Nnterhaltungsblatt des Uorwärls Nr. 250. Freitag 0en 24 Dezenlber. 1909 cNachdrua tctCote*.) ig]"Cobelvolh» Eine Dorfgeschichte von Paul Jlg. �'„Auf mich kommts ja vor allem anl" sagte das kleine breite, bleichwangige Frauenzimmer mit den zu rundlichen Fäusten geballten, kurzen fleischigen Händen und dem starken, hochgehenden Busen.„Und jetzt will ich Dir auch sagen, wie ich so darüber denke. Also von mir aus kannst Du von Stund an gehen, wohin Du willst. Ich lauf Dir nicht mehr nach und erwarte auch gar nichts mehr von Dir. Es ist ja wahr, Du bist mir von Rechts wegen keine Liebe, keine Achtung und keinen Heller schuldig. Du hast einfach genommen, was Dir— ich sags jetzt ganz aufrichtig— angeboten wurde." Sie bedeckte, wie vor Scham, das Gesicht. Es war jedoch nur die Bangnis der Erwartung. Heinrich betrachtete statt ihrer die Lampe, welche in- zwischen einen grünen Schirm bekommen hatte, dann ein kleines Spind, eine zweite Kommode und das doppelte Ge° schirr auf dem Waschtisch. Ueber einem Stuhl hing Mareis Trauerkleid, das sie heute auf einem Gang ins Dorf ge- tragen hatte. „Also wahrl Wir sind somit auf Kommando zusammen- gegeben und ins Pferch, getrieben!" schrie er nochmals auf und bedachte sich schnell, ob er unter diesen Umständen die Nacht noch hier verbringen dürfe. Sie hatten entschieden zu ihrer schlauen Kopulation den rechten Zeitpunkt gewählt. Er war seit einigen Tagen ohne jede Barschaft und zudem durch all die Bedrängnisse seelisch so tief herabgestimmt, dast ihm keinerlei Arbeit gelingen wollte. Das sagte er nun Marci ins Gesicht zu. Auf diesen traurigen Augenblick, der ja nicht ausbleiben konnte, habe sie nur gewartet. Aber auch darin wies ihm diese eine bessere Gesinnung nach, indem sie aus ihrer Ledertasche eine ordentliche Hand voll Silber holte und ungezählt vor ihm hinlegte. „Nimm, was Du brauchst— nimm alles! Du hast noch eine Stunde Zeit, bis der letzte Zug kommt. Pack das Aller- notwendigste zusammen— den großen Koffer schick ich Dir nach— und geh dann in den Gummischuhen hinunter, damit Dich die anderen nicht hören und Du ohne Lärm und Jammer fortkommst. Für mich brauchst Du nicht zu sorgen." Heinrich fuhr mit weitaufgerissenen Augen auf sie zu. „Ist das Dein Ernst?" „In Gotts Namen, Heinrich," sagte sie schwach und streckte ihm mit gesenkten Wimpern die Hand hin. Aber schon stockten von dem tollen Wagnis ihre Pulse. Vielleicht hätte sie ihn jetzt in der Tat verstohlen ziehen lassen, obwohl sie noch stark an der letzten Hoffnung festhielt. Allein er war nur eine kurze Spanne versucht, diesen erbärmlichen Weg der Rettung einzuschlagen. Ohne sich näher zu erklären, zog er Ueberrock, Kragen, Schuhe aus, setzte sich an den Tisch, nahm ein Buch zur Hand und hielt beide Ohren zu. Hinter ihm tat Marei einen langen, leisen Atemzug: sie drückte da- bei beschwichtigend beide Hände auf die Brust. Dann kleidete sie sich schweigend aus und kam hierzu nicht ein einzigmal nach vorn in den Lichtkreis. Als Heinrich sich einige Minuten später aus purer Neugier nach ihr umwandte, stand sie schon bis auf die Strümpfe nackt da und haschte gerade nach dem anderen Hemd. Zum erstenmal fiel ihm auf, daß ihr Leib rundlicher, die Brust straffer geworden war. Marei schien hingegen seine gliihenden, forschenden Blicke nicht zu bemerken. Sie rutschte auf den Knicen über das vordere Bett ins andere hinein und legte sich mit einem Seufzer gegen die Wand. Eine Stunde verging— Heinrich hielt immer noch seinen Kopf und konnte sich doch nicht mehr bewahren. In- dem er die Lampe löschte, war es ihm, als blase er seinem besseren Selbst den Odem aus. Er hätte sich kaum ver- wundert, wenn jetzt im dunklen Fensterrahmen plötzlich Eis- beths gram- und graucnkündendeS Antlitz erschienen wäre. �„Nicht eher, als bis Du mir auf Ehr' und Seligkeit ver- sprichst, daß ich Deine Frau werde!" wehrte Marei seine zu- dringlichen Hände tapfer ab. Es war stockfinster. Nur der Lampcndocht glühte noch eine Weile und eine Wolke üblen Rauches durchzog den warmen Raum. Die beiden konnten sich kaum sehen. Doch als er Gewalt brauchen wollte, stieß sie ihn wie rasend zurück und entwischte schnell hinaus in eine Ecke. „Versprich mir erst"— In seinem Gehirn hämmerte der Teufel mit wenigstens zwölf Gesellen, doch die Krone des Lebens ging aus dieser Schmiede nicht hervor. Dazu umfing und bestach ihn die Wörme der Linnen, darauf Marei gelegen hatte. „Ich til's, Mareile, wenn Du mir Zeit läßt, bis ich— Du weißt ja— in einem Jahr vielleicht"— ließ er sich vom Bett aus flüsternd vernehmen. „Nein," gab sie zurück.