Iii*. 4, Adsmument«-Kedingungen: vbonnemenl»-Pret« pränumerando: vierleliährl. Z.Z0 Mk., monall. 1,1031t., wöchentlich 23 Plg. frei in« Hau». Einzelne Nummer S Plg. Sonntag»- Stummer ml» IlluNrlcriec Sonntag»- Beilage„Die Neue Welt" 10 Pfg. Poll- Abonnement: Z.30 Marl pro Quartal. Eingetragen in der Post- Zeitung»- Preisliste für 1900 unter Er. 7971. linier Kreuzband für Deutschland und Lesterreich- Ungarn 2 Marl, für da» übrige Ausland 3 Marl pro Monat. Erscheint täglich ausser Zvonlag». Devlinev Volksblskt. 17. Jahrg. Dt« Inftrtioiis-Gtbiihr betrögt sur die sechSgelpaliene Kolonek» zeilc oder deren Raum«0 Psg., sur politisch« und gewertschasllicheBerein»- un» Versammlung»-Anzeigen 20 Psg. „Kirine Zinseigen" jede« Wort 3 Psg. (nur da» erst« Wort feit). Inserate sur die nächste Nummer müssen bi»» Uhr nachmittag» in derErveditlon abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen- tagen bi» 7 Uhr abend», an Sonn- und FestiagenbiiSUhr vormittag« geössnu. Fernsprecher: Hmt s, Er. 1500. Telegramm-Adresse: »Porlaldemolrrat Berlin" Centralorgan der socialdemokratischen Uarter Deutschlands. Redaktion: SW. 19, Veutlz-Straste 2. Sonnabend, den 6. Jannar ISVO. Expedition: L'W. 19. Ventlz-Straste 3. Znm Entwurf einer nenen Seemanus-Ordnnng. — w.— Hamburg, 4. Januar. Wenn es bisher unter den Seeleuten noch Optimisten gegeben hat.»velche sich mit Bezug ans die seit Jahren in Aussicht gestellte Revision der Seemanns Ordnung von 1872 der Hoffnung hingegeben haben:„Mas lange Mährt, wird gut", so dürften diese Schwärmer durch den jüngst vcr- öffentlichten Entwurf einer neuen Seemanns- Ordnung gründlich kuriert Morden sein. Es Märe auch gar zu wunderbar, wenn unter dem Zuchthauskurs ein wirksames Arbeiterschich>Gesetz das Tageslicht erblicken sollte, zu einer Zeit, Mo sich die Herren Reeder der höchsten und allerhöchsten Gunst und Gnade in so hohem Maße zu er- freuen haben. Tas wäre widernatürlich. Auf den eisten Blick und bei flüchtiger Durchsicht des Entwurfes erscheinen einige der vorgenonimenen Acnderungcn als wesentliche Verbesserungen, als ein Eingehen auf die der Regierung von der socialdcniokratischen Fraktion wiederholt unterbreiteten Wünsche und Forderungen der Seeleute. Es ist aber mir Schein. In Wirklichkeit wird nur sehr wenig gebessert, viel bleibt, wie cS war, und einiges wird ver- döscrt. Als eine wesentliche Verbesserung wird in der dem Ent- Wurf bcigegebcnen Begründung hervorgehoben; „die t h u n l i ch st e Fe st l e g u u g der wichtigeren Vmschristcii durch das Gesetz unter Ausschluß der mir zu häufig zuin Nachteile deS Schiff.5maiiiic.5 auSsallenden freien Verein- V a r u ii g zwischen ihm und dem Schiffer(Reeder)." Es ist dies ein scheinbares Eingehen auf die aus bitterer Erfahrung hervorgegangene Forderung der Seeleute auf Bc- seitigung der„freien Vereinbarung", weil es eine solche zwischen dem wirtschaftlich starken Reeder und dem Wirt- schastlich schwachen Seemann nicht giebt. Anstatt nun aber diesen Mißstand glündlich ouszpmcrzeii und die„freie Ver- einbarnng" aus der ganzen Seemanns Ordnung zu streichen, bchilft man sich mit der„t hu n Ii ch sie n Festlegung der wichtigeren Vorschriften des Gesetzes". Tas ist den Pelz waschen, ohne ihn naß zu machen. Iii einem Dutzend oder mehr Paragraphen, welche wichtige Bestimmungen enthalten, ist die „besondere Verabredung" beziehungsweise„freie Vereinbarung" zugelassen. So z. B. in den die Regelung der Arbeitszeit im Hafen und die Sonn- und Fcsttagsarbeit betreffenden KZ 33 bis 35. Es heißt nämlich im K 33: „Liegt das Schiff im Hafen oder auf der Reede, so ist. falls nicht ein anderes vereinbart ist, der Schiffsmann nur in dringenden Fällen schuldig, länger als zehn Stunden zu arbeitkii. Das Gleiche gilt von Sonn- und Fcsttagsarbeit. Was ist das für eine Regelung der Arbeitszeit, für eine Sonntagsruhe, wenn der reiche Reeder mit dem armen See manne statt der zehn- die zwölf- oder gar vicrzehnstündigc Arbeitszeit, die Sonntagsarbeit„frei vereinbaren" kann? Ganz abgesehen von der so vielfach mißbrauchten Bestimmung. daß in„dringenden Fällen" der Schiffsmann länger als zehn Stunden oder Sonn- und Festtags arbeiten muß. Wer ent scheidet denn, ob ein„dringender" Fall vorliegt? Der Schiffer oder ein anderer Vorgesetzter? Der Seemann ist nach K 32 .verpflichtet, in Ansehung de! TchissSdiensteS den Aiiordmmgcn des Schiffers, der S ch i f f s o f f i z i c r e und seiner s o n st i g e n Dien st vorgesetzten unweigerlich G c- h o r s a>n zu l e i st e n u n d z u jeder Zeit alle für Schiff u n d L a d u ii g i h in ji b c r t r a g e n c n A r b c i t c n zu v e r- ri chten". Wer sich weigert, einem ihm erteilten Befehle Folge zu leisten, loird nach K 91 mit Geldstrafe bis zum Betrage einer Monatsheucr, bei wiederholter Gehorsamsverweigerung nach K. 94 mit Gefängnis bis zu drei Monaten und wenn Vcrab- redung zwischen zwei oder mehr Schiffsleuten nachgewiesen wird, nach§ 95 mit Gefängnis bis zu einem Jahre, für den„Rädelsführer" bis zu drei Jahren bedroht. Demnach stellen sich die Bestimmungen betreffs der zehnstündigen Arbeitszeit und der Sonntagsruhe als eine Ver- leitung zu der strafbaren Gehorsams-Vcrweigcrung dar. Sic nehmen sich schön aus auf dem Papier, haben aber für die Seeleute nicht den geringsten Wert. Von sekundärer Bedeutung für die Schiffsmaniischaft sind die Bestimmungen, welche sich beziehen auf „die HcrauShebung der Schiffsofffziere aus der„Schiffsmannschaft" unter Zuweisung einer ihien Aufgaben und socialen Ver- Hältnissen entsprechende» Gondcistellung: die Aiifstclluug von Grundsätzen über das Verhältnis der Mannschaft zu den' Vorgesetzten: die weitergehende Berücksichtigung der Musterung ans Zeit, neben der in de» bisherigen Vorschriften fast ausschließlich berück- sichtigtc» Musterung für die Reise." Es sind dann einige Verbesserungen enthalten, die, durch die Veränderungen im Schiffahrtsbctricb bedingt, sich als not- wendig ertviesc» haben. Auf die eigentümlichen Verhältnisse der Seeleute als Lohnarbeiter wirft die hervorgehobene Bestimmung ein Licht. welche „die thnnlichste Sicherung des SchiffsmanncS vor Entziehung seines Arbeitsverdienstes durch Dritte und vor Uedcrvorteilung bei der Lohnzahlung" betrifft. Es niag anerkannt werden, daß hier eine kleine Verbesserung stattgefunden hat. Dasselbe läßt sich auch sagen von denjenigen Bcstim- mungcn, welche regeln die Anpassung der Ansprüche in Erkrankungsfällen und bei vorzeitiger Entlassung sowie der Rückbcförderungsansprüche und die Festlegung der Fälle, in welchen jeder Teil zur alsbaldigen Auflösung des Dienst- Verhältnisses berechtigt ist, wenngleich auch hier noch manches zu wünschen übrig bleibt. Als eine ganz gewaltige Verschlimmerung des bisherigen Zustandes ist aber die Acnderung der Vorschriften über die Disciplinargewalt und der damit im Zusammenhange stehen- den Strafvorschriften zu bezeichnen. Während nach der alten Seemaiins-Ordnung das Prügel- recht gänzlich verpönt war(was aber nicht gehindert hat, mordsmäßig zu prügeln) und die DiSciPlinargclvalt über den Schiffsmann nur dem Schiffer(Kapitän) zustand, wird in der neuen Seemanns-Ordnung das Prügclrccht gesetzlich sanktio- inert. Ter neue§ 79 lautet nämlich: „Der Schiffsinann ist der Di-Zeiplinargeivolt. der Schiff Z- juiifle der väterlichen Zucht deS Schiffers vom Antritt deS Dienstes bis zu dessen Becitdigimst unterworfen. Ilcbennäßigc und unanständige Züchtigungen, sowie jede die Gcsinidhcil des Schiffsjungen gefährdende Behandlung sind vcr- boten. D e r S ch i f f c r k a n n d i e A ii S ü b u n g der ihm zu- stehenden Disciplinargewalt aus die Schiffs- Offiziere übertrage n." Daß durch die Eiuführung des PrügelrcchtS dem so viel- fach beklagten Mangel an Schiffsjungen abgeholfen wird, die jungen Leute sich nun massenhaft dazu drängen werden, sich prügeln zu lassen, möchten wir stark bezweifeln. Sollte da Wohl die Bestrafung eines Kapitäns in Zlltona und eines in Elmshorn wegen grausamer Mißhandlungen ihrer Schiffsjungen die Veranlassung zu dieser Bestimmung gewesen sein? Fast erscheint cS so. Und nun gar die Zulässigkeit der Ucbcrtragnng der Tis- ciplinargcwalt ans die Schifisosfizicre. Das ist geradezu unerhört. Will man dadurch die schändlichen Mißhandlungen, welche in den allermeisten Füllen die Ursache der vielen Selbstmorde auf den deutschen Schiffen gewesen sind, vor der Welt verbergen? ES wäre uns völlig unverständlich, wie sich dieser Gedanke ans Tageslicht wagen konnte, wenn wir nicht eine Erklärung in dem immer üppigere Blüten treibenden preußisch-militaristischen Geist zu finden vermöchten. Hoffentlich niacht der Reichstag durch diesen Passus einen dicken Strich. An Material zur Begründung cincS Streichnngs antrages soll es nicht fehlen. Nim zu denjenigen Forderungen der Seeleute, welche die Regierungsvorlage als nicht ausführbar bezeichnet. Da ist die, welche betrifft: „die Einsühriing von sogenannten Sce-Schöffcngerichteii unter Beteiligung der Schiffsleute on der, zur Zeit den Seemanns- Aeintern zusteheiidcii, vorläufigen Eutscheidiiiig über Dienst- vergehen" Was wird zur Ablehnung dieser hochwichtigen Forderung vorgebracht? Leere Redensarten, die sich hauptsächlich auf den„Kostenaufwand", der durch diese See Schöffengerichte notwendig würde, stützen. Zu nenen Kanone». Panzerschiffen k. haben wir Geld in Hülle und Fülle und wenn wir's nicht haben, pumpen wir's, aber zum Schutze der staats- bürgerlichen Rechte der Seeleute— ja Lauer, das ist ganz was anderes, dazu haben wir kein Geld. Die Seeleute haben sowohl in Bezug auf Streitigkeiten über Lohn- und Arbeitsbcdiiigungcu wie auch über Entschcjdtiiigcn über Dienstvergehen so bittre Erfahrungen gemacht, das; sie diese Forderung unter allen Umständen aufrecht erhalten lv erden. Die jetzt bestehenden Zustände, wo ein früherer Schiffskapitän als„Herr Scemannsamt" über alle Streitfälle zwischen deni Kapitän und sciiicn Leuten zu entscheiden hat, sind unhaltbar und eines„Rechtsstaates" unwürdige. Ferner wird die Gewährung des Koalitions- rechtes der Seeleute als unausführbar bezeichnet. Der hierauf bezügliche Passus in der Begründung ist so kostbar, daß er ganz niitgetcilt werden muß. Es heißt darüber: „Was dos KooliüonSrccht betrifft, so bestanden bei der Mehr- zahl der gehörten amtlichen Stellen und auch in Reedcrlrcisen keine grundsätzlichen Bedenken, das den gewerblichen Arbeitern im tz 132 der Äewcrbc-Ordining geivährleistete Koalitionsrecht auch den Schiffsleute» soweit zuzugestchen, als es mit der Natur des SchiffSdicustes verträglich sei.' In letzterer Beziehung war aber daran festzuhalten, daß dieselben Gesichtspunkte, welche in der bis- herigen Seemanns-Ordnung zu den Vorschriften über dcnZwang zum Dienstantritt, den unweigerlichen Gehorsam bezüglich des Schiffs- dienfteS, die volle Disciplinargewalt des Schiffers bei Widersetzlichkeit oder beharrlichem Ungehorsam geführt haben, es mizulässig machen. Verabredungen und Vereinigungen der im 8 132 der Gewerbe- Ordnung gedachten Art a n B o r d d e S S ch i s f e s zu gestatten. Eine Befugnis der Schiffölente, beispielsweise im VollSlogiS Versammlungen der dienstfreien Wache zur Erörterung über eine Bcrbesicruug der Lohn- und ArbeitSbediiiguugcu durch Nieder- legung der Arbeit abzuhalten, würde die auf dem Schiffe miciit- behrliche DiSciplin untergraben und die autoritative Stellung dcö für die Sicherheit des' Schiffes und der auf demselben befind- lichen Personen verantwortlichen und deshalb Mit der strengsten Machtbefugnis ausgestalteten Schiffers erschüttern. Kann aber von der Einräumung der Koalitionsfreiheit an Bord keine Rede sein, so verbleibt für die Schiffsleute nur eine so geringe Möglichkeit zum Gebrauche eines Koalitionsrechts, daß dessen gesetzliche Gewährleistung um so weniger nötig erscheint, als ent- gegeiistehende Verbotsvorschriften nicht bestehen. Denn nur so lange der Seemaiin unter Heuervcrtrag steht, ist er Schiffsmann im Sinne der Sccmamisordnuiig und des§ t! der Gewerbe- Ordming. Im Rahmen der Seemaiinsordmiug könnten deshalb nur diejenigen Fälle in Frage kommen, in denen der SchiffSmamr sich am Lande befindet und dort an Verabredungen und Ver- cinigiingen, etwa in Bersammliingeu seiner Bernfsgenosscii, teilzunehmen beabsichtigt. Solche Versammlungen können z. SJ.Xfür das aus Zeit gcinustcrtc Personal der großen Tainpfergescllschastcn, während die Schiffe zum Löschen und Laden oder zu sonstigen Vorbereitungen der WiedcranSreise im HcimatS- Hafen liegen, immerhin von Wert sein. Indessen könnte auch für solche Fälle von dem Grundsätze, daß der Schiffsmami daS Schiff ohne Erlaubnis des Schiffers nicht verlassen darf, nicht abgegangen werden. Dem SchiffSmann aber ein KoalitionSrccht zuzusprechen, dessen Anwcndnng in der Hand des Schiffers läge, würde ohne praktische Bedeutuiig sein." Damit werden sich aber die Seeleute nicht abspeisen lasseit, vielmehr werden sie diese Forderung nun erst �recht aufrecht erhalten. Ter große Hamburger Streik 1896/97 hat ihnen gezeigt, lvie notwendig auch das Koalitionsrecht für sie ist, und über den Gebrauch desselben werden sie selbst, nach eigcncin Ermessen entscheiden. Der ganze Satz klingt fast so, als hätte ihn einer der Hamburger Großreeder L a e i s z oder W ö r m a n n diktiert. Gar keiner Erwähnung wert gehalten hat man die Forde- rung der Seeleute,„diejenigen Konsuln von der Wahrnehmung der Geschäfte eines Seemanns Amtes ansznschließen. welche Mitinhaber, Agenten oder Angestellte von Reedereien sind." Tie Bedeutung dieser Forderung erhellt am besten aus der Bestiuimung, daß der das Seemannsamt repräsentierende Konsul die Entscheidung in der Hand hat, wenn von Jöcr Schiffsmannschaft Beschwerden oder Zweifel über die See- tüchtigkeit des Schiffes, die Beschaffenheit des Proviants?c. vor- gebracht werden. Denke man sich nur einen Angestellten des bekannten Reeders Schiff in Elsfleth, der bc- kanntlich die Rettung der Mannschaft beim Untergang zweier Schiffe mit einem bedauernden„leider" begleitete, als Vertreter des SecmamtS- Amtes bei einer Beschwerde der Mannschaft über die Seeuntüchtigkeit eines Schiffes seines eigenen Prinzipals, von dessen Wohlwollen seine ganze Existenz abhängig ist. Und über die Forderung. diesen geradezu mörderischen Zustand zu beseitigen, hält es die Regierung gar nicht einmal der Mühe wert, ein Wort zu verlieren. Ferner wird über die Verwendung fremdsprachlicher Elemente, welche kein deutsches Wort perstehen und mit denen die Vorgesetzten und Kollegen sich nur durch die Zeichensprache verständigen können, nichts erwähnt. Was aber ganz besonders hervorgehoben werden muß, das ist das Ausschweigen über die Forderung der Einführung einer Schiffskontrolle von Reichswegen. Zum Schutze der Aus- Wanderer hat man eine Kontrolle durch einen Reichsbcainten für nötig gehalten, zum Schutze für die Seeleute auf allen anderen Schiffen soll die Kontrolle durch die Beamten einer Vcrsichcrlingsgcscllschaft des Germanischen Lloyd genügen. Nun, hoffentlich hält der Reichstag das Leben und die Ge- sundhcit unserer braven Seeleute für ebenso wertvoll als das der Auswanderer und stimmt dem in den socialdemokratischcn Anträgen enthaltenen diesbezüglichen Paragraphen zu. Es ist nicht möglich, in kurzen Zügen die gesamten durch- aus berechtigten und auch durchführbaren Forderungen der Seeleute zu erörtern, weil es ihrer zu viele sind. Die angeführten Wünsche werden ohnehin genügen, auch dem dem seemännischen Getriebe Fernstehenden ein Urteil über die Berechtigung der Wünsche und Forderungen zu ermöglichen, und ihm zu zeigen, daß die socialdcmokratischc Fraktion schwere Arbeit bekommen wird, um die auch nach diesem Entwurf einer neuen Secmaims-Ördnung noch immer der Habgier gegenüber macht- losen Seeleute nach Möglichkeit zu schützen. Nolikifche Mvbevstchk. Berlin, den 5. Januar. Tie gepanzerte Fjaust. Ende der vorigen Woche muß aus Berlin ein Telegramm nach England abgegangen sein, etwa folgenden Inhalts: Bitte umgehend einige deutsche Schiffe beschlagnehmeii. um AgitationSstoff für die Marincvorlagc zu beschaffen. Zu Gegen- diensten gern bereit. Wenn man die Presse der Marinelieferanten über die Beschlagnahme deutscher Schiffe liest, muß man unwillkürlich auf solch. einen Gedanken verfallen. Das ist ganz dieselbe Art, wie man durch bestellte Attentate„Umsturzgesetze" zu erlisten sucht. Auch die bereits niobilisierten Kosaken- und Tiirkos-Horden rnis der Zeit des Septcnnatsschlvindels treten lebhaft in die Erscheinung. Ganz im Attentats- und Sep- tennatSstil wütet z. B. die„ P o st": „Fast täglich meldet uns jetzt der Telegraph die Beschlag- nähme eines deutschen Dampfers seitens der Engländer. Wenn das so fort geht, dann wird bald ein Sturm der Ent- r ü st ii n g sich im ganzen deutsche n Balte erheben, wie er bisher noch nich'i erlebt worden ist. Bei der ohne- hin den Engländern schon wenig wohlwollenden Bolksstinnming bedarf eS nur noch eines leichten AiistoßeS zur Entsesseliiiig des Sturmes. Wir haben bereits darauf hingewiesen, daß die Engländer bei der Beschlagnahme deutscher Handelsschiffe sicherlich' mit weit mehr Rücksicht verfahren, wenn die vettcrliche Znneignng durch den Besitz einer starke» Flotte unsererseits etwas gekräftigt würde, einer Flotte, wie sie der neue Förderung fer Flottcziplan anstrebt. Auch andere fi'.r die nationalen Wehrkraft cinlrelcnde Blälicr haben die'e Thatfache hervorgehoben, die auch dein schlichtesten Laienoerstand« die Not- wendigkcit einer grötzercn deutschen Flotte unniidcrlcglich zunr Beivutztscin bringen muß." Hätte die„Post" für ihre Vertretung der Grohindustrie- Interessen ctwaS mehr Intelligenz zur Bersügnug als sie that- sächlich besitzt, so würden sie und die verwandte Presse sich überlegt haben, dast nichts so sehr geeignet ist. die Flotten fache noch mehr zu kompromittieren, wie diese Ausbeutung der Beschlagnahme deutscher Schisse, mag diese nun berechtigt oder unberechtigt sein. � Denn was soll die Berufung auf das Fehlen einer st a r k c n Flotte � �Tas kann doch nur bedeuten: Hätten wir schon die nötigen Schisse, dann könnten wir gleich mit der gepanzerten Faust drcinschlagen, daß dem perfiden Albion die Lust zu derlei Streichen verginge. Tann brauchten wir nicht erst diplomatische Verhandlungen einzuschlagen. Ist das der Zweck der gewünschten Flotte, dem ShiltnS der brutalen Gewalt die nötigen Mittel zu gewähren, dann wäre es erst recht nötig den abenteuernden Weltpolitikern Zügel anzulegen. Wir haben gerade schon genug Großsprecherei. Selbstüberhebung und schncidigkeit. tlebrigens möchten wir die„Post" daran erinnern, daß auch unsere..weltimponierende Landmacht" uns nicht vor kontinentalen diplomatischen Zwischenfällen geschützt hat. daß also auch eine noch so große Flotte keine Gewähr gegen Kow fliktc bietet.