Mnterhalttmgsblatt des vorwärts Nr. 28. Mittwoch� den 9 Februar. 1910 (Nachdruck Betßoien.X 23] Im JVamcn des Gesetzes. Von Hans Hyan. „Aber ick habe keene Zeit langel" sagte sie. Und nun gingen beide schnell, mit geschäftlicher Eile zu ihm. Oben wollte sie sich nicht ganz entkleiden. Das konnte sie Georg nicht auch noch antun! Aber er ruhte nicht eher und sperrte, als sie sich trotzdem sträubte-, feine Börse, die er wie früher auch Wohl, offen auf den Tisch gelegt hatte, und aus der sie ein Geldstück nach dem anderen herausnehmen durfte, je nach dem Grade ihrer Gefälligkeit und seines Vergnügens.... Wie sie nackt war, sah er natürlich ihre Schwangerschaft, und das ließ sein Feuer noch heller brennen. Aber sie wehrte sich mit Recht gegen die Küsse auf ihren Leib. Sie gerieten heftig aneinander. Und mitten im Ringen, daS der Raffinierte vielleicht absichtlich herbeiführte, besaß er sie. Nun forderte sie ihren Lohn und wollte gehen. Aber er bat und beschenkte sie so reichlich, daß sie noch blieb und sich seine Umarmung noch ein zweites Mal gefallen ließ. Danach schien er enttäuscht und half ihr selbst beim An» kleiden, als wollte er ihr Fortgehen beschleunigen. Sie empfand das wohl; es wäre ihr lieber gewesen, wenn er grob geworden wäre, weil sie dann wieder hätte schimpfen können. So war sie beschämt und unglücklich. Sie ging, ohne ihn anzusehen, und sein„Auf Wiedersehen!" gar nicht erwidernd. Aber unten auf der Straße zählte sie ihr Geld; über fünfzig Mark hatte er ihr gegeben.... 19. Als Emma nach Hause kam, hatte sie ganz das Gefühl einer Frau, die mit scheuem Antlitz von ihrem ersten Fehl- tritt heimkehrt. Und sie. die wahrlich von keiner wollüstigen Regung auf jenen schmachvollen Weg' gewiesen wurde, war voller Selbstvorwürfe, für den Betrug und das Unrecht, das sie doch aus reiner Liebe begangen hatte. Georg war bereits zu Hause. Aber er saß im Finstern und sie atmete schon auf, früher als er ihr Heim erreicht zu haben. Oh! hätte sie gewußt, weldhe düsteren Gedanken den Kopf des in der Dunkelheit sitzenden Mannes durchschlichen, sie wäre noch erschrockener gewesen, wie jetzt, wo ihr plötzlich aus dem Finstem die rauhe Stimme ihres Liebsten entgegen- scholl: „Wo warste denn wieder so lange?" Sie bebte und, wäre Licht gewesen, so hätte er das Er- schrecken in ihren Zügen schen müssen. Aber sie nahm sich zu- sammen und erwiderte: „Na, Du weißt doch, daß es immer so lange dauert mit die Abfertigung!" „Ja," sie atmete tief,„aber einjeholt Hab' ich noch»lischt ,-« ich wollte erst/ nal fragen, was De essen mechtst?" „Wat ick essen/ möchte?... Frage!... Jrade als ob et (jeden Dach bei uns Lampreten jibbt... Mir is janz ejal, was sck fresse...!" Sie seufzte... Wie sollte sie es ihm denn bloß erklären, woher sie das Geld hätte?... Sie fieberte ordentlich danach, es ihm zu sagen, damit er sich endlich benihigte über sein Auftreten, das am nächsten Mittwoch stattfinden sollte... „Jeorch, ich muß da noch wat sagen..." ihre Stimme klang ganz verändert bei diesen Worten,„ich war bei die Erna!" „Wat denn for'ne Erna?" Von ihrer Erregung merkte er gar nichts. „Na, Du weißt doch, mit die ich früher zusamm' jewohnt habe... Die hat jetzt'n Jrafen!..." „Det freut mich!... Schaff Du Da doch ooch eenen an!" Sie erschrak... wollte er das wirklich?... hatte er sie am Ende schon satt?... dann war ja das, was sie jetzt eben für ihn und doch nur für ihn getan hatte, ganz nutzlos und verrückt gewesen!.»» Schwer bedrückt und von einer Traurigkeit, wie nie in ihrem Leben befallen, stiitzte sie sich auf den Tisch und blieb so gebeugt eine Weile stehen. Dann aber ging sie semer Stimme nach, zum Feilster, wo er saß, und sagte: „Jeorch, sowas mußte nich sagen!... Du weißt doch, wie ich mir dadrieba jräme... ich tu ja alles, was ich kann> für Dich!" Sie schluchzte.