Interhallungsblatt des Horwärts $tt. 42. Dienstag den 2. März. 1909 lNachdnick vervsl«!.) 41] Oas täglid�e ßrot. Roman von C. V i e b i g. Gegen neun Uhr kam Truhe. Berta hatte sie vom Ge- schäft abgeholt. Sie waren beide sehr lustig und lachten übermütig. Und doch war ihr Lachen keine Wohltat: Vater Reschke sah mißmutig drein. „Nanu, was's denn da los?!" „Wir sind einjeladenl" Trude drehte sich wirbelnd auf einer Fußspitze herum, faßte dann Berta um die Taille und tanzte mit ihr in die Kammer hinein. Von wem denn?" rief Mutter Reschke ihnen nach, ihre Neugier erwachte doch ein wenig.„Von Ladewichen?!" „I wo!" Ein Helles Kichern Trudes antwortete. „Wat se nu wieder uf'n Kieker hat!" Mutter Reschke schüttelte den Kopf und rückte sich bequem zurecht.„Wenn er sich man bloß erklärte! Du mußt ihn mal den Daumen ufn Ooge drücken. Reschke! Det's doch keene Art. er knutscht ihr ab. aber„erklären" is nich!" Sie seufzte und sank dann wieder in ihre Stummheit zurück. Drinnen in der Kammer machten die jungen Mädchen Toilette. Sie beeilten sich. Der Bräutigam hatte- seine Braut. das Fräulein, das mit Trude am selben Lager bediente, „versetzt" und wartete nun mit seinem Bruder und noch einem Freund des Bruders in einem Restaurant in der Nähe auf die beiden„Cousinen". Trude frisierte Berta: sie bauschte ihr das schöne Haar modern auf und brannte ihr Löckchen an den Schläfen und im Stacken. Lächelnd beschaute sich Berta im Spiegel: so erkannte sie sich kaum wieder, nicht von einer Dame zu unter- scheiden! Und dann bestreute sich Trude mit Reismehl: sie fand das seit einiger Zeit schön, wenn ihre Wangen so interessant bleich waren und ihre Augen dadurch dunkler erschienen und desto mehr funkelten. Berta mußte ihr mit aller Kraft das Korsett zuziehen, bis die Taille dünn war zum Durchknicken. So ausgerüstet, schickten sie sich zum Vergnügen an. Sie lachten in einem fort. Lachend stoben sie durch die Stube. hinaus zum Keller, ihr Lachen klang noch zurück, hell und grell und mischte sich mit dem warnenden Gekreisch der Klingel. die ihre eilenden Tritte unvorsichtig ausgeweckt hatten. Einsam saßen die Eltern. Selbst Elli war nicht da, die trieb sich schon seit dem Nachmittag mit Nachbarskindern herum— weiß Gott, wo die so lange steckte?! Nur ein Mäuschen kraspelte unterm Sofa, und im Schrank schrapten die Holzwürmer. 20. Kapitel. Der Frühling war rasch gekommen, sieghaft über Nacht. Der Flieder, der auf dem Sand der Mark so gut gedeiht, stand schon in blaurötlich schimmernden Blütenknospen, und die Kastanienbäume hatten die Kerzen ausgesteckt. Der Himmel zeigte ein tieferes Blau, die Sonne ein wärmeres Gold. Im Reschkeschen Keller herrschte immer noch graues Winterwetter. Frau Reschke war in den letzten Wochen sichtlich zu- sammengefallen, nicht grade mager geworden, das Fett war geblieben, aber das Pralle tvar weg. Das Fleisch hing welk. Noch immer war Artur nicht wieder da! Schon dreimal hatten sie in den„Lokalanzeiger" setzen lassen: „Artur, kehre zurück, alles ist Dir verziehen!" Er mußte es nicht gelesen haben. Und so scheuten sie die Kosten nicht und spendierten noch ein viertes und fünftes Mal. Weggeworfenes Geld! Die immerwährende Spannung nagte an Frau Reschke, und wenn sie einmal die Geschichte mit Artur ein bißchen vergaß, dann mußte sie sich über die Geschichte mit Trude schwach ärgern. Sie hatte so fest auf die Verlobung mit Ladewig gerechnet. Verliebt schien der doch genügend, alle Sonntag hatte er stundenlang dagesessen und sich feti«en lassen! Aber als ihm Vater Reschke, auf die mehrfache Vermahnung seiner Frau hin, zu Leibe ging, hatte er Ausflüchte gemacht. Und als Mutter Reschke ihrem Mann zu Hilfe annickte und Herrn Ladewig durch die Blume zu verstehen gab, daß er ihre Tochter stark kompromittiert habe und diese sich als seine Verlobte betrachten müsse, hatte er sich nicht mehr im Keller blicken lassen. Und auf einen Brief, den ihm die gekränkte Mutter in unumwundenen Deutsch schrieb, antwortete er einzig mit einer Bekanntmachung im„Lokalanzeiger", die Reschkes unter Kreuzband zugeschickt erhielten: „Meine Verlobung mit Fräulein Gertrud Reschke erkläre ich hiermit als aufgelöst. Hermann Ladewig, Geschäftsinhaber zu Köttbus." Das war zuviel! Frau Reschke brach fast zusammen. Von ihrer ewigen Redseligkeit hatte sie stark eingebüßt: Viertelstunden lang konnte sie in dumpfes Brüten versinken und hörte kaum, was die Käufer verlangten. Die Mägde fanden sie zu langweilig: ein Glück, daß Berta da war, sonst wären sie alle abspenstig geworden. Ja, wenn Frau Reschke die nicht gehabt hätte! Die war jetzt der rettende Engel: immer auf dein Posten, immer freundlich, immer wußte sie gerade das zu sagen, was die Leute gern hören wollten. Sie hatte noch keine Stelle, sechs Wochen saß sie nun schon bei Reschkes herum, aber lieber wollte sie noch länger warten, als