Nr. 2. Abomttments-Kedingungea: vbonnemenlS-Prei! pränumerando: Vierteljahrs 3,30 Ml., monatl. l,I0 Ml., wöchentlich 23 Pfg. frei in» Haus. Einzeln« Nummer ö Pfg. Sonntags- Nummer mit tllusirterlsr EonntagS- Beilage„Die Neue Well" 10 Pfg. Post- Abonnement: 3,30 Marl pro Quartal. Eingetragen in der Post- Zeitungi» Preisliste für 10 00 unter Sr. 7071. Unter Kreuzband für Deutschland und ceflerreich- Ungarn 2 Marl, für da» übrige Ausland 3 Marl pro Monal. 17. Jahrg. Erschrwl iiiglich ausser Donlag». Berliner Volklsblntt. Die Instrlions-Vciiühr beträgt für die fechSgelpallene Kolonel- zelte oder deren Naum so Pfg:, für politische und gewerlfchaftltchc Vereins- und verfammlungS- Anzeigen SV Pfg. „Kleine Zinzelgeu" jede« Wort 5 Pfg. znur das erste Wort fet». Inserate für die nächste Nummer müssen biS i Uhr nachmittags in berExpsdilion abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen- tagen vtS 7 Uhr adcndS. an Sonn- und Jestiagen diS S UHr vormittags geöffnet. Fernsprecher: Ami I, Sr. 1500. Telegramm-Adresse: „Sorialdeinolirat Scrlin" Csntralorgan der sorialdemokratischen Partei Deutscisiands. Rrdaktivn: SW. 19, Ventlz-Skrasze 2. Donnerstag, den 4 Jannar ISvO. Expedition: LW. 19, Veutlj-Stras'ze 3. Frankreich im Jahre 1899. Paris, 31. Dczilmbcr. Es trifft sich, daß der Jahrcsschluff iu Frankreich diesmal ungefähr mit dem Abschluß der geschichtlichen Ereignisreihe zusammenfällt, in deren Mittelpunkt die Drehfus- Affaire stand. Ein Vergleich zivischcn Anfang und Ende des verflossenen Jahres kennzeichnet am deutlichsten die von Frankreich 18Ü!) durchgemachte Entwicklung. Das Fahr begann unter der kaum niit einem Feigenblatt bedeckten Herrschaft der klerikal luilitä- rischen Reaktion, unter dem„gesetzlichen" Staatsstreich des Kabinetts Dupuy und des von den Prätorianern terrorisierten Parlamente gegen die Äriminalkaminer des Kassationshofes, unter dem offenen und straflos gebliebenen Staatsstreichsversuch Deroulödes-Gcncral Rogets gegen die Republik. Das Kabinett Dupuy, dem Namen und der persönlichen Zusaninlcnsetzung nach ein gemischtes opportunistisch-radikales„Konzentrations"- Kabinett, war thatsächlich ein Werkzeug der prätorianischcn Parteien. Die generalstäblcrische„Liga des französischen Vaterlandes", eine akademische Verfeinerung und Ver- hcuchelung der offenen StaatsstreichS-Ligucn der Deroulöde- scheu„Patrioten", der Antisemiten und der Royalisten, teilte sich mit diesen in die Nebenregicrung, welche der offiziellen Regierung ihren Willen aufzwang, oder vielmehr diktierte, ohne auf den geringsten Widerstand zu stoßen. Ter Verrat loderte überall— vom Präsidcntenpalais, wo der Emporkömmling Felix Faure thronte, bis herab zur Polizei- Wachtstube. Nie hat ein bestehendes Regime so arge Zeichen der Verzweiflung an seiner eigenen Daseinsberechtigung gegeben wie zu jener Zeit die VourgcoiS-Repnblik. Nie haben die offiziellen Wächter eines bestehenden Regimes so cynisch dessen Feinden in die Hände gearbeitet. Alle republikanischen Einrichtungen schienen nicht nur. sondern waren wirklich voll ständig ausgehöhlt, eine fadcnschciinge Hülle, die jeden Augenblick zu platzen drohte. Die Republik schien nur noch in- folge der Trägheitskraft fortzubestehen... Ein ganz anderes Bild bietet uns das Jahresende. Die prätoriaiiischen Parteien find auf der ganzen Linie zurückgeschlagen, in die Defensive gedrängt. Ihre Anführer harren zum Teil im Gefängnis der Verurteilung durch den Staatsgerichtshof, zum Teil müssen sie sich ini grimmigen Gefühl ihrer Ohnmacht mit wehleidigem Klagen und grobem Geschimpfe begnügen. Die Republik wird endlich von treuen Republikanern regiert, die in der Abwehr eine große Energie gezeigt haben, weirn sie auch freilich im Angriff desto schwächlicher auftreten. Es giebt keine Nebenregicrung mehr. Die Militär- und Eivilbcamtcn wissen und fühlen das und richten sich danach Präsident Loubct, Ministerium und Parlamcntsmchrhcit arbeiten Hand in Hand, von demselben republikanischen Ge- danken durchdrungen. Das Parlament hat sich gründlich von dem Einfluß dcS prätorianischcn TerroriSMus befreit. Jeder Angriff auf die„Regierung der republikanischen Verteidigung" stärkt nur ihre Stellung. Jede Gefahr für die Republik ist geschwunden. So weit, so gut. Bedenkt man aber, daß die Zusammen- fassnng aller republikanischen Kräfte lediglich dazu geführt hat, die Republik in die alte Position zurückzuversetzen, un- acfähr den statu» quo ante, den Zustand vor der Drehfus- Krise wiederherzustellen, dann erscheint das Ergebnis des Kampfes, wie es sich am Jahresende darbietet, wenig be- friedigend. Desto weniger, als jenes Ergebnis selbst zum Teil mit bedenklichen Mitteln erzielt wurde, so daß es zu einer entscheidenden Kraftprobe zwischen Republik und klerikal- militärischer Reaktion, zwischen Civilgetvalt und Prätoriancr- tum eigentlich nicht gekommen ist. Die Republik hat ihren Sieg nicht entsprechend ausgc- nutzt, sie ist von der siegreichen Abwehr nicht zu einer kräftigen, weittragenden Angriffsaktion übergegangen. Das klerikal-militärische Uebel wurde nicht an der Wurzel an- gepackt. Die Furcht vor dem Vorwurf der Feinde, eine ..Kampfregierung" zu sein, hat eine Reihe von Halbheiten be- wirkt sowohl auf dem Gebiete der exekutiven Maßnahmen, wie«uf dem der gesetzgeberischen Reformcntwürfe. Daß aber auf did unterlegenen Feiilde so viel Rücksicht genommen wurde, zeigt ja deutlich, daß der Sieg der einen und die Niederlage der anderen nur augenblicklich, nicht aber dauernd das Kräfte- Verhältnis der beiden Kampflager geändert hat. Auf den bösen oder guten Willen, auf den Mut oder die Feigheit der regierenden Persönlichkeiten kommt dabei sehr wenig an. In Krisenzciten von geschichtlicher Bedeutung kommen an die Spitze stets diejenigen Personen, die am besten der gcgebcncil Situation entsprechen. Das Bürgertum der großen Revolution erzeugte die Danton und Robespierre, das matte republikanische Bürgertum von heutzutage konnte in der Stunde der höchsten Gefahr nur den Loubct und Waldeck-Rousscau die Rettung der Republik anvertrauen. Im einzelnen waren die Handlungen und Unterlassungen der Regierung gewiß keineswegs unvermeidlich, aber im ganzen war die derzeitige Regierung die Vollstreckerin der objektiven Notwendigkeit. Wenn sie also vor allem auf die„Be fchwichtiguiig" bedacht war, so im letzten Grunde deshalb, weil eine radikale Ausfcchtung der Gegensätze über die Kraft der republikanischen Parteien ging, oder, was auf das gleiche hinauskommt, weil die große Masse, die überhaupt dem ganzen Kampfe gleichgültig zugesehen hatte, nach Ruhe, vielleicht nach Ruhe um jeden Preis sich sehnte. Noch ein besonderer Umstand hat übrigens die Be schwichtigliiigspolitik gefördert— die herannahende Welt ausstcllung, der„Gottesfriede" von Industrie und Handel, an den stets so große und so berechtigte Profithoffnungcn namentlich von der kleinen Bourgeoisie der Haupt- stadt geknüpft werden. Es wiederholt sich da einiger maßen das Verhältnis von 1889 zwischen Weltausstellung und Boulaugismus. Wie die Weltausstellung von 1889, so dient auch die von 1909 zur raschen Abkürzung bezw. Ver- tuschung einer politischen Krise. Es ist, als ob die periodischen Weltausstellungen dazu bestimmt wären, die ebenfalls periodischen Krisen der Bourgcoisrcpublik im Sande verlaufen zu lassen. Der Unterschied aber zwischen 1889 und 1999 ist der, daß damals die Weltausstellung immerhin die Erdrückling des Bonlangismus beschleunigt hat. während sie heute die Ausnutzung des bereits erlangten Sieges über den neuen Boulaugismus verhindert. So läßt sich denn neben dem oben skizzierten Vergleich zwischen Jahresanfang und Jahreswende eine ganz anders aussehende Gegenüberstellung machen. Wenn am Jahresanfang das Ausnahme- uud Gelcgenheitsgesetz gegen dicKriininalkainmer des Kasfationshofes steht, so prangt am Jahresende der Amnestie Vorschlag der Regierung zu Gunsten der überführten Ver breche r dcS Generalstabes. Der Unterschied zwischen jenem und diesem ist eigentlich nur formal-juristischer Natur. Recht lich aber verletzt die Amnestie das Rcchtsgefnhl nicht weniger ivie die Aenderung der Revisionsnchtcr mitten im schwebenden Verfahren, und politisch ist sie eine nicht mindere verhängnisvolle Waffenftreckung der Eivilgewalt vor dem Prätorianertnm, ferner ein Versuch, die Begnadigung von Drehfus durch die Straflosigkeit von Mercicr und Konsorten in den Augen der„Armee" wieder gut zu macheu, die Ausmerzung der materiellen Folgen des Justizmordes von RenncS durch die thatsächliche Verhinderung der Rehabilitation des Unschuldigen aufzuwiegen, die Be- cndigung der physischen Qualen des Unschuldigen durch die Verewigung des auf ihm lastenden legalen Brandmals wctt zu machen... Am Jahresanfang rettete das Kabinett Dupuy neben dem General Roaet auch Deroulede und Konsorten, indem der militärische Pronuncianlcnto Verffuch vom 23. Februar in ein Preßvergehen umgcheckt wurde. Am Jahresende juerdcn zwar die Staatsstreichler vor den Staatsgerichtshof veriviescn, aber kein einziger Militär wird in den Komplott Prozeß verwickelt— nicht wegen Mangels an Beweisen, sondern wegen Mangels an Mut. Schließlich— um von anderen untcrgeordnetenAehnlichkeitSpunkten abzusehen— süldcn wir am Ende wie am Anfang des Jahres die Einleitung eines Prozesses Gohicr wegen„Armecbcleidigung" und iin Namen derselben sakrosankten prätorianischcn„Armee- Ehre", und zwar mit den erschwerenden Umständen, daß erstens der neue Prozeß nach einer Freisprechung desselben Schriftstellers ein- geleitet wird, und daß zweitens diesmal auf den„Arinee- bcleidigcr", entgegen der bisherigen Praxis in Preßprozessen, die„Anarchistengesetze" angelvcndet werden. Und doch muß bei alledem anerkannt werden, daß die gegenwärtige Konstellation der Parteien und damit die gegenwärtige Regierung noch die denkbar güilstigste Möglich- kcit bilden! Daher erscheint es ausgeschlossen, daß die weitere Entwicklung die derzeitige Situation wesentlich günstiger gc- staltet. Höchstens könnte vielleicht der Amnesticvorschlag un- möglich werden. Das wäre aber nicht der besseren Einsicht oder deni gestiegenen Acut der regierenden Parteien zu danken sondern einzig der kopflosen Frechheit der prätorianischcn Parteien, die den Amnestievorschlag mit der Ausstellung der Kandidatilr des Hauptverbrechers, des Generals Mercier, zum Senat beantwortet haben. Keinesfalls aber werden die dauernden Ergebnisse der Krise über den Rahmen der von der Regierung beantragten, kürzlich hier besprochenen Palliativresormen hinausgehen. Man muß aber schon mit einer ungewöhnlich optimistischen Veranlagung begnadet sein, um auch nur die parlamentarische Durchsetzung dieser Reformen für sicher zu halten. Alle bisherige Erfahrung spricht dagegen. Ein lehrreiches Beispiel und Vorbild sind die rcformcrischen Ergebnisse der Panama- Affaire, die nämlich gleich Null sind. Da wurde einmal nach vielem Hangen und Bangen cm Gesetzentwurf über die Un- Vereinbarkeit parlamentarischer Mandate mit gewissen fett be- zahlten finanziellen Pfründen beantragt. Mitten im Panama- chrecken, der durch Artons Verhaftung neu entfesselt wurde, gelang es dem radikalen Kabinett Bourgeois in der Kammer die„Dringlichkeit" des Entwurfes votieren zu lassen. Das geschah im November 1893. Nun, seitdem hört ninn von dem „dringlichen" Entwurf nichts mehr!... *• * Nur die soeialistische Partei darf mit ungemischter Zu- riedcnheit auf das verflossene Jahr zurückblicken. Sie geht aus der Landcskrise Ivie aus der durch diese mit bedingten inneren Parteikrise gestärkt hervor, und zlvar auf Kosten der anderen Parteien, die sämtlich in diesem oder jenem Grade durch die Dreystis-Krise geschädigt wurden. Ihre Beteiligung anl Kampfe>var von entscheidender Bedeutung soivohl für die Verteidigung der republikanischen Freiheiten, der Vor- bcdingung des endgültigen Sieges des Socialismus, wie auch für ihr eigenes weiteres Wachstum. Der Satz, der theoretisch freilich eine Binsenwahrheit, daß eine Kampspartei nur im und durch den Kampf wächst, ging der als Massen- bcwegnng relativ jungen socialistischen Partei Frankreichs zuerst in Fleisch und Blut über. Und es war wirklich die soeialistische Masse, die im letzten Jahre die praktische Er- ziehungsschulc eines großen geschichtlichen Kampfes durch- gemacht hat. Die socialistischen Truppen haben daher nicht nur zugenommen, sondern auch an innerer Tüchtigkeit gewonnen. Der steigende Einfluß der socialistischen Partei ist sinnen- fällig zum Ausdruck gekommen in der Thatsache, daß ein Lonbet und ein Waldeck-Rousscau die Mitwirkung eines socia- listischcn Ministers in Anspruch nehmen mußten. Diese Bewertung der Millerandschen Miuisterschast muß allseitig zu- gegeben werden, mag man auch sonst die Beteiligung eines Socialisten an einer Bourgeoisregiernng von vornherein und unter allen llmstäuden verwerfen, oder aber, wie es der französische Einiguiigskongreß erklärt, anerkennen,„daß es ausnahms- weise Umstände geben kann, in denen die Partei die Frage der Beteiligung eines Socialisten an einer bourgeoisen Rc- gicrung zu prüfen hätte." Wenn die Republik nicht an dem Verrat und der Unfähigkeit der sie beherrschenden Bourgeoisie zu Grunde gegangen ist, so ist das in erster Linie das Verdienst des aktiven Eingreifens der socialistischen Partei. Wie aber die Bmirgeoisie unfreiwillig und indirekt die Stärkung des Socialismus in der Dreyfus Krise herbeigeführt hat, so wird auch die Un- vcrbesscrlichkeit der republikanischen Bourgcoisparteicn, ihre Unfähigkeit, aus der überstandenen Krise die nötigen rcformerischcn Konsequenzen zu ziehen, wieder dem Socialis- nnis zu gute kommen. Die Bourgeoisie kann zwar den Militarismus, trotz der Dreyfus-Affaire. schonen oder auch iveitcr hegen und Pflegen. Was sie aber nicht vermag, das ist, ihm sein früheres moralisches Prestige in den Augen der Nation zurückzugeben. Mit dem blinden nationalen Götzendienst zu Ehren des Mili- tarismus ist es ein- für allemal vorbei. Damit aber haben die Socialisten zum erstenmal die Möglichkeit bekommen, eine >v irksame, die Mafien gewinnende antimilitaristischc Agitation zu entfalten. Und die in Frankreich bis dahin be- sonders schwerwiegenden chauvinistisch-militaristischcn Vorurteile gegen den Socialismus sind erst recht entwurzelt worden, lvas die Bahn für die Entwicklung der socialistischen Partei freimacht. Mit einem Wort, wird der Sieg der Republik über das Prätorianertum nicht von den bürgerlichen Republikanern ausgenutzt, so wird er desto gründlicher von den socialistischen Republikanern aus- genutzt werden. Das Wachstum der Partei durch den Kampf hat zwar zunächst eine innere Krise, eine„WachStums-Krise" verursacht. Aber eben dadurch wurde der Masse am deutlichsten und ain schnellsten die Notwendigkeit der geschlossenen Front, des organisatorischen Zusammenschlusses zum Bewußtsein gebracht. Tie Frucht davon, die in der Hitze dcS Kampfes rasch gereift, war der Einiguugskongreß, dessen Arbeiten noch in frischer Erinnerung sind. Ist noch die Zeit für eine einheitliche Partei, für die Auflösung der Sondcrorganisationcn in einen einzigen Partei-OrganiSmus nicht gekommen, so hat sich der Kongreß einen Rückschritt zur früheren Sondcrexistenz der einzelnen Organisationen für immer unmöglich gemacht. Gerade das geivaltige leidenschaftliche Aufeinanderplatzen der Gegensätze auf dem Kongreß ist die beste Bürgschaft dafür. Wer den Kongreßverhandlungen beigewohnt hat, dem ist die UnVergänglichkeit des. Einignngswerkes gerade deshalb zur absoluten Gewißheit geworden, weil keine Stürme, keine Gegensätze und keine Widerstände die auf dem Drange der Masse beruhigende Einigung haben gefährden können. politipchv Mvbevflcht. Berlin, den 3. Januar. Ceittrnm und Mariiickonflikt. Die„Köln. Volkszcitung" schreibt aus Anlaß der kaiserlichen Ncujahrsredc: „DaS liegt auf der Hand, daß die Entivicklmig, in die wir einzutreten uns anschicken, der Gefahre» viele i» sich birgt, nicht nur für die verfassungsrechtlichen Zustände des Deutsche» Reiches, sondern auch fiir die Beziehungen de? Dcntschen Reiches zum Auslände, wo das Deutsche Reich nach der kaiserlichen Neujahrsansprache„den noch nicht er- reichten Platz erringen" soll, und zwar im Geiste dieser Ansprache mit eisengepanzcrter Faust. Mars regiert die Stunde!" Diese Gefahren verdanken wir bisher dem Centrum. ES wird zum gute» Teil in der Hand dci Centrums liegen, ob diese Gefahren weiter bedrohlich anwachsen oder ob sie vermindert und beseitigt werden.—_ Erste Fortsetzung. Die Lärniblaser der Seegeltung und Wcltpolitik stolzieren im breiten Faltenivlirf des Patriotismus, der sich selbstlos für des deutschen Volkes Wohl aufopfert. Anders aber nimmt sich der vaterländische Flottenbramarbas aus in der Schilderung dessen, der ihm hinter den Eoulisscn sah und der zum Em- gelt für erlittene Kränkung nur ein wenig aus der Schulung plaudert. Victpr S ch>v c i n b u r g packt wciicr aus. Erste Fort setzunI. Herr Schweinburg wehrt zwar ab. als wolle er ..drohen", er wolle nur„Thatsacheu feststellen", aber seine Thatsachen sind sür seine früheren Flottenfremide wahrlich keine Schineichclcien. Herr Schweinburg setzt sich zunächst iuS rechte Licht. Tic g'arizc Flottenvereius- Organisation ist„mein Werk". Wenn die Flottenpropaoanda jetzt so schlecht von statten geht, so ''egt das daran. Laß man seine Ratschläge nicht befolgte: „Als Organisator des Deutschen Flottciivcrcius. habe ich den Landes- und Proviuzial-AuSschüsscn die ivcitcstgehcudc Alllonomic eingeräumt und vis auf eine einzige Ausnahme bin ich mit allen den Vorsitzenden bis zu meinem Ausscheiden ganz vor- züglich anSgekounnen. Ich fand meine Ausgabe gegenüber den Ansschilsic» einzig und allein darin, ihre. Organisation einzuleiten und ins Leben zu rufen und im übrigen sie je nach de» lokalen Verhältnissen im Sinne der Vcgriiudcc des Deutschen ZvloUcnvcrcinS arbeiten zu lassen. Ich duldete allerdings leine Anflchilng des Deutschen AotienvercinS in Konvcntikcl und hielt L c r a n st a l t u n g von Theater- V o r st e l l u n g e n, lebende n V i l d c r n ,> V o r t r ä g e n hinter gesch losscnen T h ü r c n, Bildung von S ch ii l c r v c r e i n c n n. dgl. nicht für geeignet, den Deutschen Flottcnverein in den weiten Volks- kreisen aiiSziibreilen. Vorträge gegen Eintrittsgeld »oerden iinmcr mir uor denjenigen Kreisen gehalten, ivclchc ohne . hin bereits von der Notwendigkeit einer starke» Seemacht Deutsch kands überzeugt sind. Taruiii hatte ich auch sür Berlin grosse öffentliche Bcrsammliingcn in Aussicht genommen. lind bisher in der Hajiptstadt des Deutschen Reiches noch Kundgebung für die �»ene Flottcnvorlage stattgefunden hat. . so lag dies daran, datz ich in dein Augenblicke, Ivo alle Vor kchrimgcn hierfür schon getrosten waren, mich vom Sekretariat des Dentscheii FlotteiivereinS zurückgezogen habe." So uucrschlich war Herr Schivcinburg. Und dennoch verbot»hin die ihm eigene Bescheidenheit, dem Eintritt der Flottenprofrssorcn durch seine Anwesenheit ein Hinderni den � Weg zu legen. Herr Schweinburg kirn digt die Verösscntlichnng seines Briefwechsels mit den Herren Professoren Schni oller und Delbrück an,»noranS man rrtehcn wird,..daß in meiner Person kein Hindernis für den Eintritt der Herren in den Dentscheii Flottcnverein bestand. sondern daß der Hindcruiigsgriind einzig und allein in der Unmöglichkeit der Erfüllung der Bedingungen lag. welche die Herren stellten." immer sonst in der Flottenpropaganda gesündigt wurde, Herr Schwcnibiirg war nicht der Schuldige. Er bc kennt offen, dast die Ziffern in dem bekannten von ihm »«tcrzeichnetcn, in grostcu Massen verbreiteten Flug bkltkt, sowo hl>vas die Zahl und Art der Kriegsschiffe', als auch was den Kostenpunkt anbetrifft, falsch waren. Aber er habe sich auf die.. Angaben des„sachverständigen Beirats" verlassen müssen und der„IX r Heber der irrigen Angaben habe ihm nicht die Last der Verantwortung tragen helfen Dieser Ihhebcrjst offenbar Schweinbnrgs besonderer Flotten intimnZ, der Sekretär. Stellvertreter Korvettenkapitän Äerike mit 10000 M. Jahresgehalt. Doch nicht nur von den persönlichen Bitternissen, cidnldet, erzahlt Herr Schtveinburg. Er eröffnet die gefüllten Mysterien des Dunstkreises, in dem die edle des FlottcncvangclinmS gedeiht: „Tie Angriffe, welche gegen mich ans Anlaß jener oben er wähnten falschen Zahlen gerichtet wurden, wären vielleicht belanglos geblieben, iveiin nicht dieznhlreicheilPersonen.dereiiHo ff nungen und A ii s p r ii ch e ii innerhalb des Deutschen Flotten-VereinS ich eiitgegeiigelreten