Nr. 7. Abomikments-Kedingunge»: «bonnemenl»-Prel» pränumerando: vterteljährl. 3,30 Ml., monall. 1,10 Ml., wöchentlich 28 Pfg. frei WS Hau«. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntag«. Nummer mit illustrierter Sonntag«- Beilage„Tie Neu« Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: 3,30 Mark pro Quartal. Eingetragen in der Post- Zeitung«» Preisliste für lSlX> unter Dr. 7971. Unter streuzband für Deutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Marl, für da» übrige Ausland s Marl pro Monat. Erscheint lüglich«uster ZA anlag». Vevlinev VolKsbl�tt. 17. Jahrs. Die Inftrtlona- Gebühr beträgt für die fechigefpaltene Kolonel- »eile oder deren Raum«0 Pfg., für polttifche und gewerlfchajtliche Verein«- und Berfammlung«- Anzeigen 20 Pfg. „Kleine Aniclge»" jede« Wort 5 Pfg. (nur da« erste Wort f-ll>. Inserate für die nächste Nummer müssen bis t Uhr nachmittag« in derSrpedilion abgegeben werden. Die Expedition tst an Wochen- tagen vi« 7 Uhr abend«, an Sonn- und Festtagen dt« ö Uhr vormittag« geöffnet Zernsxrecher: Nml I, Er. 1503. Delegramm- Adresse: „Sorialdemolirat Berlin» Centraiorgan der soriatdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: SW. 19, Ventlz-Strafze 2. Mittwoch, den 10. Januar 1900. Expedition: SW. 19, Veuch-Strafze 3. Gnitknng. Im Monat Dezember gingen bei dem Unterzeichneten folgende Parteibeiträge ein: Augsburg, U.. d. G. U. i. St. 20,—. Berlin, Beiträge der Wahlkreise: 1. Kreis 100,—. 2. Kreis 300,—(darunter Be- gräbnisständchen Marien darf 3,83). 3. Kreis KX»,—. 4. Kreis. Osten, 1000,—(darunter„Frei Wort" durch amcrik. Auktion 5,70). 4. Kreis, Südost, 1000,—(dar. vierprozentc, Nitterstr. 85. 13,—, Skatklnb fünfzig 15,—). ö. Kreis, Wedding u. Oranienb. Borst., 1000,—(dar. v. Mitgl. der Genvsscnschaftsbäckerei 100,—, von Nordkante 50,—, organisierte Maurer Bleibtreustraße 1,20, vom Flottenvercin in der Gartcnstraste 1.85). 6. Kreis Moabit 248,—(darunter durch Euleufeld a. b. 23 13,—). 6. Kreis Roscnthaler Vorstadt und Gesniidbrnnnen 400,—. 6. Kreis Schönhauser Borstadt 600,—(darunter A. Bellister 1,00). Berlin, diverse Beiträge: Dr. L. A. 50.—. I. N.. Hagelsbergcr- strage LOn 10,15. Jule Ritterstrabc 30,23. Bronze Rittcrstrabe 85 31,80. Bierproz. v. A.W. u. A.L. Alexandrincnstr.27 12,—. Europa-Koller 2,50. Uebersch. v.„Wahren Jakob" v. H. Schröder, 2. Kreis, 7,30. Rote Buchbinder. Erünstrabe. 5.—. L. u. H. B. 10.—. Lübeckerstrabe M. H. 4,—. P. K. 1,—. Sechs Mctallschleifcr von Baer u. Stein 3,10. Bon Mitgl. d. U.-Dr. 3,80. Buchhalter Berger 20.—. Joh. Rosenhaupt 5.—. H... p... l 1.—. Skatkluv Hurra 5,-. Skatklub Wankende Fichte 20.—. P. S. 50,—. A. B. 50,—. Bon den Mitgl. der Geiverkschaft der Buchdrucker im, Vorwärts" 10,—. Won den Mitgliedern des Verbandes deutscher Buchdrucker im „Vorwärts" 150,—. Von d. Metallarbeitern d. Firma Silbennami, Blumenstrabe, 23,—. Bamberg, Jäckl. Rohrbach 3,—. Bremen, von den Parteigenossen 300,—. Bern 50,—. Bochum, von den Partei- genossen derStadl Bochum durch den Vertrauensmann 50,—. Dortmund, R. 10,—. Döbeln, durch den Vcrtraueusmaun 20.—. Eisenach, durch E- P. 10,—. Falkcuberg(Obcrschl.) 2.—. Friedrichsberg, lustige Brüder bei A. G. 2,10. Freiburg i. B., von badischen Genossen 10,—. Gräfrath bei Solingen, durch den Vertrauensmann 30,—. Greiz, Wahl- kreis Rcub j. L. 50.—. Giebcn. E. K. 10.-. Görlitz, durch den Vertrauensmann 50,—. Hastedt bei Bremen, von Partcigeuosscn 10,—. Hil&esheim, Ueberschub vom Tabakarbcitcr-Vcrgnügen 10.—. Sannover 1000,—. Hamburg, v. Sparklnb„Vorwärts" von 1807 rernstr. 79, 7,—. Hinterhain bei Auerbach i. V., von Parteigenossen 9.—. Hamblirg, Sparklub Einigkeit v. 1889 20.—. Ham- bürg, im Monat Dezember in der Expedition des„Echo" eingegangen 85.09. Hamburg. Eigarrenfabrik o. Otto St. Pauli 20.—. Hartha, durch Fr. Thale 50,—. Jena, 3. wcimarschcr Wahlkreis, 4. Quartal 30,—. Konradsthal, I. M. 2,50. Luxemburg, L. 400,—. Maade- bürg 300,—. Memel, Parteibcitrag" von G. u. Sch 5.—. München, Waldläufer 3.—. Niederbamimer Wahlkreis. Rckzhl. Weigel 65,—. Obcrstein, durch den Vertrauensmann 10.—. Offenburg i. B.. durch I. 10,—. Oelsnitz i. V. durch den Vertrauensmann 50,—. Pyrmont, rote Kindläuse i. L. b. P.� 1,10. Plauen i. V., 23. sächs. ötcichstags-Wahlkreis 100,—. Remscheid, v. einem Metallarbeiter D. Donncrkichl 8,10. Ztnttgart G. U. 10,—. Schöneberg, O. B. 1,73. Tambach— Dietharz, von Parteigenossen 5,—. Wiirttcmberg 100,—. In der Quittung in Rr. 291 des„Vorwärts" vom 13. Dezember vorigen Jahres mutz es unler den Beiträgen deS 4. Berliner Wahl- krciscs, Osten, nicht heitzen: Tischler der Werkstatt von Kümmel 10,—, sondern 20,—. Berlin, den 8. Januar 1900. Für den Parteivorstand A. Gerisch, Katzbachstr. 9. Die preußische Thronrede. Der preußische Landtag wurde am Dienstag mit folgern der Thronrede eröffnet: Erlauchte, edle und geehrte Herren von beiden Häusern des Landtags! Im Auftrage Seiner Majestät des Kaisers mid Königs heitze ich Sie an der Schwelle deS neuen Jahrhunderts zur Wiederaufnahme Ihrer Arbeiten willkommen und begrütze Sie in diesem Augenblick in um so freudigerer Stimmung, als soeben aus Kiel die Nachricht von der Geburt eines neuen Sprossen deS könig- lichen HauseS eingetroffen ist. Die Finanzen des Staates gestalten sich infolge des an- haltenden Aufschwunges des geiverblichcn Lebens und bei der dauernden Steigerung der Erträgnisse der meiste» Staatsbetriebe fortgesetzt günstig. Wie in den Vorjahren hat auch die Rechnung für das Etats- jähr 1398/99 mit einem beträchtlichen Uebcrschnst abgeschlossen. und ebenso darf für das laufende Jahr ein befriedigende» Ergebnis erwartet werden. Der Staatshaushalts- Etat für das Jahr 1900, dessen Entwurf Ihnen alsbald vorgelegt werden ivird, hält in Ein- nähme und Ausgabe das Gleichgewicht und hat fast auf allen Gebieten der Staatsverwaltung erhebliche Mehraufwendungen zur Befriedi- gung kultureller und wirtschaftlicher Aufgaben in Aussicht nehmen können. Insbesondere kann da« Ergebnis der StaatS-Eisenbahnvcr- waltnng trotz der wachsenden Schlvierigkeiten und Kosten des Be- triebes als dauernd zufriedenstellend bezeichnet werden. Dieses Ergebnis in Verbindung mit dem günstigen Abschlüsse der anderen Beiriebsverivallungen hat es möglich gemacht, ohne Jnanspruch« »ahme des StaalSkredits, die Anlagen und Ausrüstungen der Staats- Eisenbahnen in erheblichem Umfange zu ergänzen und zu vervoll- kommnen. Den steigenden Anforderungen des Verkehrs und dem Bedürfnisse der mit Schienenivegen bisher nicht genügend bedachten Landesteile soll auch in Zuknnfl durch Erweiterung und Vervoll- ständigung des Staats-Eil'enbahn»«tz,s ,„rd durch Förderung von K l e i n b a h n- U n t e r it eh ist n n g« vtechnmig gelragen werden. Zu diesem Zwecke werden umfassende Mittel von Ihnen erbeten ivcrden. Die Staatsregiernpg hält nach Wik hox zcngnng fest, daß die Herstellung eines vom Rheine bis zur Elbe zur teilwcisen Entlastung der Staatseisenbahncn. wie zur Hcbling des binnenländischen Verkehrs notwendig ist. Die vorjährige Gesctzcsvorlage wird Ihnen daher, erweitert durch Vorschläge für die besonders dringliche Herstellimg anderer Schiffahrtsverbindmigen nnd Ver- besscriiiigen natürlicher Flutzlänfe im Interesse des Verkehrs wie namentlich der Landcsmelioration, wiederum unterbreitet werden, sobald die betreffenden Projekte fertiggestellt sind und deren Wirt- schaftliche imd finanzielle Grundlage klargelegt ist. Als solche Pro- jelte kommen in erster Linie in Betracht die Herstellung eincS GrostschiffahrtswcgcS zwischen Stettin und Berlin, die Ve- schaffung ausreichender Vorflnt im Oderbruche, die Verbesserung der Verhältnisse an der unteren Oder sowie an der Spree und der Havel, die weitere Aitsbildmig der Wasserstraste» zwischen Oder und Weichsel und die Herstellung des Masurischcn See- kanals. In das Extra-Ordiiiarimn des Etats der Staatsbauvcrivaltung sind die Mittel eingestellt worden, um den prentzischen Nordsee- Hafen Emden für die grasten Seeschiffe, inbesondere ailch der hanseatischen traiisantlantischcn Dampferlinien, brauchbar zu machen. ES darf crivartet lvcrden. das; das mit dieser Matzregel verfolgte nationale Ziel, einen wesentlichen Teil des rheinisch-wcstfälischen Industriegebiets von ausländischen Häsen unabhängig zu stellen, allmählich erreicht werden wird. Die schwierige Lage, unter der die Landwirtschaft andauernd leidet, nimmt die ernsteste Anfmerksamkeit der Regierung beständig in Anspruch. Die Regierung ist sich der Pflicht bcwiitzt. diesem wichtigen Erwerbszweig auch fernerhin jede mögliche Fürsorge an- gedeihen zil lassen. Die Erörterungen, welche iin Anschlatz an die Hochwasserschäden von 1897 zur dauernde» Sichernug schwer heimgesuchter Laiidcsteile eiiigeleiiet waren, sind sür die Provinz Schlesien dem Abschlüsse nahe, so datz voraussichtlich eine enlsprcchcnde Vorlage noch in dieser Tagung wird gemacht werden können. In gleicher Weise wird Ihre Znstimmung zur Fortsetzimg der für die geteilte Weichsel begoimeucn Regulierungsarbeiten erbeten werden. In beiden Fällen ist die Uebcrnahme des grötzten Teils der Kosten auf den Staat vorgesehen. Im Interesse der Förderung der inneren Kolonisation wird der im vergangenen Jahre nicht zur Verabschiedung gelangte Eni- wurf eines Gesetzes ivege» Gewährung von Zwischenkredit bei Renteiigiltsbildiuigen von neuem dem Landtage zugchen. Der schon für die letzte Tagung in Aussicht genommene E»t wurf eines Gesetzes wegen besonderer Bcstcnerung der grostcn Warenhänscr ivird Ihnen nunmehr vorgelegt werden und, wie die Tiaatsregierung hofft, zur Erhaltung nnd Stärkung de» Mittel standeS i» Handel und Gewerbe beitragen. Das Bedürfnis, die infolge der Steuerreform deS Jahres 1891 auf dem Gebiete deS Gcmeinde-Wahlrcchts eingetretenen Ver schicbungcn im Wege der Gesetzgebung auszugleichen, ivird von der SlaatSregicrmig fortgesetzt aiierlannt. In Erfüllung der in der vorigen Session gegebenen Zusage wird daher in Anlehnung an das Ergebnis der KommissioiiSberatung ein Gesetzentwurf Ihrer erneuten Beschlntzfassung unterbreitet werden. Die Erfahrungen des öffentlichen Lebens lassen leider eine zunehmende nnd für die religiöse und sittliche Eutwirkclung des Volkes bedrohliche Verwahrlosnng unter der Jugend erkeinlen. Um hier, soweit es mit de» Machtmitteln des Staates möglich ist, Abhilfe zu schaffen, ist es geboten, die Zwangserziehung in ailsgcdchntercin Matze, als nach der bisherigen Lage der Gesetzgebung geschehen konnte, zuzulasse». Ihre Mitwirkung dazu wird erbeten werden. Meine Herren I Zu wichtigen Arbeiten sind Sie berufen. Möchten diese von Erfolg begleitet nnd durck» die Ermneruug an das zur Rüste gegangene Jahrhundert geweiht sein, das durch Gottes gnädige Fügung da» Vaterland zu Kraft und Grötze geführt hat. Möge sich in dieser Tagung, wie in den komineuden, der Geist einträchtigen Zusammenwirkens zivischen Regierung und Volk belhätigen und damit das feste Fu»- dament für die weitere gedeihliche Entwickelnng deS Vaterlandes allzeit gesichert bleiben I Ans Befehl Er. Majestät des Kaisers und Königs erlläre ich den Landtag der Monarchie für eröffnet. Die von dem Fürsten Hohenlohe verlesene Thronrede beginnt mit einer nachträglich eingefügten Geburts« anzeige. Diese familiäre Stelle war die einzige, die den Beifall der anwesenden Mitglieder fand, sie charakterisiert aber auch zugleich den unpolitischen Charakter dieser Regierungs-Kundgebung. die etwa den Schwung und den Weitblick einer Speisekarte zeigt. Niemand, der dieses Aktenstück lieft, könnte vermuten, daß es nach einer überaus stürmischen kritischen Zeit, die keinen Abschluß fand, eine gesetzgeberische Periode einleiten soll, in der ein schwerer Konflikt zum Aus- trag gebracht werden müßte. Kein Hauch von den wilden Getvitterslürmen des Sonuners hat sich in diese Eröffnungs- rede hineinverirrt. Als ob nichts geschehen, als ob wir im tiefsten inneren Frieden lebten, wird dem Landtag aufgezählt, was er zu erledigen hat. Nur am Schluß klingt sanft der� Miqnclsche Bersöhnungs- und Sammlungs ruf die «chiffahrtokanalS an. Keine Drohung mehr, keine Kampjstinunung.befeillt 'preußische Reosterustg'nach ihren beispiellosen Riederlagen. vobiscum— umarmen wir uns Freunde, so begrüßt die Regierung das rebellische Junkertum. Es stimmt zu dieser UMMIÄWMS KW«** Die Ankündigung der Wiedervorlegung des Kanal- Entwurfs wird mit keinem schärferen, trotzigeren Ausdruck begleitet. Nichts mehr von unbeugsamem Willen und Revision des Verhältnisses zu den Konservativen. Die Miquelsche Verschleppungstaktik verrät sich hier unzweideutig. ES wird nicht gesagt, wann der erweiterte Entwurf eingebracht werden soll. Er erscheint in grauer Ferne nebelhaft verschwommen. Bestätigt wird, daß die vom Osten geforderten Kompensationen in den' Plan hineingearbeitet werden sollen. Es ist klar, daß damit die finanziellen Ansprüche ins Ungemessene wachsen müssen, so daß der durch die Kompensationen aufgeblähte Eni- wurf schließlich an der finanziellen Unmöglichkeit scheitern dürfte. Herr Miguel führt den Mittellandkanal nä absurdum, indem er ihn zu einem unmöglichen Universalkanal erweitert. Die Konservativen brauchen keinen Verschleppungs-Zedlitz mehr in der Regierung— ihr Miguel besorgt ihre Geschäfte ebenso gut nnd noch besser. Was die Thronrede sonst ankündigt, verrät keinerlei fort- schnttliche Neigungen, wenn man von dem Ausbau des Eisen- bahnnctzcs absieht. Die Finanzlage erscheint im rosigsten Licht. Der„L a n d w i r t s ch a f t" werden ein paar lvohlwollende Bemerkniigen gewidniet, ohne daß irgend eine bestimmte Liebesgabe angekündigt wird. Da die Agrarier Barzahlung seitens der Regierung lieben, wird sie solch bloßes Versprechen nicht friedfertiger stimmen. Während den Agrariern nur unklare Beteuerungen ge- spendet werden, erhält der„Mittelstand" das erbetene Geschenk einer Warenhanssteucr— eine reaktionäre Zwccklosigkeit, die dem Mittelstand nichts nützen und die Großbazare zu ge- steigerter Leistungsfähigkeit anspornen wird. Aber die lob- liche Regierung„sammelt" eben und will sich zu diesem Be- Huf beim Mittelstand beliebt machen. Ferner soll das jämmerliche Genieindewahl-Flickgesetz ans Grund des centrum-li beraten Kompromißentivurfs wieder präsentiert werden. Endlich wird auch einem Licblingswunsche der Herren- Häusler Rechnung getragen und die zwangsweise Versittlichung der Jugend— ausgeschlossen die Harmlosen— versucht werden. Nach alledem kann man beruhigt sein: Preußen wird auch Anno 1000 dem Geiste des elenden Dreiklassen-Systems, des allmächtigen Junkertums, der versimpelten Bourgeoisie und der schwarzen Garde treu bleiben. Und die Regierung wird ein Einsehen haben nnd nicht wieder den Zorn des konservativen Agrariertunis herausfordern. Durch diesen Sumpf führt einstweilen kein entwässernder Kanal.— Das erste gesetzgeberische Werk des neuen Polizeimiuisters. Die erste Vorlage, die dem Landtage zugegangen ist, stammt aus dein Ministerium deS Innern; sie bezieht sich auf die Z Iv a n g s- erzieh n n g Minderjähriger und atniet echten Polizei- geist. ivie'das nicht anders zu erwarten ist in einer Zeit, in der man Gebetbuch, Prügel und L a t t e n a r r e st als Allheilmittel gegen die überhandnehmende „Verrohung der Jugend" anpreist— natürlich nur der Arbeiterjugend. Datz irgend Jemand dieselben Mittel etiva empfiehlt, um Verrohungen, wie sie sich in der Affairc des Prinzen Arenbcrg ge- zeigt hapcn, vorzubeugen, daran ist natürlich in einem Klassenstaat und bei einer Klasseiigesetzgebimg nicht zu denken. DaS bisherige Zwaiigoerzichuiigs- Gesetz vom Jahre 1873 be- schränkte sich auf die verivahrlosteu Kinder, die im Alter vom vollendeten 6. bis zum vollendeten 12. Jahre eine strafbare Hand- hing bcgaugen haben, aber wegen ihres Alters strafrechtlich nicht haben verfolgt werden können. Es hat sich, wie die Motive der Vorlage sagen, als nicht ausreichend erwiesen, um der stetig wachsenden Kriminalität, Verwahrlosnng und Verrohung unter den Jugendlichen zu wehren. Kein Wunder! M i t Polizei m atz- regeln hat mau noch niemals sociale M t tz st ä n d e aus der Welt schaffen können. Wäre das möglich, so würde es schon längst keine Verbrecher mehr geben. Will man wirk- lich der Kriminalität, Verwahrlosung und Verrohung unter den Jugendlichen wahren, so gehe man ernstlich an die Beseitiguilg der Ursachen dieser Mitzstände. Dann sorge man vor allen Dingen für bessere Schulen, dann regele man end- lich' die Wohnungsfrage nnd rücke ernstlich dem S ch l a f st e l l e n u n w e s e n zu Leibe, dann sorge man für bessere Existenzbedingungen der Arbeiter und lege nicht den um höhere Löhne kämpfenden Proletariern Schwierigkeiten über Schlvierigkeiten in den Weg I lieber welch geringes Matz socialpolitischer Ein« ficht unsere leitenden Männer verfüge», geht ans inehr als einer Stelle in den Motiven der neuen Vorlage hervor. Man lese nur folgenden Ergutz, in dem darüber geklagt ivird. datz infolge der wirtschaftlichen und socialen Gestaltung unseres Volkslebens jetzt ein weit grötzerer Teil der Hera»- wachsenden Jugend den festgefügten Ordnungen des HanseS, deS Lehr« und Dieustverhältiuffes. welche sie früher schützend umgaben, entzogen wird.