irgend etwas annehmen, was ihr nicht paßte. Oft war sie schon nach einem Dienst gewesen, aber stets mit einem langen Gesicht wiedergekommen. Wo man sie ge- nommen hätte, gefiel es ihr nicht, und wo es ihr gefallen hätte, stieß sich die Dame an den? Zeugnis von Frau Selinger. Berta mochte noch so betrübt die Augen niederschlagen und mit bebender Stimme versichern, wie sichr man ihr unrecht getan, wie schändlich die neidische Köcknn sie angeschwärzt, das„nicht e h r l i ch" blieb. Das hatte dem Zeugnisbuch den Stempel aufgedrückt. Anfänglich hatte sich Berta weiter keine Gedanken dar» über gemacht, es war ihr ganz recht, sich nach der„Schin- derer" wie sie sagte, ein wenig auszuruhen: sie wurde rund» lich, wie eine Wachtel, von den vielen Schokoladepreßkohlen und Bonbons, die sie im Laden schleckte. Aber allmählich wurde sie unruhig, sogar ängstlich— würde das wirklich jetzt immer mit einer neuen Stellung so schwer halten? Auch fing sie an, des Kellers überdrüssig zu werden, zumal sie mit Trude nicht mehr zum Vergnügen gehen konnte. Diese wurde von der Mutter jetzt streng bewacht. Teil- nehmende Seelen hatten es Frau Reschke hinterbracht, daß Herr Ladewig sich dahin geäußert, er habe Trude sehr ge» liebt, er halte es aber mit„seiner Stellung" unvereinbar, ein Mädchen seine Braut zu nennen, das mit jedem poussiere, sich abends von fremden Herren ausführen lasse— nein, mit fremden Herren„rumtriebe", hatte er gesagt! Was sollten die in Kottbus sonst wohl denken?! So sehr sich auch Trude verteidigte und die Ohrfeigen der Mutter mit einer Miene beleidigter Unschuld hinnahm, so sehr auch Frau Reschke im Grunde ihrer Seele überzeugt war, daß nichts als Neid und gemeine Niedertracht die Ver» lobung hintertrieben, so wachte sie doch jetzt über die Tochter. Mit unerbittlicher Strenge hielt sie darauf, daß Trude sofort aus dem Geschäft nach Hause kam: wehe ihr, wenn sie eine Minute Luft geschnappt hatte! Dann regnete es Scheltreden und Vorwürfe und Ohrfeigen. Sie setzte ihr Elli zur Auf» passerin, und das kleine Ding sah etlvas, wo gar nichts zu sehen war, und verriet die Schwester um eine Handvoll Gerstenzucker. Wie eine Pflanze, die man aus fetter Erde in einen Topf mit Sand gesetzt hat. verkümmerte Trude. Blutleer und verdrossen saß sie abends nach Geschäftsschluß zu Hause» an dem mit zerrissener Serviette bedeckten Tisch, und bückte sich tief über die feirte Handarbeit. Sie hatte geschickte Finger» da hatte die Mutier denn gleich ein weißes Kleidchen für Elli angeschafft, das sie mit reicher Stickerei versehen mußte» Und Hemden- und Hoseneinsäbe für die eigne Ausstattung sollte sie auch arbeiten. Im stillen hoffte Frau Reschke immer noch— vielleicht« daß sich Ladewig doch wieder anfand! So hoffte sie a«f zwei Flüchtlinge. Oft ließ Trude mit einem verzweifelten Seufzer die Arbeit in den Schoß sinken, stampfte mit dem Fuß, und ihre Blicke voll brennenden Glanzes irrten an den düstren Wänden auf und nieder. Draußen war Frühling, warmer himmlischer Frühling. In den Zelten Musik,— im Tiergarten gingen die Pärchen spazieren,--— und sie mußte im dumpfen Keller sitzen I Sie hob die Arme, wie ein gefangener Vogel die Kraft seiner Schwingen prüft. Im Käfig! Selbst Sonn- tags. Auch Berta war der Sonntag gestört; sie hatte stark auf Trude gerechnet, denn ihre meisten Bekannten waren der- zogen, durch den großen Ziehtag, den 1. April, in alle vier Winde versprengt. Wer konnte denen nachlaufen, nach Moabit, nach Pankow, oder Gott weiß wohin�j (Fortsetzung folgt.) �Nachdruck verboten.) � Der Goldkafen Von E. A. Poe. Mein Freund schlug nun mit vieler Sorgfalt, genau an der Stelle, auf welche der Käfer niedergefallen war, einen Pflock in den Boden und zog ein Maß aus Zwirnband aus seiner Tasche. EinS der Enden des Maßes befestigte er an dem Punkte des Stammes, der dem Pflocke am nächsten war und entfaltete es dann so lange, bis eö an den Pflock reichte, und vom Pflocke ab in der durch Baum und Pflock nun einmal angezeichneten Richtung noch etwa fünfzig Fuß weiter— Jupiter mußte das dabei im Wege stehende Brombeergebüsch abmähen. An dem so erreichten Orte wurde ein zweiter Pflock in die Erde geschlagen, und um diesen als Mittel- Punkt ein roher Kreis von ungefähr vier Fuß Durchmesser ge- zogen. Legrand ergriff nun selbst einen Spaten, gab Jupiter und mir ebenfalls einen in die Hand und bat uns, so rasch wie nur möglich zu graben. Ich habe nie in meinem Leben Vergnügen an dergleichen Ar» beiten gehabt, und hätte in diesem Augenblick ganz besonders gern auf sie verzichtet, denn die Nacht kam heran, und ich war von den vorausgegangenen Anstrengungen ziemlich müde geworden. Doch fand ich keine Ausrede und fürchtete, mrinen armen Freund durch eine einfache Weigerung in unnötige Aufregung zu versetzen. Hätte ich mich auf Jupiter verlassen können, so hätte ich leinen Augenblick