bin, Jim diesen nicht zum Tummelplatz für OrdenS-, Stellen- und GliickSjäger werde» zit lassen, im Vereine mit den A n t i s e m i t e n willkomineneii ckiilaß genommen hätten, ihrem Mißmiite, ihrer ge krankten Eitelkeit und getänschteil Gewinnsucht in verleumderischen Rnzapfungen meiner Person Lust machen. Ich hielt ans reinen Tisch und wehrte allen denen den Zutritt zu den Planken des Tentiche» st-lolteuvereiiis, welche nichts weiter für sich hatten als die Empfehlungen lehr h o ch g e st e l l t e r Persönlichkeiten, ans die Gefahr hm, daß die mir grollten, deren Empfehlungen ich ans Grund besserer Perioiienkeiuitiüs ui, berücksichtigt gelassen habe. Tie Akten des Deutschen FlotteiivereinS Über die Begniiidmig der Zeitschrift „ueberall" enthalten nach dieser Richtung hin erstaunliche Dinge. deren Anfznhlnng aber nimiitz wäre, wenngleich vielleicht manche Juci|c daraus lernen könnten, in Beziig ans Empfehlungen, bei . denen die Mittel eines_ patriotischen Vereins in Betracht kommen, sich die größte Reserve anfziierlege». Hier hat sich im »iailfe der Zeit eine erkleckliche Summe von Mißstimniiiiig ange- häuft und in manchen Fällen kann ich das Taiuiii bezeichnen, wann gewisse Feindseligkeiten ciitstauden. TaS OrdenSfcst dcS Jahres 1808 brachte Enttänschnuge»», welche die Milch der froinnien Denkart in gährend Drcrchcnqift verwandelteil, wobei ich natürlich als der Schuldige büßen mußte." Herr Cchwciitblirg, der Nerlrauensmann Miguels, der reiche Gastgeber hoher und höchster Beamter, hatte Macht über Orden und Ehrenzeichen. Er hatte gute Gelegenheit, das Geschnieiß der Stellen- und Ordcnsjäger kennen zu lerne», das jeder Lonne der Mächtigen kriecherisch zujubelt. Seine Schilderung bietet die Gewähr sclbstcrlebter Wahrheit. a. D die er wohl Zunft Lsntoiiiatische Jngendverwahrlosung. Durch eine höchst seltsame Verfügung hat vor kurzem der Landrat des Kreises Wolshaijeii im Regierungsbezirk Kassel die seiner Obhut anhcim gegebene Bevölkerung erfreut. Tie uns behufs Verbreitung des landrätlichcn Ruhmes über- sandte Versügnng läutet wörtlich: J. N. 7331. £it neuester Zeit hat das Antomatenwesen auf dem Lande � immer weitere Verbreitung. gefunden. In zahlreichen Wirtschaften sind derartige Apparate aufgestellt, welckw dem Pnblikmn, iiiSbesondero der Jugend beständig begiienie Gelegenheit bieten, sich mit Näschereien und dergleichen gering- wertigen Gegenständen zu versorgen. Eine derartige, fortwährend b'e- stehende Verführung zu unkontrollierbaren Ausgaben zu Genuß- zwecken wirkt außerordentlich demoralisierend. Die Begehrlichkeit und die Naschhaftigkeit wird in den Kindern geweckt und dauernd . afigeregt, der Sparsinii. den verständige Eltern und Erzieher in den Kindern mühsam zu wecken suchen, wird nntcrgrabcii und ver- nichtet und, wie zahlreiche, in den Antoniatcii gefiindene Blech- stücken beweisen, es werden die Kinder geradezu zu Betrugs- versuchen angereizt. Es erscheint demnach geboten, einein derartigen Unwesen.mit allen gesetzlichen Mitteln eiitgegenziitreteiu Die Ortspolizei-Behorden weise ich deshalb hiermit an, den Wirten, welche Verkaufs-Automaten ausgestellt haben, ailfziigeben, diese Apparate binnen 21 Stiindeii ans den öffentlichen, dem Pudliknni frei zugänglichen Räume» zn eiitfenien oder sie derart außer Gebrauch zu setzen, daß sie in keiner Weise mehr benutzt werden können. Im Falle des Ungehorsams ist ans Grund des§ 132 des Landcsverwaltungs-Gesctzes eine Strafe von 20 Mark für jeden Tag der Nichtbefoigiiiig der erhaltenen Verfügung auziidtoheu und gegebenenfalls festzusetzen. Die Gendarmerie wird beauftragt, die Orts-Polizeibehörden in der Ausführung dieser meiner Anordnung zu unterstützen. Musikautomaten werden durch diese Verfüzmig nicht betroffen. Wolfhogen, den 18. Dezcmbex 180!). ,. Der Landrat gez. uon Buttlar. Es ist zwar nicht cifindlich, wo der Herr Landrat von Wolshagcn sich die Fülle juristischer Erkenntnis gesammelt hat, ans Grund deren er die Beseitigung oder Unbrauchbarmachung der Ailtomaten seinen Kreis befohlenen vorschreibt. Aber es ist nicht zu verkennen, daß in der Verfügung sich ein lebhafter Eifer bethätigt sür die Erziehung der Jugend des Kreises, welche der öffentlichen Begehrlichkeit verfallen ist, sich aus dem Automaten Chokoladc oder Bonbons für die leckeren Mästl- che» zu erwerben. Vielleicht erhöht der Herr Landrat seine Verdienste mn die Moral seiner Kreiskinder. indem er den Kanflcuten den Verkauf von Johannisbrot und Lackritzen ver bietet. Auch eine Verhüllung der Schaufenster wenigstens so- weit, daß kindlich bcgehrsaine Augen an die verführerische Herrlichkeit nicht heranreichen, wäre dringend zu empfehlen. ** » Jeutjches Meich. Belohnung mnft sein. Tic Regierung hat sich nunmehr den Junkern wieder ganz und löblich niiterworfen. Sie hat zwei der gemaß- regelteu Landräte zu Negierilngsräten ernannt, und den erneu dem Oocrpräsidium in Posen, den andern der Regie- rnng in Potsdam übemnesen. Tic liberale Presse ist über diese Beförderung der Kanal- rebellcn tief unglücklich. Waniin? Die Regierung hat ein- gesehen, daß es versässnngswidrig tvar, die Beamten wegen ihrer Ablehnung der Kanalvorlage zu bestrafen, und so ist sie in sich gegangen, hat Buße gethan und die Gcmaßrcgeltcn durch die Beförderung entschädigt. Allerdings pflegt die Re- giernng nur den Junkern gegenüber solche Reguiigeu zu bc- thätigcn. Nachdem man aber einmal bcgoilnen hat, die Oppo- sition zu belohnen, ermutigt das vielleicht die bürgerliche Gesellschaft ihrerseits, es auch einmal mit dem geraden Rücken zu probieren. Tic Flottcnvorlage bietet gleich eine Gelegenheit.—_ Weniger optimistisch ist der„Sw c t". der bemerkt:„An der- Festigkeit des Kaisers kann niemand zlvcifeln. Augenscheinlicki müssen alle Hoffnungen und Bemühungen um den ewigen Frieden noch auf lange als Tränine nnd Utopien anfgcgebeu werde». und allen Völkern steht derselbe teuere, aber zuverlässige Weg bevor, sich aus nichts anderes als aus die beivassiieten Kräfte zii stützen. Aligenscheiiilich können den Staaten Kraft und Macht zukünftig nicht »nfrnchtbarc Konserenzcu nnd Kongresse verleihen, sondern ein starkes, beständiges nnd von heroischem Geiste nnd Patriotismus erfülltes Heer." Das Fiasko der Friedeilsbestrebungen seitens der gegenwärtig Mächtigen nnd Herrschenden wird also auch den Söhnen Väterchens offenbar.— Kaiserreise nach Frankreich. Die mancherlei Liebenswürdig- keiten, die Wilhelm II. Frankreich in den letzten Jahren erwiesen hat— man denke an den Besuch eines französischen Kriegsschiffs— deuteten ans die Absicht hin, die Pariser Weltausstellung zu bc- suchen. Jetzt sollen nun, lvie die„Volks-Ztg." meldet, die Linien- schiffe Kaiser Wilhelm IX., Kaiser Friedrich llX.. sowie zivei kleine Kreuzer im Mai oder Juni sür eine Reise dcS Kaisers nach Frankreich Verwendung finden. Wenn ans dem Besuch etlvas wird und die Negicrnngsberhält- nisse in Frankreich andauern, so könnte Wilhelm II. der Gast eines s o c i a l d c m o k r a t i s ch e n Ministers locrdcn.— Ein Tritckfehler der„Kreuz-Zeitung". Ei» soeialdemo- kratisckicr Setzer hat in die„Krenz-Zeitung" einen hübschen Druckfehler eingeschmuggelt. Er läßt das Blatt einen Artikel mit der Wendung schließen:„Tie Parole des neuen Jahrhunderts lautet: Vorwärts." Der Sicdactenr hatte natürlich, der Tendenz des Jnnkerorgaii- gemäß.„ R ii ck iv ä r t S" geschrieben, der Setzer aber uerivandelte das Wort in die Losung der Soeialdemokratie. Da die„Kreuz- Zeitung" bei ihrer Frömmigkeit auch dem Aberglauben nicht ganz abgeneigt sein dürfte, wird sie wohl diesen Druckfehler erschreckt als ein böses Jahrhnndcrtvorzciche» betrachte».— Herr v. Podbiclski erhielt vom Kaiser zum Dank für die glückliche Erledigung der neuen Postgesetze ein ivohlwollendes Schreiben nnd ein Bildnis Wilhelm II. Noch eine Säkularscicr Für diejenigen, denen der amtliche Jahrhundertansaug nicht genügt, bietet sich ein Anlaß, auch im nächsten Jahre Säkulargesühle zu äußern. Ter 200. Jahrestag der K r ö n u Ii g des erste n preußisch e n Königs' am 18. Januar soll, wie die„Schles. Ztg." erfährt, am 18. Januar 1901 in Königsberg in Gegenwart des Kaisers, b c r Kaiserin und zahlreicher Fürsten durch eine große Feier begangen werden.— Ans Sachsen Weimar wird uns geschrieben: Von den chärferen Maßregeln", nach welchen die Soeialdemokratie im Groß- Herzogtum bekämpft werden soll, und welches durch eine besondere Bcnügung den fünf Vezirksdirektoren kund gethan wurde, hatten die �oeialdemolratcn Kenntnis erhalten und in einigen Verjamm- l»Ilgen diese Angelegenheit zur Sprache gebracht. Bürger- liche Blätter brachten daraus die Mitteilung. daß dieser Erlaß von einem B e a m t e n der Soeialdemokratie ausgeliefert Warden sei. Nim wurden die betreffenden Beamten verankaßl. ivegen Verleumdnng Strafantrag zu stellen. Trotzdem der Minister von Wtirnlb auch im Landtag den Wunsch äußerte, einen Soeialdemokrateii deswegen zur Bestrafung zu bringen, hat rselbe auch däiiiit kein Glück, denn die eingeleitete llntersilchiiiig hat bis jetzt ergeben, daß, wie in den meisten ähnlichen Fällen, der Eifer eines seiisatioiiSlüsteriie» BerichterslalterS Vermiltiiugen als wahre Thatsacheu hinstellte.—_ Militiiranwiirtcr. Im Juli vorigen Jahres hat der BiindeSrat. lvie seiner Zeit berichtet, über neue Grundsätze Beschluß gefaßt, ans Grund deren die B e s c tz ii ii g d e r S u b a l t e r u- und II n t c r b e a m t e n- teilen mit Militär an Wärtern neu geregelt wirb. Mit dem l. Januar 1900 sind diese Bestiiiimmigen in Kraft getreten. Der neue Eivilbersorgiiiigsschein berechtigt ,',zur Anstellung bei den Rcichspehörden. den Staatsbehörden aller Buiitesstaaten nnd den Kommimalbohörden desjenigen Bundesstaates, desien Staats- angchörigkeit der Inhaber des EivilversorgiiiigöscheiiiS feit 2 Jahren besitzc." Früher war in Preußen der Steilenailsprncki eineS Inhabers deS CivilveisorgungSscheineS von der doppelten jBeViitgiing ab- bängig, daß derselbe die Eigenschaft eines preußischen Staats- Angehörigen besaß nnd ans dem preußischen Reichs-Militärkoiitingent hervorgegangen war. Diese letztere Beschrmiknna■ ist in den vom Bundesrat beschlossenen neuen Grundsätzen fortgefallen: die erstcre Bedingung ist dahin abgeändert worden, daß der Inhaber dcS CivilvcrsorgiiiigSschcineS.»m in preußischen Kommiiiien n. s. f. den Anspruch auf Brnicksichtigliiig bei der Stellciibcsctzung zu haben, ivci Jahre lang im Besitze der preußischen Staatsangehörigkeit sein muß. Ist diese Bediiigmig erfüllt, dann ist eS— und das gilt imigeinäß auch für die anderen BimdeSstaaten— für den Anspruch deS Betreffenden gleichgültig, ob er den Civilversorgimgsschein einem preußischen oder unter preußischer Verwaltung stehende» Militändntingeiite oder in der Marine oder in dem bayrischen, sächsischen oder tvnrttcmbergischen Rlilitär- koiitiiigciile erdient bat. Nur hinsichtlich derjenigen Militär- anivärrer, welche den CivilversorgimgSschein i» einer militärisch or- ganisierten preußischen Schntzmännichaft oder in der preußischen Gendarmerie erworben haben, verbleibt es bei den alten Be- limlnNngen. Weiter sind Komiiiunalbehörden angelviesen worden, genaue Verzeichnisse über die Bewerbungen von Militäranwärtem um vakante Stellen zn führen, insbesondere ein Verzeichnis über die Bewerbung von Ilnterofsizieren, die mindestens acht Jahre ainv ge- dient haben. Während im allgemeinen die Einberufung der Stellen- anwärter in der Reihenfolge der Bewerberliste geschieht, sollen unter 'onst gleichen Verhältnissen llnteroffiziere, die auf eine miiidestens achtjährige Dienstzeit im Heere oder in der Marine zurücksehen, in erster Linie berücksichtigt werden. Tie Allfliahme der Kaiscr-Rcde in Rnfflaud. Tie russische Presse beurteilt die neueste Wcltpolitik-Rcde deS deutschen Kaisers sehr verschieden. Die ,N o w o j e W r e m j a" meint, die Pläne des Kaisers würden in England wenig angeiiehin berühren. Jiiter- sant ist. wie die Blätwr die neueste deutsche Seerüstnngs-Politil im Verhältnis zu den Friedensideen ihres Zaren betrachten. R o s s i j a" meint,„daß das Gleichnis vom Erreichen des Zieles durch das Schwert von Forderungen d e S Auge nb kicks veranlaßt ei, daß dieser Augenblick vergehen und das Schwert aufhören werde, eine entscheidende Rolle zu spielen und daß die von der Höhe es russischen Kaiserthron es Verla utbartcn Grundsätze die Oberhand gewinnen werden." Chronik der Majestätsbclcidigungs-Prozesse. Nach einer Ziisamiilenstellung der �„Volks-Zeitung" sind im Jahre 1809 305 Fälle von MajeslätSbeleidigiingei! zur Aburteilung gelangt, die ein Endergebnis von rund 100 Jahren Gefängnis '„erzielten". Da diese Liste nur lückenhaft ist, dürfte die tvirkliche Zahl noch beträchtlich höher sein._- Tic Beschlagnahme deutscher Schiffe. Eine amtliche Aufklärimg über die vor der Delagoa- Bai durch englische Kriegsschiffe erfolgte Beschlagnahme des deutschen Dampfers Bundesrat" und der Hamburger Bark„Haus Wagner" ist aus London noch nicht eingelaufen. Daß seitens der deutschen Regierung eine Reklamation nach England gegangen ist. haben wir bereits bc- richtet. Die deutsche Presse beschäftigt sich, zum Teil in erregtem Tone, mit der Wegnahme deutscher Schiffe und verlangt ein energisches Vorgehen gegen England. Den AuSführllilgeil des„Berk. Tagebl." entnehmen wir die folgende Stelle: „Englische Kriegsschiffe haben kein Recht, unter deutscher Flagge fahrende Personen nnd fahrendes Gut anzutasten, wenn sich nicht wirkliche Kricqskonterbande für Transvaal nachweisen läßt. Gegen- stände, die nicht für Kriegszwecke bestimmt sind, vorab solche für Bewohner des portugiesischen Gebiets, und Personen, deren Reiseziel für den Transporteur lediglich das portugiesische Gebiet ist, müsse» vor englischen Kriegsschiffen bedingungslos sicher sein. Die Delagoabai gehört nun einmal nicht zu Transvaal. � Es mag England schmerzen, daß, so lange hier portugiesischer Kolonialbesitz sich befindet, von hier aus, wo es so bequem wäre, der bisher siegreiche Gegner nicht angefaßt werden kann. Diese Unbcqilemlichkeit aber rechtfertigt in keiner Weise ein Ver- halten wie das Vorgehen gegen den deutsche» Dampfer. Bestätigt sich, wie von Hamburg auS bestimmt und glaubhaft versichert wird, daß der.Bundesrat" nichts an Bord hatte, was an Personen und Kriegsmaterial für Transvaal bestimmt war. dann wird England dafür ungesäumt die erforderliche Geiiugthuuiig zu leisten haben, vor allen' Dingen aber seine Schiffskommandanten in Südafrika mit Weisungen'ausstatten müssen, die solchen Zwischenfällen vor- beugen." ' Nicht zu verwundern ist es. daß gewisse deutsche Marine-Ent- hnsiasteii mich Honig ans dieser Blüte zu sangen suchen. Die„Post" schreibt beispielsweise: „Wenn diese Nachricht in manchen deutschen Kreisen Unwillen erregt hat. so wird man dort besser thun, statt gegen England die üblichen Schmähnngen auSzustoßeil, sich zu fragen, wie ein solcher peinlicher Zwischenfall in Znkuiift wohl vcrniiedcii werden dürfte. Da tritt uns denn sofort die Thatsache entgegen, daß Deutschlands Seemacht in den afrikanischen Ge- lvässern ganz n n z»reichend vertreten ist. Wenn unten am Kap zum Schutz der deutschen Flagge sich ein oder mehrere deutsche Kreuzer befänden, so würbe jeder Befchlshaber eines britischen Fahrzeuges sich den Fall sicherlich zweimal überlegen, che er zur Beschlagnahme eines dentscheii Dampfers den Befehl erteilte. Unter- den jetzigen Uinständen ist Deutschland jedoch eine guantitä negligeable zur See, und keine Seemacht, die uns überlegen ist an "tnrte. wird Bedenken tragen, uns einen Nasenstüber zu ver- setzen, wann es ihr gerade paßt. Tie Rapeniilg deutscher Schiffe scheint den Marine-Jnteressenten- Politikern ein gefundenes Fressen zu sein.� London, 3. Januar. Die Abendblätter veröffentlichen ein Tele- grannn ans Durban vom gestrigen Tage, nach welchen» der Dampfer �.Bundesrat" fünf große Geschütze. 50 Tonne» Geschosse, 7000 Sättel mid ferner 180 einexerzierte Artilleristen. die nach Transvaal gehen wollten, an Bord hatte. Die Hamburger Schiffahrts-Gesellschaft hat bekanntlich mitgeteilt, daß sich keinerlei Kriegsmaterial an Bord befunden habe.— Handclsbcziehitngcn mit Transvaal. Von amtlicher Seite locrdcn Erhebungen darüber angestellt, ivelche HandelSverbin« du ngcii mit Transvaal die deutsche I n d n st r i e bis jetzt unterhielt, rcsp. ivelche Fabrik- und Engros-Geschäste geivillt sind, später»ach dort zu exportieren. So lvurde insbesondere bei Berliner Konscktionsfirmen Nachfrage gehalten, ob und in welcher Höhe bis jetz: Konfektion nach Transvaal exportiert worden ist. ev. ob Neigung vorhanden lväre, später Handelsbeziehungen mit diesem Land anzuknüpfen. Diese Umfrage wird, wie der„Konfektionär" meldet, durch die sehr berechtigte Ansicht hervorgernfen, daß Transvaal nach Beendigung des Krieges nicht mehr lvie bisher in England seinen Hanptbcdarf decken lvird, sondern sicherlich dann deutsche Fabrilate in viel größerem Umfange als bisher einführen wird. Die obigen Erhebungen sollen der deutschen Regierung eine Handhabe bieten, um den' Export nach Transvaal aus günstiger handelspolitischer Basis zn fördern.—_ Eine Tenkfchrift über Kiantschou ist den» Reichstag zn- gegangen. Sie liegt aber bisher nur in einem Auszug der„Bcrl. Korresp." vor. Die Teiikschrist konstatiert das>v e n i g g ü n st i g e Bild des Gesundheitszustandes im Herbst 1890 und glaubt eine Beruhignng für die Zukunft, in dem Umstand« erblicken zu können, daß die vorgekommeneu Krankheiten nicht wesent- l i ch von k l i in a t i s ch e n E i» f l ü s s e n abhängig waren. Die kliuiatischen Bedingungen der Kolonien seien durchaus günstig. In Bezug ans die W o h'n u n g S v e r h ä l t n i s s e eröffnet die Denkschrift auch sür die Zukunft' noch wenig tröstliche Aussichten:„IuS- besondere könne» die alten chinesischen Lager, in denen die deutsche Garnison zunächst provisorisch untergebracht werden mußte, trotz aller Reparatiirarbeitcn auf längere Zeit. den Anforderungen der Hygiene nicht genügen." Bis zur Unter- briugnng aller Truppen in neuen Kasernen soll die notwendigste Abhilfe' durch eine ausgedehnte Entwässcrmig der alten chinesischen Lager solvie durch Einrichtung von Baracken beschafft werden. Ein Lazarett für 136 Betten ist in Angriff genommen. Seit Mitte Roveniber solle» die Gesundheitsverhältnisse in Kiautschou wieder ein bcstiegcudcS Bild zeigen. Zum dcutsch-ciiglischcn Geheimvertrag. In der Thronrede. mit der am Dienstag die portugiesischen KortcS eröffnet wurden, findet sich folgende Auslassung über die Kolonien in Afrika: Um die Ruhe in de» nördlichen Gebietsteile» von Mozambique zu sichern und das Prestige Portugals dort zu stärken, sei eine Expedition ausgcsandt worden, deren heroische Bcmi'chlmgcn tcn Erfolg gekrÄit gcwcsen seien. lind cS sei wieder cinmnl beiuicfeu worden, beiß cinciu Volke, welches im stände gc- Wesen sei, diese Gebiete für die Civilisotion zu erobern, auch die Elemente nicht fehlten, welche erforderlich seien, um diese G e- biete zu erhalten und zu verteidigen. Diese Aiisdrurkswcije deutet nicht darauf hin. dasj Portugal nahe daran wäre, diese Gebiete einer anderen Macht zu über- lassen.