„Kaum der Schule entwachsen, gehen sie selbständig ihren Weg in Erwerb und Genutz: viele stürmen zügellos in das Leben hinein, die jugendliche Kraft des Leibes und der Seele vergeudend. Durch schlechte Gesellschaft verdorben, folge» sie willenlos den eigenen Trieben oder fremder Verführung. Ilm ein oft ganz sinnloses Begehre» zu erfüllen, zu dem die Mittel fehlen, wird ohne Uederlegiiug gestohlen, betrogen, unterschlagen und vor einem Ranb« anfall nichr zurückgeschreckt; um die uugezähmtcn geschlechtlichen Trieb» zu befriedige», werden skrupellos die schwersten Sittlickiteits- verbrechen begangen." Schön gesprochen! Schade mir, datz es, wenigstens soweit die Arbeiterjugend in Frage kommt, meistens nicht zutrifft! Geivitz, von juiigep S( iUz e» xe ii mch m\ LM-tz.. P-st si«'»> H armlose n. Prozeß sich uns gezekg? haben, kann man vielfach ohne Uebertreibung I'fftauptcii, bau sie zinicllo-Z in dciSLcbcn hineiiistiirinen und dieKraft dcs LcibcS»nd dcr Scclc vcrgcnde». Und wci-Z vollends die Tittlichkci ts- verbrechen betrifft, so ist es eine durch die Stotlstik längst Iiciviesciie und daher nicht anfechtbare Thatsache, dasj die sogenannten „liberalen Berufe", denen wesentlich Angehörige der höheren Klasse» zählen, zu den kriminellen Verbrechen nur etwa ö,l) Proz., aber zu de» Notzuchtsvcrbrcchen an Kindern etwa 13 Proz. stellen— ein Prozentsatz, der, wie Bebel einmal treffend bemerkte, noch hoher sein wurde, wenn man in jenen Kreisen nicht reichliche Mittel hätte, das Verbrechen zn verheimlichen, so dag ivohl die Mehrzahl der ssällc nnentdeckt bleibt. Will man hier auf gesetzlichem Wege Wandel schaffen, so haben wir nichts dagegen. Im allgemeinen Interesse wäre das nur erwünscht. Aber man höre doch endlich einmal ans, alle Sünden der sogenannten besseren Gesellschaft der vlvbcitcrschaft in die Schuhe zu schieben und daraus die Notwendig- kcit neuer reaktionärer arbeiterfeindlicher Gesetze herzuleiten. Thatsächlich_ ist die Vorlage ein Gesetz gegen die Arbeiterklasse, denn gegen Besitzende lvird es wohl selten oder niemals zur Anwendung kommen. Man gicbt vor— vielleicht lffanbt man es auch—, datz mau dadurch die Jugend vor Per- wahrlosuug schützen kann, in Wirklichkeit aber kann dies Ziel au �chn vorgeschlagenen Wege nicht erreicht werden. Der Kreis der Minderjährigen, die der Zwangserziehnng unterworfen werden können, soll erweitert tverdcn. Man hat von einer unteren Alters- grenze überhaupt abgesehen und die obere auf das 13. Lebensjahr erhöht. Auch soll nicht mehr, wie bisher erforderlich sein, das, der Betreffende bereits eine st r a s b a r e Handlung begangen hat. Nein, nach der neuen Vorlage kann jeder Minderjährige unter 18 Jahren auch dann der Zwangs- erziehnng überwiesen werden, wenn diese wegen„Unzulänglichkeit der erziehliche,: Einwirkung der Eltern oder sonstigen Erzieher oder der Schute" zur Verhütung des völligen sittlichen Verderbens not- wendig ist, oder wenn die Voranssetznngen der§§ 1GCG oder 1838 des Bürgerlichen Gesetzbuchs vorliegen, d. h. wenn das geistige oder leibliche Wohl des Kindes dadurch gefährdet ist, daß der Vater das Recht der Sorge für die Person des Kindes mißbraucht, das Kind vernachlässigt oder sich eines ehrlosen oder unsittlichen Verhaltens schuldig macht. Bedcull man ferner, daß nach der Vorlage die Zwangserziehung bis zur erreichten Großjährigkeit, d. h. bis zum LI. Jahre andauert: kann, so wird man die Gefahr dieses Gesetzes unschwer erkennen. Ein„ehrloses" Verhalten des Vaters soll einen Grund für die ZtvangSerzichnng abgeben! Was gilt nicht alles als ehrlos! Hält nicht der Vater der Znchthansvorlagc und die ihm Gleichgesinnten schon das Streben der Arbeiter, ans dem Wege der Koalition sich »in mcnschemvürdigcrcs Dasein zu erringen für ehrlos? Hat nicht ein Dresdener Gericht einen Arbeiter, der sich ein Sireikvcrgehcn 3» schulden kommen ließ, für ehrlos erklärt? Wie leicht lau» ein von demselben Geiste beseeltes Vonnnndschaftsgcricht einem solchen Vater sein Kind abnehmen und es einer Erziehnngs- unstalt überweisen! llnd von welcher Bitterkeit muß ein Kind er- füllt werden, da? von Jugend auf in Zwangserziehung gehalten, von seinen Gespielen verachtet, von seinen Mitschülern als minder- wertig angesehen, ja sogar von Arbeitskollegen ob seiner so freud- losen Jugend verhöhnt und verspottet wird! Der Makel, der einem solche» unglücklichen Geschöpf anhaftet, begleitet es durch das ganze Leben und ist oft genug die Ursache eines in der Wut wegen des ihm angethancn Schimpfes begangenen Verbrechens. Vergessen wir doch nicht, daß sich diese von der Gesellschaft Ausgcstoßcncn au der Gesellschaft oft schwer rächen! Die ganze Vorlage erscheint uns als ein verfehlter Versuch, der wachsenden Kriminalität unter den Jugendlichen und der Benohuug Einhalt zu thnn. Das wird natürlich die„edlen und erlauchten Herren" dcSHerrcnhanscS wenig kümmern. Woran sie Anstoß nehmen werden, das ist nicht der Grundgedanke, sondern einzelne mindcrartige Bcstinuinmgcn deS Entwurfs, namentlich die Frage, wer die Kosten der Zwangserziehung tragen soll. Tic Vorlage will es in dieser Beziehung beim alle» lassen lind die Kosten, ff'wcit sie nicht dem Ortsarinciiverbandc zur Last fallen, auf den Staat und die Provinzen zur Halste verteilen. Ob sich die„Herren" dabei beruhigen werden, ist fraglich. Ans alle Fälle werden sie die Kostenfrage genau prüfen, um z» verhüten, das; sie etwa zu höhere» Beiträge» als bisher herangezogen werden. Schlicßlick, kann ja die große Masse auch noch die hierfür erforderlichen Millionen auf- bringen. Schließlich sei noch hervorgehoben, daß der Entwurf sich auf die Regelung der Zwangserziehnng auf öffentliche Kosten beschränkt, aber in das Wirken der freiwilligen, namentlich auch der kirchliche» „Litbesthätigkeit" nicht eingreifen will. Daß Eltern ihre Rinder nicht gern in derartigen Anstalten sehen, ist einleuchtend. Gegen solche„lhörichten und gewinnsüchtigen" Eltern, wie sich die Motive ge- schmackvolt ausdrücken, kann jedoch der Vormundschaftsrichter in all de» Fällen einschreiten, wo das geistige und leibliche Wohl der Kinder durch die Art der Ausübung der elterlichen oder Vormund- schastlichcn Gewalt gefährdet ist. So zeigt denn diese erste gesetzgeberische That des Freiherrn von Rheinbaben, daß die preußische Regierung nach wie vor ihre» Stolz darin sieht, sich socialpolitisch am rückständigsten zu erweisen. Zurück in das finstere V? i t t e I a l t e r— das war die Parole der preußischen Polizeiminister der letzten Jahrzehnte. Das ist auch die Parole deS neuen Ministers.— politische Llebeeficht. Berlin, den 9. Januar. Ter Reichstag hielt am Dienstag seine erste Sitzung im neuen Jahr, und hatte die Ueberraschung, von dem Herrn Präsidenten ins neue Jahrhundert hineinkomplimentiert zu werden. Ter Kavallerie Offizier, der den Befehl der militärischen nnd Welt- lichen Obrigkeit, ohne mit der Wimper zu zucken, ausführte, war also bei Herrn v. Ballcstrcm stärker als der fronime Katholik, der dem unfehlbaren Papst zu folgen und mit ihm und anderen Leuten das„neue Jahrhundert" erst mit dem Glockenschlag 12 in der Nacht vom 31. Dezember 1900 auf den 1. Januar 1901 anzufangen hat. Er fängt es vielleicht zweimal an. Zahlreich waren die Mitglieder nicht erschienen und auch nicht in der Stimmung, wie sie wichtigen oder stürmischen Sitzungen vorausgehen. Auf der nicht reichen, aber sehr langen Tagesordnung war nur ein Punkt, der eine längere und erwähnenswerte Debatte hervorrufen konnte und hervorrief: ein Bericht der PeiitionSkommission mit dem Antrag, einige von den Agrariern und Antisemiten in Scene gesetzte Petitionen ans Er- höhung des Heringszolls„dem Reichskanzler als Material zu überweisen". Dieser Antrag, für den natürlich unsere Mitglieder der Petitionskommission nicht gestimmt haben, rief sofort den Gegenantrag hervor, über die mehr als kecke Forderung zur Tagesordnung überzugehen. Der Stoff hätte sich recht gut für eine Debatte im größeren Stil geeignet; es gehört die ganze Unverfrorenheit unserer Lebensmittel- verteurer dazu, ein so wichtiges, ja Millionen der arbeitenden Bevölkerung unentbehrliches Nahningsmittel verteuern zu wollen, damit den Sekt trinkenden Junkern höhere Fleisch- preise bezahlt werden müssen. Allein, wie gesagt, es ivar keine Kampfeslust im Hause. Die Debatte war aber doch nach mancherlei Richtung interessant. Bekanntlich ist die Erhöhung des Heringszolles, der jetzt 3 Mark auf die Tonne(etwa 300 Stück) Heringe beträgt, schon lange geplant. Schon vor drei Jahren wurde ein Zoll von 10 W. verlangt. Die Petitionen, die dem Reichstage heute vorlagen, begnügen sich mit 6 M., was auf den einzelucu Hering un- geführ Vs Pf. ausmachen, aber zweifellos im Detailverkanf zu einer Preiserhöhung von 1 Pf. pro Stück führen würde. Die Regierung, die sich vor drei Jahren entschieden gegen die Zollerhöhnng ausgesprochen hatte, verhielt sich heute sehr schwankend. Dagegen zeigte die Stimmung des Reichstags sich der Erhöhung so abgeneigt, daß das Wunder- bare geschah: die beiden konservativen Fraktionen wollten mit den Petitionen nichts zu thnn gehabt haben. Daß sie da nicht der" Wahrheit die Ehre gaben, ward iheu unter die Nase gehalten und aktenmäßig bewiesen. Immerhin ist es von symptomatischer Bedcutnng, daß die Junker zurück- Hufen und die Macht der öffentlichen Meinung anerkennen mußten. Unsere Partei wurde in der Debatte durch Genosse Wurm vertreten, der sehr scharf sprach und durch seine beißenden Angriffe auf die Agrarier Herrn v. Kardoff zu einer seiner komischen Schalistellungen herauslockte. Für die Petitionen und den Kommissionkantrag sprach nur der konservative Berichterstatter v. Waldoio und Reitzen- stein. Bei der Abstiinmung wurde der Antrag auf Ucbcrgaug zur Tagesordnung mit allen Stimmen gegen die des Herrn v. Waldow und Reitzenstein, des Grafen Limburg-Stirun: und der vier anwesenden Antisemiten a n- genommen. Die Antisemiten sind demnach noch schlimmere Lebe nsmittel-Verteurer als das Gros der konservativen Agrarier. Das muß angenagelt werden. Tie Sitzung dauerte bis 6 Uhr. Nächste Sitzung morgen 2 Uhr(aus Rücksicht auf den Landtag). Zweite Lesung des Etats: Reichstag und Reichs- amt des Innern.—_ Prcussischcr Landtag. AbgeordnetenhaiiS und Herrenhaus hielten am Dienstag ihre erste» Sitzungen in der ncncii Session ab. Das Abgeordnetenhaus beschränkte sich darauf, auf den König ei» schmetterndes Hoch auszubringen. Präsident v. Kröchcr beraumte die nächste Sitzung auf Mittmoch, den 10. Januar, 11 Uhr, mit folgender Tagesordnung am Wahl der Präsidenten und Schrift- führer nnd Entgegennahme von Vorlagen der Staatsregiernng, Das H c r r e n h a u s bewies seine Loyalität gleichfalls durch ein Hoch auf den Monarchen und that noch ein übriges, indem es seinen Präsidenten bcanftragtc, dem Prinzen Heinrich zur Geburt eines Sohnes Glückwünsche auszusprechen. Hierauf konstituierte sich das Hans, in dem 116 Mitglieder erschienen waren, und nahm die Wiederwahl des Präsidiums durch Zuruf vor. Fürst zu Wied ist demnach wieder der erste Vorsitzende, Freiherr v. Manteusfel und Oberbürgermeister Bcckcr-Köln die Bice- Präsidenten. Morgen steht auf der Tagesordnung Beschlnßsassnng über die geschäftliche Behandlung von Eingaben Und Vorlagen, übermorgen erfolgt die erste Beratung des in der Kronrede angezeigten Entwurfs über die Zivangscrziehnng Minderjähriger. Eine Flvttcn-Drohuotc. AnS Stuttgart kommt den slottenbegeistertei: Schürcrn der Englaiidfremidschaft ein Telegramm der Freude: Der„StaatSanzeiger für Württemberg" gicbt bekannt: Ans das Telegramm des Königs betreffend den Flotteiwercin antwortete Sc. Majestät der Kaiser: „Ich danke Dir aufrichtig dafür, daß Du durch Uebcr- nähme des württembergischen LandesausschusseS des deutschen FlotteiwercinS einen erneuten Beweis davon gegeben, daß DentschlandS Fürsten bei allen Bestrebungen zum Wohl unseres Vaterlandes vorangehen, und bitte Dich, dem Fürsten Karl von Urach meinen Dank dafür zn übermitteln, daß er sich an die Spitze des LaildeSauSschuffeS gestellt hat. Ich hoffe, daß die Vorgänge der letzten Tage immer weitere Kreise davon überzeugt haben, daß nicht mir Deutsch« landS Interessen, sondern mich Deutschlands Ehre in fernen Meeren geschützt werden und daß hierzu Deutsch- land auch zu Wasser st ark und mächtig d a st e h c n »i u ß. Wilhelm." Dieses Telegramm bedeutet eine neue Sinneswandlung des Kaisers. Vor kurzem nnteruahm der Kaiser die Reise nach Eng- land, führte lange und freundschaftliche Gespräche mit den leitenden Staatsmännern Englands, hieß ein»mfassciideö Kolonialabkoiimien treffen und ließ sich von der Bevölkerung als Freund Englands 'eiern. TaS geschah, obwohl sich in zahlreichen kaisertreuen und regicnlilgSbeflisscncn Blättern lebhafte Abneigung gegen daS krieg- 'ährciidc und industriemächtige England erhob. Jetzt hat sicb der Kaiser zur öffentlichen Meinung der Englandgegner bekehrt und die „Vorgänge der letzten Tage" sollen die Notwendigkeit der bcab- ächtigten neuen Flottenvennehrungen erwiesen haben. Wir bezweifeln, daß die Beschlagnahme einiger deutscher Schiffe durch englische Kreuzer zur Förderung des kaiserlichen Lieblings- gedankcns von der Schaffung einer Seemacht ersten Ranges gereichen wird. Wohl brodelte der Wasserchauvinismus der alldeutschen Blätter ob jenes Vorkommnisses in Siedehitze und mit wüstem Lärm suchte man daraus Kapital für die Flottenpläne zu schlagen, wie denn jeder Anlaß den Marinelieferanten und Romantikern der Seegcltung zu passe ist. Aber bei ruhiger Ueberlegnug erscheint dieser Anlaß so ungeeignet wie mir einer zur Aiifstachelnng des ZlottemvahnS. Keines der gegen England in wilder Wut schnaubenden Blätter vermag zu behaupten, daß England irgendwie wider das Völkerrecht gesündigt habe. England hat dasselbe Recht wie jede andere Macht, fremde Schiffe, wenn der Verdacht der Mitführmig voi: KriegSkonterbailde vorliegt, festzuhalten. Lag ein Versehen vor — und sicher hat in diesem Falle keinböswilliges Motiv die Engländer ge- leitet, in der jetzigen Situation sind sie ivahrlich froh, sich nicht neue Schwierigkeiten z» schaffen so muß Entschädigung gezahlt werden. Bereits wird auch gemeldet, daß sich England bereit erklärt hat, den aus der Beschlagnahme des„General" erwachsenen Schaden zu tragen. Selbstverständlich lvird es sich dazu auch hinsichtlich der anderen beschlagnahmten Schiffe bequemen müssen. Von einer Ver- lctzung deutscher Interessen ist also gar keine Rede. Und ebensowenig hat England die deutsche Ehre gekränkt; es hat nur seine durch den unglücklichen Kriegsverlauf und durch die Ver- urteilung, die sein Treiben in aller Welt erfährt, umuhevolle Nervosität bewiesen, die zu sehr unnötigen und ihm selbst schädlichen Thaten fortreißt. Läge wirklich ein Augriff gegen deutsche Ehre und deutsche Waffen vor, so hätten wir genügende Mittel, um englische Ucber- Hebung zurccht zu weisen. Bisher aber ist nicht einmal ein energischer Einspruch seitens der Rcgicrmig geschehen. Die Neichsregierrmg scheint überhaupt die Lage der Dinge denn doch etwas ruhiger qyznsehen, als die Weltmachtleute wünschen. Wie wenig geeignet die Beschlagnahme der Schiffe zur Flotten- Propaganda ist, zeigt eine reizvolle RcmimScenz, welche die„Franks. Zeitung" gerade zur richtige» Stunde und zur Abkühlung der Er- hitzten mitteilt I „Angesichts der hochgradigen Aufregung über die Beschlag« nähme deS Dampfers„Bundesrat" dürfte der Hinweis auf einen anderen deutsch« englischeu völkerrechtlich e.n S t r e i t f a l l von Interesse und geeignet sein, einer nüchternen Auffassung die Wege zu bahnen. Ich meine einen Fall ans dem d e u t s ch- f r a n z ö s i s ch e n Kriege. Damals mußte das flotteugctvaltigc England es sich gefallen lassen, daß man deutscherseits 6 englische Handelsschiffe nicht nur bcschlag- nehmte, sondern sogar zerstörte, obwohl die Berechtigung zu diesem Akte juristisch schr zlveifclhast war und eine nentralitätswidrige Handlung seitens der betreffenden Schiffseigentümer bezw. Kapitäne garnicht in Frage kam. Ende Dezember lö70hatte nämlich diedeutsche Kricgsleitung diese sechs mit Kohlen beladenen Schiffe bei Dnelair fortgcnommeiz und in die Seine versenkt, un: die Passage eines französischen Kanonenbootes, welches unseren Truppen viel geschadet hatte, zn verhindern. Der englische Botschafter in Berlin bezeichnete in einer Note vom 30. Dezember dieses Ver- fahren als„altlro�etlier umvarrsntable"(durchaus unverantwortlich). Fürst Bismarck dagegen berief sich zur Recht- fertignng desselben ans das sogenannte ins anAarlao, welches den Kriegführenden neutralen Schiffen gegenüber zu- stände: Ein Kriegführender habe das volle Recht, neutrale Schiffe in de» inländischen Gewässern deS Feindes mit Beschlag zu nehmen, wem: dies die Selbstverteidigung fordere; die Ent- schädignngspfficht falle nicht ihm, sondern dem AufenthaltSstaate zn. Nur aus freundschaftlichen Gefühlen für England wolle man in diesem Falle von seinem Rechte abgehe:: und eine Entschädigung bewilligen. Der Konflikt endete damit, daß die deutsche Regierung nach einer Schätzung der englischen den geschädigten Jnter- essenten 7073 Pfund Sterling zahlte(vergleiche Staatsarchiv 21 Nr. 4493 fg.)."' Das Beispiel zeigt, daß auch Englands Ehre durch ähnliche Duldungen, wie sie jetzt deutschet: Schiffen zustoßen, nicht berührt worden ist. Es ist auch gut, daß unsere Ehre nicht so leickt verletzt werden kann, wie durch Flottenfreudigkeit gesteigerte Empfindlichkeit vermeint. Denn wäre es anders, so würde es allerdings um die Wahrung der deutschen Ehre schlimm bestellt sein. Wie wollen dam: die Entehrten sich Geniigthming schaffen.„Durch den Bau zweier Pauzergeschivader binnen 17 Jahren? Aber das perfide Albion baut mittlerweile 4 und 6 Geschwader und unsere Ehre Persinkt noch immer machtlos im Wasser. Wem: durch die Beschlagnahme der deutschen Schiffe aber wirk- lich Ansprüche, die über das jetzige Völkerrecht hinausgehen, verletzt werden— nun, wir leben doch im Zeitalter der internatio- nalen Friedenskongresse., Oder sind diese Kongresse noch mehr Komödie als selbst w i r annahmen? Vermögen sie nicht einmal das internationale Seerccht geringen Verbesserungen zuzu« führen?