gezögert, den Irrsinnigen mit Gewalt nach Hause zu bringen, doch kannte ich den alten Neger zu gut. um hoffen zu dürfen, daß er mir unter irgendwelchen Umständen gegen seinen Herrn beistehen werde. Jck> zweifelte keinen Augenblick mehr, daß Legrand, wie so viele Südländer, dem Aberglauben an vergrabenes Gold zum Opfer gefallen, und daß er durch den gefundenen unbekannten Käfer oder vielleicht durch Jupiters hartnäckige Behauptung, derselbe fei von wirklichem Golde, in seiner fixen Idee bestärkt worden war. Ein an sich schon zu Phantastereien neigender Mensch konnte durch solche Vor. stellungen nur zu leicht noch mehr verwirrt werden, besonders. wenn diese Vorstellungen mit seinen früheren Lieblingsideen in Einklang standen, veberdies erinnerte ich mich der Worte des armen Kerls, der Käfer bedeute großen Reichtum. Im großen ganzen war ich sehr verstimmt und ärgerlich, doch beschloß ich zum Schluß, aus der Not eine Tugend zu machen und aus vollen Kräften zu graben, um dem Irren recht bald durch den Augen» schein zu beweisen, wie töricht seine Hoffnungen-gewesen. Wir zündeten die Laternen- an und begannen mit einem Eifer zu arbeiten, der einer vern. aftigeren Sache wert gewesen wäre. Als der Schinimer der Laternen auf uns und unsere Werk- zeuge fiel, drängte sich mir der Gedanke auf, welch malerische Gruppe wir bildeten und wie seltsam und verdächtig unsere Arbeit jedem Menschen erscheinen mußte, der uns vielleicht zu- fällig gewahrte. Wir gruben ohne Unterbrechung zwei Stunden lang; ge- sprachen wurde wenig, denn wir halten genug zu tun, um dem Gebell des Hundes, den unsere Arbeit außerordentlich zu intcr- essieren schien, durch häufige Zurufe ein Ende zu machen. Zum Schluß bellte da? aufgeregte Tier jedoch so ungestüm, daß wir fürchten mußten, die Anfmerksamkert etwaiger später Wanderer zu erregen— oder vielmehr Legrand fürchtete es; mir wäre jede Störung nur angenehm gewesen. Endlich machte Jupiter dem Lärm ein Ende, indem er mit verbissener Entschlossenheit aus der Grube herausstieg, dem Tiere mit einem seiner Hosenträger das Maul zuband und mit zufriedenem Grinsen wieder an seine Arbeit ging. Nach Verlauf von zwei Stunden hotten wir eine Tiefe von fünf Fuß erreicht, ohne daß das geringste Anzeichen eines ver« grabcnen Schatzes zutage gekommen wäre. Wir machten alle eine Pause, und schon gab ich der Hoffnung Raum, daß sich die Komödie ihrem Ende nähere. Legrand jedoch wischte sich, obgleich ein tßcnig irre gemacht, die Stirne ab und begann von neuem zu graben. Wir hatten den ganzen, vier Fuß im Durchmesser großen Kreis ausgegraben und gruben nun ein wenig über die Grenze hinaus und noch zwei Fug tiefer. Der Goldsucher, den ich eigentlich herz- lich bemitleidete, kletterte endlich aus der Grube heraus. Bitterste Enttäuschung malte sich in all seinen Zügen, und zögernd und widerwillig zog er seinen Ucberrock, den er zur Arbeit ausgezogen hatte, wieder an. Ich enthielt mich aller Bemerkungen, Jupiter al>er begann auf ein Zeichen seines Herrn die Gerätschaften zu» sammenzupacken. Als dies geschehen und der Hund seiner Fesseln entledigt worden war, machten wir uns in tiefer Stille«uf. nach Hause zu gehen. Wir hatten etwa zwölf Schritte gemacht, als Lcgrand mit einem lauten Fluch auf Jupiter zustürzte und ihn am Kragen packte. Der erstaunte Neger riß Augen und Mund so weit ex nur konnte auf, ließ die Spaten fallen und sank auf die Knie. „Du Schuft/ schrie Legrand und zischte die Silben zwischen den zusammengepreßten Zähnen hervor—„Du infernalischer, schwarzer Hund— sprich, sage ich Dir!— antworte mir im Augen- blick und ohne Umschweife— welches— welches ist Dein linkeS Auge?" „O lieb gut Massa Will, sein nicht dies gewiß mein linkeS Auge?" brüllte der erschrockene Neger, legte seine Hand auf sein rechtes Sehorgan und ließ sie mit solch verzweifelter Hartnäckigkeit auf demselben liegen, als fürchte er, sein Herr werde es ihm im Augenblick ausreißen. „Dacht ichs doch!— Wüßt ichS doch— hurra!" schrie Legrand. ließ den Neger los und führte zum Erstaunen des Dieners eine Reihe von Courbetten und Pirouetten aus, während Jupiter sich von seinen Knien erhob und stumm von seinem Herrn auf mich und von mir auf seinen Herrn blickte. „Kommen Sie, wir müssen zurückgehen," sagte diesei endlich. „das Spiel ist noch nicht aus," und schritt wieder auf den Tulpen- bäum zu. „Jupiter," rief er, als wir an seinem Fuße angekommen, „komm her. War der Schädel mit dem Gesicht nach außen oder in das Laubwerk hinein angenagelt?" „Gesicht nach außen, Massa, das Krähen konnten ohne Müh« an die Augen." „Gut! Hast Du nun den Käfer durch dieses oder dieses Auge herabfallen lassen?" Hier berührte Legrand jedes von Jupiters Augen. „Durch dies Auge, das linke Auge, genau wie Massa haben gesagt," beeilte sich Jupiter zu antworten und legte die Hand auf sein rechtes Auge. Jetzt