— Wir sinds nicht gewesen. Die„Berliner Politischen N a ch r i ch i c n" entschuldigen jetzt zerknirscht die Regierung, weil sie eS gewagt hatte, die kanalfcindlichcn Landrätc zu maßregeln. Die Ver setznng in den Wartegcldzustand sei durchaus nicht als discipli- »arische Bestrafung anzusehen gewesen. Das wäre ja auch eine Verletzung der verfassungsmäßigen Immunität der Ab- geordneten gewesen: _«2u Wirklichkeit ist, wie au§ dem gleichzeitig vcröfscntlichtcn Stflatsiuiuistcruücrlasse klar hervorgeht, die Versetzung der be- treffenden Beamten in den cinsNveitigen Nnhestand er- folgt, weil man nach ihrer Stellungnahuie zur Kaualvorlage bcn betreffenden Regierungspräsidenten und Landräten. ivclche nach der Begründung des Discipliiiargesctzcs vorzugsweise zur Vertretung der Politik der Regierung berufen sind, eine wirk- laiue Vertretung dieser Politik nicht mehr erwarten durfte. Aus diesem Grunde allein ist von der Befugnis, des DiSeiplinar- gejctzcs, welches übrigens nach der Begründung ausdrücklich zu diesem Zwecke� gegeben ist. Gebrauch gemackst worden. Ilm vLiflig klar zu stelle», daß es sich dabei uickit um ciiicil diseipli- uarcu Strafakt haudetr, cuthält das Discipliuargesetz aber die weitere Bestimmung, daß die in den cinsiiveiligoi R u h c- |t a n d versetzten A e a in t c n bei der Besetz u u g solcher S t eil e n. für welche sie befähigt sind vorzugsweise berücksichtigt werden solle n." 2llfo war die große Aktion gegen die Kanalrcbcllcn kein Mittel, um sie zur Raison zu bringen— wie Miguel gc- meiut hatte—, sondern sie war nur ein Uebcrgang zur B c- f ö r d c r u u g, die denn auch jetzt erfolgt ist. Eilte gute Ausrede ist zwei gute Groschen wert. Aber nun mögen die„Bcrl. Pol. Nachr." auch Auskunft darüber geben, warum man die Kaiialfcindc mit der Ho jach t belegt bar. Sollte das auch keine Strafe sein?— Die dürfen die Kosten tragen. So svielt der WasserpatriotismuZ aus Teilung. Ter tlulcrnchmet steck! die Profite ein und der Arbeiter bezahlt sie.— Faustkanipf in der Wcltpolitit. Die„Tägliche Rund- j cki a» in der die schwcinbmgfcindlichcn Wclipolitikcr rumore». versicherte, daß der Organisator des MarinerummelS. Herr Victor Schwcinburg, von cincin früheren Angestellten des Vereins, einem ehemaligen Osfizici. vor einem eigens mitgebrachten Mengen gründlich geprügelt worden sei. Hm Schweinburg stellte diese Behauptung entrüstet in Abrede. ?>!>». so schlimm wäre das doch nicht, sondern vielmehr durchaus gksiiiiiungStüchlig. Tie Wellpolitik der Schweinbürger läuft doch im wesentlichen aus die verallgemeinerte Anwcitduug des Faustrcchls hinaus!— die„Köln. Volksztg. Suppe nicht gegesien Jeutjches Zleich. Wcun man den Papst zum Vetter hat! Ter Prinz v. Ar enb c r a wurde, wie die„Tägl. Rundschau" zetzt verrat, auf die Kolonien loZ�elassen. weil er einflußreiche Ver- wandte hatte. Der Prinz hatte wegen Soldatenmißhalidlmige» den Dienst quittiere» müssen. Darum soll der Kolonialministcr v. Buchka auch Einspruch gegen seine Vcriveiidnilg in den.-ilolonien erhoben haben. Indessen, so schreibt die„Tägt. Rundschau": „Dem Prinzen standen so mächtige v c r>v a n d t s ch a f t- liche Verbind u ii gen zur Seite, daß er aucki gegen den Willen des Kolonialdirektors in die Schutztrnppe eintreten dlirfle. Und diese mächtigen verwandtschaftlichen Einflüsse machten es sogar möglich, daß der Prinz in der Schutztruppc bleiben konnte, nachdem er in Windhock einen heftigen Zu s a m m e n st o ß in i t M a j 0 r B! ü l l e r provoziert hatte. Nach der nunmehr von ihm verübten Unthat dürften dem Prinzen aller- Vings seine einflußreichen verwandtschaftlichen Bc- z i e h 11 n g e n nichts mehr Helsen, da in hiesigen maß- gebendeil Kreisen der Abscheu über die Grenelthat dcS Prinzen ebenso heftig lv i e allgemein i st. Man nimmt im Gegenteil mit ziemlicher Gewißheit an, daß der Kaiser das auffallend milde Urteil des Kriegsgerichts nicht bestätige» und daß ein zweite- Urteil erheblich schärfer ausfallen wird. Sehr bedrückt durch das Verbrechen seines V c t t e r s zeigl sich der ReichstagS-Abgeordnete Prinz Franz von Arenberg, der bisher seine mächtige Hand ü b e r i h n gehalten h a t und iiuiimehr wegen sciner, wenn auch indirekten Beteiligung an dem iieneii Kolonialikandale Bedenken trägt, das Kolonialrcfcrat. daS er seit niehrercii Jahren im Reichstage übernommen hatte, bei- zubehalten. Auch soll er, was wir begreiflich fänden, gewillt sein, die Vorstandschaft der Abteitiliig Bcrliii-Eharlottenburg der Deutschen Koloiüalgcscllschast niederz n lege Daß man den Prinzen anscheliicnd jetzt fallen läßt, ist ein kleines Zeichen der Besserung. An dem Dr. Peters haben die Koloiiialtelite bis zum letzte» Augenblick trotz seiner grauenhaften Schändthaten festgehalten. Rivale«« in der Flottenschwärmerei. Tie«Rheinisch-West- fälijche Zeitung", in der die Grubcnbarviie sich anslebe». fällt oruninig über die»ational-socialcn Flokteiischwärmcr her,„weil diese uilter der Aegide des Frhrn. v. Berlepsch exerzierende Truppe sich durch Flotteiibegeistcrillig oben angenehm zu machen derzeit bestrebt ist." Den besonderen Anlaß zu dieser MciiiuiigSäutzcrnng bietet ein, freilich ganz unklarer, Vorschlag Lujo Brentanos, die Jildiistrie die Kosten der Flotteuvorlagc trage» zu lassen. DaS Blatt iieimt deshalb den„national- socialen" Professor einen modernen Tartusfe und hofft durch die Feftnageliuig fciiics Vorschlags„gewisse Stellen darüber aufzuklären, wie nichts mehr die Flotteiipläne zu diskreditieren vermag als deren tölpel- hafte Propagierung durch Leute vom zweifelhaften Geschlecht der Rational-Socialen." Wenn die„Rhein. Wests. Ztg." andere Leute der Flotten- st r e b e r e i beschuldigt— sie könnte das namentlich den Konservativen und Agrariern mit Recht verwerfen— so ist die Großindustrie aller- diiigs in der glücklichen Lage, nicht deshalb für die Flotte z» sein, weil sie sich oben beliebt machen will. O nein! Die Großindustrie «st viel zu charakterfest für solch' unwürdige Kriecherei. Sic hat eS auch gar nicht nötig; denn sie wird von einem reelleren Motiv aufs Meer getrieben: Sie ivill an der Marine verdienen, bar ver die u cu. Darum flucht siej auch den rivalisierenden Patrioten des Wassers, die der Industrie dadmch das Geschäft zu verderben suchen, baß man ihr die Kosten aufbürdcn will. Begreifen diese National-Socialen denn»inmer noch nicht? Die Industrie ivill «r.i der Wcltpolitik verdienen! Und da mutct man ihr lächer- llicherweise zu, daß sie zahle! Wozu sind den» die Arbeiter da! Marinekonflikt in Sicht? So fragt iiiid führt dann aus. so heiß werde die werden. „Ein Konflikt in einem Bundesstaate ist doch etwas wesentlich anderes, als ein. Konflikt in einem Einzelstoatc. Wie der Kaiser gar nicht in der Lage ist. nach eigenem Ermessen „durch die Auflösung des Reichstags an das Volk zu appellieren." sondern dabei an die Zustimmung des Bundesrates geblinden ist, so kylinle auch ein Konflikt nicht eingeleitet und durch- gesührt werden gegen den Willen der übrige» Blindesfürsten. Und da muß man doch ganz entschieden bezweifeln, daß alle mit- gehen würden. Die Flotleirbegeisteriing ist, zumal angesichts der beliebten Bchandlmig der Ftoltenfrage, denn doch schwerlich so heiß, daß alle Fürsten und Regiermigen Neigung hätten, sich des- halb in einen Kampf mit der Mehrheit des dentschen Volkes und mit dem eigeiien einzulassen. Ein Konflikt aber, in dem ein Teil der Regierungen nicht mitthäte, ist ganz undenkbar. Das Reich müßte dabei ans den Fugen geraten. Darum erscheint es leinesivegS ausgeschlossen, daß. wenn es zum Klappen kommen solllc. die Mäßigung im Bundesrate siege» und der große Streit in» Saude vcrlanfen würde, wie so vieles,»vas bei lu»s zuerst so feierlich augegriffc»!«vordcu ist." Wenn aber diesmal die Mäßig» n g doch nicht siegt und die Sache nicht im Sande verläuft, wie beim Kanal und der Zuchthaus- Vorlage, wird dann das Centrum den Konflikt wagen oder äugst- lich zlisammciiknickeii?— Nilscr Markue-Abrüstungsmanifcst läßt einige Flotten- und Kriegsbcgcisterte noch immer nicht zur Ruhe kommen. Die„Post" überschüttet uns mit allerlei Aeußeruiigen ihrer Geärgertheit. Sie neimt unsere Satire„dreiste Fälschung" und zugleich naive„Iln- gcschicklichkeit". Wir sollen die Sprache der Diplomatie nicht richtig innegehalten haben. Ja, wir haben unscrc republikanische Gestmnmg so sehr verleugnet, daß lvir den Zaren sich mir an die„Souveräne" ivcudcn und die ungekrönten Staatsoberhäupter, die Präsidenten der Republiken vergessen ließen. lind ähnliches mehr. Leider können wir aber dem marine-bekünmlerten Gemüt der„Post" auch diese winzige Erleichterung nicht lassen. Vielleicht erlaubten wir uns die Abweichlmgeil von der üblichen Diplomatenweise, muteten gar dem Zaren den unmöglichen Appell an die Parlamente zn, um be- sondere Freude an gläubiger llcberraschung der diplomatisch geschulten Flcttcn-Zeitmigen zu erlebe». Wir hatten es den Blätter» leicht gemacht, unser» Scherz zn erkeiiiien, und doch wie viele wurden vom Groll über die Störung ihrer Marineherrlichkcit verblendet. Der gute„Reichs böte" übermittelte noch am Donnerstagabend, als wir schon längst den Scherz aufgeklärt hatten, unser Manifest seinen Lesern und bemühte sich, den Krieg mit der Bibel zu rechtfertigen. Wir hatlcir sogar das Bergniigen, daß große Blätter des Auslände s sich höchst ernsthast der Sache aimahnten.„ D a i l tz E h r 0 n i c l e" ließ sich ein ausführliches Telegramm senden, konstatierte„wesentliche Anzeichen der Anthenticität" und erschreckte das englische Pilblikmn mit der zarischcu Drohimg. daß der Krieg in Südafrika nur„vorläufig" auf die beiden jetzt kämpfenden Mächte beschränkt geblieben sei. Tie Jronisicruiig unserer zum Weltkrieg rüstenden Beteurer der Friedfertigkeit hat ihren Zweck vollauf erreicht.— Das Orga» für Fälschungen, das in dem Vater der„Lause- jililgeu" den geldspendeiidcn Meister des AlistandS verehrt, die Stilmm-Zedlitzichc„Post", hat sich jetzt aus daS Gebiet der— Wunder begeben. Am Freitag morgen erschien der„VorwärtK"-Arti?cl über den Magdeburger Kaual-Prozeß und am Donnerstag abend hat ihn die„Post" bereits ans der Friedrichstraße ausrnfen hören. Sie behauptet nämlich in Bezug auf unsern Artikel über den„Märtyrer der Kaualrcbellen": „llcbrigenS scheint der„Vorwärts" ganz besonders stolz auf sein jüngstes Prodult zu fein: ließ er es doch gestern abend als „hochpolitischen Leitartikel" auf der Friedrichstraße ausrufen." Wie mag sich die„Post" das vorstellen, daß der„Vorwärts" überhaupt einen Leitartikel auSriifcii läßt? Kann der„Vorwärts" etwa verhindern, daß irgend jemand die Exemplare kauft und sie auf der Straße ausruft? Wie aber ein Artikel auf der Straße an- gebotcu werden kann, noch bevor er gedruckt, ja geschrieben ist— das wird ewig ein Geheimnis des Stiinim-Blattes bleiben. Nebenbei sei noch erwähnt, daß die„Post" an cinen zweiten „Märtyrer" erinnert, der wegen des Kanalstrcits verurteilt worden: den Agrarier Klapper. Der ist aber nicht wegen der Angriffe auf die Negieriiiig, sondern wegen M a j e st ä t S b e l e i d i g n n g ab- gestraft ivordei». Die Regicnmg Hai nur einmal sich beleidigt gefühlt, in den« Magdeburger Fall.— Tie Mittclstandspolitik des Buudcs der Landwirte. In den agrarischen Blättern bietet die Fabrikniedcrlage von Otto Licfeldt in Berlin ihre„aus nur edlen amerikanischen Tabaken hergestellten. reell gearbeiteten und sorgfältig gelagerten Berthold v. Ploetz- Cigarren zn Engrospreisen" an. DaS Inserat schließt mit der Ans- forderung:„Die Fabrik ist gern bereit, weitere Niederlagen, namentlich in den kleinen Städten und ans dem platten Lande, ein- zurichten. Interessenten aus kaufmännischen Kreisen hierfür werden gebeten, sich an obige Adresse zu wende». Die Kaufleutc in den tleiiien Städten und ans dem platten Lande werden also Gelegen- heit erhalten, die Wohlthatcn der Mittclstandspolitik des Bundes der Landwirte zahlenmäßig an ihrer Kasse zu erprobe».— Gcwerbckauimcrtag. In München trat am Freitag der deutsche Gewerbekammertag zusammen, zu luclchem die Gewerbekammcrn aus allen Teilen des Dentschen Reiches foivie zahlreiche Bundes- rcgicrimgcn Vertreter ciitsandt hatten. Nachdem Kommerzienrat Nagler- München' die Versammlung eröffnet, begrüßte Obcrregierungsrat Rauck in: Namen der bayrischen Regiening und Geheimer Obcrrcgieruiigsrat Wtlhclmi im Namen des'Reichsamts des Jimern den Gewerbe- kammertag. wobei er hervorhob, welch lebhaftes Jntercsse die Ver- bündeten Negieningen an der Förderung des Handwerks und Gc- werbes»ehiiien. Bezüglich der Stellung der neuen Handwerks- kammern zu den bisherigen Gewerbekammern lvurde beschlossen, daß beide vereint vorgehen sollte» und daß demgemäß der bisherige Gewerbekammertag zn einem Gewerbe- und Handwcrkcrkaiitmcrtäg umgestaltet Iverden solle.— Bekämpfung des agrarischen Notstandes. Der Gutsbesitzer S ch m 0 l e in Spillwitz, konservativ-agrarischer Landtags-Abgeordneter in Sachsen, denmizi'erte den Fleischcrmcister Lehmann wegen Erpressung. Lehmann hatte von Schmole ein Schwei» gekauft. Beim Wiegen bemerkte er, daß Schmale verdächtige Mauipulalioiien mit der Wage vornahm, und als er deshalb auf nochmaliges Wiegen drang, stellte sich heraus, daß das Schwein 30 Pfund weniger wog. als Schmole erst angegeben halte. Auch bei Kühen, die Lehmann früher von Schmole gekaust, glaubte er sich schon seiner Zeit von diesem übers Ohr gehauen und wurde in seinem Verdacht durch den Vorfall mit dem Schwein bestärkt. Er jckrieb dann an Schmole einen Brief und verlangte von ihm 25 M. als für die Kühe zuviel bezahl! zurück. Darin solle der ErpressnngS- versuch liegen. Die Sttafkainmc: in Bautzen sprach den Fleischer frei. Bremen. 3. Januar. lEizener Bericht.) Der bremische Senat hatte gedacht, er dürfe sich bei' der im Dezember zum Abschluß gc- brachlen Regulierung der bremischen Beamtengehältec nicht vergeffen. und i» h ö ch st geheimer S i p u» g bewilligte im» plötzlich die Bürgerschaft den nicht fmifmännischcu. also den juristischen Seiiatoreir. eine Gehaltserhöhung von je 3000 M.. jo daß sie also jetzt 15000 ST?, jährlich erhalten. Diese liberale Fllrjorge wird drastischgekennzeichnetdurch dieim Dezember von den socialdeinokraiischen Vertretern scharf beleuchtete Weigerung der Liberalen, die Gehälter aller unteren Beamte n und zwar olle in ansgiebiger Art zu erhöhe»,� und weiter wird sie gekennzeichnet durch die Thatsache. daß der Senat im vergangenen Sommer die Heranfsctzung der unteren Grenze des steuerpflichtigen Einkommens ans 1000 Mark mit der Be- gristidmig abschlug, die Slaatsfinaiizen lünitten de» Ausfall von 7- 000 Mark' nicht vertragen. Durch die Heimlichkeit, mit der die Aufbesserung der Scuatsgehäller jetzt vollzogen worden ist, ist dieses Werk gründlich gerichtet ivorden. Dieses Manöver hinter verschlosienen Thören wird in der Aeoölteriing viel böscS Blut errege». Die elf focialdemokratischen Vertreter der Bürgerschaft, deren Amtszeit am 1. Januar begonnen hat, haben sich als socialdemokratische Fraktion konstituiert. Erster Vorsitzender ist Genosse Ebert. zweiter Vorsitzender Geiiosse B 1 0 m e. Schristführcr Genosse Redacteur Rhein.— „Zufolge höherer Weisung" erklärte der Bürgermeister in Apolda gegen die in der ersten diesjährigen Sitzung des Gc- nieinderates erfolgte Wahl unseres Genojsen Baudert in den S ch u l v 0 r st a n d Protest einlegen zu müssen. Von alle» Seiten des Gemeinderates wurde dieses Vorgehen als ein Eingriff in das Selbstverwaltuiigsrecht der Gemeinde bezeichnet, der um so energischer zurückgeiviese» werden müsse, da gerade Baudert durch sciue frühere laugjährige Thätigkeit im Schulvorstande die Interessen der Schule in der weitgehendsten Weise vertreten habe. Als der Bürgermeister wiederholt nach den Gründen seines Protestes befragt wurde, betonte er unter Hinweis auf ein Aktenstück und die Wandlung im Ministernim. daß er gezwungen sei, so zu handeln. Der Gemeinderat»ahm darauf von dem Protest formell Kenntnis. erklärtcdieWahlBa Uderts fürvollzogen und will mit Ruhe der weiteren Entwicklung dieser Angelegenheit eiitgegelischcn. Ei» Nachfolger für Herrn V. Zedliq-Neukirch als Präsident der Scehandluiig ist noch immer nicht ernamit. Wie das„Berliner Tageblatt" erfährt, stehen drei Kandidaten gewissermaßen zur engeren Wahl, nämlich der qegemvärtige Oberbürgermeister von Posen. Herr W i t t i» g. der frühere Oberbürgermeister von Posen. jetzige Direktor der Dresdener Bank. Geh. Finanzrqt Müller, und schließlich Dr. Heiligenstadt. Mitglied des Direktoriums der preußischen Central-Geiioffenschaftskasse. Polcndcrfolguug in Oberschlesien. WaZ der Laiidrat von Kativwitz in Sieiuianowitz gethau hat, hat uunmchr auch der Beiitheucr Laiidrat lLcuz) in Roßberg bei Beuthcn fertig gebracht. Einem dortige» Gastwirte, bei dem ein poliiisckier„Hl. AloyfiuSverein" ein von einem Geistlichen verfaßtes frommes WeihnachtZfestspiel„Krippe" aufführen wollte, hat dieser Landrat unter Androhung d e§ Verlustes der N a ch t k 0 n z e s s i 0 n befohlen, jenem V c r e i ir seinen Saal nicht zu überlassen. Diese schärfere Tonart in der Polenverfolgring ist allem Anschein nach auf neue Instruktionen der Behörden znriickznfiihren. Es ist traurig, daß sie in ihrer Bekämpfung des PoleutumS aber auch rein gar nichts gelernt haben. Zur Germanisierung Oberschlesiens tragen derartige landrätliche Maßnahmen nicht mir nichts bei. sie erschweren sie noch.—_ Tic Pcrsonalreform im Post- und Telegraphendieuste. Die Ncuregcliiiig der Beamleiiverhältnisse der Post- und Tele- arapbenvcrwaltung ist soeben durch eine Verfügung des Staats- sekretärS b. Podbielski erfolgt. Die Anwärter der höheren Laufbahn, welche das Zeugnis der Reite von einem Gymnasium, einem Realgymnasium oder euier Ober- Nealschiile besitzen müssen, haben sich einem mehrjährigen akademischen S t u d i n m zu miterziehe» und haben zwei Prüfungen zu besiehe». Die näheren Bestimmungen bleiben vor- behalten. Anwärter werden vorläufig nicht anaenommeu. Für die mittlere L a u s b a h n erfolgt die Annahme von Eivilmiwärtern ausschließlich als Post- oder als Tclcgraphengehilfen. Die Telegraphengehilfen sind für den Dienst bei den Telegraphen- ämtern und größeren Telegraphenbetriebsstelleu von Postämtern I bestiniint. Die Stelleu des mittleren Dienstes, für Assiste»ten, Post- Verwalter. Sekretäre, Oberpostsclretäre. Postnieister, Bureau- uud Kafscilbcamte, die zum Teil vorerst noch mit Anwärtern der höheren Laufbahn besetzt werden, sind in Zukunft aliSschließlich den An- Wärtern der mittleren Laufbahn vorbehalte». Die neuen Annahme- vorschriften gelten vom 1. Januar 1900 au. Als Selretärstellen gelten künftig lediglich solche Stellen des technischeu Post- und Telegrapheudieustes'. die eine erhöhte Wichtigkeit und Verant» won'licvkcit in sich schließen. Eine� Erneimung etatsmäßig augestellter Assistenten zu Bureau- Assistenten oder Ober-Assi- stellten erfolgt nicht mehr. Ober- Assisteute». Assistenten uud Postverwälteru wird fortan nach längerer vvrivurfsfreicr Dienstzeit der Titel Ober- Postsekretär oder Telegrnphcnsekrctär und Kanzlistcn der Titel Kmizleisekretär verliehen. Während der Uebcr- gangszcit bleibt die Laufbahn der bereits angenommenen Posteleven unverändert. Beamten dieser Laufbahn, ivclche die höhere Ver- waltiliigsprüfimg ablegen wollen, wird zur Meldung eine wenigsteils zweijährige Frist gewährt. Sämtliche aus der Klasse der Civil- anivärter hervorgegangenen, etatsmäßig angestellten Assistenten und Postverwaltern, die sich im Kündigungsverhälttiiffe befinden, sowie diejenigen gleichartigen Beamten aus der Klasse der Militäranwärter. welche Ende Dezember 1809 eine zweijährige oder längere Dienstzeit bei der Post vollendet haben, sind mit Wirkung vom 1. Januar 1900 unkündbar anzustellen, sofern im Einzelfalle»ach dem Gcsamtvcrhalten der Beamten keine Bedenken obwalten. Vom 1. Januar 1900 an sind scrilcr die aus Eivilanwärtem hervorgehenden Assistenten sogleich unkündbar aiizlistelleu. Zur Sekretärprüfling können die Civilanwärter der mittleren Laufbahn zugelassen iverden. aber diese nur einmal wiederholen. Sic können nach Wahl die Prüfung zum Post- oder zum Telegraphensetretär machen. Militäranwärter, die schon an» gcnoinmen sind, legen die Sekretärprüfniig nach den bisherigen Be- siiulmungeu ab. Den jetzigen Bureau-Asstsienten ist die Amts- bezcichnung Ober-Postassistent beizulegen.