„Aber sowas, nee. das darfst? nich wieder sagen zu mir!" Er brummte. „Na, was is denn mit die Erna, wo de warst!" Und nun,»vo sie endlich»nit dem Gelde herausrücken durfte, wo ihre leicht bewegliche Phantasie es schon sich selbst einzureden begann, die Freundin hätte es ihr wirklich gegeben, nun jauchzte es aus ihr heraus, ein ganzes frommes Märchen, wie sie von der Fabrik gekominen sei,»vo schon die Kasse geschlossen»var, und wie sie ganz zufällig die Erna getroffen hätte, die liebe, gute Erna, die immer so reizend zu ihr gewesen»väre und die ihr auch jetzt sofort fünfzig Mark gegeben hätte l Er glaubte das ohne tveitercs. Nicht allem, weil er's glauben wollte, sondern»veil er selbst eine offene Hand besaß und sofort die Absicht hatte, das Geborgte von seiner Athletengage Zurückzugeben. Nun war er so froh, wie lange nicht. Er selbst machte Licht ai», tanzte mit seiner Liebsten im Zimmer herum und versprach ihr, daß nun bald, bald die Not ein Ende haben sollte! Dann würde sie nicht mehr Tag für Tag an der„ollen dämlichen Maschine" sitzen brauchen, und später könnte sie mit dem Kleinen spielen und alles sollte wieder so schön werden, wie in der Zeit, wo er noch aitf Arbeit ging. Sie lächelte, aber, wenn sie es auch nicht aussprach, be- friedigt war sie durch das. was er sagte,»ncht. Warum redete er nicht vom Heiraten? Schon eine ganze Zeit vermied er es. darüber zu sprechen. Und sie ahnte ganz richtig die Quelle dieser Verstimmung und Sinnesänderung, war aber lieb genug, nichts von ihrer Enttäuschung zu erwähnen. Nachher, wie sie Fleisch geholt und ihm Koteletten ge- braten hatte, bei Tisch, da kam's heraus, daß außer der Angst, nicht auftreten zu können ain Mittwoch, noch anderes an ihm nagte. Er war bei seinem Vater gewesen, und ganz, ganz allmählich erzählte er ihr, die, ohne ihn zu unterbrechen, zu- hörte, daß er einen wütenden Auftritt mit dem Alten gehabt hätte, viel schliinmeer wie damals, als er aus dem Gefängnis zurückkam. Der Alte hätte verlangt, er sollte wieder in Arbeit gehen. Wenn er dabei Unannehmlichkeiten hättte. so tvär' das seine eigene Schuld! Wenn einer Butter auf'm Kopf hat, so soll er nicht in die Sonne gehn! Wozu er denn nötig gehabt hätte, in der Versainmlung das große Wort zu führen? Wer mal so'n Knax weg hat, wie er, der bleibt zu Hause und hält's Maul! Dainit bastal Vor allen Dingen sollte er wieder regelmäßig zu Hause sein und nicht inehr bei dem Frauenzimmer wohnen! Von dem müßte er überhaupt ganz entschieden weg!... Der Alte hatte sich offenbar erkundigt und erfahren, daß Emma Müller früher die schtvarze Em, na und eine Prostituierte gewesen sei... Ob ihm der Herr Sohn etwa auch noch zu all der anderen Schande'ne Schneppe ins Haus bringen wollte, als Schwiegertochter?! Georg gab all das mit hastigen, abgerissenen Worten wieder. Er ersparte dem armen Weibe, das mit verhaltenem Weinen an seiner Seite saß, nichts. Und vielleicht hätte Emma aufbegehrt und mit derselben Münze die Kränkungen heimgezahlt, wenn sie nur nicht vor sich selbst so schuldig gewesen wäre in diesem Augenblick, wo sie das Geld»roch in der Tasche hatte, das sie wieder mit ihrem Leibe, mit ihrer Schande verdient. Was aber Georg nicht erzählte, war, daß er seinem Vater hinsichtlich des Mädchens schon nachgegeben hatte... Erst wie der alte Hellwig auch sein Ablassen von dem „Athletenschwindel" forderte und ihm befahl, mit barschen Worten befahl, sich wieder Arbeit als Knopfdrücker zu suchen, da erst war der große Respekt dieses schon einmal verlorenen Sohnes vor seinem Vater verbraucht und zu Ende. 