„Aber sag mir das nach:„Ich will ein ehrloser Tropf sein"—" „Ich will ein ehrloser Tropf sein"— „Wenn ich mich nicht vor Deiner Niederkunft"— „Wenn ich mich nicht vor Deiner Niederkunft"— „Mit Dir trauen lasse!" Wort für Wort sprach er's nach, ohne jesuitischen Hinter- halt, doch unter einem betäubenden Bann, der mächtiger war, als seines Geistes zuckender, flimmernder Widerstano. „O jetzt— jetzt glaub ich Dir, Heiri!" jubelte sie leise, ließ sich wieder von ihm tragen und nahm ihn dann so innig, so selig auf, preßte ihn so stürmisch an ihre Brust, daß er an ihrer echten Liebe nicht mehr zweifeln konnte. Von diesem Ereignis bekam die Mutter nicht ein Sterbenswörtchen zu hören. Marei gab ihr nur in einer Art zu verstehen, die so klang wie:„Rühr mich nicht an!", daß mit Heinrich und ihr bald alles in Ordnung sein werde. Niemand möge es wagen, ihm mit Vorhaltungen in die Quere zu kommen. Von da an lebte das merkwürdige Pärchen wirklich ganz für sich allein. Marei versorgte ihn mit den leckersten Bissen, die sie auftreiben konnte, ging nie eine Stunde müßig und verhielt sich, wenn er schrieb oder studierte, bei ihrer Nach- stickarbeit so still, daß er sich nicht genug wundern konnte über diese innere Macht, die ein heißblütiges Temperament in lammfromme Geduld wandeln konnte. Auf ihre zärtlichen Bitten ging er— zwar nicht gern unter die Leute— häufig Arm in Arm mit ihr spazieren und fuhr sogar einmal mit ihr nach Treustadt ins Theater, denn in ihrem langen schwarzen Kleid sah sie nun doch beinahe fraulich, wenigstens nicht mehr so spitzbübisch und auffallend aus. Zuweilen sprach er davon, eine Stellung als Hilfsredaktcur oder einen Korrespondenten- Posten suchen zu wollen. Seither hörte er sie mitunter schüchtern singen, wie eine Schwalbe zwitschern, wenn sie unten in der Küche zu schaffen hatte. Aber des künftigen echten Ehestands tat sie anfänglich nur von ferne Erwähnung, etwa wenn sie so kindlich vor sich hinplauschte:„Ach Du, ich möcht' bloß wissen, wo wir in einem Jahr zusammen hausen!" Oder wenn sie ihn neckte, was ihm lieber wäre: ein Bub oder ein Maitle? Nur zweimal ereigneten sich zwischen ihnen noch scharfe Gefechte. Das eine Mal kam sie vom Saal herauf, und Heinrich wußte gleich, daß sie irgend etwas mit der Mutter getuschelt hatte. Das genügte schon, um ihm die Galle ins Blut zu treiben. „Was ist denn jetzt wieder im Schwang!" gebot er der Scheublickenden zu reden. Sie stellte zuerst einmal den rechten Fuß auf ihren Stuhl und tat, wie wenn sie einen lästigen Floh suche. Dabei sagte sie so obenhin:„Ach, es ist nur wegen dem Bertelel" So hieß ihr Mädchen, das nun gerade ein Jahr alt war. Doch als ihr wider Erwarten nur häßliche Blicke zuteil wurden und er barsch weiterfragte, setzte sie gezwungen hinzu:„Die Mutter meinte nur, wenn wir doch einig seien ,und wenn es Dir nicht zuviel werde— weil sie ja doch Jörgs Kinder auf dem Halse habe,"— Er ließ sie gar nicht erst ausreden, sondern ging stracks auf die Tür zu, die er sperrangelweit aufriß. „Augenblicks wanderst Du hin mter und bringst_ ihr meinen Bescheid: Der Balg geh mich in alle Ewigkeit nichts an, verstanden! Und wenn sie noch ein einziges Mal davon anfange, so werde sie's schwer bereuen müssen! Marsch, ich warte da." Marc? huschte totenblaß an ihm vorbei, kam schon in etlichen Sekunden wieder zurück und setzte sich flugs, wie auf den Mund geschlagen, an ihr?n Platz. Es ging schier über ihr Vermögen, nicht laut hinauszuheulen, aber sie spürte den Gewitterstoff in der Lust, und daß jetzt ein einziger Wut» blitz ihr teuer erstrittenes Glück zunichte machen konnte. „Hast Du's ausgerichtet?" fragte er nochmals kalt. Sie wollte ein kurzes Ja verlauten lassen, allein dabei sprang auch noch ein anderes Tor auf, und