Ilttterhaltnngsblatt des vorwärts Nr. 223. Dienstag den 16. November. 1969 (Nachdruck verVoten.) sgi„8olÄaten fein fckön!" Bilder aus Kaserne und Lazarett. Bon Karl Fischer. Volter fehlte fast regelmäßig, wurde aber auch kaum ver- mißt. Wurde er einmal dienstlich im Lazarett zurückgehalten. bemerkte man ihn wegen seiner Schweigsamkeit fast nicht. Das freie Abendstündchen brachte er bei seiner Braut zu. Jeder Schüler wußte das, wiewohl es Volter nur Bornemann anvertraut hatte. An Volters Art und Weise hatten sie sich schon so gewöhnt, daß keiner mehr darüber sprach. Borne- mann legte sich auch gleich ins Mittel, Volter zu verteidigen, wenn ihm irgendein'Fehl beim Dienst zugeschoben wurde. Vor Volter hatte Äornemann einen großen Respekt. Eben weil er ernst und gemessen war, imponierte er ihm. Er fühlte sich zu Volter hingezogen. Er hatte überhaupt die ruhigen Menschen viel lieber als solche, die, wie er selbst, heiter und fröhlicher Laune waren. Auch liebte er es, über ernste Dinge zu reden. Wenn er mit Volter sprach, nahm er seine bekannten Schlagwörter selten in den Mund. Er fühlte, daß sie bei ihm nicht recht angebracht waren. Dann- hatte er die innere Gewißheit, daß Volter geistig über ihm stand. So treuherzig sein Humor war, so treuherzig war auch seine Anhänglichkeit an Volter. Wenn er etwas mcht wußte, wandte er sich zuerst an ihn. „Kollegen, wenn nur erst die Zeit um wäre! Jetzt kommt noch die Prüfung'— dann werden wir Gefreite— dann kommt der Sommer— dann geht's ins Manöver." „Denkst Du, daß alle die Prüfung bestehen und Gefreite werden?" fragte der lange Pröhl. „Na, die Prüfung kann ja ein Kind bestehen. Das ist alles Formalität. Vorher wird einem ein bißchen Angst ge- macht— dann kommt der Generalarzt— der findet alles sehr schön, wie bei jeder militärischen Besichtigung. Die Vor- gefetzten haben immer mehr Angst wie unsereiner." * Woche um Woche verstrich, ohne daß ein besonderes Er- cignis das Einerlei des Lazarettgetriebes störte. Eifrig wurden weiter die Tage gezählt und Bornemann brachte mit seinem nie versiegenden Humor Leben und etwas Freude in das graue Einerlei des Tages. Seit Weiners Tode wollte aus Volters Gesicht der ernste Zug nicht verschwinden. Mit Aufopferung gab er sich dem Krankendienst hin. Aus ganzer Kraft bemühte er sich, den armen Kranken ihre Lage zu erleichtern. Das läuterte ihn— Auf Wache war er, bei einem Schwindsüchtigen. Wenige Tage hatte er noch zu leben. Seine alte Mutter, eine arme Frau vom Lande, hatte von der Heimat die große Reise unter- nommen, um ihren kranken Sohn zu besuchen. Shmdenlang saß sie nun an seinem Bette, ohne ein Wort zu reden. Der Kranke lag auf seinem Lager im Todeskampfe und erkannte die Mutter nicht. Schwere Tränen flössen langsam über ihre saltigen Wangen. Als sie dann weggehen mußte, versuchte sie Volter ein Fünfzigpsennigstück in die Hand zu drücken. „Tun Sie Ihr möglichstes!" bat sie ihn mit gebrochener Stimme. Noch einen wehmütigen Blick auf den Sohn, dann war sie aus der Tür. Sie glaubte vielleicht in ihrer Herzens- einfalt, es stünde in Volters Macht, ihrem Sohne zu helfen. Volter wußte, daß er kein Geld annehmen durfte— aber um der alten, armen Frau nicht eine kleine Hoffnung zu rauben, steckte er es zu sich. Eine Träne glänzte ihm im Auge, als er der Frau nach- blickte. Könnte ich ihn gesund machen, wie gerne täte ich es! Aber das Scherflein, das Du mir gabst, war mehr für Dich, als für mich. Waren die Schüler unter sich und allein auf ihrer Stube. kein Unteroffizier im Verschlag, dann wurde niit Vorliebe leise ein Reservistenlied angestimmt. Alle diese Lieder zu singen war verboten, aber den sogenannten alten Knochen galten diese Gesänge als altes Privileg, und da summte jeder niit— Reserve hat Ruh'— und wie sie alle heißen. Eine feierliche Stimmung herrschte dann, und mit einer wahren Andacht wurde gesungen. In der Kaserne ging es bei solchen Gesängen gewöhnlich etwas geräuschvoll zu. Beim Bier in der Kantine wurden die Verse oft heruntergebrüllt. Aber hier im Lazarett ging alles hübsch ruhig zu. Das liebste Lied war allen die alte Volksweise: In die Heimat möcht ich wieder. Aus vollem Herzen ertönte mehrstimmig dieses alte Lied der Sehnsucht nach dem Vaterhaus. Bornemann gab den Ton an. Er konnte fuchsteufels- wild werden, wenn einer einen falschen Ton von sich gab. Sein Liebling Sonapp war mit ganz merkwürdiger musika- lischer Fähigkeit begabt, die Bornemann in die hellste Wut versetzen konnte. „Das ist ein heiliges Liedl" sagte er.„Wer nicht singen kann, soll den Schnabel halten und zuhören." » Die Prüfung war überstanden, der Generalarzt hatte seine vollste Zufriedenheit ausgesprochen. Einige Tage darauf wurden sämtliche Schüler zu Gefreiten ernannt. Ter Eindruck, den diese Ernennung machte, äußerte sich bei den Schülern ganz verfchieden. Diese Episode betrachtete Kunze als ein Glied der langen Kette der ihm aufgezwungenen Pflicht. Bornemann machte seine Witze darüber.„Siehst Du. Sonapp, das ist die erste Stufe zum Generalarzt! Es steht doch in den Kriegsartikeln, jedem Soldaten stehen die höchsten Stellen im Heere offen. Jetzt bist Du schon der Herr Ge» freite! Dann kommen die Tressen, wenn Du dabei bleibst. O je, kannst Du es dann noch weit bringen! Für mich ist ja bloß die Hauptsache, daß man jetzt fünf Pfennige täglich mehr bekommt." Sonapp konnte seine Freude nicht verbergen, daß er nun Gefreiter geworden war. Schon einige Wochen vorher hatte er sich die Knöpfe gekauft und in seinem Spind aufbewahrt. Mit einer stolz lächelnden Miene hatte er diese Neuigkeit auf einem Dutzend Ansichtskarten seinen sämtlichen Verwandten und Bekannten mitgeteilt. Alle freute es jedenfalls, daß nun der tägliche Unterricht für immer zu Ende war. Es wurde ihnen in der letzten Zeit schon etwas langweilig, auf den Bänken zu sitzen wie die Schulkinder. Volter kam mit Bornemann auf die gemischte Station, mit der Aussicht, vielleicht die ganze übrige Dienstzeit auf dieser Station bleiben zu können. Das machte Bornemann fast glücklich. Denn auf dieser gemischten Station gab es doch die wenigste Arbeit, was für ihn die Hauptsache war. Volter war es angenehm, mit Bornemann weiter arbeiten zu können. Er war ihm doch der liebste von allen. Sergeant Bogdahn war auch froh, den niederträchtigen Zigarrensortierer endlich nicht mehr um sich zu haben. Keiner hatte ihn bis jetzt so geärgert wie der. Jetzt mnßte er Wohl oder übel auch selbst in die Stadt gehen und in feinem Wirts- haus essen, denn die neuen Gefreiten fühlten sich zu stolz. mit dem Eßnapf über die Straße zu wandeln. Oberstabsarzt Klein von der Gemischten war ein gut» wütiger alter Herr, der gern einen Spaß mit den Kranken seiner Station machte. Sein Assistent Oberarzt Breitmcicr kam nach der Visite nicht eilig genug aus dem Lazarett wieder hinaus. Der Dienst dauerte ihm viel zu lange. Man sah an seinem ungeduldigen Wesen, daß er wenig Zeit hatte. Eine große Figur war er, mit langen Beinen und großen Füßen. Merkwürdig war sein Gang. Beim Abrollen des Fußes neigte er seinen Oberkörper stark nach vorn. Auf seiner langen Nasenspitze war ein Kneifer eingeklemmt, der jeden Augenblick herunterzurutschen drohte. Das gräßlichste war ihm das Schreiben der Krankenberichte über jeden Kranken. Seine Pflicht war es eigentlich, die Krankenjournale selbst zu schreiben, aber er diktierte sie einem Sanitätsgefreitcn der Station, dessen Handschrift ihm gut genug schien. Sehr oft änderte Oberstabsarzt Klein sie um oder strich sie ganz, als nicht richtig, durch, wenn sie ihm zur Unterschrift vorgelegt wurden. Das tat aber der Eile des Oberarztes keinen Ab- bruch. Wenn er am Nachmittag allein Visite machen mußte. ging er nur dann auf