AnterhallungMatt des Horwärts Nr. 163. Dienstag, den 24. August. 190S "(Nachdruck derdolen.Z 7Z Oer Vor�ugsfckiüler. Von Marie v. Ebner-Eschenbach. Gepeinigt sah Georg zu ihr hinüber und warf ihr hinter dem Rücken des Vaters Küsse zu. Um seinetwillen wurde sie beschämt, er war der unschuldige Urheber ihrer Qual. Und sie, alles erratend, was in ihm vorging, bezwang sich, bemühte sich, gelassen und standhaft zu bleiben bei den Kränkungen, die sie erfuhr. Der Mann hielt für Unempfindlichkeit, was höchster Heldenmut war. und verschärfte die Lauge in den Ausdrücken seiner Geringschätzung. Wie immer war es auch heute gegangen, und Agnes kaum noch imstande, ihre Selbst- beherrschung zu bewahren, als ein heftiger Riß an der Glocke sie erschreckte. Sie schrie auf; auch Georg erschrak. Es war etwas so völlig Ungewohntes, daß um diese Zeit jemand Ein- iaß bei ihnen begehrte. „Nervös, wie die elektrisierten Frosch," brummte Pfanner. �.Habt Ihr in Eurem Leben noch nicht läuten gehört? Sieh nach, wers ist," befahl er der Frau. Sie zündete rasch eine Kerze an und eilte in die Küche. Schon wurde ein zweites Mal geschellt, noch ungeduldiger, noch heftiger als früher. Als Agnes öffnete, stand ein großer, breitschultriger, fein gekleideter Mann da und fragte: „Ist Herr Offizial Pfanner zu Hause?" Wer konnte das sein? Vielleicht ein Vorgesetzter, der Herr Inspektor oder gar der Herr Oberinspektor? „Ja, er ist zu Hause," sagte sie.„belieben einzutreten." Ohne Gruß ging er an ihr vorbei', er hielt sie offenbar für die Magd, und ihr war der Irrtum recht. Sie hätte in ihrem grauen, ausgewaschenen Percailkleide, in ihren ge- flickten Schuhen einem Vorgesetzten gegenüber nicht für die Frau eines k. k. Beamten gelten mögen. Höflich stieß sie die Zimmertür vor dem Fremden auf, trat in die Küche zurück und hörte nur noch ihren Mann in durchaus nicht respekt- vollem Tone sagen: „Herr Obernberger? Was verschafft mir das Ver- gnügen?" Obernberger schloß die Tür hinter sich, die Magd sollte das Gespräch zwischen ihm und Pfanner nicht mit anhören. „Vergnügen werden Sie von meinem Besuch nicht haben," erwiderte er in erregtem Tone,„ich komme, um mich zu be- klagen." Hoho! Das konnte unangenehm werden. Pfanner hatte ein böses Gewissen. War eine der wegwerfenden Reden, die er über Obernberger zu führen pflegte, dem„Schlosser" hinterbracht worden? Vielleicht auch einem der Vorgesetzten, bei denen der Meister in hohem Ansehen stand? Verfluchte Geschichte! Pfanner verbarg seine Bestürzung hinter einem besonders borstigen Wesen:„Nur heraus mit der Sprache, genieren Sie sich nicht. Ich kann was vertragen," sagte er. Georg war aufgesprungen und hatte einen Sessel herbei- geholt. Obernberger nahm Platz. Er betrachtete den Knaben, der mit gesenkten Augen und krampfhaft verschlungenen Fingern vor ihm stehen blieb, streng und prüfend: „Herr Obernberger! Herr Obernberger!" sprach Georg leise und flehentlich. O. wenn er früher an Herrn Obernberger gedacht hätte, er würde seinen Sohn nicht geprügelt haben. Herv Obern- berger war immer so gütig mit ihm, wenn er ihn traf, und neulich, als er im Wagen gekommen war, den Pepi aus der Schule abzuholen, hatte er Georg eingeladen, mitzufahren. Eine Seligkeit wäre es gewesen, der Einladung zu folgen, aber er wagte es nicht. Der Vater hätte gewiß gesagt:„Hast vergessen, daß Du keine Gnade annehmen sollst?" Je länger Obernberger seine Augen auf Georg ruhen ließ, je milder wurde ihr Ausdruck, und jetzt redete er ihn an:„Wissen Sie. daß ich schon auf dem Wege zum Herrn Direktor war, um mich über Sie zu beklagen? Ich mag Ihnen aber doch Ihre gute Note in Sitten nicht verderben amd will mich mit einer häuslichen Züchtigung begnügen, die Ihnen Ihr Vater sicher erteilen wird, wenn er hört, was vorgefallen ist. Herr Offizial." wendete er sich an Pfanner, ..Georg hat heute nach der Schule meinen Sohn angefallen und ihn gewürgt, und andere haben sich hineingemischt, und mein Pepi ist mir nach Hause gekommen, ganz zerrissen, unö das rechte Auge so blau und geschwollen, daß er ein paar Tage hindurch weder lesen noch schreiben kann. Und das ist geschehen ohne den geringsten Grund." „Ohne den geringsten Grund?" wiederholte Pfanner. hob sich halb von semem