� Der„Reichs-Anzeiger" vom Donnerstagabend enthält die ge- nauen Vorschriften üvcr die Annahme und Anstellung von Anwärtern für die mittlere Laufbahn im Post- und Telegrapheiidienste. Wir geben im folgenden die hauptsächlichen Vorschriften über die nötige Vorbildung:c. für Civil- wie auch für Militäranwärter wieder. I. Civilanwärter. Die Annahme von Eivilanwärtem für die mittlere Laiifbahn im Post- und Telegraphendienst erfolgt entweder als Postgehilfe oder als Telcgraphengchilfe. Für die Amiahme gelten folgende Bedingungen: 1. jDer Bewerber muß mindestens das Reifezeugnis für die Unter-Selunda einer neunstufigen oder das Reifezeugnis für die erste Klaffe einer sechsstufigen öffentlichen höheren Lehranstalt besitzen. 2. Er utust bei seiner Eiiiftellmig in den Dienst das 17. Lebens« jähr vollendet und darf, wenn er als Postgehilfe eintritt, nicht das 20.. wenn er als Telegraphengehilfe eintritt, nicht das 18. Lebensjahr überschritten haben. 3. Ter Bewerber mutz körperlich für ten Pr>st- und Telegraphen- dienst Icciqnet sein, insbesondere ein tm�eschlvmchtcs Seh- und Hor- vermöejen sowie gute Ätinungswerkzeuge haben; es mutz feststehen, datz er sich sitilich tadellos geführt hat, frei von Schulden ist und sich während der Vorbercituugszeit ohne Beihilfe aus der Postkasse unterhalten kann. Die Meldung zum Eintritt als Postgehilfe oder Telegraphen- gehilfe ist an diejenige Ober-Postdircktion zu richten, in deren Be- zirk der Bewerber einzutreten wünscht. Dem Gesuch müssen beigefügt sein: 1. das Schulzeugnis und, falls der Bewerber nicht unmittelbar aus der Schule in den Post- und Tclegraphcudieust über- tritt, vollständige und bestimmte amtliche oder sonst glaub- hafte Zeugnisse über seine Beschäftigung und Führung seil dem Abgang von der Schule, 2. eine Darstellung des Lebenslaufs, von dem Bewerber selbst vcrfatzt und geschrieben, 3. die Geburtsurkunde, sofern das Alter nicht aus anderen vor- gcglcgtcn amtlichen Schriftstücken sich crgicbt, 4. ein von einem Post- Vertrauensarzt oder einem Staats- Mcdizinalbcamten nach vorgeschriebenem Muster ausgestelltes Zeugnis über�dcn Gesmidheitszustaud des Bewerbers, 5. die Erklärung des Bewerbers, datz er frei von Schulden ist, 6. eine Bescheinigung deZ Inhabers der elterlichen Gewalt, gegebenenfalls auch des Beistandes der Mutter oder des Vormunds, dag er mit dem Eiiltritt des Bewerbers als Gehilfe einverstanden ist, und datz der Bewerber sich vier Jahre laug aus eigenen Mitteln oder durch Unterstützung feiner Angehörigen unterhalten kann. II. M i I j t ä r a n w ä r t e r. Auwartschaft auf Anstellung im Post- und Tclegraphendienste haben: a) Offiziere und Deckoffiziere, denen die Aussicht auf Anstellung im Civildicnste verliehen ist, d) Militärpersonen der Unterklassen, die mit einem zur Bcr- sorgung im Civildicnste bei den Reichsbchörden berechtigenden Civil- versorgungsscheine versehen find. Der Bewerber mutz richtig und zusammenhängend Dcutsch.schreibcn und sprechen kömieu, mit den geivöhnlichcn Rechnungsarten, einschlictz- lich der Dreimal- und Berhältnisrechuung, vertraut sein, eine dcut- lichc Handschrift besitzen, die Ländercinteilimg und die Lage der wichtigeren Orte kennen, sowie französische Briefaufschristeii, Läuder- imd Ortsnamen zu verstehen und verständlich auszusprechen im stände sei. Er mutz körperlich für den Post- und Telegraphen- dienst geeignet sciir, insbesondere ein ungeschwächtes Seh- und Hör- vermögen sowie gute Atmungslvcrkzcnge haben; es mutz feststehe», datz er sich sittlich tadellos geführt hat und frei von Schulden ist. Die erforderliche Slbulbildung ist von den Militärpersone» der Unterklassen in einer Prüfung nachzuweisen, die bei der Ober-Post- direktion oder vor einem, von dieser Behörde beauftragten Beamten abzulegen ist. Die Beschlagnahme deutscher SSsiffe beschäftigt die Presse.in stärkstem Matze. An neuen Meldungen ist mir zu verzeichnen eine solche des„Daily Tclcgr.", wonach der von den Engländern bei Aden gekaperte Dampfer„General" wieder freigegeben worden sei. Aus Antwerpen wird berichtet, datz man dort in Unruhe sei wegen des Dampfers der Deutschen Ostafrika-Linie„Herzog", welcher die belgische, für Transvaal bestimmte Abteilung vom Roten Kreuz an Bord hat und am 2. Januar in Lanrenyo Marques eintreffen sollte, von welchem man aber ohne Nach- richt ist. Auch eine deutsche Abteilung des Noten Kreuzes bc- findet sich auf dem Dampfer„Herzog". Hamburg, Jy Januar. Der„Hambnrgische Korrespondent" veröffentlicht folgendes Aabcltelegramm aus Durban, den 4. Januar: Die englischen Behörden glaube», datz sich Kontrcbande an Bord des„Bundesrat" befinde. Der Kapitän des Dampfers erschien heute vor dem P r i s c n g e r i ch t. Es ist wahrscheinlich, datz die Ladung zur Untersuchung gelandet werden wird. «» Aus einer Beröffentlichnng der Deutschen Ostafrika-Linie in den„Hamburger Nachrichten", die Beschlagnahnie des PostdampfcrS „Bundesrat" betreffend, geht zur Vervollständigung unserer gestrigen Mitteilungen ferner noch hervor, datz doch die Möglichkeit bestehen bleiben könnte, datz von Plätzen, die an der Ostküste Afrikas nördlich von Dclagoabai liegen, Krieg?- Material verladen worden fei, wovon die Linie noch nicht unterrichtet fein könne. Bei de» Instruktionen, die die Linie aber in dieser Hinsicht ihren Kapitänen und Agenten gegeben hat, er- scheine auch das ausgeschlossen, umsomchr, da nutzer Dentsch-Ost- afrika nur portugiesische und englische Häsen in Betracht kommen. Kiantschou. � Die Denkschrift über Kiantschou, aus der wir gestern bereits einiges mitteilten, enthält über da§, wa§ am wissenswertesten ist, herzlich wenig, nämlich niber die Lage und etwaigen Aussichten dcS Handels. Es wird nichts Positives mitgeteilt,' antzcr datz in den Monaten Juli und August über 10 000 Ballen Banimvollengarn und 15 000� Stück Shirlings. Drill usw. über die chinesische Grenze gegangen seien, so datz der Hinlcrlaiidsmarkt überfüllt sei; ferner sei die Gold- bewegnng bei den Banken in Tstngtari im Wachsen. Das ist alles, was wir erfahren. Es.wird allerdings noch erzählt, datz sich chinesische Kauflcute sowie deutsche Chinafirmen in Tsingtau nieder- gelassen hätten, was„als Beweis für die in Interessentenkreisen bc- stehende Ueberzeugnng von. der Lebensfähigkeit der neuen Kolonie gelten dürfe". Doch das find Mitteilungen so allgemeiner Art, datz daraus keinerlei Schlüsse über die zu erwartende Entwicklung von „Dcntsch-China" zu ziehen sind. Die Denkschrift macht weiter Angaben über die„gewerbliche Entwicklung, doch beschränkt sich diese lediglich ans Banthütigkeit. Betriebe sür den Schiffsverkehr uiid die Vorberciiimg deS Bahn- baues. Auf den geplanten Bähnbau iverden alle Hoffmingen gesetzt. Die Bahn soll von Tsingtau über Weihsien nach Tfiimnfii, der Provinzialhauptstadl von Schantung. führen. Die Gesamtlänge beträgt 450 Kilometer; die Hcrstellimgsfrist 5 Jahre, die Strecke bis Weihsien (180 Kilometer) soll binnen 3 Jahren fertig gestellt sein. Der Bau ist der Schantung- Eisenbahngesellschaft übertragen. deren Sitz vor- läufig noch Berlin ist und die eine Abgabe aus den Erträgnissen zu leiste» hat. sobald die Dividende 5 Proz. übersteigt; wie' hoch sich diese Abgabe bcläust, wird nicht angegeben. Die erste Lieferung von Schienen, Schwellen:c. ist im Laufe deS Dezember 1899 eingeschifft worden. Bon der Erfüllung der großen Hoffnungen, mit denen man die „Pachtung" von Kiautschou brlvrllkommnete, ist bisher auch»och nicht eine Aussicht zu bemerken.— Ausland. Die l>om StaatSgerichtshof Verurteilten, Dsroulöde und.Genossen, haben Frankreich bereits verlassen, mit Ausnahme natürlich G n e r i n s, der zu lOjähriger Festungs- strafe verurteilt ist. Dsroulöde, Gusrin und Büffet wurden Donnerstagabend von Polizcibeamten vom Luxemburg-PalaiS nach dem Sante-Gefängniffe gebracht, ohne datz es zu irgend welchen Zivifchrnfällcn gekommen wäre. Frcitagmorgc» um 5 Uhr wurden darauf Dsroulöde und Büffet von dem Nordbahnhof aus nach Blandin an die belgische Grenze befördert. Im Augenblick der Abfahrt rief Dsroulöde: „Eine andere Republik, es lebe die Republik I"— Guorin wird nach einem CcntralgefängNiss nvrihrscheinlich dem von Clairvaux, überführt werden, wo er seine Strafe verbützcn soll.— Wie es heitzt, will Büffet nach Brüssel, Dsroulöde nach S a n S b a st i a n in die Verbannung gehen. r_ Falls das Ausland, was übrigens nicht zu erwarten ist, die Aufnahme der Verbannten verweigern sollte, so tritt an Stelle der Verbannung das Gefängnis in Frankreich. Auf unbefugte Rückkehr steht ebenfalls Gefängnis, eventuell von doppelter Dauer der Zeit, welche noch für die Verbannung übrig blieb. Der„Figaro" drückt die Neberzengung aus, datz bald aus An- katz der Weltausstellung oder des Zarenbesuches oder dergleichen den Verbannten die Rückkehr gestattet werden dürfte. Die nationalistische Prctze prophezeit ebenfalls die baldige Rückkehr, indessen aus anderem Grunde, nämlich dein Sturze des gcgemvärtigcn Regimes. Sie findet die Strafe grausam. Die Radikale n erklären, datz der Senat milde gcurtcilt habe, aber seine Milde sei der Beweis der Stärke der Republik. Doch fordert die socialistische„Pctite republique" gesetzgeberische Matzregeln gegen die Umtriebe der Nationalisten. Die„Aurore" sagt:„Nichts konnte erniedrigender fein für die Verurteilten, als die Gleichgültigkeit der Strafe." Zur Deckung der P r o z c tz k o st e» wird der FiSkns»unmchr Dvroulödes Güter in Croissy und Langely b e s ch I a g- nah m c n und versteigern; die Aufbringung des Betrages durch öffentliche Sammkling mittels Zcitung'santriifs verbietet das Gesetz bei hoher Strafe und heimliche Unterstiitzung Deroulödes scheint über das Opfervemrögcn seiner reichen Parteifreunde zu gehen.„Gaulois" schlägt daher vor. Döroulödes Güter bei der Versteigerung zu erstehen und seiner bei ihm lebenden unverheirateten Schwester als Ehrengeschenk zu nbennachcn. Für diesen Zweck würde Geld öffentlich gesammelt werden dürfen. bestreich-Ungarn. Wien, 5. Januar. Der HecresauSschutz der ungarischen Delegation nahm die Erhöhung der OfstzierSgchältcr an.— Italien. Der Regierung des Herrn Pelloux will nichts gelingen. Der Belagerungszustand ist ihr nicht gelungen; der Staatsstreich ist ihr nicht gelungen; mm ist ihr auch die Amnestie nicht gelungen, obgleich sie schon zwei Anläufe dazu gemacht hat. Durch eine rückhaltlose Amnestie hätte sie ivicdcr einigen Boden gewonnen. den sie jetzt, wo die Maffia ihr als Feind' gegenüber steht, gar wohl brauchen löiuite. Die sogcnaiinte Amnestie des vorigen Jahres ivar mir ein Hohn ans das Wort. Die Volksentrüstung kam bei den Gcmcindcrats-Wahlen und anderen Anlässen elementar ziun Ausbruch. lind so entschlotz die Regierung sich zu einer zivcitcn Amnestie. die den 1. Januar auch erlassen ward. Tie zweite Amnestie ist ebenso unvollstLndig wie die erste. Auch diesmal sind die Flächt- lingc nicht einbegriffen. Nur solchen ist ihre Strafe erlassen, die bereits einen Teil derselben verbützt haben. Ter U r n e n p r o z c tz ist aber erledigt. Zweifelhaft ist noch, ob T n r a t i ivicdcr in die bürgerlichen Ehrenrechte eingesetzt ist. Eine Anzahl politischer Verbrecher sind von der Amnestie ausgeschlossen, weil sie auch wegen „gern einer Verbrechen" vernrtcilt sind. Das ist allen denen passiert, die air einem Ä u f st and beteiligt waren, in welchem E i g ent u in zerstört worden ist— was bei jcdein Anfstond der Fall sein wird. Waren doch auch in Deutsch- land nach der b a d i s ch e n S ch i I d e r h e b n n g die Teilnehmer nicht blotz dcS Hochverrats, sondern auch des K a s s c n r a n b c s, der Zerstörung von öffentlichem Eigentum und anderer„gemeinen" Verbrechen angeklagt. Nicht amnestiert ist zum Beispiel der nnglnckliwc Cäsar B a t t a ch i, der vor längeren Jähren als Mitglied der Internationale» Arbeiterassoziation wegen Teilnahme a» einem Puls cki zu lebenslänglichem Kerker verurteilt wurde niid feit nunmehr 20 Jahren das Tageslicht nicht gesehen hat. Auch ihn hat man zmn„gemeinen Verbrecher" gestempelt. Die socialiftischen Abgeordneten bringen hoffentlich seine Sache im Parlaincnt zur Sprache.— England. London, 5. Januar. Der Pariiellitcnfnhrcr Redmond erlietz einen Aufruf, in welchem er die Jrländcr zu offenem Auf- st a li d e aufforderte.— Nnssland. NnstlaudS Vorrücken. In Paris eingetroffenen zuvcrkLssigcn Meldlliigeu a»S Petersburg zufolge filiden feit Weihnachten starke T r u p p e n v e r f ch i e b u ii g c n im Kaukasus nach Central- asten statt.— Türkei. Von der Flucht Mahmud Paschas. AnS Konstantinopel wird vcrsickicrt, datz Damad Mahmud Pascha von Konstantiiiopel keinerlei Anerbictungen geinncht ivnrdcii, um ihn zur Rückkehr zu bewegen. Die Beiverbinig um die Konzession für die Trockenlegung des NcberschiveinmnngSgcbietcS des Enphrat und Tigris, um Verleihung des Postens eines Ministers ohne Portefeuille für Mahmud Pascha und von Staatsratsposten sür seine beide» Söhne,»m Beivilligmig von 5000 Pftmd als Entschädigung für die Neiickosien und volle Straflosigkeit für Mahmud Pascha und für seine Reisebegleiter� gingen von Mahmud Pascha selbst ans. Es wird versichert, der Sultan werde ans diese Anerbictungen keine Antivort erteilen, da die öffcnt- lichc Meinung in Europa, die sich anfangs durch die Flucht Mahmud Paschas stark beeinflussen lictz, durch den offenkundigen Charakter seiner ininiiiehrigcn Forderungen aufgeklärt sein dürfte. Rcpatriirnng der armenischen Emigranten. Kon- st a ii t i n o p e l, 5. Januar. Da die Pforte bisher auf die letzte russische Note bezüglich der Repatriierung der annenischen Emigranten nicht geantwortet hat, erneuerte die hiesige russische Botschaft in den letzten Tagen ihre Forderung und erweiterte dieselbe nunmehr auf diejenigen Emigranten, welche infolge dcS Notstandes im Laufe des SonimerS aus den GrcnzvilajctS auswanderten. Man beschwert sich von feiten RutzlandS auch darüber, datz selbst russischen Armeniern mit regelrechten Pässen der Eintritt in die Türkei ohne Grund ver- wehrt werde.—_ Ans England. London, den 3. Januar. Die ungenügenden Matznahmen der verschiedenen Rcgicrungs- ämter vor und bei Ausbruch des Krieges fahren fort die Preise zu beschäftigen, und die so vergötterte„starke" Regierinig mutz sich in ihren eigenen Organen sehr böse Dinge sagen lasten. Ganz natürlich. Die Hnrraschreier sind in der ganzen Welt am schnellsten bei der Hand, Verrat zu schreie», wenn die Sache schief geht. Indes leugnen selbst die Verteidiger der Regierung nicht, datz haar- sträubende Fehler gemacht worden sind. Sie beschivören mir das Publikum, mit der Nachforschung nach den wahrhaft Schuldigen sich zu gednlden, bis der Krieg vorüber sei. So heute wieder der„Daily Telegraph". Das Leiborgan desjenigen Teils des britischen PhilisteriumS, der einen Pcnny für sein Morgenblatt auSgiebt,— der andere liest die„Daily Mail", die sich immer mehr zum„Petit Journal" ent- wickelt— wendet sich insbesondere dagegen, datz man einzelne Minister Heransgreife liud sie als besonders schuldig kennzeichne. DaZ sei gegen alle konstitntioilelle Doktrin. So lange ein Minister nicht ausichcidc, müsse dies als Beweis gelten, datz er mit den Be- schlüssen feiner Kollegen und diese mit scincii Matznahmeii im wesent- liehen einverstanden seien. Man solle also aufhören, diesen oder jenen Mmistcr als Siindenbock anzugreifen. Die Mahnung geht ganz ersichtlich an die Adresse der„Poll Mall Gazette", die gestern mit dürren Worten den Kriegsminister Lord L a n s d o w n e, den Herzog von Dcvoiishire, der Vorsitzender dcS Rats für die Landesverteidigung ist, und den Finanz- minister H i ck S- B c a ch als die Hauptschuldigen in Bezug auf die Vcriiachlässignng der notwendigen Rüstungen bezeichnete. Aber die„Poll Mall Gazette" wiederholte nur, ivaS andere Blätter längst erklärt hatten. Schon feit Monaten wird z. B. Hicks-Beach in einer Reihe von Blättern beschuldigt, durch seinen Widerspruch es verhindert zu haben, datz nach dem Scheitern der Konferenz von Blocmfontcin eine stärkere Truppenmacht nach Südafrika geschickt wurde. Und auf Lord LanZdowne und den Herzog von Dcvonshire fällt u. a. die Verantwortung für die Abberufung des Generals Bistker, der vom Krieg abgeraten, für den Jall eines Krieges aber die Entsendung einer Truppcnmacht von mindestens 100 000 Mann für notwendig erklärt hatte. Datz man im Kriegsininistenum sich— wie feiner Zeit Marschall Lcboenf— in der Vorstellung von einem Spaziergang nach Bloem- sontein und Pretoria wiegte, dafür liegen unzählige Beweise vor. So wenig war nion über die Bedingungen der Kriegsführnng in Südafrika unterrichtet, datz man, wie gestern Sir Charles Dilke in einer Versanimliing hervorhob, noch im Oktober den anftralischcn Kolonien, die ihre Hilfe anboten, zurücktelegraphierte, man brauche vor allem Infanterie und erst in zlvcitcr Linie berittene Mann- schaften. Jetzt, wo man durch Schaden klug gelvordcn, bietet man alles auf, grötzcre Massen von Reiterei züsannnciiznbriiigen. Dilke spricht mit grötzcrem Recht als viele andre. Er hat seit Jahren nnablässig die Mängel des britischen Heerwesens im Parlament und' in Zeitschriften aufgedeckt und gezeigt, datz Kostcnanfwand und Leistnngsfähigkcit in einein lächerlichen Mitz- Verhältnisse stehen. Datz der Krieg eine völlige Neiiordmnig dcS britische» Milizsystems zur Folge haben wird, wird auf allen Seiten zilgestaiidcn. Einem Verlangen Dilles ist auch der Bericht über den Bestand der britischen Kriegsflotte im Vergleich mit der Kriegsflotte anderer Länder geschuldet, den die britische Admi- ralität soeben veröffciitlickit. Auf den ersten Blick lesen sich die Zahlen glänzend genug. Da hat England 101 Panzerschiff fertig und im Bau(70 Schlachtschiffe und 31 gepanzerte Kreuzer) gegen Frankreich mit 55.Rl>tzIaiid mit 36 uiidDeutschlaiidmitSO Panzerschiffen: 131 Kreuzer gegen Frankreich mit 54. Rntzland 14 und Deutschland 38 Kreuzern, und 240 Torpedoschiffe aller Art gegen Frankreich mit 290, Rntzland mit 233 und Deutschland mit 126 Torpedo- fahrzcugen. Während es aber in Bezug auf die letzteren Schiffe. wo es in der Quantität von Frankreich geschlagen und von Nutzland erreicht wird, trotzdem in der Qualität obenan steht, denn es Hai bedeutend mehr Torpcdojäger als Frankreich. Rntzland und Deutsch- land zusammengenommen, hat cS miter feinen Schlacht-, bezw. Linienschiffen einen g r ö tz e r e n P r o z e n t s a tz veralteter Schiffe— darunter einige drcitzig- und vierzig- jährige„Waschfässer" mit Vorderladern als irgend eines dieser Lä'�cr. Es ist zwar jedem einzelnen dieser Länder zur L.t bedeutend überlegen— wofür es jedoch eine sehr viel gröhere Handelsflotte und eine sehr viel exponiertere Küste zu schützen hat— aber schon gegen Frankreich und Rntzland znsammengeiioiiimen� steht es in Bezug auf die Zahl moderner Paiizerichiffe gerade seinen Mann, während doch daS Pro- gramin der englischen Flottenpolitik darin besteht, mindestens je zwei der nächststarken Länder absolut überlegen, ivomöglich aber den iigchsicii drei zusammen gewachsen zu sein. An diesem Programm, das sich aus der eigeiitiimlichen Lage Englands, insbesondere seiner Abhängigkeit von überseeischer Nahriingsinittel-Zllfuhr ergiebt, halten so zieiiillch alle Parteien bis weit in die Reihen der äntzersten Linken fest, und jeder Versuch festländischer Grotzinächtc, daS Verhältnis zu Uiigiliistcii Englands zu verschieben, ist, so lange die jetzige Kon- stellation und Konstitution der Mächte andauert, einer entsprechenden Steigeriuig des englischen FlottenbancS sicher. ttiitcr dem Titel V e r s ö h n u n g s a u S s ch utz für Süd» Afrika(Koutk Akrica Conciliatiön Cornrnittee) hat sich hier ein Komitee gebildet, daS im geeigneten Moment für einen'Friedens- fchlutz mit dem Transvaal nnrkcn will, der eine Versöhnung der sich jetzt in Südafrika bekämpfende» Rassen herbeizuführen verspricht. Neben einigen radikalen Abgeordneten und Joilrnalisteii. darnnter der frühere'Minister Shaw-Lefevre. der Abgeordnete Atherleh Jones. der Schriftsteller Masfiiigham. gehören ihm der Positivist Professor Ed. Bcesly. der Oekonoin Prof. Ingram, der Ethikcr John A. Hobson, der Geistliche Kanonikus Barnett und der nnionistische Abgeordnete Leonard Courtney an. Zu den jonriialistischcu Mitglieder» des Komitees zählt auch der Redaetenr der liberalen„Wcstminster Gazette" und einer der Hauptrcdactene dcS bekamitcn Witzblattes „Puiich".