— Von den AdiniralitätSiuscln. Ivo erst kürzlich der Händler Metz von den Eingeborenen gelötet und aufgefressen wurde, wird wiederum ein ähnlicher Fall berichtet: Ein Schooner der Firma Forsahth u. Co. ist von Eingeborenen der Admiralitätsinseln über- fallen und geplündert worden, wobei der Kapitän und die gesamte Mannschaft des Schiffes erschlagen worden sind. Das ausgeraubte Schiff konnte durch einen Händier der Firma HcrnShcim u. Eo. ge- borgen worden. Ausland. Frankreich. Vom Landesverrats- Prozcsi. Die Verurteilung des An- geklagten Büffet durch den StaatsgerichtShof in Paris und die damit verbundene Freisprechung dreier der anderen Angeklagten wird in Frankreich scheinbar leidenschaftslos aufgenommen. Die republikanischen Blätter drücke» ihre Befriedigung über die vom Staatsgerichtshoje gefällten Urteile aus und erklären, sie seien ein Beweis dafür, dag die Senatoren sich nur als Richter, nicht als Politiker betrachtet hätten. Die radikalen Blätter- billigen die Urteilssprüche gleichfalls und bemerken, die Senatoren hätten dadurch gezeigt, daß die von Freunden der Angeklagten erhobenen Vorwürfe der Partcilcidcnschaft durchaus unberechtigt gewesen seien. Die nationalistischen Blätter meinen, die Senatoren hätten sich nur deshalb so milde gezeigt, um desto strenger gegen Dsronlede und Gnorin vorgehen zu können, was allerdings noch erst abgewartet tvcrdcn muh. In der geheimen Sitzung vom Mittlvoch wurde Dsronlede mit 136 gegen 37 Stimmen für schuldig erklärt, ihm jedoch mit 266 gegen 1 Stimm» mildernde Umstände zugesprochen. B a r i l l i e r wurde freigesprochen. '»» PariS, 3. Januar. Der StaatsgerichtShof erkannte auch G u s r i n für schuldig. D r�b n c wurde freigesprochen, deLnr-Saluces in contumaciam verurteilt. Italien. Der Großmachtskitzel scheint der italienische» Regierung noch nicht vollständig ausgetrieben zn sein. Die furchtbare Lektion in Abessynien ist schon vergessen, und die Negiernngschanvinisten juckt wieder das Fell. Der Versuch mit China war die erste An- Wandlung deS neuen Weltpolitik-Ficbcrs. Jetzt hören wir von einem ernsteren und gefährlicheren Anfall. In einem italienischen Blatt, daS z» amtliche» Mitteilungen benutzt wird, Ivo es gilt, die ösientliche Meinung auf etwas Unerwartetes vorzubereiten: in der „Ruova Antologia" wird derPlan befürwortet, ein italienisches Truppen- korpS nach A e g y p t e n zn schicken, als Ersatz für die c n g I i s ch e n Truppen, die dann gegen Transvaal verwandt werden könnten. Dag ein solcher Plan in England gehegt wird, ist sehr wahrscheinlich: Es wäre aber ebenso gefährlich wie unrühmlich, wenn Italien sich zn der doppelt verächtlichen Rolle hergäbe, für England die Kastanien aus dem Feitet zu holen und zur Erdrosselung der Bocrcnrcpnbliken Spanndienste zu leisten. Vom italienischen Volk und namentlich von unseren Genossen in der Kammer erwarten lvir, dag sie im Interesse ihres Vaterlandes daS Nötige thnn werden, um der Regierung den GroßmachtZkitzel auszutreiben.— Nusiland. EtWaS aus dem Kulturetat. Russischen Blättern zufolge ist das Budget deS russischen Ministeriums für„VolkSanfklärnng" tKnltnsministcriiim) für daS Jahr 1600 auf nur 30 Millionen Rubel festgesetzt worden: Dieses Budget ist seit Jahren verhältnismägig das niedrigste unter den Budgets der verschiedenen Ministerien, ob- gleich das BcdürsinS nach Erweiterung der Schulbildung und nach Verbesserung der Lage der bestehenden Schnlanstalkcn ein offenbar dringliches ist und Rugland noch Kreise aufzuweisen hat. Ivo ans 100 Personen der Bevölkerung nur einer dco Lesens und Schreibens Kundiger entfällt. Während in den Ictzlcn Sä Jahren die Budgets des Kriegs- und des MarinemiinstcrinmS um 300 bis 100 Proz., trotz Friedenskoufereiiz, erhöht wurden, find die Mittel für die vornehmste Friedens- und Knltnransgabe des Staates, sür die Volksbildung nur mn 40 Proz. vermehrt worden. Selbst die lohalstcn und allerinitcrlhänigslcil russischen Blätter bemerken hierzu, dag die Thatsache, dag man mit dein Budget des VolkSanfklärungS- rcssortS so sparsam umgeht, im höchsten Mage„verdächtig" sei und dag„hcniilichc reaktionäre Mächte� ihre Hand im Spiele haben miigtcii. Tie russische Regierniig scheint sich indes aus einem anderen Kiiltnrgcbictc ciiischädigcn zu wollen. In Nngland bestehe» zur Zeit bereits 6000 Einzelhastzellen, welche Zahl bedeutend vermehrt werden soll. Für das Budget des Ausbaues der Gcfäiiginiie hat die Regierung allerdings auch.nur"— 21 Millionen bewilligt.— Das Attsland tut Jahre I89i>. Afrika und die BScltpolitik. Man kann fast bchaiiptcii, dag seit den Zeiten der Scipionen im kktcn Rom noch niemals das Jntcresie an den Ereignissen in Afrika so stark gewesen ist wie im verflossenen Jahre. Der EiitscheidüngS- kämpf der Engländer um die Hcrrschast im Sudan und damit auch um die Sicherung ihrer nach Indien ivertvvllstcn Besitzung, Aegyptens, Der Kampf gegen Transvaal, die Differenz zwischen Frankreich und England in der Gegend von Faschoda, der grogc Plan Eccil Rhades, das Kap der guten Hoffnung mit der Nilmiindmig, Kapstadt mit Alexandrien mit einer Eisenbahn und einer Tclegraphciilinie zn verbinden, die Kämpfe im Kongostaate. koloniale Barbareien in Französisch- und Dcntsch-Afrika, die Grenz- nbmachnngen zwischen England, Frankreich und dem Deutschen Reiche, der Geheimvertrag mit Portugal wegen der Anfteiknilg der portu- giesischcn Besitzungen in Afrika zwischen England und dem Deutschen Reiche, all dies hat die öffentliche Mdmiiig Europas in hohem Maße interessiert und hat die Wcltpolitik stark' becinfliigt. Die Schwierigkeiten in Asien. Stand im Jahre 1863 Ostasien im Vordergrund deS europäischen Interesses, so ist das im letzten Jahre weniger der Fall getvcscn. Wohl hat China eine graste Rolle gespielt. Der Bau einer Reihe von Eisenl ahiicn ist gesichert worden. Das Streben Italiens, festen Fust aus chinesischem Boden zn fassen, tvurde abgewiesen, aber das, was man erwartet, eine Entscheidung über das Obsiegen des ciiglischen oder russischen Einsinsscs am chinesischeii Kaiserhof,' ist vertagt. Diese Einflüsse halten sich gegenseitig die Wage und eine Entscheidung wird von allen Seiten gefürchtet und deswegen hinausgeschoben. Das Gleiche gilt von den Verhältnissen in Korea, dessen Selbständigkeit ganz gefährdet schien, das aber an den Zwiespaltcn der europäischen Nationen profitierte. Die Eiilschcidmig in Korea und China tvird erst fallen, wenn ein Schienenstrang St. Petersburg mit Port Arthur verbinden wird, wenn die andere» grostcn Eisciibahnprojekte Stufe» landS in Ccntralasicn, in der Mandschurei:c. zur Aus- führnng gelangt sein werden. Erheblich hat sich Rust- land im verflosseiiem Jahre diesem Ziel genähert. Der einzige Trost ist, dast diese militärischen Interessen bestimmten Bahn- ljiiien auch in hohem Mäste der Kultur dienen werden. Die wirk- schaftliche Erschlicstiing Sibiriens macht graste Fortschritte. Slnstlaud mnstte deswegen darauf verzichten, seine Strafgefangenen weiter nach Sibirien zn verbamicn, weil dies heute eine Gefahr für die wirtschaftliche Zukunft dieses Landes sei» würde. Sonst ist aus Asien zu berichten, dast in I n d i e n Hungersnot und Pest noch immer Myriaden von Opfer» wegraffen. Für Kleinasien ist der Bau einer großen Eisenbahn, die von Konia bis an den persischen Meer- buscn gehen wird, gesichert. Um die Konzession für diese Bahn war ein großer Kampf ausgebrochen. Englands und Deutschlands Kapitals- mächte rangen um ihr größeres Geschick in der Behandlung und Bestcchnng der türkischen Staatsmänner. Teutschland odcr richtigcr die Deutsche Bank hat dabei über das englische Kapital den Sieg davon getragen. Die absoluten Monarchien Europas. Wenn wir uns von Asien nach Europa lvendcii, so sind es die Verhältnisse in Siustland und in der Türkei, an die man anknüpfen mutz, weil diese Staaten noch immer in Berfassimg und Vcr- tvaltmig an asiatische Zustünde erinnern. In der Türkei herrscht unbeschränkter Despotismus ciiics an Verfolgnngs- lvahn leidenden Fnrsicn. Ein Spioncnsvstem reger wie im alten Venedig drängt sicki in alle gesellschaftlichen und gcschäft- lichcn Verhältnisse der lnrlischcn Hauptstadt und des Reiches, Dabei blieben die unzählige Mal versprochenen Refornicn fromme Wünsche und an eine Gcsnndnvg der zerrütteten Finanzen ist absolut nicht zu denken. so lange die ganze Staatsverwaltung keine andere Aufgabe hat, als die Bcdiirsniffe des Hofes und ber politischen Polizei, als die einzig dringliche zu besricdigcn: Schwierigkeiten hatte die Türkei in Arabien, wo bedrohliche Ausstande herrschten und, wie es scheint, noch immer nicht zum Stillstand gebracht sind. In Rustland hat man sich über daS Fiasko des Zaren bei der Haager Friedenskonferenz zn trösten verstanden, indem man nun dcsiv eifriger den Bon von Kriegsschiffen und die VMtärkiing und Neubewaffmiiig des Landhccres betreibt. Die PoliW der Hilter- drückung jeder freien Aensternng in Wort und Schrift wurde weiter betrieben und die Rnffifiziernng Finnlands macht trotz aller Proteste der dortigen Bevölkerung und trotz der lebhaften Sympathie ganz Europas für die neuesten Opfer des PanslavjSiiins große Fort- schritte. An eine Besicrnng dieser Vcrhältinjse ist auf absehbare Zeit nicht zn hoffen, denn die russische Bourgeoisie weist, dast auch der Absolutismus ihre wirtschaftlichen Interessen berücksichtigen muß, so daß heute nur das eist im Erwachen begriffene städlisthe Proletariat als Gegner der Zareuherrschaft in Betracht kommt. Tic skandinavischen Staaten. Am tiefsten hat die Uiitcrdrücknng der Finnländer die stamm- vcrtvaiidtcn Schwede» erregt, obgleich Schweden selbst im vcr- flossenen Jallre eine der gehässigsten Maßregeln verfügte, ein Zucht- hansgesctz gegen streikende Arbeiter. Tic Wahlen des verflossenen Jahres sind in etwas freiheitlicherem Siimc ausgefallen und Genosse Branting. der schon in der früheren Legislaturperiode die Socinldcmo- tratic vertreten hatte, verblieb als der einzige Arbeitervcrtreter im Parlament. Trotz deS großen Widerstandes des Königs muhte der Wunsch der 5! o r w c g e r ans größere Trciniuiig von Schweden bc- willigt werden. Diese staatsrechtlichen UiiabhäiigigkcitSbcstrcbungcii Norwegens fanden ihren AnSdruck und teilweise Erfnllnng in dem Kampfe um die reine norwegische Flagge und in der Gewährung derselben. Der schwedisch-norivegische Minister deS Aciifecrn mnstte durch einen Anhänger einer Siorwcgcn frcnitdlichercn Politik ersetzt werden. Im stammvcrivmidtcn Dänemark hat die Arbeiterschaft eine alänzendc Kraftprobe bestanden. indem sie bei der Aussperrung fast sämtlicher Industrie- Arbeiter den Sieg über das Unternehmer- tum davontrug. Tie Zeit der Konflikte zwischen radikaler Volksvertretung und konservativem Ministcrium ist noch nicht ab- geschlossen. Grostbritauuieu. In England stand die Politik offener als je im Dienste deS Gcldsackcs. Die Jiitercsicnten an den Goldgruben von Transvaal und an den Diamantgruben von Äimberley halten die ganze englische Politik in ihr Schlepptau gebracht. Aber nicht bloß die kleinliche Politik in Südafrika. sondern auch die ganze auswärtige Politik wurde durch diese Jnterefien bedingt. Cecil Sthodcs kam mit den »'ärmsten Evipscblnngrn der englischen Sicgicriing nach Deut chland, tvurde trotz desKrügcr-Tclegrnmnrs von, deutschen Kaiser cinpfangcii und fand in Berlin lebhaftes Enlgrgcnkommcii für seine Projekte der trans- afrikailischcn Tclegraphciilinie und sür die traiisafrikanischc Eisenbahn. Tie Samoafragc ivurdc der Lösmig ciltgcgenaefükrt und sonst alles von englischer Seile gethmi, um freie Hand bei der Vertretung der Jiitercffcn der RhodeS-Chambrrlainschcii Chnrtcrcd Company in Süd- afrika'zu erhalten. Die Niederlage in Südafrika hat die Sckiiväckic Englands ossenbart. Die Niederlage in Transvaal wird für die Dauer des Kabinetts wahrscheinlich entscheidend sein, heute steht leider das englische Volk noch hinter den Chauvinisten; auf die Dauer wird sich aber diese Verblendung nicht aufrecht erhalten lasse». Der einzige große Erfolg Englands im verflossenen Jahre mar die Niederwerfung der Herrschaft des Mahdi in Eeiitralafrika. Holland und Velgicu. Holland hatte die zivcifclhafte Ehre, die Diplomatie der ganze» Welt, niit Ausnahme der Vertreter der beiden südafrikanischen Sicpilblikcii und des Papstes, bei der sogenaimtcn Friedciiskoiifcreiiz zn beherberge». I» der inneren Politik erlitt das Ministcrium wegen der Unterlassniig der Einladmigcn an den Papst und die stainmverwandten Rcpnvlikcn heftige Angriffe. Lebhafter als in Holland ging cS in B e l g i e» zn. weil die klerikale Partei durch ein neues Wahlgesetz ihre Herrschaft ver- ewigen tvolllc. Socialdemokraten. Sladikalc und Liberale verbanden sich zur Bckäinpfung dieses MinisteriuiiiS. Offen wurden sie in Protesten und in ihren grofenrtigcn Demonstrationen gegen den neuen Wahlgcfetzcntwnrf von den Chriftlich-Socialcn unter Führung des exkomm'nniziertcn Abbe Dasns und im gchciincii von cinem Teile der Klerikalen unterstützt. Die ohnedies auf schwachen Füßen ruhende Monarchie war in ihren Grniidvcstcn erschiittert. Der König »insttc nachgeben, er entließ das Ministerinin van den Pecreboom. Die Wahlrcchtsvvrlage wurde zurückgezogen, nutcr Siner de Naher ein neues Kabinett gebildet und ciiic Vorlage auf Grund des Proportional- Wahlsystems eingebracht, die nach langen, heftigen, von den Socialdemokraten zm» Teil auch mit den Mitteln der Obstrullion geführten parlamentarischen Kämpfen angenommen ivurdc. Das absterbende Spanien nnd Portugai. Für Spanien brachte das Jahr 1898 schwere Kämpfe.®ie Katalonier waren bestrebt, ihren Gegensatz zum übrigen Spanien der Welt kund zn thnn, sie haben mit demonstrativer Freundschaft die im Hafen von Barcelona manövrierende sraiizösische Flotte begrüßt, sie haben die Stenern verweigert, den Belagerungszustand ertragen, ohne dast die Bewegung eine Abschwächung erfahren hätte. Neben diesen Schwierigkeiten litt Spanien unter finanziellen Nöten schwerster Art, die unheilbar sind imd bleiben, so lange Spanien sich nicht ent- schliestt, den Grostmachtsdünkcl nnsziigebcn und ans die Herstellung einer neuen Flotte, ans die Stärkimg seines militärischen Ansehens zu verzichten. Das einzige für Spanien Erfreuliche ivar der Verkauf der für sie ivertlofen Karolinen zn dem unfastbar hohen Preis von 17 000 000 M., den die deutschen Steuerzahler anfzubringen hatten. In Portugal hatte sich die P e st eingenistet und über Oporto, die blühende zweite Hauptstadt des Landes, Arbeitslosigkeit nnd Elend gebracht. Die Skeuivahlcu haben die Opposition gegen das schon'liberale Miiiistcriuin verstärkt und aus Oporto selbst ivnrdcn nur republikanische Volksredncr entsendet. Das Land des Verfassungsbruchs und der Maffia. In Italien hatte die teilweise Amnestie, die den Amnestierten die politischen Ehrenrechte nicht iviedcrgab, nm so weniger beruhigend gewirkt, als das Ministerium Pcllöux Zivaiigsgese'tze gegen die Socialdemokraten einführen wollte. Nur eine kräftig' geführte Obstruktion der äustcrsten Linken nntcr Führnng der Socialdcmo- kraten konnte die parlamentarische Erledigung dieses Gesetzentwurfes verhindern, in vcrfnssimgsbrccherischer Weise wurden aber diese Zwaugsgcsetze als Notgesetze in Rechtskraft gesetzt, nachdem das Parlament vertagt war. Eine glänzende Antwort erhielt das Ministerium bei den Gemeinderats- Wahlen. Ivo überall die socialdemokratischcn Stimmen wuchsen, wo Mailand eine Gemeindevertretung erhielt, deren Mehrheit aus Socialistc» und Radikalen bestand, während in Turin die Anzahl der socialistischcn Gcmcinderätc auch stark anwuchs. Mit seiner chinesischen Abenteurer» Politik hatte das italienische Miilisierinm wenig Erfolg, Die Chinesen wufetcn sich der italienischen Freundschaft zu erwehren. Gegen Schlust des Jahres ivagte die Regierung ein energisches Vorgehen gegen die Maffia Sicilicus. Es soll ihr hierbei gelungeik' sein, die wirklichen Häupter der Maffia unschädlich zu machen, unter anderem auch den Abgeordneten von Palermo, Palizzolo, einen der eifrigsten Anhänger Crispis, der als einer der Führer deS verbrecherischen Geheim- bnlidcs galt. Die kleine» Staatswesen. Die Schweiz hatte allgemeine Wahle», deren einziger hervor- stechender Zug daS aufeerordentlich starke Anwachsen der social- dcinolratischcn Stiminen, vor allen, in den grostcn Städten Zürich, Genf, Basel, Bern, und die Verdoppelung der locialdcmokratischei, Vertreter in, Skationalrat, von 2 ans 4,' war. Die nach langen Jahren der Vorbereitung parlainentarffch erledigte Kranken- und Uiifallvcrsicbcriing der Arbeiter befriedigte die organisicrtci, Arbeiter der verichiedencl, Parteien nicht. Sic tragen sich mit der Absicht, in einer Volksnbstiniinnng dieses Gesetz zn Fall zu bringen. Eine lebhafte Bewcgnilg unter dci, gewerkschaftlich organisierten Arbeitern ist ans die Sientralisicrung der Fachprganisation gerichtet. Man erhofft hiervon eine Zusa'inmciifassinig aller proletarischen Kräfte der verschiedenen politischen Richtungeii in, Kampf gegen das Iliitcrnehmcr« «im. Einer der ciitschiedensteii Gegner jeder sociakpolitischei, Mast- rcgcl, der frühere BiuideSpräsident Droz, ist in, Ictztcn Jahre gci> storbeii.— Die Rot der Türkei hat sich auf alle ihre Töchter- staaten vererbt. Serbien, Bulgarien, Nilinäiiie». Montenegro litten im verflossciicn Jahre unter der Ilmnöglichkeit, die Staats- bcdürfnisse zu befriedige». Montenegro ist von der östrcichischcn PostveNvaltinig als zahlniigSmifähig erklärt worden. Bulgarien stand vor der offenen Erklärung deS Bankrotts. In Rnmänrest hat man sich zn sehr starken Stenererhühunge» entschlossen, ohne damit der fiilan�iellen Not' entrinnen. zu könne,». In Serbien sucht man durch cin Schreckcnsrcginicnt. durch eine Lcriiichtiing der Führer der radikalen Partei, durch die Vcrhängnng des BelagerungS« znstandeS, die energischsten Gegner zu entwasinei, nnd die Anfinerk- famkcit des Volkes' von den traurigen fiimiizickte» Znständcn abzn« leisten. Eine kleine Besserung der Verhältnisse scheint Griechen- land aufweise» zu können. Vctvkei-Machvichtett. Zu wenig Licht in Obcrschlcsien. Die Parteigenossen des oberschlesischen JildustrievcrcinS, die zn Neujahr das einzige ihnen bisher zur Bersügiuig stehende Versammlungslokal in Bielschoivitz dadurch verloren habe», dast es durch behördliche Vermittlung dem früheren Besitzer abgekauft wurde, veranstalteten a», zweiten Weih- nachtsfcicrtage und am Silvcstcrtage zwei Volksversammlungen, zu dciicil als Rcferciiti» die Genossin St o s a Luxe m bürg aus Berlin geladen ivar. Beide Bersammlungen waren sehr gut gesucht, trotz der llnbildcn der Witterung. Leider konnte die Rescreiitin in der ersten Lersammlung nicht daö Wort, erhalten und die Versammelten »infeten sich mit den Steden dorsigcr Genosscl, beaniigei,. Der niaugelhaftei, VerlchrScinrichtnngcn ivegen erreichte die Genossii, Luxemburg den Berianunlungsort erst beim Eintritt der Dunkelheit, nnd die überwachenden Polizeibcamtci, verhinderten die Fortsetzung der Berfa», iiilmig mit der Begrimdmig. dast die Beleuchtung des Lokales nicht genüge. In der zivcitcn Versammlung hielt die Stcfcrciitiu in polnischer Sprache ein einstündiges Siefcrat über die Grundbegriffe des SocialismnS, � da? mit groste», Beifall anfgciionimcn tvurde. An ihr Referat schloffen sich einige kürzere Sieden hinzu von polnischen nnd deutschen Genossen. Leider mnstte auch diese Versammlung„.wegen mangelhafter Be- lc'uchtung" schon nach ll/estiindiger Dauer geschlossen werden. Die oberschlesischen Parteigenofsen werden dafür sorge», dast eS mit der Zeit auch dort hell genug wird. Partciprcffe. In der.Fraiikfnrtcr Volksstimme" finden wir die Nachricht, dast Geiiosie St. Fischer, der Leiter der Vorwärts- Biichhandlmig. in die Redaktion der„Fränkischen � Tagespost" in Nürnberg eintrete» werde. Wir können erklären, dast die Nachricht jeder Begrüiiduiig entbehrt. Der Vertrauensmann für Lücklenberg nud Kirchhörde gicbt in der Partcipress« die Erklärung ab, daß sich die Partei- genossen dieses Bezirks nach Kenntnisnahme von den vorlicgendci» Griiudcii mir de». Beschinst der Dortmnnvcr Parteiversau, inlung auf Ausschlufe Lütgenaus cinverstandei, crllären. Die Aufhebung des ZcitnngSstcmpclS veranlastt auch die i» Warnsdorf erscheinende„Rordböhnuschc VolkSstimmc" soivie die in Tcplitz erscheinende„Stcue Freiheit", beides Parteiblätter, zu Es- Weiterungen und Berbesserniigeii, durch die sie ihren Leserkreis hoffentlich vergröster» werden.' Polizeilichrs, Griichtlichra uOu. „Prefesiftcher". Der Redacteur des Hallesche»„Volksblatts", Gciiosjc W c i st m a ii», ivar vom Schöffengericht von der Anklage, den Obersteiger Bloch durch Vcröffciitlicbniig eines Berichts über den in Halle stattgehabten Bcrgarbciterkongrest beleidigt zu haben, steige- fprochen worden. Ter Staatsanwalt, der dagegen Berufung eingelegt halte, bcantragte eine Geldstrafe von 300� M a r k cveiit. 30 Tage Gesängnis. Die Slraskamnierrichter verneinten in, Gegensatz zun, Schöffengericht. dast Weistinann in Wahmehinmig berechtigter Interesse» gehandelt habe, erkannten jedoch an. dast der Fall austcrordentlich milde liege und verhängten eine Geldstrafe von ö Mark cvcnt. 1 Tag Gefängnis. Getvevltftszktf'tl tches. Vcrliu nnd llmgcgcnd. Achtung. Zimmerer k Mit Ansang dieses Jahre» tritt laut Vertrag vom 11. August v. I. eine Lohiicrhöhimg von 60 auf .62'/2 Pf. pro Stunde ein. Wir crsiitlu!» daher alle Kameraden. ivclchc an, nächsten Soiniabcud den erhöhte!