—_ Tie Flotte als Liebesgabe. Wenn die Regierungen das Volk befragen sollten, ob es geneigt sei, in der weltpolitischen Romantik derFlottenspekulanten seine Kräfte zu vergeuden, so würde keine Partei in eine schlimmere Lage bei einer Reichstagsauflösung geraten als die konservative.'Wir haben des öfteren darauf hingewiesen, daß das Junkertum nach seiner ganzen Anschauung aus tiefstem Grunde die neue imperialistische Ueberseepolitik haßt und fürchtet. Nach seiner erfolgreichen Machtprobe in der Kanalangelegenheit wagt es aber nicht zum zweitenniale, die Hofgunst auss Spiel zu setzen, zumal die Flotte oben noch eine ganz andere. höhere Wertschätzung genießt als der Kanal. Wollen die Konservativen also nicht für absehbare Zeit auf RegierungS« fähigkeit und Unterstützung durch die Regierung verzichten und sich ausschließlich auf die„werbende Kraft" ihrer agra« rischen Begierden stützen, so müssen sie wohl oder übel in den: Marinerummel der herrschenden Großindustrie mit- spielen. Das haben sie denn auch, nach einigem Sträuben. eifrig gcthan. Kommt es aber nun aus Anlaß der Flottenvorlage zur Auflösimg des Reichstags, so kann es keine ungünstigere Wahlparole für die Konservativen geben als das Eintreten für den Marineplan; denn sie wissen ganz genau, daß die Agrarier im Lande, die weniger nach dem Throne schielen. Feinde der heutigen Kolonial«, Weltmacht- und Flotteupolitik sind. Bisweilen verrät ein unbedachter Stoßseufzer, wie es in den Junkcrherzen wirklich aussieht. So schreibt die„Kon- scrvative Korrespondenz" in ihrer letzten Nummer: „Gerade die Beschlagnahme der deutschen Schiffe, die Störung deS deutschen AuSlaiidshandels durch englische Gewaltstreiche, ist aber der beste Beweis, daß eine starke Flotte auch die besondere Auf- gäbe hat, den Handel in: Auslande zu schützen. ES heißt nun imnier, die„Agrarier" wollten den Handel nicht empor- kommen lassen, sie haßten ihn und wollte» ihn schädigen. Ist nicht die Thatsache, das) die Konservativen für die Flotten- Vermehrung eintrete», ein BcwciS deS Gegenteils? Es ist eine ganz gewaltige„Liebesgabe", die in der Flotten- Vermehrung auch dem Handel zur See zugewendet werden soll; aber es sind nicht die Konservativen, die den Kaufleute:: jene Zniveiidling mißgönne», sondern die„Anli-Agrarier" und die Social- demolraten." Die Großmut, daß die Agrarier nicht nur selbst ganz gewaltige Liebesgaben einstreichen, sondern auch dem Handel solche gönnen wollen, wird im Volke ein überzeugtes Ver- ständnis finden. Freilich wenn es keine Ungeschicklichkeit des amtlichen konservativen Partei- Organs ist, so ist es eine schneidende kompromittierende Bosheit, daß es den Marine- plan als eine Liebesgabe für den Handel— die Korrespondenz hätte hinzufügen sollen: und in erster Linie die Industrie— bezeichnet. Das ist eine durchaus richtige Kennzeichnung. Die Flotten- Politik i st eine Liebesgabe für den industriellen Kapitalismus, und das Proletariat, das die Kosten auch dieser Liebesgabe trägt, ist nicht so thöricht, die großmütigen Absichten des Junkertums zu fördem. Es wird sehr hübsch werden, wenn die Agrarier in der Wahlagitation ihre „Bauern" begeistert auffordern. Liebes- gaben für den Handel zu gewähren. Ob aber die„Bauern" diese konservative Begeistenmg für Liebesgaben, die sie nicht selber erhalten, teilen werden, scheint uns sehr zweifelhaft. Denn die agrarischen Stimmen nrehren sich, die daraus hindeuten, daß man sich der Flotten- Politik gegenüber auch dann mißtrauisch verhält, wenn man sie als patriotische Notwendigkeit, nicht unter dem Gesichts- Punkt einer Liebesgabe an den Handel, ausfaßt. Bei Düsseldorf fand dieser Tage eine große Versammlung des Bundes der Landwirte statt, in der Diederich Hahn sprach. In der Debatte äußerten drei Landwirte übcrein- stimmend, datz man die Flottenvorlage nur bewilligen dürfe, Wenn man Gegenleistungen dafür erhielte. ' Landwirt L itz äußerte: Ich bin der Ansicht, daß bei unserer Regierung nur durch Kompromisse etwas zu erreichen ist. Sind wir zu schroff vorgegangen? Nein, wir nn'issen gegen die Re- üienma noch ganz anders vorgehen. Das Wort:„Ohne K anitz keine Kähne" hat nie mehr Gnltigkcit gehabt alS gerade jetzt. Ehe wir wieder eine» Schritt für die Industrie thun, wallen wir wisse», was die Industrie für uns zu thun bereit ist, che wir zur Flottcuvorlage Ja und Amrn sagen, müssen wir cine bindende Zusage haben! Achnlich meinte der Landwirt Kemann: Wir müsse» wissen, waS wir von der Regierung für Bewilligung der Flottcuvorlage bekommen. Mit Versprechungen dürfen wir uns nicht abspeisen lassen— wir habe» in den letzten Jahren er- fahren, was auf Versprechungen der Regierung zugeben ist. Unser Vertrauen zur Regierung ist erschüttert. Gutsbesitzer M i n t r o p: Wir Landtvirte haben biöhcr allcS vom patriotischen Standpunkte auS betrachtet. Solle» wir daö länger thun% Ich sage»ein! Wir können keine nationale Politik treiben, wenn die Industrie ausschließlich wirtschaftliche Politik treibt. Wir dürfen die Flotte nicht ohne Wetters bc- willigen. Auf die Versprechungen der Regierung dürfen Ivir uns auch nicht verlassen. Bei unserer Regierung kann man eigentlich von einer Regierung gar nicht sprechen, die Minister konuucn und gehen und gehen und kommen....(Stürmischer, anhaltender Beifall.) Der Diederich Hahn war durch diese Aeußerungen der n'attenfeindschaft offenbar unangenehm berrihrt und er beeilte ich zu versichern, daß die Landwirte zu patriotisch seien, um solche Handelsgeschäfte zu schließen: Der Vorschlag, bei Gelegenheit der Flottenvorlage mit der Regierung ein Handelsgeschäft zu machen, ist taktisch vollständig berechtigt. Große Parteien haben das in letzter Zeit oft gemacht — uns widerstrebt es aber, wir sind Patrioten und müssen dafür sorgen, daß Deutschland in erster Linie wehrhaft ist. Aber wir meinen, daß die Kreise, die i» erster Reihe de» Vorteil von einer starken Flotte haben, auch die Hauptlasten tragen sollen. Die Ultimogeschäfte der Börse sollte mau bc- steuern zu Gunsten der Flotte, die Reedereien, die Eisen- industrie u. s. f. sollten in geeigneter Fonn durch eine V o r z u g s b e st e u e r u n g für die Flottenvorlage herangezogen werden. Ich hoffe aber, daß unsere Regierung durch eine Regulierung der Zollverträge uns die Existcnzmöglichkcit zurückgeben wird. Freilich treiben wir jetzt eine auswärtige Politik, die sich mit der Bismarckschen an Weisheit und Klugheit nicht entfernt mcffen kann. Bismarck hatte keine große Flotte und doch war unsere Politik in England z. V. ungleich aiigcschencr als jetzt! Bismarck verstand es eben, auch ohne Flotte eine große und kräftige Politik zu treiben. Auf die Flotte allein kommt es nicht an und die Frage, ob wir unserer Regierung überhaupt eine große Flotte in die Hand geben dürfen, wird noch ernsthaft zu prüfen sein. Schließlich einigte man sich auf folgende Resolution: «Die heute in Ratingen tagende Versammlung des B. d. L. erkannte zwar an, daß die Haltung des Vorstandes des B. d. L. in Bezug auf den nationalen Standpunkt durchaus zu billigen ist, hält es aber doch für nötig, darauf hinzuweisen, daß die Regierung im Lande nur sehr wenig Vertrauen besitzt und erst durch energische Maßregeln zum�Schutze der Landwirt- schaft daS Vertrauen sich wieder erwerben muß." Man erkennt aus diesen recht bemerkenswerten Aenßc- rnugen, daß die Agrarier im Lande lange nicht so wassertoll find wie ihre Wortführer im Reichstag aus höfischen Rück- sichten sich stellen. Schrill klingt wieder der Schlachtruf: Kein Könitz keine Kähne, und der Führer des Bundes der Land- Wirte muß die Wasserscheuen mit der albernen Vertröstung beruhigen, daß die Industrie und der Handel die Kosten der Liebesgabe tragen sollten. Das war natürlich eine agitatorische Finte. an die der Diederich Hahn selbst nicht glaubt. Jedenfalls aber werden die Agrarier nun, wenn sie nicht vor aller Welt als Lügner dastehen sollen, den Flottenplan nicht eher bewilligen dürfen als bis die Deckungs- frage in der von Hahn vorgeschlagenen Weise geregelt ist. Geschähe das, so würden alsdann die erbittertsten Gegner der Marinevorlage die— liberalen Vertreter der Großindustrie werden, dieselben, die jetzt vor Secbcgeisterung rasen, in der Voraussetzung, daß ihnen aus den Taschen des Volkes die Liebesgabe gestiftet wird.— Russische Drohungen. Wir hatten die eigenartigen Ausführungen des Peters- hurger ,.H e r o l d" über den russischen Truppenvorstoß gegen die afghanische Grenze bereits erwähnt. Dieselben werden jetzt ausführlicher bekannt und verdienen nochmaliger Beach- tung, denn sie bedeuten eine sehr unverhohlene Drohung gegen England, die durch die offiziöse russische Tele- graphcnagentur verbreitet worden ist. Es heißt in dem Artikel, in dem Fricdfertigkeits-Versicherung und Kriegsdrohung modern- „christlich" gemischt ist: „Rußland will Ruhe, in seinem eigenen und im Jntereffe der Welt, von der unser Reich einen so großen Teil bildet. Es kann den erhabenen Hütern des Friedens, die das russische Volk leiten »nd für seine Wohlfahrt sorgen, nicht gleichgültig sein, daß irgendwo an den äußersten Enden Rußlands infolge a n d e r lv e r t i g e r Zeitereignisse Gärungen e n t- st e h e n. deren Fernwirkniia sich auf der Physiognoniie der inter- iiationalel! Verhältnisse widerspiegeln müßte. AllcS, waS von rnnischcr Seite im Laufe des abschließenden Jahres gethan und gesagt worden ist, liefert handgreifliche Beweise für die Festigkeit der russischen Friedensliebe. Und ein Schwert ist bei K u schk aufgepflanzt, dessen Schneide jene be- s ü h l e ii mögen, die cS gelüstet, die Ruhe der Welt zu stören, die keine Neigung habe», die gestörte Ruhe herzustellen. Ein doppclschncidigcs Schwert— ei, welch ein guter und getreuer Eckart, und in seiner Wortlosigkcit welch ein beredter Anwalt des Frieu nS, der Gcrcchtigtcit, der Bescheidenheit und der Sitte unter den Völkern, unter den wilden und civilisicrten und sogar unter den gebildeten halbwilden! Deshalb gehört dieses Ereignis des Marsches unserer Truppen in der Weihnachtszeit vom Kaukasus uachkAfghauistaii trefflich in die bcilige Zeit, die wir feiern, hinein, sie ist eine der Bürgschaften für die Fortdauer des Friedens. und wahrlich nicht die letzte. Was auch dort an den fernen Grenzen Rußlands sich vorbereite, wir stehen auf einer Zinne, von der wir das Kommende Überschauen, von der wir die gebieterischen Grundsätze der friedlichen riissischcn Politik zur Geltung bringen. Nur die bösen Gewissen mag das kräukcii— gleichwie ein Wegelagerer das siebente Gebot schilt." Tie Wiener Blätter besprechen die Auslassungen der russischen Blätter über die letzten russischen Truppen- Verschiebungen und bezeichnen sie als eine Botschaft dafür, daß Rußland entschlossen sei, England in Indien den Todesstoß zu versetzen. Die Londoner Blätter verlangen wegen des Vor- rückens der russischen Truppen in Afghanistan die Mobil!- sierung der Flotte.— •• Aeutjches Zieich. Der Kaiser und die Technik. Am Dienstag wurde in der technischen Hochschule zu Charlotten- bürg die Jahrhundertfeier begangen. Bei dieser Gelegenheit wurde der'offizielle Wortlaut der Rede mitgeteilt, die der Kaiser beim Empfang der Rektoren gehalten. Die Rede kantete: „Es hat mich gefreut, die technischen Hochschulen aiiszeichncii zu können. Sie wissen, daß sehr große Widerstände zu überwinden waren; die sind jetzt beseitigt. Ich wollte die technischen Hoch- schulen in den Vordergrund bringen, denn sie haben große Ans- gaben zu lösen, nicht bloß technische, sondern auch große sociale Ausgaben. Die sind bisher nicht so gelöst, wie i" wollte. Sie können auf die socialen Verhältnisse vielfach großen Ein- flnß ausüben, da Ihre vielen Beziehungen zu Arbeit und zu Ar- beiteru und zur Industrie überhaupt eine Fülle von Anregung und Einwirkung ermöglicht. Sie sind deshalb auch in der kommen- den Zeit zu großen Aufgabeli berufen. Die bisherigen Rich- tungcn haben ja leider in socialer Beziehung vollständig versagt. Ich rechne auf die technischen Hochschulen. Die Socialdemokratie betrachte ich als cine vorüber- gehende Erscheinung; sie wird sich austoben. Sie müssen aber Ihren Schülern die socialen Pflichten gegen die Arbeiter klar machen und die großen allgcmciiicn Aufgaben nicht außer acht lassen. Also ich rechne auf Sie I An Arbeit und an Anerkennung wird es nicht fehlen. Unsere technische Bildung hat schon große Erfolge errungen. Wir brauchen sehr viele technische Intelligenz im ganzen Lande; was brauchen schon die Kabellegungen, die Kolonien an technisch Gebildeten. Das Ansehen der deutschen Technik ist jetzt schon ein sehr großes. Die besten Familien, die sich anscheinend sonst ferngehalten, wenden ihre Söhne der Technik zu, und ich hoffe, daß dies noch zunehmen wird. Auch im Auslände ist Ihr Ansehe» sehr groß, und Ausländer sprechen mit größter Bcgeistcriing von der technischen Bildung, die sie an Ihrer Hochschule erhalten haben. Es ist gut, daß Sie auch Ausländer heranziehen. Das schafft Achtung vor iniscrer Arbeit. Auch in England habe ich überall die größte Hochachtung vor der deutschen Technik erfahren, wie man dort die deutsche technische Bildung und die Leisttliigen der deutschen Technik schätzt. Wcudeii Sie sich daher auch mit aller Kraft den großen wirtschaftlichen und socialen Aufgaben zu!" Warum die technische Hochschule mehr berufen sein soll, an der Lösung der socialen Frage mitziiarbeiten, als die„bisherigen Rich- tun gen", d. ki. die Universitäten, die nach der Ansicht des Kaisers in socialer Beziehung vollständig versagt haben, ist nicht verständlich. So niedrig auch iiniiier die sociale Einsicht der Universitätsprofcssoreii cingcsibätzl werden mag, m ehr für die ErkeiinNiiS der wirtschaftlichen Erscheinungen haben die Kathedersocialisten doch geleistet als etwa die technische Hochschule, an der ein— Paasche die Schüler gegen die sociale Einsicht abzuhärten beflissen ist. Daß die Technik allerdings an sich geeignet wäre, die Erkenntnis der socialen Probleme zn fördern, beweist gerade die Social- demokratie, deren Lehre tvescnilich mii ans dem technischen Verständnis beruht, die deshalb auch nicht eher vorübergehen, nicht eher sich auS- toben kann, als die notweiidigen Konsequenzen auS der technischen Entivicklniig im socialistischen Sinne gezogen sind. Bei der Jahrhundertfeier teilte norb der Rektor der technischen Hochschule Professor Riedler mit, daß Prinz Heinrich, der Bruder des Kaisers, ziim Doktor-Jngenicur ehrenhalber. ernannt worden sei. In seiner Ainprache trat lltiedlcr auch sür die Schnlrefonn, die all- gemeine Vollsschule und die— natürlich— Ausgestaltung der Kriegsflotte ein.—_ Hohenlohe der Träumer.„WaS mich betrifft, so gestehe ich, daß, lveim ich mich ins Studimii der Marinc-Aiigclcgcuhcilcu vcr- tiefe, dann leicht Träume vor mir vorübcrzirhcn von großen Flotten, die iiutcr deutscher Flagge den Occau durchschneiden. Diese Träume zerfließen aber sofort, sobald ich mich des RcichstagS- uud der Steuerzahler erinnere. Danu türmen sich Unmöglich- ketten auf, vor dencii mancher liebgewordeuc Wunsch zurücktreten muß." Also sprach Fürst Hohenlohe im Reichstag am 1. März 1893. Der alte Kauzler träumt noch imnicr, aber er erwacht nicht mehr aus seinem Traiime. wie vor 5 Jahren, sondern er spricht aus dem Traume, der keine Uuniöglichkeitcii kennt. Ter uationallibcrale Bürgermeister v. Fischer, Reichs- und Laudtags-Abgeordueler, ist in Augsburg plötzlich au Herz- lähmung gestorben. Der Verstorbene bertrat den 2. oberfränkischen Wahlkreis Bayreuth im Reichstage, in welchem Kreis unsere Partei bei der letzten Wahl eine sehr ansehnliche Stimmeuzahl aufgebracht hat. Bei der Hauplwahl wurden abgegeben für den uationalliberalen Kandidaten 6424 Stimmen, für den Socialdeniolrateii 4211 und für die fteisinnige Volkspartei 2314 Stimmen. Bei der Stich- wähl schwenkten die Freisiimigeit zum Nationalliberaleii hinüber. Derselbe erhielt 9114 Stimmen, während auf den K a n d i d a t e n unserer Partei 3994 Stimmen fielen.— Für die Mordsdnrchlancht, den Prinzen Arenberg, empfindet weiiigstenS ein Mensch tiefes Mitgefühl— der Dr. Karl Peters, der in der Londoner„Finanzchronil" den Fall erörtert. Die beiden verstehen sich eben.— Doch erreicht! AhiuuigSvoll, wie wir sind, schriebe» wir gestern, daß erst noch Genosse Gerisch von dem strebsamen Erfurter Polizciinann einen Slrafzettcl bekommen müßte usw. Und Gerisch h a t ihn be- kommen. Er soll in der That 13 M. Strafe in die Erfurter Polizcikasse zahlen, weil nicht er, sondern ein dritter, nämlich May in Erfurt, die von ihm im„Vorwärts" veröffentlichte Quittung nachgedruckt hat. Gerisch hat in Erfurt weder etwas Unerlaubtes noch etwas Erlaubtes gethan; zwischen ihm und dem Uebelthäter May in Erfurt, der allein etwas gethan hat. besteht noch nicht der Schein eines Zusammenhanges, der das Magdeburger Gericht zu der Wnuderkonstniklion einer Vielcinigkeit der nach einander zeichnenden verantwortlichen Redacteure einer Zeining verführt hat. Und dort wurden noch dem Sünder nur die Sünden seiner Vor- länfcr m i t angerechnet. Hier ist aber nichts, das absolute, im- faßbare Nichts. Warum wird nicht u Hier verantwortlicher Redactcur von der Erfurter Polizei-Obrigkcit bestraft, weil ein Rcdactcur in Erfurt oder auch in— Konftantiiiopel etwas begangen hat?— Rnö Baden.(Eig. Ber.) Die CentrumSfraktion des badischen Landtags beantragte eine Resolution, wonach die Regiermiz ersucht wird, im Budget des Ministerium deS Innern 1999/1991 Mittel ein» zustellen zu dem Zwecke, Zuschüsse an solckc Gemeinden ohne Sitz eines Arztes gewähren zu können, welche mit benachbarten Gcmeiiideii Verträge anschließen, wonach sich diese gegen Bezahlung von jährlichen Rcisekostcnaversen ans der Gcmcindckaffe verpflichten. Einwohnern der Gemeinden ärztlichen Beistand um die gleichen Gebühren zu leisten, die sie an Kranken von ihrem Wohnsitz zu beanspruchen haben. In der Begrüiidnng wixd hervorgehoben, daß die Kosten für einen ärztlichen Besuch an Orten, die Nicht Wohnsitz eines AtzteS sind, sehr oft daS fünf- bis sechsfache betragen, als an Orten, wo ein Arzt wohnt. Die Scheu vor diesen hohen Kosten veranlaßt die Leute sehr oft, die Konsultienmg eines Arztes zu lange hinaus- zuschieben, wodurch�«» vfolgreichc�«ingreisen jws Apztsö sticht selten gefährdet wird. Andererseits verursachen die hohen Acrzte- kosten in vielen Fällen erhebliche Schuleen bei den belreffciideii Familien, wodurch die Rekonvalesccnz des erkrankten Fainilien- Mitgliedes sowie eine bessere Pflege benachteiligt werden. Die Reaktion in Sachsen-Weimar.