und Kluth. Im Tunnel vo» 8 Uhr an Frei Konzert. Kasseileröffnung von 10 Uhr an.— Montag und folgende Tage: Kinder der llUlie. Palast-Theater früher Feen-Palast, Burgstr. 22. Sonntag. 31. Dezember lSilvestcr): tür. Extra-Vorstellang des ß«. erstklast. Künstler-Personals. Um 81/, Uhr: Das humorv. Lebens bild: IjcntevonHente! Kiebitz, Bäckermeister: Dir. W. Fröbel. Nack Schlust der Vorstellung: mr Gr. Silvester Tanz. Beiucher der Vorstcllmig: Frel-Tanr. Um 12 Uhr: Trubel u. Jubelgrnst an das neue Jahrhundert. Eine urfidele Silvesternacht. Anfang: Konzert« Ubr, Vorftg. 7 Uhr. Tanz 11 Uhr. Kassenöffnung ö Uhr. Entree, Lorstellung und Tanz 50 Ps. Vorverkauf von 11—1 Uhr. Masken freien Eintritt. Montag: Or. Neujahrs-Fest-Vor- stellung. Ans.: Konz. 6, Vorst. 7 Uhr. Cirkus Busch. Sonntag, den 31, Dezember 1809, und Montag, den 1. Januar 1900, je 2 große M- Vorstellungen, um 4 Uhr nachmitags und 7>/, Uhr abends. In den beiden Nachmittags-Bor- stellungcn hat jeder Erwachsene ein Kind unter 10 Jahren frei, weitere Kinder unter 10 Jahren zahlen halbe Preise auf allen Plätzen mit A»S- nähme der Galerie. Abends jedoch volle Preise. Sonutagnachmittag 4 Uhr: Olympische Spiele. Schwimmende Elefanten, schwimmende Pserde. Quadriga-Rennen, vier- ipännig die 50 Fug hohe Kaskade hinaus und durch das Wasser. Sprung eines Römers zu Pferd i» die Fluten aus einer Höhe von 20 Fuß. Absturz eines kriegsgefangenen Germanen aus der Eirlus Kuppel ins Waffer. Moiitagnachmittag 4 Uhr: Grosse Wohlthätigkeits-Borstellung z. Besten deS unter dem Protektorat Ihrer Majestät der Kaiserin stehenden ..Marienheim". Unler anderem der Aussehen er- regende Schluss-Akt: Tie Camorra. Die blaue Grotte aus Capri. In beiden Abend-Vorstellungen: IM« Cauiorra. Grosses ScnsationS Ausstattungsstück mit sämtlichen Einlagen. Ausserdem: Auftreten der vorzüg- licbsten Künstler und Künstlerinnen und der gesamten Klowns mit ihren besten Spähen. In sämtlichen Vorstellungen: Die Original- Meister- Dressiircu des Direktor Busch. Dienstag, den 2. Januar 1900, abends 71/, Uhr: Die Camorra mit sämtlichen Einlagen und Riesen- Programm. Gesellschaftshans Switiemünderstr. ii. Säle 150—800 Personen fassend zu scrsammlungen und Festlichkeltc» zu rrgeäen. Hühner.[24102* Urania Tanboiistrasse.18/40. Im Theater abends 8 Uhr: Berlin vor 100 Jahren. Montag um 8 Uhr: Transvaal. V orher: Der dunkle Erdteil Invalidcnstr. 57/68: Tägl. Sternwarte. Naclimittags 5—10 Uhr. Berliner Aprium Enter den Eiuden 68a, Eingang Schndow str. 14. Heute Sonntag Eintrittspreis isr 25 Pf. IM- Morgen 50 P f."VM Eeichhaltigste Sammlung der Welt an lebenden Seetieren, Reptilien etc._ ■Passap-Panopticii.' Ken! Anatomisch. Museum. Dienstags . für Damen. Passage- Tlieater Beginn des Konzerts 6 Uhr. derVorst. 7 Uhr. 15 erstklass. Deb. ■■ CASTANS«»»» PANOPTICÜM Gr. Weilinaclifs- Ausstellung mit Berliner Weihnachtsmarkt (Schlossplatz) im 18. Jahrhundert. Im Theater-Saal: Zliidarella. Die Weihuachts-Descherung. Die heilige Familie. Konzert einer Damenkapelle. Der Wunderhund„Schimmel". MBH Die Boeren. Maehrs Theater Oranicnstrasse 24. Täglich: Nord und Süd. Operette in 1 Akt von Linderer. Anna und Bruno BUhrcr, Oitginal-DerwandlungSduett. The two Brackfoorde, Akrobaten. Anfang 7 Uhr. Kaffeneröffnung 6 Uhr. Ui*aniaf Wrnngei• Strasse 16 U Sonntag, den 31. Dezember: Große Silvester-Mer und IM- Ball! Montag(Neujahr): >8 Eirvsser Bali! DaS Nähere die Anschlagsäulen. Ansang an beiden Tagen 5 Uhr. C. F. Waller. CiHctss Alb. Schumann. Sonntag, den 31. Dezember 1890: 2 große Mstelluugeu 2 Nachmittags: Gala- Borstellung. Anfang 3V, Uhr. Ende 6 Uhr. Abends: Grosse Jubel Vorstellung zur Silvester-Fcier. Erlra hierzu arrangiertes Programm. Anfang 7i/, Uhr. Ende lO'/a Uhr. Montag, den I. Januar 1000: 2 grosse brillante Gala-Fest-Vorstellungen Nachm. S'/a Uhr und abendL 