entfernte mein Freund, in dessen Irrsinn ich nun eine Methode zu entdecken glaubte, den Pflock, der die Stelle bezeichnete, an welcher der Käfer heruntergefallen war, und schlug ihn etioa drei Zoll weiter westlich wieder ein. Dann führt« er das Maßband vom nächsten Punkt des Stammes wieder an den Pflock, und von dort in gerader Richtung fünfzig Fuß weiter bis an einen Punkt, der von dem ersten, an dem wir gegraben hatten, mehrere Ellen entfernt war. Um diesen Punkt beschrieb er nun einen etwas größeren Kreis als den vorherigen und ermunterte uns, von neuem tapfer zu graben. Ich war entsetzlich müde und dennoch fühlte ich zu meinem eigenen Erstaunen keinen Widerwillen mehr gegen die mir aufgedrungene Arbeit. Unerklärlicherweise hatte ich plötzlich Interesse für die Sache bekommen, ja, ich fühlte mich von einer mir selbst unerklärlichen Aufregung ergriffen. Vielleicht lag in dem extravaganten Wesen Legrands etwas, das Eindruck auf mich machte. Ich grub mit Eifer darauf los und ertappte mich hin und wiedeo dabei, wie ich mit einem Gefühl, das der Erwartung sehr ähnlich sah, nach dem eingebildeten Schatz spähte, der meinem unglückseligen Freunde den Verstand geraubt hatte. Als wir ungefähr ändert- halb Stunden gegraben hatten und mich solch unbestimmte Ge- danken gerade besonders stark beschäftigten, wurden wir durch das heftige Heulen unseres Hundes in unserem Schweigen unierbrochen. Seine frühere Lebhaftigkeit war offenbar nur Uebermut und Toll- heit gewesen, diesmal jedoch klang sein Gebell aufgeregt und wütend. Als Jupiter abermals den Versuch machte, ihm das Maul zu verbinden, leistete er verzweifelten Widerstand, sprang in das Loch und kratzte mit größter Heftigkeit die Erde zur Seite. In wenigen Sekunden hatte er eine Menge menschlicher Gebeine bloßgelegt, die sich zu zwei vollständigen Skeletten zusammensetzen ließen und zwifchen denen verschiedene Metallknöpfe, sowie Flocken. die wie vermoderte Wolle aussahen.verstreut lagen. Ein oder zwei Spatenstiche förderten die Klinge eines großen spanischen Messers zum Vorschein, ein paar weitere drei oder vier Gold- und Silber- münzen. Beim Anblick derselben bemächtigte sich Jupiter» eine kaum- zu bezähmende Freude, während sich in den_ Zügen seines Herrn äußerste Enttäuschung malte. Dennoch drängte er un», mit der Arbeit fortzufahren, und hatte kaum ausgeredet, als ich stolperte und nach vorwärts fiel, weil ich mit meiner Stiefelspitze in einen großen Eisenring geraten war, der noch halb begraben im Boden lag. Nun arbeiteten wir mit verdoppeltem Eifer weiter— nie, mals in meinem Leben durchlebte ich aufregendere zehn Minuten. Nach Verlauf dieser Zeit war es uns gelungen, eine längliche hölzerne Kiste freizumachen, die. nach ihr§r»ollk»mytenxn Er« Haltung und wunderbaren Härte zu schließen, einem chemischen Prozeß, dielleicht einer Behandlung durch Bichlorid und Queck- silder unterworfen worden war. Die jdiste war drei und einen halben Fuß lang, drei Fuß breit und zwei und einen halben Fuß hoch. Sie war durch Bänder aus Schmiedeeisen, die sie wie ein kitter ganz umgaben, wonl verschlossen. An jeder Seite der Kiste, ziemlich hoch oben, befanden sich drei Ringe— im ganzen sechs—, so daß Personen sie mit Leichtigkeit aus der Grabe herausheben konnten. Unseren vereinigten äußersten Anstrengungen gelang es jedoch nur, die Kiste ein ganz klein wenig von der Stelle zu rücken, und wir sahen ein, daß es ganz unmöglich sei. eine so un- geheure Last wcirer zu bewegen. Glücklicherweise bemerkten wir jedoch, daß der Deckel nur durch zwei verschiebbare Bolzen befestigt war. Vor Aufreg eng bebend und keuchend schoben wir sie zurück. Einen Augenblick später glitzerte uns ein Schatz von unberechenl.wem Weae entgegen. AIS die Strahlen der Laterne in die Grube fielen, blitzte und glühte es von Gold und Juwelen, so daß wir vollständig geblendet wurden. Ich will nicht versuchen, di>"'-fühle, mit denen ich den Schatz anstarrte, zu beschreiben. Zuerst.e'"de ich mir eines endlosen Erstaunens bewußt. Legrand schien vor E:egung ganz erschöpft und sprach nur sehr wenig. Jupiter war so bleich geworden, wie es einem Neger überhaupt nur möglich ist. Er stand ganz ent- geistert da— wie vom Donner gerührt. Dann sank er in der Grube aus die Knie, begrub seine beiden Arme bis an die Ell- bogen in dem Golde und ließ sie darin ruhen, als wolle er die Wollust eines solchen Bades ganz auskosten. Endlich rief er, tief aufseufzend, als rede er nur mit sich selbst: „Und alles sein gekommen von Goldkäfer! Der hübschen Gold- käfer! der armen, kleinen Goldläser! Ich sein gewesen grausam zu armen, kleinen Goldkäfer. Schämen Du Dich nicht vor Dich selbst, Nigger? Sag mich das!" sFortsetzung folgt.) Oer �aiibenkolomst als Gärtner und Kleintierzüchter. Die Blumen im Kleingarten. Von jeher haben neue Pflanzen, mögen sie nun aus fernen Ländern eingeführt