« Lohn nicht ausgezahlt bekam», e», dies sofort nach dem Bureau des Verbandes. Stralaucr- straste 48, zu melden. Alles weitere wird von dort aus veranlastt werden. Die Vcrbandslcitung. Deutsches Reich. „Der Seemann", Organ für die Interessen der seemännischen Arbeiter, erscheint von, 1. Januar ab monatlich zioeiinal, anstatt wie bisher einmal, acht Qnartseiten stark. Ein ersrcnlichcr Fortschritt, den alle Freunde der Arbeiterbewegung mit Geniigthnng begrüßen werden. Weil st» einen„christlichen Lohn" verlangen, werden nun- mehr auch die Mitglieder deS B e u t h e n e r christlichen Arbeiterverbandes wie Socialdemokraten behandelt und geuiast- regelt. Jusbesoildere geschieht das, scitdcn, die von diesen» Verbände angeregte Lohnbewegung Ende vorigen Jahres bis unmittelbar'zum Streiken' gediehen war. Selbst der General- Direktor der Königshütte, Herr Ladcwig. der sonst in dieser Beziehung noch als liberal passieren konnte, ist scharf geworden und hat die Entlasiung aller Mitglieder des Benthencr Verbandes angedroht.— ES ist sehr dniikcnSivert, dast auf diese Weise die oberschlesischen Arbeiter von de» christlichen llnternchmern und Beamten selbst über die Bedeutung des ChristciitnmS im Arbeitsverhältnis aufgeklärt werden. Ein großer Teil der Mit- glicdcr des Benthencr Verbandes hielt noch an den chriftlichei» Illusionen fest und hofft auf Lohnerhöhung von den Unternehmern, weil diesen ihr Christciitun, sie gebiete. Jetzt sehen sie. dast die Unternehmer die Forderung nach einem christlichen Lohn nicht anerkennen und jeden, der auch nur die geringste Lohiierhöhnng fordert, als Socialdemokraten betrachten und behaiideln. Auf diesem Wege wird es nicht lange danern. dann sind sie es in Wirklichkeit. Schon längst gelingt es der etwas zu sanften Leitung deS Benthencr Verbandes nicht mehr, die immer. radikaler � werdende Stiiiyii'ing unter den Mitgliedern wieder zu besänftigen, Eine NcnjahrSubcrraschung eigener Art hat der Verein der Stauer von Hamburg-Altoua von 1836 den Schauerleuten bereitet. Er hat unterm 1. Januar folgende zwei Bckanutnrachungen er- lassen: 1. Infolge wiederholt vorgclommencr Unzuträglichkeiten ab feiten der Hafenarbeiter hat der unterzeichnete Verein unter Hin weis auf feinen Lohntarif vom September 1898 beschlossen: - Daß Arbeiter, welche nicht nach 6 Uhr abends arbeiten können oder wollen, solches bei der Arbcitannahme mitzuteilen haben Arbeiter, welche ohne diese Mitteilung die Arbeil annehmen und sie dennoch verlassen, bevor ihnen vom Arbeitgeber(Stauer) Feier abend geboten wird, werden von keinem Stauer wieder zur Arbeit zugelassen. « 2. Unter Bezugnahme ans obige Bekanntmachung des Verein der Stauer von 1886 machen wir die Arbeiter darauf aufmerksam, daß laut K II der Statuten des Arbeitsnachweises Arbeitern, die von den Stauern nicht in Arbeit genommen werden, die Karle entzogen werden muß. Die letztere Bekanntmachung hat neben dem Staucrverein auch die Anfsichtskommissioil für den'Arbeitsnachweis der Stauercibctricbe von Hambnrg-Altona unterzeichnet. DaS überaus rücksichtslose Verfahren der Stauer wirdf tn Slrbeitcrkrciscn lebhafte Entrüstung hervorrufen, besonders da die Anordnung den getroffenen Vereinbarungen widerspricht. Vor allem bätte die Aenderung der Genehmigung des Senats bedurft, über die sich der Verein der Stauer einfach hinweggesetzt hat. Die Herren Unternehmer fühlen sich anscheinend so im Vollgefühl ihrer Macht daß sie glauben, den Arbeitern alles bieten zu können. Sic mögen den Boge» nicht allzu straff spannen! Ausland. AuS Graz wird berichtet: Im Köflacher Kohlenrevier, tn welchem 200(1 Arbeiter beschäftigt sind, haben in sechs Werken die Bergarbeiter die Arbeit eingestellt. In zivei Werken wird weiter gearbeitet. Das Eisenwerk in Pichling ruht infolge von Kohlcw tnangel. Der Leiter deS Ackerbanministerinms entsandte einen Ministcrial- rat in das Voitsberg-Kvflacher Ansstandsgebict, um sich über die Veranlassung und Ziele der Arbeiterbewegung zu informieren und nach Möglichkeit auf die Ausgleichung der Streitig- leiten zwischen den Bergarbeitern und den Wcrknntcrnchmnngen hin zuwirken. Die Diamantschleifer in Antwerpen gelangen durch die Ver Hinderung einer Einfuhr der Edelsteine ans Südafrika in eine immer mißlichere Lage. Die Arbeitslosigkeit ist so groß, daß sich ein Hilfs komitee gebildet hat, an dessen Spitze der Bürgermeister steht, um wenigstens die größte Not abzuwenden. Sociales. Nach den RechnungSergebniffen der Alters- und Invaliden bersichernngs-Anstalten für 1898 bestanden anl Schlüsse deS Jahres , bei den 31 Versicherungs-Anstaltcn 201 081 Altersrente» mit einem Jahresbctrage von 15Vs Millionen Mark(ohne Rcichsznschnß) und 263 114 Invalidenrenten mit einem Jahresbctrage von 17.9 Millionen Mark. Bei den besonderen Kassencinrichtnngen bestanden 4662 Alters- reuten mit 456 000 M. und 16 098 Invalidenrenten mit 1,13 Mill. Mark. Der Vermögensbestand der Kasten bclief sich auf 618 Mill. Mark. Die Gesainteinnahinc der Versicherungsanstalten(mit See- lcntcn) betrug 109 336 992 M., die Berwallnngökostcn betrugen 7 165 674 M. Die sächsische JntialideuvcrsichernngS-Alistalt hat, wie gemeldet wird, angesichts des günstigen Vcrmögensstandes(78 Millionen Mark) einstimmig beschlossen, ihre Leistungen wesentlich zu erhöhen und zu erweitern. So sollen die Angehörigen der Versicherten, für die das Heilverfahren übernommen wurde, das Krankengeld bis zum vollen Betrage erhalte», bei besonderer Bedürftigkeit soll außer 100 Proz. Familienunterstützung noch eine außer- ordentliche Unterstützung gewährt werden, ferner den Angehörigen von Rentenempfängern beim Tode der letzteren ein Sterbegeld in Höhe des vierten Teiles der Jahrcsrcnte. Der Ausschuß erklärt sich serner für die Erbauung eines Genesungsheims für Männer seitens der Versicherungsanstalt. Hält die günstige Finanzlage an, solle» auch die Leistungen noch mehr eriveitcrt werden. Doch unterliegen die Beschlüsse der Genehmigung des Bundesrates. Grauer Star bei Glasmachern. Die als grauer Star bc- zeichnete Trübung der Augenlinse wurde bisher»nr bei Personen höheren Alters beobachtet. Nur Zuckerkranke werden bisweilen auch in jüngeren Jahren davon befallen. Neuerdings ist diese Krankheit von einigen Aerzten auch bei Glasmachern hänsig beobachtet worden. Zuerst wurde Dr. Meyhöfer, wie er in den„Klinischen Monats blättern für Augenheilkunde" berichtet, dadurch auf dieses Vorkommen des StarS aufmerksam, daß sich ihm in kurzer Zeit mehrere junge Leute vorstellten, die an Star litten und die alle GlaS- machcr waren. Dadurch aufmerksam gemacht untersuchte Mayhöfcr etwa 500 Glasmacher und fand bei sehr vielen derselben Erkrankungen an grauem Star, von, AnfangSstadinm bis zur völligen Trübung der' Linse. Dr. Pröbsting, Augenarzt in Köln, hat ans gleicher Veranlassung sämtliche Arbeiter der Glashütte in Ehrenfcld bei Köln untersucht und konstatierte dabei, daß etwa ein Achtel samt- lichcr Arbeiter eine niehr oder iveniger vorgeschrittene Starbildung zeigten. Unter den Arbeitern von 40 Jahren an war sogar schon der vierte Teil mit dem Leiden behaftet. Am hänsigsten war die Er- lraukuug bei den Arbeitern, die die glühend flüssige Glasmasse auS den Schmelzöfen herausholen und de» eigentlichen Glasmachern zn reichen. Da alle diese Arbeiter in ganz besonders hohem Grade der Einivirkung. des grellsten Lichtes und der strahlenden Wärme ausgesetzt sind,— bei einer Untersuchung in der Hütte zeigte sich, daß die Augen bei der Arbeit von einer Hitze von 65 Grad Celsius getroffen»Verden,— so hat man wohl in diesen beiden Umständen die Ursache der Erkrankung zu suchen. DieS ist nicht zu bezweifeln, wenn auch der eigentliche pathologische Borgang, ob die Erkrankinig iil einer AnStrocknung oder in einer Art Kragulalion der Linsenflüssigkeit besteht, noch erst durch Untersuchungen festzustellen ist. Die Einlvirkung erstreckt sich auch auf die Gesichtshaut der Bc- troffencn, besonders auf die bei der Arbeit dem Feuer zugekehrte linke Seite, die stark gerötet und rissig ist und oft Narben zeigt. Diese Hautrötung ist so stark und charakteriftisch, daß man in Gegenden mit Glasindustrie daran mit Sicherheit sofort den Glasmacher er- kennt. Auch tritt bei dem linken Auge die Erkrankung am ersten auf. Zu grelle elektrische Beleuchtung beim Arbeiten hat sich auch in anderen Betrieben schon vielfach als nachteilig für die Augen enviesen. In den„Amtlichen Mitteilungen" für 1890 und 1896 wird ferner berichtet, daß in den Aufsichtsbezirken Arnsberg. Oppeln und Frank- furt a. O. bei den Arbeitern, die mit dem elektrischen Schweißen nach dem Zarcncrschen Verfahren beschäftigt ivarcn, sich Schädigungen der Augen und der Gcsichtshaut gezeigt haben. Es ist allerdings nicht mitgeteilt, ob hier die Augenrrkrankung in einer einfachen Eni- Zündung der Netzhaut oder auch in Bildung von wirklichem Star be- stand. Doch hat sich in diese» Fällen als ein wirksainer Schutz gegen die Erkrankungen das Tragen von rauchschwarze» Brillen bei der Arbeit und das Anbringen eines Rahmens, in dem sich eine blaue und zwei rote Glasscheiben hintereinander befinden, zwischen dem Gesicht und dem Arbeitsgegenstand erwiesen, indem nach Anwendung dieser Einrichtung weitere Erkrankungen nicht mehr vor- kamen. Einige Leiter von Glashütten haben ebenfalls daraufhin ähnliche Schutzscheiben und Schutzbrillen angeschafft und durch deren Gebrauch Verminderung des Hebels bemerkt. Zu einein wirksamen Schutz wäre es aber unbedingt nötig, daß deren Anwendung in allen Glashütten und ähnlichen Betrieben gesetzlich obligatorisch gemacht und daß namentlich die Arbeitszeit der so ge» f ä h r d e t e n Arbeiter wesentlich verkürzt würde. Soctolc Vvltzkspflvge. I der Wirt einschreiten mußte. Als dieser die beiden Rechtskandidaten, um sie herauszubringen, durch das Zimmer führte, bekam er von »a» uu, unaicciiu.«jieiuuuuiuijiu swuuuci o« Ring einen Schlag auf den Kopf, worauf ca. 20 bis 30 Gäste herbei- sprangen und die Störenfriede nach einer toohlverdienten Tracht Prügel„ohne Zubilligung mildernder Umstände" an die frische Luft beförderten. A»s Aerger darüber hatten sie gegen den Wirt Ruhe und dessen Bnffetier Riedel Anzeige ivegcn gcin'ciiischaftlichcr Körper- Verletzung erstattet. Das Schöffengericht konnte sich aber dieser Be- ariffsvcrwcchslung nicht anschließen und erkannte antragsgemäß auf Freisprechung, mit dem Hinweise, daß die Angeklagten nur von langten im Klagewcge von dem Maurermeister Hiebeholz je 75 P für 144 Stunden, die sie während der Arbeitszeit auf Mörtel hatten warten müssen. Die Kanuner III des G e w e r b e g e r i ch t s er klärte die Forderung für begründet und verurteilte demgemäß den Beklagten. Nicht ausgeglichene gegenseitige Beleidigitngen. Die Wickelmacherin W. geriet eines Tages mit ihrein Arbeitgeber Schach mann wegen der Arbeit in Streit. Schachniann behauptete, sie hätte zu viel Material verbraucht, und drohte ihr deshalb eincir Abzug an. Hierauf erklärte Frau W. ihrem Unternehmer, er wäre„Über kandidelt mit'n Torfkahn". Sch. nannte sie nunmehr ein„gc meines Weib" und entließ sie. Frau W. verklagte ihn dann beim G e w e r b e g e r i ch t, sie wurde jedoch von der Kammer V mit ihrem Entschädigungsansprüche abgewiesen, iveil da Wort„überkandidelt" eine grobe Beleidigung enthalte, die den Beklagten zu ihrer sofortigen Entlassung berechtigte. Wenn auch der Beklagte sie beim Aussprechen der Entlassung ein gemeines Weib nannte, so könnc doch nicht angenommen werden, daß die von ihr auSgcstoßcne Beleidigung dadurch kompensiert sei. 4 GecMzks�Äettung» Zlls Raubmordversuch aus einem Schiffe stellte sich eine Strafsache anfänglich dar, welche gestern die zweite Strafkammer am Landgericht ll beschäftigte. Am 26. Juli v. I. erschien der in Schiffseigner Karl T a s ch w i tz. der mit seinem Fahrzeug Spandau vor Anker lag, bei der dortigen Kriminalpolizei init der Meldung, daß sein Bootsmann, der Schiffer Paul Grunert in der vorangegangenen Nacht den Versuch gemacht habe, ihn mit einem Beile zu erschlagen. Er habe den Hieb mit der Hand auf gefangen, wovon diese ganz blan angelaufen sei, doch habe er den Mörder niedergerungen. Immerhin habe ihm Grunert dabei seine Uhr gestohlen. Der Kriminalkonunistar Markus wurde mit den Recherchen betraut. Derselbe nahm zunächst eine Durchsuchung der Kajüte des be schuldigten Bootsmanns vor, fand aber die gesuchte Uhr nicht. Bei einer nochmaligen Durchsuchung dcrKajüte, an lvelcher sich Taschivitz beteiligte. Ivill dieser die Ilhr in einem Pantoffel des Grunert gefunden haben. tvenigstens brachte er die Uhr zum Vorschein. Die Untersuchung wurde zuerst auf versuchten Raubmord geführt, sie schrumpfte aber allmählich sotveit zusammen, daß nur Anklage wegen Körperverletzung mittels gefährlichen Werkzeuges und wegen Diebstahls erhoben werden könnte. Der Angeklagte bestritt entschieden jede Schuld und gab an. er habe an dem Tage vorher mit Taschlvitz Kohlen zclichtcrt und dabei hätten sie beide viel getrunken. Abends "pät sei er ans das Schiff gekommen und habe sich nach seiner Kajüte begeben. Da er dort keine Streickihölzcr fand, sei er in die Kajüte des Schiffseigners gegangen, um sich Streichhölzer zu holen da fei dieser aber sofort aus dem Bett gesprungen und habe ihn niedergeschlagen. Der als Zeuge vernommene Schiffseigner machte eine Aussage, die sich init seiner ursprünglichen Anzeige deckte, er machte aber keineswegs einen sonderlich vcrtrauenswerlen Eindruck. Bezüglich des Diebstahles an der Uhr gewann der Gerichtshof die Ucbcrzengnng, daß derselbe fingiert sei. Die Beweisaufnahme ergab das Bedenkliche,'daß Grunert erst hätte an Taschlvitz— der munter im Bett gelegen hatte— vorübergehen müssen, um zu der in Armeswcite vom Besitzer entfernt hängenden Uhr zu gelangen. Außerdem mußte es auffallen, daß der Kriminalpolizeikommissar mit allem Scharfblick die Uhr nicht gefunden hatte, sondern der Besitzer dieselbe unerwartet zum Vorschein brachte. Bezüglich der Uhr erfolgte daher Frei- prechnng. Die Körperverletzung blieb aber bestehen, da bei dieser andere Zeugen nicht zugegen gewesen waren und der Schiffseigen tümer seine Aussage mit einem Eid bekräftigte. Wegen der Körperverletzung lautete das Urteil ans neun Monate Gefängnis. Bei den Zlbbruchsarbeiten, welche im verflossenen Sommer jvccks Verbreiterung der Wallstraße vorgenommen ivnrden, ereignete üch ein Unglücksfall', der gestern vor der 8. Strafkammer des Land- gerichtS l erörtert ivurdc. Der Kutscher Schulz, der den von den Kolonnaden nach dem Hofe zu führenden Zugang betrat. wurde von einem Balken, der von einem der abzu- reißenden Gebäude hernntergeworfen wurde, erschlagen. Die Schuld air diesem Unglücksfalle ivnrde dem mit den Abrißarbciteu betrauten Maurerpolier JulinS Schulze zugeschrieben. Das Hinunterwerfen der Balken wurde an sich nicht als ein Verstoß betrachtet, vorausgesetzt, daß eine zuverlässige Person am Eingänge zn der Arbeitsstelle aufgestellt lvar, die Leute von dem Betreten derselben abzuhalten hatte. Der Angeklagte hatte hierzu einen Mann benutzt, der so wenig Intelligenz besitzen sollte, daß er auf die Bezeichnung„zuverlässig" keinen Anspruch mache» konnte. Durch die Vernehmnng dieses Zeugen zeigte sich zwar, daß derselbe in Hohem Grade beschränkt lvar, aber dem Angeklagten, der von, Rechtsanwalt Schwinvt verteidigt wurde, konnte nicht nachgclvicfcn iverdeu, daß er selbst den Zeugen nicht für geeignet gehalten hatte. den wenig Umficht erfordernden Posten als Aufseher zu bekleiden. ES mußte deshalb ans Freisprechung erkannt werden. Klatscherei lag der Anklage wegen wissentlich falscher Anschuldigung zu Grunde, die gestern den Fahrrad- Dienst mann Franz ke vor die erste Strafkammer des Landgerichts! führte. In der Verhandlung spielte wiederum der Stiefelputzer Kluge, jener bekannte betagte Mann, der am Bahnhofe Friedrichstraße sein Gewerbe ausübt, eine Hauptrolle. Franzke und sei» Kollege, der Fahrrad- Dicnstmann Liesegang, waren viele Jahre hindurch Freunde gewesen, bis sie sich auf Grund gegenseitigen gc- fchäftlichen Wettbewerbs entzweiten. Liesegang war dem Stiefel- Putzer Kluge eine größere Summe schuldig. Eines Tages erzählte Kluge dem Franzke, daß Liesegang in den letzten Monaten monat- lich'7ö M. von seiner Schuld abgetragen habe, obgleich nur eine Abtragung von 30 M. vereinbart sei. Dies könne nicht mit rechten Dingen zugehen. Er. Kluge. bringe diese plötzliche Wohlhabenheit des Liefegang mit dem unaufgeklärten Verschwinden von dessen Schlafburschen in Verbindung, der beträchtliche Mittel bc- scsfen haben solle. Franzke richtete darauf an das Polizeipräsidium eine Anzeige, worin er den Liesegang ohne iveitcres des Mordes beschuldigte. Man solle nur eine große Kiste, die im Keller der Liesegangschen Wohnung aufbewahrt werde, durchsuchen, wahr- scheinlich werde man darin die Leiche des Ermordeten finden. Die Ermittelungen ergaben die völlige Haltlosigkeit dieser Bezichtigungen und Verdächtigungen. Der Angeklagte behauptete in. Tennin, daß er keine Veranlassung gehabt hybe, den Mitteilungen deS alten Kluge keinen Glauben zu schenken, er habe nur zur Anzeige gebracht, was dieser ihm mitgeteilt. Der Gerichtshof konnte sich auch nicht davon überzeugen, daß der Angeklagte tvider besseres Wissen gehandelt und müsse deshalb ein freisprechendes Urteil er- folgen. Eiuem Kindergarten glich gestern vorübergehend der Sitzungssaal der IV. Strafkammer des Landgerichts I; etwa 20 kleine Mädchen iin Alter von 5—7 Jahren drängten sich in dem so ernsten Räume und brachten in denselben ein ungeivöhnliches Leben, denn die begleitenden Mütter hatten alle Mühe, die vom langen Warten nngednldig gewordenen Kleinen auf die Wichtigkeit ihrer Rolle. die sie hier zu spielen hatten, hinzuweisen. Die Kinder traten als Belastungszeugen gegen eine noch jugendliche Schwindlerin und Diebin, die Arbeiterin Else Meyer, auf. die überführt wurde, in 20 Fällen in der dreistesten Weise den kleinen Kindern, die von ihren Eltern zu kleinen Einkäufen ausgeschickt waren, die Gelder abgeschwindelt, ihnen auch bei passender Gelegenheit die Ohrringe ausgehakt zu haben. Sie wurde zu drei Jahren Gefängnis verurteilt. Wer gehört aus die Anklagebauk? AuS Halle a. S. be- richtet man uns: Die 23- bis 24iährigen Kandidaten der Rechts- wifsenschaft Wensin a und Ring hatten sich am Abend des Palm- sonntags v. I. im Restaurant„Bratwurstglöckle" mehreren Damen I und Herren gegenüber in so provozierender Weise benommen, daß ihrem HauSrccht Gebrauch gemacht haben. Vom Kriegsschauplatz liegt heute an wichtigeren Nachrichten nur die Mitteilung vor, daß die Engländer sich ihres Erfolges bei ColeSberg noch nicht 24 Stunden haben freuen können, da die Bocren die Stadt schon wieder besetzt haben. Man telegraphiert ans London vom Mitt- woch, den 3. Januar: Wie die Morgenblättcr ans Rcnsburg melden, hat sich gestern früh die Lage bei Colesberg in unerwarteter Weise geändert. Man entdeckte, daß die Boeren während der Nacht zurück- gekommen waren und die Stellungen wieder besetzt hatten, von welchen sie am Tage zuvor durch General French vertrieben worden waren. Es fand ein planloses Feuern statt. Zweifellos sind die Bocren feit dem 1. Januar bedeutend verstärkt worden. Die Engländer hoffen jedoch das beste und die.Times" ver- öffentlichen in ihrer Miltwoch-Nummcr ein Telegramm aus Naanw- poort vom 2. Januar, in dem es heißt: Die britischen Truppen halten noch immer den Hügel besetzt, welcher Colesberg, die Brücke über den Fluß und die Landstraße beherrscht. Nachdem General French den rechten Flügel des Feindes umgangen hat und seine Truppen durch Infanterie verstärkt worden sind, steht zu ertvarten, daß ColeSberg bald von den britischen Truppen besetzt werden wird. Außerdem verzeichnen wir noch die folgenden vom Kriegs- schanplatz vorliegenden Meldungen: Douglas, 2. Januar. Die feindliche Abteilung, die von dein britischen Oberst Pilcher geschlagen wurde, bestand hauptsächlich aus abgefallenen britischen Staatsangehörigen. Der Landdrost ergriff gestern abend mit den berittenen Aufständischen die Flucht, die übrigen, glicht berittenen Rebellen sollen sich, wie es beißt, in der Nähe der Stadt verschanzt haben. Die Einlvohncr der Stadt, die treu geblieben waren, hißten den Union Jack vor der An- knllft der britischen Truppenabtcilung und rissen die Frcistaat-Flagge herunter. Die Truppen wurden mit großer Begeisterung empfangen, besonders als bekannt lvurde, daß die zum Entsatz heranrückenden Streitkräfte aus australischen und kanadischen Truppen bestanden. Modder River, 2. Januar. Gestern verließ eine berittene Anfklärniigsabteilung unter General Babington das Lager; das Vor- gehen stand in Verbindung mit dein Vorstoß deS Obersten Pilcher von Belmont aus, der zur Wegnahme des Boerenlagers und Ge- fangennahme von 40 Bocren führte. Babingtons' Mannschaften gingen in derselben Richtung vor, aber nordwärts des RictfluffcS; über das Ergebnis dieses Marsches liegt noch keine Meldung vor. Englische Rüstungen. Nach englischen Berechnungen wird, wenn alles zur Stelle ist, General Roberts über 40000 Mann berittene Truppen verfügen: nämlich 10 000 Reguläre. 