—_ Parteipresse. Das tägliche Erfcheincii unseres meckleiiburgifchen Partciblnttcs scheint gesichert zu sein. Es teilt in seiner letzten Nlinimcr mit. datz bereits ein Grniidstiick erworben worden sei, um darauf ein Druckercigebäude zu errichten und Räume für Buch- Handlung, Expedition und Redaktion einzurichten. Totenliste der Partei. In Anbachthal bei Greiz starb der aus Berlin gebürtige Parteigenosse Max Tisch n e r, Vertrauens- mann der dortigen Genossen. Er hinterlätzt eine kranke Frau und ein Kind.— Die Genossen sin GroheSlingen in Württemberg verloren in Joseph P f l e t s ch i n g e r eincii treuen Milkämpfer. — In Sudenburg(Magdeburg) starb im Alter von 60 Jahren eine tapfere Kämpfcrin, die'Parteigenossin K r n l l, bekannt unter dem Namen Mutter Knill, die sich der Sympathien aller Genossen erfreute. Der Kongreß der belgischen Socialdemokratcn findet am 14. Januar in Brüssel statt. ES ist daS ein a u tz e r o r d e n t- l i ch c r. einberufen hauptsächlich, m» die Taktik der Partei bei den nächstcil Kammcrluahleii festzusetzen. Auf der Tagesordnung stehen folgende Punkte: Die Fl'vge der Wahlbündnisse; das Wahl- Programm; Stellungnahme zu dem Senat; die Organisation des Kampfes zur Erringung der ArbcitcrversichenmgSgcsetze. GemevkpsMftliches. Vcrliu und lllugegend. An die Maurer Berlins und der Umgegend. Laut Be« fchlutz der Achtzehiier-Kommission sür daS Manrcrgeiverbe sollen vom 1. Jamiar d. I. ab 621/« Pf. Lohn pro Stunde gezahlt werden. Wir ersuchen nun die �llege», welchen dieser festgesetzte Stmidenlohn verweigert wird, atz sie linigehend der Vcrvandsleitung hiervon Mitteilung mache» Des weiteren machen wir darauf aufmerksam. datz der kürzlich iom Einiguiigsamt des Berliner Geiverbegcrichts gefällte Schiedsspruch festlegt, datz der am 24. Juni geschlossene Ver- gleich sowie alle von der Achtzehner- Koinmission vereinbarten Be« stinnnlingen mit ihren Konsequenzen auch für die Nicht- Bundes- Mitglieder Rechtskraft besitzen. Daher ist es notwendig und für unsere Sache von grotzem Vorteil, datz wegen Nichtinnehaltnng der VertragSbcstiinnmngcii in Bausperren nicht eingetreten ivird. sondern datz Verstötze der Unternehmer gemeldet und die betreffenden Arbeit- gcbcr von der Achtzchiier-Kommissioii zur Zahlung resp. Jnnehaltung der Bcstimmuiigcii angehalten resp. vom Gewerbegcricht dazu ver- urteilt werden.' Wir bitten die Kollegen, die sich weigcr.idcn Arbeitgeber ans den am 18. Dezember 1899 gefällten Schiedsspruch und leine Konsequenzen aufmerksam zu machen. Die VcrbaiidSleitnng der Maurer Berlins und der Umgegend, Neu-Kölln a. W. 1. Achtung Metallarbeiter! Der Verband Berliner Metalliildnstrieller beabsichtigt im Lause dieses Monat» in sämtliche» dem Verbände zugehörigen Betrieben eine neue Arbeitsordnung zur Einführnng zu bringen, zu welchem Zweck bereits im Dezember vorigen Jahres ein Normal- statut an die Mitglieder versandt wurde. Zunächst handelt es sich uin Matznahmen, die geeignet sind, den 8Z 616 und 619 des Bürger- lichcs Gesetzbuches zu begegne». Andererseits liegt jedoch die Be- fürchtmig nahe, datz die Gelegenheit benutzt wird, um weitere Ver- schlechterungen der Arbeitsbedingmigen gleichzeitig zur Einführung zu bringen. AnS diesem Grunde erwarten wir, datz seitens unserer Mitglieder uuS rechtzeitig von jeder Aendcrung der bisherigen Arbeitsordnungen Mitteilung gemacht wird. Die Ortsverwaltung Berlin' des Deutschen Metallarbeiterverbandes. Bureau: S. Anneiistr. 39. Deutsches Reich. � Ein Gewerkschaftshans ist vor kurzem in B r a u n s ch w e i g eröffnet worden. Das HauS diente früher Hotelzwecken und ist erst vor zwei Jahren neu erbaut worden; die Gewerkschaften haben es ani 1. Oktober v. I. für 195000 M. käuflich erworben und haben *ifl5 fünfstöckige Haus für die bestimmten Zwecke umbauen lassen. 'Eis enthält jetzt zwei größere Säle, die miteinander verbunden lverden können, fünf größere' und kleinere Sitzungszimmer. In de» oberen Stockwerken befinden sich M Fremdcnzinimer, im Hose ein Schlaf- saal für 70 Personen, so daß etwa 120 Personen beherbergt werden könne». Die Preise sind äußerst minimale, und steht zu erwarten, daß der Betrieb in bester Weise gedeihen werde. Die Schuhfabrikarbciter in Stuttgart beabsichtigen an- geblich, den Neunstundentag zur Einführniig zu bringe». Dies veranlaßte den Verband der deutschen Schuh- und Schafte fabrikanten, an seine Mitglieder folgendes Cirkular zu richten: „Von Stuttgart wird uns berichtet, daß dort die Schuhfabrik- orbeiter darauf hinwirken, den neunstündigen Arbeitszeit zur Ein führnng zu bringen, nachdem die dortigen Möbclschrcincr diese Arbeits zeit durchgesetzt haben. Ter Verband nimmt ein lebhaftes Interesse an dieser Angelegenheit, da es keinem Zweifel unterliegt, daß nach einem Erfolge der Arbeiter in Stuttgart die Bewegung sich allmählich über ganz Deutschland verbreiten würde. Man'kann ein Anhänger kurzer Arbeitszeit sein und muß doch zugeben, daß die Forderung einer neunstündigeu Arbeitszeit entschieden zurückzuweisen ist, denn unsere Arbeiter können sich in Bezug auf Leistungsfähigkeit noch lange nicht mit den amerikanischen messen. Ein einheitliches Vor gehen_ in der Zurückweisung dieser unbegründeten und unzeitgemäßen Forderung, wo immer sie hervortreten möge, ist deshalb dringend geboten. und wir richten daher an unsere Mitglieder die Bitte, in diesem Sinne zu verfahren. Gleichzeitig ersuchen wir aber auch. unS gefälligst Bericht erstatten zu wollen, falls die Forderung des neunstündigeu Arbeitstages gestellt werden sollte. Zunächst bitten wir um gefällige Mitteilung, welche Arbeitszeit am dortigen Platze maßgebend ist,' und ersuchen um ge- fällige Ausfüllung und Rücksendung dcS anhängenden Zettels.* Wir wissen nicht, ob die Sttittgarter Schuhmacher wirklich mit der Absicht umgehen, den Arbeitstag auf nenn Stunden hcrabzu- drücken, ist dem aber so, so wäre das eine w o h l b e g r ü n d e t e und zeitgemäße Forderung, gegen deren Einführung sich die Unter- uchmcr wohl sträuben, deren endliche Durchführung sie aber doch nicht werden verhindern können. Wegen Maßregelung haben die Dreher der Maschinenfabrik und Eisengießerei von Paul Schütz in O p p e r s h e i m ihre Kündigung eingereicht. Es wird gebeten, den Zuzug fernzuhalten. AnSlant». Die Bergarbeiter in M äh ris ch- O strau haben beschlossen, den Streik fortzusetzen, nachdem die Verhandlungen mit den Unter- nehmern resultatlos verlaufen sind. Auf der Kopcnhagcncr Schiffswerft Hellerup, der „Dänischen Maschinen-, Kessel- und Maschinenbau- Fabrik" des Millionärs Alfred Christensen ist ein Streik ausgebrochen, weil der Besitzer plötzlich einArbeitSreglemcnt aufgestellt hat,' das die Arbeiter völlig seiner Willkür prcisgiebt. Das Reglement ist ohne Vcr- einbarung mit den Arbeitern oder der Organisation aufgestellt und wird die Arbeiter durch die vielen Strafbestimmungcn eines Teiles ihres Lohnes verlustig machen. Die Arbeiter haben daher die Arbeit niedergelegt. Der Wcrftbesitzer soll erklärt haben, daß er das Reglement durchführen werde, und wenn der Betrieb jahrelang still stehen sollte. Aus Saint- Ettcnne wird über Ausschreitungen berichtet, die am Donnerstagabend stattfanden. Eine Anzahl Personen ver- suchten in das Rathaus einzudringen, lvurden hieran jedoch von der Polizei und Gendarmerie verhindert. Die Ruhestörer zogen darauf nach einem nahegelegenen Platze und zertrümmerten dort die Stühle und Laternen in einem Kiosk. Ein Polizeibcamter und ein Gendann wurden verwundet, etwa 20 Verhaftungen vorgenommen. Die Aus- ständigen protestieren nachdrücklich gegen diese Zwischenfälle, ivelche von Ilnriihestistcrn veranlaßt wurden, die keiner der beiden im Aus' stand befindlichen Vereinigungen angehören. Es erscheint nicht ausgeschlossen, daß diese Rubestörungen bc stimmten Zwecken dienen sollte», vor allem um die Polizei zu schärferem Eingreifen zu veranlassen. Diese Absicht ist als miß glückt zu bezeichnen, denn der Präfekt des Loire- Departements hat an den Müilsterpräsidenten telegraphiert, daß die Streikenden keines wegs an den Unruhen beteiligt waren, ja nicht einmal dem Beruf nach zu ihnen gehörten._ Sociales. Die Ausgaben der Juvalidcn-BersichaungSanstaltcn im Jahre 1898. Die thatsächlichen Ausgaben der 3l Vcrsicherungs- anstalten im Jahre 1898 betrugen zusammen für Invalidenrenten 19,40 Mill. Mark, für Altersrenten 1b.34 Mill. Mark, für lieber nähme des Heilverfahrens 2,46 Mill. Mark. Bemerkenswert ist die Verschicdcnartigkcit des Verhältnisses, das bei den einzelnen Ver- ficherungsanstaltcn zwischen den Ausgaben für Renten und denen für Uebernahme des Heilverfahrens besteht. Die höchste Ausgabe für Renten sAltcr und Invalidität zusammen) halte Schlesien mit fast 4 Millionen Mark, für das Heilverfahren wurden dagegen nur 44 37S M. aufgewendet; Rheinprovinz gab für Renten 3.22 Mill. Mark aus und für das Heilverfahren 89 066 Vk.; Brandenburg für Renten 2,26 Mill. Mark, für Heilverfahren 80 607 M.; Ostpreußen 2.11 Mill. Mark für Renten und 67 106 M. für Heilverfahren; Westpreußcn 1.16 Mill. Mark für Renten und nur 26 004 M. für Heilverfahren. Die Anstalt Obcrpfalz gab für das Heilverfahren überhaupt uichts aus und die Anstatt Unterfranken nur 1216 M. Dagegen gab das Königreich Sachsen für Renten 2,26 Mill. Mark aus und für das Heilverfahren 151 677 M.; Posen für Renten 1,37 Mill. Mark und 133 879 für Heilverfahren? Württemberg 1,30 Mill. Mark für Renten, 166 654 für Heilverfahren? Baden 0.93 Mill. Mark für Renten und 184 984 Mark für Heilverfahren; Berlin 0,69 Mill. Mark Renten und 249 121 Mark für Heilverfahren und Hansestädte 0,61 Mill. Mark Rente» und 262 872 Mark für Heilverfahren. Die Hanseatische Anstalt hat demnach das günstigste Verhältnis aufzuweisen, sie sorgt am reichlichsten durch rechtzeitige Uebernahme deS Heilverfahrens erkrankter Versicherter für niöglichste Verhinderung der Invalidität. Sie gicbt für Vorbeugung ebensoviel aus wie an Invalidenrenten s270 868 M.) überhaupt, während die Anstalt Unter- franken etwa Vs Prozent ihrer Invalidenrenten-Ausgaben für die Verhütung der Invalidität aufwendet. Die Anstellung eines Schularztes, die vom Bürgermeister beantragt war. ivurde in Quedlinburg abgelehnt, iveil— es eine alte socialdemokratische Forderung sei. Auch ein dem Stadt- verordneten-Kollegium angehörender Arzt wandte sich gegen diese Vorlage. Kinderschuh. Die Polizei in Hannober hat eine Verordnung betreffend das Kegelanfsetzcn durch Kinder erlassen. Danach dürfen schulpflichtige Knaben unter 12 Jahren und schulpflichtige Mädchen überhaupt nicht zum Kcgelaufsetzen verwendet tvcrden. Schulpflichtige Knaben über 12 Jahre dürfen nicht nach 11 Uhr nachts mit Kegel- aufsetzen und am andern Morgen vor Schulbeginn überhaupt nicht gewerblich beschäftigt werden, auch dürfen ihnen beim Kegclaufsetzen keine Spirituosen verabreicht werden. Diese geringfügige Bc- schränkniig der KinderauSbeutnng, die noch der Zustimmung der städtischen Körperschaften bedarf, wird vom dortigen Stadt- s ch u l r a t e, Dr. Wehrhahn, als überflüssig bekämpft. Schutz der Ladenangestcllten in England. Mit dem neuen Jahre ist das Gesetz, das die unterste Altersgrenze für die Halbzeit- arbeit um ein Jahr heranffetzt, in Kraft getreten, desgleichen daS Gesetz, das den Ladenbesitzerii vorschreibt, für je drei weibliche An- gestellte mindestens einen Sitz in dem betreffenden Abteil ihres Gc- fchäftS bereit zu halten. Das Gesetz hat zur Erfindung sehr sinn- reich konstruierter Klappsitze Anlaß gegeben; denn in vielen Geschäften wäre die Ausstellung von Stühleu hinter dem Ladentisch ein ernsthaftes Hindernis für die freie Bewegung der dort Beschäftigten. Aus einer vom Verein für frühzeitigen Ladenschluß vermistalteten Ausstellung sind gegen 200 Modelle solcher Sitze aus- gestellt und vier davon erhielten von einem aus Vertretern größerer Warenhäuser und den Gehilfen zusammengesetzten Komitee Preise zuertcilt(der erste 210, die anderen drei je 100 M.) und der höchst- prämiierte Sitz ward zu Ehren des vor einigen Tagen ver- storbencn Herzogs von IWestminstcr, der sich im HanS der LordS sehr wann der betreffenden Gcsctzcsvorlage annahm,«West- minster" getaust. Ein anderer Sitz erhielt deu Namen des bekannten Bankiers und Naturforschers Lubbock. der seit Jahren Bor- sitzender deS Vereins für frühen Ladenschluß ist uud zu Neujahr zum Peer von England, d. h. Mitglied des Hauses der LordS eruaiuit worden ist. Der genannte Verein, daS sei noch bemerkt, agitiert nur sür freiwilligen Ladenschluß auf Grund von Urabstimmungen der Ladeninhabcr der betr. Bezirke oder Gemeinden. Ein Gesetzcntivurf, der bestimmte, allgemein bindende Grenzen sür die Verkaufszeit fest- setzt und vom Verein der Ladenangestelitcn propagiert wird, lvird im Parlament von Sir Charles Dille, John BmuS und anderen radikalen und Arbciterabgeordncten verfochten. Gcvichks-'Äeikttttg. Eine neue Anwendung der juristischen Theorie von der Spiel nalur der Börscn-Termingeschäfte cuthält ein Urteil deS Reichsgerichts, 2. Civilsenat, das ans die Hypothekenllagc eines großen Bankhauses gegen einen Berliner Rentier ergangen ist. Der Rentier hatte vor Jahren— lange vor Erlaß des Börsen- gesctzcs— bei dem Bankhanfe Ultimo-Geschäfte gemacht, auS denen er lchlicßlich nach Verlust seines Barvermögens dem Bankhause noch 16 000 M. verschuldete. Der Bankier schlug ihm vor, die erforder liche Summe durch Aufnahme einer Hypothek auf einer kleinen ländlichen Besitzung des Kunden zu beschaffen. Diesem Vorschlage cutsprcchend wurde eine Hypothek von 16 000 Mark für den Baulicr eingetragen und mit der Hypothckcuvaluta die Schuld des Rentiers bei dem Bankhause beglichen. Jahrelang lvurden pünktlich die Hypothekenzinsen bezahlt? als aber der Bankier fristgerecht die Hypothek zur Kündigung brachte, verweigerte der Hypothekenschuldner die Bezahlung der 16 000 M. In dem Hypo thckcn-Prozesse wurde von den, Bankier darauf hingewiesen, daß vorliegend von einem Spiclciuwande des Kunden gar nicht die Rede sein könne. da die Differenzschulden ja bereit mit dem Hypotheken-Kapital von 15 000 Mark voll beglichen nnd getilgt worden seien und bekanntlich einma' bezahlte Spielschulden nicht zurückgeforder werden dürfen. Der Sachwalter des Beklagten begründete den Abwcifungsantrag demgegenüber darauf, daß die Hypothek nach eigener Angabe des Bankiers zum Zwecke der Tilgung der Differenzschulden aufgenommen sei— nach der Gesetzes Vorschrift in§ 581 Titel 11 des Allg. 2.