Ar. 1. AbomttMkitt«-Kedingungeil: «bonnementS-PreiZ pränumerando: vierteljährd 3,30 Mk., monatl. 1,10 SRt., roöchenlltch 28 Psg. frei Ins Hau«. Einzelne Nummer S Pfg. Eonntags» Nummer mit lOuflrletier Sonniags- Ccilage„Die Neue Well" 10 Pfg. Post» Pbonnemenl: 3M> Marl pro Quartal. Eingetragen In der Post- Zeitung», Preislifte für lOoo unter Br. 7C71. Unter streu, band für Deullchlant, und Oesterreich-Ungarn S Marl, für da« übrige Antland S Marl pro Monat. «rsd,eliii täglich nutzer Montag«. Vevlinev Volktsl»leztt. 17. Jalfrg. Die Jnsertwns-Keliülir beträgt für die fechSgefpallene Kolonel» zetle oder deren Raum 40 Pfg., für politische und geiverlschastlichc Vereins- und Bersammlungs- Anzeigen SO Pfg. „Kleine Anfeigen" jedes Wort 5 Psg. (nur das erste Wort fett). Inserate für die nächste Nummer müssen bis 4 Uhr nachmittags in derExpedilion abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen- tagen VIS 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis 8 Uhr vormittags geöffnet. Fernsprecher! Smk l, Nr. 1503. Telegramm-Adresse: „Sorialdeinokrat Berlin" Centraiorgan der sociatdemokratischen Partei Deutschtands. Rrdaktivn: LW� 19. Ventlz-Strasze 2. Expedition: SW. 19, Vcuth-Strasze 9. Wilhelms II. Säcnlarrede. Am Neujahrsiage hielt der Kaiser vor den Offizieren der Garnison Berlin im Zeughause eine Ansprache, die folgenden Wortlaut hatte: «Der erste Tag des neuen Jahrhunderts sieht unsere Armee, das heisit unser Volt in Waffen um seine Feldzeichen gc» schart vor dem Herrn der Heeres scharen knien, und ivahrlich, wenn irgendwer besonderen Grund hat. sich heute vorGottzu beugen, so ist es unser Heer. Ein Blick auf unsere Fahne» genügt als Erklärung, den» sie verkörpern nuserc Geschichte. Wie fand das vergangene Jahrhundert bei seinem An- bruch unser Heer? Die glorreiche Armee Friedrichs des Großen war auf ihren Lorbeeren eingeschlafen, im kleinlichen Detail des Gamaschendienstes verknöchert, von alters- schwachen kriegsuillüchtigen Generaleu geführt, ihr Osfizicrörorps fördernder Arbeit cutwöhut, in LuxuS und Wohlleben nnd thörichtcr Selbstüberhebung verkomme». Mit einem Wort, die Armee war ihrer Aufgabe nicht nur e»t- wachsen, sie hatte sie vergessen. Schwer war die Strafe des Himmels, die sie ereilte und die unser Volk traf. In den Staub ward sie geivorfen, Friedrichs Ruhm verblich, ihre Feldzeichen waren zerbrochen. In den sieben langen Jahren schwerster Knechtschaft lehrte Gott unser Volk sich auf sich selbst besinnen, nnd unter dem Druck des Fußes eines übermütigen Eroberers gebar unser Volk ans sich heraus den hehrsten Gedanken, daß cS die höchste Ehre sei, im Waffen- dienste seinem Baterlande Gut und Blut zu weihen: die allgemeine Dienstpflicht. Mein Urgroßvater gab ihr Form und Leben. und neuer Lorbeer krönte die neu erstandene Annee und ihre jungen Fahnen. Ihre eigeiit» lichc Bedeutung jedoch gewann die allgemeine Dienstpflicht erst durch unser» großen, dahin gegange neu Kaiser. In stiller Arbeit eiitivarf er seine Reorganisation— unsere Armee— trotz dcö Widerstandes, den Unverstand ihm fetzte. Die siegreichen Fcldzügc krönte» jedoch sein Werk in nie geahnter Weise. Sein Geist erfüllte die Reihen seines HecrcS ebenso loie sein Gottvcrtrauen dasselbe zu unerhörten Siegen hinriß. Mit dieser seiner eigenen Schöpfung führte er die deutschen Stämme wieder zusammen und gab imS die langersehnte deutsche Einheit Mieder. Ihm Wanten wir es, daß kraft dieser Armee das DeiNs.h»! Reich Achtung gebietend seine ihm bestimmte Stellung im Rate der Völker wieder einnimmt. An Ihnen ist es nun, nicinc Herren, auch im neuen Jahrhundert die alten Eigenschaften zu bewähre» und zu bethätigcn, durch welche unsere Vorfahren die Armee groß gemacht habe». Einfachheit und Anspruchlofigkcit im täglichen Leben, unbedingte Hingabe an de» kvnig- lichen Dienst, volles Einsetzen aller Kräfte dcö Lcibcö nnd der Seele in rastloser Arbeit au der Slnöbildung nnd Fortentwicklung unserer Truppen. Und ivic mein Großvater für sein Landheer, so iverde auch ich für meine Marine unbeirrt in gleicher Weise das Werk der Neorgani- sation fort- und dnrchsiihreu, damit auch sie gleichberechtigt an der Seite meiner Streitkräfte zu Laude stehen möge und durch sie das Deutsche Reich auch im'Auslände in der Lage sei, den noch nicht erreichten Platz zu erringe». Mit beiden vereint hoffe ich in der Lage zu sei», mit festem Vertrauen ans GotteS Führung den Spruch Friedrich Wilhelms I. wahrznmachcii: «Wen» man i» der Welt ctivas will dccidiercn, will es die Feder nicht machen, wenn sie nicht von der Force des Schwertes joutcnicret wird." Tie Rede Wilhelms II. ist in ihren historischen„Erinne- rirngeu" mit den geschichtlichen Thatsachcn nicht überall der- eiubar. Dagegen ist das Zukunftsprogramm des Kaisers mit aller wünschenswerten Bestimmtheit fixiert worden. Die Ausführungen über die Zeit von Jena bedürfen insofern der Korrektur, als Friedrich Wilhelm III. an allen Reformen der preußischen„Wiedergeburt" völlig unschuldig war. Er war ihr Gegner, wie er auch nur gezwungen in die Freiheitskriege ging; es war ihm. wie er einmal selbst erklärte, durchaus zuwider, daß er im Namen der deutschen Freiheit sogar den Jacobiuer spielen mußte. Es ist auch nicht richtig, wenn man es sich jetzt so vorstellt, als ob in der Zeit vor Jena der preußische Militarismus sich weniger wichtig gefühlt hätte als etwa jetzt. Die Stimmung vor Ausbruch des Krieges schildert Streckfuß in seiner Berliner Geschichte:„Nieniaud durfte es wagen, ohne sich den gröbsten Beleidigungen aus- zusetzen, an die Möglichkeit einer Niederlage zu denken, denn die Offiziere, vom General herunter bis zum Lieutenant, erklärten ja, das Heer Friedrichs des Großen sei unüberwindlich. Tie Presse sprach in deipselben Geiste. Die„Berl. Ztg." veröffentlichte Bardengesänge, sie versicherte, daß der kriegerische Geist de? Nation sich niemals so kräftig und lebensvoll offenbart habe, als Made in dieser Zeit; von den Tagesblättern ward üi die Welt hinansposaunt. der Kampf für deutsche Nationalität, Freiheit und Sitte werde jetzt erst beginnen!" Das war unmittelbar vor Jena. Als dann freilich die Herrlichkeit des glorreichen preußischen Heeres zusammen- brach, lvar aller Patriotismus verflogen. Man wetteiferte, dem Sieger zu huldigen, und Graf Schulenburg, der Gouverneur Berlins, verkündete:„Der König hflt eine Bataillc Verloren, jetzt ist Ruhe die erste Büigerpflxch� tch Piste däkinn." Es war dann eine Konzession an die revolutionäre Bolls- strömnng, daß die allgemeine Dienstpflicht eingeführt wurde. Aber dieser Fortschritt war der letzte auf d<,'m Gebiete des. Militarisnins. Seitdem ist das Heer zu«um Ktasjep' unt»! Kastenheer verknöchert. Der Gedanke des Volkes in Waffen,> wie ihn ein Scharnhorst proklamierte, ist niemals zur vollen Ausführung gelangt, wir haben ein Heer gegen das Volk, nicht ein Volksheer. Der Unterschied zwischen dem militaristischen Wesen vor Jena und nach Sedan ist durchaus nicht so groß, wie die Hofhistoriker glauben machen möchten. Und wenn der Kaiser an die Selbst- iiberhebiuig des Militärs von 1806 erinnert, so beherrscht diese Selbstüberhebung nicht nur das Offiziercorps von 1900, sondern sie ist ein Hauptzeichen der gesamten herrschenden Politik geworden. In einer Beziehung hat, wenn auch wohl unabsichtlich, der Kaiser selbst eine Parallele zwischen dem Militarismus einst und jetzt gezogen, insofern, als er an den Luxus der Lebensführung der Offiziere erinnerte, der sicherlich in den armen Tagen vor Jena keinesfalls so stark war wie heute in der Zeit der Harmlosen. Auch in der offiziellen frommen Gesinnung stand das Heer am Anfang des 19. Jahrhunderts sicherlich nicht zurück hinter dem an der Schwelle des zwanzigsten. Die gottlosen Zeiten des großen Friedrich waren ja schon bei seinem Nachfolger zu Ende und durch eine Art hitziger Frömmigkeit abgelöst. Der Kaiser hat dann in seiner Neujahrsansprache in einer psychologisch durchaus verständlichen Weise als sein Pro- aramm die Marineknltilr bezeichnet. Wilhelm I. hat den Landmilitarismus so ausgestaltet, daß seinem Enkel auf diesem Gebiete wesentliches kaum noch zu thun übrig blieb, abgesehen von den quantitativen Reformen; darum mußte ein neuer Weg eingeschlagen werden. Die Landcrfolge waren nicht zu überbieten— so ergab sich von selbst das Wasser als ein freier Platz, der noch anbaufähig war. Das große Deutsche Reich muß durch das größere Deutschland abgelöst werden! Das ist die einzige mögliche Steigerung für die Erben Wilhelnis I., den sein Enkel den Großen nennt. Wir glaubon, daß in der That Wilhelm II. von diesem Gedanken tief erfüllt ist. Er hat bereits an den Militär- ronslikt der sechziger Jahre erinnert und seinen festen Willen kundgethan, das Werk der Reorganisation der Manne durchzu- führen— trotz des Wideiflandes, den nüchterner„Unverstand" der Flottenromantik entgegensetzt. Gerade weil diese Marine- Pläne keinen vorübergehenden Gedauken.Zsondern einen festen leitenden Grundsatz darstellen, muß sich das Volk zum ernst- haften Konflikt rüsten, den daS geschulte Proletariat mit größerem Geschick durchführen dürfte, als einst der bürgerliche Liberalismus. Man mache sich nur den vollen Inhalt des kaiserlichen Marineprogramms klar Er fordert eine der„ersten" Armee gleichberechtigte Flotte. Das heißt: Wie wir ein Landheer haben, das den in Betracht kommenden Armeen an Größe gewachsen ist, so sollen wir eine Flotte haben, mit der wir mit den See- mächten konkurrieren können. Da reicht natürlich nicht die jetzt geplante Verdoppelung der Schlachtflotte aus, sondern die gewünschte Verdoppelung stellt nur eincii schüchternen Versuch zur Lervierfachimg oder Vcrsechsfachung dar.. Teutschland soll eine Sammlung von Kasernen, Kähnen und Kirchen werden, neben denen die Kultur keine Existeiizberechtigung mehr hat. Mit gewaltigem Jubel begrüßt natürlich die von den Marine- lieferanten bezahlte Presse die Säkukarbotschaft jWilhclmS II., verheißt diese doch, wenn sie Erfüllung erhalten würde, der Großindustrie unerschöpfliche Aufträge, die niemals enden, sondern sich stetig steigern.„Das erlösende Wort in der Flotteufrage" finden die von Krupp ausgehaltenen„ B e r- l i n c r N e u e st e n Nachrichten" in der Rede. Die Flotteufrage sei die Lebensfrage für Deutschland, ebenso wie die Arqiee-Organisation von 1L6O die Lebensfrage für Preußen war. „Wir befürchte» nicht, daß Unverstand diese klar ermessene Auf- gäbe erschiveren iv.rd. Sie ist auS sürfflichcr Lanue oder Spielerei so wenig crivachseu wie die VIeorganisation von 1860. soudcru aus der zwingenden Erkenntnis, daß, wenn Deutschland nicht sinken soll, es sich der Schöpfung der Flotie uutcrzichcii muß. die durchaus im Verhältnis zu seineu wirtschaftliche» Kräften steht. Wir hoffen, das neue Jahr wird de» Beweis erbringen, daß es auch im zwanzigsten Jahrhundert in de» Fragen nationaler Existenz und Ehre in Dcmschland keine P a r 1 e i e n giebt nnd daß die frei- sinnige Partei so wenig Himer dieser Ehrenpflicht wird zurückbleiben wollen, wie irgend eine andere, die ans nationalem Boden steht. Der Kaiser hat das neue Jahrhundert mit einci» kräftigen V o r iv ä r t s I für Deutschland eingeleitet. daS Land wird weder in dem Rate seiner Vertreter, noch in der Thatkrast seines Volkes sich diesem Rufe versagen." Nur läßt sich das Volk seine Lebensfragen nicht von der GeschäftSgier einiger Großindustriellen diktieren. Warum hat man den Schweinburg beiseite geschoben, wenn die Industrie- presse mit unverminderter Schamlosigkeit fortfährt, die Juter- essen ihrer Auftraggeber mit patriotischeiu Phrasengeklingel zu behängen. Gerade dieser ebenso unverständige wie uil- kluge Jubel verrät, was hinter dem Marine- Enthusiasmus der herrschenden Klassen steckt. die uns die Zuchthausvorlage Marinewahu huldigen. Es ist drückung, der Ausbeutung und geisterung der maßgebenden Person für See und Seewesen zu nutze macheu sucht. Das Rroletgriat aber bekämpft den Militarismus in jeder Gestalt, ob er zu Lande den Kragen hoch knöpft oder zu Waffer den Hals frei trägt, und daß es in diesem Kampfe siegt, das ist seine Lebensfrage, die zugleich die Lebens- frage der Kultur ist. Es sind dieselben Kreise, bescheerten, die jetzt dm dieselbe Politik der Unter- Ablenkung, die sich die Be Das Jahr der Verfassmtgsbrüche. —st— Wie», 81. Dezember. Mit Verfassungsbrüchen hat das Jahr begonnen, mit Vcr- fassmigsbrüchen endet es— das ist die Geschichte des Jahres 1399 für Oestrcich! In der Geschichte dieses vielgeprüften, an Niederlagen so reichen Staates wird das Jahr, das der Jahrhuiidertswende vorangeht, als das Jahr tiefster Erniedrigung bezeichnet werden, als das Jahr, in dem die Unmöglichkeit dieses verkünstclten Staaten- gebildeS evident geworden ist. Was ist von Oestreich zu berichten? Im Januar mußte das Parlament heimgeschickt werden, weil seine Lebensuiifähigkeit die Erledigung aller Gesetzgcbuugsdiiige verhinderte, und im Dezember wiederholte sich dieses unsäglich erniedrigende und erbitternde Schauspiel. Das Band, das heute die auseinandcrlreibcndcn Teile verbindet, ist der Absolutismus, ist der permanente Verfassungs--' bruch, der anfänglich mit einer gewisse» Schamhaftigkcit ans Tageslicht trat, iinn aber mit voller Frechheit auftritt. Deshalb ist, trotz aller Leere und Oede der Ereignisse, das scheidende Jahr eine ge- s ch i ch t l i ch e Zeit: von ihr ans wird der Geschichtsschreiber d c n Zerfall Oestreichs zu datiere» haben. Das Alle stürzt zusammen, den Ruinen entblüht aber kein neues Leben! Die„Begebenheiten" des abgelaufeneu Jahres sind bald auf- gezählt. Nach einer kurzen Vertagung trat der Ncichsrat im Januar züsantmeu, um sofort in seine alte Krankheit, in die Obstruktion, zu verfallen. Nach ein paar Scheinversuche», das sterbende Parlament zu galvanisieren, erfolgte die Schließung der Session, und die Bahn war ivicderfreizudenStaalsstrcichcn.andcnendicneuereGeschichteOestrcichS so reich ist. Wohl machte das Miiiisteriuin Thun»och einen kurzen Versuch, die leichtsinniger- nnd verbrccherischerweise eingegangene Verpflichtmig, den gesamten Ausgleich ivährcnd der Parlamentspause zu oktroyieren, loszuwerden, aber es gelang ihm incht„in Schönheit zu sterben", als Vertreter der östrcichischeu Jntereficn vom Schauplatz gehen z» können. Es war das der Kampf mn die berühmte Szcllsche Formel, das heißt, die Oestrcichcr verlangten, daß Ungarn den Pakt, der über die Durchführung deS Ausgleichs geschlossen war, zerreißen sollte, die Nichtigkeitserklärung der gesamten Verein- baiimge». Natürlich entschied, wie immer, auch diesmal die Kröne gegen Oestreich und für Ungar»: das Ministerium Thun fügte sich imd wagte wirklich jenen Staatsstreich, der in der Oktroyicrung des AuSgleichswerkcS liegt. Im Juli kam die erste der verbrecherischen AiiSglcichsvcrordmiiigcn, die unter anderen Ungesetzlichkeiten auch die Erhöhung der Zuckerstencr brachte und dadurch die leideiischaflliche Erregung bis zur Siedehitze anfachte.Im September die zweite, die das gesamte Bankwesen an Ungarn anölicfcrte: das Parlament blieb aber inuncr unsichtbar. Es mußte endlich einberufen werden, iiüt die Delegationen zu wählen: da aber ivar'S klar, daß selbst diese geringe Thätigkcit nicht möglich sein iverde. wenn nicht vorher das verbrecherische Miinsteriinn beseitigt worden ist. Die Regierung Thun fiel der allgemeinen Entrüstung zum Opfer, und um die Obstruktion der Deutschen zu verhindern, ivurdcn auch die Sprachen- Verordnungen ausgehoben. Die fruchtlosen Versuche der Regiernng Elary, die sogenannten Staatsnolivendigkeilen im Abgeordnctenhaiise diirchznsetzcn. sind noch in frischer Eriimcrimg. Auch dieses Experiment mißlang. Gras Elary mußte die politische Bühne verlassen. daS Parlament wurde ans dem Wege geräumt, und Herr v. Wittel» dieser TypuS des modernen BcanitcutiimS, das Gewissen wie Ueberzeugnug mich dem Namen»ach nicht kennt, übernahm die„Regiernng", die keine andere Aufgabe hat, als die unendliches Reihe der VerfassungS- briiche um ein halbes Dutzend zu vermehren. Die politische Bilanz dieses Jahres kennt nur Passivposten: außer ei» paar formalen Ge- setzen ist die Aufhebung deS Zeitnngs- und Kalcudcrstenipcls die einzige Frucht der Gcsctzgebniigöarbeit eines ganzen JahrcS. Oestrcich ivird nun drei Jahre vhne Parlament regiert; die bald einberufenen, bald wieder vertagten Reichsratsseffioneii sind mir die spanische Wand, hinter der sich der ministerielle Absolutismus mit aller Gcinüls'ruhe niedergelassen hat. Ein Staat aber, der mit dem Parlament nicht mehr regiert iverde» kann, i st kein Staat m ehr: es ist nur„der Schatten der Maria". Der Anflösnngs- und Zersetznngsprozcß des alten Donaureiches ist im vollen Gange, nnd ivcnn auch ein großes nnd Jahrhunderte altes Reich langsamer stirbt als ephemere Neubildungen ctiva: Oestreich stirbt dennoch, und nichts vermag die Nationen, die von einander weg- strebe», zwischen denen ein pcrmanciitcr Bürgerkrieg tobt, mehr bei- sammcnznhaltcn. weil es nichts Gemeinsames mehr zwischen ihnen gibt. D a s h ä t t e n u r d a s P a r l a m c n t sein können— ein Parlament freilich, in dem die Völker daS Centrnm ihrer Be- strebiiiigen und die Verkörperung ihres Willens erblickt hätten. Aber ein solches Parlament zu schaffen, das hinderte die ererbte östreichische Halbheit und Feigheit— das ist der Fluch von diesem hohen Haus, sagt Grillparzcr,„auf halben Wegen nnd zu halber That, mit halben Mitteln zanderhast zu streben"—: und nun bat man auch das Talmiparlamcnt, das wenigstens den Schein er- weckte. daß es etwas Gemeiiisames und Verbindendes in Oestreich gäbe, in Trümuier gelegt. Der ReichSrat ivar aber thatsächlich daS letzte Oe st reichische: jetzt sind nur noch die Versprengten Teile da, denen jedes geistige Band fehlt. Nun wird sich erfüllen, was unausbleiblich ist. Diese gräßlichen Verhältnisse sind für die Arbeiterklasse wohl ein Hemmnis, aber ihre Erstarkimg und Entwicklnug, die ein Ergebnis der gesellschaftlichen Triebkräfte selbst sind, schritt dennoch auch i» diesem Jahre rüstig vorwärts. Der B r ii«n e r Parteitag hat die unerschütterliche Solidarität der Arbeiter aller Völker dieses polyglotten Staates neu crlviescii: trotz der sprachlichen Verschieden- heit stehen die klassenbewußten Arbeiter wie ei» Fels zusammen und diese Znsammcngchvrigkcit, die aus der Gemeinsamkeit der realsten Interessen der Äogeuivart und der Identität des allen voran» leuchtenden Zieles besteht, hat der bis zur Wcißglühhitze empor- ßclotri'te nftlioimtc ChänbiniSmuS nicht erschüttern können. Der ürnnpf gelten die Negiernng Thun, der Kanipf der Wiener Arbeiter gegen den von den Christlich-Socinken inscenierten Wohlrcchtsraub hot� die politische Schulung der vstreichischeu Socialdeinokratie er- Iviescn; der Kampf um den Zehnstnndentag. der in den Ansstitiiden von Brünn und Zwickau so beachtenswerte Siege verzeichnet, beweist die gewerkschaftliche Entwicklung der östreichischeu Arbeiterschaft. Die vstreichische Socialdeinokratie findet ans ihren Wegen Neuerungen und Hindernisse, die Parteien in national einheitlichen Staaten erspart bleiben. Aber die Schwere einer Arbeit hat SocialdeUiokraten nie abgeschreckt, und so bleibt die Socialdeinokratie in diesem vom Modergeruch erfüllten Staate frisch und kräftig, und ihr innerer Ausba», ihre Bcrbrcitung und Vertiefung, geht trotz aller Irrungen und Wirrungcn ungestört weiter. Die Socialdeinokratie ist nicht von gestern und sie ist nicht auf das Morgen angewiesen. Ihr ist die Zukunft der Menschheit anvertraut und nichts vermag sie zu hindern, den Blick auf das un- vcrlicrbare Ziel gerichtet vorwärts zu gehen. ZSolMfifzo MebevfiM» Berlin, den 2. Januar. ®c« Leitern der Flotteu-ReName Miis; das Koniplinient gemacht werden, dag sie eine ungewöhnliche Kühnheit besitzen. Bisher pflegte man bei derartigen„Be- wcgnngen", wenn es galt. Beamte zur Agitation aufzufordern, sich nur an solche Bcmnte zu wenden, die in einem Dienst- Verhältnis stehen, welches sie zwingt, Wünsche von oben als Befehle zu betrachten. Diesmal ist man über diesen VcamtenkrciS hinaus- gegangen und hat auch richterliche Beamte mit der Zu- , nutung. für das Flottengcfchäft thätig zu fein, zu behelligen gewagt. Von einem hochgestellten richterlichen Beamten find z. B., wie wir aus sicherster Quelle erfahren, dem Kollegium eines preußischen Amtsgerichts derartige Agitationsnufrufe' zu- gegangen, mit dem taktvollen Wunsche, dag die Kollegen, welche bereit seien, ihren Namen in eine Liste einzeichnen sollten. In dem fs-alle, der uns vorliegt, sind dem betreffenden Herrn allerdings seine Aufrufe zurückgeschickt worden. ES unterliegt aber keinem Zweifel, daß anch bei anderen Nichterkollegien ähnliche Angriffe auf die verfassungsmäßig verbürgte„Unabhängigkeit dcö NichterstandcS" versucht worden sind.