10 000 Deomanry, 8000 berittene Infanterie, 3000 Kanadier, Australier und Neuseeländer, 2000, die sich jetzt in Mafcking und Rhodesia befinden, 2000 in Natal AnSgchobene und 7000 in der Kapkolonie AnSgchobcne. Die Zahl für Mafcling ist jedoch sehr unsicher, da Mafcking Zeichen von chwäche gicbt und zu kapitulieren gczlvungeit werden dürfte, während die Begeisterung der Äap-Engländer. nach der Front zu gehen, nicht viel das Niveau von 3000 Mann übersteigen wird. „Daily Mail" erfährt, die der LandcSverteidigungS-Kommission angchörcndcit KabinettSinitgliedcr hätten sich für eine Kredit- o'rderuitg von mehr als fünf Millionen Pfund Sterling zur Beschaffung neuer Geschütze entschieden. Friedensvorschläge. In den Vereinigten Staaten gewinnt die Bewegung zn Gunsten einer schiedsrichterlichen Beendigung des Krieges zwischen England und den zwei Bocren- r c p u b l i k e» rasch an Ausdehnung und Stärke. Zahlreiche Ver- 'ammlnnaen werden gehalten und Masscnpetitionen unterzeichnet, zu dem Zweck, den Präsidenten Mac Kinlcy aufzufordern, daß er die Bermittelung der Vereinigten Staaten den triegführcnden Teilen anbiete. Da die transatlantische Republik auf freundschaftlichstem Fuße mit England steht und zugleich für die Bocren lebhafteste Sympathien hat, so' ist sie zur Vermittlerrolle unter allen neutralen Staaten wohl am besten berufen. ES ist freilich sehr unwahrscheinlich, daß die englische Regierung im jetzigen Stadium der Kriegführung den moralischen Mut haben wird— wie seiner Zeit der alte Gladftone ihn halte— irgend eine Vermittlung anzunehmen.— Letzte Meldungen. London. 3. Januar. Amtlich wird mitgeteilt: General F r c n ch s Lage ist unverändert. Er manövriert noch und glaubt, daß er mit genügen Verstärkungen den Feind aus Colesberg ver- treiben könnte. Ferner wird amtlich mitgeteilt. daß General MethuenS Kavallcriebrigade unter General Babington mit dem Obersten Pilcher bei Douglas in Ucbereinstimmung handle und die KoodooZ- Drift überwache. London, 3. Januar.(W. T. B.) Ucber den Zwischenfall, der den nach ColeSberg geratenen Eiscnbahnzug betraf, wird dem Renterschen Bureau ans Naauwpoort von heute gemeldet: Auf der Bahnlinie ereignete sich ein unglücklicher Zufall. Scchsnndzwanzig mit Lebensmitteln beladene Güterwagen, die im Bahnhofe Rens- bürg standen, gerieten bergab in der Richtung auf Colesberg ins Rollen. Bei der zerstörten Bahnüberführung zwischen Rensburg und ColeSberg zerschellten die Wagen, worauf der Feind die Ladung zu plündern begann. Daraufhin wurde aus Reitsburg ein Zug mit einer Kompagnie des Snffolk-Regiments und einer Anzahl' Kap- Eingeborener abgelaffen, um die Rettung der Vorräte zu versuchen. Der Feind eröffnete auf die Suffolks von Vanderwalts-Fontein aus Feuer mit einem Geschütz und zivang ie, in einen» Wasserlauf Schutz zu nehmen. Danach richtete» die Boeren ihr Feuer auf die beiden Züge und töteten mehrere Ein- geborene. Im ganzen feuerten sie 20 Geschosse ab. Schließlich kehrte -er Entsatzzug nach RenSburg zurück. Die Verluste auf englischer Seite sind nicht bekannt. Uetzke Mschvichketr und Vepefchen. Lengenfeld(Vogtland), 3. Januar.(B. H.) Heute»niltag wurden drei Mädchen in» Alter von ca. 20 Jahren und gut ge- kleidet im Göltzschflusse erschossen aufgefunden. In der Tasche der einen Leiche fand man 150 M. bares Geld. Ein Revolver lag bei den Erschossenen,»vclche heute früh 5 Uhr mit dem Zuge von Zwickau angekommen waren. Die Mädchen haben offenbar Selbst- mord begangen. Lemberg, 3. Januar.(B. H.) Die Hörerin der Lemberger Universität, Fräulein Zeit, wurde an der Grenze von russischer Gendarmerie wegen Verbreitung politischer Schriften verhaftet und in das Gefängnis zu Lud Iin' eingeführt. Paris, 3. Januar.(W. T. B.) Der StaatigerichtShof billigte Gusriu mildernde Umstände zu. Der Schuldspruch lautet ans schuldig des Komplotts»md der Beleidigung von Polizeibemnten. Die Schuldfrage wegen Mordversuchs wurde verneint. Nächste Sitzung morgen.__ Verantwortlicher Rcdactcur: Paul John in Berlin. Für den Inseratenteil verantwortlich: Th. Glocke üiBerlin. Druck und Verlag von Max Pabing in Bcrliu. Hierzu I Beilage.und Unterhaltungsblatt. s- 2"»>«• Kilsgc Ks Jonöilrb" Kttlim UcksM«««*« i—«». Ein Ketzerprozeß. Wcgcn Beschimpfung von Einrichtungen und Gebräuchen der k a t b o'l i s cki e n Kirche hotte sich gestern der Schriftsteller Siegmar Mehring vor der vierten Strafkammer des Landgerichts I. unter Vorsitz des LandgerichtSratS P l e g« e r zu vcraiitwortcin Unter Anklage gestellt ivar ein in Nr. 37 des ..Ulk" vorn IS. September v. I. veröffentlichtes Gedicht unter der Uebcrschrift:„Die feige T h a t in Renne s." Das Gedicht glossiert das Urteil des Militärgerichts von RenneS, an wclckicm es in mehreren Strophen scharfe Kritik übt. Es wird darin geschildert und beklagt, dasi das sonst so stolze Frankreich sich durch dieses Urteil selbst in bedauerlicher Weise degradiert habe. In dazwischen geschobenen kürzeren Strophen ivird das geistige Niveau der Lc- lvohncr von RenneS und die Bekundung ihrer Religiosität m der Messe. Beichte, im Krenzzcichcn ec. und der Einflusi der Jesuiten gc- geigelt. Das Gedicht hat in katholischen Blättern lebhafte DcnnnziationSivut angeregt, namentlich richtete sich diese gegen zwei Strophen, die sich auf die Leute, die in Reimes zur Messe gehen und auf die Bauern bezogen, die ihr Kreuz vor Ehrist und seinen Jüngenr machen. Eine Strafanzeige hatte ursprünglich keinen Er- folg bei dein Staatsanwalt, schließlich wurde aber die Strafverfolgung angeordnet.— Der Angeklagte, der Dissident ist, bestritt' ent- schieden, die Absicht gehabt zu haben, die katholische Kirche und ihre Einrichtungen zu vcrnnglimpfcn. Das Gedicht sei unter dem auf- regenden Eindruck des Urteils von Reniics entstanden und sein Hauptgedanke sei zunächst das Mitleid mit Frankreich gewesen, das durch jenes Urteil in der ganzen Welt an Ansehen eingebüßt habe. Um zu erklären, wie ein solches Urteil nur möglich Ivar, habe er das Milieu schildern wollen, in welchem sich der Prozeß abspielte. Es sei bc- kannt, daß gerade in der Bretagne Pietismus und Heuchelei zu Hause seien. Es lasse sich schon grammatikalisch nachweisen, daß er mit seinem Gedicht nur die Gesellschaft zu Reimes, nicht aber die katholische Kirche habe treffen wollen. Er habe nur kennzeichnen wollen, welche Sorte von Menschen dort wohne, wie allerdings die Jesuiten ihren Einfluß dort geltend machen, und wenn er erwähnte. wie ein General, der soeben vor Gericht eine Lüge bekundet habe, äußerlich fromm zur Beichte gehe, so habe er nur den General treffen wollen, nicht aber die Beichte. Staatsanwalt R o m e n erachtete eine Beschimpfung von Ein- richtmigen der katholischen Kirche für vorliegend. Unter Beschimpsung im Sinne des Z 166 sei nicht nur immer eine besonders rohe und grobe Beleidigung zu verstehen, sondern es reiche»ach einem vor- liegende» RcichsgerichtS-ErkenntniS ein stärkerer Grad der RchtnugS- Verletzung ans. Er behaupte, daß der Angeklagte in seinem„ S ch a n d g e d i ch t" mit Absicht und Ucberlcgung seine Giftpfeile gegen die katholische Kirche gerichtet habe und diese habe treffen wollen. Nicht bloß die An gehörigen des katholischen und des evangelischen Christen tunlS, sondern auch Inden hätten über dieses Gedicht die Köpfe geschüttelt. Der Angeklagte habe die Absicht gehabt, durch sein „Schandgcdicht" nicht nur die katholische Kirche als solche zu vcr- nngliinpfcn. sondern die Messe und die Beichte, das Krciizzcichc», das Pricstcrtnm, das Priestergewand und den Jesuitenorden in be- schimpfender Weise zu treffen und mit Kot zn besudeln. Mit Gewalt habe er die katholische Kirche für einen Akt, der als feige bezeichnet werde, verantwortlich gemacht und die ganze herbe Kritik, die gegen das Urteil von RenneS geltend gemacht werde, solle auf die katholische Kirche in Anwendung gebracht werden. In anßcrordcntlich scharfer und mit Ausdrücke» des Unwillens reich ansgestattetcr Ans- führung suchte der Staatsanwalt den Nachweis zu führen, daß in dem Gedichte die heiligsten Einrichtungen der katholischen Kirche zum Gegenstand niederen Spottes und bodenloser Pcrächtlichinachimg gemacht seien und dabei mit voller Absicht vorgegangen sei. Nach der Auffassung des Staatsanwalts wollte der Angeklagte durch sein Gedicht zmn Ausdruck bringen, daß nur Lumpen, ver- l o g e n c Staatsanwälte' und kvt a i t r e s s c n zur Messe gehen(!), er bringe in cynischcr Weise das Zeichen des heilige» Kreuze? in unmittelbare Verbindung mit einein schmierigen Bauer. der dieselben Finger, mit denen er das Krcnzzeichcn mache, in seine schmierige Nase stecke. Auch die Jesuiten, auf welche der 2ln- geklagte perfide Angriffe gerichtet habe, seien eine kirchliche Einrichtung im Sinne des Gesetzes, ob gleich sie zur Zeit aus Deutschland verbannt seien; Es handle sich hier nicht um die deutsche katholische Kirche, sondern um die katholische Kirche an sich. Wenn der Angeklagte es in dem Gedicht so darstelle, daß man in der katholischen Kirche durch die Beichte leichtfertig seine Sünde los werden könne, so sei das eine Beschimpfung des von Jesus Christus eingesetzte» Sakraments der Beichte. Das Gedicht habe in der ganzen gesitteten Welt Auf- sehen und Empörung hervorgerufen und mit Rücksicht hierauf, ferner mit Rücksicht auf die weite Verbreitung des„tllk" und auf die Thatfache, daß eine ganze Reihe von Beschimpfniigcn von Kardinal cinrichtungen der katholischen Kirche vorliegen, beantrage er sechs Monate Gefängnis. Justizrat Träger führte dagegen ans, daß— ganz abgesehen von der Frage des Geschmacks— selbst bei feinstem religiösen Gefühl und der größte» Hochachtung vor der katholischen Kirche man nicht zn der Ucbcrzcngung kommen könne, daß sich der Angeklagte strafbar gemacht habe. Der Staatsanwalt befinde sich in einem grundlegenden Irrtum über die Bedeutung des GcdichiS. Das Icplcre bestehe aus zwei Teilen, ans längeren und dazwischen- geschobeiien kürzeren Strophe». In den längeren werde das Schicksal Frankreichs beklagt, das sich durch das Urteil von Reimes auf eine so niedrige Stufe hcrabgedrückt habe, die dnzwischcngcschobcne» kleineren Strophen sollen»iir Stimmniigs bilder ans RenneS geben, sie seien absolut lokal beschränkt, beziehen sich mir ans die spccicllcn Verhältnisse von RenneS und cS sei auch nicht der geringste Anhalt dafür, daß die katholische Kirche als solche für das als„feige" charakterisierte Urteil verantwortlich gemacht ivcrdcn solle. Gerade wegen dieser lokalen Beschränkung habe der Staatsanwalt zu nächst die erste Strafanzeige zurückgewiesen. Gerade die am meisten angefeindete Strophe des Gedichts habe kcincsivegs eine Verspottung des Krcuzzcichens bezweckt, sondern ivolite mir die Stumpfheit jener bretamiischcn Bauern kennzeichnen. Ebenso sollte nicht die Beichte getroffen ivcrdcn, sondern der General, der unter dem Deckmantel der Beichte seine Thatcn gegew DreyfnS ausgeführt habe. Der Verteidiger suchte an der Händler einzelnen Strophen darzuthun, daß man dein Gedicht Gewalt a n t h u>i müsse, lvcmi man zu der Auffafsung des StaatsanivaUA kommen ivolle. Die Empörung einzelner könne für den Gerichtshof nicht maßgebend sein, denn niemand könne wissen, ob dieser Empörung überall religiöse Momente zu Grunde liegen. Man Ihne den religiösen Einrichtungen keinen großen Gefallen, wenn»icru überall gleich Beschimpfungen derselbe» wittere. Ohne z» erwägen, ob der Angeklagte nicht seine Gedanken gc- schmnckvollcr hätte anSdriickcit kömien, beantragte er dessen Frei- sprechung. RechtSanivalt Masse schloß sich diesen Ausführungen durchaus an tilld ergänzte sie noch in einigen Punkten. Er bestritt, daß die Jesuiten c i n e E i» r i ch t u n g d e r k a t h o l i s cki e n K i r ch c seien, verlas einige Acußcruiigen Luthers ü der M esse u» d Beichte inid führte aus. daß der Inhalt des Gedichts nicht in die strafrechtlichen Grenzen hineinpasse, welche das Reichsgericht im 27. Baude hinsichtlich der Amvendbarleit des§ 166 dcs'St.-G.-B. gezogen habe. Das Gedicht habe mir zeigen wollen, daß trotz der Lehren und Einrichtungen der katholisckicn Kirche daS Urteil von RenneS in die Erscheinung habe treten kvinicn. Der Gerichtshof kam im ivcsciitlichcn im Anschluß an die »tiSführungen dcS Staatsanivalts zit der Ansicht, daß der Angeklagte mit Absicht und Beivitßtscin die katholische Kirche für daS Urteil in RciincS habe verantwortlich machen wollen und Messe, Beichte, Kreuzzcichcn, Priestertum und Jesuitenorden in roher Weise be- schimpft habe. Der Gerichtshof crkauutc auf sechs Monate OSe- fiwgniS sowie Unbrauchbarmachung der Platten und Formen. Mommunnles. Die socialdemokeatischc Fraktion der Stadtverordneten- Versammlung hat sich neu konstituiert. Sie hat den Genossen Singer zum Vorsitzenden, Borgmann zum stellvertretenden Vorsitzenden und Kassierer und Bruns zum Schriftführer gewählt. Die Sitzungen der Fraktion finden Dienstags, abends 8 Uhr, im Rathausc statt. Im Anschluß an diese Mitteilinig bittet die Fraktion die Partei- genossen, die socialdcmokratischcn Stadtverordneten für den Dienstag nicht mit VcrsammlungSreferaten«. zn beauftragen. Ein solcher Verzicht ist um so notwendiger, als Dienstags auch die Ausschuß- Sitzungen stattfinden, denen unsere Genossen, soivcit sie den AitS- schüsscn angehörcu, gleichfalls beizitwohneit haben. Auf die Tagesordnung der Sttztnig der Stadlverordneten- Vcrsaniiiilung am heutigen Donnerstag sind n. a. folgende Gegen- stände gestellt: Einführung der wieder- beziv. neugcwählten Mitglieder der Versammlung; Wahl des Vorstehers und des Vorsteher- Stellvertreters: Wahl von drei Beisitzern und drei Stellvertretern derselben.— Beschlußfassung darüber, an welchem Tage imd zn welcher Stunde die ordentlichen Sitzungen der Versammlitng im Jahre 1000 stattsindcn sollen.— Beschlußfassung über die Neu- wähl: dcS Ausschusses für die Wahl der unbesoldeten Ge- ntciiidcbeamtcn, des AnSschnsleS zur Begutachtiing der Vorlagen wegen Niistcllimg bczichlmgswcisc Pcnsionicnmg bc- wldctcr G c m e i ii d c b c a m t e» und Lehrer und des AnSschnsses für Petitionen.— Beschlußfassung über die etwa sonst noch zn wählenden ständigen Ausschüsse: Ausschuß für Rechmmgssachen und Ausschuß zur Vorprüfung der Gültigkeit der Stadtverordiictenwahlcn. — Berichterstattung über die Vorlagen betreffend den Borcntivitrf zum EriveitcrungSbau des Friedrich Wilhelm- Hospitals in der Pallisadcnstraßc 37 und die Einstellung der Erhebung der Gemeinde- EiiilommcUsteucr nach dem Steuersätze von 4M., die Einkommen von mehr als 666 M. bis einschl. 666 M. umfassend, vom 1. April lV60 ab.— Vercinbarung mit den Vororten zwecks gemeinsamer Fragestellung:c. bei der am 1. Dezember 1966 stattfindenden VolkSzählnng und die verfügte Erhöhüng der Kur- und VerpflegUngS-Kostensätze in den städtischen Krankenhäusern.— Wahl der Stadtverordnete» Esmann, Kyllmann, Herbig. Jacobi, George und Roscnow zn Kommunal- Landtags-Ab geordneten bezw. Stcllvcrtrcteii.— Die Ferien der höheren Lehranstalten im Jahre 1966 ec.. elf Rechmingen.— Vorlagen, belrcffcnd de» Ablauf der Mahlzeit cincS Bürger- Deputierten bei der Stciier-Deputation. Ter städtischen Tchuldeputation lagen in ihrer heutigen unter Vorsitz des Stadtschulrats Dr. Bertram stattgehabten Sitzung zivei Gesuche um Errichtung von höheren Mädchenschule n vor. Das eine Gesuch geht von dem Hausbesitzer- Verein Süden aus, welcher die Errichtung einer solchen Anstalt in der Ternpelhofer Vorstadt anstrebt, während das zweite Gesuch die Errichtung einer höheren Mädchenschule aus dein Gcsnndbrnnncn bezweckt. In erstercm Falle soll nach Beschluß der Deputation zunächst Erhebung angestellt werden über ein vorliegendes Bedürfnis, während im anderen Falle die Deputation bei den städtischen Behörden die Be- rücksichtignng befürworten will.— Eine Petition der S ch u l d i e n c r an den Gemeiiideschulen um Gleichstellung in den Gehaltsvcrhält- nisicn mit den Schntdieiiern an den höheren Schulen wurde bedaner- lichcrwcise abgelehnt.— Ein Antrag ans Errichtung eines Unter- richis für Stotternde wurde einer Kommission zur Borprüftmg überwiesen. rolmles. Zur Lokalliste. Die Mitglieder der L o k a l k o m m i s s i o n von Berlin, insbesondere aber die der Umgegend, ivcrdcn auf- gefordert, Aenderungen oder Neuaufnahmen zur Lokalliste bis späte- stcns 16. Januar bei Karl Scholz, Berlin 80. Wrangclstraße 116, anzttmclden, da am 26. d. Mts. die»cne Lokalliste erscheint. Spätere Einsendinigen können nicht berücksichtigt werden. ES ivird besonders gebeten,'Namen und Adressen in deutlicher Schrift anzu- geben. Am Freitag, den 5. Jaimar. veranstaltet die Firma Berliner Straßcnbnhngcsellschafi früher Siemens n. Halske sBelricbSbahnhvf Treptow) ein Wcihnachtsvergnügcn und zwar in den Concordia- F e st s ä l c ii, AndreaSstraße, Inhaber Saegcr. Wie den Arbeitern und Angestellten dieser Gesellschaft bekannt ist, steht genanntes Lokal den Arbeitern zu Bersaminluiigcn nicht zur Verfiigniig. _ Die Lokalkommission. lieber die Briefbeförderung während der Feiertage, nameiit- lich während der Jahreswende wird vielfach Klage geführt. An gewisse Unregelmäßigkeit in dieser Zeit ist man gewöhnt, und in Anbetracht der Verhältnisse nimmt man auch»lanchcs gern hin, waS sonst zu berechtigten Beschwerden Anlaß geben würde. Allein dies- mal sind die Verspälmigen zahlreicher gcivcsc» als sonst. Freilich, es war auch der Bricfvcrlchr größer, indes darauf mußte man bei der sieigcndcii Progression des Briefverkehrs gefaßt sein. ES scheint, daß die oberste Postlcitimg einesteils nicht die nötige Voraussicht geübt, aiidcrntcils übertriebene Anfordernngen an die LcistimgS- fähigkeit der Postbeamten gestellt hat. Wenigstens klagen die Beamten, daß'ihncn in diesem Jahre mehr Arbeit zugemutet worden sei, und daß die Postverlvaltnng weniger Hilfskräfte vcr- wandt habe, als in früheren Jahren. DaS wäre allerdings wieder einmal eine Praxis des leidigen„SparshstemS", gegen die wir aufs nachdrücklichste proteftiren müssen. Unsere Postbeamten haben wahrhaftig im Laufe ihres Berufs fleißig zu arbeiten, sehr fleißig— und sie thnn eS unverdrossen. Abrackern soll man sie aber nicht. Das ist weder„christlich" noch klug. Auch wir sind für Spar Politik— daS Material aber, daS vor allem gespart und geschont ivcrdcn muß. sind die Menschen. Mcnschenkrast vcr- genoen, um Geld zu sparen, das ist die schlechteste und verkehrteste „Sparpolitik". Der diesmalige Neujahrs- Bricfverkehr hat nach der von der Obcr-Postdirektion aufgestellten Ucbersicht in Berlin ein Mehr von nahezu 25 Proz. gegen 1898/99 ergeben. Besonders groß war die Zunahme in den Außenbezirken und den Vororten. Jnsgesnnil lvurden in der Zeit vom 36. Dezember, mittags 12 Uhr, bis z»ni 1. Januar, abends 11 Uhr, 5 224 928 Stadtbriefc aufgegeben, im letzten Jahr 4 261 223, also diesmal 1 623 754 Stück oder genau 24.4 Prozent mehr. Weil der Silvester ein Sonntag' war, machte sich der Zuwachs besonders geltend in der Zeit von Sonnabend 12 Uhr mittags bis Sonntag 5 Uhr früh. Diese 17 Stunden ergaben eine Anfliefenma von 899 489 Stadtbricfen oder 382 884 mehr als 1898/99. Von der Gesamtaiiflicscrimg ciitficlcn in diesem Jahre 2 775 346 Stück auf Briefe und Postkarten. 