worden sein ober gärtnerischer Züchtungslunst ihre Entstehung verdanken, auf alle, die sich mit Gartenbau be- schäftigen, einen hohen Reiz ausgeübt. Jeder, und mag er seine Parzelle auch mit noch so bescheidenen Mitteln bearbeiten, machte gern etwas Neues, etwas anderes auf seinem Grund und Boden haben, was die Nachbarn nicht besitzen. Dieser Sucht nach dem Neuen und Eigenartigen tragen zahlreiche Gärtner in aller Weit Rechnung, große Weltfirmen, indem sie eigene Sammler nach botanisch noch wenig durchforschten Ländern schicken, mit dem Austrage, neue, schöne Pflanzen zu sammeln, und andere wieder, indem sie in ihren eigenen Kulturen Kreuzbefruchtungen ausführen, um Bastarde zu züchten, die wirkliche Verbesserungen bisher bekannter Gartenjorten darstellen. Diese Arbeiten werden in den Kulturen europäischer Länder im Stillen ausgeführt, während man in Amerika mit Riesen. reklame vorgeht. Einer der größten amerikanischen Reklamezüchtew der nicht nur in seinen Katalogen mit ungeheuerem Wortschwall seine oft sehr zweifelhaften Züchtungen anpreist, sondern auch bei uns in Deutschland eine ziemlich groß�Zahl fleißiger HeljersLelser besitzt, die für ihn in die Posaune stoßen, ist Luther Bucdank in Santa-Rosa, Kalifornien. Mit ganz besonderer Vorliebe läßt er sich„Pflanzenzauberer" nennen, und als solcher ist er in ver- breiteten deutschen illustrierten Zeitschristen(der„Woche" und in „Neber Land und Meer") von Leuten gefeiert worden, die ihr ganzes Wissen auf die Reklamepublikationen DurbankS selbst stützten. Amerikanische Reklame ist aber nicht billig und dem. entsprechend sind amerikanische Neuheiten gewöhnlich recht teuer. Man braucht nur an die sogenannte 6000 Dollar-Nelke und oj; die 20 000 Dollar-Rose zu erinnern, nach der, wie man zu sagen pflegt, heute kein Hahn mehr kräht. Den Gartenfreunden, die ihr Geld nicht zum Fenster hinauswerfen wollen, kann nur der gute Rat erteilt werden, ihr Geld in der Tasche zu behalten, und nicht aus marltschreierische Reklame hineinzufallen. Die schlechten Neuheiten verschwinden sehr bald wieder, zahlreiche Gerupfte zurücklassend, dre guten werden überall schnell in Kultur genommen, dann in vielen Gärtnereien in großen Massen herangezogen, und eine Folge davon ist ein starker Preisfall, der in längstens zwei bis� drei Jahren jedermann die Anschaffung ohne größere Opfer ermöglicht. Jetzt, wo nach ungewöhnlich lmigem und ziemlich strengem Winter der Frühling wieder seinen Einzug halten will, legt sich auch der Laubenkolonist und Kleingartenbesitzer wieder die Frage vor, mit welchen schönen und interessanten Pflanzen er seine Rabatten und Beete besetzen soll. Es find gerade um diese Zeit einige gut- gemeinte Ratschläge willkommen. Bon den Zierpflanzen, die wir lediglich ihrer hübschen Blumen halber anpflanzen, werden in erster Linie diejenigen bevorzugt, die entweder im Freien Jahre Hindurch auLdauern und sich hier mit Leichtigkeit verwehren lassen, efet«her solche, die in einfacher Weise ztt überwintern sind und dann, im Frühling des folgenden Jahres gepflanzt, aufS neue e» freuen. Pflanzen erstgenannter Art sind die ausdauernden Stauden, von denen es jetzt wahre Prachtsorten gibt. Eine der herrlichsten Stauden, die überhaupt den deutschen Garten schmücken, ist unsere deutsche Schwertlilie(Iris germanica) mit schwertförmigen, wachsartig überhauchten Blättern. W"d wachsend kommt diese Pflanze in Deutschland nicht mehr vor. Höchstens hier und da einmal verwildert. In einigen Laubenkolonien ist sie aber ziemlich ver- breitet; diese Verbreitung ist begründet in ihrer leichten Ver- mehrungsfähigkei! durch Teilung alter Stauden, bei denen auch das kleinste Stückchen des dicken, kriechenden Wurzelstammes weiter- wächst. Hier und da kann man die Nachkömmlinge einer einzigen Pflanze durch Dutzende von Gärten verfolgen. Eine gewisse blaß- gelbe Sorte, eine andere hellblaue und dann wieder eine recht groß» blumige tiefblaue sind in vielen Kolonien verbreiiet und bilden in manchen Kleingärten den einzigen Rabattenschmuck. Die Gattung trägt ihren Namen nach der Göttin des Regenbogens. im Hinblick auf den vielseitigen Farbenschmuck mancher Blüten, von denen einige tatsächlich fast alle Regenbogenfarben zeigen. Was der Stieglitz unter den Vögeln, das ist die Iris unter den Garten- blumen. Die Blüten duften köstliche sind von wunderbarer Form, die äußeren mit je einem Bart versehenen Blütenblätter nach außen zurückgeschlagen, die inneren halbkreisförmig gegeneinander geneigt, einen sogenannten Dom bildend. Es gibt kaum eine kostbare Treib, Haus-Orchidee, die sich an Schönheit mit gewissen Iris messen kann, nur ist die Blütendauer letzterer eine kurze, doch blühen im Juni an jedem Schaft mehrere Blumen nacheinander auf. In aller- neuester Zeit sind auch in Deutschland durch Krcuzungsbefruch, tungen von diesen Iris wunderbare Gartensorlen gezüchtet worden, die alle bisher verbreiteten in den Schatten stellen. Achnliche Prachlblüher sind auch die Gladiolen. Die flachen, häutigen Knollen dieser Gewäaise können vom März ab einige Zentimeter tief in den Garten in vorher gegrabenen, aber nicht frisch gedüngten Boden gepflanzt werden. Wenn man bis Mai in Zwischenräumen von zwei zu hwei Wochen immer eine kleine Anzahl der Knollen pflanzt, so erzrelt man einen dauernden Flor vom Juli bis zum Eintritt der Fröste, denn je später gepflanzt wird, um so später erfolgt die!