„Zufolge höherer Weisung" ist nicht nur in Apolda gegen die Wahl des Genossen Bauden wegen dessen Wahl zum Schulborstandsmitglicd Protest ein- gelegt worden. Verschiedene Thatsachen lassen darauf schließen, daß es sich wieder um eine allgemeine Aktion handelt. Auch der OrtSgewaltige des weltbekauiiten Bierdorses Z i e g e n h a i n bei Jena, allwo die ebenso gesürchteten als beliebten„Ziegeiihainer" fabriziert werden, erklärte in der letzten Gemeinderats- Sitzung, daß er gegen die Wahl eines Socialdeniokrateii in den Schul- vorstand protestieren müsse. Weshalb? Weil der Socialdemokratie die Flügel beschnitten werden müssen und ihr Einfluß nicht noch größer werde, als dies ohnedies sei. In einem anderen Nachbarorte Jenas, in Wenigense na, haben die Gemeindevätcr, um jeden Stein des Anstoßes zu vermeiden, einen Genossen aus dem Schul- vorstand, dem derselbe bereits ein Jahr laug angehörte, vorsichts- halber hcrausgewählt. DaS iieunt man Mämierstolz vor Minister- sesscln. Am amüsantesten ist die ganze Geschichte dadurch, daß die Regierung gar keinen direkten Einfluß ans die Ziisammensetzung der Schnlvorstände ausüben kann, da ihr gar kein Bestätignngsrecht zusteht, sondern ihr nur von dem Wahlrcsultat Keniitliis zu geben ist. Die Parteigenossen thun gut— und daran fehlt eS jetzt noch an allen Ecken iinb Enden des Großherzogtnms gewaltig— das Bürgerrecht zu erwerben, damit die Opposition im Landtage gestärkt imd so dem militärischen Treiben Einhalt geboten wird.— Bon den„edlen Herrn der Kirche" in Elsaß-Lothringe». Aus Straßburg wird uns geschrieben: Während mau allenthalben in den Kreisen der..Gutgesiniiteu" über die„Begehrlichkeit"� der Arbeiter zetert, deren TerrorismuS demnächst der ganze Kapitalisten- kliiugel erliegen soll, ist mau au denselben Stellen eifrig bestrebt, sich das Leben in diesem irdischen Jammerthal so angeiiehin als möglich zu machen. Vor Jahresfrist wurde den höheren Beamte»- kategorien des ReichSlaudes eine stattliche Gehaltserhöhung beschert. jetzt haben es auch die„edlen Herren der Kirche", nachdem sie seit Jahre»„hcrzhaftiglich drückten", glücklich durchgesetzt, daß ihucii der Vater Staat eine Lohnerhöhung bewilligte. Wie nämlich offiziös verlautet. wird dein Laudcsansschnß für Elsaß-Lothringen in seiner nächsten Session ei» Gesetzentwurf über die Gehalts- a n f b e s s e r ii n g der G e i st l i ch e n zugehen. Die dazu erfordcr- lichcii Gelder sind teils aus LaiideSmittelii aufzubringen, teils aus Steuern, deren Eihcbuug den eiiizeluen Religiousvcrbäiiden über- lassen bleibt. Während die Klerisei so in Gehaltssachen sich die Uiiterstütznng des Staates mit behäbigem Schmuiizelii gefallen läßt, traut sie ihm andererseits in Fragen der Schule und der Wissenschaft nicht über den Weg. Die Nachricht, daß mit dem päpstlichen Stuhle Ver- haudluiigeu schwebten über die Errichtung einer katholisch- theologischen Fakultät an d e r II ni v e r s i t ä t S t r a ß- bürg, hat unter der katholischen Geistlichkeit des ReichslaudeS gewirkt ivic der Stock im Ameisenhaufen. Allenthalben regt sich's zu geharnischten Proteste». Ans den Kantonen lHüiiiugen, Barr, Niederbromi u. Hageuau sind bereits solche, bedeckt mit zohireichcn Unterschristeu von Geistlicheii, an die bischöflichen Behörden ab- gegangen. Die Universität Straßburg, die„Hochburg des Pro- lestantisinns", wie sie in katholischen Kreisen mit Vorliebe genannt wird, ist den Herren seit ihrer Nenerrichtung nach Gründung des Reiches ein Greuel. Man fürchtet den Einfluß des Liberalismus der dort gelehrten Wissenschaften und ivill die Erziehung und Vor- bildung der angehenden Priester deshalb unter alle» Umständen dem rein geistlichen großen bischöflichen Seminar zu Straßburg vorbehalten. In einer Denkschrift der Geistlichkeit des Kantons Hagenau an den Bischof heißt es diesbezüglich:„Wir verkennen durchaus nicht, daß theologische Fakultäten geeignet sind, � der heiligen Wissenschaft einen gewissen äußerlichen Glanz zn verleihen. Dieser Glanz aber, auch wenn er Hilter den obivaltcnden Verhältnissen eintreten würde, ist bei weitem die Hauptsache nicht. Unter den gegenwärtigen Verhältnissen scheint inis die Errichtung einer theolo- gilchcn Fakultät an der LandeSinliveisität ein Danaergeschenk zu sei». Anstatt daß ivir den Geist Gottes und der Kirche in die Hoch- bürg hincinlragcn, laufen wir Gefahr, den Geist der Welt in das Heiligtum herüberzubringen. Unser großes Seminarwm, daS immer in so ftlänzciidcui Rufe der Orthodoxie und des gewisseiihasten Studiums gestanden, würde dadurch zu einem bloßen Kosthaiis herabgesetzt werden, in dem die von der Kirche gewünschte Bildung deS Klerus nur noch dürftig gepflegt werden könnte."— Spionage. Der nNtcr dem Verdachte der Spionage in Straß- bürg vcrhasletc Brüsseler Reisende Jacqnct Lohr, ein geborener Eliässer, wurde in Freiheit gesetzt, da sich Belastiingsmoniente nicht ergeben haben. Derselbe saß seit drei M o u a t e u in Unter- suchungshaft.—_ Chronik der Majcstiitöbelcidigungö-Prozcsse. Wegen Majestätsbeleidigniig hatte sich vor der FlenS- burgcr Strafkammer der Glasmacher I. L e i b e l i» g ans Oldcu- bürg zu verantworten. Derselbe verbüßt zur Zeit eine Gefängnis« strafe von 1 Jahr wegen Sachbeschädigung und Körperverletzung. Der Angeklagte wohnte bei dem Arbeiter I. Chr. Wulf im Laufe de« vorigen Jahres und hinterließ bei seiner Abreise etwa 19 M. Schuldcn. Unmittelbar darauf denunzierte ihn Wulf wegen Majestätsbclcidigung. Vor Gericht leugnete Leibeling, diese That begangen zu haben, er bezeichnete die Anzeige als einen Racheakt des Wnl's. DaS Gericht verurteilt Leibeling zu einer Zusatz- strafe von drei Monaten Gefängnis. Von der Schiffsbeschlagnahme. lieber die vorläufige Wegnahme des Dampfers„Herzog" wird auS Durban vom Sonntag gemeldet: Der Dampfer„Herzog" wurde im Norden der Dclagoa- Bai beschlagnahmt und dann dem Prisengcricht überantwortet. Der portugiesische Gouverneur deS Zaiiibcsi-DistriktS befindet sich iiutcr den Passagieren, die nach der Dclagoa- Bai gehen wollen. Die Seebehörden boten ihm Fahrt dorthin auf einem RegicrungS- schiffe an. Die Beschlagnahme dieses Schiffes ist um so auffälliger, als der ptzweck der Fahrt des„Herzog" nach der Dclagoa- Bai der Transport von Abtcilungeii des„Roten Kreuzes" nebst den der Krankenpflege dienenden Einrichtungen war. lieber diese zu den Ambiilanzeii des„Roten Kreuzes" gehörende und auf dein Dampfer „Herzog" befindliche Aiisrüstung wird mitgeteilt: Wir haben sür 18 999 Fr. chirurgische Jlistrumente und Medika- mente an Bord und sür 2999 Fr. Lebensmittel, die in die Schiffs- liste eingetragen sind. Niemand hat Waffen bei sich. Es ist demnach wahrscheinlich, daß der„Herzog" nach cinigen Tagen wieder frei- icgeben wird, es müßte denii sein, daß die Engländer einen anderen zweck verfolgen, als das Schiff auf KriegSkoiiterbaude zu unter- iichen. Den Mitgliedern der Ambulanz kann nichts weiter geschehen; wenn man sie verhindert, nach Pretoria zu gehen, kehren sie nack Europa zurück. Die Ambulanz besteht aus zwei belgischen und drei deutschen Aerzten, aus einem belgischen Oekonom, einem belgischen Apoihekcr. sechs belgischen und icchs deutschen Krankeiiwärtcrimien und zwölf belgischen und neun deutschen Krankenwärtern., DaS„Berliner Tageblatt" erfährt, daß die Engländer in Kap- stadt auch die für die deutsche n K o n s u l n in Pretoria und Johannesburg bestimmten Briefe anfhalteii. Unter diesen Ilmständeii seien auch die deutschen amtlichen Personen über die Vorkonnnniffe in Transvaal gar nicht oder nur unzureichend informiert. London, 9. Januar. Die„Daily NewS" verlangen bezüglich deS„Bundesrat" und„Herzog" schnelle E r l e d i g u n g' der Angelrgenhest. Sie sagen, eö fei sehr thöricht, die Eigentümer der ® chiffe warten zu lassen, während diese ihre eigene Regierung um Abhilfe bestürmen. Man soliie es nicht dahin kommen lassen, daß die Angelegenheit infolge von Verzögerung zu einer Quelle der Mißstiimnung zwischen beiden Ländern werde.— Weiter wird gemeldet: Zur„Wahrnehinnng der deutschen Interessen" sind die Kreuzer „Schwalbe" und„Condor" nach der D e I a g o a b»ich t beordert, von denen der letztere bereits seinen Bcstinininngsort erreicht haben dürfte, da er schon am vergangenen Freitag Port Natal verließ. Die „Schwalbe" hat zuletzt ans-einer Rundfahrt in den ostafrikanischen Gewässern die Reise von Sansibar nach Lvnrcnco Marques in nenn Tagen ausgeführt; da das Schiff mithin schon am 2. Januar in See ging, kann es am 11. zur Vereinigung»nit dem„Condor" in der Dclagoabai eintreffen. Brüssel, S. Januar. Das hiesige Komitee der internationalen Freiwilliger» des Roten Kreuzes hat eine P r o t e st n o t e an das Auswärtige Amt in London gerichtet, ivorill erklärt wird, daß die Ambulanzen auf dem Dampfer„Herzog" nach allen Vor- schriftcn der Genfer Konvention a»lsgernstct seien und die sofortige Freilassuirg der Ambulanzen beantragt wird. Ausland. Eine Nechtfertigungsrede Balfours. Der Erste Lord des Schatzes Balfour hielt an» Montag vor seinen Wählern in Manchester eine Rede. Im Verlaufe derselben warf er einen Rückblick auf die Er- eignisse vor dein Kriege und sagte, er glaube, daß trotz der mit Transvaal bestehenden Schwierigkeiten niemand und sicherlich nicht die Regierung den Krieg für imverineidlich oder selbst für sehr wahr- scheinlich gehalten habe. England habe ungenügend vor- bereitet den Krieg begonnen. Er gebe zu, daß England die militärische Leistungsfähigkeit der B o e r e n unterschätzt habe. Der Krieg sei ein solcher für die Verteidigung des afrikanischen Reiches und lverde ohne Wanken zu Ende geführt iv erden, so daß kein derartiger Krieg je wieder in Afrika werde geführt werden. Zuletzt»nachte der Redner sich über die im Auslände laut gewordenen Voraussagen lustig, daß die Auslösung des britischen Reiches be- gönnen habe. Allzu großen Eindruck hat Balfour mit seiner Rede sogar in» eigenen Lande nicht erreicht. Die englischen Blätter sind geneigt, die Rede Balfours u n g ü n st i g zu beurteilen, namentlich die Be- Häuptling, daß die Regierung keine ernstlichen Fehler gemacht. GrosicS Slnivachsen der Socialdemokratie i» Dänemark. Bei den jetzt in Dänemark stattfindenden Stadtrats- Ivahlen ist ein großer Fortschritt für die gesamte OppositionS- Partei zu verzeichnen, aber besonders ist es die S o c i a l d e m o- k r a t i e, die Ricsenfortschritte in der Stimnienzahl»>nd in der Er- ringung von Mandaten aufweist. Selbst die konservativen Blätter erkennen es mit Eiitsctzci» an.„Frcderiksborg Amtstidcude" schreibt: „Den Sieg trägt die Socialdemokratie davon. Sie ist hier >vie andcrlvärts eine große, vorzüglich organisierte Partei,>vo jeder Mann in Reih»md Glied stimmt." Und iveiter: „Es bläst zur Zeit ein socialdemokratischer Sturm durch das Land hin, und es zeigt sich nun auS den» Steigen der Stimmen der Socialdemokratie, daß die„Rechte",»vas sie auch unternourmcn hätte, dagegen nicht aufkommen konnte." In der That ist der Stimmenzuivachs ein außerordentlicher. In den 3ö Städten, die bis jctzt gclvählt haben, betrug die Stimmen- zahl— da die Wahl eine Listenwahl ist, so ist die Zahl der für die einzelnen Kandidaten abgegebenen Stimmen verschieden— 181)4: 5454—4820, dagegen 1900: 15 417— 13 829, d. h. also fast eine Verdreifachung der Stimnienzahl! Es sind bis jetzt geivählt: 104 Rechtc-Mitglieder, 135 Radikale und 50 Socialdcmokraten, also 104 Konservative und 191 OppositionS- männer.— Ocstreich-Nngarn. Vom neuen Ministerium. Wien, 9. Januar. Morgen und in den nächsten Tagen iverden Beratungen der führenden deutschen Abgeordneten über die Lage angesichts des bevorstehende» Kabinettswechsels stattfinden. Im Vordergründe dürfte die Absicht Körbcrs stehen, für das neue Kabinett eine den deutschen Partcikreisen nahe- stehende, aber nicht dem Parlamente angehörige Persönlichkeit als Minister ohne Portefeuille zu geivinnen. Die östreichischc Marincpolitik. In der östreichischen Delegation dankte iin Laufe der Debatte Admiral Frhr. v. Spann für die der Kriegsmarine ausgesprochene Anerkennung und er- klärt unter anderem, daß es sich zirr Zeit um keine Ver- größerung der Kriegsmarine handle, sondern nur um den Ersatz bereits veralteter Schiffe, wobei ans die Finanzen des Staates Rücksicht genommen»vnrde. Die kleinen und mittleren Ge- schlitze ivürden gegenwärtig durchweg in» Jnlande beschafft. Das 24-Ceiitin»eter-Provcgcschütz sei bei Skoda bestellt worden»nid würden nach dessen Erprobung, welche voraussichtlich günstige Ergebnisse haben lverde, auch diese Geschütze im Jnlande beschaffst Iverden.— Frankreich. Dcputiertenkammcr. Paris, 9. Januar. Die Wieder- eröffmmg erfolgte in Ruhe. Bei der Wahl des Präsidenten wurde D e s ch a n e l mit 303 Stimmen gegen 221 Stimme», welche Brisson erhielt, wiedergelvählt. Zu Vicepräsidenten werden Faure mit 522, Cochery mit 310, Mesnreur mit 289»md Aynard mit 281 Stimmen»viedergewählt. Von Gegenkandidaten erhielten Mahh 179, Döroulvde 81, Marcel Havert 54 und de Ramel 50 Stimmen. Paris, 9. Januar. Der Alterspräsideirt, der radikale Ab- geordnete Turigny, hielt eine längere Ansprache, worin er die voll- ständige Reorganisation des Staates verlangt. Er fordert eine Revision der Verfassung, Abschafsirng desSeirats nnd der P r ä s i d e n t s ch a f t der Republik und die Ersetzung der Minister durch Beamte. Er verlangt iveiter das Referendum für säintliche Fragen,»velche den Frieden des Landes betreffen, die Ein- führrmg eines mternatioiialen Schiedsgerichts, die individuelle Frei- heit, die Preßfreiheit und die Koalitionsfreiheit und schließlich eine Besserung der Arbeiterlage.— Paris, 9. Januar,(23. T. 23.) Der Senat wählte Fallisres zun» provisorischen Präsidenten»nit 89 von 100 abgegebenen Stimmen, Magnii» zum provisorischen Vicepräsidenten mit 81 von 100 abgegebenen Stimmen, und vertagte sich dann bis zum 1. Februar. Ueber eine geheimnisvolle Ducll-Affairc Paul Loubcts, deS Sohnes des Präsidenten der Republik, wovon die Blätter seit vorgestern reden, erfährt der Korrespondent der„Franks. Ztg." zuverlässig, daß ein Professor Launay, der mit Paul Lonbct befrelindet war, nach der Verurteilung Dsroulödes einen Brief an ihn richtete, voll beleidigender Ausdrücke für seinen Vater. Paul Lonbct sandte zlvei Offiziere vom Dienst iin Elysee zu dem Professor mit einer Forderung! doch lehnte dieser ab. weil nicht der Sohn, sondern der Vater beleidigt sei. Das Schiedsgericht gab dem Pro- fessor recht und das Duell»mterblieb.— Von der Affaire Döronlede. Ungefähr von jeder Haltestelle seiner Reise nach Barcelona ließ Döroulsde einen Tchailcr von Drahtungen ans seine Freunde niedergehen. Paris und die Welt erfuhren aus diese Weise von Minute zu Minute die Ver- »vendung seiner Zeit und seine großen Staatsgedanken. Er fragte auch bei der Qrdensbehvrde drahtlich an. ob er trotz seiner.Per- urteilung das Recht ochalie, sein E h r e n l e g i o n k r e uz zu tragen. Der Ordensrat beeilte sich, die wichtige Frage zu erörtern, und beschloß mit sechs gegen vier Stimmen, daß Deronlede sein Kreuz behalten dürfe. Die Geldsammlung des„Echo de Paris" erreicht heute 12 792 Fr. Die Geschworenen, die Deroulöde im Februar freigesprochen haben, sind von ihren» damaligen Obmann zn einer Versammlung einberufen worden, mn gege»! seine Ver- urteilung durch den Staatsgerichtshof Einspruch zu erheben. Italien. Ungeheuer ist die Korrntztio» i» Italien. Nachdem erst eben die schauderhafteste Mißivirtschaft aufgedeckt worden ist, steht schon»nieder ein großer Sensationsprozeß in Aussicht. Wie heute aus Rom telegraphiert wird, findet in der nächsten Woche in S a s s a r i auf Sardinien die Verhandlung eines Monstrc- Prozesses statt, in welchem»richt»veniger als 400 Angeklagte, 900 Belastungs- und 1000 Entlastungszeugen auftreten werden. Unter den Angeklagten befinden sich Bürgermeister, hohe Beamte, Professoren und reiche Kaufleute, welche sämtlich des Diebstahls oder des Brigantentnms angeklagt sind.