-91. aber„Gelder, die aus drücklich zum Spielen oder Welten oder zur Zahlung des dabei gemachten Verlu st es verlangt und g e liehen werden" nicht cinklagbar sind. Nach Verurteilung des Beklagten in erster Instanz erkannte das Kammergericht auf Ab Weisung der Klage und verurteilte d a S Bankhaus zur Lös ch'u n g d e r Hypothek. DaS Reichsgericht hat die Revision deS Bankhauses zurückgewiesen: Die Natur der Engagements deS Kunden als reines Differenzgcschäst, also als Spiclverträge, sei ohne RechtSirrtum festgestellt? sei aber zwecks Abzahlung derselben die Hypothek aufgenommen worden, so liege allerdings ein zu Spielzwccken'aufgenommenes Darlchn vor, dem die Klagbarkcit mit Recht abgesprochen worden sei. Ein weiblicher Pridat-Tctektiv stand gestern in der Person der unocrchelichten Anna F r e n s ch nntcr der Anklage des Dieb stahls vor der ersten Strafkamincr des Landgerichts I. Die An geklagte gab an. daß sie sich und ihre Eltern dadurch ernähre,� daß sie iii größere» Ladengeschäften auf Diebinnen unter den Käuferinnen fahnde.' Sie soll nun selbst in verschmitzter Weise cincii Dieb- stahl begangen haben. Die Wohining der Angeklagten bc- findet sich" in einem Seitenflügel des HanseS Moritz straße 6. In dein gegenüber liegende» Flügel befindet sich in gleicher Höhe die Wohnung deS MalenncisierS Matte, dessen Schreibtisch am Fensler steht, so daß man von der Wohnung der Angeklagte» die Beschäftigung des am Tische Sitzenden überblicken kann. Matte besitzt iiur eine 1 4jährige Tochter, die häufig tagelang allein ist, während ihr Bater seineu Geschäften nachgeht. Der Martha Matte fiel es auf, daß die Angeklagte, mit der sie bis dahin nicht einmal auf dem Grußfuße gestanden, sie am Nachmittage deS 8. September anredete und bat, ihr Pianino prüfen zu dürfen, da sie sich auch ein solches anschaffen wolle. Die Matte kam dem Wunsche der Nackibari»»ach. Am folgenden Tage wieder holte die Angeklagte ihren Besuch, deu sie diesmal verlängerte. Sie erhielt plötzlich Appetit auf Birnen und veranlaßte die Matte, einige zu holen. Während dieser Zeit war die Angeklagte allein in der Wohnung. Als der Malerineister Matte»ach einigen Stunden nach Hause kam. vermißte er eine» Betrag von 140 M., der in seine», niiverschlossencn Schreibtisch gelegen hatte. Der Verdacht mußte sich auf die Angeklagte lenken, da sie anßer der Tochter MattcS die einzige Person getvcsen war, die die Wohnung betreten hatte. Im Termin leugnete die An geklagte und versuchte, die eigene Tockiter des Bestohleiicn zu verdächtigen. Ter Staatsanwalt hielt die Angeklagte durch die Beweisaufnahme für überführt und beantragte gegen sie 6 Monate Gefängnis. Der Gerichtshof glaubte aber einen von dein Verteidiger. Rechtsanwalt Marcus«, gestellten neuen Beweis- autrag nicht oblehnei, zu sollen. Da aber zur Sprache gekommen war, daß die Angeklagte„och in zwei weiteren Fällen in ganz ähn- tu he* herynnnpii ftflben füfftp. lichcr Weise in der Nachbarschaft Diebstähle begangen haben sollte, so wurde beschlossen, zu», nächsten Termin auch die diesbezüglichen Zeugen zu lade». Der Antrag des Staatsanwalts, die Angeklagte wegen Fluchtverdachts sofort in Haft zu nehmen, wurde abgelehnt. Ein an den Bürgermeister Eigen zu Hattingen a. d. Ruhr gerichtetes Gedicht, welches am 15. August v. I. in der„Radwelt" erschien, hat dem 3kedactcuc dieses Blattes. Friedrich Merck, sowie dem Verfasser des Gedichts, dein Schriftsteller Müller zu Herford, eine Anklage wegen Beleidigung zugezogen, die gestern vor der dritte» Strafkammer des Landgerichts I zur Verhandlung gelangte. Der genannte Bürgermeister hat i», Juli v. I. eine Verfügung er- lassen, wonach'jegliches Radfahren in den Straßen Hattingens ver- boten wird. Diese anßergewöhnlichc Maßregel hat in den Kreisen der Radfahrer viel böses Blut erregt. Hierauf bezog sich auch das beanstandete Spottgedicht. In der letzten Strophe desselben wurde zun, Ausdruck gebracht, daß der Bürgermeister zu Hattingen wahr- schcinlich auch verfügen würde, daß den Flöhen Maulkörben angelegt lverden sollten, wenn seine Fra» von eine». Floh gebissen würde. Wegen dieses Gedichts stellte der Bürgermeister Eigen Strafanttag wegen Beleidigung und sprach dabei zugleich die Erwartung ans. datz sowohl der lliedacteur der„Radwelt" wie der Verfasser des Ge- dichtS mit Gefängnis bestraft werden würden. Der Gerichtshof hielt eine Geldstrafe von je 30 M. für ausreichend, da zweifellos auS der Forin des Gedichts hervorgehe, daß cS auf eine Beleidigung deS Strafantragstellcrs abgesehen war. Durch einen Formfehler dcö Gerichts dürfte der Maurer- geselle Maximilian ChmielewSki aus Posen. an, Ende vor dem . en kertode bewahrt werden. Vom Schwurgericht in Osttowo »st er am 29. November v. I. nach zlveitägigcr Verhandlung wegen rmordung seiner Geliebten zum Tode verurteilt worden. Er hat die That am 12. August v. I. begangen, nnd am 16. August ist die Ler- letzte gestorben. Sie ist am 12. August als Zeugin eidlich vernommen worden. Das über die Vernehmung aufgenommene Protokoll wurde in der Hauptvcrhandttmg verlesen. Hieran knüpfte sich eine Rüge, welche der Angeklagte in seiner Revision erhob. Er machte nämlich geltend, daß die Ermordete seine Braut gewesen sei, waS sich aus dem Vorhandensein von VerlobungSriiigen ergebe, und daß er die Absicht gehabt habe, sie zu heiraten. Habe aber sonach ein ernstes Verlöbnis vorgelegen, so se, es notwendig gewesen, die Zeugin vor ihrer Vcr- uchmung auf ihr Recht, die Aussage oder wenigstens die Beeidigung derselben abzulehnen, hinzuweisen. Dies sei dem Gesetze zuwider unterlassen worden.— DaS Reichsgericht hob das Urteil auf und verwies die Sache an das Schwurgericht zurück, da der ge- rügte Verstoß in der That vorliege und die Möglichkeit nicht zu be- streiten fcß daß das Urteil auf demselben beruhe. Da von der proto- kollarischen Aussage der ermordeten Braut in der nenen Haupt« Verhandlung kein Gebrauch gemacht werden darf, so müßte der Thäter, falls ihm die That nicht noch außerdem bewiese» wird, nach formal juristischen Begriffen eigentlich freigesprochen werden. Ein entsctzlickicr Unglücksfall, der sich in der Borsigschcn Maschinenfabrik z» Tegel ereignet hat, beschäftigte gestern die zweite Strafkai,»ncr am Landgericht II. Au, 19. September v. I. trugen zwei Arbeiter eine Pfanne mit zivci Ceutner» flüssigen Eisens in den Formcrsaal und stellte» die Pfanne am Stande des Formers Gebhardt nieder. Letzterer wollte von der Oberfläche des flüssigen Eisens„och einige Schlacken abschöpfen und drehte sich um, im, ein Werkzeug— ciuei, sogeiiaiuiten Kretzer— zur Hand zu nehmen. In demselben Monicut warf der Formerlehrling Max Hüb ncr einen Klumpen kaltes, nasses Eisen in die kochende Masse, was zur Folge hatte, daß das flüssige Eisen teils infolge der plötzlichen Bewegung, teils auch infolge der sich rapid ciittvickelndeu Gase, hochaufspritzte. Den, Former Gebhardt ging fast der ganze Guß ans den Rücken und verbrannte ihn in entsetzlicher Weise, so daß er schleunigst„ach dem Paul Gcrhardsstift gebracht werden mußte, Ivo er ein Vierteljahr behandelt und schließlich als Ganzinvalide entlaffen worden ist. Er ist ein Krüppel für sein Leben lang. Der Formcrlehrling R a d o w wurde ebenfalls von dein umherspritzciidci. Eisen getroffen, aber weniger er- lieblich verletzt und ist als geheilt wieder entlassen worden. Wegen dieses Unglücksfalles wurde der Lehrling Hübncr unter Anklage gestellt. Die Beschuldigung lantete auf fahrlässige Körperverletzung. Ter Lehrling ist erst s ün fz c h n I a h r e alt. ES jwird zwar mitgeteilt, daß ihm jede Hanttenuig ohne Anord- „ung untersagt sein soll, wer aber in Betracht zieht, daß in einem Betriebe wie bei Borsig eine», fast noch im KindeSalter steckenden jungen Menschen überhaupt keine Möglichkeit gegeben werden sollte. fahrlässig Unheil anzurichten, der wird sich fragen, ob in dem Knaben überhaupt der Schuldige vor Gericht geführt worden ist. Der Bedauernswerte ivurde vom Gerichtshof mit der harten Strafe von 4 Monaten Gefängnis belegt. Vom Kriege. Heber die Kriegslage bei Colesbcrg, von wo vor einigen Tagen Nachrichten'über kleine Erfolge der Engländer eingingen. berichtet das Bureau Reuter von, 7. Januar: Die Boeren griffen heute früh bei Tagesanbruch plötzlich die linke Flanke der Engländer an. wurden aber zurückgeworfen, und besetzten sodann eine Reihe von Hügeln im Norden, von wo sie schließlich nach mehrstündiger Beschießung ebenfalls verdrängt wurden. Die Boeren halten indessen noch immer die in mmiittel- barer Nachbarschaft der Stadt belegenen Berge besetzt und hinderir die Engländer, längs der Eisenbahn vorzugehen. Die VerKiste der Engländer sind leicht, die Boeren sollen etwa hundert Mann ver« loren haben, darunter etwa zwanzig Gefangene. Colesbcrg selbst ist von den Truppen des Generals French noch nicht besetzt worden. Vom Tugcla wird gemeldet, daß der General Buller die Position der Boeren am Tugcla aufs neue bombardierte. In den Telegrammen wird nicht gesägt, welche Position gemeint ist. ES giebt deren drei, bei Spri'ngficld, Colcnso und auf de», Jiihlawana-Berge. Man vcr- mutet,' es handle sich hier um C o l e n s o und um die Einleitung zu einen, neuen Vorstoß BullerS zur lltcttung L a d y f mi t h S. Die Boeren kennen offenbar die verzweifelte Lage LadysinithS, da sie es energisch täglich bombardieren. Verhaftung zweier Enkel des Präfidenten Krüger. Die Attaches der Brüsseler Transvaalgesandtschaft Ricke er und El off, Enkel des Präsidenten Krüger, die zur Boercnarmce abgegangen sind, wurde» in Kapstadt festgenommen. Englisches. London, 4. Januar. Durch Armeebefehl wird die Bildung von 16 Milizbatailloneii angeordnet. Rom, 4. Januar. Nach einer Meldung der„Italic" haben kürzlich drei Offiziere der Boeren Rom passiert, wo sie Bauholz gc« kauft und versucht haben sollen. Waffen. Munition uud AuSrüftungS- gegenstände zu kaufen.„Italic" fügt hinzu. England laffc in Neapel und in anderen wichtigen Mstcnplätzei, Italiens einen sehr lebhaften U e b e r w a ch n n g S d i e n st ausüben, besonders bei Dampfern, welche nach Südafrika bestimmt feien. Brüssel, 4. Januar. Die„Jndepeiidance Belge" meldet, daß England den Zwischenfall mit den,.Bundesrat" nur provoziette,»in einen Anlaß zur Besetzung der Delagoabai zu erhalten. Die hiesige Gesandtschaft Transvaals teilt vollkommeu diese Ansicht und glaubt, man müsse sich auf einen Gewaltakt Englands in der Delogoafrage gefaßt machen. Berantwortlicher Redacteur: Paul Johu in Berlin. Für den Inseratenteil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin. Washington, 4. Januar. I», Rcpräsentantcnhause brachte heute QuarleS(Demokrat) einen Beschlußantrag ein. durch welchen den beiden Schwesterrepubliken in Südafrika die höchste S y m- p a t h i e anläßlich des tapfereu Kampfes ausgesprochen wird. den ic jetzt auSfechlen, um ihre Regierungen vor der Vernichtung durch eine Monarchie zu bewahren. Letzte Meldung. London, 5. Januar.. Dem„Reuterschen Bureau" wird auS M a f e k i n g vom 26. Dezember gemeldet: Die Garnison machte heute einen ciicrgischei, Ausfall, wurde jedoch nach einem heftigen Gefecht mit einem Verlust von 21 Tobten und 23 Verwundeten zurückgeschlagen._ Uchte Ulaihviihtctt und Depvfthvu. Offiziöses Dementi. Berlin, 6. Januar.(W. T. B.) Die in den Blättern ver. breitete Meldung, alle auf Urlaub befindlichen Marinemanuschaften hätten Befehl erhalten, sofort zurückzukehren und sich zum Dienste zu stellen, ist vollständig aus der Lust gegriffen. Frankfurt a. M.. v. Januar.(B. H.) Die„Frankf. Ztg." inelder aus London: Die Rettung der Passagiere des gestrandeten PostdampferS„J b c x" erfolgte innerhalb zehn Minuten ohne Panik. Die Ladung und die Post sind verloren. Innsbruck, 6. Januar.(B. H.) Der Monteur KolkowSki a»S Rosenheim in Bayern, welcher während der WeihnachSfeiertage eine Tour in das Zillcrthal unteniommen hatte, ist vom Tuxerjoch abgestürzt und wurde nunmehr tot aufgefunden. Pariö, 6. Januar.(W.T.B.) Wie die Blätter melden, betragen die Kosten deS vor de», StaatSgerichtshof geführten Prozesse» 50 000 Franks. Die Steuerbehörde ist beaustragt worden, die Güter des Verurteilten zu beschlagnahmen. «t. Eticnnc, 5. Januar. Heute nachmittag fanden hier in einigen Straßen Knndgebnnge» der Weber statt. Der Präsctt hat jetzt alle Ansammlungen und Kundgebungen auf der Straße ,m ganzen Departement verboten. London, 6. Januar. Die Abendblätter veröffentlichen folgendes Telegramm aus Kapstadt vom heutige,, Tage: DaS Prisengcricht ließ"das amerikanische Schiff„Mashona" wieder frei. aber befahl, daß die Ladung dcS Schiffes bis zur gerichtlichen Entscheidung über die Angelegenheit aufgespeichert werde. Deal, 5. Januar.(W. T. 93.) Bei der heutigen Leichenschau wnrde von den Geschworenen festgestellt, der Tod der auf der „Patria" Verunglückten sei ein zufälliger gewesen. Die.Patria" wird als gänzlich verloren angesehen. Peking, 6. Januar.(Meldung fccS„Reuterschen Bureau»".) Ein kaiserliches Edikt verfügte heute die Absetzung der lokalen Bc- amtcn in dem Distrikt, in welchem der britische Missionar Brook» ermordet wurde, und erteilte zugleich den Behörden den Befehl, die Mörder zu verhaften und unverweilt hinzurichten. Hierzu 1 Beilage.' Pt. 4. 17. Mwnz. KcilM b Dmiilts" Krim Klliüblntt. Sminaliriiii, 6.|an»ii' l'JOO. Nominuttttles. AuS der MagistratSfiiziiug vom Freitag. Dem Magistrat vt vom Oberpräsideilte» die Ausfordcruiig zur Präseritationstoahl emcs ivcitgliedes für das Herrenhaus zugegangen. Die„Wahl" wird den Wahlvorschriftcu gcniäst in 14 Tagen erfolgen. Alsdann trat das Kollegium in die Fortsetzung seiner Bc- ratnngen zur Feststellung des Stadthaushalts- Etats für 1300 ein. Zunächst wurde der S p e c i a l c t a t für die Blindenanstalt ncdst Betrieb der Beschnftignngsanstalt in Einnahme und Ausgabe mit 83 300 M. festgestellt. In den Einnahmen find enthalten 7700 M. für stnhlflechterci. 8V00 M. für Korbflechterei. 48 MV M. für Bürftcn- dmderei. für wciblicbe Handarbeiten 7100 M.. für Drnckarbcitcn von Blindenschriften 11000 M. Der Special-Etat der Taub- st u m m e n s ck> u l e ist in Einnahme mit 513 M. und in Ausgabe mit 71 578 M. eingestellt, somit erfordert derselbe einen Zuschust von <1005 M.— Der Etat der Realschulen schlicht ab in Ein- »ahme mit 407 323 St. und in Ausgabe mit 1 135 518 M.. also mit etilem Zilschnh von 728 195 M.— Der Special-Etat der H e i m- statten für G e n e s e n d e und verschiedene Einrichtungen für � l f e n t I i ch e Gesundheitspflege ist in Einnahme mit 1v>z 400 M. und in Ausgabe mit 334 680 M., also mit einem Zuschust von 171280 M. eingestellt. Der Vorstand der Unfallstationen hatte sich an die Gcineiiidebehvrdcn mit einem erneuten Gesuch rnn Erhöhung des seitens der Stadtgeincinde geleisteten Zuschusses gewendet. Das MagistratSlolleginm hat indessen in seiner gestrigen Sitzung be schloise», den Antrag abzulehnen. Uolmlrs. Znr Lokalliste. Die Mitglieder der L okalk o mmis s i o n von Berlin, insbesondere aber die der Umgegend, werden auf gesordcrt, Aenderungen oder Ncilaufn ahmen znr Lokalliste bis späte stens 16. Januar bei»karl Scholz, Berlin LO. Wranaclstrabc HO, anzumelden, da am 20. d. Mtä. die neue Lokalliste erscheint. Spätere Einsendungen können nicht berücksichtigt werden. Es lvird besonders gebeten, Name» und Adresse» in deutlicher Schrift anzn geben. � _ Die Lokalkommission. DaS Wohnnngöelend in Berlin kommt einem recht anschanlich zum Bcwntzlscin, wenn man. wie jetzt sehr viele Einwohneni in Berlin, in der fatalen Lage ist. ein neues Heim suchen zu müsscii, und wenn man dabei nicht zu den Glücklichen gehört, die eine sogenannte herrschaftliche Wohnung bc- zahlen können. Als?t e u j a h r s g r n h hat der Hauswirt seincii Mietern die Ankündigung gesandt, dah man für das Bergnügen, in seinem Hanse z» wohnen, vom 1. April an 20, 30 oder 50 M.'jährlich mehr zu zahlen habe. Jahrelang hat»in» sich vielleicht, so gut oder so schlecht es gehen ivollte, in einer engen Hosivohnuiig eingerichtet, man hat über manche Mängel hinlveggcsehen, weil mau die Umstände, die Kosten und den Verlust an Arbeitsverdienst scheute, den ein Umzug mit sich bringt. Nun aber will man doch einmal sehen, ob man sich nicht verbessern kann. Tic Suche nach einer neuen Wohnung geht also los. Wer Wert auf leidlich freundliche und saubere Zimmer legt, ivcndct sich mit Vorliebe den neueren Häusern zu, in denen als Folge der jetzigen Bau- ordmlng Luft und Licht für die Proletaricrwohmnigcn nicht mehr ganz so knapp bemessen werden darf, als zu jener Zeit, wo der rasstnicrteil Ausnntzung dcr Banstcllc noch keine wesentlichen Schranken gesetzt waren. Die Wohnungen in Nenbanten sind in der Regel aber lange bevor der Bau vollendet ist. vermietet, und nicht etwa nur im Innern der Stadt, sondern selbst weit brausten an der Weichbild- grenze. Kaum ist ein Wohnhans im Rohbau fertig, alio in einem Zustande, wo sich jemand, der nicht einigermaßen'bauvcrständig ist, von der Beschaffenheit der Räume noch gar kein rechtes Bild machen kann, so finden sich schon Mietslnsiig'c ei»,>i»d che noch Maler und Tapezierer ihr verschönerndes Werk bcgiimen, sind die tleiiicn Wohnungen bereits an den Mann gebracht. Und zu welchen Preisen! Man must schon bis zum allcranstcrstcn Norden oder Osten der Stadt hinausziehen, wenn man eine cinigermasten menschen würdige Wohnung, die aus einer Stube mit Küche bcstöht, siir etwas weniger als 300 M. pro Jahr haben ivill. Und ebenso wird der Hauswirt die Wohnnngen in älteren Häusern mit Leichtigkeit zu hohen Preisen loS. Sollte man aber wirklich einmal in einer weit entlegeuen Stadtgegend oder in einem Borort etwas billiger mieten, so kann man sicher sein, daß man»ach Ablauf des Vertrages um so kräftiger g e st e i g e r t wird. In Berti» war der Arbeiter seit je gezwungen, in engster und ungcniütlichstcr Behausung zu lebe» und die schweren materiellen und sutlichcn Schäden, die dadurch bedingt waren, als Fügung der gött- lichen Weltordnuiig mit in den Kauf zu nehmen. Ter gegenwärtig von den HanSwirtc» iiiiternomniene Raubzug aber tvird das Woh- nuiigselend zu einer schweren socialen Gefahr gestalten. Gesetzliche Maßregeln oder eingreifende Abhilfe von feiten der Komnmnal- Verwaltung sind natürlich nicht zu envarten in einer Gesellschaft, die in dem Hausbesitzer die Ivescntlichsle Stütze namentlich der kommunalen Ordnung sieht und ihm daher von Rechts wegen die Hälfte aller Sitze in der Stadtvcrordneten-Vcrsaiirnilung überliefert. Völlig schutzlos ist die Bevölkerung den WohninigSwuchcrern preisgegeben nnd als einziges, ungern angewandtes Mittel bleibt dem Arbeiter nur der Berftich, mit Hilfe der gewerkschaftlichen Organisation Lohnerhöhnngen zu erringen, die den ihm vom Hauswirt beigebrachten Schadet« annähernd ausgleichen. So sind eS auch hier wieder die Vertreter und Interessenten der heutige» Ordmnig, die den« auf das Wohl seiner Familie bedachten Arbeiter geradezu in den Lohnkampf h i n e i n p e i t s ch e n. Bor dem Rrichs-VcrsicherungSamt. Bei den Berhandlungen des ReichS-VcrfichcrungSamteS über Rekurse in Unfallsachen, so wird»nS voi« interessierter Seite ge- schrieben, macht sich eine Neuerung bemerkbar, die wahrlich nicht gc- eignet ist, das Vertrauen, welches die Arbeiter bis jetzt noch diesem Gerichtshöfe entgegengebracht haben, in wünschcnSiverter Weife zu befestigen. Wir meinen die Art nnd Weise,»vi« die von de» BerufSgciiosscnschaftcn bedrängten Arbeiter behandelt werden. Erregt eS schon Befremden, daß beim Aufruf der Sache nicht sofort verhandelt wird, trotzdem der Verletzte oder dessen Bertreter anwesend ist, so steigert sich der Mistmut. wenn der oft von weither gekommene Arbeiter, der sich dazu noch meist im leidende» Zustande bcstndct, lange Stunden ivartei« muß. bis der Herr Vertreter der BcrufSgenossenschast endlich Zeit s i u d e t. den Termin ivabrznnehnicn. Forscht man nach der Ursache dieser unerhörten Verzögerungen. so erfährt man, daß der RcchtSanivalt S.»ach nnd nach die Vcrtretnng einer ganzen Reihe von BernsSgeiiossenschaften über» nominell hat und nun f a st in alle» Senate» b c- schästigt ist. Kommt eö nun endlich zur Verhandlung, so dämmert einem sofort ein Licht auf,>v a r n in die ans Schmälcrnng der kärglichen UnfaNrcnte bedachten Berufsgcnosscnschasteu gerade diesem Herrn so viele Vertretungen übertragen haben. Der Anwalt versteht eS, im schneidigen Tone den Unglücklichen zu examinieren, der in der Frohn des Kapitalismus feine Gesundheit opfern mußte und dem nun die Organisation der Unternehmer einen mehr oder minder großen Teil der Rente zu entziehen trachtet. Da werden von einem in allen Fächern seiner Mission beschlagene» Advokaten die kleinen Schwächen des Verletzten, der ja meist als Kläger gegen die