2 449 642 auf Drucksachen und Warenproben. Gegen das letzte Jahr bedeutet dicS eine große Verschiebung zn Gunsten der Briefe nnd Postkarten' gegen die Drucksachen. Im Vorjahre war die Zahl beider Gattungen von Bricfpostsendmigcn fast dieselbe. Diesmal haben die Briefe inid Karten um 654 627 Stück, die Drucksachen dagegen nur um 369 127 Stück zugenommen. Der Zuwachs fällt jedenfalls auf Rechnung der Karten, der amtlichen Karten für i960 sowohl als der Ansichtspostkarten. Die Paketfahrt-Gefellfchaft be» förderte am 31. Dezember und 1. Januar l�/t Millionen Briefe und Drucksachen. Bis zum 1. Januar abends waren die sämtlichen bis mittags eingelaufciicn Bricfsachcn bearbeitet nnd den Adressaten zu- gestellt worden. Die am Nachmittag deS 1. Januar aufgegebenen Briefe wurden erst Dienstag besorgt. Die neue» Rcichspostinarken zn 86 Pf. und 36 Pf., welche mit dein Beginn des Jahres eingeführt find, haben den einen nnan- genehmen Fehler, daß sie in der Farbe einander zum Verwechseln ähnlich sehen. Das Rot der Marken zu 36 Pf. ist mir um eine ganz geringe Abstufung dunkler als das der zn 36 Pf. Zieht man ferner in Betracht, daß die Zahlzeichen 8 und 3 einander recht ähnlich sind. so sind Verwechslungen und damit recht schwere Schädigungen des Publikiuns außerordeutlich leicht möglich. Denn die Reichspast nimmt bekanntlich zum Unterschiede von Privatpersonen das juristisch ungeheuerliche Recht für sich tu Anspruch, zuviel gezahlte Portabcträge nicht wieder herauszahlcu zu brauchen. Wege» Handels mit der Jahrhnudert-Postkarte sollen. wie der„Bcrl. Ztg." mitgeteilt wird, mehrere Briefträger entlasse» worden sein. Den Postbeamten ist es bclannilich verboten, Wert- zeichen, die sie bei sich führen, zu teuerem Preise an das Publikum zu verkaufen, als die Wertbezeichnung angicbt. In einem der Fälle ließ sich in einem Barbierladcn in Moabit ein Briefträger für eine Jahrhnudert-Postkarte 26 Pf. geben. Zufällig war aber in dem Laden ein G e h e i m p o l i z i st anwesend, der sofort ans den Post- bcaintcn zuschritt und Raine. Wohinnig und Amt feststellte, um als- dann die Angelegenheit zur Meldung zu bringen. Hoffentlich kommen die Beamten mit einer gelinderen Strafe, als der Entlaffnitg, davon. Nationale Blätter, die natürlich monarchisch bis in die Knochen sind, ergehen sich zur Zeit über die steinalte Großmutter des deutschen Kaisers in nllcrband Scherzen. Ein Ableger der„Deutschen Tages- zcitnng", das„Dcntsckie Blatt", wartet init folgendem Witz auf: „Schon kurz vorm Silvestcrpuiische war die Nachricht ans London — über Kalatt— zn uns gedrungen, daß Queen Victoria von einem heftigen Univohlfein ergriffen worden fei; sie habe Bullern im M a g e n. Leider miiffen wir unfern Lesern heute mitteilen, daß Königin Victoria immer noch nicht von diesem Leiden befreit ist. trotzdem sie sich seit Wochen beständig auf der R e t i r a d e bc- findet." Auch das Papier wird teurer. Die Fabrikanten von Zellstoff- Seidrnpapier, von Druck- nnd Packpapier, ebenso die Erzeuger von Papierwaren, insbesondere Diiten und Beuteln, haben sich dahin geeinigt, eine zehnprozcntige Preiserhöhung eintreten zu lassen. Der Aufschlag wird mit dem fortwährenden Steigen der Rohmaterialien- und Kahlcnpreise, der Arbeitslöhne usw. begründet. Mit den Papier- Händler» sollen Vcreinbarnngen getroffen werden, welche auch sie für die Preiserhöhung interessieren nnd ihnen eine entsprechende Entschädigung gewähren. Ranfboldwesen. Ein Pistolciiducll hat zwischen Weihnachten und Neujahr im Grunewald stattgefunden. ES standen sich ein Jurist nnd ein Dr. W. gegenüber. Dr. W. ist früher, als er noch Student war. in den Zeitungen schau einmal gcnaiiiit worden. Von jüdischer Abstammiuig, gehört er der evangelischen Kirche an und spielt sich gern als Äntisemiten auf. Bei einer solchen Gelegenheit kam es in einer Gastivirtschaft zu einem Auftritt, der zn dem Zwei- kämpf führte. Einem Juristen gefiel das Auftreten Dr. W S nicht und er erinnerte ihn nicht gerade in den höflichsten Formen an seine Abstammung. Dr. W. ohrfeigte scincii Gegner und wurde daraufhin von diesem ans Pistolen gefordert. Die Forderung wurde unter schweren Bedingungen im Grunewald ausgefochtcn. Der Jurist erhielt einen Schutz' durch ein Bein und mutzte in eine Privatklinik gebracht werden. Tie Mörderin der Witwe Fielitz zu Alt-Bnchhorst, die 16 jährige Dienstmagd Anna Schröter, soll nach einer Zeitmigsmeldiing vor einigen Tagen zur Beobachtung ans ihren Geisteszustand der Charitö überwiesen worden sein. Diese Nachricht ist irrig. Eine derartige lleberweisnug ivird der Charit« stets einige Zeit vorher an- gekündigt. Aber auch eine solche Mitteilimg ist der Anstalt bezüglich der Schröter nicht zugegangen. Ilmfangreiche Tchwindeleien hat ein junger Mann verübt, der mitcr verschiedenen Namen auftritt. Vor einiger Zeit tauchte er in Breslau auf, nannte sich Decin nnd gab vor, ans Paris zu kommen. Er machte allerlei Vermitllungsgcfchnfte für die Parffer Weltansstclluiig. nnd bot namentlich mich Teiliichmcrschcinc für billige GeiellschaftSrcisen an. Den Leuten, die auf dieses An- erbieten eingingen, nahm er Anzahlungen ab und gab ihnen dafür werllose Papiere. Nachdem er dann noch einige Hotelbesitzer nnd Gastwirte geprellt hatte, verschwand er. Als damals die BreSlaucr Zeitungen über diese Schwindeleien berichteten, glaubte man in einem hiesigen Hotel in der Friedrichstadt in einem Gaste, der sich Alex Maillard»aimte, den angeblichen Decin zu erkennen. Ein BreSlaucr Gastwirt bestätigte noch diesen Verdacht nnd es nnißte auch auffalle», daß gerade in der Zeit, als in Breslau die Schwindeleien verübt wurden, Herr Maillard nicht in Berlin gewesen war. Der junge Mann, seiner Behauptung nach ein Jurist aus Paris, trat aber so sicher auf, daß man es nicht wagte, ihn der Polizei als verdächtig anzuzeigen. Maillard hielt sich, so erzählte er, in Berlin längere Zeil auf, um eine Erbschaft, die er kürzlich angetreten hatte, zn verkaufen. Nebenbei bot er auch GcschnftSlcnten seine Vermittlung für die Weltausstellung an. Von dem Gclde, das er sich für Korrespondenzen:c. im voraus geben ließ, lebte er einen guten Tag. Vor einigen Tagen aber verschwand Herr Maillard ebenso ans Verlin. wie Herr Decin ans Breslau verschwunden war, nachdem er den Hotelbesitzer nnd seinen Oberkellner ziemlich stark angcpinnpt hatte. Als man sich an seinem Gepäck schadlos halten ivo'lltc. entdeckte man, daß der zuriickgelassene Koffer leer war. Der Gast hatte alle seine Habseligkeiten unter einem großen Mantel, den der Berliner VoliSnimid wohl Dallcsmantel nennt, heimlich fort- geschafft. Erst jetzt dachte der Wirt wieder an den BreSlaucr Schwindler und machte Anzeige. Eine große Schau- und Auöstellnngshalle soll im Zoologischen Garten errichtet werden. Die Halle ist auf 6666 bis 7266 Sitzplätze berechnet nnd soll zn Gartenbau- AiissteUuiigeu. Sportfesten tnid Wohlthätigleits- Bazaren dienen. Die Kosten des Baues sind ans etwa 966 666 M, veranschlagt. Ein frecher Straßenraub ist, wie erst nachträglich bekannt wird, in der Ncnjahrsnachi in der Tanbenstraße verübt worden. Die Bricfträgerwitwe Mittmann aus der Weydingcrstr. 15 � besuchte mit einem Bekannten da? Pschorrbrün in der Friedrichstraße. Aus dem Heimwege wurden die Frau nnd ihr Begleiter von etwa 26 jungen Burschen gegen 3>/z Uhr morgens in der Friedrichstraße arg bc- lästigt. Sic bogen deshalb in die Ivcniger besuchte Tanbenstraße ein, erreichten aber damit nur das Gegenteil von dem, was sie beabsich- tigt hatten. Die Burschen folgten' ihnen und setzten ihnen in der stillen Straße erst recht zn. In der Nähe der Manerstraße schlug einer der Verfolger dem Begleiter mit einem scharfen Werkzeug eine große Wunde in den Kopf, während andere Frau Mittmann von ihm wegrisse» und sich bemühten, ihr mit Gewalt die Ringe von den Fingern zu streifen. Die llebersallcnen flohen in eine Gast- Wirtschaft nnd die Stolche entkamen. Frau Mittmann konnte stundenlang ihre rechte Hand nicht bewegen. Zwei Selbstmorde durch Bergiftuug werden von gestern gemeldet. In einem Hotel der Friedrichstadt vergiftete sich ein Referendar W. aus Eharlottcnburg. Der junge Mann verlor� vor einiger Zeit nach kurzer Ehe seine Frau, die ihm durch einen Herz- schlag plötzlich entrifsen wurde. Cr zog wieder zu seinen Eltern, konnte aber feinen jähen Verlust nicht verwinden. Slm Nen'jahrstage ging er vvn Hause weg, ohne ein bestimmtes Ziel anzugeben. Abends kehrte er in ein Hotel ein. Gestern abend fand man ihn hier als iteitfic in seinem Zimmer liegen. Er hatte sich mit Chloroform vergiftet.— In seiner Wohnung in der Lefsingstrage»ahm der 33 Jahre alte Apotheker Franz K. Gift.'Dieser bewohnte dort seit drei Jahren ein möbliertes Zimmer. Er litt schon lange an Schwermut und war ohne Beschäftigung. In einem heftigen Anfalle seines Leidens machte er seinem Leben ein Ende. Die erste Quittung über das Erscheinen unseres historischen Wandkalenders befindet sieh in der Stummschen P o st" Das Scharsmacherblatt denunziert:„Eine„Belehrung" bietet der Kalender durch Beleuchtung der Kehrseite der Dinge, die,' da sie unter absicht- lieber Verzerrung geschieht, geeignet ist zur Schürnug der Un- zusriedeuheit. Eine„Anregung" aber geht von ihm aiis insofern als er revolutionäre Thateu vor der Gefahr schützt, in Vergessenheit zu geraten, und dieselben sanktioniert und verherrlicht. Ein ge- uugender Beweis, das; die..Anregung", die von jenem Kalender aus- geht, zu verstehen ist im Sinne der„Anreizung". Ein hinreichender Belag für die revolutionäre Tendenz, den revolutionären Charakter der loeialdemolralisHen Partei." Hatten wir unrecht, als. wir am Sonntag schrieben, dast die gegen den Kalender erhobenen Unkenrufe'»ieht aus ehrlichem Qinptiiitcn herauH, fonbern in h ü n d i j ch- g e ni einer A bi i 6? t erhoben würden? Eiu betrunkener Tchniniiann verursachte am Sonnabend- abend d> e llhr am Oranienburger Thor schlimmes lluheil. Als der Jnimnnenteinnacher Paul R e i eb e aus der Karlstrafie 3 das Lokal von Aichinger an der Ecke der Elsasserstrove verlassen hatte, horte er nur der slrafie Lnrm hinter sich, achtete aber nicht weiter darauf. Kaum war er ein paar Schritte gegangen, als er in der Gegend des Kreuzes heftige Schmerzen verspürte. Beim Ilmsehcn erblickte er eineu ostenbar betrunkenen Schntzmann hinter sich, der heftig mit leniem Säbel umherfnchtelte nnd gleiche gestochen hatte.'Wohl waren zahlreiche Leute bei dem Vorgang zugegen, doch getraute pch oiiicheiiiend meniand, de» Vetrunkenen anzupacken. Endlich packte der Portier des Jmiggrsellenheims in der Elsasserstraste den Beamten ein Genick und an der rechten Hand nnd brachte denselben mm- mehr unt eine� Eäii'.�manneZ auf die öiedknvnche in der Novalisstraße. Hier hatte sich auch iiiztvischeil der verivundete Jn- slriinieuteuinacher eingesullde». Der anwesende Wachtmeister bedeutete dem Hilseiuchenbeii. daß er sich auf der llufallstatiou verbinden lassen möge iiud erzählte gleichzeitig, das; sich schon vorher verschiedene Perlouen, die zum Theil»och auf der Wache anwesend wäre», über -5». betrunkenen Schutzmänn beschwert hätten. Umso seltsamerer- ichemt es. das; nicht zeitiger Anstalten getroffen werden keimte», um den gefährlichen Mann»uschädlich zu machen. Ist man doch mit Beamten schnell bei der Hand, wenn ein paar ausständige Arbeiter ruhig ihrer Pflicht als Streikposten»achkoninien. 9liif der Unfallstation stellte sich heraus, dah die Heiknng der Wunde wahrscheinlich mehrere Wochen in Anspriich nehmen wird Gegen den Schiitzniann soll bereits von Amts wegen Strafverfahren eingeleitet worden sein. Ein hiesiges Blatt, das auch den Namen des Schntzivanns. Bovert, neinit, behauptet, das; derselbe zn seinem Vorgehen qe- zwuiige» tvar und nicht detninken geivesen sei. sondern an„nervösem Gliederzucken" leide. Ein solches für Passanten so gefährliches „GUederzncken" macht nach misercr Meinung den Mann für daS «mt eines SicherheilSbeamten nnbrauchbar und eine diircho reisende Kur recht nötig. lieber die Slushcbnng einer Kaschrwmc wird berichtet: Bei einer Suche noch Ubrc» nuide» in dcm Kaffee- und Bierlokal„�»r feuchten Ecke". Pücklerstraßo. gester» eine große Zahl höchst"vor- dochng erscheinender Leute sestgeiiommen. Es gelaug den« Schutz- leuten jedoch nur t-t Personen zur Polizeiwache in der Eisenbahn- zu Oinipcn. Mehrere und auscheincud gerade die gesahrlichsieu Individuen flüchteten durch Hinterthüren. Eine Frauensperson ent- lies noch auf der Straffe und entkam in der dem anSgehovene» rtokale gegenüber liegenden Markthalle. Einer der festgenvmmenon Burschen wollte während deS Transportes mit einem Grnnmischlauch den Beamten zu Leibe gehen. In der misgehobenen Kaschemme wurden vor ermger Zeit mich die„Baiiditen der Oberspree" diiigsest gemacht. Ein�Kollidicb ist in der Person eines zwanzigjährigen Burschen Namens Tob» ans dem Lehrter Güterbahnhofe vorgestern aus frischer -ihat ertappt und dingfest gemacht worden. Er hat auch bereits eingeräumt, in mehreren Fälle» auf offener Straffe Waren von Roll- wagen gestohlen zn haben. Wahrscheinlich hat er im Verein mit mehreren andere» Burschen den Kollidiebstahl banden, näffiq betrieben. Der drohende Einsturz eines NcubaneS i» der Petersburger- straffe 77, nahe dem Weidenweg, a»f dein Gelände der ehemaligen Sckertschen Bkaschinenfabrik. verankaffte gestern vormittag daS Aus- rücken der Feuerwehr. Als diese erschien, stand der Neubau voll- ständig unter Wasser, da ein Hauptwasserrohr gebrochen war. Da defürchtet werden muffte,- daff der Neubau durch Iliiterspüliing der Grundmauern einstürzen und dadurch auch die Rachbarschast ge- tährdet würde, machte sich die Feuerwehr sofort daran, das Wasser anszupumpeu. Zugleich sperrten die städtischen Waffer- werke die Haiiptleitnng ab, um neuen Nasserznfluff zn ver- hüten. Es war aber schon so viel Wasser eingedrungen, daff die Feiierivehr den ganzen Tag und bis spät in'die Nacht hinein zu lhiin hatte, nm das Wasser zn entfernen. Ter Schaden ist gros;, denn es müssen Decken, Fnffböden, Mauern u. a. erneuert werden. An der 7. städtischen Fortbildungsschule, Gräfestr.£5 88, muff mit Beginn dieses Jahres infolge starken Besuches nebe» dem bestehenden Kursus i» Physik iMajchilienwese») ein neuer Kursus eröffnet werden, in dem die Elektriei tät behandelt werden soll und für den noch Meldungen angenommen werden. Die Teilnahme ist für jedermann offen und k o st e u l o s. Borkeiintuisse sind nicht erforderlich. Der Unterricht findet Montags von g'.'i Uhr statt und begnmt am 8. Januar. Änmeldimgeii werden täglich abends in, Amtszimmer der 176. Geineindeschnle. Gräfestr. 83/88, entgegen- genommen. Ein sgrosteS Schadcnsener wütete heute früh in dem seit 66 Jahren bestehenden Möbel- Exportgeschäft von E. Abel in der Markusstraffe 34. Der ausgedehnte vierstöckige Seitenflügel enthält durchweg Arbeitsräiime, während das Vorderhaus zn Lagerräumen dient und groffe Posten sehr teurer Möbel aufweist. Das Feuer kam, angeblich durch Selbstentzündung, in der im vierten Stock des Seitenflügels belegenen Polierwerkstatt ans und verbreitete sich mit großer Schnelligkeit. Als die Feuerwehr erschien. bildete der oberste Stock ein Flammenmeer und nicht nur die darunter liegenden Ränine, sonder» onch das Vorder- Haus mit seinem wertvollen Inhalte waren stark gefährdet. Auf die Sicherimg des letzteren war die Feuerwehr in erster Linie bedacht und es gelang ihrem energischen Eingreifen nicht nur. dem Feuer den Weg zn verlegen, sondern dasselbe ans den vierten Stock zu be- schränken. Aber erst nach fast vierstündiger Arbeit konnte sie um 9 1 Ufr wieder abrücken. Ter durch Versicherung gedeckte Schaden ist sehr beträchtlich. Eine Betriebsslörung findet indes nicht statt, da die Firma im..Markushof" noch über groffe Räume verfügt und die eigentlichen Tischlereirüume intakt geblieben sind. Theater. Das Friedrich- W i l b e l m st ä d ti sch e Theater ist ivieder in das alte Laster des geistlosen Parodierens bekannter Theaterstücke verfallen. Diesmal mufften Blumeiithal und Kadel- bürg herhalten, deren„Weiffes Röffl" es der Direktion Sainst an- gethan bat. Tie Parodie entbehrt nicht allein des Witzes, sondern ist. wie die Autoren selbst in einem Prolog zugeben,„ohne logische Handlung". Trotz des guten Spiels, in dem sich namentlich Direktor Smnft und die Soubrette Henny Schmidt auszeichneten, ivird der Erfolg nicht lange vorhalten. Ein Glück, daff der„Onkel Cohn" immer»och einigermaßen zugkräftig ist.— Herr Rudolf R i t t n c r ist von einem längeren Urlaub zurückgekehrt und hat d'e Rolle des Pank Benefcldt im„Probekandidat" in den.Vor- stellungeil des Deutschen Theaters wieder übernommen.— Carl Weiß hat ein AuSflatlniigsstück vollendet, dessen Handlung diesmal China bildet.— In, Schiller-Theater wird dein- nächst an zwei aufeinanderfolgeiiden Sonntagnachiniltagen die Wallenstein-Trilogie zur Aufführung kommen. Sonntag, deii 7. Ja- miarl wird„Wallensteins Lager" und„Die Pieeokomnu", Sonntag. den 14. Januar„Wallensteins Tod" gegeben. Urania. Dr. Georg Wegcuer wird heute okielid s llhr im großen Theatersaal der„Urania" einen Vortrag mit Lichtbildern über seine Reffen in Ceylon und Indien halten. Ans dc» Anchbaroitc». Nixdorf. Ein neuer Stadtteil wird hier im Anschlnff an den Kotibuser Damm, die Kaiser Friedrichstraffe und die Pamiier- straffe erstehen. Die Regulierung nnd Weiterführnng der Hobrecht-, Friedet- und Renterstraffe nach dem Landivehrkanal zu, sowie auch die Anlegung mehrerer neuer Querstraßen, welche vorläufig noch durch Nnminern bezeichnet werden, ist als gesichert anzusehen. Gegen verschiedene säumige Straffenaulieger soll im Wege der Klage vorgegangeil werden. Eine vorzügliche Verbindung mit dem äntzersten Südosten Berlins, dem„Görlitzer Viertel", erhält der neue Stadtteil, und somit die junge Stadl überhaupt, durch die Brücke, welche jetzt im Zuge der Berlinischen Grimmier- straffe über den Landwehrkanal gebaut wird. Der Bau ist erheblich fortgeschritten, aller Wahrscheinlichkeit nach dürfte bie Brücke im April fertig sein. Der Magistrat hat die Polizeidireltion ersucht, eine sanitätS- polizeiliche Kontrolle der Rixdorfer Prostituierten einzuführen und auf eine scharfe Betvachimg dieser Personen hinzuwirken. Der unbesoldete Stadtrat Ilr. ruecl. Zimmer hat das Magistrats- kollegiuin besragt, ob seine nicht auf eine» Anstelliiugsverirag be- gründete T h ä t i g k c i t bei der k ö u i g l. P o l i z e i d ire k t i o n ein Hindernis für die Ausübnug seines Amtes als Stadtrat sei. Tie Frage wurde mit der Begründung verneint, daff Dr. Zimmer nicht als Polizeiveamter im Sinne des§ SO Nr. 6 der Städte-Ordnung gelten Irnue. da er nicht als solcher angestellt sei. sondern lediglich in einzelnen ihm zugeiviesciien Fällen als Arzt snngicrc. Die nicht offizielle Bezeichnung als Polizei-Arzt könne hieran nichts ändern. lieber u» genügende R c i n i g n n g der B ü r g e r st e i g e Nixdorfs wurde in letzter Zeit vielfach geklagt. I» seiner letzten Sitzung beschäftigte sich nun der Magistrat mit dieser Angelegenheit. Man kam zu' der Ueberzeugung. daff die Verwalnuig der städtischen Straffenreinigtnig alles' getha» habe, was sie mit dem ihr zur Ver- sügnng stehenden Personal und Material leisten tonnte. Gewisse Uebelslände führte man ans de» Mangel geeigneter AnShilsskräfte nnd darauf zurück, daff die Verwaltung dauernd ans nngewöhnlich starke Schneefälle nicht eingerichtet sein loniie. Ter Säuberung und dem Bestreuen der Bürgersteige soll bei künftigen Schneefällen erhöhte Anfmerlsamkoit zugelvendet werden. Es wurde indessen der Wnnsch ausgesprochen, das; die Hans- besitzer, obwohl sie in Rixdorf nach dem örtlichen Recht dazu nicht verpflichtet sejen, mehr wie bisher dabei mithelfe» »lochten. Für die Slraffenreinigling sei es bei plötzlich auftreteiidem Glatteis nicht wohl möglich, die sämtlichen Biirgcrsteige der Stadt zn bestreuen. Wenn die Hausbesitzer nicht freiwillig Hilfe leisteten, dann w ä re z u des ü r ch t e n, daff durch eine A b- ä n d e r u n g der S t r a ff e n p o l i z e i- B e r o r d n n n g die Reinigimg der Biirgcrsteige dcn HanSeigentümern ivieder als eine' V e r p f I i ch l n ii g auferlegt werde. Eharlottenbnrg. Die Verpflegungssätze im städtische» Kranke» Ii ante betragen nach der türzlich er- folgten Erhöhung in der III. Klasse für Einheimische 2 M.(Kinder 1 ,501. für AuSwärlige 3 M.