'Er war schließlich hinausgcganaen und hatte die Tür hinter sich zugeschlagen mit jener üblen Einladung, die die kleinen Leute manchmal aneinander richten, ohne sich viel Böses dabei zu denken... Georg wußte, daß dies das Letzte war. was er seinem Vater gesagt hatte. Dessen Autoritäts- gefühl und väterliches Machtempfinden war viel zu stark, als daß er jemals über solches Wort hinweggekommen wäre. Die arme Emma konnte nichts als ihren Liebsten trösten, dem gerade nach seiner Bestrafung der Vater ein so fester Halt geschienen hatte. Und Georg hatte von jeher eine solche Lebhaftigkeit im Wünschen und Hoffen besessen, daß der, der seinem Begehren im Moment die meiste Nahrung und Gewähr gab, bei ihm voranstand. Augenblicklich war es Emma, die ihm zu dem verhalf, wonach jetzt all sein Dichten und Trachten stand. Auch hatte er sie ja noch lieb, wenngleich sich in seinem Gefühl schon jene Erschöpfung bemerklich machte, die Mannesliebe sast immer erfährt, wenn die ehemals so ersehnte Form un- förmig wird durch die reifende Frucht der Verbindung.,, lFortsetzung folgt.) (Naibdruck BerEottn.) Der DufTchrmed von Dyndeby. Von Martin Andersen-Nexö. (Schluß.) Eines Tages schleppte er sich auf zwei Krücken stöhnend durch die Stadt, während die ganze Straßenjugend ihm auf den Fersen folgte. Wurden ihm aber die Jungen zu zudringlich, so warf er die Krücken von sich und verfolgte sie. Den nächsten Tag spazierte er stramm und steif durch die Straßen, und es war nicht einmal zu sehen, daß er hinkte. Die Leute vermieden es möglichst, ihm in die Quere zu kommen, und trat ihm jemand versehentlich wohlwollend entgegen, so war er selbst der erste, der es ihm verleidete. Man duldete ihn, weil er Geld haben mußte,„wie Heu". Er war ja Freimaurer, diese Leute verkauften sich dem Teufel, um reich zu werden. Und seine einzige Tätigkeit bestand darin, seine Nebenmenschen zu foppen. Das freilich verstand er gründlich. Er hatte zwischen die Pflastersteine einen Pflock getrieben und eine Silbermünze darauf festgenagelt, und wenn die Leute sich bückten, um die Münze auf- zuheben, lag er in seinem Fenster und lachte fie aus. In der Dämmerung pflegte er auch kleine Päckchen auf die Straße zu legen. Entweder war deren Inhalt von zweifelhafter Beschaffen- heit, oder er hatte eine dünne Schnur daran befestigt und zog in dem Augenblick, da einer sich bücken und danach greifen wollte, an der Schnur. Es erregte allgemeine Freude in der Stadt, als es hieß, Baare habe ein HauS im Südlande gekauft. Das Anwesen hatte Felder für zwei Pferde, und außerdem war eine Schmiede dabei. Baare hatte keinen Begriff vom Schmiedehandwerk, aber das hinderte ihn nicht, ganz ruhig die Pflüge und andere Geräte entgegenzunehmen, die die Bauern ihm brachten. Fragten sie, wann sie sie wieder holen könnten, so er- widerte er:„O, Ihr könnt ja einmal diese Woche hereinschauen." Allmählich holten sie ihre Werkzeuge wieder, und die Schmiede stand leer. Indessen machte sich Baare eifrig daran, seinen Boden zu be- stellen. Er ging draußen umher und lärmte und machte viel Wesens, und die Nachbarn standen jenseits der Grenzscheide und ergötzten sich an seiner Landwirtschaft. Als aber Baare die Grenzen wie seinen eigenen Boden pflügte und Sieine und Wurzeln aus feinem Feld auf das des Nachbarn warf, bekam er Prozeffe. Und die waren ihm zuwider. Und so oft Baare verlor, paßte er seinem Widerpart in der Dunkelheit auf und prügelte ihn durch. Es wuchsen viele Disteln auf Baares Acker, und wenn die Nachbarn Sonntags in Hemdärmeln dastanden und mit sichtlichem Wohlbehagen ihre Saat betrachteten, stand Baare auf seiner Seite und sah mit nicht geringerer Freude seine Disteln treiben. Und in den heißesten Tagen des Hochsommers trug der laue Wind den Samen in dicken wolligen Wolken hinüber auf das Feld des Nach- barn. Im nächsten Jahre sah man das Unkraut von seinem Acker aus über die Grenzscheiden hinweg in langen