7>/, Uhr. In beiden lagen: I» allen vier B or st ellu n g en gleich reichhaltiges und abwechselndes Programm und Direktor Albert Schumann mit seinen wunderbaren Original- Schul- und Frciheitsdrcffurcn. M- An beiden Tagen nachmittags zum Schluss, aus allgeuieincs Ver- langen die reizende Ausstattnngs- Pantomime: Im Weihnachtsbazar dargestellt von 80 Kindern im Alter von 3—5 Jahren und 100 Personen. JHP" Nachmittags an beiden Tagen: Ein Kind unter 10 Jahren krel auf allen Plätzen. Jedes weitere Kind Halbe Preise(ausser Galerie), des- gleichen Kinder im Alter von 10 bis 14 Jahren. Abends jedoch volle Preise. In beiden lagen, abends zum Schluss Der erste Sdilager der Saison, das glänzendste Ritterschanstück Schwarz und Weiß mit sämtlidien neuen Einlagen. Dienstag: Ziovitüteu- Ahend. U. a.: Zum 1. Male in Europa: Ren! I. Debüt. Tie 12 Akiinotos. Wirklich internationale Attraktion. Anierican-Theatcr. Dresdenerstr. 96. Dir.: Emil Schnabl Grosse Silvesterfeier. Berliner Roulotte, ober; Direktor Striese auf Reise» und das erstklassige Speei alitüten-Programm Anfang>/zL Uhr. KasienerüssimnglZ Uhr \m- Am KSnigsthor. Am Friedrichshain. Sonntag» 31. Dezember: Grosser Silvester- Ball. Masken haben freien Eintritt. Montag, 1. Januar 1900: Grosser Xeujahrs-Ball. mit besondere» iteberraschungeu Ans. 41/, Uhr. An Wochentagen ist der Saal an Vereine zu vergeben. W. Niatks Theater, Brniiuensirasse 16. Sonntag, den 31. Dezember: Die beide» Reichenmiiller. Volksstück mit Gesang in 4 Akten von Anton Anno. Schch der Vorstellung: Grofter Silvester-Ball. Montag,' den I.Januar(Neujahr): Tie beiden Reichenmüller. Volksstück mit Gesang in 4 Akten von Anton Anno. Nach der Borstellung: T a n z k r ä n z ch e n. Mopol-TliGater. Behrenstr. 55/57. Dir.: Rieh. Schultz. Sonntag, den 31. Dezember er.: Grosse Silvester- Jubelfeier! Das Biesen Special itüten- Programm. Die verkehrte Welt Um 12 Uhr: E|p i 1 o g! Confettl-Schlacht! Tanz! Gr. Konzert! Anfang 8 Uhr. Ende; lange 11. Beginn d. neuen Jahrb. jUontag, den 1. Januar 1900; „Die verkehrte Welt". Das vollständig neue Januai'- Special.-l'rogranim. Sonntag, den 6. Januar 1900; Erster grosser Metrop.-Theater-Maskenball. Sanssouci Kottbnserstr. 4 a. Heute Sonntag, 31.Dezbr.: /z Uhr. Ab 10 uh.. kr. Silvester-M. Um 12 Uhr: Grosser Festakt. Begriissung des neuen Jahr- Hunderts. Gratulationscour» Punschpolonaise. Montag, den 1. Januar 1900: Vorstellung und Kall. Anfang G/z Uhr. Apollo-Theater. Im Reiche des Indra. Ferner: Auftreten sUintllcher Speclalltüten. Beginn der Vorstellung 8 Uhr. Morgen, den 1. Januar 1900: Thompsons Elefanten. Dagmar Hansen.— Gebrüder Willee. Les Del' Molys.— Jean Boston. Dlumantinc. Hill& Hüll, Der Kosmograph, Escentrics. System Mess ter. Abends ft Uhrr Im Reiche des Indra. Kaesenerbffn. 6 Uhr. Anfang 7l/s Uhr. (Freie Volksbühne. BagflE� Heute, nachmittags 2V. Uhr, I. Abteilung M? Morgen,„„„ II.„ im Carl Weiss-Thcatev K K I>as Vermächtnis O O von Arthur S c hÄ i t.z I e r. Heute, nachmittags P/t Uhr, IV. Abteilung Morgen,.„„ V.„ m Ecssing-Theater Minna v. Bai*nheini* Punktliches Erscheinen der Mitglieder ist fn beiden Theatern erforderlich. Sonntag, den 7. Januar, nachmittags 23', Ehr; III. Abteilung im Carl Weiss-Theate.r 1____.„ 1»_ VI. B., Lessing-Theater f Vorstellung. 235/7 Der Vorstand. I. A.: G. Winkler. Reichshalle». Heute: Grosse Silvester- Ulk- Soiree der Stettiner Dänger. Anfang 7 Uhr. Entrec 5« Pf. Nach der Soiree: Tililzkmzcheil. Morgen Montag. I. Januar 1900 �Grofte�Neu�ahrsfest-Soire�� Koppenstrasse 29. Heute, Sonntag: Grosse Soiree"WS der SteiiimetzsSiiuaer sowie Grogses Konzert. Dirigent' K. Tictz. Mchdem: Gr. Ball. Zwei Kapellen.(Anfang 4 Uhr.) IjOuI» Keller. Urania Wrangelstrasse 10/11. Jede» Sonntag:[24152* Grosser Ball. Auf. 4 Uhr. Siehe Anschlagsäulen. 