— SchweinburgS Manifest. Nachdem Herr Victor Schweiiiburg aus Flottenverein und „Berliner Neuesten Nachrichten" herausgedrängt, veröffentlicht er nun eine längere Drohnote, die also anhebt: „Nachdem Rücksichten nicht auf mich, sondern auf andere und anderes mich Jahr: hindurch bestimmt haben, die mannigfachsten offenen und versteckten Angriffe unerividert und ohne Ab- wehr zu lassen, ist nunmehr die Stunde gekommen, in der es mir gestattet ist, in die Gänge hincinznlcnchtcn, deren Dunkel seither den Ursprung der wider mich gesponnenen Jutriguen »lud die Urheberschaft nbler Ansstrenungen gegen mich ver- borgen gehalten hat, Ein reines Gewissen ließ mir die Wahl, Feindseligkeiten nnd Verleumdungen zu verachten oder ihre Verbreiter zur Verantivortmig zu ziehen. Jene Duldsamkeit habe ich länger als ein Dccenuinm geübt. Sie hat die Dreistigkeit der Verleunidung gesteigert, so daß ich mich veranlaßt gesehen habe, durch den Justizrat Herrn Dr. Sello die Hilfe der Gerichte anzurufen. Indem ich das lhat, ivar nicht mein Ziel, die Bestrafung einzelner Per- sonen zu erwirken— denn diese stehen nicht ans der Höhe meiner Abwehr—, sondern die Aufklärung �i» schaffe», die vielleicht er- inöglicht, die eigentlichen Anstifter des gegen mich gerichtete» L e r l e n»t d u n g s f e l d z u g e s a u s d e r f ii r s i e a l l e i n wohlthätigen Verstecktheit he rauszn bringe>i." Indessen, Viktor Schweiuburg will nicht mehr ans den Tag des Gerichts warten, sondern beginnt mit einer kleinen Probe seiner gefährlichen Wissenschaft. S ch w c i n b n r g packt au s. Er bespricht zunächst seine Thätigkeit im Deutschen Flottenverein: „Hierüber sind Meldungen verbreitet worden, die aus meiner unmittelbarsten Umgebung innerhalb dieses Vereins gekommen sein müssen, da sie vollständige Kenntnis der Verhältnisse und Borkommnisie verraten und den doppelten Vorwurf verdienen, den des Bruches Pflicht- mäßiger Verschwiegenheit und darüber hinaus den V o r iv u r f wissentlicher geflissentlicher Irre- sührung durch Verschweigimg wesentlicher Momente. „Daß man mir nachgesagt hat. ich hätte aus meiner Sekretär- schaft im Deutschen Flottenverein materielle Vorteile gezogen, meine Thätigkeit dort dürfe daher nicht als Zeichen lediglich patriotischer Gesinnung angesehen werden, will ich selbst eutschul- digen. Denn, wenn es auch nicht wahr ist, daß ich ans meiner Sekretärschaft irgend welche» Vorteil gezogen oder bedungen oder für später erwartet hätte, so mutz ich doch für die gegen- teilige Annahme guten Glauben voiaussetzen, da mein Stell- Vertreter im Sekretariat dcS Deutsche» FlottenvcrcinS, Korvettenkapitän a. D. Gcreke, für die mit dieser Stellvertretung verbundene Redaktion der Monatsschrift„Ileberall" bei Sjährigem Kontrakte ein JahrrSgchalt von M. bezieht. Es lag immerhin nahe, von den Bezügen des Sekretärs- Stellvertreters auf höhere Bezüge des Sekretärs zu schließen. Trotzdem muß ich zur Vermeidung irriger Beurteilung erklären, daß ich es seiner Zeit zur Bedingung der Uebcrnahme meiner sehr nmsangrcichcii Thätigkeit für den Deutsche» Flottenverein gemacht habe, daß mir ans dieser Thätigkeit kein irgendwie gearteter materieller oder ideeller Vorteil erwachsen dürfe und daß ich Se. Durchlaucht den Fürsten zn Wied an diese Bedingung erinnert habe, als er für meine abgeschlossene Thätigkeit im Dentfchen Flottenverein mir eine ihren» Werte«ach nicht gering beincssenc Entschädigung anbot." Das sind für den Anfang schon ein paar recht niedliche Eni- hüllungen aus der Welt der Weltpolitiker. Wir erfahren, daß der zweite Sekretär des Flottenvereins, ein Kapitän a. D.— ihn hält Schweinbnrg offenbar für die Quelle der gegen ihn erhobenen An- griffe— ein Jahresgehalt von 1t1(XX>M. bezieht. Diese Agitatoren können sich angesichts solcher Honorare schon einigen Patriotismus leisten. Dann hören wir. daß der Fürst zu Wied dem Schwein- bürg bei seinem Ausscheiden aus dem Flottenverein eine beträchtliche Abfindung angeboten hatte. Zu welchem Zweck? Die Abfindung scheint dabei nicht in der Form baren Geldes gedacht worden zu sein, sondern in einer anderen Form, welche die dauernde Anhänglichkeit Schwcinburgs an den Flottenverein ver- bürgen sollte. Nachdem Victor Schweinbnrg noch eine'unwesentliche Einzelheit ausplaudert, schließt er drohend:' „Für heute mag dies genügen. Man hat Märchen verbreitet, die mit den poetische» Borbildern nur die Erfindung gemein haben, aber nicht die Harmlosigkeit. Ich werde diese Märchen der Reihe nach als Verleumdungen darthnn. Die Märchen- erzähler haben kein Jnteressc für mich— ihre Einbläser will ich fassen." Schweinburg erfüllt hiermit prompt, was wir in der letzten Nummer voraussahen, er werde nun mit seiner„Kenntnis der Dinge" gegen seine Widersacher losgehen. Manch einem wird die Schluß- anknudiglmg SchweinburgS,' daß die Fortsetzung folgen solle. Be- klemmnngen verursachen. Vielleicht wird von irgend einem schleunigst ein Friedensschluß nnd ein Vcrsöhnnngsmahl bereitet. Hat aber der alte Offiziosns auf seine alten Tage ivirklich Lust, einmal der Wahr- heit zu dienen, so würden wir in viele Dinge, so namentlich aver in die Geschichte des neuesten Wasserpatriotismus einen Einblick er- galten, der auch den blödesten Philister üb«r das Wesen der große» �Politik und der nationalen Begeistcruiig aufklären würde.— Unser Silvcsterscherz vom Marine-Abrüstungsmanifest hat in den Kreisen unserer Genossen manche Heiterkeit erweckt. Dem tollen Durcheinander von Friedensserkündigungen nnd KriegSrüstungen, von gespreizter Christcutumsfrömmelei Und weltpolitischer Drauf- gängerei, das sich an der Jahrhundertwende darbietet, der reizvollen Bilderfolge vom Hanger Kongreß bis zilm südafrikanischen Krieg und den neuen deutschen Marineplänen fehlls nichts als eine Martinstische Neuauflage der AbrüstnngSbotschaft ans dem Reiche der östlichen Barbarei. Wir haben uns erlaubt, eine solche Botschaft als Beitrag zur Kritik iicuestdeutschcr Weltmachtreligiosüät zu ersinnen. Merkwürdigerweise haben einige Blätter, wie das„Berliner Tageblatt", unser» Scherz nicht verstanden. Das ist verzeihlich. Denn in dieser Zeit der politischen Wunversamkeiten hätte diezarische Wmider-FriedcnSbotschast sicherlich gutes ExifleNzrccht.— Der Maffi»- Prozest. Rom, 8k. Dezember. Man schreibt uns: Der Prozeß wegen der Ermordung des Eommcndatore Notarbartolo vor den Gerichten in Mailand erweist in seinem Verfolg immer augenfälliger die völlige Vctwesung des Gerichtswesens, der Polizei, der gesamten Poiitit unseres ge- segneten Italien. Außer dem Abgeordneten P a l i z o l o, dem intellektuellen Urheber, nnd F o n t a n a, dem thatsachlichen Vernber dcS Mordes, außer dem Polizeidelegaten D e V l a s i, der die Vertuschung der Indizien unter Mißbrauch seiner amtlichen Stellung begünstigte, ist bis heute die Kleinigkeit von a ch t Z e n g e n verhaftet worden, die unzweifelhaft genaiie Kenntnis' von den näheren Um- ständen des Mordes haben und diese ihre Kenntnis auch dadurch offenbart haben daß sie anderen Personen diesbezügliche Mitteilungen machten. Jetzt vor den Geschworenen dementieren sie aber die' Aussagen jener. Personen, leugnen, was sie gesagt haben, absolut nnd lassen sich lieber wegen Zenguisveriveigernng oder falscher Aussage 2 nnd 3 Jahre Gefängnis aushalien. als daß sie sich die R a ch e d e r Maffia in Gestalt einiger Kugeln oder Dolchstöße aus dem Hinterhalt zuziehen möchten. Sogar ein 70 jähriger Ingenieur, ein gewisser Mattet, leugnete, leugnete hartnäckig, und geruhte erst zu sprechen, nachdem der Gerichtshof einen Arrcstbefehl gegen ihn und gegen diejenigen Personen, die durch seine halben Aussagen belastet wurden, erließ. Erst als diese letzteren i» Nummer Sicher saßen, fühlte auch er sich sicher, und erst dann sprach er. Diese Thatsache zeigt schlagend, daß eine Anzahl von Staats- bürgern sich durch d e ü S t a ä t nicht h i u r e i ch e u d an Leib und Leben, an Hab und Gut geschützt fühlen— durch den Staat, der. so weit er Existenzberechtigung hat, doch gerade zu diesem ciiizigeu Zweck da ist, nnd daß diese Staatsbürger mehr Furcht vor der privaten Rache, als vor der Schärfe des Gesetzes haben. Aber daS ist nicht das einzige Ergebnis. Ein AppellationogeeichtSrat, M i n o l f i mit Namen, hat im Prozeß ausgesagt, daß er durch seine Amtsthatiakeit die lieber- zcugnng gewonmien hätte, in der siziliänischeu Provinz Girgcnti seien Abgeordnete, die als Beschützer von Verbrechen fnnksioniertcn, und daß es Briefe gebe, d:e für diese Thatsache den Beweis erbrächten. Der in Frage kommende Abgeordnete, zur Zeit ebenfalls riibtcr- sicher Beamter, ist der Deputierte F i l i- A st o l f o n c, der jetzt. nachdem sein Name schon seit verschiedenen Tage» öffentlich genannt! worden ist, die Absicht vekundct, auf dem Klagewege gegen den Gerichtsrat Minolfi vorgehen zu wollen und ebenso gegen unseren „Avanti", der ihn klar mio deutlich der Oeffentlichkcit deunuziert hatte. Bis zur Stunde hat sich der Jnstizmimster jedoch wohl gehütet, eine Untersuchung dieser schweren Anklage anzuordnen, die direkt einen richterlichen' Beamten trifft. Und auch das ist noch nicht alleS! Die„Tribiina", ein äußerst vorsichtiges nnd in dieser Angelegen- heit sehr charakterfestes Blatt, bestätigt eine frühere Enthüllnng des „Avanti", indem sie sagt, ans-chcr vom Mailänder Gerichtshof ver- anlaßten Brüsinig der Akten der Polizeibehörde von Palermo er- hellte, daß viele Aktenstücke fehlen, nnd zivar hnnptsächlich dieV jenigcn, in denen der G e n d a r m e r i e h a n p t m a n n Q r r o l a n i den Abgeordneten als einen der für den Mord verantwortlichen Personen angiebt und als Blotiv zum Mord die drohende Gefahr bezeichnet, daß Notarbartolo ans den Posten eines Direktors der Bank von Sizilien znrnckkehrcn sollte, wodurch Palizolo und seine sauberen Freunde gehindert lvordo» wären, ihre Privatspekulationen mit dem Getde der Bank fortzusetzen. Die oben bezeichneten Dokumente wurden von dem Gcndamicnc- Oberstlieurcunut Cellario liutersch'lageu. der Überdies noch seine Ifutcrgcbenen instruierte, mau müsse den Spuren des Verbrechens auf einem anderen Wege als dem bisher ein geschlagenen nachgehen! Es ist klar,- daß der Herr Obcrstlienienant nicht so handeln konnte, wenn er nicht vorher Kenntnis gehabt hätte von einer iveit- verbreiteten Eliane von llomplicen, darunter hohe Beamte der Exekutiv- und Gerichtsbehörden, die man umnöglich bloßstellen konnte, ohne zugleich die Mitschuld der Regierung aufzudecken, So weit ist'S heute mit uuS gekommen. Wie weit wir mit diesen RegieriiNgSznstäiiden noch kommen»verde», ja wer kann daS wissen.— •• Deutsches Weich. Ei» Armeebefehl. Gleichzeitig mit seiner Zenghans- Rede Ivird ein Armeebefehl des Kaisers bekannt, in dem es heißt: An mein Heer! Bollcndet ist das Jahrhundert, dessen Beginn daS Vaterland in seiner tiefsten Erniedrigung sah, dessen Ansgang gekrönt ist durch die Wiedererstehimg von Kaiser und Reich! Unter den Schlägen des Eroberers war das Deutsche Reich zusammengebrochen, dahingesunken die Macht Preußens, vernichtet das Heer'des große» Königs, ivelches einer Welt in Waffen sieg- reich Trotz geboren hatte. Wohl hatte nach sieben uiivetgessenen Leidcnsjnhren Preußen in wunderbarer Erhebung mit der ganzen Kraft eines zur Ver- ziveiflnng gebrachten Volkes die Ketten der Fremdherrschaft zcr- brachen und damit Deutschland sich selbst wiedergegeben; ivohl hatte in dem Befreiungskämpfe sein neu erstaiidencs Heer ungezählte Ruhineskränze um seine Fahnen gewunden: der höchste Lohn für seine opservolle Hingebung blieb dem Vaterlande versagt, unerfüllt das unauslöschliche Sehnen»ach Deutschlands Einheit. Hadernd und entfremdet gingen die deutschen Stämme nebeneinander her, Deutschland blieb gering im Rate der Völker. Endlich ließ Gott ihn» die Männer erstehen, die das auf blnt- getränkten Schlachtfeldern begonnene Einigniigswerk zur Vollcndimg führten. Heute steht das gemeinsame große Vaterland, geschirmt durch sein von einem Geiste beseeltes Heer machtvoll, rn» Hort deS Friedens da... Ich danke meinem Heere für alles, was es in diesen, langen Zeiträume mir, meinem Hause und dem Vaterlande geleistet hat, siir seine Hingebung und Opferwilligkeit, für seine Tapferkeit und Treue... Mögen dann nach dem Willen der Vorsehung auch neue Stürme über das Vaterland hinbranscn und seinen Söhnen aber- mals das Schwert in die Hand drücken: an meinem tapferen Heere werden sie sich brechen, es wird sei» und bleiben, was es war und ist, ein Fels, auf dem Deutschlands Macht und Größe ruht. Das ivalte Gott! Der Armeebefehl wiederholt die mili t« fistzich( ii Uusführungeu der Rede. Ein entsprechender Marine befeyl ist nicht erschienen.— TaS Sccgcspeilst. Der natioiiak-sociale Redacteur der demo- kratischen„Welt am Montag" versicherte neulich in einer Wiener Zeitschrift mit einem gigantischen Ulkbilde; die Flotte sei dem deutschen Volke aus Herz gewachsen. Nach diesem Gleichnis bearbeitet er nun auch das erwähnte Moutagsblatt, das die Flotteuvorlage der„Nordd. Allg. Ztg." seiner Zeit mit einem ebenso verständigen wie scharf ablehnenden Artikel empfangen hatte. Jttzt muß es im Weltmeer plätschern. Das Seegeipciist aber ver- dtrbt nicht nur den Stil, sondern verwirrt auch de» Blick. Wenn der iiatioual-sociale Redacteur das vorige Jahr über aus dem Beriisteiii- streit eine Hoffnung für die Ablösungssehnsucht seines Parteichcns schöpfte, so ivar das nur naiv. Wem» er aber jetzt sogar die Flotten- Vorlage als ein Mittel glaubt, daß an ihr Misere Partei ab- splittert, so heißt das am Wasser sich zu Wahitgedailken zu erhitzen, als wäre der Ozean voll Libsputh. Die Socialdcmokratie und der„Vorwärts" sollen sich infolge der Flotteuvorlage in Nöten befinden. In Wirklichkeit sind kaum sciuals die Widersprüche und das hilflose Elend der herrschendeu Politik so schroff hervorgetreten wie bei dem Flottcnplaii, der für uns ein Agitationsmittel allerersten Ranges bietet. Die„Welt am Montag" kann sich noch immer nicht beruhigen, daß wir die Professoren als„wissenschaftliche Leibgarde Schweiiibnrgs" bezeichneten. Wir fcheu ein, daß wir damit Unrecht gethau haben,— Herrn Zchwcinburg nämlich. Der, als Agent der Großindustrie, vcrsolgte doch Ivemgfleiis einen verni'mftigen Zweck. Die Professoi'en aber trieben als AlleSbeweiser die siimlosesten Kindereien; mau denke nur an den„Wo che"-Artikel Schmollers über die Philosophie dcrWanderimgcn. Sollen litis die Professoren, die einst dem Sepl est natSs chwiu del die Waffen ihrer„Wissenschaft" begeistert weihten, heute mehr imponieren, Ivo sie vom Land aufS Wasser gegangen sind? Zudem hat Schweiuburg die Priorität. Er erkannte das Heil Deutschlands lange vor den Professor-cii, die öffentlich erst nach, der Hamburger lllcde ihre Agitation begonnen. Wcim die„Welt am Montag" schließlich in der Entschiildi- gniig der„Soc. Monatshefte" wegen ihrer Aufnahme des national- locial-konfnsen Siother-Ärtikels eine Abfertigung des„BortvärtS" sieht, so verstehen wir wenigstens, wie bei solcher Vorstellnng von einer Abfertigung- der Redacteur der«Welt am Montag" sich ein- bilden kann, lv i r seien in Nöten.— DaS Ätrasvecht in den Tchntz gebieten. Die„Rheinisch- W c st f ä l i s ch e Zeitung"«icitir, wir hätft» in mifercr psycho- logischen Notiz vom Enrvpakoller falsche Vorsiellniigen von de» Rechtsverhällniffen in den Schutzgebieten erwecken wollen. Das Blatt hätte sich seine lange AnSsilhrnng über de» RechtSzustand in den Kolonien ersparen dürfen, denn es ereifert sich gegen angebliche Aeußerungeu des„Vorwärts", welche nur törichter Aerger ob unserer Kritik der Asrikaschncidigkcit uns zu nuterstelleii vermag. Wir haben nichts davon gesägt, daß der jetzt in den Kolonien besteheiidc Rechts- zustand die Miwci'idung deS Slrnfgesctzbnchs nicht zulasse, wir haben vielmehr davon gesprochen, daß m der afrikanischen„Freiheit" das DraiifgängertniN sich ungehinderter gehen lassen darf, als in der Heimat, weil die niedrige Einschätzmig der Würde und des Wertes menschlichen Levens und menschlicher Ehre, sobald der Meiksch als armseliger Schwarzer gegenüber dem mit allem Europadüukel behafteten„Helden" erscheint, zur bequemen Entschuldigung aller Bösartigkeiten und Grausamkeiten geführt hat. Gerade die Herren Aftikancr selbst plädieren ja stets, wenn sie einmal der Arm des Gesetzes erreicht, auf mildernde Umstände, da sie im Banne jener allgemein herrschende» Anffasstingen gestanden hätten. Aber die„Rhein.-Wests. Ztg." sollte auch nicht vergesien, daß»och vor wenigen Jähren die iriminelle Verfolgung des Dr. PeterS, der mehrsachen Mord, beschwert durch die Maskerade amilicher Jusijznusübung, beging, nicht durchgesetzt werden konnte. Allerdings sollte die„Rhciu.-Wcstf. Ztg." nicht allzu große Denvlmdenmg zur Schau stellen, wenn die Stimmung gegen die Kolouialpoliti'k durch Fälle wie den uenesten. der prinzlich Arenberg- scheu Mordthat, keine bessere wird. Es ist schließlich kein Zufall. wenn jene schmachvollen Vorkommnisse in den Kolonien so häufig wiederkehren, daß selbst unsere Koloinalschwänner in Entsetzen gc- raten, Die Flotte im JmnhauS. In der Edelschen Irrenanstalt wurde eine Sikvcstcrscier veranstaltet. Wie wir einem Zcitimgs- bcricht entnehmen, erregten den größten Beifall der Kranken Plakatbilder, die u. a. unter Musitbegleituiig die deutsche Z u k u n f t s» flotte uorftihrten. Wie man hoffen darf, toird sich bei der ersten Lesung der Flottenvorlage die Regierung auf diese Änudgebung vorzugsweise berufen.