Zungen nach allen Seiten stehen— wie Schneewehen nach einem Gestöber. Und die Nachbarn konnten nichts dagegen tun. Aber die Prozesse kosteten Geld, und die Disteln warfen nichts ab. Baare begann, sich nach einer neuen Einnahmequelle umzu- sehen. Am anderen Ende des Sprengels wohnte ein älterer Bauer, mit welchem Baare mitunter Karten spielte. Der Bauer hatte eine Schwester, deren höchster Wunsch es war, zu heiraten, und er tat das jeinige, um sie abzusetzen; aber es wollte nicht glücken trotz ihrer 20 000 Kronen und des stark entwickelten Sinnes der Be- völkerung für Zahlen mit Nullen dahinter. Sie war nämlich verbissen boshaft und hatte eine Zunge wie Gift und Galle. Kein Teufel könne mit ihr umgehen, hieß es allgemein. Das kitzelte Baares Eitelkeit; es war fast der Mühe wert, zu erproben, ob sie sich nicht zähmen ließe. Und die Zwanzigtausend taten den Rest. Er freite und erhielt ein„Ja". In dem folgenden Jahre lebten die Nachbarn in Vollständigem Frieden vor Baare Hermansen, und wenn er außer Hause war, war er die Nachgiebigkeit selbst. Daheim aber im Schmiedehaus tobte der Kampf von Morgen bis Abend und von Abend bis Morgen. Dieser Kampf war Baare etwas Neues. Früher war stets e r der angreifende Teil gewesen, aber hier war zumeist sie es, die Händel anfing, und dies ohne Rücksicht darauf, ob er aufgelegt war oder nicht. Er warf sich in den Kampf mit der ganzen Un- erschrockenheit, die ihm eigen war, und in sicherer Erwartung des Sieges. Aber dieser blieb aus. An streitsüchtiger Erfindungskunst konnte er sich mit ihr nichk messen, und griff er zum Stocke, so brauchte fie ihr Mundwerk nur um so schlimmer und hüllte ihn in einen Regen von Schimpfworten und Flüchen, so daß es ihm unmöglich war, sich Gehör zu ver- schaffen. Und für jeden Schlag rächte sie sich durch tausend Kleinig. leiten, versteckte ihm seine Sachen, mischte Brechpulber in sein Essen und hielt ihn Nacht um Nacht durch ihr Brummen wach. Er versuchte ihr die Hölle so heiß zu machen, daß fie Reißaus nehme, aber sie hielt tapfer stand, und zuletzt gab er es auf und ging zum Schwager, um ihn zu bitten, fie zurückzunehmen. Aber das mochte der andere um keinen Preis, und fie selbst wollte nichts davon hören.„Ich habe es ja am besten bei meinem lieben Männchen," sagte sie. Da knickte er ganz zusammen und schlich ihr aus dem Wege, und es kam dahin, daß er dankbar war, wenn sie ihn bloß einigermaßen in Frieden ließ. Und seine Mitmenschen hatten nie mehr Grund, über ihn zu klagen. Aber die Tier« desto mehrl Er fand es plötzlich widersinnig, das Vieh anzubinden, um es im Stall zu halten, und fing an, die Tiere abzurichten. Eines Tages kaufte er zwei graue Hengste, hauptsächlich, weil er hörte, daß keiner sie fahren könne. Er nahm sich vor. fie ohne Zügel zu lenken, bloß durch seine Stimme, und tummelte fie von früh bis spät umher. Sie bekamen viel Prügel, und zuletzt hatte er sie so gut dressiert, daß sie seinem leisesten Winke gehorchten und zitterten. sobald sie den Laut seiner Stimme vernahmen. In ihrer Hürde standen sie ohne Halfter, und wenn er fahren wollte, schlug er bloß die Stalltüre auf und klatschte in die Hände; dann kamen sie und stellten sich je an eine Seite der Wagenstange. Seine Macht über diese beiden Tiere war groß. Er konnte fie, ohne Peitsche oder Zügel zu gebrauchen, in das wildeste Tempo bringen, so daß der Schaum um fie stäubte und Funken aus ihren Köpfen stoben, und auf einen Laut von ihm standen sie stille am Flecke. Wenn zur Nachtzeit ein Wagen durch die Straßen der Provinzstadt rasselte, daß die Fenster klirrten und der Kachelofen sang, fuhren die Leute von ihrem Lager auf und sagten:„Da fährt der Hufschmied von Dyndeby heim!" Selbst im dichtesten Dunkel hielt er seine wilden Fahrten ab; und wenn er zur