(Kinder 2 M.l. für Krankenkassen- Mitglieder 2 M. Eiiic weitergehende, die Gesamtheit der Patieiilen deS KrankenhanieS betreffende' Erhöhung hat der Magistrat, wie er in einer längeren Begrüiiduiig seines Beschlusses mitteilt, für im- thnulich gehalten nnd' deshalb abgelehnt. Abgesehen voll den für Aechnniig von Annenverbäiiden verpflegten: Kranken, für welche der Airspruch ans Erstattung der Knrkosteil gesetzlich geregelt ist lind bei denen eine Erhöhung der Pflegesätze überhaupt nicht in Frage kommt, handelt es sich bei denPatienten deS städtischen KralikenhanseSziiin großen Teil inn Mitglieder von Kassen, in erster Linie um Mitglieder der allgemeinen Orts-Krankelikasien. Tie über die Verhältnisse dieser Krankenkassen angestellten Ermittelm, gen haben ergeben, daff ihre Vermögenslage keine besonders gute ist und daff bei den meisten derselben der Reservefonds noch lange nicht die vorgeschriebene Höhe erreicht hat. Ans diesen Verhältnissen heraus kommt der Magistrat z» folgendem Schluß, der auch für die Magistrate von Berlin. Rixdorf». a. O. recht beherzigenswert ist:„Würden die Kassen gezwlingen werden. für die' dem Krankenhanse überwiesenen Mitglieder höhere Pflegesätze zu zahlen, so»nifften dieselbe» auch fast allgeiiiein zn einer Erhöhung der Beiträge schreiten, was eine Erschwernng ihrer Existenzfähigteit bedeuten würde. Hier- gegen sprechen, speciell bei der Allgeiiieine» OrtS-Krankenkasse. erheb- iiche Bedenken. Diese Kasse zählt nämlich zu ihren Mitgliedern meist nnsländige Tagearbciter, die auS einer häufig nur vorüber- gehenden Beschäftigung weitgehende Ansprüche gegen die Kasse er- werben nnd diese Ansprüche auch aiiSnntzcn. Die Zugehörigkeit zur Kasse, welche ihnen event. freie Kur und Krankengeld gewähre» muff. kommt dcrStadlgemeiude mittelbar insofern zu gute, als die betreffenden Personen dann iiichi der Armenpflege zur Last fallen. Eine durch Er- höhliiig der KrankenhanSkosten Herbeigeführte Steigerung ihrer Ans- gaben würde die Krankenkasse voraussichtlich aber zu einer schärferen Kontrolle der Anmeldnngen bezw. zur Ablehnung von Beitritts- gesuchen der freiwillig Versicherten liöligen. Dazu kommt, daff eine Erhöhung der Verpflegungssätze, obwohl für die Kassen fühlbar, doch für das Gesamtergebnis der Einnahmen des Krankenhauses nur von nntergeordneter Bedentung sei» würde. Denn es waren für die von der Orts-Krankenlassc ivährend des Jahres 1808 dem Krankenhanse überwiesene» Patienten, falls der Ver- pflegnugssatz 2.23 M. statt 2 Rk. belragen hätte, in Summa nur 4100 M. und falls er sich auf 2.30 M. gestellt hätte, in Summa 8200 M. an Mehr- Einnahmen zn verzeichnen gewesen." Im übrigen sind die Einnahmevcrhältnisse des Charlotlenbntger Kronkeuhanses nicht ungünstiger als diejenigen der Berliner Kranken- Häuser. Unter Zugrnudelegimg der Etatszahleu ftir 1898 bleiben beim Charlotteiiburger Krankenhaus rund 36 Proz. der Ausgaben gegenüber den eigenen Einnahmen nngedeckt, während bei den Ber- iiuer Anstalten 39 bezw. 63 bezw. 68 Proz. der Ausgaben durch Zuschüsse Deckung finden müssen. Die Einführung und Verpflichtung der�neu- g e w ählten Stadtverordneten erfolgt am 10. Januar, nachmittags 6 Uhr. in öffentlicher Sitzung. — Eine D i e n ft a n iv e i f u n g für S ch u l a r z t e hat der Magistrat soeben veröffentlicht. Die wichtigsten Bestimmungen derselben sind folgende: Die Thätigkeit der Schulärzte erstreckt sich auf die Milwirkuug bei der Ueberwachung der gesuudbeitlichen Verhältnisse des SchilihauscS und der Gesundheit der Schulkinder. Neu eiu- tretende Schulkinder sind von den Schulärzten unmittelbar nach der Einschulung in der Schule auf ihren Gdsundheitszustaiid zu unter- suchen, um sestzustelleu. ob das Kind einer dauernden ärztlichen Behandlung oder besonderen Berücksichtigung beim Unterricht bedarf. Die Untersuchung unterbleibt, wenn dies von den rechtzeitig zn benachrichtigenden Eltern oder Erziehern niiter Beifügung eines be- tiimnten, von dem Hausarzte ausgefüllten Fonnnlars beantragt ivird. In jeder Schule hält der Schularzt monatlich. beim Auftreten von ansteckenden Krankheiten auch häufiger eine Sprechstunde ab. Kranke und behandlungsbcdürftige Kinder werden mit einer schriftlichen Mitteilung, die durch den Schulleiter zu über- senden ist, nach Hanse geschickt. Eine Behandliiiig solcher Kinder durch den Schularzt ist ausgeschlossen. Die Schulärzte haben aufferdem auf Antrag des Schnlleiters solche angeblich erlrankten Kinder, für die kein ärztliches Zeugnis beigebracht wird, in ihrer Wohnung zu untersuchen, sowie Anträge ans längere Schuldispensationen zu begutachten. Vierteljährlich finden unter dem �Vorsitz eines Mit- gliedes der Schuldeputation Besprechungen der Schulärzte statt. Ein Recht zu selbständigen Anweisungen an die Schulleiter und Lehrer, solvie an die Schnldiener steht den Schulärzte» nicht zu. Sollten ihre Vorschläge nach ihrer Meinung nicht genügend berück- sichtigt werden, so haben sie dieselben eventuell nach Klärung in de» gemeinschaftlichen Konferenzen der Schlildepntation vorzutragen. Ende'Februar jeden Jahres haben die Schulärzte einen Bericht über ihre Tbätigkeit einzureichen. Bei einer Behinderung. die länger als eine Woche dauert, hat der Schularzt der Sckiul- deputation rechtzeitig Mitteilung zu machen, sowie für seine Ver- tretmig durch einen anderen Schularzt eventuell aus eigene Kosten zn sorgen. Der Magistrat behält sich eine Abänderung oder Er- Weiterung der Dienstanweisung vor. Frauen, Schönebcrgs! Am Freitag, den 5. Januar, abends 8 Uhr, findet im Klubhaus, Hauptstr. 3/6. eine öffentliche Versammlung für Frauen und Mädchen statt, in der Genosse Liebknecht referieren ivird. Ilm zahlreichen Bestich bittet Die V e r t r a u e n S p e r s o n. Wegen Regulierung des Sprcrlaufs im Kreise B e e s k o w hat sich fetzt der dortige landwirtschaftliche Verein mit einer Eingabe an das Staatsmimsterinin, sowie auch'an das Abgeordnetenhaus ge- wendet, in ivelcher vor allein ein geiiaues Bild deS Uinfanges nnd der Höhe des Schadens gegeben wird, den die fortgesetzten lieber- schlvemmiliigen jenes Spreegebietes herbeigeführt haben. Nach den eingehend vorgenommenen Erhebungen stellt sich der in den drei letzten Jahren durch die Ueberschweinnuingeii entstandene direkte E r n t e v e r l n st des Kreises ans nicht iveiiiger als 1 607 470 M. und zwar sind allein im letzten Jahre von dem Ertrage der 20 030 Hektar bebauten Ackerflächen etiva 3 Proz., der 10139 Hektar Wiesen"jedoch über 30 Prozent vernichtet worden. Neben diesen direkten Schäden gehen dann noch die ans der allmählichen Ver� s n in p f n n g deS ganzen SpreethaleS entstehenden indirekten Verluste. lvie der zurückgehende Kultiirstand auch aller anderen, nicht verwässerten Grundstücke infolge Düngermangels, Verluste an Vieh- beständen. Krankheiten der Menschen', Geldkalamitäten usw. Ter Verein bittet die Regierimg, mit den ReglfliernngSarbeiten bald zn beginnen. Diese Bitte ist vom patriotischen Stälidpunkt aus nicht ganz einwandfrei. Denn da nnsere Znkiinft ans dein Wasser liegt, muß man die paar Milliönchen. die es an Ernten versckilingt. schön in den Kauf nehmen. Was lvill dies kleine Opfer. welches das geheiligte Element im Kreise BeeSkolv fordert, besagen gegen die Hunderte von Millionen, die ihm an nellcn Kriegsschiffen daigevrack>t"lverden sollen? Und zwar kommen in Preutzeii znerft Kriegsschiffe, dann neue Regimenter, dann nochmals KriegSichiffe und so fort, nnd wenn dann noch ctivas übrig bleibt, mögen auch Spreeregulierimg und ähnliche Kultnrthäten in Erwägniig gezogen werden. Eiu französischer Registrierballon ist am Spimtagnachmiitag bei R a h n S d o r s gelandet. Der unbemannte Ballon stammte, wie sich später ergab, aus dem meteorologischen Observatorium von Trappes und' enthielt eine Anzahl Ji'istrnmeiito. die zur selbst- thätigc» Ermittlung der in den höheren Luftschichten herrschenden Teniperatnr- Verhältnisse dienen. Hin die vierte Nachmittags- stunde sahen Schulkinder in Alt-Nahnsdors, die sich mit dein Schlittern nnd Schneeballwerfen ergötzten, den Ballon durch die Lüfte segeln und sich oberhalb der Rahnsdorfer Gemeindeiviese ans die Erde senken. Die Kinder alarmierten die Dorfbewohner und als die Siahnsdorfer in hellen Scharen ans die Wiese hinaus eilten, hatte sich der Ballon bereits in den Aesten einer Erle verfangen. ivo er hängen blieb. An Stelle der Gondel, tvelche sonst zur Auf- »ahme der Lnftschiffer dient, befand sich ein verschlossener Korb, ai;s welchem an zwei Stellen Papierstreisen heraushingen. Diese erwiesen sich als in französischer Sprache gehaltene Briefe, die von einem gerade in Rahnsdorf weilenden Lehrer aus Oiixdorf ins Deutsche übersetzt wurden. In diesen Briefen, die vollkommen gleichvedenlcnd ivarcn und in welchen französische Postmarken im Werte von zehn Mark sich besanden. ersuchte die Leitung des Observatoriums von Trappes den Finder deS Ballons, dem Observatorium sofort telegraphische Mitteilung zu mache», wann nnd wo er den Ballon, der wissenschaftlichen Zwecken diene, gefunden habe. Der Wert der beiliegenden Postmarlen werde ihn schadlos halten, überdies sei eine Belohnung für den Finder deS Ballons ausgesetzt. Unter keinen Umstände»»ber dürfe der dem Lustballon anhängende Korb, welcher automatische Meffinstrnmente enthalte, ge- öffpet werden. Nachdem all dies festgestellt war. wurde der Ballon nach dem Rahnsdorfer Ainlshanse geschleppt und später dcm AintS- Vorsteher der Oberförsterei Köpenick überwiesen. Das Obsorvatorium in TrappeS wurde telegraphisch von dem Auffinden des Ballons be- »acurichtigt, dessen weitere Behandlung wohl durch das meteorologische Institut m Berlin erfolgen wird. Einen traurigen Abschlust fand in Eharlottenbnrg die Silvesterfcier cincs Gastwirts H. Herr H. ivar mit seiner Familie und einer Anzahl von Gästen bis gegen 3 Uhr morgens zusanunen gewesen, schloff sodann sein Lokal iiuö_ begab sich mit seinen An- gehörigen zur Ruhe. Zivei Stunden später, als seine Frau nnd die Kinder schliefen, erhob sich H. von seineniJLcrger und jagte sich mit einem Revolver eine Kugel in die rechte Schläfe. Die Veranlassung zn dein bedanerlichen Selbstmord soll in einem Siiickgang des Höschen GcjchästeS zu sucheil sein. VevsÄmmlmnzvtt. Eine Versammlung der Eisenbahner tagte am 31. De- zembcr v. I. in Stecherts Salon. Maler Link reserierte über die ivirtschaftliche Lage der im Eisenbahndienste beschäftigten Arbeiter und den Erlas; des Eisenbahnministers Thielen. Redner ivieS zunächst ans die traurigen Verhältnisse der Wcrkstättcnarbeitcr hin, so werden die Arbeiter mit einem Tagelohu von 2,30 Mark eingestellt; beim Eintritt ninff ein Revers unterschrieben werden. in welchem die Arbeiter sich verpflichte», für diesen Tagelohu zu arbeile»." Da aber in Aceord gearbeitet ivird. so können die Arbeiter bis 3,73 M. verdienen. Das ist aber nicht möglich, wenn sich die Arbeiter nicht der besmidern Gunst ihrer Vorgesetzten erfreuen. So werden in einer Wcrkstätte die sogenannten R agichk a ste n b allen angefertigt, für diese giebt eS pro Stück 1,30 M k.>»id hatten an solch einem Kasten drei Arbeiter einen Tag zu thnn. ES lomuit»nn häufig Nor, daff im Aceord auch mehr verdient wird wie 3.73 M.. jedoch mehr als 3,73. M. wird nicht aus- bezahlt. Redner iveifft dnini nach, daff nackig diesen Lohn- sätze» die Arbeiter pro Jahr ein Einlommen von 770—1170 Mark habe». Der Lohn wird»nr vierzehnläglich bezahlt, d. h. was bi» zum 0. jeden Monats fertig ist, Ivird am 13. jcden Monats ausgezahlt, nnd was bis zum 24. jeden Monats fertig ist, wird am t. des komineilden Monats ausgezahlt. Infolge dieser LohlizahIliugSmethode find die Arbeiter gezwungen, NahrnngSmittel leihweise zu entnehmen. Reducc weist dann nach, wie durch solche Verhältnisse die Arbeiter gezwungen werden, sich Nebeneinnahmen zu verschaffen, und erinnert hierbei an den Prozeß der Schaffner bei der Hamburger Bahn. Diele Vor- kommnisse scheinen über von der Stoatsbshn-LkNvammg por* nicht berücksichtigt zu werden. Statt die Lage dc-s F-ahtperjonalS. der Streckenarveiter und Werlstättenarbeiter durch auskömmliche Lohne und durch kürzere Arbeitszeit besser zn gestalten, thnt man daS Gegenteil: es soll einmal gespart werden. Da werden durch den neuesten Erlaß des Eisendahn-MinisterS die D i e n st I ch> ch t e n der Unterbeamten vermehrt, die Dauer derselben allerdings ver- kürzt, so daff die tägliche Arbeitszeit znin Teil 2-3 Stunden ver- längert wird. Vollends arg sichtS mit dem KoalitionSrecht der StaatSbahn-Arbeiter a»S. Jede Regung für organisatorliche Be- strebuugen wird linterdrückt durch Maßregelung. AIS hier die Filiale des Eisenbahner-Verbaiides gegrunoet wurde, heftete man in den Werkitätten einen„UkaS" an, in welchem der Beitritt zum Verband wie auch das bloße Halten der Zeitung „SScrfntf" vcrl'vtcn wurde. Zuwidcrhandlliiigcn jicgcn dieses Verbot habe die sofortige Eutlassimg zur Folge. Wie der llntcrzeichncr des Ilkas, ein Hcrr Äraiiold, sagt, olles nur zum Frieden zwischen den Arbeitern und der Verwaltung. Jeder VersannnlNngsbcsnch wird verboten. Der beste Beivcis, das', wohl in cirka drei Jahren erst heute Iviedcr eine Ver- ianjinlnng stattfinden konnte, und dennoch ist dieselbe schwach besucht. DaS alles aber dürfe die Arbeiter der Staatsbahncn:c. incht abhalten, sich der Organisation anzuschließen. Stur durch die Obgctllisätion köinten sie'diese unwürdigen Zustände beseitigen. Lebhafter Beifall lohnte den Redner für seine Anssührnngcn. In der Tiskussion sprach ein Redner lim Sinne des Ncfercntcn. Nach einem Schlußwort des Referenten wurde die Versammlung mit einem Hoch auf. den Eiscnbahncr-Vcrband geschlossen. Ter Verein zur Wahrung der Interessen der Maurer Vcriinö»md der Uuigcgcnd halte am lil. Dezember v. I. seine Mitglicdcrvcrsainmlling im Lokal von Rudolph, Ackerstr. b.7. an- beraumt. Herr Tr. Bruno Wille hielt einen Bortrag über:„An der Schwelle des Jahrhunderts". Eine Diskussion über den lchrrcichcu, mir großem Beifall anfgeuommeiicii Bortrag fand nicht statt. Der Vorsitzende gab hierauf bekannt, daß das Mitglied Paul»ersten gc- storbc» ist, und ehrten die Anwesenden da? Andenken desselben in der üblichen Weise. Dann wurde an Stelle des ans dem Verein ausgeschiedenen Revisors Gczorlc Fürstenberg gewühlt. Wegen Aecordnrbcit wurde das Mitglied Aug. Kcrber ans dein Verein ans- gcichlosscii und folgender Antrag angenommen: Kollegen, ivclche mit Accordinänrcrn zusammenarbeiten, haben die Arbeit nicdcrzu- legen. Betreffs der Kollegen, die in der Fabrik Stahlwerke Rcinickendorf arbeiten, ivurde beschlossen, dieselben nicht als Fabrilmanrcr anzn- erkennen, sie waren hierdurch vor die Entscheidung gestellt, sich den Beschlüssen der Berliner� Maurer zn fügen. Daraus erklärte das Mitglied Beiersdorf, er könne dies nicht thnn, und erklärte hiermit feinen Austritt ans dem Verein. Diesem schloß sich das ebenfalls in der genannten Fabrik arbeitende Mitglied Pollnda an. Alsdann wurde vom Vorsitzenden angeregt, ob es nun, nachdem der$5 8 des Vcrcinsgesetzcs gefallen ist. nicht angebracht sei. die Lcitilligcn des Vereins sowie der Lohnkommijsio» zu verschmelzen. Hierzu wurde- folgender Antrag angenommen: Tie einheitliche Ec- staltuag des Vcrc mSvorstaudcS»nd Lohukouiiniisipu wird den Vorstands- nitb LohnkoiuinissionS-Plitgliedern zur näheren Prüfung überwiesen, >!»d ivjrd der Vcreinsvorstand beauftragt, innerhalb 14 Tagen eine außerordentliche Gencralversaminlnng rinzubernfc», um dann c»t- piiltig Beschluß darüber zn fassen. Zum Schluß vcrlaS Metzle ei» Schreiben vom Arbcitgeberbuii.d, welches den Manrern ans den Baute» ziir Unterichrifr vorgelegt lvird. Redner forderte die Ar weiter ans, die Unterschrift zn verweigern, eventuell der Lohin kommissiou davon Mitteilung zu machen, weil der Inhalt desselben nicht dem EiuignngSvcrtrag entspricht. Nixdorf. Die Mnsikinstcmncnten-Arbcitcr hielten am 27. De zcmbcr v. I. eine gut besuchte öffentliche Versammlung ab. in der Klei n lein über WeihnachtSgedanken des Proletariats sprach. Dem Vartrage folgte eine lebhafte Diskussion, in welcher sich samt lichc Redner im Sinne des Vortrages äußerten. Unter„Gewcrk- schastliches" stellte der Vertrauensmann Arendt den Antrag, den im Ausstand befindlichen Mcsscrschlägerci-Arbcilcrir Solingens öd M. zu bewilligen. Dem Antrage wurde stattgegeben. Im Weiteren ersuchte Piepelihageii biefin Rixdorf beschäftigten Kollegen, in ihren Werk- stättcn Delegierte zn wähle», um in den olle vier Wochen statt- findenden Dclegiertenvcrsammliingcn vertreten zu sein. Pankow. Am 2. d. M. fand bei Blaurock. Wollankstraße. eine dffcinliche Versammlung mit folgender Tagesordnung statt: 1. Tie christliche Nächstenliebe und die Anöweistnig des Genossen»ovv 2. Wahl der Delegierten zur Krciskonfcreliz.' 3. GcmemdcratSwahl. Zinn 1. Punkt sprach Genosse»iese-l. Er gab einen kurzen Rück- blick über das Auftreten des Christentums bis zn seiner Belhätigimg der christlichen Nächstenliebe in neuester Zeit. Sodann gclanglc folgende Nesolntion einstimmig zur Annahme: Die Versammlung spricht ihre Entrüstung aus über die Maßnahme der Regierung dem Genossen Kopp gegenüber. Sie verspricht, wenn die Absicht derRegierimg darin lieg, die Ziele des SocialiSmus durch diese Answciimig zn bekämpfen, durch doppelten Eifer, durch doppelte Agitation diese falsche Maßnahme in daS Gegenteil ihrer Absicht zu verwandeln. Als Delegierte zur KrciSkoiifercnz wurden Franz. Schmidt »»d zrnvig gewählt. Zur GenicinderatSwahl cittspaim sich eine rege Tiskussion und wurde eine Kommission zur Einleitung der Wahlarbcit bestimmt, bestehend anS Ehrke. Schön, Schniidt, F r e i'w a I d. Franz mid Walter. Nachdem noch die nach- stehenden Anträge ängcnommc»: die Wahl ans einen Sonntag zu verlegen, sollte dies nicht angehen, die Wahlzeit von 11— V Uhr ein» zurichte», ferner das Wahllokal möglichst in das Centrum zu ver- legen, erfolgte Schluß der Dsrsqinmlung. FriedrichSfelde. Am 1. Januar tagte hier eine Partei-Vcr- sammltliig. Der Vertrauensmann wies bei Eröffnung der Versamm- lung auf die AnSweismig dcS Genossen Kopp hin, dem zu Ehren sich die Aiinjesendeii von den Plätze» erhoben. Nach einem Vortrag deö Genossen Kotzte, der in interessanter Weise einen Rückblick der bedeutsamen Ereignisse des vorigen Jahrhunderts bot, wurde die Wahl der Delegierten zur KreiSkonfcrcnz vollzogen. Gewählt wurden Wahl, Wedemetzer und Werner. Vl.'rcilisknleudcr. 'Krbeiler-2ä»gcrbi»id Berlins und der Nuigegend. Vorsitzender: Aich. Tbote, Schölicbcry, Gniuewaldstr. S9. Erster Kassierer Gottfried Ports. Skolitzerstr. Iis. Alle Acnd-rung-n i»i«ereil, skalende, sind zu richten an Otto Isaack, Strelitzcrstr. 1ä..'äoi II. Toiiuerstag. Abends S— ll ilhr: ilcbungSftnnde und Aufnahme neuer Mitglieder.— Männer (bor„St. Urban", Protz, Amienstrabe 9.—„Vunväris ll", Ad. Neu- v,ann. Brunncnstr. löv.—„Süd-Ost I", Becker, KSpiiickerstr. I!1l— ..Flöter'fchcr Gefangv.", Wiednuami, striedciiftr.«>7.—„Gesangv. Berliner Kürschners Feind, Wcinstr. II.—..Einigkeit 1", Gr.- Lichtcrselve, Pagel, Chausseestr. 104.—„Licdeslnst I", Fiirstcnwaldc>,. d. Spree, Henkel, Schlow tellerci.—„Morgcnrolh II", Köpenick, Stipvekohl, Schöiicrtinderstt.:■>.— „Zuknnst II", Bellen i. d. M., Gnmow, Wilhelinstr. 1».—„Fröhlich", Rmniiielsbiirg, Schröter, Rpzaxtstr. 7.—„Vineto", Schmidt, Swineuinnder- sirahe vö.—„Wach ans", Hilgenfeld, Bcrgstr. tZl>.—„Alpenrose", Kunze, Forsierstr. 36.—„Telltsche Eiche II", Brandenburg a. H., WinlelS Salon, Hauptstraße.—„Freiheit III", Nen-Weihcnsce, Königchaufsec 38.—„Lorclcy", Schuiniiiin, Hochstr. 32a—..Saugesirenc", Brandenburg n, H., Wollen- weberstraftc 3.—„Kornblume", Gold, Gr, Franksurtcrslrabc 133,— „LiedeS-Echo". Drathschmidt, Stalitzerstr. 102.—„Oberon", Gründer, Ködnickerstr.>00.—„Sorgenfrei", Ptvliring, Admiralstr. l?«,—„Morgengranen" 4.—„Veronika", Weher, Görlitzerstr. 33b.—„Feste Brüder", Riza ort, Schölltag, Hermaimftrabe 232. Gesang-, Tuen-»»d gesellige Vereine. Donnerstag. Orchester» chor„BorwartS", Ripdorf,' Münzer, Bcrgstr. 7. Rrbriter Rndfahrerverci»„Berlin". Jeden ersten Donnerslag im Monat Bersavtiiilung der Filiale I bei Wille, Andrcasstr. 26. Jeden zwei lcu DvunerStag im Monat Versammlung der Filiale II bei Raabc, Kolbcrgcrstr. 23. Jeden dritten DoimerStag im Monat Versammlung der Filiale III bei Ewald, Schönlemstr. 6. Jeden vierten Donnerstag im Monat Haiiptversanimlünz bei Wille, Andrcasstr. 26. Arbeiter- Tnruerbund. Donnerstag: Tnrnv.„Fichte", Berlin, abends von 8—10 Uhr: 7. Männer-Abt., Reichenbergerslr. 131; 2. Damcn- Abteilung, Ackerstr. 67; 7. LchrltngS-Abt., Wnsscrthorstr. 31.— Tiirnvemn „Eiche", Köpenick, Damen- Abt. von Uhr, Hvtcl Klem, Wilhelmsplotz. Arbeiter- Stenographeuvercin„Stolze"(Einiguiigssystem), Bc- zirk Süden. Gräfcstr. 82, bei Jahn, abends SV-, Uhr- Bczir! Nord-Wcst, Moabiter Klubhaus, Beufselstr. 9, abendS 8'/, Uhr. Eingegangene Drnckschrifte». Bon der„Gleichheit", Zeitschrift für die Interessen der Arbeiterinnen (Stuttgart, Tietz' Verlag) ist uns soeben die Nr. 1 des 10. Jahrgangs zugegangen. AnS dem Inhalt dieser Nu nun er heben wir hervor: Zur Jahrhiindcrtwcndc. Bon Leopold Jacoby.(Gedicht.)— Einladung zum Abonnement.— Dem Äainpfe entgegen! Der Freiheit entgegen!— Zur Loge der Fabrikarbeiteriunen i» Hainburg. Von v. Z.— Ans der Bc- wcgung.— Feuilleton: Eine gefährliche Freiere!. Von Björnstjerne Biörnson.— Notizenteil von Lilh Braun mid Klara Zetkin: Weibliche Fabrikinipektoren.— Sociale Gcsctzgcbimg.— Arbeitsbedingungen der Arbeiterinnen. Frauenstimmrccht.— Fraucnbcwcgnng. VeLmistsztcs. Die Zusanttiienstrllnng rinrö WöxterbucheS tclegraphifchcr Abkiirznngei» für den Bedarf der Zeitungen bildet den Gegen- stand eines interessanten Preis ä u S 1 ch r e i b c n S. Das DirektionSkomitee des Ceiitralbnreans der internalione.len Preßvereinc bat für den ersten Wettbewerb folgendes Programm bc- schloffen: 1. Der Wettbewerb ist für die AnSarbcitimg eines Planes zu einem Wörterbuch telcgraphischer Abkiirznngen für den Bedarf der Zeitungen eröffnet. 