ölüte. Jede Gladiolenknolle treibt einen stattlichen Blütenschaft, an dem sich eine einseitswendige Rispe großer, weit geöffneter Blüten entfaltet. Sie sind wunderbar gefärbt, weiß, gelb, und dann wechseln wieder die Farben vom zartesten Rosa und Lila, bis zum tiefsten Rot und Blau, oft auch prächtiger Tusch- und Schlundzeichnung. Die blau blühenden Sorten sind neuere, sehr geschätzte Züchtungen. Bei einer Garten- forte, der sogenannten Praecox-Gladiole, gelingt es sogar. auS Samen in einem Jahre blühbare Pflanzen zu erzielen. Auch ab- geschnitten sind diese Gladiolen zum Schmuck vor. Blnmenvasen hervorragend geeignet. Man schneidet sie. sobald sich die unterste Blüte der Rispe öffnet, worauf dann im Zimmer nach und nach von umen nach oben eine um die andere Blüte bis zur Spitze noch zu voller Entwickelung gelangt. Nimmt man im Spätherbst die Pflanzen aus der Erde, so macht man die Beobachtung, daß die alten Knollen zu einem unscheinbaren Gebilde zusammengeschrumpft sind, daß sich aber auf jeoer eine bis drei neue Knollen gebildet haben, die man von der wertlos gewordenen Mutterlnolle abbricht und. nachdem die Schäfte gurückgeschnitten sind, bis zur Pflanzzeit im nächsten Jahr« trecken und frostfrei aufbewahrt. Eine weitere, prächtige, in neuester Zeit zu Hoher Vollkommen- heit gebrachte Mütenpflanze ist die Edeldahlie mit gleichfalls knollenartigem Wurzelstock. Die Dahlien find srostempsindlich und können deshalb erst von Mitte Mai ab gepflanzt werden. Jede Knolle muß einen kräftigen Pfahl erhalten, wie solche für Rosen» stamme üblich sind. Am besten setzt man zuerst den Psahl und pflanzt erst dann die Knolle dicht neben diesen. Verwendet man Dahlien zum Schmucke der Rabatten, so muß der Abstand von Knolle zu Knolle iMt Meter betragen. Dw erscheinenden üämmigen Hauptiriebe werden an den Pfahl angeheftet, die Nebentricbe läßt man unberührt wachsen. Die Hohe schwankt bei den einzelnen Sorten; es gibt niedrige von 80 bis 100 Zentimeter und solche von IVa bis 2 Meter Höhe. Beliebt sind die Sorten mit hübschen, großen, sternförmigen, aus röhriggerollten Blumenblättern zusammen» gesetzten Blüten, die auf starken Stielen hoch über dem Laube er- blühen. Die Hauptfarbe ist rot. com zartesten Rosa und Violett bis zum tiefsten Schwarzrot sind alle Schattierungen vertreten. Da» neben gibt es weiße und gelbe Blumen, aber, wie bei der Rose, so fehlt auch hier die richtige blaue Farbe. Ter Flor beginnt in der Regel im August und dauert bis zum Eintritt der Fröste. Nachdem das Kraut erfroren und über den Knollen abgeschnitten, werden letztere rasch ausgenommen und in einen frostsreien Keller, in trockenen Sand eingeschlagen, überwintert. Eine fast ebenso zu behandelnde und zu überwinternde K nolle npslanz« ist die Sauna, zu deutsch Blumenrohr. Auch hier sürd alle Farben der Edeldahlien vertreten. Die Saunas habe» prächtige, breite Blätter, teils grün, teils rot, und sind deshalb auch wirlungsvollc Blattpflanzen. Die Blütenrispen erheben sich hoch über das Laubwerk und ergänzen sich immer und immer wieder durch neue Austriebe aus den Knollen, so daß der Flor vom Vorsommer bis zum Oktober kein Ende nimmt. Unter den S o m m e r b l u me n. doS heißt, unter den ein- jährigen Blutenpflanzen, die, jetzt ausgesät, bald zu voller Ent» Wickelung gelangen, mit Eintritt des Winters aber absterben, be» findet sich eine neue Einführung aus Namagualand in LüdaftLq, Dimorphst Ii eca aurantiacS, eine 80 bis 35 Zentimeter hoch uits 40 bis 50 Zentimeter breit werdende Pflanze mit prachtvollen, dnnkelorangefarbi�en Blüten von der Art einfacher Chryfai themen. Ueverall, wo diese her.