sie mußte schnell ihren Stickabschnitt vorhalten, um das sprudelnde Schluchzen zu ersticken. Dieser sklavische, kniefällige Gehorsam versetzte seine kranke Seele beinah in Ekstase: es tat ihm, dem Tief- geknickten, wohl, die Geißel zu schwingen über der, die ihn mit unerhörten Ränken und Listen zu sich herabgezogen hatte. lFortsetzung folgt.) I�ucas oder Leonardo? Cookfey oder Bode?0 Bon M. Beer London, 20. Dezember. Der Streit um die Urbebcrschaft der Flora-Büste will nickt vcr« stummen. Auch dos Waffengeklirr eines der oufregcndsten Wahl- kämpfe übertönt ihn nickt. Lucas oder Leonardo? Ist ein unbekannter engli'cker Bildliauer der Scköpser des Meisterwerks oder ist es dem Universalgenie der Ncnaissance entsprungen? Leonardo da Vinci kennt jedermann; aber wer war Lucas? t. Richard Cockle Lucas, Bildbauer. Im Jahre 1M0 wurde einem Tuckmacher in Calisbury ein Sohn geboren, der den prosaischen Name» Rickard Cockle er- hielt. In seinem zwölften Lebensjahre, nach Beendigung der Elementarschule, wurde er seinem Onkel, einem Mesiersckmicd in Winckester in die Lehre gegeben. Dem jungen Nickard war indes das Schmieden eine Nebensacke, dafür aber zeigte er viel Fleiß und Talent im Schnitzen der Messerhefte. So mancher geschnitzter Messerstiel verließ die Werkslälle von Winchester und lenkte auf sich die Aufmerksamkeit kunstsinniger Hausväter. Rickard entschloß sich so- dann, das Messerschmieden auszugeben und sich der Schnitzerei und Bildhauerei zu widmen. Ganz auf seine eigenen Kräfte angewiesen, las und lernte er viel aus Büchern. Statuen und kirchlichen Bau- werken, besonders aber zog ihn die Antike an. Lucas ist Autodidakt im vollsten Sinne de? Wortes. Er hat alles seinen Gaben und seineni außerordentlichen Fleiße zu verdanken. Möglich, daß durch eine systematische Bildung und in einer gesättigten Kunst- alniosphäre seine Gaben an Kraft und Umfang gewonnen haben würden, allein seine Umgebung war ihm nickt günstig. Medaillon, Büste und kleine Reliefarbeilen in Elfenbein und Wachs waren seinem Können und Wissen am besten angepaßt. Und auch auf diesen Ge- bieten zeigt er tiefe Unterschiede. Wo ihm die Idee durch Gemälde oder durch Marmorwerke gegeben war, dort leistete Lucas sein Bestes und Höchstes. Enipfangenes auf eigene Weise verarbeiten, die Kunst der Assimilation war ihm in hohem Maße eigen, da konnte er seine ganze künstlerische Energie dem Werke widmen und ihm den Stempel der Meisterschaft ausprägen. Wo es sich da- gegen um eigene Konzeptionen handelte, ist die Leistung oft geringer. Allein eS waren gerade die letzteren Arbeiten, auf die Lucas stolz war; er ließ davon Photographien machen und übergab diese dem Museum. Das Album>m Britischen Museum aus dem Jahre 185S enthält vielleicht kaum ein Drittel von Lucas' Arbeiten. Seit dem Jahre 1829— 1859 stellte er in der Akademie aus. Er hat auch einige Statuen, darunter die von Dr. Johnson in Litchfield, verfertigt. Unter den Kunstwerken des Britischen Museums übten auf ihn besonders die Elgin Marblesk Winds" genannt, an einen Mr. Simpson verlauft. Im Hause befand sich eine ganze Masse von Lucas' Kunst- arbei en, die im Verkaufe eingeschlossen waren. Unter diesen Arbeiten befand sich auch die Florabllste, die lange Jahre im Besitze der Lucasfamilie war. Nach Simpsons Tode wurde das HauS im Jahre 1604 wieder verlaust, ebenso die Möbel und die übrigen Sachen. Eine Sammelnummer Nr. 234, die auch die Florabüste Inbegriff, wurde für k M. an einen Mr. Mann in Southamplon verlauft. Die Büste geriet sodann von eineni Händler zum anderen, bis fie der Londoner Kunsthändler Murray Marls für einige Marl erwarb und sie im Katalog als. vielleicht von Leonardo da Vinci" anbot. Ter letzte Käufer war Dr. Bode, der an die 180 000 M. für fie zahlte. Diese sensationelle Wendung gab den Anlaß zum Lucas-Leonardo- Streit. Der Mann, der die ganze Angelegenheit vor die Oeffent- lichleit brachte, ist Mr. Charles F. Coolfey, Auktionator von Beruf und Archäologe von Neigung. Er ist einer der besten Kenner der Denlmale Südenglands und ein Mann von ernstem, ehrlichem Denken. WaZ jetzt folgt, beruht auf Aussagen, die ich von Coolsch und A. D. Lucas erhielt. Cookscys Vater war ein Freund des alten Lucas, der den jungen Cooksey gern bei sich sah und ihn oft über den Wert oder Unwert von Kunstwerken be- lehrte. Die Familie Cooksey hatte eine hohe Meinung von der Kunst und dem Wissen des alten Lucas und fie wunderten sich nur, daß so ein Mann nicht anerkannt sei. Cooksey erinnert sich genau der Florabüste, die er bei jedem Besuche im„Turm der Winde" sah. Als nun in den letzten Monaten die Florabüste als ein Werk Leonardos berühmt wurde, da wurde Cooksey von zwei Empfindungen ergriffen: 1. daß dem Lucas bitteres Unrecht ge- fchehe; 2. daß Lucas also doch ein wirklich großer Künstler war. Er nahm sich deshalb vor, die Angelegenheit nicht ruhen zu lassen, bis Lucas seinen ihm in der Kunstgeschichte gebührenden Platz erhalten hätte. Cooksey ist mit A. D. Lucas innig befreundet. Beide sah ich am 13. Dezember und unterhielt mich mit ihnen über die Florabüste. Lucas zun. steht gegenwärtig im Alter von 81 Jahren und ist Maler. Er macht den Eindruck eines grundehrlichen, einfachen Mannes, dem es einzig nnd allein um die Wahrheit zu tun ist. ES ist selbst- verständlich, daß er das Andenken feines Vaters verehrt und von dessen Größe überzeugt ist. Um Geld handelt eS sich in dieser An- gelegenheit ganz und gar nicht.„Die Wahrheit wird früher oder fpäier siegen und England wird sehen, daß eS in Richard Cockle Lucas einen großen Bildhauer hatte, den eS nicht anerkennen wollte und der erst durch Zufall zur Anerkennung gelangt"— wiederholte mir LucaS jun. Trotz seines Alters ist sein Gedächtiiis ausgezeichnet und er macht auch sonst nicht den Eindruck eines 80 jährigen GreiseS. Auf meine an ihn gestellten Fragen antwortete er mir: „Ich erinnere mich genau der Florabüste. Ich habe, wie bei deu meisten Büsten meines Vaters, den Lehm für die Form zurecht- gemacht. Einiges an der Drapierung ist ebenfalls von mir, ebenso die Blume am Kopfe. Ich Pflegte ihm überhaupt in untergeordneten Arbeiten zu helfen. Die Florabüste wurde im Jahre 1840 her- gestellt. Der Vater erhielt den Austrag von einem gewissen Buchanan, der ihm das Florabild mitschickte, um danach die Büste zu machen. Buchanan, der einen reichen Lüstling zum Kunden hatte, verlangte, daß die Büste möglichst lasziv in Pose und Gesichtsausdruck sein sollte. Der Vater wurde indes von dem Bilde so ergriffen, daß er die Büste nicht nach Wunsch Buchanans anfertigen konnte. Der Austraggeber lehnte sie ab nnd sie blieb deshalb bei uns. Die Behauptung, daß Lord Palm er st on sie dem Vater zur Reparatur gegeben hatte, ist absolut grundlos. Einfach eine grobe Lüge. Palmcrston und besonders Lady Palmerfton hätten eine Büste von Leonardo nicht vergessen. Mr. Tolfree, der den Deutschen dieses absurde Märchen aufgebunden hat, ist ein Lügner." A. D. LucaS zeigte mir sodann eine ganze Reihe seiner eigenen und seines Vaters Arbeiten, über dessen Methode er noch hinzufügte: „Sobald die Lehmsorm für die Büsten fertig und alles zum Guß bereit war, nahm der Vater geschmolzene Ucberreste alter Wachs- ke r zen und Stücke alter Kleider— einmal sogar eine ganze Weste und füllte die Form." Cooksey erzählte mir noch, daß eS noch zwei Büsten von Lucas aus der Mitte der vierziger Jahre gibt, die unter dem Eindruck des FlorabildcS hergestellt wurden und dessen Einfluß deutlich tragen. „Kein einziges Glied in der Kette unserer Beweisführung fehlt, daß LucaS der Schöpfer der Florabüste ist. Wir sind bereit, unsere Be- weise bis zum Tüpfelchen auf dem i einer internationalen Kommission von Fachleuten vorzulegen. Herr Dr. Bode spielt aber den Kläger, den Verteidiger, den Ängcklaaten und den Richter in einer Person. Mit Leuten, die sich unfehlbar dünken— mit Leuten, die in hinterlistiger Weise in S o n t h a m p- ton herumschnüffeln, lassen wir uns nicht ein." Ich fragte Cooksey sodann, warum A. D. Lucas den Dr. Posse nicht rn.pfing. Woraus mir zur Antwort wurde: „D r. P o s s e v e r st e h t w e n i g E n g l i s ch. Er nahm sich als Begleiter einen berüchtigten Abenteurer, der sieben oder acht Sprachen spricht und sich als den dculschcn Botschafter ausgab. Dieser Begleiter wollte durch Bluff zu seinem Ziele gelangen. Der- artige Leute halten wir nnS vom Halse. Ich stand an der Tür und stieß den Mann zurück. Ter Kerl schimpfte, aber wir haben Zeugen, die sofort das Gehörte vor dem Magistrat eidlich deponierren. Dr. Posie machte den Eindruck eines harmlosen Menschen, aber sein Begleiter ist ein verdächtiger Charakter. Die Herren kamen dann noch einmal mit einer Dame, die sich Miß Reynolds nannte,— ihren richtigen Namen hat sie wohlweislich verschwiegen. Der Erfolg der zweiten Expedition war kein beflerer. Zuni Glück haben sie den Tolfree gefunden, der ihnen für gutes deutsches Geld d a s M ä r ch e n v o n P a I m e r st o» z u ni b e st e n gab. Wir haben Zeugen, daß Tolfree selbst an seine An- g a b e n n i Ä t g I a u b t." Auf meine Anfrage über die Zusammensetzung und den Schmelz- Punkt de» Wachses der Florabüste und anderer Lucasbüsten sagte Cooksey: „Wir haben von Bell(vom Ashmolean-Museum in Oxford. Die Red.) genaue Analysen darüber, allein ich kann sie Ihnen leider nicht mitteilen, denn sobald sie veröffentlicht sind, wird Herr Dr. Bode erklären, das Wachs der Florabüste zeigt eine ganz andere Zusammensetzung und einen ganz anderen Schmelzpunkt, und wir könnten seine Angaben nicht kontrollieren, da wir jene Büste nicht mehr bekommen werden. Wir verlangen nichts iveiter, als eins internationale Kllnstlerlommissioi,,— dieser sind wir bereit, alle unsere Beweise vorzulegen. Wissen Sie, es wurde sogar festgestellt, daß Buchanan tatsächlich das Florabild im Jahre 1840 im Besitze hatte; es wurde ferner festgestellt, daß die Füllung der Florabüste Bestandteile alter englischer Kleidungsstücke enthält. Auch das Holz an der Büste ist englisch. Unser Beweis- Material ist komplett. Das merkwürdigste ist, daß ein von uns ganz unabhängiger Herr namens W h i t b u r n als Zeuge auftritt, der, ebenso wie A. D. Lucas, niit seinen Aiigen sah, wie Lucas sen. im Jahre 1346 an der Florabüste nach dem Florabilde arbeitete. Wir haben Augenzeugen, Dokumente, chemische und logische Beweise zu unseren Gunsten. Bode und seine Leute haben iiur den Tolfree, dem auf Schritt und Tritt nachgewiesen werden kann, daß er die Unwahrheit sagt. Der Tolfree ist entweder ein Träumer oder ein Lügner. Ich habe ihm in den„Times" seine Unwahrheiten nach- gewiesen und wir haben aus seinem eigenen Munde Beweise genug, daß die Bode-Leute aus dem letzten Loche pfeifen."— Cooksey legte mir ein Album mit Photographien über die verschiedenen Phasen dieses StreilS vor. Auf einer Seite des AlbumS befand sich eine Photographie des FlorabildeS und eine Photo- grophie der Florabüste. Ich konnte die Bemerkung nicht unter- drücken, daß die Photographie der Florabüste sich insofern von der deS BildeS unterscheidet, als die elftere ein entschieden englisches Profil zeigt. Cooksey war etwas betroffen, worauf er mir die Dezcmbernummer deS„Burlington Magazin«", der vornehmsten englischen Knnstzeitung zeigte, in dem der erste Artikel sich mit der staglichen Wachsbüfte beschäftigt und worin der Redakteur sagt: „... Der vollständig englische Charakter der linken Profilansicht (der Büste) unterstützt die Ansicht seiner(Lucas') Freunde und Familie." Der ganze Artikel ist vorsichtig gehalten, wobei zu bemerken ist, daß Dr. Bode zum Redakiionskomilee der genannten Zeilschrift gehört. Zum Schluß noch eine Bemerkung. Cooksey sagte mir:„Wir geben zu, daß die Berliner Florabüste nicht mehr so aussieht, wie die Florabüste, die wir kannten, allein feit 1S04 wurde sie von einem mir bekannten Italiener repariert, da fie fast ganz in Stücken war. Wesentlich aber ist sie dieselbe, wie ich sie beim alten Lucas und später sah." In wenigen Tagen erscheint darüber ein stanzösischcr Artikel in der„Revue Archeologique". Gleims feuilkton- Weihnachtsgeschenke derer, die sichS leisten können. Im könig- lichen Archiv zu Dresden findet sich unter anderein auch eine Rechnung über die Geschenke, die der Kurfürst August von Sachsen im Jahre 1572 für seine Kinder, zwei Prinzessiiincn von fünf und zehn Jahren und den zwölfjährigen Prinzen Christian anfertigen ließ. Neben anderem Spielzeug bekam der kleine Prinz geschnitzte und bemalte Figuren, die eine komplette Jagdgesellschaft darstellten; es waren ini ganzen 75 Stücke. Pferde, Reiter, Jäger, Hunde, Schlitten, Füchse, Hirsche. Sauen usw. Der Holzschnitzer bekam für jedes einzelne Stück zwölf Silbergroschen, eine für die damalige Zeit horrende Bezahlung. Die Priiizessiunen bekamen eine voll- ständig eingerichtete Puppenwohniing; Töpfe, Kannen, Teller und alle Arten Geschirr und Geräte für die Küche aus Zinn. Messing und Kupfer, Tische mit Tischtüchern, geschnitzte Stühle und Schränke, 30 Löffel, 4V Bratcnlellcr, 100 Teller, 71 Schüsseln, ferner Bratspieße, Durchschläge, Hackemesser, Schreib- und Nähzeug, sogar Barbiermcsser fehlten nicht; und neun Puppen, aufs verschwende- rischsle gctleidet, walteten in diesem Hauswesen.— Von ähnlichem Luxus unserer oberen Zehntausend berichtete dieser Tage ein Kor- respondent im„Berl. Tageblatt"; es handelte sich um ein Puppen» haus, das eins der größten Spielwareuhäuser sti Paris für die Kinder eines bekannten Bankiers lieferte. Das„Spielzeug" ist vier Stockwerl hoch, 7 Fuß lang, B'/s Fuß hoch und 4'/z Fuß tief. Es enthält 14 Zimmer, dazu Küche, Keller und eine mit Wasserleitung versehene Badeeinrichtuug. Alle Räume sind vollständig im vcr« wöhntesten Geschmack möbliert; in den Schränken befindet sich Wäsche, für mehrmaliocn Wechsel ausreichend. Die Cinrichlimg des Salons allein kostet 120 M., Speise« und Schlafzimmer je 140 M. Da? Hans bewohnten außer der herrschaftlichen Familie, ihren Kindern und Logiergästen ein ganzer Stab von Dienern. Dienst« - 1000- mädchcn«nd Kllchenper�nal. Der ganze Späh kostet die Kleinigkeit von 2400 M.— O, die armen, reichen MnderUI— Kulturhistorisches. Wttß der Jugendzeit der Presse. Der französische Historiker F u n ck- B rc n t a n o hat unlängst in einem Bück „Figaro und seine Vorläufer"(Paris, Hochette) lebendige Schilderungen auS der Kindheit des europäischen Journalis- mus beröffcntlicht. Besonderes Interesse erweckt das Kapitel über die„Nouvcllistcs", die Herausgeber geschriebener Zeitungen, die vis zur Zeit der Revolution eine bedeutende Rolle spielten. Ein !774 zwischen einem„Chef de NouvellcS", d. h. einem Chefredakteur und einem Rednktionssekrctär geschlossener Vertrag besagt:„Ter Herr Dubee wird zweimal täglich die Neuigkeiter erhalten. Er wird sie nach und nach, leserlich und Wort für Wort, ohne etwas aus eigenem hinzuzufügen, niederschreiben." Der Sekretär hatte die Schreiber und Kopisten aufzunehmen, wobei er grosse Vorsicht zu bewahren hatte. Denn das Entwenden von Nachrichten zu- Künsten eines Konkurrenten oder für eigene Geschäfte war sehr verbreitet. Der Sekretär hatte auch die AdministrarionSangelcgcn- iheitcn zu berwalten und das Verzeichnis der Subskribenten, d. h. Abonnenten zu führen. Das Abonnement war sehr kostspielig. So berechnete D u b r c u i l 1728 das Abonnement für 4 Quartseiten mit 6 Livres im Monat, mit 12 Livres für 8 Quartseiten. DaS war der Durchschnittspreis. Er machte im Jahre 144 Livres aus, nach heutigem Gelbe 400— 500 Franks. Nouvellisten von geringeren! Ran�e gaben es immerhin erheblich billiger. Indes wurde ein gewisser L e e l c r c, der bis 20 oder 30 Sols im Monat hcrabging, ivas etwa 72 Franks im Jahr entspricht, von seinen Kollegen als Echmutzkonkurrcnt betrachtet. Es gab aber auch Abonnenten, die bis 000 Livres jährlich— 2000 Franks in heutigem Gelde— bezahlten! Diesen Tarifen entsprechend war ein Abonnement auf die Gazetten ein Privilegium reicher Leute. Eine nicht unbcdeu- •tcnbc Rolle spielten auch die Abonnenten im Auslande. So hatte ein gewisser Gaultier, der sein Blatt zweimal wöchentlich vcr- schickte, Abonnenten in Florenz, Brüssel, Zweibrücken und Amster- •dam. Als Abonnent wird unter anderen auch der preussische Ge- sandte Ehambrier genannt. Immerhin konnten minder be- güterte Leute die Zeitungen in den Kaffeehäusern lesen. Eine wichtige Tätigkeit, die ausserordentlich viel Vorsicht erforderte, war die Zustellung an die Abonnenten. Manchmal trug der Nouvclliste sein Blatt selbst aus, wobei er in höchster Eleganz auftrat. Trotz der Gefahren, die mit dem Beruf verbunden waren, nahm die Zahl der Zeitungen ununterbrochen zu, und die Kolporteure schössen auS dem Boden. Gegen Ende des Ancicn Regime, besonders während der HalSbandaffäre, wimmelte es von neuen Blättern. Alle Ver- folgungen der Herausgeber und Austräger waren wirkungslos. Tie Sprache der Zeitungen war oft von rücksichtsloser Kühnheit. Die Redakteure scheuten sich nicht, der feudalen Kundschaft, der sie dienten, den Hass und die Verachtung, die das auf die Revolution •hinarbeitende Bürgertum den Privilegierten entgegenbrachte, fühl- Dar zu machen. Ihre Nachrichten gewannen sie teils selbst, indem sie alle Orte aufsuchten, wo die vornehme Gesellschaft verkehrte, oder sie bedienten sich allerhand Zuträger, unter denen die auS der Be- dientenlvelt eine grosse Rolle spielten. Es gab aber auch Reporter. Die regelmässige Bezahlung empfingen. So erklärt 1070 Seubert be Bostel in einem in der Bastille aufgenommenen Verhör: Ich habe Leute, die mir täglich ihre Ernte an Reuigkeiten abliefern. Ich zahle dem einen 5 Livres im Monat, dem andern 40 Sols. Die materielle Situation der Redakteure war keineswegs glänzend. Viel- fach waren es Deklassierte, entlassene Offiziere, auS der Kutte gc- sprungene Geistliche, brotlose Studenten, sogar öffentliche Schreiber. Diese dienten aber hauptsächlich als Kopisten. Merkwürdig ist. dass auch Frauen als Herausgeberinncn von Zeitungen genannt werden. Eine von ihnen, Frau Laboulal>e, deren Ehemann Scr- geant bei den französischen Garden war, wechselte immerzu ihren Wohnsitz, um der Polizei zu entgehen. Marie Rongeard, eine junge Arau von 24 Jahren, lvar Wäscherin von Beruf. Frühzeitig ver- witwet, ernährte sie ihre zahlreiche Familie durch Herausgabe einer Zeitung. Sie beschäftigte 0 Kopisten, was ein gewisses Pro- Operieren der Unternehmung bezeugt. Auch sie wurde schliesslich in Haft genommen. Naturwissenschaftliches. Einen interessanten Vortrag über„Die Psychologie der Insekten" hielt am 17. Dezember im Wissenschaftlichen Verein Professor zur Strassen aus Leipzig. In form- vollendeter Weise verstand er es, die für den Laien frappantesten und psychologisch interessantesten Tatsachen ans dem Leben und Treiben der uns in so mancher Beziehung geistig ähnlich erscheinen- den, staatenbildönden Insekten(Tenniten, Ameisen, Bienen) darzustellen. Es war wirklich ein hoher Genuß, den prächtigen lebens- warmen Schilderungen, bei denen auch der Humor zu feinem Rechte kam, zu lauschen. Nicht zustimmen können wir aber den theoretischen Folgerungen Strasscns, die in der Behauptung dipfelten, dass den Insekten, wie übrigens auch allen anderen Tieren keine Intelligenz eigen fei und daß alle sogenannten intelli- genten Handlungen der Tiere rein physiko-chcmisch, ohne Heran- ziehung psychischer Faktoren, erklärt werden könnten; ja auch die menschliche Intelligenz enthalte höchst wahrscheinlich keinen ein- zigen psychischen Fakror. Gewiss ist ja nun. dass die ältere Tierpsychologie allzubet« schwcnderisch mit der Benutzung der Begriffe Ucberlegung und Ur- teil bei der Erklärung tierischer Handlungen umgegangen ikl dass sie allzuoft unter Verletzung des auch in der Wissenschaft srr die ; Verwendung von Hypothesen gültigen Sparsamkeitsgesetzes tierische • Handlungen, deren Charakter als reine Reflex- oder Jnstinkthand» i lung heute einwandsfrci nachgewiesen werden kann, als Intelli- gcnzhandlung gedeutet hat. Gegen eine derartig unwisscnschaft- liche ErklärungSwcisc konnte nicht scharf genug Front gemacht werden. Es bedeutet aber ein Verfallen ins enfgegengesetzte Extrem, wenn man aber alles Psychische wegleugnen und alle tierischen Verrichtungen durch Kräfte der anorganischen Natur erklären will; das geht einfach nicht, cS bleibt da ein un- erklärbarer Rest übrig, und das ist eben das rein Psychische, das dann nun, da es nach Stratzens Meinung in den Lebewesen nicht vorhanden sein soll, der Natur selbst beigelegt wird. Strassen sprach z. B. wiederholt von„der Absicht der Natur", die diese oder jene zweckmässige Einrichtung geschaffen habe, er sprach ferner von den Instinkten als von„planmäßig vorgesehenen Einrich» tungen der Natur", er deutete die gleiche Gesinnung an durch die Redewendung,„die Natur konnte Bedacht darauf nehmen", usw., kurz er mutz das den Insekten