— Späte Einsicht. In der Mittelstandskampagne haben bekannt- sich die Centrumslettte und Centrnmsblätter imnier an der Spitze gestanden. Jetzt scheint sich langsam die ErkeniitinS durchzuringen, daß es doch keine so ganz einfache Sache mit der„Erdrosselung" der großkapitalistischen Unternchmuugen ist. Zu dem Kampf gegen die Warenhäuser bemerkt die„Korrespondenz für Centrums- blätter":. „Warnen kann man nur Immer wieder vor der Illusion, dag sich die Warenhäuser, Großbazare nsw. wieder aus der Welt schaffen ließen. Wer dem kleinen Kaufmann die Hoffnung erweckt, er werde mittels einer„ErdrosselnuaSstencr", oder durch ein Verbot dieser Konkurrenz los werden, der täuscht sich und ihn. Man kann und soll eine„scharfe Steuer" einführe», das fordert die sociale Ge- rechtigkeit, aber eine wesentliche Erleichterung der Konkurrenz wird das nicht bringen. Verschiedent- sich hat man eine hohe Umsatzstencr eingeführt; sie wird dem Ge- merndesnckcl wohl thun, aber daß sie die Geschäfte der Großbazare eingeschränkt hätte, davon haben ivir bis jetzt nichts gehört, wohl aber vom Gegenteil. Die Inhaber der Großbazare haben offcnbar auch gar keine Angst, daß es ihnen an de» Kragen gehen werde. In Berlin errichten sie einen Millioneiipalast nach dem andern in aller Gemütsruhe. Man kann Ansiviichse des Großbazarwescns be- schneiden und durch eine tuebtige Steuer sociale Gerechtigkeit übe», vielleicht anch dem Kleingewerbe ein wenig Erleichterung verschaffen, aber„erwürgen" kni-n man die Ungeheuer nicht mehr. Die ..Kleinen", die von ihnen zu leiden haben— mid das sind glück- ttcherweise doch noch lange nicht alle kleinen Gewerbetreibenden— können gegen sie nur aüfkonunen, wenn sie sich genossenschaftlich zusammcnthun._ Di- Beschlagnahm- dcS dentfchen Dampfers„BnndrSrat" durch ein englisches Kriegsschiff hat natürlich sowohl in politischen wie in den deutschen Handclskrciscn viel Staub aufgewirbelt. Bon englischen Blättern wird bchmiptet, der Dampfer habe für Transvaal bestimmte Sättel enthalten nnd ferner seien Offiziere für den Kriegsdienst in der südafrikanischen Aimee an Bord gewesen. Die Direktion der Wönnann-Lmie erklärt jedoch, daß sich bei der Abfahrt anS Hamburg an Bord des„BnudcSrat" ausweislich der Passagier- liste'weher Offizier noch Mannschaften für Transvaal, noch unter der Ladung irgend welche KriegSkonterbande befanden. Am Dienstag verlautete an der Hamburger Börse, Direktor Wae r mann von der Ostafrika-Linie sei in Sachen deS von den Engländern beschlagnahmten Dampfers„Bundesrat" vom Reichs- kaiizler nach Berlin berufen ivorde«. «# Die„Neuesten Nachrichten" melden:„Es sind sofort von deutscher Seite energische diploni»tische Schritte in London gethan, nnd man zweifelt nicht, daß dieser für die bisher dinchnuS normalen amtlichen Bezichnnaen zwischen Deutschland und England so slöreude Zwischrusait befriedigend beigelegt werden wird. In der deutschen Note, welche in London überreicht ist, ist auch der rechtliche Standpunkt, insbesondere über die Frage der Zulasstglett der Durchsuchung eines deutsche» Reichspostdampfers ans offener Sie durch ch» etraftichea Kricgsichifj, der deptjchen Auffassung gemäß t zuin �Ilen Ausdnia gebracht worden." London, 2. Iaimar. Tie„TimcS" veröffentlichen ein Tele- grainm aus Lanrence-Marqncz, tvorin behauptet ivied, daff der Dampfer„Bundesrat" Echifföpapicre bei sich geführt hat, welche bc- weisen, das; die an Vvrd befindlichen Passagiere sämtlich Mitglieder der R o t e n- jl r e u z- G e s e l l s ch a f t waren. Durban, 1. Jauuaw Der deutsche Dampfer„Bundes- rat" ist hier an das Quai gebracht worden und wird von Marine- soldatcn und Matrosen bewacht. Tic Präliminarkouvelltion betreffend den Bau der Bagdad- bahn durch eine deutsche Gesellschaft. Die„Franks. Ztg." veröffentlicht die zwischen Z i h n i Pascha und Dr. G c o r g'e S v. Siemens geschlossene«ralimiiiarloiwention über die Bagdad- Eisenbahn. Sie lautet wie folgt: „Zwischen Seiner Excelkiiz Zihui Pascha, Minister deZ Handels und der vffeiitlicheii Arbeiten, im Namen der kaiserlichen vlegieriing einesteils, und Herrn Dr. Georges v. Siemens, Präsi- dcntcn des PcrwaltungSrats der Eisciibahngesellschaft Ottoman d'Aiiatolie, im Namen der genannten Gesellschaft audcrntcils, ist, in Uebcreinstiiuiniing mit dem kaiserlichen Jrade, erlassen infolge einer getroffenen Entscheidung des Ministerrats, und gcmäs; hoher kaiserlicher Sanltion folgendes llcbercinkommen getroffen worden: Tie anatolisch« Cisciibahngesellschaft verpflichlct sich, imicrhalb cincrjMaximalfrist von acht Jahren, eine Eifenbahnlinio zu konstruieren und in Betrieb zu setzen von Konia i'ibcr Bagdad nach Bassorah, und zwar Hilter Bcdiiiginigcn und Garantien, deren Moda- litätcn m einem gemcinschaftlichcii Vertrag zwischen der Hohen Pforte und der genaiiiiten Gesellichaft noch bestimmt werden. Die Hohe Pforte erkennt an, daß mit den öffentlichen Jntcrcsscii die von der Aiiatolischcn Eisenbahn- Gesellschaft nachgesuchte Kon- Zession in Urberciiistilnmrmg gebracht ist. ES ist aiiSbedimgen, das; die Gesellschaft unmittelbar'zu den notwendigen Studien' schreitet und zwecks Genehmigung der Hohen Pforte die Pläne baldigst unter- breiten wird. Die Frage betr. die Garantien wird nach Bccndigmig der Stiidieii erörtert werden, und auf Wunsch der Gesellschaft zu gleicher Zeit auch die anderen Bcdiiigimgc». Es ist selbstverständlich, dag die Gesellichaft sich verpflichtet, niemals au irgend eine andere Gesellschaft das Recht zu übertragen noch ihr abzutreten, sei es die Linie von Haidar Pascha nach Angora und Rviiia, sei cZ die von Kenia nach Bagdad und Batforah zu bauen. Die kaiserliche Negicrmig ihrerseits erhält sich in gleicher Weise die Mög- liebkcit, ihr Riiclkaiissrecht anf die Linie Kvni'n- Bassorah zu prüfen. Für den Fall, daß die kaiserliche Regierung sich dafür angemessener Weise entscheidet, durch ihre eigenen Beamten zu cxploitieren, wird sie den Betrieb nicht einer anderen Gesellschaft übertrage», sie ver- tpricht vielmehr, durch die Anatolische Gesellschaft auf dem Wege der Pacht den Betrieb ausführen zu lassen. Fiir den Fall, daff unter den kontrahierenden Parteien eine Einigung nicht möglich sein würde, weder in Bezug auf die Bc- diiignngen de« Vertrags noch in Bezug auf d'ie Pläne der Linie, würden sie ihre völlige AktionLsreihcit zurückerhalten, ohne daß der eine oder andere von ihnen die geringste Eutschädigiiiig, sei es in irgend einer Form, verlangen oder Einspruch erheben kann." Ansümd. Oestreich- Ungarn. Eine Marine-Tcbattc. Wien, 2. Januar. Der Marinc- AnSschub der Delegarion verhandelte heute über das Ordiuarium und Extraordiiiarium der Marine. Der Referent Graf Tclclh begründet die M c h r f o r d e ru ii g e Ii und zollt der Thätigkeit der Marine und ihren Offlzieren wärmste Aiierkeimiing. Die Tclcgicrtcn Roseuberg und Graf Thorotzkoy sprechen sich gegen jede V e r m e h- rung der Flotte auS, weil eine expansive Handelspolitik den Jntereffcn der Monarchie, welche lediglich Landmacht sei, widerspreche. Würde die Finanzlage Opfer gestatten, so tniifcieii diese dem Landbecr zu gute koiiuneii. Die Flotte müsse allein anf die Küstenverteioigung beschränkt bleiben. Prag, 2. Januar. Wie die„Rarodni Listy" meldet, haben mit dem gestrigen Tage die czcchischcn Bezirksvertretimge» von 57 Städten und mehr als IVO Gemeinden die Arbeiten in dem ihneii übertragenen Wirkungskreise eingestellt. Frankreich. Paris, 1. Januar. Die offiziellen Empfänge im Elhsoe fanden heute mit dem üblichen Cereiiionicll statt. Der Ninitins Monsignore Lorenzelli, als Vertreter des diplomatischen Corps, hielt eine An- spräche, anf welche Präsident L o u b e t dankend er- widerte und sagte, dag ans der Ausstellung von lSOO und der großartigen Kmidgebiiiig der Ciitwickelmig der Wissenschaften, der Künste und der Industrie sich für jedermann der Ge- danke ergeben werde, daß fortan Größe und Macht besonders durch den friedlichen Wetteifer der Arbeitenden sich werde erwerben lassen. Die Anfnahiiie, die die Einladmig der französischen Republik gcfiindcii habe, beweise zur Genüge, daß ihr Vorgehen den Wünschen und der Hoffnung aller entsprochen habe. Lonbct schloß, es werde für sein Land der g orreichste Lohn der Gaslfreiindschaft sein, die es den Völkern biete, zu einem beträchtlichen Teil zu diesem Werke der Eintracht, von dem die Völker der ganzen Erde die Weihe erwarteten, beigclraacu zu haben.— TtaatSacrichtShof._.Die PlaidoyerS wurden am Sonntag fortgesetzt. G u o r i n griff die Scnntorcii heftig an, iiamite den Prozeß eine Ungerechtigkeit und erhob Einspruch gegen die Treibe- reien der. Inden. Er besprach dann seinen Kampf gegen das Pctroleiiinsyiiditat, und setzte anSeiiimider. wie er die Antiiemiten- liga gegründet habe, um die Jiitcresscn der Arbeiter gegen die Spekulanten zu schütze». Am NenjahrStage setzte Guöriii seine Rede fort, rechtfertigte die Gründimg der Aiitiscmitculiga, erklärt sich über die Kimdgebuiiaen, an denen er teilgenommen hat. und spricht sich gegen das parlamentarische Regime aus. Ter Verteidiger GnerinS, Advokat Menar, hielt eine längere Verteidigungsrede. Sodann wurde die Sitzung auf Dienstag vertagt.— Italien. Nmiicstie für politische Pergehen. Rom, St. Dezember. Einer Milteilmig der„Agenzia Stefania" zufolge hat der König beute eine A m n e st i e erlassen, welche sich aus Verbrechen gegen das Gesetz über die öffentliche Sicherheit bei ö f f c n t l i cki e n Ver- s a m m l u n g e n, anf P r e ß v e r g e h e ir, auf Verbrechen gegen die Freiheit der Arbeit, auf Verbrechen, welche gegen Beamte gelegentlich von Tumillteii begangen wurden, ans politische Verbrechen, ciuschUeßlich der Vildmig bewaffneter Banden zum Zwecke der Begehung eines bestimmten Verbrechens, und anf solche Verbrechen erstreckt,' welche bezweckten, das Parlament an der AnSiibnnq seiner Thätigkeit zu hindern. Dle.Nnmcstic bezieht sich nicht ans Verbrechen gegen Eigen- tum oder Personen und kommt nicht solchen Aiigcllagte'n oder Ver- urteilten zu gute, welche vor dem heutigen Tage noch nicht verhaftet oder den Behörden vorgeführt worden sind.— Siutzland. Russische Qssiziere. Vor dem Odcssaer Gericht wurde dieser Tage ein Prozeß verhandeil. Ii, dem sich auf der Anklagebank der Kreis-Militärchcf von Sjmphcropcl, Oberst Pcresaslawzew, sowie noch 17 andere Angeklagte, ebenfalls meist Offiziere und höhere Beamte, zu verteidigen hatten. Es Handeitc sich um Erpressung und Bestechlichkeit bei der Amiahnie von Rekruten. Die Manipiilotionen des Obersten kamen erst an den Tag. als der Rekrut Minm, für den nach Aussage der Zeugen eine hübsche Summe Geldes gezahlt worden war, wider Er- warten, wahrscheinlich weil er nicht reinen Mund hielt, auf Befehl Perejaslawzelvs ans„administrativem Wege" einfach»ach Sibirien und zwar. nach LLIadiwostok verschickt wurde. Der Oberst wurde zinn Verlust seines DiciistrangeS und zur einfiichen Verschickung nach einem südlicheren Goiivcrnemciit Rußlands verurteilt, während die anderen tllngcklagten meist frei ausgingen. Türkei. Philippopel, 2. Januar. Nach Meldungen aus Konstantinopel ist der Ehcfchirnrg von Dildiz-Kiosk, Divisioiisgcncral Emin Pascha, der sich seit seiner vor etwa Jahresfrist erfolgten Verhastiliig in llntersiichmigshaft im KriegSmimstcrium befand, freigelassen worden.—„ Asien. Von der Politik der offenen Thür in China. Die Vor- Handlungen des amerikanischen Staatssekretärs Hau mit de» curo- päischen Großmächten und Japan wegen Ausrechterhaltung der Politik der offenen Thür in ganz Ehina haben, wie ans Washiiigton gekabelt wird, bei den meisten Beteiligten zu befriedigenden Resultaten geführt. Die amerikanische Regicrima veröffentlicht gegenwärtig die eingegangenen Antworten nicht; indes verlautet ans zuverlässiger Quelle, daß Dciitschlmid. Frankreich, Japan und England in ziistimnicnder Welse geantwortet haben, und man zweifelt nicht daran, daß Italien dies auch thim wird.— RÄvlsmvttkctrifchess Der Seuiorenkouvent des Reichstags ist bom Präsidenten anf Montag, den 8. Januar, einberufen worden, während die Bc- ratmige» des Reichstags am 9. wieder bcqiimcn sollen. Es scheint, daß vcsondcre Anforderiingen an die GeschäftSdiSpositivueu deZ Reichstages zur Beratung gestellt werden sollen.— Englands änßcve Lage am Jahresschlntz. London, den 29. Dezember. Anf dem KricgStheatcr herrscht, untergeordnete Zwischenfälle ab- gerechnet, zur Zeit eine Pause. Die Generäle an der Front warten offenbar auf Nachschub an Mannschaften und Geschützen. und Bc- richte aus ihren Lager» erzählen nur von Kämpfen, die schon wochenlang hinter uiiS liegen, und versichern im übrigen, daß die britischen Pvsilioiioii so vorzüglich befestigt seien wie nur irgend denkbar. Es liegt auf der Hand, das; es für England nur eine sehr mäßige Genugtbming ist zu wissen, daß z. B. General Methucns Position am Modderflnß„iindnnrhinbar" ist. ES handelt sich ja nicht darum, einen Feind am Vorrücken zu verhindern, sondern ihn ans seinen Positionen zu verjagen und die belagerten Plätze Klmberley und Ladysinith zu entsetzen. Davon scheint aber im Augenblick nicht die Rede zu sein, obwohl namentlich Ladysmith in argen Nöten ist. Unter diesen Umständen haben die Blätter viel Zeit zu Bc- trachtiiiigcn über die Gründe der gcgenwärligcn Schivierigkestcn Eiiglandö in Südafrika. Daß diese größer sind als sie zu sein brauchten, steht außer Frage. Es ist gar nicht nötig, auf die dem Krieg' vorangegangenen diplomatischen Verhandlungen znriickzugehen, bei denen der geriebene Handelsmann von dem noch pfiffigere» Bauer so gründlich überlistet wurde. Ruch wemi man alle diplomatischen Ungeschicklichkeiten Chambcrlaiiiö als alte Geschichten. bei- seite läßt und nur daS iiiitcrsncht, was vom Tage der Kriegs- erklänmg an englischcrseits geschehen ist, flößt man anf die ärgsten Mißgriffe. Einen derselben deckt n. a. das„Daily Chromcle" auf. Das Blatt stimmt bekanntlich jetzt durchaus denen zu. die � den Krieg zwischen England und Transvaal als ein Ereignis bezeichnen. daS uiwcriiieidlich war. wenn England nicht freiwillig mif die 21 olle der Vormacht in Südafrika verzichten sollte— eine Aufsasstuig, die in den letzten Wochen auch sonst weithin an Anhang gewonnen hat.„Ich bin der Ansicht, daß dieser Krieg nicht einen Tag zu früh ausgebrochen ist," erklärte mir kürzlich ein sehr weit linksstehender Radikaler, der noch in den ersten Wochen nach der Kriegserklärung die Schuld an dem Krieg au.S- schließlich auf englischer Seite sah, und von ähnlichen Bekehrungen hört lind liest man jetzt jeden Tag. Das„Cbroniclc" also stellt fest, das; die englische Mariiieverivaltmig bei dem Transport der Truppen nach Südafrika aus falscher Sparsamkeit oder anderen Gründen Verstöße schwerster Art begangen, die Schuld auf sich geladen hat, daß ein großer Teil der'Truppen eine Woche und darüber später am Kap eingetroffen ist, als bei Anwendung der im Bereich der Macht der Li'egicrnng liegenden Mittel möglich ivar. Von(>3 Transportschiffen, die zwischen dem 20. Oktober und dem 24. November Truppen»ach Südafrika brachten, brauchten 29, also nahezu die Hälfte, von 24 bis 39 Tagen für eine Reise, die von gewöhnlichen Passagicrdainpfeni in 17—18 Tagen zurückgelegt wird. Statt die besten und schnellsten Dampfer, die mifzittreiben waren, hat die Admiralität vielfach uiitcrivertige gemietet. Mau braucht aber nur den aller clemeiilarsten Begriff von Kriegsstihrung zu habe», um zu wissen, wieviel im Kriege von der Schnelligkeit der Truppenbewegung abhängt. Eine winzige Verspätung eines Truppenteils kann den Verlust einer bcdentmigsvolleii Schlacht, das Ziispätkoinmoii von Verstärkungen die Preisgabe der wichtigsten Positioncii an den Gegner bedeuten, für deren Ziirückerobcriing hinterher die größten Opfer gebracht werden müssen. Die englische Regierung zablt zur Zeit an vier Dampfergcscll- schaftcn 85090 Pfd., d. h. 1,3 Millivnen Mark, im Jahr S»b- vention für Schnelldampfer, gegen die Verpflichtung, ihr alle diese Dampfer als Kreuzer und 17 gewöhnliche Dampfer für andere Zwecke im Bedarfsfalle zur Perfügnng zu stellen. Man wird es kaum fiir möglich halten, aber es ist Thalsache, daß bis Anfang Dezember, also zwei Monate nach der Kriegserklärung, die Rc- giermig nicht einen der besagten Schnelldampser für den Truppen» transport in Anspruch geiiomiiien bat. Erst am 13. Dezember fnbr der eiste von ihnen, der„Majeitie" von der White Star Linie, mit 2000 Mann von Liverpool nach Afrika, und er ist vorlrnmg der einzige. Nim hat allerdings Minister Goschen am 24. Oktober im Parlament erklärt, diese Dampfer seien nur für den Dienst als Kreuzer ansbedimge», aber das„Chromcle" weist nach, daß bis in die neuest« Zeit der Vertrag mit den betreffenden Gesellschaften auf Kreuzer- und Transportdienst lautete und mich die Subvention im lebten Staatshaushalte als fiir beide Dienste uermerkr steht. Außerdem fragt daö Blatt ganz richtig, ivemi der Kontrakt kein Hindernis war. den„Majcstic" als Transportschiff zu brauchen, warum soll er bei den andern Schiffen ein Hindernis gewesen sein? Diese ganze Sache trage ein mysteriöses Gesichl und bedürfe dringend der Anfiläriing und der Abhilfe. Aehnliche Anklagen werden noch in anderen Blättern laut, auch in solchen, die im Prineip diesen Krieg ansS schärfste verurteilen, wie z. B.„Mvrning Lcadcr". Star? usw. Es ist ja selbstverständlich, daß die während eines Krieges getroffene» Maßregeln unabhängig von der Frage nach den Urhebern des Krieges zu beurteilen sind. Jede Vernachlässigung im Kriege heißt Vermehrung seiner Opfer, und die fahrlässige Opferung von Menschen ist nicht minder straffällig wie die mutwillige Preisgabe von Menschenleben. ES ist schwer zu beurteilen, welchem dieser beiden Vergehe» mehr Verluste in diesem Kriege zngeschriebcn werden müssen, als dessen Fatmn englischerscits die schier miausrottvare Unterschätzmig der Gegner sich bis jetzt erwiesen hat. Erst der Schlag bei Colenso hat eine Wendung in dieser Hinsicht bewirkt. Einen Angenblick nahm der Schreck über die Niederlage Bnllcrs fast den Charakter einer Panik an, mid zu welcher Anfwallima des imtioimlcn Opfermuts er weite Kreise des englischen Volks geführt hat, ist im„Vorwärts" bereits festgestellt worden. Soweit es sich um die Bereitwilligkeit handelt, die für die erfolgreiche Durchführung des FeldzngeS erforderlichen Opfer zu bringen, hat die gegenwärtige Regierung'»»zweifelhaft die große Masse der Nation hinter sich. Tie Opposition behält sich die Abrechnung bis nach dem Kriege oder jedenfalls bis nach entscheidenden Sicgcii vor. Demi daß es auf britischer Seite an solchen nicht fehlen wird, davon ist John Bull fest überzeugt. Nachdem die Presse erst die Schläge von Stormberg, MagerS- fontein und Eolenio sehr übertrieben hat, macht sich jetzt immer stärker die Tendenz breit, sie zu verkleinern. Die„Daily NewS" führten neulich ans, eS gäbe im Kriege drei Arten von Schlägen: Znrüiffchlagimg eines Angriffs mit Verlnften, Niederlage mit Verdrängung ans der eingenommenen Position, und völlige Veriiichtiiiig der englischen Armee. Was die Engländer bisher er- litten, seien nur Schläge von der ersten, d. h. der leichtesten Sorte gelvcsen. lind der„Spectator" von dieser Woche liest den Generalen den Text wegen der starken Ausdrücke in ihren Telegrammen. Es sei ganz gut, offen seine Mißerfolge einzugestehen, das Land verlange in Dieser Hinsicht die volle Wahrheit, aber die Generale hätten so eine— fast hätte ich gesagt,„plumpe Sprak." die Dinge aus- zudrücke»; sie seien ganz gute Kämpfer, aber schlechte Kriegs- korrefpondenteit und fetzten' mit ihren Meldungen von„ernst- haften Niederlagen", wo es sich um einen verimgliickten Angriff handle, das Land mehr als nötig in Aiifregimg. In gleicher Weise suchen andere Blätter die Thatsache hervor- znheden. daß die Engländer jedenfalls dem Vordringen der Boeren Einhalt geboten inid an verschiedenen Punkten die Boeren faktisch zurückgedrängt hätten. Solvcit die Boeren nicht die Niickständigkeit der ciiglischrii Vorbereitungen hätten anSmitzen können, hätten sie nur in der Defensive Erfolge aufzuweisen. DaS halte aber mir für eine Weile gut. An alledem ist wohl soviel richtig, daß man in England und auch im Ausland verschiedentlich die Schwere der englischen Rück- schlüge übcschätzt hat. Sic sind ernsthaft, aber nicht entscheidend. Sie haben nur sobiel gezeigt, daß. so lange die Engländer den Boeren nichteiiic sehr erheblich« Uebermacht entgegensetzen können, sie auf größere Erfolge nicht zu rechnen haben. Es geschieht nun jetzt alles Mögliche, eine möglichst große Zahl regulärer und irregulärer Truppen(Milizen, Freiwillige. Freicorps ans den Koloiiicnj nach Südafrika zu werfen, aber die Zahlen, die da ziisainmenkommen. sind doch nicht allzu imposant. Zur Zeit zählt das englische Heer in Südafrika etwas über 70 000 Mann, wovon aber gegen 15 000 in Ladysintth und Kimbcrlcy festsitzen und üder 10000 für Garnisondienst, Jmcnvantiir- dienst n. dergl. verwendet werden, so daß die vier Generale, die den Boeren gegenüberslehen, kaum mehr als 40 000 Mann zur Verfügung haben. Dazu kommen min alle paar Tage einige weitere tausend Mann, die— soweit es sich nm britische Truppen handelt— bis Ende Januar>!