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Für den Inseratenteil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Bading in Berlin. ?r. 305. 16. Iahrgailh. 3. KeilM te.AmSrls" Kerlm WksM Soilttiilg, 3!. Aezember 1899. Momentbilder aus der Berliner Arbeitergeschichte des Jahres 18VV. Das Schlich jähr de-Z Jahrhunderts war nicht nur von Bedeutung für die Weltgeschichte, sondern auch für die Berliner Arbeitergeschichte. Hat die Berliner Ärbeiteröcwcgung doch auch in diesem Jahre be- wiesen, doch c: trotz aller Verfolgungen und schweren Kämpfe für sie keinen Stillstand, kein Zurück, sondenr nur ein unaufhaltsames Vorwärts �rebt, ist sie doch auch am Schlusie des Jahrhunderts von Erfolg zu Erfolg geschritten, über alle ihre Feinde triumphierend. Als ein Kampfjahr führte sich das Jahr 1899 ein; begann es doch mit der fortgesetzten Streikbewegung der Taxameter- Droschkenkutscher zur Einführung eines einheitlichen Lohn- tarifs, tvclche schließlich zu einem befriedigenden Resultat führte, Am 2. Jannar wurde seitens des Ülrbeiter-Bildungs- Vereins in S ch ö n e b e r g ein bemerkenswerter Beschluß gefaßt, Er betraf die Einrichtung eines jederzeit benutzbaren Lesezimmers. in welchem neben politischen Zeitschriften die gesamte Gewerkschafts- presse auSIiegen und mit tvelchem eine Bibliothek verbunden sein soll, Auch wurde die Einrichtung einer Auskunftsstelle für alle im praktischen Leben vorkommendeir Fragen in Aussicht genommen. Am 3. forderte der K 153 der Gewerbe-Ordnung fein erstes neujähriges Opfer. Es sind dies die Maurer August Thum- Berlin und Spilling- Potsdam, welche wegen versuchter Nötigung, Bedrohung und Körperverletzung, crstcrer zu 4 Monaten, letzterer zu einem Monat Gefängnis verurteilt wurden. Das parlamentarische Leben begann am 19. wieder, an welchem Tage der R e i ch s t a g seine durch die WcihnachtLfcrien unterbrochenen Sitzungen wieder aufnahm. An demselben Tage wurde einer der ältesten Parteigenossen Berlins, der ans dem Lebe» geschiedene Schneidermeister Heinrich H e I w i g, zu Grabe geleitet. Gleichzeitig wurde der Bauarbeiter Höring- Schöneberg wegen Nötigung und Hausfriedensbruch mit einer Gefängnisstrafe von 3 Monaten belegt. Einen Merkstcin in der Berliner Frauenbewegung bildet die am 11. in einer Volksversammlung nach einem Referate der Genossin Frau Lily Braun erfolgte Gründung eines Arbeiterinnen- Vereins unter dem Namen: Verein für Frauen und Mädchen der Arbeiterklasse zur Förderung des Wisiens und Pflege der Geselligkeit. Ter 12. brachte eine abermalige Vmirteilung aus Z 153 der Gewerbe-Ordnung. Maurer Wille erhielt 1 Monat Gefängnis. Ani 13. verurteilte das Spandaner Schöffengericht unter Vorsitz des bekannten Amtsrichters G r o o t k e den Maurer Seidel wegen Beleidigung dreier„Arbeitsivilliger" zu 3 Wochen Gefängnis. Wir der am 19. crjolgten Eröffiinng des Landtages begann auch die preußische Parlamentstägimg. Wieder war es das Delikt der„Nötigung", wegen dessen am 18. der Maurer August Schmidt 9 Monate Gefängnis erhielt. Ein schönes Beispiel von Solidarität gaben an demselben Tage die in der Offizin des August Scherlschcn„B erl i n e r L o k a l> Anzeigers" beschäftigten Schriftsetzer. Wegen erfolgter Maßregc lung von 24 Kollegen legten 118 Mann die Arbeit nieder. Ein_ bedeutsames Arbeiterfcst wurde am 21. im Böhmischen Brauhause begangen, die Feier' des achtjährigen Bestehens der Arberter- B i l d u n g s s ch u l e. Die„Affairc Scherl" hätte am 22. ein für das Blatt ver- Hänguisvolles Nachspiel. An» Abend dieses Tages wurde von einer Volksversammlung der Boykott über den„Berliner Lokal- Anzeiger" verhängt. Ein Vergehen gegen das Vereinsgesetz mußte ani 24. der Kupfer- schmied Wittekopf mit 3 M. Geldstrafe büße». Der Mouar Januar schloß mit einer am 39. in der Brauerei Friedrichshain abgehalteneir S t-u d e n t e n- V e r s o m m l u n g, iu