abgesprochene Psychische doch irgendwo unterbringen, irgendwo mit in Rechnung ziehen. Wie gefährlich nun seine Methode der Unterbringung des Psy- chischcn ist— man setze statt Natur: Gott und der alte Schöpfungs- glaube ist wieder in seine Rechte eingesetzt— das näher darzulegen, kann hier nicht unsere Aufgabe sein. Auch für die Tier- Psychologie liegt die Wahrheit in der Mitte zwischen den beiden Extremen, der alten den Jntelligenzbcgriff vielerorts unnötig an- wendenden Richtung und der neuen den Tieren jegliche Intelligenz ableugnenden streng mechanistischen Theorie. Sie Et unserer Mei- nung nach etwa in der Richtung zu suchen, wie sie Forel in seinen ticrpsychologischcn Arbeiten eingeschlagen hat, der die Meinung vertritt, daß dort, wo wir ein Gehirn, also Zentralnervensystem, vorfinden— und die Insekten haben ein solches— wir. wenn auch nur durch Analogieschluß von uns selbst aus, unbedingt ver- pflichtet sind, ein Psychisches als Funktion dieses Organs anzu- nehmen. L. Volkskunde. Weihnachtsgebäcke. Ein Fest ohne Kuchen, ohne ein besonderes bessere» Gebäck, ist für viele kein Fest. Kuchen und andere Süßigkeiten sind für unsere Feste typisch. Besonders gilt dieses für Süddcutschland. Eine besondere Stellung nimmt das Weihnachtsfest ein, indem es einige spezielle Festgebäckc besitzt, den Leb- bezw. Pfefferkuchen und die Weihnachtsstolle. Diese Kult- ge backe, denn um solche handelt es sich hier, haben ein ehr- würdiges Alter. Schon in der germanischen Mythologie spielen sie eine hervorragende Rolle. In der Regel waren es Seelenopfer, d. h. sie waren den Geistern der verstorbenen Sippengenossen ge- widmet. Das Ticropfer wurde durch das Brotopfer ersetzt. Ja, gewisse Formen»nd Bezeichnungen alter, bis auf die heutige Zeit erhaltene Gebildbrote bringen Andeutungen über in grauer Vorzeit auch bei den Germanen übliche Kindsopfer, die später durch entsprechend geformte Gcbäcke wie z. B. den„Bubenschenkel" er- setzt werden. Diese Opferspeise wurde gemeinsam aufgebracht. Zu dem Mahl wurden die Seelen(Maren) der Verstorbenen ge- laden. Das Sippcnopferbrot war durch die Teilung kenntlich. Solche Formen stellen unter anderem der noch heute bekannte „Seelenzopf", hin und wieder auch fälschlich„Judenzopf" genannt, und der Barkels- oder Burkartswccken dar. Letzterer ist ein sehr langer schmaler Keil oder Zwick mit Teilfurchen und wird am Burkartsmarkt(Dienstag nach St. Burkhart) als Patenbrot ge- schenkt. Die Zusammensetzung der verschiedenen Kultgebäcke wurde durch die wirtschaftlichen Verhältnisse bestimmt, so z. B. die herbst- lichen Gcbäcke durch den Obst- und Honigvorrat. Daher erklärt cS sich, dass der Honigkuchen gerade auf dem Weihnachtstisch so beliebt ist. Hinzu kommt noch, daß der Honig schon in den frühesten Zeiten, auch bei anderen Völkern, als Heilmittel, als Labsaft galt, der Dämonen vertrieb. So entstand aus Labkuchen Lebkuchen. Besonders in den Klöstern befaßte man sich viel mit der Her- stcllung der Lebkuchen, wohl weil hier infolge des Wachsbedarfcs der Kirche die Bienenzucht sehr gepflegt wurde und darum viel Honig vorhanden war. Weiter gehörten zu den spezifischen Wcihnachts, gebacken jene Gebilde, die man als obersächsische Stollen, Ham- bnrger Ktöbcn oder in Westfalen als Stutenbrot kennt. Dem Sinn j wie der Form nach haben wir es hier, wie Dr. M. Höfler vor | einigen Jahren in einer Arbeit über das St. Michaclsbrot dar- legte, mit einem nach unseren heutigen Anschauungen als obskön geltenden Gcbildbrote zu tun. Der Name Stutcnbrot deutet schon darauf hin, dass es sich hier um die Nachbildung eines gewissen Teiles des weiblichen Pferdes handelt. Der gespaltene Stollen bedeutet das Fruchtbarkeitssymbol. Es wurde als Opferbrot den die Fruchtbarkeit beeinflussenden Geistern und Gottheiten dar- gebracht. Während früher diese Gebilde auch am Michaels- und am StikolaStag geschenkt wurden, war die Kirche bestrebt, diesen . Brauch immer mehr auf Weihnachten zu beschränken. Sicher in ' der Absicht, den heidnischen Ursprung zu verwischen. Vcrantw. Redakteur: Richard Barth, Berlin.— Druck u. Verlag: Borwärl»>vuch»ruckere, u.Vcrtag»ailjlatlPautSmgeczlEo..>verUnt>At.