Sitz, und es war, als ob er auf den Sohn losspringen wollte. „Nicht ohne Grund," hauchte Georg mehr, als er sprach. „Er hat mir gesagt, daß ich ein Büffler bin. Büffeln kommt von Büffel, und Büffel gehören zu der Gruppe der Rinder, hat er gesagt." Pfanner schwieg und saß wieder gerade auf seinem Sessel, Obernberger war betroffen. „Ist das wahr? fragte er, und Georg beteuerte: „Es ist wahr." „Hinaus!" rief Pfanner ihm plötzlich zu und wies mit ausgestrecktem Arm nach der Küchentür. Draußen stand die Mutter neben dem Herde und zitterte an allen Gliedern und fragte sich, was für ein neues Unheil über ihren Georg hereingebrochen sein möchte. Er lief aus sie zu, war bleich wie Wachs, und grünliche Schatten zogen sich längs der Nase zu den Mundwinkeln herab:„Mutter- Mutter!" preßte er hervor,„was wird jetzt mit mir ge> schehen?" �# In der Stube jedoch begab sich das Unerhörte. Pfanner entschuldigte seinen Sohn. Der Junge war schüchtern von Natur und nur zu sanft für einen Buben. Wenn er einmal losgeschlagen hatte, mußte er arg provoziert worden sein. Er sei auch absolut wahrhaft, versicherte der Vater, der ihn noch nie auf einer Lüge ertappt hatte. „Können Sie das von ihrem Pepi auch sagen?" fragte Pfanner und setzte die gewisse, militärische Miene auf, die er sich angeeignet hatte, als er einst, nach wenigen Monaten seiner Dienstzeit, zum Korporal befördert worden war. Der gutmütige Obernberger stand immer noch unter dem Eindruck, den die Todesangst auf dem Gesichte Georgs auf ihn gemacht hatte. Der große, breite Mensch schmolz in der Nähe des kleinen, hitzigen Pfanner ordentlich zusammen. Ein gewaltiger Schneemann in der Nähe eines Häufleins glühender Kohlen. Er hatte keine Ursache, sich auf die Wahr» heitsliebe seines Pepi zu verlassen, und weil er das nicht ein» gestehen wollte, schwieg er. „Fragen Sie Ihren Pepi aufs Gewissen, ob mein Sohn ihn wirklich ohne Grund geschlagen hat," sprach Pfanner. „Aug in Aug mit dem Buben, in unserer Gegenwart soll er es wiederholen. Tut er das, dann lade ich Sie zu einer Exekution ein, wie sie bei uns noch nicht stattgefunden hat, obwohl ich bei meinem Buben die Prügel nicht spare." Bei dieser Abmachung blieb es. Herr Obernberger, der als Richter gekommen war, verließ die Wohnung des Offizials mit dem Gefühl, eine Niederlage erlitten zu haben. Er achtete nicht auf die Zwei, die sich tief verneigten, als er di« Küche durchschritt. Georg lief ihm voran, öffnete mit demütiger Beflissenheit die Tür und murmelte: „Verzeihen Sie mir, Herr Obernberger. verzeihen Sil mir," so leise, mit so von Scheu und Tränen erstickter Stimme, daß der in unangenehme Gedanken versunkene Fabriksherr nichts davon hörte. Als Agnes und Georg das Zimmer wieder betraten, hatte Pfanner einen großen, mit Zahlen bedeckton Bogen vor sich liegen, den er mit äußerster Aufmerksamkeit durchsah, Georg holte seine Hefte herbei und machte sich an seine Arbeit. Eine halbe Stunde verging, ehe der Vater seinen Sohn an» sprach, und dann— o Wunder! geschah es nicht einmal in unfreundlicher Weise. Er überzeugte sich, daß Georg beinahe fertig war mit seinen Aufgaben: „Bist Du aus Geschichte schon aufgerufen worden?" fragte er. „Noch nicht." „Merkwürdig. So spät?" „Vielleicht morgen. Wir haben morgen Geschichte." „Nun, da kriegst Du doch eine Vorzugsklasse?" „Ich weiß nicht, vielleicht." „Du!" schrie der Vater ihnypnose und Verbrechen. Von Zeit zu Zeit wird die Oeffentlichkeit durch Verbrechen oder abnorme Handlungen alarmiert, die von den betreffenden Individuen als Ausfluß hypnotischer Zustände bezeichnet oder zu solchen in Be- ziehung gebracht werden. So wurde vor wenigen Monaten ein Fall berichtet, der sich in den Vereinigten Staaten zugetragen hatte. Ein durch seine Frömmigkeit und Milde bekannter Reverend schoß vor dem Altar einen Mann nieder unter der Anschuldigung, daß ihn dieser in einem hypnotischen Zwange hielte und ihm Dinge wider seinen Willen zu unternehnien veranlaßte. Um diesem fürchterlichen Druck zu entgehen, sei ihm kein anderer Ausweg übrig geblieben, als sich seines Peinigers auf diese Weise zu entledigen. Hier lag kein hypnotischer Zustand vor, sondern ein B e» e i n f l u s s u n g s w a h n. Der Reverend konnte sich seine Handlungen »übt erklären und schob das Motiv zu ihnen auf einen anderen Menschen ab. Derartige wahnhafte Vorstellungen sind bei Geistes- kranken recht häufig. Ebendorthin gehört auch die tragikomische Ge- schichte, die kürzlich an den belgischen Gerichten zum Austrag ge- bracht wurde. Es handelte sich um ein junges Mädchen, das in einen Musiker verliebt war und ihn jahraus, jahrein auf Schritt und Tritt niit ihren Anträgen belästigte. Sowie der Musiker seinen Wohnort wechselte, und er tat die? notgedrungen, folgte ihm daS Mädchen. Es behauptete gleichfalls unter hypnotischem Zwange, der von dem Manne ausginge, zu handeln. Man versuchte eine eigen- artige.Gegenhypnose", man verprügelte den Jünger der heiligen Cäcilie, aber auch dies war vergeblich. Klassisch sind die Beispiele des Liebeszaubers auS dem Mittel- alter. Buch hier fühlten sich die Menschen von einer Person deS anderen Geschlechts so unüberwindlich angezogen, daß sie sich an ihre Sohlen hefteten. Anklagen wegen Zauberei waren das traurige Ende für den verfolgten Liebhaber wider Willen. Es ist bekannt, daß in den siebziger Jahren des neunzehnten Jahrhunderts, nachdem schon im Beginne dieses Säkulunrs Johann M e s m e r die Lehre des tierischen Magnetismus begründet hatte, in Frankreich die in Mißkredit gekommene Lehre wieder auf- genommen wurde. Die Pariser Schule unter Charcot und die Nancyer unter Lioba»lt wetteiferten niiteinander, die Theorie des HypnotismuS und der Suggestion wissenschaftlich zu begründen und sowohl für Heilzwecke als auch für experimentell-psychologische Untersuchungen nutzbar zu machen. Seitdem ist Frankreich der Mittelpunkt für die Erforschung dieser eigenartigen psychischen Vor- gänge geblieben. Die Wirkung einer Hypnose oder einer Suggestion leineS Einrede»?) ist die, daß ein Mensch von einem anderen be- einflußt wird, Handlungen zu begehen oder Sinnescindrücke wahr- zunehmen, ohne daß von der Außenwelt die Sinnesorgane gereizt sind. Es sind dies also Sinnestäuschungen sHalluzinationen). Sie können im allgemeinen nur bei eingeschläferten Individuen auS» gelöst werden(daher der Name Hypnose vom Griechischen Ir�pnos — der Schlaf). Suggestionen können aber auch in wachem Zustande gegeben werden. Nu» wirkt jeder Befehl suggestiv, aber man hat sich daran gewöhnt, unter Suggestivhandlungen im engeren Sinne solche zu bezeichnen, die ohne oder gegen den Willen des handelnden Individuums begangen werden, und zwar, daß der freie Wille, die Handlung zu unterlassen, ausgeschaltet ist, daß aber weiter die handelnde Person sich nicht bewußt ist, unter dem Befehle eines anderen zu stehen. Es ist nun möglich, Suggestivhandlungen im Wachen mit hypnotischen Zuständen in eigentümlicher Weise zu ver- Linden. Ein Mensch wird hypnotisiert und erhält in diesem Schlaf- zustand den Befehl, eine Tat auszuführen, aber nicht sofort, sondern erst nach dem Erwachen. Dies sind die sogenannten Post- hypnotischen Suggestionen. Diese brauchen aber durchaus nicht sofort nach dem Erwachen wirksam zu werden, sondern eine beliebig lange Zeit später. An das Bekanntwerden dieser Phänomene knüpfte sich alsbald die Befürchtung, datz die Kenntnis und Ausübung dieser Kräfte Ver- anlassung und Ansporn zu scheußlichen und gefährlichen Berbrechen geben würde. Der eigentliche Verbrecher blieb dann ini Hinter- gründe, er richtete unschuldige Menschen zu Helfershelfern seiner Taten, ohne ihr Wissen ab, indem er sie einschläferte uud ihnen post- hypnotische Suggestionen für irgendein Verbrechen gab. Die Furcht vor diesen Ereignissen wuchs um so mehr, als die hhpnotiichen Erscheinungen den Nimbus des Uebernatürlichen verloren und es be- kannst wurde, daß keine außerordentlichen seelischen oder körperlichen Kräfte zur Erlernung der Technik nvlig seien. Man verlangte laut nach gesetzgeberischen Maßnahmen. Aber es zeigte sich, daß nichts derartiges notwendig wurde, außer daß etwa die Regierungen die Schaustellungen hypnotisierter Personen und öffentliche Experimente untersagten. Was verbrecherische Handlungen a n hypnotisierten Menschen anbetrifft, so fallen sie unter den Paragraphen, der geistes- kranke und bewußtlose Personen unrer Schutz stellt und den Täter mit Zuchthaus bestrast. Außerdem lag