— Rom, 9. Januar. Da die Regierung die Verhandlungen be- treffend die Eriverbung der Sannnmbai vollständig abgebrochen, wurde das ostasiatische Geschwader aufgelöst. Rustlaud. Behandlung Verbannter im Reich deS FriedenSevangcliumS. Man schreibt»ms a»ls dem Gouvernement Wjatka: Mit dem starken Wachstum der russischen Arbeiterbewegung in den letzten Jahren vermehrte sich enorm die Zahl der Opfer des russischen Dcspotisnnls. Alljährlich iverden Hunderte von Ilrbeitern und Intelligenten in Gcfängirisse gelvorfen nnd nach den nn< beivohnten»vüsten Stätten des europäischen nnd asiatischen Rußlands verbannt. Früher war die Verbairnung nach Westsibirien und Centralsibirien als Strafe für geringe politische Vergehen bestimmt, während die unter starkem politischem Verdacht Stehenden nach Ostsibirien verbannt wurden. Da aber jetzt in West- und Centralsibirien die Jndnstrie ebenso intensiv wie im europäischen Rußland sich entwickelt, so nimmt die Gendarmerie davon Abstand, russische Socialistcn nach den be- ivohnten Orten Sibiriens zu schicken und verbannt sie hauptsächlich in die fast gänzlich imbcivohnten Orte der nordöstlichen Gouvernements des europäischen Rußlands,»vo keine Spur von Jndristrie und Handelsverkehr zn finden ist. Ein solches für die Verbannung anserivühlte Gouvernement ist das Gouvernement Wjatka, wo gcgcuivärtig sich ca. 500 politische Ver- bannte(etwa 325 Arbeiter und 175 Intelligente) befinden. Die verhältnismäßig geringe Entfernung von der civilisiertcn Welt hat aber die Lage der Verbannten keineswegs verbessert. Im Gegenteil. Die russische Regierung bleibt auch hier treu ihren Principien. Wenn die Lage der intelligenten Verbannten,»velche von ihrem Berufe, ihrer Gesellschaft losgerissen werden, um in irgend einem entlegenen Nest ihre besten Jahre zu vcrschinachtcn. nicht beneidensivert ist, so ist die Lage der vcrbannlcn Arbeiter ganz schauderhaft. Sie erhalten von der Staatskasse 1 Rubel 20 Kop. monatlich zur Ernährung nnd 1 Rubel 50 Kop. monallich für Wohnung und Kleidung. Die ver- bannten Arbeiter sind hier einfach dem Hunger preisgegeben. Einige Arbeiter»vollten eine kooperative Werkstatt eröffnen, sie hatten aber »»icht die dazu nötigen Werkzeuge. Aus einer Stadt versprach man ihnen Hilfe, aber der Gouverneur erlaubte ihnen nicht, nach Wjatka zu reisen, um Instrumente einziikaufen. In letzter Zeit wurde die Lage der Arbeiter hier ganz»in- erträglich, so daß sie absichtlich Fluchtversuche machen, um in das Gefängnis zu geraten,»vo man sie doch unentgeltlich ernähren muß. Die Aufsicht der Polizei ist so streng, daß jeder private Verkehr un- möglich»vird: sämtliche Briese iverden von der Polizei gelesen, Haussuchniigen iverden ohne jede Veranlassniig vorgenommen. Man muß bcwniidcrn, daß die klassenbeivußtcn Arbeiter auch»ntcr diesen Vcdiiignngcn die Fühlung mit der gemeinsamen Sache nicht ver- licren»ind jede Strömung' in der russischen und in der internationalen Arbciterbelvegrmg mit großem Interesse verfolgen.— Petersburg, 9. Januar. Hier wurde ein gewisser Iwan Wolfs unter dem Verdachte, eine Verschwörung gegen das Leben des Zaren geplant zu haben, verhaftet. Bei einer Haussuchung wurden dem'Verhafteten bclnstende aufrührerische Schriften und Waffen mit Beschlag belegt. Es dürfte»» noch weitere Verhaftungen erfolgen. Asien. Vom Krieg auf den Philippinen liegt»viedcr einmal eine Meldung vor, die bcivcist, daß die Amerikaner ungefähr noch ebenso viel und ebenso»vcnig ausgerichtet haben, wie es vor einem Jahr nnd länger der Fall»var. Man berichtet aus Manila vom 9. Januar: Zlvei Compagnien des 25. Regiments unter dem Befehl des Kapitäns Hänser haben Knndschaftsdicnste in der Nähe von Arrayad ausgeführt. Die amerikanischen Truppen drangen gegen die Insurgenten vor. Letztere töteten»vährend des Gefechts z>vei amerikanische Gefangene und brachten drei anderen tödliche Berivnndungen bei. Es gelang dem Kapitän Häuser, zlvei der Un- glücklichen zn retten; ihr Zustand ist aber hoffnungslos.— Hnngcrsnot in Indien. Die Nachrichten aus Indien lauten von Tag zu Tag entmutigender, und»»achdcm nun auch der Winlcr- regen ausgeblieben ist, muß England sich darauf gefaßt machen, neben den» Krieg in Südafrika einen zlveiten Feldzug gegen einen viel schlimmeren nnd gransameren Feind, gegen M i ß»v a ch S und Dürre in Indien, zu führen. Als man gegen Ende September- vorigen Jahres anfing, Befiirchtinigen»vcgcn des Anssalls der Ernte zu hegen, ivnrdc' sofort mit ancrkcnnensivcrter Energie daran gearbeitet, den unheilvollen Folgen des Kornmangels, der in einen» Lande, dessen Bevölkerung misschließlich vegetarisch lebt,»atiic- lich an» fühlbarsten»vird, entgegcnznarbcitei». Trotzdem gab man aber die Hoffirung nicht ans, daß, nachdem der Herbstregen arlsgeblicbcn»var, lvenigsteiis der Winterregen kommen»vürde, aber nun ist auch diese Erlvartnng getäuscht, und Indien»vird sich in kurzer Zeit einer jener Hungersnöte gegen- übersehen, die Millionen von Menschenleben kosten, ungeheuren Geld- auftvand notwendig machen und in der indischen Bevölkerrmg Haß nnd Feindseligkeit gegen die englische Herr- schaft erivccken. Dreißig Millionen Mark sind»och im vorigen Jahre von der anglo-indischcn Regierung zur Bckäntpfnng der Not beivilligt ivordcn, und nach dem Voranschlage sollte diese Stimme bis zum März ausreichend sein; inzivischen ist der Mangel von Tag zu Tag gestiegen, und jctzt»verde»» bereits»veitcre dreißig Millionen Mark gefordert. Die Zahl der Eingeborenen, die sich an die Re- gierung hilfesuchend»vende», ist in den letzten Tagen so enorm an- geschivollcn, daß die Untcrstützuiigsraten herabgesetzt iverden mußten. um die Arbeitsuchenden, deren Zahl jetzt schon die dritte Million überstiegen hat, bei den NotstandSarbeiten beschäftigen zu können. Berichtigung. In der Notiz„Zwei Flotten-Tolle' sind am Schluß des ersten»n»d zlveiten Absatzes des CitateS aus der„Welt am Montag" Punkte,»velche Auslassung dazivischen stehenden Wort- lmites andeuten, versehentlich fortgelassen»vorden.— Statt„Eine Bismarck-Replik" aus Spalte 2 der 2. Seite mußte es heißen: Ein Bismarck- Reptil. Pnrtciprcssc. Das tägliche Erscheinen der„Reußischen Tribüne"»vrirde in einer Parteiversan,mlu>»g in Greiz für den 1. Jirli d. I. bestimmt in UuSsicht gestellt. In die Redaktion der„V o l k s w a ch t" in Breslau ist an» 2. Jannar Genosse Frmiz K l ü h s aus Greifstvald eingetreten. Genosse Emil N e u k i r ch, der sieben Jahre an dem Blatte thätig jvap, nberngh»»� die jkPWlß j?cs nep�MlgdP�i Atzbxstcssckxetariay »n Breslau. Toteitliste der Partei. In Glaishammer(Bayern) starb einer der ältesten unserer dortigen Parteigeitossen, der Stistenmachcr G. Fiesenig. Er gehörte zu den eifrigsten und thätigsten Genossen in jener Zeit, als die Partei noch in den Kinderschuhen steckte. In- folge körperlichen Leidens hat er sich in den letzten Jahren gänzlich zurückgezogen und ist nach langer Krankheit einer mehrfachen Operation im Krankenhans erlegen. Polizeiliches, Grrichiliches usw. — Hailssnchnng und Beschlagnahme. In der Expedition unseres Parteiblattes ii» Hof, der„Oberfränkischen Volkszeitnng", »vurden sämtliche Hefte des Pfaffenspicgels beschlagnahmt,»vcil das Werk in Bayern verboten sei. Ein schöner Anfang. Sonnabeird, den 0. Januar, hatte der Verantivortliche Redactenr unseres Kieler Parteiblattcs, Genosse Korn, schon den zlveiten Prozeß. in diesem Jahre. Während er das erstemal freigesprochen»vnrde, so wurden ihm im zweiten Falle 30 Mark Geldstrafe zudiktiert»vegen Beleidigung eines Nacht- Wächters. — Die Verbreitung des socialdemokratischen BolkS> kalcnderö im Hcrzberger Kreise des Regierungsbezirks Merseburg hat die Polizei, die erst nach geschehener That davon erfuhr, so in Harnisch gebracht, daß sie, mit»velchcm Rechte wissen»vir nicht, bei mehreren bekannten Genossen nachträglich Haussuchung hielt nnd eine ganze Anzahl Kalender beschlagnahmte. Irgend etivas Straf- bqres enthielten die Kalender nicht, das macht aber der Polizei »veiter nichts, dcsivegen»vird ruhig gehaussucht nnd beschlagnahmt. — Wege» Beleidigung des Majors Placke aus Aken. deS nationalliberalcn Reichstags- Kandidaten im Wahlkreise Kalbc- Slschcrslebci», lvurde ein Maurer zu 20 M, Geldstrafe verurteilt. Die angeblich beleidigende Acußerung war in einer Versammlung in Quedlinburg gefalle»»._ Socinles. Sitzgelegenheit für HandelSangestcllte. Die vom Staatssekretär Posadolvsky im Reichstage versprochene Bundesrats- Verordnung über die Sitzgelegenheit wird jctzt,»vie gemeldet»vird, im Reichsämtc des Innern ausgearbeitet, um alsdann dein BnndeS- rat znr Beschlußfassung vorgelegt zu iverden. Vom Kriegsschattplatze konnten»vir gestern noch unter letzte Nachrichten melden, daß der An- griff der Boeren ans Ladystnirh von den Engländern abgeschlagen lvurde. Die Lage der eingeschlossenen Engländer hat sich dad»..»» jedoch um ilichts gebessert sondern verschlechtert. Denn sie haben solvohl für sie unersetzliche Munition verschossen, als eine bis jetzt nicht bekannte Zahl von Kämpfern eingebüßt,»vährend die belagernden Boeren für Menschen und Kricgsuratcrial Ersatz heran- schaffen können. Von dem nicht weit von Ladysmith jenseits des Tngela stehenden General Bnller haben die in Ladysmith eingeschlossenen Engländer scheinbar nichts zu erivartcn, und die von ihm zur Beunruhigung der Boeren nnternommene D e in o n st r a t i o n schein» ins Wasser gc- fallen zu sein. Es»vird von keinem»veiteren Vorgehen BullcrS gemeldet, dagegen liegt von» Sonntag aus dem Lager bei Frerc die Nachricht vor: Heute ist alles ruhig. Der Feind hat augenscheinlich eine große Anzahl Verivinedetcr, da im Laufe der Nacht in der Umgegend von Fort Wylie mehrere Rothe Krenz-Flaggen aufgezogen»vurden. Beurteilung der Lage in der englische» Presse. London, 9. Jannar. Whites Meldung, daß der Angriff der Boeren zurückgeschlagen»vorden sei. verursacht allgemeine B e s r i e d i g n» g. Allein' man verhehlt sich nicht, daß die Lage in Ladysmith dadurch nicht besser gcivorden ist, der lange hartnäckige Kampf müsse die Besatzung»vesentlich geschivächt, die Munition nahezu erschöpft hahen. Die„TimeS" räumen ein, daß die strategischen Folgen der Niederlage der Boeren sich nicht als sehr erheblich erweisen dürften. Falls die Verluste nicht nngeivöhnlich groß sind. dürften sie die Boeren nicht im mindesten veranlasse»,. die Belagerung anfz,»geben. Unter Umständen wird crlvartet, daß Buller baldigst zum Angriff ans die Boercusiellung am Tngela schreiten»verde; die„Times" fragen verwundert, war»»»»» er dies nicht �schon Sonntag gcthan hat. Der Sohn eincS schweizerischen Soeialdemokraten bei Lady- smith gefallen! Am Neujahrstag traf in Zürich die Nachricht ein. daß vor Ladysmith in den Reihen der Boeren der Sohn des verstorbenen Rcdactcnrs Konrad Eonzett durch sieben Lanzenstiche schwer»vr- wnndct»vnrde: er lieg» gegenivärtig im Lazarett zu Pretoria. Adolf Eonzett, so heißt der junge Mann, ist,»vie sein Vater es»var, eine Kraflgestalt. Er lernte den Biichdruckerbcruf und Ivandcrte vor einigen Jahren natb Amerika nnd von dort nach den Transvaal- staatcn ans. Seit vier Jahren befindet er sich in der südafrikanischen Republik. Ncujahrsbotschaft des Präsidenten Stcij»». „Standard and Diggcrs Ncivs" zufolge schloß Steijn seine Neu- jahrSbotschaft an die Bnrghers»vie folgt: Möge im nächsten Jahre die Vlfrikandcr- Nation Friede nnd Ruhe genießen, möge der Friede aus der Grundlage errichtet werden, daß der Feind, der uns>v ä h r c n d des ganzen Jahrhunderts unter- drückte nnd verfolgte, nicht länger in der Lage sei,»»»schuldiges Blut zn vergießen, möge Gott in seiner unendlichen Gnade uns dies geivähre»! Eine Depesche der Regierung der Südafrikanischen Republik teilt den Vereinigten Staaten mit, daß dem anierikanischen Konsul in Pretoria nicht erlaubt»verde, die britischen Interessen in Trans- vaal zu vertrete»». Der Grund hierfür sei der, daß die Regierung von Transvaal in ihrem Territorium eine englische Vertretung nicht »vüusche. Militärische Mahnahme» in England. London. 9. Januar. Den„Daily Nelvs" zufolge beginilt übermorgen die Einschiffung der achte» Division. Den Morgenblättcri» zufolge ist das Kanonenboot„Harrier" anS dem Mittelmecr in Ilde» eingetroffen, uin sich an der Ueberivachnng verdächtiger Schiffe zu beteiligen. Der Fiinia Vickers und Maxim ist die Anweisung zugegangen, bis auf»vcitercs so viel 4.7- und 0 zöllige Schnellfeucrgeschütze her- zustellen, als sie zu l e i st e n vermag, London. 9. Januar. Wie verlautet, ist die Nachricht, daß an Bord eines in der Themse liegenden Dampfers Geschütze und Schieß- bedarf beschlagnahmt»vorden seien,»mlvahr. Gerüchtlvcise verlaritet, die Boeren hätten bei den» Angriffe auf Ladysmith eine Anzahl englischer Marinegeschütze erobert. Uetzto Ltadjvislzkett und Dopefilzen. Wie», 9. Januar.(W. T. B) Im»veiteren Verlaufe der heutigen Plenarsitzung der östreichischen Delegation ging der Czcchc S t r n n s k y auch auf die Zde-Fragc ein nnd betonte, daß die Einheitlichkeit des Heeres nickt die heiligsten Gefühle des Soldaten verletzen dürfe. Er gab der Ansicht Ausdruck, daß Druischloud sich in die inneren Aiigelcgciihcitcn Oestreichs einmische, und citierte ein Hamburger Blatt, Ivclchcs den dcntschcn Soldaten als daS einzige zuverlässige Element des östreichischen Heeres, den slavischen Soldaten als zur Desertion bereit bezeichnet, Redner sprach sein Bedauern darützer ans, haß dj« Slavczt gegen«»en solchen Angriff keinen Schutz gesimden hätten. Hierauf wird oie Sitzung vertagt. New Dort. 9. Januar.(W. T. B.) Das amerikanische Kriegs- schiff„Machias" hat Befehl erhalten, sich von San Juan»ach Santo Dginillgo zu P.cgeb�n. um dort iin Falle von Unruhen die ameri« käntschen Jnterepc» zü schützen. VeraiiNvortlicher Redactcur: Paul John in Berlin. Für den Jliscrateuteil verantwortlich: Xh. Glocke in Berlin. Druck»md Verlag von Max Bading in Berlin. Hierzu« Beilagen nnd Nuterhalt,»iigSblatt. Ar. 7. 17. Iahrgavg. 1. KilM des„Wwiick" Knlim WÄM Mittwoch, lv. Iaooar lüvv. NeichskAg. 123. Sitzung vom S. Januar ISlX), 2 U h r. Am Buiidesratstisch: v. T h i e l m a n n. Gestorben ist der Abg. v. Fischer snatl.) Das Haus ehrt sein Andeiikcii in der üblichen Weise. Präsident Graf Ballcstrem: Ich eröffne die erste Sitzung des deutschen Reichstages im 20. Jahrhundert.(Heiterkeit und Widerspruch) und gestatte mir an der Jahres- und Jahrhundertwende den geehrten Herren Kollegen meine aufrichtigen Glück- und Segenswünsche darzubringen.(Bravo! Erster Punkt der Tagesordnung ist die zlveite Beratung des Eitt Wurfs einer ReichS-Zchnldeuorduung. § 1 bestimmt: Die Bereitstellung außerordentlicher Geldmittel, welche zur Bestreitung einnmliger Ausgabe» für Zwecke der Reichs- Verivaltung vorgesehen sind, erfolgt auf Grund einer besonderen gesetzlichen Ermächtigung des Reichskanzlers. Abg. Richter(Ars. Bp.) beantragt, das Wort„besonderen' zu streichen, da es sonst den Anschein haben könnte, als ob die Er- mächtiguug jedesmal gesondert erteilt werden müsse. Unterstaatssekretär Aschcnbor» hat gegen diese Streichung nichts einzuwenden. Das Hans beschließt dem Antrag Richter gemäß. § 2 giebt dem Reichskanzler die Befugnis, zu bestimmen, zu welcher Zeit, durch welche Stelle und in welchen Beträgen Schuld- verschreibungen der verzinslichen Anleihe ausgegeben werden sollen Das Gleiche gilt von der Bestininuing des Einsatzes, der Kii» dignngsbedingnngen und des Kurses, zu welchem die Ausgabe er- folgen soll. Abg. Richter(frs. Bp.) beantragt, diesen Paragraphen an die Kam- Mission zurückzuverweisen, um dort über verschiedene Beschränkungen desselben zu beraten. Dieser Antrag wird gegen die Stimmen der Konservativen und Nationalliberalen angenommen. Die§§ 3—15 werden mit unwesentlichen redaktionellen Aendo rtingen angenommen. § IG(Ersatz für abhanden gekommene Schuldscheine) enthält eine Bestimmung, ivonach bei Abhandcnkonnnen oder Vernichtung eines Schuldscheines der im§ 804 Absatz 1 des Bürgerlichen Gesetzbuches bestimmte Anspruch ausgeschlossen ist, ohne daß es der Ausschließimg in dem Scheine bedarf. Abg. Möller-Sagan(frs. Vp.) beantragt, diese Bestimmung zu streiche». Es sei nicht angängig, gleich nach Inkrafttreten deS Bürgerlichen Gesetzbuchs eine wichtige Bestimmung desselben auf- znhebcn. Die Ersatzpflicht des Reichs müsie in diesem Falle bestehen bleiben. Gcheimrat Ttruckmann bestreitet, daß eine Bcstimmnng des Bürgerlichen Gesetzbuchs aufgehoben werde. Der Antrag würde eine außerordentlich schivicrige und kostspielige Kontrolle bedingen. Auch die preußische Staats-Schuldeuverwaltung erkciuic eine Ersatzpflicht in diesem Falle nicht au. Abg. Stronibcck/2 Millionen Tonnen, wovon die deutsche Hochsce- fischcrei mir G Proz. liefert. Abg. Dr. Pachnicke(frs. Vg.): Die Stellung der Regicrnug zu diesen Petitionen hat sich gegen früher verändert. Die Regierung steht nach den Erklärungen ihres Kommissars jetzt auf dem Standpunkt, die Angaben der Fischerei- gcsellschaft für zutreffend zu hallen. Die Bedenken der Konsuni- belastnng. die früher vorlagen, sind wesentlich abgeschwächt, während nach Ansicht der Regierung durch eine Erhöhung deS Zolls die Lage der betreffenden Gesellschaften sich erheblich günstiger gestalten würde. Man sieht also, wohin gestenert wird, und gerade diese Thatsache ucranlaßl uns, dem Reichstag vorzuschlagen,' durch Uebergang zur Tagesordnung eine möglichst deutliche Antwort auf diese Forderungen zu geben. Die Erhöhung deS Zolls würde eben nur ein paar großen Aktiengesellschaften zu gute kommen.(Sehr richtig! links.) Der Leid- tragende ivird der Heringsesscr sein und der Gewinner nicht der Hcrlngöfischer. Der Reichstag hat also allen Anlaß, die Petenten nicht zu ermutigen. Ich bitte Sie, unseren Antrag auf Uebergang zur Tagesordnung anzunehmen. Abg. von Waldow und Rcihcnstci»i w ä l i e. Ebenso sollen noch in dieser Woche die aus der Berattmg des In Validitäts-Versicherungs- Gesetzes noch rückständigen Resolutionen betreffend die Witwen- und Waiscitversichermig für Fabrikarbeiter und die Aus- dehnung der rcichsgesetzlichen Krankenversicherung auf land- und 'orstwirtschaftliche Arbeiter und das Gesinde erledigt werden. Außerdem beabsichtigt der Präsident die restierenden Paragraphen der Gewerbe-Ordnungs-Novelle in dritter Beratung nnd die sogenannte„ I- e x Hei'nze" in zweiter und dritter Lesimg baldigst zur Verabschiedung zu bringen. Die Erfüllung dieser Absicht macht der Präsident jedoch von der Beschlußfähigkeit des Hauses abhängig und ersucht die Fraktionen, denen diese Gesetze besonders wichtig erfcheinen, für ein beschlußfähiges HanS Sorge zu tragen. »» » Nachtrag. Wie der Präsident deS Reichstages am Ende der Plenarsitzung mitteilte, hat der Reichskanzler erklärt, daß er in der heutigen Sitzung nicht anwesend sein könne. Infolgedessen mußte die Disposition' des Seniorciikonveiits etivas abgeändert niid der Etat des Innern an die Stelle des Etats des Reichskanzler- amts gesetzt werden._ Gevichks-Äettung. DaS ReichSgericht nnd die Presse. Für die Behandlung von Preßvergehen enthält eine Entscheidung, die heute vom Reichsgerichte gefällt wurde, beachtenswerte Gesichtspunkte. Vom Landgericht Bochum ist am 2. August der Redacteur der„Berg- und Hüttenarbeiter-Zeitung", unser Parteigenosse Otto H u s in Nüttcnschcid Ive�cu Bclcidiqung dcr Veunitcu der Berq- iuspektion an, Deister zu M0 Wt. Geldstrafe verurteilt ivordeu.