-liche Blüherin bekannt wurde, hat man ihren hohen Wert erkannt. Diese Neuheit wird eine hübsche, außerordentlich dankbar blühende Einfassungspflanze abgeben. Man kann sie aber nicht direkt in den Garten säen, sondern muß die Saat unter GlaS ausführen, entweder im Zimmergartcn oder unter Glasglocken. Letztere, in Frankreich allgemein gebräuchlich und sehr billig(etwa 75 Pf. pro Stück), sind bei uns leider wenig bekannt. In der Regel sind diese Glasglocken unten 41 Zentimeter breit und 36 Zentimeter hoch. Vier bis fünf solcher Glocken ersetzen etwa ein Mistbcetfenster. Im Freien machen sich diese Glasglocken sehr nützlich; einmal kann man bessere Blumen unter ihnen aussäen, dann aber dienen sie auch zur ersten Weiter- kultur von Blumenpflänzlingen, von denen 50 bis 60 Stück unter eine Glocke gehen, zur Frühkultur von Salat(vier Pflanzen unter einer Glocke), sowie von Gurken und Tomaten. Allerdings er- fordern sie eine regelmäßige Bedienung, namentlich müssen sie später bei starkem Sonnenschein, wie Mistbeete, mit Lufthölzern ge- lüftet werden, weil sonst alles unter ihnen verbrennt. Kann man aber diese Arbeit und das Begießen regelmäßig ausführen, so ge- lingt es mit Hilfe von Glasglocken, nicht nur frühzeitig Blüten. sondern auch Frühgemüse, wie Kopfsalat, Kohlrabi und Karotten, Gurken usw. zu erzielen. Mit andauernd warmer Witterung nimmt man die Glasglocken ab und stellt sie beiseite.. In der kalten Jahreszeit kann man dann wieder mit ihrer Hilfe frühe Gemüse- setzlinge bis zum Frühling gesund erhalten. Mit dem Höhersteigen der Sonne wächst die Arbeit im Garten von Tag zu Tag; eine gute Zeiteinteilung, aber auch eine richtige, praktische und sachgemäß gchandhabte Ausführung der verschiedenen Arbeiten ist deshalb gerade jetzt von allergrößter Wichtigkeit. Leider fehlt es vielfach an der nötigen Sachkenntnis, und die Erfolge bleiben deshalb häufig in ganzen Lauben- und Gartenkolonien weit hinter den bescheidensten Erwartungen zurück. Hier und da findet man aber zwischen trostlos bewirtschafteten Parzellen auch solche. die sich durch vorzügliche Beschaffenheit ihrer Kulturen, durch Sauberkeit und Ordnung auszeichnen und immer und immer wieder betoundert werden. Diese Parzellen werden in der Regel von Liebhabern bewirtschaftet, die Belehrungen zugänglich sind, und sich durch den Gebrauch eines bescheidenen Verhältnissen Rechnung tragenden und auch auf bescheidenen Geldbeutel Rücksicht nehmenden GartenbucheS belehren. Ein solches, speziell für den Lauben- kolonistcn verfaßtes Schriftchen, ist„Der Kleingarten, seine Anlage, Einteilung und Bewirtschaftung", Preis 60 Pf., während„Das praktische Taschenbuch für Gartenfreunde", Preis 2,50 M., weit- gehenderen Ansprüchen genügt, und besonders den Garten- und Parze llen besitze r n jetzt zur rechtzeitigen Anschaffung empfohlen werden kann. Beide Bücher sind in der Buchhandlung des Vorwärts, Lindenstraße 69, erhältlich.&&• Kleines f euilleton» Volkswirtschaft. Der Kautschuk Brasiliens. Nächst Kaffee ist kein Artikel für die Ausfuhr Brasiliens so wichtig wie Gummi. Die Gesamtproduktion von Rdhgummi in Brasilien trägt seit Jahren etwa die Hälfte der W-lterzeugung. Fast sämtliche Bundesstaaten (mit Ausnahme der drei südlichsten) erzugcn mehr oder weniger lRohgummi. Das Hauptkautschukgebiet ist der Amozonenstcom mit seinen Nebenflüssen, und der in jenen Gegenden vorzugsweise gewonnene wertvolle Seringagummi, d. h. die aus dem Milchsaft der„Hevea brasiliensis" gewonnene Rohware, bildet den Hauptreichtum der Staaten des Amazoncngebietes: Amazonas und Grao Para. Fast alle Nebenflüsse de? ungeheuren Amazonenstromes fließen durch ausgedehnte Wälder, in denen diese Gummibäume in großer An- zahl wachsen und fast über das ganze Gebiet zerstreut sind, meistens in einzelnen Exemplaren zwischen den Urwaldbäumen, seltener in Gruppen vorkommend. Scringagummi wird daher in fast allen Waldungen, die jene Nebenflüsse umgeben, von denen die Haupt. sächlichsten bcr. Madeira, Purus, Acre. Uaco, Javary und Jurua find, in großen Mengen gewonnen. Auch in den zum Gebiet des Amazonenstromes gehörenden Wäldern, die den Fluß Guapore ein- schließen, sind große Reichtümer an Gummibaumen vorhanden, oie jedoch bis jetzt noch wenig ausgebeutet wurden. Die Gummi- ausfuhr Matto-Großos, des Staates, zu dem dieses Gebiet gehört, ist daher einstweilen nur eine beschränkte. Die beste Gummiqualität wird im Tal deS Amazonas von der JHevea brasiliensis" gewonnen. Die von diesem Baume ge- wonnenen Qualitäten unterscheiden sich der Güte nach in dreifacher Abstufung, je nachdem sie bei ihrer Gewinnung durch mehr oder weniger sorgfältige Behandlung in größerer oder geringerer Rein. heit oder sogar durch Zusätze von Sapium- und Hancorniasaft (von Gummiartcn niederer Qualität gewonnen) der Masse nach vermehrt auf den Markt kommen. Eine diesen drei besten Quali- täten nahestehende ist der„caucbo" von dem der allgemein zur Bs» Zeichnung des Gummi elasticum übliche Name Kautschuk stammt. Er wird von der„Castilloa elastica" einem im Amazonastal eben« falls weit verbreiteten Baume, gewonnen. Die Gummicrnte im Amazonasgebiet beginnt nach der Rögen- zeit. Im Mai, Juni oder Juli ziehen die Gummisammler, „Seringueiros" genannt, in die Wälder, um das wertvolle Produkt zu sammeln. Die Ernte dauert bis zum Wiedereintritt der Regen- zeit, die gewöhnlich im Dezember oder Januar, ausnahmsweise alier auch schon im November einsetzt. Die meisten Gummisammler bleiben wahrend der ganzen Dauer der Ernte, also monatelang im Innern in der Nähe