für den Gesetzgeber kein Material vor. Da kam im Jahre 1835 der aufsehenerregende Prozeß gegen den Heilmagnetiseur Cz., der in München vor dem Schwur- gericht zur Verhandlung gelangte. Eine adlige, sehr vermögende Dame in reiferen Jahren wandle sich an den Angeklagten, der in Dresden sein Gewerbe ausübte, wegen rheumatischer Schmerzen be- Hufs magnetischer Behandlung. Aber Cz., ein interessant aus- sehender Pole, tat mehr, als von ihm verlangt war. Die Baronin gewann ihn lieb, sie zögerte nicht, als er um ihre Hand anhielt, ihr Jawort zu geben. Sie lieh ihm größere Summen Geldes, und Cz. hatte alle Aussicht, über das gesamte Vermögen seiner künftigen Gattin Verfügung zu bekommen. In München sollte die Trauung stattfinden. Aber was dort vor sich ging, war nur eine Schein- trauung. Cz. war bereits verheiratet und scheute offenbar das Delikt der Bigamie(Doppelehe), oder er fürchtete die Eisersucht seiner Frau. Er bestellte einen Freund, der sich als katholischer Priester maskierte und in einem Holel Münchens die Zeremonie vornahm. Doch die Verwandten der Braut hatten von der Absicht der Ehe- schließung Wind bekommen. Es gelang ihnen, festzustellen, daß eS sich um ein Schwindelmanöver gehandelt habe. Der Staatsanwalt schritt ein. In dem Prozeß wurde festgestellt, daß der Magnetiscnr seine Klientin hypnotisiert habe. Durch fortgesetzte Hypnosen bekani er sie so in seine Gewalt, daß es ihm gelang, sie zu verführen, und daß sogar eine starke Neigung in ihr zu ihreni Arzte erwuchs. Die Zuneigung dauerte übrigens noch an, als sie über den wahren Sach- verhalt schon aufgeklärt war und der Pseudoehemann im Gefängnis saß. Die Anklage lautete auf Betrug, Urkundenfälschung und Mißbrauch einer Bewußtlosen. Trotz der übereinstimmenden Gutachten der Sachverständigen, die erklärten, daß die Verführte einem hypnotischen Zwange unterlegen sei, schloffen sich die Geschivorenen dieser Ansicht nicht an; aber der Gerichtshof bedachte den Angeklagten wegen der anderen ihm zur Last gelegten Delikte mit einer mehrjährigen Strafe. Das Interessanteste an dem Falle war. daß die Baronin noch bis zur Gerichtsverhandlung sich dem Banne des Mannes noch nicht zu entziehen vermocht hatte. Sie kannte zwar das Vergehen des An- fieklagten und mißbilligte es, allein das Liebesgefühl be- tand in seiner ganzen Intensität weiter. Es ist hier sicherlich mehr und anderes wirksam geworden als hyp- notischer Zwang. Schwächere Individuen geraten in die Gewalt eines stärkeren auch obne Hypnose in technischem Sinne. Der Vor- gang ist gewiß suggestiver Art. Nicht umsonst reden wir von den „Einflüssen der Liebe'. Daß sie hier stärker, dort schwächer haftet, beruht auf der Verschiedenheit der individuellen Disposition. Hypnotische Prozeduren sind nur imstande, schlafende Triebe zu erwecken, ihre Hemmungen, wenn sie nicht zu stark sind, zu beseitigen, gleichsam die in uns aufgespeicherten Energie» in lebendige Kräfte umzusetzen. Schon aus diesem Grunde konnte die Verbrecherwelt die neu- entdeckten Phänoniene nicht in dem gcfiirchtetcten großen Stile für sich ausnutzen. Nur ganz wenig Fälle sind bekannt geworden: der berühmteste ist der der G a b r i e l l e Dompard in Paris, die, unter dem Einflüsse ihres Geliebten Eyrand stehend, einen Mann ermordete. Mit posihypnotischen Suggestionen zu arbeiten, ist deshalb so unsicher, weil ihr Erzeuger sofort in einer zweiten Hypnose, die den verlorenen Faden der ersten wieder aufnimmt, ohne Schwierigkeiten zu ermitteln ist. Im all- gemeinen besteht im Wachzustand keine Erinnerung an die Vorgänge während der Hypnose sposthypnotische Amnesie), sofern dem Hypno- tisierten befohlen worden ist. diese zu vergessen. Die Gedanken und Vorstellungen in, hypnotischen Trance sind für sich so ab- geschlossen und bilden bisweilen eine ganze„Persönlichkeit" für sich. Doch die Verbindungen find nicht gestört, sondern gewissermaßen nur stromlos geworden. Durch irgendwelche Bedingungen, durch gangbare Nebcnleitungen können sie wieder in Funktion treten. Die Vorstellungsinhalte aus der Hypnose stehen dann wieder in Ver- bindung mit dem Wachbewußtsein: d. h. der wache Mensch erinnert sich an die Vorgänge während der Hypnose. Daraus wird klar, daß niemand von vornherein wissen kann, wie lange bei einem Be- einflußteu die posthypnotische Amnesie(Vergessen) Bestand haben wird, plötzlich oder allmählich tauchen die Erinnerungen an das Geschehene wieder auf, und der passive Täter würde auf den wahren Urheber des Verbrechens hinweisen. Freilich ist oft genug von An- geklagten in Kennmis der hypnotischen Tatsachen von ihrer Ver- teidigung behauptet worden, daß sie im Zwange einer posthypnoti- scheu Suggestion gehandelt hätten. Doch immer hat sich nachweisen lassen, daß dies nur Ausreden waren. Nicht alle Menschen lassen sich hypnotisieren, und von den dazu brauchbaren nicht alle gleichmäßig. Die großen lebenden Hypno- tisieure wie Forel, Vogt, Wetter st rand behaupten zwar. daß es bei 35'Proz. aller Menschen ihnen möglich sei. Damit sind aber die ganz leichten hypotaktischen Zustände gemeint, in denen die Individuen in flachem, leichtzuerweckendem Schlafe liegen. In diesem Stadium sind die Schlafenden nur leichten thera- peutischen Maßnahmen zugängig. Man kann so Kopfschmerzen. Schlaflosigkeit, Angstzustände beseitigen. Den zweiten Zustand bezeichnet man als kataleptischen. Er ist dem Publikum von den Schaustellungen der Wanderhypnotiseure bekannt. Die Glieder können in eine abnorine Starre versetzt werden. Der Körper braucht nur an seinen äußersten Enden unterstützt zu werden, um schwere Lasten zu tragen. Auch Halluzinationen zu erzeugen ge- lingt. Rohe Kartoffeln werden ans Befehl für Aepfel angesehen und mit großem Appetit verzehrt. Zu diesen Prozeduren aber eignen sich nur zirka 43 Proz. In das dritte tiefste Stadium der Trance, in dem niau die erwähnten posthyvnotischen Befehle mit Amnesien gibt, gelangen nur 15 Proz. Unter diesen also müßten die Verbrecher ihre Opfer wählen. Doch diese Zahl schmilzt für verbrecherische Vornahmen auf nichts zusammen. Man kann die im Traume be- findlichcn zu allem möglichen veranlassen, aber nicht zu a l I e m. Interessante Experimente haben das erwiesen. Delboeuf in Lüttich hypnotisierte ein Dienstmädchen und suggerierte ihr die An- Wesenheit eines Mannes; er suggerierte ihr, daß dieser Mann ihr Feind sei und sie angreifen wolle. Auch diese Suggestion nahm sie an. Als man ihr aber einen Revolver in die Hand gab und sie aufforderte, auf den Mann abzudrücken, weigerte sie sich be- ständig und war durch nichts zu der Tat zu bewegen. Ein Arzt hypnotisierte eine Patientin, die sich sonst von ihm willig und ohne eine Spur von Schamgefühl zu Heilzwecken untersuchen ließ. Als er die tief Hypnotisierte aufforderte, auch nur die Bluse zu öffnen, lehnte sie ab. In diesen lehrreichen Füllen handelt es sich um Eingebungen unsympathischer und un- moralischer Natur, gegen die sich das Individuum kraft der ihm inne- wohnenden, durch Vererbung und Erziehung gesetzten Gegen- Vorstellungen mit Erfolg wehrte. Normale Menschen stehen zu stark unter dem Druck der Hemnumgen, als daß sie diese sich auf einen einzigen Stoß hin erschüttern ließen. Sie nehmen nur das an, was ihnen bewußt oder unbewußt genehm ist. So wirken Suggestionen zu Heilzwecken, die dem Patienten sympathisch sind und durch die eigene Tendenz gesund zu werden, verstärkt werden. Nur dort, wo die urteilende Geistesfähigkeit oder der Willen zu schloach ist, gelingt es, Abhängigkeitsverhältnisse zu schaffen, die den Schwächeren an den Stärkeren fesseln, und ihm fremde Wahrnehmungen und Wünsche als die seinen aufzudrängen. Um eine solche Gewalt zu erlangen, ist und wird niemals die Kenntnis und Anwendung hypnotischer Prozeduren nötig. Gewiß spielen hierbei suggestive Vorgänge eine Rolle. Aber unser ganzes Handeln und Fühlen, unsere Erziehung steht unter solchen Einflüssen. Der ge- schickte Hypnotiseur, der mit Menschenkenntnis eine gelvisse Zähigkeit im Verfolgen selbstsüchtiger Zwecke verbindet, wäre für die Gesell- schaft eine außerordentlich gefährliche Individualität, wenn sie nicht hypothetisch würde durch die Unsumme von Zufälligkeiten, ohne deren Zusammenwirken ein gewünschter Erfolg ausgeschlossen ist. ES ist auch hier gesorgt, daß die Bäume nicht in den Himmel wachse». _ Dr. van Troy. Gleims Feuilleton. Physiologisches. Eigenartige Wirkung der Elektrizität auf den Organismus. Die Elektrizität gehört schon lange zum festen Bestand der bei Krankheiten angewandten Heilmittel. In vielen Fällen verschiedenartiger Krankheiten, besonders bei Muskel- und bei Nervenerkrankungen, haben die Aerzte durch Anwendung der Elektrizität Heilung oder doch wesentliche Besserung erzielt, und das um so mehr, als die Elektrizität in mehreren ganz verschiedenen Fornien zur Verfügung steht. Zunächst ist hier die überhaupt am längsten bekannte ruhende Elektrizität zu erwähnen; sie wird zum Beispiel durch die gewöhnliche Elektrisiermaschine hervor- gerufen, bei der sich die positive Elektrizität an einer Stelle des Apparats ansammelt, die negative an einer anderen, und wenn man diese beiden Stellen miteinander vereinigt, gleichen sich beide Elektrizitäten in kurzen Schlägen aus. Man hat nun als VcreinigungSmittel den menschlichen Körper verwendet, und so zeigte sich, daß die durch ihn überspringenden Elektrizitäten bei gewissen Krankheitszuständcn, z. B. bei bestimmten Arten von Lähmungen, heilsam wirken. Dann hat man— und diese Anwendung der Elektrizität ist wohl noch häufiger den dauernden elektrischen Strom auf Menschen wirken lassen, das heißt den menschlichen Körper als einen Teil der Leitungsbahn des elektrischen Stromes benutzt, die im allgemeinen durch Metalldrähte gebildet wird. Neben diesem als Galvanischer Strom bezeichneten gibt eS dann den Faradischen Strom, der nicht ein ununlerbrochenes Ströme» der Elektrizität dar- stellt, sondern eine schnelle Aufeinanderfolge vieler, aber nur ganz kurze Zeit dauernder elektrischerStröme, Dieser Strom entsteht, wenn man einen gewöhnlichen elektrischen Strom unterbricht(man bezeichnet dies als Schließen und Oeffnen des elektrischen Stromes) und in der Nähe dieser Stromleitung ein ununterbrochener, in sich zurücklaufender, also etwa ringförmiger Draht sich befindet. Es entsteht dann bei jeder Oeffnung und Schließung des ersten Stromkreises in dem geschlossenen Draht ein momentaner elektrischer Strom, ohne daß dieser irgendwelche Einrichtungen besäße, die an sich eine Quelle der Elektrizität darstellen. Auch dieser Faradische Strom wird von den Aerztcir vielfach und mit deutlich erkennbarem Erfolge verwendet. Zu diesen unmittelbaren Einwirkungen der Elektrizität treten solche, bei denen nicht die Elektrizität als solche benutzt wird, sondern Lichterscheinungen, die nur durch elektrische Vorgänge entstehen; hierher gehören auch die Röntgenstrahlen. Ihre Verwendung in der Medizin ist eine zweifache: Erstens dienen sie bekanntlich dazu, das sonst nicht sichtbare Innere des Organismus sichtbar zu machen und somit Klarheit über sonst zweifelhafte Krankheitserscheinungen zu bringen, und zweitens hat man durch die Bestrahlung mit Röntgenlicht geradezu Heilung in einer Reihe von Krankheiten erreicht. Da nun die Einwirkung der Elektrizität auf den Menschen eine so gewaltige ist, ließ sich schon von vornherein annchnien, daß die Wirkung nicht nur auf den Teil des Organismus beschränkt bleiben würde, auf den man sie anstrebt, sondern auch andere Körperteile erfassen würde, und hier konnte, da diese anderen Körperteile eben nicht erkrankt waren, leicht eine Störung des normalen Zustandes eintreten, das heißt die sonst heilsame Elektrizität konnte hier schädlich, Krankheit hervorrufend werden. Diese Annahme hat sich auch bestätigt, und damit wäre die EleklrizitätSanwendung recht bedenklich geworden, wenn es nicht ge- lungen wäre, Gegenvorkehrungen zu treffen. Dies ist nun aller- dings gelungen, und sobald man eine schlimme Nebenwirkung der Elektrizität aufgedeckt hatte, konnte man sie auch beseitigen. Aber das erste Erfordernis dazu ist eben, daß man eine solche unbeab- sichtigte Schädigung durch Elektrizität überhaupt erkennt, und man darf sich nicht wundern, daß die Forscher eifrig dabei sind, derartige Schädigungen aufzudecken. Sie tun dies nicht, nm die Elektrizität in der Medizin zu diskreditieren, sondern im Gegenteil, um die? schöne Heilmittel immer einwandfreier zu gestalten. Bei solchen Untersuchungen ist man nun in der allerneuesten Zeit dazu übergegangen, zu prüfen, ob etwa die Verdauungs- tätigkeit des Körpers durch Elektrizität irgendwie beeinflußt Wird. Man kann sich die menschliche und selbstverständlich ebenso die tierische Verdauungseinrichtung als eine Art von chemischem Laboratorium vorstellen, in dem durch Mischung gewisser chemischer Substanzen bestimmte Wirkungen erzielt, vorher nicht dagewesene chemische Körper geschaffen werden. Dabei ist zu beachten, daß die Ratur im tierischen Organismus mit viel einfacheren Mitteln arbeitet, als man sie in einem modernen chemischen Laboratorium anwendet, wo ungemein hohe Hitzegrade, ganz besonders hoher oder auch ganz geringer Luftdruck und ähnliche Methoden zur Anwendung kommen. Und mit ihren viel geringeren Mitteln erreicht der verdauende Organismus Resultate, die im wiffenschaftlichen Laboratorium noch bei weitem nicht möglich waren: der Chemiker kann nicht onS Obst oder Gemüse, aus Zucker oder ähnlichen Substanzeir menschliches Muskelfleisch, rnenschliche Nerven, Knochen, Knorpel und ähnliche Bestandteile des Organismus herstellen, wie c? die Natur niittclS der uns so selbstverständlich er- scheinenden Verdauung tut. Um solche Wirkungen zu erreichen, muffen die Verdauungssäfte freilich ungestört arbeiten können, und eS ist von großer Wichtigkeit zu wiffe», ob die Elektrizität sie etwa beeinflußt. Am pathologischen Institut der Universität Berlin wurden jetzt dahingehende Untersuchungen vorgenommen, und es zeigte sich, daß zwar der Faradische Strom keine solche Wirkung ausübt, wohl aber der dauernde oder Galvanische Strom. Selbst wenn die Stärke des Stromes nur gering ist— und im allgemeinen werden in der Medizin nur recht schwache elektrische Ströme vcr- wendet— wird die Verdauungskraft des Speichels und des Magensaftes durch ihn wesentlich herabgeletzt; bekanntlich beginnt die Verdauung der genoffenen Speisen schon in der Mundhöhle durch den Speichel. Ganz besonders bemerklich ist aber die Einwirkung des Galvanischen Stromes aus eine der wichsigsten Vcrdauungssubstanzen, nämlich auf das von der Magen- wand produzierte Pepsin; Pepsin wird unter der Einwirkung des konstanten elektrischen Stromes überhaus't untätig. Man kann nicht verkennen, daß hier eine recht schlimme Nebenwirkung der sonst so segensreichen Elektrizität vorliegt, aber man darf auch nicht zweifeln. daß es der Wissenschast in Bälde gelingen wird, diese Unannehnilich« keit zu beseitigen, und eS ist gut, daß diese Unannehmlichkeit auf- gefunden ist, sonst hätte sie noch lange unerkannt und unbekämpft weiterwirken können. Aus dem Tierreiche. Wie sah der Diplodocus aus? ES ist eine etwas heikle Sache, von den Ueberbleibseln eines längst ausgestorbenen Tieres auf deffen früheres Aussehen in lebendigem Zustand schließen zu wollen. Dennoch ist es berechsigt, daß die Paläontologen dabei ausnahmsweise auch mit der Einbiloungskraft arbeiten, und so find manche höchst merkwürdige Bilder von borweltlichen Tieren entworfen worden, die wohl schwerlich ganz naturgetreu sind, aber doch wohl eine ungefähr richtige Vorstellung von den abenteuerlichen Riesen früherer erdgeschichtlicher Epochen geben. Einigen Anhalt bietet dabei namentlich die Beschaffenheit der Wirbelsäule, weil sich an deren Ausgestaltung und oft auch noch an besonderen Merkmalen erkennen läßt, ob große oder nur geringe Muskelmassen am Rücken ansetzten, ob dieser einen Kamm besaß usw. Auch die einstige Umkleidung der Arm- und Beinknochen läßt sich auf dem gleichen Wege einigermaßen erraten. So hat man denn nun auch gewagt, ein Bild von dem berühmten Diplodocus herzustellen. von dessen ungeheurem Knochengerüst Carnegie, nach dem das vor» geschichtliche Vieh den Namen Diplodooua Carnegie erhalten hat, einen Abguß bekanntlich auch an das Berliner Museum für Naturkunde geschenkt hat. Der Diplodocus muß danach zu den scheußlichsten Untierew gerechnet werden, von denen man jemals eine Beobachtung oder Vorstellung gewonnen hat. Der ungeheuere Leib mit den koloffalen Gliedmaßen trägt, über den Vorderbeinen be- ginnend, einen Kamm und läuft nach hinten in einen Schwanz von ungeheuerer Länge aus, der nach dem Ende zu immer dünner wird und schließlich fast wie eine Riesenschlange aussieht. An den Rumpf setzt sich der Hals an, der gleichfalls eine außer- ordentliche Länge besitzt, sich nach obenhin schnell verjüngt und am Ende einen Kopf trägt, der im Verhältnis zu den Ausmaßen der übrigen Körperteile geradezu lächerlich klein wirkt. Der Kopf wird noch sonderbarer durch die Gestalt der Vorderseite mit dem Maul, das sich im ganzen fast wie ein Entenschnabel oder noch eher vielleicht wie der Rachen eines Nilpferds ausnimmt. Der Diplodocus war aller Wahrscheinlichkeit nach mit einer einzigen Ausnahme das größte Repttl, das je den Erdboden gedrückt hat, und das will viel sagen, denn die Reptilien der Jura- und Kreidezeit sind überhaupt die gewaltigsten Geschöpfe, von deren ehemaligem Vorhandensein der Mensch eine Kenntnis gewonnen hat. Geschlagen wird der Diplodocus, wenigstens an Länge, nur von dem Atlantosaurus, der vom Kopf bis zum Schwanz 36 Meter gemessen haben soll. Ebenso wie dies Untier lebte auch der Diplodocus in der Juraformation. Das berühmteste Skelett des Diplodocus erreicht eine Länge von 25Va Meter, wovon auf den Kopf und Hals rund 7, aus den Rumpf gegen 4, auf den Schwanz dagegen IS Meter entfallen. Die Schulter- höhe maß gegen 3>/z Mer. Der Kopf mutz, abgesehen von seiner ver- hältnismäßigen Kleinheit und sonderbaren Gestalt im Leben noch deshalb ganz seltsam ausgeschaut haben, weil die Nasenlöcher hoch oben zwischen den Augen gelegen waren. Das Tier lebte wahrscheinlich meist dicht an der Küste und hielt sich gewöhnlich im Waffer auf, indem es nur mittels des langen Halses den Kopf gerade so weit herausstreckte, um Luft schnappen zu können. Danach würde die Lebensweise des Diplodocus ähnlich gewesen sein wie die der heute lebenden Krokodile und Nilpferde. Professor Baileh, der das höchst eindrucksvolle Bild des DiplodocuS in der Wochenschrift„English Mechanic" veröffentlicht, vertritt übrigens die Anficht, daß manche dieser riesigen Saurier vielleicht noch von Menschenaugen erblickt worden sind, falls der älteste Ursprung des Menschen in die letzte Kreidezeit verlegt werden kann, toaS freilich von den meisten Forschern als ein Wagnis betrachtet wird. Die Rekonstruktion des Berliner Exemplars wurde neuerdings von dem Berliner Zoologen Professor Tornier angefochten. Bei dem Berliner Diplodocus, der bekanntlich als Abguß nach dem amerikanischen Original von Carnegie gcstifter ist, stehen die Beine zum Stunipfe so, wie etwa bei einem Ele» phanten, d. h. fast senkrecht zur Wirbelsäule, und man hat bei der Betrachtung des Diplodocus-Skelettes den Eindruck, als handle eS sich um ein säugetierähnlichcs Wesen, vielleicht eine UeoergangS- form vom Reptil zum Säugetier. Professor Tornier weist aber aus der Betrachtung des Skelettes nach, daß dies falsch ist. Der Diplodocus ist, wie bisher noch kein Zoologe bezweifelt hat, ein Angehöriger der Reptilien-Unterklasse der Dinosaurier. Das geht aus dem Reptiliencharaiter seines Skelettes hervor. Hieraus folgt, daß das Skelett so aufzustellen ist, wie es dem Eidechsenbau cnt- spricht. Eidechsenartige Tiere gehen aber nicht auf ihren Beinen, sondern kriechen auf dem Bauche, während die Beine zum Fort- schieben verwendet werden. Bei der jetzigen Aufstellung aber ist nicht nur dieses Prinzip vernachlässigt, sondern es sind z. B. Höcker des Oberarmknochens, die unzweifelhaft Muskclansätze darstellen, als Gelenkkörper gedcptct. Völlig falsch ist die Rekonstruktion des Schwanzes, von dem gegenwärtig nur der letzte Abschnitt aus dem Boden aufliegt, während der größere Teil frei in der Lust schwebt, so daß alsw der unglückselige Diplodocus zu seinen Leo- zeiten diese gewaltige Knochenmaffe hätte tragen müssen. Alle Schwanzwirbelkörper klaffen dabei weit auseinander, während, wie. die Gelenkflächen beweisen, sie eng aufeinanderlicgen müssen, denn es handelt sich um straffe Gelenke. Aus den Gelcnkflächcn und Muskelansätzen des Halses kommt Professor Tornier zu dem Schlüsse, daß auch dieser falsch angeordnet ist und in Wahrheit aufrecht mit starker L-förmiger Krümmung getragen wurde. Der Diplodocus hätte ganz eidechsenähnlich, nur mit einem durchaus anders getragenen Hals, aufgestellt werden müssen. Zwischen Deutschland, England. Frankreich und den Vereinigten Staaten könnte nun ein Wettbewerb beginnen, wer zuerst den Diplodocus richtig ausstellt. verantwortl. Redakteur: Hans Weber, Berlin,— Druck u. Verlag: Vorwärts»uchSruckerei uLZerlagSanstalt Paul Singer üiEo..KerIin Li«.