> Er hatte tu Nr. 13 seines Blattes von, vorige» Jahre auf Grund von Mitteilungen, die ihm mit der Auffordernng, sie zn verlvende», zugegangen ivarcn, einen Artikel veröffentlicht, welcher sich mit der Aussicht über die Bergarbeiter in der Deistcrgcgend sowie mit der Fürsorge der Behörden für die Arbeiter befaßte. Die Berg- lnspektion hat Strafantrag gestellt, iveil sie in einem bestimmten Satze den beleidigenden Vvrivnrf der Pslichtwidrigkeit erblickte. Das Gericht hat aber den ganzen Artikel geprüft und auch noch weitere Sätze als beleidigend bezeichnet. Den Wahrheitsbeweis hat der An- geklagte nicht angetreten, weil er seinen Geivährsmann nicht nennen wollte. Den Schutz des Z 193 hat das Gericht dem Angeklagten nicht zugebilligt, weil es den Ilmstand, daß er als Angestellter vcr- pflichtet irar. die betreffenden Mitteilnngcn zn veröffentlichen, vis unerheblich ansah � und der Meinung war, daß zur Beseitigung der angeblichen Nkißständc erst die ordnungsmäßigen Instanzen hätten angerufen werden müssen.— Auf die R e v i s i o» des An- geklagten hob das Reichsgericht das Urteil auf und Vcrivies die Sache an das Landgericht zurück. Zur Begründung wurde au§- geführt: Außer dein Bedenken, daß das Verhältnis des§ 185 zum is 186 nicht richtig aufgefaßt worden ist, ergaben sich noch folgende Bedenken: In dem Strafantrage war nur ein bestimmter Satz in- kriminiert und er lvnr nicht nur als Beispiel angeführt. Das Gericht hätte deshalb nur diesen Satz, nicht aber auch den ganzen übrigen Inhalt des Artikels zur Grundlage der Entscheidung machen dürfen. Wenn das Landgericht dies doch gethan hat, so ivar es g e s c tz widrig und entgegen der Recht- sprechung des Reichsgerichts. Ferner gali zn Bedenken Anlaß � die Behandlung des§ 193 durch die Vorinstanz. Zunächst liegt der Verdacht vor, daß die Strafkammer angenommen Hot, der Schutz des§ 193 könne einem Rcdactcur niema ls zuteil werden, lvenn er vertragsmäßig einen Auftrag ausgeführt har. Das würde der Rechtsprechung nicht entsprechen,»ach welcher anzunehmen ist. daß ei» Redactenr. wenn er die Rechte seiner Kommittenten wahrnimmt, den Schutz des 8 193 genießt. Es kommt endlich noch in Betracht, daß die Strafkammer anscheinend angenommen hat, der § 193 könne einein angeklagten Rcdactcur niemals zu teil werden, wenn der zulässige B e s ch>v e r d c w e g vor der Veröffentlichung der Beschwerde durch die Presse nicht betreten worden ist. Auch das ist r e ch t s i r r t ü m l i ch. Zivar kann aus der Thatsache, daß der Beschwerdeweg nicht betreten worden ist. auf die Absicht, berechtigte Interessen gar nicht Ivahrnehmen zu wolle», geschlossen werden, aber grundsätzlich darf nicht so verfahren lverden,"wie die Vorinstanz cS gethan hat. Als eine«ngchencrlichc Rüpelei, die leider viel zu gelinde bestraft worden iit, bezeichnete der Staatsanlvalt gestern die That des noch jugendlichen VcrsicherungSbeamten W i t t i g, der wegen Körperverletzung und thätlichcr Beleidigung vor der zweiten Straf- kanimer des Landgerichts I stand. Der Angeklagte ging eines Tages mit zwei Freunden, die sich Burcaugehilfen nennen, die Oranicn- burgerstraße entlang. In der Nähe des Hackeschcn Marktes„ulkten" sie eine anständige Frau an, indem sie diese nicht nur wie eine Dirne anredeten, sondern ihren beleidigenden Zninutnngen auch noch Haud- greiflichkeiten folgen ließen. Als die Frau sich diese Ungezogen- hciten und Roheiten energisch verbat und deutliche Worte des Unmutes an den Angeklagten richtete, hatte der Auge- klagte die Dreistigkeit, gewaltsam gegen sie vorzugehen. Er verabreichte ihr nicht nur einige Ohrfeigen, sondern schlug sie auch zu Boden und hieb dann noch mit solcher Wucht auf sie ein, daß sie den V e r I n st eines Zahnes zn beklagen hatte. Das Schöffen- gericht hatte die Roheit des Angeklagten mit nur zwei Monaten Gefängnis geahndet und dieses Urteil griff der Angeklagte noch durch Einlegnng der Berufung an. Vor der Strafkammer suchten die beiden Freunde und Augenzengen der empörenden Scene den Angeklagten und sein Verhalten nach Kräften zn entschuldigen, der Gerichtshof erklärte sie jedoch für„Complicen" und glaubte nicht ihnen, sondern den Belastungszeugen. Staatsanwalt R o m e n bedauerte lebhaft, daß er sich darauf beschränken müsse, die Veriverfung der Berufung zn empfehlen, und das Strafmaß nicht erhöht lverden'könne, da seitens der Staatsamvaltschaft Be- rufung nicht eingelegt worden sei. Die Strafe sei viel zu milde, denn wenn solche Rüpelei nur mit zwei Monaten Gefängnis bestraft werde, so heiße das geradezu einen Freibrief ausstellen für so rohe Straßcnexccsse, die leider nur zu hänfig sich ereignen. Der Gerichts- Hof tcilte'daS Bedanern des Staatsanwalts über das niedrige Straf- maß und erkannte auf Verwerfung der Berufung. Der Staatsanwalt dürfte wissen, daß Hiesige Studenten, also Träger besonders feiner Bildung, wegen ähnlicher Rüpeleien mit einer von ihnen wohl kaum besonders schwer empfundenen Geldstrafe davongekommen sind. Moderne Tocialistcnbckämpfnng. Die Parteigenossen J�o h n und S i e l o f ans O b e r s ch ö II e w e i d e hatten sich am Sonn- abend vor dein Schöffengericht in Köpenick wegen Uebertretnng des Z 1 des Vereinsgesctzes zu verantworten. Der Anklage lag folgender Sachverhalt zu Grunde: Der Genosse Siclof hatte zu Sonntag, den 12. November v. I., nachmittags 2 Uhr. eine öffentliche Versammlung nach dem Saale von Haferlaud sJuhaber Töpfer) einberufen und dieselbe gemäß§ 1 des V.-G. dem Amtsvorsteher Kottmcier rechtzeitig angezeigt; auch erhielt Sielof vom AmtSvorstcher die pflichtgemäße Bescheinigung für 2 Uhr. Gleichzeitig erhielt aber der Lokalinhaber eine Verfügung vom AmtSvorsteher, worin ihm bei Strafe verboten wurde, seinen Saal zn dieser Versammlung vor 3 Uhr zur Verfügung zu stellen. Es ivar nun vorauszusehen, daß, wenn man die Versammlung erst nach 3 Uhr im Saale er- öffnete, dieselbe der Auflösung verfallen und auch eine Anklage für die in Betracht kommenden Genossen zur Folge haben ivürde. Um nun die Versammlung nicht vereitelt zn scheu, eröffnete Genosse John sie in einem Nebenranm und zwar um 2Vi Uhr und v e r t a g t e die Vtrsannnlung auf unbestimmte Zeit. Als nun um 3 Ubr der Saal von, Wirt geöffnet wurde, nahm die Versammlung im Saale ihre Fortsetzung; es ivar sonnt die Verfügung des Änitsvorstchcrs für die Einberufer tvirknngSloS gctvorden. In der Eröffnung dieser Versammlung erblickte die Staatsanwaltschaft aber eine andere als die� bescheinigte Versammlung. Der AmtSanwalt hielt die Klage aufrecht und beantragte die Bestrafung der beiden Genossen mit der Be- gründung, daß es durchaus notlvendig sei, den Z 1 des Vereinsgesetzes ganz genau den, Wortlaute nach anzuwenden. Wenn dies nicht geschehe, dann hätte das ganze Gesetz keinen Zweck. Der Gerichtshof sprach, was selbstverständlich ivar, die Genossen John und Siclof von der Uebertretnng des Lercinsgesetzes f r e i. Der Amtsvorsteher Kottmeier. der als Zeuge geladen war, mußte eine Niederlage reicher wieder heimziehe». Ans Kleiwitz wird uns unterm 3. Januar berichtet: Ein N a u b m o r d p r o z e ß beschäftigte heute das hiesige Schwurgericht. Angeklagt war der 27 Jahre alte Arbeiter August S ch e f f c z h ck aus Nendorf. Der in Friedenshlltte beschäftigte Arbeiter Blasius P i e ch a hatte sich am 15. Juni v. I.»ach Empfangnahme seines Lohnes auf den Heimlveg begeben und war seitdem spurlos verschwunden. Erst nach drei Tagen wurde seine arg zugerichtete Leiche abseits von dem Wege aufgefunden. Der Hals war vollständig durchschnitten, außer- dem zeigten sich Messerstiche am Arm und Unterleib. In der Nähe der Leiche lag der seines Inhalts beraubte Geldbeutel des Er- mordeten. Eine dicht am Thatorte belegene Lehmknte ivar ganz geeignet, daß sich jemand darin verbergen konnte. Piecha ist am 15. Juni abends ermordet worden. Er hatte den Heimlveg von Friedenshlltte in Begleitung eines Arbeitskollegen angetreten, hatte sich dann von diesem getrennt, um den kürzeren Feldweg einzn- schlagen, obivohl ihn sein Kollege vor diesem einsamen Weg warnte, da dort schon mehrfach Leute überfallen lvorden ivaren. Als Piecha nicht nach Hause kam, begaben sich eine Anzahl von Leitten am 18. Juni auf die Suche nach ihm und der mitgenommene Schweiß- Hund traf in einem Kornselde zunächst den Angeklagten, der sich zu verstecken suchte und bei seiner Festnahme sich einen falschen Raine» beilegte. Er ist ein arbeitsscheuer Mensch, der sich schon seit einer Reihe von Monaten von seiner Ehefrau und seinen Schwiegereltern ernähren ließ. Er ist von vielen Personen unmittelbar vor der Er- mordung des Piecha in der Nähe des Thatortes nmherstrolchcnd ge- sehen worden. Er bestritt alles, die Geschworenen haben ihn aber für überführt erachtet. Zu den sonstigen Verdachtsmomenten kam noch, daß seine Ehefrau, als sie von, Gendarmeriewachtmeistcr vernommen ivurde, ohne zu wissen, welcher Thal ihr Mann beschuldigt wurde, ausgesagt hatte, daß ihr Ebcniann am Abend der Mordthat von Hause weg- gegangen war. Außerdem ist an seinen Kleidungsstücken durch den Gcrichtschemiker Dr. I e s e r i ch- Berlin Blut nachgewiesen worden und zwar in Form von Spritzflecken an der Vorderseite der Hose und der Bluse. Die 5tleider Ware» zum Teil gewaschen.— lieber den Ursprung dieser Blutflecke machten der Augeklagte und seine Ehe- fcan widersprechende Angaben. Auf Grund des Wahrspruches der Geschworenen verurteilte der Gerichtshof de» Angeklagten lvegcn schweren Raubes mit tödlichen, Ausgange zu fünf» zehn Jahren Zuchthaus und 10 Jahren Ehrverlust. BS iltcruiizSübcrsicht vom 0. Januar 1900, morgens 3 Uhr. iSg1,„« s �«§ Stationen gel B~ |°§§ 2 IwS Wetter' i II ig« 1« Switiemdc Hmnbnrg Berlin Wiesbaden Miivchen Wien 706 SSO 704 SW 760 Still 767 SW 769 W 765 W I 2 Nebel INebel — ibedeckt 2 bedeckt 4 bedeckt Z.Schnee _2 i 0 0 ■0 1 Stationen Haparanda Petersburg Cork Aberdeen Paris 2 705 S 779 SO 789,33 755|S2Ö 708 SSZ Wetter sa 4bcdcckt Iheiter 3, heiter 4 t, 16. beb 2Regen —9 -22 6 Wetter-Prognose für Mittwoch, den IV. Januar 1900. Ei» wenig wärmer, zeitweise heiter, vorherrschend wolkig mit Nieder- schlagen und ziemlich frischen südwestlichen Winden. Berliner W c t t e r b u r- a u. Kür de» Inhalt der Inserate «vernimmt die Redaktion de», Publikum gegenüber keinerlei Z!eranl>»orln»g. Dlirtttev. Mittwoch, 10. Januar. Opernhaus. Carmen. Ansang � 7V, Uhr. Schanspielhans. Der zerbrochene Krug. Der Widerspenstigen Zäh- mung. Anfang 71/2 Uhr. Deutsches. DerProbekandidat. An- fang 71/z Uhr. Lessing. Als ich wiederkam... Anfang 7i/z Uhr. Berliner. Das Erbe. Anfang 71/, Uhr. Schiller. Das Käthchen von Heil- bronn. Anfang 8 Uhr. NeueS. Hofgunst. Anfang 71/, Uhr. Weste». Der Zigeunerbaroil. Aüfang 71/, Uhr. Thalia. Im Himmelhof. Ansang . 71/2 Uhr. Residenz. Die Dame von Maxiin. Anfang 71/2 Uhr. Luise». Arme Reiche. Ans. 8 Uhr. Central. Die Geisha. Ans. 71/z Uhr. %: läljl. Slern warte, Nachmittags 5—10 Uhr. "Passap-Paiiopticiini." Noch nie dagewesen: Sascha hebt mit den Haaren bis 300 Kilo Anatomisches Museum DicnstagM für Damen. Golf von Bseapel(letzter Monat vor der Ueberführung nach London). Specialitäten-Vorsiellung von 7—IO1/2 Uhr. Metropol Theater. Behrenstraste 55—57. Neue l>el>üts!! Neue I�ebiUsü Liane de Vries. Pauline d'Arpt. Lütke Carlsen. liapoli. Carmen Rosarlo. The Clives. Mary Wolf, sowie das vollständig; neue Jannar-Prograium. Ilm 9 30 Uhr: Die Sensations- Novität Die verkehrte Welt" mit der feeuhaftci, Truppen-Ncvne. Ansang: An Wochentagen um 8 Uhr, an Sonn- und Festtagen um 71/z Uhr abends._ Relehshallen. Täglich; Steitiner Sänger. Anfang: Wochentags 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. Entree 50 Pfennig. Vorverkauf 40 Ps. Gi'ossaetlx. Progm iiiin. CASTANS«■ PANOPTICÜM Ken! Xen! Xcn! Cecil R h o d e s Chamberlain Ohm Krüger General Joubert Boerensoldaten. Cindarella. Drei ülärchengrnppen. Sanssouci Kottbnserstr. 4 a. Heute Mittwoch: Holhnauus NMenAe Sänger Anfang 8 Uhr. Zum Schluß Ein Ball ohne Tamc». Donnerstag: Zum Schluß: Ein Ball ohne Damen. Nach der Soiree: Taay.lti'än�elien._ Freitag;t. Sonnabend: Geschloffen. Cirkus Busch. Heute Mittwoch. 10. Januar, abends 71/2 Uhr: Grande Soiree eqncslre. Zum 62. Male: IMe Camorra. Von der gesamten Presse als das größte und imposantest.Sensations-Schaustück des Jahrhunderts anerkannt. Äesond. hervorzuheben: Der grandiose Akt 111. d. blauen Grotte auf Caprl! Außerdem: Die 4 besten Springpferde des Marstalls. Unter and. der Sprung über ein K Fuß hohes Haus des BollblüterS Chips, sowie Sprung über einen 8 Fns» hohen Elefanten. Die 3 Tiger-Grazien vom Stamme der Mangbattu aus dem Innern von Eentral-Zlfrika. Morgen Donnerstag, den II. Januar, abends 71/2 Uhr: SportS-Zlbcnd und Tie Camorra.— Am Sonntag, den 14. Januar: Zwei große brillante Vor- stellungen. Nachm. 4 Uhr: Die Olym- pischen Spiele. Abends 71/, Uhr: Die Camorra. Amencaii-Tiieatcr. DreSdenerstr. 96. Dir.: Emil Schnabl. ZM- Großer Erfolg! Berlitter Nonlotte oder: Direktor Striese auf Reisen. Anfang 3 Uhr. Kasseneröffnung 7 Uhr. Sonnabend, den 13. Januar: 1. gr. Original-Masrenball. Sclmizer Garten Am Königsthor. Am Friedrichshain. Weil Souiltag: Ball. SoilNbeild im Wrutt frei. WoehentaKC zu Prlvast- festlichkeiten.* W. Noachs Theater, Brunnenstraße 16. Heute Mittwoch, 10. Januar 1900: Wesen PrlvntfestlicliUeit keine Vorstellnng. Donnerstag: Der Boerenkrieg. Cirkus Alb. Schumann. Heute Mittwoch, 10. Januar, abends präcise 7'/2 Uhr: Gala-Vorstcllung-TBB Aus dem ganz besonders gewählten Programm sind befand, hervorzuheben: Zum erstenuial in Europa. Die phänomenalen Leistungen der Vi Atimotos Ii Ans dem Reiche des Mikado! Tie Araber._ BAF" Japan in Berlin."90! Direktor Albert Schumann mit feinen anerkannt unerreicht dastehende» Original-Dressuren! Zum Schluß: Zum 53. Male: Der erste Schlager der Saison! Das glänzende Ritterschanstück � Schwarz und WeiH mit sämtlichen Einlagen. Azmllo-Ihcstci'. Iii HßiSftfi des Indra. Tiionpns Elefanten USW. Kasseneröffnung 6 Uhr. Anfang 7 Uhr. Maehrs Theater OruniensitraKse 24. T äglich: Tlord und Süd. Operette in 1 Akt von Linderer. �.nnn und Benno Btthrer, Oiiginal-Verivandlungcdiiett. The tsvo Brackfoords, Akrobaten. Anfang 9 Uhr. Kasseneröffnung 7 Uhr. monatlich 10 M. liefert elegante »srrsngardcrode u. Maß, Tomporowskl, Schneidermstr., Neanderstr. 16, II, an der Annenstr (Auch bar Kassa billigste Preise.)» beseiiiy�sofoi't Carvacroiwalte; in plomb. Flasche "a 505. zuhaben jinallcn Drogerien Nimm keine Nnchahrmmqeri! 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A. i liarl Banker. ii/, Uhr, bei Rosin, Ruppiner- straffe 42: lZellersIver5AMmIuog. Tagesordnung: 1. Vierteljährlicher Kassenbericht. 2. Wahl der örtlichen Verwaltung. 3. Wahl des Vertrauensarztes. 4. Verschiedenes. 171kb ftodiddemolirstisclier Walilvcrein f. den Oevlinei* Reiclistags-WaMkr., Süd-Ost. Todes- Anzeige. Den Mitgliedern hiermit zur Kennt- nis. dass am 8. d. M. der Genosse Kermaiii) Hoflmann nach langen Leiden verstorben ist. Die Beerdigung findet Donnerstag- nachmittag 3 Uhr von der Leichenhalle des Enimnus-Kirchhofcs aus statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht 242.2 Ber Verstand. Lest- imi) Miltm-Klub Süd-Ost. Den Mitgliedern zur Nachricht, dass unser Mitglied und Mitbegründer de? Klubs Hermann Hoffmann am Montag seinen Leiden erlegen ist. Die Beerdigung findet Donnerstag- nachmiltag 3 Uhr von der Leichenhalle des Emmaus-Kirchhofs aus statt. Zahlreiche Beteiligung erwartet 100.-2 Ber Verstand. Banksagnng. Allen Freunden und Bekannten, die meinem lieben Mann die letzte Ehre ertviesen, sage ich meinen herz- lichsten Dank. Insbesondere dem Herrn Chef sowie dem gesamten Personal der Firma Hompesch u. Comp. danke ich vielmals für die schönen Kranzspenden. sl72Sb Wwe. Gebauer nebst Kindern. Nach kurzem Krankenlager entschlief am Sonntag, den 7. Januar, mein lieber Mann, unser guter Vater, Schwieger-, Groß- und Urgroßvater, der Gürtler Seherwitz im 72. Lebensjahre. Im Namen der Hinterbliebenen. Udse Scherwitz, geb. Maselowskh. Die Beerdigung findet am Donner?- tag, den 11 Januar, nachm. 4 Uhr, von der Leichenhalle des Neuen Jakobt- Kirchhofes, Rirdors, Hermannstrahe, aus statt. 1714b veulseliet' UelsIlArbeiter-Verbsvö (Ortsverwaltung Zerlln). Todes- Anzeige. Am Sonntag, den 7. Januar 1900, starb unser langjähriges Mitglied, der Former CMto Martin. Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 10. Januar 1900, nachmittags I V- Uhr, von der Wohnung Gitschiner- strähe88 aus nach dem Jakobilirchhof statt. 110/1] Tie Ortsverwaltung. Socialdemokratisclier Verein für Stralau-Rummelsburg und Umgegend. Am Montag, den 8. d. Mts., mittags 12Vz Uhr, starb nach schweren Leiden unser Mitglied, der Glasmacher Hugo Harlmann im 22. Lebensjahre. Die Beerdigung findet am Freitag, mittags 11 Uhr, von der Leichenhalle des Lazarus- Krankenhauses in der Bernaucrstraße nach dem Stralauer Kirchhof statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht Ber Vorstand. Kranken- n. Begräbniskasse d. Berl. Gürtler n. Bronzenre. (E. H.««.) Die Beerdigung des am 7. d. M. verstorbenen Mitgliedes, Gelbgießer Otto Martin findet am Mittwoch, den 10. Januar von der Gitfchinerslr. 86 aus nach dem alten Jakobi-Kirchhof statt. Um rege Beteiligung bittet 1721b Der Vorstand. Danksagung. Sage allen Freunden, Verwandten und den Kollegen der Firma Kneisel ftir die reichen Kranzspenden bei der Beerdigung unseres Sohnes Wilhelm Kleseler unseren besten Dank. 1723b]». Kleseler und Frau. Allen, die meinem lieben Mann die letzte Ehre erwiesen haben, be- sonders dem Personal der Firma O. Falb Akt.-Gcs. herzlichen Dank. Frau lulle Herrmann nebst Tochter. Lrts-KrMnW der Gast- ivirte und vemaildtHmerbe zu Berlin. 270/2 Die von uns zum 12. Januar a. er, aube- raumte Wahl-Versammlung findet nicht statt. Berlin, den 8. Januar 1900. Ber Vorstand. H. Poppe, Kraushaar, Vorsitzender._ Schriftführer. Den'Hciiofieit. Gewerkschaften jc. empfehle ich mich für Uebcrsetzungen aus dem Italienischen und Frau- zösische» sowie für selbständige Ar- beiten in diesen Sprachen. Oscar Wollt, Berlin C, Kaiser Wilhelmstr. 19a, III. Mclits Ocdichte von Sigmar Mehring. Preis cart. 2,— Mark. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen sowie von S. 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Bicscr Krlintcr-Wcln ist ans vorzüglichen, heilkrüftlg be- 1 fnndenen Kräutern mit gutem Wein bereitet, und stärkt und belebt den Vcrdaunngsorganismns des Menschen, ohne ein Abrührmittel zn sein. Kräuter Wein beseitigt Stürnngen in den Blntgefässen, reinigt das Blut von verdorbenen krankmachenden StofTen und wirkt fordernd auf die Venbildung gesunden Blutes. Durch rechtzeitigen Gebrauch des Kräuter-Weins werden Magenübel meist schon im Keime erstickt. Man sollte also nicht säumen, seine Anwendung anderen scharfe», ätzenden, Ge- sundheit zerstörenden Mitteln vorzuziehen. Symptome, wie: Kopfschmerzen. Aufstoften. Sodbrennen. Blähungen. Urbelkeit mit Erbrechen, die bei chronischen(veralteten) Magen- leiden um so heftiger austreten, werden oft nach einigen Mal Trinken beseitigt. S-fuklnatrannfttttrt»"b deren unangenehme Folgen, wie Beklemmung. �lUljlüPtMÜPIUUB Kolikschmerzen. Herzklopfen. Schlaflosigkeit, sowie Blutanstaumlgen in Leber, Milz und Pfortadersystem(Hämorrhoidalleiden) werden durch Kräuter-Wein rasch und gelind beseitigt. Kräuter-Wein behebt UnVerdaulichkeit, verleiht dem Verdauungsinstem einen Aufschwung und entfernt durch einen leichten Stuhl untaugliche Stoffe aus dem Magen und den l�edärmen. und unter nervöser Abspannung und Gemüthsverstimmnng. sowie häufigen Kopfschmerzen, schlaf. losen Nächten, siechen oft solche Kranke langsam dahin. DM- Kräuter-Wein giebt der ge- schwächten Lebenskraft einen frischen Impuls. IM- KräuterWein steigert den Appetit, befördert Verdauung und Ernährung, regt den Stoffwechsel kräftig an, beschleunigt und verbessert die Blut- bildung, beruhigt die erregten Nerven und schafft dem Kranken Lebenslust. Zahlreiche An- erkennungen und Dankschreiben beweisen dies. Kräuter-Wein ist zu haben in Flaschen st 1,25 und 1,75 M. in sämmtlichen Apotheken von Berlin und Berlins Vororten, sowie in Preußen, ganz Deutschland und im Auslände in den Apotheken. Auch versendet die Firma„Hubert Ullrich, Leipzig, Weftstrafie 82", 3 und mehr Flaschen Kräuter-Wein zu Origwalpreisen nach allen Orten Deutschlands porto- und kisteftei. UÜT Vor Nachahmungen wird gewarnt! Man verlange ausdrücklich _ Hubert üllrich'schen"MB Kräuter-Wein. Mein Kräuter-Wein ist kein Geheimmittel; seine Be Weinsprit 100,0, Glycerin 100,0,«>-«— t- Fenchel, Anis, Helenenwurzel, Bestandtheile mische man. I uch-Reste die in unserer Fabrik täglich entstehen, geben, nm damit zu räumen, spottbillig ab. Muster davon sofort franco. Lehmann& Assmy Tuchfabrik, 8premR>ergs L. Einzige Tnehfabrlk Bentschiands, die ihre Fabrikate direkt an Privatleute versendet. 140. i Schneidermeister, welche gern bereit sind, Anzüge anzufertigen, ohne dass der Stoff von denselben entnommen wird, weisen an jedem grösseren Platze nach. V GOGOGKOOGHGGGOVGOGOOGGSGGOGOGGWSOGGOOGOGGGSOSOGGOAOGOSSGDGOO« Meine Gescliäfisräume bleiben Donnerstagy den fl.y und Freitagy den 12. Januar9 der Invent&ii« w�gen geschlossen. Eanfhaos Ida! Mannheim 1 G SS. Frankfurter HSIee SS._| l.8l.t.fft»|[<202.aiil.Srei».8i)(tttit. Llthun» vom 9. 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Dies alles ist dem amtlichen Organ der konservativen Partei noch laissez-kairs. Wenn eine solche Art zu kämpfen auf etwas anderem basiert, als auf V e r l o g e n h e i t, dann muß sie einem unbändigen Radikalismus entspringen, dem die Forderungen der Socialdemokratie noch lange nicht weit genug gehen. Vielleicht beschäftigt die Frage der Reform des Gemeinde wähl- rechts bald wieder den Landtag. Dann braucht die offizielle Stimme der in diesem Parlament ja fast allmächtigen Partei nur dafür einzutreten, daß die Macht der Grundbesitzer in der Gemeinde durch Einführung des gleichen, geheimen und direkten Wahlrechts zur Kom.nunalverwaltung gründlich ge- brachen werde, und die Socialdemokratie ist einmal wirklich ab- geführt. Also heraus mit einem solchen Antrag l— Die öffentliche Bibliothek und Lesehalle, die zu unentgelt« sicher Benutzung für jedermann in den letzten Tagen des Oktober vorigen Jahres im Gartenhans des Grundstücks Alexandrinenstr. 26 eröffnet worden ist, hat in der kurzen Zeit ihres Bestehens schon regen, stets wachsenden Zuspruch gefunden. Die Leseräume, welche an Wochentagen von 5�/2—10 Uhr abends und an Sonn- und Feier- tagen von 9—1 und 3—6 Uhr geöffnet sind und in denen jetzt 78� politische Zeitungen, darunter 27 Berliner, sowie 265 Zeitschriften und Journale jeder Art und Richtung zur freien Benutzung der Besucher ausliegcn, sind im November pro Tag im Durchschnitt von 98 Männern und 11 Frauen, im Dezember von 85 Männern und 9 Frauen besucht worden. Seit dem 2. Januar ist wieder eine stark steigende Frequenz zu verzeichnen. In die Liste der AnSleihbibliothek hatten sich bis zur JahreS- wende 848 Leser eingeschrieben. Diese setzen sich ans allen Berufsklasscn zusammen; es dürfte in der That kaum einen Beruf, sei es bei den Hand-, sei es bei den Kopfarbeitern geben, der nicht durch einen oder einige Angehörige vertreten wäre. Dabei ist zn bemerken, daß bisher außer der belletristischen nur die kunstgeschichtliche und juristische Ab- teilung der Bibliothek fertiggestellt sind. Sobald weitere Disciplinen der Benutzung übergeben werden können— die Fertigstellung der naturwissenschaftlichen Abteilung steht in kurzem zu erwarte»—, wird sich der Leserkreis voraussichtlich in noch schnellerem Tempo vergrößern. Bisher wurde die Ausleihbibliothek pro Tag im Durchschnitt im November von 72 und im Dezember von 84 Per- soncn benutzt. Für die Benutzung des Instituts bestehen keinerlei erschwerende Förmlichkeiten. Der Eintritt in die Lese- und Arbeitsränme, in denen sich die umfangreiche Nachschlagcbibliothek befindet, steht jedermann ohne weiteres frei. Auch in der Ausleihbibliothek erhält die zur Bc- Nutzung der Bibliothek berechtigende Karte ein jeder, der sich in irgend einer Weise über seine Identität auszuweisen vermag. Dieses den Wünschen und Bedürfnissen des großen Publikums entgegenkommende Verhalten der Bibliotheks- Verwaltung ist bisher durch musterhafte Haltung der Besucher des Instituts glänzend gerechtfertigt worden. Ebenso sind die ausgeliehenen Bücher bis jetzt sämtlich und meistens in gutem Zustand zurückgekommen. Die Acltcsten der Berliner Kanfinannschaft haben be- schlössen, den Magistrat zu ersuchen, der Polizeiverordnung die Zustimmung zu versagen, wonach in einer Reihe von Straßen für die Zeit von 10 Uhr vormittags bis 7 Uhr nachmittags das Beladen und Entladen der Fuhrwerke, die zum Fortschaffen von Lasten, Waren oder Gegenständen irgend einer Art dienen, sowie das Stillhalten dieser Fuhrwerke, gleichgültig ob sie beladen sind oder nicht, verboten werden soll. Es würde sonst der Güter- verkehr der wichtigsten Geschäftsstraßen in der Hauptgeschäftszeit völlig unterbunden und in die Nachtstunden gedrängt werden, was für die Beteiligten weit schlimmer wäre, als die jetzige Belastung der Straßen in den Tagesstunden, die den Anlaß zu dem Entwurf gegeben zn haben scheint. Schiedsgerichte für die Invalide»- Versicherung. Das Polizeipräsidium giebt folgendes bekannt: Gemäß Z 105 des Jnvalidcnvcrsicherungs-Gesctzes vom 13. Juli 1899 in der Fassung der Bekanntmachung vom 19. Juli 1899 wird hiermit zur öffent- lichen Kenntnis gebracht, daß die Herren Minister für Handel und Gewerbe und des Innern den königlichen RegiernngSrat v. Gostkowski zu Berlin, Frobenstraße 31, zum Vorsitzende» und den königlichen Regierungsrat Sayffaerth zu Halensce, Kurfürstendainm 132», sowie die königlichen Regicrungs- Assessoren Tübbcn zu Charlottenburg, Augsburgerstraße 80, v. Wurmb zu Schöncberg, Bahnstr. 36, Friedrich zu Berlin, PotSdamerstr. 70, Opitz zu Charlottenburg, Monimsenstr. 2, Dr. Schön- fcld zn Charlottenburg. Ansbacherstr. 9, Karbe zu Berlin, Pallas- straße 6, zn stellvertretenden Vorsitzenden der vom 1. Januar 1900 ab in Berlin errichteten Schiedsgerichte der Invalidenversicherung für die Stadt Berlin und den Regierungsbezirk Potsdam ernannt haben. Der städtische Bnrcanbeamte B., der bei der dritten Ab- teilung der Steuerdepntation seit langen Jahren beschäftigt ist, hat Unterschlagungen begangen, die sich ans mehrere Tausend Mark belaufen.' Gegen ihn ist eine Untersuchung eingeleitet. Einen Schaden erleidet die Stadt nicht, da B. vermögend ist. Der flüchtig gewordene Kaufmann Isidor Behrendt soll dem Vernehmen nach in Brasilien sich aufhalten. Er hatte seine Flucht vorzüglich vorbereitet und gewann reichlichen Vorsprung, da sein Verschwinden erst spät entdeckt wurde. Die Höhe des Ausfalles, den die Gläubiger bei dem Behrcndtschcn Konkurse erleiden, soll an- nähernd 3 Millionen Mark erreichen. Ter Schwindler in Osfiziersnniform, welcher unter der Maske eines Dragonerlicutenants verschiedene Geschäftsleute gebrand» schätzt hat, ist anscheinend identisch mit dem Landivirt Max Berg- mann, auf welchen jetzt alle Polizei-Organe fahnden. B. ist am 3. September 1870 in Danzig geboren. Er wird der wiederholten schweren Urkundenfälschung beschuldigt, weil er unter Mißbrauch dcS Namens verschiedener Offiziere Darlehen in bedeutendem Umfange sich zu verschaffen gewußt solvie Versichernngsabschlüsse, Quittungen sc auf ihre Namen gefälscht hat. Zeugen gesucht. Am 28. Dezember, morgens 8V4 Uhr, fiel ein Mann vor dem Hause Kütheuerstr. 37 infolge der Glätte so un- glücklich zu Boden, daß er hilflos liege» blieb, bis er von einem Herrn und einer Dame aufgerichtet und einem Schutzmann zugeführt lvnrde. Die beiden Helfer, solvie andere Zeugen des Vorganges werden dringend gebeten, bei Rudolf Schvueberg, Putbuserftr. 20, Hof 3 Tr.. ihre Adresse abzugeben. Das Paffage-Panoptiknm hat in diesem Monat ein überaus buntes Specialitäten-Programm zusammengestellt, in welchem kaum eine Gattung des vielgestaltigen Brettls fehlen dürfte. Als Künstler der derberen Richtung treten auf der musikalische Klown Calwood. owie die drei rustikalen Akrobaten Barowsky; ferner sind zu nennen die Tanzkllnstler Royal, die Akrobaten Bollini, der auf rollender Kugsl arbeitend» Kunstschütz, Hillevdt und die recht jugendliche Tier»- bändiqcnn Agiics, die ihre Huudcuieute vortrefflich in Kommando kmt. Ins Reich der edlen Rtuslm führen unS die italienische Sängerin Gloria, sowie das Düettistcnpaar Panl nnd Virginia, n»d endlich die Knnstpfeifcrin Morganti; Kraftlcistnngen besonderer Art vollführt die Trapczkiinstlcrin Annctta. Als Star des Theaters ist aber die Scrpcntintänzcrin Balleni zn nennen, die soivohl in der Anmut ihrer Bewegnng als iin bunten Farbenspiel ihrer bekannten Kunst neue Seiten abgcivinnt nnd sich getrost den Ersten ihrer Art zur 2eitc stellen darf. Einen rätselhaften„Haarkünstler" haben wir in dem Athleten Sascha vor uns, der mit der bei gewöhnlichen Menschen gerade nicht besonders Ividerstandsfähigcn Zierde seines Kopfes eiserne Kugeln, Bierfässer nnd andere schwere Gegenstände emporhebt Indem der merkwürdige Mann mit seinen Lasten durch den Zuschauer- ranm schreitet, sucht er daS Publikum davon zn überzeugen, dan seine Kunst ohne Falsch ist. In der Urania findet heute der 8. Ceutcnar-Bortrag statt und zwar wird Herr Professor Graclz aus München über:„Sichtbare und unsichtbare Strahlen" tprechen. Bei dieser Gelegenheit werden auch die neu entdeckten Bccqnerclslrahlcil zur Vorführung gelange», welche als höchst»lcrlwiirdigeS ScNciistnck zu den Röntgenstrahlen gegenwärtig im Miticlpuult des Jnlcr- esseä stehen. Tersselbe Gegenstand soll noch ein zweites Mal dcmoiniriert werden und zwar in dein am DomierStag, den Ii. dö. Mts., statlflndciiden Vortrage des Herrn Dr. P. Spicö:„Elcttrische Sntladimgen". Mit diesem letzteren Vortrage beginnt eine Reihe von zehn Vorträgen über:„Elektro tcchinl". Fcnevbcricht. Montagabend wurde die Wehr nach Schliemann- st raste 38 nnd Kleine A n d r e a s ft r. 20 gcrnscn. In beiden Fällen brannten Möbel und Betten. In der K a'm e r n n e r st r a st c war ein Heuwagcn in Brand gerate», zu dessen Bewältigung ein Rohr längere Zeit Wasser geben mnstte. Die Ladimg wnrde teils vernichtet, teils durch das Wasser entwertet. Kurz nach Mitterwacht erfolg ur Alarmiernngen nach A l e x a n d ri n e n st r. 33. Ackcrstr. 12 »»d Neue I a k o b st r. 20. Auch in diese» Fassen hatten Möbel, Gardinen midWäschcFcnergcfangen. daSjedochüberallschncll abgelöscht »verde» konnte. Dicustagnachmittag S Uhr ging Kastanicn-Allee 43 der Inhalt eines Schaufensters in Flammen aus. Eine Stunde später kam C h a r l o t t e u st r a st c 82 ein Wohiiimgsbrand aus der durch eine Benzin- nnd Carbidrxplosion in der Fahrrnd-Wcrt- statte von Leinert entstand nnd zivar in dem Augcubliek, als lcstterer die Wertstätte betrat, so dah er sich nur durch schleimige Flucht retten konnte. Der ArbcitSrnnm, sowie die angrenzende Privat- wohnuiig bräunten ans.'_ Llti 3 den Siachbiirorkeit. Schöueberg. I» der ersten Sitzung der S t a d t v e r o r d» e t c n- B e r s a m m I n» g wurden die bei den letzten Er ssänznligswahlcn gewählten Stadtverordneten eingeführt,»vorauf die Bersanimlnug de» Rentier Gustav Müller zu!» Vorsitzeudcu, so- wie Dr. Richter zun, Stcssvettrctcr wählte. In längeren Debatte» kamen darauf zwei der wichtigsten Vorlagen zur Erledigung.„D i c Mretscntschädignng der VoltSschullehre r" nnd die „Festsetzung des n e n e n N o r m a l e t a t S für die G e rn e r» d e b e a nl t e»". Der evsteve Punkt hatte die Stadtverordneten wiederholt beschäftigt; in einer Sitzung war der Antrag angenommen »unnkverwiesen lind von dicfc» zur Abänderung des Formfehlers einem AliSschiist übergebe». Der SluSschnst hat nuninchr im Gegensatz zn der damaligen Mehrheit die Norm der Eiitschädigniig ans<100 M. fest gesetzt. Gegen eine derartige, von spichbürgerlichcr KlcinlichkeitS trämerei gctrnnlte HandlnngSwcise wandte sich Genosse Obst. Sei daS Verhalten einiger Herren damals schon unrühmlich zu neunen gelvesen, so sei es jetzt noch viel nnrühnilicher, den Erziehern nndBildncrn unserer Jugend gegenüber einen solchen Standpunkt cinznnehmeii. Wenn man hier gerecht sein und sich nicht mit dem Fluche der Lächerlichkeit beladen wolle, müsse man für die damals festgesetzte Summe von 050 M. eintreten. In der von unserem Parteigenosteu Mastich beantragten nmneiitlichcn Abstimmmig erklärten sich 28 Stadtverordnete für den Satz bou 000 M. nud 17 dagegen. Hoffentlich werden die Volksschnltehrer dies Stück Fürsorge der Stadtverordneteu-Mchrhcit nicht so leicht vergesse».— Viel freundlicher stellten sich die Stadtväter zu der Festsetzung de? N o r m a l c t a t S. Nach einigen redaltionellen Acndermigeii wurde die Vorlage cn bloc an- gcnonunc». Die Regelung der Gehälter für die städtische»» Beamten hat eine Aufbessermig für sämtliche Klassen mit sich gebracht. Die Bezahlung der Besoldung erfolgt für die unterste Klasse nionntlich, für die anderen vierteljährlich im voraus.— Schon»nieder ist der Magistrat gezwimgen. um die llnicrbriiigniig schulpflichtiger Kinder voniehmen zu können, sogenannte fliegende Klassen einzurichten.' Zu diesem Zweck beantragte er die bauliche Vcrändcnmg einer S ch u l d i e n e r w o h» n n g in der Schule an der' Apostel Paiilnsstraste zlvecks Herstellung von Schnlränmcn. Stadl verordneter Banmeister Kutznitzkv wandte sich iin Namen der Hochbau-Kom »uissio» gegen ein derartiges Projekt; infolge von Licht- und Lust- iiiaiigel seien die Nnmne zu diesem Zwecke höllig unbrauchbar. Tic Kurzsichtigkeit der Kinder»vürdc sich rapid cnlwickcln. Gen. Ma su ch bemerkte, daß nach seiner eigenen Aiischaming die»cnc Wohnnng des Schnldicners durch ihre Feuchtigkeit zum Beivohnen nugeeignet sei. Genosse O b st forderte die schleunige Erbanung von Schulhänsern, ran diesen Miststand zu beseitigen,>vaS dem Bürgermeister Gerhardt Veranlassung gab. zn betonen, dast der Magistrat, sich seiner Pflicht bewnstt,»ach Möglichkeit dafür Sorge tragen werde. Nachdem noch die Wahl eines AnSschnssts für die am 20. Januar stattfindenden Gewerbegerichts-Wahlen vollzogen tvar. Ivnrdcn der vor- gerückten Zeit wegen die übrigen Pnulle von der Tagesordnung ab- gesetzt. Schöncbcrg. Der BccrdignngSvcrcin der Zimnierer feiert in dem gesperrten Lokal Wilhclmshof, EberSstr. 