> eine Verstärkung von elwa 35 000 aiismacheii sollen. WaS die Kolonie» schicke», wird nian im Höchstfälle auf 0—8000 Mann bc- rechnen können. Mittlerweile können aber die Engländer schon Ilm der bon den Boeren belagerten Plätze willen nicht ruhig bleiben. Sie müssen neue Angriffe wagen, und das heißt neue Verluste riskieren. Andererseits zietien aber auch die Boeren noch immer neue .Kräfte ein, gewinnen Zeit, den Engländern immer neue Fallen zu legen, in welche diese bei ihrem mangellMfteii Kimdschafterwescn mir zu gern hiiieinlanfen. Ilnd immer ernsthafter wird die Frage, wie sich Englands i n t e r n a t i o n a l e Position bei dieser Eiitblötzimg von geschulten Truppen gestaltet. Auch ab- gesehen von Indien, wo es nie an Gährstoff fehlt, giebt e» ver- schieden« dmillc Pmikle am Horizont, die zur Vorsicht raten. In wenigen Tagen wird die Frage der N e n s u n d l a n d- F i s ch e r e i, dieser ewige Zankapfel zwischen England und Frankreich, von neuem akut, und wie England um der Nenfimdläiider und Kanadier willen die französisckicn Ansprüche ans das Monopol der Küstenfischerei � an der Südwestküste nicht anerkennen kann, so kann die französische Regicrimg mit der heimischen Opposition willen ans die An'frechterhaltmig dieser Ansprüche nicht verzichten. Das heißt natürlich noch_ kein casus belli, � aber es kann doch zu einer sehr gespnimicn Situation führen. Desgleichen die erneute N ogsamkeit Rußlands in P e r s i e». Ferner bietet die Notwendigkeit für England, den Hafen von' Laureueo Marynes in der Tclagoabai ans Konterbande sür die Transvaal- Regierung zn überwachen, jeden Augenblick Stoff zu Konflikten mit irgend einer größeren Mach!. Zündstoff, wie man sieht, an allen Ecken und Enden. Ter„Spectator" empfieht denn auch eine Mobilisierung der ganzen englischen Kriegsflotte,� Bildung einer Territorialannc von 100 000 Mann aus Reserve mtv Miliz und Ankauf von Geschützen, wo solche mir"zu haben seien. Das sei daS beste Mittel, Konflikten vorziibengeii, weil dann nirgends die Täuschung anflkominen könne, daß man hoffen dürfe, England»nvorbercitet zu treffen. Die feindselige Haltmig der fest- ländiichni Presse nötige zur höchsten Vorsicht. Der Vorschlag des Wochenblattes der alten Whigs ist nur erst ein Fühler. Man tami aber amiehinen, daß einflußreiche Kreise hinter ihm stehen. So beginnt England das neue Jahr im Zeichen des M i l i- t a r i s m ii s. Die relativen Erfolge der Boeren haben vorläufig mir fiir den KricgSgott gewirkt. Der Krieg drängt alle anderen Interessen in den Hintergrund, gerade weil man sich immer mehr dessen bewußt wird, daß es sich in Südasrika um mehr handelt, als die Unterwerfnng der„dreißigtanseiid Farmer", daß England dort sein Ansehen als Weltmacht ans das Spiel gesetzt hat. *« London, 1. Jaimar. Die Mehrzahl der heute erschienenen Blätter besprechen sehr pessimistisch den Beginn des neuen Jahr- Hunderts.„Daily Telegr." erklärt in seinem Rückblick auf das ver- gaiigcne Jahr:.Wenn jenimid vor sechs Monaten erklärt hätte, England befinde sich in der jcßigcn Lage, so hätte man ihn als geisteL- krank bezeichnet."„Morning Leadcr" stellt fest, daß England einen große» Schritt rückwärts gethan habe und sich augenblicklich in schlimmerer Lage befinde, als währenddes K r i m k r i c g e s.„Daily Mail" prophezeit fiir daS iicne Jahr die verbissenste Nebenbuhlerschaft zwischen England und seinen Rivalen, sowohl in geschäftlicher Hinsicht, als auch in Bezug auf Riistmige». Der„Standard" fragt sich, ob die engliichen Finanzen noch länger einen öprozeiitigcn Diskont auSzuhalten ver- mögen. zi)Kvkei"MailzviMen. Partclprcsse. Unser Partei- Organ in Frankfurt a. M.. die „Vollsstimme", feierte am 1. Januar den Tag ihres zehnjährigen Bestehens. Zwar bestanden auch früher schon zeitweilig Parteibläller in Frankfutt, doch waren es stets mir Kopfblätter und es treten häufig zetlimgslose Zeitränme ei». Auch das jetzige Blatt war anfangs Kopfblatt des Offenbacher Partei- Organs, feit Mai 1891 aber hat es sein ständiges llnterkonwnen in Frankfurt a. M. An Strafen hatten die Redaclenre des Blattes insgesamt ein Jahr sechs Monate und eine Woche Freiheitsstrafen zu erdulden. An Geld- strafl-ii inid GerichtSloften mußten etwa 6900 M. gezahlt werden. Jetzt ist es soweit, daß auch eine eigene Druckerei zur Herstellung des Blattes eingerichtet wurde. Ihre» zehnte» Jahrgang beschloß mich die in Gera er- scheinende„tztcnßischc Tribüne", die anfangs als Kopsblatt der „Erfurter Tribüne" erschien, bis sie am 1. September 1892.ein selbständiges Blatt und gleichzeitig täglich hermiSgegebc» wurde. Im Laufe dieses Jahres wird sie ein neneS eigenes Heim beziehen. Von Strafen ist das Blatt in viel höhenn Grade heimgesucht worden. ivie die Frankfurter Kollegin. Es wurden gegen ihre Stedactenre erkannt auf 82 Monate mid 4 Wochen Gefängnis und 785 M. Geldstrafe. Noch eine Zchnjahreöeriiiiiernng. Die Elberfelder„Freie Presse" erinnert daran, daß am 30. Dezember 1889 das Urteil in dem großen Elberfelder GeheimbimdSprozesse gesprochen wurde, wo- durch gegen 44 Parteigenossen ziisammeii 19 Jahre, 5 Monate und 14 Tage Gefängnis verhängt wurden. Die Strafe» variierten für die einzelnen Angeklaateii zwischen 6 Monate» und 14 Tage». Angeklagt waren 90 Persvne» und die Anträge deS Staatsanwalts Pinoff gingen ans über 39 Jahre insgesamt. Der Prozeß ivnrde schon am 4. April 1388 eingeleitet und die Hanptverhandlnng dauerte 0 Wochen, während welcher Zeit 87 der Angellagteii täglich den Ver- Handlungen beiwohnen imißle».-- Aber wir reiten.-- Opfer. Unser Hallesches Parteiblatt giebt eine Znsammenstellimg der Strafe»»nd sonstigen Kollisionen mit de» Gerichten usw., die ihm im abgelaiifeiicn Jahre zu teil geworden sind. Abgesehen von zahllose» Vemehnnoigen und Verhandlungen vor dem Schiedsmmme hatte» seine Redacteure 21 Anklagen mit 37 Terminen zu bestehen. Nur 2 Anklagen endeten mit Freisprechung, die übrigen erbrachten " Monate 3 Wochen©cfmtgniS und 1048 M. Geldstrafe. Dabei hat noch der als Neichstags-Ab�eordncter unverletzliche Genosse Thiele während 4 Monaten des Jahres verantwortlich gezeichnet. Drei Haussuchungen wurde» in den Geschäftsräumen des Blattes abge- halten. In de» vorhergegangenen beiden Jahren war es übrigens noch schlimmer. Das Jahr 1898 brachte etwa 8 Monate Gefängnis und 300 M. Geldstrafe und 1837 2 Jahre 5 Monate Gefängnis und 2140 M. Geldstrafe. Eine» Notschrei» der unsere Nlechtsznstände recht treffend charakterisiert, erläßt die Erfurter„Tribüne". In einem Aufrufe an die Parreigenossen. worin sie diese zu weiterer Mitarbeit auffordert, sagt sie: „Wir wissen überhaupt nicht mehr, was verboten und was erlaubt ist. Die Mahnung an unsere Genossen, z. B. kein bestimmtes Bier mehr zu trinken, wird als Boykott angeschen und bestraft; die Mitteilung, die Genossen mögen z. B. den Jnhastiertcnfonds mcht vergessen, wird als behördlich nicht genehmigte Kollette be- straft', die Mahnung an die gewerkschaftlich organisierten Arbeiter, dag in einer Fabrik die Arbeiter gemaßrcgelt worden sind und des- halb Zuzug nicht erfolgen möge, wird als grober Unfug angesehen und bestraft z wenn wir sagen, daß siskalische Plusmacherei vcr- werflich sei, so sitzt uns der Strafrichter in dem Nacken, wir werden bestraft; wenn man uns oder den einzelnen bekannten Parteigenossen unaufgefordert Geld ins Haus bringt, und der Empfänger quittiert darüber im Inseratenteil der„Tribüne", so wird angenommen, dag hier eine nicht genehmigte Kollekte vorliege, die doppelt bestraft lverden niüsse! Doppelt? Jawohl, einmal der Empfänger des Geldes und ein andermal der verantwortliche Geschäftsführer, ivelcher für den Inseratenteil„aufkommen" muff.' So will es nämlich das Gesetz.— Alle Genossen, welche bisher in der„Tribüne" über empfangene Gelder quittiert, d. h. keineswegs eine Kollekte veran staltet haben, sind polizeilich veruoinmeu und mit Strafmandaten deglückr worden." Zehn dortige Parteigenossen sind bisher mit 20 Strafmandaten bon 15 bis 20 M. belegt worden. Auch ein Ereignis. Unser Lübecker Partciblatt hat seit drei vollen Jahren keine Prozesse gehabt. Welches socialdemokratische Blatt Deutschlands außer diesem kann sich solchen Glückes rühmen? Unsere Knlcndcragitation wird schon wieder von einem Amts blatte, diesmal im Kreise Merseburg, mit weinerlicher Klage an- erkannt. Der„Bot» ans dem Eislebener Bcrgrcvicr" sagt der Agitation mit dem im Merseburger Kreise verbreiteten socialdemo kratischc» Bolkskalender„teuflische Geschicklichkeit" nach und giebt zu, dag der Inhalt des Kalenders geschickt zusanuuengestellt ist.— Wir quittieren.— Totcnliftc der Partei. Als Opfer treuer Pflichtcrfiillnng starb in Bannen der Parteigenosse O r d e g e l. Er war in einer Not färberei beschäftigt und kam bei dem Versuche, ein während der Nachtschicht in der Fabrik ausgcbrochenes Feuer zu löschen, ums Leben. Ein Mitglied der dänischen socialdemokratische» Partei Christ. Jensen, Hofbesitzer auf Ubbcrnp, ist in diesen Tagen verstorben. Er ivar einer der thätigstcn Agitatoren unter der Landbevölkerung. Bei der Landesthingwahl 1898 wollte die Linke für ihn stimmen, wodurch er in den Landesthing gewählt tvorden wäre; man meinte, ein Gutsbesitzer iverde nicht„sehr social- demokratisch" sein. Aper da erklärte er, datz er für nichts anderes, als das volle Programm eintreten könne, und an seiner Stelle Ivurde etil Lehngraf geivählt. Puliielliches, Gorichkliches nstu. Zu sechs Woche» Gefängnis lvnrde Genosse Schöpflin als verantwortlicher Redactcnr der„Chemnitzer Volksstimmc" von der Strafkammer in Chemnitz verurteilt. Er soll die Kreishauptmann- schaft Zwickau beleidigt haben in einer Notiz, die die Thatsache kritisierte, dasz die Krcishauptmannschaft die auf einen Sonntag fest- gesetzte Wahl der Beisitzer zum Gewerbegcricht Glauchau kurz vordem Wahltermin verbot, weil die Wahl am Sonntag„unstatthaft und nicht ivünschciisivert sei". — Wegen Beleidigung der Polizcidtrcktion zu DreSde» wurde vom dortigen Landgericht als Berufungsinstanz Genosse Hönisch, Nedacleur der„Sächsischen Arbeiterzeitung", zu zwei Monaten Gefängnis verurteilt, und damit seine Berufung gegen das schöffengerichtliclie Urteil verworfen. Die Beleidigung soll in einer Notiz der„Sächsischen Arbeiterzeitung" begangen sei», die sich auf die seiner Zeit erfolgte Photographierung der Genossin Jmle auf der Polizei bezog. H. verbüßt zur Zeit einen Monat Gefängnis. GvmvvksrsMftlilszes. Berlin und llmgcgcnd. Ei» Kartell der Berliner Unternehmer. Wie berichtet lvird, sollen die Berliner Unternehmer zu einen, Kartell nach dem Muster der Berliner Gewerkschaftskommission zusammengetreten sein. Dieses Kartell soll zunächst die Gründung eines Streikfonds planen, aus dem die schwächeren Unternehmer bei Streiks Unterstützungen er- halten sollen. Sodann ivill man schwarze Listen anfertigen, um die Vertrauensmänner der Arbeiter, soivie diejenigen, die Streiks leiten, auszusperren. Schlieszlich wird die Gencralaussperrung als letztes Mittel in Aussicht gestellt. Diese Organisation lvill im kleinen, was Zuchthausgesctz iin große» wollte, das Koalitionsrecht der Arbeiter vernichten. Der Plan ist groß angelegt, bei seiner Ausführung lverden aber die Gciverkfchaften ein ernstes Wort niitzusprechen haben, denn so leicht ist die Wer- nichtnng des KoalitionsrechteS nicht zu erzwingen, als es den Herren vorschwebt. Für die Arbeiter lvird der Plan der Unternehmer den Anreiz zu emsiger Förderung ihrer Organisationen gebe», damit sie allezeit gcivappnet sind gegen Angriffe, die eines ihrer ivichtigsten Rechte gefährdet. An die Maurer Berlins«nd der Umgegend. Laut Bc- schlug der Achtzehner-Kommission für das Maurergew erb« sollen vom 1. Januar d. I. ab 62l/a Pf. pro Stunde gezahlt werden. Wir ersuchen nun die Kollegen, welchen dieser festgesetzte Stundenlohn verlveigert wird, daß sie umgehend der Verbandsleitung hiervon Mitteilung machen. Des lveiteren machen wir darauf aufmerksam, daß der kürzlich vom Einigungsanit des Berliner Gciverbcgcrichts gefällte Schiedsspruch festlegt, daß der am 24. Juni geschlossene Ber- gleich sowie alle von der Achtzchner- Koinmission vereinbarten Be- stimmungen mit ihren Konsequenzen auch für die Nicht- Bundes- Mitglieder Rechtskraft besitzen. Daher ist es notwendig und für unsere Sache von großem Vorteil, daß wegen Nichtinnehaltung der Vertragsbestimmungen in Bausperrcn nicht eingetreten wird, sondern daß Verstöße der Unternehmer gemeldet und die betreffenden Arbeit- geber von der Achtzehner-Kommission zur Zahlung resp. Jnnehaltnug der Bestimmungen angehalten resp. voni Gewcrbegerichr dazu ver- urteilt lverden. Wir bitten die Kollegen, die sich weigernden Arbeit- geber auf den am 18. Dezember 1839 gefällten Schiedsspruch und seine Konsequenzen aufmerksam zu machen. Die BcrbandSleiwng der Maurer Berlins und der Umgegend, Nen-Kölln a. W. 1. Die Berliner Bauanschläger sind gestern, Dienstag, zwecks Durchführung des aufgestellten Lohntarifs in den Ausstand getreten. Bekanntlich sind den einzelnen Unteruehineri» sowie auch den Unter- nehmer-Organisationen die Forderungen schon vor einigen Monaten zur Rückäußerung unterbreitet worden. Wie in der gestrigen, sehr stark besuchten Versammlung der Bauanschläger berichtet werden konnte, haben in letzter Zeit eine größere Anzahl Unter- nehmer den Tarif in vollem Umfange unterschriftlich an- erkannt. Einige Unternehmer haben-mit bestimmten Einschränkungen oder auch nur für einzelne Bauten, wo die Arbeit besonders drängt, die Forderungen bewilligt, andere Meister haben sich eine Be- antwortung vorbehalten/ bis die Innung bezw. die„Freie Ver- einigung" endgültige Beschlüsse gefaßt hat, was ivohl in den nächste» Tagen geschehen wird. In der Diskussion lvnrde festgestellt, daß nur dann die Arbeit wieder aufgenommen werden soll, wenn die Forderungen vollständig bcivilligr und der Unternehmer dies duz-ch die Unterschrift des Reverses oeknndet hat. Die zu den»encir Arbeitsbedingungen arbeitenden Bauanschläger sind verpflichtet, pro Arbeitstag zur Unterstützung der Alisständigen 50 Pfennige an den Streikfonds abzuführen und erhalten dieselben zur besseren Kontrolle eine ArbcitsbercchtignngZ-Karte von der Koni- Mission ausgestellt. Der bisherige Wochcnbcstrag von 30 Pf. kommt in Fortfall. Die Höhe der Streikunterstützung:c. soll in der nächsten Versammlung festgesetzt werden. Das Streikbureau, das von der Lohnkommission gebildet wird, sowie der Arbeitsnachweis befinden sich im Lokale von BuSke, Grenadierstratzc 33, und sind nach dort alle die Lohnbewegung betreffenden Vorkommnisse zu berichten. Das Bureau ist in der Zeit von 9 bis 12 und 3 bis 5 Uhr geöffnet. TentscheS Reich. Aus Anlast eines Zimniercrstreiks in Düsseldorf lvurde der Zimnierer Kumisch wegen groben Unfugs zu einer Geldstrafe von 3 M. verurteilt. Kumisch beantragte richterliche Entscheidung, das Schöffengericht verurteilte unfern Genossen als„Agitator" und „Leiter" des Streiks, der„lebhast mit Streikenden gesprochen habe" auf das Zeugnis zweier Pvlizcibcamtcn hin zu der gleichen Strafe. Die Strafkammer aber sprach Kumisch frei, da die Auf forderung des Polizeisergeanten, K. solle sich von der Straße, Ivo gestreikt wurde, entfernen, eine nicht korrekte sei. Denn im Gegensatz zum früheren Urteil sei dem Angeklagten zu glauben, daß er gerade zur Verhütung von Gesctzividrigkeiten lebhaft mit den Streikenden gesprochen habe, die Ordnung aber nicht gestört werde, weim der Angeklagte allein ruhig über die Straße ging. Anstand. Aus Graz wird unterm 2. Januar berichtet: Der Kohlen a r b e i t e r st r e i k im Köflacher Licvier ist heute aus- gebrochen. Viele Etablissements haben wegen Kohlennot den Betrieb eingestellt. Ein grostcr Gewcrkschaftökongrcst findet in diesen Tagen in Stockholm statt, wie in Schweden bisher noch keiner abgehalten ist, nämlich der Kongreß des s ch w e d i s ch e n.E i s e n- und Metallarbeiter- Verbau des. zu dem ctlva 150 Vertreter erschienen sind, die über 10 000 Arbeiter des Landes repräsentieren. Die Mitglieder des Verbandes sind meist Anhänger der social demokratischen Partei, und es soll auf diesem Kongreß entschieden werden, ob der offizielle Anschluß an die Landesorganisalio» der Partei erfolgen soll. Die Acngstlichcn sind seit der Massen- aussperrung der Holzarbeiter wegen dieses Anschlusses bedenklich geworden. St. Etieune. In einer Versammlung der Grubenarbeiter und der Direktoren der Gruben wurde einstimmig beschlossen, den Streit durch Schiedsspruch beizulegen. Direktoren und Arbeiter werden je einen Schiedsrichter ernennen und verpflichten sich, dem Schiedssprüche sich zn unterwerfen. Internationale Konferenz der Transportarbeiter. Die Organisation der englischen Transportarbeiter macht den Vorschlag zn einer internationalen Konferenz in« Anschluß an den internatio- nalen Kongreß der socialistiichcn Parteien in Paris. Als Tages- ordnung wird empfohlen: Wie kann ein Bund der Transportarbeiter der ganzen Welt für uns von Nutzen lverden? Weitere Vorschläge zur Tagesordnung sowie die Erklärung über die Beteiligung sind an Toni Mann, London, E. L. Bridge Honsc, 181 Queen Victoria Street, zu richten._ Aus treu Isrnuenbetvesuttg. Der Bund deutscher Fraucnvcreine richtet an den Reichstag eine Petition, bei der zweiten Beraiung der Gelverbenovelle die Arbeiterschntz-Bestimminigen auf die Hallsindustrie auszudehnen. In der Begründung lvird ausgeführt, daß jeder Raum, sobald er zur hausindnstriellcn Werkstatt wird, der Aufsicht der Gcwerbe-AufsichtS- bcamten unterstellt lverden solle und daß die llnternchmcr durch Gesetz angehalten lverden sollen, Listen über alle von ihnen außerhalb ihrcS Betriebes beschäftigten Arbeiter zn führen und Arbeit nur an solche Personen zu übergeben, lvelchc eine Bescheinigung der Gelvcrbe- Anfsichtsbeamtcn darüber vorweisen können, daß in ihrer Wohnung industrielle Arbeit vorgcnonime» werden kann, ohne Gefahr für Leben und Gesundheit der damit Beschäftigten, lvie auch evcnt. weiterhin der Konsumenten der angefertigten Waren. Sociales. Einlösung abgelaufener Jnvalidcnmarkcu. Die Reichs- Postvcrivallung, soivie die bayrffche und württcmbcrgische Post- verivaltnng haben die Genehinignug dazu gegeben, daß die durch das neue' Jnvalidengesetz ungültig geivordenen Doppclmarken zn 0,23 M., so weil sie noch nicht verwendet lvordcn sind, bei den Post- anstalten auch gegen Barzahlung zurückgenommen werden. 3. VttdiUlhStng des BcrwckS der litrrnnflteil DMtcktt iini) mmMer BttHgenosM DentsGmdS. Magdeburg, den 30. Dezember 1899. Ueber das Referat des Genossen Legien lStellung zn den „christlichen Arbeitervereinen") entspinnt sich eine kurze Debatte, die die volle Zustimmung aller Delegierten zu der von Legien empfohleneu Taktik ergiebt. Statutenänderung. Der Antrag, den BerbandStag nur alle drei Jahre stattfinden zu iasseii, wird einstimmig abgelehnt. Es bleibt bei dem bisherigen Modus, der Verbandötag findet alle zlvei Jahre statt. Gerade nach den in diesem Jahre beschlossenen wichtigen Aende- rüngen sei es nicht geraten, de» nächsten BerbandStag zu lange hinauszuschieben.— Um eine bessere Kontrolle durchzuführen, wird der Ausschuß verpflichtet, in angemessenen Zivischenräumen eine un- vermutete Revision der Bücher und Kasse am Orte des Verbands- sitzcs vorzunehnien.— Eine genaue Statistik der Unfälle im Beruf lvird den einzelnen Filialen zur Pflicht gemacht.— Sammellisten giebt der Verband in Zukunft nicht mehr ans.