Bcrufsgcnoiscnfchaft auftritt, als die gefährlichsten Nebelthatcn hingestellt. Die Verletzten müssen sich von dem Man» ans gebildeten Kreisen inS Gesicht sagen lassen, daß sie Simiilanteii nnd Al- koholisten scic». keine Lust zum Arbeiten hätten nnd ähnliche Belcidigimgeil mehr. Ja, oft genug ereignet es sich. daß die Gutachten der aiigesehciisteu ärz'tli ch c n' A n t o ri- täten der schneidigen Kritik versallen, wenn diese den Berufs- gcnosscnschafte» wider den Strich gehen. Nicht immer war eine derartige Vertretung der Bernfsgciiossen- schaftcii im Schivange. Früher nahmen die Geschäftsführer dieser lliitenlehmer-Orgaiiisatiolien oder andere Beamte deren Interessen vor dem Rcichs-Vcrsichcrlingsamt wahr. Möglicherweise waren diese Herren ihren Änftraggcbcni aber nicht energisch genng, so daß die Bcrnfsgenosseiischaften mehr Vorteile davon erhofften, wen» sie ihre Interessen von dem hier genamiten Juristen vertreten ließen. Wie die hier beschriebene Art des Auftretens auf die Arbeiter ivirkcn must, braucht wohl kaum auseinandergesetzt zu iverden. Sic sind es ja gewohnt, daß die Berufsgciioffcnschastcn vielfach in ver- bittcnidstcr Weise die Jntcresicti des Kapitals wahrnehmen. Welches Mißtrauen gegen die„Segnungen der Socialrcfonn" ninstte schon die bekannte Thatsache erwecken, daß den Vorsitzenden der Berufs- genosscnschafteii, die ihr Amt unentgeltlich als Ehrenamt verwalten sollten, das Geld in vollen Scheffeln znaeworse» wird, daß sie jährlich 7000, 10000, ja 12000 M. als«Entschädigung" erhalten, ivähmid diese Körperschaften gegen verkrüppelte Arbeiter, die mit ihrer Familie in Jammer nnd Elend Hansen, oft die langwierigsten Prozesse führe», um diese Armen um einige Mark ihrer Monätsrente zu bringen. Alle diese Thatsache» sind der Arbeiterschaft bekannt nnd haben den Erfolg, daß die„Socialrcform" mit einem Mißtraue» betrachtet wird, das, soweit gewisse durch sie ins Leben gerufene Jilstitiitionen in Betracht kommen, nur zu begründet ist. Das Reichs-B crsi che rnngsamt' hat bisher»och mit einem gewissen Matze von Vertrauen rechnen können, das ihm von den Arbeitern entgegengebracht wurde. Soll dieses nicht verloren gehen, so hat der Vorsitzende darauf Bedacht zu iiehmen, daß das jetzt übliche Gebahren der bcrnfsgciioffcnschasrlichcu Per- trelniig nicht allzu bedenkliche Formen annehme. So die Zuschrift. Von kompetentester Seite wird u»S bestätigt, datz ihr Inhalt nur zu begründet ist. Verbot schlüpfriger Inserate. DaS Polizeipräsidium ver- öffentlicht nach Zustimmimg des Gemeindevorstandes für den Stadt- kreis Berlin folgende Ver ördnu n gen:§1. Gegenstände, Mittel, Einrichtungen'und Methoden, ivelche dazu bestimmt sind, die Empfängnis zu verhüten oder geschlechtliche Errcglliigen hervorzurufen, dürfen weder öffentlich angepriesen, angekündigt, noch in öffeiitlichc» Anstalten lBadcanstaltcn, Kuranstalten nnd ähnlichen) in A n w e n d u n g gebracht iverden, § 2. Gegenstände. Mittel, Einrichtungen und Methoden zur Verhütung oder Beseitigung von Geschlechtskrankheiten oder der Folgen geschlechtlicher ÄnSfchWeifuiigcil dürfen weder öffentlich angepriesen noch angekündigt werde».§ 3. Gegenstände oder Mittel der in den KZ 1' nnd 2 bezeichneten Art dürfen in S ch a u f e il st c r n oder in dem Publikum zugänglichen Lokalen nicht öffentlich ausgelegt, auch nicht durch Automaten ver- kailft werden. K 4. Bcrordiinngen approbierter Acrzte, ivelche dazu bestinimt sind, Gefahre» für Leben und Gesundheit zu verhüten oder z» beseitigen, werden von den Bestimmungen in den KZ 1—2 nicht betroffen. K 5. Ucbertrctnngcn dieser Verordiimigcn iverden, soweit nicht nach den bestehenden Gesetzen eine höhere Strafe verwirkt ist, mit Geldbnstc bis zn 30 M. bestraft, an deren Stelle im Nicht- beitreibniigSfallc eine bcrhältniömästigc Haft tritt." Von cillen Tageszeitungen sind die s o c i a l d e m o k r a t i s ch e n so ziemlich die einzigen, die die Aufnabnic von Anzeige» der in dem Potizcivcrbot berührten Art bisher ichon gruiidsätzlich a b- gelehnt haben. Oft genng hatten wir überdies Gelegenheit, auf das Gebahren getvisscr Blätter hiiiznwciscii, die im redaktionellen Teil von Moral nnd christlicher Wcltanschaiinng triefen und hinten in langen Spalte» gutbezahlte Anzeigen niisittlichen Inhalts bringen. In einem Falle haben sogar Staatsanwalt nnd Gericht des christlich-sittlichen Staates' sich in diesem von nns geführte» Kampf gegen die Uiisittlichkcit zu einer That aufgerafft. Alö ivir nämlich iii Ar. 267 des Jahrgangs 1805 eine besonders schamlose Anzeige eines Blattes festgenagelt halten, erhob der Staatsanwalt. der biö dahin dies Inserat und tausend ähnliche nicht bemerkt hatte, Anklage wegen ll n z u ch t v e r g e h e n§ gegen den verantlvortlichen Rcdactenr unseres BlatteS. Dies Vorgehen sollte bcgangc» sein da- durch, daß ivir, was ja selbstverständlich, das inizüchtige Inserat in nnscrein Artikel abgedruckt hatten. Damit nicht genug, fand sich eine GcrichtSiustanz i» Berlin, die nilsern Kollegen in der That wegen Vergehens gegen de» Uiiziichlparagrapheu z n 30 M. Gelbst r a f e verurteilte. Eine höhere Instanz mnstte erst mit der Aufgabe bemüht werden, dicS bis dahin einzige Urteil saufzuhebeii. 'Wenn jetzt durch Polizeiverbote gegen nnstttliche Inserate vor- gegangen wird, so steht Familienblättenl vom Schlage des Lo k'a l- A n z c i g c r S" natürlich eine schwere geschäftliche Schädigung bevor. Die Potizeivcrorduung vom 10. Mai 1870 über daS Fahren und Halten von L a st f u h r w e rk c» in den Strasten von Berlin soll de» jetzige» V e r k e h r s v er h ä l t ii i s s e ii angepaßt iverden, Racb dieser Verordnung war i» der Zeit von 10 Uhr vormittags bis 7 Uhr nachmittags das Bc- und Entladen von Lastsuhrwcrkc» und das Stillbalten dieser, soivie von Handivagcii, Karren, Huiidefuhrwerk:c. i» einem Teil der Königstratzc, der Gcrtrandtcn- slraßc. Alcxandcrstraße, am Mühlendamni, der Straße am Spittelmartt und der Friedrichstratze verboten. Dieses Verbot soll ansgcdchnt werden aus die ganze Leipzig erst raste, die Friedrichstratze zwischen Bchrenstraßc nnd Weidendammer Brücke, die ganze K ö n i g st r a ß e. die Nene Königstraße vom Alcxandcrplatz vis znr Lictziiiaiinstraßc. die LandSbergerslraße vom Alexandcrplatz bis znr Kleinen Franlsurtcrslraßc. die Prenzlaiierstraße von dir Alexander- bis zur Hirtcnstraße, die Münzstraßc iu den engen Teilen. die Obcrwallsttaße von der Fra»zösische»straße vis zum HanSvoigteiPlatz. Ferner soll Lastfuhriverl nnd alles auf Schritt- fahren angewiesene Fuhrwerk in der Zeit von 10 Uhr vormittags bis 7 Uhr abends überhaupt nicht fahren i» der Lcipzigerstraßc. am Leipziger Platz»nd vom eiiftstcii Teil der Friedrichstratze bis zur Wcide'lidanimcr Brücke. Die Polizei gestattet übrigens von dicsciii Verbot bei WohmmgSnmzügcn. bei Bcstattuiige», für Postwagen zc. gewisse Erleichterungen, Der Entwurf zn dieser Polizeiverordnniig st dem Magistrat zugcgaiigcn nnd hat dessen Billigung im Princip chon erhalte». Tic Verordnung wird baldigst veröffentlicht werde» »nd soll am 1. April d. I. i» Kraft treten. Polizeiverordnnngcn über de» Verkehr mit Fahrräder» auf öffentlichen Wege». Straßen nnd Plätzen iveidcn demnächst gleichmäßig für alle Provinzen des preußischen Staates crlasie» iverden. Ein Norinalciitwnrf zn diesen Berordmuigen ist gemein- chaftlich von den königlich preußischen Minister» der öffentlichen Arbeiten n»d des Inner» aufgestellt worden. Danach stnden ans das Fahren mit Fahrrädern im allgemeinen die für den Fnhuverls- verkehr geltenden Vorschriften sinngemäß A»we»dung. Außer- halv der geschlosieiien Ortschastcn ist der Fahrradvcrkchr auf den neben de» Fahrstraßen hinführende» Baiilctten gestattet. Ferner kmin er von den Wegepolizeibehörden aus bestimmten Wegen einschließlich der Bankette neben den Fahrstraßen ür Fahrräder iiiitersagt werden. Ob und inwieweit Ausnahmen von Wcgcverboten für de» dienstlichen Fahrrädcr-Verkchr der Bc- amtcn der RcichS-Post- und Telegraphenvcnvakttmg und anderer öffentlichen Vcrlvaltimgc» zuzulassen sind, nntcrlicgt der Entscheidung der Minister der öffentlichen Arbeiten und des Inner». Den Fuhr- werken der Post ist von dem Radfahrer s überall völlig Raum zu geben. Militärpersoneil sowie rmiformierte und mit einem Dienstabzeichen versehene Beamte, ivelche das Fahrrad dienstlich benutzen, bedürfen nach dem Inkrafttreten der Verordnung einer polizeilichen Radfahrkartc nicht. Viel Aufhebens wird i» bürgerlichen Blättern von einer in folgender Fassling iiiitgcteilten Geschichte gemacht:„Ein Händler hatte einem Hausdiener ein»ngüiistiges, nach seiner Mciiiling aber völlig zu- treffendes Zeugnis ausgestellt. Der Hausdiener verklagte darauf den Arbeitgeber wegen Beleidigung und ivandte sich aii das Polizei- Präsidiinn, Ivo inaii die betreffende Stelle des Zeugnisses amtlich überklebt nnd mit Vermerk versehen habe» soll. Der Verein Berliner K o l o n i a l w a r e ii h ä ii d l e r hat die Sache ihrer grundsätzlichen Bedeutniig wegen zu der seinigen gemacht und will nötigenfalls eine gerichtliche Entscheidung darüber herbeiführen, ob es unzulässig sei, i» aiigemeffener Form die Wahrheit über die Führung eines An- gestellte» z» bescheinigen. Der Prozeß deS HanSdicners gegen seinen Arbeitgeber schivcbt noch, und iiian ist gespannt, ob eine Verurteilung erfolgen wird." Die Herren Kolonialwaren- Händler thnn wahrscheinlich gut, wenn sie die Sninnie, die dieser Prozeß ihnen kosten wird, zu anderen Zwecken, nnscrtivegen zur Lohnerhöhimg für ci»en besonders schlecht bezahlten Hausdiener verwenden. Nach Lage der Dinge wird der in Betracht kommende Händler sich eines Vergehens gegen K 113 der Geiverbe-Ordnung schuldig gemacht haben. Nach diesem Para- graphe» darf der Arbeitgeber in dem über Daner nnd Art der Be- schäftigiing auszustellenden Zeugnis sich eigenmächtig keine Ein- tragluigeil über Führung und Leistung des Arbeiters erlauben. sondern solche»nr dann ins Zeugnis einfüge», ivenii der Arbeiter es ausdrücklich verlangt. Enthält das Zeugnis überdies gar»och Beleldigungeii des Arbeiters, so kann der Untcriichmcr selbst- verständlich auch lvcgcii Vergehens gegen die in Betracht koiiinieiiden Paragraphen des Strafgesetzbuches vor Gericht gefordert werden. <*i» anfferordcutlich dichter Nebel lag gestern morgen über Berlin niid den ivcstlichen Vororten. Ter Eisenbahiiverkehr wurde beträchtlich erschivert nnd ans der Stadt- und Ringbahn verkehrten die Züge bis gegen Mittag mit Berspätniig. Ei» beklagenswerter Unfall hat sich DomicrStagabeiid gegen 0 llhr in der Prinzen-Allce zugetragen. Hier wohneil iinter anderen« iu dem Hanse Nr. 11 ein Kauftnann Robert und eine Witive Meiux. Deren Söhne, der nahezu 16 Jahre alte Adolf Robert und der fast 14 Jahre alte Franz Meinx, ivar befreundet nnd verkehrten viel mit einander. Domierstagabciid vergnügten sich die beiden Knaben im Verein mit noch fünf anderen mit Fnßballspicleii vor dem Grimd- stück Prinzeu-Allee 74. Adolf Roberl trat später aus und machte sich daran, mit seinen« Taschennicsser in einen Bretterzaun, der vor den Grundstücken Nr. 75»nd 76 steht. seinei« Nainci« einzuschneiden. Nim kam Franz Meinx von hinten an ihn hcrm« nnd fragte ihm mit einem Schlag ans die Schulter:„Adolf, ivas machst Du?" Robert drehte sich mit dein Messer in der Hand Plötz- lich»in, nnd stieß es im Scherz so nnglücklich gegen die Brust des Meinx. daß es das Herz verletzte. Die anderen Knaben trugen den Vcrivniidcteii in den Laden seiner Mutter; hier starb er, bevor ihm noch ein Arzt znr Hilfe komme» konnte. Der junge Robert wurde vorläufig in Haft genommen. Die Darstellung, daß der Unglückliche beim Jndimierspiele» von seinem Gegner erstochen ivorden sei, wird von Augenzeugen als unrichtig bezeichnet. Eine große Verkehrsstörung enlstaiid gestern nachmittag mn 2 Uhr in der Leipzigerstraße durch Versage» des Acciimulatoren- ivagens Rr. 1307 der Großen Berliner Straßenbahn. Der Wagen blieb kurz vor dem Spittelmartt stehen. In kurzer Zeit stockte der Verkehr auf der südlichen Seite der Leipzigerstraße vollständig. Der Acciiiiuilatorenwage» liuißte schließlich von einem anderen elektrischen Straßenbahiiwageii ins Schlepptau genommen werden. Während der Verkehrsstörung' harten sich Hunderte von Wagen aiigesaminelt. Im Dienste tödlich vcrlliigtiickt ist der 65 Jahre alte Cigarmihäudlcr Wilhelm Rensch ans der Pallisadenstr. 80. der für den Neujahrsvcrkehr von der Post als NuShelfcr aiigenomnieii ivorden tvar. Rensch trat am 31. Dezember den Dienst an und wurde mit Sortieren von Briefen und Zureichen von Sortierkasten beschäftigt. Tie Post hatte für diese Arbeiten ans dem Eck- Grundstück an der Spandrnier Brücke und der Neuen Friedrich- straße einen Saal gemietet. Der Dienst begann um 7 Uhr morgens. Als Rensch bald darauf austreten mußte, erkundigte er sich'nach der Ocrtlichkeit. irrte sich aber in den Thüren des Grund- siiicks. öffnete in diesem Irrtum die Kcllerthür einer Lcderhaiidlung »nd stürzte in der Dmikelheit die Treppe hinab. Ans einer Treppen- stufe schlug er mit dem Kops ans, überstürzte sich und fiel noch siebe» Stnfcil tiefer aiif einen am Fuße der Treppe liegenden Schutthaufcii hinab. Der Verunglückte zog sich einen Schädelbruch z» und wurde in das KraiikcnhanS am FriedrichShaitt gebracht. Hier ist er der Verletzung erlege». Crschofsen hat sich der 45 Jahre alte Eisenbahnkassierer Friedrich Llischart. der seit fünf Jahren mit seiner 80jährigei, Mutter in dem Pensionat von Schulz i» der Köthcnerstr. 32 ivohntc. Luschart jagte sich, ivahrschcinlicki in eine»! Anfalle von Gcmiitskraukhcit, eine Revolverkngel in die rechte Schläfe nnd ivar bereits tot, als ein Arzt von der nächsten Unfallstation ankam. Im Hause Brumicnstr. 17Ö ist eine Filiale des Kranken« transport-Geschäftrs von E. Liick eröffnet worden. Straßensperrnng. Das Tempelhofcr Ufer zwischen der Lücken- waldcr-»>id Trcbbincrstraße wird in der Richtung von der Schöne- bcrgcr Brücke»ach der Trcbbinerstraße bis ans weiteres für Fuhr- werk und Reiter gesperrt. Fcner im königliche» Schanspiolhanse. Bei der Vorstellung von Ficsko brach am Donnerslagaveiid während des süiiftc» Aktes ans offener Bühiie Feuer aus, doch wurde der Brand sofort gelöscht, sodaß das Pnbliknni von dem Vorfall so gut wie nichts merkte. Em zur Statisteric gehörender Fackelträger halte mit seiner Fackel eine Seitenconlisse qestreist, die daim sofort in Brand geraten ivar. Aus der Bühne selbst hatte man den Vorgang alsbald wahr- genommen und langsam zogen sich die daselbst ainvesendci« Personen nach der rechte» Seite zurück, während die Künstler, um keine Panik im Publik»»! hervorzurufc». ruhig iveiter- spielten. Die Zuschauer glaubte», datz der emstandene Qualm nur die Folge einer Explosion eines Turiiics im brennenden Genua sei und vcrhicllcn sich durchaus ruhig. Hierdurch gelang eS mehreren Statisten, bevor noch die im Theater stationierten Fcnerwchrlcute herbeikamen, den Brand an der Conliffe abzulöschen,»nd die Vor- stcllnug»ahm»»gehindert ihre» Fortgang. Fcnerbcricht. Ein größerer Kcllcrbrand mußte Freitag früh K o ch st ratze 55 abgelöscht iverden. Es hatte sich ans nicht er- mittelte Weise ein großer Posten Papierabfälle entzündet nnd dabei entstand eine enorme Nauchenttvicklung, so daß die Wehrlcnte mit Raiichhclnien ausgerüstet werden nnißten, um an den Brandherd gelange» zu könne». Die Lösch- nnd Anfräninnngsarbeitc» nahmen mehrere Stniidcn>» Anspruch. Am DonnerStog wurde die Feuerwehr außerdem mehrfach in Anspruch genommen. Acker st ratze 51 gingen in einer Dachwohnimg KlcidungSstiicke»nd Möbel in Flammen ans. Gräfe st ratze 33 wurde» Bettstellen und Säcke eingeäschert. Ein Alarm»ach Ohm« straße 6 betraf ciiicn tlcineii Zimmerbrand in einer Keller« ivohiinng. Packinaterial wurde zerstört durch ein Feuer, das Beuth st ratze 5 im Keller zu beseitigen war. Dasselbe war H a u S v o i a t e i v l a u 12 der Fall. Lützow-User 10» wurde» Mobcl und Ratiborstrcihe t? Betten eingeäschert. Choriner- struße 54 wcir ein kleiner Ladeiiürand abzulöschen. In der llrnnia hat am Donnerstagabend der ForschungZ- reisende Dr. W e g e n e r einen Vortrag über(!cl>lon und Indien gehalten. Soweit es möglich ist, durch schlichte Worte und mit Hilfe der photograpbischen Kunst dem Laien ein Bild von dem Kultur- leben dieser Länder zu geben, ist cS in dem Vortrag des Herrn Wegener geschehen. In interessanter Schilderung führte der Herr sein Puviilum zunächst von dem Hafen von Genna ans durch den Snezknnal nach der Insel Cchlon. Nach einer Schilderung der üppigen Pflauzenwelt, lvclchc die Cstliistc der Insel umrahmt, zeigte der Redner ihre seltsamen Baulvcrke, welche zum Teil ans dem 47. Jahrhundert, zum Teil aber aus fcrncnilcgcncr Vorzeit stammen. Wir sahen die alte Königsstadt Candy, den Tempel Maligaba, der eine Nclignie enthält, zu der die Buddhisten der ganzen Welt pilgern, und erhielten dann ein zwar prosaisches aber nicht minder interessantes Bild von den unermeszlichen Thceplantageu, welche die Engländer nach Aus- rottuug der herrlichen Urwälder auf der Insel angelegt haben. Dies alles war aber eigentlich nur eine Einleitung zu der Märchenpracht. die uns aus Indien, diesem Vatcrlande urälter Kultur selber vor- geführt wurde. Seltsame Tempel von bizarrer Form, deren unzählige Säulen in unendlich mühseliger Arbeit mit abenteuerlichen Gestalten geschmückt sind, ivechseln ab mit Bauwerken von ebenso'unfaßbarer Kostbarkeit, die nienschlicher Fleiß in Höhlen mid gewaltiger Felscngebildc ein- gehauen hat. Weiter im Norden des Landes erblicken wir marmorne Gedichte, riesenhafte Paläste und Grabdenkmäler im maurischen Stil, die auf das Geheiß mohamcdanischer Fürsten errichtet sind und eine Feinheit des Geschmacks zeigen, wie sie seit dem Ersterben der antiken Welt wohl nirgendwo auf der Erde offenbart worden ist. Der Europäer, der so stolz ist auf seine abendländische Kultur, ums; im Anblick der Kunstleistuiigen cincS Volkes, daS sich fernab von unserer Geschichte zu hoher Stufe entwickelt hat. gar manches von seinem Dünkel verlieren und bcschnnit gestehen, daß die Fähigkeit, zur Höhe zu streben, durchaus nicht den Völkcru des Occident allein verliehen ist. Auf der„Trcptoiv Sternwarte� wird in der nächsten Woche mit dem Rieseiuesraktör der Mond beovnchtet. Sonntagnachmitlag 5 llfir spricht Direktor Arche n hold über„Rückblick auf die Astronomie des 19. Jahr- Iniiiderts' und abends 7 Uhr über„Die Bewohnbarkeit der Welten". Die Veiucher der Stcrnivarte haben durch die Eröffnung der llutcrgruiid- bahn Gelegenheit, vom Schleiischeu Bahnhof bis direkt zur Sternwarte zu fahren. AnS den Nachbarorte». Lichtenbcrg-Fricdrichsbcrg. Der Wahlverein tagt Umstände halber am S. Januar abends V Uhr bei Höflich, Franksnrtcr Chänssce 120. Auf der Tagesordnung steht die Uebernahme dcS „Vorwärts" in Partciregie. I» Werder bei Potsdam ist ein Doppclmord verübt worden. In der Nacht vom Mittlvoch zum Donnerstag wurde in dem Hotel„Stadt