welcher Genossi» Frau Klara Zerkiu über„Der Student und das moderne Weib" einen Vortrag hielt. Ain 31. trat Genosse Paul Jahn wieder einmal eine vier- monatliche„Badereise" an, diesinal nach dein neuen Strafacsänanis »n Tegel... Der Monat Februar nahm einen zicinlich lebhaften Verlauf. Neben dein Boykott des..Berlincr Lokal-Anzeigers" wurde die Wahl agitation im zweiten ReichStngs-Wahlkrechf wo Genosse Richard Fischer kandidierte, energisch betrieben. Dancbci» kam die Lohn- bewegung der Bäckergesellen ernstlich in Fluß und erregte in ocgnerlichen Kreisen Beunruhigung. Von besoudcrcn Vorkommnissen seien die folgenden erlvähnt: Am 2. tagte bei Kliem in der Hasenheide eine VolkSversamm- lung, ,n welcher Gcnossr» Frau Klara Zetkin(Stuttgart) über: „Die neue Militärvorlage und die Frauen" referierte. An demselben Tage hatte sich der Maurer Wiederich wegen Nötigung vor Gericht zu verantworten; er wurde mit 4 Monaten Gefängnis belegt. Wegen Körperverletzung, Nötigung und Vergehen gegen die G.-O.(Z 153) wurde an, 9. gegen den Maurer Wilhelm S chr öder auf 3 Monate Gefängnis erkannt. An demselben Tage wurde Genosse Burfthynowicz wegen Streikvergehcn zu 3 Monaten Gefängnis und 1 Woche Haft ver- urteilt. Eine ihm zur Last gelegte Verübln, g groben UnfnqS brachte am 10. den, Maurer Schulze eine Geldstrafe von 99 M.,° die Beleidigung von Streikbrechern am 16. den Porzellan- drehern Zinser und Klinke je 1 Woche Gefängnis ein. Letzterer erhielt außerdem wegen VerÜbung grobe» Unfugs noch drei Tage Haft. Wegen Verübung groben Unfugs wurde am 17. der Maurer Robert Petermann- Reinickendorf zur Verantwortung gezogen. Ihm wurde zur Last gelegt, als Streikposten Bceinfluffung Arbeitswilliger begangen zu haben. Er mußte dies Vergehen gegen die herrschende GesellichaftSordnung mit einer Geldstrafe von 19 M. ev. 2 Tagen Haft büßen. Am Iv. trat die vierte Provinzialkonferenz der Maurer Brandenburgs bei Zubeil zu ihren Beratungen zu- lanimen. Am Abend desselben Tages hielten die Angestellten bei der Briefabteilung der Berliner Paketfahr t-Gesellschaft eine Protestversammlnng gegen die geplante Verstaatlichung der Privat- Posten ab. Der Monat Februar endete mit der am 28. erfolgten Verurteilung deS Maurers Richard Schulz wegen„Erpressung" zu drc, Monaten Gefängnis. � Der Monat März war besonders reich an hervorragenden Er- eignffsen. An, 3. fielen die Maurer B o r ch e r t lind P o l l e h n e- Spandau dem§ 153 der Gewerbe-Ordnung zum Opfer. Sie wurden zu zwei bezw. einer Woche Gefängnis verurteilt. Die Stadtverordneten-Wahlen in Rixdors nehmen am 15. ihren Anfang. In der dritten Abteilung wurden sämtliche 19 partcigcnössische Kandidaten gewählt. An demselben Tage wurde der Putzer Oskar Müllrose- Rixdorf wegen Nötigung mit drei Monaten Gefängnis belegt. Die März fei er ain 18. wurde wieder in würdigster Weife sowohl durch BekrSiizung des portallosen Friedhofes im Friedrichs- Hain, als auch durch Abhaltung entsprechender Abendversammlungen degangei». An dem gleichen Tage wurde die aus der Zeit deS Socialisten- gefetzes her bekannte, leider irrsinnig geworedne Parteigenossin, Frau des Schuhmachers Weber, zur letzten Ruhe bestattet. Am 29. trat der Kongreß der Bauarbeiter zusammen, , um die Mittel zur Erlangung eines wirksamen Schutzes gegen die Daugefahren zu beraten. An, 21. tagte die 13. Generalversammlung des Verbandes der Zimmerer Teutschlands bei Keller. Am 22. tagte der 5. VerbandStag des Centralverbandcs der Maurer und verwandten Bcrufsgcnossen Dentschlands, eben- falls bei Keller. AnS Anlaß des„F a ll e S Ziethen" kam ferner der sen- fationclle Prozeß gegen den Schriftsteller Landauer und den Redactcur des„Soeialist". Rubbert, wegen Beleidigung des PolizcikoinmifsarS Gottschalk am 22. zur Verhandlung. Der Prozeß endete mit der Verurteilung Landauers zu 6 Monate» Gefängnis und Rubberts zu 2 Monaten Gefängnis. Den Beschluß machte am 39. Redactenr I a c o b e y(„Vorwärts"), welcher wegen Beleidigung des Polizeipräsidiums, der Staats- anwaltschast und der Richter der guten Stadt Magdeburg zur Ver- antwortung gezogen wurde. Die Ehre der Beleidigten wurde durch Auferlegung einer Geldstrafe von 399 M. wieder hergestellt. Der Mona, April setzte niit dem Osterfeste ein, welches auf den 2. und 3. fiel. Den ersten Feiertag benutzten die Textilarbeiter der Provinz Brandenburg zur Abhaltung einer Konferenz bei Wilke in der Andreasstraße, während am ersten Tage deS kirchlichen Auf- ersichungsfestes die Genossen des 9. Wahlkreises dem verstorbenen Silor'ski ein überaus zahlreiches Trancrgelcit gaben. Kirchliche Intoleranz versagten dem Toten die Grabgesänge, die Partcisreunde ihn, darbringen wollten. Die Beleidigung eines Nachtwächters von Weißensee mußte an« 4. Redactenr I ö c o b e y(„Vorwärts") durch eine ihm auferlegte Geldstrafe von 50 M. büßen. Die Neichstags-Nachwahl in, zweiten Wahlkreise fand am 11. statt. Ans der erbitterten Wahlschlacht ging diesmal Richard Fischer als Sieger hervor. Wegen formeller Beleidigung deS Maurerpoliers Bernhard Groß fftctS und ständig") wurde ä», 17. abermals Redactenr I a c o b e y („Vorwärts") mit einer Geldstrafe belegt. Diesmal wurden 39 M. als ausreichende Sühne erachtet. Am 19. fand die Beerdigung des Parleigenosscn Kasimir Thiel, KassirerS des polnisch-iocialdemokmtischcn Parteivorstandes auf dem Central-Fricdhofc in FriedrichSfclde statt. Der 5Nonat Mai»alm, wieder einen bewegteren Verlauf. Die Feier des 1. Mai, welcher ans einen Moiüag fiel, gestaltete sich iimsangreicher als bisher, insbesondere auch in Bezug auf Arbcisruhe. Der letztere Umstand hatte größere Arbeiteranssperrunge», namentlich in der Holz- nnd Metallindustrie, im Gefolge. A», Tage der Maifeier schloß ein braver Genosse, der Ver- trauensman» von RnnunelSöurg, Wichel», Forgbert, seine Augen für immer. Am 7. wurde er begraben. Und abermals wegen Nachtwnchter-Bcleidignng hatte sich am 4. Redactenr Jacobey(„Vorwärts") vor den, Kadi zu vcrantwartcn, Die beleidigte Nachtwächtcrchrc wurde durch eine zu zahlende Geld- strafe von 59 M. remitiert. Der 6. ist der Todestag deS bekannten Genosse» Benno Staber nack, frühere» Metallarbeiters, späteren Gastlvirts. Am 11. wurde er in FricdrichSfelde zur letzten Ruhe bestattet. An deniselbe» Tage wurde der Schneider S t» b b c zu einer Geldstrafe von 69 M. verurteilt, �hin wurde zur Last gelegt, durch Veröffentlichung eines Gedichtes Ansreiznng zum Klaffenhaß begangen zu habe». Zive, brave Parteigenossen schieden kurz nacheinander ans dem Leben. An, 15. der Schlosser Eduard V, n a a u, einstiger Ver- traueusmann der Schönhauser Vorstadt i», sechsten Wahlkreise, und am 19. der Buchdrucker Paul Rosenthal. Beide wurden am 29. beerdigt. Am 29. hatte ferner Redactenr Jacobey(„Vorwärts") die Beleidigung eines Maurerpoliers mit 39 M. Geldstrafe zu büßen, Auf den 21. und 22. fiel das total verregnete Pfingstfest. Die Pfingstfeiertage wurden wieder zur Abhaltung g e- w er ks ch aftl i ch er Versammlungen bemcht. So tagten hier die erste Generalversammlung des Verbandes der in Buch druckereien und verivaiidten Bernsen beschäftigten Hilfsarbeiter und Hilftarbeiterinnen Dentschlands, sowie die 7. ordentliche Gc- neralversammlung der Vereinigung aller in der S ch m i e d e r e i beschäftigten Personen bei Keller in der Koppenstraße. An, 22. setzte der Tod den, wirkungsrcichci, Leben unseres Freundes und Mitarbeiters Samuel K o k o s k y ein Ziel. Er starb im jüdischen Krankciihause. Äff» 23. wurde er in Weißensee begraben. Am 23. fand eine Konferenz der Zahlstellenvorstände des Ver bandcs der Bauarbeiter der Provinzen Brandenburg und Posen bei Fcuerstein statt. An, 24. begann der Kongreß zur Bekämpfung der T u b e r k u- lose. Wegen HauSftiedenSbruches wurde am 27. der Arbeiter b e r g mit cmer Woche Gefängnis belegt. Im Anschluß an den Tuberknlose-Kongreß trat am 28. eine von der C e» t r a l- K o m m i s s i o n der Krankenkassen Berlins cinbenifcnc Konferenz der Krankenkassen zu ihrer Beratung zusannnen. Ter schöne Monat Mai schloß mit der am 31. erfolgten Ver- urteilung des Maurers B ö thkc r zu zwei Wochen Gefängnis wegen versuchter Rötigimg. Der Mona, Funk führte sich vielversprechend mit der am 2. er- folgten Verurteilung deS Maurers Buckholz wegen Nötigung. Beleidigung und andcrer Dinge zu 9 Monaten Gefängnis. Wegen gleicher Delikte erhielt ein Zimmerer 9 Wochen Gefängnis. Am 7. fand eine Maffen-Protestverfammlung gegen die Zucht- Haus-Vorlage statt. 19 Verfanunlnngei, tagten gleichzeitig in Berlin und Vororten, denen weitere Protestversammlungen in de» Vororten spater folgten. Die Beleidigung eines Streikbrechers battcn an, 13. die Genossen iübart und Lehrend mit 13 bezw. 19 M. Geldstrafe zu büßen. An demselben Tage erfolgte die MassenanSsperrung der Maurer in Berlin und den Vororten, welche mit dem Generalstreik beant- lv ortet wurde. Eine Veleibignng des' Oberpräsidenten von Posen trug 16. dem Genossen Lesniewski 3 Monate Gefängnis ein. Am 24. erfolgte der Friedensschluß im Baugewerbe vor dem Einigungsamte und am 27. die Beendigung des AusstandeS der Maurer. Im Monat Juli erreichte die Gewerkschaftsbewegung ihren Höhepunkt und es wurden Lohnbewegungen in großer Zahl zur Durchführung gebracht. Daneben erfolgte am 1. die Verurteilung deS Maurers Henke- Schöneberg wegen Erpressung zu 4 Wochen Gefängnis. Wegen desielben Deliktes wurden am 13. drei Potsdamer Maurer mit 6 Wochen bezw. 3 Monaten Gefängnis belegt. Im Moiutt August dauerten die Gewerkschaft'skämpfe in großer Ausdehnung fort. Wege» Rickterbeleidigung wurde am 19. Genosse LeSniewski mit 9 Wochen Gefängnis belegt. Am 23. erfolgte die Konfiskation einer Beilage zum„Vorwärts", welche indessen nicht aufrecht erhalten werden könnte. Dem an Kämpfen reichen Leben des RedacteurS August Jacobey(„Vorwärts") wurde am 29. durch einen plötzlichen Tod ein Ziel gesetzt. Zu Ende des MonatS wurde in üblicher Weif« die Lassalle-Feier begangen. Im Monat September begam, das politische Leben sich wieder intensiver zu gestalten und eS stand dieser Monat bereits im Zeichen deS kommenden Parteitages. Die Reihe der bemerkenswerten Er- eigniffe wurde eröffnet von der am 3. erfolgten Beerdigung des RedacteurS August Jacobey(„Vorwärts") in Friedrichsfelde. iein- am An demselben Tage fand bei Zubeil eine K r e i S k o n f e r e n z für den Wahlkreis Vccskow-Storkoiv-Charlottcnburg statt. Die Beleidigung eines Poliers ivnrde am 4. au den, Genossen H u t h- Brandenburg mit 299 M. und dem Maurer Kroll- Nauen mit 39 M. Geldstrafe geahndet. Am 5. wurden in allen Berliner Wahlkreisen die Wahlen der Delegierten zur Parteikonferenz der Provinz Brandenburg vollzogen. Die Beleidigung eines Streikbrechers trug au, 3. dem Klempner Witak 2 Monäle Gefängnis und dem Tischler R o th er SMouate GejängniS ein. Am 9. trat eine Parteikonferenz für den Mahllrcis Niederbarni», in Rnmmelskmrg zusammen. Am folgenden Tage wurde eine Parteikonferenz für den Wahlkreis P o t s d an,- O sth a v e llan d in Rummelsburg ab- gehalten. Die Beleidigung eines Streikbrechers halte am 12. Genosse I a h i,- Charlottenbnrg mit zivci Wochen Gefängnis zu sühnen. Der Provinzial-Parteitag der Provinz Brandenburg ivnrde am 17. bei Stechert, Andreasstraße 21, abgehalten. Am 22. stand in der S t a d t v e r o r d n e t c n- V e r s a ni n,- lung folgender von Singer und Genossen eingebrachter Antrag zur Verhandlimg:„Die Versammlung ivolle beschließen, den Magistrat zu ersuchen, die infolge des BeschliiffeS der Stadt- verordneten- Versammlung vom 16. Dezember 1897 statt- findenden koinmissarischen Verhandlungen mit dem könig- lichcn Polizeipräsidium, betreffend die gelv erbliche Be- schäftigung schulpflichtiger Kinder, nnmnchr zum Abschluß' zu bringen und das' tgl. Polizeipräsidin», z» ver- anlaffc»,»och vor Beginn deS Winters eine Polizei- verordinmg zu erlassen, durch welche in Berlin die gewerb- liche Beschäftigung von Schulkindern vor Beginn der Schul- zeit und»ach 6 Uhr abends, ferner das Feilbieten und der Verkauf von Waren aller Art(insbesondere von Blumen und Streichhölzern in Lokalen und auf der Straße), sowie die Verweil« dnng von Schulkindern zu Arbeiten aller Art oder zu Schau- stcllniigen in Theatern oder sonstigen öffentlichen Lokalen, endlich das Austrage» von Milch, Backwaren und Zeitungen durch Schulkinder verboten lvird." Dieser Antrag wurde einem Ausschüsse zur Vor- bcratmig überwiesen. Wegen Ucbertretnng des Z 153 der Gewerbe- Ordnung wurden am 25. die Maurer S ch i e l c»nd Bastian- Eberswalde mit je 2 Monaten Gefängnis, wegen Sachbeschädigung die Maurer Prietz und Mamiel mit 2 bezw. 1 Monat Gefängnis belegt. Am 28. hatte abermals die Stadtverordncteu-Vcrfammlnng sich mit einem Antrage Singer und Genossen zu befassen. Derselbe lautete:„Die Versammlung wolle veschließen, den Magistrat zu er- suchen: I» Gemäßheit des Z 195b, Absatz 2 der Gewerbe-Ordmmg ei» Ortsstatnt zu erlassen, durch welches für Berlin: I. Die Be- schäftigung von Gehilfen. Lehrlingen und Arbeitern im HandclSgetverbe an Sonn- und F-e ft 1 1, g c i, i n Fabrik-, S p e d i t i v n s-, E n g r o ö- und Bankgeschäften gänzlich untersagt wird. II. Die Beschäftigung von Gehilfen, Lehrlingen und Arbeitern i», Handelsgewerbe an Sonn- und Festlagen in D e t a i l g e s ch ä f t e n und sonstigen Verkaufsgeschäfte n auf 3 Stunden eingeschränkt wird mit der Maßgabe, daß die Be- schäftigung vormittags 19 Uhr beendet sein muß."— Auch dieser Antrag wurde einem Ausschüsse zur Vorberatung über- wiesen. Im Monat Oktober wurde energisch in die Wahlbeivcgimg für die bevorstehenden Ersatz- und Neuwahlen infolge der Vermehrung der Wahlbezirke für das Stadtverordneten- Kollegium eingetreten." Am 5. fanden in Berlin und Charlottenbnrg 11 öffentliche K o n, m u„ a l>v ä h I e r- N e r s a m m l u n g e n statt, iu denen die Ausstellung der Kandidaten erfolgte. Vom'8. bis zum 15. tagte der Parteitag in Hannover, welcher daS allgemeine Interesse auf sich vereinigte. Wegen Beleidigung von Streikbrechern wurde wieder einmal an, 13. Genosse S ch m i d t- Nixdorf zu 199 M. Geldstrafe verurteilt. In allen Berliner Wahlkreisen wurden am 24. Partei- Versammlungen abgehalten, in denen die Berichterstattung vom Parteitage und der Parteikonferenz der Provinz Brandenburgs sowie der verschiedenen Pattcikörperschaftei,(Ver- traucnSpcrsönen, Lokalkommission, Preßkommission, AgitationS- komniission) und die Neuwahl der Mitglieder zu den letzteren stattfand. Wegen Nötigung wurde am 23. der Stcinträger Langner mit einer Gefängnisstrafe von 4 Monaten belegt. Zu Ende des Monats, an, 29., hielt die K r e i s k o n f e r e n z des Wahlkreises Teltow- Bccskow- Cbarlottenburg i» Rixdorf ihre Tagung ab und zwar in den dortigen Apollo- Sälcin Der Monat November gestaltete sich im wesentlichen zu einem Wahlmonat. Eingeleitet wurde derselbe durch die in der Berufungsinstanz erfolgte'Vcrurteilimg des Genossen J a h n- Charlottenbnrg wegen Beleidigung von arbeitswilligen Porzellanarbeitern zu 150 M. Geldstrafe. Am 6. fanden in Berlin die E r s a tz« u n d E r'g ä» z u n g s« Wahlen zur S t a d t v c r o r d n e t e n- V e r s a», in l n n g nach Vermehrung der Wahlbezirke statt. Unsere Partei eroberte 12 Man« date, von diesen 9 neuc, und kam außerdem dreimal in die Stich- wähl. An, 9. und 7. wurden in Spandau mit durchschlagendem Erfolge für Misere Parteigenossen die Ge Werbegerichts» w a h l c n vollzogen. Am 7. fanden in Charlottenbnrg und an, 8. in Schöne« berg die Stadtverordnetemvahlen statt. Am 8. schied auch ein bekannter Parteigenosse de? 9. Wahl- krcises, der Metallarbeiter Fritz Döring, aus dem Leben. Seine Beerdigung fand an, 19. statt. An demselben Tage wurden die Maurer Lichtenberg, Ebel und Bastian wegen Beleidigung Nichtorganisierter zu je 1 Monat Gefängnis verurteilt. Einen großen Erfolg brachten den Spandaner Partei- genossen die an, 11.. 13., 14. und 15. vollzogenen Wahlen zur Stadtverordnetcn-Vcrsaimnlung. An, 14. trat der Reichstag zu seiner Tagung zusammen. Dem schicksalSrcichen Lebe» des ehemaligen Steinträgers, späteren Gastwirts nnd zuletzt blinden Händlers Wilhelm Hangk setzte am 18. der Tod ein Ziel. Am 25. wurde der Genosse auf dem Central- Friedhofe in Friedrichsfelde beerdigt. Am 29. nnd 21. wurde» auch in Potsdam die Wahlen zut Stadtverordneten-Versammlung vollzogen. Die Berlincr Stadtverordneten-Versammlung hatte sich an, 23. mit dem Antrage Singer und Genossen betreffend die Einschränkung der Beschäftigung von Gehilfen, Lehr- lingen und Arbeitern in» HandelSgewerbe an Sonn- nnd Feiertagen zu befaffcn. Der Antrag wurde abgelehnt, ebenso der Untcrantrag betreffend die Vernnstältung einer Enquete. Eine Ucbertretnng des Straßenpolizei-ReglenientS hatte an, 25. der Drechsler Grauer durch Urteil der Revisionsinstanz mik 19 M. Geldstrafe zu büßen. In diesem Prozeß brachte das Kamniergericht die durch das Zuchthausgesetz vergeblich herbeigesehnte Aufhebung deS Rechts auf S t r e i k p o st e n st e h e n zuwege. Die Stadtberordneten-Stichwahlen wurden in Berlin und Char- lottenburg am 27. vollzogen. In Berlin unterlagen unsere Kau- didaten den koalierten Gegnern. Der Monat schloß, wie er begonnen, mit einer gerichtlichen Ver» urteilung. Genosse Huth-Brandenbiirg erhielt am 29. wegen Richterbeleidigung«ine» Monat Gefängnis. SCcr DkihnachtSmonat Dezember wurde dem alten Partei- genossen N o I a n d(Cniil Dicrt), dem Redactcnr des„VonveiriS", verhängnisvoll. Am S. erlag er im nahezu vollendete» Lebensjahre einem Herzschlage. Am 8. fand seine Bccrdigmig wurden vom dortige Stadtver- orducten-ilZersamnilung vollzogen. Am 8. halte die Berliner Stadtverordnctcn-Vcrsammlnng aber- mnls über einen Antrag Singer und Genosse» zu befinden.' Der- selbe betraf den Erlag einer Polizcivcrordinmg zur Einschränkimg der gewerblichen Nebenbesel nstigimg schulpflichtiger dl i n d e r. Ter präcisierte Antrag fand mit Einschränkungen Annahme. Die am ö. in Liixdorf vollzogenen Gewerbcgerichts- Wahlen waren für die Arbeiter höchst erfolgreich. Die Beleidigung eines Arbeitswilligen und ein ihm zur Last gelegtes Vergehen gegen Z 153 der Gcwerbe-Ordnung lhatte der Tischler Spillmann durch Gerichtsurteil vom 11. mit 1 Woche Gefängnis zu sühnen. Vom 12. datiert der Ausweisungsbefehl des Genosse» Kopp- Fricdrichsberg ans dem preichischen Staatsgebiete. Diese Ans- ivcisnng wurde damit begründet, dag Kopp als AnSländer sich lästig gemacht haben soll. Am 14. beschäftigte sich die Stadtvcrordnctcn-Vcrsammlnng mit der Frage einer einheitlichen Negclimg des S u b m i s s i o n S- Verfahrens. Die Anträge Dnpont'und Genossen wurden a b- gelehnt. Wegen Vergehens gegen§ 153 der Gewerbe-Ordnung. 31. Ecke Dieilenliachslrasse, und Wienerstr.©4, Ecke Lansitzerstrasse, wochentags 9 Uhr � Sonnabends 10 Uhr abends schliessen. Um weiteren gütigen Zuspruch bitten s n S a n r s i Ja Baer| i BERLIN N. "5 nur Gesundbrunnen 1 26, Bad ft r a p e 26, * Ecke Prlnson-Allce, Z "3 Fernsprecher Amt III S443. JJ euipliehlt, wie belannr, in reellster AnS-» 7-»K-S fttng sesttn Pr-is«.- 1 o Herren- u. Knaben-? Garderobe. I 1570b Grosses Stofflager; zur Aniertignng nach Mass. 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