2. Der Plan»:nß einfach und klar sein, darf alsa keine langen Studien erheische». Das Chiffrieren und Dechiffrieren muß rasch und leicht geschehen. Ter Plan muß sich auf alle Sprachen anwenden lassen. 3. Der Weit- bewcrb steht allen Personen ohne Unterschied der Nativualilät und CeS Standes offen. 4. Jeder Mitbewerber muß seine Arbeit vor dem 3». Mai 1900 an Herrn E. Torelli-Viollicr. Viceprasideiiten des Ccntral-Anreans der Preßiiercine, Mailand, via Palcceapa». einsenden. 5. Die für den Wettbewerb eingesandten Arbeiten könneii in allen enrepäischen Sprachen abgefaßt sein, vorgezogen wird hin« gegen deutsch, englisch oder fraiizösisch. 6. Eine von dem Direktion�- Komitee des Cciitral-BlireaiiS bestellte Jury lpird die ciugcsaudlen Arbeiten prüfen. 7. DaS Ergebnis der PreiSbcwerbnng wird auf dem Pariser Prcß-Kongressc vom Jahre IO(!l) verkündigt werden. 8. Dem Sieger in dem Wettbewerbe wird eine goldene Medaille im Werte von 300 Franks verliehen. Das ist nicht sehr viel. Tchiffönntergang. Wie aus Faaborg gemeldet wird, ist die dortige Schoonerbrigg„Henriette"(Kapitän Madien) auf ihrer Reise von Neweastle nacb Dramme» bei Farsimd gestrandet. Die siebest Mann starke Besatzung fand den Tod iit den Wellen. AnS JnnSbrnck wird berichtet, daß am Montag in der Pfarr- lirchc des Dorfes Sankt Peter bei Klamcu kurz vor dem Ende des HaiiptgotteSdiensteS Reliefs vom Plafond ans eine Schar Kinder herabgefallen. Eines der Kinder wurde infolge des Unfalles sofort getötet, zwei andere wurden schwer verletzt. In der dichtgcfnlllcii Kirche entstand eine große Panik. In Kopenhaac» hat sich ein seltsames Eise n b a h n n n g l ii ck ereignet. In der Nacht zn vorgestern stieß in der Vorstadt Noerrcvro ein von Holte kommender Eiienvabnzug mit einem Pferdebahn- wage n zusammen, in welchem 10 Personen saßen. Sieben von ihnen erlitten Verletzungen, der Wagen wurde zertrümmert. Obwohl die Barriere nicht herabgelassen war, hatte der Eisenbahiizug dennoch daS Signal, daß die Strecke� frei fei, erhalten. Eiscnbahnnngliick in Schottland. Ein Eisenbahiizug. welcher 223 Mann Hochländer nach Southampto» zur Einschiffung nach Süd afrika beförderte,' rannte ans dem Bahnhof von Blackford gegen den Prellbock des Bahnsteiges. Durch den Anprall wurden zwei Waggons ineinandergeschoben, wobei, zwölf Mann Verletzungen erlitten. Heldenthat zur See. lieber'die grausame That eines eng tischen SchiffSkapitänS und seines S t c n c r m a n n c s werden ans Hamburg folgende kaum glaubliche Thatfachen berichtet: Als der von Saigon in Hinterindien dieser Tage im Hamburger Hafen ein- getroffene englische Dampfer ,.C o n ck" wegen des niedrigen Wasserstandes bei BrnnShausen vor Anker log. beorderte der StcuerimniN einen chinesischen Matrosen, nncki den Laternen zu sehen. welchem Befehl dieser nickit sofort Folge leistete. Ter Steuermnmi versetzte daber dem Chinesen mehrere Hiebe in das Gesicht, worauf sich der Geschlagene nach der Kajüte begab,»m sich beim Führer dcS Dampfers. Kapitän Stock, zu beschweren. Nachdem auch der Steucrmaiin in die Kajüte nacbgcsolgl tvar, legten er sowie der Kapitän dem Matrosen ohne weitere» Handschellen an und banden ihn mit einem Strick an eine messingene Recliiigsstiitze an. Hierauf bearbeiteten ihn die Unmenschen mit einer Art russischen Knute derart, daß ihr Opfer schließlich flehentlich bat, ihn doch lieber zu töten. Nach einiger Zeit stellten die Peiniger ihre Mißhandlungen ein. doch nahmen sie sich den Unglücklichen später noch einmal vor und peitschten ihn jetzt so nachdrücklich, daß er über und über von Blut triefte. Als der so schrecklich zu- gerichtete Matrose von den Feficln befreit worden war. sprang er. wahnsinnig vor Schmerz und Verzweiflung, ü der Bord und ertrank. Da man sich um den armen Teufel nicht weiter kümmerte, sondern ihn seinem Schicksal überließ, so hat man auch seine Leiche weder gesucht noch gefunden. Der auf dem Schiffe anwesende Löschlooise hat die entmenschte That zur Anzeige gebracht, so daß die grausamen Engländer ihrer wohlverdienten Strafe nicht entgehen werden. Theatcrbrand. Im Theater zu Don- Benito(Estre- m a dura) entstaub infolge eilte« durch den Kincmatographcn ver- ursachtcn Feuers eine Panik. Mehrere Personen erlitten Per- letziingcii.— Blindcustatistik. Einem russischen Statistiker zufolge finden sich in Europa unter 10 000 Einivohnern Blinde: in Rußland 20. in Holland 4, in den Vereinigten Staaten Nordamerika« 5.2, in Däne- mark 7. in der Schweiz 7,0, in Frankreich 7,7, in England 8.8. in Ocstreich 9 und in Portugal 22. Mithin giebt es in Rußland, wenn man von dem kleinen Staate Portugal absieht, die meisten Blinden. Die Zahl der Blindgeborenen ist mm im Verhältnis zur allgemeinen Zahl der Blinden sehr gering und da» traurige Schicksal der großen Mehrheit der Blinden ist die Folge von anfteckendcn Krankheiten. Im Jahre 1886 wurden im russischen Reiche allein gegen 200 000 Blinde gezählt. Die gefährlichsten Folgen zeitigt in Rußland das Trachom. ein flcchtcnähiilichcr Ausschlag, der sicher �ur Erblindung führt, wenn dagegen nicht rechtzeitig ärztliche Hilfe cingeiveiidet wird. Von der Kosalenbcvölkermig allein sollen einem russischen Arzte zufolge 40 Proz. mit dem Trachom behaftet sein. Fcnier ivill derselbe Arzt in vielen Bezirken Rußlands die Erkrankung von 90 Proz. der Einwohnerschaft an der Blenarrhoe festgestellt haben. Die Blenarrhoe soll besonders unter den Kindern verbreitet sei». Eine fernere Ursache der zahlreichen Eibliiidiiiigen sollen die Blattern abgeben, vor denen ein großer Teil der russischen Bevölkerung sich durch Schutzpockeminpfuiig nicht zu bewahren pflegt, weil er augeb- lich deren Wert nicht cinsicht. In Wahrheit werden wohl die mangelnde Fürsorge der Regienina. der Mangel an Aerztcn. an Schulen und an Reinlichkeit die Ursache auch in diesem Falle bilden. Die Pest nimmt in S a n t o s und in S a o Paulo zn. Die letzten gemeldeten Fälle verliefen schnell tödlich. Marktpreis« von Berlin am 2. Januar 1900 noch Ermittlniigen de» kgl. PolizeipräsidiinnS. D.-Ctr. 15,10 14,70 14, 15,20 14,30 13:50 4,50 7,50 40,- 45,- 70,- 7,— 1,60 1,20 Dornte 14,- 13,80 13,- 14,40 13,60 12,80 4,32 5,— 25,— 25.- 30,— 5,- 1,20 I.- von Scknoeineflei'ch llülbslcijcki Hm» inelfleilch Butter Eier Kmpscn Aale Zander Heelü« Barickie Schleie Bleie Krebse lbs: 6V Stück lüg per Schock 1,60 1,70 1,60 2,80 2,20 2,80 2,50 1,60 2,80 1,40 12,- 1,10 1- 1- 120 1,40 1.20 0,80 1,40 0,80 der Centralllelle der Prentz. Land- und umgerechnet vo m Polizei- *)SScijtii �/Rvgzc» Küttu-G erste. Hafer gut„ „ mittel '„ gering Richtslroh, He» r) Erb(eil 'OSpeisebohnen, v/Jiimt Kartofsel»,»ene Rtlidllriich, Keule 1 dg do. Banch„ ') Ermittelt pro wirtschastskguimcr— Notierungöstelle— prästdunn für den Döppeleentiicc, r) Klcinhandelspreile. Prodilkteninorkt vom 3, Januar 1909, Heute inachte sich wiederum feste Stimmung geltend und zwar namentlich für. Weizen, der anf böhercS Nordamerila und Wnahiue der stchtbaren Vorräte i» Amerika und England bio 0,50 M. anzog. Roggen konnte sich unter dem Preis druck« billigerer Offerten anS Nutzland nur behmiptein Die Umsätze blieben nach ivie vor gering..Haser lag vernachlässigt. Rüböl zog 0,10 M. an, da niigcniigendcS Saaicuangebot stimulierte. Am S'p i r i t u s m a r k t war 70 er loco-aus vermehrtes Angebot 0,10 M. gedrückt und stellte sich nils 47,50. Städtischer S w I a ch t v i cb m a r l t. Berlin. 3. Januar 1900. Amtlicher Bericht der Direktion. Zum Verkauf standen: 216 Rinder, 1240 Kälber, 645 Schale. 5745 Schweine. BcMIt wurden für 100 Pfund oder 50 Kilogramm Schlachtgewicht in Mark(beziehnngSweist siir 1 Pfund in Pf.): Für Rinder: Ochsen: a) voltslcischigc. auegemästete, höchsten Schlachtwcrtcs, höchstens 7 Jahre alt 00-09, b) junge steifchige, nicht Kühe: a) vollstei'chige. aiisgemäftetc Färsen höchsten SchlachlwcrtS 00-00; Iis vollstciichige, anegrinäsicie Kühe höchsten SchlachlwerteS bis zn 7 Jahren 00- 00; c) allere ansgeuia stete Kühe und wenig gilt ciltwtckelte fünger« Kühe und Färsen 00-00; ck)»läßig genährte Kühe und Färsen 50— 52; o) gering genährte Kühe und Färsen 45-48.— Kälber: a) feinste Mast- lälber(Bouuiilchmast)»nd beste Saugkälber 77—80. d)»littlere Mastkälber und gute Sanglälbcr 06— 72, c) geringe Saugkälber 55—00, ck) ältere, gering gcuährle Fresser 43-47.- Schafe: a) Mastläinmcr lind jüngere Mast- iiammel 59— 62, b) ältere Masthamincl 52—57, o) mäßig genährte Hammel und Schale(Nierzschalc) 46— 50. ck) Holstetner Niederungs- ichafe(Lebendgewicht) 00—00.— Schweine: a) voll fleisch ige der feineren Nassen»nd deren Krcuziliigc» im Alter bis' zn Ii/« Jahren 50—51, b) Käser 00-00, c) fletjchigc 48-49. et) gering entwickelte 46-47, e) Sauen 46-46. Verlans und Tendenz. Vom Rinderauftrieb blieben noch uy- gesähr 100 Stück nnverlaiist. Der Kälberhandel gestaltete sich langsam. Bei Schafen fand ungefähr die Hälfte de« Auftriebes Absatz. Der Schweinemarlt verlief glatt mid wurde geräumt/ Briefkasten der Kedaktion. Tic juristische Sprechstunde sindct Montag, DienSlag und Freitag vo«oohl reden. Alte Aboiiiieute». Reanmur und Celsius nerhaltcn sich zu«inander wie 4 zu 5, also 4 Grod Rcaumur sind gleich 5 Grad CelsinS. Fahrenheit hat 9 tÄrad auf 5 CelsiuSgrade. Außerdem liegt bei Fahrenheit der Null- pun.'t 32 Grad unter dem von Reaumnr und Celsius angeiiouimcnen Null- punkte. Z.V.:> 32° F.- 0» R.. oder Z- 4t°F.- Z- 5° S.--ß 4° R., oder- 4" F.-- 20° E.-- 16° R.' Rauke. DaS Gestatten von Glücksspielen in einem Lokal ist verboten. DaS Gttetz zählt nicht aus, waS Glücksspiel ist,»ud kann das gegenüber dem im Pvnlt Spiel so ersiuderischc» Geist auch nicht. Glücksspiel ist jcdeS Spiel, bei dem Geiviun und Verlust wesentlich vom Zusa» abhängt. Ob das vo» Ihnen angefiihrte Spiel ein solche» ist können Sie selbst cnnessen, zumal mit demselben Namen verschiedene Arten Spiele bezeichnet werden. »Ltiternnidiiderllcht vom Januar 1900. uiorgcnS 8 tthr. B.'rttcr.Prognole für Tonncrötag, den 4. Januar 1900. Ein wenig kühler, vorwiegend trübe und nebelig mit geringen Nieder» schlagen und schwachen südöstlichen Winde». Berliner W c t l e r b» r e a». !l. sterbe- küsse der Tischler zc. 0el»v«iavs>tuiig Oer»» U. Am l. Jainiar verschied nach langem Leiden das Mitglied unserer Kasse Vildvlill Piper im Alter von 54 Jahren. Die Beerdigung sindrt heute nachm. 3 Uhr vorn Trauerhause Stalitzerstr. 590 aus nach dem EmnianS-Kirchhos statt. 184,1] Tie Lrtsvertvoltti» teiii dtr Ärlitiktr imö Irbtittriiiilkil der WWe- «ild Krawütteubraillhe. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Mitglied, die Näherin Frau am 31. Dezbr.»ach langem Kranken- lager verstorben ist. 251/1 Itvi- Voi-utniitl. Verbltild der Möbelpoliertr. Todes- Anzeige. Den Kollegen zur Nachricht, daß »nier Mitglied kustilv Lstzke am 1. Januar verstorben ist. Die Beerdigung findet heute, Donnerstag, nachmittags 2 llhr, aus dem PhilippuS-Apostel-Kirchhos in der Müllerstraße 44/45 statt. Um zahlreiches Erscheinen bittet Der Vorstand. Dauksagnieg. Für die zahlreichen Vriveise herz- sicher Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben, unvergeßlichen Manne» und sutforgiicheli Lateis, dcS Schankwirts s162Sb Carl Jungnlek, läge ich allen Freiinden und Bc- kannten, insbesondere seinen Kollege», sowie de» Mitgliedern de» Wahl- Vereins»Nd den Mitgliedern der- Koiiiniisiione», sowie für die Uber- reichen Blumenspendeu meinen herz- lichften Dank. Witwe»Inn» tungnlel« nebst Kindern. Laut VersamnilungSbcschluß vom 26, November 1899 beginnt mit dieser Woche wieder unser Sammeln zum Streikfonds, Wir ersuchen die Kollegen sowie die Baudeputierten, diesem Beschlüsse nachzukommen. Zu gleicher Zeit geben wir bekumit, daß das Bureau von jetzt ab von morgen» 7 Uhr biS mittags 1 Uhr und nachmittags von 3 bis 7 Uhr geässuet ist. An Sonn- und Feiertagen bleibt da» Bureau geschlossen. 30/1 Die Lohnkommission centraler Richtung. Kur bcu Fuhalt der Jnseralc liberiiiiiimt die Rebliklio» dein Publikniii gegenüber keinerlei NerniKiixiri»»«. Ghenkev. D o n ii e e s t a g, 4. Januar. Opernhaus. Der Prophet. Anfang 7>/, Illir.. TchanspielhanS. Die Verschwörung des Fiesco zu Genua. Anfang 7-/2 Uhr. Deutsches. Der Vielgeprüfte. Au- fang 7V* Uhr. Leffing. Der Tugendhof. Anfang 7-/- Uhr. Berliner. Almanfor. Tartüff. Abends 7l/z Uhr. Schiller. In Behandlung. Anfang 71/2 Uhr. Neues. Ein unbeschriebenes Blatt. Anfang 71/z Uhr. Westen. Der Zigeunerbaron. Auf. 7 Uhr. Thalia. Im Himiiielhof. Anfang 7i/z Uhr. Nesidenz. Busch und Reichenbach. Vorher: Die Richtige. Anfang 7-/, Uhr. Luisen. Arme Reiche. Ans. 8 Uhr. Central. Die Geisha. Ans. 71/2 Uhr. Carl Weih. Kinder der Hölle. An- sang 8 Uhr. Bictoria. Die Venus von der Marli- halle. Ansang 7i/z Uhr. Friedrich- Wilhelnistadtifches. Im weißen Nößll oder; AlS ich wiederkam... Anfang 8 Uhr. Belle- Alliance. Gastspiel des Schlierscer Bauern- Theaters. Der Amerikascppl. Ans. 8 Uhr. Mctropol. Spccialitätenvorslelliing. Die verlehrte Welt. Anfang 8 Uhr. Apollo. Specialiläten- Borstelliing. Im Reiche des Jndra. Anfang 7Vz Uhr. Reichshalle«. Stettincr Sänger. Ansang 8 Uhr. Palast. r.'ente von heute. Speciali- täten-Borflclliing. Zlns. 8 Uhr. Passage- Panopiikni». Speciali» lälcn-Vvrflcllnng. llrnnia. Jnvalidcnftr. I77/ti�. Täglich abendS von 5—10 Uhr: Sternwarte. Taubenflr. 48/4S. Dr. Wegcner: „Durch Ceylon und Indien" Ansang 8 Uhr. CarlWelss-lkatei' Gr. Fraiikfnrterstraste 133. Kinder der Hölle. Anfang 8 Uhr. Vorzugsvillets haben Gültigkeit. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Apollo-Möi'. Urania Tanbenstrasse 48/40. Im Theater abends 8 Uhr: Dr. Wegencr: Durch Ceylon und Indien. Invalidcnstr. 57/03: 1. Sternwarte. Nachmittags 5—10 Uhr. now. Kasseneröffn. S'/jUhr. Anfang 7>/zUhr. SlsMer-Theckr Theatcrl. Donnerstag, abends 8 Uhr: In Kehandlung. Komödie tii 3 Alten von Max Dreher. Freitag, abends 8 Uhr: In Dehamllnng. S 0 11 11 abend, abends 8 Uhr: Da» KlUhchen von Ilcilbronn. Thalia-Theater. Tel. Amt IVa 6440. Dresdenerstr. 72/73. Täglich: Noch nie daaewesencr Possen- Lachersolg! In» Himmelhof. , Hauptrollen: Emil Thomas, Guido Thielscher, Fritz Helmcrding, Hans Jnnkermami, Herbert Paul- üller, Marg. Arasep, Ada Milani, alerie Schäffer. Ansang 7t/z Uhr. m V. Crntvkil Dhrntev Direktion: tose perenorx. AM- Nur noch kurze Zeit!"Wxz Vio Geistitt. Anfang 7i/z Uhr. . Morgen und folgende Tage: Die- selbe Borstellung. Sonntag, nachm. 3 Uhr, zu halben Preisen: Boccaccio von Franz v. Suppe. Sanssonci Kottbnserstr. 4 a. Heute Donnerstag: Mmsmis Norddeutsche Sänger. Ei» Ball ohne Damen. Nach der Soiree: Tanzkränzchen. Freitag und Sonnabend: Geschlossen. Cirkus Busch. Heute Doiincrsiag, 4. Januar 1000, abends 71/3 Uhr: Grosser Gala-Abend. Zum 50. Male: Die Cauiorra. Von der gesamten Presse als das gröstie und interessanteste Scnsations- schaustück deS Jahrhunderts anerkannt. Austerdem: Die 3 Vlger-Grasicn vom Stamme der Mangbattu ans dem Jimern von Central-Asrika. Zum erstenmal: Mlle. Neivit. Draht- seil. Die Ritter-Turniere des Mittel- alters in voller Rüstung mit SC Schul- Pferden. Mist Lala Lee, Schulrcitcriii. Morgen Freitag, 5. Januar, abends 7>/z Uhr: Die Caiiiotra und humo- ristische Vorstellung. Sonntag, den 7, Januar 1000: Zwei graste Vorstellungen, Nachmitt, 4 Uhr: Olympische Spiele. Abends 71/2 Ur: Die Camorra. "Passage-Panopticii; Noch nie dagewesen: Sascha hebt mit den Haaren bis 300 Kilo Anatomisches Museum Dienstags für Damen. Golf von Xcapel(letzter Monat vor der Ueberführung nach London). Speclalitäten-Vorstellung von 7— IOV2 Uhr. ™ CASTANS PANOPTICÜM Gr. Weihnaclits- Ausstellung mit Berliner Weihnachtsmarkt (Schlossplatz) im 18. Jahrhundert. Im Theater-Saal: Ziiularella. Die Weihnachts-Bescherung. Die heilige Familie. Konzert einer Damenkapelle. Der Wunderhund„Schimmel". HB Die Boeren. HK Typograpliia. Morgen Freitag: Uebnugsstuttde. MklsHöl-sliilslks. llehrevstr. 55/57, Dir.: Bich. Schulte. Neue Debüts! Lilons de Vrles, Paullne d'Argent, Little Carlsen, Rapoli, Carmen Rosario, The Clives, Mary Wolf, sowie das vollständig neue dannar-Drogramm. Um 9 Uhr 30: Die Sensations-Novität Die verkelirte Welt mit der feenhaften Truppen-Nevue. Anfang 8 Uhr. Sonillibtild, ii/Zllilillir: Erster großer «etropt-TheAter- Masken-Ball. Alles Nähere besagen die Plakate an den Säulen. Cirkus Alb. Schumann. 12 neu: 12 Heute Donnerstag, den 4. Januar: Eilte-Abend, Gala-Proaramm. Neu! Unter anderem: Neu! Zum I. Male In Buropa. Aus dem Reiche des Mikado. 3. Debat der phänomenalen Akimotos Wirklich sensationelle Attraktion. Ferner das übrige vorzügliche Pro- gramm und Direktor Alb. Schumann mit seinen anerkannt unerreicht dastehenden Original-Dressuren. Zum Schlub zum 47. Male: Der erste Schlager der Saison: Das glänzendste Nitterschaustück: Schwarz und Weiß mit sämtl. neuen Einlagen. Aniericaii-Tlieater. Dresdenerstr. 96. Dir.; Emil Schnabl. DM- Groster Erfolg!-WG Berliaer Ronlotte oder: Direktor Steiese auf Reisen. Ansang 8 Uhr. Kasfenerösfiiuiig 7 Uhr. Sonnabend, den 13. Januar: Erster groher Maskenball. Maehrs Theater Oranicustrassc 34. Täglich: Nord uttv Süd. Operette in 1 Akt von Linderer. Anna und Bruno BUhrcr, Oiiginal-Verwandluiigsduett. The two Brackfoords, Akrobaten. Anfang 9 Uhr. Kaffenerössnuiig 7 Uhr. RslohshaUsn. Täglich: Ltellluer Säuger. Anfang: Wochentags 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. Entree 50 Pfennig. Vorverkaus 40 Pf. Grossartig. Programm. Arbeiter-Eiidungsschnle. Donnerstag, den 11. Jannar 1900, abends VzO Ehr, Im„Englischen Hof", Nene Kossstr. 3: General-Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Bericht des Vorstandes und der Revisoren. 2. Schulangelegenheiten. 3. Verschiedenes. 4/2 Mitgliedsbuch legitimiert. Beiträge werden entgegengenommen. Zahlreichen Besuch erwartet Der Vorstand. MM! BlMNjWger. MM! Ilm Freitag, den 3. Januar, vormittags 9 Uhr, im Lokal des Herr« Buöke, Grenadierstraste 33: Große öffentliche Versammlung Tages-Ordnung: 1. Bericht der Revisoren. 2. Bericht der Kommission. 3. Festsetzung der Unierstützimg und inehreres. 33/1 Zahlreichen Besudi erwartet_ Tie Lohnkommisfion. MW! Freitag, den 5. Januar, abds. S' a Uhr, in der Gambrinus- Brauerei zu Charlottenburg: Gr. öffentliche Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Die bevorstehenden Gewerbegerichts-Wahlen. Referent Genosse Itahell. 2. Diskussion und Aiifstsllnng der Kandidaten. 3. Gewerkschast- licheS. 202/1 Gleichfalls sind die Arbeitgeber hiermit eingeladen. Der Tertrancnsmann. Schönebergs. Am Freitag, den 5. Armin-Hien,' Kommandanten- Strasse 20, ist ein Saal noch ewige Soniiabende und Sonntage im Januar und Fe- brnar zu vergeben. 102/6 Palast-Tbeatep früher Ecen-Palast, Surgstr. 22. Täglich: SPemlitöttll-Blirßtllmlls. Anfang: Konzert 7, Vorstellung 8 Uhr. Vorverkauf von 11—1 Uhr. W. Noacks Theater, Brilinlenftraße 16. Friede ans Erden. Lebensbild mit Gesang und Tanz in 3 Akte» von Hugo Schulz. Musik von Kersteu. Jeden Sonntag, Dienstag und Donnerstag nach der Vorstellung: Tauzkrällzchen. + Naturheilverfahren. Ich heile Naturheilverfahren _ Ich heile_ ohne Berilfsstörniig alle Männer lind Fralleiileiden, ebenso Nieren und Blaseilleiden. Naturgemäße Behaiidlung. 3045L' Fr. C. Henke, Bathenowerstr. 49, I Ecke Perlebergerstrasse. Sprechstunden 9—2, 5—9, Sonntags 9—2. Bei Borzeigiing der VerbandSfarten 10 Proz. Zaiimee Januar, abends 8 Uhr, im KlubhauS, Hauptstraße 5—6: r. Tages-Ordnung: I. Vortrag des Reichstags-Abgeordnete» Wilhelm Elehkneeht. 2. Bericht der Gewerbegerichts-Beisitzer und Stellungnahme zu den am 20. Januar stattsiiideliden Wahlen zum Gewerbegericht. 202/2 Dlo Ycrtranenspersonen. Cohns Icltfälc. SVSS&S-** Sonntag, der 14. Januar 34478 MAGGB Zu haben In allen Delikatess- u. Kolonialwaren-Geschäften und Droguerlen &eiw VP'/> Kilo genfigl für 100 TatMit W völlig schmerzlos! Plombieren 1,00 an. Künstl. Kiilinc 1,50 an, reell 11. gewissenhaft. Sofortige Bedienung, si/ll Sprechstunden: 8—8, auch Sonntags. RI onno Blumenstr. 35, - ladUyC, Ecke Marluos-raße. Ein Versuch Oberzeugt, dass Iran Houtens Cacao tOr den täglichen Gebrauch allen anderen Getranken vorzuziehen Ist, Er Ist nahrhaft, nervenstärkend, wohlschmeckend, leicht verdaulich und stets schnell bereitet. Van Houtens Cacao wird nur In den bekannten Blechbüchsen, niemals lose verkauft, da bei lose ausgewogenem Cacao nichts für die gute Qualltat bürgt. J Nlltur-Heilvel'fahreu.£ ß U Haut-,. Harn- ii Blasenleiden. 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Für dm Inseratenteil verautworUtch: Th. Glocke in Berlin. Druck und Lerlag von Mar Babing in Berlin.