Stadt kam, steckte er bisweilen die Hände in die Tasche und hetzte seine Hengste mit Zurufen weiter. Dann ging es in vollem Galopp ouer durch hie Stadt, die Hafengasse hinab und die lange schmale Hafenmole dahin. Und ganz draußen auf der Mole hielt er die Rosse mit einem Pfiff an. Er kannte keine Furcht. EineL Tages sollte ein großer böser Stier in die Stadt gebracht und von fit eingeschifft werden. Es waren vier Männer um ihn, und er halte einen Ring in der Nase, ein Spannseil um das Vorderbein und eine Bind« vor den Augen. Trotz alledem riß er sich von den Männern los und richtete furcht- bare Verwirrung an. Da nahm Baare Hermansen eö auf sich, ihn zur Stadt bringen. Er band ihn an das Hinterbrett seines Wagens fest, nahm ihm die Binde ab und setzte dann das Fuhrwerk in langsame Bewegung. Nach und nach beschleunigte er aber die Fahrt, so daß der Stier genug zu tun hatte, um Schritt zu halten, und sie erreichten den Hafen, ohne daß der Stier die geringsten Schwierigkeiten gemacht hätte.„Der fürchtet fich wahrhaftig nicht." sagten die Leute. Nur seiner Frau gegenüber war er nicht kühn. Er mied ihre Nähe nach Möglichkeit und tummelte sich beständig mit seinen Hengsten auf den Fahrstraßen. Gab eS eine Arbeit, für die die Bauern ihre Pferde für zu gut hielten, so übernahm er fie. Er führte Steine zu Bauten und Gemeindewegen, und sollte ein Dariipfdrcschwerk versetzt oder die Straße mit der großen Stein- trommel geschottert werden, eine Arbeit, zu welcher man vier bis sechs Pferde brauchte, so bewältigte er sie mit seinen beiden Hengsten. Es gab nichts, von dem es hieß, daß sie es nicht könnten. Stieß er seinen drohenden Zuruf aus, so legten die beiden Tiere sich zitternd in die Zügel, und dann mußte entweder der Zugriemen springen oder das Ding fich rücken. Eines Tages hatten sie die große Steintrommcl für sechs Pferde eine Viertclmeile über neugeschottcrten Weg gezogen. Nun standen fie, die Köpfe im Futtersack vergraben, und Baare saß im Skraßsngraven un5«ß fein Vesperbrof. Die Bremsen quUtcn sie, und eines von ihnen legte den Huf auf den Futtersack, um ihn abzustreifen. Baare rief dem Tiere zu, es hielt einen Augenblick ein, begann dann aber von neuem. Da fuhr er empor und vor die Köpfe der Hengste hin, griff ihnen in die Nüitern und drängte sie gewaltsam hinüber zu der Trommel. Die Hengste prusteten, erhoben sich auf den Hinterbeinen und hoben ihn in die Luft. Aber er ließ nicht los. Zweimal hoben sie ihn empor und schleuderten ihn zur Erde; da fiel er nieder, und das drittemal zerstampften sie ihn mit ihren Hufen. So kam der Hufschmied von Thndeby in seiner zweiten großen Niederlage ums Leben. Die Witwe machte wiederholte Versuche, sich selbst, sowie die unlenkbaren Hengste, anzubringen, aber so ge- fürchtet war sie samt den Tieren im ganzen Umkreis, daß niemand mit einem von ihnen anzubinden geneigt war. So standen sie alle drei„auf Lager" und wurden fett, bis der Tod sich der einen und der Roßschlächter sich der beiden anderen erbarmte. Von der Hpfclfme und ihren Verwandten. Von E. Schenlling. II. Während die Spielart Vitras sinonsis dadurch charakterisiert ist, daß ihre kugelige Frucht eine glatte oder gestreiste Schale und einen süß-säuerlichcn Söst besitzt, zeigt Citrus aurantium, die süße Pomeranze, nach der der Flecken Pomerance in Toscana seinen Namen führen soll, eine mehr ellepsoidische Frucht mit stets glatter Schale und süßem Sast. Während beide Varietäten im großen und ganzen also ineinander übergehen, steht die bittere Orange oder bittere Pomeranze als leicht kennttich da. Nicht nur, daß Rinde wie Fruchtfleisch einen bittersauren Geschmack haben, die tief orangefarbene Schale ist auch höchst uneben, welche Eigentümlichkeit der Frucht die Namen Warzenpomeranze und Bigarade