80 am 13. Januar sein Stiftnngsfcst. Die Arbeiterschaft lvird wissen, wie sie sich in diesem Falle zu verhalten hat. In drm ncnc» Charlotteuburger StadthanöhaltS-�tat sind die Emiiahmc» ans der Gemcinde-Eiiikoiiinicnstcncr ans 3 003 000 M. veranschlagt, d. h. ans 086 300 M. mehr als im lausenden Etat. Dabei ist der Eiukominensteuersatz von 67 Proz.. ivic er jetzt besteht. beibehalten worden. Der Ertrag ans der Gemeinde-Grundsteucr nnd der Gemeinde-Geiverbestcuer ist zusammen auf 2 063 000 M. veranschlagt. Diese Summe cutspricht einem Satz von 145.5 Proz. der staatlich veranlagten Realstcuern, wobei die Grund- und Gebäude- stener auf 1 148 000 M.. die Gclverbcstcner ans 260 900 M. geschätzt ist. Von der hiernach sich ergebenden Gesamtsumme von 2 093 000 M. entfalleii ans die Gemeinde-Eruiidstener 1811 400 M., auf die Gewerbesteuer mit 97 Proz. 232 200 M. Zur Nlifbringnng der Gcineinde- Grundsteuern ist die Erhebimg eines Satzes von 2,22 pro Mille erforderlich. Der Ertrag anS der Umsatzsteuer ist vom Magistrat auf 430 000 M. veranschlagt gegen 400 000 M. im laufenden Jahre. Die Betriebssteuer ist aus 28 000 M. gegen 24 000 M., die Hundesteuer auf 70 000 gegen 64 000 M. veranschlagt. Die zu erwartenden Mehreinnahmen an Gemeindesteuern betragen also bei der Gemeinde-Eiiikoinmenstener 036 300 M., bei der Grundsteuer 75 000 M., bei der Umsatzsteuer 30 000 M., bei der Gewerbesteuer 40 700 M., bei der Betriebssteuer 4000 M. und bei der Hundestener 6000 M. Rixdorf. lieber einen Fall von Unterschlagung, besten sich der Schankwirt Klein in Rixdorf schuldig gemacht haben soll, wird berichtet: Klein, der in Nixdorf ein Schankgeschäst betreibt, ist Vormund von fünf Kindern eines verstorbenen Fnhrherrn Sandrock. Von dem Vermögen der Kinder, das 5100 M. betrug, legte er einen Teil bei der Deutschen Bank an, tvährend er den anderen Teil bei sich behielt. Die bei der Bank hinterlegten Summen hob er nach nnd»ach ab. Während er früher Frau Sandrock regelmäßig die Zinsen ablieferte, geriet er später damit in Rückstand. Die Frau erwirbt nach dem Tode ihres Mannes den Lebensunterhalt durch Abvermieten einzelner Zimmer einer großen Wohnung. Als sie nun durch die Kündigung eines Mieters in Verlegenheit geriet, drang sie vergeblH'.......... Sie Vit, OViUifllJUIllJ III LJCIICI, 'g sie vergeblich in Klein,!ihr die fälligen Zinsen auszuzahleei. nahm daraufhin die Hilfe des VormundschaftSgerichts in Anspruch. Als ein Gerichtsvollzieher erschien, um Klein zwangsweise vorznsiihreii. bekam dieser einen Schlaganfall und winde in das Krankenhans am Urban gebracht. Der Gerichtsvollzieher bcschlag- »ahmte sein ganzes Hab nnd Gilt. Wo das Geld geblieben ist, steht noch nicht fest. Klein»vor früher socialdeniokratischcr Stadtverordneter in Berlin und zog, als er hier seine Gastivirtschaft aufgeben mußte, nach Rix- darf, Ivo er bald»vicdcr in der Partei thätig»vor. Im Herbst vorigen Jahres wurde er vom Kreise Teltoiv- Bceskoiv zum Mit- gliede der Prcstkommissiou gcivühlt, auch»vor er Vorsitzender dcS jocialdemokratischen Vereins„Borivärts" am Orte. Zur Versorgung Do» Grost-Lichterfclde mit Elektricität sLichi und Kraft) bat die dortige Genicindevertretung am Montag einstimmig eine» Vertragsentwurf genehmigt, der zivischen der Gc- mcinde Grost-Lichtcrfcide nnd der Imperial Continental Gas Association in London vereinbart Ivorden ist. Dieser Gesellschaft, in deren Rechie mit dem Zeitpunkt dcS BertrogSabschlnsics die Berliner Vororts-Elcktricitätswcrke eintreten, wird nach diesem Vertrag vom 1. Januar 1900 ab ans vierzig Jahre das ausschließliche Recht der Kabclkegung iimerhalb des GcmcindebczirkS eingeräumt mit der Vcipflichtnng, Giost-Lichtcrfeldc niit elektrischem Strom zu versorge» sobald ein Anschluß von 250 Kilolbatt im Gcnicindcbezirk gc sichert ist. Der Eisbahu-Unfnll ans dein Müggelsee ist jetzt vollständig ansgeklärt. Es ist nur ein juu gcr Mann ertrunken, ein Tischler geselle Max Bloch ans der Man tcnffelstraße, der Sohn einer Frau Hein aus ihrer ersten Ehe. Steglitz. Am Donnerstag, abends 8 Uhr, findet im Restaurant „Kaiscrhnllcn" eine öffeiitliche Versammlung statt, in»velchcr Rechts anlvalt F r ä n k l- Berlin über das neue Mietsrecht sprechen»vird. Außerdem steht noch ans der Tagesordnung:„Die Mietssteigerungen in Steglitz" nnd„Stellniignahnie zur Gcmeindeivahl". Die Partei genossen werden um zahlreichen Besuch nnd um kräftige Agitation zu dieser Versammlung gebeten. Ter Vcrtraucnsniann. Potsdam. Der Schriftsetzer Eiserinann von hier hatte in dem benachbarten N o lv a»v e s eine Versammlung der Gehilfen der Nenbabclsbergcr Buchdruckern, in der(f. selbst beschäftigt ist, ab gehalten. Zu der Bersanimlnug halten mir seine Mitarbeiter Zutritt und es Ivnrdcn auch mir V.ugelcgcnbctten der genannten Druckerei besprochen. Trotzdem erhielt E. ein Strafmandat über 15 Mark, weil er eine polizeilich nicht gcpicldete Bcriannnlung abgehalten habe. Das Schöffengericht bestätigte nierkivürdigcrivcise das Strafmandat. Auf die von E. eingelegte Berufung hin hatte sich nun die hiesige Strafkammer mit der Sache zu beschäftigen. Diese fällte nach langer Beratimg folgendes Urteil: Um den Aussagen des Angeklagte» volle» Glauben schenken zn können, müsse ersijEinsicht in das Statut dcS Verbandes der Deutschen Buchdrucker geuommc» werden. Es sei dc-halv Vertagung beschlossen, der Angeklagte aber habe schlennigst ein Statut des geuamiten Verbandes eiilzu reichen._ NevlÄnnttlnnlgon. Fühle» sich die Bäcker stark genng, um im Frühjahr in eine Lohubewcgmig eintrete» zu löititcu? so lautete das Thema einer sehr stark beinchten Versammlung der Bäcker, die gestern nachmittag im Saale bei Nieft, Weberstratze, tagte. Ter Referent, Bäcker Barth, erinnerte zuiiächst an die Begcistcrimg, die bereits iin vorigen Jahre ein großer Teil der BernfSkollegen für eine Lohnbelvegnng geändert hat. Wenn trotzdem von dem Eintritt in die Bewegung schließlich Abstand genommen wnrde, so deshalb, ivcil verschiedene Um- stände es nvllvcndig machte», insbesondere auch, ivcil es die Unter- nehnicr verstanden hatten, eine sehr große Anzahl Bäcker anS der Provinz hcraiiznziehen, daß alle Herbergen von Arbeitslosen überfüllt ivnrcu. Dcuigegcnüber haben sich dir Verhältnisse in mancher Beziehmig günstiger gestaltet. Der Streikfonds ludst jetzt schon einen erheblich größeren Bestand a»f. als beim Eintriit in die Lohnbelvcaiing im Jahre 1886. Tic Arbeitslosigkeit ist zurückgegangen. Ter Refereiit giebt schließlich der Meinung Ausdruck, daß die Bäcker stark genug seien, uni im koinmeuden Frühjahr den Kampf zur Verbesserung der Lohn- nnd Arbeitsverhältnisse misiiehinei» zu können. Nach kurzer Tis- kufsion im Sinne de? Referats gelangte folgende Resolution ein- stimmig zur Annahme:„Die Versammelten sind der festen Zuversicht, daß im nächsten Frühjahr ein Streik in ihrem Berufe erfolgreich durchgeführt iverdcu muß, wenn jeder Einzelne sein Teil zum Ge- kiiigeii desselben beiträgt. Die Versammelten verpflichten sich des- halb, bis zum Beginne des Streiks pro Mann nnd Woche eine Marke zum Streikfonds zu entnehme», nm die zum Kampfe nncntbchrlichen Gcldmiitcl herbeizuschaffen." Dieselben Fordernngen, die bereits im vorigen Jahre stipnliert »vurdcn.»Verden auch bei dieser Lohnbelvegnng wieder maßgebend sein. In Bettacht koinmen für Berlin nnd Umgegend circa 4000 Bnckerei-Arbcitcr. Bekannttich sind auch die Bäckermeister bc- strebt, sich für die Lohnbelvegnng vvrzilbereitcii. Der angesammelte Fonds, von dem die in Mittcidcnschaft gezogenen Uiiternehnier ent- schädigt»Verden sollen, soll 15— 20 0(>0 M. betragen. Dem Bericht über die Thätigkeit dcsf GesellciiauSschnsies der luiiiiiig„Eoucordia", den M o st erstattete,»vor zu entnehmen, daß mit den Meistern gcnlcinsani eine Kontrolle der Bäckercibetriebe vor- genonmien lvordcii ist. Trotzdem daß alle Bäckermeister von der Kontrolle vorher nnterrichtet»varen, wurden in zahlreichen Betrieben recht arge Mißstände, insbesondere in Bezug ans die Besckiaffcnheit und Reinlichkeit der Wertsinben vargesnndcn. DaS gesichtete Material chll in nächster Zeit veröffentlicht werden. Der Redner berichtete ferner Über das LehrlingSlvescii, Über den Arbeitsnachweis und das Schiedsgericht der Innung und über die»vettere Thätigkeit des Gesellen- ausschiisscs, die besonders in letzter Zeit eine recht rege»vor. Nach- dem noch zur starken Beteiligung au der am Donnerstag, den 25. d. M. stattfindenden Wahl des Gescllcnansschusies aufgefordert ivorden»vor, erklärte sich die Vcriaiumknng cinstimniig mit der Thätigkeit deS Ailsschusscs ciiivcrstandcii. Eine öffentliche Glaserversamiulnug, die sich eines guten Besuches zu crfrenen hatte, fand am Montagabend in den„Armin- hallen" statt. Dieselbe ehrte vor Eintritt in die Tagesordnung das Andenken des verstorbenen Kollegen Behrens in der üblichen Weise. Alsdann hielt Genosse K n o l l einen mit lebhaften, Interesse ent- gegen gciionimcncn Vortrag über Z>v a n g s in n u n g e n. Eine Diskussion knüpft« sich a» den Vortrag nicht. Dagegen entfesselte imter Verschiedenem eine lebhafte Debatte die von Iah» an- geschnittene Frage: Wie gedenkt der Vorstand, nachdem das Vcr- bindungsverbot für politische Vereine aufgehoben ist, in Zukmift die Taktik in Bezug ans die öffentliche Beivegmig zn gc- talten.— Der Redner vertritt die Meinung, daß muimehr die gesamte Beivegmig durch die Organisation zn leite» ist. An der ausgedchnleii Debatte, die zum Teil einen persönlichen Charakter aiininnnt, beteiligen sich, znmTeil wiederholt, Starke. Rochoiv, Frendenberg, Krause, Hosfmann, Kaspar, Bill ach und andere. K n o I l cinpstchlt, es bei der bisherigen Taktik zn be- lassen nnd zwar mit Rücksicht ans die Gewimiung weiblicher Mit- glicder. Mit der Aufhebung des VerbindungsverbotS ist»och nicht die Fessel gefallen, daß Fraueu politischen Vereinen nicht angebörcii dürfen. Da»un aber heut die sämtlichen Centralorganisatioiicil ihren Zusninnicnschlnß in der Generalkommission vollzogen oder doch zuin mindesten angebahnt haben, so würden durch eine politische Bcthätignng eines Teiles der Gclverkschasten die Gewerkschaften mit weiblichen Mitgliedern gezivinigen sei». anS der Gcneralkoin Mission und sonstige» Kartelliermigen ausznscheidcu. Zu einem Beschluß kam es in der Angelegenheit nicht. Zu der am 14. Jainiar stattsindenden Proviiizialkonserciiz für Bauarbciterschutz wurden Mertens und Jahn gewählt. Nachdem noch aus das am 13. Januar in der Wasscrthorstraße bei Krüger stattfindende Vergnügen der Bleiglaser hiiigeivicsen, erfolgte Schluß der Ver- sammlung. Die Kleber sTapezierer) hielten am 3. Januar bei Paster. Jusalstr. 10, ihre Generalversammlung ab. Der Borsitzende gab einen kurzen Ucberblick über die Entlvicklung des Vereins. Von 37 Kollegen sei derselbe jetzt auf 132 Mitglieder gestiegen; ein weiterer Zuwachs sei erfahrungsgemäß zur Saison zu erlvartc». Redner berichtet dann über Anschluß au das Berliner Gclverkschafts- kartcll, uud den Bezug der„Einigkeit" als VerciuSorgan. Sodann giebt Straffer den Bericht über die AgitatioliSkomniission. Danach sind zivei Aiigrifssstreils mit Erfolg im November durchgeführt. Die Eiiiiiahmen dcS Vereins bclicfcn sich nach dem Bericht des Kassierers auf 178,58 M., die Ausgaben ans 148,08 M. Hierauf ivnrde der Tarif, der vollendet ist, nochmals einer Diskussion unterivorfen. Mit Rücksicht ans die bevorstebende Lohnbewegimg. wurde beschlossen, daß jeder arbeitende Kollege pro Woche 50 Pfennig Extrasteucr zahlen solle. Verein der Mechaniker. Mittivoch, den 16. Jaimar 1900, abends 9 Uhr, im VercinSlokal. Jcrusalemerstraße 8: Vortrag des Herrn Regie- riliigsrat Prof. Dr. B. Wcliisicin:„Tic Foriichrittc in der Naturerkemltnis im XIX. Jahrhiiiidert.— Gäsie herzlich wilttoimncii. Marktpreise l>o» Perlin am 8. Januar Ivvv »ach Ermilllmigeii dcS D.-Str. 15.— 14.50 13.90 15.20 14.30 13.50 4.3L 7.20 10.- 45,— 70- l.C.O 1,20 Tanne 13,90 13,70 13- 14,40 13,00 12.80 3,82 4,20 25,— 25,— 30- 5,— 1,20 1.- von kgl. PolizeiprSIIdiiiliiS. Schiveincsleisch 1 bg; Kalbsscisch Hammelfleisch„ Butter Eier garpsei» Aale Haube* Hcctne Bariche Schleie Bleie Krebse 00 ?Iüct II.--; per Schock 1.00 1.-9 1.00 2.00 2.20 2.80 2.50 2,- 1,00 2,80 1,40 12.- 1,10 1,- 1,- 3.- 1,20 1,40 1,10 1.— 0,80 1,40 0,80 3,- �Weizen �Roggen Fuilcr-Gerste„ Hafer gm rniticl„ .. gering Richlslroh Heu ß)Srdse» -ZSpciscbohneu 1')Li>isc» Kartosseln, neue Rindfleisch, Keine i k do. Vanch„ *) Erniittckt pro wirlfchaftökamnirr— NotierungSstclle Präsidium für den Doppelcentner. ff) KleinhaiidelLpreii«. Prodi, ktennlarkt vom 9, Januar, Der Getreidemarkt verkehrte in schwacher Tendenz ans gleiche Meldungen von den Börsen Nordamerikas und neue glänzende Berichte aus Argeutmien, wo die leh-.e hohe Einschätzung der Ernte ueefi immer hinter der WirNichlett zurückbleiben soll, und insbesondere aucki die Qualität als wesentlich besser wie iin Vor. jabre bezeichnet wird. Weizen ivar bei etnlgei» Handel 0,50 M., Roggen 0.25 M. billPcr zu haben. Hafer lag still und Uliverändert, Siüböl preis- haltend. Äin Spiritus markt ivnrde 70cr loco mit 47,40 M. unveränder! gehandelt. � K a r t o ffel f a b r i ka tc. Fcnchie Karloffelstärke 10,40 M. I«. renie Kartoffelstärke disponibel und Februar 19.75 M., April 20 M. Abfallende Prinia-Qualitätc» disponibel 17,75—18,75 M, per 100 Kilogramm. der Centtalstcll« der Prentz. Land- — und umgerechnet von» Polizei- VevmipLzkes« SchiffSunfiille. Ans New York wird gemeldet: Der Dampfer..Georgia»" langte hier mit 35 Mann von der Besatzung des deutscheil Schiffes„Ella" an, daS im Sturm Schiffbruch er- litten hatte.— Die deutsche Tjalk„Käte",»velche vor vier Monaten Oldenburg verließ,«m»och Granto» bei Edin- bnrg zu gehen,»vurde in Granton eingeschleppt. Das Schiff hatie nichrcre Stürme zn bestehen. Die Aasservorräte waren vor drei Wochen zu Ende gegangen. Seitdem lebte die Mannschaft, welche sich t» schrecklicher Lage befand, pon gtegemvasier und von Stroh, in»velchcs eine Ladung von Flaschen verpackt»var. Tie anthropologische Gesellschaft zu Stockholm hat be- schlössen, daß die schwedischen Schiffe,»velche� im Frühjahr nach Spitzbergen abgehen,»in die schivedische GradmessungS-Expcoition ab- znholcn, nach'König Karl-Land gehen sollen, nm Untcrsuchmigcil über die dort gefundene Pol-Boje Andröes anzustcllen. WaS ist Heliographie? In den Kriegsberichten ans dem Transvaal ist häufig von Heliographie die Rede.- Jedermann thnt so, als ob er genau»vüßte,»vaS Heliographie ist. In Wirklichkeit ist man nur in eng begrenzte» Fachkreisen Über daS Weseil dieser optischen Telcgraphie nnterrichtet. Wir halten es deshalb für nütz- lich, einer Studie, die Herbert E. Fhfe im„Strand Magazine" allen von den Laildheerc»! mid der Marine angewandten Signalen ge- widmet hat, die wichtigsten Einzelheiten über die Heliographie zn entnehmen. Die Heliographie ist das einfachste, billigste und das einzig sichere System, deffe» sich ein belagertes Heer bedienen kann, mn mit de» Truppen, die zu seiner Befreinng heran- nicken, in Berbindinig zu treten. Jede von de» beiden Truppenabteilungen stelle einen ans drei beliebigen Stöcken oder Stäben ziisamniengesetzten Dreifuß ans nnd setzt einen beliebigen Spiegel darauf. Die Spiegel stellt man so. daß sie sich gegenseitig ein Bündel Soiliienstrahle» zuiverfenj dann stellt man bei jedem Apparat cinon Soldaten ans, der die Signale giebt, und einen Offizier, der mit einem Fernrohr verschen ist. Der Signal- mann kann den Lichtstrom auffange» mid nnterbrechen, indem er niit seiner Mütze oder seinem Helm den Spiegel bedeckt. Er unterbricht ihn einnial, wenn er den Buchstaben A bezeichnen will, zweimal hiiiterciiiander bei dem Buchstaben L. dreimal bei dem Buch- tabeii C usw., indem er natürlich zivischen zivei Worten eine kleine Pause macht. Das ist alles. Es versteht sich von selbst, daß die Heliographie nicht anwendbar ist. wenn der Himmel belvölkt ist oder »veiin cS regnet oder aber— das ahnt selbst einer, der das Pulver nie erfunden halte— während der Rächt. Das ist der erste Ucbel- 'tand. Der zivcite liegt in der Langsamkeit des Verfahrens; die eng- lische Sprache ist von allen Sprachen diejenige,»velche darunter am ivenigstei» zn leiden hat, wegen ihres große» Reichtums an einsilbigen Worten und an gebränchlicheii Abkürzungen und »vcgen ihrer prägnanten Kürze. So erklärt es sich, daß die Helio- graphie eigentlich mir im britischen Heere zur Amvendung kommt. Aber sie bietet andererseits den unschätzbaren Vorteil, daß sie »vährend Mehrerer Stmiden hintereinander- angeivandt»verde» kann, ohne daß der Feind, der zivischen den beiden Sigiialposteii steht, die Signale entziffern oder auch mir ahnen kann, daß eine Berbindimg besteht. Der Heliographie-iliekord wird bis zuni heutigen Tage von Lord Roberts gehalten. Im Jahre 1880,»vährend des Krieges mit Afghanistan, konnte er. als er zur Befreinng der von dem Emir in Kandahar belagerten Brigade heranrückte, aus den Höhe»! von Robot, 75 Kilometer»ion Kandahar entfernt, in vier Stmiden eine Botschaft von 207 Worten von der ciiigeschloffcncli Brigade erhalten.— Eine neue Polizeithat. Hiesige Blätter melden: Nunmehr hat auch die Stadt Bonn eine Kicfcr-Affaire. indem der Wacht- Meister Morgenstern, früher in Kiel bedicnstet, eine in Be- gleitung ihres'Bräutigams befindliche Daine als Dirne bezeichnete iiiid aufforderte, ihm zur Wache zu folgen. Als der Begleiter nach- drücklichst gegen die schimpfliche Unterstellung Einspruch erhob. citierte der Wackitineistcr mehrere Nachtwächter herbei, nnter deren Beistand die Abführung erfolgte. Ans der Wache suchte der ivacht- habende Polizeibcamte den Wachtmeister zu überzeugen, daß er sich geirrt habe; indessen verharrte der Wachtineister dabei, die Verhaftete sei eine schlechte Weibsperson aus Kiel, beschimpfte sie mit rohen dem Dienste. Ein antikes Theater in Turin. Unter den Gcivölben des jüngst niedergerissenen Palazzo Vccchio zn Turin wurden,»vie das „B. T." meldet, die Reste eines altrömischcn Theaters von 130 Meter Durchmesser und 34 Meter Bühncufront entdeckt. Das ans der Äaiserzcit staniinende Gebäude scheint sinn» fand Mengen geschmolzener Bronze) im dritten Jahrhundert niedergebrannt zn sein; doch sind dje Marniorfricse dxr Bühne teilweise npch glänzend erhalten. Neben dem Theater stieß Man auf ein altchristlichcs.Coemeterium". dessen fast durchiveg gxinliche Gräber ans den» Banniaterial des Theaters hergestellt sind. Nur eine einzige Gruft ist größer angelegt nnd scheint für einen Bischof bestimmt gelvesen zu sein. Für die Aus- grabuiige« hat der König anS seiner Priiiatschatulle eine größere Snmnie ausgesetzt._ Berantwortlicbcr Redacteur: Pank Job» in Berlin. Für den Inseratenteil verantivortlicki: Tb. Glocke in Berlin. Druck mid Verla» von Mar Vadin» in Berlin.