Station, wenn ein Zugang war, den et imlerfudjen mußte. Tonst fragte er den am Tor auf ihn wartenden Stationsaufseher der gemischten Station. Unter- offizier Baumert, ob es etwas Neues gäbe. War das nicht der Fall, so machte er sofort Kehrt und ließ sich bis zum ande- ren Morgen bis kurz vor der Visite des Oberstabsarztes nicht im Lazarett sehen. Unteroffizier Baumert war der stillste sämtlicher Sani- tätsunteroffiziere. In der Front mußte er wohl einer der Ungeschicktesten gewesen sein. Er stammte vom Lande, was man ihm sofort anmerkte. Er trug sich mit der festen Ab- ficht, nach Zwölf Jahren als Postassistent oder Zollbeamter eine Stellung zu erreichen. Immer ging er init einem Ele- mentarlehrbuch der französischen oder englischen Sprache herum. Die Vokabeln wollten ihm aber nicht so recht in den Kopf. Fleißig war er. Oft bis spät in die Nacht hinein brannte die Lampe in seinem Verschlag. Leise murmelte er da die auswendig gelernten Lektionen her. Er war der einzige von den Unteroffizieren, der mit den Sanitätsgcfreiten in einer freundschaftlichen Tonart sprach.-Ueber Bornemanns witzige Art lachte er auch mit, wenn er gerade hinzukam. Zivilberuflich betrachtete er die Gefreiten als seinesgleichen. Nur dem Volter begegnete er mit einer größeren Achtung, da er erfahren hatte, daß er sehr gut französisch sprach. Gern hätte er sich mit Volter intimer unterhalten— aber das Unnahbare au Volter und das rein dienstliche Benehmen ihm gegenüber hielt ihn davon zurück. tFortsetzung folgt.l Der Ginbrecher. Bon Upton Sinclair. Berechtigte Uebersetzung von Arwr Baak. Personen: Jim Taraday— der Einbrecher. Harvey Au st in— ein Rechrsanwalt. Helene Au st in— seine Gattin. Ort der Handlung: Bibliothekzimnier im Austinschen Hause (in einer amerilaniscben Industriestadt). Zeit: Zwei Uhr nackts. Die Bühne zeigt ein luxuriös ausgestattetes Zimmer. In der Mitte ein Tisck mit einer Lampe. Zur' Rechten ist der Eingang in den Borsaal. die vordere Tür des Hauses ist sichtbar. In der Ecke steht ein Schrtinlchen mit seltenen Nippes. Im Hintergründe ein nach der Straße geöffnetes großes Fenster. Ein Kamin. Links sind zwei Eingänge. DaS Zimmer enthält Bücherschränke, verschiedene Lehnstühle u. a. Beim Aufgang deS Vorhanges ist die Bühne leer und das Zimmer dunkel eS wird nur erhellt durch das Feuer im Kamin. Man hört vom Fenster her das Geräusch von brechendem Holz. I i m. fEin derb gekleideter, junger Mann mit einem Pflaster über dem einen Auge, steigt durch das Fenster ein, bleibt nervös umherblickend stehen, sieht sich um, dann läßt er eine Blendlaterne ausbliben.) .Das sieht hier recht hübsch aus." /«— l'/j Meter. Während als höchste Eibe Deutschlands die 13,1 Meter messende im Cisbusch galt, maß der Entdecker als größte Höhen zweimal 15 Meter, einmal 16 und einmal gar 18 Meier, so daff die Paterzeller Eiben den höchsten bekannten ihrer Art in der Normandie und England sich bis aus 2 Meter nahem. Nach alledem steht es fest, daff der Eibenwald bei Paterzell der großartigste in Deutschland, wenn nicht überhaupt der großartigste ist. Eigentümer dieses Waldes ist bis auf einen kleinen der Gemeinde gehörigen Teil der Staat, der.ihn aber bisher so gut wie gar nicht geschützt hat; erst in jüngster Zeit hat auf pcrschiedene Eingaben hin das Finanzministerium angeordnet, daß wenigstens die Eiben geschont werden. Mit Recht fährt das Münchener Blatt fort: Das genügt aber bei weitem nicht, dielmehr besitzen wir hier geradezu c!u Schulbeispiel für die Aufgabe des Vereins Naturschutz- park(Geschäftsstelle in Stuttgart). Es kann und muff vom Staate gefordert werden, daff er den Eibenwald auf alle Zeit in seinen Schutz nimmt und als unantastbare Reservation erklärt. Werantw. Redakteur: Richard Barth, Berlin.— Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u.LeriagSansralt Paul Singer LrCo..Berlin LVt.