Brondciibiirg" eine dortsclbst am Abend vorher eingetroffene Frau, sowie deren Kind erdrosselt. Am Mittlvoch- abend gegen Uhr erschien in dem.Hotel ein etwa Mjahriger Mann in Begleitung einer jungen, etwa 22—28 Jahre allen Frau und einem 14 Tage alten Knaben und nahm ein Zimmer mit zwei Betten. Der Herr gab au, daß seine Frau sehr ermüdet sei, sich sofort ztir Ruhe begeben wollte und unterließ es infolgedesicn, seinen Namen tu das Fremdenbuch einzutragen. Dienstagmorgen gegen öVs Uhr verließ der Fremde das Hotel, nachdem er Herrn Jakob, den Wirt, dahin instruiert hatte, um 8 Uhr seiner Frau das Frühstück zu bnngcn. Als mit diese Zeit das Stubenmädchen das Fremdenzimmer betrat, bot sich ihm ein schrecklicher Anblick. Die Fremde und das Kind. lagen tot im Bette. Die Fron war mittels einer Schnur, ivie solche durch den Halskragen von Sportsheindcn gezogen werden, erdrosselt, und der Knabe ivor in gleicher Weise mit einem tvcißcii Baude getötet worden. Ein Kampf zwischen dem Mörder und den Opfer» hat augenscheinlich nicht siattgefimden, die junge Frau muß zweifel- los im Schlafe vom Tod überrascht wordeit sein. Der Mörder hatte, als das Verbrechen entdeckt wtirde, Werder bereits verlassen. Der Thäter hat sich dann der Behörde in Potsdam s c I b st g e- fi_c l l t. ES ist der am 18. Dezember 1375 zu Ober-Langheisersdorf in Schlesien geborene Hennrnrn Kälberte, lieber die Ursachen der grausigen That fehlen noch nähere Nachrichten. In der Angelegenheit wird weiter folgendes berichtet: Der Arbeiter Hermann Köbcrle diente früher zwei' Jahre lang als Meier auf dem Gute von Fritze in Töplitz. Nach Ableistung seiner Militär- dicnstpflicht kam er nach der Gegend von Schweidnitz und heiratete bort seine jetzt ermordete Frati. Da er in Schlesieii keine Stellung fand, so kehrte er nach Brandenburg zurück und wandte sich a» Freitag in Werder, der ihm Beschäftigung in Damsdorf ver- mittelte. Wie jetzt eunittelt ist, versetzte Köbcrle seine Uhr erst nach der That. Nachdem er für seine Frau den Kosicr bestellt hatte, sah er auf dem Gehöfte von Jacob ein Weilchen dem Schweineschlachtcn zu und ging dann zu dem Althändler Bcrger. Hier nnterhielt er sich eine zcitlang mit der Iran und hatte seine Freude an den Goldfischen Bergers. Erst »ach einiger Zeit bot er seine Uhr zum Versetzen an und wies sich dabei durch seine Militärpapiere aus. Während nun die Polizei»ach Bekanntwerden der That eine andere Spur verfolgte, wandte sich der Mörder dem Bahnhofe zu und kam dort kurz vor Abgang des Zuges an. Unbehelligt fuhr er nach Potsdam, wo er sich später der Kriminalpolizei selbst stellte. Seiner Darstellung nach hat er seine Frau umgebracht, wesi sie das Kind erwürgt hätte. Er sei darüber mit der Frau zunächst in Streit geraten und habe sie dann mit den Worten:„Wer Menschcnblnt ver- gießt, deß Blut soll wieder vergossen werden", mit seiner Hemden- fchiiur erdrosselt. Dieser Darstellung widerspricht schon der Befund. Beide Leichen lagen cniltcidet ans dem Rücken im Bette. Nichts dnnet auf einen vorausgegangene» Streit und Kampf hin. Eine andere Frage ist die, ob Köberle geistig gestmd ist, oder nicht viel- leicht in einem Anfall religiösen Wahnsinns gehandelt hat. Vom öffentlichen Arbeitsnachweis der Stadt Rixdorf bcr- laugten im Monat Dezember 1899 70 Arbeitgeber insgesamt 133 Personen, darunter 12 weibliche und 2 unter 16 Jahren. Im besonderen wurden verlangt 1l gelernte Arbeiter. 108 sogenannte gewöhnliche Arbeiter, 4 Dienstmädchen und 8 Arbeiterinnen. Es wurde Arbeit gesucht von l44Personc», darunter waren 17 weibliche und 9 unter 16 Jahren. Die Arbeitsuchenden zerfielen in 20 Hand- werker. 93 andere Arbeiter, 2 Dienstmädchen, 6 Fabrikarbciterimie», 9 anderen Arbeiterinnen. Von den 144 Arbeitsuchenden erhielten 132 Arbeit nachgewiesen. Von den 17 weiblichen Personen wurden 7 untergebracht.— Tie Bemitzmig des Arbeitsnachweises, welch letzterer sich Steinmctzstr. 7 befindet, ist kostenfrei. GeviMs-Zvikung. Tie bekaunte Schönebcrgcr Schnlaffaire, bei welcher es sich um die Durchpnigcluiig des Knaben Fischer durch den Lehrer Richard und den Tod des Knaben Fischer handelt, bc- schäfligte gestern wieder die zweite Straflammer des Land- gcricht's l in einer bi? zum späten Abend ausgedehnten Sitzung. Durch Urteil der 2- Straflammer des Landgerichts II vom 28. März vorigen Jahres waren der frühere Redacteur des„Schöncberger Tageblattes" Hugo Brüning und der Schriftsteller A l w i n Vor m eng wegen öffentlicher Beleidigung durch mehrere im „Schönebergec Tageblatt" veröffentlichte Artilcl verurteilt worden, pnd zwar Brüning zu 500 Marl Geld st rase eventuell 50 Tagen Gefängnis, V o r m c u g zu 3 0 0 Mark Geld- st rase eventuell 30 Tagen Gefängnis. Das Gericht hatte anerkannt, daß der Lehrer Richard das Züchtigungsrecht über- schritten und der Tod des Knaben Fischer in mittelbarem Zu- saminenhange-mit dem ganzen Züchtigungsakte gestanden habe. Auch bezüglich des Lehrers Kahre hatte es der Gerichtshof für erwiesen erachtet, daß das Züchtigungsrecht überschritten worden sei. Der Gerichtshof hatte den Angeklagten Brüning für verantwortlich er- klärt, obwohl dieser nachgewiesen hatte, daß er zwar noch als ver- antwortlicher Redacteur auf der betreffenden ZeitungSnnnimcr ver- zeichnet stand, thatsächlich aber nicht mehr die Red'aktionsgeschäfte besorgte. Den Schutz des tz 193 hatte der Gerichtshof dem Angeklagten Brüning abgesprochen, indem er eS nicht für ausreichend erachtete, daß Brüning Bürger von Schöneberg sei. Dem Angeklagten Vormeng war der Schutz des§ 193„als Vater schulpflichtiger Kinder und Einwohner von Schönebcrg" an sich zugebilligt worden, der Gerichtshof meinte aber, daß daS Vorhandensein bau Beleidigungen ans der Form der Aeußerungen und ans den Umständen, mitcr denen sie geschehen, hervorgehe. Ans die vom Rechtsanwalt Hugo Sachs eingelegte Revision' hat das Reichsgericht letztere Aus- führniigen nicht für zutreffend erklärt, da die Strafkammer dem Angeklagten ausdrücklich eingeräumt habe, daß der Angeklagte den Vorwurf der Brutalität' inhaltlich erheben durfte.„Wollte aber der Borderrichter das Vorhaiidenfeiu einer Beleidigung gleichwohl annehmen, so mußte er angeben. mit weicht anderen Worten der an sich strafbare Inhalt hätte ausgedrückt werden sollen. Bezüglich des Brüning hat das Reichsgericht ausgeführt, daß der Vordcrrichtcr die preßgesetzliche' Verantwortlichkeit des Brüning nicht dem Gesetze entsprechend festgestellt und auch die Frage der Zübillignng des H 193 nicht eingehend genug geprüft habe. AuS diesem Grunde hat das Reichsgericht das ganze erste Urteil auf- gehoben und die Sache an die Strafkammer des Landgerichts I ver- wiesen. Die Verhandlung leitete Landgerichtsdirektor K ä l l e r, die An- klage vertrat Staatsanwalt D i e tz. die Verteidigung führte R.-A. Hugo Sachs, als Nebenkläger war Lehrer Richard zur Stelle. Als Sachverständige waren Äreiswundarzt Dr. Pfleger, Sreisphysikns Dr. Elten. Dr. med. L i n d n e r und Dr. med. Herzfeld geladen. Da die gesamte Beweisanfiiahnie wiederholt werden mußte, waren zahlreiche Zeugen, darunter auch viele Schulknaben, wieder vorgeladen worden.' Die Beweisaufnahme ergab in allen Einzel- hcit'en dasselbe Bild wie bei der vorigen Verhandlung. Nach Schluß der Beweisanfnahme beantragte Staatsanw. D i c tz die Freisprechung des Angekl. Brüning ans Rechtsgründen, dagegen die Äeinrteilmig des Angekl. Bormeng wegen Beleidigung aus Z 186 in zweil den Lehrer Richard mid Rektor P i e p k c betreffenden Fällen. Es sei nicht nachgewiesen, daß der Tod des Knaben Fischer direkt ans eine Thätigkeit des Lehrers Richard zurückzuführen sei, es handle sich viel mehr um einen unglücklichen Zufall, als um einen Akt der Rohheit, viel mehr um Mißgeschick, als um Brutalität des Lehrers Richard, der durch feine an sich geringfügige Züchtigung den Tod des Knaben nicht verursacht habe, ES sei auch nicht ivahr, daß der Rektor Piepkc sich bei der Feststellung der Thalsachen einer Vcrnachlässignng seiner Pflichten schuldig gemacht habe. Unbedingt habe der Angeklagte Borineng sich in Wahrnehmung berechtigter Interessen befunden, aber diircti die gc- brauchten uiibercchsigtc'n Ausdrücke habe er sich in zwei Fällen der Beleidigung schuldig gemacht. Der Staatsanwalt dea». ragte eine Geldstrafe'von 200 M.' Der Verteidiger, Rechtsanwalt Hugo Sachs, sprach seine Ver- Ivimdertmg darüber ans, daß die Aiillogc auch in materieller Beziehung aufrecht erhalten werde, trotzdem im ersten Erkenntnisse deutlich ausgesprochen sei, daß der Tod des Knaben Fischer eine mittelbare Folge der ihm angcthäiicn Züchtigung gewesen sei. Ter Verteidiger führte sodann aus, dag der Lehrer Richard das Züchtigungsrecht in grober Weise überschritten habe und es unmöglich als eine Beleidigung angesehen werden könne, wenn dessen Handlungsweise in dem beaiisiaiidctcn Artikel als„brutal" gekennzeichnet worden sei. Habe der Vorder- richtcr doch selbst den Ausdruck„roh" gebraucht. Auch dein Rektor Piepke sei der Vorwurf nicht zu ersparen, daß er cS unterlassen habe, pflichtgemäß gegen sciiicu llntergebenen einziischrciteü. Der Ver- tcidiger hielt weder objektiv noch subjektiv eine Beleidigung für vor- liegend und bat um Freisprechung auch des Angeklagte» Vonneng. Der Gerichtshof nahm die in dem b e a n st a n d c t e u Ar- t i k e l a» f g e st e l t t e u Behauptungen als erwiesen an, besonders, daß der Tod des Knaben Fischer eine mittelbare Folge der erlittenen Züchtigung gewesen sei, wenn auch angenommen werde, daß der Lehrer Richard nur fahr- lässig gehandelt habe. Dem Angeklagten Borineng stehe allerdings der Schutz des§ 193 zur Seite, es frage sich nur, ob er sich anders hätte ausdrücken können. als er gethan. Inhaltlich sei der Angeklagte berechtigt gewesen, den Ausdruck„brutal" zu gebrauche», denn der Gerichtshof habe kein anderes Wort gefunden, durch das der Angeklagte seine Empfindung habe ausdrücken kömicit. Auch in dem Vorwurf gegenüber dem Rektor Piepke könne eine Beleidigung nicht ge- funden werden. Die Angeklagten seien deshalb beide frei- gesprochen worden. Die Kosten fallen der Staatskasse zur Last. VovsKttttnlungen. Zur Lohnbewegung der Bauauschlägcr. Wie die Lohn- kommission in der gm besuchten Versammlung, die gestern vormittag bei Buske, Grenodicrstraße, tagte, berichten konnte. ist der gegen- wärtige Stand der Lohnbewegung cin durchaus günstiger, 72 Firmen haben bereits den mifgestellteit Lohniarif im vollen Umfange unter- schriftlich anerkannt und arbeiten bei diesen mindestens 150 Anschläger zu den neuen Bedingungen. Eine Anzahl Unternehmer. welche die Bewilligung mir miler' bestimmten Bedingungen zugesagt hat. ist hierbei nicht einbegriffen Am Mittwoch hat die Lohnkoinntission mit der Kommission von der Jtiming verhandelt und sind auch bei diesen Ver- haiidlimgen, die allerdings noch nicht zum Abschluß gelangt sind, seitens der Jum'ing schon wesentliche Zilgestäudnissö gemacht worden. Unter anderem ist in den Einsiihnmgsbestiminungen festgesetzt, daß die tag- kicke Arbeitszeit höchstens 8 Stunden betragen soll und daß Licht- und SoimtaaSnrdcit nur ausnahmsweise in dringende» Fälle» gc- stattet ist. Bei Tagclohnarbeit wurde der geforderte Stundenlohii von 65 Pf. bewilligt. Zu Freitagabend ist wieder eine gemeinsame Sitzung anberaumt, in der auch über die aufgestellten Aeeordprcise deö Tarifs verhandelt ivird. Um eiiicm gütlichen Ausgleich bei den Verhandlungen in jeder Weise entgegenztikommcn, beschloß die Versammlung nach längerer Diskussion, einige von der Innung gewünschte Abänderungen der Forderungen, so daß voraussichtlich die Beratungen ein für beide Teile zufriedenstellendes Resultat zeitigen werde». Nach dem Bericht der Revisoren wurden für den Streikfonds im Quartal Oktober bis Dezember 917,50 M. � vereinnahmt und 160,80 M. verausgabt. Auf grund eines Beschlusses der letzten Versammlung ist jeder zu den neuen Bedingungen arbeitende An- chlagcr verpflichtet, pro Arbeitstag 50 Pf. an den Streilfonds ab- zuführen. Die nächste Versammlung, in der auch die Höhe der Unterstützung für die Streikenden festgesetzt werden wird, sindet am Montagabend 6 Uhr bei BuSle statt. Stralau. Am 31. Dezember v. I. tagte im Saale dcS Herrn Gursch hier eine Parteiversammlung, in der folgende Anträge zum Qrganisationsstatut angenommen wurden: 1 Ucber den ganzen Kreis Nie'derbarnim ist ein Eentral-Wahlvcrcin zu gründen, um eine einheitliche Organisation zu schaffen. 2. Zur KreiSkonfereuz kann jeder Ort bis drei Delegierte, die in öffentlicher Parteiversammlung gewählt werden, entsenden. Jedoch müffcn die Delegierten politisch und gewerkschaftlich(letzteres, wenn in dem Gewerbe der gewählten Dcle- gierten eine Organisation besteht) organisiert sein. Zu Delegierten für die KreiSkonfereuz wurden Emil BcrnSdorf, Karl Zicglcr und Bensch gewählt. WaidmantiSlust. Hier tagte am 31. Dezember eine Volks- Versammlung zwecks Stellungnahme zur KreiSkonfercnz. Genosse Radccke gab' einen Ueberblick aus die politische und ökonomische Eni- Wicklung Prentzen-Deutschlands im letzten Jahrhundert. Zu Tele- gierten zur Rrciskonfereuz wurden Blümcl, Adam und Rippin ge- wählt. Zur Vorbereitung der Gemeindcbertreter-Wahlcn in Dalldorf wurde ein Wahlkomitce gewählt. Der Vertrauensmann fordert zur regen Agitation auf, damit das neue Jahrhundert dem überall sieg- reich pordringenden SocialismnS gehöre. Mit einem dreifachen Hoch ans die Partei ivird die Versammlung geschlossen. Freireligiöse Gemeinde. Sonntag, den 7. Jonnor, vorm. SV- Uhr, im oberen Saal des„Englischen Garten S", Alepanderstraße 2ic; Versammlung. Freireligiöse Vorlesung. Um Ibs/, Uhr vorm. ebendalelbst: Vortrag des Herrn Dr. Bruno Wille:„Das Batcr-Unscr. III; Unier täglich Brot gieb uns heute." Gäste, Damen und Herren, sehr will- lomme». Socialdemolratischer Zlqitationsvercin für de» Reichstags- Wahlkreis Stralsnild-Aranzbnrg-Riige». Sonntag, den 7. Januar, vorm. 19 Uhr: Generalversammlung bei Mörschel, Jüdenstr. 33/39. Tirigenteuverdand für Berlin und Nmgcgcud. Sonntag, den 7. Januar, nachm. V/> Uhr: Schling im„Rofenthaler Hos', Rosenthaler- straße 11/12. Herr Musikdirektor Max Batike: Vortrag über eine neu- Methode, vom Blatt singen zu lernen. Vereiuskalender. Zlrbeiter-Söugerbund Berlins und der llmgegend. Vorsitzender Richard Thate, Schönebcrg. Grunewaldstr. 99. Alle Aenderunge» im Vereins- lalender sind zu richten au Otto Jsaack, Strelitzcrstr. lö Hos II Soiiiiabcnd. abends 9—11 Uhr: UehuiigSstmide und Ausnahme neuer Mitglieder.— „Lyrania", Gäbet. Landsberger Allee IZö.—„Sanges- Echo",«cholz, Nannmlstr. 6,-„Immergrün", Tegel, Rentner, Spandanerstr. 13.-„Glück zu". Loriich, Pankftr. 32/-,— IG/z Uhr abends. Deutscher socialdemokratischer Leseklub in Paris. Cafe Le Procopo, Rno de l'Aneiemtc-Comvdie 13. Jeden Sonnabend öffentliche Ver- sammlung; reiche Bibliothek, Zeitungen, französischer Unterricht. London. Der einzige hiesige socialdemokr. Verein Londons, der alte, von Karl Mav: und Friedrich Engels 1846»litbegründeie Kommunistische Arbeiter-Bildungsverein befindet sich nach wie vor 49 ToUenham Street, Tottenkam Court Rd., W. London. Alle Anfragen in gewerkschaftlichen und parteigenössischen Zlngelegcnheiten sind an vorstehende Adresse unter Bezcich- nung:„An den I. Sekretär" zu Händen des Vereinsvorstaudes". zu richten. Verein Vorwärts. Johannesburg(Transvaal). Bereinslokal Progretz-Bierhalle, Lorner of Marshall and«mall Strcct. Vevmififskes. Grubcnkatastrophcn und fei» Ende. Der Kohlenschacht „Espcnhain" bei Borna ist gestern zusammengestürzt. Drei Per- so neu wurden getötet, fünf andere sind gerettet worden. Der Zusammenbruch' erfolgte bei der Herstellinig des Nanmcs für das Schachtmaucr- Fundament infolge einer Lockerung der darüber befindlichen Zimmermig. Die Anlage war vor dem Unglück in tadellosem Zustande. Eine bergpolizeiliche Untersuchung ist im Gange. Tic bei der Eisenbahn- Katastrophe in Bischweiler gc- töteten Postbeamten heißen Benecke, Merkel und Wenger; sie sind sämtlich aus Straßburg. Der Materialschaden ist sehr bedeutend. Die Berlin- Frankfurter Post wurde ein Opfer der Flammen. Der Heizer Lcchner ist ebenfalls bereits seinen Leiden erlege», das Be- finden des Lolouiotivführers Banmgärtner ist hoffnunaSloS. Der Weichensteller Brenner, der die Weiche auf Geleise 4 statt auf 6 stellte, ist verhaftet. Er ist verheiratet und Vater von vier Kindern. Die Leichen der drei verbrannten Postbeamten sind bis zur llnkemit- lichkeit verkohlt. Die verkohlte Hand einer Leiche wurde etwa 100 Meter von der llnglückSstätte gefunden. Von den Passagieren ist mir eine Dame leicht verletzt. In Lengcnfcld i. Boigtl. sind am Mittwoch drei Mädchen e r s ch o s s c ick aufgefunden worden, deren Persönlichkeit gestern fest- gestellt wurde. Es find die 21jährige Tochter des dort wohnhast gewesene» Korbmachers Draesse und zwei Töchter dcS Lokomotiv- sührers Richardt aus Leipzig. Die Draesse hat erst die beiden anderen und dann sich selbst erschossen. Das Motiv der That ist unbekannt. Tampfernuglück. AnS London wird gemeldet: Ein Tele- gramin ans Guernsey meldet: Der der„Großen Westbahn" gehörige Postdampfer„Jbex" stieß Freitag früh 6 Uhr bei St. SampsonS, nördlich von Guernsch, ans einen Felsen auf. Die Fahrgäste, durch den furchtbaren Krach aus dem Schlafe geweckt, stürzten auf Deck und fanden, daß der Dampfer langsam sank. Es wurden alsbald die Rettungsboote zn Wasser gelassen und die RettungSgürtel verteilt und so gelang es. alle' Passagiere zu'retten. Ein Matrose ist ertrunken. Normalmaß in der Pferdebahn. Das„Wiener Frcnidcn- blatt" mcldgt: Der neue Pferdebahntarif ist mit dem Neuiahrstage in Geltung getreten. Er brachte u. a. eine Neuheit, die viel Heiter- feit erregte:'DieKt itder m e s s u n g im Pferdebähnwagen. Kinder unter 1.3 Meter Größe zahlen nämlich nach dem neuen Satz für alle Fahrten, sowohl an Werk- wie Feiertagen bloß zehn Heller. Zu diesem Zwecke ist an der Eiiigangthüre ein Messingplättchen angebracht, welches das Durchschnittsmaß von 1.3 Meter bezeichnet. Sowie ein jugendlicher Fahrgast den Wage» betritt, wird er vom Schaffner unter das Maß gestellt; ist er klein gewachsen, braucht er bloß die halbe Gebühr zu entrichten, sowie er aber daS Durchschnitts- maß überschreitet, wird er den Großen beigezählt. Es kam hierbei am ersten Tage des neuen Tarifs zn recht drolligen Sceitcn. Die kleinen Fahrgäste wollten sich zu dieser Abmessung ihres Wuchses nicht alle bequeme»: einzelne erhoben sogar dagegen Einspruch und mußten für die komische Neuerung erst durch gütliches Zureden ge- Wonnen werden. Auf der Ringstraße stieg sogar ein KnirpS lieber ans, ehe er sich unter daS Pferdebahnmaß stellte. De» sccefsionistischcn Weihnachtsbaum besingt daS„Fllustr. Extrablatt" in folgende» scherzhaft- farbenblinden Strophen: O Tannenbaum, o Tmmenbanm.— Wie blau sind Deine Blättert— Die Aeste rosahell erglnhsii.— Die Nüsse strahlen hiinmelgrün...— O Tannenbaum, o Tannenbaum.