der Flußläufe, indem sie ihren Aufenthalts. ort, je nach dem Erfolg des Gummisuchens, mehr oder weniger häufig wechseln. Ein geschickter„Seringueiro" verdient bis zu 15 Milreis täglich, nach jetzigem Kurs etwa 19 M. Manicobagummi ebenso wie Mangabeiragummi sind von wesentlich geringerer Bedeutung für Brasilien als der Seringa- gummi und erzielen auch auf den ausländischen Märkten bedeutend niedrigere Preise. Für die Produktion von„Manicoba", einer Sorte, die im Markt etwas höher als„Mangabeira" verwertet wird, kommt in erster Linie der Staat Bahia, nächstdem das Hinterland von Ceara und Maranhoa in Betracht. Das Hauptgebiet deS „Mangaboira", vulgärer Name für„Hancomia speziosa" ist ebenfalls das Hinterland von Bahia. Auch im Tale des Amazonas wird diese Gummisorte gewonnen, jedoch in geringer Quantttät. Die Gewinnung des Rohgummis wird auch heute noch im Gebiete des Amazonenstromes fast ausschließlich durch Raubbau betrieben. Man fällt entweder die kostbaren Bäume gleich und be» gnügt sich mit dem der Baumleiche entquellenden Safte, oder mau kerbt die Bäume mit der„Machete"(langes, schweres Messer) ein, was zwar nicht deren unmittelbares Eingehen bewirkt, sie aber trotzdem in verhältnismäßig kurzer Zeit dahinsiechen läßt, falls dem verwundeten Baum nicht jedesmal nach dem Anzapfen(Ein- kerben) eine mehrjährige Erholungszeit gegönnt wird. Der den Einkerbungen entquellende, rahmähnliche Saft wird meistens über hölzerne, ra derartige Formen geleitet, gewissermaßen gewichelt und auf diesen über Feuer getrocknet, wobei er mehr oder weniger vom Rauch geschwärzt wird. Zum Schluß wird die Kautschukhülle meistens aufgeschnitten und in Formen, die mit Brotlaiben mehr oder weniger Aehnlichkeit haben, in den Handel gebracht. Besonders der Staat Para. in dem die Gummiausbeutung schon seit Jahrzehnten in größtem Umfang betrieben wird, steht im Rufe einer bevorstehenden Erschöpfung der natürlichen, an und für sich bedeutenden Gummivorräte der Wälder. Stellenweise mag daS wohl zutreffen, denn die Gummisucher waren früher nicht besonders sorgsam bei ihrer Arbeit, und manche Bestände sind ihrer„Machete" zum Opfer gefallen. In letzter Zeit soll jedoch eine gewisse Schonung des jungen Nachwuchses zu konstatieren sein, und es sind auch schon von einigen Besitzern von Gummiwaldungen(SeringacS oder Gommales genannt) Anpflanzungsversuche vorgenommen worden. Vorderhand ist wohl eine Abnahme der Gummiproduktion deS Amazonasgebietes kaum zu befürchten, denn sogar der wegen des Raubbaushstems übel beleumundete Staat Para weist noch immer steigende Ernten auf. Astronomisches. Gibt es Wasser auf dem MarS? Die Untersuchung der Marsoberfläche nach dem Verfahren der Spectralanalyse hat neben der rein physikalischen Seite auch für die vielumstrittene Frage der Bewohnbarkeit dieses Planeten Bedeutung, da die Ab- Wesenheit von Wasserdampf in der Marsluft beweisen würde, daß Lebewesen auf dem Mars nicht zu existieren vermögen. Bereits vor einiger Zeit hat der Astronom Slipher, einer der Assistenten von Percival Lowell, dem eifrigsten Vorkämpfer der Bewohnbar- keitstheorie, die Mitteilung gemacht, daß er in dem Marsspectrum mit Sicherheit die dem Wasserdampf eigentümlichen Linien nach- weisen konnte, über deren Vorhandensein die im Lowell-Obscr- vatorium gemachten photographischen Aufnahmen keinen Ztveifek ließen. Es könnte zunächst erstaunlich scheinen, daß das ganze Problem überhaupt strittig sein konnte. Doch ist dabei zu bedenken, daß die Beobachtung mit dem Auge allein mit sehr starken Fehler» quellen behaftet und unsicher ist, während die photographischen Aufnahmen gerade in jenem Teil des Spectrums, der die in Frage stehenden Linien enthält, große Schwierigkeiten darbieten. Allein Slipher macht im„Astrophysikal Journal" nähere Angaben, wonach die Richtigkeit der Tatsache selbst außer Zweifel steht. Er verwandte eigens hergerichtete photographische Platten, die eine größere Deut- lichkeit ergaben und vermochte durch Verglcichung des Mars- spectrums� mit dem unter entsprechenden Bedingungen aufge- nommenen Mondspcctrum den verlangten Nachweis zu führen. Während fast alle anderen Linien in dem Marsspectrum bedeutend schwächer sind als in dem Mondspectrum, treten die Wasserdampf- linien außerordentlich deutlich hervor. Die Stärke dieser Linien in der Marsatmosphäre verändert sich auch nach dem Stande der Sonne zu dem Planeten. Erst weitere Beobachtungen können die Grundlage für eine Schätzung abgeben, wie beträchtlich der Feuchtigkeitsgrad der Marsatmosphäre sein mag. Doch stützen SlipherS Beobachtungen die Annahme von Schneekoppen an den Marspolcn und einer verhältnismäßig milden Temperatur auf seiner Oberfläche im Gegensatz zur Verödungstheorie. «eran'- Redakt- CarlWrrmutb. Berlm-Rirdort.— Druck u. Verlaac Vorwärt» Bucvdruckerei ujikrlaotanitalt Paul Sinacr LcTo.. Berlin S W.