— Diejenigen Filialen, welche mit ihren Beiträgen an die Centrale länger als zivei Quartale ohne genügende Entschntdignng im Ltückstande bleiben, können ans dem Verbände ausgeschlossen werden. Der Sitz des Verbandes bleibt in Frankfurt a. M.. der Sitz deS Ausschusses in Bremen. Zum besoldeten Verbandsbeamte» lvird Georg Diel-Frankfurt a. M. gewählt, zum Berbandskassicrer Jakob Dicl, zirni Rcdactenr des'Fachorgans Hoch-Hanau. Der nächste BerbandStag findet in Mainz statt. Hierauf lvird der VerbandStag von dem Centralvorsitzendcn ge- schloffen mit dem Versprechen, daß er seine ganze Kraft für das Gedeihen des Verbandes einsetzen werde, und dem Danke an die Magdeburger Kollegen für die Miiheivaltung im Interesse des Ver- baiwstagcs soivie den freundlichen Empfang und an die Delegierten für ihre treue und streng sachliche Mitarbeit. Sooinle VrlfjtspflvJge. Vom Aussetze». Der unter Kündigungsausschluß engagierte Möbclpolicrer H. hatte auf Wunsch seines Arbeitgebers Bock die Arbeit einige Tage ausgesetzt und auf das Verlangen Bocks jeden Tag angefragt, ob etwas zu thu» sei. Am sechsten Tag ließ sich H. seine Papiere geben, mit anderiveitig Arbeit zu suchen. Zugleich verklagte er Bock beim Gewerbegcricht und beanspruchte eine Entschädigung von 17,50 M. für die ö Tage, an denen er dem Wunsche des Beklagten gemäß ausgesetzt hatte. Auf Befragen des Vorsitzenden Dr. Gcrth gab der Kläger zu. daß er nicht gegen das Aussetzen protestiert habe. Mit Rücksicht hierauf riet Dr. Gerth namens des Gerichtshofes dem Kläger, die Klage zurückzimchmen. Wenn man aussetzen solle und sage nichts dagegen, dann gelte dies als ein Einverständnis. In einem s o l ch e n F a l l e könne man eine Entschädignllg für die Zeit, während der man sich dem Arbeit- geber zur Versügung hält, nicht ytplauge«.— H.»qhm die Klage vorbehaltlos zurück. Ter südafrikanische Krieg. Während die Engländer in höchster Eile ihre Rüstnnge» betreiben und beispielswcischente dic Mcldnng eingeht, daß die ganze?'. Division bis zum 11. Januar eingeschifft werden soll und daß drei Transportschiffe am Donnerstag-in See gehen, haben die Engländer auf dem Kriegs- schanplatz selbst einen kleinen Erfolg gehabt. Es ist näiiilich ge- klugen, die Boercn ans C o l c s b e r g zu vertreiben und die Stadt wieder zn besetzen. Die bei Rensbnrg verschanzten Boercn hatten Ivahrgenommen, daß die englische 5lavallerie ihre Verbiildiiiigs- linien bedrohte und zogen sich Sonnabend tu nördlicher Richtung bis Colesberg zurück. General French folgte ihnen und unternahm mit seiner ganzen Kavallerie, Artillerie und Infanterie eine Umgehung des rechten Flügels der Boercn, die völlig izelang. Die Infanterie und die Feldbattcrien entwickelten einen Front- angriff auf die Boeren, während gleichzeitig die Kavallerie und die leichte Artillerie den rechten Flügel umging. Die Boeren lvarcn, so heißt es in einer amtlichen Drahtimg. als sie ihre Stückzugs- linie bedroht sahen, völlig überrascht und flohen in Unordiiiing nach Osten zu, indem sie Colesberg in den Händen der Engländer ließen. Der Bericht des Generals French. London, 2. Jannar. Dein Kriegsamt ist in einen? Telegramm ans Kapstadt von gestern der an demselben Tage dorthin' durch Heliograph iibcnnitleltc Bericht des Generals French über das Gefecht bei Eolcsbcrg zugegangen. French meldet: „Nachdem ich in Rcnsburg die Hälfte des schottischen Regiments und eine Abteilung reitender Artillerie zurnckgelaffe» halle, um den Feind in der Front festzuhalten, brach ich am 31. Dezember, nachmittags 5 Uhr. mit der anderen Hälfte des Infanterie- Regi- mcnts, 5 Schlvadronen Kavallerie, 80 Mann berittener Infanterie und 10 Geschützen von Reusburg aus. machte nach vier- stüudigem Marsche bei Maidcrsfarm Halt und besetzte am 1. Jannar. 3V2 Uhr morgens, einen Hügel, welcher Colesberg von Westen auS beherrscht. Die feindlichen Vorposten wurden vollständig überrascht. Bei Tagesanbruch bombardierte ich das Lager und die rechte Seite der feiudlichen Stellung, deren Artillerie das Feuer lebhaft erwiderte, und brachte die Geschütze desselben dort zum chweigen. Mit Kavallerie mid Artillerie inachte ich dann einen Vorstoß nördlich von Colesberg in der Richtung zum Knotenpnnkt der Eisenbahn, wo ein starkes Boerenlngcr einen Hügel und eine Stellung südöstlich von Colesberg bis zm» Eisen- bahn-Krcnzungspunkt besetzt hatte. Unsere Stellung schnitt dein Feinde die Nückzngslinie über eine fahrbare Brücke ab. Etlva 1000 Boercn mit 2 Geschützen zogen sich auf Norvals Pont zurück. Unsere Verluste betragen 3 Tote und mehrere Veriviindete." Von besonderer strategischer Bedentung ist dieser Erfolg für die Engländer ivohl nicht. Aber er dürfte immerhin geeignet sein, die Kapboercn in ihrer Haltung den Engländern gegenüber etlvas vor- sichtiger zu machen. Aus Ladysmith liegen dagegen recht lnigünstige Nachrichten vor. Die dortige englische Garnison soll im Begriffe sein, angesichts eines zu nnternchinendcil letzten Ausfalles ihre schtvcrc» Geschütze zn zer- stören, damit dieselben den Boeren nicht in die Hände fallen. Dieser verziveifelte Ausfall soll unmittelbar bevorstehe», da die Lage infolge Krankheit und Futtermangel unhaltbar geivorden sei. Wir verzeichnen noch folgende Meldungen über die Lage in Ladysmith: London» 2. Januar. Ein mit dem Heliographen übermitteltes amtliches Telegramm des Generals White ans Ladyfinith vom 31. v. M. besagt, daß die' Zahl der Erkrankungen an Dysenterie und Fieber zunehme. Lager von Frere, 1. Januar. Die Feinde beschießen an« scheinend Ladysmith alle Tage vom Jsim-Bulwanahngel aus. Auch der Humor fehlt nicht ganz im Verkehr zwischen den ein- geschlossenen Engländern und den belagernden Boeren. In zlvei Geschosien. ivelche die Boercn in die Stadt warfen, befandeil sich G l ü ck iv ü n s ch e. Ein Geschoß enthielt einen Plumpudding. Wenn nicht wahr, so dock, gut erfunden. Vom Modder River wird gemeldet: Jeden Morgen bei Tagesanbruch lvechsekn wir eine Anzahl Schüsse mit den Boeren. Trotz des Neujahrsfestes sandten die Boeren uns zlvei bis drei Kugeln herüber. sonst blieb alles ruhig. Der moralische Zustand der englischen Truppen ist ein zufriedenstellender. Heute werden Vcrstärkuiigen erwartet. Jeden Tag machen wir weitere Versuche mit den Marconischen Apparaten. Wir sind im Begriffe, Brücken zu bauen.— Vom Modder River wird weiter berichtet: General Cronje hat ein Todesurteil gegen einen Bürger des Oranje-Freistaatcs iliiterzeichnet. lvcil derselbe einer Anffordernng, seiner Militärpflicht zu genügen, nicht Folge leistete. Der Krieg in Natal. Der„Standard" meldet ans dem Lager von Frere: Die Schwierigkeiten, welchen sich Bull er gegenübersteht, haben durch den unfrciwilligcn Aufschub seit dem letzten Treffen außerordentlich zugenommen. Er hat jetzt vor sich eine Reihe von ummanerten»nd befestigten Hügeln, ivelche sich in einer Ansdehnimg von 16 Meilen am Tngela eist- lang ziehen. Dieselben sind dicht vom Feinde besetzt, der in Stellilliqcn von großer Stärke sich befindet, und starren von Geschützen. Der Fluß ist stark angeschwollen. Unter diesen Umständen wird die zn erwartende Schlacht sicher die hartnäckig st c und wahrscheinlich die folgenschwerste des ganzen Feldzugcs sein. Die englischen Schiffsgeschütze fahren fort, die Linie des Feindes zu beschießen, währen unsere Patrouillen seine Flanken unsicher niacken. Ein Telegramm aus dem Lager von Frere vom 30. Dezeniber meldet: In der letzte» Nackt fiel weiter heftiger Regen, wodurch der Tngela und andere Flüsse stark anschwollen. Es scheint kein Zweifel darüber zn sein, daß die bisherige Hnuprmacht der Boeren südlich des Tngela sich jetzt jenscirs deS Flusses befindet, und daß dieser in seiner gegenwärtigen Ber- sassnng eine nnüberschreitbare Barriere für die noch südlich stehenden Truppen der Boeren bildet, ein B o er e n k o in m a» d o von dreibu ndert Man» soll thatsächlich eingeschloj sei» und seine Gefangennahme fast sicher sein, da es nugenblicklich nn- möglich ist, über den Fluß zn koimnen und der Durchschuiltsboccc ein sehr schlechter Schivimmer ist. Uekzko TkÄiizviLzkvJt und Dopofichen« Hamburg, 2. Januar.(W. T. B.) Der.Hamburgische Korr-- spondeut" meldet: Ein der hiesigen Reedercistrma-H. D. I. Wagner gehöriger Dampfer„Hans Wagner" wurde am dritten Wcihnnchts» seicrtage bei der Delagoabat von den Engländern mit Beschlag belegt. Die Firma hat sich bereits beschwerdeführend an das Aus- wältige Amt i» Berlin geivandl. Paris, 2. Jaiinar. sW T. B.) StaatSgerichtShof. Nach dem Plaidoyer des Verteidigers Guörins erklärt der Vorsitzende die Verhandlungen für geschlosien. Der Gerichshof zieht sich. zur Urteitssälluilg zur geheimen Beratung zurück. Buffer wurde mit 148 gegen 48 Stiiiimen für schuldig erklärt, doch wurden ihm mildernde Umstände zugebilligt.� Godefroy, Devanx, S a b r a u und de R a m e I ivurde» freigesprochen. Die geheime Sitzung wurde dann auf morgen verlagt. Paris,'2. Januar.(W. T. B.) Einer Meldung der Blätter zufolge soll am 16. November 1899, den, zweiten Tage»ach der Unterzeichnung des Vertrages betreffend die Abgrenzung deS Kivangti'chenwang-Gcbietes. bei Wongliok ein Gefecht zwischen französischen Truppen mid chinesischer Miliz stattgesimdcn haben. LeWpe soll 200 Tote, die Fränzojen sollen Iq Kote untz P�pvundets verloren haben. Verantwortlicher Redactmr: Paul John in Berlin. Für den Inseratenteil verantwortlich: Tb. Glocke in Berlin. Druck»nd Verlag von Max Badiiia in Berlin. Hierzu 1 Beilage und Ilnterhaltungöbtatt. Zr. 1. 17.|aj)rpng. lililliiiöil), 8. Ilmar 11)00. Uokcrles. Die Jahrhuudertfcier in Berlin wird nlimciitlich von der liberalen lind nnportciisch-blizaiitinischcn Presse in spaltcnlangcn Beschreibungen verherrlicht. Wäre cZ auch unverautlvortlich von nns gehandelt, ivolltcn ivir die Druckerschwärze »nr annähernd so skrupellos draufgehcn lassen, ivie diese Blätter, so sind doch einige Züge nns der Scenerie des allcniensten Jubels als Kult nrbild ancb für unsere Leser von Interesse. Wir folgen einem Bericht des„Berl. Tngebl.": Der Hof hat mit einem Dank- und Bittgottesdienst das alte Jahrhrindert beschlossen und das neue b e- gönnen. Die am Nenjnhrstage übliche kirchliche Borinittagsfeicr in der Schloßkapelle fiel diesmal aus, der Gottesdienst war in die Stunde vor Mitternacht verlegt; ihm folgte eine Defilier- Cour im Weißen Saale in der Weise, wie sie all- jährlich im Nittersaale stattzufinden pflegt. Weiter meldet das„Tageblatt", daß der Kaiser befohlen habe, den Gottesdienst a ch t M i n n t e n vor Mitternacht zu beenden, da die Defilier-Conr Punkt 12 Uhr beginnen solle. Was so leicht keinem von seiner Sache ergriffenen Versannnlimgs- und Parlamentsredner möglich sein wird, gelang dem in Andacht ver- sniikeiien Obcrhofprcdiger Dr. D r y a n d e r vortrefflich; den bc- geisternngsvolleii Worten, mit denen er den wichtigen Akt feierte, war mit militärischer Pünktlichkeit auf die Minute ihr Ziel gesetzt. LL Schüsse leiteten dann das Bundesrats-Jahrhnndert ein. Am nächsten Mittag war eine„ N e u lv e i h u n g" der Fahnen und Standarten des Gardecorps im Z e u g Hause. Darüber berichtet das„Tngebl.": Kurz vor 12 Uhr erschien die Kaiserin in großer Galaauffahrt in der von 6 Trakehiwr Hengsten gezogenen Hochzeits-Glas-Galakutsche mit zwei Spitzen- rcitcrn vorauf am Zcughansportal. Tie Feier wurde vom Trompeter- corps des 1. Garde-Dragoiierrcgimcnt mit dem Niederländischen Dank- gebet eingeleitet, nach welchem der evangelische Feldprobst v. Nich tcr die Weihcrede hielt, in welcher er auf die Dekoration des Altars Bezug nahm:„In Schwert und Schild unter dem Kruzifir, das soll unsere gute Wehr und Waffen bleiben, und des Schildes Inschrift die große Parole auch für das neue Jahrhundert: Zu Schirm und Schutz, Zu That und Trutz, Zu Sieg im Streit, Bon Gott geweiht!" Als der Geistliche die Weihe mit der Aufforderung einleitete:„So beuget denn die Knie und senket die Fahnen und Standarten vor dem � Herrn der Heerscharen droben!", ließ sich der Kaiser auf beide Knie il i c d c r, ein gleiches thatcn die Prinzen und die große Zahl der Offiziere, die � entblößten Hauptes und mit gefalteten Händen um den Kaiser geschart, den Weihespruch hörten. Tie Kommandeure bis auf die Brüstung der Treppe, und im gleicher Zeit die Leibbatterie einen Salut dem A m e n spielte das Troinpctercorps das senkten die Feldzeichen Lustgarten feuerte zu von IVO Schuß. Nach T e d c u in. Nunmehr trat der iaiscr einige Schritte vor und hielt an seine Generäle und Offiziere eine längere Ansprache, die wir im politischen Teil im Wortlaut mitteilen. lind das Volk? Das„Voll" durfte in der Silvesternacht Allotria treiben. Es machle von dieser behördlichen Lizenz gnr- gesinnten Gebrauch, schrie Unter den Linden„Prosit Neujahr" und fvhrte unverdrossen den Ordnungskampf gegen den C y linde rhu t. Mit Stolz berichten die Zeitungen, daß die Polizei in dieser Silvesternacht ein Auge zugedrückt und„nur" 133 Vcrhaftnngcn vor- genommen habe. Ein nicht geringer Teil des gutgesinnten Volkes aber wurde in den A d e I s sta nd und noch höher hinaus erhoben. Die Blätter zählen 29 zivilistischc und militärische Bürgerliche ans, die fortan sich „von" nennen dürfen. Unter ihnen befinde» sich Landrat Stubenrauch, Ciiciibahnniinister Thielen, bekannt durch sein Spar-Talcnt. Admiral Köster und der Kriegcrvcreins-Gcncrnl- linitciiant Spitz. Auch sind zwei Franksurter Bankiers, Adolf und Moritz Grunelius darunter. Ein Kammerherr wurde außerdem zum Grafen gemacht. In den„ F ü r st e n st and" aber ivurdc» erhoben der Graf Richard zu D o I, n n- S ch l o b i t t e n nnb der Wirkliche Geheime Rat Graf Edzard zu Illnhausen und K ii y p h a n s e n auf Lntzburg, endlich aber P h i l i. der Nordlandsdichtcr, auch bekannt als Wiener Botschafter, Gras Philipp zu Eulcnburg. Neben dem tief nntcr ihm im Range stcheiiden Major Lanff gilt der jetzt gefürstcte Eulcnburg als der be- deutendste Dichterpatriot des verflossenen Jahrzehnts. Er steht selbst über Goethe, da dieser es nur bis zum Minister brachte, Zum Schluß sei noch erwähnt, daß dem kaiserlichen O b e r st- S ch e n k. Fürsten Hermann v. H a tz f e l d t zu Trachea- bcrg, Oberpräsidenteu der Provinz Schlesien, unter der Bezeichnung eines Herzogs zu Tracheuberg, Fürsten von Hatzfeldt, die Herzogs- würde verliehen wurde.' So wurde das gcue Jahrhundert mit Glanz eingeleitet. Das Rettnugöwesen war in Berlin bis in die neueste Zeit hinein sehr mangelhaft, oder richtiger gesagt, überhaupt nicht organisiert. Seit der Errichtung van Sanitätswachen war auf diesem Gebiet nichts Remienswertes mehr gcthan oder versucht worden, bis im Jahre 1895 die Unfall- st a t i o n e n geschaffen wurden und zwei Jahre später die Ret- t n n g s g e s e l l s ch a f t zusaimiientrat. Der K o n k u r r c n z st r e i t, der damals zwischen diesen beiden Unternehmungen ausbrach, dürfte noch in frischer Erinnerung sein. Er war ini vorigen Jahre endlich soweit beigelegt, daß er wciiigsteiis nicht mehr vor der Ocffenr- lichkeit geführt wurde, aber jetzt ist er mit einem Male von neuem aufs heftigste entbrannt. Prof. V.Bergmann, der Vorsitzende der Nettniigsgesellschaft, hat eine Broschüre„Das Berliner RettungSwesen" veröffentlicht, in der er die Leistungsfähigkeit der Unfallstationen in Zweifel zieht, und das Kuratorium der Unfall- stationen hat darauf mit einer„Zur Abwehr" betitelten Darlegung geantwortet, die Herrn von Bergmanns Einwürfe zu entkräften snchi. DaS Kuratorium der Unfollstalionen betont darin, daß die beiden. dem gleichen Zwecke dienenden Institutionell durch friedliches N e b e n e i n a n d e r w i rt e n der Allgemeinheit besser dienen könnten als durch Polemiken über Organisatioilssrageii. Wir möchten uns hierzu die Nebeiibemcrkiiiig gestatten, daß die Unsall- stationen zum mindesten ihre Entstehung der Rücksicht nicht auf die„Allgemeinheit", sondern auf das private Interesse einiger Berufsgen ossenschaften verdanken. Im übrigen aber wollen und köniien wir dem weiteren Verlauf des Streites als durchqus Unparteiische in Ruhe zilsehen. Der Ausgang wird, denken wir, nicht davon abhängen, wer den Mund am vollsten nimmt, sondern wer die besten Leistungen bietet. Zuzugeben ist, daß gegenwärtig beide Jnstitutioncii, unbeschadet der Motive ihres Wirkens, dem öffentlichen Wohle schätzenswerte Dienste leiste». Ei» Blick in den neuesten Jahresbericht der Unfallstationen sowie auch der Rettnugsgesellschaft zeigt, wie rasch diese Unter- nehniungen sich als unentbehrlich erwiesen haben. Dje Unfallstationen leisteten 1899 in nahezu 38 990 Fällen erste Hilfe, und die Rettungsgesellschaft wurde 1398/99 fl. Oktober bis 39. September) 6151 mal in Anspruch geiionimcn. Selbstverständlich bedarf das RettungSwesen Berlins noch sehr der w e i t e r e n A u s g e st a l t u n g, aber zu einer an- nähernden Vollkommenheit kann es weder durch die Unfallstationen noch durch die Nettniigsgesellschaft gelangen. Die Reitungsgesell- schaft wird nie mehr leisten können, als der gute Wille der vor- Iviegend privaten Freunde und Gönner, auf deren Estenbeit'fke an- geivielcii ist, ihr erlaubt, und die Unfallstationen werden niemals mehr leisten w o l l e n, als sich mit den auch heute noch für ihre Wirlsamkeit mitbestinunenden Interessen der beteiligten Berufs- lZeiiosselischaste» v-rträgt. Der neu entfacht» Stitit zwischen RettniigSgescklschast und Unfallstationen wird aber vielleicht das eine Gute haben. daß die Frage der U c b e r- nähme des öffentlichen N e t t:> n g S w e s e n s durch die S t a d r g c m c i» d c rastbcr in Fluß kommt und eher ihrer Lösimg cntgcgcngefkhrt Ivird. Es versteht sich ganz von selbst, daß das RettuiigSivescii von den aiidercil Einrichtiiiigeii für die öffent liche Gesundheitspflege nicht getrennt werden kami, also— wie diese — zu den Rufgaben der Kommune gehört. Dann darf es aber ebenso wenig ivie irgend ein anderer Zivcig der öffentlichen Ge- sündheilspflege ii» wesentlichen der Fürsorge privater Kreise über- lassen lvcrden— gleichgültig, ob eS sich dabei um eine' Juter- esscntcngruppe oder nm eine gemeinniitzige Vereiniguiig handelt. Zwangsiuuungö Herrlichkeit. Unter deii hiesigen Tischlermeistern, welche mit Beginn des iicilcn Jahres geziviingen sind, der neneil Zwangsinnung beizutreten, herrscht die größte Mißstimiiiiliig über das eigenmächtige Gcbahren der alten Jimimg, ivelche am 29. Dezember fang- und klanglos zu Grabe ge- tragen wnrde. Während diese Innung nur ca. 1299 Mitglieder ans- Ivics, wird die nene Zwailgsiiiniing einen Mitgliederbestand von iveit über 8999 zählen. Die alte Jiiiiiing ivird also»»r ungefähr den dritten Teil der Mitglieder der ZivaiigSmimng stellen, würde also bei allen Abstiiiiniiiiigen in der Minorität sich befinden, wenn allen Mitgliedern der Zwaiigsiiiimng daS gleiche Stimmrecht ge- währt würde. Mit allen Mitteln strebte deshalb der Vorstand der alten Jnimiig dahin, sich und seinen Trabanten die Herrschaft auch in der Zwangsiimung zu sichern. Zlinächst wurde den Mitgliedern der iieiicn Finimig das Recht, sich selbst ein Statut zu geben, dadurch entzogen, daß die alte Jiiiiniig ohne die künftigen iielien Mitglieder der ZwaiigSiniinng zu befragen oder zur Mitwirkiiiig heranzuziehen, das Statut für die ZwaiigSiiiiiung selbstherrlich feststellt e. Dieses Statut macht die Mit- glicdcr der ZivangHiiiimiig dadurch rechtlos, daß in der Jnnimgs- Versammlung»icht allen großjährigen Mugliederii dieser Jiiilung Zutritt und Stimmrecht gestatter ivird, ivie cö nach§92 der Gewerbe- Ordnung zulässig, vestimmt vielmehr, daß die Jniiungsversauunliuig nur aus Delegierten besteht, deren Zahl auf 168 festgesetzt ivurdc. In dieser Delrgierlenversainiuliliig hofft mm die alte Jiiuulig durch U e b e r rrn inp c I ii ii g der bisher der Jnnilng fernstehenden und deshalb niiorgauisierten Tischlernieister, sich die Mehrheit sichern zn können. In aller Stille, ohne die neuen Zwuligsinniuigs- Mit- glicdcr zu hören, stellr man die Kandidaten zur'Delcgiertcnwahl auf, ivelche den alten Jnttinigsgrößen auch in der Zlvangk- imilN'.g die Herrschaft sichern sollen, wahrend die über- Ivältigendc Mehrzahl der neuen Mitglieder völlig rechtlos gemacht und nur die Pflicht zni» Zahlen der Beiträge und der vom Vorstände festzusetzenden Strafgelder haben soll. Nach dem neuen Statut hat jedes Jnmuigsinitglied zn zahlen: 1. einen viertetjähr- lichen Beitrag von 1 M., 2. für jeden beschäftigten Gesellen imd Arbeiter noch jährlich 59 Pf., 3. für jede in der Werkstatt befindliche Hilssmaschine einen Extrabeitrag von jährlich 3 M.. 4. Exlrabeiiiäge, ivelche von der Jiirnliigs- lTclcgierlen-j Veesaiiunliing festgesetzt werden. Ferner bcsiinuni das Siatnt noch, ÄgßMitgticder, die dem Vorstände mi- richtige Angaben über die Zahl der von ihnen beschäftigten Gesellen oder Maschinell machen, vom Vorstände mit OrdiiniigSstrafni bis zu 29 M. belegt iverden könneu, und die hinterzogenen Beiträge nachgezahlt werden iiiüffcn. An fiilaiiziellen Miiteln dürfte cS demnach der ZivailgSinniliig»icht fehlen. Dies scheinen mich die Väter dcS lleucii Statuts aiigcnoniumi zu haben, deshalb sind die an die Vorstandsmitglieder zn zahlenden E n t scti ä d i g u» g e n zc. recht hoch bemessen ivordcn, so sind für den ersten Obermeister jährlich 3999 M., für den zweiten Obernleister 1899 M. zc. festgesetzt ivorden und zwar von den Jimiings- großen, welche sonst nicht laut g c n n g auf die„bezahlten Agitatoren" der gewerkschaftlichen O r g a n i s a t i o n c n der Arbeiter schimpfeil. Schon die alte Jnnling hat iveit Über die Hällte aller Einnahmen, nämlich 6383,59 Mark, für Entschävigilnacn. Gratifikationen, Taiiticnicn, NepräsentationS- und Agitationskostcn verpiilvert. Im Etatsjahr 1398/99 betrug die Gesnmtriiniahine der Jminngslaffe 12 999,98 M., die Gesamtausgabe aber 11662,79 M. Von der Ausgabe erhielten: Die beiden Ober- ineister eine„Entschädigmig" von 1699 M.. der erste Obermeister ferner eine Mietsciitschädigung von 399 M. imd für Ausschreiben der Lehrbriefe 86,59 M., der Kassierer eine Tantieme von 439.64 M., die Prüfungskommission eine„Eiltschndignng" von 1259.89 M., und der erste Obermeister und Schriftführer'eine„Gratifikation" von zn- sammen 659 M. An die Vorstandsmitglieder ivnrdcil außerdan„für Agitation zur ZlvangS-Jniiuiig" 1387 M.; ag Repräfentati onSkosten beim Tischlertag 375 M. nnd für„Recherchieren der Lehrlinge" 285,59 M. ausgezahlt. Fürwahr, da sind doch die sogeiiamiten„bezahlten Agitatoren" der Arbeitervereine reine W a i s c n k n a b e n im Hinblick ans die „selbstlos ihres Amtes>v a l t c n d e n" I n n u n g s« großen, ivelche ihre ganze Thätigkcit nur„einzig und allein'zum Wohle des Handwerks" entfalten. Ter WohiillugSmangcl, über bcssen Zun ahme ini Lause des Jahres 1893 ivir bereits kurz berichtet haben, ist in dem genannten Zeilraiu» besonders in einigen Arbeitervierteln sehr auffällig hcrvorgcircteii. In ganz Berlin waren Ende 1897 von 499873 Wohimngen solvie Dieiist-, Geschäfts-, Arbcitsrällliieii nsw. 22 723 unvermietet, also 4,6 Prvz., dagegen Ende 1898 von 593 249 Wohimugeii nsw. nur 13 495, also 2,7 Proz. In den Stadtteilen ist der Prozentsatz der uiwermieteten Wohiuliigen usiv. sehr verschieden. Er war 1897 am höchsten aus dem Wedding s12,1 Proz. aller Wohiiimgcn dieses Stadtteils), am niedrigsten im inncren Teil der jenseitigen Liiiseii- stndt(2,1 Proz.), 1898 am höchsten im inneren Teil des Siralauer Viertels(4,6 Proz.), am niedrigsteil im äiißcren Teil von Moabit(1,1 Proz.). Zurückgegangen ist der Prozentsatz in sämtlichen Stadtteilen, aber der Rückgang ist verschieden groß. Er sank von 1897 zn 1893 in einigen Stadtteile» nur ganz gering fiigig. z. B.� in der Altstadt von 3,7 auf 3,3, in der Friedrichstadt von 3,3 auf 2,9, dagegen in anderen auf iv e u i g e r als die Hälfte des vorjährigen Prozentsatzes, in der Schöiieberger Vorstadt vo» 4,1 auf 1,8, im östlichen Teil der Tcmpclhofer Vorstadt von 3,7 ans 1,7, in der Oranienburger Vor- stadt von 4,9 aus 2,3, im nördlichen Teil der Noscnthalcr Vorstadt von 4,5 auf 2,2, in zivei Stadtteilen sogar fast ans ein Viertel des vorjährigen Prozentsatzes, ans dem Wedding von 12,1 ans 3.4, im äußeren Teil Moabits von 4,1 aus 1,1. Die Stadt- teile mit dein stärksten Rückgänge des Prozentsatzes n n vermieteter Wohn nn gen iverden, mit Ansnahine der Schönebergei: Vorstadt, voriviegend von einer weniger b e lilittelten Bevölkerung bewohnt. Am meisten trifft das für den W e d d i n g nnd den äußeren Teil von Moabit zu, wo auch der Rückgang am allerstärksteii war. Die Grüße der dadurch bewirkten Wohiniiigskiiappheit wird noch klarer, ivenii wir hier die absoluten Zahlen betrachten. Der Stadtteil Wedding hatte Ende 1897 nntcr 35 963 Wohiiiliigeii noch 4269 unverinietete, Ende 1898 dagegen nntcr 35 132 nur noch 1189 nnverniietete. Im äußeren Teil von Moabit waren Ende 1897 von 27 466 Wohiilingcn 1981 unvermietet, Ende 1893 dagegen von 23 219 nur noch 297. Von denen, die durch ihren Beruf gezivungen sind, da draußen zu wohne», wird eine so außerordentliche Wohnnngslnappheit überaus schwer empfiniden. Die Hausbesitzer aber dürfen sich ins Fäustchen lachen und die für äe günstige Lage deS Wohmingsmarktes nach Kräften zu ihrem Vor- teil'anSliutzen, d. h. die Mieten bis zu unverschämter Höhe e m p o r s ch r a u b e n. Die Vcrpsicgungskostcll in den städtische» Krankenhäusern. Im Jahre 1898/99(bcziv. im Vorjahre 1897/93) erforderte der Bc- trieb der städtischen Krankenhäuser eine Ausgabe von zusammen 2 488 554(2 394 959) Mark. Bei zusammen 897 446(721977) Ver- pfleguNgstagen macht das 3.98(3,29) Mark pro Tag und Kranken. Durch Abzug der geringfügigen Einnahmen aus der Anstalts- ivirtschastjtvnrdc dieser Betrag auf 2 479 829(2 283 284) Mark oder pro Tag»iid Kopf 3,96(3,17) M. vermindert. Fügt mail zn dieser Mehrausgabe die Zinsen vom Grundeigentum und vom Inventar Kiiizu, so ergeben sich als Selbstkosten der Stadtgemeinde 3 977 899 (2 883 294) Mark oder pro Tag nnd Kops 3,81(4,99) Mark. Zieht man hiervon die Ersiattnngcn auf Kur-, Verpflegnngs- und Becrdignngskosten ab, so bleiben von der Selbstkosten ungedeckt und sind also von der Stadtgemeinde zn tragen 2 283 535(2 995 477) M., pro Tag imd Kopf 2.83(2,91) M. Aus diesen Zahlen geht hervor, daß die S c l b st k o st e n der Verpflegung in den städtischen Kranken- hällsern von 1897/98 zn 1893/99 geringer geworden sind. Die Verpflegungssätze bleibe» zwar auch nach der vom Magistrat beschlossenen Erhöhung noch erheblich hinter den Selbst- kosten zurück, aber angesichts der oben uachgewicselicn Verringernng der Selbstkosten berührt es doch eigentnintich, daß die Verpflegnngs- sätze gerade jetzt erhöht worden sind. Der Magistrat begründet diese Maßregel allerdings nicht mit finanziellen Rücksichten, sondern beruft sich daraus, daß er durch die von der Eharits- direkt ioy beschlossene Erhvhiiiig der BerpflegiiiigSsätze zu einer gleichen Erhöbimg für die städtischen Krankeiihäns'er gezwimgen sei, wenn hier nicht eine Ileberfüllung eintrete» solle. Für die letzte Stadtvcrordiictcnsitzimg hatten»iiscre Genossen den Antrag ein- gebracht, die Versamiilliitg solle den Magistrat ersuchen, seincii Be- Ichliiß vorläufig noch»icht ariSzn führen. Die Mehrheit der Ber- saiiliiiliing hielt den Antrag merkwürdigeriveise nicht für dring- l i ch und verschob die Beratmig bis»ach Neujahr. Inzwischen ist die für den 1. Januar 1999 angeordnete Erhöhung bereits in Kraft getreten. DaS hindert aber nicht, sie einstlvcilen wieder rückgängig zn mache», wenn Stadtverordneteii-Bersauinilnug und Magistrat den guten Willen dazu haben. Die städtische Taubstnminenschnke, die am 4. Janimr vor 25 Jahren eröffnet wurde, hatte damals zmiächst mir 2 Klassen mit 35 Zöglingen. Sie wurde aber schon bis Ende 1877 durch wieder- holte Enveitermig ans 7 Klaffen mit 96 Zöglingen gebracht. Der neueste, das Jahr 1898 behandelnde Bericht der Schuldcpiitation giebt die Frequenz ans 137 Zöglinge an, die sich ans 12 Klassen ver- teilten. Vor 1875 ivnrden die railbstiiinmen Kinder, für deren Untcrweisimg die Gemeinde zn sorgen hatte, der königlichen Taub- stiiuimeitanstalt übcrwicseii. Die Stadt zahlte dafür ein Schulgeld von jährlich 96 M. Die Anstalt vermochte aber nicht alle Auge- mcldetc» aufzunehmen, Ende 1874 z. B. waren»nr 58 Kinder ans diese Weise eingeschult, während noch 38 andere seit längerer oder kürzerer Zeit ohne Unterricht ivaren. Heute wird die Schulpflicht von den ralibstiliilmeii Kindern in Berlin im allgemeinen mit der- selben Regelmäßigleit erfüllt wie von denvollsinnigen. Eine Stiftiiiig von 15 999 M.�at der Fabrikant Moritz Rpsenow zn feinem 25 jährigen Geschäftsjubiläum zum Besten von Berliner Waisenkindern errichtet, die ein Haiidiverk der Kurz- und Galantcriewareilvraiiche erlernen wollen nnd sich unter die Obhut des Jubilars stellen, Die städtische» Krankenhänscr, drei Haiiptanstalten im FriedrichShain. in Moabit und am Urban nnd eine Hilfsanstalt in der Gitichiiierstrnße. nahmen 1898 99(beziv. 1897/98) zusammen 20 841 623 492) Kranke ans. Wird der ans dem Vorjahr über- »milmene Bestand von 2149(1969) iiütgezählt, so wurden überhaupt 31 481(27 371) Kranke behandelt. An der Steigerung der A n s» a h m e n(von 25 492 ans 29 341, also um 3939— 15,3 Proz.) waren verhältnismäßig schwach beteiligt die Anstalten im Friedrichshain(von 9962 nns 9649) und am Urban(von 7939 ans 8113). dagegen sehr stark die Anstalt in Moabit (von 7925 ans 9637i imd die allerdings erst im Dezember 1897 eröffnete Anstalt in der Gitschinerstraße(von 476 ans 1951). Eon 39 922(26 991) Kranken, bei dciic» die Vor- a n l a s s n n g der A n f n n h in e angegeben ist, kamen 8115(7491) ans eigene MeUmug in die Anstalt, 12 342(9829)--- 41,1(37,7) Prvz. als Mitglieder von Krankenkassen und Bcrlifsgeiiossenschaften, 2173 (1614) auf Beranlassuiig der Arme»koi»i»issioiicn nsw. pstv. Vorschuß- zahlcr waren mir 1225(1926) darunter. Die Mehrailfnahinen kamen, wie man sieht, größtenteils ans die M i t g l i e d e r von Kranken- k a s s e n und B e rnfSgeno f f e n s ch a f t e n. Die Bcrlinxr Schuljugend belicf sich Ende 1893 auf bei- nahe V4 Million. In den 389 Schulen, die zu diesem Punkt in Berlin vorhaliden waren, befanden sich 248 437 Sö nnd SchiUeriilueli; davon kamen 291 975 auf die 225 Gemeiiide- schiilen. Ende 1897 hatten sich in damals 376 Schulen 243 968 Schüler imd Schüleriiincn befunden. Die Vermehrniig der Schuljugend im Laufe des Jahres 1898 betrug also 5419. Dieses Plus bleibt nicht im erheblich zurück hinter dem des Jahres 1397, das sich ans 5695 belicf. In den nächsten Jahren bis 1992 wird sich die Vermehrung der Verliiicr Schuljugend voraussichtlich noch weiter verlangsamen. iveil in dieser Periode wegen der geringen Gcbiirtciihänfigkeit der Jahre bis 1896, in denen die Zahl der Berliner Geburten sogar ab- solnt zurückging, eine weniger große Zahl von schulpflichtigen Kindern in das' schulpflichtige Älter cintritt.— Dem Berliner Ge- m c i n d c s ch n I iv e s e ii könnte diese Periode zum Vorteil ge» reichen, iiisofern sie Gelegenheit bietet, den Mangel an Schulen und die Üeberfüllung der K lassen schneller und fühlbarer z u mil d e r», als das unter gewöhnlichen Verhalliiisscii möglich ist. Leider ist aber kaum zu er- ioarlen, daß die Gelegenheit beiiiltzt wird. Wenn durch die dem- nächst, in größerer Zahl fertig werdenden Schnlhäiiser dem dringendsten Bedürfnis genügt sein wird, dann wird die Verniindcnmg dcS Andranges schulpflichtig werdender Kinder wahr» schcinlich von der Genieindeschnlverwalning als ein»nllkommcner Anlaß betrachtet iverden, sich iviedcr für einige Zeit a u s z u- ruhen. Ganz ähnlich lagen die Verhältnisse vor»ngefähr einem Jahrzehnt. Auch damals verlaiigsaiiite sich die Zunahme der schul- Pflichtigen Jligend für mehrere Jahre, aber ziemlich in demselben Maße verlangsamte sich auch die Vermehrniig der Schnlen. Die Folgen traten später in einer Steigcrnng der Schnlnot zn Tage. Die Fevic» der liöhere» Lehranstalten für das Jahr 1999 sollen nach dem Vorschlage des Magistrats ivie folgt festgesetzt iverden: Ostcrferien: Mittwoch, den 4. April(Schluß), bis Donners- tag, den 19. April(Beginn des Unterrichts); Pflngstfe rieft: Freitag. den 1. Jmii bis DoiiiierStag. den 7. Jnni; Sommerfericn: Freitag. den 6. Juli bis Dienstag, den 14. August; Herbstferien: Sonnabend. den 29. Scpicmber bis Dienstag, den 9. Oktober; Weih- nachtLferien: Sonnabend, den 22. Dezember bis Dienstag, den 3. Januar 1991. Clla Goltz hat ihrem Thateudrmig, der sie in den Dienst der Hebe zwingen wollte, die Zügel anlegen müssen. Die ReichSbank hat bekanmlich die Siiliiine von 89 699 M., die sie an Fräulein Goltz zu zahlen verurteilt wurde,»icht hergegeben, sondern gegen das Urteil Beriifniig eingelegt. Ella Goltz hat somit nicht die Rlittel gehabt. das bereits gekaufte Wciiircstanrant an der Ecke der Bnlow- iliid PotSdamerstiaße zu übernehme». Der Kauf ist infolge dessen rück- gängig gemacht worden. Seiner Verhaftung entzogen hat sich der 23 Jahre alte Kaiifmaun Ernst Mutz, der wegen Betrugs verfolgt ivird. Mutz ist in die Teppichschwiudeleien verwickelt, über die wir vor längerer Zeit schon kurz berichteten. Er arbeitete mit einem Sattlcrni'eister und Hausbesitzer Bock aus dir Pappelallee 86,37 und eine»» Zeit- lchiilcr junacu Maiine NainenS Wcckenthien zusamincn. Schon früher in Teppichgeschäften lhcitig, auch im Orient, lvar er mit vielen grotzrn Geschäften in der Provinz und im Auslande bekannt. Diese Vckanntschaft wurde von dem Konsortium zu nmfancireichen Schwindeleien anSgcnntzt. Wintz besuchte die Fabrikanten und Großhändler im Auftrage Becks, der angeblich ein großes Teppichgeschäft in Berlin ausmachen wollte. Tie Lage seines Auftraggebers stellte er in das hcllsle Licht. Daß Beck in Berlin Grundbesitzer war, kam ihm dabei sehr zu statten. In Wirklichkeit freilich gehörte dem Hausbesitzer von seinem Grund- stück kaum noch ein Stein. Als die Polizei sich die Schwindeleien betrachtete, ergriff Mutz die Flucht. Man vermutet, daß er nach dem Orient gegangen ist. Der WohnnngSwcchsel zn Ncnjahr war, nach dem Umfange des Mkobelwagen-Verkehrs in den Straßen zu urteilen, ein sehr umfangreicher. Bezeichnend für die augenblicklichen Wohnungs- Verhältnisse ist auch, der„Deutschen Tageszeitung" zufolge, daß ein erheblicher Teil der eigentlich nur für Sommerwöhnnngen berechneten Gebäude, die nur aus leichten Wänden hergestellt und mit un- zulänglichen Heizanlagen versehen sind, in den entferntesten Vor- orten bezogen worden ist. Bei einigen Grad Kälte bläst der Wind eisig durch die, dünnen Rnbitzlvände und durch die einfachen Balkon- fcnster. Die armen Mieter, die hier wohnen, können in Berlin und den städtischen Bororten die Miete, die dort gefordert wirb, nicht mehr erschwingen. Selbstmord beging der 45 Jahre alte Fächergnrtler Hugo Pioch aus der Wrangelstr. 2. Pioch betrieb seit zwei Jahren einen Laden- Handel mit Buchbinder- und Papierwaren und lebte anscheinend in guten Bcrhältnissen. Nebenbei war er Kassierer des Vereins Bcr- tiner Segler. Die Silvesternacht verbrachte er im Vcrcinslokal. Ans dem Heimwege, den er um 6 Uhr morgens antrat, verlor Pioch, nach der Darstellung seiner Angehörigen, 105 M., die dem Verein Berliner Segler gehörten. Dieser Verlust soll den Mann veranlaßt haben, seinem Leben durch Gift ein Ende zu machen. Das Polizeipräsidium teilt mit: Der Schwindler, welcher unter dem Namen Dr. ehem. Albert Lange und Lieutenant der Reserve von Groß eine große Anzahl von Geschäftsleuten um Herren- und Damengarderobe, Wäsche, Kravattcn p. p. im bedeutenden Werte betrogen hat, ist am 24. v. M. in das Untersuchungsgefängnis Alt- Moabit 12a eingeliefert worden. Der„vornehme Kavalier"— als solchen schilderten ihn die geschädigten Geschäftsleute fast durchweg— ist in der Person ein vielfach vorbestraften Tapezicrs Max Gau ermittelt worden. Derselbe zeigt in seiner ganzen Haltung ein ziemlich unbchilfliches und linkisches Wesen, und es ist unbegreiflich, daß so viele gewiegte Geschäftsleute sich von ihm düpieren ließen. Nachdem auch seine Geliebte, eine stellnngs- lose Kellnerin, ermittelt und zur Haft gebracht worden ist, würde in der Wohnung des Gauners ein ganzes Warenlager erschwindelter Gegenstände vorgefunden. Die Geschädigten können dieselben bei der Kriminalpolizei in den Wochentagen, vormittags von 9— 12 Uhr, im Zimmer 43 in Augenschein nehmen. Ein Fabrikbrand, der noch ein gerichtliches Nachspiel nach sich ziehen dürfte und bei dem drei Familien in Ersticknngsgefahr schwebten, wütete am Silvesterabend Pankstr. 22. Daö Ameriran-Thcatcr hat es mit einer beachtenslverten Neuerung versucht. Angeregt durch die französische Gesellschaft, die vor einigen Wochen im Bellealliance-Thcater auftrat, hat die Direktion sich eine„Berliner Roulotte" errichtet, eine wandernde Schmierengesellschnft. die in bunter Reihenfolge ihre Künste zum Besten giebt. � Den Vorführungen geht eine etwas lange Einleitung voran. In dieseni Vorspiel bringt eine viclumschwärmte Erbin ihren Vormund, einen gaunerhaften Kneipwirt, dahin, sich das Talent eines armen Schauspielers, den sie mm einmal in ihr Herz ein- geschlossen hat, genau in der Nähe zu betrachten. Wird der Alte von der Kunst des Komödianten zu Thränen gerührt, dann soll der HerzenSbund geschlossen werden; versagt das Talent seine Wirkung, so wird auch aus der Heirat nichts. Selbstverständlich watet die Liebe durch ein Thränenmeer mutig ans Zfk ihrer Wünsche. Die Künstler und Künstlerinnen des Waudcrkarreiis zeigen nun eigentlich nicht viel Berlinisches in ihrem Wesen, denn der Verfasser' hat es sich bequem gemacht und einfach die südländischen Typen vorgeführt. Pierrot und Colombine schmachten stumm und klagen pantomimisch dem Publikum ihre unglückliche Liebe, während ein Sänger im Vordergründe den Hergang der rührenden Geschichte verkündet. In derbster Komik schwelgt ein Bänkelsängerpaar au Leierkasten und Harfe; ist seine Maske auch etwas konventionell französisch, so sind doch ivenigstens seine Couplets durchaus dem uckcrmärkischen Boden entiprosscn. Die neue Gabe fand vielen Beifall und wird gewiß auf einige Zeit ihr Publikum ergötzen. Theater. Das Sckiiller-Theater bringt als erste Vorstellung lin neuen Jahr ein Vollöstück von Louis Herrniann, darauf folgt ein Kleist- Abend, der„Aniphitryon" und„Den zerbrochenen Krug" unifaßt. Dann kommt»Freiwild" von Arthur Schnitzler. Für das neue Abonnements- Quartal, das mit dem 1. Februar beginnt, siiid solgende Stücke in Aussicht genommen:„Der Probepfeil" von Oskar Blumcnthal,„Fröschwciler" von HanS von Wentzel und Ferdinand Nunkcl(Novität),„Freudlose Liebe" von Giacosa und„Ein Diener zweier Herren" von Guldoni, also ein ilalienischer Abend,„Macbeth", ferner ein Stück von Auzcngruber und„Brand" von Ibsen, daS auf vielfaches Verlangm�wicdcr in dm Spielplan des Schiller- Theaters aufgenommen wird. Ans den Nachbarorte». Trcptotv-Baumschulcntvcg. Der socialdemokrallsche Verein „Vorwärts" hält heule seine Versammlung abends SVa Uhr im Lokale des Herrn Staffeldt, Baumschnlenstr. 84/85 ab. Genosse Markwald spricht über„Das Bürgerliche Gesetzbuch". Aus Fricdrichsbcrg wird uns berichtet, daß an der Ehrung des ausgewiesenen Genossen Kopp nicht nur der Rnnimelsburgcr Gesangverein, sondern eine ganze Anzahl Arbeiter-Liedertafcln teil- genommen haben. Eine umfangreiche Aenderung von Ttraßenunmen in zum Teil bcmcrkenswcrterweise hat der Leiter der städtischen Polizei- Verwaltimg von Schöncberg, Erster Bürgermeister Wilde, zum neuen Jahre angeordnet. Es hat danach die bisherige Heinrich Kiepert- straße de» Namen Martin Lntherstraße und die von der Koburg- straße nach Westen zu abzweigende bisherige Straße 92 den Namen Hehlstraße erhalten. Ferner find die Verlängerungen der Bayrenthcr und Ansbacher Straße von der Charlottenburger Grenze an auf Schöneberger Gebiet als Neue Bayreuther und Neue AnSbacher Straße bezeichnet worden. Endlich aber sollen die Koburgftraße und Wiirzburgstraße fortan Koburger und Würzburger Straße heißen. Die zur Anlegung von Rieselfeldern für die gemeinschaft- liche Entwässerungsanlage der drei Kommunen Schöneberg. Wilmersdorf' und Friedenau von diesen beschlossene Er- Werbung von Ländereien des bei Mittenwalde gelegenen Bauern- dorfes Ragow und des angrenzenden Gutes Deutsch-Wnstcrhcmscn, im ganzen 3000 Morgen, ist mit dem Abschluß des alten JahreS perfekt geworden. Der Preis beträgt im Durchschnitt 320 M. pro Morgen, also für die ganzen 3000 Morgen 960000 M. Uebrigens ist jetzt das Zusammengehen der drei Gemeinden in der Entwässerungsfrage gesichert, da nicht nur Friedenau, sondern auch Wilmersdorf nun definitiv beschlossen hat, die Entwäfferungs- anlage mit Schöneberg gemeinsam zu schaffen. Die Vertretung der Stadt Charlottcnbnrg im Herren- Hanse tvird dort seit Jahren ersttcbt. Wie der Magistrat jetzt der Stadtverordnetcn-Versammlung mitteilt, ist jedoch nach den vom Ersten Bürgermeister an zuständiger Stelle über den Stand der Angclcgenhe'it eingezogenen Erkundigungen zur Zeit auf eine Ver- leihnng des Präsentationsrechtes zum Herrenhause für die Stadt Charlottenburg nicht zu rechnen. Der Magistrat hält es aber für empfehlenswert, den Antrag bei irgend einem Anlaß, der für die i Stadt von größerer Bedeutung ist. zu wiederholen. Ueber den Geschmack läßt sich bekanntlich nicht streiten, und so mag denn auch die Ehre, unter politischen Fossilien zn sitzen, für den Charlotten- burger Magistrat feine besonderen Reize haben. (BevMxkS-'SLtkunL. Für die wichtigste Persönlichkeit des abgelaufenen und wahr- scheinlich auch des jetzigen Jahrhunderts hält sich der„Ingenieur" Josna Hölker, ein Unglücklicher, der gestern wegen Betrugs vor der IV. Strafkammer des Landgerichts I zur Verantwortung gezogen werden sollte. Der schon siebzehnmal wegen Betruges vor- bestrafte bejahrte Angeklagte, der sich Ingenieur nennt, ob- gleich er nur kurze Zeil das Schlosserhandwerk erlernt hat, leidet unter den sonderbarsten Wahnvorstellungen. Er ist ein so- genannter„pathologischer Lügner", der sich die tollsten Sachen selbst so lange vorschwatzt, bis er selbst daran glaubt. Die Lebens- geschich'te, die er gestern dein IGerichtshofe vorerzählte, zeugte von einer ganz nngeheuerlichen Phantasie. Er erzählte dem Gerichtshofe in allem Ernste von seinen unvergleichlichen Waffcnthaten im chine- fischen Kriege, von seinen Seefahrten und der reichen Heirat, die er in Batavia gemacht habe. Dann will er wieder im französischen Kriege bei Mars-la-Tonr verwundet worden sein und als ihm vor- gehalten wurde, daß er damals im Gefängnis gesessen, erklärte er iuit Nachdruck, daß er seiner Zeit dem alten Kaiser Wilhelm versprochen habe, über seine Kriegserlebnisse niemand etwas zu erzählen, auch dem Gerichtshöfe nicht. Daran reihte er die abenteuerlichsten Erlebnisse, die er angeblich mit allen möglichen hochstehenden Persönlichkeiten gehabt haben will, rühmte sich, alle Attentate der letzten Zeit voraus- gelvußt zu haben, aber mit seinen Warnungen leider nie gehört worden zu sein, und berief sich schließlich auf das Zeugnis des Frhrn. Marschall v. Bieberstein darüber, daß er es gewesen, der s. Z. bei dem beabsichtigten Attentat am Niederwald- Denkmal die Zündschnur abgeschnitten habe. Der sonderbare Mann war s. Z. der Beobachtung des Prof. Dr. K ö p p e n unterstellt worden und dieser begutachtete, daß der Angeklagte ein pathologischer Lüger in der schlimmsten Gestalt sei und für seine Handlungen nicht verantwortlich gemacht werden könne. Der Angeklagte mußte daher freigesprochen werden, da ihn der Sachverständige aber für höchst gcmcingesährlich erklärte, wird seine Ucberfühnmg in eine Irrenanstalt erfolgen. Eine kleine Erinnermig an den„Harmlosen- Prozeß" wurde gestern durch eine vor dem Schöffengericht geführte Ber- Handlung wachgerufen. Die in jenem Prozeß vielgenannte Schau- spielerin Frl. Knssinger wohnte seiner Zeit hicrselbst bei der Ziininervermictcrin Fra'n O p I i tz, die eine ganze Anzahl von Zimmern zn vermieten Pflegt. Infolge einer schwebenden Straf- anzeige sollte Frl. Kussinger polizeilich vernommen werden, es gelang aber nicht, sie in ihrer Wohnung anzutreffen. Zwei Kriminalbeamte versuchten iviodcrholt, Zutritt zn ihr zu erhalten, sie mußten aber stets nnvcrrichteter Sache wieder abziehen: bald war das Fräulein ausgegangen, bald befand sie sich ans der Jagd, oder war aber sie ver- reist.' Schließlich wurde es dem einen Krimiiialbcanitcn zp viel und er machte sich unter Vorzeigung seiner Legitimation daran, die Wohnräume auf die Nichtanwesenheit des Fräulein K. hin selbst zu prüfen. Er erregte durch dies abgekürzte Verfahren den Unmut der Frau Oplitz in solchem Grade, daß diese dem Beamten eine ganze Reihe der schwersten Beleidigungen entgegenlvarf. DaS Schöffengericht verurteilte sie wegen Beleidigung zu e i n e r Woche Gefängnis. Die bekannte Tchöneberger Schulaffaire wird am nächsten Freitag abermals zur Verhandlung kommen, und zivar diesmal vor der zweiten Strafkammer des Landgerichts I. DaS Reichsgericht hat, wie feiner Zeit gemeldet Ivurde, das Urteil der zweiten Strafkammer des Landgerichts II aufgehoben und die Sache an das Landgericht I verwiesen, weil es der Meinung war, daß nicht genügend geprüft worden sei, ob die in den inkriminierten Zeitungsartikeln gegen den Lehrer Richard gewählten Ausdrücke nicht der durch die Beweis- aufnähme festgestellten Sachlage entsprechen. Für die Verhandlung. die im kleinen Schwurgerichtssaale stattfindet, sind zwei Sitznngstage anberaumt worden. In der Znsammenfctznng der Strafkamnikr« am hiesigen Landgericht 1 sind mit dem 1. Januar mehrfach Veränderungen vorgekommen, indem in mehreren Fällen ein Austausch zwischen Strafrichtcrn und Civilrichtem stattgefunden hat. Drei Strafkammern haben andere Vorsitzenden erhalten: So hat an Stelle des Land- gerichts-Direktors D e n s o, der unter bekannten Umständen zum Eivilgcricht übergetreten ist, der bisherige StaatöanwaltschaftSrat, LandgerichtS-Dircktor Opp ermann, den Vorsitz in der 4. Straf- kammer übernommen, an Stelle des Land gerichts-Direktors Hoppe, der gleichfalls an das Eivilgcricht gegangen ist. ist der bisherige Vorsitzende der 8. Stralkainmcr, Landgcrichts-Direktor W e i um a n n, als Vorsitzender der 9� Strafkammer getreten, während Landgerichts- Direktor v. W i u t e r f c l d den Vorsitz der 8. Strafkammer über- uommen hat. Der Rechtsaumalt Dr. Tchwiudt ist vom Ehrengericht der hiesigen Anwaltskammer zu 500 M. Geldstrafe verurteilt worden. Nach einer nicht ganz klaren Mitteilung ist die Vcrnrteilmig erfolgt a) ivegen Benutzung des von dem Büttnerscheu Formularmagazin gedruckten und seit Jahren von zahlreichen hiesigen und auswärtigen Ämvälten in der bisherigen Fassung in Benutzung gewesenen Formulars zur Vereinbarung von Honoraren in Strafsachen; h) ivegen eines in. der Eutgcgiumg des Rechtsaiiwalts Dr. Schwindl ans die Beschwerde eines Mandanten vorgekommenen Passus. Letzterer ist vom Ehrengericht darum beanstandet worden, weil Dr. Schwindt die Höhe des Honorars mit den günstigen Einkommens- Verhältnissen des Mandanten begründet hatte, dieses Einkominen aber aus unlauteren Quellen stammte. Eine rohe Ausschrcitmlg gegen eine Radfahrerin führte gestern den Arbeiter Wilhelm Schlüter unter der Anklage des groben Unfugs vor die 8. Strafkammer des Landgerichts 1. Der Angeklagte, der nicht zu den gewaltthätigen Rowdies gehört, hatte sich, als' er in etwas lustiger Laune aus einem Schanklokale kam, den„Scherz" gemacht, eine langsam vorüberradelnde junge Dame vom Rade zu stoßen. Glücklicherweise hatte dieser Exzeß für die Radlerin gesundheitlich keine weiteren Folgen. Der Angeklagte er- hielt ein polizeiliches Strafmandat über 9 M., welche? das von ihm angerufene Schöffengericht in 4 Wochen Haft umwandelte und zwar„znr Abschreckung und Warnung für andere". Auf die von ihm eingelegte Berustmg ermäßigte die 8. Straslammer die Strafe auf 80 SN. Geldstrafe, wobei sie anerkannte, daß die an sich rohe That doch wohl nur einer angeheiterten Laune entsprungen ist. Mangel an richterliche» Beamte» scheint in ganz besonderem Maße bei den Strafkammern des Berliner Landgerichts II zu herrsche». Wenigstens ist nicht gut anders die Thatsache zu erklären. daß in den beiden Strafkammern, welche in Zimmer 144/145 tagen, fast mit Regelmäßigkeit die Verhandlungen sich bis in die späten Nachinittagsstnnden, oft bis in die Abendstunden ausdehnen. Viel- fach schon' sind Beschwerden darüber kaut geworden, daß als Zeugest geladene Personen Stunden lang, oft 3—4 Stunden und noch länger, warten mußten, ehe sie herankamen. Es dürfte wohl am Platze sein, wenn im Jntcreffe des Publikums hier Wandel geschaffen würde. VevfKinntlnngvtt. Konferenz der Brandcnbnrger Filiale» des Verbandes der Sattler und Tapezierer. Am 26. Dezember 1899 tagte im „Englischen Garten". Alexanderstr. 27c ein Konferenz der Brandenburger Filialen des Verbandes der Sattler und Tapezierer. Die Konferenz befaßte sich hauptsächlich mit der Frage, wie kann man unter den Kollegen der Städte Brandenburgs mit Erfolg agitieren und organisieren. Es wurden hierzu von mehrere» Rednern gute und wohlgemeinte Ratschläge erteilt und hofft man im Jahre 1900 auf einen guten Fortschritt des Verbandes. Bis jetzt hat der Verband in der Provinz nur fünf Verivalhmgsstelleii, man muß aber dabei in Betracht ziehen, daß im Beruf fast nur 1—2 Mann zusammen- arbeiten nnd dadurch das Werben für die Organisation erschwert wird. Dann keimen diese Kollegen keinen Anfang und Feierabend, sie sind demgemäß von der Arbciterbewegnng ziemlich abgeschnitten. Ferner wurde der nächstjährigen Generalversammlung des Verbandes ein Antrag zugewiesen, emen fest besoldeten Bcamicii anzustellen, sowie die Arbeitslosen-Unterstützung einzuführen. Wohl zufrieden über die statlgefniidene Besprechung wurde die Konferenz mit einem Hoch ans den Verband geschlossen. Wcistensec. Am 31. Dezember v. I. tagte hier eine GeWerk- schaftsvcrsaminlimg, in der Massatsch in einem interessanten Vortrage über das Thema„Tie Jahrhiindertlvende" sprach. Unter Verschiedenem machte Genosse P a t t bekaimt. daß sich ei» Verein gegründet hat, der seinen Mitgliedern Unterricht erteilen lvill über die Arbeiterschntz-Gesetze. Der Verein beginnt seine Sitzungen am 4. Januar, abends 9 Uhr, im Lokale der Frau Gartz, Lehder- straße 5. Fronen- nnd?1?ndckien-Bildnngsverein zu Rixdorf. DonnerStoq, den 4. Januar, abendö SV, Uhr, Versaiumlimg bei Thomas, Heruiaun- strasze 48—50: Vortrag des Herrn Dr. Parow über Frauenhygiene. Gäste willkouiuim. Vcreittskalendcr. Lese- nnd Tiskuticrrlnbs. Mittwoch. SocialiNeuklub„Vorwärts", CHristiania, Olaf Kyes PladS Nr. 8, Cafe Keiser. Jeden Mittwoch: Dis- lussion. Arveiter- Sniigerbimd Berlins nnd der Nmgegend. Vorsitzender Rich. Tbate, Schöneberg, Grunewaldstr. SS. Erster Kassierer Goltfried Ports, Skalitzerstr. 113. Alle Aenderungen im Vereinskalender sind zu richten ast O. Jsaack, Strelitzerstr. 15, Hof II. Mittwoch. Uebuuqs- stunde abends 8 Uhr, Aufliahilie von Mitgliedern.—„Liedesfreiheit I", Nebelin, Langestr. 108.—„Norddeutsche Schleife", Lübbke, Melchiorftr. 15. —„Freya I"(Gemischter Chor), Schiller, Rosenthalerstr. 57.—„Lorbeer- kränz", Späth, Weinstr. 23.—„Liederlust I(1865)", Noll, Adalbertslr. 21.— „Spandau", in Spandau, Nndtle, Nemueislerstr. 5.—„Deutsche Eiche I", Zlilliilermalin, Grüner Weg 29.—„Allegro". Wetzel. Wrangelstr. 13».— „Freier Männerchor„Nord-West", Lautscki. Stephanstr. 31.—„Kupfcrtchmiede", Feind, Weinstr. 11.—„Gleichheit", Ewald, Bernauerstr. S5.—„Schneeglöckchen I", Rixdorf, Köpke, Hermann- u. Karlsgaitciistmßen-Tcke.—„Hoffnung I", Branden- bürg a. H., Wuthenow, Wredowstr. 17.— Arbeiter- Gesangvereiil„Britz" in Britz, Dorn, Bürgersir. 4.—„Maiengrub", Charlottenburg, Bartsch, Seesen- heiuierstr. 11.—„Heiiiiatkläuge", Köpenick, Meyer, Roscnstr. 101.— „Waclit aus", Dambeck, Danzigerstr. 71.—„Vorwärts X", Nauen, Hobusch, Marktstr. 1».-„Treu und Fest I", Gnmow, Grüner Weg 110.- „Briiderbiind", Fickiliger, Usedomstr. 22.-„Ost- u. Westpreußen". Zimmer- maim, Alexanderstr. 30.—„Keramik", Charlottenburg. Prestel, Osuabrücker- straße l.—„Zaget nicht", Steglitz, Kaiserhalleii, Albrechy'tr. 130.—„Liedes- lust II", Potsdam, Voigts Blumengarten, Spandauerstr. 33.—„Weltenrus", Schiller, Roseiithalerstr. 57.-„Enterbten", Tollkühn, Putbuser- straße 22.-„Frohe Stunde", Schulz, Manteuffelstr. 72.-_„Treu und Fest II", Schöneierg, Krahahn, Grunewaldstr. 116.— Zukunft HI", Nieder-Schöiihansen, Settckorn, Lindenstr. 1.—„Vorwärts I", Roll, Adalbert- straße 21.-„Linde", Schcbcra, Schönhaus. Allee65.-„Eicheukranz II", Knoblich, Soldinerstr. 3».—„Friedrichshagener Sängcribor", Friedrichshagcn, Conrad, Frtedrichstr. 138.—„Frisch auf II", Bornim b. Potsdam, Fähnrich, Mittel- straße 12.-„Treherscher Gefangv.", Schulz, Zomdorserstr. 8.-„Diana", Moabit, Kausch, Rostockcrstr. 53.—„Freundschaft", Restaurant Ecke Jnster- burgerstraße u. Weidenweg.—„Zimuicrcr", Friedrichsbcrg, GorzaS, Warten- bergstr. 68.-„Melodia II", Sinze, Danzigerstr. 29.-„Freiheit-Nord". Franke, Schulstr.2l.-„Süd-West", Ladewig(Klosterglocke), Kommandanten- straße 66.-„Fortschritt", Fürstenhoi, Köpnickerstr. 137/138.-„Rixdorfer Männerchor I". Rixdorf, Klein ke, Bergstr. 136/137.-„Freie Sänger Rix- dorfs", Crawer, Hermannstr. ISS, Rixdorf.„„ Gesang-, Turn- und gesellige Vereine. Mittwoch i Rauchklub „Schniote's Werke", Rheder, Langestr. 9.—„Xymphaoa alba", Verein für Aquarien- und Terrarienlunde zu Berlin. Jeden Mittwoch nach dem 1. und 15. des MonatS, Restanrant Bnrgergartcn, Jernsalemerstr. 8.— Doppel- Quartett„Stern", abends von 9—11 Nhr bei Rheinsberg, Schwedterstr. 17. -„Klub der Harmlosen", 9 Uhr bei Drescher, Linienstr. 218. Arbeitcr-Turnerblind. Mittwoch: Turnv.„Fichte", Berlin, abbs. von 8—10 Uhr: 1. Männer-Abt. Friedenstr. 37. 3. Männer-Abt. Böckh- straße 17/20. 8. Männer-Abt. Höchsiestr. 36/37. 2. Lehrlings-Abt. Slalitzcr- straße 55 5». 4. Lehrlings- Abt. Stephanstraße 3.-„Freie Turner- schast Rixdorf- Britz", 2. Schüler-Abt. von GV2-8Vj, 2. Mannet» und Lehrlings- Abt. von SVj-lOVj Uhr abends, Bethge in Britz, Chausseestraße 39. Schüleriinim- Abt. von Frauen- Abt. von 81/2—10'/- Uhr abds., WicvTmg. Knesebeckstr. 113.—„Freie Turnerschaft Johannisthal", abdS. 8-10 Uhr, Senftleben.—„Arbeiter-Turnv. Adlershof", UebungSstuude von 8V-— 10'/.. Udr abends. Schmauser. Btsmarckstr. 16.— „Tunierschast d. B. Nereus"(Gegründet 1882), Lehrliugs-Abteilung von 8—10 Uhr Reicheiibergcrstr. 131/132. Arveiter-Naiicherbiiiid Berlins und Umgegend. Aenderungen mi Vereinskalender sind zu richten an Eugen Raschke, Rixdorf, Mahlowerstr. 1, IV Mittwoch:„Arkona", Armer Konrad, Relchenbergerstr. 16.-„Sumatra Süd-Ost", Manegold, Licgnitzerstr. 18.-„Waldesgrün", Kunze, Förster- straße 36.—„Virginia", Schnieder, Admiralstr. 21.-„Frei Weg", Schölte- borg,.Klein, Merseburgerstr. 7.-„Fidele Raucher", Ripdorf, Klimke, Nanienstr. 1.—„Jlitelligeuz", Liebisch, Manteuffelstr. 66.—„Granate", Engel, Forsterstr. 58.—„Fidele Brüder", Friedrichofelde, Lohse, Luisen- straße 20.—„Frohsilms-Hciuiat", Schebora, Emdenerstr. 12.—„Deutscher Michel", Pankow, Griffel, Kaiser Friedricbstr. 15.—.Ohlauer", Rixdorf, Elias, Berlinersir. 14.-„Abguß I", Gorn. Markusstk. 23.-„Die Dainpfenden", Jeratsrh, Rcichenbergersir, 160.-„Weiße Nelke", Felske, Lausitzerstr. 26.- „Zufriedenheit", Rixdorf, Karras, Kopf- und Lcssiiigstr.-Ecke.—„Apselblüte", Schmidt, Pankstr. 3b.-„Fliederduft", Kutsch, Fruchtstr. 61.—„Weichsel- dust", Görlitz, Stargarderstr. 17.—„Kein Ton", Necket, Rnlestr 13.— „Note Fahne", Sievcrt, Görlitzcrfir. 50.-„Kornblume I", Menzel, Gneiienaustr. 71.-„Einigkeit II", Penkcrt, Köpnickerstr. 38.-„Guter Zug", Prell, Oderbergerstraße 34.-„Alter-Stamin", Ruppel, Böckhstr. 49. —„BoUdampt", Werder a. H., Martin, Kugelweg 58.—„Lebensblüte", Ebeiiiig, Grüner Weg 120.-„Fidelibus", Zimmermann, Petersburger- str. 5».—„Rote Nelke", Ncu-Weißeiisee, Matzewski, Sedanstr.1.—„Ohne Furcht", Schmidt, Wieuerstr. 44.—„Einfach", Kliemke, Ciivrhstr. 27.—„Frisch gewagt", Häusler, Memelcrstr. 61.—„Flotte Raucher", Rixdorf, Engelhardt, Jägerstr. 64.—„Kolumbus S.-O.", Löwert, Oppelnerstr. 19.—„Veilchen- dust", Gandt, Hufsttenstr. 24.—„Verzaget nie", Schöneberg, Kreyer, sedan- straße 48.-„Pfeifcndeckel", Ttchter, Fruchtstr. 69.-„Vorwärts". Görlitzer- straße 65.—„Bulgarien", Weidenweg 12.—„Eintracht", Franke, Zorn- dorjerstraße 9.—„Granium", Lenz, Frankfurter tzlllee 104. Arbeiter-Schwimmerbunb. Anfragen sind zu richten an E. Bratke, Schulstr. 24. Mittwoch: Schwimmpercin„Rörd". Uebungsstuude abends 7 Nhr im Admiralsgarteii-Bad, Fricdrichstr. 102. Eingegangene Druckschriften. Von der„Reue» Zeit"(Stuttgart, Dietz' Verlag) ist soeben daS 14. Heft des 18. Jahrganges erschienen. Aus dein Inhalt heben wir hervor: Die Welträtsel.— Philosophie nnd Wirtschast. Von Heinrich Cunow.— Zwei Kritiker meiner„Agrarfrage". Von K. Kantski).— Die ober- fchlefifche Zinkindilstrie. Von A. Winter.— Ausblicke in das neue Jahr- hundert. Von Heiur. Vogel.— Notizen: Zur französischen Landwirtschasts- siatistik. Vermischtes. Gruben», tfälle und kein Ende. Die Grubemmfälle scheineu eine stehende Rubrik zu werden. In der zu den Siegers- dorfer Werken achörendcn Braunkohlengrube in Grofz-Rcicscheii ist ein unterirdischer Brand ausgebrochen, der erst nach tage- laugen Anstrenguugeii gedämpft werddn konnte. Dabei ist auch eine Anzahl Bergleute ums Leben gekommen, die sich uicht rechtzeitig genug aus der brennenden Grube retten kounteil und teils erstickten, teils verbrannten. Mau spricht von zwölf Leichen, von denen einzelne ganz verkohlt zu Tage gefördert wurden.— Aus Grünberg wird gemeldet: Seit drei Tagen herrscht im hiesigen Braunkohlen-Bergwerk und zwar im Albertschacht ein Grubeubraud. Man hofft, der„Schlesischeu Volksztg." zufolge, daß derselbe weitere Ausdehnung nicht anuchmen wird. Ueber die EnlstehuugSursache ist man noch uicht unterrichtet. — Schließlich berichtet man aus Karlshafen a. d. Weser. 30. Dezember. In dem Bergwerke am Gahren berge wurden zwei Bergleute durch herabstürzendes Kohlengestein verschüttet und getötet.— Im Schacht 2 der Zeche„K o n st a n t i n d er G rvß«" bei Bochum brach ein kleiner Grubeubraud aus. Di» BclcMnft der betrcsfcndcn T�le Word- durch die Vrandgnie de täubt, aber durch Ntlt»u.>,S>iiaiulschasIcu zu Ta�e gebracht und wieder ins Velurchticin zurüctgeruseu. Z lv e i M a n u werde» noch vermißt. Stürmisches Weiter herrschte am Silvester und NciijahrStaize im Kanal. Es wird darüber gemeldet: Dortmund, 31. Dezember. Die erste Post von London über Vlissingcn vom 30. Dezember ist ausgeblieben. Grund: Sturm ans See.— Kol», 31. Dezember. Die zweite Post von London über Lstcndc vom 30. Dezember ist ausgeblieben. Grund: Fahrt dcS Tampserö wegen Sturm ausgefallen.— Köln, 1. Januar. Tie dritte Post von London über Ostende von, 81. Dezember hat in Köln den Äuschlnst an Aug 3 nach Berlin über Hannover nicht erreicht. Grund: Zugberspatnng in England. Auch ans H a m- bürg wird ein See- Unfall berichtet. Wie die„Hamburgischc Borseuhalle" meldet, erhielt der britische Generalkonsul in Hamburg folgendes Telegramm ans London vom 30. Dezember abends: Das S v n t h- G o o d lv i n- F c n c r s ch i f f ist aus seiner Postlio» vertrieben, es liegt seht auf der Außenseite des Sandes in 6 Faden Wasser, eine Aieile sechs Kabellängen AO z» O'/s O von seiner bisherigen Position. Die Mannschaft ist geborgen. Das Feuer- schijs wird sobald als möglich wieder ail-Zgclegt werden, doch besteht leine Möglichkeit, daß heilte Nacht ein Feuer gezeigt werden wird.— Zwei schwerere Unfälle werden ans Marseille, 31. Dezember, gemeldet: Der voll Australicil kommende Post- daillpfcr„Armand Vchic" litt bei seiner Anknnft Schiffbruch; die Ladung des Schiffes konnte geborgen werden.— Der Dampfer „Peter der Große", welcher von Odessa nlit 45 Personen und einer Fracht von Schafen und Getreide am 13. Dezember ab- gegangen ist, hätte am 22. Dezember hier eintreffen müssen. Sein Ansbleibcn benlirnhigt, man hält ihn für verloren. Tie„PclotnS" geborgen. Aus Folkestone wird von» Silvester berichtet: Die„Pelotas" ist heute vormittag gegen 10 Uhr wieder flott geworden und geht nach Noltcrdam. Zwei Eisoubahn-Uufälle haben sich in den letzten Tagen er- eignet. Ans Chemnitz lvird aintlich vom Silvestcrtage gemeldet: Ailf Bahnhof Pockau-Lcngefcld fuhr heute vormittag der Flöhaer Güterzug 5234 dem von Lieitzcilhain kommenden Personenzuge 1311 in die Flanke, wobei vom Personenzug der Packineistelwagen und ein Personenwagen lind von» Güterzug die Maschine nebst Tender ent- gleisten. Ein Zugbediensteter ivnrde anscheinend schwer und einsolchcr sowie fünf Lieiscnde wurden leicht vorletzt. Malcnalschaden gering. Ter Betrieb wurde aufrecht erhalten.— Ein leichterer Unfall lvird ans Franks u r t a. O. vom NcujahrStage gemeldet: Hellte vormittag 0 Uhr 57 Minuten stieß Schiiellzng 3 von Berlin bei der Einfahrt in den Bahnhof Frankfurt a. O. bei dichicin Nebel auf eine in der Vorfahrt begriffene Neserveinaschine. Von Reisenden wurden 7, ferner die Führer und Heizer beider Maschine», Zugführer, Park- meistcr, drei Postbeamte ganz leicht verletzt. Beide Maschinen, Pack- und Postivagen sind stark beschädigt. Zug 3 fuhr mit 87 Mi- »nten Verspätung lveiter nach Breslau. Das EinfahttögeleiS wird bis heute abend wieder fahrbar sein. Die Untersuchung ist eingeleitet. Bon eine», Löwen zerfleischt. Aus Wien meldet man: Im Tiergarten im Prater ereignete sich gcstcni Nachmiltag eine entsetz- liche Sccne: Ter Wärter Karl Rndnowski ivnrde von einer Löwin angefallen und buchstäblich in Stücke zerrissen. Eirtgegcn seiner Jnstuckliou verabsämnte er, die Löiven ziim Zweck der Käfigreimgling in einen zweiten Käfig zu treiben. Er betrat mit einem Besen den Käfig, ivorin sechs Löiveff waren, wie er c« ungestraft schon öfter geihtm hatte. Gestern stürzte sich die Löwin„Sarah", die in cnroväischcr Gefangenschaft geboren ist, ans ihn mit fnrchtbarcm Gebrüll. Rndnolveli schrie fürchterlich. Sofort eilten andere Wärter mit Hacken nnd Stange» herbei. Aber alles Bearbeiten der Löwin machte sie nur noch wütender gegen ihr Opfer. Auch ein Wasserstrahl, der ans sie ge- richtet wurde, nützte nichts, bis ein Strohfeiier im Käfig angezündet Ivnrde, worauf man den ganz zerrissenen und zerfleischten Leichnam aus dem Käfig cntfcrnen konnte. Mit einer herrlichen Kultnrthat ist das neue Jahrhundert in Wien eingeleitet worden. Dort ist nämlich gestern eine Frau hingerichtet worden. Den»„B. Tgvl." wird darüber berichtet: Im inneren Hofe des LandcsgerichtS wurde heute bei Tagesanbruch Jlillane Hm.. incl hingerichtet, die erste FraileiiSpersoi,. die seit 182" in Cc streich der Todesstrafe verfiel. Sie wurde am 14. November samt ihrem Mann einstimmig zum Tode verurteilt, weil beide ihr Kind, ein siebenjähriges Mädchen, zu Tode gemartert nnd gepeinigt hatten. Das Landgericht beantragte die Begllädignng der Ehegatten, die der Jnstiznliuistrr mir für den Mann erteilte, der z» lebenslänglichem Kerker begnadigt wurde, während bei der Fron das Todesurteil be stätigt wurde. Juliane Himiiiiel ist 29 Jahre alt. Sie rief, als ihr die Hinrichtung ailgeliindigt wurde:„Gnade, Gnade! Ich bin llnschnldig, mein Mann ist an allem schuld!* Sic schob in wiederholten Betrncrnngcn alle Schuld auf ihren Mann, auch klagte fio. haß sie selbst von ihm oft geprügelt nnd«lifchandrt» wurde. Die Nachbar» hätten ihr ge- raten, den Mann miznzeigen. da er offenbar Ivahnfinnig sei nnd ins Irrenhaus gehöre. Während der Unter- s» ch>in g S h a st hatte sie ein Kind geboren; als sie gestern gefragt wurde, ob sie dieses Kind»nd ihren älteren Knaben nochmals sehen ivollte. verneinte sie nnd bcmcrlte, sie wisse, für die Kinder sei gesorgt. Auch den Mann wollte sie nicht mehr sehen. ihm ailch nichts sagen lassen. Gestern wollte sie übrigens»och nicht an die Möglichkeit der Hinrichtung glauben, erwartete viel- mehr bestimmt ihre Begnadigung. Joses Hnnmicl uahiil die Mitteilimg von seiner Begnadigmig zn lebenslänglicher Kerkerstrafe ganz simupssiimig entgegen und antwortete nichts.— lim halb acht Uhr früh wurde die Delinquentin von ihren Wärtern in die GefäiigiiiSkapelle geführt, wo der Gefängnisgeistliche Pater Fuchs die Messe las. Inzwischen waren im lleuien dreieckigen Ecitenhof des Landesgenchts alle Porbereitmigeu zur Hinrichtling getroffen worden. Der GalgeiNtflock ivar in einer Hofecke errichtet, an der eiitgegeiigesetzten Hojwand befanden sicki GerichtSbcainte, Aerztc, Advokaten und Jonrnalisten. Gegen acht Uhr wurde Juliane tzllnnnrl in den Hof geführt. Man hörte schon ihr durch- dringendes Wimmern ans den« Innern deZ Hanse?, bevor sie im Hof erschien. Sie wurde von Geistlichen nnd Gefängnisanfsehern nillcr den Arme» gestützt und halb getragen und geschleppt. Sie ivar ganz gebrochen nnd schon halbtot, als sie zum Galgen gc- bracht wurde. Sie fiel am Pfosten nieder und wäre znsammeligesiürzt, tue»» nicht der Scharfrichter sie sofort erfaßt hätte. Als der Gerichts- kommiff'ar sie dem Scharsrichter übergab, rief sie nochmals stöhnend: „Ich bin nnschllldig am Tode de? Kinde?," dann hörte,«an sie noch stöhnen. Ter Scharfrichter führte die Erelntion sehr rasch anS. Juliane Hummel ivar offenbar bereits bewußtlos, als ihr der Strick mn den Hals gelegt wurde. Der Tod erfolgte blitzartig schnell ivie durch einen elektrffchen Schlcnp Der Körper bewegte sich nicht mehr. ES werden Zlvcifcl obwalten, ob der bestialischen Kinde?- inördcri» oder dem Staat, der sie auf die beschrieben« Weise von» Leben zum Tode befördern läßt, die Paline der Roheit gebührt. Ii» dem Zustaudc Tolstois ist, wie an« Peterbnrg von» NeujahlZtage gemeldet lvird, wieder eine erhebliche Besiellmg eingetreten. Der Kranke hat Appetit, macht kurze Spaziergänge und arbeitet wieder. Trotz der Wariiuiigei» der Aerztc bleibt Tolstoi feinem Grundsätze, sich vegetarisch zn ernähren, treu. lieber ein Erdbeben lvird ans TifliS vom 31. Dezember gelneidet: Heute iiocknniltag 1 Uhr 50 MinMen ivnrde ein 1 Minute 4 SeklNldci» dauerndes, von drei Schlägen begleitetes Erdbeben lpahrgeliomillk». Einige in der Nähe der heißen Schlvefelquellen befindlichen Häilser erlitten Risse. Menschen sind nicht vermigliutt. Arn Nachniillage gegen 4 Uhr wiederholt« sich das Erdbeben in schwächerer Form. Während der Erschütterung entstand in dem Gblniiasinm, in dem gerade eilt AktnS stattfand, eine Panik, die Feier wurde jedoch nicht abgebrochen Auch in P o ti, Ku t a i S und Alcxandropol wnrd« das Erdbeben verspürt. Vrieskasten de? Redaktion. DieuStag UUd Tic juristische SPrechstnude siudet Atoutag. Freitag von<>—8 Uhr abends statt. ttassceniühlc. Nach recht? lierum. „Uletrstrtcs Hans". Steglitz. Einem solch' alistnerlsamen Leser sollt« eZ nicht enlgaliaeii fein, dost der Aälrudermacher bestrebt ist, in jedem Jahr« iiiägllchst neue Daten zu bringen, uad da iommt«s nalürtich vor, daß unter einem bcstimmteil Tage einmal ein dem einen oder aUder«» weniger be- deutend ericheiuender Schriststeller, Mnsilcr, PoUtiler ansgesührt ist Ob der Geschichtichreiber Rottect..bekainiter oder wichtiger" war a!s Bertkold Auerbach, der Dichter der scnttmental-verlogeneli Dorsgeichichten. da? kommt sehr ans die Ansfaffnng a». Und der„alte Nteidingcr" ist natürlich bloß durch den Setzertensel zum Neidinger gemacht worden. Zt. 20. 1. tLeriilgsliaige Fehler. 2.»nid 3. Wenden Sie sich an Ihren Arzt. 4. Nein.— BS. P. 00. 1. Ja. 2. Erst nach fruchtloser Aus- forderililg, die Sachen sortznnehmen. 3. Prioatsache.— 1900. öteiu. — F. K. 100. Sprechen Sie mit etwa erhaltenem Bescheide gelegentlich in der Tvrechftilude vor.— BS. P., LiibUcnerstr. 20. Die Schulpflicht endet in den Provinzen Ost- nnd Wcstpnilßen nach � 43 der EleNieiitarschlll- Ordming voui 11. Dezember 1845 mit vollendetem »4. Lebensjahre. Anders liegt es in den übrigen preußischen Provinzen: Hier endet die Schnlpsticht erst dann, wen» daS Kind iigch dem Beslind der SchlllanssichtS-Behörden die siir seinen Stand notwendigen tteiintnine erlangt hat. Wird das Kind im Lause des SebiilhalbjahrS 14 Jahre, w muß es, falls es nicht dispensiert wird, bis zinii HalbiahrSseblub in der Schule bleiben. — Schtuflrn 1« 00. I. In der Berbreilung liegt lein Beistob gegen 380 Nr. 11. Da» Kainmergericht hat angenommen, in einer während dcS Gottesdienstes vorgenoulmene» Verbreitung liegt eine strafbare, ägentlich bemerkbare Arbeit. Diele Ansicht ist inizulrefiend. aber bei der Agitation, wie wiederholt belont, ist: 1. zu vermeiden, während deS Gottesdienstes zu verbreiten; ztocitenö darauf zn achte», daß die Flugblätter, Kalender und dergleichen umbüllt getragen werden. 2. Ein Anwalt ist in Ihrem Fall überststsüg. 3. Der Landrat bat unrecht. Aber nicht an diesen, sondern an da? Gericht(Amtsgericht)»ende« Sie sich zweckmäßig. 4. Für das Mädchen ist biS zum l. Januar nicht nusznkommen. hernach sür die Dauer von 8 Wochen.- C.«. Eine Pflicht zur Fcsiflcünug des ihnen be- kannten Mannes hatten die Schutzlenle»lieht; den Namen funiileii Sie ja jederzeit auf der Polizei er-sahren. Wegen des Votfalls selbst können Sie nnch ohne NamenSneirnnng de? nicht Feflgestelllen StrasinNrag bei der Staatsanwaltschaft stellen.- H. P.. Nixdorf. Ist uns uichi bekannt. Marktpreis,: von Perlt» am 30. Dezember 183» nach Ertnllkknngm des tgl. Polizerpiäfldinms. »)Wetßen D.-ötr. »joggen Fniler-Gerste. Hafer gut „ unllel. .. gering Richtstroh„ Hen -r)Erbsen t)5»ciic6of)nen, fF'illffll Kaitasiein, nene„ Nindiletsch, Sicnle 1 kg do. Bauch„ ■> Ermittelt pro 15,10| 14,70 14- 15,20 14,30 13.50, 4,32 7,30' 40,- 45,- 70,- 7,— l,ß0 1,20 Tanne 14, 13,80 13- 14,40 13, CO 12,80 4,- 4,80 25,- 25,— 30,— 5,— 1,20 1,- »on Schiveinesleisch Kalbfleisch Hammelfleisch Bulter Eier Karp sc» Aale ssinider Hechle Barsche Schleie Bleie Krebse CO 1kg Stück 1kg per Schock 1,00 1,70 1,00 2,80 '6,— 2,20 2 80 2chO 2,- 1,00 2,80 1,40 12.- 1,10 I,- I,- 2,- 3,- 1,20 1,40 1,20 1.- 0,80 1,40 0,80 3,- der Eentralftelle der Prenß. Land- wirtschastekammer— Notienmgsstelle— und»mgerechncl vom Polizei- Präsidium für den Doppeleentncr. ch) Kleinhandelspreise, P r o d n k t e n m a r t t vom 2. Jannar l!>00. D er Getreideinarkt verkehrte hentr in fester Tendenz, wenn aiirt) bei minimalen Umsähe». In der Wert- läge bchauptelen Weizen u»d Äkagden ihr letztes Niveau. Während der üblichen GeschfistMlirndeil schien man derartig van den gegenseitigen Neu- jahrSwinischen tu Anspruch genommen, oaß für die geschäftliche Thätigkcit keine Stimmung war. Tie heutige Lagerausnaftme ergab 13 740 Tonnen Netzen(— 40» 0 gegen 1. Dezember 1890) nnd 1845 Tonnen Roggen (+ 212). Haser lag still und uiwernnbert. Rüböl ruhig, aber fest. Spir uns. Am Spi.itnSmarlt wurde 70er loco mit 47,00(unver- äuden) geyandeU.__ Bsttte>iiii.»Sübe»iicht»um 2. Januar 1000. morgen«« Uhr. E" Z � i" l ä wj, -13 -1 S 6 12 BSeiter-Proguosc für Mitttvoch. den 3. Jannar 1999. Mild, jedoch ziemlich trübe mit leichten Retzenfällen und mäßigen tichen Winden. Berliner W e t t e r b» r e o n. siid- 2tni 31. Dezember starb nach kurzen, schweren Leiden unser lieber, guter Vater, Schwteger- und Großvater, der Tischler IClbb Wilhelm Palctta. Die Beerdigung findet DonnerSIag, den 4. Januar, nachm. 3 Uhr, von der Leichenhalle des St. Michaels-Kirch- hoses(Hermaniistraße) au» statt. Danksagnug. Für die mir anläßlich des Hin- scheideitS meines teuren, unvergeßlichen Mannes, deS Schlächtermeisters Schäfer in so außerordentlich reichem Maße erwiesen« herzliche Teilnahule und sür die zahlreichen kostbaren Kranz- svendeil, sage ich allen Venvandteii, lieben Freunden und Brannten, sowie den«erteil Kommissionen und Vereinen meine» tiesgefühltesten Dank. Berlin, den 2. Januar 1000. Die tiesbetrübte Witwe[16116 Clara Schtifer nebst Kindern. Orts-Krankenkasse der Gastwirte «ndmw.KtMrbezsVekli«. Die Liste der bei der Wabl am 12. Dezember 1899 als gewählt bekannt gegebenen 50 2lrbettgeber>Aer- treter enthielt, wie sich nach der Wahl herausstellte, Z nicht wählbare Kandi- baten, weshalb wir im Interesse aller Beteiligten zur nochmaligen Bor- »ohme der Wahl von 50'Arbeitgeber- Ve-ucteru sür die Wahlperiode 1900 bis 1»02 eine BSahlversanimIniig sür Freitag, hen iL Zan. 191)0, »achm. 3 nach StecUerts Fesisnleu, Zliibreasstr. 21, berufen. Die Wahl ist geheim und kann mittels geschriebener, gedruckter oder ans anderem lueebaiitsiben Wege her- gestellter Kandidateuusteu geschehen. Gemäß K40des Kasffnslaiuls haben nur Arbeitgeber, welche Beiträge aus eigenen Mittet» zur Kasse leisten. Wahlrecht und Wählbarlctt. Der Wahlakt bcgiiliit jiracise 3 llhr ailh ivirh m 6 Uhr ,, Mlsiie«. Verlm, den 3. Januar 1900. Ter Porjtond. kt. poppo, Vors. Krarnbaar, Schrtstf. _ Hlltlebrandt, Rendant. Cfflcrtfrfic Kranken- nnd «tcrbrtassc Sir. 27. Sonntag, den 7. Januar 1900, vorm. 10>/z Uhr, im Kassenlokal, Lindeustr. 110, bei Herrn A. S ch tv e d e: Ktlleral-Nrsaainiliiiiil. TligeSotdiiung: 1. Jahresbericht pro 1890. 2. Wahl zweier Vorsteher'. 3. Wahl dreier Vorstehcr-Siellverireier. 4. Wahl der Konirölllomiiiisfloti. 5. OZeschnstliches. ICOOstb DaS Mitgliedsbuch legitimiert. Vor Begüin der Versaininluna werden Beiträge von inäiitilichen Mitgliedern entgegeugenommen. Der Vorstand Kraiizblnilcrcl n. Itliuncn- linndlnnje: von[34312" Robert Meyer, Xo. 2. marinuncnstr. IV o. 2. Widmilligs-Krälize, Gnirlaudeu, Ball- stränßchen, Boiiquets w. werden sehr geschmackvoll und preiswert geliefert. Kiiabcnaiizüge n. Paletots, Mädchenklcidern.-rNiöutel preiSw. L43LL»j 9, Hoffraaniii&stcniiicnftv. 14. Blumeiihandlttng und Krmizbinderei von[34302» 04io Knabe 19a Adnilral- Strasse 10a empfiehlt WidmiingSträiize, Sträuße, Koiillons. Topfgewächse aller Art. yp i yp f.j (jittiit u. diut'nuukii l'rnii en-liniul. Ii eilen. KönlgorStierstr. 27. Spr. 9-1. 4-7, Homöopath. Poliklinik: Montag, Mittwoch, Sonnabend, Ab. 7—8: Friedrlchstrassa 114, I. Oeutsolier Holzarbeiter-Verband. (Zahlstelle Berlin.) Morgen, Tounerötaq, abends Uhr. im Lokal dcS Herrn Cohn, Beuthstraffe S!r. 29 21: Sitzitng der Ortsverwaltnng und der Wertstatt- Koutrollkomnirstion. Sonntag, den 7. Januar, vorniittagö t9 Uhr. im„Fccn- Paln t", P»rrg- und Wolfgangstrasicu-Ecke: kWsSsllWllilillS KöliKsSl-VksSMINiVZ. Tagesordnung: 1. Sicllungnahme zur Zlrbcitölosenckliitcrstützintg. Referent Koll. KIIiiMner. Korreferent Koll. Büske. 2. Diskussion. 3. Berbands- angelegeuheiten. 76/1 Mitgliedsbuch legitimiert. Kollegen, erscheint zahlreich, die Grledtgung obiger Frage ist von cinschneidender Bedeutung siir den iierband._ I>le Oresverwnltung;. Verband der Möbelpolierer. Heute, Mitttvoch, abends 7 Uhr, FriedrichSbergerslr. 11: iDKt�nux der Vertrauen»iimimer. Tie Kollegen werden ersucht, ihre Kontrolllarten abzuliesern. 145/1 I>«r Vorstand. Wetn 3103L1 /.iiiii Ausschank sehr je eignet: sfiss, rot, wie Portwein, ausgezeichnot im ticschninck, garantiert rein, lOLtr. M.7, lOÜLtr. 05,—, Oxhoft M. 120,—. £ug en Heumaun& Co.,«oi.n.n»»�o�mt.v,�. ge- Einmal genügt die Probe, um Sie dauernd für Carola■ Kaffee zu winnen, denn 1 TheclOffel genügt vollständig, um sich 2 Tassen vorzüglichen gesundheitlich euträgliohen Kaffees herzustellen. Halb Lohnen- und halb CaroIa-KaÜ'oe liefert in Stitrke und Geschmack ein an« gcstelolinetes(«ctrüiik, trotz dieser Vorzüge kostet Va Pfund Carola-Kaffco nur SO Pfg. Ueberau zn haben._(2034L* Achill«! HiÜlskfkdNil 60 Pf. P-, pst.(Qtibtxe j»m»eisten). Zchlachtfcdern, wiefier. 6. won» falltn, mit allen Dainien M. 1,50, iüllferlker Göns, rupf III. 2.00, t>el!,e» dnenlge Ivear» m. 2.50, 3.00, beste schneeweiste IN. 3.50, russische Taunen llt.Z.SO, weiße bahm. Dannei, IN. 5.00, ae< rifiene �Scrn UI t.50, 2.00, 3,50. Prima gerissene M. 3.00, 2.50. virsand gegen Nachnahme. LllßtSV I.v8tig. orw�'aß?�. Zrste Bettfedernfabrik m. clecle. Beliebe, vi?:? Anerkennunysschreib. er. ZI«! i.Hiiii6u.A«chlnfler 2 Treppen rechts Specialarzt f.Hant-n.HitrnIcidc». 10—2, S-7. SanutaaS 10-12. 2-4.« VÄpLSr. AAuug! iincrötag, den 4. Jannar IflvO, nachmittags S>ch Uhr, bei Herrn ivuSkc, Grcnadierstr.»Z: der Baudeputierten. TageS-Orduung: Wie halten wir die Errungenschaft deS Streiks aus- redit?— Jeder Bau muß vertreten seilt. 1103/11 H. David. AAmlg! Putzer» AAnng! Am Tonuerstag, den 4. Januar, abend? v llhr, im Lokal dcS Herr« Schiller, Roscnthalerstr. S7: Sitzung der Baudepntierten. Kollegen, es muß jeder Bau verirete» seilt. 131/1_ I. A.: Kranz Sclmltz. B. Gilnzel, Lottrlngerslr. 52. Lassalle, Riarr k. in Eigarrenspitzeii. Pfeikeih Nadeln, Brechen. Knäpseu, Bülten Bildern ii. dgl., sowie scde Drechslerware u. Repar.(Man verl. PreiScvurant.) IahiliiMiche Voliklimlt 34422" fiir Unbemittelte. Sprechftnnd« Vvli' 3>/--SVa»»d 12l/,-l>/, Uhr. _ Chtcliu, Elisabeihstroffe 34. Großes Lager. ÜB Übel und Polslerwaren, Arbeit, Sußerst billige M Preise, empfiehlt-»« Reicheiidcrgerstr. 5. 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Friedrich- WilheluistadtischeS. Im weihe» Röh l oder: AIS ich wiederkam... Ansaug 8 Uhr. Belle- Alliance. Gastspiel des Schlierieer Baneru- Theaters. Der Aincrikaseppl. Ans. 8 Uhr. Metropol.«pecialitätenvorstcllnng. Tie verlehrte Welt. Ansang 3 Uhr. sttpollo. Specialitöle»- Lorslellnng. Im Reiche des Jndra. Anfang 7>/z Uhr. Neichshalle». Stettiner Sänger. Ansang 7 Uhr. Palast, llleute von heute. Specials- läten-Lorstellnng. Ailf. 8 Uhr. Passage- Pauaplltiim. Speciali lnten-Lorslcllttttg. Urania. Jnvalideuslr.»7/KS Täglich abends von ö— 1V Uhr Sternwarte. Taubenstr. Der Sieg deS Mcnschcn über die Natur. Ansang 8 llhr. Unsnis l'nnll-nii-üt»'»-»»« � S J 5). Im Theater abends 8 Uhr: Der Sieg des Menschen üher die Natur. In vnlidcnftti'. 57/0!!: Tägl. Stcrimartc. Nachmittags 5—10 Uhr. "Passage-Paipticii.' Noch nie dagewesen: Sascha hebt mit den Haaren bis 300 Kilo Vorst, um 12, 4 und 9 Uhr. Anatomisches Musenni Diensita�N tut* Damen. Ooir von A'ea|>el(letzter Monat vor der Ueberluhtung nach London). Specialitäten-Vorstellung von 7-— lOVa Uhr. Carl W eiss-Theatep Gr. Franksurlerslrasie Uta. füiiürr der Wie. Anfang 8 Uhr. Borzugsbillets haben Gültigkeit. Morgen: Dieselbe Lorstcllung. ™ CASTANS™ Ipanopticum Gr. Weilmaclits- 6(|lllfr-l|c(itfr «Wallner-Theater». Mittwoch, abends 8 Uhr: Du» lilillielie» v«» Heilbronn. Grobes hislor. Ritterschauspiel in 5 Akten von Heinrich von Kleist. Donnerstag, abends 8 Uhr: In DeihnnillnnK. Freitag, abends 8 Uhr: _ In Belinndlnns. (tnitunl-C lzrntev Direktion: Jose Ferenczy. DV Nur noch kurze Zeit! D i v G v i s h n. Anfang 7,/, Uhr. Morgen und folgende Tage: Die- selbe Vorstellung. Sonntag, nachm. 3 Uhr, zu halben Preisen: lloccnccl« von Franz v. Supps. Thalia-Theater. Tel. AmtIVa 6440. Dresdeners tr. 72/73. Noch nie dagewefener Grfolg k Jnl Hinlmelhof. Grobe Ausstattungsposse mit Gesang und Tanz in 3 Akten von I. Kren und tU Schönfeld. Musik von M. Schmidt. Hauptrollen: Emil Thomas, Guido Thielschcr, Fritz He.mcrding, Hans Jnnkermann, Herbert Paul- miillcr, Marg. Araiev, Ada Milani. Im 2. Alt: Lebende ZlnsichtS- Postkarten(Finale). Anfang 7-/, Uhr. Morgen und folgende Tage: Im Himmelhof. An88t6lIuN/.,Uhr. Anfang 7>/zvhr. Naedrs'kliellier Dr'nnien«tl'»«sv 34. Täglich: Tlofh und Süd. Operette in 1 Alt von Linderer. .A.n!>is und Itrim» VUlircr, Original-Lerwandlungsdnett. The ttvu ISi'uchi'oords, Akrobaten. Anfang 9 Uhr. Kassenerüssnllng 7 Uhr. ßehrenstr. 55/57, Dir.; Rieh. Schultz. Neue Debüts! Liane de Vrles, Paullne d'Argent, Llttle Cartsen, Rapoll, Carmen Rosario, The Cllves, Mary Wolf, sowie das vollständig neue Um» Uhr 30: Die Scnsations-Novität vis yerMite Welt mit der feenhaften Truppen-Revue. Anfang 8 Uhr. ZotlNbeilii, ö. Zliiltlar: Erster großer Hetropol-IIiesler- «sskev-ösl!. Alles Nähere besage» die Plakate an den Säulen. £iaH«si4mvi Kottbiiscrstr. 4 a. Heute Mitiwoch: Hoffmanns Norddeutsche Sänger. rf. 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