— Wie hast Du Dich verändert!— O Taimcnbaum, o Tannenbaum.— Wie gelb find Deine Blätterl— Die Reiter all' aus Marzipan.— Die haben keine Hosen an;— Die Puppe dort an ihrer Schnur— Gleicht einer Sektplalatfigur... — O Tamienbaum, o Tannenbaum,— Wie gehst Du nach der Mode!— O Tamienbaum, o Tannenbaum,— Wie rot sind Deine Blätter!— Sogar Dein Stamm zum Gaiizen stimmt,— Man hat ihn zeitgemäß gekrümmt;— Jetzt kannst Du kaum mehr aufrecht steh».— Doch bist Tu stilvoll anzusehn...— Q Tannenbaum, o Tannenbaum.— Was bist Du für ein Gigerl I Briefkasten der Redaktion. Tie juristische Sprechstunde findet� Montag. Tienstag und Freitag von 6-8 Uhr abends statt. Scholz. Der Brief ist an die Orts-Krcnilenlasse der Tischler g-gapgen. da Ihre Privatadresse nicht angegeben war. Kollers Tiergarten 1064. Der Kaus kann von den Gläubigern an- «icfoane», der Vater zum Zengencide vcraulaht ttetben.— E B. 38. Da in nichts zu machen. Unbcgrüubeten polizeilichen und privaten Verdacht muh jeder Staatsbürger sich gefallen lassen. Das Mädchen thut vielleicht gut, den von Ihnen geschilderten Sachverhalt zu den Alten, in denen sie vernommen ist, anzuzeigen.— W. G. 3. Der Vater bedarf keinerlei Genehmigung zur zweiten Derheiratuirg.— Ernst Bock. Sic kann das vereinbarte Gehalt beim Amtsgericht einllagen, sonst nichts. M. S. S. 74, L. O.» Znbeschcid. Nein.— G. Sl. Wenn ein Testament vorliegt und nicht etwa irgend ein Privatvcrtrag: l. Ja. 2. Nein. — Buth. Sie müssen eine �öffentliche Ladung beantragen und ans Ehe- schcidung klagen. Sprechen Sie gelegentlich in der Sprechstunde vor.— K. 8.24. 1. und 2. Nein. 3. Die Geburtsurkuudc.— U. W., Rixdorf. 3. Ja. 2. Die Bestimmung geht dahin, dast bei Behinderungen„für eine veMltnismästig nicht erhebliche Zeit" Lohn zu zahlen ist.— A. K., Tilsilerstp. 48. Sie. stich klebe- und kranlen-versicherungspslichtig.— 2l. S.' Derselben Klasse.— W. H. Erscheinen Sic in der Sprechstunde. — K. R. Die Mutter Und die Geschwister erben: in welcher Weise richtet sich danach,>vo der Bruder gestorben ist.— O. S. 74. Nein.— L. N. 100. Wenn Sie kein gemcinschasllicheS Testament machen, so würde Ihre Schwägerin die Halste des Gesammtguts erben.— H. G. 77. l. Ja. 2. DaL Bürgerliche Gesetzbuch ändert die Bestimmungen Ihres Miels- Vertrages in kemer Weise. 3. Ja. 4. Sie müssen die Kontrollveriami»- lungen besuchen. Sie können noch bis zu Ihrem 25. Lebensjahr ein- gezogen werden. 5. Ja, der Klagewcg mühte beschritten werden. 6. Ja, — K.-S. Dunckerstr. 3.»In demselben Umfang wie vordem, d. h. wenn sie- für einen Arbeitgeber arbeiten, sind Heimarbeiter klcbcpflichtig. Kairo. Bei Kahira(ägyptisch-arabisch) liegt der Ton auf der zweite» Silbe. Kaire ssranzöstsch), gesprochen Kär. Ju der Livante von den Deutschen allgemein Kairo, d. h. zweisilbig, mit dem Tone aus der ersten Silbe, ge- sprochcn._ Marktpreise nott Berlin am 4. Januar 1000 nach ErmiMlingen des kgl. Polizeipräsidiums. D.-Ctr. 15,10 14,70 13,90 15,20 14,30 13,50 4,32 Ä: 45,- 70,- 7,- 3,60 1,20 Tonne 14.- 13,80 13,— 14,40 13,60 12,80 4,- 4,60 25,— 25,- 30,- 5,- 1,20 1,- von 60 stück 1kg »fWeizen �Roggen Ftttlcr-Gerste„ Hafer gut. „ mitlel. . gering,„ Nichtstroh, Heu p) Erbsen,, psSpeisebvhne»„ tA'uiicn, Kartoffeln, neue Ruidileifch, Keule 1 kg do. Lauch„ •) Ermittelt pro wirtschastSkammer— NotierungSstelle— Präsidium für den Dvppclcentner. -f) Kleinhandelspreise, P r o d u k t e u m a r k t vom 5. Januar. Aus dem Getreidemarlt herrschte heute vollständige GeschästSlosiglcit. Holland meldete heute feste Tendenz Schwciiicsieiich Kalhsieisch Hammelsieisch Bnttcr Eier Karpfen Aale Zander Hechle Barsche Schleie Bleie Krebse lkS per Schock 1,60 1,70 1,60 2,60 6,— 2,20 2,80 2,50 i'eo 2,80 1,40 12,- 1,10 1- 1,- 1,20 1.40 1,10 1,- 0,80 1,40 0,80 3,- dcr Ceniralstelle der Prenst. Land- und uulgercchnct vom Polizei- für Roggen.— Im übrigen boten die aus den, Auslande vorliegenden Nachrichten keinerlei Anregung. Paris bleibt dauernd matt, in Amerika schloffen die Preise»ach wenigen unwesentlichen Schwanlnngkn wenig per- ändert. Am hiesigen Markte wurden kaum irgend welche Abschlüsie belannt. doch halten die Abgebcr aus Preise und Weizen und Roggen konnten sich nominell gut behaupten. Vcrschärit wurde die Gcschästslosigkeit dadurch, daß die ruisischcn Märkte wegen des dortigen WeihnachiSsesteS geschlossen waren. Hafer lag still, aber behauptet, da das Angebot»ich! groh ist; Rüböl unverändert.— Am Spiritus marlt wurde ein Posten 70er mit 47,40(—0,10) gehandelt.)________ «PttterungSiidersich» vom S. Januar iKvl», iiiorgenS 8 Nhr. Stationen S-e 52 8)- Swinenidc Hamburg Lertin Wiesbaden Mwlcheu Wien Z Z Willer a--- II s � 7o7-NO 756 iStitl - 55.iitill 754!SSW 752 W 752 ,'SW I 4bedeckt -;91ebcl -.Nebel 2bcdcckt 4 Schnee 2, Nebel Siationen Haparanda Petersburg Eork «berdee» Paris 768 O 763�1� 764 NW 756sN Witter Sbedeckt 3 heiter Lhcdeckt I.Dunst w s 5 e» .5L& — 15 twctler-Proguvse für Sonnabend, den 6. Jonnor 1900. Etwas kalter, ziemlich trübe und nebelig mit leichten Schncesällen und mäßigen nordöstlichen Winden. Berliner W«t ier du reo».' Heute wurde uns ein Solln ge- 1 I(•% 0iir den Inhalt' der Inserate libcrniiiliiit die Nednktion dein Publikum gegenüber keinerlei Beraniwortnng. Dlicnkev. Sonnabend, 6, Januar, Opernhaus. König Drosselbart. Slavifche Brautwerbung. Ansang 1\i, Uhr. Schauspielhaus. DaS Winter- märchen. Ansang 7>,lz Uhr. Ternsches. Der Vielgeprüslc. An- fang 7>/z Uhr. Lessing. Als ich wiederkam... Ansang 7Vj Uhr. Berliner. DaS verlorene Paradies. Anfang 71/2 Uhr. Nachm. 3 Uhr: Frau Holle. Schiller. Das Kächchcu von Heil- bronn. Ansang 8 Uhr. Neues. Hofgnnst. Anfang?r/z Uhr. Westen. Der Freischütz. Anfang 7'/, Uhr,... � Nachmittags: Schnecwcißchen und Rosenroih. Thalia. Im Himmelhof. Anfang 7>/, Uhr. Rcfidcuz. Busch und Rcichenbach. Vorher: Die Richtige. Anfang 7>/z Uhr. Luise». Arme Reiche. Ans. 8 Uhr. Erntral. Die Geisha. Ans. 7>/z Uyr. Carl Weist. Kinder der Hölle. An- sang 8 Uhr. Nachm. 4 Uhr: Dornröschen. Bictoria. Die Venns von der Markt- halle. Niifang 7r/, Uhr. Friedrich- WilhelmstadtischeS. Im weißen Nöb'l oder: AIS ich wiederlam... Anfang 8 Uhr. Belle> Zllliance. Gastspiel dcö Schliericer Banern- ThcatcrS. ! Der Amerikaseppl. Ans. 8 Uhr, Metropol. Spcciatitätenvorstellung, Die verkehrte Welt. Ansang 8 Uhr. Apollo. Specialttälen- Vorstellung. Im Reiche des Jndra. Anfang 7-/- Uhr. Reichshalle». Sletllner Sänger. Anfang 8 Uhr. Palast. S'eiitc von heute. Specioli- täteu-Vorstellnng. Ans. 8 Uhr. Pasiage- Palioptitnm. Speciali- lälen-Borstellttlig. Urania. Jiivalidenstr. 67/62. E«glich abends von 5—10 Uhr: Slerninartc. Tanbcnftr. 48 49. Professor William Ramsay aus üoudon: „Die Ersorschuug der Atmo- sphäre". Anfang 8 Uhr._ CWtrÄMr (Wallner-Theaicr). T 0 i! n a b c II d. abends 8Uhr: Da» KiltsteZieii von IloNdvonn. Großes histor. Ritterschauspiel in 5 Akten von Heinrich öon Kleist. So 11 11 t 0 g, nach mit tags 3 Uhr: V. Vorstellung im Schiller-Eyklus: VaIIvn»tel»» Lager. Die l'lccolonilnt. Ä d e n d s 8 Uhr: A'ora. Montag, abends 8 Uhr: In llelrandlang. Palast-Theater fiüher I'ccn-Palast, Burgstr. 22. Das große wunderbar neue .1 a n a a r- P r o gr a m in. NM"»0 Künstler.'T&Q u. a: Miagara-Trlo. The Osadasan, Felicitas- Tiuppe, Bondlx, Prevostl-Compagnie, V/ardlnls, William Latoure, Massoni. Um SV, Uhr; Dir. Wilh. Fröbel in dem nnrergleichlichen Vallsstück Leute voll Deute. Nach Schluß der Barstcllring: Gcsellschaftsabend und Tanz. Ljeiuchcr der VonieUung: Frei Tanz. Anfang 7V, Uhr. Tanz 11 Uhr. Entrec: Vorstellung und Tanz 50 Pf. Ehren- u. Vorzugstarten sind gültig. ilropol-teter Behren-Strasse 55,'57. !! Heute!! Sonnabend, 6. Januar 1900 Erster grosser Meiropol-Theater- Masken-Ball. Anfang 10 Uhr abends. Urania TaiilieiiHtrassc 48/49. Im Theater abends 8 Uhr: Professor William Ramsay aus London über: Die Erforschung der Atmosphäre. Ina alideiistr. 57/02: Tägl. Sternwarte. Nachmittags 5— 10 Uhr. ■Passap-Panopticiii.' Noch nie dagewesen: Sascha hebt mit den Haaren bis 300 Kilo Anatomisches Museum Dienstags für Damen. Golf von Keapcl(letzter Monat vor der Ueberfühning nach London). Speclalitäten-Vorstellung von 7— lO1/. Uhr. 5*" CASTANS■» PANOPTICUM Gr. Weilmaclits- Ausstellung mit Berliner Weihnachtsmarkt (Schlossplatz) Im 18. Jahrhundert. Im Thoator-Saal: Z Sudare IIa. Die dVelhnachts-Bescherung. Die hellige Familie. Konzert einer Damenkapelle. Der Wunderhund„Schimmel". Die Boeren.■■ Gptttl.nl Thontou Direktion: Jose Ferenoiy. g»?- Nur noch kurze Zeit!-WG D i o G o i s l) n. Anfang 71/, Uhr. Morgen und folgende Tage: Tie- selbe Vorstellung. Soiinrag. nachm. 3 Uhr, zu halben Preisen: Boeeaeelo von Franz u. Supvo. Tbalia-Theater. Tel. AmtIVa 8440. Oresdonerslr. 72/73. Täglich: Noch nie dagewesener Posscn- Lacherfolg l In» Himmelhof. Hauptrollen: Emil Thomas, Guido Thielscher,. Fritz Hclmerding, HanS Junkeriiian», Herbert Paul- Müller, Marg. Araiep, Ada Milani, Valerie Schäffer, Ansang 7>/.. Uhr, CarlWeiss-Ilieater (Hr. Friinksnrterstraste IS'J. Kinder der Hölle. Ansstaituiigsposse mit Gelang in drei Akten kfüns Bildern) von Rich, Heising und Paul Free, Musik von A. Wicher, Anfang 8 Uhr. VorziigsbilletS haben Gültigkeit. Im Tunnel von 7 Uhr an Frei- Konzert.— Morgen: Dieselbe Vor- stclluiig.— Nachm. 4 Uhr Kindcr-Vor- stellung zu kl. Preisen: Tornröschen. VipKus Alb. Schumann. Heute Sonnabend, den 6. Januar, abends präcifc 7'/, Uhr: g. Grande Soiree High Life. Gala-Programm. Austreten sämtlicher neu cngagierier Künstler. U, a,: Neu! Zum erstenmal in Europa, Neu! Aus dem Reiche des Mikado! Die phänomenalen I» Akimotos 12 Die neuesten ulierreich t dastehenden Original-Drcssurcn des Direllois Alb. Schumann. Zum Schluß zum 49. Male: Der c r st c Schlager der Saison! Größtes Ritterschaustück � � Schwarz und WeiH mit neuen Einlagen. Sonntag: 2 Vorstellungen. Nachm. 31/z Uhr und abends 7V, Uhr. In beiden Vorstellungen: Die 12 Akimotos. Nachmittags auf allgemeines Ver- langen die reizende Ausslattungs- vaniomimc: Im Weihnachtsbazar. Nachm. I Kind frei aus allen Plätzen, Susvk. Heute Sonnabend, den 6, Januar, abends 71/. Uhr: Slxh Lilfs Eveningr. Zum 68. Male: l>le Cauiorra. Von der gesamten Presse als das größte und iuttressanteste SensationS- sckiaustück deS Jahrhunderts anerkannt, Außerdem: Polo-Spielc zu Pferde, Quadrille aich der Zeit Friedrichs des Großen, geritten mit 12 Schul- pserdcn. Die S Tlgee-Graslen vom Stamme der Mangbattu aus dein Innern von Central-Afrika. Bicycle- EinholungS- Rennen! l Miß Lala Lee, Schulreiterin. Dir. Basel» mit seinen bisher unerreicht da- stehenden FrciheitS-Trcssurcn Morgen Sonntag, den 7. Januar: 2 große Vorstellungen, Nachmittags 4 Uhr hat jeder Erwachsene ein Kind unter 16 Jahren frei, weitere Kinder unter w Jahren zahle» halbe Preise ans' allen Platzen mit Ausnahme der Galerie, abends iedoch volle Preise, Olympische Spiele.— Abends 7Vz Uhr: Tie Camorra Apollo-Iheatei'. IM 1 usvr. Kasseneröffn. 6 V.Uhr, Anfang TV, Uhr Relehshallen. Täglich: Stettiner Sänger. Anfang: Wochentags 8 Uhr, Sonntags 7 Uhr, Entrce öO Pfennig, Borverkauf 40 Pf. Grossartig. Programm. Sanssouci Kottbnscratr. da. Heilte geschlchn. Sonntag: Hoffmanns Norddeutsche Sänger. � Nach der Soiree: Tanz kränzchcn. Aselirs fdester Dranlenst»-asse 24. Täglich: Nord und Süd. Operette in 1 Akt von Linderer. .4niia und Brnno BUhrcr, Original-Berwandlungsdiiett, The t»vo Brnckfoord«, Akrobaten, Ansang 9 Uhr., Kasfeiseröffnung 7 Uhr tV. Noaciis Theater, Brnuncnstrabe 16. Friede auf Erde». Lebensbild mit Gesang und Tanz in 3 Akten von Hugo Schulz. Musik von Kersten, Jeden Sonntag. Dienstag und Donnerstag nach der Borstellung: Tauzkräuzchen. Ammenn-Ttotei'. DreSdcnerstr. 96. Dir.: Emil Schnabl. 50- Großer Erfolg!"TWU Berliner Roulotte oder: Direktor Striese aus Reisen. Anfang 8 Uhr. Kassciierösinung 7 Uhr. Sonnabend, den 13. Januar: Erster grostcr Maskenball. An der„zriiilkischc» Tngtspssl" in Niimberg ist bis I. April d. I. die Stelle eines ersten Redactenrs zu besetzen. Partcigcnoffen, die schon in ähnlicher Stellung thätig waren, wollen unter Angabe der bisherigen Thätigkcit und ihrer Gehaltsarrsprüche Offerte LiS 39. Januar an den Unterzeichneten einsenden. BiS 15. Juni d. I. wird für die Leitung des Berlages obengenannten PartciSlattes auch ein kaufmännisch gebildeter Expeditions-Borstaltd gesucht. Parteigeuoffen, die schon im ZcitungSwcsen Ersahrung besitzen, wollen ihre Offerte mit Angabe ihrer Gehaltsansprüche bis 39, Januar an Konrad.Hertmann, Liiitpoldstraße 0, Nürnberg, einsenden._ (Zahlstelle Berlin.) Sonntag, den 7. Januar, vormittags 10 Uhr, im Pafast", Burg- nnd Wolfgaugstrasicu-Ecke: ,,Feen- llls Tagesordnung: I, Stclliingnahme zur Arbeitsloseii-Unterstntznng. Referent Kall. Klingner. Korreferent Koll, BUskc. 2. Diskilssion. 3. Berbands- angcleqenheitcn, 76/1 Atitgtiedsbuch legitimiert. Kollegen, erscheint zahlreich, die Crledigung obiger Frage ist von cinschneidender Bedeutung für den Verband. Die Ortsveitvaltmig. Verband der Möbelpolierer. Heute abend von 8— 10 Uhr werden in sämtlichen Zahlstellen Beiträge und die Kontrollkarte ciitgegeiigeiioN'.men, Die Kollegen, welche 1899 in den Provinzen alS Polier thätig waren oder über die Lohn- und Arbeits- bedtngungcil AuSlmrst geben köniicn, werden ersucht, morgen, Sonntag, vorunttags 10—12 Uhr Blumenstraße 38 zu erscheinen. Montag, den 8. Januar, abends 8V2 Uhr, in Rixdorf. Hermann- strafte 197: Versammlang. Tagesordnung 1. Vortrag deS Hernr Liiideiiiann über:„Die Naturhcilkuiide zur Lösung der socialen Frage." 2. Dislussion. 3. Bericht über die Differenz bei Laborenz. 4. Verschiedenes. Montag, den 8. Januar, abends SV. Ufjr, Bruiliienftrafte 150: Vcrsainmlnng. Tagesordnung: 1. Vortrag. 2. Diskussion über die Anträge vom Vorstand. 3. Verschiedenes. Den Betreffende», welche noch Schulden beim Verband haben, oder denjenigen, welche Bücher aus der Bibliothek trotz Mahnung nicht abgeliefert, zur Aenntnis, daß, wer dieses bis heute abend 8 Uhr bei H. Schulz, Mcmelerstraße 60s, nicht regelt, dessen Name im Jahresbericht veröffentlicht wird. 145/8 Der Borstand. Veretil der MaWmKkii.izefttr«. Derussg. Berlins und Umgegend, Sonntag, den 7. Januar, nachmittags 5 Uhr, in Golm» Fcstsfilcn, Beuthstr. 20: VerfattttUlUNg. ortrag über TeSla-Maschinen, Verschiedenes, Frage- 138/1 Der Borftnnd. Tagesordnung koste», Vclbittld der in Buchbindereien, der Pupier- und Leder-Galmiteriewaren-Jndttstrie be schüft. Arbeiter nud Arbeiteriiuieu Deutschlands. Zahlstelle Berlin. TienStng, de» S. Januar 1900, abends S'/j Uhr; Mitglieder-Bersammlnng in Peaerstcins oberem Saal» Alte Jakobftr. 75. Tages-Ordnung: 1. Borirag des Kollegen P. 4akn über: ,,An der Schwelle des Jahrhunderts." 2, Wie stellen wir uns zur Gelegenheitsarbeit in Zeitiiiigsdruckereien? 3, Abrechiiiing vom Herbstvergnügen. 4, Bor- bandsaiigelegeuheiteu. Uni zahlreiches und pünktliches Erfcheineu ersucht 23/1 Die ertSverwaltung. 8oetsIdemo!li'al!sejter Vsklterem fiii'IitelntGiiitDSt'sx-M'K'tvÄK'tvInstbvi'K TienStag, de» 9. Januar 1V60, abends 9 Nhr: Götter«!- VorfÄtttinlung in HöslichS Lokal(Schwarzer Adler), Franksnrter Chaussee 129, TageS-Ordnung: 1, Vortrag über Koinmuualwahlen, Rcscrenr: Stadtv, Genosse Qdst. 2. Diskussion, 3. Kassenbericht, 4. Wie stellt sich der Wahlverein zur Ein- sührung des„Vorwärts" in Parteircgie'? 5. Eventuell Wahl der Zeitungs- kommission. 6, Verschiedenes, Wegen der wichtigen Tagesordnung wird jcdcS Mitglied aufgefordert, in der Versammlung zu erscheinen. 14/1_ Der Borstand. Rixdorf— Britz. Sonntag, den 7. Januar, nachm. I Uhr, im Apollo-Theater(TL Saal), Hermannstrafte 48—50: Allgem eine Buchdrucker Berfammlnng. Tagesordnung: I.Vortrag des Kollegen Cdnther über„Jnvali- ditäts- und Altersversichcrimg". 2. Bericht des Delegierten zum Gewerk- schaftskartcll, 3. Neuwahl desselben, 4, Verschiedenes,— Hieraus: Orts, vcreinS-Versainmlung, 1643b Der Ginberufer. UM ffistsäle, Beuttistrassfi 19-20. ag, der 14. Januar ist frei geworden. Sonn Ireptow Karpfenteich, Alte Köpnicker Laudstrafte. Jeden Sonntag: 3459L» Grotzev Dall. — w- Neuer Parkettboden,"MC asfee in Portionstanneu. Für Töpfer. Sandsteine(Rutscher) empfiehlt Hill, E. Marsch, Steimnetzstr. 5.[16566 DriMohlk», V oo Platz Scheffel 60 Pf. /\ J. Fischer, Ostbahn, Brombergerstr.14b. boten, 1/16 Berlin, de» 4. Januar 1900. Dr. A. Blaschko und Frau Johanna geb. Litthaner. Todes-Anzclge. Am 4. Januar morgens 7 Uhr per- schied nach ichwere» Leiden unser Freund und Kollege, der Tisdiler fYann Gelte. Die Beerdigung findet Sonntag» mittag 2 Uhr von der Leichenhalle des EmmauStirchyvss aus statt, s 1660b DI» trauernden Freunde u. Kollegen. Am 4. Januar verstarb nach längeren Leiden unser lieber Freund und früherer Sangesbnidcr Franz Geite. Gesangverein Sorgenfrei nebst Freunden, Di« Beerdigung findet Sonntag, den 7. Jannqr, mittags 2 Uhr, von der Leichenhalle des Emmauskirch- Hofes aus statt, 16585 Allen Freunden u Bekannten zur Nachricht, daß mein lieber Mann, der Gürtler 165Sb Georg Herrmann von seinen laugen, schweren Leiden durch den Tod erlöst ist, DieS. zeigt tiefbetrübt an Frau Julie Herrmunn nebst Tochter,— Die Beerdigung findet Soimlagnachm, 3 Uhr von der Leichenhalle des ParochialkirchhosS am Boxhagcncr Weg ans statt._ sör NeWstt«. ümgegeilh. Xaoi»ruf! Am 24. Dezember v. I., früh IV- Uhr, verstarb unser Mitglied, der Tischler iUIieil Krautwurst. Die organisierten Genossen Weißen- seeS werden demselben ein ehrende» Andenken bewahren, 1657b Ber Vorstand. Danksagnng. Allen. Freunden und Bc- kannten, den CHcss, sowie den I Kollegen der Piano-Fabrik Lehn- Hardt u, Emmer, welche unseren gute» Vater, den Tisdiler H'ilhelni Paletta die letzte Ehre erwiesen haben, sagen hiermit ihren besten Darrt Dl» trauernden Kinder. Danksagung. Für die zahlreichen Beweise herz- lichcr Teiliiahnie bei der Beerdigung meines, fficben.ilnvergcßlichen Mannes u. fürfvrglichctr Vaters, des Arbeiter» HVIIheirn Piper, sage ich allen Frcnndcn und Belannten sowie den Mitgliedern der Hainburger Tischler- lasse, auch für die überreichen Kranz- spenden meinen herzlichen Dank. WItw» Bertha Piper nebst Klnd«m. Dauksaguug. Für die zahlreichen Beweise herz- sicher Teilnahme bei der Beerdigung meiner lieben Frau und die reichen Kranzinenden sage ich allen Verwandten und Bekannten ineinen herzl. Dank. 1666b. Eonia Asinion. Kranken- o. Begrälmiskasse d. Berl. Gürtler n. Bronzenre. (K. H. 00.) Die Beerdigung des am 1. d. M. verstorbene,'. Mitgliedes Gürtler Hugo Pioch findet am Sonntag, d. 7. Jan., nachm. 4 Uhr, von der Leichenhalle des St, Thomaskirdihofcs ouS statt. Uni rege Beteiligung bittet 1661b Der Borstand. Neuer Abendkursus der ..Lleksrs" Montag, den 8. Januar 1966, 8 Uhr abends. 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Zuzug ist fernzuhalten. 1627b DI« Ortuvertvaltanic. Veraulwortlicher Redactcur: Paul John in Berlin. Für de» Inseratenteil veranttvortlich: Dd. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin.