Anterhaltungsblatt des Horwärls Nr. 193. Dienstag, Ken 8. Oktober. 190S �Nachdruck tzervol«l.Zl SZ „Soldaten fein fckönl" Bilder aus Kaserne und Lazatekk. Bon KarlFischer� In einer großen Fensternische waren auf einen langen Tisch die in der Küche gesüllten Eßkübel hingestellt. Im .Gänsemarsch defilierte die ganze Kompagnie dort vorbei, wo hinter jedem Kübel ein Soldat des alten Jahrganges mit dem Schöpflöffel die Rationen in die untergehaltenen Flinten verteilte. Zuerst kam die alte Mannschaft daran, dann die Rekruten. Die Alten betrachteten die Rekruten mit ironisch lächelnden Blicken. « � Volter hatte keinen Appetit, mußte sich aber doch seine zwei Flinten fast bis an den Rand füllen lassen. Wieder auf der Stube angekommen, sah er sich seine erste Militär- kost kritisch an. Das dünne Etwas in der einen Schüssel sollte wohl eine Griessuppe oder ähnliches darstellen, und in der anderen befand sich ein dicker, gelber Erbsenbrei. Als Zulage schwamm oben ganz verlassen ein kleiner Würfel Schweinefleisch, der weit über die Hälfte aus purem Fett bestand. Die anderen Rekruten seiner Korporalschaft stocherten in ihren Näpfen herum und brachten kaum ein paar Löffel über die Lippen. Jeder, las in des. anderen Gesicht die eigenen Gedanken. Der Gefreite, der mit am Tische saß und sich's trefflich schmecken ließ, wunderte sich gar nicht. „Ihr werdet's schon noch essen lernen I" rief er über den Tisch.„Paßt nur auf, wenn's ans Exerzieren gehtl Sollt mal sehen, wie's dann schmeckt!— Was Ihr übrig laßt, schüttet Ihr draußen auf dem Hof in die Abfalltonne. Dann spült Ihr Eure Flinten am Brunnen sauber und stellt sie wieder in Evern Schind." Die Abfalltonne war schon ganz gefüllt. Der Appetit yuf Erbsenmus war also bei den Rekruten nicht groß. Von nun an gab es für die Rekruten kaum eine Minute freie Zeit. Korporalschaft nach Korporalschaft mußte in den Waschraum. Dann wurde jeder einzelne gemessen, ge- wogen, ärztlich untersucht. In langer Reihe standen stets die Rekruten, und wie Stückware wurde einer nach dem anderen vorgenommen und nach seiner Größe registriert. Jeder Rekrut mußte dann seinen Lebenslauf schreiben. Der Korporalschaftsführer las von einem Zettel die Fragen ab, die jeder in seinem Lebenslauf zu beantworten hatte. Welche Schulen er besucht, ob die Eltern vermögend, welchen Vereinen er angehörte, ob er vorbestraft, und wieviel er in seinem Zivilberuf verdiente und dergleichen mehr. Volter siel diese Beantwortung leicht, wenn er sich auch sm stillen fragte, wozu er das alles mitteilen sollte. Ihm jgegenüber saß Weidemüller. Diese Schreibarbeit machte ihm Kopfzerbrechen. Seinem Gesicht konnte man es ablesen, daß ihm vielleicht Holzspalten leichter fallen würde, als mit der Feder zu hantieren. Greskser kam die Sache komisch vor, und mit zwinkernden Augenlidern krakelte er auf dem Papier frisch darauf los. Einige schielten auf die Papiere der anderen und suchten zu ergründen, wie sie ihr bisheriges Kehen im Lebenslauf bearbeiten sollten. Die Zeit bis zum Abend wurde mit Entgegennahme des Putzzeuges, der Wichskästen, der Mützen und Stiefel ausgefüllt. Nach einem Tage voller Entbehrung und Ueberwindung war für Volter endlich Ruhe eingetreten. Nach dem Zapfen- streich kam er auf seinem Strohsack zum Nachdenken. Wie ein kleines Stück fester Boden kam ihm sein Lager vor, um das sich rings herum ein schwarzes, sumpfiges Moor aus- breitete. Ein Grauen durchschüttelte ihn. Ekel— nichts als Ekel empfand er vor dem ganzen Militär— vor dem Zwang, der aus dem Menschen eine willenlose Maschine macht. Schaudernd sah er in seiner überhitzten Phantasie junge Soldatenleiber zu Tausenden und Tausenden— ohne Willen— auf Winke und Worte sich bewegen! Massen- fleisch! Grauenhafte Traumgestaltcn ließen ihm während der Nacht keine Ruhe. Schlaflos wälzte er sich auf dem harten Strohsack. Mit erschreckender Deutlichkeit stand vor seinen Augen der Gedanke:„Zwei Jahre noch so wie heute!" Einzelne Momente des vergangenen Tages spiegelten sich in seinem Gedächtnis wider. Seine ganze Selbstbeherrschung mußte er aufbieten, als er beim Kammerunteroffizier auS einem Haufen alter geflickter, vor lauter Schuhschmiere schon ganz wabblich gewordener, zum Teil schon verschimmelter Stiefel sich ein Paar anpasien mußte. Wie er da zu lange gesucht hatte, wurde er einfach vom Sergeanten zur Tür hinausgeschoben, und das erstbeste Paar Stiefel flog ihm nach. Die Worte„Ihr Hammel! Ihr dreckigen�" summten ihm noch in den Ohren. Gegen Morgen muß es schon gewesen sein, als er fühlte, daß ihm der Schweiß von der Stirn perlte. Das Gesicht des Sergeanten von der Nebenstube wollte ihm nicht aus dem Kopf. Diese grauen stechenden Augen fühlte er jetzt noch auf sich gerichtet. Von allen Unter- offizieren flößte ihm dieser die größte Besorgnis ein. Erschreckt fuhr er plötzlich empor. Irgendetwas mußte geschehen sein. Im Halbschlaf vernahm er. deutlich einen entfernt klingenden wüsten Schrei.' Furchtsam blickte er sich um. Alle Rekruten seiner Stube waren schon lebendig und stiegen aus den Betten. „Na. Sie! Sie denken wohl, Sie sind noch zu Hause? Was? Wollen Sie wohl gleich aufstehen!" mit diesen Worten zog ihm der Sergeant, an den er eben noch dachte, die Decke vom Bett. Hastig kletterte Volter von seinem Lager und kleidete sich an, müde und mißmutig— wie zerschlagen.—■■ Unter Leitung des Stubengcfreiten wurde die Stube in Ordnung gebracht. Die Strohsäcke aufgeschüttelt und glatt gelegt— ausgekehrt t- Wasser vom Brunnen geholt und ge- waschen. Volter war so abgespannt nach der aufregenden Nacht, daß er rein mechanisch tat, was ihm befohlen wurde. Dia verwunderten Augen einiger Rekruten seiner Korporalschaft beim Anblick des dünnen Morgenkaffees ernüchterten ihn erst wieder. Der Korporalschaftsführer war im Verschlag auch schon aufgestanden und hatte sich in einem kleinen Kännchen aus der Küche seinen Kaffee holen lassen- ,.«■-» Nach dem Frühstück erklärte der Unteroffizier den Re» kruten, was sie sich noch alles anzuschaffen und zu kaufen hätten. „Und dann," sagte ör weiter,„seht Euch hier an der Wand diese Kriegsartikel und Eure direkten Vorgesetzten an." Damit deutete er auf ein paar beschriebene Bogen, die an einem sckstvarzen Brett befestigt waren. � „Habt Ihr alles auswendig zu lernen!" Jeder vertiefte sich sogleich eifrig in das Studium der Bogen. Mietzschke langte sich ein kleines Notizbuch aus der Tasche und fing an. sich alles, was zu lernen war. aufzu» schreiben. „Der ist schlau!" qeutsche Greskser aus seinem Mund. „So mach ich's auch!" Damit schielte er. mit einem pfiffig sein wollenden Lächeln, die andern an. Weidemüller schien das Geschriebene gar nicht entziffern zu können.„Was soll'n das heißen? Du Dussour?" „Der Mensch kann nicht mal lesen!" rief Mietzschke lachend.«Kerl, das heißt dü Dussor! Das ist unser Major. Sicher ein früherer Franzose." „Das ist der Generalmajor," korrigierte der Korporalschaftsführer,«und heißt dü Düssurl" „Raustreten!" erschallte es laut draußen im Flur« �„Los, alles raus!" befahl der Unteroffizier. Sämtliche Rekruten mußten sich im Flur in einer langen Doppelreihe aufstellen. In einer Fensternische saßen der Feldwebel und einige Unteroffiziere der Kompagnie an einem Tisch. Der Feldwebel, mit einer kleinen dicken Notizcnmappd zwischen seinen Rockknöpfen, so daß sie halb zu sehen war. stand guf und trat vor die Front, .vi'.,Wmn jetzt der Hauptmann von der neunten Kam- Haniüe kommt," rief er laut,„kommandiere ich: Still- gestanden! Da hat sich keiner mehr zu rühren! Verstanden? Alles hat den Herrn Hauptmann anzusehen!" Kaum hatte der Feldwebel ausgesprochen, als am Reviereingang Sporen klirrten. „Stillgestanden!" schrie er laut. Keiner der Rekruten wagte sich zu regen. Auch sämtliche Unteroffiziere standen still. Man vernahm nur die Schritte des Hauptmanns und des Feldwebels, der ihm entgegenging und Meldung machte, daß sämtliche Rekruten der elften Kampagnie zur Stelle seien. -„Rührt Euch!" kommandierte der Hauptmann. „Leute! Ihr seid zusammengerufen worden, damit Ihr in der Kompagniekasse Eure Ersparnisse deponieren könnt, die dort sicherer aufgehoben sind, als in Euren Brustbeuteln. Jeder von Euch darf nicht mehr im Besitz haben als fünf Mark! Was darüber ist, gibt er ab." „Warum sollen wir denn unser Geld abgeben?" frug Weidemüller den Mietzschke leise. „Du hasüs ja gehört!" antwortete der.„Damit es uns Nicht gestohlen wird." „Na, ich geb meine paar Mark nich ab." sagte Weide- müller in sich hinein.„Die krieg ich doch nicht wieder." Am Abend des ersten Sonntags fand Volter die erste Gelegenheit, seiner Braut einige Zeilen zu schreiben: „Meine liebe Grete! Jetzt habe ich endlich ein Stündchen freie Zeit, um Dir den ersten Brief zu schreiben. Du machst Dir keine Vorstellung, wir mir zumute ist. Es tut mir leid um Dich, liebe Grete, daß ich in meinen ersten Zeilen Dir ein Klagelied anstimmen muß. Wenn ich auch, als ich noch bei Dir war, glaubte, alles überwinden zu können, was der Militärdienst mir auferlegen würde, so sehe ich doch jetzt, daß dgs lleberwinden nicht so einfach ist. wie ich es mir vorstellte. lFortsetzung folgt.) Oer LaubenbolomCt als Gärtner und Kleintierzüchter. Von unseren Stubendögeln. •— Prietzke hat von jeher seinen Vogel gehabt, schon als Jung- geselle, und damals erst recht, aber nicht, wie böse Menschen glau- den könnten, im Kopfe, sondern im Käfig. Wohl kann man jetzt drautzen in Adlershof große Vögel mit ihren Ein- und Zwei- deckern unter furchtbarem Spektakel fliegen sehen, aber damit ist dem wahren Vogelfreund nicht gedient, er will was im Käfig haben, was piepst, singt, frißt, flattert, wenn's sein kann, auch Eier legt und brütet. Prietzke ist ein Freund heimischer Vögel. Seine Lieblinge sind Stare und Rotkehlchen, von Körnerfressern der lockere Zeisig, der Hänfling und der Stieglitz, den unser Herr- gott beim großen Vogelfärben bekanntlich vergessen hatte. Der arme Schlucker wurde dann nachträglich mit den Resten der Pa- lette so bunt angestrichen wie ein moderner Topfhut. Wie Prietzke an der Laube einen Starkasten befestigte, später die Jungen her- ausbugsierte und aufpäppelte, und wie dann Frau Prietzke, die einen losen, aber keinen bösen Mund hat, den kleinen Schreihälsen mit solcher Meisterschaft das Sprechen beibrachte, daß sie als Schwätzer ehrenvoll in jedem Kaffeekränzchen bestehen konnten, habe ich früher einmal erzählt. Die Rotkehlchen sing Prietzke um diese Zeit früher spielend mit einem kleinen Schlagnetz. Als Köder diente ein Mehlwurm. Einem solchen Zappelfritz können die kleinen insektenfressenden Sänger, zu denen auch Schwarzplättchen oder Mönch, Nachtigall und Sprosser gehören, nicht widerstehen, sie beißen an und— klapp sind sie gefangen. Das neue Vogelschutzgesetz hat der Liebhaberei deS kleinen Mannes für heimische Singvögel den Garaus gemacht. Diese Vögel, die bei uns fast nur in Thüringen von gewerbsmäßigen Vogelstellern in Massen gefangen wurden, zum weitaus größten Teil aber über Wien aus den österreichischen Donauländern kamen, dürfen jetzt, einerlei ob ihr Nutzen ein wirklicher oder, wie bei Staren und den meisten Finken, ein sehr zweifelhafter ist, vom Beginn des Frühlings bis zum Oktober nicht mehr verkauft werden, und der Vogelfang wird zu jeder Zeit im Jahre so schwer bestraft, daß einem die Lust vergehen kann, am hellen Tag auch nur einen einzigen Piepmatz aus dem eigenen Nistkasten der eigenen Parzelle zu nehmen. Dabei haben die wenigen heimischen Vögel, die der kleine Mann zu seiner Freude und Unterhaltung im Bauer hielt, im Haushalte der Natur nie eine Rolle gespielt. Die Massenmörder, die unsere Singvögel auf der Herbstwanderung zu Hunderttausenden fangen, sitzen in Italien, und auch bei uns wissen sich reiche Schlemmer noch immer alles, was singt und fliegt, zu verschaffen, um es als.Krammetsvögel",»Leipziger Lerchen" Iwd„Wachteln" Mit Behagen zu verspeisen. ES sind nur noch wenige heimische Körnerfresser, die d«P Liebhaber jetzt vom Oktober ab erstehen kann. Der Dompfaff, der im Volksmunde als„dummer Gimpel" umgeht, Zeisig. Häuf- ling, Stieglitz und einer unserer edelsten Sänger, der Buch- oder Edelfink, der namentlich als sogenannter„Reitzugschläger" von Kennern des Vogelfanges hoch geschätzt wird. Der dumme Gim- pel, so benannt, weil er gern den Kopf in die Schlingen steckt, die Feinschmecker den Drosseln stellen, und elend darin umkommt, ist trotzdem keineswegs dumm, sondern sehr gelehrig. Von Hause aus nicht sangeskundig, lernt er, jung aus dem Neste genommen, aufgepäppelt und in die winzigen Harzer Bauerchen gesetzt, nach der Vogelorgel, ja nach dem Munde seines„pfiffigen" Lehrers die schönsten Liedchen pfeifen. Das schönste ist, daß nicht nur die Männchen, sondern auch die„Weiberchen" pfeifen lernen. So sehr merkwürdig ist das eigentlich nicht, denn auch unter den Menschen soll es Weibchen geben, die pfeifen, dann müssen aber die Männer dazu tanzen! Auch Kunststücke lernt der Gimpel, so eine kleine Kanone abfeuern und den Futternapf in einem Wägelchen empor- ziehen. In den am Rhöngebirge gelegenen Dürfern und Weilern haben bisher arme Menschen die Ablichtung der Gimpel als Haus- industrie betrieben, und die„gelernten Gimpel" haben von dort aus als angestaunte Raritäten die Reise in alle Welt angetreten. Das neue Vogelschutzgesetz hat auch dieser Industrie den Todes» stoß gegeben. Für die sangeskundigen heimischen Finken gibt eS für dett Vogelfreund, mit Ausnahme vom Kanarienvogel, der ein aus dem grünen, wilden Kanarienvogel der Kanarischen Inseln heraus- gezüchtetes Kunstprodukt ist, keinen Ersatz, denn die fremdländischen Körnerfresser des Handels sind den Sangesleistungen eines Edel- sinken oder Bluthänflings gegenüber allesamt ganz erbärmliche Stümper. Mit der klangvollen Kehle heimischer Singvögel geht meist ein einfaches Kleid Hand in Hand. Frau Nachtigall ist zwar eine selbstbewußte, stolze, in ihrer Kleidung aber eine recht klein- bürgerliche Dame. Ueberhaupt die Vogeldamen I Sie sind be- scheiden, stehen abseits der Mode, sitzen oft drei Wochen lang still ergeben auf den selbstgelegten Eiern, auf den anfangs blinden und nackten Jungen, die so dem Anblick der schwarzen Nuditäten- schlüffler entzogen werden, und wenn Vögel in bunten Federn prangen, dann sind eS meist die putzsüchtigen Männchen. In den Augen eines echten, züchtigen Vogelweibes ist ein aufgepolstertes Modedämchen von heute, mit Lackschuhen, Spitzenfrack und Topf- Hut, eine lebendige, schreckliche, Tod und Verderben speiende Vogelscheuche I Freilich gibt es auch Vogelmänner in bescheidenem Kleide, und diese sind dann für Menschenaugen schwer oder gar nicht, oft nur durch ihre Stimme von den Weibern zu unten- scheiden. Das ist schade, denn mancher, der einen Kanarienhahn als echten Harzer Hohl- oder Klingelroller für schweres Geld er- standen hat, mußte später die betrübende Erfahrung machen, daß der Hahn gar kein Hahn, sondern eine Henne ist. Vogelweibchen sind wohlfeil, allerdings nicht so wohlfeil wie die Menschenweibchen, denn mit letzteren erhält man oft noch bares Geld hinzu. Beim Einkauf der Vögel ist also Vorsicht geboten, zumal auch die von den Taubenliebhabern zur Unterscheidung der Geschlechter emp- fohlene Methode unsicher ist. Sie streuen Futter, kommt er zum Fressen, dann ist es der Täuber, kommt sie, dann ist's natürlich die Täubin. Für den einfachen Vogelliebhaber kommen nur körnerfressende Vögel in Frage, deren Haltung wenig Kosten und wenig Mühe verursacht. Dem Einzelsänger gebe man ein geräumiges Bauer. möglichst aus hellgestrichenem Draht— aber nie aus Kupfer- oder Messingdraht— gefertigt. Trink- und Futtergefäße sollen so be» schaffen sein, daß der Vogel das Zimmer nicht beschmutzen kann. Der Boden soll ausziehbar und kastenförmig sein; man belege ihn nicht mit Papier, sondern gebe wöchentlich zweimal groben, trockenen Sand hinein. Die Sitzstangen, mindestens drei, müssen aus massivem, entrindetem Holz gefertigt sein. Hohle Sitzstaugen von Bambus und Holzbauer werden zu Brutstätten für Milben und sonstiges Ungeziefer. Niemals sollte ein täglich frisch mit überschlagenem Wasser zu versehendes BadehäuSchen fehlen, denn Baden ist jedem Vogel Bedürfnis. Nur Zugvögel, die den Winter im sonnigen Süden verbringen, Kanarienvögel, zarte Papageien und sonstige exotische Vögel verlangen im Winter eine geheizte Stube, die übrigen sind kühl aber frostfrei zu halten. Kanarien füttert man in der Regel mit einer Mischung von Rübsen und Spitzsamen, der man für heimische Singvögel noch etwas Mohn, ge- schälten Hanf, Salatsamen und als Leckerei auch einige Körnchen Hanf zusetzt. Letzterer ist mit Vorsicht zu geben, weil er Fett- leibigkeit hervorruft, und dann ist es mit der SangeSfreudigkeit vorüber. Neben der Alltagskost wünscht auch der Stubenvogel ge- legentlich einen Leckerbissen. Wie leicht ist diesem Wunsch zu ent- sprechen I Leckerbissen sind ein Stückchen Würfelzucker, ungeräu- cherter Speck, ein Mehlwurm, etwas Grünes, ein zartes Salat» blatt, Vogelmiere, ein oas ganze Jahr zu findendes gemeines Un» kraut, eine Triebspitze der Tradeskantia, einer üppig wuchernden hängenden Zimmerpflanze. Wenn all das Grüne nicht zu haben ist, dann sät man in einen Topf etwas Vogelfutter, Salat oder Gartenkresse, und nach wenigen Tagen hat man dann auch im Winter frisches, den Vögeln bekömmliches Grün. Auch süßes Obst wird gern genommen, von Insektenfressern ferner die Beeren des Holunders, der Eberesche u. a., vom Gimpel die Winterknospen der Tanne und Fichte, vom Stieglitz Distelköpfe mit Samen. vS mm in der Sekunde oder 3 cm in der Mi- nute berechnet. Es ist dies eine recht bemerkenswerte Geschwindig- Zeit, wenn man bedenkt, dass es sich um winzige, nur mit schärfster Vergrösserung sichtbare Härchen handelt, deren Hin- und Her- schlagen die Flimmerbcwegung darstellt. Auch die Kraft der Flimmerbewegung ist eine verhältnismässig grosse. Im übrigen unterliegt sie denselben Gesetzen wie die anderen Lebenserschci- nungen der Zellen; durch übermässige Hitze oder Kälte, durch starke Chemikalien kommt sie zum Verschwinden, stirbt ab. Auch hieraus sieht man, dass die Natur recht mannigfache Wege befolgt, um zu «hren Zielen zu gelangen. Eine immerhin nicht ganz gewöhnliche Art der Bewegung, die sich aber von den niedersten Lebewesen an, den Einzellern, bis herauf zu den höchstorganisierten Tieren findet, stellt die Flimmerbctvegung dar. W. Geologisches. Eine neue Vulkanart. Die Vulkane der Erde sind durchaus nicht sämtlich gleichartig. Lassen sich schon bei ihnen nach dem Aufbau und der Tätigkeit bezw. den von innen aus dem Schoß des Erdinnern ans Tageslicht beförderten Körpern der- Lchiedene Gruppen unterscheiden, so kommt dazu wieder noch eine gewisse Mannigfaltigkeit der erloschenen oder schon seit langer Zeit abgestorbenen Vulkane. Um sich richtig vorzustellen, welch grosse Verschiedenheiten in solchen Vulkauruinen herrschen, braucht man nur auf deutschem Boden sich ein wenig umzusehen und etwa die noch nicht so sehr weit voneinander entlegenen Gebiete deS Kogelsberges einerseits und des Siebengebirges und dann vor allem der Eifel mit dem berühmten Laacher See andererseits zu vergleichen. Am Vogelsberg nur noch eine mächtige Glocke von alter Lava, in der Eifel wohl erhaltene Kraterc, an deren Rändern sich noch die Aschen und Bomben fast so vorfinden, wie sie die vulkanische Kraft dort vor jenen ungezählten Jahrtausenden empor- geschleudert hat. Zu den merkwürdigsten vulkanischen Erscheinungen überhaupt gehören die eigentümlichen mit vulkanischem Material erfüllten Röhren, die an einigen Stellen der Erde nachgewiesen worden sind. Ausser in Schottland treten sie in der Schwäbischen Alb auf, wo Professor Branca ihnen ein mustergültiges Studium gewidmet hat. Auch die sonderbaren Gebilde, in denen sich die diamantführende blaue Erde in Südafrika vorfindet, sind dazu ge- rechnet worden. Nach der bisher angenommenen wissenschaftlichen Erklärung sind diese Röhren durch vulkanische Explosion von unten her wie durch einen Sprengschuss glatt durchschlagen worden, eine Annahme, die der Vorstellung freilich noch einige Schwierigkeit bereitet. In der deutschen Wissenschaft haben sie die Bezeichnung Tuffmaarc erhalten, weil sie in kleinerer Form die bekannten Maare, kesselartige Kratereinsenkungcn, der Eifel nachzuahmen Lcheinen, und mit vulkanischem Tuff erfüllt sind. Lochmann will 5n einem vor der Deutschen Geologischen Gesellschaft gehaltenen Vortrag die Bezeichnung Tuffneck einführen. Er beschreibt ausser» dem eine neue Form dieser eigentümlichen Naturgehilde, die er *m Muska-Tal des östlichen Rez-GebirgeS in Ungarn nahe der Siebenbürgischen Grenze entdeckt hat. Dies Gebiet ist wegen (feiner jungvulkanischen Tätigkeit berühmt, und namentlich in der von Lachmann untersuchten Gegend zeigt sich ein prachtvolles Nebeneinander von jungvulkanischcm Gestein und einem gewöhn- lichen Kreidcsandstein, wodurch dieser in sonderbarer Weise infolge der Einwirkung der vulkanischen Hitze verändert und zu grosser Festigkeit umgeschmolzen ist. Hier fand nun Lachmann gleichfalls vulkanische Durchschlagsröhren, die durch eine Unterlage von alten Schiefern bis in die darüber liegende Kreide Hinaufteichen, aber die Oberfläche nicht ganz erreichen. Die vulkanischen Massen sind also gewissermassen in der Erde stecken geblieben. Nach der End- deckung dieser neuen Art unterscheidet Lachmann jetzt vier Typen von Tuffmaaren oder Tuffnecks, nämlich den der Schwäbischen Alb, der von unten bis oben eine glatte Röhre darstellt; den von Schott- land, bei dem die angrenzenden Schichten nach unten gebogen sind; den von Südaftika, wo die Schichten nach oben gebogen und am Ausgang der Röhre trichterförmig ausgesprengt sind; endlich den von Ungarn, wo die Röhre, nach oben etwas erweitert, unter der Oberfläche ihr Ende findet, diese aber doch in der Weise beeinflußt hat, daß über ihr die Schichten durch die vulkanische Kraft etwas aufgewölbt worden ist. Technisches. Elektrische Zugabrufeinrichtung. Die bis jetzt zum Eisenbahnbetrieb als unbedingt zugehörig betrachtete Figur des Pförtners mit der mächtigen Glocke und dem mehr oder minder stark entwickelten Organ, der sein: Einsteigen zum Zug in der Richtung nach—! oft nur zu vergeblich in den Wartesälen geltend machen mußte, dürfte allmählich einem neueren Apparat, der elek- irischen Zugabrufeinrichtung für Wartesäle Platz machen. An Stelle des Menschen ist auch hier die Elektrizität getreten, die sich ohne besondere Anstrengung durch optische und akustische Mittel in dem stärksten Wartesaalbetrieb durchsetzen kann. Die Anzeigevor» richtung, die bereits in mehreren Bahnhöfen wie in Halle, Stettin, Eberswalde u. a. m. in Benutzung ist, besteht aus einer Tafel mit so viel Feldern, als Zugrichtungen und Zuggattungen anzuzeigen sind. Diese Felder erscheinen für gewöhnlich mattweis. Soll ein Zug angekündigt werden, so werden Glühlampen, die sich hinten dem betreffenden Feld befinden, von irgend einer Stelle aus ein- geschaltet, wodurch die transparente Aufschrift erscheint. In der Regel sind kür die verschiedenen Zuggattungen verschiedene Farben gewählt und zwar: für Personenzüge schwarze Schrift auf weissem Grunde, für Eilzüge weisse Schrift auf blauem Grunde und für Schnellzüge weisse Schrift auf rotem Grunde. Die verschiedenen Farbwirkuugen werden dadurch erzielt, daß die Buchstaben in farbige Glasscheiben eingeätzt sind. Die Transparente selbst be- stehen aus dieser Glasscheibe und einer zweiten dahinterliegenden. Zwischen beide ist ein lichtdurchlässiger Stoff gelegt, der das Feld eben so lange matt weiß erscheinen läßt, als die dahinter befind- lichen Glühlampen nicht eingeschaltet sind. Mit der Tafel ist ein elektrisches Läutewerk verbunden, das beim Einschalten einer Lampenreihe betätigt wird und durch sein Läuten die Aufmerksam- keit auf die Anzeigevorrichtung, die gewöhnlich hoch an einer Wand des Wartesaales montiert ist, lenkt. Die Abruferanlage kann ent- weder von ein und demselben Beamten ein- und ausgeschaltet werden, oder aber es findet die Einschaltung z. B. durch den Pförtner statt, während das Auslöschen durch den Bahnsteigbcamten nach der tatsächlich erfolgten Abfahrt des Zuges geschieht. Die Einrichtung bedeutet einerseits eine Entlastung des Bahnpersonals, anderer- seits auch eine Bequemlichkeit für die Reisenden. Fortschritte im Bau von Grossgasmaschinen Die Grossgasmaschinentechnik begann erst im Anfang dieses Jahr- Hunderts wirtschaftlich günstige Leistungen aufzuweisen; ihr Ent- wickelungsgang verfolgt den gleichen Weg wie die Industrie gang- barer kleiner Gasmaschinen, die erst nach zehnjähriger Prüfungszeit Ende der siebziger Jahre industriell verwendbare Maschinen lieferte. Nach den hervorragenden Ergebnissen der Ausnutzung von Hochofengasen durch Grossgasmaschinen geht man indes in beschleunigterem Tempo mit der Einführung von Gross- gasmaschinen voran: Von 60 deutschen Metallwerken bedienen sich nach den letzten Feststellungen bereits 45 der Grossgasmaschinen, um die Abgase der Hochöfen und KokSanlagen auszuimtzen. Eine be- merkenswerte Leistung auf diesem Gebiete ist die kürzlich erfolgte Inbetriebsetzung von vier riesenhaften Grossmaschinen mit einer Leistung� von nicht weniger als je 4000 Brems- Pferdekräften. Veranlassung zur Konstruktion dieser riesenhaften Maschinen ergab sich bei dem Wiederaufbau deS durch Erdbeben zerstörten San Franziska; sie befinden sich in der Krastzentrale des Elektrizitätswerkes zur Lieferung von Strom für die elektrischen Bahnen. Man beabsichtigt die Kraftzentrale bis zu 60 000 Pferdekräften mit Gasmaschinen auszurüsten und zwar auf Grund günstiger Betriebsergebnisse mit der Verwendung von Wassergas aus Rohöl, das in einer besonderen Generatorenanlage hergestellt wird. Die Maschinen sind dauemd mit 16 Proz. überlastbar, für kurze Zeit kann die Belastung auf etwa 6300 Pferdekräfte ge- steigert werden; sie sind mit Drehstromgeneratoren gekuppelt. Man rühmt der Konstruktion nach, dass die Maschinen innerhalb 65 bis 120 Sekunden vom Stillstand auf ihre volle Tourenzahl gebracht werden können. Für Deutschland neu ist die bei diesen Maschinen angewandte Zündung. Zur Erzielung eines grossen Funkens, der gleichzeitig mit der Zündung die Verbrennimgsrückstände am Zünd- Hebel beseitigt, wendet man HochspannungSstrom an und zwar durch Einschaltung einer Lehdcner-Flasche in die Zündleitung. Die Ladung der mit einem Glasverschluss versehenen Flasche erfolgt durch eine Spule, die den Strom aus einem S Volt-Akkumulator entnimmt. IL A. KLrantw. Redakteur: Emil Unger, Grunewald.— Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckern u.Verl«g»anstaIt Paul Singer ATo,. Berlin